Wirtschaft und Soziales


Happy_HumanDie Humanisten sehen in der Marktwirtschaft die einzige Form vernünftigen Wirtschaftens. Die Marktwirtschaft ist die einzige Wirtschaftsordnung, die mit individueller Freiheit vereinbar ist. Gleichzeitig hat die Marktwirtschaft immer wieder deutlich gemacht, dass nur sie allgemeinen Wohlstand begründen kann.

Eine konsequente Ausrichtung an der Marktwirtschaft bedeutet nicht, den Interessen der Mächtigen der Wirtschaft zu Diensten zu sein. Vielmehr ist die Marktorientierung das Eintreten für den Wettbewerb und das Zurückdrängen von Monopolisierung und Kartellbildung. Es gilt heute mehr denn je die Aussage von Walter Eucken: „Die Wirtschaftspolitik der Wettbewerbsordnung unterscheidet sich  von einer Politik der Freien Wirtschaft mehr, als sich die Wirtschaftspolitik der Freien Wirtschaft von der Zentralverwaltungswirtschaft in den letzten Jahrzehnten unterschied“.  Ziel marktwirtschaftlicher Politik ist nicht die Pflege der oligopolistischen Marktordnung, sondern der Einsatz für eine Marktwirtschaft, die sowohl von staatlicher Willkür wie von privater Wirtschaftsmacht frei ist.   

Die Marktwirtschaft ist die Wirtschaftsordnung, die ein Maximum an Wohlstand generieren kann. Zweifelsfrei hat die Entwicklung der Wirtschaft in den letzten zweihundert Jahren auch soziale Verhältnisse hervorgebracht, die zu Recht Kritik und den Wunsch nach Verbesserung laut werden ließen. Die Notlage der Arbeiter, die Marx eindringlich und richtig schilderte, ist von ihm unrichtig erklärt worden. Der große Irrtum in der Analyse von Marx ist die Tatsache, dass er die Marktformen ignorierte. Nicht die Trennung der Menschen in Eigentümer von Produktionsmittel und arbeitsuchenden Menschen ist die Ursache, sondern dass die Arbeitgeber, denen die Maschinen gehörten, in monopolistischen Marktformen nachfragten.

Häufig wird die ungleiche Einkommensentwicklung der letzten Jahre beklagt. Es ist deshalb zu beachten, dass zwischen Leistungsentgelt und der wirtschaftlichen Aktivität eine positive Korrelation besteht. Bei einer sehr gleichmäßigen Einkommensverteilung würde das Volkseinkommen geringer sein als bei einer ungleichmäßigeren, sofern sich die Ungleichmäßigkeit in jenen Grenzen hält, die von der Leistungsmotivation gedeckt sind. Eine hohe Wachstumsrate ist nur um den Preis einer ungleichmäßigeren Einkommensverteilung zu haben, eine gleichmäßigere kostet Wachstum. Ökonomische Ungleichheit ist unter einer Bedingung zu akzeptieren: Sie muss sich zum größtmöglichen Vorteil für die am wenigsten begünstigten Gesellschaftsmitglieder auswirken. Die Förderung der sozial Benachteiligten muss absolut gesehen werden und nicht relativ.

Das Eintreten für eine marktwirtschaftliche Ordnung bedeutet keineswegs die Schleifung des Sozialstaats. Eine vitale und dynamische Wirtschaft ist Voraussetzung für soziale Wohlfahrt. Der Sozialstaat kann nicht finanziert werden, indem man die innovativen Unternehmen, Leistungswilligen und Unternehmensgründer übermäßig mit Abgaben belastet und den wirtschaftlichen Standort belastet und damit in der Konsequenz die gesamte Wirtschaftskultur lähmt. Sozialleistungen sind nur dann dauerhaft gesichert, wenn Dynamik und Wachstum die Wirtschaft stärken.

Die Wirtschaft hat einen Anspruch auf faire Rahmenbedingungen. Das heißt, dass sie von unnötigen Belastungen befreit wird. Unsinnige Steuervorschriften, wie z. B. die Hinzurechnungen bei der Gewerbesteuer,  sind zu beenden und die Steuertarife sind so zu gestalten, dass sie nicht das Wachstum behindern. Gleichzeitig muss der Wirtschaft klar werden, dass sie ein Teil der Gesamtgesellschaft ist und nicht gegen sie handeln kann. In einer älter werdenden Gesellschaft hat die Wirtschaft Maßnahmen zu ergreifen, die Verbesserungen für ältere Arbeitnehmer zur Folge haben. Die Wirtschaft muss für Arbeitsbedingungen sorgen, in welchen junge Menschen mehr Mut zur Familiengründung entwickeln können.

Ein Mindestlohn ist anzustreben. Dies ist keine Aushöhlung des marktwirtschaftlichen Prinzips. Es wird damit nur ein Zustand korrigiert, in welchem der Staat durch Aufstockungsleistungen an Geringverdiener die Unternehmen indirekt subventioniert.

Menschen, die in Not geraten sind, verdienen die Unterstützung der Gesellschaft. Es ist nur eine Minderheit, die den Sozialstaat ausnutzt, deshalb muss der Grundsatz „Fördern und Fordern“ auch zukünftig gelten.         

Im Sinne der sozialen Gerechtigkeit  ist eine Steuerprogression zu begrüßen. Sie soll den Verteilungsprozess im Rahmen der Wettbewerbsorientierung korrigieren. Um die Wettbewerbsordnung zu erhalten, ist es nötig, die Progression zu begrenzen. So notwendig die Progression unter sozialem Gesichtspunkt ist, so notwendig ist es zugleich, durch die Progression nicht die Leistungsbereitschaft zu gefährden.

Für die Humanisten sind Vollbeschäftigung und solide Staatsfinanzen grundlegende Ziele. Deshalb ist mittelfristig eine deutliche Senkung der Staatsverschuldung anzustreben. Die Schuldenbremse ist hierzu ein bedeutsamer Anfang. Dass kurzfristige mit Schulden finanzierte Konjunkturprogramme keineswegs für eine nachhaltige Verbesserung der Vollbeschäftigung sorgen, sondern vielmehr langfristig zu einer Strangulation des Staates führen, hat die Schuldenkrise in der EU überdeutlich gezeigt. Die Humanisten versprechen sich durch eine vitale Marktwirtschaft eine bessere Wirkung für die Erwerbsquote.

Die Humanisten begrüßen im Grundsatz Arbeitnehmerschutzrechte. Es ist aber im Einzelfall zu überprüfen, inwieweit diese Beschäftigung hemmenden Effekt erzielen. (in Spanien hat das Schutzrecht für junge Arbeitnehmer dafür gesorgt, dass Spanien die höchste Jugendarbeitslosigkeit in der EU hat)

Die Humanisten fordern ein klares und vereinfachtes Steuerrecht. Das gegenwärtige Steuerrecht ist wegen der Kompliziertheit nicht mehr zumutbar. Diese Kompliziertheit führt dazu, dass für gleiche Steuertatbestände von den Steuerberatern und den Finanzämtern verschiedene Lösungen ermittelt werden. Steuerberater dürfen nicht mehr Steuerrater sein. Es ist auch auf dem Gebiet des Steuerrechts Rechtssicherheit zu gewährleisten.

Es sind Vorkehrungen zu treffen, dass inflationsbedingte Einkommenserhöhungen nicht mehr zu automatisch von höheren Tarifen erfasst werden. Die sogenannte „kalte Progression“ ist eine stille und automatische Steuererhöhung. Sie ist wirksam zu begrenzen.

Voraussetzung der Marktwirtschaft ist der Wettbewerb. Es sind Maßnahmen zu ergreifen, die den Wettbewerb sicherstellen bzw. für mehr Wettbewerb sorgen. Einer „vermachteten Wirtschaftsstruktur“ (Walter Eucken) ist entgegenzuwirken. Hierzu gehört auch die Förderung von Existenzgründungen.

In der Marktwirtschaft sind Insolvenzen ein natürlicher Sachverhalt. Es ist durch ein entsprechendes Insolvenzrecht sicherzustellen, dass auch Großbanken in der Insolvenzverwaltung ihren systemnotwendigen Verpflichtungen nachkommen können.

Aufgrund der demografischen Situation ist eine längere Lebensarbeitszeit nicht zu vermeiden. Es sind deshalb Anstrengungen zu unternehmen, um Arbeitnehmer länger in der Erwerbstätigkeit zu halten. Ein späterer Renteneintritt bei einem gleichzeitigen Verdrängen der älteren Arbeitnehmer durch ihre Arbeitgeber ist nicht länger hinzunehmen.

Die Humanisten sind im Grundsatz gegen staatliche Beteiligungen an Großunternehmen. Aber im Gegensatz zur FDP ist dies kein unerschütterliches Dogma. Ein staatliches Engagement an einem Unternehmen kann im Sinne der Marktwirtschaft sein, wenn dieses Unternehmen nach einer Übernahme mit dem übernehmenden Unternehmen zu einem Monopol wird. Die Verhinderung von Monopolstrukturen ist im Interesse des marktwirtschaftlichen Systems wichtiger als die Herkunft des Eigenkapitals. Solange staatliche Unternehmen sich in Wettbewerbsmärkte einordnen und die Preisbildung auf den Märkten nicht durch staatliche Subventionen gestört ist, sind sie in der Wettbewerbsordnung erträglich. 

Das Patentrecht ist zu reformieren. Es war Absicht, mit Patentrecht die technische Entwicklung zu fördern und den Erfinder zu schützen. Die Geschichte hat gezeigt, dass das Patentrecht eine starke Tendenz zur Monopolbildung und zur Konzentration ausgelöst hat. Patentinhaber sollten verpflichtet sein, die Benutzung einer Erfindung gegen eine angemessene Lizenzgebühr jedem ernsthaften Interessenten zu gestatten. In Bezug auf lebenswichtige Medikamente in ärmeren Ländern hat sich eine internationale Debatte über den Patentschutz entwickelt. So kämpft die „Treatment Action Campaign“ (TAC) in Südafrika für mehr Wettbewerb auf dem Pharmamarkt. Sie fordert, dass die Märkte durch die Abschaffung des Patentschutzes für Anti-Aids-Medikamente für kleinere Pharmahersteller geöffnet werden. Tausende von Menschen sind in den letzten Jahren an Krankheiten wie Aids oder Malaria gestorben, weil die Oligopolgewinne die lebenswichtigen Medikamente unbezahlbar gemacht haben. Die Versorgung der Kranken würde besser aussehen, wenn auf dem Pharmamarkt ein echter Wettbewerb herrschen würde.

Tausende von unabhängigen Saatgutunternehmen sind in den letzten Jahrzehnten verschwunden. Millionen von Landwirten wird das Recht genommen, ihr eigenes Saatgut weiter zu vermehren und damit Vielfalt zu sichern. Immer weniger Oligopole entscheiden über Ernährungsgrundlagen, von denen die Menschheit abhängt. Es ist zu prüfen, ob hier eine Reform des Sortenschutzrechtes Abhilfe schaffen könnte.

 

Weitere Arbeiten zum Thema zum Thema der geplanten Partei "Die Humanisten" siehe hier.

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Übers Freitagsfasten


Cordon-bleu-2US-Bischöfe lockern Fastengebot für Fleisch

Das meldete religion.ORF am 1.4.2020 – es ist aber kein Aprilscherz!

Es heißt dort: " Einige römisch-katholische US-Diözesen haben verlautbart, ihren Gläubigen wegen der Coronavirus-Krise das Essen von Fleisch am Freitag in der Fastenzeit zu erlauben. Bischöfe reagieren damit auf die Einschränkungen bei der Lebensmittelversorgung. (…) Dazu gehört unter anderem die Schwierigkeit, Fisch zu kaufen."

Ja, das ist eine traditionelle und ungeheuer erfolgreiche Großheuchelei der katholischen Kirche! Weil der Jesus freitags gekreuzigt worden sein soll war früher freitags ein Fasttag! Und weil die Kleriker nicht jeden Freitag Hirsebrei fressen wollten, erklärte die katholische Kirche das Fleisch der Fische zum Nichtfleisch und zur Fastenspeise, fettgefressene Prälaten konnten somit freitags fette Karpfen fressen!

Der Fasttag an jedem Freitag wurde von der katholischen Kirche schon in den 1960er-Jahren abgeschafft, geblieben sind die fleischfreien Freitage nur in der Fastenzeit vom Aschermittwoch bis Ostersamstag, 2020 also die sieben Freitage vom 26.2. bis zum 11.4.

Wie viele Katholiken werden sich noch um die Fastenzeit kümmern? Vielleicht die Übergewichtigen?

Was ist von dieser katholischen Fleischheuchelei geblieben?
Hier das Menü vom Freitag, den 3.4. eines willkürlich im Net ausgesuchten Lokals: "Klare Lauchsuppe, Fischfilet gebacken mit Petersilienerdäpfel, Salat". Und ebenso zufällig erwählt eine Betriebskantine: "Backerbsensuppe, Nudel mit Wildlachs und Salat, Dessert".

Meinereiner ißt gerne Fisch, er schmeckt ihm!
ABER NIEMALS AM FREITAG!
Da gibt's Cordon bleu!




Jeder nach seiner Façon


"Jeder soll nach seiner Façon selig werden", so schrieb am 22. Juni 1740 Friedrich II, König von Preußen, und dokumentierte damit die für Preußens wirtschaftliche Entwicklung wichtige Toleranz gegenüber Einwanderern und religiösen Minderheiten, vor allem Hugenotten und Katholiken. Diese Toleranz sowie die endgültige Abschaffung der Folter 1754 sind herausragende Größen seiner Amtszeit. Die aus dem re-katholisierten Frankreich geflohenen protestantischen Hugenotten genossen dabei wohl die größten Freiheiten mit wirtschaftlichen Starthilfen, Steuerprivilegien und zunächst sogar eingeschränkter eigener Gerichtsbarkeit. Dass diese Toleranz sich nicht etwa nur auf „Christen“ reduzierte beweist ein Brief Friedrichs ebenfalls aus dem Jahre 1740:

„Alle Religionen seindt gleich und guht, wan nuhr die Leute, so sie profesieren , erliche Leute seindt, und wen Türken und Heiden kähmen und wolten das Land pöbplieren, so wollen wier sie Mosqueen und Kirchen bauen“.

Die Eingewanderten integrierten sich und assimilierten schließlich mit der einheimischen Bevölkerung. Nur ihre Namen wie z.B. de Maizière zeugen noch bis heute davon, dass sie einst aus der Fremde kamen. Insoweit kann man Brandenburg-Preußen des 18. Jahrhunderts durchaus als Musterbeispiel für gelungene Integration anführen. 

Der Zuzug nach Deutschland setzte sich im 19. und 20. Jahrhundert fort. Mit der beginnenden Industrialisierung zog es zunächst viele Polen aus den preußischen Ostgebieten (Polen existierte nicht als Staat) vor allem ins Ruhrgebiet und dämpften den Mangel an Arbeitskräften. Später zogen andere Nationalitäten nach: Italiener, Serbokroaten, Spanier, Griechen und viele andere mehr. Niemand nimmt heute ernsthaft Anstoß an Namen wie Podolski, di Lorenzo, Olic und anderen. Sie alle sind „gute Deutsche“ geworden. Deutschland ist eben nie wirklich „rasserein“ im Sinne der verquasten Blut- und Boden-Theorie der Nationalsozialisten gewesen, wahrscheinlich zu seinem Glück. Doch plötzlich soll das für Özdemir nicht mehr gelten? Was ist an Özdemir ungewöhnlicher für deutsche Lippen und Ohren als Podolski? Oder liegt es wirklich an den religiös-kulturellen Unterschieden zwischen den Immigranten und der aufnehmenden Gesellschaft?

Dabei ist die Gegenwart von Moslems in Deutschland doch durchaus nichts Neues. Bereits

im Jahr 1732 ließ der Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. in Potsdam am Langen Stall einen Gebetssaal für zwanzig seiner türkischen Gardesoldaten errichten. Die älteste erhaltene deutsche Moschee steht seit 1928 in Berlin, die Wilmersdorfer Moschee, ein prächtiger Bau (http://www.eslam.de/begriffe/w/wilmersdorfer_moschee.htm). Nun gut, inzwischen sind es mehr geworden, ca. 340 als solche erkennbar, nicht gezählt die so genannten Hinterhofgebetsräume, die niemand wirklich will. Auf  knapp 12.000 Moslems in Deutschland kommt gerade mal eine einzige Moschee, dagegen auf knapp 900 Protestanten eine Kirche. Von einer Überrepräsentanz im öffentlichen Erscheinungsbild kann also wohl kaum geredet werden.

Eine aufgeheizte und feindselige Debatte

Trotz dieser Fakten wird die Debatte über islamische Einwanderung mit ungeahnt schrillen Tönen von Befürwortern und Gegnern geführt. Das geht hin bis zu völlig substanzlosen Beleidigungen. Zum beliebtesten Neologismus in diesem Streit scheint  dabei die Wortschöpfung „Hassprediger“ für Aktivisten beider Seiten zu avancieren. Islamkritiker wie Henryk M. Broder werden dabei gern in die Ecke von „faschistischen Antisemiten“ gestellt, Islambefürworter müssen sich den Vorwurf des „Verrats am Volkswillen“ anhören. Irrationale Ängste dienen auf beiden Seiten zur Emotionalisierung der jeweiligen Gefolgschaften, „schleichende Islamisierung“ hier gegen „Aussterben der deutschen Bevölkerung“ dort. Es fällt langsam schwer, sich durch den Wust an veröffentlichten Meinungen hindurchzuarbeiten, um zu den Fakten und auch den objektiven  Schwierigkeiten dieses Dialogs zwischen Immigranten und aufnehmender Gesellschaft vorzustoßen.

Was seit Jahrhunderten relativ reibungsfrei funktionierte scheint in ein großes Desaster zu münden. Deutschland ist nun seit einigen Jahren auch offiziell ein Einwanderungsland und seitdem klappt es einfach nicht mehr mit der Integration. Es scheint so zu sein, dass sich die Probleme wirklich an der andersartigen Religion Islam festmachen lassen, denn weiterhin gibt es mit Einwanderungen aus dem europäischen Raum oder aus Asien keine sonderlichen Schwierigkeiten. Schauen wir uns also genauer an, was Aufnehmende und Aufgenommene jeweils an gegenseitigen Forderungen stellen, um besser beurteilen zu können, wo sich mögliche Kompromisslinien für gegenseitiges Verstehen abzeichnen. Kann der Disput in zivilisatorisch vertretbare Bahnen gelenkt werden?

Die Voraussetzungen aus bisher unbeachteter säkular-humanistischer Sicht

Die grundgesetzlich zugesagte Garantie von Religions-, Presse-, Kunst- und  Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, für das sich alle demokratischen Menschen stark machen und für deren Erhalt und Ausbau sie sich aktiv einsetzen sollten. Diese Grundrechte werden in Deutschland in vielfältiger Weise ausgehöhlt. Das beginnt bereits mit der Anerkennung von Religionsgemeinschaften als Körperschaften „öffentlichen“ Rechts bis hin zum Einzug einer Kirchensteuer, der man sich nur durch „Austritt“ entziehen kann, weil in aller Regel andere, nämlich die Eltern, über den „Eintritt“ entschieden haben. Die Organisation der Religionsgemeinschaften nach Vereinsrecht wäre daher die erste dringliche Maßnahme, um überbordende Privilegien einiger weniger Religionen oder Konfessionen abzubauen. Die große Mehrzahl der Religionen ist nämlich nicht nach öffentlichem Recht organisiert. In solche Vereine könnte jeder wenn er denn will ab Beginn der Geschäftsfähigkeit eintreten und hätte dann natürlich seine Vereinsbeiträge zu entrichten.

Die Finanzierung der Religionsgemeinschaften aus allgemeinen Steuermitteln ist sofort zu beenden. Hierzu gehört auch die Anerkennung sogenannter Bekenntnisschulen, religionsgebundener Kindergärten, Krankenhäusern und anderer karitativer Einrichtungen, die, ohne dass die Mehrheit der Kirchensteuerzahler es überhaupt mitbekommt, bis auf wenige Prozentpunkte aus öffentlichen Mitteln finanziert werden. Überspitzt gesagt: Die Allgemeinheit, religionsgebunden oder nicht, bezahlt dafür, dass sich Religionen ein Mäntelchen der Barmherzigkeit umhängen können. Oder mit einem konkreten Beispiel: jeder Steuern zahlende Moslem finanziert mit seinem Obolus, dass sich z.B. die katholische Kirche repräsentativ in der Öffentlichkeit darstellen kann.

Eine Lösung auf Vereinsbasis würde solche Unsinnigkeiten verhindern. Wenn jemand Bekenntnisschulen, gleichgültig ob christlich, moslemisch oder humanistisch (wie jetzt in Bremen), einrichten will, wogegen überhaupt nichts einzuwenden ist, sofern sich solche Schulen an die allgemein verbindlichen Lehrpläne halten, so soll er sie gefälligst zu 100% selber finanzieren – als Privatschule mit Gebühren oder aus Vereinsmitteln. Es können hier natürlich nur Teilaspekte betrachtet werden, doch gilt das Gesagte sinngemäß für alle Bereiche, in denen die Religionsgemeinschaften überprivilegiert sind.

Erst wenn über einen solchen Privilegienabbau nachhaltig entschieden wird, mithin die Laizität des Staates endlich als oberstes Gebot anerkannt wird, kann sinnvoll über die Integrationsfrage von moslemischen Einwanderern neu nachgedacht werden. Warum?

Moslems fordern durchaus zu Recht und unter Bezug auf das Grundgesetz, dass sie wie alle anderen Religionsgemeinschaften behandelt werden. Da das aber bereits grundgesetzlich garantiert ist, geht ihr Vorstoß offensichtlich noch in eine ganz andere Richtung. Sie wollen dieselben grundgesetzlich nicht abgedeckten Privilegien wie die akzeptierten Religionsgemeinschaften, mit anderen Worten: sie wollen auf die Gesellschaft als Ganzes Einfluss ausüben. Hier liegt die eigentliche Crux des Problems. Während nämlich seit der Aufklärung die Kirchen, wenn auch zähneknirschend, die Vorherrschaft weltlichen Rechts vor kirchlichem Recht anerkennen mussten und sich somit in gewissem Umfang in diese Rolle gefügt haben, verfolgen Muslime, die ohne vergleichbare Aufklärung ihren Weg in der westlichen Welt suchen, unter dem Strich eine andere Gesellschaftsordnung (siehe Demokratie oder Islam ), da schon vom Prinzip her von Menschen gemachtes Recht nicht höher stehen darf als „göttliches“ Recht.

Ist denn ein auf den privaten Bereich beschränkter Islam, das heißt ein an die demokratischen Strukturen des Okzidents angepasster Islam, überhaupt denkbar? Betrachtet man die Masse der moslemischen Einwanderer in Deutschland, so scheint dies durchaus möglich. Die Mehrzahl will ganz offensichtlich ihre Religion leben, ohne weitergehende Ansprüche daraus abzuleiten. Allerdings hat diese Masse keine Stimme. Betrachtet man das Vorgeplänkel zur DIK II, merkt man schnell, dass die dort vertretenen Verbände ganz andere Ziele im Sinn haben. Sie geben vor, die Mehrzahl der Moslems in Deutschland zu vertreten, Abstimmungsergebnisse aufgrund von intelligent an Moslems gestellten Fragen darüber liegen aber nicht vor. Die Verbände sind aber die Meinungsführer. Weitsichtige Moslems wie etwa Necla Kelek (http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,686385-2,00.html) oder Bassam Tibi (http://en.wikipedia.org/wiki/Bassam_Tibi und http://www.spiegel.de/international/spiegel/0,1518,440340,00.html) haben in diesem Umfeld keine Chance. Für die Hardliner der Verbände sind Wörter wie „Euro-Islam“, also ein in die demokratischen Strukturen des Westens eingepasster Islam, Fremdwörter, und die sind bedrohlich, weil dabei die „reine Lehre“ verloren gehen könnte.

