Religionsfreiheit - muss das sein?


Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte wurde am 10. Dezember 1948 von der Vollversammlung der UNO mit 48 zu null Gegenstimmen bei acht Enthaltungen, seitens muslimischer und kommunistischer Regierungen, beschlossen.

In der heutigen Diskussion gewinnt man sehr oft den Eindruck, als sei lediglich der Artikel 18, in dem neben der Meinungs- und Gewissensfreiheit auch von der Religionsfreiheit die Rede ist, von ausschlaggebendem Interesse.

Es hört sich so an, als sei ausgerechnet dieses Menschenrecht auf Religionsfreiheit das Wichtigste von allen. Wichtiger als zum Beispiel das Verbot von Folter und Sklaverei oder die Unantastbarkeit der Person und ihres Eigentums.

Bei der Berufung auf die Religionsfreiheit bilden sich erstaunliche Fronten. Das eher linke Spektrum bis weit in die Reihen von CDU/CSU hinein aber auch die römisch-katholische und evangelische Kirche pochen darauf, dass dieses Recht selbstverständlich auch dieser  nunmehr in nennenswertem Umfang in Europa aufgetauchten Religion, dem Islam, zustünde.

Aber es erinnern konservativ eingestellte Bürger, die zumeist islamkritisch eingestellt sind, eher daran, dass dieses Recht für den Islam im Gegenzug auch den anderen Religionen in von muslimischen Mehrheiten bestimmten Nationen zugestanden werden müsse.

Bei dieser zweiten Betrachtungsweise kommen wir dem ursprünglichen Sinn von Religionsfreiheit schon beträchtlich näher. In einer politischen Landschaft, die seit dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 (siehe wikipedia) durch den Grundsatz „cuius regio, eius religio“ gekennzeichnet war, stellte die prinzipiell mögliche Abnabelung von der Religion des Herrschers in der Tat einen gewaltigen Fortschritt dar, von dem islamische Länder in aller Regel weit entfernt sind. Mit anderen Worten: nicht der Staat hat zu bestimmen, nach welchem Ritus sich ein Paar trauen darf, sondern das Paar selbst. Solange es keine Zivilehe gab (erst unter Bismarck eingeführt) war dies ein bemerkenswerter Fortschritt. Eine in diesem Sinne verstandene Religionsfreiheit bedeutet im Grunde nichts anderes als eine Vorstufe dessen, was wir heute als Laizität des Staates verstehen. Er hat sich aus dem positiven oder negativen Bekenntnis seiner Bürger herauszuhalten. Wird dagegen heute von Religionsfreiheit gesprochen, so wird man mit der Nase darauf gestossen, dass damit nur die die Erhaltung und Festigung von Privilegien gemeint ist.

Laizität (am Beispiel Tunesien)

Umso erfreulicher ist es, dass in einem islamischen Land, Tunesien, eine machtvolle Demonstration für die Laizität des Staates („I laïque Tunisia“) stattgefunden hat.

Den rund 15.000 Manifestanten ging es – wie das hochgehaltene Transparent in bestechender Kürze und Eindeutigkeit zeigt –  um die Toleranz zwischen den Weltanschauungen und die Aufhebung der staatlichen Bevorzugung einer einzigen Religion.

Gleichzeitig geht aber auch um die negative Religionsfreiheit – der junge Mann ist Atheist – und die echte Gleichberechtigung von Mann und Frau. Und all das in einem einzigen Plakat, in einem einzigen Wort vereint. Vergleichbares war in keinem anderen der von Revolutionen erschütterten Länder zu vernehmen.

Natürlich gibt es auch in Tunesien Bewegungen konservativer Muslime, die von der Einführung eines Emirats träumen, doch scheint die Zeit über sie hinweggegangen zu sein. Die angedachte Aktion junger Frauen, den aus dem Exil zurückkehrenden Terroristen Rachid al-Ghannouchi am Flughafen im Bikini zu begrüßen, um ihm zu zeigen, wie das moderne Tunesien aussieht, scheiterte lediglich an den Wetterbedingungen. So wurde ihm nur entgegengehalten: „Allah schafft keine Jobs“ – auch dies eine bemerkenswerte Aussage, die nicht unbeobachtet blieb. Die Extremisten erhielten zwar in den Wahlen vom 23. Oktober eine erschreckend hohe Stimmenzahl, doch betonen sie unablässig, die derzeit bestehenden Freiheiten nicht antasten zu wollen. Wohl zu recht wird dies nicht wirklich von den meisten geglaubt, wie in dem guten Kommentar von Abdelhamid Gmati „Croire ou ne pas croire“ in lapresse.tn deutlich wird.

Meinungs- und Gewissensfreiheit

Das allgemeiner gefasste Prinzip der Meinungs- und Gewissensfreiheit, wie es etwa von dem Aufklärer Diderot vorgetragen wurde, und das in der französischen Revolution seinen Niederschlag fand, hätte im Grunde bereits zu diesem Zeitpunkt eine Diskussion über die Frage der Religionsfreiheit als Unterabteilung der viel weiter gefassten Meinungsfreiheit überflüssig gemacht.

Ein Beispiel kann verdeutlichen, wie schnell die beiden Freiheiten auf Kollisionskurs gelangen können. In einem „schwach-islamischen“ Land wie Tunesien bestand und besteht für bekennende Juden und Christen staatlich garantierte Kultusfreiheit.

Moscheen und Kirchen werden wegen der latent immer vorhandenen Extremismusgefahr gesondert bewacht und beschützt. Wenn man einmal davon absieht, dass laut gültiger Verfassung nur ein Moslem Staatspräsident werden kann, herrscht eine für ein muslimisches Land erstaunliche Religionsfreiheit.

Trotzdem hätte sich wohl niemand vor dem 14. Februar 2011 getraut, eine Meinung zu äußern etwa der Art, Mohammed sei wegen seiner Heirat mit der neunjährigen Aische nach moderner Rechtsauffassung ein Pädophiler. Er hätte wohl erhebliche Probleme mit der Religionspolizei bekommen. Hier steht eindeutig die „Religionsfreiheit“, die sich bereits damit als ein Privileg dekuvriert, oberhalb der Meinungsfreiheit angesiedelt.

Der Sonderfall, wenn ein Ausländer eine muslimische Tunesierin heiratet, wurde bereits vor knapp einem Jahr ausführlich dargestellt * (Liebe unter dem Halbmond). Wenn sich dann in Deutschland ein islamischer Interessenvertreter und Lobbyist wie Aiman Mazyek hinstellt und den Politikern verkaufen will, „es gibt keinen Zwang im Glauben“, dann darf man ob dieser eigenwilligen Koranauslegung durchaus nachdenklich werden.

Ganz außerordentlich bedenklich und krass gegen die Menschenrechtserklärung positioniert stellt sich die Situation in „richtig“ islamischen Ländern wie Iran, Saudi-Arabien, Pakistan und Afghanistan dar, deren Rechtssystem weitgehend auf der Scharia basiert.

Drakonische Strafen für Ehebrecher, Homosexuelle oder Apostaten wie Steinigung, Auspeitschung oder Köpfung sind schlicht mit unserer Vorstellung von Menschenrechten nicht vereinbar, laufen aber gleichwohl unter „Religionsfreiheit“, da es schließlich die Religion ist, die diese Regeln vorschreibt. Solche Zustände sind dermaßen indiskutabel zu Beginn des dritten Jahrtausends hiesiger Zeitrechnung, dass an dieser Stelle wohl nicht weiter auf sie eingegangen werden muss.

Die Situation in Europa

Wenden wir uns also wieder der Situation in Europa mit seinen demokratisch verfassten Staaten zu. Man sollte meinen, dass die mit der französischen Revolution erreichte Entmachtung der absolutistischen Herrscher und der mit ihnen aufs heftigste kooperierenden christlichen Potentaten sich im Sinne einer vernünftigen Laizität des Staates verfestigt hätte.

Das Gegenteil ist der Fall. In zähem Kampf und mit geschickter Lobbyarbeit ist es den Kirchen, allen voran natürlich der römisch-katholischen in den letzten 200 Jahren gelungen, ihren Einfluss auf das gesellschaftliche Leben geradezu krakenhaft wieder auszudehnen.

Ihre Präsenz in der Öffentlichkeit und ihr Einfluss auf das politische Alltagsleben übersteigen dabei inzwischen bei weitem den prozentualen Anteil ihrer Anhänger. Hinzu kommen die Gier und die verfassungsrechtlich bedenkliche Forderung nach allgemein staatlichen Leistungen, die von jedem Mitbürger – gleich ob mit christlichem, muslimischem, jüdischem, atheistischem oder sonst welchem Bekenntnis – getragen werden müssen.

Der Koordinierungsrat säkularer Organisationen (KORSO) hat einen Teil der direkten, Zuwendungen in einem informativen Faltblatt zusammengestellt. Dass darüber hinaus jedoch jährlich Milliardenbeträge an die Kirchen fließen, damit diese sich mit ihren angeblichen karitativen Leistungen brüsten können, finden sich akribisch nachgewiesen im „Violettbuch“ vom Wissenschaftler Dr. Carsten Frerk.

Man kann festhalten, dass sich die Amtskirchen – anders als die Freikirchen – eine Position erarbeitet und teilweise gegen die Bestimmungen der Weimarer Verfassung und des Grundgesetzes erschlichen haben, die mit den Forderungen nach religiöser Neutralität des Staates nur noch entfernt etwas zu tun haben.

Wen nimmt es da wunder, wenn nun diese neue Religionsgemeinschaft Islam in ihren verschiedenen Formen daher kommt und für sich dieselben Privilegien einfordert, die den etablierten religiösen Gemeinschaften in Deutschland so ans Herz gewachsen sind?

Angesichts dieser neuen Herausforderung macht sich eine geradezu lethargische Hilflosigkeit breit. Wie viel darf man ihnen gewähren, wenn gleichzeitig bekannt ist, dass diese Religion sich anschließend nicht damit zufrieden gibt, still als Gemeinde der Moslems vor sich hin zu arbeiten und den Anhängern ein spirituelles Zuhause zu geben, sondern klare und weit darüber hinaus gehende Ziele der politischen Einflussnahme auf die Gesellschaft verfolgt, ganz so, wie es auch von den Kirchen praktiziert wird.

Wer da immer noch glaubt, man könne sich mit dem Islam rein theologisch auseinandersetzen, verfehlt die wirkliche Problematik. Es kann nicht darum gehen, sich gegenseitig Suren und Bibelzitate um die Ohren zu hauen, oder Diskussionen darüber anzuzetteln, welcher der propagierten Götter denn nun der bessere sei – nein: die Frage kann ausschließlich und nur politisch entschieden werden.

Doch zu einer Rückbesinnung auf die Werte der Aufklärung fehlen ganz offensichtlich die Kraft und der Wille bei den im Parlament vertretenen Parteien. Muss denn wirklich erst eine neue Revolution her, um dieses Problem zu lösen?

Deutschland hat die Chance zu einem grundsätzlichen Neuanfang leichtfertig nach der Wiedervereinigung verspielt, weil eben alles „schnell“ gehen musste und es wichtiger schien, den Einigungsvertrag umgehend abzuschließen. Die ursprüngliche Version des Art. 146 im Grundgesetz sah vor, dass das Deutsche Volk sich in freier Selbstbestimmung nach der Vollendung der Einheit eine neue Verfassung gibt und das Provisorium von 1949 ad acta legt.

Tatsächlich aber wurde das Grundgesetz praktisch unverändert in ganz Deutschland für verbindlich erklärt und jede Diskussion umgangen. Dem Umstand, dass Deutschland sich seit 1949, als es noch unter dem Eindruck der Kriegsereignisse und den Schwächen der Weimarer Republik stand, ganz erheblich verändert hat, konnte somit nicht Rechnung getragen werden.
Es hätte klargestellt werden müssen, dass die „Religionsfreiheit“ nicht als Deckmantel dienen darf, um Privilegien oder sogar ungesetzliche Machenschaften zu schützen wie es derzeit in der unseligen Fassung des Artikels 4 im Grundgesetz der Fall ist.

Eine solche Bereinigung hätte bereits bei der Präambel beginnen müssen, mit diesem unsäglichen Satz „Verantwortung vor Gott und den Menschen“, was angesichts einer deutlichen Mehrheit der Deutschen, die nicht mehr an einen persönlichen Gott glaubt, nur schwer vermittelbar sein dürfte.

Was hat eine bronzezeitliche Fiktion in einem weltlichen Gesetzestext zu suchen? Und das muss irgendwann weitergehen mit der Abschaffung der Körperschaften öffentlichen Rechts hin zu einer Organisation unter Vereinsrecht für Religionsgemeinschaften, Abschaffung der Präsenz in Ethik- und Fernsehräten, Schulkommissionen und vieles andere mehr, Abschaffung des staatlich bezahlten Religionsunterrichts an öffentlichen Schulen und Abhängen der christlichen Symbole in den der Allgemeinheit zugänglichen Räumen.

Bereits mit diesen Maßnahmen hätten sich einige Probleme erledigt. Um nur ein Beispiel zu nennen: Bei einer Organisation nach Vereinsrecht muss eine Satzung vorgelegt werden. Man stelle sich nun vor, Muslime organisieren sich dergestalt nach Maßgabe der Scharia und in der vorgelegten Vereinssatzung stünde, dass der Austritt aus dem Verein – die Apostasie – mit dem Tode zu bestrafen ist.

Es steht zu vermuten, dass dann auch dem heftigsten Befürworter von „Religionsfreiheit“ klar wird, dass hier etwas nicht stimmen kann. Man stelle sich des Weiteren vor, dieser Verein verlange von neu hinzutretenden Mitgliedern und auch ihren Kindern, sie müssten sich die Ohren abschneiden lassen, weil dies nun einmal vereinsrechtlich so festgelegt sei.

Und in Wahrheit wäre es noch schlimmer: sie verlangten nicht die Ohren, sondern schnippeln an den Genitalien der Mitglieder herum, was normalerweise unter Verstümmelung religionsunmündiger Abhängiger fiele, falls weithin anerkanntes Recht auf religiöse Gruppen angewendet würde.
Es ließen sich noch viele Beispiele anführen, bei denen erst eine vereinsrechtliche Betrachtung klar macht, wie viel von diesen unter „Religionsfreiheit“ segelnden Privilegien schlicht mit moderner Rechtsstaatlichkeit unvereinbar sind. Man mag einwenden, dass das ja „nur“ Muslime treffen würde, alles andere könne dagegen so weiter gehen wie bisher.

Dazu sollte man sich einmal die arbeitsrechtlichen Bedingungen anschauen, unter denen die Mitarbeiter in staatlich zu 95 Prozent finanzierten, aber von der katholischen Kirche geführten Krankenhäusern herrschen.
Apostasie wird zwar nicht (mehr) mit dem Tode bestraft, sondern „nur“ mit dem Verlust des Arbeitsplatzes, arbeitsgerichtliche Prozesse der Betroffenen dagegen enden in aller Regel mit einem Sieg der Kirche – wegen einer sogenannten „Religionsfreiheit“.

Das Grundgesetz

Neben der Präambel, die geändert gehört – zum Glück ist es ja den Vatikanparteien Deutschlands im Parlament nicht gelungen, diesen Unsinn auch noch in den Lissabon-Prozess einzubringen – muss endlich eine Diskussion um die Ausgestaltung von Artikel 4 Grundgesetzt angestoßen werde.

Die entscheidenden Punkte finden sich in Absatz 1 und 2:

1. Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.

2. Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.

Besonders der zweite Absatz stellt einen juristischen Stolperstein ersten Ranges dar, weil unter ihm so ziemlich alles subsumiert werden kann, was den Religionsgemeinschaften gerade so in den Sinn kommt.

Es gibt keine ausdrücklich genannten gesetzlichen Beschränkungen. Das Mindeste, das erreicht werden müsste, ist ein Zusatz in diesem Grundgesetzartikel, wie er sich im UN-Zivilpakt aus dem Jahr 1993 findet:

Die Freiheit, seine Religion oder Weltanschauung zu bekunden, darf nur den gesetzlich vorgesehenen Einschränkungen unterworfen werden, die zum Schutz der öffentlichen Sicherheit, Ordnung, Gesundheit, Sittlichkeit oder der Grundrechte und -freiheiten anderer erforderlich sind.

Oder in anderen Worten ausgedrückt: „Alles, was den Bürgern eines Staates erlaubt ist, soll auch gläubigen Bürgern erlaubt sein – und nicht mehr“.

Eine dergestalt begründete Eingrenzung in die allgemeinen zivil- und strafrechtlichen Bestimmungen könnte die zu beobachtenden Auswüchse verhindern – zumindest eindämmen – und böte gleichzeitig den nicht zu unterschätzenden Vorteil, dass der Islam sich nicht auch noch die Privilegien einverleibt, die den anderen derzeit zur Verfügung stehen.

Wenn man davon überzeugt ist, dass ein solcher Verfassungszusatz ein dringliches Desiderat darstellt, sollten die zu ihrem Inkrafttreten erforderlichen Maßnahmen von den humanistischen Institutionen – notfalls auch auf dem Petitionsweg – umgehend eingeleitet werden. Auf Unterstützung durch die kirchliche Lobby wird man dabei aber wohl verzichten müssen.

Somit steht für mich fest: Die Religionsfreiheit, in dem Sinn wie sie heute ausgebeutet wird, gehört abgeschafft

* Eine kleine Ergänzung zu Tunesien: Das Dekret 73, das Tunesierinnen vorschrieb, nur Moslems heiraten zu dürfen, wurde ausser Kraft gesetzt. Und auch ansonsten sind nunmehr alle Regelungen, die Frauen diskriminieren (Ehe-, Familien- und Erbrecht, uam.) inzwischen durch neue Gesetze ausgemerzt worden.

 

 

 




Wie funktioniert eine Ampel, Herr Volksschullehrer?


Ampel HaiAussendung von Niko Alm vom 29.9.2020:

Wer in Südafrika surfen geht, lernt die Haifischampel zu lesen. Genaugenommen ist es keine Ampel, es sind vier verschiedene Flaggen: grün (kein Hai), rot (Hai), schwarz (trüb) und weiß (Hai naht).

Das Hissen des schwarzen Hais auf weißem Grund wird von einer Sirene begleitet, die den Surferinnen und Surfern signalisiert, dass sie jetzt besser schnell das prospektive Haifischbecken verlassen sollten. Die Ampelbeflaggung erfüllt damit zwei Funktionen: eine informative (1) und eine appellative (2). Damit sind gut und gern mindestens zwei Seiten im Kommunikationsquadrat von Schulz von Thun abgedeckt. Funktion 1 gibt Auskunft über die Beschaffenheit der Umwelt, also ob derzeit keine Haie in Sicht sind, ob sie weit von der Küste entfernt sind, oder sich dieser annähern. Die zweite – im Sinne der körperlichen Gesundheit wichtigere – appellative Funktion richtet sich an das Verhalten der Surferinnen und Surfer: "Bleibt im/am Wasser!" oder "Landet!"

Das Ampelwesen ist nämlich grundsätzlich binär.

Sie kennen das vielleicht auch vom Zebrastreifen mit der Fußgängerampel in zwei Zuständen: "Rot" bedeutet, dass Sie nicht queren dürfen. Die Farbe gibt aber darüber hinaus keine Auskunft, ob es tatsächlich gefährlich wäre, die Straße zu überschreiten – "grün" übrigens auch nicht. Die appellative Funktion 2 wird durch die Ampel erfüllt, Funktion 1 ist nur eine Folge von Funktion 2. Deswegen empfiehlt es sich, jedenfalls auch selbst zu kontrollieren, ob Sie nicht vielleicht doch gleich überrollt werden. In der Praxis wird diese klare Dichotomie trennscharfer Ampelphasen durch einen dritten Zustand – mancherorts durch blinkendes Grün, oranges Fegefeuer oder hysterische Restzeitanzeigen – abgestumpft, an ihrer prinzipiellen Funktionalität der Verhaltensempfehlung ändert das aber nicht viel.

Was lernen wir daraus? Wer eine Ampel entwirft, kann damit natürlich Auskunft über einen Zustand (Funktion 1) geben, sollte aber vor allem ein klar definiertes gewünschtes Verhalten im Auge haben (Funktion 2). Wird die zweite, wichtigere Funktion außer Acht gelassen, dann wird die Ampel zu einem untauglichen Signalwerkzeug, zu einer funktionslosen Legende reduziert und sollte besser durch eine andere Symbolik ersetzt werden.

Corona-Ampel

Das Corona-Ampelsystem der Regierung ist in der jetzigen Form praxisuntauglich. Seine Funktion 1 als Auskunftssystem zur Beschreibung der Umwelt ist offensichtlich nicht wie versprochen nachvollziehbar und transparent ("Die Corona-Kommission ist ein beratendes Gremium, das Empfehlungen abgibt, welche Ampelfarbe für eine bestimmte Region gelten soll.") definiert worden, sondern unterliegt willkürlichen politischen Entscheidungen. Ganz sicher wurde es aber nicht verständlich kommuniziert. Das ist zwar jämmerlich, wäre aber noch kein Problem, wenn wenigstens Funktion 2 als Verhaltensempfehlung klar und verständlich gemacht worden wäre.

Wenn schon nicht nachvollziehbar ist, was die Farben wirklich bedeuten, dann sollte doch zumindest eindeutig sein, wie sich Individuen und Organisationen verhalten müssen bzw. was sie dürfen und nicht dürfen. Beispielsweise: "grün" sollte bedeuten, dass Sie frei atmen dürfen, nirgends Maske zu tragen brauchen (aber selbstverständlich immer dürfen) und auch Unternehmen, Schulen und sonstige Organisationen keinen Einschränkungen unterliegen, die erst nach dem Februar 2020 erfunden wurden. Erfinden Sie sich gerne selbst etwas für "rot".

Idealerweise gibt es auch nur zwei Zustände (grün = "alles ok”, rot = "raus aus dem Haifischbecken"). Weitere Zustände außer vielleicht einer (1) orangen Übergangsphase zur gesteigerten Aufmerksamkeit sind kaum sinnvoll zu vermitteln.

Angstschoberei

Jetzt will ich gar nicht bestreiten, dass sich ein (1) Mensch nicht ein gutes System überlegt hätte; noch viel weniger will ich bestreiten, dass sich sogar mehrere Menschen gleichzeitig verschiedene mehr oder weniger gute Systeme überlegt hätten. Diese Konzepte aber dann zu vermischen, verschiedentlich zu interpretieren und zu kommunizieren, führt dazu, dass aus strahlendem grün und rot, dann eine unansehnliche braune Masse wird.

