Jenseits von Eden


Was wir immer wieder von moslemischen Verbandsvertretern nach jedem islamisch motivierten Attentat hören, ist so sattsam bekannt, dass es uns bereits zu den Ohren herausquillt: « Diese Tat hat nichts mit dem Islam zu tun. Die Attentäter haben den Islam missverstanden, denn bekanntlich ist ja Islam Frieden ». Vor allem der Vorsitzende des ZMD, Aiman Mazyek, ist ein wahrer Künstler darin, bei jedem Vorfall dieser Art mit immer neuen, blumigen Sätzen doch immer wieder dasselbe zu sagen. Mit diesen stereotypen Aussagen, regelmäßig gepaart mit dem Ausdruck des herzlichen Beileids für die armen Opfer, macht nun völlig überraschend ein moslemischer Islamwissenschaftler kurzerhand Schluss. Seit ich intensiv und aufmerksam die Nachrichten auf islam.de verfolge habe ich eine solch punktgenaue Analyse (natürlich aus innerislamischer Sicht) noch nie gelesen. Es lohnt sich wohl auch für uns als Religionskritiker, diesem klugen Ausatz die nötige Zeit zu widmen. Murtaza nimmt die aktuellen Mordfälle in Toulouse und Montauban auf und schreibt:

 

Menschen neigen dazu in alte Verhaltensmuster zurückzufallen. Bevor also jemand zu einem "Der Islam ist Frieden" ansetzt, sollten wir vielleicht einen Augenblick innehalten und uns klar machen, was geschehen ist. Ein junger Mann, arabischer Herkunft, der den Namen des Propheten trägt, hat gezielt und kaltblutig drei Kinder jüdischen Glaubens und einen jüdischen Religionslehrer per Kopfschuss hingerichtet. Die Namen der Kinder lauteten Gabriel, Arieh und Myriam. Sie waren vier, fünf und sieben Jahre alt. Der Name des 30-jährigen Lehrers und Vaters der beiden erstgenannten Kinder war Jonathan. Zuvor tötete der Mörder drei französische Soldaten Abel Chennouf (25), Mohammed Legouade (23) und Imad Ibn Ziaten (30), letzere beiden waren Muslime.

[…] Bevor nun aber jemand in alte Gewohnheiten zurückfällt und das Argument vorbringen möchte, dass Mohammed Mehra gar kein Muslim sei […] sollte er lieber schweigen. Seit dem 11. September bringen Muslime Argumente dieser Art vor, wenn irgendwo irgendetwas Schlimmes im Namen des Islam geschieht. Es ist eine bequeme Distanzierung, die es den Muslimen erspart, sich inhaltlich mit den Wurzeln der Gewalt im Namen Gottes zu beschäftigen. Menschen wie Mohammed Mehra legitimieren ihre Akte der Barbarei im Namen des Islam und sie berufen sich auf den Qur’an, weil sie glauben, ein gottgefälliges Werk zu verrichten, das ihnen Eingang in das Paradies verschafft. Sie sehen sich als gläubige Muslime an und sind damit Teil der Umma und somit Teil einer unausgesprochenen innerislamischen Krise.  

Seit dem 11. September haben Muslime sich verpflichtet gefühlt, den Islam zu verteidigen, indem sie die Täter außerhalb des Islam stellten. Da also religiöse Motive im Zusammenhang mit den Gräuel nicht herangezogen werden durften, um die Religion vor jeglichen Makel zu bewahren, versuchte man psychologisch Motive ins Feld zu führen. Mohammed Mehra verfährt ebenso. Er begründet seine Taten dadurch, dass er den gewaltsamen Tod palästinensischer Kinder rächen und ein Zeichen gegen die französische Militärpräsenz in Afghanistan setzen wollte.  

Was bei alledem auffällt, bis heute hat sich die Mehrheit der Muslime davor gesträubt in das Herz der Finsternis vorzustoßen und eine religionsgeschichtliche Erklärung für den Terror im Namen des Islam vorzulegen. "Die" Muslime sind keine Terroristen. Aber Terroristen, die sich auf den Islam berufen, gehören in der Regel dem Wahhabismus an. Ist es also nicht längst an der Zeit, sich kritisch mit dieser islamischen Strömung auseinanderzusetzen und entsprechende Konsequenzen zu ziehen? Der Islam legitimiert keinen Religionschauvinismus und es gibt keine Loyalität im Falschen. Immer wieder weist der Qur’an die Muslime zu Recht, sich selbst gegenüber kritisch zu sein:  
Im Folgenden gibt Murtaza einen religionsgeschichtlichen Überblick, der das Entstehen des islamisch motivierten Terrorismus aus dem Islam heraus beschreibt. Man wird möglicherweise nicht mit jeder einzelnen seiner Schlussfolgerungen übereinstimmen, doch ist die Lektüre dieses kenntnisreichen Textes ausgesprochen spannend und lesenswert. Murtaza gliedert seinen Aufsatz in die Kapitel :

1. Die Wurzeln des Wahhabismus

2. Charakteristikum des Wahhabismus

3. Die Entstehung der Al-Qaida

4. Ist der Islam antisemitisch?

5. Was ist nach Toulouse zu tun?  

 

Lesen Sie den kompletten Artikel auf http://www.islam.de/20027

 

 

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Entweltlichung und „Dritter Weg“


BenediktXVIAuf dem Arbeitsmarkt hat sich die Catholica mit einem eigenen, „Dritten Weg“ die Bahn geebnet für Macht und Rechte vorbei an christlicher Nächstenliebe und gesellschaftlicher Verantwortung. Wie ist das vor unserem Grundgesetz möglich? Was treibt die deutsche Catholica, ihre Sozialvorstellungen menschenrechtswidrig durchzusetzen? Was ist aus dem barmherzigen Samariter geworden?

Ausgangspunkt für alle Überlegungen muss in unserer Demokratie das Grundge-setz (GG) sein, das vor allen Gesetzen und Einzelregelungen bei deren Auslegung absolut Vorrang hat. Und im GG steht die Würde des Menschen an erster Stelle.

Neben zahlreichen Einzelregelungen betreffend die Beziehungen von Staat und Kirche haben die Väter unseres GG in Art.140 GG i.V.m. WRV Art. 135 bis 141 einige bemerkenswerte Grundsätze festgeschrieben. So z.B. in Art. 137 WRV, dass es keine Staatskirche gibt. Das ist ein fundamentales Bekenntnis des Staates zur Neutralität gegenüber allen Religionen und Weltanschauungen. Konsequent ist daher ebenda festgelegt, dass jede Religionsgesellschaft ihre Angelegenheiten selbständig innerhalb der Schranken des für alle geltenden Gesetzes ordnet und verwaltet. Also, Selbstverwaltung ja, Sonderrechte nein. Wie bei jedem Verein.

Nicht nur vor diesem Hintergrund verfängt sich der Star der deutschen katholischen Soziallehre, Kardinal Marx, im Gewirr der eigenen Fussangeln, wenn er mit Blick an das Ende der Welt gegen „Strukturen der Ausbeutung" wettert. Dabei übersieht er nämlich geflissentlich, dass in den Werken seiner Kirche und in unserer Republik vom Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) bis hin zum Mitbestimmungsgesetz (MitbestG) kein für alle anderen Arbeitnehmer geltendes Recht anwendbar ist. Damit sind die Werke der Catholica gegenüber allen anderen Unternehmen nicht hinnehmbar und GG-widrig privilegiert.

Das arabesk als „Dritter Weg" bezeichnete Mitarbeitervertretungsrecht der Catholica ist demokratisch ein Holzweg und ähnelt eher einer Struktur der Ausbeutung, einem Irrweg, auf dem die eigenen Mitarbeiter bezüglich ihres Schutzes wesentlich schlechter gestellt werden als ihre Kollegen in der Privatwirtschaft.

Unabhängig von wohlwollenden oder durch religiösen Gehorsam geprägten aller-höchsten Gerichtsurteilen nimmt die deutsche Catholica schamlos im GG ausgeschlossene Sonderrechte in Anspruch. Wenn sie sich dabei selbst auf Glaubensgrundsätze beruft, darf sie sich gerade nicht auf noch so ausgetüftelte Meinungen von Kirchenrechtlern zurückziehen. Glauben ist nicht Recht. Und was rechtens ist, ist nicht immer gerecht oder richtig.

Da muss der neue Papstberater sich wohl zunächst vom neuen Papst Rat holen, wie der seine Forderung an seine Priester und Primaten versteht, dass diese sich „nicht lächerlich machen und der Kirche schaden, indem sie dem Geld und der Karriere folgen". Oder die Forderung nach mehr Solidarität, wobei das gesamte System auf den Prüfstand gestellt und mit den fundamentalen Rechten aller Menschen in Einklang gebracht werden müsse.

Nähme Marx diese mahnenden Worte seines neuen Pontifex zu Herzen, müsste er umgehend den Sondermüll seines dritten Weges entsorgen und unter Beachtung der Würde des Menschen und seiner Rechte (Art. 1 GG) die für alle geltenden demokratischen, arbeitsrechtlichen Regelungen in den Werken der Catholica anwenden.

Ein für die deutsche Catholica unerwartet steifer Wind aus Rom weht da dem schwarzen Marx ins Gesicht. Der neu gebackene Papstberater und Aalkönig muss beim neuen Papst erst einmal in die Nachhilfestunde gehen und sich erklären lassen, was dieser unter dem Dienst als wahrer Macht versteht und warum er knallhart fordert, dass seine Primaten es genau so machen wie der uneigennützig helfende barmherzige Samariter.

Nach Überzeugung namhafter deutscher Katholiken (Cordes, Lütz) hätte der barmherzige Samariter beim Caritasverband heute kaum eine Chance, weil nicht getauft und mit dem falschen Glauben. Und doch steht er im Zentrum christlicher Lehre.

Aus ehemals ob ihrer Werke durchaus angesehenen christlichen Einrichtungen sind vielfach eine Arbeitgebermacht entstanden, die Gewalt an Menschen mit Glaubensgrundsätzen ausübt. Dabei haben diese mit beruflicher Qualifikation überhaupt nichts zu tun. Es ist GG-widrig, wenn ein Arbeitssuchender Fragen nach seinem Bekenntnis, seinen Neigungen und Einstellungen, seiner Parteizugehörigkeit u.ä. beantworten soll. Dadurch diskriminiert die Catholica Arbeit suchende Menschen, die verzweifelt eine gute Arbeit für ein Leben in Würde suchen. Was haben ein entzündeter Blinddarm oder eine ordentliche Buchführung mit katholischer Glaubenslehre zu tun? Was ein sauber gereinigtes Büro oder ein pädagogisch einwandfrei geführter Kindergarten? Die Willkür kirchlicher Arbeitgeber scheint schrankenlos und wird gnadenlos als Kontrolle in Glaubenssachen praktiziert. In unserer Demokratie heute!

Aber hier prangert der neue Pontifex an, dass Kirchenmänner oft Kontrolleure und nicht Wegbereiter des Glaubens seien, und dass es gälte, „den Menschen wieder ins Zentrum zu rücken". Und auch eine neue, aufgeklärte Richtergeneration und Gewerbeaufsicht machen bei dem Regelungsgeflecht der Catholica nicht mehr mit: Kündigungen müssen zurückgenommen werden, das versagte Streikrecht wird aufgeweicht und mehr und mehr zwingen öffentliche Meinung und Protest zur Aufgabe unhaltbarer Gängelungen durch kirchliche Arbeitgeber und Primaten.

Die letzte entscheidende Rede des papa emeritus in Freiburg hat die deutsche Catholica mit seiner Forderung nach Entweltlichung in ein Dilemma gestürzt. Der papa electus geht genau da konsequent weiter und fordert – vor allem -, die Würde des Menschen zu achten. Solidarität müsse wieder staatsbürgerliche Tugend werden, auch und gerade für die deutsche Catholica, wenn sie sich dann nach Art des armen Samariters Verantwortung übernehmen und sich nicht nur für fragwürdige und als Unrecht empfundene Dienste satt aus öffentlichen Mitteln bezahlen lassen will.

Georg Korfmacher

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

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Milliardäre haben kein Existenzrecht


SandersDer Präsidentschaftskandidat der Demokraten in den USA, Bernie Sanders, hat eines der radikalsten Programme zur Bekämpfung des sozialen Ungleichgewichts seit dem New Deal der 1930er-Jahre vorgestellt. Mit seinen Plänen würde sich das Vermögen der Superreichen halbieren. (Wikipedia-Bild PD >)

Der 78-jährige Senator aus dem US-Bundesstaat Vermont gilt für viele sozial Benachteiligte in den Vereinigten Staaten von Amerika als Hoffnungsträger. Als Sohn von polnischen Einwanderern hat er sich schon früh gegen die Exzesse des Turbokapitalismus geäußert und vertrat die Meinung, dass die Regierung eine größere Rolle bei der Sicherstellung von grundlegenden Bedürfnissen der Bevölkerung spielen sollte. Insbesondere die Bekämpfung des immer weiter auseinanderklaffenden Ungleichgewichts bei der Verteilung von Vermögen beschäftigte Sanders in den vergangenen Jahren.

Bereits bei der Vorwahl der Präsidentschaftswahlen 2016 überzeugte der Senator die Delegierten mit seinem Programm und machte auch kein Geheimnis darüber, was er von den Milliardären – die er Oligarchen nennt – in den USA, aber auch weltweit dachte: "Sie wollen mehr, immer mehr, unabhängig davon, was das für Auswirkungen auf die arbeitende Bevölkerung hat, die Alten, Kinder, Kranken und Armen. (…) Gier ist ihre Religion."

Am Ende wurde Sanders aber von Hillary Clinton und dem Parteivorstand der Demokraten um den Sieg gebracht, nachdem sie die Vorwahlen manipuliert hatten, wie eine Untersuchung der Stanford University ergab. Zudem wurde durch die WikiLeaks-Veröffentlichungen bekannt, wie der Parteivorstand gezielt mit Journalisten von einflussreichen Mainstream-Medien zusammenarbeitete, damit sie den Senator in einem möglichst schlechten Licht und Clinton dafür lobend darstellen sollten. Dieser Skandal sorgte dafür, dass fünf Vorstandsmitglieder ihren Stuhl räumen mussten.

Nun will er es wieder wissen und stellte erst diese Woche ein Programm vor, das den Vermögenstransfer in die Hände von einigen wenigen auf Kosten der großen Mehrheit wieder ausgleichen soll: "In den vergangenen 30 Jahren hat das oberste Prozent eine Steigerung von 21 Billionen US-Dollar seines Vermögens erfahren, während die untere Hälfte der amerikanischen Gesellschaft 900 Milliarden US-Dollar an Vermögen verloren hat. Mit anderen Worten: Es hat ein Vermögenstransfer von denen, die zu wenig haben, zu denen, die zu viel haben, stattgefunden. Zum Wohle der Demokratie und der arbeitenden Familien überall in Amerika, die wirtschaftlich am Kämpfen sind, muss sich das ändern."

Die Einführung einer Vermögenssteuer würde jene Haushalte betreffen, die über ein Vermögen von mindestens 32 Millionen US-Dollar verfügen. Ab 50 Millionen US-Dollar greift die progressive Steigerung des Steuersatzes bis auf 8 Prozent für Vermögen über 10 Milliarden US-Dollar. Mit diesen Maßnahmen sollen die Vermögen der reichsten 0,1 Prozent, Leute wie Jeff Bezos, Bill Gates, Mark Zuckerberg oder Sheldon Adelson, innerhalb von 15 Jahren halbiert werden.