Der Innenminister tut also gut daran, neben den Verbänden zur DIK auch nicht organisierte Moslems einzuladen und ihnen eine Stimme zu geben. Auch Ex-Moslems wie z.B. Mina Ahadi können durchaus dazu beitragen, die Gefahren einer ungezügelten Ausbreitung einer über die reine Religion hinausgehenden islamischen Ideologie zu belegen und in die Diskussion einzubringen.

Fazit

Aus säkularer Sicht lässt sich mithin zeigen, dass feinsinnige Unterscheidungen zwischen Islam und Islamismus, gedacht zur Unterscheidung zwischen gemäßigten und extremen Kräften, wenig hilfreich sind, wenn es darum geht, Religionen im Allgemeinen die Begrenzung ihrer Wirkungsmöglichkeiten zu zeigen. Auf Entgegenkommen der Beteiligten darf man dabei nicht hoffen, weil diese Begrenzungen alle treffen müssen, wenn einigermaßen Aussicht auf Erfolg bestehen soll. Auch die von linker Seite vorgeschlagene Differenzierung zwischen Islam und politischem Islam (s. etwa Thomas Schmidinger: „Gottesstaat und Demokratie“) ist nicht wirklich hilfreich, da sie nur der oberflächlichen Befriedung dient, das Problem aber nicht im Kern anpackt.

Integration ist möglich, entgegen dem populistischen Geschrei auf Sites wie pi-news.net, sogar sehr gut möglich, wenn jeder die Grenzen kennt und einhält. Hier hat die Islamkonferenz eine große Aufgabe, der sie bisher nicht einmal im Ansatz gerecht wird.

Wer es wirklich ernst meint mit der Integration von Muslimen in Europa, kommt um klare Definitionen und Begrenzungen der politischen Einwirkungsmöglichkeiten von Religionen nicht herum. Schon der „Alte Fritz“ hätte es sich wohl verbeten, wenn jemand aufgrund seiner Religion versucht hätte, auf seine Staatsführung Einfluss zu nehmen. Beschränken wir uns also auf das Wesentliche, so können wir mit Friedrich II nur wiederholen:

Jeder soll nach seiner Façon selig werden

Hoffen wir, dass das in absehbarer Zukunft auch für säkulare Humanisten (Friedrich: „Heiden“) gilt!

 

 

Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

 




fowid über die Staatsleistungen der BRD von 1949 bis 2020


fowidWEIMAR. (fowid/fgw) Die Zahlungen der Bundesländer (außer Hamburg und Bremen) an die evangelische und katholische Kirche belaufen sich im Jahr 2020 auf rund 570 Mio. Euro (569.537.500 Euro). Damit werden (seit 1949) am Jahresende 2020 insgesamt 19 Mrd. Euro (18.985.732 Euro) aus allgemeinen Steuergeldern an die beiden Kirchen gezahlt sein.

 

Jedes Jahr publiziert die Humanistische Union die Recherchen von Johann-Albrecht Haupt zu den Staatsleistungen der Bundesländer (außer Hamburg und Bremen, die als Freie und Hansestädte traditionell keine dieser Staatsleistungen an die Kirchen zahlen). Dieser Recherche zugrunde liegen die Haushaltspläne der Bundesländer, wobei geplante und tatsächliche Zahlungen weitestgehend identisch sind. 2020 werden es 569.537.500 Euro sein.

 

(…)

 

Das Bundesland mit den im Nennwert höchsten Zahlungen ist Baden-Württemberg (132 Mio. Euro), gefolgt von Bayern (102 Mio.) und Rheinland-Pfalz (62 Mio.).

 

(…)

 

Betrachtet man sich jedoch die Zahlungen der Bundesländer pro Kopf der Kirchenmitglieder in ihrem Bundesland, so sind alle fünf Neuen Bundesländer die Spitzenreiter. Mit weitem Abstand zahlt Sachsen-Anhalt pro Kirchenmitglied den höchsten Betrag (108,25 Euro), gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern (47,41) und Thüringen (44,37).

 

(…)

 

Die auffallend geringen Zahlungen pro Kirchenmitglied in Nordrhein-Westfalen (2,14 Euro) sowie dem Saarland (93 Cent) haben historische Gründe zum Zeitpunkt der Vereinbarung dieser Zahlungen.

 

Davon abgesehen sind alle diese Staatsleistungen rechtswidrig, da sie nach dem Ablösungsgebot der Weimarer Reichsverfassung von 1919 vereinbart wurden (Verbot der Neuvereinbarung von Staatsleistungen) und ebenso ein notwendiges Grundgesetz zur Ablösung (seit 101 Jahren) nicht vorhanden ist.

 

Seit 1949 (Beginn der Bundesrepublik Deutschland) werden Ende 2020 von den Bundesländern insgesamt 18.985.732.000 Euro gezahlt worden sein. (Die Staatsleistungen von 629.425.293 Mark der DDR, die von 1949 bis 1989 in der DDR an die Kirchen gezahlt wurden, sind dabei nicht berücksichtigt.)…

 

Mehr dazu auf der  Webseite der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland.

 

 

(CF)

 

http://www.freigeist-weimar.de/beitragsanzeige/fowid-ueber-die-staatsleistungen-der-brd-von-1949-bis-2020/

 
29.03.2020




Der Falschspieler - von Jonathan


Dieses Thema handelt von der christlichen Vorstellung der Anfänge der angeblich von Gott geschaffenen Welt und des kurz darauf eintreffenden Übels, scheinbar ausgelöst von einer Person, die als Satan der Teufel in der Bibel beschrieben wird.

Ich selbst verstehe es als kritische Hinterfragung, wenngleich es als purer Spott, vielleicht sogar Hass in den Augen eines eifrigen Theisten gesehen werden dürfte.

Wie auch immer sie aufgefasst wird, mir liegt es fern, jemanden mit meinen Aussagen zu kränken oder auf den Schlips zu treten, jedoch befürchte ich, dass sich eben dieses nicht vermeiden lassen wird im Zuge der Auseinandersetzung mit dem Thema.

In diesem Fall möchte ich darum bitten, meine Intention, nämlich die kritische Hinterfragung, zu berücksichtigen und sich die eine oder andere Äusserung vielleicht nicht ganz so sehr zu Herzen zu nehmen.

Doch bevor ich beginne meine Gedanken darzulegen, möchte ich noch einmal darauf hinweisen, dass es sich nur um eine These handelt.

Und da eine These eine Behauptung ist, deren Begründung infrage steht, hoffe ich, dass auch mit dieser als einer solchen umgegangen wird. Sie ist infrage zu stellen.

Vorab ein paar Worte zu einem der beiden „Protagonisten“, Satan.

Wer oder was ist eigentlich Satan? Man kennt ihn unter den verschiedensten Kosenamen. Gog von Magog, Urschlange, Teufel, Belzebub, und und und.

Die Bezeichnung „Satan“ kommt aus dem Hebräischen und bedeutet so viel wie „Widersacher“. In der Bibel wird er auch Ankläger Gottes genannt, wie aus Sacharja 3:1 hervorgeht, wo gesagt wird, dass Gott dem Satan verbietet, eine Anklage vorzubringen. Auch die Bezeichnung Zweifler ist sehr treffend. Das zeigt das erste Kapitel im Bibelbuch Hiob, in welchem Satan Hiobs Lauterkeit anzweifelt. Und wie wäre es mit Versucher? Passt hervorragend, wenn man im Hinterkopf behält, dass er ja Jesus auf einem Berg drei Mal hintereinander versuchte (Nachzulesen in Matthäus 4:1-11).

Scheinbar ein ziemlich fieser Kerl. Na ja, es kommt sicherlich auch nicht von ungefähr, dass man ihn für alles Übel auf der Welt verantwortlich macht, wenn man bedenkt, dass er ja im Garten Eden die erste Frau dazu veranlasste, vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse zu essen und somit Unvollkommenheit inklusive Sünde über die Menschheit brachte.

(In den Hebräischen Schriften aber bezieht sich das Wort ßatán nicht nur auf das Geistgeschöpf, welches sich als Gegner Gottes darstellt. In vielen Fällen bezeichnet es Personen, die Widerstand gegen andere leisteten, aber das nur am Rande.)

Kurze Beschreibung abgeschlossen, widmen wir uns der Person des Satans in der Bibel.

Die sicherlich bekannteste Stelle ist die, in welcher er durch eine Schlange Adam und Eva dazu treibt, vom bereits genannten verbotenen Baum zu essen.

Was hat er damit ausgelöst?

In Kurzform wurde es bereits gesagt, Unvollkommenheit und die damit einhergehende Sünde waren die Konsequenzen. Doch was war das genau? Was geschah dort eigentlich, wenn man ein wenig hinter die Geschichte blickt, die man so leichtfertig dahersagt?

Mal ins Details gegangen:

Gott schuf den Garten Eden. Garten wird in der Septuaginta (der ersten griechischen Bibelübersetzung) mit paradeisos wiedergegeben, was auf ein Paradies schließen lässt.

Gott schuf also dieses Paradies, und, vollkommen und perfekt wie Gott nun einmal ist, sollte man davon ausgehen, dass das, was er schafft, auch perfekt durchdacht und schlichtweg gut ist. Und wenn schon nicht ganz perfekt, dann zumindest richtig super konstruiert. Nun aber kam die Feuertaufe – Die Urschlange. Aber halt!

Brustsilikonimplantate.

Brustimplantate aus Silikon? Was haben die denn nun mit dem Garten Eden und dem Sündenfall zu tun?

Eine ganze Menge. Bevor Brustimplantate auf den Markt kommen, werden sie Tests unterzogen. Sie werden z. B. bis zu 10.000 Mal zusammengepresst, was die normalen Belastungen simulieren soll. Sind sie vor Abschluss des Tests beschädigt, landen sie auf dem Müll – Test nicht bestanden. Also heißt es, die Sache zu verbessern. Man setzt sich hin, prüft intensiv, schaut nach, wo die Schwachstellen sind und versucht sie auszubessern, sodass das Endprodukt möglichst perfekt wird – immerhin steht die Gesundheit von Menschen auf dem Spiel.

Durch Tests ein möglichst gutes Endprodukt erstellen und somit keine Leben bzw. Gesundheit gefärden, lautet die Devise.

Eine selbstverständliche Sache – zu selbstverständlich für Gott?

Fakt ist, dass seine Schöpfung, das wohl größte Werk seiner allmächtigen Kraft durch einen Windhauch (oder ein paar gehauchte Worte…) ins Wanken und schließlich zu Fall gebracht wurde.

Seine Schöpfung hielt schon dem allerersten Test nicht stand.

Recht bezeichnend, möchte ich meinen. Ist Satan nun dafür zu verdammen, dass er Gottes offensichtlich recht fehlerhafte Schöpfung testete, dass sie so konstruiert war, dass sie nicht einmal ein paar Worten standhalten konnte?

Ist Satan wirklich für so viele Taten zu verdammen? Ist er das große Übel, das Böse dieser Welt?

Das ist die Frage, die sich wie ein roter Faden durch meinen Essay zieht.

Ist Satan wirklich dieses Böse?

Um ein wenig Form in das Ganze zu bringen, möchte ich nun gern eine Gliederung angeben.

Im Folgenden werde ich mich mit zwei großen Oberpunkten befassen. Der erste handelt Von der satanischen Göttlichkeit.

Zu diesem Oberpunkt gehören wiederum zwei Unterpunkte, nämlich

  1. Die satanischen Gottesvergleiche oder Die göttlichen Satansvergleiche
  2. Gottes satanische Taten

Nach diesem ersten großen Oberpunkt folgte der zweite, mit dem Titel Des Guten Bosheit.

In diesem Abschnitt werde ich mich mit näher mit Gottes Wirkung und seiner Person beschäftigen.

Nach der Abhandlung beider Punkte werde ich ein Resumèe aus dem Gesagten ziehen.

Doch nun zum ersten Oberpunkt.

Von der satanischen Göttlichkeit

1. Die satanischen Gottesvergleiche oder Die göttlichen Satansvergleiche

In diesem Abschnitt geht es um, wie aus der Überschrift ganz klar hervorgeht, Vergleiche. Ich werde in diesem Abschnitt 2 Vergleiche aufstellen, zwischen Taten Satans oder zumindest Taten, welche man als satanisch bezeichnen würde, und Gottes Taten.

A.) Die Massenmorde

Herodes, Judäa’s König zur Zeit der Geburt Jesu, war kein  netter Typ. Er wollte Jesus, welcher als Thronfolger prophezeit war, fix aus dem Weg räumen. So schickte er einige Männer los, die Jesus ausfindig machen sollten. Ein heller Stern zeigte ihnen den Weg. Interpretationen zur Folge hatte Satan diesen Stern auf den Plan gerufen, damit Gottes Sohn gefunden und getötet werden könnte.

Als dieser Plan missglückte, lies Herodes alle Kinder im Alter von bis zu zwei Jahren töten, mit der Hoffnung, Jesus zu erwischen. Somit wollte er sich seine Herrscherstellung sichern.

Eine widerliche Greueltat sonder Gleichen. Die Ermordung Unschuldiger, ein wahrer Massenmord an Personen, die mit dem Geschehen nichts zu tun hatten.

Wahrhaft teuflisch.

Ein weiterer, nicht so ganz netter Kerl war ein gewisser Pharao aus Ägypten. Vor diesen Pharao traten Moses und Aaron mit der Bitte, die Israeliten, Gottes Volk, aus ägyptischer Gefangenschaft ziehen zu lassen.

Nach der Weigerung des Pharaos, kam es schließlich zu den 10 Plagen, die Gott über Ägypten brachte.

Eine dieser Plagen war der Mord aller Erstgeborenen Ägyptens.

Die Ermordung Unschuldiger, ein wahrer Massenmord an Personen, die mit dem Geschehen nichts zu tun hatten.

Wahrhaft.. hm.. Göttlich?

B.) Die Prüfungen

Da war ein Mann namens Hiob. Allem Anschein nach ging es ihm gar nicht so schlecht, er hatte ein Haus, Kinder, Frau, Vieh zum Weiden und er glaubte fest, mit ganzem Herzen an Gott.

Satan stellte die Behauptung auf, das Eine resultiere aus dem Anderen, sprich: Hiobs Glaube an Gott sei so unerschütterlich und fest, gerade weil es ihm so gut ginge. Nähme man ihm alles weg, würde er Gott sicherlich verfluchen.

Gott nun fiel auf diese Provokation blauäugig herein und willigte ein in dieses teuflische Spiel.

Hiob 1:12 sagt deutlich, worum es geht. Dort heißt es:

„Da sprach der Herr zum Satan: Siehe, alles, was er hat, sei in deiner Hand; nur nach ihm selbst strecke deine Hand nicht aus!(…)“ (Schlachterübersetzung)

Gott willigte ein, dass Hiob, einem Mann, welcher ihn (Gott) liebte, einem ergebenen Diener, alles weggenommen werden darf.

Und so geschah es. Verfolgt man den Bibelbericht, wird deutlich, was genau Gottes Einverständnis auslöste: Hiobs Vieh wurde verbrannt (Die Bibel spricht hier davon, dass ein Augenzeuge dieses Feuer interessanterweise „das Feuer Gottes“ nennt), seine Kinder starben, ermordet und durch eine Naturkatastrophe dahingerafft, Hiob selbst wurde von einer schrecklichen Krankheit geschlagen, drei seiner Freunde warfen ihm vor, ein schlechtes Leben geführt zu haben und am Ende war sogar seine Frau gegen seine Liebe zu Gott.

Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass ihm alles genommen wurde. Zwar genommen von Satan, welcher all das veranlasste, jedoch unter der schützenden Hand Gottes. „Alles, was er hat, sei in deiner Hand.“ „Mach ruhig, du darfst das, Satan, du hast meine Erlaubnis, diesem Mann (der einer meiner treuen Diener ist) Schlechtes zu tun.“

Und warum das alles?

Einzig und allein, um Hiobs Lauterkeit zu testen. Um Hiobs Lauterkeit vor Gottes Feind zu testen (was direkt bedeutet, dass Hiobs Wohlergehen von Gott als geringer angesehen wurde als die Notwendigkeit, sich selbst vor Satan zu beweisen).

Wie schön, dass Gott diesen Test über Hiob ergehen lies, ihn versuchte, so ist seine Lauterkeit weiterhin ein Vorbild.

Eines Tages streifte Jesus durch die Wüste, allein. Er fastete vierzig Tage und vierzig Nächte. Schließlich kam Satan zu ihm und stellte ihn auf die Probe. Er nutzte Jesu Bedürfnisse als Sprungbrett für seine Versuchungen.

Widerlich, den leidenden Jesus in so einer Situation auch noch zu versuchen.

Wie kann man nur eine so lautere Person wie Jesus Versuchen? Teuflisch, dieses Werk der Versuchung!

Was zeigen diese Vergleiche?

Nun, im ersten Vergleich, wo es um die Massenmorde geht, wird deutlich, dass zum Einen Gott selbst zig Unschuldige dahinrafft, was scheinbar als richtig betrachtet wird.

Die gleiche Tat von jemand anderem ausgeübt wird als furchtbare Handlung offenbar.

Warum? Beide Male wurden unzähige Unschuldige schier abgeschlachtet!

Im zweiten Vergleich, wo es um die Prüfungen geht, fungierte im Falle Hiobs Satan als verlängerter Arm Gottes, Gott selbst legte alles in Satans Hand um Hiob zu prüfen. Gott wird nicht angeklagt.

Als Satan jedoch auf eigene Faust einen Menschen prüfte, wird er verpönt. Sogar, obwohl dieses Mal keine unschuldigen Kinder und Tiere vom „Feuer Gottes“ geschlachtet wurden.

Warum?

Wie kommt es, das Satans Taten als schlecht abgetan werden, wenn doch klar auf der Hand liegt, dass Gott zum Einen genauso handelte oder aber sogar noch schlimmer, wie im Fall Hiobs, als er sinnlos seine Kinder, die Menschen, sterben lies, nun aber Gottes Taten nicht als schlecht angesehen werden?

Satans Bosheit, in Relation zu Gottes Taten, gerät hier sehr ins Wanken.

Vielleicht aber ist es auch Gottes Göttlichkeit, welche im Vergleich zu Satan schief zu stehen scheint.

Dazu später mehr, wenn es um Gottes Eigenschaften geht.

2.) Gottes satanische Taten

Was bedeutet eigentlich satanisch? Ein Synonym, was das Internet für „satanisch“ ausspuckt, ist „infernalisch“.

Infernalisch kommt von dem Wort Inferno, welches „Hölle“ bedeutet. Das Wort Inferno bietet eine gute Einleitung in die erste einer Aufzählung von Taten Gottes (oder göttlichen Taten).

  • Ein wahres Inferno. Feuer und Schwefel regneten vom Himmel. Die Städte Sodom und Gomorra wurden wortwörtlich dem Erdboden gleichgemacht.Ein göttlicher Genozid, sämtliche Einwohner sterben. Göttlich?
  • Samaria.Von Gott für schuldig gehalten, die Kinder zerschmettert, die schwangeren Frauen aufgeschlitzt. Ein göttlicher Richtspruch. Göttlich?
  • Massenhafte Ermordung von Kindern, Alten, Frauen, Männern. Angeordneter Massenmord im Feldzug gegen Amalek. Göttliche Anordnung. Göttlich?
  • Religionsfreiheit. Eine Reihe von Israeliten wandte sich von Gott ab und betete einen Anderen an. So lies Gott 3000 Menschen zu Tode kommen. Ein göttliches Urteil. Göttlich?
  • Die bereits genannte Ermordung aller Erstgeborenen Ägyptens – Gott brauchte den Zuspruch des Pharaos um sein Volk zu befreien?! Eine göttliche Notwendigkeit, um zu morden. Göttlich?
  • Demokratie in der Ausübung der Religion: Mitglieder zweier Stämme versuchten, Priesterhandlungen demokratisch zu verteilen. Gottes Antwort auf diese Demokratie war die Ermordung von 250 Mitgliedern seines Volkes u. a. durch (göttliches) Feuer. Göttliche Alleinbestimmung. Göttlich?
  • Das Volk Israel beschwerte sich über die einseitige Ernährung, die Gott ihnen bescherte. Als Alternative (oder Rache?) wurden giftige Schlangen gesandt, die zig Israeliten töteten. Eine göttliche Strafe. Göttlich?
  • Massenhafte Ermordung vieler Stadtbewohner (z.B. derer aus Og oder Heschbon) durch Gottes Volk, die Aufzählung der Opfer besteht aus Kindern, Frauen und Männern. Göttlicher Krieg. Göttlich?
  • Gott schickt einen Engel aus, um ein assyrisches Heer von einer Stärke von 185000 Mann auszulöschen, was er auch prompt tut. Göttlicher Sieg. Göttlich?

Zwar wird in Lukas 22:31 davon gesprochen, dass Satan derjenige ist, der die Menschen wie Weizen sichten will, aber es hat doch eher den Anschein, als ob Gott hier die Sichel in der Hand hält und sie mit großzügigen Schwüngen herumreißt.

Diese Liste könnte man noch um zig Beispiele erweitern, Beispiele, welche stellvertretend für Gottes zahlreiche infernale (oder sollte ich satanische sagen?) Rache und Urteile über seine Kinder stehen.

Warum hat er diese Menschen bestraft?

Nun, in manchen Fällen spielte die Religionsfreiheit eine Rolle. Heute zählt die Religionsfreiheit zu einem Menschenrecht.

Dann wichen die Lebensweisen von Gottes Geschmack ab. Auch hier würde Gott scheinbar den Menschenrechten widersprechen (Abschnitt Egalität). Oder aber es war ein Massenmord an Unschuldigen nötig, damit Gott sich einem Menschen (Pharao) beweisen konnte. Im Falle Hiobs sogar wollte er sich sogar so sehr seinem Widersacher beweisen, dass er dafür seine Diener furchtbaren Qualen auslieferte.

In jeden der Beispiele scheint eine absolute Geringschätzung von Menschenleben bemerkbar zu sein.

Zeugen diese Beispiele von einem göttlichen Verhalten? Zeugen sie von wahrer Göttlichkeit, von der Liebe eines Vaters zu seinen Kindern, eines Schöpfers zu seinen Geschöpfen?

Würde es auffallen, wenn ich in diesen Beispiele „Gott“ durch „Satan“ ersetzte?

Des Guten Bosheit

In der Bibel, welche als Gottes Wort gilt, werden diverse Eigenschaften aufgelistet, welche Gott zu eigen sein sollen.

Barmherzigkeit, Macht, Kraft, Liebe, Langmut, Weisheit und einige weitere. Diese Eigenschaften zeichnen ihn als richtig feinen Kerl aus.

Aber ist dem so?