Die Kommunikation der Regierung war seit dem Ausbruch von COVID-19 Ende letzten Jahres über weite Strecke ein Desaster. In einem Gastkommentar für die Presse habe ich dieses Multikommunikationsversagen zwar hinreichend beschrieben, trotzdem verliere ich die Motivation seit den ersten politischen Handlungen im März nicht, darauf hinzuweisen, dass zum Handling einer Pandemie nicht nur Maßnahmen zur Einschränkung der persönlichen, unternehmerischen und korporativen Freiheit zählen, sondern auch eine gut abgestimmte Kommunikation mit klaren Empfehlungen und zeitlich beschränkten Verboten inklusive einer übergeordneten Strategie und transparentem Szenarienplanung.

Was haben wir bekommen: kaputte in Deutsch-Imitat abgefasste Verordnungen, Predigtdienste zur Selbstdarstellung und Angstschoberei. Versäumt hat die Regierung die Produktion von verständlichen, offiziellen Informationen und Infografiken über die Wirkweise und Gültigkeit der Maßnahmen, sowie eine zeitgemäße und flächendeckende Bespielung von Kanälen, die auch wirklich alle erreichen.

Zu erwarten, dass Bürgerinnen und Bürger Livestreams von Pressekonferenzen oder die tägliche ZIB abrufen, blendet unter anderem aus, dass viele jüngere Alterskohorten TV-Nachrichtensendungen überhaupt nicht mehr wahrnehmen. Den Livestream dann in Facebook über die Seiten der Ministerien oder Parteien anzubieten, hilft da naturgemäß auch nichts, wenn dann alle nur mehr auf TikTok sind. In den Ministerien fehlt kompetentes Personal für die öffentliche Kommunikation und auch das Engagement externer Dienstleister blieb wirkungslos.

Dass ich der einzige Mensch bin, der von Erklärungen der Ampel nicht erreicht wird, ist naturgemäß möglich, aber ich halte es für unwahrscheinlich. Der beste Beweis für das Nichtfunktionieren der Regierungskommunikation ist, dass ich (wahrscheinlich vor allem mir selbst) jetzt erklären musste, wie eine Ampel funktioniert, so dass es auch ein Volksschullehrer versteht.

 

Entnommen bei atheisten-info.at




Zum Suizidhilfe-Verbot in Österreich...


engelmayer-gerhard-500_5612…gibt es am 24. September 2020 eine Verhandlung vor dem Verfassungsgerichtshof

Gerhard Engelmayer am 22. 9. 2020 auf https://www.humanisten.at/

Am Donnerstag, 24. September 2020 findet um 9:30h am Verfassungsgerichtshof in Wien eine Verhandlung über die im Auftrag des Vereins «DIGNITAS – Menschenwürdig leben – Menschenwürdig sterben» durch die Wiener Anwaltskanzlei ETHOS.legal eingereichten Verfassungsklage gegen das Suizidhilfe-Verbot in Österreich statt. Die Verhandlung soll der weiteren Klärung der Rechtslage und der Erörterung diverser Fragen dienen. DIGNITAS wird der Verhandlung beiwohnen. Wer von uns Hunanisten interessiert ist, kann sich mit uns und einigen anderen Mitgliedern des ÖGHL um 9:00h vor dem Verfassungsgerichtshof treffen.

Im Mai 2019 beauftragte der Verein «DIGNITAS – Menschenwürdig leben – Menschenwürdig sterben» (kurz: «DIGNITAS») den österreichischen Rechtsanwalt Mag. Dr. Wolfram Proksch von der Wiener Anwaltskanzlei Ethos.legal, eine Klage beim österreichischen Verfassungsgerichtshof einzureichen. Ziel des Vorstoßes ist die Prüfung durch das Verfassungsgericht, ob die gegenwärtigen Strafrechtsbestimmungen bezüglich der Suizidhilfe verfassungskonform sind, und dass die von einer Mehrheit der österreichischen Bürgerinnen und Bürger gewünschte Entscheidungsfreiheit bezüglich ihres eigenen Lebensende real wird. Gleichzeitig wurde dem Verfassungsgericht ein so genanntes Vorabentscheidungsverfahren beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg beantragt, damit dieser Stellung zur Frage der Vereinbarkeit der bestehenden Bestimmungen mit der Rechtslage in der europäischen Union bezieht.

Verhandlung vor dem Verfassungsgerichtshof
Der österreichische Verfassungsgerichtshof hat im Zuge des Verfahrens eine mündliche Verhandlung anberaumt, die der weiteren Klärung der Rechtssache dienen soll. In dieser Verhandlung sollen diverse juristische Fragen erörtert werden bezüglich der Regelung des § 78 ÖStGB, also des Verbots der Suizidhilfe. Die Aktive Sterbehilfe (Tötung auf Verlangen) ist nicht Teil der Verhandlung. Neben dem Rechtsvertreter der Kläger werden auch Vertreter der «Österreichischen Gesellschaft für ein Humanes Lebensende» (ÖGHL) sowie des Initianten des Verfahrens, «DIGNITAS – Menschenwürdig leben – Menschenwürdig sterben» zugegen sein.

Die Rechtslage in Österreich
Die Republik Österreich kennt eines der rigorosesten Verbots-Systeme gegen die Selbstbestimmung bezüglich des eigenen Lebensendes. § 78 des österreichischen Strafgesetzbuches (öStGB), der sich zur «Mitwirkung am Selbstmord» äußert, lautet: «Wer einen anderen dazu verleitet, sich selbst zu töten, oder ihm dazu Hilfe leistet, ist mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren zu bestrafen.» Darüber hinaus sieht das öStGB in § 64 Absatz 1 Ziffer 7 vor, dass § 78 auch dann Anwendung findet, wenn die «Tat» im Ausland stattfindet, also zum Beispiel in der Schweiz, wo Suizidhilfe seit Jahrzehnten grundsätzlich nicht strafbar ist. Diese Bestimmung kann zur Folge haben, dass die Strafbehörde ein Strafverfahren gegen eine Person in Österreich einleitet, wenn sie erfährt, dass diese – wenn sie Österreicher ist und in Österreich wohnt – einem anderen Österreicher, der in Österreich gewohnt hat, behilflich war, zu DIGNITAS in der Schweiz zu fahren, um dort sein Leiden und Leben selbstbestimmt, legal, ärztlich unterstützt und professionell begleitet, beenden zu können.

Widerspruch zu den Menschenrechten
Die Freiheit, über Art und Zeitpunkt des eigenen Lebensendes zu bestimmen, ist ein vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte 2011 erklärtes Selbstbestimmungsrecht. Seither ist dieser Grundsatz in diversen weiteren von DIGNITAS initiierten oder unterstützten Rechtsverfahren, in Deutschland, Italien und Kanada bestätigt und weiterentwickelt worden.2 Die österreichische Rechtslage beachtet dieses Recht (noch) nicht. Sie zwingt so Bürgerinnen und Bürger, entweder ihr Leiden für einige Zeit zu erdulden, sich für einen harten und mehrheitlich zum Scheitern verurteilten Suizidversuch zu entscheiden oder aber in die Schweiz zu reisen.

Diese Situation ist eines modernen, demokratischen Staates im Herzen Europas unwürdig.

Anmerkung atheisten-info:

Klarerweise ist der organisierte Hauptfeind der Legalisierung der Sterbehilfe die katholische Kirche. Weil gläubige Katholiken sterben ja nicht an Krankheiten oder Unfällen, sondern nur dann, wenn sie Gott zu sich ruft! Und dieses Gottesprivileg verteidigt der Vatikan mit gefletschten Zähnen in einem vatikanischen Brief, der offensichtlich wegen des laufenden höchstgerichtlichen Verfahrens in Österreich geschrieben wurde, hier eine Zusammenfassung:

Aus Sicht des Vatikan werden bei Sterbehilfe die ethischen und rechtlichen Grenzen der Selbstbestimmung überschritten. Lebensverkürzende Maßnahmen seien Zeichen einer "Wegwerfkultur" und keine Lösungen für die Probleme todkranker Patienten, betont wird die unaufgebbare Würde des Menschenlebens "auch in seinen extremen Phasen des Leidens und Todes".
Hinter dem Verlangen von Schwerkranken nach einer Beendigung ihres Lebens stehe fast immer der Ruf nach Hilfe und Liebe. Am aktuellen gesellschaftlichen Umgang mit Leid kritisiert der Vatikan eine verengte Auffassung von Lebensqualität und ein falsches Verständnis von Mitgefühl, mangelnde Zuwendung zu Leidenden und neue Vorstellungen einer individualistischen Selbsterlösung.

Klar, katholisch betrachtet ist nicht der Mensch in unbehebbaren lebenselenden Situationen für seine Erlösung zuständig, das muss ein Katholik dem Jesus überlassen. Und der Jesus der lässt eben in solchen Fällen die sündigen Menschen schon die Hölle auf Erden erleben!

Meine ungläubige Mutter war in den letzten Lebensmonaten auch in einer solchen Situation, sie war nach Schlaganfall großteils gelähmt, konnte kaum noch sprechen, nur noch ihre linke Hand bewegen, mit dieser schaffte sie es, sich Orangen zu schälen und bei den täglichen Fütterungen, das Essen samt Teller auf den Boden zu schmeißen und als man ihr Schläuche für künstliche Ernährung eingebaut hatte, sich diese sofort wieder herauszureißen, sie hat sich praktisch zu Tode gehungert, weil Sterbehilfe ist ja verboten!

Die Verteidiger dieses Verbotes sind Unmenschen!
Ihnen ist zu wünschen, dass sie einen langwierigen elendigen Tod sterben müssen! Damit sie diese Sünde der Unbarmherzigkeit höllisch büßen müssen!

Entnommen bei atheisten-info.at

 




Vom Weinberg und dem Sozialisten Jesus


weinberg-in-frankreich_1147-101Übernommen von http://www.atheisten-info.at/index.html:

Mt 20,1-16: Denn mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Gutsbesitzer, der früh am Morgen hinausging, um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben. Er einigte sich mit den Arbeitern auf einen Denar für den Tag und schickte sie in seinen Weinberg. Um die dritte Stunde ging er wieder hinaus und sah andere auf dem Markt stehen, die keine Arbeit hatten. Er sagte zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Ich werde euch geben, was recht ist. Und sie gingen. Um die sechste und um die neunte Stunde ging der Gutsherr wieder hinaus und machte es ebenso. Als er um die elfte Stunde noch einmal hinausging, traf er wieder einige, die dort standen. Er sagte zu ihnen: Was steht ihr hier den ganzen Tag untätig? Sie antworteten: Niemand hat uns angeworben. Da sagte er zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Als es nun Abend geworden war, sagte der Besitzer des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter und zahl ihnen den Lohn aus, angefangen bei den Letzten, bis hin zu den Ersten! Da kamen die Männer, die er um die elfte Stunde angeworben hatte, und jeder erhielt einen Denar. Als dann die Ersten kamen, glaubten sie, mehr zu bekommen. Aber auch sie erhielten einen Denar. Als sie ihn erhielten, murrten sie über den Gutsherrn und sagten: Diese Letzten haben nur eine Stunde gearbeitet und du hast sie uns gleichgestellt. Wir aber haben die Last des Tages und die Hitze ertragen. Da erwiderte er einem von ihnen: Freund, dir geschieht kein Unrecht. Hast du nicht einen Denar mit mir vereinbart? Nimm dein Geld und geh! Ich will dem Letzten ebenso viel geben wie dir. Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will? Oder ist dein Auge böse, weil ich gut bin? So werden die Letzten Erste sein und die Ersten Letzte.

Noch blöder geht's wohl biblisch nimmer! Es soll mit diesem Weinberg-Gleichnis wohl dargestellt werden, dass der Weg ins Himmelreich nicht vom Zeitpunkt der Hinwendung zum Glauben abhängig ist, sondern dass jeder, der das tut, denselben Lohn bekommt, unabhängig von der Dauer der Glaubenszuwendung. Allerdings ist das proportional gesehen ein recht schiefer Vergleich, das Himmelreich wird schließlich als ewiger Lohn für die Gläubigen gesehen und nicht als Sold für ein bisschen Arbeit!

Was meint der Schönborn dazu? Er schreibt u.a.: "Warum bekommen die, die kaum eine Stunde gearbeitet haben, gleich viel wie wir, die wir volle zwölf Stunden in der Hitze des Tages geschuftet haben? Die Kritik ist auch heute zu hören. Dann fällt schnell das Wort von den Sozialschmarotzern. Der Gutsherr sieht das anders: Stört es dich, dass ich auch zu denen gut bin, die nicht das Glück hatten, eine Arbeit zu finden? Genau aus dieser Haltung Jesu sind viele Errungenschaften des Sozialstaats entstanden."

Der Sozialstaat ist nicht aus der Bibel entstanden, sondern wurde durch die Arbeiterbewegung erkämpft! Heute gibt es eben die Kranken-, die Pensions-, die Unfall-, die Arbeitslosenversicherung und sonstige Sozialhilfegesetze! Der Sozialstaat ist auf gesetzlich festgelegter Sozialgesetzgebung eingerichtet, jeder zahlt und jeder bekommt, wenn er was braucht! Solidarität ist dadurch zur selbstverständlichen Pflicht geworden!

Kardinal Schönborn schließt weiterhin welt- und geschichtsfremd so: "Das Gleichnis Jesu ist kein romantischer Sozialtraum, sondern ein nüchternes Programm für eine gerechte Gesellschaft, in der die Schwächsten nicht unter die Räder kommen. Jesu Worte haben wirklich die Welt verändert. Sie haben gezeigt, wie Gott die Welt vermenschlichen will. Die Charta Jesu bleibt freilich weiterhin Auftrag und Aufgabe."

Verdammt noch einmal, wenn die Jesusworte die Welt verändert hätten, wieso hat es dann nicht ab dem Jahre 380 mit der Bestellung der Christenlehre als alleinige Staatsreligion Sozialversicherungen gegeben, sondern gut 1500 Jahre lang bloß ein bisschen freiwillig gegebene Almosen?

Dazu Zitat aus der Enzyklika Quadragesimo anno von Papst Pius XI. von 1931: "Der Sozialismus, gleichviel ob als Lehre, als geschichtliche Erscheinung oder als Bewegung, auch nachdem er in den genannten Stücken der Wahrheit und Gerechtigkeit Raum gibt, bleibt mit der Lehre der katholischen Kirche immer unvereinbar. Er müsste denn aufhören, Sozialismus zu sein: der Gegensatz zwischen sozialistischer und christlicher Gesellschaftsauffassung ist unüberbrückbar."

Der Sozialstaat musste also von der sozialistischen Bewegung auch gegen die katholische Kirche durchgesetzt werden. Amen! Aber knapp 90 Jahre später hat der sozialistische Jesus den Sozialstaat erfunden…





„Notausgang am Lebensende steht bisher nur halb offen“


dghsWEIMAR. (dghs/fgw) Vor der Bundespressekonferenz in Berlin hat die Deutsche Gesellschaft für humanes Sterben e.V. (DGHS) am 16. September 2020 einen Gesetzentwurf zur Neuregelung von Suizidhilfe vorgestellt. In einer Presseerklärung der DGHS heißt es dazu:

 

Um den Feststellungen des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) nachzukommen, unterbreitet die Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben e. V. einen Vorschlag für eine verfassungskonforme Gesetzgebung zur Suizidhilfe. Der Vorschlag umfasst die Aufnahme eines neuen Paragrafen in das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) und die Aufnahme eines neuen Paragrafen sowie diverse Ergänzungen bzw. Modifizierungen bestehender Vorschriften im Betäubungsmittelgesetz (BtMG).

 

Zentrale Bedingung einer ethisch vertretbaren Praxis der Suizidhilfe ist die Einhaltung von Sorgfaltskriterien durch die beteiligten Ärzte und Sterbehelfer. Erforderlich ist zudem eine Anpassung der Berufsordnungen der Landesärztekammern und Änderungen im Betäu-bungsmittelrecht. Elementare Bedingung ist für die DGHS die Freiverantwortlichkeit des Suizidwilligen. Diese liegt vor, wenn der Suizidwillige die natürliche Einsichts- und Urteilsfähigkeit für seinen Selbsttötungsentschluss besitzt, seine Entscheidung frei von Willensmängeln ist, sein Entschluss wohlerwogen und von einer inneren Festigkeit getragen ist. Dabei ist die Urteils- und Entscheidungsfähigkeit, wie im gesamten Rechtsverkehr, zu unterstellen. Nur bei Vorliegen konkreter Anhaltspunkte hinsichtlich einer möglichen Einschränkung der Einsichts- und Urteilsfähigkeit sollte eine fachpsychiatrische Begutachtung mit eingehender Prüfung der Einsichts- und Urteilsfähigkeit vorgenommen werden.

 

Im Rahmen eines zu schaffenden prozeduralen Sicherungskonzepts befürwortet die DGHS eine ausgewogene und umfassende Aufklärung über medizinische Alternativen zum beabsichtigten Suizid, lehnt aber eine wie auch immer geartete Beratungspflicht ab, die auf eine Pflicht des Sterbewilligen hinausläuft, seinen Sterbewunsch zu rechtfertigen. Die freiverantwortliche Entscheidung über das eigene Lebensende bedarf nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts „keiner weiteren Begründung oder Rechtfertigung".

 

In seinem Urteil vom 26.02.2020 hatte das (BVerfG) festgestellt, dass das im Grundgesetz garantierte allgemeine Persönlichkeitsrecht als Ausdruck persönlicher Autonomie auch ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben umfasst. Es schließt das Recht auf Selbsttötung sowie die Freiheit ein, dazu auf die freiwillige Hilfe Dritter zurückzugreifen (Rdnr. 208). Das BVerfG hat darüber hinaus festgestellt, dass das Berufsrecht der Ärzte und Apotheker dementsprechend auszugestalten und das Betäubungsmittelrecht anzupassen sind (Rdnr. 341).

 

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts von Ende Februar dieses Jahres hat die Rechtslage vor 2015 wiederhergestellt und damit den über vier Jahre verschlossenen Notausgang einer Selbsttötung erneut geöffnet. Nicht nur das: Durch dieses Urteil hat nunmehr Deutschland selbst die Schweiz an Liberalität überholt, so DGHS-Präsident Professor Dr. Dr. h. c. Dieter Birnbacher. Das Gericht bindet die Freiheit zum Tode an keine andere Bedingung als die der Ernsthaftigkeit, Festigkeit und Freiverantwortlichkeit des Entschlusses und verlangt nicht, dass der Sterbewillige an einer schweren, unheilbaren oder zum Tod führenden Krankheit leidet.

 

In der Praxis steht der Notausgang allerdings erst halb offen. Zwei Barrieren stehen weiterhin im Wege. Erstens das berufsrechtliche Verbot einer ärztlichen Beteiligung an der Selbsttötung durch die 10 Landesärztekammern, die die vom Deutschen Ärztetag 2011 beschlossene Verbotsempfehlung übernommen haben. Es gibt gute Gründe, die Verschreibung und Verfügbarmachung eines tödlichen Mittels Ärzten vorzubehalten. Aber solange ein Arzt um seine Approbation fürchten muss, wird er kaum zu einer Suizidhilfe bereit sein. Zweitens lässt sich auch nach dem Urteil das in der Schweiz zur Herbeiführung eines schnellen und leichten Todes bewährte Mittel Natrium-Pentobarbital in Deutschland immer noch nicht legal beschaffen.

 

„Der gegenwärtige Rechtszustand ist nicht nur halbherzig, sondern glatterdings unlogisch", sagt DGHS-Präsident Professor Dr. Dr. h. c. Dieter Birnbacher. Wenn der ehemalige § 217 StGB verfassungswidrig ist, weil er die Wahrnehmung des Grundrechts auf selbstbestimmtes Sterben effektiv verschließt, sind auch diese weiteren Hürden mit der Verfassung nicht vereinbar und müssen abgebaut werden. Wie in der medizinischen Versorgung allgemein darf die Chance, ärztliche Hilfe zu erhalten, nicht vom Wohnort abhängen. Und erforderlich ist, so Professor Birnbacher und Rechtsanwalt Professor Robert Roßbruch, Vizepräsident der DGHS, bei der Vorstellung des DGHS-eigenen Gesetzentwurfes eine Klarstellung im Betäubungsmittelgesetz, dass das tödliche Mittel, das sich in der Schweiz bewährt hat, auch in Deutschland zum Zweck eines selbstbestimmten Sterbens und nicht nur, wie es dort heißt, zu einer ärztlichen „Behandlung" verwendet werden darf.

 

Den Gesetzesvorschlag im Volltext ist auf der Webseite der DGHS nachzulesen.

 

(SRK)


 
17.09.2020

Von: (SRK)




Siegfried R. Krebs: Neue Humanismus-Anthologie erschienen


krebsth__ringenWEIMAR. (fgw) Eine jetzt von Siegfried R. Krebs in der edition Spinoza im Verlag freiheitsbaum vorgelegte Anthologie über Freidenkertum, organisierten Humanismus und Laizismus will den Grundstock für entsprechende regional-geschichtliche Untersuchungen für das Gebiet des heutigen Landes Thüringen legen. Mit Auszügen aus dem Vorwort möchte freigeist-weimar auf dieses Buch aufmerksam machen.

 

Eine umfassende Geschichte zum organisierten Humanismus, einschließlich der vielen freireligiösen, freigeistigen, freidenkerischen und laizistischen Strömungen ist noch nicht geschrieben, sieht man von Horst Groschopps Standardwerk „Dissidenten – Freidenkerei und Kultur in Deutschland" ab. Noch mehr fehlen Studien zu regionalen Entwicklungen, das betrifft auch nicht zuletzt Thüringen.

 

Doch Gotha in Thüringen spielte durch das hervorragende organisatorische und publizistische Wirken von Dr. Karl August Specht (1845-1909) eine zentrale Rolle bei der Gründung und Entwicklung des 1881 gegründeten Deutschen Freidenkerbundes. Darüber und über die Anfänge der Proletarischen Freidenker und des daraus hervorgegangenen Deutschen Freidenker-Verbandes geht es in zwei Gastbeiträgen von Waltraud Roth (1932-2011).

 

Seit den 1880er Jahren waren im Deutschen Reich auch etwa 40 freidenkerische Arbeitervereine entstanden, die sich an den Deutschen Freidenkerbund anlehnten, ihm aber in organisatorischer Hinsicht nicht beitraten.

 

Vertreter von zwölf dieser Vereine, von denen allein neun aus Sachsen und den thüringischen Kleinstaaten kamen, trafen sich 1908 im thüringischen Eisenach und gründeten dort am 6. September den Zentralverband Deutscher Freidenker, der sich ab 1911 Zentralverband proletarischer Freidenker und ab 1922 Gemeinschaft Proletarischer Freidenker nannte.

 

Zuvor hatte sich bereits, nach dem Freidenker-Weltkongress in Rom 1904, im Februar 1905 durch Sozialdemokraten in Berlin eine Sterbekasse mit dem Namen Verein der Freidenker für Feuerbestattung gegründet.