In einem Interview mit der New York Times sagte Sanders: "Lasst mich das klarstellen: Als Präsident der Vereinigten Staaten werde ich die empörende und groteske und unmoralische Höhe der Einkommen und Vermögensungleichheit reduzieren."

Mit den dadurch geplanten Einnahmen von 4,35 Billionen US-Dollar innerhalb der nächsten zehn Jahre sollen seine Reformpläne im Immobilienmarkt und eine allgemeine Kinderfürsorge finanziert werden. Doch selbst wenn Bernie Sanders nicht nur die Vorwahlen, sondern sogar die Präsidentschaftswahlen nächstes Jahr gegen Amtsinhaber Donald Trump gewinnen würde, stehen ihm trotzdem hohe Hürden bevor, um solche Pläne auch in die Tat umzusetzen.

Die Pläne müssten vom Kongress genehmigt werden, was als Ding der Unmöglichkeit betrachtet wird, solange Republikaner die Mehrheit im Senat stellen. Selbst mit den Demokraten dürften solche Sozialreformen, die es auf die Vermögen der Superreichen abzielen, sehr schwierig haben. Abgeordnete, die für ihre Wahlkämpfe auf Spenden angewiesen sind und die zu einem großen Teil von Millionären und Milliardären geleistet werden, um damit eigene Interessen zu verfolgen, werden kaum den Ast absägen, auf welchem sie sitzen.

Auf die Frage angesprochen, ob es überhaupt Milliardäre in den USA geben sollte, antwortete Sanders deshalb: "Ich hoffe, dass der Tag kommen wird, wenn (man) sie nicht (braucht)."
"Ich denke nicht, dass Milliardäre existieren sollten", meinte er weiter. Es werde aber immer Menschen geben, die mehr als andere haben, und seine Reformen werden die Milliardäre auch nicht "eliminieren", sondern ihr Vermögen reduzieren. Das wäre "genau das, was wir tun sollten".

 

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).




Islamophobie und andere Ängste


Ich muss es endlich mal gestehen – ich habe Angst vor großen und aggressiven Hunden, weil die mich überhaupt nicht mögen, mich auch schon mehrmals wild bellend angegangen haben. Vor einigen Jahren sah ich mich gezwungen, einem freilaufenden, auf mich zustürmenden Köter, der erkennbar keine guten Absichten hatte, einen kräftigen Tritt an den Unterkiefer zu verpassen, um seinen Angriff auf mich abzuwehren. Hätte ich ihn frontal gegen die Nase / die Schnauze getroffen, hätte er das wohl kaum überlebt, denn da sind Hunde sehr verletzlich.

Ja, ich habe eine Hundephobie – zumindest dann, wenn diese Tiere groß und obendrein aggressiv sind. Dann entstehen bei jeder Begegnung mit ihnen berechtigte Ängste. Vor kleinen Schoßhündchen hingegen fürchte ich mich nicht. Die können mir zwar ins Bein zwicken oder auf den Schuh pinkeln, aber das war’s dann.

Ich habe noch eine andere berechtigte Angst, also eine Phobie – die vor dem Islam, der eine ernste Bedrohung für jede freiheitliche, demokratische Gesellschaft darstellt, weil „der Islam“ in seiner Rückständigkeit, in seinem Verharren in frühmittelalterlichen Rechts- und Wertvorstellungen sowie in seiner Intoleranz gegenüber anderen Entwürfen die Werte und Rechtsnormen unserer heutigen Gesellschafts- und Rechtsordnung nicht anzuerkennen vermag (einzelne Muslime vermögen es vielleicht, entgegen den Vorschriften ihrer unaufgeklärten „Religion“, wofür ich ihnen dann meine Anerkennung ausspreche).

In dem sehr lesenswerten Essay „Islamophob, christophob?“ thematisiert Klemens Ludwig das Thema der auf Religionen, insbesondere auf den Islam bezogenen Phobien und findet es z.B. „bemerkenswert, dass im internationalen Sprachgebrauch allein das Wort ‚islamophob’ existiert.“

Ob das wohl am Islam liegt? Oder an etwas anderem?

Aber lesen Sie selbst!

PS des Autors: Ich möchte hinzufügen, dass eine Phobie keine "unbegründete Angst" ist, wie es die Wikipedia fälschlicherweise behauptet und wie man es auch andernorts immer wieder hören und lesen kann.
Phobie kommt vom griechischen "Phobos", und das heißt einfach nur "Angst", "Furcht".
Eine Angst oder Furcht kann begründet sein oder auch nicht — sie ist einfach da, egal warum.

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

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Bibbern um Privilegien


Als der große Augustinus sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere als PR-Chef des Römischen Kaisers aus Frust mit seinem Freund in eine gleichgeschlechtliche (Gem)Einsamkeit in seine Heimat zurückzog, setzten die hilflosen Christen dort alles daran, den beredten Mann in höchste Kirchenwürden als ihren Bischof in Hippo zu hieven. Im heutigen Bayern muss die Catholica um grundgesetzwidrige Privilegien bibbern, weil sie eine in gleichgeschlechtlicher Gemeinsamkeit lebende Erzieherin feuern will.

Die betroffene Dame hatte ihrem Arbeitgeber die Geburt ihres Kindes gemeldet und Mutterschaftsurlaub beansprucht. Gleichzeitig hatte sie ihm mitgeteilt, dass sie mit einer anderen Dame in Lebensgemeinschaft lebt. Daraus friemelte der Arbeitgeber eine gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaft scheinbar unmoralischer Art und kündigt der jungen Mutter fristlos. Leben In der Catholica nicht auch (zwar immer weniger) Männer und Frauen in gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften (Klöstern) zusammen, besonders in besonders strengen. Warum muss die Gemeinschaft zwischen der jungen Mutter und ihrer Freundin schlecht sein?

Penetrant pocht der Arbeitgeber, eine kirchliche Einrichtung, auf einem Selbstbestimmungsrecht, das ihm laut GG nicht zusteht. Dort ist nämlich eindeutig geregelt, dass die Kirchen ihre Angelegenheiten zwar eigenverantwortlich aber eben nur im Rahmen der für alle geltenden Gesetze verwalten. Von Selbstbestimmung keine Spur! Was die Catholica hier treibt ist eher Anmassung und Missachtung der in unserer Demokratie für alle geltenden Rechte und Gesetze.

Während in unserer Demokratie niemand wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden darf und jeder das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit hat, setzt sich die Catholica dreist über unser GG hinweg und will sich ihr eigenes Recht basteln.

Nun hat ihr aber die Gewerbeaufsicht in die Suppe gespuckt und die Kündigung der jungen Mutter abgelehnt. Seltsam zwar, dass hier die Gewerbeaufsicht und nicht das Arbeitsgericht eingeschritten ist, gleichwohl aber erfreulich, dass eine Aufsichtsbehörde gegen den offensichtlichen Machtmissbrauch einer mit Steuergeldern finanzierten kirchlichen Einrichtung einschreitet. Endlich erinnert sich jemand daran, dass vor dem Gesetz alle Menschen gleich sind und dass die Würde des Menschen unantastbar ist. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt. Besonders die Würde einer jungen Mutter, die ehrlich mit sich und der Welt umgeht.

Aber Ehrlichkeit und Recht scheinen der Catholica ein Begriffspaar, das ihr gerade in Sachen Moral nicht schmeckt, besonders, wenn es sich um geschlechtsbezogene Moral handelt. Was Nonnen und Mönche, also Kleriker, dürfen, soll Laien verwehrt sein? Ach ja, schon wieder vergessen. Kleriker sind ja Eunuchen für das Himmelreich (Mt 19, 12) und geniessen irgendwie die Freiheit der Narren. Aber bitte nicht in unserer Demokratie!

 

 

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Atheisten bereiten Antrag zur Anerkennung vor


ApfalterDas meldete ORF-religion am 23.9.2019. Es geht dabei darum, dass ein Verein mit der Benennung "Atheistische Religionsgesellschaft in Österreich" (ARG) die staatliche Anerkennung als religiöse Bekenntnisgemeinschaft beantragt hatte, was aber abgelehnt wurde. Man hatte zwar 2015 die notwendige Mitgliederzahl von 300 erreicht, aber die Anerkennung wurde aus formalistischen Gründen verweigert.

Es ist ja im österreichischen Recht überhaupt ein Skandal, dass religiösen Gemeinschaften Sonderrechte zustehen, die weltanschaulichen Gemeinschaften verweigert werden, Deutschland herrscht diesbezüglich Gleichstand, dort können auch Weltanschauungsgemeinschaften, also zum Beispiel humanistische Verbände, wie Religionsgemeinschaften den Status einer "öffentlich-rechtlichen Körperschaft" erhalten.

Dieses in Österreich fehlende Recht will nun die ARG mittels der Bezeichnung "atheistische Religionsgemeinschaft" auch erreichen. Wilfried Apfalter, Präsidiumsmitglied der ARG, sagte laut ORF: "Wir wollen damit auch neue Räume kultureller Partizipation für Atheistinnen und Atheisten eröffnen und einen gesellschaftlichen Wandlungsprozess dessen, was als Religion wahrgenommen und angenommen wird und wie Religion gelebt wird, sichtbar machen".

In der ORF-Meldung heißt es über die formale Absicherung des nunmehr einzureichenden neuen Antrags: "Jetzt habe man von allen Mitgliedern eidesstattliche Erklärungen, dass sie keiner anderen Religions- oder Bekenntnisgemeinschaft angehören, sowie ihre Adressen und Ausweiskopien."

Meinereiner ist dort nicht Mitglied geworden, sondern weiterhin konfessionslos geblieben. Aber der Versuch der ARG, das religionslastige Recht auf diese Weise bloßzustellen und es vielleicht auszuhebeln, ist auf alle Fälle zu begrüßen.

In der BRD zeigt sich auch in der Gesetzgebung der Unterschied, wenn auch Weltanschauungsgemeinschaften denselben rechtlichen Status wie Religionen haben. In Österreich gibt es beispielsweise ein Gesetz, das religiöse Gefühle alleine schützt, hier der § 188 des Strafgesetzbuches: "Herabwürdigung religiöser Lehren – Wer öffentlich eine Person oder eine Sache, die den Gegenstand der Verehrung einer im Inland bestehenden Kirche oder Religionsgesellschaft bildet, oder eine Glaubenslehre, einen gesetzlich zulässigen Brauch oder eine gesetzlich zulässige Einrichtung einer solchen Kirche oder Religionsgesellschaft unter Umständen herabwürdigt oder verspottet, unter denen sein Verhalten geeignet ist, berechtigtes Ärgernis zu erregen, ist mit Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 360 Tagessätzen zu bestrafen."

In der BRD gilt der entsprechende § 166 nicht nur für Religionen: "Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen
(1) Wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) den Inhalt des religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnisses anderer in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Ebenso wird bestraft, wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) eine im Inland bestehende Kirche oder andere Religionsgesellschaft oder Weltanschauungsvereinigung, ihre Einrichtungen oder Gebräuche in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören."

Vielleicht verhilft ein als religiöse Bekenntnisgemeinschaft anerkannter Atheistenverein dem österreichischen Recht zur Gleichberechtigung der Weltanschauungen mit den Religionen?

Hier die Links zum ORF-Bericht und zur Atheistischen Religionsgesellschaft

 

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).




Gott & Dinosaurier


DinoGod & The Dinosaur Scene – Preacher 4×2 God destroys the world because a dinosaur ate some poop

Video Länge 1:52 Minuten. https://www.youtube.com/watch?time_continue=112&v=IT2HRUHsOQo

Ja, da fraß der Saurier von der Scheiße der Erkenntnis und wurde ausgerottet! Und der danach installierte Mensch fraß vom Baum der Erkenntnis und wurde deswegen aus dem Paradies vertrieben und einige Zeit später ebenfalls mittels Sintflut weitgehend ausgerottet.

Ja, so ist er, der liebe Gott! Aber ist ja das Meiste davon nicht wahr! Die Saurier starben nach einer Klimaänderung durch Kometeneinschlag und ermöglichten den Aufstieg der Säugetiere und später dann der Säugehominiden! Wissenschaftliche Erkenntnisse zu erwerben, begannen die Menschen im Altertum, das wurde dann vom Christendumm durchs ganze Mittelalter unterbunden und erst im Zeitalter der Aufklärung gegen den Widerstand der katholischen Kirche fortgesetzt. Was sogar Auswirkungen auf die Kirchenlehre hatte! Denn seit 1992 (Rehabilitierung des 1633 wegen seiner Erkenntnisse zu lebenslangem Hausarrest verurteilten Galileo Galilei) gilt offiziell sogar im Vatikan, dass die Erde um die Sonne und nicht die Sonne um die Erde kreist!

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).

 




Medjugorje-Friedensgebet im Stephansdom


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Wie die katholischer Esoterik bei den katholischen Kirchenmitgliedern ankommt, zeigte sich am 19.9.2019 als im Wiener Stephansdom, der zweitgrößten Kirche in Österreich, das "Medjugorje-Friedensgebet: Maria hat Herz für uns" abgehalten wurde. Auf der Wiener Diözesan-Homepage wurde am 20.9. darüber berichtet, es hieß dort einleitend:

"Mehr als 3.000 Gläubige aus ganz Österreich und darüber hinaus sind am Donnerstag, 19. September 2019, zum Friedensgebet "Message for You" in den Wiener Stephansdom gekommen. Geleitet wurde die sechsstündige Gebetsveranstaltung von Kardinal Christoph Schönborn, der es als die zentrale Botschaft von Medjugorje bezeichnete, "dass die Gottesmutter Maria ein Herz für uns hat und wir immer zu ihr kommen können". Das zum bisher 12. Mal durchgeführte Friedensgebet steht in engem Zusammenhang zum Wallfahrtsort Medjugorje in Bosnien-Herzegowina, wo seit 38 Jahren Marienerscheinungen berichtet werden, die von der Kirche jedoch bisher nicht offiziell anerkannt sind, weil deren Prüfung noch nicht abgeschlossen ist."

Da hat man in ganz Österreich (Stand von 2018) 5.053.074 katholische Kirchenmitglieder, in der Diözese Wien (dazu gehört allerdings auch das östliche Niederösterreich) waren es 1.176.089! Und da freut sich der Herr Kardinal Schönborn, wenn "mehr als 3.000 Gläubige aus ganz Österreich und darüber hinaus" – also waren auch ausländische Besucher dabei – zu einem Betkreis für die Mama vom Gottessohn Jesus zusammenkommen! Wie viele Besucher im Stephansdom Platz fänden, war im Internet nicht zu ermitteln, der kubikmetermäßig etwas größere Neue Dom in Linz würde 20.000 Leute – hauptsächlich auf Stehplätzen – zu fassen vermögen.

Da hat man seit 1981 in Medjugorje ein zwar vom Vatikan nicht anerkanntes, aber vom Papst wallfahrtsmäßig erlaubtes Marienwunder und dann bringt man damit zu einem Mariengebet mit dem Erzbischof nicht viel mehr als 3.000 Leute auf die Füße? Obwohl es Kardinal Schönborn als die zentrale Botschaft von Medjugorje bezeichnete, "dass die Gottesmutter Maria ein Herz für uns hat und wir immer zu ihr kommen können"? Warum kommen dann nicht mehr zu ihr als läppische dreitausend?