In diesem Abschnitt möchte ich näher auf Gott als solchen eingehen, welche Wirkung er, zumindest auf mich, hat. Darüber hinaus gilt es noch eine Frage zu beantworten, welche im ersten Abschnitt gestellt wurde (zur Erinnerung: Wie kommt es, das Satans Taten als schlecht abgetan werden, wenn doch klar auf der Hand liegt, dass Gott zum Einen genauso handelte oder aber sogar noch schlimmer, wie im Fall Hiobs, als er sinnlos seine Kinder, die Menschen, sterben lies, nun aber Gottes Taten nicht als schlecht angesehen werden?)

Die folgenden Erläuterungen möchte ich gerne mit einem Filmzitat einleiten: „Was ich im Inneren bin, zählt nicht. Was ich tue, macht mich zu dem, wer ich bin.“

"Die Glücklosen sind nichts weiter als ein Bezugspunkt für die Glücklichen, (…). Durch ihr Unglück zeigen sie mir nur mein Glück. Es ist nur bedauerlich, dass die Glücklichen erst merken, was für ein Glück sie hatten wenn es sie verlässt. Sie zum Beispiel, gestern sind sie besser dran gewesen als heute aber erst durch den heutigen Tag merken sie das (…)“

Dieses weitere Filmzitat lässt sich wunderbar in das kleine Dilemma um Gott und seine Taten einfügen. Ich möchte sie ein wenig umändern und so dem Thema mehr anpassen.

„Die Bösen sind nichts weiter als ein Bezugspunkt für die Guten. Durch ihre Bosheit zeigen sie mir nur, wie gut ich bin.“

Was genau sage ich damit aus?

Die Aussage ist, dass Satan als Inkarnation des Bösen ein notwendiges Übel für Gott darstellt. Ein notwendiger Bezugspunkt für Gottes Göttlichkeit.

Wie das?

Wofür benötigt man Gott? Was gibt Gott? Was verspricht er?

Hoffnung. Hoffnung, dass das Übel der Welt einmal ein Ende haben wird.

Rettung. Rettung aus dieser von Satan „vers(e)uchten“ Welt.

Liebe. Liebe in Zeiten von Schlechtigkeit.

Kurzum, Gott ist der Retter in der Not.

Braucht man einen Retter ohne Not? Braucht man ein Regencape bei Sonnenschein?

Es ist unbedingt nötig, dass Satan das Leid schafft, denn ohne dieses Leid, ohne Satan, wäre Gott für den gemeinen Menschen nicht zu gebrauchen oder aber er würde massiv an Nutzen einbüßen.

Satan muss als Bezugspunkt für Gott vorhanden sein, da ohne ihn Gott als Träger der Hoffnung überflüssig werden würde. Er wäre das Regencape, welches man bei Sonnenschein getrost im Schrank liegen lassen darf (und sich vielleicht sogar noch darüber freut).

Und genau diese Erkenntnis liefert die Antwort auf die noch offen stehende Frage. Wie kommt es nun, dass Satans Taten diesen schlechten Charakter haben?

Gott musste ihnen den schlechten Charakter verleihen. Ganz einfach darum, weil ein Bösewicht (bzw. in diesem Fall zuzüglich die Not, die er auslöste) nunmal von Nöten ist, um den Helden als 'das Gute' zu personifizieren. So ist dann egal, was 'der Gute' tut, solange er in Wirklichkeit gegen 'das Böse' kämpft (Ein Mord für die gute Sache ist doch in Ordnung oder etwa nicht?). Wie stünde es wohl ansonsten um seine Göttlichkeit? Wie stünde er wohl da, wenn Satans Bosheit ihm nicht gegenüberstehen würde…? (Nicht verwunderlich, dass George W. Bush genau diese Gedanken verwandte, als er seinen Kreuzzug gegen die 'Achse des Bösen' als Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September 2001 startete. Tatsächlich sprach er vom realen 'Bösen', welches existiere und bekämpft werden müsse.)

Die Logik, die man zu diesem Thema sehr häufig bei Christen, besonders fundamentalistischen Christen, antrifft, ist sehr passend.

Was auch immer der christliche Gott tut – es ist gut. Warum? Zirkelschluß: Weil er Gott ist. Und was Gott tut, ist gut.

Im Gegenzug ist alles, was Satan tut schlecht. Warum? Weil er Satan tut. Und was er tut ist schlecht. Eben weil er Satan ist.

Eine inhaltliche Auseinandersetzung kann unter so einer Voraussetzung nur schwer vernünftig ablaufen.

So bleiben die Rollen fest verteilt ohne genauer zu untersuchen, wie sich die Protagonisten überhaupt verhalten und wie sehr die Rollenverteilung des Guten auf der einen, des Bösen auf der anderen Seite überhaupt gerechtfertigt ist.

Tatsächlich darf eine inhaltliche Auseinandersetzung damit überhaupt nicht stattfinden, da sie das Rollenverhältnis der absoluten Grundfesten des Glaubens bzw. der Bibelerschüttern könnte.

Satan als Böses wird von Gott also unbedingt gebraucht (vielleicht sogar als 'das Böse' vorgesehen?). Es ist absolut notwendig, dass er einen bösen Charakter zugewiesen bekommt oder bekam. Auch im Angesicht der Tatsache, dass seine (angeblichen) Taten oftmals entweder genau die gleichen wie die des Gottes waren oder sogar weitaus weniger mördische Ambitionen aufwiesen. Ist Satan zu verdammen? Falls ja, falls Satan für seine Taten zu verdammen ist, so ist es Gott ebenfalls.

Natürlich ist die gleiche Handlung nicht immer gleich zu bewerten. Ich erinnere spontan an den „Tyrannenmord“ (Stichwort Anschlag auf Hitler in der Wolfsschanze) – ein Mord, welcher an sich zu verurteilen ist, jedoch wird ihm ein anderer Charakter verliehen, wenn er zum Schutz vieler weiterer unschuldiger Menschenleben verübt wird.

Jedoch sind die zahlreichen Morde an Kindern, an Unschuldigen, die Genozide und nicht zuletzt das immer wieder und wieder beschriebene und geforderte Schlachten von Tieren kaum mit einer derartigen Notwendigkeit in Zusammenhang zu bringen.

Richard Dawkins beschreibt den christlichen Gott in seinem Buch „Der Gotteswahn“ als „(… )eifersüchtig und auch noch stolz darauf; ein kleinlicher, ungerechter, nachtragender Überwachungsfanatiker; ein rachsüchtiger, blutrünstiger ethnischer Säuberer; ein frauenfeindlicher, homophober, rassistischer, Kinder und Völker mordender, ekliger, größenwahnsinniger, sadomasochistischer, launisch-boshafter Tyrann (…)“

Behält man nun noch die Worte im Sinn, die Gott über sich selbst in Jesaja 45:7 aufschreiben liess, nämlich dass er das Unheil selbst schafft, darf man obigem getrost zustimmen.

Ich frage mich ernsthaft, ob Benedikt XVI daran wohl dachte, als er am Ground Zero des ehemaligen World Trade Centers folgende Worte an seinen Gott sprach: „Wir bitten dich, denen Heilung zu bringen, die an Verletzungen und Krankheit leiden, weil sie an jenem Tag hier waren. Führe jene auf den Weg der Liebe, deren Herzen sich in Hass verzehren.“

Hätte Benedikt auch für die gebetet, die Gottes zahlreichen Massenmorden zum Opfer fielen?

Resumée

Viele Worte, viele Gedanken, viel Durcheinander: Was ist denn die Konsequenz, der Schluß aus alledem?

Die besprochenen Themen, Von der satanischen Göttlichkeit und Des Guten Bosheit lassen für mich eine bestimmte Folgerung zu, die bereits in der Bibel genannt wird.

Aufgeschrieben wurde er in 2. Korinther 11:14. Luther übersetzt diese Stelle wie folgt:

„(…) Denn der Satan selbst verkleidet sich als Engel des Lichts.“

Durch das, was Gott über sich selbst hat aufschreiben lassen, wird ganz klar vor Augen geführt, dass Gott selbst ein solcher Engel des Lichts ist. Er selbst vereint die Eigenschaften in sich, die man als satanisch bezeichnen würde, sogar handelt er an mancher Stelle genau wie Satan und verkleidete sich als Engel des Lichts, während er Tod, Mord, Krankheiten, Folter und Qual brachte.

Schaut man sich die Bibel, besonders das Alte Testament, genauer an, lassen sich unter anderem folgende Feststellungen treffen:

Der biblische Gott mordete wieder und wieder, zahllose Unschuldige sowie unzählige Tiere fielen seiner Rachsucht und Wut zum Opfern.

Er mordete nicht nur selbst, er rief auch andere zum Mord auf (so wird in 5. Mose ganz klar formuliert, dass Hexen nicht am Leben gelassen werden sollen, ein Gebot, das niemals in der Bibel widerrufen wurde).

Er unterstützte andere Menschen, welche selbst Morde forderten (der Schreiber der Psalmlieder flehte direkt zu Gott, er möge die Gottlosen schlachten).

Er bestrafte in damaliger Zeit Ambitionen, die heute grundlegende Menschenrechte darstellen, mit grausamen Hinrichtungen.

Er folterte besonders ‚sein Volk‘, die Israeliten, sobald sie nicht spurten (er verbrannte sie, lies sie mit Schwertern abschlachten, vergiftete sie, lies sie mitunter ersticken, bestrafte das gesamte Volk mit einer 40jährigen Strafe in Form einer Wanderung durch Wüsten als Folge für die von ihm verachtete Angst einiger Kundschafter, usw.)

Er forderte Brandschatzungen, Plünderungen, brutale Eroberungen, „Kreuzzüge“ (so wurden die Gibeoniter schlicht versklavt, die Kanaaniter ausgerottet im Zuge der Eroberungen und Plünderungen ihrer Länder durch die von Gott geführten Israeliten).

Düstere Aussichten, dieses göttliche Licht.

Kein Zweifel, die Verkleidung Gottes als ein ‚Engel des Lichts‘ kann einer vernünftigen und ethischen Betrachtung kaum standhalten.

An und für sich ist diese Darstellung in einem Buch kein großes Thema.

Besorgniserregend ist jedoch die Tatsache, dass viele Millionen Menschen heutzutage noch zu diesem Massenmörder, diesem Schlächter beten, ihn bitten, einzugreifen um die Probleme der Welt zu lösen.

Nun, wie seine Problemlösungen meist aussehen, habe ich unter anderem dargelegt: Mord. Es funktioniert nicht wie gewünscht? Dann wird gemordet, der nicht funktionierende Mensch wird schlicht entfernt, ausgewechselt wie ein Bauteil beim Auto.

Zwar ist als Verteidigung zu sagen, dass diese bittenden Menschen sicherlich nicht allesamt auf einen mordenden Eingriff seitens ihres Gottes hoffen, wie er gemäß der Bibel zwar zu erwarten wäre (und dass es eben diese Hoffenden gibt, ist mir sehr wohl bewusst), aber dennoch ist es mehr als bezeichnend, dass die umfassende Kenntnis dessen, den man um Hilfe bittet, entweder vollkommen ignoriert wird oder aber komplett fehlt.

Die Basis der Hoffnung gebaut aus Ignoranz oder Unwissen? Oder sogar beidem? Wirklich düstere Aussichten…  

Neben den oben zitierten Worten Benedikts XVI am Ground Zero bat er Gott in einem Gebet: „Oh Gott der Liebe, des Mitgefühls, des Heilens, schau auf uns.“

…Gott, falls es dich gibt, bitte übersieh mich dabei.

 

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

 




Medjugorje mit deflationierter Maria!


MedjugorjeDas war einer Meldung von religion.ORF vom 24.3.2020 zu entnehmen, es heißt dort:

"Im Wallfahrtsort Medjugorje in Bosnien-Herzegowina erhält eine jener Personen, die den Angaben zufolge regelmäßige Erscheinungen der Jungfrau Maria erhalten sollen, diese nur noch jährlich statt monatlich. Mirjana Dragicevic-Soldo (55) erklärte laut dem Informationszentrum 'Mir' Medjugorje, die Jungfrau habe ihr am 18. März mitgeteilt, sie werde ihr fortan nicht mehr monatlich erscheinen und ihr keine Botschaft mehr geben. Drei andere Personen aus Medjugorje sehen ihren Aussagen zufolge die Mutter Jesu weiterhin täglich, zwei weitere wie Dragicevic-Soldo einmal pro Jahr."

Soweit aus der ORF-Meldung, was steht auf der österr. Medjugorje-Site dazu? Dort ist die letzte Marienbotschaft vom 25.2.2020 und daneben steht ein Verweis auf einen Artikel auf kath.net "Medjugorje-Kommission: Keine Beweise für Betrug!"

Schauen wir also auf kath.net: Der Artikel war vom Jänner 2014 und begann so: "Das Urteil der Vatikankommission über Medjugorje könnte positiv ausfallen, auch wenn bis jetzt noch keine konkrete Entscheidung getroffen wurde. Dies berichtet der bekannte Vaticanista Andrea Tornielli am Dienstag in der italienischen Tageszeitung 'La Stampa'. " Dazu gab's im Jänner 2014 auf dieser Site hier eine Info mit dem Titel "Medjugorje-Kommissionsbericht fertig".

Der Kernsatz des Vatikanberichtes über die Untersuchungskommission lautete: "Sie beschäftigt sich weniger mit den angeblichen Marienerscheinungen – zumal diese noch weiter andauern sollen – als vielmehr mit dem geistlichen Leben und der seelsorglichen Begleitung der zahlreichen Pilger in Medjugorje".

Und seither hat sich vatikanmäßig dazu nicht viel verändert, die angeblichen Marienerscheinungen wurden vom Vatikan nie anerkannt, sondern nur der Nutzen der Pilgerströme wurde akzeptiert, das Pilgern nach Medjugorje wurde vatikanisch erlaubt. Also wieder einmal eine der so beliebten katholischen Heucheleien…

Die Artikel auf medjugorje.at sind alle Jahre alt, aktuelle Angebote für Pilgerfahrten sind dort keine mehr zu finden. Auf der deutschen Site medjugorje.de gibt's noch Pilgerreisenangebote, einige davon sind wohl wegen Corona abgesagt worden, aber man hat in der BRD auch für österreichische Pilger nach Medjugorje Angebote. Corona hat die Pilgerströme jetzt allerdings ziemlich zum Erlöschen gebracht.

In Medjugorje wurde nun wohl einigen Beteiligten die Sache offensichtlich langsam zu fad! Schließlich verbreiten sie ihre Geschichtchen schon seit 1981, also seit 39 Jahren. Zugeben, dass das Ganze ein Fake war, kann man natürlich nicht, weil dazu hat man vielleicht daran ja viel zulange zuviel verdient. Also verordnet nun die Gottesmutter und heilige Jungfrau Maria eine Verdünnung der Botschaften!  Geht ja recht einfach, weil eine Gottesmutter Maria hat schließlich mangels eigener Existenz damit nie was zutun gehabt!

Und dass – wie Einstein sagte – Dummheit unendlich sein kann, wurde und wird mittels Medjugorje seit 39 Jahren erfolgreich bewiesen…

 

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).




Wort zum Sonntag, den 22.3.2020


AugeJh 9,1.6-9.13-17.34-38: Unterwegs sah Jesus einen Mann, der seit seiner Geburt blind war. Als er dies gesagt hatte, spuckte er auf die Erde; dann machte er mit dem Speichel einen Teig, strich ihn dem Blinden auf die Augen und sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach! Das heißt übersetzt: der Gesandte. Der Mann ging fort und wusch sich. Und als er zurückkam, konnte er sehen. Die Nachbarn und jene, die ihn früher als Bettler gesehen hatten, sagten: Ist das nicht der Mann, der dasaß und bettelte? Einige sagten: Er ist es. Andere sagten: Nein, er sieht ihm nur ähnlich. Er selbst aber sagte: Ich bin es. Da brachten sie den Mann, der blind gewesen war, zu den Pharisäern. Es war aber Sabbat an dem Tag, als Jesus den Teig gemacht und ihm die Augen geöffnet hatte. Auch die Pharisäer fragten ihn, wie er sehend geworden sei. Er antwortete ihnen: Er legte mir einen Teig auf die Augen und ich wusch mich und jetzt sehe ich. Einige der Pharisäer sagten: Dieser Mensch ist nicht von Gott, weil er den Sabbat nicht hält. Andere aber sagten: Wie kann ein sündiger Mensch solche Zeichen tun? So entstand eine Spaltung unter ihnen. Da fragten sie den Blinden noch einmal: Was sagst du selbst über ihn? Er hat doch deine Augen geöffnet. Der Mann sagte: Er ist ein Prophet. Sie entgegneten ihm: Du bist ganz und gar in Sünden geboren und du willst uns belehren? Und sie stießen ihn hinaus. Jesus hörte, dass sie ihn hinausgestoßen hatten, und als er ihn traf, sagte er zu ihm: Glaubst du an den Menschensohn? Da antwortete jener und sagte: Wer ist das, Herr, damit ich an ihn glaube? Jesus sagte zu ihm: Du hast ihn bereits gesehen; er, der mit dir redet, ist es. Er aber sagte: Ich glaube, Herr! Und er warf sich vor ihm nieder.

Heute haben wir wieder ein Evangelium vom Johannes, diese sind immer die am weitesten vom damaligen Geschehen abgehobenen, weil sie erst zu einer Zeit niedergeschrieben wurden, als sicher kein Jesus-Augenzeuge mehr unterwegs sein konnte und der Johannes daher hinschreiben konnte, was er wollte. Es fehlen im von Schönborn wiedergegeben Evangelium wieder mehrere Verse: 2-5: "Da fragten ihn seine Jünger: Rabbi, wer hat gesündigt? Er selbst? Oder haben seine Eltern gesündigt, sodass er blind geboren wurde? Jesus antwortete: Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern das Wirken Gottes soll an ihm offenbar werden. Wir müssen, solange es Tag ist, die Werke dessen vollbringen, der mich gesandt hat; es kommt die Nacht, in der niemand mehr etwas tun kann. Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt." Dann fehlen 11 & 12: "Er antwortete: Der Mann, der Jesus heißt, machte einen Teig, bestrich damit meine Augen und sagte zu mir: Geh zum Schiloach und wasch dich! Ich ging hin, wusch mich und konnte wieder sehen. Sie fragten ihn: Wo ist er? Er sagte: Ich weiß es nicht." Und schließlich 18 bis 33, der lange Text schildert wie der entblindete Mann noch weiters ausgiebig befragt wird und dann verkündet, dass sein Heiler von Gott sein müsse, dann geht die Schimpferei im Vers 34 weiter.
Die Kürzungen sind heute stellenweise unfreiwillig recht komisch, man lese etwa im obigen Evangelium die zwei ersten Sätze, die passen überhaupt nicht zusammen.

Aber das nur nebenbei! Was sagt der Herr Bischof von Wien dazu? Er gibt zuerst einmal recht an und behauptet, "auch in diesem Jahr werden in Österreich viele Erwachsene die Taufe empfangen". Schauen wir einmal in der offiziellen katholischen Taufstatistik dazu nach, die neuesten vorliegenden Zahlen sind von 2018, der Anteil der Erwachsenentaufen beträgt knapp 1,4 %, also Volksmassen sind das nicht, die Zahl der Erwachsenentaufen liegt erst seit 2006 offiziell vor, damals waren es knapp fünf Promille, gestiegen sind die dann in den Zeiten des Asylzustroms, weil sich manche Migranten offenbar einen Vorteil davon versprachen, die höchste Zahl gab's 2017 mit einem 1,8 %-Anteil.

Für'n Schönborn sind die erwachsengetauften Katholiken jedenfalls was Wertvolles, weil die lassen sich ja gefragt taufen, nicht wie die Babys, die ungefragt katholisch werden. Was ja ein kompletter Witz ist! Die müssen dann für den Kirchenbeitritt an einen Verein zahlen, dem sie sich selber nie angeschlossen haben. Dazu gab's vor Jahren ein typisches österreichisches Gerichtsurteil, ein babygetaufter Zwangskatholik hatte dagegen geklagt, das Gericht entschied: Er hätte ja ab seinem 14. Lebensjahr jederzeit ungehindert austreten können! Wenn die Kirche den Kirchenbeitrag nur von den babygetauften Leuten kassieren dürften, die ihre Mitgliedschaft als Volljährige schriftlich bestätigen, dann hätte die r.k. Kirche heute viel weniger Kirchenaustritte, weil ein großer Teil des Nachwuchses wohl gleich auf die Bestätigung der Mitgliedschaft verzichtete…

Zu den erwachsenen Getauften gehören natürlich auch noch die Personen, die als Nichtkatholiken in eine streng katholische Familie hineinheiraten wollen.

Aber auch das nur nebenbei, schauen wir auf den schönbornschen Predigtschluss: "Der entscheidende Schritt auf diesem Weg ist die persönliche Begegnung mit Jesus: 'Ich glaube, Herr!' Unsere erwachsenen Taufkandidaten werden meist von Pfarrgemeinden begleitet und über längere Zeit auf die Taufe vorbereitet. Für viele von uns, die wir im Glauben aufgewachsen sind, sind diese Taufkandidaten eine echte Herausforderung. Ihr Weg, der oft durch viele Hindernisse und Kämpfe zum Glauben an Christus geführt hat, richtet an uns die Frage, ob wir nicht in unserem Glauben zu bequem, zu lau, zu oberflächlich geworden sind. Als 'Gewohnheits-Christen' sind wir vielleicht schon blind geworden. Auch wir brauchen den, der dem Blindgeborenen das Augenlicht geschenkt hat."

Ja, meinereiner hatte als Baby das Pech, dass sich in den damaligen Zeiten die Eltern nicht getrauten, sich dadurch von den herrschenden Traditionen abzusondern, dass die Kinder religionsfrei – also ungetauft – blieben. Aber da meine lieben Eltern selber dieses ganze Jesuszeugs überhaupt nicht glaubten, durfte meinereiner religionsfrei aufwachsen, aber musste zwölf Jahre lang jede Woche zwei Schulstunden die Hände falten und die Goschen halten und so tun, als wär meinereiner katholisch. Und dieser aufgezwungene traditionelle katholische Gesinnungsterror motiviert wird mich mehr als 50 Jahre nach meinem Kirchenaustritt immer noch zu antireligiöser Agitation! Weil ich war ja nie blind gewesen und habe immer die jesusfreie Realität gesehen und hoch geschätzt! Amen! So ist es!

PS: Zur Corona-Virus-Krise schreibt Schönborn keine Silbe! Er fragt nicht, warum sein allmächtiger Gott solche Viren schöpft und er probiert es nicht, seinen Jesus anzuflehen, er möge diesen Virus wegwundern. Weil sonst müsste er ja lautstark an seinen lieben Göttern zweifeln! Dabei ist das Ganze ja so einfach: Die Götter können nix für den Corona-Virus und sie können auch dagegen nix machen. Denn den Corona-Virus gibt's wirklich, die Götter aber nicht…




Der ORF verstärkt sein Religionsangebot


ORF-Logo.svgDas meldete der ORF am 19.3.2020,
hier die Meldung mit atheistischen Anmerkungen:

ORF: Mit dem neuen Format "Feier.Stunde" verstärkt der ORF in Zeiten der Corona-Krise sein Religionsangebot für gläubige Menschen. Das Service von ORF III in Zusammenarbeit mit der ORF-Religionsabteilung bietet seit vergangenem Sonntag verschiedenen Religionsgemeinschaften eine Plattform zur Feier von Gottesdiensten, zur Präsentation von Ritualen und Liedern sowie zu Lesungen aus Texten ihrer Tradition, teilte der ORF mit. In der Rubrik "Ermutigung" würden Vertreterinnen und Vertreter der jeweiligen Glaubensgemeinschaft versuchen, "die Weisheit ihrer Religion für das Leben in der Krise fruchtbar zu machen". "Feier.Stunde" richte sich aber auch an alle, die mehr über in Österreich vertretene Religionen und Glaubensgemeinschaften erfahren wollen.
Atheistische Anmerkung: Die Kirchen verlieren von Jahr zu Jahr an Mitgliedern, an praktizierenden Gläubigen, das Interesse für Religion geht ständig zurück. Aber der ORF knechtet sich freiwillig für kirchliche Interessen, obwohl die diversen religiösen Sendungen schon lange keine Quotenbringer sind, jetzt will man offenbar eine Art Neuevangelisierung per ORF starten!