 

Seit 1925 gaben die Freidenker für Feuerbestattung das Verbandsorgan Der Freidenker heraus, sie wandten sich damit stärker der Propagierung der weltanschaulichen und kulturpolitischen Vorstellungen des Freidenkertums zu, und schufen so wichtige Voraussetzungen für die Vereinigung mit den Proletarischen Freidenkern. 1927 fand deren Zusammenschluss zum Verband für Freidenkertum und Feuerbestattung statt. 1930 gab sich die Organisation den Namen Deutscher Freidenker-Verband (DFV) und bestätigte Max Sievers als Vorsitzenden.

 

In einer Rezension stellt Siegfried R. Krebs die Programmschrift der Proletarischen Freidenker vor. Diese wurde 1926 von dem in Gotha wirkenden Lebenskundelehrer-Ehepaar Anna und Walter Lindemann verfaßt.

 

In Thüringen wirkten darüber hinaus bis 1933 vielfältige bürgerliche freigeistige Vereine, Komitees und Initiativen; zu erwähnen ist hier insbesondere Ernst Haeckels Deutscher Monistenbund, gegründet in Jena am 11. Januar 1906.

 

Zu erwähnen ist daneben unbedingt auch das sogenannte Weimarer Kartell, das auf einer Weimarer Konferenz am 14. und 15. Dezember 1907 formell beschlossen wurde. Diesem Kartell gehörten u.a. folgende Organisationen an:

 

der Deutsche Monistenbund (gegründet 1906), der Deutsche Bund für Mutterschutz und Sexualreform (gegründet 1904/05), der Deutsche Freidenkerbund (gegründet 1881), die Deutsche Gesellschaft für ethische Kultur (gegründet 1892) und der Bund für weltliche Schule und Moralunterricht.

 

Über die Geschichte der proletarischen Freidenker und über den Kampf um die weltliche Schule im seinerzeit preußischen Erfurt geht es zwei Gastbeiträgen über die 1920er Jahre von Günter Schwade (1929-2010).

 

Der Verfasser geht dann selbst auf den Thüringer Landesverband des Humanistischen Verbandes Deutschland (HVD) und die LAG Laizismus in und bei der Partei Die LINKE ein.

 

Kurz vor dem Ende der Deutschen Demokratischen Republik entstanden in den damaligen Bezirken Erfurt, Gera und Suhl regionale Organisationen des Verbandes der Freidenker (VdF), aus denen dann Anfang der 1990er Jahre der Landesverband Thüringen des Deutschen Freidenker-Verbandes, Sitz Dortmund (DFV) hervorging. Siegfried R. Krebs trat diesem VdF im Jahre 1989 bei. Nach einem Jahr aber verloren sich die Spuren der Organisation in Gera. Erst seit 2008 ist er wieder in humanistischen Organisationen tätig.

 

Ende 2008 gründete sich auf Initiative von Siegfried R. Krebs und Sven Wirzbowitz eine Humanistische Landesgemeinschaft Thüringen, die sich bereits im März 2009 als Thüringer Landesverband des Humanistischen Verbandes Deutschlands konstituierte.

 

Und schließlich riefen der Humanist Siegfried R. Krebs sowie die Freidenker Helga Borchert und Uwe Schenke Anfang 2011 zur Gründung einer Landesarbeitsgemeinschaft Laizismus in und bei der Partei Die LINKE (LAG Laizismus) auf. Diese fand am 10. September 2011 in Erfurt statt. Bereits am 16. Juni 2012 trafen sich in Erfurt dann Vertreter der LAG in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Thüringen und riefen dort die Bundes-arbeitsgemeinschaft Laizismus der Partei DIE LINKE ins Leben.

 

Zu den in die Anthologie aufgenommenen Dokumenten zählt u.a. ein Grundsatzvortrag von Dr. Karl August Specht aus dem Jahre 1881. Darin postuliert er bemerkenswerterweise, daß „die Weltanschauung des Freidenkers der Humanismus ist". Dokumente aus heutiger Zeit sind das Konzept eines Humanistischen Stadtpazierganges durch Weimar sowie die Kooperationsvereinbarung zwischen den Thüringer Humanisten und dem Humanistischen Freidenker-Verband Ostwürttemberg K.d.ö.R. In einem Überblick werden abschließend Daten, Personen, Fakten der Thüringer humanistischen und freidenkerischen Szene vorgestellt.

 

 

(SRK)

 

Siegfried R. Krebs: Freidenkertum, organisierter Humanismus und Laizismus in Thüringen. 108 S. Verlag freiheitsbaum – edition Spinoza. Reutlingen und Heidenheim 2020. 12,00 Euro. ISBN 978-3-922589-77-8.

 

Das Buch kann direkt beim Verlag bestellt werden: ed.spinoza(at)t-online.de

 

 

 

 
16.09.2020

Von: (SRK)
 

 




Repression und Rebellion: Arabische Revolution – was nun


Repression und RebellionRezension von Gerfried Pongratz:

„Der Nahe Osten ist eine Ansammlung gescheiteter Staaten und ungelöster Krisen“ – man sollte davor nicht die Augen verschließen!

Karim El-Gawhary:

„Repression und Rebellion: Arabische Revolution – was nun?“

© Verlag Kremayr & Scheriau, Wien 2020, ISBN 978-3-218-01232-4, 224 Seiten.

„Nun sind die arabischen Verflechtungen des ’Wer mit wem gegen wen’ eigentlich schon kompliziert genug. Aber der Nahe Osten wäre nicht der Nahe Osten, wenn es nicht noch komplizierter ginge“. Der Nahost-Korrespondent verschiedener deutschsprachiger Medien sowie Leiter des ORF-Nahostbüros und Buchautor Karim El-Gawhary legt als einer der besten Kenner der Region eine profunde Analyse der verworrenen Situation nach dem „Arabischen Frühling“ vor: Überaus kenntnisreich, tiefgründig, lebendig, empathisch, großteils aus eigenem Erleben. Untermauert mit Zahlen und wissenschaftlichen Analysen beschreibt er, wo die arabische Welt derzeit steht: „Wirtschaftliche und soziale Fragen bleiben völlig ungelöst, vielerorts ist es nur ein brutaler Repressionsapparat, der für Ruhe sorgt. Und nun setzt sich auf das Ganze noch die Krise der Corona-Pandemie, deren wirtschaftliche und soziale Auswirkungen alle Widersprüche noch verschärfen werden“.

 

Als Korrespondent verbringt El-Gawhary einen guten Teil seiner Zeit damit, die Verflechtungen der komplizierten nahöstlichen Gemengelage zu verstehen. Das Buch beschreibt die letzten zehn Jahre eines langfristigen Prozesses und erläutert dabei auch, „warum die Politik Europas in der Region mit dem ’Hashtag #fail’ charakterisiert werden kann“. Es beschreibt, wie vor allem jüngere Menschen eines Systems überdrüssig geworden sind, das die Religionszugehörigkeit in den Mittelpunkt der Politik stellt und sie gegeneinander aufhetze. Es beleuchtet die sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen, in denen die Mehrheit lebt, ohne Mitspracherecht regiert wird und es erhebt die Frage, ob der Islam, die Religion, hauptsächlich an der Misere der arabischen Welt schuld sei. Letzteres zu behaupten sei in Mode gekommen, für El-Gawhary ist es jedoch „das unselige arabische Dreigespann Armut, Ungleichheit, und Machtlosigkeit, das Menschen zu stillschweigenden Besiegten, brutalen Terroristen oder verzweifelten Flüchtlingen macht, oder sie, wie in letzter Zeit wieder vermehrt, voller Wut und Leidenschaft mutig auf die Barrikaden steigen lässt“.

 

Repression funktioniert zwar, sie besitze jedoch ein Ablaufdatum und führe zu Rebellion, wenn die drängendsten Probleme, vor allem der jüngeren Generation, nicht gelöst werden: „Vieles, was ich sehe, ist frustrierend, einiges traurig, anderes macht mich wütend, aber manches ist auch sehr ermutigend…. Zwischen einer alten und einer neuen Ordnung in der arabischen Welt findet ein andauernder Kampf statt, ein Kampf um die Rolle der Religion in der Politik, ein Kampf für mehr soziale Gerechtigkeit, ein Kampf, Millionen Menschen aus ihrer Armut zu holen…. Uns stehen stürmische Zeiten in der arabischen Nachbarschaft bevor“.

 

Karim El-Gawhary beschreibt die Ereignisse der letzten 10 Jahre in der Region, beleuchtet die Einflussnahmen von Europa und den USA mit ihren Auswirkungen und analysiert den in der arabischen Welt stattfindenden Wettstreit zwischen politisch-islamistischen Konzepten auf der einen und der liberalen, säkularen auf der anderen Seite. Am Beispiel von „Ägypten zurück, Tunesien nach vorn“ sind es Überschriften wie „Muslimbrüder versus Militär / Das Gegenbeispiel Tunesien / Ägypten: Das Militär kehrt an die Macht zurück / Willkür und Repression in Ägypten“, die die besprochenen Inhalte verdeutlichen.

 

„Das Aufbäumen der IS-Dschihadisten“ nennt sich ein Kapitel, das von der Entstehung des IS über die Frage, was ihn groß gemacht hat, bis zu „Ist das Ende des IS das Ende des Terrors?“ dessen Schreckensherrschaft beschreibt. El-Gawhary berichtet von persönlicher Augenscheinnahme an vorderster militärischer Front und beantwortet die letztgestellte Frage mit wenig Optimismus: „So lange die gleichen Bedingungen herrschen, die es militanten islamistischen Organisationen leicht machen, neu zu rekrutieren, so lange werden sie nicht aussterben“.

 

Unter „Pax Autocratica: Die Heilige Arabische Allianz“ werden die autokratischen gegenseitigen Unterstützungsaktionen Saudi Arabiens, Ägyptens, der Arabischen Emirate und Bahrains kritisch beleuchtet. Sie sorgten dafür, dass in Ägypten die Muslimbrüder gestürzt und das Militär wieder an die Macht kam, sie handelten insgesamt gemäß dem Dauermantra, dass nur die Autokraten für Stabilität in der Region sorgen könnten (wobei sie die weitgehende Unterstützung durch den Westen fanden). In der Folge kam es zu regionalen Interventionen, die den Jemen und Libyen ins totale Chaos stürzten (und – laut UNO – im Jemen die größte humanitäre Katastrophe der Jetztzeit schafften).

 

„Viele Köche agieren in der Region“, neben den genannten Staaten sind es auch Israel, die Türkei und Iran, die ihre jeweils unterschiedlichen Interessen verfolgen. Tatsache ist, dass sich der Nahe Osten neu ordnet, wobei der westliche Einfluss darauf sehr gering ist. Im Kapitel „#Fail: Europa und die USA“ beschreibt El-Gawhary die z.T. unheilvolle Rolle der USA und „Europas Eiertanz“, der im Wesentlichen das Ziel verfolgt: „Haltet uns die Flüchtlinge vom Leib“. Ein großer Teil der dafür aufgewendeten Gelder verschwindet dabei in einem Netzwerk aus Milizionären, Menschenschmugglern und Mitgliedern der Küstenwache.

 

Dem Thema „Armut, Ungleichheit und Machtlosigkeit“ ist ein großes Kapitel gewidmet. Nach einer fundierten Meinungsumfrage im Jahr 2019 wollen in sechs von elf untersuchten Ländern zwischen 50 und 70% der jungen Menschen auswandern. Nach der „Arabellion 2011“ wurde Armut und „Ausgeschlossensein“ in vielen Ländern zur Norm, nach dem globalen Armuts-Bericht der UNDP gelten 65 Millionen Menschen der arabischen Welt als extrem arm. Zusätzlich ist es Ungleichheit, die extrem belastet; 64% aller Einkommen der Region fließen zu den obersten 10% der Top-Verdiener, Korruption und Vetternwirtschaft sind die Regel. Dazu gesellt sich noch die „demografische Zeitbombe“; 1990 umfasste die Bevölkerung der Arabischen Liga 220 Millionen Menschen, heute sind es 420 Millionen, davon 60% im Alter von unter 30 Jahren. Die Arbeitslosigkeit auch sehr gut ausgebildeter Jugendlicher liegt bei 30 – 40%, ihre Machtlosigkeit wird ihnen täglich vor Augen geführt. Bemerkenswerterweise stimmen 2/3 der Jugendlichen der Aussage zu, dass Religion in ihrer Gesellschaft eine zu große Rolle spiele und mit religiösen Sprüchen wie „Der Islam ist die Lösung“ kein Staat zu machen sei.

 

„Arabellion 2.0: Der Aufstand geht weiter“ nennt sich ein Kapitel, das die Vorgänge im Sudan, Algerien, Libanon und Irak beleuchtet (der Bürgerkrieg in Syrien wird im Buch nur gestreift und der palästinensisch-israelische Konflikt wird ausgespart, sie würden „eine eigene Erzählung benötigen“). Als Fazit sei festzustellen, dass keine dieser vier Aufstandsbewegungen ihr Ziel erreicht hat. Aus den Fehlern der arabischen Aufstände von 2011 habe man allerdings gelernt; es resultieren daraus fünf im Buch ausführlich dargelegte Lektionen. Auch die Autokraten haben dazugelernt, wie sie Aufstände und Veränderungswünsche besser unterdrücken können: „Die entscheidende Frage wird nun sein: Wer lernt schneller – die Repression oder die Rebellion?“

 

„I can’t breathe: Ein arabischer Ausblick in der Corona-Krise“ beschließt das Buch. „Die Zeichen in der Nahost-Region stehen auf Sturm“ – „Es ist ein scheinbar düsteres Fazit, das ein Jahrzehnt nach dem Aufstand gegen die arabischen Diktatoren gezogen werden muss“. Europa und die arabische Welt sind in einer Schicksalsgemeinschaft miteinander verbunden und es wird im zukünftigen Verhältnis der beiden Weltregionen viel davon abhängen, wie sich Europa selbst politisch weiterentwickelt; ob es die Autokraten weiterhin als Garanten der Stabilität, als Partner im Antiterrorkampf und als Flüchtlingsbremser, oder als Despoten als eigentliche Quelle arabischer Instabilität, die auch Europa bedroht, sieht. „Es ist eine Zeit, die viele Fragen aufwirft, ohne dass wir im Moment die Antworten kennen…. Waren die letzten zehn Jahre nach der ersten Arabellion eine turbulente Zeit, werden die nächsten Jahre in der Region stürmisch werden…. Der Wettlauf zwischen arabischer Repression und arabischer Rebellion wird weitergehen, brutal und leidenschaftlich, rücksichtslos und stur“.

 

Mit „Repression und Rebellion“ legt Karim El-Gawhary ein Buch vor, das eine Pflichtlektüre für Nahost-Interessierte bilden sollte. Die arabischen Länder betraten nach den Aufständen gegen ihre Despoten politisches Neuland, das sie zunächst in politisches und gesellschaftliches Chaos stürzte. Die Herausforderungen lauteten: Wie können die alten, verkrusteten staatlichen Strukturen aufgebrochen werden? Wie können das „Dreigestirn“ Armut, Ungleichheit, und Machtlosigkeit überwunden werden? Welche Rolle soll die Religion in Staat und Politik einnehmen? Der Autor, der auch studierter Islam- und Politikwissenschaftler ist, weist im Buch mehrmals darauf hin, dass es seiner Ansicht nach nicht die Religion, sondern dieses „Dreigestirn“ sei, das die Miseren und Dilemmata der arabischen Welt begründe (und bleibt dabei die Antwort auf die Frage schuldig, wie sehr der Islam dieses „Dreigestirn“ mitbegründet).

 

„Dieses Buch ist der Versuch, das große Ganze dieses Wandels zu erfassen… Deshalb beschreibe ich diesen Prozess mal aus dem analytischen Weitwinkel und mal anhand von Reportagen, die in die Lebenswelt der Menschen hineinzoomen“. Mit sehr eindrucksvollen authentischen Schilderungen auch anhand persönlicher, z.T. dramatischer Erlebnisse beschreibt Karim El-Gawhary die Vorgänge in der arabischen Welt, Berichte der internationalen Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch ergänzen seine Ausführungen. „ Der Nahe Osten ist eine Ansammlung gescheiteter Staaten und ungelöster Krisen“; die Probleme, das Leid, die Not, die kriegerischen Vorgänge und last not least die Flüchtlingsproblematik sind atemraubend und zutiefst deprimierend – man sollte davor nicht die Augen verschließen!

 

 

Gerfried Pongratz 9/2020




Papst nennt Vergnügen an Essen und Sex "göttlich"


VöllereiWieder einmal hat es Papst Franziskus geschafft, viele Katholiken zu überraschen: In einem Interview mit einem italienischen Schriftsteller offenbart der Heilige Vater seine Meinung zu Sex und Essen.
Die Freuden gut gekochten Essens und liebevollen Geschlechtsverkehrs seien "göttlich", schreibt das Oberhaupt der katholischen Kirche im "Terrafutura", einem vor kurzem veröffentlichten Interviewbuch von Carlo Petrini, dem Gründer der "Slow Food"-Bewegung.
Er sagt sogar, die Kirche habe gutes Essen und Sex in "übereifriger Moral" fälschlicherweise als Laster verurteilt. Das sei eine "falsche Interpretation der christlichen Botschaft". Diese Ansichten haben enormen Schaden angerichtet, der auch heute noch stark zu spüren sei, so Franziskus.

Sexuelles Vergnügen macht die Liebe schöner
"Das Vergnügen des Essens ist dazu da, dich durch das Essen gesund zu halten, so wie das sexuelle Vergnügen dazu da ist, die Liebe schöner zu machen und den Fortbestand der Spezies zu garantieren", schreibt der Pontifex, wie der irische öffentlich-rechtliche Sender RTÉ berichtete.
Darin betont er: "Das Vergnügen kommt direkt von Gott, es ist weder katholisch noch christlich noch irgendetwas anderes, es ist einfach göttlich".

Anmerkung atheisten-info: Der Sex kommt nicht von Gott, sondern von der Evolution, weil eine Vermehrung, die Vergnügen bereitet, ist erfolgreicher! Aber immerhin, die Laster & Sünden der Wollust und der Völlerei abzuschaffen, das ist eine päpstliche Leistung!

Hier die lasterhaften Charaktereigenschaften die zu den sieben katholischen Todsünden führen:
1. Superbia – Hochmut (Stolz, Eitelkeit, Übermut)
2. Avaritia – Geiz (Habgier, Habsucht)
3. Luxuria – Wollust (Ausschweifung, Genusssucht, Begehren, Unkeuschheit)
4. Ira – Zorn (Jähzorn, Wut, Rachsucht)
5. Gula – Völlerei (Gefräßigkeit, Maßlosigkeit, Unmäßigkeit, Selbstsucht)
6. Invidia – Neid (Eifersucht, Missgunst)
7. Acedia – Faulheit (Feigheit, Ignoranz, Überdruss, Trägheit des Herzens)

Wikipedia: Mit Todsünde (lateinisch peccatum mortiferum oder mortale) werden in der katholischen Kirche besonders schwerwiegende Arten der Sünde bezeichnet, durch die der Mensch die Gemeinschaft mit Gott bewusst und willentlich verlässt.

Jetzt sind's nur noch fünf Todsünden, denn Völlerei und Wollust sind päpstlicherweise göttlich geworden!

 




Rechtsradikale Türkeistämmige


SchweigefuchsAussendung von Hartmut Krauss vom 10.9.2020:

Wie die Grauen Wölfe in NRW Parteien unterwandern

Wie scheinheilig der (parteien-)staatliche "Kampf gegen den Rechtsextremismus" ist, der sich nur auf die (kleinere) Teilmenge des einheimischen Sektors bezieht, aber den zugewanderten Rechtsextremismus islamisch-orientalischer Prägung unterbelichtet lässt (Unsitte der Doppelstandards), zeigt das SWR-Video unten:

Rechtsradikale Türkeistämmige: Wie die Grauen Wölfe in NRW Parteien unterwandern. Am Sonntag werden in Nordrhein-Westfalen Kommunal- und Integrationsräte gewählt. Welche Rolle spielen dabei die rechtsextremen Grauen Wölfe?

Der aussagekräftige Schwur der "Föderation der Demokratischen Türkischen Idealistenvereine in Europa", der die Synthese von Nationalismus, neo-osmanischem Imperialismus und Islam dokumentiert, lautet nach einer Arbeitsübersetzung des baden-württembergischen Landesamtes für Verfassungsschutz folgendermaßen:
"Bei Allah, dem Koran, dem Vaterland, der Fahne wird geschworen: Meine Märtyrer, meine Frontkämpfer sollen sicher sein: Wir, die idealistische türkische Jugend, werden unseren Kampf gegen Kommunismus, Kapitalismus, Faschismus und jegliche Art von Imperialismus fortführen. Unser Kampf geht bis zum letzten Mann, bis zum letzten Atemzug, bis zum letzten Tropfen Blut. Unser Kampf geht weiter, bis die nationalistische Türkei, bis Turan*) erreicht ist. Wir, die idealistische türkische Jugend, werden nicht zurückschrecken, nicht wanken, sondern wir werden (unsere Ziele) erreichen, erreichen, erreichen. Möge Allah die Türken schützen und erhöhen. Amen."
*) Im Streben nach "Turan", der zentralasiatischen Urheimat der Türken, konkretisieren sich die pantürkischen Ziele der "Idealisten", die sämtliche türkischstämmigen Völker Asiens in einem großtürkischen Reich vereinigt sehen möchten…

Siehe SWR-Report – Teil 1  und Teil 2




Über den Kampf für „Weltliche Schulen“ und Lebenskunde


Weltliche SchulenWEIMAR. (fgw) In Artikel 7 (3) des Grundgesetzes (GG) für die Bundesrepublik Deutschland heißt es: „Der Religionsunterricht ist in den öffentlichen Schulen mit Ausnahme der bekenntnisfreien Schulen ordentliches Lehrfach.“ Mit diesem Passus findet der Art. 149 der „Weimarer Reichsverfassung“ (WRV) vom 11. August 1919 („Der Religionsunterricht ist ordentliches Lehrfach der Schulen mit Ausnahme der bekenntnisfreien (weltlichen) Schulen.“) seine Übernahme ins GG.

 

 

Die in der WRV erstmals erwähnten bekenntnisfreien (weltlichen) Schulen führten seinerzeit auch dazu, daß ab 15. Mai 1920 an ihnen kein Religionsunterricht mehr erteilt wurde. Stattdessen wurde dort häufig „Lebenskunde" unterrichtet. Das blieb so bis zur Machtübertragung an die NSDAP – den deutschen Faschismus – im Jahre 1933.