Als besonderer Gast wurde die 54-jähriger Marija Pavlovic-Lunetti angekündigt, eine der sechs Marienseherin von 1981 und eine der drei, die das immer noch hauptberuflich machen, sie war u.a. auch 2009 schon im Stephansdom.


Foto von Llorenzi 2011 – Wikipedia PD CC BY-SA 3.0

Man sieht also, dass katholische Esoterik nicht viele katholische Esoteriker anlockt, aber es werden ja auch sonst nicht viele Leute in die Kirche gelockt, man kann ob der Begeisterung vom Schönborn über die 3.000 Marienbeter wohl berechtigt vermuten, dass an einem gewöhnlichen Sonntag weitaus keine 3.000 Leute im Stephansdom dem Dompfarrer Faber oder dem Bischof Schönborn beim Predigen zusehen und zuhören…

 

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).




Spinner-TV


wachtturm-judeÄgyptischer Kleriker über jüdische Verschwörung.

Da ein gewisses Missverhältnis zu bestehen scheint zwischen der öffentlichen Wahrnehmung der islamischen Welt im Westen und der islamischen Welt  – erscheint es angemessen, regelmäßig einen Blick in den Orient zu werfen, damit wir etwas über fremde Kulturen lernen. In dieser Reihe gibt‘s darum Videos aus dem Fernsehen islamischer Länder zu sehen. Glauben Sie den Islamkritikern kein Wort – schauen Sie sich‘s einfach selbst an!

http://www.youtube.com/watch?v=4nCjF2Ww7g4&feature=player_embedded

Heute: Ein ägyptischer Kleriker namens Sayyed Azab erzählt, wer für die französische Revolution verantwortlich ist (Tipp: Sie feiern das Laubhüttenfest), wer die kommunistische Revolution in Russland einfädelte (könnten es die Juden gewesen sein?) und wer den Atheismus verbreiten will (jüdische… Atheisten). Die Juden in Ghettos zu sperren sei ferner Selbstverteidigung gewesen, weil “die Menschen so viel von dem Bösen der Juden erleiden mussten”.

Außerdem beschwert sich der Kleriker, dass Juden einen sofort als Antisemiten brandmarken würden, sobald man sie “kritisiert”. Das Problem kennen Israelkritiker zur Genüge.

Diese französischen Juden-Atheisten warten nur darauf, den harmlosen, braven Bürger Sayyed Azab des Antisemitismus zu bezichtigen – ausgerechnet ihn, der nichts weiter sagt, als dass die Juden Böses in die Welt tragen und Revolutionen auslösen würden, um die Menschheit zu unterjochen. Ausgerechnet ihn!

godzilla-facepalm

Offenbar muss man derartige Behauptungen in Ägypten nicht weiter begründen.

Quelle:

MEMRI TV

Egyptian Cleric Sayyed Azab: The Jews Staged the French and Communist Revolutions to Corrupt the World
Al-Omma TV (Egypt) – April 18, 2013

http://www.feuerbringer-magazin.de/2013/04/25/spinner-tv-agyptischer-kleriker-uber-judische-verschworung/

Das Titelbild stammt aus der von den Zeugen Jehovas herausgegebenen Zeitschrift "Der Wachtturm".

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

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Marx, die Ethik und das Strafrecht


Kardinal Reinhard Marx betonte bei einer Veranstaltung der Technischen Universität München die ethische Verantwortung des Einzelnen. Da diese Feststellung so trivial ist wie das Amen in der Kirche, musste er vor dem anspruchsvollen Publikum wohl oder übel nachlegen. Und das hörte sich dann so an.

„Es ist ein großer Irrtum zu glauben, wir könnten darauf verzichten, dass Menschen in sich eine sittliche Verantwortung haben", dozierte der Erzbischof von München und Freising. Für ihn reiche eine Rahmenordnung wie das Strafrecht nicht aus.

Also da scheint der Großmeister des Marxismus der Catholica etwas durcheinander zu bringen. Ein eherner Grundsatz aller Juristen besagt, dass ein Blick ins Gesetzbuch die Rechtsfindung erleichtert. Und die Rahmenordnung in unserer Demokratie ist das Grundgesetz, an das sich alle in unserem Staat zu halten haben. Tun sie das nicht, bestimmen andere Gesetze, wann und wie das zu sanktionieren ist.

Und damit muss der Kardinal in eine fatale Gewissensnot geraten, hat er doch seinem Papst absoluten Gehorsam geschworen. Die Ergebnisse eines solchen Schwurs wurden nicht nur in unserer Demokratie eindrucksvoll vorgeführt. Jahrelang hat die Catholica sexuellen Missbrauch an Minderjährigen an der Justiz vorbei auf ihre Weise behandelt und solange zu vertuschen versucht, bis die Schandtaten nach den Regel des Rechts „verjährt" wären.

Von Ethik keine Spur!

„Die richtige Verantwortlichkeit wahrzunehmen, dazu gehört mehr, als ins Gesetzbuch zu schauen." Glaubt der hohe Herr wirklich, was er da im Brustton seiner Überzeugung von sich gibt? Wie soll sich unser Gemeinwesen denn geordnet organisieren, wenn sich nicht einmal die Catholica an das vom Kardinal so bezeichnete „Minimalprogramm" hält?

Der „schwarze" Marx muss sich gefallen lassen, dass er nicht nur an seinen Worten, sondern auch und vor allem an seinen Werken gemessen wird. Es lässt sich leicht plaudern, wenn die Werke christlicher Caritas und insbesondere das eigene Auskommen (ca.12.000 Euro pro Monat) großzügig voll aus öffentlichen Steuermitteln der Allgemeinheit und nicht aus der sogenannten Kirchensteuer finanziert werden.

Und was mit den prekären Arbeitsverhältnissen und der Missachtung unseres Grundgesetzes mit dem Diskriminierungsverbot wegen Rasse und Bekenntnis in den Betrieben im Eigentum der Catholica? Was schon Grundschüler im Ethikunterricht lernen, scheint der große Kardinal mit dem kleinen roten Käppchen zu ignorieren. Der "dritte Weg" ist wohl ein Weg in den Irrtum außerhalb unserer Rechtsordnung.

In Sachen Ethik ist man mit Kant offensichtlich besser bedient als mit den Marx'schen Worthülsen. Aber Kant hat der Kardinal in Schule oder Studium wohl verpasst oder in seiner Rolle der Macht schlicht und einfach verdrängt. Kategorisch ist er nur in Sachen Demokratie. Und die hat er qua CIC und Schwur auf den Stellvertreter Gottes aus seinem Bewusstsein verbannt. Insofern stellt sich der Kardinal selbst ins Abseits. Aber was dann?

Als Demokrat und ethisch handelnder Mensch fällt er offenbar aus. Da kann er sich wohl nur noch demütig auf seine Rolle als „Eunuch für das Himmelreich" (Mt 19,12) konzentrieren. Aber, oh Graus, da wird er möglicherweise in seinem prunkvollen Haus abgelenkt, das seinerzeit für einen Bastard von Bayern und dessen Maitresse gebaut worden ist.

Titelbild: Die bescheidene Wohnstätte des Kardinals: Seit 1818 ist das Palais Holnstein im Staatsbesitz (!) und seit 1821 Dienstsitz der Erzbischöfe von München und Freising. (Bildquelle: Erzbistum)

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

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Ethik für ALLE!


Ethik für alleZur geplanten Einführung des Ethikunterrichts wurde von Eytan Reif, Sprecher und Mitinitiator der "Ethik für alle"-Plattform und Sprecher der "Initiative Religion ist Privatsache" am 16. 9. 2019 laut ORF-Bericht kritisch Stellung bezogen, darum hier die Position der "Ethik für alle"-Plattform:

Im Schuljahr 2020/21 wird der Ethikunterricht ins Regelschulwerk überführt werden. Besuchen sollen ihn nur jene SchülerInnen, die, aus welchem Grund auch immer, keinen Religionsunterricht besuchen. Er soll eine Alternative zum Kaffeehaus bilden und bevorzugt von ReligionslehrerInnen durchgeführt werden. Infolge der Beschäftigung mit dem Transzendenten in seinem Rahmen soll er gar SchülerInnen als "Appetitanreger" dienen und Abmeldungen vom Religionsunterricht verhindern. Kurzum: er hat sich dem Religionsunterricht unterzuordnen und ihm zu dienen.

So zumindest die Vision der Regierung.

Es kann aber auch anders gehen da der Ethikunterricht viel zu wichtig ist, um den Partikularinteressen der Religionsgemeinschaften geopfert zu werden. In einer offenen, säkularen Gesellschaft kann – und muss – ein Ethikunterricht viel mehr bieten. Es darf daher auch viel mehr verlangt werden.

"Alle" bedeutet "Alle"

In den Genuss eines Ethikunterrichtes haben alle SchülerInnen des intakten Klassenverbandes – ab der 1. und bis zur 12./13. Schulstufe – zu kommen. Ungeachtet ihrer konfessionellen Zugehörigkeit und in jeder Schule mit Öffentlichkeitsrecht, versteht sich. Denn wer zum Zweck der Wertevermittlung Klassen dividiert, spaltet auch außerhalb der Schule und wer mit der Wertevermittlung zu spät beginnt, der vermittelt wenig.

Keine Qualität ohne Qualitätskontrolle

Gerade beim Ethikunterricht haben die Lehrerausbildung, die Wahl der Lehrbeauftragten und die Aufsicht eine besondere Rolle zu spielen. Nur ein Lehramtsstudium würde nämlich EthiklehrerInnen befähigen, die komplexen Herausforderungen, die ein Ethikunterricht mit sich bringt, zu bewältigen. Um die Entstehung von Interessens- und Gewissenskonflikten zu verhindern sollten wiederum LehrerInnen, die Religion unterrichten, an derselben Schule nicht auch den Ethikunterricht erteilen dürfen. Ergänzend müsse ein Ethik-Fachinspektorat nicht nur das Einhalten von positiven Qualitätskriterien gewährleisten, sondern auch eine weltanschauliche Beeinflussung verhindern.

Faule Kompromisse sind unethisch

Die flächendeckende Einführung eines Ethikunterrichtes für ALLE wird – nach fast einem Vierteljahrhundert(!) der politischen Blockade – weder einfach noch billig sein. Umso wichtiger ist es daher, zuerst die Ziele festzulegen und erst anschließend detailliert zu planen. Wer die Einführung des Ethikunterrichtes ausschließlich als Ersatzpflichtgegenstand zum Religionsunterricht ab der Sekundarstufe II als "Schritt in die richtige Richtung" gutheißt, bricht in Wahrheit eine Lanze für eine schleißige Dauerlösung. Und solche haben im Bildungssystem schon gar nichts verloren.

Soweit der Text der Initiative, für das Volksbegehren "Ethik für alle" wurden die notwendigen Unterstützungserklärungen am 5.9. erreicht, siehe ORF-Bericht dazu!

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).




Geplante Überflüssigkeit


samsung-galaxy…ist die Diskussion über “planned obsolescence”, meint Andreas Müller. Demnach schrauben insbesondere Elektronikanbieter ihre Geräte von Handys bis Waschmaschinen so zusammen, dass sie nach Ablauf der Garantie, oder jedenfalls nach einer gewissen Zeit, kaputtgehen. In die Richtung geht auch der Vorwurf, dass die Anbieter von Smartphones ihre Geräte schon früh nicht mehr auf die neueste Version updaten. Bis zu einem gewissen Grad stimmt das auch alles und man darf sich gewiss darüber aufregen. Aber ein kühler ökonomischer Blick hilft dabei, Ursachen, Folgen, Lösungen im Blick zu behalten.

Doch zuvor ein bisschen Aufregung: Da mein eigenes aktuelles Smartphone, möge es im siebten Kreis der Hölle schmoren, trotz ausreichender theoretischer Leistung ruckelt wie ein Bett in einem billigen Motel, kann ich es sicher nachvollziehen, wenn sich der Volkszorn aktuell gegen bestimmte Anbieter elektronischer Geräte richtet. Dabei ist es manchmal nicht einmal der Hersteller selbst, der ein Update versäumt, sondern der Mobilfunkanbieter. Besonders hervorgetan hat sich dabei Vodafone, dessen gebrandete (mit Vodafone-Werbung geschmückte) Smartphones erst ein Update bekommen werden, wenn die Hölle, in der sie und ihre leeren PR-Phrasen in ihrem gottlosen Vodafone-Forum hoffentlich schmoren, schon lange zugefroren ist. Unglaublicherweise hat es Vodafone nicht einmal fertig gebracht, das LTE-Smartphone “HTC Velocity” auf Android 4 upzudaten, weshalb es trotz 1,5GHz-Dualcore nun mit Gingerbread auskommen muss.

Man muss allerdings beachten, dass viele Hersteller und Anbieter – nicht Vodafone – ökonomisch sinnvoll handeln, wenn sie bei Geräten, die in zwei Jahren sowieso im Schnitt ausgetauscht werden, nicht allzu viel in die Langzeithaltbarkeit investieren. Dies wären Mehrkosten, die sich nicht auszahlen würden. Dasselbe gilt für Updates auf die neueste Android-Version. Die müssen erst einmal für jedes Gerät angepasst werden. Und wozu sollte man das tun bei einem zwei Jahre alten Gerät, das sowieso kaum noch jemand verwendet? Es sei denn, man ist selbst der Entwickler von Android. Dann versteht es sich, dass die Nexus-Geräte auch noch nach Jahren verlässlich das neueste Update erhalten. Das hält auch die Preise der Geräte oben. Das Nexus S mit 1GZ-Prozessor kostet immer noch absurde 229 Euro. Nur 20 Euro weniger als das HTC Velocity.

Die Hersteller und Mobilfunkanbieter müssen lediglich darauf achten, dass sie es nicht übertreiben mit dem Geiz. Früher war LG dafür berüchtigt, einfach keine flüssige Software entwickeln zu können, seit dem 4X HD hat sich das Problem erledigt und die Kunden finden wieder Vertrauen zu den Südkoreanern.

Ebenso sollte man nicht vergessen, dass man für mehr Geld auch mehr Haltbarkeit finden wird, wenn man nur mal kurz sucht. Wie gesagt werkelt google beständig an Updates für seine Nexus-Geräte. Es gibt zwar Handys, deren Akkus man nicht entfernen kann, wie das Sony Xperia S, aber es gibt auch andere, wie das Sony Xperia U, bei denen das problemlos möglich ist. Das Akku-nicht-wechseln-Problem betrifft vor allem Tablets, aber auch hier sind erste Geräte mit wechselbarem Akku erhältlich. Warum? Weils eine Marktlücke ist und die werden irgendwann immer von selbst gefüllt. Zudem gibts tragbare Battery-Packs zum Aufladen.

Es wäre trotzdem etwas missverständlich ausgedrückt, würde man sagen, dass “der Markt” das Problem von selbst löst – als gäbe es hier irgendeinen Automatismus. Der Markt, das sind wir. In diesem Fall tragen Journalisten zur Aufklärung über die Produktqualität und -haltbarkeit elektronischer Geräte bei. Ob der Kunde darauf reagiert, bleibt ihm überlassen. In vielen Fällen tut er das und die Hersteller ändern ihr Herstellungsverfahren. Am Ende bekommt jeder, was er möchte – er muss nur bereit sein, dafür zu zahlen. Oder einfach wissen, was es gibt und was er braucht. Mein Lexmark-Laserdrucker aus der Jungsteinzeit kostete beispielsweise nur 50 Euro und er druckt seitdem mit hoher Geschwindigkeit verlässlich tausende Seiten. Erst nach einem Zeitalter war ein neuer Toner fällig und den kann man sich in so großen Abständen leisten. So etwas gibt es auch.