ORF: ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz: "Die gegenwärtige Corona-Krise betrifft auch die verschiedenen Religions- und Glaubensgemeinschaften in Österreich. Gemeinsam mit ihnen haben daher die ORF-Religionsabteilung und ORF III mit 15. März ein zusätzliches Programmangebot für gläubige Menschen in diesen herausfordernden Zeiten gestartet, das bereits am ersten Wochenende sehr positiv angenommen wurde."
Atheistische Anmerkung: Und was liefert der ORF für ungläubige Menschen? Leben die nicht auch in diesen herausfordernden Zeiten?

ORF: Zusätzlich zur "Feier.Stunde" sendet ORF III ab Donnerstag, dem 19. März, um 8 Uhr jeweils wöchentlich die römisch-katholische Morgenmesse von Kardinal Christoph Schönborn aus der Andreaskapelle. Weitere Angebote für andere Religionsgruppen sind laut ORF geplant.
Atheistische Anmerkung: Da kann man gespannt sein! Wie hoch wird die Quote der Schönbornmesse sein? Höher als beim Kasperltheater am Mittwochnachmittag?

ORF: Am kommenden Sonntag, 22. März, wird der Gottesdienst um 10 Uhr aus der Kapelle des Wiener Priesterseminars auf ORF III übertragen. Mit der TV-Gemeinde feiert Subregens Markus Muth, begleitet von Gesang der Wiener Dommusik. Ab 10.55 Uhr kommt die Zen-Priesterin Doris Harder in der "Feier.Stunde" zu Wort und führt in ihre buddhistische Praxis ein. Ab 11.10 Uhr steht die Frage im Raum "Wie hilft die Weisheit des Judentums zum Bestehen der Krise? Die "Ermutigung" kommt vom Wiener Gemeinderabbiner Schlomo Hofmeister. Ebenfalls am 22. März spricht Kardinal Schönborn im Format "Was ich glaube" ab 16.55 Uhr Worte der Ermutigung auf ORF 2. "Bundesland heute" mit "Gedanken zum Sonntag"
Atheistische Anmerkung: Und welche Sendungen gibt's aus Kreisen vernunftorientierter Menschen? Der ORF meint offenbar, das Gegenmittel zum Virus sei Religion!

ORF: Ab Sonntag startet "Bundesland heute" die Rubrik "Gedanken zum Sonntag" mit regionalen Glaubensvertretern, die in persönlichen Statements Bezug auf die aktuelle Situation nehmen. Zudem präsentieren die Regionalradios am Sonntagvormittag Übertragungen von Gottesdiensten. Am 22. März um 10 Uhr beispielsweise aus dem Slowenischen Pastoralzentrum Klagenfurt.
Atheistische Anmerkung: Wenn es wegen Corona keine Messen gibt, dann liefert der ORF Ersatz! Wenn es wegen Corona keine Theateraufführungen und Kinovorstellungen gibt? Überträgt dann der ORF aus den Theatern oder spielt die neuesten Kinofilme?

ORF: Wie es gelingen kann, in herausfordernden Zeiten einen positiven Blick in die Zukunft zu bewahren, erläutern in "Miteinander – Füreinander" am Montag, 23. März, um 20.10 Uhr in ORF III abwechselnd der Psychotherapeut und Theologe Arnold Mettnitzer, Bischof Michael Chalupka und Dompfarrer Toni Faber. Sie beantworten Fragen zu den Sorgen und Ängsten der Zuseher und begleiten sie gemeinsam durch diese schwierige Phase.
Atheistische Anmerkung: Und einen positiven Blick in die Zukunft liefern nur Theologen und Geistliche?

ORF: Neben der "Feier.Stunde", die in ORF III, auf der ORF-TVthek und auf religion.ORF.at zu sehen ist, steht den Österreicherinnen und Österreichern wie gewohnt die umfangreiche ORF-Religionsberichterstattung in ORF 2, Ö1 und den ORF-Regionalradios sowie auf religion.ORF.at zur Verfügung.
Atheistische Anmerkung: Um die zehn Prozent der katholischen Kirchenmitglieder gehen am Sonntag in die Kirche. Der ORF liefert nun für 100 Prozent der Österreicher religiöse Agitation und Propaganda! Die spinnen beim ORF! Wir sind nimmer unterm Dollfuß! Und die Mehrheit der Österreicher ist längst nimmer religiös!

Hier wieder einmal die Standard-Umfrage von 2018 dazu:


Nur noch 39 % glauben an einen allmächtigen Gott! Die könnte der ORF z.B. fragen, warum ihr allmächtiger Gott die Menschen mit Viren versorgt? Und die 30 %, die Gott noch für den Schöpfer für Himmel und Erde halten, könnte der ORF fragen, warum wohl Gott den Corona-Virus geschöpft hat? Usw., usw.!

 




„Was wirklich wirkt“ von Dr. Natalie Grams – Werben für eine moderne patientenorientierte Medizin


Natalie IDr. med. Natalie Grams wurde 2015 bundesweit bekannt, nachdem sie – erfolgreiche homöopathische Ärztin mit gut laufender eigener Privatpraxis – bei dem Versuch, eine Verteidigung der Homöopathie in Buchform zu schreiben, erkennen musste, dass es für die bislang von ihr so geschätzte Methode keinerlei wissenschaftliches Fundament gab – im Gegenteil. Nach einem Jahr der Unsicherheit und des Ringens mit sich selbst schloss sie ihre Praxis und veröffentlichte das geplante Buch, das sich jedoch inzwischen von der geplanten Apologie zu einer wissenschaftlich fundierten Kritik der Homöopathie entwickelt hatte.

Nach einem zweiten Buch, „Gesundheit – ein Buch nicht ohne Nebenwirkungen“ und der englischsprachigen Ausgabe ihres ersten Buches („Homeopathy reconsidered“) hat sie nun ihr drittes Buch auf den Markt gebracht: „Was wirklich wirkt – Kompass durch die Welt der sanften Medizin“.

Mit ihrem zweiten Buch deutete sich bereits an, dass sie aus der ursprünglichen Rolle der Homöopathiekritikern heraustritt und sich des breiten Spektrums einer „insgesamt besseren patientenorientierten Medizin“ annimmt, für das zweifelhafte bis unsinnige „Alternativmethoden“ ja „nur“ ein Teilaspekt sind. Mit dem jetzt vorliegenden Werk unterstreicht sie den Anspruch, zwar kritisch, aber in erster Linie als Anwältin einer besseren, menschlichen, patientenorientierten Medizin der Zukunft aufzutreten. Es ist der Sache wert, sich dieses Anspruchs auch in einer Rezension anzunehmen, zumal vielfach in den Buchbesprechungen und Interviews doch immer wieder (zu) stark auf die „Alternativ-Kritikerin“ Grams und die im Buch im Detail behandelten „sanften“ Methoden fokussiert wird. Die Autorin hat jedoch weit mehr zu bieten: Sie liefert eine „Gebrauchsanleitung zur Stärkung der Gesundheitskompetenz“. Was auch nach Ansicht des Rezensenten, der täglich mit den Mythen und Legenden rund um Gesundheit und Krankheit konfrontiert wird, bitter nötig ist. Öffentliches Gesundheitswesen und auch die gesetzlichen Krankenkassen, deren gesetzliche Aufgabe dies eigentlich wäre, sind entweder „verschlankt“ worden oder haben eher Interesse daran, mit medizinischem Unfug um zahlungskräftige Mitglieder zu werben statt medizinischen Unfug als solchen zu benennen.

Eher Wegweiser als Ratgeber

Und das unterscheidet „Was wirklich wirkt“ grundlegend von der üblichen Ratgeberliteratur mancher populären Autoren aus der Medizinszene. In der Tat, „Ratgeber“ wäre für dieses Buch sicher kein richtiges Etikett. Viel eher ist es Wegweiser und Anregung zum eigenen Denken, als Schritt zur wirklichen, informierten Gesundheitsentscheidung in „eigener Sache“.

Die Crux benennt Dr. Grams deutlich: Ein Gesundheitssystem, das wichtiger Aspekte einer guten „Behandlung“ der Patienten längst verlustig gegangen ist, das trotz vielen Aufwandes und vieler gut ausgebildeter und helfen wollender Menschen inzwischen alle Beteiligten – Patienten genauso wie Insider vom Professor über Haus- und Fachärzte und Studierende bis zur Pflegekraft – inzwischen überfordert und frustriert. Die Autorin diagnostiziert genau an dieser Stelle einen wesentlichen Grund für die Hinwendung so vieler Patienten zur sogenannten Alternativmedizin – besser Pseudomedizin genannt (die Autorin zieht gerade keine Grenzen auf des Wortes Schneide, sondern orientiert sich allein daran, ob etwas nachweislich eine spezifische Wirkung als medizinische Intervention hat oder nicht – die Begriffe „alternativ“, „komplementär“ und „Integrativ“ scheinen dabei sinnentleert – „was wirklich wirkt“, ist auch Medizin). Das ist der Schlüssel zum Titel des Buches, will dem Rezensenten scheinen.

Ein solches, dem Patientenwohl gewidmetes Buch kann vielleicht nur aus einer dezidiert kritischen Sicht (in alle Richtungen) entstehen. Das Kunst besteht in der Tat darin, nicht in bloßer Kritik zu verharren, sondern die kritische Sicht auf die vielen Mängel und Unzulänglichkeiten allerorten in einen empathischen Appell an die richtig verstandene, nämlich informierte Patientenautonomie zu verwandeln – den Schritt von Kritik zu Aufklärung zu unternehmen. Dies ist das Verdienst der Autorin wie dieses Buches.

Ein wenig „Spoiler“

Und so erfährt man: Wo ist Vertrauen angebracht, wo eher Misstrauen? Wie erkennt man Grenzen zwischen seriös und zweifelhaft? Was unterscheidet Mängel im Gesundheitssystem und in der wissenschaftlichen Medizin von den falschen Versprechungen der Pseudomedizin? Warum darf man beides nicht gegeneinander aufrechnen, also billigen „Whataboutism“ betreiben? (Spoiler: U. a. weil – benennbare und behebbare – Mängel der wissenschaftlichen Medizin pseudomedizinische Mittel und Methoden keinen Deut richtiger bzw. wirksamer machen.)

Der aufklärerische Impetus wird besonders deutlich in den insgesamt drei Kapiteln, die sich ausführlich ganz unterschiedlichen Aspekten des Impfthemas widmen. Ganze gerodete Wälder an „impfkritischer“ Literatur finden sich in den Regalen der Buchhandlungen (virtuell oder real) unter „Gesundheit“. Diese wenigen Kapitel in Natalie Grams‘ Buch schicken sich an, es mit all diesen aufzunehmen. Hochinteressant ist übrigens, dass und mit welchen Gründen Dr. Grams darlegt, weshalb sie als unbedingte Impfbefürworterin keineswegs auch unbedingte Befürworterin einer Impfpflicht ist.

Und wer hat schon verstanden, dass „Wer heilt hat Recht“ zwar eine richtige Aussage, aber gleichzeitig eine öde, nichtssagende Plattitüde ist in den Zusammenhängen, wie sie meist gebraucht wird? Wer hat als medizinischer Laie aka Patient wirklich einmal durchdacht (und akzeptiert), dass persönliche Erfahrungen gut und schön sind und niemand abgesprochen werden sollen, aber die gesamte moderne Wissenschaft auf der Erkenntnis beruht, dass solche Einzelerfahrungen für allgemeine Schlüsse völlig wertlos sind? Wer nimmt nicht leichthin das Wort von der guten Mutter Natur und ihrem Segen für die Menschen in den Mund, ohne zu bedenken, dass dies als Generalisierung wahrlich nicht zutrifft und er dem (im Buch erläuterten) lange entlarvten „naturalistischen Fehlschluss“ erliegt? Es ist kein Zufall, dass diese drei einfachen Beispiele zu den Schlagworten gehören, mit denen die Anbieter pseudomedizinischer Methoden zu werben pflegen. An diesen Punkten – und mehr – setzt Natalie Grams mit ihrem Bemühen an, gut verständlich die Hintergründe solch scheinbarer Gemeinplätze zu enthüllen und sie als billige Werbesprüche interessierter Kreise zu entlarven, die nicht auf strenge wissenschaftliche Wirkungsbelege verweisen können.

Medizin – wirksam und patientenzentriert

Wobei Frau Grams an keiner Stelle den Standpunkt einer wissenschaftsgläubigen Materialistin einnimmt (was einer der zahlreichen so beliebten wie falschen Vorwürfe an ihre Adresse ist) – das würde ihrem Anliegen in keiner Weise gerecht werden. Wir alle sind Menschen. Patienten, Ärzte, Wissenschaftler, Laien, Buchautoren. Wir alle haben Bedürfnisse, die über das, was uns selbst unter besten Bedingungen technisierte Medizin und moderne Pharmakologie zu bieten haben, hinausgehen. Worauf uns das Buch aufmerksam macht, ist, dass gute Medizin – auch als ärztliche Kunst bezeichnet – dies keinesfalls außer Acht lassen darf. Deshalb darf man das Buch auch als Appell an die Verantwortlichen im Gesundheitswesen sehen, die Bedürfnisse nach menschlicher Zuwendung nicht den Anbietern von Pseudomethoden zu überlassen (die sich dies zwar in der Regel teuer bezahlen lassen, mehr aber meist nicht zu bieten haben) sondern die Potenziale der wissenschaftsbasierten Medizin um solche verlorengegangenen Aspekte wieder zu ergänzen. Hinter den Erkenntnissen, was insofern nötig und möglich ist, hinkt die reale Gesundheitspolitik leider gewaltig hinterher.

Das Buch schließt mit einem Kapitel, in dem die Autorin eine Reihe von „alternativmedizinischen“ Verfahren nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft kurz kommentiert und bewertet, übrigens keineswegs in Bausch und Bogen negativ. Dass Stimmen zum Buch aus dem pseudomedizinischen Lager sich auf diese wenigen Seiten (sogar auf einige wenige dieser wenigen Seiten) kaprizieren und die restlichen rund 200 Seiten des Buches offenbar überhaupt nicht zur Kenntnis genommen haben, ist bezeichnend. Um es noch einmal zu sagen: Längst ist Dr. Natalie Grams aus der Rolle der „spezialisierten“ Homöopathiekritikerin hinausgetreten und setzt sich mit ihren persönlichen Erfahrungen und ihren wissenschaftlichen Kenntnissen für eine insgesamt bessere Medizin auf wissenschaftlicher Basis ein, die den Menschen nicht vernachlässigt, sondern mitnimmt: Für eine ganzheitliche Medizin, die diesem Attribut auch gerecht wird und es nicht nur als billiges Etikett für zweifelhafte „Sonderangebote“ des Medizinmarktes verwendet. Dr. Grams folgt dabei den Grundsätzen der sich seit wenig mehr als 20 Jahren weltweit etablierenden Evidenzbasierten Medizin, die dem behandelnden Arzt im Einzelfall die bestmögliche vorhandene klinische Evidenz zur Verfügung stellen will, damit er sie im Rahmen seiner persönlichen ärztlichen Erfahrung und unter Beachtung der berechtigten Patientenbedürfnisse in einen Therapievorschlag umsetzt. Viele „alternative“ Verfahren vermögen dies nicht, weil ihnen die Basis, die klinische Evidenz, fehlt – daher bedarf es auch der Kritik an ihnen.

Fazit

Natalie Grams verbreitet in ihrem neuen Buch keine exklusiven Weisheiten oder sensationellen persönlichen Einblicke, irgendwelche Anpreisungen wird man vergeblich suchen. Jenseits wohlfeiler Ratschläge oder wundersamer Enthüllungen aus der güldenen Schatulle der Geheimmedizin erfährt der Leser, wie man sich in einer verwirrenden Gesundheitslandschaft orientiert und wie man Fakten von Fake dabei unterscheiden kann. Ein wenig Mitdenken ist dabei vonnöten – der Leser wird dafür aber belohnt mit Ehrlichkeit und Empathie und mit einem Kompass zur Einordnung des auf ihn einstürmenden Chaos von manchmal mehr, oft weniger sinnvollen „Gesundheitsinformationen“. Allen, denen das Thema Gesundheit nicht gleichgültig ist, einschließlich den Gesundheitspolitikern, sei die Lektüre ans Herz gelegt. Hier kommt kein wohlfeiles "Rezeptbuch", keine Kräuterküche, kein Detox, nichts, was die Grenze zwischen Wellness und Medizin, zwischen Befindlichkeit und Krankheit verschwimmen ließe, auch keine Anpreisung von Wundermedizin aus exotischen Fernen (was häufig mit einer Abwertung der wissenschaftlichen Medizin und ihrer Errungenschaften verbunden ist). Hier kommen Anregungen zur Besinnung auf Vernunft und ein wenig Rationalität, die im Bereich der persönlichen Gesundheit (über-)lebenswichtig sein können. Ein Buch, das bislang fehlte. Es wirbt um Vertrauen in die so oft gering geschätzte wissenschaftliche Medizin und der Wissenschaft im allgemeinen, um Vertrauen auf das ehrliche Bemühen der vielen Menschen, die im Interesse der Gesundheit professionell arbeiten und um eine kritische Sicht auf falsche Heilsversprechen unterschiedlichster Couleur, ohne zu vergessen, welche Bedürfnisse und Defizite die Menschen dazu bringen, nach solchen Heilsversprechen zu suchen. Und Lesevergnügen bietet das Buch zudem.

 

Nachschrift

Der Autor der vorstehenden Rezension war an der Entstehung des Buches mit dem einen oder anderen Hinweis oder Ergänzungsvorschlag beteiligt. Insofern soll es kein Geheimnis sein, dass er ein ideelles Interesse an dem Buch haben mag. (Dieses ideelle kollidiert mit keinerlei materiellem Interesse, ein Interessenkonflikt liegt daher nicht vor.) Der Rezensent ist selbst der Überzeugung, dass die Weichen für ein gleichzeitig konsequent wissenschaftsbasiertes und konsequent patientenorientiertes Gesundheitssystem in mancher Hinsicht neu gestellt werden müssen. Eine wichtige davon ist die Fokussierung auf Patientenaufklärung und Stärkung von Gesundheitskompetenz und – auf dieser Basis – Patientenautonomie. Als ein Baustein dafür ist das besprochene Buch gedacht und geschrieben und sollte so auch verstanden werden. Lobbyismus ja – Lobbyismus für eine menschliche Medizin, für eine informierte Patientenautonomie. Und in diesem Sinne ist auch dieser Versuch einer Rezension geschrieben.

 

Dr. Natalie Grams: Was wirklich wirkt – Kompass durch die Welt der sanften Medizin

Aufbau-Verlag (1. Auflage, 18. Februar 2020), broschiert, 18 Euro

ISBN-10: 3351034717  / ISBN-13: 978-3351034719




DGHS: „Weit über das hinaus, was wir uns erträumt hatten“


dghsWEIMAR. (dghs/fgw) Nur wenige Tage nach dem Urteilsspruch hatte die Humanistische Union eine Podiumsdiskussion in Berlin geplant, die den Urteilsspruch und dessen Folgen behandeln sollte. Es war bei der Planung noch nicht abzusehen, dass das Urteil weit über das hinaus geht, was sich Humanistische Union (HU) und die Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben (DGHS) vorstellen konnten.

 

Blick auf das Podium. (Foto: Wega Wetzel)

So konnte DGHS-Vizepräsident Professor Robert Roßbruch als einer der Podiumsteilnehmer bei der Veranstaltung am 9. März 2020, sein Resumee ziehen: „Das Urteil geht weit über das hinaus, was wir uns erträumt hatten."

 

Vor allem sei es nun neu, dass es gemäß dem Bundesverfassungsgericht keiner formalen Voraussetzung bedarf, um Suizidhilfe in Anspruch zu nehmen. Damit sei auch der so genannte „Alterssuizid" mit Unterstützung denkbar. Diese Form des selbstbestimmten Lebensendes, allein mit der Begründung lebenssatt zu sein, wird zurzeit als mögliche Variante in der Schweiz und den Niederlanden diskutiert.

 

Der ebenfalls anwesende Strafrechtler Prof. Dr. Reinhard Merkel betonte, dass Natrium-Pentobarbital auf jeden Fall weiter reguliert bleiben wird. „Eine Freigabe von NaP ist undenkbar", so Merkel. Er nimmt an, dass eine Art Notstandsausnahme in ein neues Gesetz geschrieben werden könnte.

 

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Dr. Wieland Schinnenburg analysierte ebenfalls: „Wir brauchen neue Regelungen." Wie diese genau aussehen, konnte auch Prof. Dr. Steffen Augsberg noch nicht genau beschreiben. Er war einer der Hauptinitiatoren des § 217 StGB gewesen und hält auch heute an der Überzeugung fest, dass das Gesetz im Kern richtig war und verfassungsgemäß.

 

Dieser Einschätzung konnten sich Professor Roßbruch und die anderen Diskutanten keinesfalls anschließen. Es gebe einfach keine Beweise, dass sich alte Menschen reihenweise zur Inanspruchnahme von Suizidhilfe verleiten ließen, betonte Erwin Kress als Vertreter des Humanistischen Verbands. Er stellte Kernthesen eines eigenen Gesetzentwurfes vor, den der HVD ausgedruckt als „Suizidhilfekonflikt-Gesetz" mitgebracht hatte.

 

Der Psychiater und Gutachter Dr. Johann F. Spittler verwahrte sich gegen die immer wieder kolportierte These, dass nun Jugendliche mit Liebeskummer die Büros der Sterbehilfevereine stürmen. „Das Argument ist Blödsinn." Ihm sei noch nie ein solcher Fall untergekommen. Allerdings erwartet er durchaus einen Dammbruch an Nachfragen, aber „gedrängt allenfalls von den Verhältnissen." Gemeint waren die Verhältnisse in Pflegeeinrichtungen und Heimen, denen Menschen nicht ausgeliefert sein wollen. Wie auch immer ein neues Gesetz zur Regelung der Suizidhilfe aussieht. Professor Roßbruch kündigte an, dass man es mit Argusaugen ansehen werde.

 

Wega Wetzel

 

Redaktionelle Anmerkung:

Die DGHS hat bereits Mitte des Jahres 2019 einen eigenen (und begründeten) Entwurf für ein „Gesetz zum Umgang mit Suizid und Sterbehilfe" der Öffentlichkeit vorgelegt.