 

Mit diesen historischen Daten und den Stichworten „bekenntnisfreie und weltliche Schule" sowie „Lebenskunde" befaßt sich Horst Groschopp im achten Band seiner Reihe Humanismusperspektiven. Und das ist beileibe kein abgehaktes Geschichtsthema, sondern überaus aktuell. Denn nach wie vor ist der Grundsatz „Trennung der Schule von der Kirche" auch 100 Jahre nach Verabschiedung der WRV nicht real verwirklicht worden. Denn nach wie vor gelten in fast allen Bundesländern öffentliche Schulen mit konfessionellem christlichen Religionsunterricht als die „Regelschule". Und das, obwohl heuer nur noch eine Minderheit der Schüler christlichen Glaubens ist… Aber alle Vorstöße gegen diesen „alten Zopf" werden nicht nur von Klerikern, sondern von Politikern aller Couleur mit Vehemenz und raffinierter Rabulistik abgeblockt.

 

Diese unendliche – und überaus spannende Geschichte – wird von Horst Groschopp in seinem neuestem Buch in fünf Kapiteln erzählt. Ergänzt durch 19 überaus interessante Dokumente und eine rund 20 Seiten lange Bibliographie zu „weltliche Schule" und „Lebenskunde".

 

Groschopp widmet sich ausführlich Begrifflichkeiten, wie „bekenntnisfrei" und „weltlich", und wie diese stets und ständig anders interpretiert wurden und noch werden. Er verweist darauf, daß es sich bei Schulen, die in den 1920er Jahren so bezeichnet wurden, um au ch so benannte „Sammelschulen" handelte. In solchen Schulen wurden all die Kinder und Jugendlichen „gesammelt" die durch ihre Eltern vom Religionsunterricht abgemeldet waren. Für diese Schüler gab es dann „Lebenskunde-Unterricht", wobei auch dieses Fach unterschiedlich interpretiert und angelegt war. Hie als „Moral-Unterricht", dort eher als „Gesellschaftskunde".

 

Groschopp benennt die wichtigsten Akteure im Kampf für eine religionsfreie Schule im wilhelminischen Reich, während der Revolutionsjahre 1918/1919 sowie in den Jahren 1920 bis 1933. Ausführlich geht er auf entsprechende Organisationen, auf Schulreformer wie Rudolph Penzig sowie auf handelnde Politiker wie Adolph Hoffmann und Konrad Haenisch (beide Preußen) oder Max Greil (Thüringen) ein.

 

Aufgrund der politischen Mehrheitsverhältnisse kam nach 1919 nicht nur kein Reichsschulgesetz zustande, sondern alle „Neuerungen" im Schultyp blieben nur umstrittene und mit übler Rabulistik bekämpfte Notlösungen. So konnte sich im Bildungswesen der Föderalismus, die bürokratische und kirchenfreundliche „Kleinstaaterei", etablieren und bis heute sogar noch expandieren.

 

Nach der Machtübergabe an die Nazis lösten diese sofort die bisherigen „Sammelschulen", „weltlichen / bekenntnisfreien Schulen" auf und führten umgehend wieder den pflichtigen Religionsunterricht ein. Mit der Niederlage des faschistischen Deutschland im II. Weltkrieg und der Gründung zweier deutscher Staaten entwickelte sich nach 1945 das Schulwesen in West und Ost konträr. Im Westen blieb es bei der christlich-konfessionellen Regelschule, während im Osten die Trennung der Schule von der Kirche durchgesetzt wurde. Religiös gebundenen Kindern und Jugendlichen wurde aber durchaus Religionsunterricht – die „Christenlehre", jedoch auf freiwilliger Basis und außerhalb der Schule in kircheneigenen Räumen erteilt und war auch nicht zeugnisrelevant. Dafür fand aber der freidenkerische, schulreformerische Lebenskundeunterricht keine Wiederbelebung. Das Fach Staatsbürgerkunde hatte damit nur wenig zu tun. Aber all das war nach 1990 für die herrschende bundesdeutsche Politik Anlaß, dem Osten sofort westdeutsche Zustände aufzunötigen. Groschopp geht aber auch Westberliner Besonderheiten ein, wo es den Freidenkern durchaus gelang „Lebenskunde" als Weltanschauungsfach zu etablieren. Nicht unerwähnt bleibt außerdem, daß die Nazis ebenfalls ein „Lebenskunde" genanntes Schulfach einführten, daß jedoch biologistisch-rassistisch angelegt war.

 

Groschopp schreibt über all diese Konzepte, Ereignisse und Kämpfe überaus detailreich, so daß es schier unmöglich ist, hieraus zu zitieren. Seine Ausführungen und auch die Dokumente sind aber eine gute Handreichung für uns Heutige, für eine Weltlichkeit der Schule und für einen alle Schüler erfassenden lebens- und religionenkundlichen, ethischen Unterricht zu kämpfen.

 

Für den Rezensenten sind zwei der Dokumente (15 und 19) von besonderem Interesse. Zum einen Carl Theils Artikel aus dem Jahre 1932 „Zum Lebenskundeunterricht in Thüringen" (S. 243-260). Hierin geht er kurz auf die „Thüringer Gemeinschaftsschule", auf die „weltliche Schule" und auf die Geschichte des lebenskundlichen Unterrichts ein. Und fährt dann ausführlich fort mit den „Bestimmungen und Aufgaben des lebenskundlichen Unterrichts" und seine Stellung im Rahmen der Gemeinschaftsschule. Daran schließt sich ein detaillierter Stoffplan für das Fach Lebenskunde an. Dieser nahezu 90 Jahre alte Stoffplan ist übrigens derart tiefgehend und strukturell sogar noch aktuell, so daß er durchaus für heutige bildungspolitische Innovationen die Grundlage bilden könnte.

 

Und Theils Artikel ist auch noch sehr aufschlußreich, schreibt er doch, daß das vom Sozialdemokraten Max Greil in der ersten Hälfte der 1920er Jahre geführte Bildungsministerium bezüglich des Lebenskundeunterrichts in der „Gemeinschaft proletarischer Freidenker, Wirtschaftsgebiet Thüringen K.d.ö.R." einen Verhandlungspartner hatte. Dies ist einer der wenigen Belege dafür, daß die Freidenker in Thüringen (konkret die Vorläuferorganisation des Deutschen Freidenkerverbandes – DFV) den Körperschaftsstatus erhalten hatten. Was übrigens unter den folgenden bürgerlich-nazistischen Landesregierungen rückgängig gemacht wurde.

 

Von besonderem Interesse ist außerdem das Dokument 19, die Ausführungen von Andreas Goeschen „Aktuelle Rechtslage betreffend 'bekenntnisfreie (weltliche) Schule'" (S. 283-286). Zwar ein juristischer Fachtext, aber dennoch verständlich. Gerade Laizisten sollten sich mit diesem Text eingehend befassen, um juristisch fundiert ihre Forderungen vortragen zu können. Daher soll aus diesem doch zitiert werden.

 

Goeschen schreibt u.a.:

 

»Danach bietet das Grundgesetz nicht nur Platz für private bekenntnisfreie Volksschulen, deren Hintergrund ein nichtreligiöses weltanschauliches Bekenntnis ist, sondern auch für solche privaten Volksschulen, die bekenntnisfrei weil religionsfrei weil weltlich sind.

 

 

Im Ergebnis bedeutet dies, daß private Volksschulen in bekenntnisfreier (weltlicher) Form entsprechend Art. 7 Abs. 5 Alt. 2 GG überall dort zuzulassen sind, wo öffentliche Volksschulen dieser Art nicht bestehen. (…) kann somit festgestellt, daß abgesehen von den genannten Ausnahmen [Berlin, Brandenburg, Bremen; SRK], die öffentlichen Volksschulen in den Ländern der Bundesrepublik keine bekenntnisfreien (weltlichen) Schulen sind und daher private Volksschulen in bekenntnisfreier (weltlicher) Form zuzulassen sind, also Schulen, die nur eine Voraussetzung erfüllen müssen, nämlich religionsfrei zu sein.«

 

Zum Verständnis: Private Schulen sind aber nicht unbedingt Schulen, die auf privatkapitalistischer Basis betrieben werden, sondern sämtliche Schulen in sogenannter freier Trägerschaft werden darunter erfaßt. Natürlich wäre es einfacher, das Problem politisch zu lösen, indem z.B. die Landesparlamente die öffentlichen (staatlichen) Schulen per Gesetz zu bekenntnisfreien Schulen erklären…

 

Der Rezensent kann das vorliegende Buch aus der Reihe Humanismusperspektiven nicht nur allen organisierten Humanisten, Freidenkern und Laizisten empfehlen. Mehr noch sollte es in die Hände – und der Inhalt in die Köpfe – von Bildungspolitikern und Schulreformern gelangen. Ist es doch für alle eine gute Anleitung zum Nachdenken und Handeln im Interesse der nachwachsenden Generationen. Nicht separierende religiöse Indoktrinierung von Untertanen ist nötig, sondern eine humanistisch-universelle, integrierende Aufklärung, verbunden mit der Anleitung zum Selber-Denken.

 

 

 

Siegfried R. Krebs

 

 

 

Horst Groschopp: Weltliche Schule und Lebenskunde. Dokumente und Texte zur Hundertjahrfeier ihrer praktischen Innovation 1920. Bd. 8 der Reihe Humanismusperspektiven. 294 S.m.Abb. Taschenbuch. Alibri-Verlag. Aschaffenburg 2020. 28,00 Euro. ISBN 978-3-86569-219-1

 

http://www.freigeist-weimar.de/beitragsanzeige/ueber-den-kampf-fuer-weltliche-schulen-und-lebenskunde/?fbclid=IwAR2uAA9ZHVdusw_tVGx0wE4P0w5EdoeMPbdi2uNRO9u5m5yGk6E7blrqcqY




Unbefugte Bildaufnahmen


Erinnern1973_04092020"Upskirting" wird strafbar. Eingebrachte Strafgesetzänderung:
§120a. (1) Wer absichtlich eine Bildaufnahme der Genitalien, der Schamgegend, des Gesäßes, der weiblichen Brust oder der diese Körperstellen bedeckenden Unterwäsche einer anderen Person, die diese Bereiche durch Bekleidung oder vergleichbare Textilien gegen Anblick geschützt hat oder sich in einem gegen Einblick besonders geschützten Raum befindet, ohne deren Einwilligung herstellt, ist mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bis zu 720 Tagessätzen zu bestrafen.
(2) Ebenso ist zu bestrafen, wer eine durch eine Tat nach Abs. 1 hergestellte Bildaufnahme einem Dritten zugänglich macht oder veröffentlicht.

Am 4.9.2020 lief in der Sendung "Oberösterreich heute" wie immer freitags der Clip "Erinnern Sie sich?", Dabei ging es diesmal um einen Bericht über die Schuhmode von 1973, damals waren Damenschuhe mit hohen Absätzen modern, Ärzte warnten wegen Sturzgefahren davor.

Als Titelbild ein Screenshot aus dem TV-Bericht von 1973:

Das wird demnächst verboten! Von unten fotografierte oder gefilmte Unterwäsche!

Hier eine Vergrößerung:

Wer das nach der Strafgesetzänderung macht, dem kann das Freiheitsstrafen bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafen bis zu 720 Tagessätzen einbringen!

Aber am 4.9.2020 war es weder dem ORF, noch meinemeinem verboten, sowas zu zeigen! Was wird als nächstes kommen? Verbote von Minis wäre das Minderste! Weil wie man oben sieht, kann man ja bei kurz berockten Stiegengeherinnen die Unterwäsche sehen! Da müssten sich doch auch Damen strafbar machen, die solche Anblicke anbieten. Ändert die Gesetzesänderung! Alles wieder verdecken!

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).

 




Prophezeiungen über Coronatote!


Colleagues in the office practicing alternative greeting for safety and protection during COVID-19

Colleagues in the office practicing alternative greeting for safety and protection during COVID-19

Am 28.6.2020 hatte OE24 gemeldet:

'Ein erneuter Ausbruch in einigen europäischen Ländern ist so gut wie sicher', sagte IHME-Direktor Dr. Christopher Murray. (..)
In seinen ersten Hochrechnungen, in denen verschiedene Maßnahmen zur Kontrolle der COVID-19-Übertragung verglichen werden, prognostiziert das "Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME) an der University of Washington", dass bis zum 1. Oktober 47.924 Menschen (zwischen 46.131 und 50.319) in Großbritannien sterben werden. (..)"

Den Link dazu hat sich meinereiner aufgehoben, schauen wir einmal, wieweit diese Voraussagen schon sind, heute am 30.8.2020, also ca. einen Monat vorm Oktober, gibt es in Großbritannien 41.498 Tote, da werden wohl die fehlenden 6.500 auch noch zu schaffen sein!
Für Italien werden bis zu diesem Datum 41.756 Todesfälle (zwischen 39.437 und 45.773) und für Frankreich 30.391 (zwischen 30.175 und 30.705) vorhergesagt. Die Prognose für die Türkei lautet insgesamt 29.895 Todesfälle (zwischen 9.868 und 117.022), wobei Mitte August mit einem erneuten Ausbruch des Virus gerechnet wird. (..)
30.8.2020: Italien: 35.473 / Frankreich: 30.602 / Türkei: 6.284 – Italien könnte sich ausgehen, Frankreich hat das Plansoll jetzt schon erreicht, die Türkei liegt am unteren Rand der Schätzung!

Aber es gab ja damals eine lange Hitparade der Corona-Toten, bei Österreich stand z.B.: 874 (zwischen 714 und 1.630), am 30.8. waren es 733. Da der Zuwachs an Toten im August nur 15 betrug, wird es sich wohl bis Oktober mit den 874 nicht ausgehen. Aber schauen wir einmal die USA an, aber für die USA wurde leider nichts prophezeit!
Schauen wir uns Russland an: 19.105 (zwischen 15.336 und 25.148), dort wird der Plan wohl erfüllt werden, jetzt sind es 17.025!

Nehmen wir Deutschland: 11.555 (zwischen 10.704 und 13.164)  – heute sind es 9.363, schaffen das die Piefke noch? Im August gab's nur 140 Tote, also etwa das Zehnfache von Österreich in der 10x größeren BRD, das wird wohl auch dort nix mehr!
Nehmen wir das recht sterbefreundliche Schweden: 5.754 (zwischen 5.434 und 6.319), da gab's bisher schon 5.821 Tote, weil Schweden war sehr coronaliberal!

Schauen wir uns die umliegenden Länder an, Schweiz: 2.203 (zwischen 2.048 und 2.506), am 30.8. sind es 2.005, die 2.200 wären wohl noch erreichbar, Tschechien: 353 (zwischen 349 und 359), da liegt man mit 421 schon drüber, aber es sind auf die Einwohner gerechnet deutlich weniger als in Österreich (pro Mio. Einwohner 37:81)! Vermutlich macht man dort weniger Ansteckungsreisen auf den Balkan. Sehen wir uns dazu einmal Kroatien an: 1.498 (zwischen 127 und 17.149), das ist eine großzügige Bandbreite, am 30.8. sind es nur 183. Aber man darf wohl die offiziell erhobenen kroatischen Zahlen anzweifeln, weil sonst würden sich ja nicht so viele Urlauber den Coronavirus dort abholen können!

Aber nehmen wir den Rest der österreichischen Umgebung auch noch! Ungarn: 602 (zwischen 588 und 629), 614 hat man dort schon, Slowakei: 29 (zwischen 29 und 29), es sind schon 33, aber das ist ja zur Einwohnerzahl sehr wenig, pro Mio. Einwohner sind das bloß fünf! Aber dort ist man ja mit dem Ausland sehr vorsichtig, im Asylwesen ist z.B. die Slowakei überlegen der Minuseuropameister! Slowenien: 112 (zwischen 112 und 112), da ist man mit 133 schon drüber.

Die weltweite Ausbreitung des Coronavirus ist im August besonders erfolgreich gewesen, der Monatsvergleich von März bis August pro Tag:
Infizierte pro Tag

März 2020: 33.883
April 2020: 101.851
Mai 2020: 95.324
Juni 2020: 143.950
Juli 2020: 231.456
August 2020: 255.240

Die Welt ist also fest im Griff des Coronavirus. Es kommt auf die entsprechende Leistungsfähigkeit der Regierungen und staatlichen Verwaltungen an, die Opferzahlen zu senken, Todesfälle zu vermeiden.

Hier dazu noch zwei Hitparaden mit ausgewählten Staaten:

Diese Auszüge aus einer weltweiten Hitparade aller Corona-Toten bzw. Corona-Infizierten zeigen Österreich auf eher hinteren Plätzen, die USA ziemlich weit vorne, überragender weit hinten ist jeweils China.

Der Coronavirus wird uns weltweit (abgesehen von China) auch erfolgreich ins Jahr 2021 begleiten!

 

 

 




USA: Ungültig getaufter Priester!


Darüber berichtete kath.net am 24.8.2020, es heißt dort konkret: Taufe

"Anfang dieses Monats hatte die Vatikanische Kongregation für die Glaubenslehre eine wichtige 'Lehrmäßige Note' herausgegeben, in der die Kirche auf der ganzen Welt darauf hingewiesen wurde, dass Taufen nicht gültig sind, bei denen ein bestimmtes Wort oder bestimmte Wörter geändert wurden. Insbesondere die Aussage 'Wir taufen dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes' bedeutet nicht das Sakrament der Taufe. Vielmehr müssen die Geistlichen zulassen, dass Jesus durch sie spricht und sagt: 'Ich taufe dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.' Bei dieser Klarstellung wies die Kongregation auf das Zweite Vatikanische Konzil hin, bei dem festgestellt wurde, dass niemand, 'selbst wenn er Priester wäre, nach eigenem Gutdünken in der Liturgie etwas hinzufügen, wegnehmen oder ändern' darf."

Schauen wir uns das biblisch an: In der Bibel steht das unter Matthäus 28,18-20 so: "Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Vollmacht gegeben im Himmel und auf der Erde. 19 Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern; tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes 20 und lehret sie, alles zu halten, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis an der Welt Ende." (nach der historischen Fassung von 1912)

In der Einheitsübersetzung von 2016 lautet diese Stelle jedoch so: "Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Vollmacht gegeben im Himmel und auf der Erde. 19 Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes 20 und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt."

Das ist interessant! Laut Einheitsbibel muss auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes getauft werden! Heißen die Leute dann mit Vornamen "Vater, Sohn, Heiliger Geist"?

Hier der Vers 19 auf Griechisch poreuthentes oun mathêteusate panta tha ethnê baptizontes autous eis to onoma tou Patros kai tou Huiou kai tou Hagiou Pneumatos und Latein: euntes ergo docete omnes gentes baptizantes eos in nomine Patris et Filii et Spiritus Sancti. In beiden Texten steht "im Namen des Vaters…."

Aber um falsche Übersetzungen in der Einheitsbibel ist es nicht gegangen, sondern bloß darum, dass nicht von "wir" getauft werden darf, sondern vom "ich" getauft werden muss! Im weiteren kath.net-Bericht geht es dann darum, dass ein Priester sein Taufvideo sah, den Sprechfehler wahrnahm, sich an seinen Bischof wandte und der veranlasste, dass der Priester neu getauft, gefirmt und auch nochmals zum Priester geweiht werden musste.

Für den katholischen Weg in den Himmel braucht man die Taufe, darum schließt die Stellungnahme des Bischofs so: "Es ist die Pflicht der örtlichen Kirche, dafür zu sorgen, dass jeder, der ihr anvertraut wird, den vollen Nutzen und die Gewissheit hat, die sich aus dem gültigen Empfang der Sakramente ergeben, die uns gegeben wurden, um uns auf dem Weg zum Himmel so sicher wie möglich zu halten."

Zusätzlich lustig ist der Einleitungssatz im Vers 19: "Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern". Aber wenn die Jünger dann gemeinsam als Wir-Gruppe getauft haben, dann waren die Taufen ungültig und die Betroffenen waren gar keine Christen, die in den Himmel kommen durften…

Da ist es wahrlich ein Glück, dass Verstorbene kein ewiges Leben haben, sondern im Zustand der Nichtexistenz sind. Weil Nichtmehrexistierenden kann das ja völlig wurscht sein…

Und meinereiner hat ja nur eine kleine Gaudi dazu gemacht…

 

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).




22.8.: Tag der Apostasie


Apostasie@01D67879Aussendung von Hartmut Krauss vom 22.8.2020:

Der 22. August 2020 wurde  als erster "Tag der Apostasie" von einer internationalen Koalition ex-muslimischer Organisationen ins Leben gerufen.

Apostasie ist der Verzicht oder die Abkehr von der Religion. Sie wird in Afghanistan, Iran, Malaysia, den Malediven, Mauretanien, Katar, Saudi-Arabien, Somalia, den Vereinigten Arabischen Emiraten und im Jemen mit dem Tode bestraft und ist in vielen weiteren Ländern mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit strafbar. In Pakistan wird ein Nichtglauben an Gott nach einem Blasphemiegesetz mit der Todesstrafe geahndet. In Saudi-Arabien wird Atheismus mit Terrorismus gleichgesetzt.

In einigen Ländern ohne Todesstrafe ermorden Islamisten diejenigen, die als Abtrünnige gelten, unter anderem in Bangladesch und in der muslimischen Minderheit Indiens. In vielen Ländern, wie z.B. in Europa und Nordamerika, können Abtrünnige mit Drohungen, Missachtung und Gewalt aus Gründen der "Ehre" konfrontiert werden, auch von ihren Familien. Auch Personen mit orthodoxem jüdischem, christlichem, hinduistischem und anderem Hintergrund können wegen ihres Glaubensabfalls mit Ablehnung und Gewalt konfrontiert werden.

Der 22. August wird als Tag des Glaubensabfalls gewählt, weil er der UNO-Tag zum Gedenken an die Opfer von Gewalttaten aufgrund von Religion oder Glauben ist. Darüber hinaus markiert der späte August den Beginn einer zweiten Welle von Massenhinrichtungen von Abtrünnigen im Iran im Jahr 1988 nach kurzen "Prozessen". Tausende, die auf Fragen wie "Sind Sie Muslim?", "Glauben Sie an Allah?", "Ist der Heilige Koran das Wort Allahs?", "Akzeptieren Sie den Heiligen Muhammad als Siegel der Propheten?", "Fasten Sie im Ramadan?", "Beten Sie und lesen Sie den Heiligen Koran?" negativ antworteten, wurden kurzerhand hingerichtet.

An diesem neu eingeführten Tag der Apostasie erneuern wir die Aufrufe für
• das Gedenken an die Opfer der Apostasiegesetze
• ein Ende der Kriminalisierung und der Todesstrafe für Apostasie in Ländern mit islamischem Recht
• ein Ende der Missachtung, der Drohungen und der "ehr"-bezogenen Gewalt für die Familien von Abtrünnigen
• Bekräftigung der Gedanken-, Gewissens• und Glaubensfreiheit sowie der Meinungs- und Ausdrucksfreiheit in Übereinstimmung mit der Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen (Artikel 18 & 19).

Hier kann man diese Petition unterzeichnen!

 

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).