Es gibt zum Beispiel auch Notebooks, die militärischen Belastungstests standhalten. Solar-Armbanduhren aus Titan, deren Akku man nie austauschen muss und die nie kaputtgehen. Es gibt Schuhe von Ausstattern der Polizei, der Feuerwehr, des Militärs, die jeder für einen erträglichen Preis kaufen kann und die sehr viel besser verarbeitet sind als normale Schuhe aus dem Laden.

Es wäre also falsch, mal wieder den “Kapitalismus” für das Problem der geplanten Überflüssigkeit verantwortlich zu machen. Am Ende ist der Kunde selber schuld. Und Vodafone.

Quelle: http://www.terryrotter.de/feuerbringer/2013/03/geplante-uberflussigkeit/#more-3974

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

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Van der Bellen hält Klasnic-Kommission die Stange


Österreich-Premiere Democracy - Im Rausch der Daten

Österreich-Premiere Democracy – Im Rausch der Daten

Aussendung von Niko Alm vom 16.9.2019

Oft war ich noch nicht in der Präsidentschaftskanzlei in der Hofburg, aber doch ein paar Mal. Und ich glaube es war sogar beim Termin der Konfessionsfreien mit dem damaligen Vorsitzenden Heinz Oberhummer, den ich in dieser Funktion jetzt wieder nachgefolgt bin, dass uns Waltraud Klasnic auf dem Weg zum Büro Heinz Fischers entgegengekommen ist. Aber ganz sicher bin ich mir da nicht mehr. Dass die sogenannte "Opferschutz"-Beauftragte Klasnic mit Rückendeckung des Bundespräsidenten arbeitete, war aber schon damals bekannt. Wesentliches hat sich auch mit Alexander Van der Bellen daran nicht geändert.

 RA Roman Schiessler, der die Plattform Betroffener kirchlicher Gewalt und eine Reihe von Gewaltopfern rechtsfreundlich vertritt, setzte Ende August den Bundespräsidenten mit einem Schreiben in Kenntnis davon, dass die Klasnic-Kommission
1) den Kontakt zur rechtsanwaltlichen Vertretung bewusst umgeht,
2) behauptet, Zahlungen an die Betroffenen würden in ihrer Höhe der Rechtssprechung entsprechen (was nicht stimmt) und
3) die Auszahlung gelegentlich bis zum Ableben der Betroffenen verschleppt wird.
Außerdem seien die Verjährungsfristen den Delikten bis jetzt nicht angepasst worden.

UHBP Van der Bellen bequemte sich zu folgender Antwort:
"In der vorliegenden Angelegenheit ist dem Herrn Bundespräsidenten eine unmittelbare Veranlassung nicht möglich. Sicher werden Sie sich mit Ihrem Anliegen bereits an die zuständigen kirchlichen Einrichtungen oder an Kardinal Christoph Schönborn gewandt haben, der die Klasnic-Kommission mit dem Einschreiten beauftragt hat."

Dass der Bundespräsident dem Anwalt der Opfer empfiehlt, er möge sich gleich mit dem Chef jener Organsation kurzschließen, die die Täter hervorgebracht hat, ist ein steiler Ansatz. Oder auch einfach eine elende Respektlosigkeit und Verhöhnung der Betroffenen.

Die Schreiben von Roman Schiessler und Alexander Van der Bellen liegen mir im Volltext vor.


Foto: @RegSprecher_AT, 10. September
Dass die Betroffenen von Seiten des Bundeskanzlerinnenamts Unterstützung erhalten, ist ebenfalls auszuschließen. Bundeskanzlerin Bierlein ist selbst Mitglied der Klasnic-Kommission und findet eher Zeit, Fototermine mit Christoph Schönborn und anderen Religionsvertretern (siehe Männerquote auf dem Bild) zu absolvieren.


Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).

 




Milliarden in Steueroasen


sgiegold_003Aussendung von Sven Giegold vom 13.9.2019: Neue Studie deckt auf: Deutschland holt Milliardensummen aus Steueroasen nicht zurück

Deutsche Steuerbehörden verfolgen Steuerflucht nicht konsequent, wodurch dem Fiskus jährlich bis zu 15 Milliarden Euro an Steuereinnahmen entgehen. Das ist das Ergebnis der neuesten Studie, die die Fraktion der Grünen/EFA im Europäischen Parlament in Auftrag gegeben hat.

Zwar wurden in den vergangenen Jahren 90 bis 180 Milliarden Euro unversteuertes Auslandsvermögen durch Selbstanzeigen aufgedeckt. Doch auch nach Einführung des weltweiten automatischen Informationsaustausches von Steuerdaten parken Deutsche bis zu 200 Milliarden Euro unversteuert im Ausland. Denn der globale Standard zum automatischen Informationsaustausch weist zahlreiche Lücken auf und eine Reihe von Staaten, allen voran die USA, nehmen nicht oder nicht vollumfassend teil. Die Steuerverwaltung kann wegen technischer Versäumnisse und schwacher Personalausstattung die aus dem Ausland überstellten Daten kaum auswerten. Insbesondere jedoch lassen deutsche Steuerbehörden die Möglichkeit ungenutzt, Steuerflüchtlinge durch systematische Abfragen (sog. Gruppenanfragen) konsequent zu verfolgen. Seit 2014 stellten die Steuerverwaltungen laut Bundesregierung insgesamt lediglich sieben Gruppenanfragen ans Ausland. Zusammen mit der extrem langsamen Datenverarbeitung in deutschen Steuerbehörden verjähren deshalb jedes Jahr unzählige Fälle von Steuerhinterziehung.

Dazu erklärt Sven Giegold, Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen im Europäischen Parlament: "Die Gerechtigkeit wird mit Füßen getreten, wenn Milliardensummen aus Steueroasen nicht zurückgeholt werden. Die Bundesregierung lässt eines der wirksamsten Instrumente gegen Steuerflucht ungenutzt. Bei der Methode der Gruppenanfrage gilt: Wer nicht fragt, bleibt dumm und lässt Milliardeneinnahmen links liegen. Finanzminister Scholz könnte Steuersümpfe ein Stück weit austrocken, macht es aber nicht. Eine Anfrage pro Jahr ist nichtmal ein Tropfen auf einen sehr heißen Stein. Es ist grotesk, dass die Bundesregierung und die Länder die rechtlichen Möglichkeiten nicht nutzen, die sie auf internationaler Ebene selbst mit geschaffen hat. Das europäische und das internationale Recht ermöglicht längst die Namen der Steuerflüchtlinge zu ermitteln, aber Deutschland nutzt die Chance zur Steuergerechtigkeit fast nicht.
Wieder einmal gilt: Europa ist viel besser als sein Ruf! Tatenlos sieht die Bundesregierung zu, wie die gewinnbringenden Gruppenanfragen unterbleiben. Dagegen haben die Niederlande bewiesen, dass selbst die Schweiz Daten von Steuerflüchtlingen aus der Vergangenheit umfassend ermittelt. Die Milliarden aus den Steueroasen brauchen wir dringend für Klimaschutz, Bildung oder sozialen Zusammenhalt. Es ist ein bitterer Widerspruch, dass Finanzminister Scholz zusätzliche Ausgaben verweigert und gleichzeitig hinterzogenen Steuermilliarden nicht nachgeht.
Die mangelnde Verfolgung von Steuerhinterziehern schürt Misstrauen in den Rechtsstaat. Mit jedem verjährten Fall schwindet ein Stück Vertrauen in den Rechtsstaat. Für das Versagen der Steuerbehörden ist Finanzminister Scholz verantwortlich. Die Bundesregierung und die Finanzminister der Länder müssen die Steuerbehörden mit ausreichend qualifiziertem Personal und den notwendigen IT-Systemen ausstatten. Jeder zusätzliche Beamte bringt dem Fiskus ein Vielfaches seines Gehalts an Steuermehreinnahmen. Die Bundesregierung muss alle Aktivitäten der koordinieren, um die Steuerflüchtlinge systematisch über Gruppenanfragen zu ermitteln. Dazu müssen die Daten aus den Selbstanzeigen und den gekauften Steuer-CDs genutzt werden, um systematisch präzise Gruppenanfragen zu erstellen. Dabei ist weitere Schlafmützigkeit bei Bundesregierung und Bundesländern fahrlässig, denn jedes Jahr bleiben Steuerflüchtlinge durch Verjährung straffrei."

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).

Hier der Link zur Studie!

 




Der „Marxismus“ der Catholica


Nun hat der Münchner Kardinal mit dem anspruchsvollen Namen noch einen Übungsplatz für die Feuerwerke seiner Worthülsen: er ist jetzt auch Präsident der EU-Bischofskommission ComECE. Wie oft schon, schwingt der deutsche Kardinal auch hier die Keule der sog. katholischen Soziallehre zur Heilung der aktuellen Wirtschaftskrise in Europa. Diese ist nämlich nach Meinung des grossen Kardinals mit dem kleinen roten Käppchen nicht nur wirtschaftlicher und sozialer, sondern auch moralischer Natur.

Die Europäer müssen ihren Lebensstil überdenken, so der Kardinal jetzt vor der ComECE, in der sich Vertreter der Bischofskonferenzen aller 27 EU-Mitgliedstaaten als Lobby zusammengetan haben.  

Denn für den Grossmeister des „schwarzen Marxismus" muss die Krise in der EU "auch als christliches Projekt" gesehen werden.

Und was hilft da besser als die katholische Soziallehre. Diese basiert in ihrer heutigen Ausprägung im Wesentlichen auf einer Epistel (rerum novarum) von 1891, die der seinerzeitige und unfehlbare Papst an seine erwürdigen Brüder, Primaten etc. verschickt hatte, also deutlich nach den auch heute noch besser bekannten Thesen des „roten" Marx. In dieser für seine Primaten geschriebenen Belehrung hatte der mächtigste Mann nach Jesus auf Erden ausser salbungsvollen Bibelsprüchen nicht viel zu bieten. Dabei werden die sarkastischen Sprüche eines Paulus ex Tarsus und des grossen Augustin tunlichst nicht zitiert. Nach diesen beiden Protagonisten des katholischen Sozialverständnisses sollen nämlich nur die essen, die auch arbeitet, und Sklaventum wird ausdrücklich als von Gott gewollt befürwortet.

Aber weder zur wirtschaftlichen, noch zur sozialen und schon gar nicht zur moralischen Natur der Krise ein Wort. Nur die worthülsige Behauptung, dass viele christlich geprägten Vorstellungen auch für Nicht-Christen akzeptabel seien. So kann wohl nur fabulieren, wer allen Ernstes postuliert, die Wurzeln der Aufklärung seien christlich, oder wer für ein gelingendes Europa das Zweite Vatikanische Konzil als Vorbild empfiehlt, eben der Grossmeister des „Marxismus" der Catholica.

Dabei wird der vorsitzende Primat Marx den ihn umgebenden Primaten erklären müssen, was z.B. an seinem „Dritte Weg" im Arbeitsrecht sozial sein soll, oder was die deutsche Catholica mit all ihrem Reichtum für die Armen tut, während ihre Caritas fast vollständig aus öffentlichen Steuermitteln finanziert wird, für die sie nicht einmal Rechenschaft ablegen muss. Und dabei steht er allein auf einer Insel der Glückseligen inmitten einer Vielfalt von laizistischen oder weitgehend so geprägten Staaten.

Auch ein Blick in die päpstliche Epistel von 1891 hilft dem „schwarzen" Marx nicht weiter. Dort wird nämlich der sozialistische Lösungsversuch als ungerecht, weil gegen das Naturrecht des Privateigentums gerichtet, pauschal verurteilt und der arbeitende Mensch auf das Jenseits vertröstet, wenn es hienieden nicht klappen sollte.

Mit Weihrauch und ebensolchem Wasser werden soziale und wirtschaftliche Probleme nirgendwo gelöst. So wird ein womöglich honoriges Gremium eher zu einer Plattform der Plattitüden herabgestuft.

Übrigens, die Bezeichnung „Primaten" (Herrentiere) für seine Brüder im Herrn stammt vom Begründer der katholischen Soziallehre selbst. Doch kein Affentheater. Nur Zeitgeist.

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

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Dreiste Missionierung


BonifatiuswerkKaum geboren und schon der dreisten Missionierung ausgesetzt.
Die Interpreten des Zensus 2011 wollen dem staunenden Bürger einreden, daß alle bisherigen religionssoziologischen Daten falsch seien, daß im heidnischen Osten statt zwei Drittel bloß nur ein Drittel der Menschen nicht christlich sei und sogar nur etwa zehn Prozent atheistisch… Unfreiwillig wird diesem medialen Blendwerk von einer Institution widersprochen, die es genau wissen muß – vom katholischen Bonifatiuswerk. Aufgabe dieses Werkes ist die Missionierung im Heidenland. Für dessen so genannte Glaubenshilfe werden im Jahre 2013 rund 800.000 Euro aufgewendet.

Vom Bonifatiuswerk heißt es dazu unverblümt:

„Das Bonifatiuswerk stellt sich mit diesem Schritt zum einen einer weltweit einmaligen Situation: der Glaubensdiaspora in Ostdeutschland. Mehr als 75 Prozent der Bevölkerung sind dort weder evangelisch noch katholisch noch gehören sie einer anderen Religionsgemeinschaft an."

Aha, es sind also tatsächlich sogar drei Viertel der Ostdeutschen nichtchristlich… Dann muß der Zensus zumindest in dieser Hinsicht wohl mehr mit Zensur als mit korrekter Zählung zu tun haben…

Die deutschlandweit wachsende Zahl kirchenferner Menschen kann aber nicht nur dem einst sozialistisch orientierten Osten geschuldet sein, denn vom Bonifatiuswerk ist – man höre und staune – auch dies zu vernehmen:

„Katholische Christen erleben sich in Ostdeutschland gemeinsam mit evangelischen Christen in der Minderheit gegenüber der großen Mehrheit der Nichtgläubigen", erklärt Monsignore Austen die Glaubensdiaspora, die mittlerweile auch in einigen westdeutschen Großstädten anzutreffen ist. Zum anderen nimmt das Bonifatiuswerk als Hilfswerk für den Glauben die sogenannte "emotionalen Diaspora des Glaubens" wahr: „Insbesondere die wachsende Zahl derer, die sich von Glaube und Kirche entfremden, lässt in katholischen Regionen eine neue Diaspora entstehen, in der spürbar wird, was Alleinsein im Glauben bedeutet", betont Monsignore Austen."

Also, mehr als 20 Jahre nach dem Ende der DDR greift in westdeutschen Großstädten und ganz besonders in traditionell katholischen Landstrichen eine „Entkatholisierung" um sich. Woran mag nun das wohl liegen? SED und DDR kann man das ja nicht mehr in die Schuhe schieben.

Diesem Trend will die Priesterkaste mit ihrem Bonifatiuswerk und der sogenannten Glaubenshilfe begegnen und das Ruder wieder herumreißen. Dafür werden keine Kosten und keine Mittel gescheut. Es geht ja um die Missionierung mit allen Mitteln. Dazu im Detail weiter unten.