Eine diesbezügliche Broschüre kann in der DGHS-Geschäftsstelle nachgefragt werden: info(at)dghs.de

(srk)


http://www.freigeist-weimar.de/beitragsanzeige/dghs-weit-ueber-das-hinaus-was-wir-uns-ertraeumt-hatten/?fbclid=IwAR0LCm7bJCUhgkv5ujA1-UehyDiRVIFp4p0arWMhbqljXvB5PcWnCTef1nc
 
11.03.2020

Von: Wega Wetzel
 

 




Flüchtlingskrise: Hier endet Europa


GrenzeSo titelte PROFIL am 7.3.2020 einen Artikel von Martin Staudinger und Robert Treichler, im Internet ist davon nur zu lesen:

"Erneut scheitert Europa an einer Flüchtlingskrise – diesmal an einer, die vom türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan mit zynischem Kalkül heraufbeschworen wurde. Wie konnte es dazu kommen? profil-Reporter berichten von den Brennpunkten der aktuellen Eskalation an der griechischen Grenze, der Ägäis-Insel Lesbos und der umkämpften syrischen Provinz Idlib.
Gut möglich, dass man sich irgendwann an den 1. März 2020 als den Tag erinnern wird, an dem die europäische Idee endgültig ihre Unschuld verlor: An diesem Sonntag teilte Griechenlands Regierungschef Kyriakos Mitsotakis der Welt gegen halb elf Uhr Abends via Twitter mit, sein Land werde ab sofort einen Monat lang keine Asylanträge mehr annehmen."

Soweit die zwei Absätze aus PROFIL. Europa scheitert an keiner Flüchtlingskrise, die organisierten Flüchtlingsströme scheitern beim Versuch, 2015 zu wiederholen! Nehmen wir das hier schon mehrfach zitierte Asylprogramm der KPÖ, die offenbar 2019 zur EU-Wahl mit der folgenden Forderung einen neuen allumfassenden Gutmenschenweltrekord aufstellen wollte, damit aber nur die Hälfte ihrer Wähler von 2014 verscheuchte: "Wir wollen uns in einem Europa ohne Binnengrenzen frei bewegen (…) und (ein Europa) das all jenen einen sicheren Platz bietet, die vor Krieg, Verfolgung, Elend und Klimakrise flüchten."

Also vielleicht eine Milliarde sichere Plätze? Oder vielleicht fünf Milliarden? Jedenfalls würde die reale Durchführung der obigen KPÖ-Forderung mit Sicherheit Europa völlig zerstören! Weil weltweit gibt es eben Milliarden Menschen, deren Existenzstandard vergleichsweise zu den Verhältnissen in Europa objektiv oder zumindest subjektiv im Bereich von Krieg, Verfolgung, Elend und Klimakrise liegt. Da aber die Europäer ihren existierenden Zustand in Europa nicht verlieren wollen, bleibt der Politik nichts anderes über, als jedwede Art von Zuwanderung a la 2015 zu unterbinden! Was aktuell gemacht wird! Europa will nicht enden und darf nicht enden!




Viri probati


Viri probatiDie Vorschläge in der katholischen Kirche, verheiratete bewährte Männer ("viri probati") zur Priesterweihe zuzulassen, hat der Papst entgegen den Erwartungen ruhend gestellt, wie am 4.3.2020 Medien berichteten, sind in der BRD die Bischöfe damit nicht einverstanden, es heißt in den Berichten, die Forderungen katholischer deutscher Bischöfe an Papst Franziskus nach einer Zulassung verheirateter Männer als Priester würden intensiver. Am Rande der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Mainz sagte der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck zur Zulassung bewährter verheirateter Männer zum Priesterdienst, die Frage bleibe "virulent". Dass der Papst im Dokument zur Amazonassynode nicht darauf einging, bedeute nicht das Ende dieser Debatte.

Na, vielleicht macht der nächste Papst was, der aktuelle Franz wird heuer ja eh schon 84 Jahre alt, hundert wird er schon nicht werden! Aber wenn es bewährte Ehemänner als Priester geben wird, das größere Problem wird davon nicht behoben, denn der Gläubigenmangel liegt höher als der Priestermangel!

Hier wieder einmal die Tabelle dazu:

Und dagegen hilft gar nix!
Weil die seinerzeitige Glaubenspflicht kommt nicht wieder…

 

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).




Kommentar: Religionsfreiheit contra religiöse Dominanz


bfgWEIMAR. (bfg/fgw) Oder: Warum Religionsgesellschaften kein Interesse an voller Religionsfreiheit haben. Zu diesem Thema schreibt Gerhard Rampp vom Bund für Geistesfreiheit (bfg) Augsburg:

 

Wenn der Vatikan die Beziehungen zu Staaten definiert, steht die Forderung nach Religionsfreiheit an erster Stelle. Gemeint ist damit meist nur das Recht der Kirche, nach eigenem Gutdünken schalten und walten zu dürfen, ohne dass sich der Staat in kirchliche Angelegenheiten einmischt – während sich die Kirche sehr wohl in staatliche Angelegenheiten einmischen will. In Wirklichkeit ist der Begriff „Religionsfreiheit" aber weit umfassender als die Kirchen glauben machen wollen.

 

1. Religionsfreiheit ist ein Recht von Individuen und nicht von Organisationen

Originär kann sich nur eine natürliche Person zu einem Glauben bekennen, erst danach können sich Gleichgesinnte zu einer Gruppe zusammenschließen. Im Grundgesetz ist die Glaubensfreiheit im Wesentlichen in den Grundrechtsartikeln 3 und 4 geregelt, die Belange der Religionsgesellschaften hingegen sind erst in Artikel 140 angehängt. Im Extremfall kann eine Person ihr religiöses Selbstbestimmungsrecht auch gegen die eigene Glaubensgemeinschaft zur Geltung bringen.

 

2. Religionsfreiheit ist Meinungsfreiheit in einem speziellen Teilbereich

Erst seitdem das Grundrecht auf Meinungsfreiheit in der Aufklärung postuliert wurde, kam auch die Religionsfreiheit auf die Tagesordnung. „Ihre Meinung ist das genaue Gegenteil der meinigen, aber ich werde alles daransetzen, dass Sie Ihre Meinung sagen können", schrieb Voltaire einem Kontrahenten. Gleiches hat für den Stellenwert weltanschaulicher Bekenntnisse zu gelten. Implizit wird damit zugestanden, dass jede religiöse Überzeugung im Diskurs mit Andersdenkenden eine persönliche Meinung, nicht aber eine bewiesene Wahrheit ist. In der säkular gewordenen Gesellschaft wird diese Auffassung heute allgemein geteilt; vor allem junge Menschen betrachten Religionen ganz überwiegend als Systeme, die auf Vermutungen beruhen.

 

3. Religionsfreiheit ist definiert als Recht, sich zu einer Religion zu bekennen

Auf diesen Kern beschränkt sich zumeist das Verständnis der Religionsgemeinschaften. Er schließt auch das Recht ein sich im öffentlichen Raum zu äußern – soweit die Rechte anderer nicht eingeschränkt werden, wie z.B. bei weltlichen Veranstaltungen an „stillen Tagen". Die Grenze lässt sich am früheren und aktuellen Verhalten der Zeugen Jehovas gut darstellen: Ihre Hausbesuche haben sie eingestellt, nun präsentieren sie sich oft zu dritt mit Plakaten auf belebten Plätzen. Ersteres ist unzulässige Belästigung, letzteres durch Meinungsfreiheit gedeckt.

 

4. Religionsfreiheit schließt das Recht auf Wechsel der Religion ein

Dieses wichtige Grundrecht ist in allen Menschenrechtserklärungen verankert. Dagegen verstoßen aber nicht nur viele islamische Gemeinschaften, sondern auch die katholische Kirche. Wer aus ihr austritt, erhält nicht selten ein Schreiben der zuständigen Pfarrei, in dem auf die ewige Gültigkeit der Taufe hingewiesen wird, aus der man gar nicht austreten könne. Der säkulare Staat hat sich gegenüber dieser Position nur teilweise abgegrenzt: Er schaffte ein Recht auf Kirchenaustritt, beschränkte es aber in seiner Wirkung auf die Kirchensteuerpflicht.

(Ein „Kirchenaustritt" ist also – entgegen dem Wortlaut – gar kein Austritt aus der Glaubensgemeinschaft, sondern nur aus der Kirchensteuerpflicht!) Jedenfalls wird nun verständlich, warum sich der Vatikan seit Jahrzehnten hartnäckig weigert, die Menschenrechtskonvention des Europarats von 1950 zu unterzeichnen.

 

5. Religionsfreiheit schließt das Recht auf völligen Verzicht auf Religion ein

Diese Selbstverständlichkeit erkennt die katholische Kirche inzwischen an. Das Religionsverfassungsrecht spricht hier von einer gleichrangigen „negativen Religionsfreiheit", die in Wirklichkeit aber kein separates Rechtsgut ist, sondern Teil der einen Religionsfreiheit ist. Doch gibt es z.B. im Umkreis der Piusbruderschaft Kleriker, die noch heute die Todesstrafe für „Glaubensabtrünnige" fordern und damit einem erheblichen Teil der islamischen Sunniten nicht nachstehen. Und auch Politiker unterschiedlicher Parteien missachten in der Praxis die Religionsfreiheit nichtgläubiger Menschen. So diffamiert der frühere Spitzenpolitiker der Linken, Gregor Gysi, Gottlose regelmäßig als „moralfrei", und der niederbayerische CSU-Bundestagshinterbänkler Irlstorfer beschimpft Konfessionslose als unmoralische Existenzen, die noch schlimmer seien als Muslime.

 

6. Religionsfreiheit ist ein höchstpersönliches Recht, das auch Kindern zusteht

Das Bewusstsein, dass auch Kinder unveräußerliche Grundrechte haben, ist in unserer Gesellschaft noch nicht angekommen. In den drei wichtigen Menschenrechtserklärungen Mitte des 20. Jahrhunderts (UN-Charta, Artikel 1 bis 19 des Grundgesetzes, Menschenrechtskonvention des Europarats) findet sich dazu nichts. Kinder galten lange Zeit als Eigentum der Eltern. Erst mit der UN-Kinderrechtskonvention (verabschiedet 1989, in Kraft getreten 1995) hat sich die Sichtweise etwas geändert. Selbstverständlich haben die Eltern ein Erziehungsrecht, aber damit kein Monopol auf Erziehung, wie dies z.B. die evangelikalen „besorgten Eltern" meinen. Kinder haben Anspruch auf Informationen auch aus anderen Quellen: Durch den Schulunterricht dürfen demokratische Werte vermittelt werden, die Gleichaltrigen („peer group") und die Medien werden Kinder später ebenfalls prägen.

In weltanschaulicher Hinsicht dürfen Eltern also ihre Kinder durchaus beeinflussen. Die letzte Entscheidung im Alter der Religionsmündigkeit muss aber bei den Kindern liegen. Kinder zu taufen, solange sie noch nicht selbst entscheiden können, ist demnach – streng genommen – ein Eingriff in deren Selbstbestimmungsrecht. Man kann darüber diskutieren, ob eine Säuglingstaufe (als rein symbolisches Ritual) evtl. noch hinnehmbar sei. Keinesfalls gilt dies aber für eine sich daraus abgeleitete Kirchensteuerpflicht des religionsunmündigen Kleinkindes. Da hat sich der Staat strikt herauszuhalten. Die Länder könnten ohne kirchliche Zustimmung regeln, dass Kirchensteuer erst ab 14 oder 16 Jahren und nur mit eigenhändig unterzeichneter Beitrittserklärung der betroffenen religionsmündigen Person erhoben werden darf.

 

Fazit

Die Kirchen geben sich zwar gern als Hüterinnen der Glaubensfreiheit aus, doch erst mit der Umsetzung aller sechs genannten Teilaspekte gäbe es sie tatsächlich. Das liegt aber nicht im Interesse religiöser Organisationen, denn weltanschaulich autonome Jugendliche träten ihnen nur noch zu einem kleinen Teil bei.

 

 

Gerhard Rampp

 

http://www.freigeist-weimar.de/beitragsanzeige/kommentar-religionsfreiheit-contra-religioese-dominanz/

 
04.03.2020

Von: Gerhard Rampp
 

 




Ernesto Cardenal gestorben - ein atheistischer Nachruf


Ernesto_Cardenal_2010Darüber berichtete am 3.3.2010 die marxistische deutsche Tageszeitung "Junge Welt":

Der nicaraguanische Dichter, Befreiungstheologe und Revolutionär Ernesto Cardenal ist im Alter von 95 Jahren verstorben. Er erlag am 1.3. im Krankenhaus einem Herzstillstand, wie seine langjährige Assistentin Luz Marina Acosta der Nachrichtenagentur AFP mitteilte. Der Dichter und katholische Priester (»Das Evangelium der Bauern von Solentiname«) war einer der bekanntesten Vertreter der Befreiungstheologie. Die in Lateinamerika entstandene Bewegung propagiert die Hinwendung der Kirche zu den Armen und den Kampf für eine sozial gerechte Gesellschaft. Nicaraguas Präsident Daniel Ortega rief eine dreitägige Staatstrauer aus.
Cardenal wurde nach dem Sturz des Diktators Anastasio Somoza durch die linken Sandinisten 1979 vom damals erstmals die Regierung bildenden Ortega zum Kultusminister ernannt. Das Amt übte er bis 1987 aus. Wegen seines politischen Engagements geriet Cardenal jedoch mit der katholischen Kirche in Konflikt. 1985 verbot ihm der damalige Papst Johannes Paul II. die Ausübung des priesterlichen Dienstes. Erst vor einem Jahr hob Papst Franziskus dieses Verbot wieder auf. Cardenal gelangte als Vertreter der sandinistischen Revolution und als Dichter zu großer internationaler Berühmtheit. 1980 erhielt er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Mit Ortega hatte Cardenal schon in den 90er Jahren gebrochen, er warf ihm einen autoritären Führungsstil und Korruption vor.

Auch der ORF berichtete, dort hieß es u.a.:

"Sandinist, Marxist und Christ"
Cardenal war eine der schillerndsten Figuren Lateinamerikas. Er nannte sich "Sandinist, Marxist und Christ". Nach einem Literaturstudium in New York beteiligte sich Cardenal 1954 am ersten, gescheiterten Putsch gegen den Somoza-Clan. 1957 trat er in das Trappistenkloster Gethsemany im US-Bundesstaat Kentucky ein. Vor seiner Priesterweihe studierte Cardenal von 1961 bis 1965 in Mexiko und Kolumbien Theologie.
1966 gründete er auf der Insel Solentiname im Nicaragua-See eine an radikal-urchristlichen Idealen orientierte Gemeinschaft. Aus den dortigen Erfahrungen entstand sein wohl bekanntestes Buch, das "Evangelium der Bauern von Solentiname".
1977 floh Cardenal nach Costa Rica und warb um Unterstützung für die Sandinisten. Zwei Jahre später wurden er und zwei weitere Priester Minister der neuen sandinistischen Regierung in Nicaragua. Gemeinsam mit dem verstorbenen österreichischen Schauspieler und Showmaster Dietmar Schönherr gründete Cardenal Ende der 1980er Jahre in seiner Geburtsstadt Granada eine Einrichtung, die europäische, indianische und afrikanische Kulturelemente miteinander ins Gespräch bringen will.

Soweit zwei Medienmeldungen. Meinereiner sah als Atheist in Geistlichen, die sich befreiungstheologisch betätigten, keine üblichen Religiösen, sondern Genossen!

Ernesto Cardenal, Ehre seinem Angedenken!


PD-Foto von 2010, Wikipedia, spanische Version

Entnommen bei www.atheisten-info.at (Erwin Peterseil).

 




DGHS und Dignitas starten kostenfreie Beratungs-Hotline


dghsWEIMAR. (dghs/fgw) Die Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben e.V. (DGHS) und der Verein DIGNITAS – Menschenwürdig leben – Menschenwürdig sterben haben mit „Schluss.PUNKT“ eine gemeinsame kostenfreie Beratungs-Hotline zu Fragen am Lebensende gestartet. In einer diesbezüglichen Presseerklärung heißt es:

 

Unter dem Namen Schluss.PUNKT haben die beiden Vereine DGHS und DIGNITAS gemeinsam eine niederschwellige Beratungsstelle gegründet. Dabei soll Menschen, die eine Beendigung des eigenen Lebens in Betracht ziehen, ergebnisoffen und unvoreingenommen umfassende Informationen als Entscheidungsgrundlage zur Gestaltung des weiteren Lebens bis zum Lebensende vermittelt werden. Ziel dieser Beratungsstelle ist, kurzschlüssige und riskante Suizidversuche zu verringern und wohlerwogene Suizide zu ermöglichen.

 

Das Bundesverfassungsgericht das Recht eines jeden freiverantwortlichen Menschen, selbst über Zeitpunkt und Umstände des eigenen Lebensendes entscheiden zu können, bestätigt. Damit hat es einen wichtigen Beitrag geleistet, kurzschlüssige und riskante Suizidversuche zu verringern. Denn nur schon das Wissen um die Möglichkeit eines selbstbestimmten Lebensendes gibt betroffenen Menschen Sicherheit, um in Ruhe sämtliche Optionen, deren Risiken und Konsequenzen in Ruhe zu reflektieren.

 

Jedes Jahr sterben weltweit mehr als 800.000 Menschen durch Suizid. In Deutschland nahmen sich im Jahr 2017 9.235 Menschen das Leben. Die zurückhaltenderen Schätzungen gehen davon aus, dass auf jeden erfolgten Suizid 20 Suizidversuche kommen, die nicht mit dem Tod enden. Das bedeutet, dass im Jahr 2017 in Deutschland wahrscheinlich 184.700 Menschen einen Suizidversuch überlebt haben – oft körperlich und seelisch schwer verletzt und von der Gesellschaft stigmatisiert. Suizide und Suizidversuche haben aber auch auf weitere Personen eine schädigende Auswirkung, wie zum Beispiel Angehörige, Freunde, Lokomotivführer, usw. Das Tabu der Selbsttötung, welches durch Inkrafttreten des § 217 StGB noch wesentlich verstärkt wurde, führt dazu, dass sich Menschen mit Suizidgedanken nicht trauen darüber zu sprechen und in der Not zu riskanten Suizidmethoden greifen. Solange Suizidprävention Angelegenheit von Menschen und Gruppen darstellt, welche den Suizid ablehnen und unbedingt verhindern wollen, wird sich daran nichts ändern.

 

Bei Schluss.PUNKT ist Selbsttötung kein Tabu. Über Suizid und Suizidgedanken kann offen und ohne Angst vor Repressalien gesprochen werden. Die Entscheidung, seinem Leben ein Ende zu setzen, soll wohlüberlegt sein. Das bedeutet, dass alle Handlungsoptionen, deren Risiken und zu erwartenden Konsequenzen durchdacht und anschließend miteinander verglichen werden. Im Gespräch mit Schluss.PUNKT werden die dazu benötigten Informationen zur Verfügung gestellt. Dabei ist die Selbsttötung eine von mehreren Optionen. Denn das Wissen um die Möglichkeit einer selbstbestimmten und begleiteten Lebensbeendigung, gibt den Betroffenen Sicherheit, um in Ruhe die notwendigen Überlegungen anzustellen.

 

Die Beratungsstelle Schluss.PUNKT ist unter der Telefonnummer 0800 / 80 22 400 jeweils von Montag bis Freitag zwischen 12.00 und 14.00 Uhr erreichbar. Die Dienstleistungen der Beratungsstelle sind kostenlos und nicht an eine Mitgliedschaft gebunden.

 

Mehr dazu auf der Webseite www.schluss-punkt.de

 

 

(SRK)

 




530. Wort zum Sonntag, den 1.3.2020


FastenMt 4,1-11: Dann wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt; dort sollte er vom Teufel versucht werden. Als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn. Da trat der Versucher an ihn heran und sagte: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird. Er aber antwortete: In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt. Darauf nahm ihn der Teufel mit sich in die Heilige Stadt, stellte ihn oben auf den Tempel und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich hinab; denn es heißt in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er um deinetwillen, und: Sie werden dich auf ihren Händen tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt. Jesus antwortete ihm: In der Schrift heißt es auch: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen. Wieder nahm ihn der Teufel mit sich und führte ihn auf einen sehr hohen Berg; er zeigte ihm alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht und sagte zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest. Da sagte Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn in der Schrift steht: Den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten und ihm allein dienen. Darauf ließ der Teufel von ihm ab und siehe, es kamen Engel und dienten ihm.

Kardinal Schönborn titelt heute seine Predigt "Wozu und wie fasten?". Ja, da gibt's verschiedene Möglichkeiten! Heute wird hauptsächlich gefastet, um Übergewicht zu reduzieren, weil Übergewicht ist ungesund und schaut auch nicht schön aus! In alten Zeiten war das Fasten ein oft notwendiges Übel, weil es zuwenig Nahrung gab. Die armen Leute fasteten, wenn sie nichts zu essen hatten, die jetzige Winterzeit war in alten Zeiten speziell eine Zeit zum Fasten, weil die angelegten Nahrungsvorräte weniger wurden und man damit solange auskommen musste, bis die Natur Nachschub lieferte, weil zum Beispiel gab's in den biblischen Zeiten schließlich noch keine Gefriereinrichtungen und Konservendosen!

Dieses Fasten aus Nahrungsmangel ist heute in unseren Breiten schon lange keine Massenerscheinung mehr, aber im religiösen Bereich sind davon noch Bräuche geblieben: Im ausgehenden Winter ist Fastenzeit, weil man seinerzeit mit den Vorräten sparsam umgehen musste. Und wie es eben seinerzeit üblich war, regelte die religiöse Moral solche Dinge, wenn Gott das Fasten befahl, dann war das Fasten eben eine Pflicht!

Dazu haben wir heute eine lustige Geschichte aus der Bibel, der Jesus als zweiter Teil des dreiteiligen, bzw. dreifaltigen allmächtigen Gottes, wird mit läppischen teuflischen Versuchungen belästigt! Der letzte Satz im obigen Evangelium ist zudem zweideutig, "darauf ließ der Teufel von ihm ab und siehe, es kamen Engel und dienten ihm." Wem haben die Engel gedient? Dem Teufel oder dem Jesus? Von der Satzstellung her ist beides grammatikalisch möglich!

Aber das nur nebenbei, der Teufel, der einen allmächtigen und allwissenden Gott versucht, ist jedenfalls ein dummer Teufel. Aber solche Dummheiten sind ja in der Bibel nix Ungewöhnliches! Was schreibt heute der Herr Schönborn dazu? Er sieht das 40tägige Jesusfasten so: "Kaum jemand fastet so radikal wie Jesus. Es wäre wohl auch nicht zu verantworten, 40 Tage völlig ohne Nahrung zu bleiben. Wie dann aber sinnvoll die Fastenzeit leben?" Ja, einer der 40 Tage nix isst, der wird wohl verhungern! Im Internet war dazu zu finden: "Erwachsene Menschen können nur etwa zwölf Tage und Kinder sogar nur sieben bis acht Tage ohne Nahrungsaufnahme bestehen und dann infolge vollständiger Erschöpfung sterben".

Die 40tägige christliche Fastenzeit war natürlich nie eine komplett nahrungslose Zeit, sonst wäre das Christentum ja schon sehr lange ausgestorben. Fasten bedeutete ursprünglich, aus religiösen Gründen zeitweilig auf Nahrung bzw. auf bestimmte Speisen zu verzichten, heute geht's beim Fasten in der Regel um das Einhalten einer Diät, lateinisch "diaeta" = geregelte Lebensweise.