Aktuelle Herausforderungen für die Zukunft Europas


Albayati092015Neues Buch von Dr. Amer Albayati:

Europa braucht echte Loyalität ohne Einfluss aus dem Ausland – Wir sollten Sicherheit und sozialen Frieden in Europa bewahren

Das neue Buch von Dr. Amer Albayati "Aktuelle Herausforderungen für die Zukunft Europas" (ISBN: 978-3-904123-44-0), ist am 17.8.2020 als elektronisches Buch bei Amazon.com erschienen, später folgt auch Printversion. Es beinhaltet das Konzept in kurzen und bündigen Beiträge, weil man im Zeitalter des Internets und der sozialen Netze eine Flut von Information bekommt, die Menschen haben kaum noch Zeit, lange Texte zu lesen, darum ist es das Konzept, viele wichtige und aktuelle Schwerpunkte in Europa kurz und bündig zu präsentieren.

Dr. Albayati hat als 18-Jähriger vor 60 Jahre als Journalist für internationale Medien in Europa zu arbeiten begonnen, sein Ziel ist es nicht, Geld zu verdienen oder die Aufmerksamkeit der Medien zu erreichen, er will seine progressive Haltung in Europa und für Europa bewahren, ohne Profit oder Eigenwerbung zu betreiben, nur wegen seiner Liebe zu allen positiven Menschen in Europa.

Er hat wiederholt bekräftigt, allgemein "Hass und Hetze" gegen Religionen, vor allem gegen Christen, Juden und Israel, Menschen anderer Herkunft, gegen anders Denkende und mit anderen Veranlagungen zu stoppen und vollen Respekt und friedliches Miteinander zu praktizieren, um Probleme und Gegensätze in Europa zu vermeiden.

Der Corona-Virus hat in kurzer Zeit gezeigt, wie schwach wir sind und wie notwendig es ist, Problemlösungen gemeinsam zu implementieren, um in Europa unsere friedliche Zukunft zu realisieren. Europa hat noch viele offene Herausforderungen, nicht nur im Schatten der Corona Pandemie, sondern auch noch überhaupt unbehandelte Herausforderungen, im Rahmen der verfehlten Integration als Dauerbrenner: gewährte allgemeine falsche islamistische Freiheiten, speziell im Bereich der Frauenrechte in Europa, Moscheen mit aggressiven Eroberer-Namen gehören nicht nach Europa und dürfen deshalb nicht sein, brutal-blutige IS-Kämpfer, Ausreißer und Rückkehrer laufen in Europa frei herum, leben unter uns klar gesagt straffrei, wir bleiben auf Dauer in einem gefährlichen Pulverfass sitzen, der Islamunterricht in unseren öffentliche Schulen ist völlig ohne Kontrolle nach europäischen Maßstäben und von unserer Moral und Ethik fern geblieben. Deshalb ist Ethikunterricht für alle, auch für Muslime erforderlich, es gibt keine Trennung zwischen Staat und Religion, aber Muslime in Europa müssen das endlich begreifen, die konservative Islamauslegung ist für unsere Gesellschaft in vieler Hinsicht eine Belastung, islamistische Vereine und Organisation mit Einfluss aus dem Ausland sind in Europa ohne richtige Behandlung gang und gäbe, d.h. sie bilden einen Staat im Staat, predigen frei ohne Kontrolle und keine Verantwortliche will diesen Hass und diese Hetze stoppen.

Die politischen Islamorganisationen und Vereine versuchen ständig unsere Politik und Gesellschaft zu unterwandern, leider wird das weiterhin von bestimmten Politikern und manchen Journalisten entweder geduldet oder sogar unterstützt, das ist ein Skandal ohne gleichen und gehört beendet. Wir wollen, dass Politiker und Journalisten die Unterstützung konservativ-fundamentalistischer Islamisten dubioser Organisationen stoppen. Es gibt viele illegale Moscheen sogar ohne Baupolizei-Genehmigung, es müssen endlich Gesetzesbrecher gestoppt werden.

Im Islam gibt es keine Hierarchie oder Priestertum. Deshalb ist das Islamgesetz in Österreich eine Farce, weil einem konservativ-fundamentalistischen Verein wie der Islamische Glaubensgemeinschaft (IGGÖ) Legitimation verleiht und Einflüsse aus dem Ausland durch Hintertüren erlaubt. Diese Minderheit darf nicht im Namen aller Muslime sprechen, denn viele islamische Konfessionen werden dadurch benachteiligt, sogar durch solch ein falsches Konstrukt diskriminiert.

Das Kopftuch wird im Koran nicht explizit erwähnt und ist bei Kindern überhaupt nicht nötig. Muslime in Europa müssen nicht versuchen, konservativ-fundamentalistische und veraltete Sitten und Gebräuche aus dem Ausland nach Europa zu importieren. Auf die Herkunftsländer gerichtete Satellitenschüssel verursachen ein Vakuum an Wissen was in Europa praktisch geschieht.

Wichtig ist, Muslime müssen loyal zu den Ländern sein, wo sie leben und zu Europa stehen, sonst können sie die Moderne niemals errichten.

Halal-Zertifizierung (Lebensmittel nach islamischer Shariaa) in Europa (für jedes Stückpapier zwischen 5.000 und 20.000 Euro, von großen Firmen werden sogar 30.000 Euro und mehr verlangt) bedeutet höhere Geld-Belastung für den Export-Import aus Europa, und die meisten Einnahmen gehen weltweit in die Milliarden Euro, sowieso zu Gunsten der Muslimbrüder und Organisationen des politischen Islam und Co. Diese falsche Praxis muss geändert werden.

Unsere unermüdlichen Aktivitäten im Sinne eines friedlichen Zusammenlebens mit Moslems, ohne Aufrufe zu Gewalt oder Jihad, ohne Belohnung von Jihad-Gewalt im Paradies, mit allgemeiner Gleichberechtigung von Frauen mit Männern, mit Meinungsfreiheit, Demokratie, Parallelgesellschaften mit Religionsfreiheit verhindern ohne Wenn und Aber bevor es zu spät ist!

Also echte europäische Identität und tatsächliche Loyalität mit dem Europa, wo man ohne Einfluss aus dem Ausland oder politischen Islam-Organisationen lebt, löst viele Probleme und unterstützt unsere Sicherheit und den sozialen Frieden in Europa.

Das neue Buch von Dr. Albayati kann bei Amazon bestellt werden!

 

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).




Studie zu Corona-Folgen in USA


corona-virusBis zu 40 Millionen Mietern droht Räumung

Die US-Wirtschaft steckt infolge der COVID-19-Pandemie in einer schweren Krise. Die Arbeitslosenquote liegt bei zehn Prozent. Einer Studie zufolge steht Millionen Menschen eine Zwangsräumung bevor, weil sie nach dem Verlust ihres Jobs die Miete nicht mehr zahlen können.

Die größte Volkswirtschaft der Welt befindet sich trotz Lockerungen der Corona-Auflagen immer noch in einer schweren Krise. Infolge der COVID-19-Pandemie war die Wirtschaftsleistung in den USA im zweiten Quartal trotz massiver Konjunkturpakete dramatisch eingebrochen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank auf das Jahr gerechnet um 32,9 Prozent – der stärkste Rückgang seit 1947.

Rund 17 Millionen Menschen beziehen derzeit in den USA Arbeitslosengeld
Die Pandemie führte im Land zu Massenarbeitslosigkeit. Allein in den letzten Juli-Wochen stellten nach Angaben des US-Arbeitsministeriums mehr als 1,4 Millionen US-Bürger einen Erstantrag auf Arbeitslosenhilfe. Die Arbeitslosenquote lag im Juli bei gut zehn Prozent. Vor der Pandemie hatte sie noch bei 3,5 Prozent gelegen. Insgesamt rund 17 Millionen Menschen sind derzeit in den USA als Empfänger von Arbeitslosenhilfe der Bundesstaaten registriert. Die Höhe der Beträge ist von Bundesstaat zu Bundesstaat unterschiedlich. In Florida beispielsweise erhalten arbeitslose Erwerbsfähige wöchentlich höchstens 275 Dollar. In New Jersey hingegen sind es höchstens 536 Dollar in der Woche.
Nun zeigt eine Analyse, dass die Jobverluste und die prekäre wirtschaftliche Lage zahlreicher US-Bürger zu massenhafter Obdachlosigkeit im Land führen könnten. Zwischen 30 und 40 Millionen Mietern in den USA droht in den kommenden Monaten eine Zwangsräumung, weil sie ihre Miete nicht mehr zahlen können. Zu diesem Ergebnis kam die Studie einer Gruppe von Forschern renommierter Hochschulen wie dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) und der Universität Princeton. Vor der COVID-19-Pandemie kam es in den USA jährlich zu etwa 3,7 Millionen Zwangsräumungen.
Besonders stark gefährdet sind laut den Wissenschaftlern Angehörige von Minderheiten, darunter Schwarze und Latinos. Nach Angaben der Experten könnten gar bis zu 43 Prozent aller Miethaushalte betroffen sein. Es drohe die "womöglich schwerwiegendste Unterkunftskrise in der Geschichte" des Landes, warnten die Experten. Grundlage für die Analyse waren demnach vor allem Befragungen von Mietern und deren Angaben zu ihrer finanziellen Situation.

Rund 100 Millionen US-Amerikaner leben in Mietimmobilien
Besonders für Immigranten hatte die Pandemie schwere wirtschaftliche Folgen, da sie oft kein Anrecht auf Arbeitslosenhilfe haben. Zudem haben viele keinen geregelten Aufenthaltsstatus und gehen aus Angst vor einer Abschiebung selten rechtlich gegen Zwangsräumungen vor. Rund 100 Millionen US-Amerikaner leben in Mietimmobilien. Ausbleibende Zahlungen drohen auch Immobilienbesitzern, die Schwierigkeiten bekommen könnten, ihre Immobilien-Kredite zu bedienen, warnten die Forscher.
Ein vorübergehendes Verbot von Zwangsräumungen auf Bundesebene für bestimmte Immobilien wegen der Corona-Krise lief Ende Juli aus. Auch in mehreren Bundesstaaten waren ähnliche Regelungen ausgelaufen. Zudem hatten arbeitslose Amerikaner ebenfalls bis Ende Juli zusätzlich zur Arbeitslosenhilfe ihres Bundesstaats noch 600 Dollar pro Woche im Rahmen eines Corona-Rettungspakets der Regierung bekommen. Bislang konnten sich Regierung, Republikaner und Demokraten jedoch nicht auf ein weiteres Konjunkturpaket  einigen.

Trump ordnet Teile eines neuen Corona-Konjunkturpakets per Verfügung an
Nachdem die Verhandlungen im US-Kongress gescheitert waren, ordnete US-Präsident Donald Trump am vergangenen Wochenende Teile eines neuen Corona-Konjunkturpakets per Verfügung an. Dieses sieht bis zu 400 US-Dollar an zusätzlichen Hilfen für Arbeitslose pro Woche bis zum Jahresende, weniger Zwangsräumungen zahlungsunfähiger Mieter und einen Aufschub bei der Zahlung von Sozialversicherungsabgaben vor.
Nach Meinung von Kritikern stehen Teile seiner Verfügungen aber auf sehr dünnem Eis, denn alle Maßnahmen, die neue Finanzmittel erfordern, bedürfen der Zustimmung des US-Kongresses. Dort wären Trumps Republikaner aber auf einen Kompromiss mit den Demokraten angewiesen. Trump will das Problem umgehen, indem er bestehende Mittel umwidmet, zum Teil aus vorigen Konjunkturpaketen und aus eisernen Reserven des Katastrophenschutzes. Trotzdem dürften die Mittel Kritikern zufolge bestenfalls ausreichen, um das zusätzliche Arbeitslosengeld für ein paar Wochen zu zahlen. Zudem wird wohl schon bald gegen Trumps Alleingang geklagt werden.

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).

 




Immanuel Kant *22.4.1724


Da unser Blog, wie schon aus dem Namen hervorgeht, sich in ganz besonderer Weise dem aufgeklärten Wissen verschrieben hat, liegt es nahe, gelegentlich Bezug zu Denkern herzustellen, die dies ebenfalls als Motto ihres Wirkens in der Geistesgeschichte getan haben.

Da trifft es sich gut, dass wir heute – nur fünf Tage nach unserem Start – des Geburtstags eines Mannes gedenken können, der wie kaum ein anderer das kritische Denken einer ganzen Philosophenepoche befruchtet und beeinflusst hat. Es ist hier nicht der Ort, sich mit seinem Hauptwerk, der „Kritik der reinen Vernunft“, philosophisch auseinanderzusetzen, das sei für später vorbehalten, doch möchten wir nicht versäumen, einen großen Aufklärer zu ehren, dem der freie menschliche Geist fernab aller Dogmen und geistigen Beschränkungen das höchste Gut darstellte. Zwei Zitate sollen dies dokumentieren:

 „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere au de! Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung."

"Wer einmal Kritik gekostet hat, den ekelt auf immer alles dogmatische Gewäsche an".

Schwierig vorstellbar, dass dieser Mann immer wieder von den verschiedenen Religionen und Konfessionen als „einer der ihren“ eingespannt wurde und wird. Kaum jemand in seiner Zeit könnte den etablierten Organisationen der religiösen Kulte ferner stehen als dieser Vordenker der geistigen Freiheit.

Mehr biographische Einzelheiten entnehmen Sie bitte http://hpd.de/node/1693




Joe Biden: Gottloser Linksradikaler


BidenUS-Präsident Trump liegt aktuell bei den Meinungsumfragen zur Präsidentenwahl im November 2020 mit Differenzen von fünf bis zehn Prozent hinter seinem Konkurrenten Joe Biden.

Wie der KURIER am 7.8.2020 berichtete, versucht sich Trump nun mit entsprechender göttlicher Hilfe, es heißt dort u.a.: "US-Präsident Donald Trump wirft seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden Gottlosigkeit vor. 'Er folgt einer radikal linken Agenda, er will euch eure Waffen nehmen, er will den zweiten Verfassungszusatz – das Recht auf Waffenbesitz – zerstören, keine Religion, nichts, er will die Bibel verletzen, Gott verletzen', sagte der Republikaner am Donnerstag."

Ja, der Trump selber ist zwar katholisch, aber um die Evangelikalen, also die schlichtweg tief einfältigen religiösen Fundis, die etwa 30 % der US-Wähler ausmachen, muss er sich natürlich kümmern, weil dort kann sich ein Trump die Stimmen der im Geiste Armen holen, für einen Trump sind das die wichtigsten Stimmen, denn er ja passt selber dort genau dazu!

Es gibt in den USA mehr private Schusswaffen als Einwohner, das muss natürlich so bleiben, weil das hat sich schon im Wilden Westen radikal bewährt! Und Gott wird natürlich dem Trump helfen müssen, sonst gibt's einen gottlosen Präsidenten!

Aber warum hilft Gott dem Trump nicht gegen den Corona-Virus?

Hier wieder einmal eine Grafik, sie zeigt die tägliche Vermehrung der Corona-Toten in den USA vom 1.7. bis zum 7.8. 2020:

Die Bögen nach unten zeigen jeweils die Sonntage, am "Tag des Herrn" werden wohl deutlich weniger Totenscheine ausgestellt, das wird dann dienstags und mittwochs abgearbeitet.

Aber schauen wir uns die echten Zahlen der Infizierten, neu Angesteckten und Toten für denselben Zeitraum an:

Man sieht: vom 1.7. bis zum 7.8.hat sich die Zahl der Infizierten beinahe verdoppelt, in Österreich stieg die Zahl nur um rund 20 %! Die Neuangesteckten gehen in den USA nicht zurück, sondern steigen eher, die Toten stiegen um ca. 25 %, in Österreich waren das bloß zwei Prozent.

Man kann also feststellen Bibel, Gott und Schusswaffen helfen den Amerikanern nicht! Und ein Präsident Trump ist ein hochqualifizierter Schadensstifter! Einem als gottloser Linksradikaler Beschimpften würde sowas nicht passieren…

 




Lutherstadt Wittenberg: Judenhass — in Stein gemeißelt


JudensauWEIMAR. (fgw) Anfang Juni haben Demonstranten in der englischen Hafenstadt Bristol die Statue des Sklavenhändlers Edward Colston aus dem 17. Jahrhundert vom Sockel gezerrt und in das Hafenbecken gekippt. Dieser Herr betrieb als Chef der Firma „Royal African Company“ den lukrativen Transport Zehntausender Afrikaner über den Atlantik, damit sie sich in der Karibik und der Kolonie Virginia auf Zuckerplantagen mit gewinnbringender Arbeit zu Tode schuften konnten.

 

(Foto: KHL)

Gegen Sklaverei gab es in den folgenden Jahrhunderten immer wieder Widerstand, Aufruhr und Revolutionen, bei denen – bis heute hin – auch die Denkmäler der Unterdrücker und Herrschenden gestürzt wurden.

 

Von solchen Rebellionen waren stets auch Religion und Kirche betroffen. In Deutschland, während der Bauernkriege in der Reformationszeit, wurden Heiligenbilder und Altäre aus den Gotteshäusern geworfen und zerschlagen – dem sogenannten Bildersturm -, um dem Mummenschanz der verhassten katholischen Kirche ein Ende zu bereiten. Verständlich. Weniger verständlich ist aber, dass sich gleichzeitig unter den gerade eben von der katholischen Kirche schmerzhaft emanzipierten Lutheranern ein bereits zuvor entstandener christlicher Antijudaismus breit machte, der in den folgenden Jahrhunderten immer heftiger wurde. Er nahm Gestalt an in Form von Denkmälern und Schmähfiguren, wie z.B. an der Stadtkirche in Wittenberg. Die an der Ausbeutung und Unterdrückung der christlichen Bauern und Bürger durch die feudale Fürstenherrschaft ganz und gar unschuldigen jüdischen Mitbewohner wurden auch für die neue, protestantische Kirche in Deutschland zum Zielpunkt und „Sündenbock" einer vehementen Diffamierungskampagne. Von dieser anderen – dunklen – Seite der Auseinandersetzung mit Denkmälern soll hier die Rede sein.

 

Katholische Päpste wie Lutheraner gegen die Juden

Die Stadtkirche in der Lutherstadt Wittenberg in Sachsen-Anhalt ist nicht irgendeine evangelische Kirche, sondern – und darauf legt sie selbst großen Wert – sie ist „Mutterkirche der Reformation" und die Predigtkirche Martin Luthers, die Kirche also, „wo alles begann", was protestantische und lutherische Identität seit 1517 ausmacht. Nun war dort, wie in vielen anderen Kirchen in Deutschland, im 13. Jahrhundert ein Relief als eine die Juden bewusst verhöhnende und verspottende Schmähplastik angebracht worden, ganz auf der Linie des in dieser Zeit von der päpstlichen Kirche betriebenen christlichen Antijudaismus. Bevor seit dem 11. Jahrhundert in den Kreuzzügen die Muslime in Jerusalem zu bekämpfen waren, vertrieb und vernichtete die Kirche erst einmal durch zahlreiche Pogrome die Juden im eigenen Land. Und dafür mussten Juden in kirchlicher Propaganda dauerhaft verhöhnt und verspottet werden. Dazu dienten die Wandbilder wie die bis heute hin sogenannte „Judensau". Deren Funktion wurde ungetrübt auch von den Kirchen der Reformation übernommen.

 

Auf dem südöstlichen Flügel der Stadtkirche in Wittenberg befindet sich in mehreren Metern Höhe das Sandsteinrelief, versehen mit dem Schriftzug „Rabini Schem Ha Mphoras". Das Bildnis stammt ursprünglich aus dem Jahre 1290, der besonders schmähvolle Schriftzug wurde im Jahr 1570 angebracht. Das Relief stellt ein Schwein (die sogenannte „Judensau") dar, an dessen Zitzen Menschenkinder säugen, die durch ihre Spitzhüte als Juden identifiziert werden sollen. Eine ebenfalls durch einen Hut als Rabbiner zu erkennender Figur hebt mit der Hand den Schwanz der Sau und blickt ihr in den After. Die Inschrift zitiert wörtlich aus Martin Luthers 1543 veröffentlichten antijudaistischen Schmähschriften „Von den Juden und ihren Lügen" sowie „Vom Schem Hamphoras und vom Geschlecht Christi". Luther selbst erläutert diesen Satz in seiner Schrift: „Hinter der Saw stehet ein Rabin, der hebt der Saw das rechte Bein empor, und mit seiner lincken hand zeucht er den pirtzel uber sich, bückt und kuckt mit grossem vleis der Saw unter dem pirtzel in den Thalmud hinein, als wolt er etwas scharffes und sonderlichs lesen und ersehen."

 

Dies „Denkmal" blieb ungeschoren bis in die nahe Gegenwart. Erst zu DDR-Zeiten 1988 wurde unterhalb des Schmähreliefs eine Bodenplatte installiert, die sich von der Judenverhöhnung und ihren mörderischen Folgen distanziert. „Gottes eigentlicher Name… starb in sechs Millionen Juden unter einem Kreuzeszeichen", heißt es in dem dort angebrachten Text. Doch allein diese, die jüngsten gegen die Juden in aller Welt im Holocaust vollzogenen Verbrechen kommentierende Botschaft, ist bereits theologisch und historisch fragwürdig. Denn im Zusammenhang damit wird auf der Bodenplatte auch der Anfang des Psalms 130 in hebräischer Schrift zitiert – also direkt an die jüdischen Betrachter gerichtet: „Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir. Herr, höre meine Stimme! Lass deine Ohren merken auf die Stimme meines Flehens! Wenn du, Herr, Sünden anrechnen willst – Herr, wer wird bestehen? Denn bei dir ist die Vergebung, dass man dich fürchte." Auschwitz, die Vernichtung von sechs Millionen Juden also verstanden als Folge der Sünden des jüdischen Volkes? Auf diese Weise wird das sogenannte „Mahnmal" leider zu einer modernen Neuauflage der antijüdischen Theologie Martin Luthers.

 

Zu dem großen Reformationsjubiläum 2017 ließ die Wittenberger Kirchengemeinde mit öffentlicher Unterstützung sowohl das mittelalterliche Schmährelief an der Stadtkirche als auch die hinzugefügte Bodenplatte sorgfältig renovieren. Aber sonst blieb alles beim Alten: die Juden waren nicht nur die Schweine, sondern sogar die Sünden-Böcke und Verursacher für den Holocaust selbst. Müsste dieses Relief sachgemäß daher nicht besser als „Luthersau" oder „Kirchensau" benannt werden? Die Gemeindemitglieder der Wittenberger Stadtkirche gedachten nichts zu verändern und hielten mit allen Mitteln an dem Relief fest und bekamen dafür auch viel prominente Unterstützung. Natürlich machte sich dabei niemand die Aussagen über den Antijudaismus dieser Figur unmittelbar zu eigen. Die Verfechter für den Verbleib der Figur ignorierten ganz einfach, dass der einzige Zweck der Kirchensau darin besteht, jüdische Menschen zu kränken und zu verletzen.