Was sagen die wackeren Mannen des heiligen Bonifaz hierzu?

„Mit der Glaubenshilfe fördern wir missionarisches Engagement in ganz Deutschland", erklärt Monsignore Austen. Mit seiner Glaubenshilfe fördert das Bonifatiuswerk Personalstellen mit missionarischer Ausrichtung in den traditionellen Diasporaregionen."

Aha, man finanziert sich also per geförderter Stellen zunächst einmal höchstselbst…

Aber die Missionierung erfolgt ja nun wirklich mit allen Mitteln (und Verführungstricks), denn das Bonifatiuswerk will „mit einprägsamem Material Kirchengemeinden, Familien und katholische Institutionen in ihrem Bestreben, den Glauben weiterzutragen" dienstleistend zur Hand gehen.

Und zwar „mit einer Neugeborenentasche, einer Schulanfangsbox oder einem Glaubensrucksack". Für deren Kosten müssen allerdings die Beglückten (konkret deren Eltern und Anverwandte) selbst aufkommen.

Geschäftstüchtig heißt es:

Die Neugeborenentasche „mit dem wunderschönen Engel-Motiv ist für 10,50 Euro erhältlich". Sie enthält folgende Materialien:

• Engel-CD mit einfühlsamen Liedern

• Engel-Büchlein im Taschenformat

• Kinderbibel

• Baby-T-Shirt

• Babylätzchen

• Segensfächer zu Geburt und Taufe

• Info zum Elternbrief der DBK

• Begrüßungsbrief von Bischof Dr. Joachim Wanke, Vorsitzender der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonterenz

• Eltern-Informationen des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF)

• z.T. Abo-Angebot Ihrer diözesanen Kirchenzeitung

Die Schulanfangsbox ist bereits für 9,90 Euro erhältlich. Die „grüne oder gelbe Brotzeitdose, auf der ein Regenbogen abgebildet ist, das Zeichen des Bundes Gottes mit den Menschen, unter dem zwei Schulkinder wie durch ein Tor ins Leben gehen" hat diesen Inhalt:

• ein Fläschchen mit Weihwasser,

• ein faltbarer Segenswürfel,

• ein Buntstift und

• Heiligenpostkarten zum Ausmalen,

• ein Segenheftchen

• sowie eine Glückwunschkarte von Erzbischof Becker.

Und schließlich der Glaubensrucksack "für neugetaufte Jugendliche und junge Erwachsene" mit diesem Inhalt (Hier fehlt eine Preisangabe.) enthält:

• Bibel-Mini-CD-ROM (Einheitsübersetzung)

• Zollstock „Maßstab Mensch"

• Buch „Durchkreuztes Land"

• Stundenbuch für (junge) Erwachsene „Zeit mit Gott" von Bischof Dr. Franz-Josef Bode

• Begrüßungsbrief von Bischof Dr. Joachim Wanke

• gepa-„Wegzehrung"

• z. T. Abo-Angebot Ihrer diözesanen Kirchenzeitung

Und warum dies alles? Warum dieses Missionieren um jeden Preis, warum ist der Priesterkaste hierbei jedes Mittel recht?

Der Freigeist antwortet mit einer Gegenfrage: Warum ist denn im späten römischen Reich das Christentum zur Staatsreligion erhoben worden?

Ganz einfach: Weil mit dieser Religion bestens erreicht werden kann, daß die da unten nicht gegen die da oben aufbegehren. Und gerade in Krisenzeiten ist das für die wirtschaftlich und politisch Herrschenden besonders wichtig. Wobei die christlichen Großkirchen seit der Spätantike selbst zu den größten Eigentümern an Grund und Boden und Kapital gehören.

Siegfried R. Krebs in: http://www.freigeist-weimar.de/beitragsanzeige/kaum-geboren-und-schon-der-dreisten-missionierung-ausgesetzt/

 

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Poseidon – geformt nach seinem Bilde


Dieser Beitrag erschien zuerst auf Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters

Seht mal das Bild Poseidons genauer an. Wen erkennt ihr? Eindeutig das Fliegende Spaghettimonster. Fassungslos über diese Erkenntnis wandte ich mich sofort an unsere Wissenschaftler. Die berieten sich, forschten und gelangten zu folgenden Erkenntnissen:

Das Monster schwebte schon seit vielen Millionen Jahren so durch Raum und Zeit, wollte aber lieber seine Ruhe genießen und beobachtete aus der Ferne eher desinteressiert das Treiben der Menschen. So vorsichtig wie heute war das Monster damals jedoch nicht. Es wurde des öfteren gesichtet, am häufigsten jedoch auf dem Meere. Klar, Es bevorzugte die Nähe der Piraten, die Ihm meist mehr Unterhaltung boten, als das übrige Volk. Tranken sie den Rum, naschte auch das Monster am Biervulkan. Leider nicht selten etwas maßlos. Dann kam es schon mal vor, dass es unkontrolliert ins Meer stürzte. Die Piraten bemerkten das wohl nicht, da sie selbst schon berauscht waren, aber den Seefahrern blieb Seine Erscheinung nicht verborgen.

Da der unfreiwillige Sturz ins Meer übergroße Wellen erzeugte, wurde das Monster als bedrohlicher Gott eingestuft. Die Menschen sahen Es über die Wellen torkeln, konnten in ihrer Eitelkeit aber nicht akzeptieren, dass es nicht auch über einen menschenähnlichen Körper verfügte. In ihrer Einbildung steckte dieser noch im Meer. Noch heute wird das Monster also fälschlich so abgebildet.

Und wie so oft in der Geschichte der Menschheit musste nun auch ein wohlklingender Name her. Man entschied sich für Poseidon.

Die Seefahrer fürchteten wie gesagt sehr den Sturz des Monsters ins Meer, verbunden mit hohem Seegang. Also beteten sie zu Ihm, um Sein Wohlwollen für eine sichere Überfahrt zu erlangen. Gleichzeitig sagten sie Ihm Dinge nach, für die Es natürlich gar nicht verantwortlich war. So sollte Es im Zorn Überschwemmungen und sogar Erdbeben verursachen sowie Schiffe zum Sinken bringen. Bei guter Stimmung aber sagte man Ihm nach, dass Es Wogen glättete, die See also gut schiffbar machte und sogar neue Inseln entstehen ließ.

All das ging dem FSM wohl am nudligen Anhängsel vorbei. Es ließ sie machen und beobachtete ihr Treiben. Schmunzelnd bemerkte Es, wie die Menschen im Laufe der Zeit immer mehr mit sich beschäftigt waren und weniger Muße fanden, einfach mal so in die Luft zu starren oder aufs Meer, um Tagträumereien nachzuhängen. Um Seine Deckung brauchte es sich daher immer weniger sorgen.

Wäre dann nicht die Sache in Kansas abgegangen, wer weiß …??? Das war Ihm dann aber doch zu fett und Es suchte nach einem geeigneten Menschen, hier mal wieder etwas ins rechte Licht zu rücken. Es fand Bobby Henderson. Muss ich noch mehr sagen?! 

 

 

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500. Wort zum Sonntag, den 8.9.2019


NächstenliebeLk 14,25-33: Viele Menschen begleiteten Jesus; da wandte er sich an sie und sagte: Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein. Wer nicht sein Kreuz trägt und hinter mir hergeht, der kann nicht mein Jünger sein. Denn wenn einer von euch einen Turm bauen will, setzt er sich dann nicht zuerst hin und berechnet die Kosten, ob seine Mittel für das ganze Vorhaben ausreichen? Sonst könnte es geschehen, dass er das Fundament gelegt hat, dann aber den Bau nicht fertig stellen kann. Und alle, die es sehen, würden ihn verspotten und sagen: Der da hat einen Bau begonnen und konnte ihn nicht zu Ende führen. Oder wenn ein König gegen einen anderen in den Krieg zieht, setzt er sich dann nicht zuerst hin und überlegt, ob er sich mit seinen zehntausend Mann dem entgegenstellen kann, der mit zwanzigtausend gegen ihn anrückt? Kann er es nicht, dann schickt er eine Gesandtschaft, solange der andere noch weit weg ist, und bittet um Frieden. Ebenso kann keiner von euch mein Jünger sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet.

Der Schönborn verquickt heute die obige Bibelstelle mit der österreichischen Vorwahlzeit, er schreibt gleich zu Beginn: "Zurzeit wird überall in unserem Land Wahlwerbung betrieben. Zwei Grundzüge bestimmen fast immer die Plakate und Reden der Parteien, die um die Gunst der Wähler werben: Wahlversprechungen und die Überzeugung, dass unsere Partei die bessere ist, unsere Kandidaten daher die richtige Wahl sind. Wie sollte es anders sein! Die ganze Welt der Werbung lebt davon, dass die beworbene Ware als ideal, großartig, beglückend dargestellt wird.
Was Jesus heute im Evangelium macht, ist die totale Anti-Werbung. Wer mit solchen Worten Anhänger gewinnen will, darf sich nicht wundern, dass sie ihm nicht in hellen Scharen zulaufen. Jesus stellt radikale Forderungen, statt verlockende Versprechungen zu machen: Wenn du mit mir gehen willst, musst du alles, aber auch wirklich alles hintanstellen, deine Familie, deine Liebsten, deinen ganzen Besitz. Und nicht nur das: Du musst zudem das Schrecklichste auf dich nehmen: das Kreuz"

Die Jesus-Religion hat sich allerdings nicht wegen der Jesuspredigten zur Weltreligion entwickelt, sondern durch das Dreikaiseredikt von 380, dieses bestimmte das Christentum zur für alle verpflichtenden römischen Staatsreligion! Das Edikt schloss so: "Endlich soll sie vorab die göttliche Vergeltung, dann aber auch unsere Strafgerechtigkeit ereilen, die uns durch himmlisches Urteil übertragen worden ist." Also Nichtkatholische strafte nicht nur Gott, sondern auch der römische Staat. Damit wurde die Grundlage für das finstere Mittelalter gelegt und auch noch für die gewaltsame Verbreitung des Christentums in der ganzen Welt.

Wir können uns heute freuen, dass ein Schönborn kein Diktator mehr sein kann, der alle zum Christenglauben zwingt, Reformation und schließlich die europäische Aufklärung haben unsere Welt aus der katholischen Finsternis hinausgeführt, in Österreich steht die Religionsfreiheit seit 1867 in der Verfassung, in der Gegenwart ist Religionsfreiheit – speziell auch im Sinn von Freiheit von Religion – gelebte Realität, die sich Jahr für Jahr positiv weiterentwickelt!

Schönborn schwärmt in seinem Resümee von der "Liebe Jesu zu den Ärmsten". Das bisschen katholische Almosengetue hat der Menschheit nichts gebracht, es war die nichtchristliche Arbeiterbewegung, die es schlussendlich schaffte – speziell auch gegen den Widerstand der kath. Kirche! – den heutigen Sozialstaat zu errichten!

Statt des Gequatsches von der christlichen Nächstenliebe haben wir jetzt gelebte gesetzliche Sozialrechte! Amen!

 

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).




Finnland: Polizei ermittelt wegen Bibelzitat


Päivi RäsänenUnter diesem Titel berichtete kath.net am 8.9.2019 das Folgende:

In Finnland ermittelt die Polizei gegen eine christliche Politikerin, weil diese ihre Kirche wegen einer Unterstützung für eine Pride-Parade kritisiert. Dies berichtet PRO Magazin. Was ist passiert? Die finnische Politikerin Päivi Räsänen und ehemalige Innenministerin, die seit 1995 in Parlament sitzt, hatte aus dem Römerbrief Vers 1,27 zitiert, in der Homosexualität als Sünde bezeichnet wird.
"Wie passt es mit der Grundlage der Kirche, der Bibel, zusammen, Schande und Sünde zum Stolz zu erheben?", schrieb sie auf Twitter und zeigte sich besorgt, wenn Bibelzitate auch nur für 'einigermaßen' illegal gehalten werden. "Ich hoffe, dass dies nicht zur Selbstzensur unter Christen führen wird."

Soweit die Meldung. Ja, in der Bibel steht was anderes, als heute in den Medien üblich ist, hier der Römerbrief-Vers 1,27: "Ebenso gaben die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau auf und entbrannten in Begierde zueinander. Männer trieben mit Männern Unzucht und erhielten den ihnen gebührenden Lohn für ihre Verirrung."
Dazu hier noch im Vers Römer 1,32 die christliche Zusammenfassung über diesen gebührenden Lohn: "Sie erkennen, dass Gottes Rechtsordnung bestimmt: Wer so handelt, verdient den Tod. Trotzdem tun sie es nicht nur selber, sondern stimmen bereitwillig auch denen zu, die so handeln."

Ja, was macht dann die Polizei in Finnland? Ermittelt sie auch gegen den Christengott? Weil der Homos mit dem Tode bedroht? Das steht doch ganz eindeutig in seiner alten alttestamentarischen Offenbarung! Siehe Leviticus 20,13: "Schläft einer mit einem Mann, wie man mit einer Frau schläft, dann haben sie eine Gräueltat begangen, beide werden mit dem Tod bestraft, ihr Blut soll auf sie kommen."

Das wird ein Problem für die finnische Polizei! Die Religionsfreiheit müsste es ja gestatten, solche göttliche Botschaften öffentlich zu verkünden. Wenn Gott gegen Homos Gräueltaten anordnet, dann müssten Gläubige diese Drohbotschaft verkünden dürfen! Und wenn die Zustimmer zum homosündigen Verhalten den Tod verdienen, dann müssten den Tod doch auch die verdienen, welche gesetzlich Homosünden gestatten! Die Alternative wäre es, in der Bibel solche Gräuelstrafen wegzuzensieren!

Oder man nimmt die Volxbibel von Martin Dreyer, einem freikirchlichen Theologen, der die Bibeltexte volkstümlich vereinfachte, dort heißt der Römer-1-32-Vers so: "Sie haben längst kapiert, dass das total uncool ist und dass Gott auf so was überhaupt keinen Bock hat (er wird ihnen sogar dafür die Todesstrafe verpassen, das hat er klar gesagt). Trotzdem finden sie es ganz toll, wenn andere genauso krank draufkommen wie sie." Und Leviticus 20,13 heißt dort: "Wenn zwei Männer rumschwulen und miteinander Sex haben, ist das total ätzend. Sie kriegen die Todesstrafe. Auch diese üble Tat muss richtig bestraft werden."

Das könnte die finnische Politikerin verwenden, allerdings wäre dringend zu empfehlen, den 2. und 3. Satz im 13er-Vers wegzulassen, weil sonst wäre das dann das, was in Österreich "Verhetzung" heißt! Und das ist vermutlich auch in Finnland strafbar, allerdings nicht mit dem Tode, aber das Strafgesetzbuch ist heutzutage ja glücklicherweise in unseren Breiten keine göttliche Botschaft mehr…

 

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).




Österreich: Aktuelle Wahlumfragen (8.9.2019)


österreichDas Boulevardblatt "Österreich" bringt bekanntlich jeden Sonntag eine Wahlumfrage, auch am 8.9. war das wieder so und das Ergebnis war gleich mit der am 1.9. veröffentlichten Umfrage ÖVP 36%, SPÖ 22%, FPÖ 20%, Grüne 11%, NEOS 8%.