Eine alte katholische Fastenvorschrift, die von der r.k. Kirche schon in den 1960er-Jahren abgeschafft wurde, hat sich in Bereichen bis heute gehalten: Der fleischfreie Fasttag freitags, in vielen Gaststätten und Betriebskantinen gibt's immer noch im Freitagsmenu die seinerzeit katholisch als fleischfrei deklarierten Fische! Dabei ist das vom Ursprung her, eine typisch katholische Heuchelei gewesen, man deklarierte das Fischfleisch zum Nichtfleisch und damit zur Fastenspeise: da konnten dann fettgefressene Prälaten sündenfrei am Freitag fette Karpfen fressen!

Aber auch das nur nebenbei, was erzählt der Schönborn seinen Predigtlesern? Er ist durchaus realistisch: "Bei uns gab es früher auch feste Fastenbräuche, etwa das strikte Fleischverbot am Freitag. Heute muss jeder selber sein Fasten gestalten, und viele tun es auch, als Heilfasten, für die Gesundheit, zum Entschlacken, um seelisch und körperlich wieder frisch und fit zu werden. So steht am Anfang dieser Fastenzeit die Frage: Wozu fasten? Wie fasten? Was nehme ich mir persönlich für diese vierzig Tage vor?"

Schönborns Schlussabsatz: " Wozu und wie also fasten? Sicher auch für die eigene Gesundheit. Aber wenn ich dadurch nicht aufmerksamer für Gott und die anderen werde, rücksichtsvoller und einfühlsamer, dann war das Fasten bloß ein egoistischer Trip. Dann bin ich dem Versucher auf den Leim gegangen. Davor will uns Jesus bewahren."

Also für sich selber zu fasten, ist egoistisch und darum eine Sünde! Und davor bewahrt der Jesus den Schönborn. Den Menschen wird das wurscht sein, das Diätfasten ist längst das Normale und die Zahl der Faster wegen Gott wird heute wohl recht klein sein…

 

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).




Der Spruch des Bundesverfassungsgerichts im (Kurz-)Wortlaut


BVerfGWEIMAR. (fgw) Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts über die Verfassungswidrigkeit des Paragraphen 217 wird in zahlreichen Medien von interessierten, insbesondere klerikalen, Kreisen nur sehr verkürzt und z.T. sogar verfälscht wiedergegeben. Daher soll an dieser Stelle die Pressemitteilung des Gerichts im Wortlaut zur Kenntnis gegeben werden.

 

Die Pressemitteilung Nr. 12/2020 vom 26. Februar 2020 ist überschrieben mit: Verbot der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung verfassungswidrig. Urteil vom 26. Februar 2020: 2 BvR 2347/15, 2 BvR 2527/16, 2 BvR 2354/16, 2 BvR 1593/16, 2 BvR 1261/16, 2 BvR 651/16

 

Der Text lautet wie folgt:

 

Das allgemeine Persönlichkeitsrecht (Art. 2 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 GG) umfasst ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben. Dieses Recht schließt die Freiheit ein, sich das Leben zu nehmen und hierbei auf die freiwillige Hilfe Dritter zurückzugreifen. Die in Wahrnehmung dieses Rechts getroffene Entscheidung des Einzelnen, seinem Leben entsprechend seinem Verständnis von Lebensqualität und Sinnhaftigkeit der eigenen Existenz ein Ende zu setzen, ist im Ausgangspunkt als Akt autonomer Selbstbestimmung von Staat und Gesellschaft zu respektieren. Mit dieser Begründung hat der Zweite Senat mit Urteil vom heutigen Tage entschieden, dass das in § 217 des Strafgesetzbuchs (StGB) normierte Verbot der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung gegen das Grundgesetz verstößt und nichtig ist, weil es die Möglichkeiten einer assistierten Selbsttötung faktisch weitgehend entleert. Hieraus folgt nicht, dass es dem Gesetzgeber von Verfassungs wegen untersagt ist, die Suizidhilfe zu regulieren. Er muss dabei aber sicherstellen, dass dem Recht des Einzelnen, sein Leben selbstbestimmt zu beenden, hinreichend Raum zur Entfaltung und Umsetzung verbleibt.

 

Sachverhalt:

§ 217 StGB (Verbot der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung) bedroht denjenigen mit Strafe, der in der Absicht, die Selbsttötung eines anderen zu fördern, diesem hierzu geschäftsmäßig Gelegenheit gewährt, verschafft oder vermittelt. Hiergegen wenden sich unter anderem Vereine mit Sitz in Deutschland und in der Schweiz, die Suizidhilfe anbieten, schwer erkrankte Personen, die ihr Leben mit Hilfe eines solchen Vereins beenden möchten, in der ambulanten oder stationären Patientenversorgung tätige Ärzte sowie im Bereich suizidbezogener Beratung tätige Rechtsanwälte.

 

Wesentliche Erwägungen des Senats:

I. Das Verbot der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung verletzt das allgemeine Persönlichkeitsrecht (Art. 2 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 GG) von zur Selbsttötung entschlossenen Menschen in seiner Ausprägung als Recht auf selbstbestimmtes Sterben. Das gilt auch dann, wenn die Regelung in enger Auslegung ausschließlich die von Wiederholungsabsicht getragene Förderung einer Selbsttötung als Akt eigenhändiger Beendigung des eigenen Lebens erfasst.

 

1. Das allgemeine Persönlichkeitsrecht umfasst als Ausdruck persönlicher Autonomie ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben. Dieses Recht schließt die Freiheit ein, sich das Leben zu nehmen, hierfür bei Dritten Hilfe zu suchen und, soweit sie angeboten wird, in Anspruch zu nehmen.

 

a) Das allgemeine Persönlichkeitsrecht gewährleistet das Recht, selbstbestimmt die Entscheidung zu treffen, sein Leben eigenhändig bewusst und gewollt zu beenden.

 

aa) Die Achtung und der Schutz der Menschenwürde und der Freiheit sind grundlegende Prinzipien der Verfassungsordnung, die den Menschen als eine zu Selbstbestimmung und Eigenverantwortung fähige Person begreift. Von der Vorstellung ausgehend, dass der Mensch in Freiheit sich selbst bestimmt und entfaltet, umfasst die Garantie der Menschenwürde insbesondere die Wahrung personaler Individualität, Identität und Integrität. Die unverlierbare Würde des Menschen als Person besteht hiernach darin, dass er stets als selbstverantwortliche Persönlichkeit anerkannt bleibt. Dieser Gedanke autonomer Selbstbestimmung wird in den Gewährleistungsgehalten des allgemeinen Persönlichkeitsrechts näher konkretisiert. Es sichert die Grundbedingungen dafür, dass der Einzelne seine Identität und Individualität selbstbestimmt finden, entwickeln und wahren kann.

 

Die selbstbestimmte Wahrung der eigenen Persönlichkeit setzt voraus, dass der Mensch über sich nach eigenen Maßstäben verfügen kann und nicht in Lebensformen gedrängt wird, die in unauflösbarem Widerspruch zum eigenen Selbstbild und Selbstverständnis stehen. Die Entscheidung, das eigene Leben zu beenden, ist von existentieller Bedeutung für die Persönlichkeit eines Menschen. Welchen Sinn der Einzelne in seinem Leben sieht und ob und aus welchen Gründen er sich vorstellen kann, sein Leben selbst zu beenden, unterliegt höchstpersönlichen Vorstellungen und Überzeugungen. Der Entschluss zur Selbsttötung betrifft Grundfragen menschlichen Daseins und berührt wie keine andere Entscheidung Identität und Individualität des Menschen. Das Recht auf selbstbestimmtes Sterben umfasst deshalb nicht nur das Recht, nach freiem Willen lebenserhaltende Maßnahmen abzulehnen. Es erstreckt sich auch auf die Entscheidung des Einzelnen, sein Leben eigenhändig zu beenden.

 

bb) Das Recht auf selbstbestimmtes Sterben ist nicht auf fremddefinierte Situationen wie schwere oder unheilbare Krankheitszustände oder bestimmte Lebens- und Krankheitsphasen beschränkt. Es besteht in jeder Phase menschlicher Existenz. Eine Einengung des Schutzbereichs auf bestimmte Ursachen und Motive liefe auf eine Bewertung der Beweggründe des zur Selbsttötung Entschlossenen und auf eine inhaltliche Vorbestimmung hinaus, die dem Freiheitsgedanken des Grundgesetzes fremd ist. Die Entscheidung des Einzelnen, dem eigenen Leben entsprechend seinem Verständnis von Lebensqualität und Sinnhaftigkeit der eigenen Existenz ein Ende zu setzen, entzieht sich einer Bewertung anhand allgemeiner Wertvorstellungen, religiöser Gebote, gesellschaftlicher Leitbilder für den Umgang mit Leben und Tod oder Überlegungen objektiver Vernünftigkeit. Sie bedarf keiner weiteren Begründung oder Rechtfertigung, sondern ist im Ausgangspunkt als Akt autonomer Selbstbestimmung von Staat und Gesellschaft zu respektieren.

 

cc) Das Recht, sich selbst zu töten, kann nicht mit der Begründung verneint werden, dass sich der Suizident seiner Würde begibt, weil er mit seinem Leben zugleich die Voraussetzung seiner Selbstbestimmung aufgibt. Die selbstbestimmte Verfügung über das eigene Leben ist vielmehr unmittelbarer Ausdruck der der Menschenwürde innewohnenden Idee autonomer Persönlichkeitsentfaltung; sie ist, wenngleich letzter, Ausdruck von Würde.

 

b) Das Recht, sich selbst zu töten, umfasst auch die Freiheit, hierfür bei Dritten Hilfe zu suchen und Hilfe, soweit sie angeboten wird, in Anspruch zu nehmen. Das Grundgesetz gewährleistet die Entfaltung der Persönlichkeit im Austausch mit Dritten, die ihrerseits in Freiheit handeln. Ist die Wahrnehmung eines Grundrechts von der Einbeziehung Dritter abhängig und hängt die freie Persönlichkeitsentfaltung an der Mitwirkung eines anderen, schützt das Grundrecht auch davor, dass es nicht durch ein Verbot gegenüber Dritten, im Rahmen ihrer Freiheit Unterstützung anzubieten, beschränkt wird.

 

2. § 217 StGB greift in das allgemeine Persönlichkeitsrecht Sterbewilliger ein, auch wenn diese nicht unmittelbare Adressaten der Norm sind. Auch staatliche Maßnahmen, die eine mittelbare oder faktische Wirkung entfalten, können Grundrechte beeinträchtigen, wenn sie in ihrer Zielsetzung und Wirkung einem normativen und direkten Eingriff gleichkommen, und müssen dann von Verfassungs wegen hinreichend gerechtfertigt sein. Das in § 217 Abs. 1 StGB strafbewehrte Verbot der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung entfaltet eine objektiv die Freiheit zum Suizid einschränkende Wirkung. Es macht es dem Einzelnen faktisch weitgehend unmöglich, Suizidhilfe zu erhalten. Diese Einschränkung individueller Freiheit ist von der Zweckrichtung des Verbots bewusst umfasst und begründet einen Eingriff auch gegenüber suizidwilligen Personen. Angesichts der existentiellen Bedeutung, die der Selbstbestimmung über das eigene Leben für die personale Identität, Individualität und Integrität zukommt, wiegt der Eingriff besonders schwer.

 

3. Der Eingriff ist nicht gerechtfertigt. Das Verbot der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung ist am Maßstab strikter Verhältnismäßigkeit zu messen. Diesem genügt ein grundrechtseinschränkendes Gesetz nur, wenn es legitime Zwecke verfolgt, geeignet und erforderlich ist, diese zu erreichen, und die von ihm ausgehenden Einschränkungen hierzu in angemessenem Verhältnis stehen.

 

a) Der Gesetzgeber verfolgt mit dem Verbot der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung einen legitimen Zweck.

 

aa) Die Regelung dient dazu, die Selbstbestimmung des Einzelnen über sein Leben und hierdurch das Leben als solches zu schützen.

 

Mit diesen Zielen des Autonomie- und des Lebensschutzes dient das Verbot des § 217 StGB der Erfüllung einer in der Verfassung begründeten staatlichen Schutzpflicht und damit einem legitimen Zweck. Art. 1 Abs. 1 Satz 2 GG in Verbindung mit Art. 2 Abs. 2 Satz 1 GG verpflichten den Staat, die Autonomie des Einzelnen bei der Entscheidung über die Beendigung seines Lebens und hierdurch das Leben als solches zu schützen. In Wahrnehmung dieser Schutzpflicht ist der Gesetzgeber nicht nur berechtigt, konkret drohenden Gefahren für die persönliche Autonomie von Seiten Dritter entgegenzuwirken. Er verfolgt auch insoweit ein legitimes Anliegen, als er verhindern will, dass sich der assistierte Suizid in der Gesellschaft als normale Form der Lebensbeendigung durchsetzt. Er darf einer Entwicklung entgegensteuern, welche die Entstehung sozialer Pressionen befördert, sich unter bestimmten Bedingungen, etwa aus Nützlichkeitserwägungen, das Leben zu nehmen.

 

bb) Die Annahme des Gesetzgebers, das Angebot geschäftsmäßiger Suizidhilfe berge Gefahren für die Selbstbestimmung, beruht auf einer von Verfassungs wegen nicht zu beanstandenden Grundlage.

 

(1) Wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse über die langfristigen Auswirkungen der Zulassung geschäftsmäßiger Suizidhilfe existieren nicht. Bei dieser Sachlage reicht es aus, wenn sich der Gesetzgeber an einer sachgerechten und vertretbaren Beurteilung der ihm verfügbaren Informationen und Erkenntnismöglichkeiten orientiert hat.

 

(2) Danach hält die Gefahrenprognose des Gesetzgebers einer verfassungsrechtlichen Prüfung stand.

 

Nach dem Ergebnis der mündlichen Verhandlung hat sich die Einschätzung des Gesetzgebers, dass die bisherige Praxis geschäftsmäßiger Suizidhilfe in Deutschland nicht geeignet war, die Willens- und damit die Selbstbestimmungsfreiheit in jedem Fall zu wahren, jedenfalls als vertretbar erwiesen. Die Prüfung, ob ein Suizidwunsch auf einen freien Willen zurückgeht, erfolgte oftmals auf der Grundlage nicht näher nachvollziehbarer Plausibilitätsgesichtspunkte; insbesondere wurde von Sterbehilfeorganisationen bei Vorliegen körperlicher oder psychischer Erkrankungen auch ohne Kenntnis der medizinischen Unterlagen des Sterbewilligen und ohne Sicherstellung einer fachärztlichen Untersuchung, Beratung und Aufklärung Suizidhilfe geleistet. Die Annahme des Gesetzgebers, dass bei einer Einbeziehung geschäftsmäßig handelnder Suizidhelfer Leistungen im Vordergrund stehen, die der Durchführung des Suizids dienen, und deshalb die freie Willensbildung und die Entscheidungsfindung nicht hinreichend sichergestellt sind, ist hiernach plausibel.

 

Auch die Einschätzung des Gesetzgebers, dass geschäftsmäßige Suizidhilfe zu einer „gesellschaftlichen Normalisierung" der Suizidhilfe führen und sich der assistierte Suizid als normale Form der Lebensbeendigung insbesondere für alte und kranke Menschen etablieren könne, die geeignet sei, autonomiegefährdende soziale Pressionen auszuüben, ist nachvollziehbar. In Ländern mit liberalen Regelungen zur Suizid- und Sterbehilfe ist ein stetiger Anstieg assistierter Selbsttötungen und von Tötungen auf Verlangen zu verzeichnen. Dieser Anstieg ist für sich genommen zwar kein Nachweis für eine gesellschaftliche Normalisierung und autonomiegefährdenden sozialen Druck. Er kann auch mit einer größeren Akzeptanz der Sterbe- und Suizidhilfe in der Gesellschaft, der Stärkung des Selbstbestimmungsrechts oder dem gewachsenen Bewusstsein erklärt werden, dass der eigene Tod nicht mehr als unbeeinflussbares Schicksal hingenommen werden muss. Gleichwohl durfte der Gesetzgeber davon ausgehen, dass von einem unregulierten Angebot geschäftsmäßiger Suizidhilfe Gefahren für die Selbstbestimmung ausgehen können. Dies gilt – angesichts des steigenden Kostendrucks in den Pflege- und Gesundheitssystemen – insbesondere vor dem Hintergrund, dass Versorgungslücken in der Medizin und der Pflege geeignet sind, Ängste vor dem Verlust der Selbstbestimmung hervorzurufen und dadurch Suizidentschlüsse zu fördern. Auch die einem Suizid häufig zugrundeliegende Motivationslage stützt die Einschätzung des Gesetzgebers. Häufiges Motiv für einen assistierten Suizid ist ausweislich von Untersuchungen im In- und Ausland der Wunsch, Angehörigen oder Dritten nicht zur Last zu fallen.

 

b) Die Regelung des § 217 StGB stellt als Strafnorm grundsätzlich auch ein geeignetes Instrument des Rechtsgüterschutzes dar, weil das strafbewehrte Verbot gefahrträchtiger Handlungsweisen den erstrebten Rechtsgüterschutz zumindest fördern kann.

 

c) Ob die Regelung erforderlich ist, um die legitimen Schutzanliegen des Gesetzgebers zu erreichen, kann offenbleiben. Die von der Vorschrift ausgehende Einschränkung des Rechts auf selbstbestimmtes Sterben ist jedenfalls nicht angemessen.

 

aa) Angemessen ist eine Freiheitseinschränkung nur dann, wenn das Maß der Belastung des Einzelnen noch in einem vernünftigen Verhältnis zu den der Allgemeinheit erwachsenden Vorteilen steht. Hierbei müssen die Interessen des Gemeinwohls desto gewichtiger sein, je empfindlicher der Einzelne in seiner Freiheit beeinträchtigt wird. Andererseits wird der Gemeinschaftsschutz desto dringlicher, je größer die Nachteile und Gefahren sind, die aus gänzlich freier Grundrechtsausübung erwachsen können. Dabei unterliegt die Entscheidung des Gesetzgebers einer hohen Kontrolldichte, wenn schwere Grundrechtseingriffe in Frage stehen. Die existentielle Bedeutung, die der Selbstbestimmung speziell für die Wahrung personaler Individualität, Identität und Integrität im Umgang mit dem eigenen Leben zukommt, legt dem Gesetzgeber daher strenge Bindungen bei der normativen Ausgestaltung eines Schutzkonzepts im Zusammenhang mit der Suizidhilfe auf.

 

bb) Mit dem Verbot der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung hat der Gesetzgeber diese Bindungen überschritten.

 

(1) Der hohe verfassungsrechtliche Rang der Rechtsgüter Autonomie und Leben, die § 217 StGB schützen will, kann den Einsatz des Strafrechts zwar grundsätzlich legitimieren. Bei der staatlichen Aufgabe, ein geordnetes menschliches Zusammenleben durch Schutz der elementaren Werte des Gemeinschaftslebens zu schaffen, zu sichern und durchzusetzen, kommt dem Strafrecht eine unverzichtbare Funktion zu. Im Einzelfall kann es die Schutzpflicht des Staates insbesondere gebieten, rechtliche Regelungen so auszugestalten, dass bereits die Gefahr von Grundrechtsverletzungen eingedämmt wird.

 

Der legitime Einsatz des Strafrechts zum Schutz der autonomen Entscheidung des Einzelnen über die Beendigung seines Lebens findet seine Grenze aber dort, wo die freie Entscheidung nicht mehr geschützt, sondern unmöglich gemacht wird. Die Straflosigkeit der Selbsttötung und der Hilfe dazu steht als Ausdruck der verfassungsrechtlich gebotenen Anerkennung individueller Selbstbestimmung nicht zur freien Disposition des Gesetzgebers. Der Verfassungsordnung des Grundgesetzes liegt ein Menschenbild zugrunde, das von der Würde des Menschen und der freien Entfaltung der Persönlichkeit in Selbstbestimmung und Eigenverantwortung bestimmt ist. Dieses Menschenbild hat Ausgangspunkt jedes regulatorischen Ansatzes zu sein. Die staatliche Schutzpflicht zugunsten der Selbstbestimmung und des Lebens kann folgerichtig erst dort gegenüber dem Freiheitsrecht des Einzelnen den Vorrang erhalten, wo dieser Einflüssen ausgeliefert ist, die die Selbstbestimmung über das eigene Leben gefährden. Diesen Einflüssen darf die Rechtsordnung durch Vorsorge und durch Sicherungsinstrumente entgegentreten. Jenseits dessen ist die Entscheidung des Einzelnen, entsprechend seinem Verständnis von der Sinnhaftigkeit der eigenen Existenz dem Leben ein Ende zu setzen, hingegen als Akt autonomer Selbstbestimmung anzuerkennen.

 

Die Anerkennung des Rechts auf selbstbestimmtes Sterben versagt dem Gesetzgeber demnach nicht, allgemeine Suizidprävention zu betreiben und insbesondere krankheitsbedingten Selbsttötungswünschen durch Ausbau und Stärkung palliativmedizinischer Behandlungsangebote entgegenzuwirken. Er muss auch denjenigen Gefahren für die Autonomie und das Leben entgegentreten, die in den gegenwärtigen und absehbaren realen Lebensverhältnissen begründet liegen und eine Entscheidung des Einzelnen für die Selbsttötung und gegen das Leben beeinflussen können. Dieser sozialpolitischen Verpflichtung darf der Gesetzgeber sich aber nicht dadurch entziehen, dass er das verfassungsrechtlich geschützte Recht auf Selbstbestimmung außer Kraft setzt. Dem Einzelnen muss die Freiheit verbleiben, auf die Erhaltung des Lebens zielende Angebote auszuschlagen und eine seinem Verständnis von der Sinnhaftigkeit der eigenen Existenz entspringende Entscheidung, das eigene Leben mit Hilfe Dritter zu beenden, umzusetzen. Ein gegen die Autonomie gerichteter Lebensschutz widerspricht dem Selbstverständnis einer Gemeinschaft, in der die Würde des Menschen im Mittelpunkt der Werteordnung steht, und die sich damit zur Achtung und zum Schutz der freien menschlichen Persönlichkeit als oberstem Wert ihrer Verfassung verpflichtet.

 

(2) Diesen verfassungsrechtlich zwingend zu wahrenden Entfaltungsraum autonomer Selbstbestimmung verletzt das Verbot der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung. Es führt im Gefüge mit der bei seiner Einführung vorgefundenen Gesetzeslage dazu, dass das Recht auf Selbsttötung in weiten Teilen faktisch entleert ist. Die Regelung des § 217 StGB ist zwar auf eine bestimmte – die geschäftsmäßige – Form der Förderung der Selbsttötung beschränkt. Auch der damit einhergehende Verlust an Autonomie ist aber jedenfalls so weit und so lange unverhältnismäßig, wie verbleibende Optionen nur eine theoretische, nicht aber die tatsächliche Aussicht auf Selbstbestimmung bieten.

 

(a) Die autonomiefeindliche Wirkung des § 217 StGB wird gerade dadurch intensiviert, dass dem Einzelnen in vielen Situationen jenseits geschäftsmäßiger Angebote der Suizidhilfe keine verlässlichen realen Möglichkeiten verbleiben, einen Entschluss zur Selbsttötung umzusetzen. Die nach § 217 StGB bei enger Auslegung straffrei verbleibende Suizidhilfe im Einzelfall verhilft der verfassungsrechtlich gebotenen Selbstbestimmung am Lebensende nicht hinreichend zur Durchsetzung. Die stillschweigende Annahme des Gesetzgebers, Möglichkeiten zur assistierten Selbsttötung seien außerhalb geschäftsmäßiger Angebote tatsächlich verfügbar, nimmt nicht die Einheit der Rechtsordnung in Bedacht. Schließt der Gesetzgeber bestimmte Formen der Freiheitsausübung unter Verweis auf fortbestehende Alternativen aus, so müssen die verbleibenden Handlungsoptionen zur Grundrechtsverwirklichung auch tatsächlich geeignet sein. Dies gilt im Besonderen für das Recht auf Selbsttötung. Hier ist bereits die individuelle Gewissheit identitätsstiftend, tatsächlich eigener Vorstellung entsprechend handeln zu können.