 

Forderung nach Abriss des antijüdischen Reliefs

Erfreulicherweise entstand aber bald danach die Forderung nach Abnahme des schmählichen Reliefs. Michael Düllmann, Mitglied einer Berliner jüdischen Gemeinde, klagte gegen den Verbleib des antisemitischen Reliefs. Er fühle sich durch diese Darstellung schlichtweg beleidigt und forderte die Entfernung. Die Debatte wurde so auch über die Kirchengrenzen hinaus in Gang gebracht. Noch einmal wurde der Gemeinde und ihren Sympathisanten damit Gelegenheit gegeben, ihre starre Haltung zu bedenken. Aber nichts dergleichen geschah. Die Kirchengemeinde der Stadtkirche nahm die Wirkung der Schmähskulptur weiterhin billigend in Kauf – obwohl sie sich die beleidigende Wirkung der Schmähskulptur nicht zu Eigen machen wolle – und weigerte sich, sie zu entfernen. Nun wurden theologische und politische Argumente ins Feld geführt, die deutlich eine erschreckende Toleranz für, wenn nicht gar Nähe zu den klassischen und modernen antisemitischen Klischees offenbaren. Obendrein wies der 9. Zivilsenat des Oberlandesgerichts des Landes Sachsen-Anhalt die Klage ab und entschied im Februar 2020: Das Relief bleibt.

 

Anlässlich der Debatte um das Entfernen oder Nicht-Entfernen der Schmähfigur meldete sich in der liberal-protestantischen Monatsschrift „Zeitzeichen" Dr. Stephan Block zu Wort. Er ist der verantwortliche Pastor der Wittenberger Stadtkirchengemeinde, und resonierte darüber, dass der Kläger Michael Düllmann mit seiner Klage die Haltung der Gemeinde „noch verfestigt" habe. Dieser sei für das Festhalten der Kirchengemeinde an der antijüdischen Schmähung mitverantwortlich! Welch ein Vorwurf! Ein Muster des klassischen Antisemitismus: die Juden haben selbst schuld, wenn sie geschmäht und drangsaliert werden. Und schon war es auch nicht mehr weit zur Gleichsetzung von Opfern und Tätern: „Dabei leiden wir genauso unter der Plastik wie der Kläger", so Pastor Block.

 

Wer jetzt denkt, dass die Wittenberger Gemeinde ihr Leiden schnell beenden könnte, muss sich noch einmal belehren lassen: Das Relief sei ein „schwieriger Teil eines Erbes", der aber „nicht verleugnet" werden dürfe. „Nach jüdisch-christlichem Verständnis gibt es keine tadellos perfekte Geschichte. Aber es gibt die Kraft der Vergebung und Versöhnung, die selbst aus Bösem Gutes werden lässt." Eindrucksvoller lässt sich kaum dokumentieren, wie die Aneinanderreihung kirchlicher Floskeln zu blankem Zynismus verkommt. Wohlklingender kann man die jahrtausendalte Judenfeindschaft bis hin zu dem auch von den lutherischen Kirchen unterstützten antisemitischen Vernichtungswahn des Großdeutschen Reiches kaum zusammenfassen. Dazu noch einmal ein kleiner historisch-theologischer Überblick.

 

Die antijüdische christliche Tradition

Judenfeindschaft war und blieb Teil christlicher Identitätsfindung von Anfang an. In Konkurrenz und Abgrenzung zu der seit Jahrhunderten etablierten Religion der Juden im Nahen Orient verfassten alle namhaften frühchristlichen Kirchenväter judenfeindliche Schriften. Die Ablehnung der Juden und ihre Verwerfung durch Gott wurden festes Programm, das die christlichen Gemeinden mehr und mehr übernahmen. Das war für sie in ihren heiligen Schriften der Evangelien und den Briefen der Apostel so festgeschrieben. Diese Grundhaltung steigerte sich noch, als das Christentum im vierten und fünften Jahrhundert zur – ausschließlichen – Staatsreligion avancierte. Ab jetzt zeigte die Judenfeindschaft auch praktische Auswirkungen wie tätliche Übergriffe und Synagogenschändungen. In den verschiedenen Epochen des fast tausendjährigen europäischen Mittelalters trat die Judenfeindschaft in sich veränderten Ausdrucksformen und Zusammenhängen auf. Dabei bildet der Glaubensgegensatz die Basis für eine oft erbitterte soziale Ablehnung.

 

Die jüdischen Heiligen Schriften, das sogenannte Alte Testament, wurde auf Jesus hin als den in diesen Schriften verheißenen Erlöser gelesen. So war es – im Galaterbrief und dem Brief an die Hebräer besonders ausgeprägt – ein zentrales Anliegenden nachzuweisen, dass die Angehörigen des Judentums in ihrer heilgeschichtlichen Sendung durch die Angehörigen des Christentums abgelöst worden seien. Hier ist der Ursprung der in der Geschichte so wirkmächtigen und gleichzeitig fatalen Substitutionslehre zu finden. Sie setzt die christliche Kirche an die Stelle des ursprünglich von Gott erwählten Volkes, für sie gelten nun alle Verheißungen, die nach den Schriften Gott dem Volke Israel gegeben hat. Die Juden – so die christliche Theologie – werden damit nicht nur ihres Bundes mit Gott enterbt, es trifft sie auch die Anschuldigung des Christusmordes: „Diese [Juden] haben sogar den Herrn Jesus getötet und die Propheten und haben auch uns verfolgt. Sie gefallen Gott nicht und sind allen Menschen feind", so im Brief des Paulus an die Thessalonicher 2,15. Und dieser Gottesmordvorwurf sollte im Laufe der christlichen Geschichte die zentrale Argumentationsfigur werden, die die Juden absolut disqualifizierte.

 

Im evangelischen Bereich kann das Beispiel des Reformators Martin Luther (1483 – 1546) als besonders Ekel erregend angesehen werden. Nachdem sich Martin Luther in humanistischer Tradition den hebräischen Schriften zuwandte, um das „Alte Testament" ins Deutsche zu übersetzen, von Juden dafür auch begeisterte Echos erhielt, kippte seine Liebe zur jüdischen Tradition um in blanken Judenhass: denn sie wollten trotz der in der Reformation neu gewonnenen Klarheit des Evangeliums nicht zum Christentum konvertieren. So schrieb er 1543 die schreckliche Schrift „Von den Juden und ihren Lügen", die auch direkte Anleitung zu Gewaltausschreitungen gegen Juden gab: Synagogen anzuzünden, jüdische Häuser abzubrechen, jüdische Bücher wegzunehmen, den Rabbinern unter Androhung der Todesstrafe das Lehren zu verbieten, Juden das Reisen zu untersagen, Juden den Geldhandel zu verbieten, ihr Geld zu enteignen, Juden zu körperlicher Arbeit zu zwingen, Juden des Landes zu verweisen… Luther wirft den Juden vor, dass sie sein christlich-messianisches Denken nicht übernehmen wollten. Er wollte Juden nur dann akzeptieren, wenn sie Christen werden und ihr Juden-Sein aufgeben würden. Er übernahm damit das alte christlich-mittelalterliche Modell der Inquisition: Taufe oder Tod.

 

Martin Luthers Theologie sollte die Welt verändern. Aber am Ende war die Kirche zwar vielfach „reformiert", aber auch in viele verschiedene Konfessionen und „Sekten" gespalten. Allenthalben herrschte Krieg und das Reich Gottes und die Wiederkunft Christi war weiter entfernt als je zuvor. In dieser Situation schiebt Luther am Ende seines Lebens einen Teil der seiner historischen Schuld den Juden zu und fordert penibel dazu auf, wie Christen Juden hassen, ja wie sie Juden Gewalt antun sollen, es sei denn, sie würden sich zum Christentum bekehren.

 

Wie fest diese antijüdischen Stereotypen in der evangelischen Theologie verwurzelt waren, kann man noch am „Darmstädter Wort" von 1948 sehen. Mit diesem Wort wollte der Bruderrat der „Bekennenden Kirche" nach dem Bekanntwerden aller Fakten über die furchtbaren Verbrechen an den europäischen Juden einen Neuanfang versuchen. Es gelang darin aber kaum, die bisherigen Vorurteile und Vorwürfe gegen die Juden zu überwinden. Denn doppeldeutig, ja, anklagend heißt es weiterhin in diesem Wort:

 

„1. Indem Gottes Sohn als Jude geboren wurde, hat die Erwählung und Bestimmung Israels ihre Erfüllung gefunden.

 

2. Indem Israel den Messias kreuzigte, hat es seine Erwählung und Bestimmung verworfen.

 

3. Die Erwählung Israels ist durch und seit Christus auf die Kirche aus allen Völkern … übergegangen.

 

4. Gottes Treue lässt Israel, auch in seiner Untreue und in seiner Verwerfung nicht los. Dass Gottes Gericht Israel in der Verwerfung bis heute nachfolgt, ist Zeichen seiner Langmut."

 

Der Schock über das millionenfache Morden an den Juden hat dazu beigetragen, dass die Vereinten Nationen die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte" (1948) verabschiedeten. Aber auch im Christentum hat sich nach der Schoah, der Vernichtung der Juden, unstreitig ein fundamentaler Wandel im Blick auf die Einstellung zum Judentum vollzogen. Seit den 60er Jahren haben beide großen Kirchen ihre bisherige Einstellung grundlegend korrigiert. Eine völlig neue Theologie des christlich-jüdischen Verhältnisses kommt in der Erklärung des Zweiten Vatikanischen Konzils zum Verhältnis der Kirche zu den nichtjüdischen Religionen unter dem Titel „Nostra Aetate" 1965 zum Ausdruck. Das Herzstück der Erklärung, der Artikel 4, lehnt die Judenfeindschaft mit theologischen Gründen unmissverständlich ab. Zahlreiche weitere Verlautbarungen der katholischen Kirche und evangelischer Kirchen-Synoden veränderten nicht nur das Verhältnis zum Judentum, sondern auch die Theologie und die Kirchen selbst. In allen Erklärungen seither werden religiöser Antijudaismus und politischer Antisemitismus scharf verurteilt. Das soll hier in keiner Weise relativiert werden.

 

Wie aber die konkrete Praxis aussieht, beweist die unschöne und juristisch erfolglose Debatte über den Verbleib des Judenreliefs an der Kirche in Wittenberg ­- sie wird in die nächste Instanz gehen -und auch anderswo. Immerhin gibt es mehr als 30 Kirchen mit solchen Figuren; z.B. am Kölner Dom und an der Nürnberger Kirche St. Sebald. Die antijüdische Geschichte der Evangelisch-Lutherischen Kirche ist längst noch nicht überwunden. Auch bleibt festzuhalten: Die Anti-Jüdische Struktur in den Evangelien und in den Briefen des Neuen Testamentes kann nicht mehr geändert werden. Keiner wird sich wohl dranmachen, die Bibel neu zu schreiben. Jedenfalls ist ein solcher „Evangelist" bisher noch nicht erschienen – und einschlägige Versuche in der Geschichte der Kirche sind immer gescheitert.

 

 

Karl-Helmut Lechner

 

 

 

Quellen:

Werner Bergmann, „Geschichte des Antisemitismus", München, 2016

Oberlandesgericht Naumburg, Urteil vom 04.02.2020,

Az.: 9 U 54/19 – „Judensau" -Sandsteinskulptur an der Stadtkirche Wittenberg darf bleiben

http://www.freigeist-weimar.de/beitragsanzeige/lutherstadt-wittenberg-judenhass-in-stein-gemeisselt/?fbclid=IwAR0j77b1DKeHtfGSj7-Pp_KYgrWu75d3So6tJj46OTdrQKMezE5YDjsiw_k

 




Abgründe


AbgründeRezension von Dr. Gerfried Pongratz:

„Unter die Haut gehende Geschichten, die das Leben schrieb

und neue Verstehenshorizonte öffnen“

Hans Hopf: „Abgründe – Spektakuläre Fälle aus dem Leben eines Psychotherapeuten“

© Klett-Cotta Verlag, Stuttgart, 2020, ISBN 978-3-608-98333-3, 187 Seiten.

 

Ein renommierter deutscher analytischer Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut – dazu auch Supervisor, Gutachter, Dozent, Vortragender, Autor etc. – blickt im 77. Lebensjahr auf seine Arbeit als Psychotherapeut zurück: “In diesem Buch will ich erzählen, was ich therapeutisch erreichen konnte und auch, woran ich gescheitert bin. Es sind Geschichten, die sich mir eingegraben haben, die ich nicht mehr vergessen kann. Gleichzeitig möchte ich ein Loblied auf die heutzutage vielgeschmähte Psychoanalyse singen, die nicht nur Grundlage meines therapeutischen Handelns ist. Sie ist zu einem Teil meines Lebens und meiner Seele geworden“.

 

Es sind Geschichten über Gewalt, Sucht, Tod, Missbrauch – spannend, ergreifend, schockierend, beklemmend, lehrreich -, die Hans Hopf den Lesern erzählt. Sei es das letzte Gespräch mit einem Sterbenden, sei es die Beschreibung von Wiederholungszwängen, von hungernden Kindern in einer Pflegefamilie, von einem jungen Mann, der sich aus Liebeskummer erhängen will, von Anorexie und Mutismus, von Gewalt, Aggression und Vielem mehr. In 22 Kapiteln bietet das Buch tiefe Einblicke in menschliche und seelische Nöte, Ängste, Hoffnungen, auch Abgründe. Es berichtet von Therapieerlebnissen und Therapieergebnissen, die den Autor nicht mehr losließen, die er nicht vergessen konnte. Viele Therapien führten in eine erfreuliche Heilung, einigen Patienten konnte aber nicht wie gewünscht geholfen werden, was manchmal zu Schuldgefühlen beim Therapeuten führte. Hans Hopf berichtet von besonderen Fällen aus seiner psychotherapeutischen Praxis, wobei er mit zusätzlichen Erläuterungen aus psychoanalytischer Sicht den Lesern Einblicke in psychische Vorgänge und ihr Verstehen ermöglicht.

 

Neben den 22 Hauptkapiteln werden in einigen Unterkapiteln auch Problemstellungen und Therapieansätze des jeweiligen Falles behandelt. Beispielweise im Kapitel „Anorexie“ die Unterkapitel „Wie ein schlechtes Gewissen entstehen kann“ sowie „Die psychotherapeutische Behandlung“. Im Kapitel „Wie ein böses Märchen – ein Blick in den Abgrund“ verdeutlicht das Unterkapitel „Können wir das schreckliche Geschehen verstehen?“, wie aus einem Opfer eine Täterin geworden ist und im Kapitel „Gewalt und Aggression“ werden in den Unterkapiteln „Gruppenprozesse“, „Aggression und Autoaggression“ und „Auch das Gewissen wird in die Außenwelt installiert“ Prozesse verdeutlicht, die zeigen, wie Jugendliche mit dissozialen Neigungen dazu verführt werden, z.B. Rockergruppen mit hohem Gewaltpotential als Chance zu sehen, in einer anderen und besseren Familie als der eigenen neu zu beginnen. Bei den Beispielen sind auch Themen und Probleme nicht ausgespart, die sich z.B. aus einer grenzenlosen Verehrung eines Therapeuten, oder einer Therapeutin durch Klienten ergeben können, weiters wird an einem Fallbeispiel erläutert, wie sexuelle Neigungen, die deutlich von der Norm abweichen, zu Leidensdruck bis hin zu inzestuösen Verstrickungen führen können. Wichtige Hinweise fehlen auch nicht zur wichtigen Rolle der Vaterfigur – sowohl für Mädchen und Jungen -deren Nichtexistenz im Erziehungsraum die Ursache vielfältiger Probleme bildet.

 

„Bei aller Genugtuung über manche Heilungserfolge und Begeisterung für die Psychoanalyse ist ein Psychotherapeut auch grenzenlosem Leiden, unerträglichen Spannungen, Aggressionen und Angriffen von verschiedenen Seiten ausgesetzt, manchmal regelrecht ausgeliefert“. Obwohl der Inhalt des Buches diese Aussage (S. 10) nicht direkt thematisiert, wird sie doch bei der Schilderung der Fallbeispiele immer wieder nachfühl- und gut verstehbar. Hans Hopf gelingt es, den Leser, die Leserin nicht nur zu faszinieren, sondern auch in Verstehenshorizonte zu führen, die Nichtfachleuten normalerweise verschlossen bleiben. Uneingeschränkte Leseempfehlung für ein Buch, das unter die Haut gehende spannende Lektüre bietet und dazu viel grundlegendes Wissen vermittelt, und dabei auch eigene Haltungen, die möglicherweise „vom Unbewussten überschwemmt sind“, überdenken lässt!

 

Gerfried Pongratz 8/2020

 

 




Corona beim Nachbarn


Corona AÖsterreich-Corona im Juli 2020

Insgesamt schaute das österreichische Corona-Kurvenbild am 31.7.2020 so aus:

Man sieht es auch auf der Gesamtgraphik, das Zusammensinken der Neuinfektionen mit den Gesundeten hat aufgehört, die Verstorbenen sind fast gleichbleibend, aber die Kranken nehmen sichtbar wieder zu.

Um die Entwicklung genauer zu sehen, hier eine eigene Juli-Graphik:

Aber richtig genau sieht man das an der Tabelle aus der die Graphik gemacht wurde:

Man sieht hier: Nur noch 13 Tote im ganzen Monat, die Gesundeten vermehrten sich um 2.267, die noch Kranken um 977, weil die Neuinfektionen seit 23.7. deutlich über dem Monatsdurchschnitt lagen, in der ersten Monatshälfte lagen 11 Tage nicht über dem Monatsschnitt, in der zweiten Hälfte waren es nur noch 6 Tage. Man hatte offenbar zu voreilig Schutzregeln gesenkt, speziell im Reiseverkehr.

Aber machen wir noch einen Vergleich mit den USA, heruntergerechnet auf die Fälle pro Million Einwohner steht es zwischen USA und Österreich so:

Die USA haben also sechsmal so viele Infizierte wie Österreich und auch sechsmal so viele Tote pro Mio. Einwohner, bei den Nochkranken ist es das Vierzehnfache, was jedoch möglicherweise durch den späteren Infektionsbeginn in den USA mitverursacht wurde, Österreich war um eine Woche früher davon betroffen gewesen…

Man könnte sagen, die österreichische ÖVP-Grün-Regierung ist bezüglich Corona sechsmal besser als die republikanische US-Trump-Herrschaft, aber besser als der Trump zu sein, das ist ja keine so große Kunst, man kann das darum ja auch umgekehrt formulieren, die Trumpregierung ist coronamäßig sechsmal schlechter als die Kurz-Kogler-Regierung…

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).

 




Zwischen Moschee und Moderne - Von Kantomas


Mein Vater und meine Mutter kamen Anfang der siebziger Jahre ins gelobte Land, genannt Deutschland, obwohl es ihnen in der Türkei nicht unbedingt schlecht ging. Ich weiß nicht, wie weit es stimmt, aber angeblich sollen sie mit Trompeten und Posaunen am Bahnhof empfangen worden sein.

Nachdem er einige Jahre bei BMW in München gearbeitet hatte, holte er mich, meinen Bruder und meine ältere Schwester 1978 nach. Ich war acht Jahre alt.

Fast zeitgleich zogen wir nach Hamburg, wo er einen Arbeitsplatz bei Mercedes bekam. Später machte er sich selbständig und machte einen Lebensmittelladen auf. Er war sehr fleißig. Ein Arbeitstier durch und durch. Ein religiöser Mensch, der fünf Mal am Tag betete, genauso wie meine Mutter auch.

Im Laufe der Jahre kamen noch zwei weitere Brüder auf die Welt. Mein Vater sorgte dafür, dass wir genug zu Essen hatten, und meine Mutter war vollauf mit uns beschäftigt. Es war nicht leicht für sie, fünf Kinder groß zu ziehen, zumal es ihr auch an Durchsetzungskraft fehlte. Mein Vater war da anders gestrickt. Eine sehr autoritäre Person. Hin und wieder gab es Prügel, wenn wir unartig waren. Ich denke, anders waren wir auch nicht wirklich in den Griff zu bekommen. Meine Mutter hat er nie geschlagen. Wer das Sagen im Haus hatte, war allerdings unumstritten. Ansonsten kamen sie gut miteinander aus. Es war eine klassische Rollenverteilung.

Wir mussten alle in die Koranschule. Eine Wahl gab es nicht. Wir konnten zwar unseren Unmut darüber ausdrücken, aber eine richtige Wahl gab es nie. Vater hatte im Notfall die "schlagenden" Argumente auf seiner Seite. Ich ging sehr ungern hin. Ich hätte lieber auf der Strasse Fußball gespielt. Die Koranschule war ein großes Kellergeschoss, und im Winter sehr schwer, warm zu halten. Man fror mit 50-100 Kindern stundenlang, und musste Koransuren in arabischer Schrift lesen und auswendig lernen. Man hat nicht verstanden, was man da gelesen hat. Nebenbei gab es auch theoretischen Unterricht.

Diskussionen waren eher die Ausnahme als die Regel. Man könnte in Kurzfassung eigentlich sagen: "Wenn du das und dies tust, kommst du in den Himmel. Wenn du aber dies und jenes tust, wirst du in der Hölle schmoren." Ich ging wirklich ungern hin, und ertrug es eher. Doch diese permanente Indoktrinierung wirkte nach einiger Zeit. Die Angst vor der Hölle, war bei mir größer als die Aussicht auf den Himmel, weil ich es sehr lästig fand, fünf mal am Tag zu beten. Prügel gab es auch zur Genüge, wenn man zu laut war.

Schließlich hatten die Lehrer (Imame) von den meisten Eltern einen Freifahrtschein bekommen. Ich kann mich noch erinnern, wie mein Vater, das erste Mal, als er mich zum Koranunterricht gebracht hatte, zum Hodscha sagte: "Sein Fleisch gehört dir, seine Knochen mir". Oder auf türkisch: "Eti senin, kemigi benim." Damit gibt man dem Hodscha sämtliche Vollmachten, alles zu tun, damit er Einem die Religion auch gut beibringt. Prügel mit einbezogen.

In der Moschee wurde nicht gegen Christen gehetzt. Man sah sie eher als Geschöpfe an, die vom wahren Weg abgekommen waren, weil ihr Buch im Laufe der Zeit von den Ungläubigen verfälscht wurde. Auch gegen Juden wurde nicht gehetzt. Das lag daran, dass die Moschee der Diyanet, der türkischen Religionsbehörde unterstand, und bestimmte Vorgaben hatte, was unterrichtet werden darf. Die "DITIP" untersteht heute der "Diyanet" – soweit ich das weiß. Sie vertritt türkische Interessen, ist aber verglichen mit anderen Vereinen, wie "Milli Görüs", doch sehr moderat, und sorgt dafür, dass sich keiner gegen den Staat stellt, weder den türkischen noch den deutschen. Jedenfalls war es damals so.