Geändert hat sich bei den Detailfragen was, dort hat der Koalitionswunsch ÖVP&SPÖ zwei Prozente verloren (23 statt 25 vorige Wochen), die Koalition SPÖ, Grüne, Neos hat einen Punkt dazugewonnen (jetzt 12), SPÖ&FPÖ ebenfalls (jetzt 6). Allerdings schaut das bei der Frage nach den zu erwartenden Koalitionen wieder anders aus, da liegen jetzt ÖVP&FPÖ bei 36 statt bei 33 %! Die Frage zu einer Kanzlerdirektwahl änderte sich geringfügig, FPÖ-Hofer liegt heute bei 21 statt 20 %, Kurz bleibt bei 42 %, Rendi-Wagner bei 19! Wie schon länger kann die ÖVP in allen Bundesländern außer Wien bei der Wahl am 29.9. damit rechnen, stärkste Partei zu werden, in Wien liegt die SPÖ mit 29 % um 7 % vor der ÖVP.

Der TV-Sender Puls 4 hat dieser Tage auch ein Umfrage veröffentlicht, sie unterscheidet sich von der obigen geringfügig: ÖVP: 35%, SPÖ: 21%, FPÖ: 20%, Grüne: 12%, NEOS: 9%, also ÖVP und SPÖ hätten hier je ein Prozent weniger, Grüne und Neos wären die Prozentgewinner. Es wurde auch nach Schulnoten für die jeweiligen Spitzenkandidaten gefragt, das wurde so beantwortet: Sebastian Kurz 2,73, Beate Meinl-Reisinger 2,93, Werner Kogler 3,08, Norbert Hofer 3,13, Pamela Rendi-Wagner 3,33, also Kurz Erster, Rendi-Wagner Letzte

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).




Heiliger Stuhl


Seit dieser Artikel geschrieben wurde hat sich nichts an der Problematik geändert. Deshalb sei er hier noch einmal wiedergegeben.

Wir hatten also einen Staatsbesuch. Dieser „Staat“, der bereits 1870 untergegangen war, wurde auf 44ha und mit rund 500 Einwohnern in den Lateranverträgen 1929 erneut aus der Taufe gehoben. Mussolini, der für die italienische Seite unterschrieb, sicherte sich damit das Wohlwollen der Kirche für seine Politik. Ähnlich verhielt es sich mit dem Reichskonkordat 1933 zwischen Hitler und dem Heiligen Stuhl. So verhindert man Proteste der Kirchen, wenn der Staat ungewöhnliche oder gar verbrecherische Maßnahmen ergreift. Ein probates Mittel! Schon immer in der Geschichte hat Kirche die Nähe der Mächtigen gesucht und gleichzeitig dafür gesorgt, dass unliebsame „Konkurrenz“ von Staats wegen verfolgt und eingeschüchtert wurde. Die Nazis verboten als erstes die Freidenkerverbände, dann die Freikirchen. Die waren mangels Masse leichte Opfer. Das wird bei denen, die die Kirchen gern als Widerstandskämpfer stilisieren wollen, nur allzu gern vergessen oder verdrängt.

Dieser Staat hat auch – obwohl manchmal falsch dargestellt – keinen diplomatischen Dienst, aber immerhin ein schlagkräftige Armee. Alle Botschafter sind beim Heiligen Stuhl akkreditiert und nicht etwa beim Vatikanstaat. Das heißt aber, dass ihr Gegenüber reine Kirchenleute sind und nicht Diplomaten. Gleiches, nur umgekehrt, gilt für die „Botschafter“ (Nuntius) des Heiligen Stuhls in den Ländern, zu denen der Papst diplomatische Beziehungen unterhält. Dieses Konstrukt ist dermaßen ungewöhnlich, dass man mit Fug und Recht nicht von einem Staatsbesuch sprechen kann. Man hat in Kenntnis dieser Tatsachen einen reinen Religionsführer eingeladen, einen undemokratischen dazu, um vor den Demokraten des Bundestags zu sprechen. Möglichen Kritikern soll in diesem Punkt eindeutig Sand in die Augen gestreut werden. Der Papst selbst ist aber im Gegensatz dazu in seiner Rede erfreulich eindeutig und straft die Staatsbesuch-Apologeten Lügen:

Aber die Einladung zu dieser Rede gilt mir als Papst, als Bischof von Rom, der die oberste Verantwortung für die katholische Christenheit trägt. Sie anerkennen damit die Rolle, die dem Heiligen Stuhl als Partner innerhalb der Völker- und Staatengemeinschaft zukommt. Von dieser meiner internationalen Verantwortung her möchte ich Ihnen einige Gedanken über die Grundlagen des freiheitlichen Rechtsstaats vorlegen.

Die Diskussion um die angebliche Respektlosigkeit der ferngebliebenen Abgeordneten ist nur am Rande interessant, zeigt aber ganz deutlich das mangelnde Demokratieverständnis derjenigen, die sich darüber erbosen. Ebenso kritisch muss man wohl die Stimmen betrachten, die an die Inhalte der Papstrede ganz bestimmte Bedingungen knüpfen. Wie sollte man den Papst dazu zwingen können, zu Fragen Stellung zu nehmen, nur weil von manchen Antworten erwartet werden? Missbrauch, Abtreibung, Zölibat, Frauenordination und manches andere mehr standen für Ratzinger nicht auf der Agenda, weshalb auch das Nachhaken in diesem Punkt wenig sinnvoll erscheint, siehe etwa den Artikel Nun hat ER gesprochen. Man sollte sich schon die Mühe machen, sich mit dem auseinanderzusetzen, was er wirklich gesagt hat und welche Konsequenzen sein Besuch in Deutschland mit sich bringt. In diesem Zusammenhang hat Arik Platzek ein interessantes Interview mit Johann-Albrecht Haupt geführt Es ist ein deutlicher Schaden entstanden, das ich zur vollständigen Lektüre wärmstens empfehle. Ich greife deshalb hier nur einen sehr wichtigen Punkt heraus bezüglich des Treffens von Herrn Ratzinger mit den Richtern am Bundesverfassungsgericht:

Die Humanistische Union hat die Form des Treffens mit den Bundesverfassungsrichtern kritisiert. Das ist nur eine Wortmeldung. Was müsste man in Zukunft sicherstellen, damit sich so etwas nicht wiederholt? In diesem Fall ist die Gesellschaft überrumpelt worden.

Haupt: Sicherstellen kann man das in einer religiös, oder vielmehr christlich-religiös geprägten Gesellschaft, wahrscheinlich nicht. Dazu ist die Humanistische Union auch gar nicht in der Lage. Man kann nur versuchen, mit guten Argumenten auf die Öffentlichkeit einzuwirken. Und das ist ja an sich unser Markenzeichen: das wir mit guten Argumenten versuchen, uns in die politische Diskussion einzumischen. Manchmal haben wir mehr Erfolg, manchmal weniger.

Sehen Sie, dass durch dieses Treffen der Souveränität des Bundesverfassungsgerichts als einem weltanschaulich neutralen Verfassungsorgan ein Schaden entstanden ist?

Haupt: Ja, das ist ganz deutlich geschehen. Wenn es in zukünftigen Verfahren darum geht, ob die Grenzen der Neutralität gewahrt oder überschritten sind, muss sich das Bundesverfassungsgericht vorhalten lassen, dass sie sich dem Papst – ich will nicht sagen, zu Füßen geworfen haben -, aber ihm doch sehr nahe getreten sind und eine Nähe nach außen hin gekennzeichnet haben. Und das kann nicht gut sein, denn die Gerichte leben ja auch von der Unabhängigkeit der Richter und davon, dass sie wenigstens den Schein einer Nähe zu einer bestimmten Prozesspartei vermeiden. Diesen wird das Bundesverfassungsgericht in Zukunft nur noch sehr schwer wahren können.

Mich wundert sehr, dass sich die Verfassungsrichter so ohne weiteres von Herrn Ratzinger herbei zitieren lassen. Dieser Staat ist bereits dermaßen von Religion unterwandert, dass kaum noch jemand Anstoß an diesem Bruch aller Regeln nimmt. Für die Gewaltenteilung in Deutschland sieht es zunehmend düster aus. Und wenn dann noch von „islamkritischer“ Seite der Vorwurf kommt, wir befassten uns auf wissenbloggt zu viel mit der Kirche („Die sind doch harmlos, lasst sie in Frieden“), der weiß ganz offensichtlich nicht, wovon er redet.

Der wesentliche Teil der Papstrede befasste sich mit den Grundlagen des Rechts. Auf die Gefahr hin, den einen oder anderen zu langweilen, zitiere ich drei kurze Abschnitte aus dem päpstlichen Diskurs:

Wie erkennt man, was recht ist? In der Geschichte sind Rechtsordnungen fast durchgehend religiös begründet worden: Vom Blick auf die Gottheit her wird entschieden, was unter Menschen rechtens ist. Im Gegensatz zu anderen großen Religionen hat das Christentum dem Staat und der Gesellschaft nie ein Offenbarungsrecht, eine Rechtsordnung aus Offenbarung vorgegeben. Es hat stattdessen auf Natur und Vernunft als die wahren Rechtsquellen verwiesen – auf den Zusammenklang von objektiver und subjektiver Vernunft, der freilich das Gegründetsein beider Sphären in der schöpferischen Vernunft Gottes voraussetzt. […]

Wo die alleinige Herrschaft der positivistischen Vernunft gilt – und das ist in unserem öffentlichen Bewußtsein weithin der Fall –, da sind die klassischen Erkenntnisquellen für Ethos und Recht außer Kraft gesetzt. Dies ist eine dramatische Situation, die alle angeht und über die eine öffentliche Diskussion notwendig ist, zu der dringend einzuladen eine wesentliche Absicht dieser Rede ist. […]

Ist es wirklich sinnlos zu bedenken, ob die objektive Vernunft, die sich in der Natur zeigt, nicht eine schöpferische Vernunft, einen Creator Spiritus voraussetzt?

Zwei Dinge werden klar, die aber in der religiösen Verblendung dieses Herrn zu erwarten waren: Herr Ratzinger verabscheut die Demokratie und bedient sich des dümmlichen Uhrmacher-Arguments (Creator Spiritus). Und die Demokraten, die soeben entwertet wurden, spenden stehenden Beifall – es ist unglaublich. Anscheinend haben sie wirklich nicht verstanden, was ihnen da vorgesetzt wurde. Zusammengefasst kann man sagen: Ihr dürft entscheiden, aber bitteschön nur so wie ich, Papst und Weltenlenker, es euch vorschreibe. In der parlamentarischen Praxis sieht es genau so aus: die zahlreichen vatikanischen pressure groups versuchen mit allen Mitteln, die Entscheidungen des Parlaments im Sinne eines fiktiven Wesens, besser aber der eigenmächtigen Kaste der Priester, zu beeinflussen.

Humanisten und Laizisten stehen da mehr oder weniger hilflos am Rande angesichts dieser totalitären Gewalt, die von Rom aus die ganze Erde zu beherrschen sucht. Es ist noch ein langer Weg zur Vernunft!

Dieser Besuch hat uns jedenfalls keinen Schritt weiter gebracht.

 

Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

 




Flatrate für Schwarzbeter


flatrateBruder Spaghettus zieht Bilanz:

Der Zustrom zu unserer Kirche hält unvermindert an. In nicht einmal einem Monat konnten wir die Zahl der Mitglieder um mehr als 6% steigern. Welche andere Kirche könnte nur annähernd Ähnliches verzeichnen?
Was aber ist die Grundlage für diesen unglaublichen Erfolg?
An erster Stelle natürlich unsere unglaublich überzeugende Lehre, die besten Jenseitsversprechungen weltweit, die Gott-zurück-Garantie und unsere flauschigen moralischen Standards.
Es könnte aber sein, das dies nicht die einzigen Gründe sind. Einen neue Kirchensteuerreform droht alle Bundesbürger abzukassieren…wenn man nicht Pastafari ist. 
Aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen wurde uns eine Information zugespielt, die wir nachfolgend im Originalwortlaut wiedergeben.
Allerdings nicht, ohne nochmals auf unsere immer wieder erhobene Forderung, alle Kirchen in Deutschland gleichberechtigt zu behandeln, hinzuweisen.

Nein, Brüder und Schwestern, ihr müsst nun nicht fürchten, auch wir wollen euch so abzocken, wie die Amtskirchen ihre Mitglieder. Unser Forderung nach Gleichstellung aller Kirchen und Religionsgemeinschaften in Deutschland bezieht sich nach wie vor auf den einzig wirklich möglichen Weg, Gleichberechtigung auf unserer Ebene. 

Weg mit den Kirchenprivilegien, weg mit dem Status der KdÖR und alle vereint unter dem Dach des Vereinsgesetzes. :) 

"Kirchen arbeiten an großer Kirchensteuerreform

Auch Betflat-Rate im Gespräch

Die großen Rundfunkanstalten und die GEZ haben es vorgemacht, nicht nur die tatsächlichen Radiohörer und Fernsehzuschauer müssen künftig zahlen, sondern jeder, der eine Wohnung bewohnt. Man geht davon aus, dass durch die Vielzahl der Empfangsmöglichkeiten jeder in irgendeiner Form Radio oder Fernsehen konsumiert.

Die Idee ist bestechend, auch wenn sich zur Zeit Widerstand gegen die beschlossene Neuregelung des Rundfunkbeitrags breit macht.

Eine überkonfessionelle Arbeitsgruppe, die seit Jahren Alternativen zur Kirchenfinanzierung jenseits des staatlich unterstützten Kirchensteuereinzugs durch die Finanzämter diskutiert, ist nun einen Schritt weiter. Das neue Rundfunkbeitragsmodell soll Vorbild für die neue Kirchensteuer werden – die allerdings nicht mehr so heißen soll.

Die kirchlichen Finanzexperten sehen in den zunehmenden Kirchenaustrittswellen eine Gefährdung der nachhaltigen Einnahmequellen der Kirchen in Deutschland. Sie gehen weiter davon aus, dass ausgetretene Gläubige mit dem formalen Austritt nicht ihre Neigung regelmäßig zu beten abgelegt haben. Außerdem nimmt der Kreis der Fachleute an, dass auch Menschen, die nie einer der Kirchen angehörten, einfach „wild“ beten und somit in parasitärer Weise eine Urheberrechtsverletzung begehen. Schließlich, so die Experten der Arbeitsgruppe, haben die Kirchen über Jahrtausende die religiösen Theorien erarbeitet und professionalisiert. Es sei überhaupt nicht einzusehen, dass Menschen hingehen und dieses religiöse Konstrukt einfach für sich übernehmen um damit ihr Seelenheil finden. Das sei eine Urheberrechtsverletzung par excellence.

Der Vorschlag der interkonfessionellen Arbeitsgruppe basiert auf dieser Einschätzung und sieht eine sogenannte Basis-Betabgabe für jede Wohnung vor. Die Höhe der Abgabe soll so bemessen sein, dass die derzeitige Höhe der Kirchensteuer dadurch mindestens erreicht wird.

Also 10 Mrd. Euro geteilt durch die Zahl der Wohnungen in Deutschland.

Damit wäre gleichzeitig die Ungerechtigkeit beseitigt, dass gut Verdienende für ihren Glauben mehr bezahlen, als wenig oder nicht verdienende Menschen. Es sei nicht einzusehen, so die Arbeitsgruppe, dass die Nutzung der Religion unterschiedlich bewertet wird. Erste Rückkoppelungen mit Parteien haben denn auch ergeben, dass diese Neubewertung der Religionsnutzung von der sonst kirchenkritischen FDP positiv aufgenommen wird.