 

Dem wird der Verzicht auf ein umfassendes strafrechtliches Verbot der Suizidhilfe allein nicht gerecht. Ohne geschäftsmäßige Angebote der Suizidhilfe ist der Einzelne maßgeblich auf die individuelle Bereitschaft eines Arztes angewiesen, an einer Selbsttötung zumindest durch Verschreibung der benötigten Wirkstoffe assistierend mitzuwirken. Von einer solchen individuellen ärztlichen Bereitschaft wird man bei realistischer Betrachtungsweise nur im Ausnahmefall ausgehen können. Ärzte zeigen bislang eine geringe Bereitschaft, Suizidhilfe zu leisten, und können hierzu auch nicht verpflichtet werden; aus dem Recht auf selbstbestimmtes Sterben leitet sich kein Anspruch gegenüber Dritten auf Suizidhilfe ab. Zudem setzt das ärztliche Berufsrecht der Bereitschaft, Suizidhilfe zu leisten, weitere Grenzen. Die in den Berufsordnungen der meisten Landesärztekammern festgeschriebenen berufsrechtlichen Verbote ärztlicher Suizidhilfe unterstellen die Verwirklichung der Selbstbestimmung des Einzelnen nicht nur geografischen Zufälligkeiten, sondern wirken zumindest faktisch handlungsleitend. Der Zugang zu Möglichkeiten der assistierten Selbsttötung darf aber nicht davon abhängen, dass Ärzte sich bereit zeigen, ihr Handeln nicht am geschriebenen Recht auszurichten, sondern sich unter Berufung auf ihre eigene verfassungsrechtlich verbürgte Freiheit eigenmächtig darüber hinwegsetzen. Solange diese Situation fortbesteht, schafft sie einen tatsächlichen Bedarf nach geschäftsmäßigen Angeboten der Suizidhilfe.

 

(b) Verbesserungen der palliativmedizinischen Patientenversorgung sind ebenso wenig geeignet, eine unverhältnismäßige Beschränkung der individuellen Selbstbestimmung auszugleichen. Sie mögen bestehende Defizite beseitigen und hierdurch geeignet sein, die Zahl darauf zurückzuführender Sterbewünsche todkranker Menschen zu reduzieren. Sie sind aber kein Korrektiv zur Beschränkung in freier Selbstbestimmung gefasster Selbsttötungsentschlüsse. Eine Pflicht zur Inanspruchnahme palliativmedizinischer Behandlung besteht nicht. Die Entscheidung für die Beendigung des eigenen Lebens umfasst zugleich die Entscheidung gegen bestehende Alternativen und ist auch insoweit als Akt autonomer Selbstbestimmung zu akzeptieren.

 

(c) Die staatliche Gemeinschaft darf den Einzelnen zudem nicht auf die Möglichkeit verweisen, im Ausland Angebote der Suizidhilfe in Anspruch zu nehmen. Der Staat muss den erforderlichen Grundrechtsschutz gemäß Art. 1 Abs. 3 GG innerhalb der eigenen Rechtsordnung gewährleisten.

 

(3) Schließlich sind Aspekte des Schutzes Dritter nicht geeignet, die von § 217 StGB ausgehende Beschränkung individueller Selbstbestimmung zu rechtfertigen. Der Einzelne muss sich zwar diejenigen Schranken grundrechtlicher Freiheit gefallen lassen, die der Gesetzgeber zur Pflege und Förderung des sozialen Zusammenlebens in den Grenzen des bei dem gegebenen Sachverhalt allgemein Zumutbaren zieht. Allerdings muss dabei die Eigenständigkeit der Person gewahrt bleiben. Anliegen des Schutzes Dritter wie die Vermeidung von Nachahmungseffekten rechtfertigen nicht, dass der Einzelne die faktische Entleerung des Rechts auf Selbsttötung hinnehmen muss.

 

4. Diese Bewertung steht im Einklang mit der Europäischen Menschenrechtskonvention und den vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte formulierten konventionsrechtlichen Wertungen.

 

II. § 217 StGB verletzt zudem Grundrechte von Personen und Vereinigungen, die Suizidhilfe leisten möchten. Das Verbot der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung verstößt aufgrund seiner Unvereinbarkeit mit dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht von selbstbestimmt zur Selbsttötung entschlossenen Personen gegen objektives Verfassungsrecht und ist infolgedessen auch gegenüber unmittelbaren Normadressaten nichtig. Der verfassungsrechtliche Schutz des durch § 217 StGB unter Strafe gestellten Handelns ergibt sich aus einer funktionalen Verschränkung der Grundrechte von Suizidhilfe leistenden Personen und Vereinigungen, insbesondere aus Art. 12 Abs. 1 GG oder subsidiär Art. 2 Abs. 1 GG, mit dem Recht auf selbstbestimmtes Sterben. Die Entscheidung zur Selbsttötung ist in ihrer Umsetzung nicht nur in tatsächlicher Hinsicht davon abhängig, dass Dritte bereit sind, Gelegenheit zur Selbsttötung zu gewähren, zu verschaffen oder zu vermitteln. Die Dritten müssen ihre Bereitschaft zur Suizidhilfe auch rechtlich umsetzen dürfen. Der Gewährleistung des Rechts auf Selbsttötung korrespondiert daher auch ein entsprechend weitreichender grundrechtlicher Schutz des Handelns von Suizidassistenten.

 

Mit der Androhung einer Freiheitsstrafe verletzt das Verbot des § 217 StGB Suizidhelfer, die als natürliche Personen unmittelbare Normadressaten sind, zudem in ihrem Freiheitsrecht aus Art. 2 Abs. 2 Satz 2 in Verbindung mit Art. 104 Abs. 1 GG. Eine mögliche, an die Strafbarkeit der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung geknüpfte Bußgeldbewehrung verletzt deutsche Sterbehilfevereine in ihrem Grundrecht aus Art. 2 Abs. 1 GG.

 

III. § 217 StGB ist wegen der festgestellten Verfassungsverstöße für nichtig zu erklären. Eine einschränkende verfassungskonforme Auslegung ist nicht möglich, weil sie den Absichten des Gesetzgebers zuwiderliefe.

 

 

Daraus folgt nicht, dass der Gesetzgeber die Suizidhilfe nicht regulieren darf. Eine solche Regelung muss sich aber an der Vorstellung vom Menschen als einem geistig-sittlichen Wesen ausrichten, das darauf angelegt ist, sich in Freiheit selbst zu bestimmen und zu entfalten. Zum Schutz der Selbstbestimmung über das eigene Leben steht dem Gesetzgeber in Bezug auf organisierte Suizidhilfe ein breites Spektrum an Möglichkeiten offen. Sie reichen von prozeduralen Sicherungsmechanismen, etwa gesetzlich festgeschriebener Aufklärungs- und Wartepflichten, über Erlaubnisvorbehalte, die die Zuverlässigkeit von Suizidhilfeangeboten sichern, bis zu Verboten besonders gefahrträchtiger Erscheinungsformen der Suizidhilfe. Diese können auch im Strafrecht verankert oder jedenfalls durch strafrechtliche Sanktionierung von Verstößen abgesichert werden. Das Recht auf Selbsttötung verbietet es aber, die Zulässigkeit einer Hilfe zur Selbsttötung materiellen Kriterien zu unterwerfen, sie etwa vom Vorliegen einer unheilbaren Krankheit abhängig zu machen. Dennoch können je nach Lebenssituation unterschiedliche Anforderungen an den Nachweis der Ernsthaftigkeit und Dauerhaftigkeit eines Selbsttötungswillens gestellt werden. Allerdings muss dem Recht des Einzelnen, aufgrund freier Entscheidung mit Unterstützung Dritter aus dem Leben zu scheiden, auch faktisch hinreichender Raum zur Entfaltung und Umsetzung belassen werden. Das erfordert nicht nur eine konsistente Ausgestaltung des Berufsrechts der Ärzte und der Apotheker, sondern möglicherweise auch Anpassungen des Betäubungsmittelrechts. Dies schließt nicht aus, die im Bereich des Arzneimittel- und des Betäubungsmittelrechts verankerten Elemente des Verbraucher- und des Missbrauchsschutzes aufrechtzuerhalten und in ein Schutzkonzept zur Suizidhilfe einzubinden.

 

All dies lässt unberührt, dass es eine Verpflichtung zur Suizidhilfe nicht geben darf.

 

 

(SRK)

 

http://www.freigeist-weimar.de/beitragsanzeige/der-spruch-des-bundesverfassungsgerichts-im-kurz-wortlaut/?fbclid=IwAR0EQQ3ZFbrk2SFw9dtixOm28a6P1vn5fV-jAUr4pOwkge52Q9DAEM-Mi18

 
27.02.2020

Von: (SRK)




Das Verbot passiver Sterbehilfe höchstrichterlich gekippt (Stellungnahme der DGHS)


dghsWEIMAR. (dghs/fgw) Das Bundesverfassungsgericht (BverfG) hat in seinem am 26. Februar 2020 veröffentlichten Beschluß den umstrittenen Sterbehilfe-Paragraphen 217 des Strafgesetzbuches für nichtig erklärt. Zum Karlsruher Urteil erklärt die Deutsche Gesellschaft für humanes Sterben e.V. (DGHS):

 

„Das ist ein großer Tag für die Schwerkranken in Deutschland, die schon lange auf ein solches Signal warten", freut sich Professor Dr. Dr. h. c. Dieter Birnbacher, der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben.

 

Nach dem heutigen Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum § 217 StGB, der seit dem Jahr 2015 die Hilfe zur Selbsttötung (mit wenigen Ausnahmen) verbot, stehen nun die Vorzeichen gut, dass den Patienten im Bedarfsfall bald wieder deutlich mehr Optionen offen stehen, heißt es weiter.

 

Die DGHS fühle sich in ihrer Rechtsauffassung bestätigt, dass die grundgesetzlich geschützte freie Entfaltung der Persönlichkeit auch ein Recht auf Wahlfreiheit am Lebensende einschließt. Der Schwerkranke müsse die Wahl haben, ob er die Angebote der Palliativmedizin in Anspruch nimmt oder sein Leben an der Hand, aber nicht durch die Hand eines fachkundigen Sterbehelfers selbstbestimmt beendet. Zudem sei das Strafrecht, so die DGHS, nicht das geeignete Instrument. Ein Wegfall der unmittelbaren Strafandrohung für Patienten, Ärzte und Pflegende sei vor allem eine Beruhigung für die vielen, die sich für ihr Lebensende den „Notausgang" einer assistierten Selbsttötung offenhalten wollen.

 

Die Tür für eine Regelung der Sterbehilfe in Deutschland stehe nun wieder weit offen. Für eine konstruktive Regelung der Sterbehilfe im Zivilrecht hat die DGHS erst kürzlich einen Gesetzentwurf vorgelegt. „Die vom Gericht angemahnten Bestimmungen zum Schutz der Patientenselbstbestimmung sollten zügig auf die politische Agenda", so Birnbacher.

 

Verhandelt wurden in Karlsruhe sechs in den Jahren 2015 und 2016 angestrengte Verfassungsbeschwerden von Betroffenen, Ärzten und zwei Organisationen (Aktenzeichen: 2 BvR 2347/15, 2 BvR 651/16, 2 BvR 1261/16, 2 BvR 1593/16, 2 BvR 2354/16, 2 BvR 2527/16).

 

Die Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben ist die bundesweit älteste und größte Patientenschutzorganisation in Deutschland. Sie versteht sich seit ihrer Gründung im Jahr 1980 als Bürgerrechtsorganisation zur Durchsetzung des Patientenwillens und des Selbstbestimmungsrechts des Einzelnen. Ziel ihrer Arbeit ist, dass die unantastbare Würde des Menschen auch im Sterben gewahrt bleibt.

 

(SRK)

 

http://www.freigeist-weimar.de/beitragsanzeige/das-verbot-passiver-sterbehilfe-hoechstrichterlich-gekippt/?fbclid=IwAR09NjRzmJLAWYDyedW-KiJD38B6VQDpeObpkzjCSQN5V–WLAlEriPLRms

 
27.02.2020

Von: (SRK)




Die Hexe von Kalkutta


MTMatthias Krause: Mutter Teresa, die Katholische Kirche und das Leid

Die Glorifizierung des Leidens war keine Marotte von Mutter Teresa, sondern ist offizielle katholische Lehre.

Die Medien berichten derzeit über eine kritische Studie kanadischer Wissenschaftler über Mutter Teresa, z.B. hier: Mutter Teresa betete, statt zu helfen.

Ein Vorwurf – der allerdings nicht neu ist – lautet, Mutter Teresa habe das Leiden der Armen glorifiziert.

„Es liegt Schönheit darin, wie die Armen ihr Schicksal erdulden, wie Christus am Kreuz zu leiden“, sagte Mutter Teresa laut dem britischen Journalisten Christopher Hitchens, der ein kritisches Buch über sie schrieb. „Die Welt gewinnt viel durch ihr Leiden.“ [Yahoo!; Hitchens' Buch ist "The Missionary Position: Mother Teresa in Theory and Practice", auch als Kindle-Version und Audiobuch erhältlich]

Ich will nur kurz darauf hinweisen, dass Mutter Teresa damit ganz auf der offiziellen Linie der Katholischen Kirche zu liegen scheint. Auf Kathpedia.de wird diese so zusammengefasst:

Die Christliche [Anmerkung: Gemeint ist wohl die katholische] Wertung sieht gerade im bewussten Todesleiden ein Mittel der Sühne und Reifung, durch das der Mensch, der die Sündenfolgen auf sich nimmt und von den Sakramenten gestärkt, des Erlösers Todesangst mitleidet. Wer solche Zeit eigenmächtig kürzt, greift in die Menschen- wie in die Gottesrechte ein.

Als Beleg wird auf ein Schreiben der Kongregation für die Glaubenslehre verwiesen: Iura bona von 1980. Darin heißt es:

III.
DIE BEDEUTUNG DES SCHMERZES FÜR DEN CHRISTEN UND DIE VERWENDUNG SCHMERZSTILLENDER MITTEL

[…]

Nach christlicher Lehre erhält der Schmerz jedoch, zumal in der Sterbestunde, eine besondere Bedeutung im Heilsplan Gottes. Er gibt Anteil am Leiden Christi und verbindet mit dem erlösenden Opfer, das Christus im Gehorsam gegen den Willen des Vaters dargebracht hat. Es darf deshalb nicht verwundern, wenn einzelne Christen schmerzstillende Mittel nur mäßig anwenden wollen, um wenigstens einen Teil ihrer Schmerzen freiwillig auf sich zu nehmen und sich so bewußt mit den Schmerzen des gekreuzigten Christus vereinigen zu können (vgl.Mt 27,34). […]

Dies wird im Anschluss sogar als “heroische Haltung” bezeichnet.

Man sollte sich also darüber im Klaren sein: Die Vorstellung, dass (sterbende) Menschen, die leiden, irgendwie mit Jesus mitleiden, stellt nicht etwa eine spezielle Auffassung von Mutter Teresa dar, sondern vielmehr die offizielle katholische Lehre.

Immerhin:

Erlaubt ist der Gebrauch narkotischer Mittel, um große Schmerzen zu lindern, selbst dann, wenn sie den Eintritt des Todes beschleunigen. [Kathpedia]

Andererseits:

Passive Sterbehilfe im Sinne von Zurückhaltung der Ernährung (Wasser etc.) ist nicht gestattet, auch nicht wenn die Nahrung durch eine Sonde in den Magen befördert werden muss. [Kathpedia]

Weiter sollte man sich darüber klar sein, dass sich die katholische Kirche nicht damit zufrieden gibt, die obige Haltung den eigenen Mitgliedern zu predigen. Das Mitleiden mit dem christlichen Sündenbock Jesus soll möglichst per Gesetz auch allen Nichtchristen auferlegt werden. So erklärte die Deutsche Bischofskonferenz z.B. im September letzten Jahres:

Als ethisch verwerflich verurteilt [die katholische Kirche] die öffentliche Duldung oder Förderung jeder Form von institutionalisierter Suizidhilfe, deren hauptsächlicher Zweck darin besteht, Notleidenden eine schnelle und effiziente Möglichkeit für die Selbsttötung anzubieten. Ein gesetzliches Verbot lediglich des gewerbsmäßigen, also gewinnorientierten Handelns greift aus ihrer Sicht jedoch zu kurz, da eine solche Engführung sogar den Eindruck erwecken könnte, alle nicht kommerziellen Formen seien als legitim zugelassen.

Quelle: http://skydaddy.wordpress.com/2013/03/08/mutter-teresa-die-katholische-kirche-und-das-leid/

 

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

 




Portugal auf dem Weg zur legalen Sterbehilfe


Sterbehilfe

Das portugiesische Parlament hat die Weichen für eine Legalisierung von Sterbehilfe gestellt. Proteste zu dem Vorhaben gibt es vor allem aus dem religiösen Lager. Staatspräsident Marcelo Rebelo de Sousa könnte das neue Gesetz noch blockieren – aber nicht verhindern.

Fünf Gesetzesentwürfe wurden im Parlament in erster Lesung von einer Mehrheit sowohl der sozialistischen als auch der konservativen Abgeordneten angenommen. Diese müssen nun zu einem Text zusammengefasst werden, bevor dieser noch einmal zur Abstimmung vorgelegt wird. Dies soll noch vor dem Sommer geschehen. Sollte auch der neue Entwurf in zweiter Lesung durchkommen, müsste das Gesetz allerdings noch vom Präsidenten Marcelo Rebelo de Sousa unterschrieben werden. Der bekennende Katholik könnte das angestrebte Gesetz dem Verfassungsgericht zur Prüfung vorlegen oder sein Veto einlegen, was jedoch durch das Parlament überstimmt werden könnte.

Während der entscheidenden Sitzung demonstrierten Hunderte von Gegnern des Vorhabens vor dem Parlament in Lissabon, viele vonn ihnen skandierten "Ja zum Leben, Nein zum Tod". Im Gegensatz zum Nachbarland Spanien, wo das Parlament in der vergangenen Woche mit deutlicher Mehrheit ebenfalls einen entsprechenden Entwurf auf den Weg brachte, ist die Meinung in Portugal sehr gespalten. Laut Umfragen sind in Spanien mehr als 80 Prozent für die Legalisierung der Sterbehilfe – in Portugal kommen die Befürworter jedoch nur auf knappe 50 Prozent. Ein Viertel der Portugiesen spricht sich klar gegen die Sterbehilfe aus. Rund 24 Prozent sind unentschieden.

Eine deutliche Mehrheit, fast 64 Prozent, befürwortet zudem ein Referendum über das Thema. Dafür sind 60.000 Unterschriften nötig, wofür mehrere konservative und christliche Organisationen schon über 40.000 gesammelt haben sollen. Vor allem die katholische Kirche des Landes wehrt sich gegen die geplante Regelung zur Legalisierung der Sterbehilfe. Allerdings würden auch die Katholiken ein Referendum akzeptieren. Es dürften nicht weniger als 200 Parlamentarier ihre Ansichten den Millionen von Portugiesen aufzwingen, erklärte der Erzbischof von Porto, Manuel Linda.

Selbst die portugiesische Ärztekammer spricht sich gegen das neue Gesetz aus. Der unabhängige "Nationale Ethikrat für Biowissenschaften" lehnte vier der vorgelegten fünf Entwürfe ab, weil sie "ethisch nicht akzeptabel" seien.

Die nun eingebrachten Vorschläge sehen vor, dass Sterbehilfe nicht bestraft werden darf, wenn der erwachsene Patient extrem und dauerhaft leidet und keine Hoffnung auf Heilung besteht. Der Patient muss den Antrag selbst stellen, und mehrere Ärzte und möglicherweise eine Fachkommission müssten jeden Fall genau prüfen.

Im Mai 2018 hatte das Parlament einen früheren Gesetzesentwurf zur Legalisierung von Sterbehilfe noch mit knapper Mehrheit durchfallen lassen. Aus den Parlamentswahlen im Oktober gingen die Sozialisten gestärkt hervor, sodass die fünf Entwürfe dieses Mal die parlamentarische Hürde nehmen konnten. Sollte das geplante Gesetz durchkommen, wäre Portugal das vierte Land in der EU, in dem Euthanasie legal ist. Die anderen drei EU-Länder sind die Niederlande, Belgien und Luxemburg.

 

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).




Der Papst und die Christenverfolger


FranzlDarüber verbreitete Radio Vatikan schon am 7.2.2020 die folgende Meldung, deren Link zur deutschsprachigen Version am 21.2. durchs Internet zog:

Papst Franziskus: "Gegen Christentum ist ein Prozess im Gang"

Radio Vatikan: Papst Franziskus sieht auch heutzutage heftigen gesellschaftlichen Gegenwind gegen das Christentum. Das sagte er in einem Fernsehgespräch, aus dem an diesem Freitag (=6.2.) Ausschnitte bekannt wurden.
"Gegen das Christentum ist ein Prozess im Gang, immer schon – es wird verfolgt. Es gibt einen Prozess, der es vernichten will – und zwar, weil das Christentum als Bedrohung gesehen wird. Die Geschichte des Christentums ist eine Geschichte der Verfolgung."

Atheistische Anmerkung: Ja das Christentum ist durch die Jahrhunderte eine Geschichte der Verfolgung gewesen, nach dem alten Schema: "Willst du nicht mein Bruder sein, dann schlag ich die den Schädel ein". Und ein großer Teil der Welt wurde mittels hauptsächlich christkatholischer Gewalt christlich!
Hier eine zeitgenössische Zeichnung über die Katholisierung Südamerikas:

Taufunwillige wurden aufgehängt, ihre kleinen Kinder zwangsgetauft und dann umgebracht, damit sie in den Himmel kommen, weil sie als Tote ja nimmer vom Glauben abfallen konnten.

Im Laufe des 20. Jahrhunderts konnte die christkatholische Gewalt dann weitgehend abgebaut werden, die letzte katholische Diktatur in Europa endete 1975 mit dem Tod des Diktators Franco in Spanien, dieser hatte durch die Gnade Gottes diktiert, denn sein Titel war "por la gracia de Dios, Caudillo de España" (durch die Gnade Gottes, Führer von Spanien).
Jetzt fühlt sich die Kirche verfolgt, weil sie die weltliche Macht ziemlich eingebüßt hat.

Radio Vatikan: Die "christliche Wahrheit" werde "im Durchhalten der Christen" deutlich, so der Papst, namentlich im "Durchhalten gegen die Weltlichkeit". Eine "Geschichte der Erfolge" sei die Geschichte des Christentums allerdings nicht.

Atheistische Anmerkung: Der Säkularismus ist in den entwickelten Staaten zumindest in Europa zur Selbstverständlichkeit des Alltages geworden, dagegen hat die katholische Kirche in unseren Gegenden keine Chance mehr, in Österreich oder Deutschland ist auch für 90 % der katholischen Kirchenmitglieder der Sonntag kirchenfrei! Sowas tut dem Papst natürlich weh, speziell, weil er keinerlei Macht mehr hat, dagegen was zu tun. Und die Geschichte des Christentums war nie eine auf dem freien Willen der Menschen beruhende Erfolgsgeschichte, die längste Zeit war es eine aufgezwungene Verpflichtung, die paar Prozent freiwilliger Christen in den heutigen Zeiten sind längst nur noch eine Erscheinung am Rande des Säkularismus! Dass das den Papst ärgert, macht natürlich Leuten wie meinemeinen Freude!