Die "Milli Görüs" betrachtete man sehr argwöhnisch. Auch Hadithen, die heute in islamkritischen Blogs auftauchen, wurden nicht gelehrt. Es ging viel mehr um das gute Wirken Mohammeds. Auch Geschehnisse, wie Kriege zur Zeit Mohammeds wurden historisch betrachtet und nicht als Anleitung für die heutige Zeit verstanden. Doch es ist nicht wirklich nötig, dass man gegen jemanden hetzt. Allein schon durch die Abgrenzung zu Ihnen, bekommt man das Gefühl, dass man selbst und sein Glaube etwas Besonderes ist, und man sieht den anderen eher von oben herab. Man bekommt ein Überlegenheitsgefühl, oder zumindest sieht man den anderen als ein Geschöpf, das Hilfe benötigt, um den richtigen Weg beschreiten zu können. Ich denke, dass passiert nicht nur, wenn man sich zu einer Religion oder Ideologie bekennt. Jede Art von Abgrenzung hat den gleichen Effekt. Zumindest bei den meisten.

Ich habe meinen Vater trotz allem sehr geliebt. Er gab mir immer das Gefühl, dass er mich liebt, und alles nur für mich tut. Das hat er wirklich gedacht. Er wusste es einfach nicht besser. Ansonsten hatte ich ein sehr gutes Verhältnis zu ihm. Ich habe ihn mein Leben lang bewundert. Wir mussten zwar alle in die Koranschule, um unsere Religion kennen zu lernen, aber er hat keinen von uns je genötigt, fünf mal am Tag zu beten. Er hätte es zwar gern gesehen, aber sogar meine  ältere Schwester musste kein Kopftuch tragen. Meine Mutter trug es freiwillig. Auch zum Fasten hat er keinen von uns gezwungen. Doch bei Schweinefleisch hätte er sicherlich auf den Putz gehauen. Da bin ich mir sicher. Das war jedoch nie ein Thema.

Übrigens esse ich selbst heute kein Schweinefleisch. Der anerzogene Ekel sitzt zu tief. Ich bekomme es nicht raus. Tut mir leid!  Also vermeide ich es. Abgesehen davon hat er uns alle durchgebracht, ohne Sozialhilfe zu kassieren. Fünf Kinder können sehr teuer sein. Er sagte mir mal: "Junge, Sozialhilfe ist nur für Menschen gedacht, die eine körperliche Behinderung haben und keiner Arbeit nachgehen können."

Meine Zweifel, die auch vorher schon da waren, nahmen als ich 19 Jahre alt war die Oberhand. Die Evolutionstheorie, die mich ziemlich überzeugte, drang immer mehr aus meinem Unterbewusstsein und forderte mich heraus. Ich versuchte zwar davor schon, mir Theorien auszudenken, wie ich meine Religion passend zur Evolutionstheorie zurechtzimmern konnte, doch ich wusste gleichzeitig, dass ich mir da etwas vormache, auch wenn ich es unterdrückt habe. Mit 19 klappte es nicht mehr.

Ich beschäftigte mich mit anderen Religionen, unter anderem dem Buddhismus, der mir eine Zeit lang ziemlich zusagte. Ich versuchte es mit Meditation und esoterischem Kram.

Da habe ich auch einige sehr interessante Erkenntnisse gewonnen. Diese Erfahrungen haben mir gezeigt, wie ein Mensch, der gewisse Erfahrungen macht, glauben kann, dass man mit Gott in Verbindung getreten ist. Und wenn er von Natur aus nicht ein Zweifler ist, oder sich ein bisschen mit Wissenschaft beschäftigt, könnte man nach diesen Erfahrungen wirklich versucht sein, eine Religion zu gründen, oder glauben, dass der Allmächtige sich einem gezeigt hat.

Doch im Grunde ist das alles totaler Blödsinn. Da werden bestimmte Botenstoffe und Synapsen durch die Medidationsübungen angeregt, und man deutet irgendwelche Halluzinationen als Gotteserfahrung. Die Wissenschaft hat diesen Vorgang zur Genüge geklärt. Im Grunde haben mir die Erfahrungen von damals meinen Weg zum Agnostizismus geebnet. Ich machte mich auf den Weg, Gott zu finden, und wurde endlich ein freier Mensch, ohne jegliche religiöse Vorstellungen und Dogmen, und von Gott war weit und breit nichts zu sehen.

Ich bezeichne mich heute als Agnostiker und bin der Meinung, dass man den "fundamentalen Islam" aus Deutschland unbedingt verdrängen muss. Die grösste Errungenschaft der westlichen Welt ist meines Erachtens die Demokratie. Sie muss verteidigt werden. Die Sharia hat in Deutschland nichts zu suchen. Allerdings distanziere ich mich dabei von jeder hetzerischen und menschenverachtenden Vorgehensweise. Ich hoffe, dass irgendwann Kulturmoslems – Hand in Hand mit den Einheimischen – den Kampf aufnehmen. Man darf dabei nicht verallgemeinern und muss unbedingt differenzieren. Normal Gläubige dürfen nicht als Angriffsziel gesehen werden.

Meine zweite Frau, die ich vor einigen Jahren kennen gelernt habe, könnte man auch als Agnostikerin bezeichnen. Wir fasten nicht, wir beten nicht. Wir essen allerdings beide kein Schweinefleisch. Unsere Tochter wird sehr frei erzogen werden. Sie wird im Mai drei Jahre alt und spricht nur Deutsch. Türkisch kann sie nur ein bisschen verstehen. Das liegt daran, dass wir zu Hause fast nur deutsch reden. Meine Frau beherrscht die deutsche Sprache ausgezeichnet. Mit der türkischen hapert es bei ihr ein bisschen. Ich kann beide Sprachen akzentfrei und einigermaßen gut.

Einer meiner Brüder könnte als Atheist durchgehen. Zwei andere bezeichnen sich als Moslems, würden aber als sehr moderat durchgehen. Sie fasten beide, essen kein Schweinefleisch, haben aber eine Moschee das letzte Mal vor 10 Jahren von innen gesehen. Ihre Frauen tragen kein Kopftuch und gebetet wird vielleicht nur dann, wenn man etwas von Gott will. Meine Schwester ist im Moment auf einem esoterischen Trip. Mit meinem Vater habe ich heute ein sehr gutes Verhältnis. Er hat akzeptiert, dass sein Sohn ein Ungläubiger ist. Es hat seine Zeit gedauert, bis ich mich durchgesetzt habe. Er betet manchmal für mich, damit mich Gott auf den rechten Weg bringt. 

Mit den meisten Gläubigen habe ich keine Probleme. Sie kennen meinen Standpunkt und ein Anschlag auf mich scheint derzeit nicht geplant zu sein, und gemieden werde ich auch nicht. Die meisten kommen sehr gut damit aus, wenn man sich nicht über sie lustig macht, oder überheblich rüberkommt. Ich muss jedoch dazu sagen, dass ich nicht grade in Kreisen verkehre, die man als fundamentalistisch bezeichnen könnte.

Eine schlechte Erfahrung, wenn man sie denn so bezeichnen kann, habe ich mit einem Gläubigen gemacht, den meine Frau und ich im Urlaub kennen gelernt haben. Das Paar kam zufälligerweise auch aus Hamburg. Die Frau war ziemlich modern und kleidete sich auch sehr freizügig. Wir haben uns alle sehr gut verstanden und es war ein schöner Urlaub. Die Chemie hat irgendwie gepasst und wir wollten uns in Hamburg öfters treffen. Am letzten Tag kam das Gespräch irgendwie auf Religionen. Ich habe meinen Standpunkt erklärt und gemerkt, dass der Mann ein Problem damit hatte. Die Ablehnung meines Standpunktes, nach dem ersten Schock seinerseits, konnte er im ersten Moment nicht unterdrücken und verhielt sich auch den Rest des Abends distanziert. Wir hatten zuvor fest abgemacht, dass wir uns öfters in Hamburg besuchen werden. Doch aus diesen Treffen wurde nichts.

Wirklich schlechte Erfahrungen mit tief religiösen Moslems habe ich im Internet gemacht. Ich empfand sie als sehr beschränkt und ich muss zugeben, dass ich teilweise bei deren Ansichten wirklich Ekel empfand. Sie sind für Argumente nicht zugänglich. Von einer kritischen Betrachtungsweise ihrer Religion keine Spur. Dasselbe kann ich allerdings auch über tief religiöse Christen und Juden behaupten. Sie schenken sich wirklich nichts, außer das sie teilweise gebildeter wirkten. Doch die Hasssoftware im Gehirn ist absolut identisch.

Ich entdeckte, dass der Agnostizismus mein Empfinden am besten beschreibt. Also bezeichne ich mich als Agnostiker. An ein persönlichen Gott oder irgendwelche Religionen kann ich auf keinen Fall glauben. Doch kann ich die Möglichkeit einer Energie, Macht, Intelligenz oder einem Wirken, das die Evolution in Gang gesetzt hat, nicht komplett ausschließen.

Es ist mir auch irgendwie egal geworden. Ich lebe mein Leben und wenn ich tot bin, sehe ich dann weiter, oder auch nicht. Ich denke, ich bin am Ende meiner Suche angekommen.

Und es fühlt sich gut an.

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

Das Titelbild (Bosporus-Brücke) ist Wikipedia entnommen. Die Moschee in Bagdad stammt aus der Sammlung von Roger McLassus (mit freundlicher Genehmigung). Die restlichen wurden im CERN aufgenommen.




Lernen S’ Geschichte, Herr Reporter! – Bruno Kreisky, Episoden einer Ära


KreiskyRezension: Dr. Gerfried Pongratz: Zeitgeschichte, verbunden mit tiefen Einblicken in das Leben und die politische Bedeutung der großen Persönlichkeit Bruno Kreisky. Ulrich Brunner:

„Lernen S’ Geschichte, Herr Reporter! – Bruno Kreisky, Episoden einer Ära

© 2020 Ecowin Verlag bei Benevento Publishing Salzburg – München, ISBN 978-3-7110-0263-1

 

Lernen S’ a bisserl Geschichte…“ ein seit Jahrzehnten geflügeltes Wort in Österreich; ein Zitat, ein Diktum, das im sonor schleppenden Tonfall seines Sprechers vielen Österreicherinnen und Österreichern – auch durch oftmalige audiovisuelle Wiederholung bedingt – nach wie vor im Ohr klingt. Bruno Kreisky, legendärer österreichischer Bundeskanzler von 1970 bis 1983 maßregelte damit am 24. Februar 1981 den österreichischen Journalisten Ulrich Brunner, der in einem Pressefoyer zu einer aktuellen Begebenheit gegen einen Vergleich des Kanzlers mit der historischen Situation der 1930er Jahre Bedenken angemeldet hatte.

 

Ulrich Brunner, 1938 in Wien geboren, war als loyaler Sozialdemokrat Setzer und später Redakteur der SPÖ-Blätter „Arbeiter-Zeitung“ und „Neue Zeitung“. 1975 wurde er Redakteur beim „Aktuellen Dienst“ des ORF, den er auch 5 Jahre leitete. Ab 1984 bekleidete er die Funktion des Chefredakteurs im Hörfunk und ab 1990 bis zu seiner Pensionierung war er Intendant des ORF-Landesstudios Burgenland. Das vorliegende Buch beschreibt seinen aus einfachen Verhältnissen kommend Lebensweg (Schriftsetzerlehre, Arbeitermittelschule, Werkstudent der Rechtswissenschaften, Korrektor, Journalist, Redakteur etc.) und zeichnet dabei – mit kritischen Reflexionen – die hautnah miterlebte Geschichte der österreichischen Sozialdemokratie nach, wobei sich sein Blick besonders auf die Persönlichkeit Bruno Kreiskys und dessen Bedeutung fokussiert.

 

Kreiskys Leben war durch viele Brüche und Kränkungen gekennzeichnet. Das soll in diesem Buch nachgezeichnet werden. Es gibt meine ganz persönlichen Erfahrungen wieder, die ich als Journalist mit Bruno Kreisky gemacht habe… Es schmälert nicht die Verdienste des bedeutendsten Regierungschefs der Zweiten Republik, wenn man auch an den jähzornigen, ungerechten Kreisky erinnert… Ausgespart in diesem Buch ist der Außenpolitiker Kreisky. Auf diesem Feld hat er geradezu seherische Fähigkeiten bewiesen“ (S. 16).

 

Der wesentliche Inhalt des Buches erschließt sich bereits durch die Titel der Hauptkapitel – „Kreiskys Weg ins Kanzleramt, Kreisky und die Journalisten, Kreisky und die Macht, Kreisky und das Judentum, Das Ende der Ära Kreisky“ – und die Überschriften der sehr zahlreichen Unterkapitel; als kleine Auswahl seien genannt:

„Kreisky im Gefängnis, Der Einzelkämpfer, Kreisky und die „kleinen Leute“, Die Quadratur des Kreisky, Das Pressefoyer, Der Meister der präzisen Unschärfe, Der Nimbus des Unbesiegbaren, Der rastlose Politiker, Politik als Kunst des Möglichen, Kreisky und Androsch, Der charismatische Kreisky, Kein Leben ohne Politik, Die Juden in der Sozialdemokratie, Die Angst vor dem Antisemitismus, Die Wiesenthal-Affäre, Kreiskys Humor, Kreiskys jüdische Identität, Kreisky im Alter, der Narzisst, Das Ende.“

 

Bruno Kreisky beherrschte die Finessen der deutschen Sprache wie kein Kanzler vor oder nach ihm“ (S. 118). Es würde den Umfang dieser Besprechung bei weitem sprengen, auch nur ansatzweise auf Einzelheiten der beschriebenen Ereignisse und politischen Entwicklungen der „Kreisky-Ära“ näher einzugehen. Der Autor bewundert Kreiskys sozialdemokratische Überzeugungen, seine Fähigkeiten, politisch vorausschauend zu denken und pragmatisch zu handeln, er beleuchtet aber auch kritisch Kreiskys Autoritätsansprüche und Unduldsamkeit, die dazu führten, dass er abweichende Meinungen oftmals als Insubordinationen wertete – was letztendlich auch zum beschriebenen Zitat (und Titel des Buches) führte (und womit Ulrich Brunner als Fußnote in die Zeitgeschichte einging).

 

„Es ist heute kaum mehr vermittelbar, wie stark Kreisky die Politik damals dominierte“ (S. 132); man konnte die Ehrfurcht vor ihm schon an der Körpersprache sehen, mit der sich ihm Gäste, Reporter, Parteigänger, aber auch oppositionelle Politiker näherten. In Diskussionen agierte er mit untrüglichem Instinkt; er benötigte keine Ratschläge von Spindoktoren, um die Oberhand zu gewinnen. Neben seiner schlagfertigen Sprachmächtigkeit hatte er dabei stets auch Tricks auf Lager – so wurde z.B. seine Brille vom Sehbehelf zum Kommunikationswerkzeug. Auch gelegentlich Unbeherrschtheiten verstand er gezielt einzusetzen.

 

Kreisky war ein begnadetet Erzähler und konnte, wenn ihm danach zumute war und er das passende Publikum fand, stundenlang Geschichten erzählen – und damit Geschichte lehren. Er baute dazu immer wieder geschickt auch Ereignisse aus der Zwischenkriegszeit ein; Ereignisse, die ihn mit dem Bürgerkrieg von 1934 und den danach folgenden Katastrophen geprägt hatten und ihm stets präsent waren.

 

Einige Kapitel des Buches, wie z.B. „Der Fall Schranz als Medienereignis“, „Kreisky und Bacher“, „Ex-Nazis in Kreiskys Regierung“, „Kreisky und die Schulden“, „Das Mallorca-Paket“ wie auch der lang andauernde Konflikt mit Androsch beleuchten auch die Schwächen und Fehleinschätzungen des „großen Kommunikators“. Aus heutiger Sicht ist besonders interessant, nachzuverfolgen, wie Kreisky bei seinen großen Reformvorhaben, z.B. in der „Fristenlösung“, in der „Frauenbewegung“, in der Aussöhnung mit der katholischen Kirche, bei der Gleichstellung der Frauen etc. taktisch vorging, Reformen anstieß und gemeinsam mit Christian Broda und Johanna Dohnal unter anderem im Familien- und Strafrecht Entwicklungen ermöglichte, die heute Selbstverständlichkeiten bilden.

 

Mit Lernen S’ Geschichte, Herr Reporter!“ legt Ulrich Brunner ein sehr persönlich geprägtes, aus nächster Nähe erlebtes Zeitzeugnis vor, das eine Fundgrube an Wissen zur österreichischen und europäischen Geschichte und damit älteren Leserinnen und Lesern auch zahlreiche „Aha-Erlebnisse“ bietet. Der Autor versteht es, pointiert humorvoll zu erzählen und ins Geschehen einzubeziehen. 2007, als der SPÖ-Vorsitzende Alfred Gusenbauer als Führer der stärksten Partei alle wichtigen Ministerien (Finanzen, Wirtschaft, Inneres, Äußeres) der ÖVP überließ, trat Ulrich Brunner, obwohl nach wie vor überzeugter Sozialdemokrat, nach 50 Jahren Mitgliedschaft aus der SPÖ aus; in einem langen Brief „Über das Elend eines Sozialdemokraten“ begründet er im Epilog des Buches diesen Schritt.

 

Ein mit zahlreichen Fotos ausgestattetes, in mehrfacher Hinsicht empfehlenswertes Buch zu einem wichtigen Abschnitt der österreichischen Zeitgeschichte, verbunden mit tiefen Einblicken in das Leben und die politische Bedeutung der großen Persönlichkeit Bruno Kreisky.

 

 

 

Gerfried Pongratz 7/2020




fowid über die Bundeswehr: Religion und Militärseelsorge


fowidWEIMAR. (fowid/fgw) Seit Aufstellung der Bundeswehr (1955) ist die Militärseelsorge ein integraler Bestandteil der Bundeswehr, der konzeptionell mit der „Inneren Führung“ verbunden ist. Seitdem hat sich die religiöse Situation in Deutschland stark verändert („Säkularisierung“). Die Frage ist, ob sich diese Veränderungen auch hinsichtlich der Aufgaben, der Anzahl der Militärgeistlichen und ihrer Finanzierung entsprechend verändert darstellt.

 

Historisches

Ein umstrittenes Thema, denn einerseits heißt es (pro Militär und Militärseelsorge) „Macht aus euren Pflugscharen Schwerter und aus euren Sicheln Spieße! Auch der Schwache rufe: Ich bin stark!" (Bibel, Joel 4,10) bzw. andererseits (contra Militär und Militärseelsorge) „Wer das Schwert nimmt, soll durch das Schwert umkommen." (Bibel, Matthäus 26, 52), auch: „Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen." (Bibel, Micha 4, 3) oder wie es der Pazifist Martin Niemöller, Kirchenpräsident von Hessen-Nassau, es am 25.1.1959 sagte:

 

„Jede Ausbildung zum Soldaten und zu Führungspositionen in übergeordneten Kommandotruppen muss heute als eine hohe Schule für potentielle Berufsverbrecher bezeichnet werden."

 

Die evangelische Kirche in Deutschland hat eine starke pazifistische Tradition und nach dem wiederum verlorenen Weltkrieg war man sich einig, als auch der spätere Verteidigungsminister Franz-Josef Strauß 1949 sagte: „Wer noch einmal ein Gewehr in die Hand nehmen will, dem soll die Hand abfallen".

 

Dieser Frieden war beendet, als im Zuge der West-Integration auch Bundesdeutsche wieder zu den Waffen greifen mussten. Die Katholiken hatten damit keine Probleme, war doch bereits im Reichskonkordat von 1933 mit den „Nationalsozialisten" im Artikel 27 vereinbart worden, wie eine katholische Militärseelsorge zu organisieren sei. Die Evangelische Kirche in Deutschland hätte es dagegen fastzerrissen.

 

Es war nicht nur die generelle Weigerung weiter Kreise der evangelischen Kirche – nach „Nationalsozialismus" und Zweitem Weltkrieg -, überhaupt Waffen zu segnen, sondern auch die besondere Dienststellung der Priester im Militärdienst. Die (in anderen westlichen Demokratien übliche) Integration in militärische Strukturen wurde grundsätzlich abgelehnt. Man verhandelte und fand 1957 einen Kompromiss: Die Militärpfarrer sind inhaltlich der Kirche verpflichtet, formal aber (trotz Uniform im Manöver oder Kampfeinsatz) keine Soldaten, sondern Bundesbeamte auf Zeit. Unterstellt sind sie dem ‚Evangelischen Kirchenamt für die Bundeswehr‘ – einer oberen Bundesbehörde. Diese Regelung hatte sich in der Folgezeit bewährt, da beide Seiten sehr vorsichtig miteinander umgingen, bis dann mit der Wiedervereinigung die ausgeprägt pazifistische Haltung der östlichen Gliedkirchen („Schwerter zu Pflugscharen") 1991 für große Unruhe innerhalb der EKD sorgte. Die östlichen Landeskirchen weigerten sich, die westlichen Militärseelsorgeverträge zuübernehmen.

 

Schließlich wurde – in bewährter evangelischer Tradition – eine „Übergangslösung" vereinbart, bei der die ev. Ost-Kirchen reguläre Pfarrer für die Militärseelsorge abstellten (die also keine Staatsbeamten auf Zeit waren), und das BMVg die Kosten dafür erstattete. 2004 wurde der evangelische Militärseelsorgevertrag dann für alle Landeskirchen verbindlich.

 

Einen Überblick zur Geschichte der Militärseelsorge in der Bundeswehr gibt der Forschungsbericht 83 des Sozialwissenschaftliches Instituts der Bundeswehr von Prof. Dr. Angelika Dörfler-Dierken : „Zur Entstehung der Militärseelsorge und zur Aufgabe der Militärgeistlichen in der Bundeswehr" aus dem Jahr 2008.

 

(…)

 

Rechtliches

Im Grundgesetz heißt es in Artikel140 in Verbindung mit Art. 141 der Weimarer Reichsverfassung:

 

„Soweit das Bedürfnis nach Gottesdienst und Seelsorge im Heer, in Krankenhäusern, Strafanstalten oder sonstigen öffentlichen Anstalten besteht, sind die Religionsgesellschaften zur Vornahme religiöser Handlungen zuzulassen, wobei jeder Zwang fernzuhalten ist."

 

Im evangelischen Militärseelsorgevertrag von 1957 wird in Artikel 3 bestimmt: „Für je 1500 evangelische Soldaten wird ein Militärgeistlicher berufen." Für die katholische Militärseelsorge gilt paritätisch dasselbe.

 

Ein katholischer Militärseelsorgevertrag wurde nicht als notwendig erachtet, da im Reichskonkordat von 1933 im Artikel 27 bereits alles geregelt ist. Diese Regelungen wurden im April 1986 durch die Apostolische Konstitution „SPIRITUALI MILITUM CURAE" und im November 1989 durch „Statuten für die Seelsorge in der deutschen Bundeswehr" (Apostolisches Breve „Moventibus quidem") ergänzt.