Die Arbeitsgruppe geht aber noch einen Schritt weiter. Die Basis-Betabgabe sei ein sehr fragiles Konstrukt und würde bei sinkendem Wohnraumbestand ebenfalls sinken, wenn nicht durch Erhöhungen – die man aber ausschließen möchte – gegengesteuert würde.

Deshalb haben die Kirchen eine Kooperation mit Google vor. Im Internetzeitalter müßte es doch möglich sein, die tatsächliche Betfrequenz in jeder Wohnung zu erfassen – dabei setzt man auf Freiwilligkeit aller Betenden. Drei Gebete pro Wohnung und Tag sollen kostenfrei und mit der Basis-Betabgabe abgegolten sein. Jedes weitere Gebet muss über den von Google entwickelten elektronischen Betstock angemeldet und extra bezahlt werden. Die Kirchen erhoffen sich insbesondere in Krisenzeiten erhebliche Mehreinnahmen, die zwar nicht konstant fließen, aber durch ein gezieltes öffentlichkeitswirksames Krisenmanagement steuerbar sind. Dazu sollen Kooperationen mit allen Parteien intensiviert werden. Der Gedanke, der dahinter steht ist schlicht. Würden die Parteien z.B. eine noch schärfere Agendareform auch nur ankündigen, stiege die Betfrequenz deutlich und im Klingelbeutel rappelt es.

Seit einigen Wochen ist das Szenario schon bekannt und so nimmt es nicht wunder, dass sich auch der CCC (Caos Computer Club) dazu zu Wort meldete. Die Anmeldung von Gebeten einzelner Gläubiger über das Internet und dazu noch über die Datenkrake Google sei „no go“. Die Idee sei zwar bestechend, jedoch aus datenschutzrechtlichen Gründen so nicht umsetzbar.

Mit solcher Kritik hatte die interkonfessionelle Arbeitsgruppe wohl gerechnet, denn jetzt kommt die Betflatrate ins Spiel. Gegen eine Betpauschale, deren Höhe noch nicht festliegt, entfällt die fragwürdige Einzelgebetserfassung und Beten ohne Beschränkung wird zum Festpreis möglich.

Dass auch Laizisten, Atheisten und Agnostiker diese Neuregelung nicht so ohne weiteres akzeptieren wollen, dürfte klar sein. Schon gibt es Facebookseiten und Blogs, die eine breite Protestbewegung aufbauen wollen.

Nach Skandalen mit sexuellem Mißbrauch von Schutzbefohlenen in Sakristeien und Kinderheimen, nach der Offenlegung von schwulen Netzwerken im Vatikan und dem daraus resultierenden Papstrücktritt, droht den Kirchen nun neues Ungemach.

Schon gibt es gemeinsame Aktionen von GEZ-Abgezockten mit Atheisten.

Ralf Michalowsky, Sprecher der Laizisten in der LINKEN NRW: „Diesen Religionstechnokraten kann man eines nicht absprechen, Kreativität. Die legen sie besonders dann an den Tag, wenn es ums Geld geht. Davon kann die Kirche nie genug kriegen. Irgendwann wird sie hoffentlich an ihrer Gier ersticken!“"

Quelle: http://fsm-uckermark.blogspot.com/2013/03/das-wort-zum-freitag.html

flatrate_mit_gott

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

 




"Werden als grünliberale Lifestyle-Partei wahrgenommen"


Wagenknecht zu Wahlniederlage der Linke:

wagenknecht

Die Linke wird laut der Fraktionsvorsitzenden der Partei im Bundestag, Sahra Wagenknecht, von vielen früheren Wählern nicht mehr als Kraft wahrgenommen, die ihre Interessen ernst nimmt und ihr Leben zum Besseren verändern will. So kommentierte Wagenknecht "eine dramatische Niederlage für die Linke" bei den Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen.

Die Linke hat nach den vorläufigen Zahlen bei 10,7 Prozent Stimmen etwa 8 Prozent in Brandenburg und bei 10,4 Prozent fast 8,5 Prozent Stimmen im Sachsen im Vergleich zu den Wahlen 2014 verloren.

"Ich finde das schlimm und das muss sich ändern", mahnte Wagenknecht auf ihrer Facebook-Seite. "Die Linke muss wieder zu einer Alternative für all diejenigen werden, die von der herrschenden Politik seit Jahren im Stich gelassen werden. Für diejenigen, die zu Niedriglöhnen schuften, die unter fehlender sozialer Infrastruktur leiden und die Angst vor Altersarmut haben. Wenn wir von diesen Menschen als grünliberale Lifestyle-Partei statt als ihre Stimme wahrgenommen werden, wenn sie das Gefühl bekommen, dass wir auf sie herabsehen, weil sie nicht den hippen Großstadt-Code beherrschen, dann ist es nur normal, dass sie sich von uns abwenden. Das dürfen wir nicht länger zulassen!", so die Politikerin.

Wagenknecht war eine der wenigen innerhalb ihrer Partei, die ihre Position zu Einschränkungen der Arbeitsmigration verteidigt hatte und dafür oft kritisiert wurde.

Linken-Vorsitzende Katja Kipping sprach bereits eben von einer herben Niederlage. Dem Landtagswahlleiter zufolge wechselten etwa 29.000 frühere Linken-Wähler in Sachsen zur AfD. 84.000 Wähler von der CDU und 226.000 Wähler von den Nichtwählern sollen sich zur AfD aufgemacht haben, 211.000 steuerte die SPD bei. Der Erfolg der AfD speist sich aus dem Misserfolg der anderen: 39 Prozent der sächsischen AfD-Wähler gaben an, die Partei aus Überzeugung gewählt zu haben. Aber 52 Prozent machten ihr Kreuz aus Enttäuschung über CDU, SPD und Linkspartei. In Brandenburg dürfte der Verlust vieler Wähler an die AfD eine bitteres Signal für die Landtagswahl in Thüringen mit dem einzigen Linken-Ministerpräsidenten Bodo Ramelow sein.

Nachbemerkung atheisten-info: Meinereiner sagt ständig dasselbe über die Sozialdemokratie, das Genossin Wagenknecht über die LINKE sagt!

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).

 




Mythos Integration


„Eine Korrektur“ möchte Rainer Oechslen, Islambeauftragter der bayrischen Landeskirche, am Begriff der „Integration“ vornehmen. Er meint, erst eine „Richtigstellung der Begriffe“ erlaube nach Konfuzius eine gute Regierung. Allerdings gewinnt man bei Lesen seines Artikels, in dem er mit den sechs Mythen der Integration aufräumen will, eher den Eindruck, als sollten hier Wörter verbogen werden mit dem Ziel, jedwede Integration der Zuwanderer in Deutschland generell überflüssig zu machen. Er sagt zwar ausgesprochen wortreich, was alles nicht Integration bedeute, und das mit einer teilweise Schwindel erregenden Faktenakrobatik, gibt aber nirgendwo einen einzigen Hinweis darauf, wie Integration sich denn nun abzuspielen habe. Doch schauen wir uns seine „Mythen“, hier veröffentlicht, in kleinen Auszügen aus der Nähe an:

1. Mythos: Integration heißt Assimilation

Häufig wird in der gegenwärtigen Debatte gesagt, Zuwanderer müssten sich 'anpassen' oder 'angleichen'. Fragt man nach, was das bedeutet, so kann man etwa hören, dass muslimische Frauen kein Kopftuch tragen sollten. Derlei hat mit Integration nichts zu tun.

Die völlige Angleichung von neuen Mitgliedern einer Gruppe oder Gesellschaft an die bisher herrschenden Sitten und Ideen nennt man Assimilation. Diese von Zuwanderern zu verlangen würde bedeuten, dass sich Zuwanderer von ihren Wurzeln abschneiden und auf ihre kulturelle Identität verzichten müssen.

Er benutzt also, nur unwesentlich umschreibend, genau das Argument Erdogans, dass Assimilation ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit sei. Mithin hat Deutschland dieses Verbrechen in seiner Geschichte schon des Öfteren begangen. Die Nachfahren der Polen, Italiener, Spanier, Griechen und so weiter müssen sich also umgehend diskriminiert fühlen, weil sie die Frechheit hatten, sich in die Aufnahmegesellschaft nicht nur zu integrieren, sondern in ihr aufzugehen, ja, sich mit ihr auch genetisch zu vermischen, so dass außer bei den Namen nichts mehr von der ehemaligen Fremdartigkeit zu spüren ist. Das Kopftuch ist eben nur das äußere Merkmal der mangelnden Integrationsbereitschaft und nicht kulturelle Folklore, die man den Zugewanderten natürlich zugestehen muss. Also hat es sehr wohl mit Integration zu tun, auch wenn es Herrn Oechslen ganz und gar nicht schmeckt.

2. Mythos: In Deutschland spricht man Deutsch
Zweisprachigkeit in Deutschland keine Seltenheit: Sogar zweisprachige Ortsschilder gibt es in der Gegend von Cottbus/Chóśebuz. Bis 1918 lebte im Deutschen Reich eine große polnische Minderheit. Natürlich bedarf es zur Kommunikation in einer Gesellschaft einer gemeinsamen Sprache. Aber auch hier muss man irrige Vorstellungen korrigieren.

Deutschland war auch vor den Zuwanderungswellen im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts kein sprachlich einheitliches Land. Es gibt zwar eine einheitliche Landessprache, aber die sorbische Minderheit im Südosten und die Dänen im Norden pflegten und pflegen ihre Muttersprachen neben dem Deutschen.

Er findet es nicht einmal peinlich, auf die Viersprachigkeit der Schweiz hinzuweisen, und merkt nicht, dass ihn dies und die oben genannten Beispiele auf sehr glattes Eis führen. Die Schweiz in ihrer heutigen Form ist bereits als viersprachiges Gebilde zusammengewachsen, die Sorben und Dänen sind so zu sagen Opfer deutscher Landnahme in der Vergangenheit. Der Vergleich wäre also nur dann passend, wenn im Laufe der Geschichte Deutschland Teile der Türkei oder Nordafrikas annektiert hätte. Dann sollte diesen Landesteilen sehr wohl eine offizielle Zweisprachigkeit zugestanden werden. Oder stellt sich Herr Oechslen vor, wir sollten gleich ganze Regionen in Deutschland als Türkisch, Arabisch oder sonst wie deklarieren, nur damit seiner hinkender Vergleich auf die Beine kommt? Und wenn dies die geeignete Form von Integration sein sollte, warum schlägt er solche Regionen nicht auch für die Ex-Polen, Ex-Italiener etc. vor? Ach ja, ich vergaß: an diesen ist das „Menschenrecht“ bereits vor langer Zeit vorbeigeschlittert.

3. Mythos: Die Deutschen integrieren sich im Ausland ohne weiteres

Bekanntlich sind im 19. Jahrhundert in immer neuen Wellen Deutsche in die Vereinigten Staaten von Amerika ausgewandert. Zwischen 1850 und 1914 kamen etwa fünf bis sechs Millionen in die neue Welt. 'Ghettobildung' war völlig normal. In New York gab es ein "Little Germany" mit deutscher Kirche, deutschem Metzger, deutschem Bäcker, deutscher Zeitung.

Auf dem Land gab es nicht nur deutsche Dörfer, die etwa "Frankentrost" oder "Frankenmuth" hießen und heißen. Es gab ganze deutsche Landkreise. Man verlangte für die Schulen in diesen Landkreisen ausschließlich deutsche Lehrer und unterrichtete weitgehend nach deutschen Lehrplänen.

Und wieder verwechselt Oechslen (mit Absicht?) Äpfel mit Birnen. Im 19. Jahrhundert suchte dieses große, weitgehend menschenleere Land fast schon verzweifelt Siedler, die das Land urbar machten. Deutsche waren hochwillkommen, da sie als besonders fleißig und anspruchslos galten. Natürlich wurden ihnen in abgeschlossenen Regionen zunächst Sonderrechte eingeräumt, die sich Stück um Stück verloren. Der falsche Vergleich beruht aber im Wesentlichen darauf, dass heute im Gegensatz zum 19. Jahrhundert eine erheblich größere Mobilität herrscht und auch aus wirtschaftlichen Erwägungen durchaus wünschenswert ist. Mit der Mobilität beginnt auch automatisch die Durchmischung und damit die schreckliche Assimilation. Es ist doch erstaunlich, dass die nach dem zweiten Weltkrieg ausgewanderten Deutschen niemals dieselben Sonderrechte erlangten und verlangten, wie sie den frühen Siedlern zugestanden wurden. Sollten wir also den Einwanderern in Deutschland unbesiedelte Landschaften zur Urbarmachung zur Verfügung stellen, damit wir Oechslens „Gedankengang“ nachvollziehen können? Eine abstruse Vorstellung.

4. Mythos: Haupthindernis für die gesellschaftliche Integration ist der Islam

Ist es nicht erstaunlich, welch prägende Kraft man von interessierter Seite der Religion der Muslime zuschreibt, während man andererseits meint, die gesellschaftliche Bedeutung des Christentums liege nunmehr seit Jahrzehnten im Schwinden? Läge es nicht viel näher, bei Muslimen wie Christen die Religion als einen Identität stiftenden Faktor unter anderen anzusehen?

Das ist alles, was Oechslen zur Religion zu sagen hat. Er stellt sich schlicht nicht einmal die Frage, warum denn wohl das weitgehend zur Folklore mutierte Christentum keinesfalls mit dem Ideologiesystem Islam verglichen werden kann. Wir begegnen hier einmal mehr der üblichen Gedankenlosigkeit, die in unseren etablierten Kirchen vorherrscht, der Islam sei schließlich auch nur eine Religion wie das Christentum. Damit ist das Thema Religion für Oechslen auch bereits abgehakt und er wendet sich den „wahren“ Ursachen der Abschottung zu.

Das entscheidende Hindernis für die volle Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ist bei Muslimen genau wie bei anderen Zuwandern und bei Alteingesessenen ein geringes Einkommen und eine niedrige formale Bildung.

Sollen die Arbeiter aus Ostanatolien, die ihr Heimatdorf bei der Ausreise nach Deutschland zum ersten Mal verlassen haben, auf einmal die FAZ lesen oder im Restaurant Filet Bourguignon bestellen, um zu beweisen, dass sie sich nicht in einer Parallelgesellschaft abschotten?

Ich bin nicht bereit, einen solchen offenkundigen Unsinn (unter verschiedenen Aspekten!) mit einem Kommentar zu bedenken. Der Absatz spricht für sich, aber gegen den Urheber. Doch schließlich kommt Oechslen so ganz nebenbei noch einmal auf das Thema Religion zurück.

Natürlich spielt auch die Religion eine Rolle, aber oft erst sekundär: wenn etwa Leute, die sich in Deutschland fremd fühlen, in eine Religion flüchten, die ihnen früher gar nicht soviel bedeutet hat, nun aber ein wenig Halt bietet.

Dabei kommt ein sehr strenger religiöser Orientierungsrahmen dem Bedürfnis nach Geborgenheit unter Umständen entgegen. Man spricht dann von 'Fundamentalismus' – aber eigentlich geht es um Komplexitätsreduktion: Eine als unübersichtlich und bedrohlich empfundene gesellschaftliche Wirklichkeit soll vereinfacht werden.

Es geht also, das lernen wir nun, um „Komplexitätsreduktion“, um Flucht in die Religion angesichts der bösen Mehrheitsgesellschaft. Oechslen kommt nicht einmal auf die Idee, dass er Ursache und Wirkung hemmungslos vertauscht. Erst die von Beginn an vorhandene Verachtung gegenüber der Mehrheitsgesellschaft mit ihren als skandalös empfundenen Sitten und Bräuchen verhindert jeden Ansatz zur Integrationswilligkeit und –fähigkeit. Wer sich nicht vermischen will, kann sich auch nicht vermischen, da kann die Gemeinschaft der hier bereits länger Lebenden so viele Integrationsanstrengungen unternehmen wie sie will. Hinzu kommt der unabdingbare Wunsch, die Deutschen hätten sich geflissentlich den Moralvorstellungen einer im Mittelalter stecken gebliebenen Ideologie anzupassen, und nicht etwa umgekehrt. Solche Forderungen sind offensichtlich noch nicht bis in die Kirchenspitzen vorgedrungen, und wenn, dann werden sie gar noch als gerechtfertigt empfunden, weil man unter Strich für das Christentum Gleiches anmahnt.

Den nächsten Punkt kann man aufgrund nunmehr gelebter Praxis nur unterstreichen, er reflektiert allerdings Vergangenes, das keinen Bezug mehr zur heutigen Situation hat. :

5. Mythos: Deutschland ist kein Einwanderungsland

Der Satz "Deutschland ist kein Einwanderungsland" ist eine langjährige Lebenslüge der deutschen Politik. Er wurde von manchen Politikern auch dann noch bis zum Überdruss wiederholt, als das Gegenteil bereits mit Händen zu greifen war.

Doch kommen wir zum sechsten und letzten Mythos des Herrn Oechslen :

6. Mythos: Integration ist eine Bringschuld der Zuwanderer

Die Rede von den "Integrationsverweigerern" ist verräterisch. Denn damit sind ja stets Migranten gemeint. Sie "verweigern" – so sagt man – die Integration, indem sie z.B. nicht ausreichend Deutsch sprechen oder ihre Kinder nicht zur Schule schicken. In Wahrheit ist Integration ein Veränderungsprozess, der 'neue' und 'alte' Mitglieder einer Gesellschaft betrifft.

Wiederum wird die „Schuldfrage“ schlicht umgekehrt. Die ‚alten’ Mitglieder sind die „Integrationsverweigerer“, und da sie zahlenmäßig um ein Vielfaches schwerer wiegen, muss natürlich auch ihre Schuld größer sein. Welch groteske Verdrehung der tatsächlichen Gegebenheiten!

Natürlich dürfen in einer solchen Darstellung auch die Angriffe auf Alice Schwarzer und Thilo Sarrazin nicht fehlen. Es wäre ja sonst unvollständig.

Vieles wurde erreicht. Und nun, im siebten Jahrzehnt ihres Lebens, begegnen Frau Schwarzer massenhaft Frauen und Mädchen mit Kopftuch, das sie nicht anders verstehen kann, denn als Symbol der Unterdrückung.

Und Thilo Sarrazin: Auf einem Podium in München nannte man ihn einen "Kleinbürger, der mit einer ungeordneten Welt nicht klarkomme". Das trifft die Sache recht genau. Aber das "gediegene Münchner Bürgertum" tobt vor Wut, als man sein neues Idol angreift (SZ vom 1.10.10). Hier meldet sich Verweigerung zu Wort, Weigerung eine neue gesellschaftliche Wirklichkeit zu akzeptieren, Ablehnung eines Lern- und Veränderungsprozesses, von dem man doch dunkel ahnt, dass er unvermeidlich ist.

Ich möchte dem nur hinzufügen, was ich selbst von Frauen denke, die mir mit Kopftuch entgegen treten (und ich sage dies auch laut in „meinem“ Land). Ich empfinde dieses religiös verbrämte Outfit als Provokation, als Beleidigung meiner Intelligenz, weil ich genau weiß, was diese Frau mir gegenüber zum Ausdruck bringen will: Ich trage dieses Kopftuch, weil Du ein mieses Schwein bist, das mich sofort vergewaltigen würde, sobald ich es ablege. Ich finde, dass mich dieser Satz durchaus beleidigt.

  




Nicht nur ein fataler Titel für ein Buch über den Humanismus


Frieder Otto WolfWEIMAR. (fgw) Die Welt von heute kennt den nicht vom Völkerrecht gedeckten Begriff der „humanitären Intervention“. Unter diesem Schlagwort überfallen seit dem Zusammenbruch des sozialistischen Staatensystems in Europa die USA und ihre NATO-Vasallen fast ohne Unterlaß ihnen nicht genehme Staaten und fügen deren Völkern grausames Leiden zu. Was hat die Granden des Humanistischen Verbandes Deutschland (HVD), nicht zuletzt den Honorar-Professor Frieder Otto Wolf, angesichts dessen bloß geritten, ein Buch über „den Humanismus“ so mit „Humanistische Interventionen“ zu titeln.

 

Befremdlich, ja sogar peinlich, wirkt dann gleich danach der Bucheinband, der vorne drei mal ein Konterfei des Autor feilbietet… Spricht das etwa für einen Personenkult im Berliner HVD? Und im Klappentext heißt es u.a. „Seit 2001 arbeitet Frieder Otto Wolf daran sein Modell des praktischen Humanismus näher zu bestimmen…" Doch nach der Lektüre bleibt bzw. wird gar unklar, was unter diesem von ihm inflationär gebrauchten Begriff eigentlich zu verstehen ist. Ja, was er denn selbst darunter versteht. Schaut man sich die diversen Texte in diesem Sammelband an – es sind ihrer 28, dann ist eigentlich nur zu resümieren, daß Wolf zwar zu allem etwas zu sagen hat und daß er jedoch den Humanismus-Begriff mal so, mal so modelt, wie er es gerade mag… Schade, denn von einem vorgeblich für den Humanistischen Verband wegweisenden Buch wäre mehr, weit mehr zu erwarten gewesen.

Herausgeber Rolf Schöppner, Direktor der Humanistischen Akademien Deutschlands und Berlin-Brandenburg, schreibt in seinem Vorwort, daß er für diesen Band „einige neue und bislang unveröffentlichte Texte" sowie „eine Reihe von älteren und bisher nur verstreut (…) publizierten Texten" ausgewählt hat. Diese sind von ihm in vier Abschnitte gegliedert worden:

– Praktischer Humanismus als Bekenntnis

– Humanistische Kritiken und Polemiken, gemeint sind diverse Rezensionen

– Interventionsfelder des praktischen Humanismus

– Ein Programm des praktischen Humanismus für das 21. Jahrhundert

Praktischer Humanismus als Bekenntnis

Dieser Abschnitt umfaßt fünf Texte. Hier ist gleich vorab anzumerken, daß Wolf im Kern in eurozentristischer bzw. mediterraner Weltsicht verharrt, indem er stets nur von oder über „Gott" redet und nicht, wie es bei humanistischer, globaler Sicht notwendig und richtig ist, von „Göttern". In diesen Texten geht es um Begriffliches, wie Religion, Weltanschauung, Religionskritik, Atheismus, Aufklärung oder „europäischen Islam".

Und schließlich um die „Wiederentdeckung der Macht der Liebe als politische Kategorie". Dieses Geschwurbel ohne Gegrummel zu lesen, fällt mehr als schwer…

Humanistische Kritiken und Polemiken

Die hier versammelten sechs Texte sind sehr differenziert zu würdigen. Da findet man Arbeiten, die für das „normale HVD-Mitglied" bzw. die am Humanistischen Verband interessierten Menschen eher belanglos und sogar nichtssagend sind – weil zu sehr dem akademischen Elfenbeinturm berhaftet. Da findet man aber auch wirklich Aussagekräftiges und Nachdenkenswertes: Zu finden in „Warum Habermas die Kategorie der Religion überdehnt" (S. 109-122) und „Dancing the Sarrazin" (S. 131-138).

Als schwach und sogar unbefriedigend müssen aber die zwei Arbeiten bewertet werden, in denen sich Wolf mit dem Transhumanismus („Jenseits der Grenzen des 'Mensch-Seins'?", S. 139-152) und der Staatsministerin Monika Grütters („'Kulturell unbehaust' ohne Religion?", S. 158-165) auseinandersetzt. Hier wären klarere Worte, bessere Argumentationen angebrachter, aussagekräftiger gewesen. Da ist von „Praktischem" zu wenig zu spüren, da wird zu sehr abgehoben „theoretisiert".

Interventionsfelder des praktischen Humanismus

Dieser Abschnitt umfaßt zehn Texte, die leider ähnlich wie im vorgehenden eingeschätzt werden müssen.

Höchst unbefriedigend sind Wolfs ureigene Positionen, die er aber als „Humanistische Positionen zur 'Staatsfrage' – Zur Böckenförde-These" (S.167-176) bezeichnet. Das gilt nicht minder für den Text „Staatskirche und kooperativer Laizismus" (S. 177-182). Diese Scheu vor klaren Aussagen ist aber verständlich, wenn man berücksichtigt, daß der HVD, insbesondere der HVD Berlin-Brandenburg, heuer jedwede Kritik am Bestehenden scheut; will man doch teilhaben bei der Verteilung der „Staatsknete"… Hier sind andere Autoren aus dem humanistischen Spektrum, egal ob organisiert oder nicht, schon seit Jahren weiter als Frieder Otto Wolf. Voll und ganz zuzustimmen ist ihm aber bei seinem Text „Ist Religion unantastbar?" (S. 195-199). Leider geht dieser aber in dem Sammelsurium der vorliegenden Anthologie fast unter.

Richtig schlimm aber muß man das nennen, was Frieder Otto Wolf im Jahre 2011 unter der Überschrift „Humanismus und Pazifismus in Zeiten des Krieges – der 'Fall Libyen'" (S. 209-228) zu Papier gebracht hat. Hier „kaut" er überwiegend unkritisch das nach, was US- bzw. NATO-Kriegspropagandisten von sich gegeben haben bzw. es noch heute in anderen „Fällen" tun. Erst ab S. 222ff wird er aber doch etwas nachdenklicher. Das spiegelt sich dann auch teikweise im nachfolgenden Text „Retraktionen zu Libyen" (S. 229-236) wider. Dennoch bleibt er dabei, daß die USA, die NATO oder die EU das Recht hätten, in anderen ihnen unliebsamen Staaten militärisch zu intervenieren… Hier sollte man sich als Humanist doch anders, konsequenter artikulieren und nicht solchen Vorwänden wie „irrer Diktator", „Massenvernichtungswaffen" oder – inflationär – „Menschenrechtsverletzungen" aufsitzen.

Wirklich löblich sind dagegen Wolfs kurze und aussagestarke Texte „Das Recht auf ein menschenwürdiges Leben gilt bis zum letzten Atemzug" (S. 241-248) und „Soziales Minimum als Menschenrecht" (S. 249-252). Da wird er tatsächlich sogar „praktisch".

Ein Programm des praktischen Humanismus für das 21. Jahrhundert

Gerade für diesen Abschnitt mit sechs Texten gilt das bereits eingangs angesprochene Resümee. Wolf sagt durchaus viel Wahres – insbesondere bei Zustandsbechreibungen, bleibt aber stets vage, bleibt an der Oberfläche, wenn es um Auswege, Lösungen etc. gehen muß. Sodaß er mit solchen Traktaten wohl kaum Menschen überzeugen wird können, sich aktiv für „den Humanismus" und/oder den Humanistuschen Verband einzusetzen.

Insbesondere ist ihm zu widersprechen bei seinen Vorgaben bezüglich der „Staat-Kirche-Trennung", hier weicht er – warum wohl ? – vor dem Machtanspruch des christlichen Klerus zurück. Da wird er sogar ahistorisch, wenn er wider besseres Wissen behauptet, der DDR-Freidenkerverband wäre aufgrund eines „Stasi"-Befehls gegründet worden… Da hätte Wolf vor seiner Niederschrift doch wohl besser mal den Akademie-Band 8 (Groschopp & Müller:„Letzter Versuch einer Offensive", S. 80-90 und S. 93-95) lesen sollen.

Auch eher fragwürdig kommt Wolfs Modell der „Sechs Säulen des praktischen Humanismus" (S. 269-276) daher. Das gilt im Wesentlichen ebenfalls für „Ein praktischer Humanismus für das 21. Jahrhundert" (S. 277-287):

Was ist denn nun „praktischer Humanismus"? Auf diese wirklich konkrete Frage gibt Wolf wortreich keine Antworten. Und ebenfalls nicht in „Was kann heute der Sinn von Humanismus sein?" (S. 289-298) und auch nicht in seinem Nachwort auf den S. 299 bis 318. Bemerkenswert ist jedoch Wolfs vehemente Absage an jede Form der Arbeiterbewegung, zu der ja seit mehr als 100 Jahren auch die Freidenkerbewegung gehört. Er beruft sich auf Marx, um Marx zu widerlegen. Da ist der Honorar-Professor eben ganz der „Grüne"…

Ja, es sei wiederholt: Frieder Otto Wolf redet viel vom „praktischen Humanismus", verharrt aber selbst im akademischen Elfenbeinturm und redet über die Köpfe der Menschen hinweg. Viele gute Gedanken gehen daher leider unter, ja, verloren. Liest man Traktate von Theologie-Professoren, so wird man sich bereits auf den ersten Seiten bewußt, daß deren Auslassungen nur „Geschwurbel" sind. Leider gilt das aber auch für das vorliegende Wolf-Traktat, das mitunter sogar ins Geschwafel abgleitet. Man denke da nur an seinen ebenfalls inflationär gebrauchten Begriff „Palaver der Menschheit".

Vollends unlesbar wird dieses dicke Buch schließlich durch die unsägliche Genderei, die schlimme Verhunzung der deutschen Sprache/Schriftsprache, mal durch [dies ist vom Rezensenten ironisch gemeint] „Menschinnen und Menschen" oder noch schlimmer durch die Sternchen (*) wie z.B. in „Humanist*innen"… Da müßte eigentlich eine Frage an Herrn Wolf so lauten: „Wie spricht man eigentlich dieses Sternchen in einem Wort aus?"

Alles in allem: Mit diesem Buch lockt man kaum jemand hinter dem Ofen hervor, sich näher mit „dem Humanismus" zu befassen. Da muß an dieser Stelle auch dieses gesagt sein dürfen: Ein Hubert Cancik, ein Johannes Neumann und ein Horst Groschopp haben hierzu mehr zu sagen und können ihre Leser dabei verständlich und überzeugender ansprechen.

 

Siegfried R. Krebs

Frieder Otto Wolf: Humanistische Interventionen. Praktische Menschlichkeit in der Gegenwart. Schriftenreihe der HAD Bd.7. 324 S. Taschenbuch. Alibri-Verlag. Aschaffenburg 2019. 25,- Euro. ISBN 978-3-86569-291-7

 

 
01.09.2019

Von: Siegfried R. Krebs http://www.freigeist-weimar.de/beitragsanzeige/ein-fataler-titel-fuer-ein-buch-ueber-den-humanismus/?fbclid=IwAR3xWRstKoMqhz412LiRsx7644hv8WFyrRK3TP-iM2WmjOGLYdD5edrJCpc