Radio Vatikan: Das Interview mit Franziskus dreht sich hauptsächlich um das Glaubensbekenntnis; es wird demnächst vom italienischen katholischen Fernsehsender TV 2000 ausgestrahlt. Der Papst nutzte das Gespräch auch, um einmal mehr gegen die aus seiner Sicht allzu perfekten Christen auszuteilen.
' "Wenn ich Christen sehe, die allzu sauber sind – die die ganze Wahrheit für sich reklamieren, die reine Lehre – und die sagen, wir müssen dies und das tun, die aber nicht dazu imstande sind, sich auch mal die Hände schmutzig zu machen, um jemandem zu helfen, dann sage ich: Ihr seid gar keine Christen! Ihr seid mit Weihwasser besprenkelte Theisten, ihr seid noch nicht zum Christentum gelangt…"

Atheistische Anmerkung: Na, wie oft im Jahr wird sich der Papst helfend die Finger schmutzig machen? Und: Helfen tut den Menschen der Sozialstaat! Für andere Helfer bleiben nur Randnischen übrig. Stellt Euch eine Welt vor, in der es keine allgemeine Krankenversicherung mit entsprechenden Gesundheitsdiensten gibt, keine Arbeitslosenversicherung, keine Kindergelder, keine staatliche Pension, keine sonstigen Sozialhilfeeinrichtungen und die  Menschen wären ständig auf gegenseitige Barmherzigkeiten angewiesen, so eine Welt wäre entsetzlich! So entsetzlich wie sie in den hohen Zeiten des Katholizismus gewesen war: Mit Leibeigenschaften, mit Adelsherren, mit Sklaverei, ohne öffentliche Bildungseinrichtungen, ohne bürgerliche Rechte für alle usw. usf.!
Freuen wir uns, dass sich der Papst über den herrlichen Säkularismus ärgert, der uns das alles gebracht hat und den WIR – speziell auch gegen die katholische Kirche – erkämpfen mussten und erkämpft haben, um die Welt zu verbessern!

 

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).




Seele ohne Gott?


Mit permanenter Boshaftigkeit werden Atheisten vom katholischen Hetzblatt kath.net als „Gottesleugner“ bezeichnet. Nach allgemeinem Sprachverständnis kann man nur Tatsachen leugnen. Wenn jemand nachweislich ein Verbrechen begangen hat, es aber vor Gericht nicht zugeben möchte, kann man mit Fug und Recht sagen, dass er seine Tat leugnet. Pikanterweise finden sich besonders hartnäckige Leugner von Tatsachen vor allem in den Kreisen der Herren mit den lustigen Kleidern: die Holocaust-Leugner der Pius-Bruderschaft und in ihrem Gefolge noch schlimmere Web-Seiten wie kreuz.net, eines ihrer Sprachrohre.

Den Begriff „Gottesleugner“ kann es schon deshalb nicht geben, weil Gott keine Tatsache vergleichbar dem Holocaust ist. Wer eine Hypothese (hier also irgendeinen Gott) ablehnt, kann schlicht nicht als Leugner bezeichnet werden. Das wäre in etwa so, als wenn alle diejenigen, die die Kugelgestalt der Erde als Tatsache anerkennen, als „Platterdenleugner“ beschimpft würden. Doch vor Absurditäten hat die Kirche ja in ihrer Historie nie zurückgeschreckt.

Man könnte mit einem Schmunzeln darüber hinweg gehen, wenn nicht schon wieder handfeste Interessen diese Diffamierung befeuerten. Zu verteidigen gilt es die fest in christlicher Hand befindliche Militärseelsorge. Eine große Pfründe, die in Deutschland – angeblich ein säkularer und neutraler Staat – vollständig aus allgemeinen Steuermitteln finanziert wird. So leicht wird es den Kirchen in fast allen Bereichen gemacht. Statt sich die Bezahlung durch finanzierungswillige Schäfchen zu erarbeiten werden sie großzügig alimentiert.

Anlass für den erneuten süffisanten Diffamierungsversuch  an Freidenkern ist ein Vorstoß von Atheisten und Humanisten in der US-amerikanischen Armee, dem unerträglichen Druck der christlichen, jüdischen und Buddhistischen  Militärseelsorge ein atheistisches Pendant entgegen zu setzen. Welcher möglicherweise traumatisierte Soldat möchte in seinen Nöten schon gern mit süßlichen Geschichten vom lieben Jesulein berieselt werden, wenn es darum geht, ihm ganz praktische Lebenshilfe an die Hand zu geben? Es sei denn, er möchte dies unbedingt. Dann wird ihm kein Atheist widersprechen.

Man sollte sich den Artikel in voller Länge genießerisch antun. Auch die Kommentare sind ausgesprochen lesenswert und häufig ungewollt komisch.

 http://www.kath.net/detail.php?id=31201

  




Bibelzensur auf Facebook


fb_icon_325x325Darüber berichtete schon am 10.2.2020 das Gratisblatt "Heute", bemerkt wurde die Meldung von meinemeinen erst heute, am 13.2.:

Der Facebook-Zensor kennt wohl die Bibel nicht, weil im sogenannten "Alten Testament" ist ja Gott Jehova unterwegs, der war damals der Gott des auserwählten Volkes der Israeliten und damals gab's eine Menge lokaler und regionaler Krieg ohne jeder Kriegskonvention, was heute als Schwerstkriegsverbrechen gilt, war damals übliches Verhalten, der Gewinner versklavte die Verlierer oder schlachtete sie ab.

Sprüche wie der obige gibt's in der Bibel haufenweise, der obige stammt aus 4. Moses, 31, 17-18: "Nun tötet nun alle männlichen Kinder unter ihnen und ebenso tötet alle Frauen, die schon einen Mann erkannt und mit einem Mann geschlafen haben. Aber alle weiblichen Kinder und die Frauen, die noch nicht mit einem Mann geschlafen haben, lasst für euch am Leben!"

Ja, das war frühgeschichtliche Moral! Und nachdem auch solche Bibelstellen zur "heiligen Schrift" gehören, wollte das der Christoph Priegel wohl öffentlich anprangern! Heute predigt man sowas natürlich nimmer, darum darf das auch nicht in Facebook stehen, damit der Christenglaube keinen Schaden erleidet oder so.

Aber es sind ja auch viele Jesussprüche von unglaublichem Sadismus,
siehe folgende Beispiele:

Mt13, 38-42: Der Acker aber ist die Welt; der gute Same aber sind die Söhne des Reiches, das Unkraut aber sind die Söhne des Bösen; der Feind aber, der es gesät hat, ist der Teufel; die Ernte aber ist die Vollendung des Zeitalters, die Schnitter aber sind Engel. Wie nun das Unkraut zusammengelesen und im Feuer verbrannt wird, so wird es in der Vollendung des Zeitalters sein. Der Sohn des Menschen wird seine Engel aussenden, und sie werden aus seinem Reich alle Ärgernisse zusammenlesen und die, die Gesetzloses tun; und sie werden sie in den Feuerofen werfen: da wird das Heulen und das Zähneknirschen sein.

Mt 13, 36-42): "Der Mann, der den guten Samen sät, ist der Menschensohn; der Acker ist die Welt; der gute Samen, das sind die Söhne des Reiches; das Unkraut sind die Söhne des Bösen; der Feind, der es gesät hat, ist der Teufel; die Ernte ist das Ende der Welt; die Arbeiter bei dieser Ernte sind die Engel. Wie nun das Unkraut aufgesammelt wird und im Feuer verbrannt wird, so wird es auch am Ende der Welt sein: Der Menschensohn wird seine Engel aussenden, und sie werden aus seinem Reich alle zusammenholen, die andere verführt und Gottes Gesetz übertreten haben, und werden sie in den Ofen werfen, in dem das Feuer brennt. Dort werden sie heulen und mit den Zähnen knirschen."

Mt25, 31ff: Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen. Und alle Völker werden vor ihm zusammengerufen werden, und er wird sie scheiden wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet. Er wird die Schafe zu seiner Rechten versammeln, die Böcke aber zur Linken (..) Dann wird er sich auch an die linke Seite wenden und ihnen sagen: "Weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist.." Und sie werden weggehen und die ewige Strafe erhalten, die Gerechten aber das ewige Leben.

Für unsereinen ist es natürlich klar, das ist bloßer religiöser Quatsch und nichts Reales, aber rein moralisch betrachtet, ist der Jesus noch deutlich grausamer als der Jehova, weil beim Jehova wurden die Feinde nur versklavt oder umgebracht, aber nicht ewig im Höllenfeuer gefoltert!

 




Religionsfreiheit contra religiöse Dominanz


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Die jetzt im Februar 2020 erschienene Nummer 4/2019 der Quartalsschrift MIZ (Materialien und Informationen zur Zeit – Politisches Magazin für Konfessionslose und Atheisten) brachte sechs zusammenfassende Punkte zur Religionsfreiheit, die es verdienen, weiterverbreitet zu werden!

Verfasst von Gerhard Rampp:
Warum Religionsgesellschaften gar kein Interesse an voller Religionsfreiheit haben

Wenn der Vatikan die Beziehungen zu Staaten definiert, steht die Forderung nach Religionsfreiheit an erster Stelle. Gemeint ist damit meist nur das Recht der Kirche, nach eigenem Gutdünken schalten und walten zu dürfen, ohne dass sich der Staat in kirchliche Angele­genheiten einmischt – während sich die Kirche sehr wohl in staat­liche Angelegenheiten einmischen will. In Wirklichkeit ist der Begriff "Religionsfreiheit" aber weit umfassender, als die Kirchen glauben machen wollen.

1. Religionsfreiheit ist ein Recht von Individuen und nicht von Organisationen
Originär kann sich nur eine natürliche Person zu einem Glauben bekennen, erst danach können sich Gleichgesinnte zu einer Gruppe zusammenschließen. Im Grundgesetz ist die Glaubensfreiheit im Wesentlichen in den Grundrechtsartikeln 3 und 4 geregelt, die Belange der Religions­gesellschaften hingegen sind erst in Artikel 140 angehängt. Im Extremfall kann eine Person ihr religiöses Selbstbestimmungsrecht auch gegen die eigene Glaubensgemeinschaft zur Geltung bringen.

2. Religionsfreiheit ist Meinungsfreiheit in einem speziellen Teilbereich
Erst seitdem das Grundrecht auf Meinungsfreiheit in der Aufklärung postuliert wurde, kam auch die Religionsfreiheit auf die Tagesordnung. "Ihre Meinung ist das genaue Gegenteil der meinigen, aber ich werde alles daransetzen, dass Sie Ihre Meinung sagen können", schrieb Voltaire einem Kontrahenten. Gleiches hat für den Stellenwert weltanschaulicher Bekenntnisse zu gelten. Implizit wird damit zugestanden, dass jede religiöse Überzeugung im Diskurs mit Andersdenkenden eine persönliche Meinung, nicht aber eine bewiesene Wahrheit ist. In der säkular gewordenen Gesellschaft wird diese Auffassung heute allgemein geteilt; vor allem junge Menschen betrachten Religionen ganz überwiegend als Systeme, die auf Vermutungen beruhen.

3. Religionsfreiheit ist definiert als Recht, sich zu einer Religion zu bekennen
Auf diesen Kern beschränkt sich zumeist das Verständnis der Reli­gionsgemeinschaften. Er schließt auch das Recht ein, sich im öffentlichen Raum zu äußern – soweit die Rechte anderer nicht eingeschränkt werden, wie z.B. bei weltlichen Veranstaltungen an "stillen Tagen". Die Grenze lässt sich am früheren und aktuellen Verhalten der Zeugen Jehovas gut darstellen: Ihre Hausbesuche haben sie eingestellt, nun präsentieren sie sich oft zu dritt mit Plakaten auf belebten Plätzen. Ersteres ist unzulässige Belästigung, letzteres durch Meinungsfreiheit gedeckt.

4. Religionsfreiheit schließt das Recht auf Wechsel der Religion ein
Dieses wichtige Grundrecht ist in allen Menschenrechtserklärungen verankert. Dagegen verstoßen aber nicht nur viele islamische Gemeinschaften, sondern auch die katholische Kirche. Wer aus ihr austritt, erhält nicht selten ein Schreiben der zuständigen Pfarrei, in dem auf die ewige Gültigkeit der Taufe hingewiesen wird, aus der man gar nicht austreten könne. Der säkulare Staat hat sich gegenüber dieser Position nur teilweise abgegrenzt: Er schaffte ein Recht auf Kirchenaustritt, beschränkte es aber in seiner Wirkung auf die Kirchensteuerpflicht. (Ein "Kirchenaustritt" ist also – entgegen dem Wortlaut – gar kein Austritt aus der Glaubensgemeinschaft, sondern nur aus der Kirchensteuerpflicht!)
Jedenfalls wird nun verständlich, warum sich der Vatikan seit Jahr­zehnten hartnäckig weigert, die Men­schenrechtskonvention des Europarats von 1950 zu unterzeichnen.

5. Religionsfreiheit schließt das Recht auf völligen Verzicht auf Religion ein
Diese Selbstverständlichkeit erkennt die katholische Kirche inzwischen an. Das Religionsverfassungsrecht spricht hier von einer gleichrangigen "negativen Religionsfreiheit", die in Wirklichkeit aber kein separates Rechts­gut ist, sondern Teil der einen Reli­gionsfreiheit ist. Doch gibt es z.B. im Umkreis der Piusbruderschaft Kleriker, die noch heute die Todesstrafe für "Glaubensabtrünnige" fordern und damit einem erheblichen Teil der islamischen Sunniten nicht nachstehen. Und auch Politiker unterschiedlicher Parteien missachten in der Praxis die Religionsfreiheit nichtgläubiger Menschen. So diffamiert der frühere Spitzenpolitiker der Linken, Gregor Gysi, Gottlose regelmäßig als "moralfrei", und der niederbayerische CSU-Bundestagshinterbänkler Irlstorfer beschimpft Konfessionslose als unmoralische Existenzen, die noch schlimmer seien als Muslime.

6. Religionsfreiheit ist ein höchstpersönliches Recht, das auch Kindern zusteht
Das Bewusstsein, dass auch Kinder unveräußerliche Grundrechte haben, ist in unserer Gesellschaft noch nicht angekommen. In den drei wichtigen Menschenrechtserklärungen Mitte des 20. Jahrhunderts (UN-Charta, Artikel 1 bis 19 des Grundgesetzes, Menschenrechtskonvention des Europarats) findet sich dazu nichts. Kinder galten lange Zeit als Eigentum der Eltern. Erst mit der UN-Kinderrechtskonvention (verabschiedet 1989, in Kraft getreten 1995) hat sich die Sichtweise etwas geändert. Selbstverständlich haben die Eltern ein Erziehungsrecht, aber damit kein Monopol auf Erziehung, wie dies z.B. die evangelikalen "besorgten Eltern" meinen. Kinder haben Anspruch auf Informationen auch aus anderen Quellen: Durch den Schulunterricht dürfen demokratische Werte vermittelt werden, die Gleichaltrigen ("peer group") und die Medien werden Kinder später ebenfalls prägen.
In weltanschaulicher Hinsicht dürfen Eltern also ihre Kinder durchaus beeinflussen. Die letzte Entscheidung im Alter der Religionsmündigkeit muss aber bei den Kindern liegen. Kinder zu taufen, solange sie noch nicht selbst entscheiden können, ist demnach – streng genommen – ein Eingriff in deren Selbstbestimmungsrecht. Man kann darüber diskutieren, ob eine Säuglingstaufe (als rein symbolisches Ritual) eventuell noch hinnehmbar sei. Keinesfalls gilt dies aber für eine daraus abgeleitete Kirchensteuerpflicht des religionsunmündigen Kleinkindes. Da hat sich der Staat strikt herauszuhalten. Die Länder könnten ohne kirchliche Zustimmung regeln, dass Kirchensteuer erst ab 14 oder 16 Jahren und nur mit eigenhändig unterzeichneter Beitrittserklärung der betroffenen religionsmündigen Person erhoben werden darf.

Fazit: Die Kirchen geben sich zwar gern als Hüterinnen der Glaubensfreiheit aus, doch erst mit der Umsetzung aller sechs genannten Teilaspekte gäbe es sie tatsächlich. Das liegt aber nicht im Interesse religiöser Organisationen, denn weltanschaulich autonome Jugendliche träten ihnen nur noch zu einem kleinen Teil bei.

Soweit der MIZ- Artikel! Das nun 2020 im 49. Jahrgang erscheinende MIZ kann beim Alibri-Verlag bestellt werden, das Jahresabo kostet 18 Euro zuzüglich Versandkosten, auch entsprechende Bücher können dort bestellt werden!

 

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).




NEUER ANTISEMITISMUS


Der ewige Jude(Kurzfassung der Broschüre „Neuer Antisemitismus“ von Anton Grabner-Haider; 2020, 28 Seiten.)

Der neue Antisemitismus, bzw. Antijudaismus wendet sich gegen ein imaginäres “Weltjudentum”, dem er Weltherrschaft über die Kapitalmärkte und den Plan eines neuen Weltkrieges unterstellt. Warum ist diese Ideologie aus dem 19. Jh. heute wieder so erfolgreich? Die Antwort darauf lautet, dass die Erzeuger und Vermittler von Fake News Feindbilder benötigen, Juden bieten sich dafür an: Christliche Theologen und Kleriker hatten über 1.600 Jahre gepredigt, dass auf Juden ein göttlicher Fluch liege; Christen müssten diesen vollziehen.

Als die Juden ab 1870 in den meisten europäischen Ländern bürgerliche Rechte zuerkannt bekamen und alle Berufe ergreifen durften, entstanden Antisemiten-Vereine (Wilhelm Marr). Deren Mitglieder fürchteten die Überlegenheit jüdischer Geschäftsleute, Geldgeber und jüdischer Intelligenz in der Wirtschaft und in den Wissenschaften. Nicht zuletzt auch deshalb verkündeten Jesuiten in ihren Zeitschriften (z.B. in der „Civiltà cattolica“), die Juden seien eine akute Gefahr für den christlichen Glauben und die Moral. Sie müssten wieder, wie es im Mittelalter der Fall war, von Christen getrennt werden und sie dürften auch keinen Grund und Boden besitzen. In der NS-Diktatur wurden solche Forderungen 1935 mit den Nürnberger Gesetzen erfüllt; neben religiösem entwickelte sich auch religionsloser Antisemitismus, der zum Holocaust führte.

Woher stammt der Hass der frühen Christen auf die Juden, obwohl Jesus und die frühen Christen Juden waren? Der Hauptgrund liegt darin, dass die toratreuen Juden Jesus nicht als Messias anerkannten und die Christen aus ihren Synagogen ausschlossen. Damit praktizierten die Christen eine öffentlich nicht zugelassene Religion (religio illicita) und verloren alle staatlichen Privilegien – im Gegensatz dazu blieben toratreue Juden vom Staat geschützt (religio licita) und mussten keine Kaiseropfer darbringen.

Im Zuge dieser Auseinandersetzungen begannen christliche Prediger gegen toratreue Juden zu hetzen; sie bezeichneten sie als “Söhne des Teufels” (Joh. 8,33), auf denen der Zorn Gottes liege. Zwar blieben die Juden – auch nachdem das Christentum ab 381 n.Ch. zur römischen Reichsreligion wurde – weiterhin vom Staat geschützt, christliche Theologen predigten jedoch über Jahrhunderte gegen sie und christliche Fanatiker zerstörten ihre Synagogen (Kallinikon). Da, im Gegensatz zu den Klerikern, christliche Bauern, Handwerker und Händler weiterhin eng mit Juden zusammenarbeiteten, verboten Bischöfe Gastmähler und Eheschließungen zwischen Christen und Juden und Rabbis durften nicht mehr christliche Felder segnen. Im Jahr 1215 beschlossen die römischen Bischöfe (Lateran IV), dass Juden keinen Besitz an Grund und Boden haben dürfen, getrennt von Christen siedeln und zudem an ihren Kleidern (Judenfleck) als Juden erkennbar sein müssen. Als Handwerker und Händler konnten sie allerdings weiterhin tätig bleiben und ihr Geld gegen feste Zinsen verleihen. Diese bischöflichen Gesetze führten dazu, dass Juden zu Spezialisten der Geldwirtschaft wurden, wobei hasserfüllte Prediger (z.B. Georg Ratzinger) und andere Antisemiten bis heute immer wieder behaupten, Juden würden mit ihrem Geld die Welt beherrschen.

Im Mittelalter siedelten Juden als Spezialisten des Handels und Geldverleihes hauptsächlich in den Städten am Rhein (Köln, Mainz, Worms, Speyer) und an der Donau (Regensburg, Passau, Wien). Zahlreiche Herrscher, wie z.B. die Babenberger und Habsburger holten jüdische Händler aus Italien und gestatteten Wohnsitze an den großen Handelsstraßen, wobei ihnen erlaubt wurde, den Fernhandel mit Bodenschätzen (Salz, Eisen, Silber, Kupfer, Gold) zwischen Böhmen und Italien zu organisieren. Da viele Juden mehrsprachig (Hebräisch, Latein, frühes Italienisch, Mittelhochdeutsch) waren, wurden sie von den Fürsten auch als Steuerverwalter eingesetzt. Nebenbei finanzierten sie die Kriege der Habsburger gegen Böhmen, Türken, Hussiten, Protestanten und Napoleon, wobei ihnen als Gegenleistung für begrenzte Zeit Schürfrechte in Bergwerken erteilt wurden.

Kaiser Joseph II. (1781) räumte den Juden weitere Rechte ein. 1816 wurde Samuel Rothschild von Frankfurt nach Wien geholt, womit ein Anschluss an die großen Bankhäuser in Paris und London gegeben war. In der Folge finanzierten jüdische Geldgeber den Bau der Palais an der Ringstraße in Wien, bauten in ganz Österreich große Industrieanlagen (Fam. Wittgenstein), gründeten Zeitungen sowie Eisenbahnlinien und prägten sehr wesentlich das kulturelle Leben am Ende des 19. und Beginn des 20. Jhs. In ganz Europa wurden jüdische Mitbürger führend in den Naturwissenschaften (Biologie, Physik, Chemie, Astronomie), in der Musik, in Literatur und Malkunst. Die Salzburger Festspiele wurden im Jahr 1920 von jüdischen Künstlern gegründet (Max Reinhard, Hugo von Hofmannsthal, Stefan Zweig), die österreichische Verfassung stammt vom jüdischen Juristen Hans Kelsen und jüdische Philosophen (z.B. Ludwig Wittgenstein und Karl Raimund Popper) fanden und finden bis heute weltweite Anerkennung.

Fazit: Der alte und der neue Antisemitismus/Antijudaismus bedeutet Kampf der wenig Gebildeten gegen die geistigen und wirtschaftlichen Eliten der globalen Zivilisation sowie Kampf gegen rationale Aufklärung, gegen die Erkenntnisse der kritischen Vernunft und gegen die allgemeinen Menschenrechte. Er behindert friedvolles Zusammenleben und muss mit allen rechtlich möglichen Mitteln entschieden bekämpft werden.