 

(…)

 

Nach einem fast acht Jahre dauernden Prüfprozess wurde im Frühjahr 2019 entschieden, die Militärseelsorge um einen jüdischen Anteil zu erweitern. Am 20. Dezember 2019 wurde der Staatsvertrag für die jüdische Militärseelsorge von der Verteidigungsministerin und dem Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland unterzeichnet. Am 28. Mai 2020 hat der Deutsche Bundestag diesen Staatsvertrag bestätigt, der für die rund 300 jüdischen Soldaten die Tätigkeit von 10 Militärrabbinern vorsieht.

 

Weitere Regelungen für muslimische Soldatinnen und Soldaten sind im Gespräch bzw. finden für Konfessionsfreie und Humanisten (mittlerweile rund 50 Prozent der Soldatinnen und Soldaten) nicht statt.

 

Religionszugehörigkeiten in der Bundeswehr

Die Klärung der Religionszugehörigkeiten der Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr steht in dem Widerspruch, dass einerseits die Nennung der Religionszugehörigkeit freiwillig ist, d. h. nicht erfragt werden darf – entsprechend Grundgesetz Art. 140 in Verbindung mit Art. 136, Satz 3 der Weimarer Reichsverfassung, in dem es heißt:

 

„Niemand ist verpflichtet, seine religiöse Überzeugung zu offenbaren. Die Behörden haben nur soweit das Recht, nach der Zugehörigkeit zu einer Religionsgesellschaft zu fragen, als davon Rechte und Pflichten abhängen oder eine gesetzlich angeordnete statistische Erhebung dies erfordert."

 

Andererseits besteht seit 1934 in Deutschland die staatliche Anordnung des Eintrags der Religionszugehörigkeit für Mitglieder von Religionsgemeinschaften, die den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts haben, auf der Lohnsteuerkarte bzw. in den Steuerunterlagen. Insofern ist die Religionszugehörigkeit für diese Kirchenmitglieder bekannt bzw. feststellbar, was ja auch bei der Berechnung und Abführung der Kirchensteuer der Soldatinnen und Soldaten erfolgt.

 

(…)

 

Nach diesen Schätzungen gibt es (2020) Angehörige von 12 Religionsgemeinschaften, davon rund 300 jüdische und 3.000 muslimische Soldatinnen und Soldaten. Zu den Muslimen heißt es: „Diese seien jedoch eine sehr heterogene Gruppe mit sehr unterschiedlichem Hintergrund und nicht alle an Religiosität im Dienstalltag interessiert."

 

(…)

 

Humanistische Berater sind dagegen unerwünscht

Die Beschäftigung von säkularen Beratern für die größte weltanschauliche Gruppe, die Konfessionsfreien, sowie die Erteilung des Lebenskundeunterrichts durch Militärgeistliche ist umstritten und so heißt es in dem Bericht des Bischofs für die Evangelische Seelsorge in der Bundeswehr für die Synode 2006 unter der Überschrift „Auseinandersetzung mit dem Humanistischen Verband" (S. 33), dass Konfessionslosigkeit keine Weltanschauung sei.

 

„Anfang Juni 2006 hat der Humanistische Verband beim Bundesminister der Verteidigung Einspruch erhoben gegen das vom Evangelischen Kirchenamt für die Bundeswehr und dem Katholischen Militärbischofsamt erarbeitete Konzept des Lebenskundlichen Unterrichts (LKU) mit dem Argument, der ausschließlich von den Militärpfarrern in der Bundeswehr erteilte Lebenskundliche Unterricht verstoße gegen die verfassungsmäßigen Grundsätze des religiös-weltanschaulichen neutralen Staates.

 

Der Humanistische Verband fordert deshalb, dass Pflichtunterricht für Bundeswehrsoldatinnen und -soldaten nur durch staatliche Lehrkräfte, die nicht im kirchlichen Pflichtverhältnis stehen, erteilt wird.

 

Auf der Linie des Humanistischen Verbandes, der bestrebt ist, sich in der Öffentlichkeit als Weltanschauungsverband neben den Kirchen zu platzieren, steht weiterhin die Forderung, im Falle eines Festhaltens der Führung des Bundesverteidigungsministeriums am LKU müsse für die religionsfreien Bundeswehrangehörigen ebenfalls ein LKU ohne religiöse Bindung eingeführt werden, ‚wie er etwa vom HVD an Schulen in einigen Ländern angeboten wird‘.

 

Der HVD setzt sich weiterhin für ‚religionsfreie humanistische Berater‘ als Partner für sogenannte ‚glaubensfreie‘ bzw. ‚andersgläubige‘ Soldatinnen und Soldaten ein.

 

Gemeinsam mit dem zuständigen Referat im Verteidigungsministerium hält die Evangelische Seelsorge in der Bundeswehr dagegen.

 

Denn weiterhin ist der LKU kein Religionsunterricht, sondern hat die „Auseinandersetzung mit sittlichen und ethischen Grundfragen der Lebensführung" zum Ziel und ist ‚Teil der Gesamterziehung der Soldaten‘.

 

Die Seelsorger übernehmen diesen Unterricht als besonders qualifizierte Lehrkräfte.

 

Ebenfalls wenden sich die beiden Zweige der kirchlichen Seelsorge und das zuständige Referat im BMVg gegen die Einstellung von ‚religionsfreien humanistischen Beratern‘.

 

Die 41 % konfessionslosen Soldaten sind eine in sich vielfältige Gruppe, deren Beratung der HDV nicht für sich beanspruchen kann. Konfessionslosigkeit ist keine Weltanschauung, der HDV ist eine Weltanschauung."

 

 

(…)

 

Finanzierung der Militärseelsorge

Im Grundgesetz Artikel 140 in Verbindung mit Art. 141 der Weimarer Reichsverfassung, wird bestimmt, dass „die Religionsgesellschaften zur Vornahme religiöser Handlungen zuzulassen [sind], wobei jeder Zwang fernzuhalten ist." Diese „Zulassung religiöser Handlungen" wird dann im evangelischen Militärseelsorgevertrag von 1957 konkretisiert, indem es in Art.2 heißt:

 

„(1) Die Militärseelsorge als Teil der kirchlichen Arbeit wird im Auftrag und unter der Aufsicht der Kirche ausgeübt. ( 2 ) Der Staat sorgt für den organisatorischen Aufbau der Militärseelsorge und trägt ihre Kosten."

 

Als Kurzformel: Die Kirche bestimmt die Inhalte, der Staat bezahlt….

 

Mehr dazu auf der Webseite der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland.

 

Carsten Frerk & Matthias Krause


 
21.07.2020

Von: Dr. Carsten Frerk & Matthias Krause
 

http://www.freigeist-weimar.de/beitragsanzeige/fowid-ueber-die-bundeswehr-religion-und-militaerseelsorge/




Intelligent Design aus Menschenhand?


Gibt es etwas Schöneres auf der Welt als das glucksende Lachen eines fröhlichen gesunden Kindes? Gibt es etwas Befriedigenderes im Leben als zuzuschauen wie sich dieses Produkt der Liebe unter tätiger Hilfe der Eltern zu einem freien selbständigen und selbstbewussten Wesen entwickelt? Die meisten Frauen und zunehmend wohl auch Männer werden dem ohne jede Einschränkung zustimmen. Nur Narren können auf die abwegige Idee verfallen, ein solches Glück einschränken zu wollen oder es gar zu verbieten. Jeder, der nur einen Rest von Herz und Verstand im Körper hat, wird unvoreingenommen vermuten, dass es solche Narren gar nicht geben könne. Und doch, sie leben unter uns, drängen sich ungefragt in die Öffentlichkeit und wollen jungen Familien unter Berufung auf religiöse Grundsätze dieses Glück verbieten.

In der Fruchtbarkeitsklinik in Tunis

Die langen Stuhlreihen im Wartesaal der Klinik „Les Jasmins“ in Tunis sind bereits um 7.30 Uhr bis auf den letzten Platz mit jungen Frauen besetzt. Die zugehörigen Männer lehnen sich an die Wände oder rauchen draußen auf der Terrasse nervös eine Zigarette. Ich komme mit den Männern ins Gespräch, das endlose Warten öffnet die Münder, vor allem auch deshalb, weil alle dieselben Gedanken hegen: „Wird es denn diesmal klappen? Wir hatten doch schon so viele Versuche.“ Viele bemühen sich seit Jahren, damit sich endlich der gewünschte Nachwuchs einstellt. Wir sind in der wohl renommiertesten Fruchtbarkeitsklinik des gesamten Maghreb. Neben Tunesiern finden sich Algerier, Libyer und auch einige Europäer, die zumeist wegen der noch einigermaßen erschwinglichen Kosten „Fruchtbarkeitsurlaub“ in Tunesien machen. „In Kopenhagen hat es fast fünfmal so viel gekostet“, erzählt mir einer, „und die Erfolgschancen sind wohl überall gleich groß oder gering.“ Die Spezialisten hier haben alle eine europäische oder amerikanische gynäkologische Ausbildung genossen. Sie stehen den okzidentalen Kollegen in nichts nach. Die Wände ihrer Arbeitszimmer sind zugepflastert mit den Bildern „ihrer“ Kinder, dem Nachweis, dass es irgendwann doch funktioniert, wenn keine komplette Unfruchtbarkeit vorliegt.

Die Probleme der einzelnen sind verschieden, doch unter dem Strich steht immer dasselbe Resultat. Es klappt nicht ohne fremde Hilfe. Aber für (fast) jeden gibt es eine individuelle Lösung. Alle beherrschen die Fachtermini, seien es nun Ovulationszyklus, Spermazytogramm, Insemination in corpore oder In-Vitro-Fertilisation. Bei manchen genügt es, den richtigen Zeitpunkt für die Zeugung zu erwischen („Montag morgen sechs Uhr“), oder eine günstigere Stellung einzunehmen („Macht es bitte a tergo“). Doch die meisten Fälle sind delikater. Nicht gerade selten liegt es an der Spermiendichte im Ejakulat der Männer, weshalb sich alle einem Spermientest unterziehen müssen. Das „Masturbationszimmer“, ein kleiner verspiegelter Raum mit einer grünen Ledercouch wird von jedem hier herzhaft gehasst. Vor lauter Verlegenheit greifen manche sogar zu Äußerungen, die sie andernorts niemals machen würden. So erzählt ein Tunesier in die Runde, sein „zizi“ (das grobe arabische Pendant vermied er) sei wohl etwas klein geraten, so dass das Sperma nie dahin hätte gelangen können, wo es denn nun einmal hinmuss. Niemand grinst oder lacht. Bei vielen Frauen stimmt die Produktion der ovulae nicht. Da helfen nur Spritzen und Hormone. Die Gefahr von Mehrlingsgeburten ist bekannt, sie beunruhigt niemanden wirklich. Besser zwei in einem Aufwasch als noch einmal diese Tortur zwischen Hoffen und Bangen.

Religiöse Fanatiker sind nicht an der Wirklichkeit interessiert

Wenn alles nicht mehr weiterhilft bleibt als letzter Ausweg nur die In-Vitro-Fertilisation, eine wahre Tortur für die Frau. Die Eiproduktion wird für einen gewissen Zeitraum mit chemischen Hilfsmitteln so stark angeregt, dass der Arzt am Ende der Behandlung etwa bis zu einem Dutzend Eier entnehmen kann, eine unangenehme Prozedur, die eine Woche der Schmerzen, der Übelkeit und des Kopfwehs abschließt. Dann wird in der Petrischale der virile Anteil des männlichen Samenergusses dazugegeben in der Hoffnung, dass möglichst viele Samen- und Eizellen zueinander finden. Doch dann kommt der entscheidende Augenblick. Welche der befruchteten Eizellen hat es verdient, in die Gebärmutter eingesetzt zu werden? Ein kleiner aber teurer Test gibt Auskunft über manche genetischen Probleme – bei weitem nicht alle wie vielfach vermutet wird. Er dient als Entscheidungshilfe. Denn eine Entscheidung muss nun notwendigerweise getroffen werden. Und wenn man schon wählen muss, nimmt man natürlich die besten, die mit den höchsten Erfolgschancen.

Pränatale Diagnostik wird seit Jahrzehnten mit zunehmendem Erfolg praktiziert. Mittels einer Fruchtwasseruntersuchung oder anderen Methoden lassen sich schwere Schäden wie Down-Syndrom (früher Mongolismus genannt) oder Mukoviszidose (eine Verschleimung der Lungen), die ein späteres Leben für alle Beteiligten zur Qual machen können, erkennen. Auch in diesen Fällen muss eine Entscheidung getroffen werden, aber eine, die für die Frau ungleich schwieriger ist: Austragen oder Abtreiben. Die Antwort der fundamentalistischen, selbsternannten „Lebensschützer“ in den Kirchen ist eindeutig: Jeder hat ein Recht auf Behinderung, basta. Da gibt es keine Diskussion. Ob das spätere Kind überlebt, ob die Familie das überlebt, oder ob sie unter der Belastung zusammenbricht – all das interessiert die Fanatiker nicht. Und dabei haben sie sogar immer noch die derzeitige Gesetzeslage auf ihrer Seite. Was viele nicht wissen: Abtreibung ist nach wie vor im Prinzip strafbewehrt. Sie wird nur unter bestimmten, sehr eingeschränkten Bedingungen nicht strafverfolgt. Der Kampf in den siebziger Jahren für die Abschaffung des §218 des Strafgesetzbuchs war kein durchschlagender Erfolg. Denn die Frage, wo menschliches Leben beginnt, ist auch mit naturalistischem Blick auf die Wirklichkeit nicht einfach zu beantworten.

PID – Präimplantationsdiagnostik

Und nun das Urteil des Bundesgerichtshofs vom 6. Juli 2010. Ein Grundsatzurteil, in dem die Bundesrichter Gentests an Embryonen für zulässig erklärten. Es interpretiert das herrschende, restriktive Embryonenschutzgesetz im Fall der PID freier, als es den religiösen Fanatikern lieb ist. Es akzeptiert, dass der Sinn der PID darin liegt, gesundes Werden von Leben zu ermöglichen. Dass dabei nicht alle befruchteten Eizellen Berücksichtigung finden können, müsse als Nebeneffekt in Kauf genommen werden. Der Schwerpunkt liegt also darauf, Leben zu ermöglichen, das andernfalls niemals entstehen würde. Ergänzend sollte nicht vergessen werden, dass auch die Natur selbst in großem Umfang befruchtete Eizellen entsorgt, wenn irgendetwas mit der Entwicklung nicht richtig läuft. Wer zählt die Zahl der Fehlgeburten? Erst wenn man sich einmal in der Nachbarschaft oder Bekanntschaft gezielt umhört, erfährt man, dass die Mutter mit den zwei prächtigen Kindern, davor und zwischendrin bereits mehrere Fehlgeburten hatte. Niemand berichtet ohne Anlass davon, da muss man wirklich nachfragen.

Also stehen sie wieder auf dem Podium und krakeelen, wenn es darum geht, eine übrigens gar nicht mehr so neue Technik, die PID, in Grund und Boden zu verdammen. Einer der ersten, die sich zu Wort meldeten, war Hubert Hüppe (CDU), seines Zeichens Behindertenbeauftragter der Bundesregierung: „Die Präimplantationsdiagnostik muss jetzt ausdrücklich verboten werden“. Die Deutsche Bischofskonferenz stieß in dasselbe Horn: „Die Tötung von Embryonen, die nach einer Untersuchung auf genetische Schäden nicht mehr in die Gebärmutter eingesetzt werden sollen, kann nicht erlaubt sein“. Der Bundesverband für Lebensrecht (BVL), eine fundamentalistisch christliche Organisation sieht einen „schlimmen Tag für die Unantastbarkeit der Würde des Menschen“. In Zukunft werde es wohl nur noch „PID-geprüfte Kinder“ geben und „die Aussortierten“ werden getötet. Er sieht gar eine Diskriminierung der Behinderten, „eine schallende Ohrfeige“. Auch die Evangelischen stimmen in den Chor ein.

Die klerikale Meinungsmaschinerie scheute sich schließlich auch nicht, mit Darstellungen von menschlichen Schicksalen Stimmung zu machen: „Ärzte wollten Bocelli abtreiben“ oder „Abtreibung überlebt – Tim feiert 13. Geburtstag“. Schonungsloser Populismus in den Grenzbereichen ethischer Problemstellungen, in dem auch grenzwertige Rhetorik nur zu gern in die Hand genommen wird: “Der Mensch darf nicht am Wegesrand liegen gelassen werden”, so der Münsteraner Bischof Felix Genn zum Gerichtsurteil. Kein PID-Befürworter und kein Richter hatten jemals dafür plädiert, Menschen am Wegesrand liegen zu lassen. Es ist eine schauerliche Polemik, die ihresgleichen sucht.

Polemik der Kirchen dient nur dem Selbsterhalt

Hintergrund dieser üblen Meinungsmache ist die unzutreffende Behauptung, der Mensch entstünde im Moment der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle – eine christliche Hypothese, die einer Ideologie entspringt und  wissenschaftlichen Tatsachen nicht standhält. Medizinisch gesehen, was etwa die Herausbildung eines Nervensystems anbelangt, ist die islamische Ansicht zu dieser Fragestellung näher an der Wahrheit als die vatikanische: erste Nervenzellen des Gehirn bilden sich ab etwa der achten Schwangerschaftswoche, erst rund 130 Tage nach der Befruchtung der Eizelle entsteht ein zentrales Nervensystem. Etwa die Hälfte aller befruchteten Eizellen geht nach etwa zwei bis drei Wochen unbemerkt ein, bis zur zwölften Schwangerschaftswoche kommt es nicht selten zu Frühaborten. Legt man deshalb, wie der Islam es tut den Beginn des menschlichen Lebens auf den Zeitpunkt 40 Tage nach der Befruchtung fest, entfällt das christlich-religiös aufgebauschte Scheinproblem. Gut für alle hoffenden Paare, dass der ansonsten so menschenfeindliche Islam zumindest in diesem einen Kasus realistischer mit den Dingen umgeht.

Nicht etwa PID, sondern die Natur beendet zahllose Menschenleben vor der Geburt. Die PID dagegen hilft Eltern Entscheidungen zu treffen, noch lange bevor der kleine Zellklumpen aus Ei und Spermium eine Form menschlichen Lebens annimmt. Für Denkansätze, die sich in ihrer Differenziertheit an der Komplexität der wirklichen Welt anpassen,  darf jedoch kein Platz in der Kirchenwelt sein – einmal zugelassen, stünde das gesamte Ideengebäude der Theologen vor dem Kollaps. So geht es für diese also nicht um verantwortungsbewusste ethische Entscheidungen, die sich in ihren Überlegungen an der Realität und schützenswerten Bedürfnissen von Menschen orientieren. Für die Kirchen geht es um den Selbsterhalt und da ist offensichtlich jedes Mittel recht.

PID für jedermann?

In einem Punkte sind sich alle Apologeten des Unsinns einig. Die PID gehört so schnell wie möglich abgeschafft und verboten. Wissen diese Herren denn überhaupt wovon sie reden? Unbestritten hat ein jeder das Recht, auch ein erkennbar missgebildetes oder krankes Kind zur Welt zu bringen. Das liegt in der Verantwortung der Eltern, oder besser: letztlich der Frau. Aus diesem Recht wollen die meist klerikalen älteren Herren in ihren farbenfrohen Gewändern aber nun einen Zwang konstruieren. Sind sie wirklich der Meinung, in Zukunft würde jede Frau die Mühen einer In-Vitro-Fertilisation auf sich nehmen, um damit in höchst begrenztem Umfang Einfluss auf das zukünftige Leben zu nehmen? Sprechen diese Herren denn gelegentlich einmal mit den betroffenen Frauen? Wohl eher nicht, denn sonst würden sie unisono hören, was wir in „Les Jasmins“ von jeder einzelnen Frau gehört haben: „Ich würde viel dafür geben, wenn es auf natürlichem Wege klappte. Leider steht vor unserem Glück das Leid, das Bangen, die immer wieder zerstörte Hoffnung.“ Eventuell vorhandene, mehr oder weniger deutlich artikulierte Wünsche nach Geschlecht, Augenfarbe oder Intelligenz des zukünftigen Familienmitglieds treten hinter dem grundsätzlichen Wunsch zum möglichst gesunden, nicht erblich vorbelasteten Nachwuchs in den Hintergrund. Von einer “eugenischen Rutschbahn” kann nicht im Mindesten die Rede sein.

Nichts von dem, was von den Feinden der PID hineingeheimnist wird, kann PID wirklich leisten. Nicht einmal ein Down-Syndrom-Test per PID liefert ein auch nur annähernd verlässliches Ergebnis, da in diesem Stadium des Embryos durchaus überzählige Chromosomen auftreten können, die erst später im Mutterleib abgestoßen werden – oder aber im schlimmsten Fall verbleiben. Bei Verdacht auf Down Syndrom bleibt weiterhin nur die pränatale Diagnostik – mit der anschließenden Entscheidung für oder gegen Abtreibung. Man kann PID also ohnehin nur in den wenigen Fällen einsetzen, in denen eine klare Diagnose vor Implantation überhaupt möglich ist, also zum Beispiel bei der genetischen Veranlagung auf Mukoviszidose. Ein massenhafter „Missbrauch“ der PID hin zum Designer-Baby, mithin das an die Wand gemalte Schreckgespenst, kann mit Fug und Recht ausgeschlossen werden. Aber mit Gespenstern haben Narren ja bekanntlich weitestgehende Erfahrungen.

Ein ausgewiesener Experte der PID, der Lübecker Humangenetiker Professor Eberhard Schwinger, erklärt in einem kenntnisreichen Artikel im Spiegel (Nr. 28 vom 12. Juli 2010): „Nun endlich hat, 15 Jahre zu spät, die Vernunft gesiegt“. An eindrucksvollen Beispielen aus seiner Praxis schildert der 70-Jährige die Möglichkeiten, aber auch die natürlich gegebenen Beschränkungen der Gen-Diagnostik und damit ihre Verwendbarkeit auf die PID. Ein „Intelligent Design“ aus Menschenhand wird es also in absehbarer Zeit nicht geben. PID kann zwar hoffenden Paaren helfen, das Menschenrecht auf gesunde Nachkommen zu gewährleisten und Menschen vor absehbarem Leiden zu bewahren. PID aber kann vor allem eines nicht: Menschen modellieren, die nicht ihrer Eltern Kinder sind.

Und die wenigsten würden so etwas überhaupt wollen und dafür sogar Kosten und Schmerzen auf sich nehmen. Den meisten geht es ausschließlich darum, endlich das glucksende Lachen eines fröhlichen, gesunden Kindes zu hören. Ist dieser Wunsch derart verdammenswert ?

Siehe hierzu auch die Meinung unserer ehemaligen Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger