4. Diözesanforum am 25. Jänner 2020 in OÖ


Diözese LinzJa, man hat sich 2019 vorgenommen, die Zahl der Pfarren in Oberösterreich von jetzt 487 auf 40 schrumpfen zu lassen, der Beschlusstermin dafür ist der 25.1.!

Funktionieren soll das so: In der Diözese gibt 39 von einem Dechanten geleitete Dekanate. Statt der Dekanante soll nun  "Pfarren" geben und die bisherigen Pfarren sollen  "Pfarrgemeinden" heißen, die neuen Pfarren sollen dann aus neun bis vierzehn solcher Pfarrgemeinden bestehen. Die zum Ersatz der bisherigen Dekanate gewordenen Pfarren sollen laut katholisch.at von einem Pfarrvorstand geleitet werden, der aus dem Pfarrer, dem Pastoralvorstand und dem Verwaltungsvorstand besteht.

Auf der Site der Diözese Linz wird der Sinn der Sache so beschrieben: "Neue Strukturen seien notwendig, weil die Kirche in den alten Strukturen ihrem Auftrag, in der Spur Jesu zu gehen, immer weniger gerecht werden könne. Die neuen Strukturen sollten einen Rahmen bilden, damit Kirche für die Menschen von heute einladend erfahrbar sein könne, einen guten Rahmen für Spiritualität und Sakramentalität biete und in der Gesellschaft Präsenz zeigen könne. Daraus ergäben sich folgende Grundaussagen: Kirche ist ein starkes Netzwerk, gibt Freiraum für Eigeninitiative, hat einen realistischen Blick auf Ressourcen und klare Strukturen. Gemessen an der bisherigen Vorgehensweise für zukünftige Pfarrgemeinden innerhalb einer Pfarre werde es finanziell zu keiner Besser- oder Schlechterstellung kommen."

Ja, das sind immer die lustigen katholischen Träume! Dass die Zahl der praktizierenden Gläubigen von Jahr zu Jahr schrumpft, führt zum Ergebnis, dass es zu viele Pfarren und zu viele Kirchen gibt, bis in die 1960er-Jahre hatte man mit Kirchenneubauten die Zahl der Pfarren vermehrt und jetzt hat man eben eine viel zu große Infrastruktur, aber – weil speziell der Nachwuchs fehlt – immer weniger Kunden, der Gläubigenmangel ist inzwischen größer als der Priestermangel.

Und wenn's keine Dekanate mehr gibt und statt der Pfarren Pfarrgemeinden, dann gibt's mehr Interesse der Leute am katholischen Glauben? Und was soll am neuen Einteilungssystem einladend sein? Und warum sollten dann die Leute in der Kirche was sehen, dass sie erfahren möchten? Die Zahl der Besucher der Sonntagsmesse wird trotzdem weiterhin schrumpfen, man wird es wohl irgendwie leichter haben, Pfarrgemeinden zu schließen als Pfarren, weil man ja via Pfarre dann die noch existierenden Restgläubigen leichter in andere Pfarrgemeinden herumreichen kann…

Aber warten wir einmal, was am 25.1. tatsächlich beschlossen wird und wie dann die neue Kirchenstruktur mit zugeordneten Pfarrgemeinden ausschauen wird…

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).




fowid über die Sterbehilfe in den Niederlanden 2008 – 2018


fowidWEIMAR. (fowid/fgw) In den Niederlanden ist die ärztliche Sterbehilfe erlaubt und per Gesetz geregelt. Die staatliche Sterbehilfekommission („Euthanasiecommissie“) erfasst alle assistierten Sterbefälle, prüft die Einhaltung der „Sorgfaltskriterien“ und legt die Daten in Jahresberichten der Öffentlichkeit vor. Von einem „Dammbruch“ kann keine Rede sein.

 

In den Niederlanden wurde nach langen Diskussionen das „Gesetz vom 12. April 2001 über die Kontrolle der Lebensbeendigung auf Verlangen und der Hilfe bei der Selbsttötung und zur Änderung des Strafgesetzbuchs und des Gesetzes über das Leichen- und Bestattungswesen (Gesetz über die Kontrolle der Lebensbeendigung auf Verlangen und der Hilfe bei der Selbsttötung)" verabschiedet und in Kraft gesetzt.

 

Diesem Gesetz vorangestellt schrieb damals Königin Beatrix – als Staatsoberhaupt:

 

„In der Erwägung, dass es wünschenswert ist, im Strafgesetzbuch einen Strafausschließungsgrund für den Arzt aufzunehmen, der unter Berücksichtigung der gesetzlich zu verankernden Sorgfaltskriterien Lebensbeendigung auf Verlangen vornimmt oder Hilfe bei der Selbsttötung leistet, und dazu gesetzliche Vorschriften für ein Melde- und Kontrollverfahren zu erlassen, haben Wir, nach Anhörung des Staatsrats und im Einvernehmen mit den Generalstaaten, beschlossen und verordnen wie folgt:[…]

 

 

 

Artikel 2

 

1. Nach den in Artikel 293 Absatz 2 Strafgesetzbuch genannten Sorgfaltskriterien muss der Arzt

 

a) zu der Überzeugung gelangt sein, dass der Patient seine Bitte freiwillig und nach reiflicher Überlegung geäußert hat,

 

b) zu der Überzeugung gelangt sein, dass keine Aussicht auf Besserung bestand und der Patient unerträglich litt,

 

c) den Patienten über dessen Situation und über die Prognose aufgeklärt haben,

 

d) mit dem Patienten zu der Überzeugung gelangt sein, dass es für dessen Situation keine andere annehmbare Lösung gab,

 

e) mindestens einen anderen, unabhängigen Arzt zu Rate gezogen haben, der den Patienten untersucht und schriftlich zur Einhaltung der unter a bis d genannten Sorgfaltskriterien Stellung genommen hat, und

 

f) die Lebensbeendigung oder Hilfe bei der Selbsttötung fachgerecht durchgeführt haben."

 

 

 

Kontrollkommissionen

In den fünf Regionen der Niederlande bestehen staatliche „Regionale Kontrollkommissionen für Sterbehilfe" (Euthanasiecommissie) denen alle assistierten Suizide zu melden sind und von den geprüft wird, ob die gesetzlich vorgeschriebenen Sorgfaltskriterien eingehalten worden sind. In den Jahresberichten der Kommissionen wird sehr sorgfältig über einzelne Freitodbegleitungen berichtet, bei denen die Kommissionen Diskussionsbedarf sieht. Auch die Sorgfaltskriterien müssen, angesichts einer stärkeren Ausdifferenzierung bei den Hilfesuchenden, weiter entwickelt werden.

 

In den Jahresberichten werden sowohl die Gesamtzahlen berichtet wie auch die Zahlen für die „meldenden Ärzte" sowie die Krankheitsarten und der Altersaufbau der Verstorbenen.

 

 

Gesamtzahlen

Sie haben sich in den dargestellten zehn Jahren etwas erhöht. Die Veränderungen in den Gesamtzahlen lassen jedoch keinen immer größer werdenden Zuwachs erkennen, sondern die Zuwachsraten sind – sowohl in den absoluten Zahlen wie in den Prozentzahlen – in den Jahren unterschiedlich hoch.

 

Nach Angaben der Kontrollkommissionen und von eurostat belief sich die Anzahl der Sterbefälle in den Niederlanden von 2008 bis 2018 auf insgesamt 1.154.253 Verstorbene, darunter 42.336 Menschen, die dafür Sterbehilfe in Anspruch nahmen. Das sind im Jahresmittel 3,7 Prozent aller Verstorbenen.

 

In den Arten der Sterbehilfe ist es gleichbleibend (mit mehr als 95 Prozent) eine ärztlich begleitete „Lebensbeendigung auf Verlangen"…

 

 

Mehr dazu auf der Webseite von fowid, der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland.

 

 

(CF)

Aus http://www.freigeist-weimar.de/beitragsanzeige/fowid-ueber-sterbehilfe-in-den-niederlanden-2008-2018/

 
21.01.2020

Von: (CF)
 




Saudi Zentrum schließen!


amer-albayati-mit-bc3bccher-foto-klein-1Das Saudi Zentrum in Wien kann das Köpfen von Menschen oder Auftragsmorde nicht stoppen

Presseaussendung von Amer Albayati vom 20.1.2020

Das Saudi Zentrum in Wien kann keinen Dialog führen, allgemeine Menschenrechte vor allem Frauenrechte nicht garantieren

Das Saudi Zentrum in Wien kann Raif Badawi und alle Gewissensgefangenen nicht freilassen

Das sogenannte "König-Abdullah-Zentrum für interreligiösen und interkulturellen Dialog" (KAICIID) in Wien ist eine für Österreich und Europa rufschädigende Einrichtung geworden und muss ohne Wenn und Aber geschlossen werden.

Wir waren als Erste gegen Saudi Zentrum in Wien und haben von Anfang an dagegen protestiert und demonstriert, weil dieses Mörderregime überhaupt keinen Platz in Wien und Europa haben darf. Es sollte deshalb sofort geschlossen werden.

Die Saudis kennen keine Meinungsfreiheit und keinen gleichberechtigten Dialog mit anderen Religionen. Raif Badawi sitzt seit über 7 Jahren im Gefängnis, weil er in seinem Blog geschrieben hatte Muslime, Christen, Juden und Atheisten seien gleichwertig. Wir fordern die Freilassung von Raif Badawi, damit er endlich mit seiner tapferen Frau Ensaf Haider und den gemeinsamen Kindern in Kanada vereint sein kann.

Das Saudi Zentrum in Wien dient als Imagepolitur, denn in Saudi-Arabien existiert keine Meinungsfreiheit, Dialogtreffen wie in Wien sind dort verboten.

Wer das Saudi Zentrum in Wien unterstützt, macht sich mitverantwortlich für ein konservativ- totalitäres Mörderregime. Das Saudi Zentrum in Wien muss sofort geschlossen werden, um Österreichs Ruf endlich zu retten.

Mehr Infos:

ILMÖ fordert von König Abdullah-Zentrum eine klare Distanzierung von der Person Ibrahim El-Zayat, 9.12.2015
https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20151209_OTS0189

König Abdullah Zentrum als Einfallstor für radikale Islamisten? 1.12.2015
https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20151201_OTS0012

Die ILMÖ schlägt den liberalen Muslim Raif Badawi für den Friedensnobelpreis, 29.1.2015
https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20150129_OTS0240

Saudi Arabien muss erst seine Hausaufgaben machen, dann kann es den Dialog im Ausland wagen, 18.11.2013
https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20131118_OTS0008

Protest gegen Saudi-Zentrum, Liberale Muslime enthaupten Strohpuppe am Albertinaplatz
https://www.derstandard.at/story/1318461140807/protest-gegen-saudi-zentrum-liberale-muslime-enthaupten-strohpuppe-am-albertinaplatz
Aktion gegen das König Abdullah Dialogzentrum, Ansichtssache, 13.10.2011
https://www.derstandard.at/story/1318461140807

Dr. Amer Albayati, Experte für Islam und Terrorabwehr,
Präsident der Initiative Liberaler Muslime Österreich – ILMÖ

 




Kirchenaustritte, aufgedröselt von Erwin Peterseil


KirchenfluchtWie jedes Jahr hat die katholische Kirche auch 2020 statistische Zahlen fürs Vorjahr und die Details fürs vorvergangene Jahr jetzt anfangs Jänner veröffentlicht, die lange Liste der Austritte von 1995 bis 2019 ist auf Teil 1 zu finden.

Hier die Auflistung der Austritte 2019 nach Diözesen:

Hier sind auch die Zuwanderungsgewinne und -verluste zu sehen, die Spalte "Diff." zeigt die Differenz zwischen der Zahl der Austritte und dem realen plus/minus im Mitgliederbestand, wenn diese Differenz geringer ist als die Austrittszahl, dann hatte die Diözese einen Zuwanderungsgewinn, wenn sie im Minus und rot ist, dann gab es auch einen Wanderungsverlust, dieser hat 2019 leicht überwogen. Von 1995 bis 2019 haben insgesamt 1,207.632 Mitglieder der katholischen Kirche ihren Austritt kundgetan.

Gegenüber 2018 gab es in allen Diözesen eine Vermehrung der Austritte, in der Diözese Gurk/Klagenfurt war das 2019-Plus bei 65 %, das hat der inzwischen von Kärnten nach Niederösterreich weitergegebene Bischof Alois Schwarz tapfer erkämpft, siehe dazu die Info über vertuschten Missbrauch, die Geschichte über die Sauna um 2,5 Mio. Euro und andere Vorwürfe. St. Pölten hat dank Schwarz 2019 auch eine erhöhte Austrittsrate. Eine höhere Austrittsquote hat mit ebenfalls 19 % mehr als 2018 auch Innsbruck, die Tiroler haben diesbezüglich noch einen Nachholbedarf, wie in der Info Nr. 4954 festgestellt wurde.

Gleichzeitig mit den Austrittszahlen für 2019 wurden Statistiken für das Jahr 2018 vorgelegt:

Man sieht es gibt auch 2018 wieder mehr Begräbnisse als Taufen, was mit dem Nachwuchsmangel in der autochthonen Bevölkerung natürlich auch zusammenhängt! Geburten gab es 2018 insgesamt 85.535, 56 % der Bevölkerung sind katholisch, somit passt die Zahl 47.312 zu den Prozenten! Die Zahl der kirchlichen Trauungen steht sehr im Gegensatz zur Zahl der staatlichen Verehelichungsstatistik, das waren nämlich 46.468! Die katholisch-kirchlichen Trauungen sind davon lediglich 24 %! Knapp 70 % der staatlichen Verehelichungen waren für beide Ehepartner erste Ehe, für diese kann es keine Rolle spielen, dass für katholische Geschiedene kirchlich keine Wiedervermählung erlaubt ist. Wenn man nun mit den o.a. 56 % rechnet, also die staatliche Ehezahl um 44 % reduziert und das Resultat nochmals um 30 %, dann müsste es ca. 18.300 kirchlich-katholische Trauungen geben, somit sind entweder die Konfessionslosen unter den Heiratswilligen überproportional verbreitet oder die kirchliche Ehe spielt überhaupt zunehmend eine weniger wichtige Rolle!

Hier nun der Vergleich des Jahres 2018 mit dem Jahr 2017:

Die Taufen sind überall etwas weniger geworden, es sind aber auch die Geburten zurückgegangen, 87.633 waren es 2017, das ist ein Minus von 2.398 – 56 % davon sind 1.343, somit liegt der Rückgang wohl auch im Bereich der niedrigeren Geburtenrate unter den Eingeborenen.

Weitere statistische Zahlen von 2018: Der kirchlich gezählte Besuch der Sonntagsmesse lag 2018 bei rund 528.000 (das waren 10,45 % der Mitglieder), das ist ein Rückgang gegenüber 2017 um 30.000, bzw. um 5,4 %, das sind um 3.3 % mehr als im Vorjahr, das spiegelt natürlich auch die Altersstruktur der Messbesucher wieder, die alten Leute sind dort groß in der Überzahl und sterben weg, es gibt kaum jungen Messbesuchernachwuchs, somit gibt's jedes Jahr weniger Messbesucher, seit 2003 war das ein Rückgang von damals 870.000 um 342.000, also um 40 %!

Veröffentlicht wurden auch die Zahlen der neuen Priester, Mönche und Nonnen: 17 Priester, 8 Mönche, 17 Nonnen, auf die Priestervorstufe "Diakon" ließen sich 37 Männer weihen, diese Diakone sind ja die Reserve für die angedachten Erleichterungen im Zölibatsbereich.

Die Zahl der Diözesanpriester belief sich 2018 auf 2.048, die der Ordenspriester auf 1.411, die der Diakone auf 750, Mönche gab es 403 und Nonnen 3.453, Pfarren waren es 3020.

Veränderungen gegenüber 2017: plus zwei Priesterweihen, minus drei neue Mönche, plus sechs bei den neuen Nonnen. Die Diakone hatten wohl wegen der Überlegungen in Sachen Zölibat ein Plus von 3 auf 37! Der Priesterbestand ging von 3.554 auf 3.459 zurück, der Diakonebestand vermehrte sich um 38, die Mönche hatten einen Rückgang um 59 und die Nonnen um 47, die Pfarren wurden um vier weniger, also keinerlei Rede mehr von der durch Kardinal Schönborn 2012 angestrebten und bis 2022 zu erledigenden Flurbereinigung durch Schließung von Pfarren und Kirchen, obwohl der Bedarf von Jahr zu Jahr sinkt!

 




DGHS begrüßt Bundestags-Entscheidung zur Organspende


dghsWEIMAR. (dghs/fgw) Die Deutsche Gesellschaft für humanes Sterben e.V. (DGHS) begrüßt das im Deutschen Bundestag verabschiedete Gesetz zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft bei der Organspende (BT-Drucksache 19/01187). In einer diesbezüglichen Pressemitteilung heißt es:

 

Der Bundestag hat am 16.1.2020 mit großer Mehrheit eine moderate Reform der Organspenderegeln in Deutschland beschlossen. Demnach sollen die Bürger in Zukunft stärker dazu bewegt werden, eine Entscheidung zu treffen. Neu geschaffen werde auch ein Online-Register.

 

DGHS-Präsident Professor Dr. Dr. h. c. Dieter Birnbacher betont die Wichtigkeit einer rechtzeitigen Vorsorge für das eigene Lebensende. Im Vordergrund stünden dabei Patientenverfügungen und weitere Entscheidungen zur Vorsorge wie auch die Dokumentation, ob und unter welchen Bedingungen man gegebenenfalls als Organspender zur Verfügung stehen würde. Allerdings, so Birnbacher in einer ersten Reaktion weiter, müßten die organisatorischen Bedingungen der Organspende weiter verbessert und „die Information über die Organspende realistischer und die Angehörigen des potenziellen Organspenders zu einem möglichst frühen Zeitpunkt einbezogen werden."

 

Ein Automatismus, nach dem jeder Bundesbürger ab 16 Jahre zum Organspender wird, wenn er nicht ausdrücklich widersprochen hat, ist mit dem verfassungsrechtlich garantierten Selbstbestimmungsrecht des Menschen nicht vereinbar. Viele Menschen werden durch die Informationen zur Organspende nicht erreicht und erklären sich weder für noch gegen eine Organspende. Der Gesetzentwurf von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), der die Einführung einer doppelten Widerspruchslösung vorgesehen hatte, war bereits in zweiter Lesung mehrheitlich abgelehnt worden. Vorausgegangen war eine zweistündige Debatte.

 

Im Jahr 2019 hätten, so heißt es von der DGHS weiter, nach einer Mitteilung der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) in Deutschland 932 Menschen ein Organ nach ihrem Tod gespendet, eine ähnlich niedrige Zahl wie im Vorjahr. Mit einer durchschnittlichen Spenderrate von 11,2 Spendern pro eine Million Einwohner nehme Deutschland im internationalen Vergleich einen hinteren Platz ein.

 

 

(SRK)

 

 
17.01.2020

Von: (SRK)
 

 




fowid über Kirchenmitgliederzahlen in den Bundesländern


fowidWEIMAR. (fgw/fowid) Das Staat-Kirche-Verhältnis wird in Deutschland weitgehend auf der Ebene der Bundesländer verhandelt, da der Bund für Kirche als Kultur/Kultus nur in wenigen Themen eine Zuständigkeit besitzt. Insofern ist es angebracht, sich die Situation der beiden maßgeblichen großen „Amtskirchen“ in den Bundesländern anzusehen.

 

Allgemeiner Überblick

Auch wenn die Tendenz der Verringerung der Anzahl der Kirchenmitglieder in allen Bundesländern gleichermaßen vorhanden ist, sind die Unterschiede zwischen den westlichen und den östlichen Bundesländern beträchtlich.

 

Alle westdeutschen Flächenländer (d. h. ohne die ‚Stadtstaaten‘ Berlin, Hamburg und Bremen) haben 2018 noch eine amtskirchliche Mehrheit. Die Verringerung der Prozentanteile von 2001 bis 2018 ist durchgehend um die 13 Prozentpunkte, mit dem Spitzenwert in Bayern mit rund 16 Prozentpunkten Verringerung. Aber auch in den östlichen Bundesländern geht diese Verringerung der Anzahl der Kirchenmitglieder stetig weiter, wenn auch nur im einstelligen zwischen 5 bis 7 Prozentpunkten.

 

(…)

 

50-Prozent-Prognose

In der Theorie des Staatskirchenrechts ist die 50-Prozent-Marke wesentlich, da ein geringerer Anteil bedeutet, dass es nicht mehr ‚normal‘ ist, Kirchenmitglied zu sein und die Kirchen selber – zusammen – nicht mehr die Mehrheit des ‚Üblichen‘ stellen.

 

Acht der 16 Bundesländer haben bereits Ende 2019 keine Mehrheit der Mitglieder der Amtskirchen. Neben den fünf östlichen Ländern und dem Bundesland Berlin – bei denen nicht bekannt ist, wann sie diesen Anteil unterschritten haben – sind es Hamburg (1995) und Bremen (2014). Ende 2020 wird voraussichtlich auch in Schleswig-Holstein die Mehrheit der beiden großen Kirchen beendet sein. Da auch in allen anderen Bundesländern die Rückgänge voran gehen, wird in Deutschland insgesamt voraussichtlich bzw. spätestens 2025 diese Mehrheit Geschichte sein…

 

Mehr dazu – inklusive von mehr als 18 detaillierten Tabellen und Grafiken – gibt es auf der fowid-Webseite.

 

 

(CF)

 

 
13.01.2020

Von: (CF)
 




Die Niederlande säkularisieren sich erfolgreich!


NiederlandeDas war einem Bericht vom 8.1.2020 auf katholisch.de über dortige Kirchenschließungen zu entnehmen, es hieß dazu u.a.:

"Ein Team von Journalisten hatte ein Jahr lang Kirchenvertreter, Dorfbewohner und Experten zur Entwicklung der Kirche auf dem Land befragt. Die Schließung einer Kirche sei meistens ein emotionales Ereignis für die Gemeinschaft. Davon erhole sie sich aber rasch, schreiben die Autoren. Die verschiedenen sozialen Funktionen, die Kirche in kleinen Gemeinschaften erfüllt, würden erstaunlich mühelos von weltlichen Vereinen oder Organisationen übernommen. Allerdings seien Dorfbewohner nach der Schließung ihrer Gemeindekirche kaum dazu bereit, im Nachbarort zum Gottesdienst zu gehen. Stattdessen blieben sie der Kirche komplett fern. Eine Kirchenschließung sei also nicht nur eine Folge der sinkenden Gläubigenzahlen, sondern führe auch zu weiteren Kirchenaustritten."

Ein sozialwissenschaftliches Institut hat dazu festgestellt, die Zahl der Katholiken sei in den letzten 15 Jahren um 20 Prozent zurückgegangen, die Zahl der Kirchgänger um 60 Prozent gesunken, die Zahl der Gemeinden im Land habe sich mehr als halbiert. Nur einer von fünf Niederländern bezeichne sich noch als katholisch, doch nur fünf Prozent davon (153.800 Menschen) besuchten regelmäßig die Messe, die Niederlande gelten als eines der säkularisiertesten Länder Europas, in dem fast die Hälfte der Menschen keiner Religionsgemeinschaft angehört.

Tüchtig die Holländer, weiter so! In Österreich ist der Mitgliederbestand der katholischen Kirche in den letzten 15 Jahren um elf Prozent gesunken, der Kirchenbesuch um 27 %, da gibt's also noch größeren Aufholbedarf! Aber die katholische Kirche dort hat ja auch um mehr als die Hälfte weniger Mitglieder, weil es mehr Protestanten gibt als in Österreich. 1970 waren noch 61 % der Holländer in einer christlichen Kirche, jetzt sind es noch um die 30 %, da nur noch 18 % an Götter glauben, ist das wohl auch eher überraschend viel…

 

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).




Kardinal Woelki rät von Anpassung des Glaubens an Zeitgeist ab


WoelkiAm 6.1.2020 auf katholisch.de erschienen, hier am 10.1.2020 mit atheistischen Ergänzungen online gestellt.

katholisch.de: Nur der Glaube, wie er von den Aposteln grundgelegt und durch die Zeiten hindurch bewahrt worden sei, garantiere, "dass wir nicht Irrlichtern aufsitzen und von ihnen in die Irre geführt werden", mahnt Kardinal Rainer Maria Woelki.
Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki rät von einer Anpassung des christlichen Glaubens an den Zeitgeist ab. In der Vielfalt von Heilsangeboten heutzutage scheine selbst in der Kirche eine Orientierung auf das wahre Heil schwer geworden zu sein, sagte er laut Redemanuskript anlässlich des Fests der Heiligen Drei Könige am Montag im Kölner Dom. Ein "vielstimmiger Chor von Meinungen, persönlichen Anschauungen und Interessen" versuche dort derzeit die Offenbarung Gottes und den Glauben der Kirche zu relativieren und an die Zeit anzupassen.

Atheistische Anmerkung: Ja, sich nicht an den Zeitgeist anzupassen, das war im 19. Jahrhundert die Hauptaufgabe der katholischen Kirche, den "Modernismus" zu belämpfen, das wurde damals "Antimodernismus" genannt und die Priester mussten alle den "Antimodernismuseid" ablegen.
Hier der Eid in seiner ganzen Länge:
"Erstens: Ich bekenne, dass Gott, der Ursprung und das Ende aller Dinge, mit dem natürlichen Licht der Vernunft durch das, was geschaffen ist, d. h. durch die sichtbaren Werke der Schöpfung, als Ursache mittels der Wirkung, mit Sicherheit erkannt und auch bewiesen werden kann.
Zweitens: Ich anerkenne die äußeren Beweismittel der Offenbarung, d.h. die Werke Gottes, in erster Linie die Wunder und Prophezeiungen, als ganz sichere Zeichen des göttlichen Ursprungs der christlichen Religion. Ich halte fest, dass sie dem Geist aller Zeiten und Menschen, auch der Gegenwart, auf das beste angepasst sind.
Drittens: Fest glaube ich, dass die Kirche, die Hüterin und Lehrerin des geoffenbarten Wortes, durch den wahren und geschichtlichen Christus selbst, während seines Lebens unter uns, unmittelbar oder direkt eingesetzt, und dass sie auf Petrus, den Fürsten der apostolischen Hierarchie, und auf seine steten Nachfolger gebaut wurde.
Viertens: dass die Glaubenslehre, soweit sie von den Aposteln durch die orthodoxen Väter übermittelt wurde, stets ein und dieselbe war.
Fünftens: dass der Glaube kein blindes Gefühl für Religion ist, das aus den verborgenen Gründen des Unbewussten unter dem Druck des Herzens und der Erregung des sittlich ungebildeten Willens hervorbricht, sondern dass er die wahrhafte Zustimmung unseres Verstandes zu einer Wahrheit ist, die von außen her durch Hören angenommen wird, durch die wir das, was von dem persönlichen Gott, dem Schöpfer und unseren Herrn gesagt, bezeugt und geoffenbart worden ist.
Erst 1967 wurde dieser Eid abgeschafft, weil das Zweite Vatikanum versucht hatte, sich der Welt des 20. Jahrhundert vorsichtig zu nähern, was auch nicht viel gebracht hat, weil in den entwickelten Staaten das "Opium des Volkes" durch die verbesserten Lebensbedingungen stark an Bedeutung einbüsste, wenn Menschen krank sind, gehen sie zum Doktor und nicht zum Beten in die Kirche.

katholisch.de: "Wer keine Ausrichtung mehr hat, verliert die Richtung"
Ein solcher Glaube aber stelle keine überzeugende Alternative zu den anderen Angeboten mehr dar, so der Kardinal. "Wer keine Ausrichtung mehr hat, verliert die Richtung. Und wer die Richtung verliert, verliert das Leben; der verliert seine Relevanz als eine echte, ernstzunehmende Alternative im Konzert säkularer Stimmenvielfalt." Nur der Glaube, wie er von den Aposteln grundgelegt und durch die Zeiten hindurch bewahrt worden sei, garantiere, "dass wir nicht Irrlichtern aufsitzen und von ihnen in die Irre geführt werden", sagte Woelki.

Atheistische Anmerkung: Dem Licht der Vernunft zu folgen, das geht auf katholisch nicht, weil das kann nur ein Irrlicht sein. Die katholische Richtung und Ausrichtung hat undiskutierbar die richtige Richtung und Ausrichtung zu sein, wer seinen Glauben kritiklos und unbeirrbar glaubt, verliert die Richtung nicht und deswegen auch nicht sein Leben, weil der Glaube verspricht ja das ewige Leben im ewigen Paradies! Also: Wer's glaubt, wird selig und wenn er gestorben ist, kann er gar nimmer erfahren, dass der Glaube ein Irrglaube war, weil Tote wissen ja auch nicht, dass sie gelebt haben. Dass wir vor unserer Geburt nicht existiert haben, ist für jeden (außer den Seelenwanderern) klar, der Zustand nach dem Tod ist derselbe, man existiert nicht, das ist die säkulare Klarheit…

katholisch.de: Wie die Heiligen Drei Könige sollten Christen auch heute allein und ausschließlich Christus als das Licht der Welt suchen, verkünden und preisen. Dieses Licht, in dem sich die Wahrheit und das Leben Gottes offenbare, drohe heute in den Herzen vieler Menschen mehr und mehr zu verlöschen, so der Kardinal.
Atheistische Anmerkung: Ja, die Menschen leben ja heute nicht mehr in wissensloser mittelalterlicher kirchlicher Knechtschaft, der Jesus als Weltlicht ist was für religiöse Randschichten! In den entwickelten Staaten leben nur noch ein paar Prozent der Leute tatsächlich religiös, für die meisten Kirchenmitglieder sind es maximal die religiösen Traditionen zu den wichtigen Lebensereignissen, die eine Rolle spielen, man lässt die Kinder oft noch taufen, heiratet erstehelich noch kirchlich und lässt sich kirchlich eingraben. Und dabei trägt man aber auch keinen Jesus spazieren…

katholisch.de: Am 6. Januar feiert die katholische Kirche traditionell das Fest Epiphanie (Erscheinung des Herrn). Im Volksmund wird es auch Heilige Drei Könige genannt. Nach einer Legende wurden deren Gebeine zunächst in Konstantinopel aufbewahrt. Später sollen die sterblichen Überreste nach Mailand gelangt sein. Der Kölner Erzbischof und Reichskanzler von Kaiser Barbarossa, Rainald von Dassel, überführte die Gebeine 1164 nach Köln, wo sie verehrt und im sogenannten Dreikönigenschrein aufbewahrt werden.
Atheistische Anmerkung: Ja, dazu gibt's den alten Witz, ob die heiligen drei Könige wirklich existiert haben, ist historisch nicht nachweisbar, gesichert ist bloß, dass sie in Köln eingeschreint sind. Immerhin verlangt der Woelki nicht, dass an die drei Könige im Schrein zu glauben wäre. Der Zeitgeist ist jedenfalls schon lange nicht mehr religiös, die Folgen davon hat klarerweise auch die katholische Kirche zu tragen und zu ertragen..

 

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).




SEBASTIAN, KURZ KANZLER


sebastian-kurz-wahl-100~_v-img__16__9__l_-1dc0e8f74459dd04c91a0d45af4972b9069f1135So wahr mir Gott helfe

Dieser Unwahrspruch war bei der Angelobung der neuen Regierung von ÖVP und Grünen zu hören: Kanzler Kurz ergänzte sein Gelöbnis mit dem Spruch "so wahr mir Gott helfe", das Gleiche taten Elisabeth Köstinger (Landwirtschaftsministerin) und Klaudia Tanner (Verteidigungsministerin, beide ÖVP).

Wie hier auf dieser Site ja schon mehrfach ausgeführt, ist der Zusatzspruch real gesehen keine Bekräftigung, sondern eine Entschärfung des Gelöbnisses. Wenn man sagt "ich gelobe, so wahr mir Gott helfe", dann müsste ja der Gott diese Wahrheit wahrnehmbar bestätigen! Weil wenn es nicht wahr ist, dass ein Gott dem Kurz und den zwei Ministerrinnen hilft, dann ist auch das Gelöbnis nicht wahr…

Für die Interpunktion im Titel zeichnet nicht der Autor verantwortlich, Erwin Peterseil, www.atheisten-info.at




BRD: Vertrauenstrendbarometer


VertrauenAm 6.1.2020 veröffentlichte RTL/ntv den aktuell erhobenen Trendbarometer über das Vertrauen der Bevölkerung zu diversen Einrichtungen, demnach haben 80% der Befragten großes Vertrauen zur Polizei, zu den Ärzten sind es auch 80%, dahinter die Universitäten mit 77% und der Bundesverfassungsgerichthof mit 74%.
Dann folgt der eigenen Arbeitgeber mit 68%, kommunale Unternehmen mit 67%, Gerichte mit 66%, Meinungsforschungsinstitute bekamen 59%, der Rundfunk 54%.
Dann geht es mit weniger als 50 % weiter, zur Bundeswehr hatten 45% Vertrauen, zu den Gewerkschaften 44%, zur Presse 43%, zur Evangelischen Kirche 36%  zu Sparkassen 33%, zum Fernsehen 30%.
Mit 29% liegt der Papst etwas schlechter, die Unternehmer kommen nur auf 26% und Arbeitgeberverbände auf 25%
Unter 20 % sind mit 19 die Banken mit 18 die Versicherungen, mit 14% die Katholische Kirche, der Islam hat mit 9% noch ein bisschen weniger, dann kommen mit 8% die Manager und auf dem letzten Platz liegen mit nur 3% die Werbeagenturen, was ja wohl auch keine Überraschung ist.

Lustig ist, dass die liberale evangelische Kirche rund das zweieinhalbfache Vertrauen der katholischen Kirche hat, in der BRD sind laut Wikipedia 25,4 % Mitglieder in der evangelischen Kirche und 27,7 % in der katholischen: Da haben damit die Protestanten einen Vertrauensüberschuss von rund 11 % und bei den Katholiken haben mindestens 11 % der Mitglieder kein Vertrauen in diese Kirche, nu, da sollten sie doch wohl schleunigst austreten!

 




Bischöfliche Austrittsschmerzen


AustrittKathpress am 4.1.2020: Innsbruck. Jeder Kirchenaustritt "tut mir leid und schmerzt". Das hat der Innsbrucker Diözesanbischof Hermann Glettler in der Tageszeitung "Krone" am Samstag festgestellt. Als Grund für die geringer werdende Zahl an Katholiken in Österreich nannte Gletter u.a. die Schwierigkeiten von Menschen, sich an eine Gemeinschaft zu binden: "Für die Kirche ist das schmerzlich, sie braucht eine Gemeinschaft der Gläubigen."

Schauen wir uns dazu Zahlen aus der Innsbrucker Diözese an: von 2003 bis 2017 (neuere Zahlen liegen noch nicht vor) ist die Mitgliederzahl um 6,6 % gesunken, die Zahl der kirchlich gezählten sonntäglichen Messbesucher jedoch um 53 %! Im gesamten Österreich waren diese Zahlen 11 % und 36 %. Die Kirchgänger sind also in Tirol deutlich stärker gesunken, in Österreich waren es 2003 noch 15 % der Katholiken, die sonntags in die Messe gingen, in Tirol fast 22 %, 2017 waren es knapp 11 % und 12 %, die Tiroler hatten also einen größeren Aufholbedarf in Richtung Säkularismus!

Eine "Gemeinschaft der Gläubigen", die aus überzeugten, bekennenden und aktiven Katholiken bestand, war nie sehr groß gewesen, denn der Katholizismus war viel zu lange Pflicht gewesen, es gab also Unterworfene statt Gläubige. Als meinereiner vor gut 50 Jahren aus der katholischen Kirche austrat, in die mich meine ungläubigen Eltern aufgrund des damals in der Gesellschaft noch herrschenden katholischen Druckes hineintaufen hatten lassen, begegnete mir kurz danach der nachmalige ÖVP-Politiker und spätere Landeshauptmann Josef Pühringer, wir kannten uns zufällig seit der Kindheit, der mir den Kirchenaustritt vorhielt, von dem er wohl bei der Sonntagsmesse gehört hatte, weil die Austreter dort öffentlich bekanntgegeben wurden.

Solche Zeiten sind heute vorbei, der Artikel 14 des Staatsgrundgesetzes hat zunehmend reale Bedeutung im realen Leben: "Die volle Glaubens- und Gewissensfreiheit ist Jedermann gewährleistet. Der Genuss der bürgerlichen und politischen Rechte ist von dem Religionsbekenntnisse unabhängig; doch darf den staatsbürgerlichen Pflichten durch das Religionsbekenntnis kein Abbruch geschehen. Niemand kann zu einer kirchlichen Handlung oder zur Teilnahme an einer kirchlichen Feierlichkeit gezwungen werden, insofern er nicht der nach dem Gesetze hiezu berechtigten Gewalt eines Anderen untersteht." Also ein Kind kann von den Eltern noch zu religiösen Handlungen oder zur Teilnahme an Sonntagsmessen gezwungen werden, unsereiner nimmer!

Das schmerzt die Kirche, aber das ist unumkehrbar, die Glaubensgemeinschaft ist nur moralische Pflicht für Glaubenswillige, der Kirchenaustritt wird von Jahr zu Jahr mehr zur Pflicht nicht nur für aktive Ungläubige, sondern vor allem für religiös Desinteressierte, die inzwischen der neue Standard der Konfessionslosen sind. Es ist ähnlich wie bei den Nichtrauchern, viele sind Nichtraucher geworden, weil das Rauchen der Gesundheit schadet, viele werden nimmer Raucher, weil es ihnen nicht schmeckt oder sie nicht einmal interessiert…

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).




Kein Kampf der Kulturen – Kritische Auslegung der Bibel und des Koran


3708-1119_UmschlagRezension von Gerfried Pongratz:

Drei renommierte (emeritierte) Universitätslehrer für Religionsphilosophie, alttestamentliche Bibelwissenschaft und Islamwissenschaft stellen sich angesichts fundamentalistischer Religionsaussagen und nahezu täglicher Anschläge islamischer Dschihadisten der Aufgabe, religiöse Zeitbomben in „heiligen“ Büchern aufzuzeigen und einen vernünftigen Umgang damit zu finden. Nicht nur der Koran und die Hadithe, auch die jüdische Bibel (Tanak) und die jüdisch-christliche Bibel (Altes Testament) enthalten Texte, die zur Vernichtung von „Gottesfeinden“ aufrufen, Judenverfolgung legitimieren, politische Universalansprüche erheben und grundlegenden Menschenrechten widersprechen. Für die meisten Juden und Christen sind diese Aussagen obsolet geworden, für den Weltislam besitzen sie nach wie vor Gültigkeit. Das vorliegende Buch beschreibt die geistigen und moralischen Sprengstoffe in der jüdischen und christlichen Bibel sowie im Koran und unterbreitet Vorschläge zu deren Neutralisation.

 

Zu Beginn der Ausführungen geht es den Autoren darum, die Kampftexte in der Bibel und im Koran kulturgeschichtlich zu erklären, womit diese, inhaltlich relativiert, ihre Gültigkeit verlieren. In welchen politischen Situationen sind diese Passagen entstanden und an wen waren sie gerichtet? Anton Grabner-Haider beleuchtet die Entstehung der heiligen Bücher mit ihren sprachlichen Wurzeln und Entstehungsgeschichten: Die Veden (1.500 – 1.000 v.Chr.), die Schriften des Alten Orients, die Lehren aus China und anderer alter Kulturen, die jüdische Bibel (500 – 250 v.Chr.), die christliche Bibel (30 – 120 n.Chr.) und der Koran (600 – 650 n.Chr.) bieten Erzählungen, Moralnormen, Gesetze und Weisheitslehren vergangener Epochen; die Texte wurden tabuisiert und durften nicht verändert werden. Die Hermeneutik der jüdischen und christlichen Bibel, wie auch des Koran, enthält neben positiven Elementen Deutungen, die im religiösen und politischen Denken der Gläubigen zu „fast unvorstellbaren Kräften der Selbstzerstörung“ führten. Zusammenfassend meint der Autor, dass die Entschärfung religiöser Zeitbomben in modernen Gesellschaften grundsätzlich möglich und in der chinesischen und japanischen Religion, aber auch im Christentum und Judentum weitgehend gelungen sei. Die Erkenntnisse der kritischen Philosophie, der modernen Psychologie, der Kultur- und Naturwissenschaften bringen eine Relativierung religiöser Lehren und Normen mit sich. Damit sei auch Säkularisierung verbunden, die allerdings nach Meinung des Autors die Gefahr beinhalte, „dass mit der Relativierung christlicher Lehren auch die moralischen Grundwerte brüchig werden“. Anton Grabner-Haider plädiert für nur partielle Religionskritik, die wirkungsvoller sei, als die totale Ablehnung von religiösen Bildern, Lehren und Normen.

 

Bernhard Langs Ausführungen zu „Problemtexten der Bibel“, verweisen auf „Wege zum Humanismus durch Kritik und den allegorischen Imperativ“. Es gibt „satanische Verse“ und ein Erbe der Gewalt in der Bibel; sie stellen große Herausforderungen dar und rufen nach Strategien der Bewältigung, Bibelkenner nehmen dazu vier Rollen ein: Als Kritiker decken sie Probleme auf, als Praktiker wählen sie aus und lassen Problematisches weg, als Exegeten oder Lehrer wecken sie Verständnis für vergangene Kulturen und erklären deren Eigenart, als kreative Theologen beweisen sie Mut in der Auslegung religiöser Texte (Midrasch) oder folgen dem allegorischen Imperativ, was bedeutet, Texte nicht wörtlich zu nehmen. „Diese gewaltigen Aufgaben sind längst nicht geleistet. Fachleute sind gefordert, aber nicht nur sie: jeder kann sich an diesem Geschäft beteiligen“.

 

Karl Prenner widmet seinen Beitrag dem Koran „als zeit- und literaturgeschichtliches Dokument“ und seiner „humanistisch-hermeneutischen Deutung für die Gegenwart“. In einer kritischen Bestandsaufnahme des Islam werden Fragen der Menschenrechte sowie „Kampf, Krieg, Gewalt“, und das Verhältnis von „Gläubigen zu Ungläubigen“ behandelt. „Ungleiche Rechte für Männer und Frauen“, „fehlende Meinungs- und Glaubensfreiheit“ und das islamische Strafrecht bilden weitere Kapitel. Im Islam steht nicht der Mensch, sondern Gott und die Religion im Mittelpunkt; „es ist der Konflikt zwischen einer auf den Menschen und einer auf Gott ausgerichteten Weltsicht und zwischen den damit verbundenen Zivilisationen“. Die meisten arabischen Staaten haben die UN-Menschenrechtscharta in ihre Verfassungen aufgenommen, ordnen diese jedoch der Scharia unter. Eines der Hauptprobleme einer zeitgemäßen Koranhermeneutik besteht darin, dass der offizielle Islam im Koran ein wörtliches Diktat Gottes sieht, Vertreter anderer Ansichten werden mit dem Tode bedroht und müssen im Ausland Zuflucht nehmen. Der Autor zitiert Islamwissenschaftler wie Tibi, Khorchide, Rhaman, Mansur, Abdel-Samad, Schirra, Ucar und Ourghi; letzterer bezeichnet den islamischen Glauben als gefährlich, wenn keine kritische Reflexion erfolgt. Erläuterungen zum mekkanischen und medinischen Islam-Modell, zur Sozialgesetzgebung im historischen Kontext, zu Fragen der Apostasie, zu Offenbarung und zur arabischen Sprache als Kulturvermittler sowie Reflexionen über das Gottes- und Menschenbild des Islam ergänzen die Ausführungen. Karl Prenner verweist dabei auch auf die Bemühungen moderner islamischer Hermeneutiker; so fordert z.B. Khorchide, gegenüber der traditionellen „Theologie des Gehorsams“ eine „Theologie der Barmherzigkeit“ zu entwickeln und nach Ourghi ist die Zeit gekommen, „dass die Muslime den apriorischen Wahrheits- und Überlegenheitsanspruch aufgeben, der bis heute im muslimischen Glauben vorherrscht“.

 

„Kein Kampf der Kulturen“ ist ein wichtiges Buch religiöser Aufklärung, das mit zahlreichen Originalzitaten umfassend und tiefgründig Wissen zu in heutiger Zeit unakzeptablen Texten und Universalansprüchen der jüdischen, christlichen und muslimischen Religionen enthält. Die inkriminierten Inhalte werden im Kontext ihrer Entstehungs- und Wirkungsgeschichte dargestellt, Hinweise und Vorschläge zum Umgang mit Kampf- und Diskriminierungsaufrufen, mit unmenschlichen Strafen und massiven Menschenrechtsverletzungen ergänzen die Ausführungen. Die Autoren plädieren für eine Kennzeichnung der betreffenden Texte als nicht mehr zeitgemäß und für Korrekturen im Hinblick auf moderne, humanistische Religionsauffassungen, „denn nur, wenn die flächendeckende Entschärfung dieser religiösen Zeitbomben gelingt, können die großen Religionen einen Beitrag zum Weltfrieden leisten“. Anton Grabner-Haider schlägt zudem auch vor, eine kulturgeschichtliche Deutung der Bibel und des Koran auf allen Schulstufen, an allen Hochschulen und in der Erwachsenenbildung zu vermitteln; das Ziel müsse sein, von einer Glaubens- zu einer Kulturreligion zu gelangen.

 

Anmerkung des Rezensenten: Dass Religionen essentielle Beiträge zum Weltfrieden leisten sollen, ist ein wichtiges, ambitioniertes Vorhaben, von Glaubens- zu Kulturreligionen zu gelangen, bildet jedoch für Menschen, die religiösen Vorstellungen nichts abgewinnen können, kein erstrebenswertes Ziel. Ihrer Ansicht nach bietet eine frühe Erziehung und umfassende Bildung hin zu einem modernen, säkularen (evolutionären) Humanismus mehr Chancen, die destruktiven Elemente von Religionen zu überwinden und in der Verbindung von heutigen Erkenntnissen der Wissenschaften mit den Werten des Humanismus (nach der Methodik des kritischen Rationalismus) Werte und Orientierung für ein sinnerfülltes, weitgehend glückliches Dasein in einer friedlicheren Welt zu finden. Gegenseitige Unterstützung und partielle Zusammenarbeit der Befürworter von Kulturreligionen und säkularem Humanismus können sich aber als vorteilhaft erweisen.

Anton Grabner-Haider / Bernhard Lang / Karl Prenner:

„Kein Kampf der Kulturen – Kritische Auslegung der Bibel und des Koran“

© Verlag Dr. Kovać GmbH, Hamburg, 2020, ISBN 978-3-339-11444-0, 163 Seiten.

 

Gerfried Pongratz 1/2020




Ein „tätiger Humanismus“ – Wie könnte der wohl aussehen?


Tätiger HumanismusWEIMAR. (fgw) Wer angesichts des Titels „Tätiger Humanismus“ mit dem vorliegenden Sammelband möglicherweise ein Rezeptbuch für seine praktische Arbeit in einer humanistischen Organisation erwartet hat, der dürfte enttäuscht werden. Worum es jedoch Herausgeber Horst Groschopp mit der Publikation von Ursula Neumanns Schriften geht, das wird mit dem Untertitel „Historische Beiträge zu aktuellen Debatten“ doch sehr deutlich. Denn Ursula Neumanns Texte stellen nach wie vor eine gute Handreichung für heutiges humanistisches, freigeistiges oder atheistisches Engagement dar.

 

 

In welche Debatten, die leider immer noch aktuell sind, hatte sie sich insbesondere in den Jahren 1990 bis 2000 eingemischt? Da ging es primär um die eigene Abwendung von Religion und Kirche und um eine dezidierte, weil fundierte, Religions- und Kirchenkritik. Da ging es um die Problematik Religions- und/oder Ethik-Unterricht sowie den Umgang mit Flüchtlingen. Und weil solche wichtigen Fragen immer noch nicht im humanistischen Sinne beantwortet sind, wurden hierzu auch einige neuere Wortmeldungen aus den Jahren 2017 und 2018 mit in den Sammelband aufgenommen. Lediglich zur „Kulturkritik" gibt es keine historischen Beiträge, sondern nur einen aus dem Jahre 2017.

 

Von den insgesamt 18 Texten hat Ursula Neumann drei gemeinsam mit ihrem Mann Johannes verfaßt. Wobei in einem dieser Beiträge auch Sohn Joachim – als direkt Betroffener – zu Wort kommt.

 

Wenn man bereits vorab ein Fazit ziehen darf, dann geht aus allen Wortmeldungen hervor, daß Ursula Neumann unter „tätigem Humanismus" keineswegs einen säkularen Sozialkonzern, also einen gemeinnützigen Geschäftsbetrieb a la Caritas oder Diakonie, versteht. Nein, für Ursula Neumann bedeutet dieser Begriff im Grundsatz nichts anderes als Zivilcourage. Oder anders gesagt bedeutet er engagiertes, bewußtes Aufbegehren gegen gesellschaftliche Mißstände in Staat und Gesellschaft. Bedeutet der Begriff das ein Eintreten für ein selbstbestimmtes Leben selbstbewußter und mündiger Bürger frei von religiöser u.ä. Bevormundung. Was letztlich eine reale Trennung von Staat und Religionen/Kirchen bedeutet, ja verlangt, und hier insbesondere eine reale Trennung der Kirchen/der Religion von der Schule. Was ja eigentlich in Deutschland seit 1919 von der Verfassung bzw. dem Grundgesetz geboten ist. Was vielleicht nach Schlagworten klingt, ist aber ganz profan zu sehen: Wie sieht es denn mit Frauenrechten tatsächlich aus, wenn es um den Schwangerschaftsabbruch geht? Oder wie mit dem eigenen Sterben, wenn es um ein selbstbestimmtes humanes Lebensende geht? Da scheinen wir hierzulande doch noch eher in feudalen als in demokratischen Zeiten zu leben.

 

Eine wichtige Fragestellung ist für Ursula Neumann, wie sich die in viele kleine und kleinste Organisationen gespaltene „säkulare Szene" positioniert. Sie ermahnt daher, der Herausgeber hebt es in seinem Vorwort hervor, daß für diese Szene Humanität der Bezugspunkt sein muß, nicht aber Religion oder Kirche. Auf S. 30 in dieser Anthologie schreibt Ursula Neumann:

 

„Sich über Religion und Kirche zu definieren – und sei es über die Vorsilbe 'a' oder 'anti' ist meiner Meinung nicht nur deshalb gefährlich, weil sie einen an etwas bindet, was man ablehnt, sondern noch viel mehr, weil es die Bindung an etwas Bedeutungsloses darstellt."

 

Man kann es auch kürzer sagen: Es genügt nicht zu sagen, wogegen man ist, man muß sagen, wofür man ist und hierfür muß man dann auch konkrete Angebote unterbreiten!

 

 

Biographisches und Gewißheiten

Die von Horst Groschopp ausgewählten 18 Texte sind in acht Komplexe gegliedert worden. Es beginnt mit „Biographisches", darin einzig der Text „Wie werde ich ein guter Außenseiter?" aus dem Jahre 2000. Hierin reflektiert Ursula Neumann die Abwendung ihrer Familie von Religion und Kirche. Was sie und die Kinder in einem katholischen Dorf da erleben mußten, das verschlägt einem den Atem. Man meint fast, dies sei einst in Zeiten der „Heiligen Inquisition" geschehen.

 

Man stelle sich mal vor, so wären in der DDR erzkatholische Menschen behandelt worden… Man kann es sich aber nicht vorstellen, weil es das so nicht gab. Der Rezensent denkt da konkret an den einzigen Mitschüler seiner Klasse in einer mecklenburgischen Kleinstadt. Dieser Junge wurde weder von Lehrern noch anderen Kindern irgendwie gehänselt oder gar diskriminiert. Er wurde höchstens beneidet, weil er an katholischen Feiertagen problemlos von Unterricht freigestellt wurde.

 

Welche „Gewißheiten" Ursula und Johannes Neumann aus ihrem bewußten Weg aus Religion und Kirche gewonnen haben, das spiegelt sich in den Texten „Vernunft und Verantwortung" (1990) und „Die Welt ist voller Gläubigen" (2000). Peinlich ist in diesem Zusammenhang jedoch ihr Loblied auf einen gewissen Herrn Biermann (Fußnote auf S. 43).

 

 

Religions- und Kirchenkritik

Der Komplex „Religions- und Kirchenkritik" umfaßt vier Beiträge. Aufschlußreich, argumentativ und zugleich bestens ironisch, so muß man die „Anmerkungen zu einem bemerkenswerten Dokument der römischen Kongregation der Glaubenslehre" – überschrieben mit „Theologie als Glaubensgehorsam" – aus dem Jahre 1990- bewerten. Ja, das kann nur jemand so glasklar formulieren und analysieren, der selbst in religiösem Milieu aufgewachsen ist und dazu noch Theologie studiert hat. Und so lautet ihr vernichtendes Urteil aus berufenem Munde:

 

„Die katholische Theologie erfüllt nicht einmal theoretisch die Mindestvoraussetzungen der Wissenschaftlichkeit. Sie ist lediglich Sprachrohr einer Ideologie. An einer staatlichen Universität hat sie darum nichts verloren." (S. 73)

 

Der nachfolgende Text ist sehr ironisch gehalten, liest sich wie eine Satire, und ist dennoch absolut real, was bundesdeutsche Zustände angeht: „Johannes Dyba, der Heilige Bonifatius und die Geister, die wie gerufen kommen" (1991).

 

Bundesdeutsche Zustände im „Dreieck Staat – Kirche – Gesellschaft" und die „irrationale Angst des Staates vor der Trennung" – das ist Thema des Aufsatzes „Von der Wiege bis zur Bahre" (1999).

 

Gleich eingangs schreibt sie hier, wie Klerus, ihm hörige Politiker, Juristen, Medien etc., unisono am Erhalt des Bestehenden arbeiten:

 

„Es wird suggeriert, daß Religion und Kirchen – und nur sie etwas leisten könnten, was so überhaupt nicht leistbar ist: Die Herstellung eines Wertekonsenses. Das ist ebenso Scharlatanerie, wie die Angstmacherei, ohne Religion und Kirchen würde die Gesellschaft inhuman und zerfalle über kurz oder lang." (S. 84)

 

Da sich bis heute hier nichts geändert hat, stellt gerade dieser Beitrag eine sehr gute Handreichung für laizistische Politik dar. Etwas hat sich seither aber leider doch geändert, denn inzwischen suggerieren solches nicht bloß die traditionellen West-Parteien, sondern auch vorgeblich LINKE Politiker wie Gysi und Ramelow.

 

Ursula Neumann äußert sich in dem Zusammenhang „Zur Gottesfrage", 2017 in einem Kommentar zu einer Diskussion im Humanistischen Pressedienst:

 

„Für mich ist es eine belanglose Frage, ob es 'Gott' gibt. (…) Die Gottesfrage in den Vordergrund zu stellen, heißt meiner Meinung nach, das Pferd am Schwanz aufzuzäumen. Was mich immer wieder frappiert, ist der Glaube vieler AtheistInnen an die Macht vernünftiger Argumente. (…) Noch eins zur speziellen Situation der Kirchen in Deutschland. Nehmen wir an, die Nichtexistenz 'Gottes' wäre zweifelsfrei nachgewiesen. Wer jetzt glaubt, am nächsten Tag träte der Bundestag zusammen, um alle Dotationen und Vorrechte der Kirchen zu streichen, der irrt. Zunächst würden diese darauf verweisen, daß die Verträge nicht mit dem lieben Gott, sondern mit ihnen geschlossen seien und daher weiterhin gültig. Dann würde argumentiert mit 'Weltkulturerbe, 'Wertevermittlung', 'sozialer Bedeutung' oder was weiß ich – und es ginge viel Zeit ins Land…" (S. 115-118)

 

 

Religions- und Ethikunterricht

Nur drei Texte sind im Komplex „Religions- und Ethikunterricht" versammelt, aber diese haben es in sich. Die Artikel und ihre logischen Argumentationen aus den Jahren 1997 und 1998 sind in keiner Weise veraltet, sondern sie können auch 20 und mehr Jahre danach immer noch verwendet werden. Gerade sie sollten auch heuer als eine unverzichtbare Handreichung angemommen werden.

 

Die Debatte hierzu dauert ja immer noch an und mit immer neuen Gegen-„Argumenten" seitens der Verfechter eines pflichtigen Religionsunterrichts. In den relativ kurzen Artikel „Die Kunst den Bogen ungestraft zu überspannen" (1997) skizziert Ursula Neumann, wie es 1919 zum Verfassungsparagraphen über den Religionsunterricht kam, wie schleichend – und mit Hilfe von Politik und Justiz – aus dem Recht auf einen konfessionellen Religionsunterricht eine Pflicht gemacht wurde. Und warum dann in Westdeutschland auf einmal ein Ersatzfach „Ethik" eingeführt worden ist.

 

Und so wie der Klerus nebst ihm höriger Politik immer wieder auf das Grundgesetz pocht, wenn es um den Erhalt eines Religionsunterrichtes geht, so weist Ursula Neumann darauf hin, daß eben gerade dieses Grundgesetz auch eine ganz schlichte und praktikable Lösung anbietet:

 

„In bekenntnisfreien Schulen ist lt. Art. 7 Grundgesetz nicht ordentliches Lehrfach. Es liegt – bei Berücksichtigung des Elternwillens – in der Gestaltungsfreiheit des Gesetzgebers die bekenntnisfreien Schulen zur Regelschule zu machen." (S. 124)

 

Und im Prinzip sind ja die öffentlichen Schulen allesamt schon lange keine sogenannten „christlichen Gemeinschaftsschulen" mehr. Dafür spricht allein schon die Tatsache, daß heuer rund die Hälfte der Einwohner – und damit auch der Schülerschaft – keiner christlichen Kirche mehr angehört.

 

Sehr lesens- und vor allem bedenkenswert ist der gewollt polemische Artikel „Sind Christen doch die besseren Menschen?" (1998). Der Untertitel bringt es gleich auf den Punkt: „Das Märchen von der Bedeutung christlicher Wertevermittlung". Dem ist nichts hinzuzufügen, meint der Rezensent!

 

Was die Neumanns erleben mußten, als sie um das Recht kämpften, daß ihr Sohn Joachim nach der legitimen Abmeldung vom Religionsunterricht nicht zur Teilnahme an einem „Ersatzfach" gezwungen werden dürfe, das wird sehr detailliert im nachfolgenden Beitrag dargestellt. Unter der Überschrift „'Ersatzfach' Ethik" (1998) geben sie Informationen zu ihrem Revisionsverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht am 17. Juni 1998. In diesem Verfahren wollten die Neumanns geklärt wissen:

 

„Es geht im Folgenden um drei Fragen: Erstens, darf der Staat einen konfessionsfreien Schüler zur Teilnahme an einem 'Ersatzfach' für den Religionsunterricht verpflichten? Darf der Staat zweitens dieses 'Ersatzfach' so gestalten, daß die (…) Schüler, die daran teilnehmen (müssen), gegenüber den (…) Teilnehmern am Religionsunterricht benachteiligt werden? Darf der Staat – drittens – unter Verletzung des Gebots zur weltanschaulichen Neutralität ein Schulfach einrichten, mit dem teils ausdrücklich erklärten, teils offensichtlichen Ziel, die Teilnehmerzahlen am Religionsunterricht zu stabilisieren?" Und sie begründen ihre Fragen wie folgt: „Niemand ist verpflichtet, einer Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaft anzugehören. Nach Art. 7,2 GG haben die 'Erziehungsberechtigten, das Recht, über die Teilnahme des Kindes am Religionsunterricht zu bestimmen'. Teilnahme am Religionsunterricht ist also ein Recht und keine Pflicht." (S. 149-150)

 

Es ist schon interessant zu lesen, mit welchen rabulistischen „Klimmzügen" sowohl die Verfechter des Religionsunterrichtes als auch ihnen gleichgesinnte Juristen (und Politiker) klaren Antworten auswichen und noch immer ausweichen. Damit sich bloß nichts ändere. Z.B. wird von jenen auf diverse Landesverfassungen und Schulgesetze verwiesen, in denen auch heute noch geschrieben steht, daß die Jugend „zur Ehrfurcht vor Gott zu erziehen ist". D.h. daß religionsfreie Kinder religionsfreier Eltern per staatlichem Zwang christlich indoktriniert werden dürfen.

 

 

Weibliche Selbstbstimmung

Drei Texte versammelt der Komplex „Weibliche Selbstbestimmung", eingeleitet mit einer grandiosen Glosse aus dem Jahre 1993. Überschrieben ist diese prägnant mit nur einem einzigen Wort: „Schwangerschaftsabbruch" und in Briefform gekleidet. Gerichtet an den „Herrn Bundesverfassungsricht". Nun ja, dieses Schreiben hätte auch an den „Herrn Kirche" adressiert sein können.

 

Was der Klerus unter Gleichberechtigung von Mann und Frau versteht, das legt Ursula Neumann in ihrem Beitrag „Christliche Gleichberechtigung" aus dem Jahre 1994 offen. Sie spitzt das in der klugen Formulierung zu, mit Bezug auf konkrete Äußerungen eines katholischen Ordensmannes: „Er ist für mich Gewinner bei dem Wettbewerb 'Wie verdrehe ich das Wort Gleichberechtigung so, daß das Gegenteil herauskommt?'" (S. 191)

 

Und daher fragt sie im darauffolgenden Text: „Behandelt man so seine treueste Stütze?" (1998). Daron geht es um das Verhältnis Frau und Kirche, insbesondere den Katholizismus betreffend.

 

 

Über Asyl, Flucht und/oder Einwanderung

Um den „Umgang mit Geflüchteten" geht es drei Artikeln, beginnend mit „Eine ganz gewöhnliche Abschiebung" im Jahre 1992. Wohl nicht nur für den Rezensenten dürfte aber der 2017 geschriebene, sehr kurze, Text „Gutmensch trifft Flüchtling" von besonderer Beachtung sein. Hier theoretisiert Ursula Neumann keineswegs, sondern berichtet aus jahrelanger eigener ehrenamtlicher Arbeit in der Flüchtlingsbetreuung.

 

Was sie dafür als Ausgangspunkt gewählt hat, dürfte aber so manchen verbalen „Gutmenschen" auf die Palme bringen und diesen womöglich sogar zur Diffamierungskeule greifen lassen. Nicht wider die „Asylanten", sondern geschwungen gegen engagierte Ehrenamtler.

 

Denn Ursula Neumann schreibt: „Gutmensch trifft Flüchtling. Ich erinnere mich an die Zeit der Flüchtlingswelle im Jugoslawienkrieg. Jemand aus unserer damaligen Gruppe meinte, die Arbeit mit den Asylsuchenden bringe einen manchmal in Gefahr ausländerfeindlich zu werden.

 

 

Was hilft? Zunächst mal eine Entidealisierung der Flüchtlinge!" (S. 234)

 

Ihre Schlußfolgerung dürfte erst recht grün-pfäffischen Gutmenschen nicht gefallen. Dabei ist gerade Frau Neumann praxiserfahren und geht an die Thematik realistisch, objektiv und auf humanistisch-solidarischer Grundlage heran. Dazu gehört nicht zuletzt eine ehrliche Offenheit.

 

„Flüchtlingsarbeit ist ein Geschäft auf Gegenseitigkeit. Aber nicht in dem Sinn: Ich gebe meinen gesammelten Idealismus und dafür erwarte ich, daß meine bürgerlich-mitteleuropäischen Erwartungen hinsichtlich Dankbarkeit und Wohlverhalten erfüllt werden, sonst bin ich beleidigt. Sondern: Ich gebe ein begrenztes Engagement, begrenzte Zeit und erwarte, daß die andere Seite sich an Absprachen hält und ihren Teil beiträgt.

 

 

Ja, ich weiß um die unterschiedliche kulturelle Mentalität. (…) Ist mir egal! Nein, ist mir natürlich nicht egal. Aber wer hier in Deutschland ist, hat sich an deutsche Regeln zu halten. So, wie ich in Afghanistan ein Kopftuch trage.

 

 

Keine Erwartungen an Flüchtlinge zu haben, alles zu verstehen, alles zu akzeptieren, führt zu nichts außer zu Frust bei den Helfern. Auf Selbstüberforderung und Selbstüberschätzung solgt Zynismus.. Wenn man dann auf dem harten Boden der Realität landet, wird das zu Unrecht den unwilligen, unfähigen Flüchtlingen angelastet.

 

 

Keine Gegenleistung zu fordern, schadet nicht minder den Flüchtlingen. (…) Und wir ärgern uns dann über diese depressive Anspruchshaltung, den Aberglauben an ein Grundrecht auf bedingungsloses Gefüttertwerden. Ein Aberglaube, der gut vorbereitet wurde von grotesken Gerüchten über das deutsche Schlaraffenland." (S. 234-235)

 

Dieses ausführliche Zitat, dem der Rezensent voll und ganz zustimmen kann, ist notwendig. Denn Ursula Neumann zeigt einen Weg auf, wie man der hierzulande zunehmenden Ausländerfeindlichkeit begegnen kann.

 

Folgerichtig hat sie 2018 noch einen weiteren Beitrag verfaßt, in dem es um Ratschläge beim aufkommenden „Frust in der Flüchtlingsarbeit" geht. Hieraus sei nur ein einziger Satz zitiert:

 

„Ich lasse mich nicht von jenen Gutmenschen ins Bockshorn jagen, die wenig Anhung von der praktischen Arbeit haben, aber meinen, man müsse für alles Verständnis haben und die vor lauter politischer Korrektheit eine Sauerei nicht Sauerei genannt haben wollen." (S. 247) Ja, solch wirklichkeitsferne „political correctness" nützt tatsächlich nur jenen, die sich z.B. unter dem Banner von PEGIDA etc. zusammenrotten…

 

 

Kulturkritik und Nachwort

Beiden Stichworten ist nur je ein Artikel zugeordnet. Unter der Überschrift „Quäl dich, du Sau!" (2017) schreibt Ursula Neumann, wie es durchaus von der Selbstverwirklichung auch zu einer (neoliberalen) Selbstoptimierung kommen kann. Und in ihrer „komprimierten Bilanz" weist sie u.a. darauf hin, daß es grundfalsch ist, wenn man sich nicht wehrt und wenn man in eigenen Ängsten gefangen bleibt.

 

Siegfried R. Krebs

Ursula Neumann: Tätiger Humanismus. Historische Beiträge zu aktuellen Debatten. Reihe Humanismusperspektiven, Bd.6. Taschenbuch. 276 S. Alibri-Verlag. Aschaffenburg 2019. 22,00 Euro. ISBN 978-3-86569-301-3


 
26.12.2019

Von: Siegfried R. Krebs, http://www.freigeist-weimar.de/beitragsanzeige/ein-taetiger-humanismus-wie-koennte-der-wohl-aussehen/




Wo ist Gott?


Toter SpatzKardinal Schönborn durfte im ORF wieder seine Silvester-TV-Predigt halten, er sagte dort u.a.: "Nichts ist selbstverständlich. Es ist nicht selbstverständlich, dass wir genügend Wasser haben, dass wir Luft haben, dass der Regen zur rechten Zeit kommt. Das sind alles Geschenke des Schöpfers, für die wir nichts getan haben." Und zum Klimawandel: "Es geht um uns alle, es geht um die Zukunft unseres Planeten".

Wo ist eigentlich dem Schönborn sein Gott? Der ist doch für diese Sachen zuständig! Schließlich steht das ja in der Bibel!
Mt. 10,29-31: "Verkauft man nicht zwei Spatzen für ein paar Pfennig? Und doch fällt keiner von ihnen zur Erde ohne den Willen eures Vaters. Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt. Fürchtet euch also nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen."

Somit geschieht auch der Klimawandel mit dem Willen des göttlichen Vaters, wenn dieser sich um vom Himmel fallende Spatzen kümmert, dann sollte er sich doch auch um die Geschenke seiner Schöpfung kümmern, statt unsere Kopfhaare zu zählen!

Warum tut er das nicht? Unsereiner weiß das natürlich! Weil's eben keinerlei Götter gibt, Götter sind bloße Hirngespinste und Hirngespinste zählen keine Haare und kümmern sich weder um vom Himmel fallende Spatzen, noch um den Klimawandel…

 

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).




Der gute Gott wird immer besser!


Herz GottDas führte in der Weihnachtszeit 2019 der Herr Papst vor! Es hat sich ja schon länger aufgehört, dass die traditionellen alten biblische Wahrheiten gepredigt wurden: über Hölle und ewige Verdammnis für Sünder und Ungläubige redet die katholische Kirche schon längere Zeit nimmer!

Dem Jesus wird jetzt vorgesagt, er habe alle zu lieben und zu retten und der vatikanische Franzl hat das eben nun noch verschärft!

Denn er verfügte nun, was sein Gott jetzt zu tun habe:
"Wie oft denken wir, dass Gott gut ist, wenn wir gut sind, und dass er uns straft, wenn wir böse sind. So ist es nicht. In unseren Sünden fährt er fort, uns zu lieben. Seine Liebe ändert sich nicht, sie ist nicht nachtragend; sie ist treu, sie ist geduldig." Denn Gott liebt ohne Vorleistung jeden Menschen, auch den schlimmsten!

Dann liebt Gott wohl auch Atheisten wie meinereinen? Aber da es ihn gar nicht gibt, kann er mir das ja gar nicht antun! Der Papst bildet sich vermutlich ein, dass die Schönfärbung des einst so bösartig-rachsüchtigen katholischen Gottes bei den vielen Leuten, denen heutzutage Religion einfach egal ist, Kirchennähe erzeugen könnte. Dazu muss ihm meinereiner leider mitteilen: Den Leuten, denen Religion heute egal ist, denen ist auch ein Gott egal, der alle ohne Vorleistung liebt!

Aktuell zog folgende Meldung durchs Net: Ein junger Mann in Frankreich steht im Verdacht einen 91jährigen Priester mittels einem in die Kehle gerammten Kruzifix getötet zu haben, sein Motiv war es nach Polizeiangaben, dass ihn dieser Priester seinerzeit geschändet und der Priester sich bereits an dessen Vater vergangen hatte.

Da hat der Priester wohl Vater und Sohn zu sehr und auf die falsche Art geliebt…

Für den Papst wäre es zu empfehlen, weniger seinen Gott immer lieber zu machen und sich eher darum zu bekümmern, dass seine Priester den Sexualtrieb nicht missbräuchlich ausleben, weil ihnen die katholische Kirche das gebräuchliche Sexualleben verboten hat!

Dann könnte vielleicht sogar die scheußliche katholische Kirche besser werden und nicht nur angeblich ihr angeblicher Gott…

PS: Ist doch gut gelungen, der heutige Text! Wenn die Leser das ein bisschen weiterverbreiten, hätte meinereiner seine Freude daran…

 

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).




Vorbild Märtyrer


StephanusDie großen christlichen Helden sind die Märtyrer, also Leute, die für ihren Glauben gestorben sind. Der heilige Stephanus war gemäß der christlichen Sage der erste Märtyrer, er wurde gesteinigt, weil seinen Jesus im Himmel neben Gott stehen gesehen haben wollte.

Der Herr Papst hat jetzt in der Weihnachtszeit eine christliche Unfrohbotschaft verkündet, er kritisierte, dass die r.k. Kirche 200 Jahre lang stehen geblieben sei, distanzierte sich damit vom Zeitalter des katholischen Antimodernismus, aber es kam auch eine Frohbotschaft, nämlich dass wir keine christliche Leitkultur mehr haben.

Zwei Erkenntnisse der Wirklichkeit ist ein bisschen viel für einen Papst, da brauchte es auch etwas Vorgesterliches, am 26.12.2019 ließ der vatikanische Franz wissen, Märtyrer seien Vorbilder für alle Christen!
Kath.press berichtete dazu: "Der 26. Dezember ist in der katholischen Tradition Stephanus gewidmet, der als erster Blutzeuge des christlichen Glaubens gilt. Der Papst sagte, dieses Gedenken stehe 'in Übereinstimmung mit der eigentlichen Bedeutung von Weihnachten. Im Martyrium des Stephanus wird die Gewalt durch Liebe besiegt, der Tod durch das Leben', so Franziskus. Die Herrlichkeit des Himmels bestehe 'nicht aus Reichtümern und Macht, sondern aus Liebe und Selbsthingabe'. Christliche Gläubige sollten 'immer missionarischer' werden. In existenziellen und geografischen Randbereichen gebe es viel 'Durst nach Hoffnung und Heil'."

Aha, gesteinigt zu werden, das ist für das Opfer ein gewaltfreier und siegreicher Akt der Liebe. Und gesteinigt zu werden, ist darum für Christen vorbildlich! Das ist wieder das echt Katholische, erniedrige dich, lassen dich vernichten, dann bist du der Größte in der Herrlichkeit des Himmels! Zu dumm, dass es den Himmel nur in Form der Atmosphäre um die Erde gibt! Und voll weltfremd ist der vatikanische Franzl auch wieder in Sachen Missionierung! Jetzt sollen die christlichen Gläubigen immer missionarischer werden. Die Wahrheit ist: Sie werden nicht narrischer, die christlichen Gläubigen werden immer weniger! Wer Märtyrer als Vorbilder sieht, braucht psychiatrische Hilfe!

 

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).




Papst schwört Kirchenleitung auf Veränderung ein


Franziskus…mit atheistischen Anmerkungen von Erwin Peterseil.

Schon am 21.12.2019 war auf kath.press die folgende Meldung zu finden, die hier mit angefügten atheistischen Kommentaren gelesen werden kann:

kath.press: Franziskus verpflichtet Spitzen der Kurie auf Evangelisierung als "erste und wichtigste Aufgabe der Kirche" und zeichnet nüchternes Bild: "Keine christliche Leitkultur mehr".
Atheistischer Kommentar: Es ist super, dass der Herr Papst was wahrgenommen hat, dessen Wahrnehmung knapp 100 Prozent der europäischen Politiker nicht in der Lage waren! Dass wir in einer höchst säkularen Gesellschaft und nicht in einer christlichen Gemeinschaft leben, müsste selbst dem größten Deppen inzwischen aufgefallen sein! Wer jetzt noch die Pappen aufreißt und vom Leben in einem christlichen Europa redet, dem dürfen wir mit päpstlicher Bestätigung auf seinen blöden Schädel scheißen!

kath.press: Kurz vor Weihnachten hat Papst Franziskus die katholische Kirchenleitung auf durchgreifende Veränderungen eingeschworen. Das Christentum sei keine dominante Größe mehr, sagte das Kirchenoberhaupt in seiner traditionellen Ansprache vor Kurienleitern am Samstag. Nötig seien ein Wandel in der Seelsorge und ein missionarischer Neuaufbruch, aber auch neue Formen der Kommunikation in der Kirche.
Atheistischer Kommentar: Ja, das Christentum ist nimmer dominant, die Menschen leben weitgehend säkular, in Österreich gehen 90 % der katholischen Kirchenmitglieder sonntags regelmäßig nicht in die Kirche. Wie es mit dem konkreten Glauben ausschaut, schauen wir uns wieder einmal an der Standard-Umfrage von 2014 und 2018 an:

Nur 20 % glauben noch an die Auferstehung des Jesus, den wichtigsten Glaubenssatz, 31 % an das ewige Leben, innerhalb von vier Jahren ist die Zustimmung zu den Fragen nach den christlichen Glaubenssätzen des Glaubensbekenntnis im Schnitt von 35 auf 25 % zurückgegangen! Da ist es sehr rätselhaft, warum 2018 noch knapp 57 % der Österreicher Mitglieder der katholischen Kirche waren! Das hängt vermutlich damit zusammen, dass öffentlich – speziell auch von Politikern – so getan wird, als wäre Österreich nicht säkular, sondern christkatholisch und diese Mitgliedschaft immer noch eine Art staatsbürgerliche Pflicht!

kath.press: "Wenn wir wollen, dass alles bleibt wie es ist, dann ist nötig, dass alles sich verändert", zitierte Franziskus aus dem Roman 'Der Leopard' von Giuseppe Tomasi di Lampedusa (1896-1957). Der Papst verteidigte die von ihm unternommene Kurienreform. Sie maße sich nicht an, so zu tun, also ob vorher nichts existiert hätte, sondern ziele im Gegenteil darauf, "all das Gute zu würdigen, das in der komplexen Geschichte der Kurie getan worden ist".
Atheistischer Kommentar: Der Papst sieht zwar die Realität, aber er versteht sie trotzdem nicht und glaubt an die Möglichkeit von Missionierungen und die Reformierbarkeit der katholischen Kirche. Er sagte dazu ja auch am 21.12.: "Die Kirche ist 200 Jahre lang stehen geblieben. Warum bewegt sie sich nicht? Haben wir Angst?" Die Kirche hatte den "Modernismus" abgelehnt und in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts den "Antimodernismus" gegen die gesellschaftlichen und politischen Reformen und Umbrüche der Moderne und des Liberalismus ausgerufen! Jetzt den Antimodernismus zurückzunehmen und modernistisch-liberal zu werden, wird aber nix bringen! Weil die protestantischen Kirchen in Europa haben sich längst mit dem Modernismus arrangiert und verlieren trotzdem oder deswegen mehr Mitglieder und noch mehr die Religion tatsächlich Praktizierende! Weil der moderne Liberalismus kommt zunehmend ohne Götter aus…

kath.press: Der Papst verlangte eine Rückbesinnung auf die "erste und wichtigste Aufgabe der Kirche: die Evangelisierung". Die Erneuerung der Kurienstrukturen solle dazu dienen, "dass sie alle missionarischer werden". Franziskus warnte vor den Versuchungen, "sich in die Vergangenheit zurückzuziehen" und zu erstarren. Zugleich wandte er sich gegen eine "relativistische Pastoral" oder einer Orientierung am "Zeitgeschmack".
Atheistischer Kommentar: Die Neuevangelisierung war ein Hobby seines Vorgängers, Papst Ratzinger hätte das gerne gehabt, für 2012 war dazu in Europa ein Probegalopp angesagt worden, der dann in aller Stille einfach gar nicht probiert wurde, vom 2010 eingerichteten "Päpstlichen Rat zur Förderung der Neuevangelisierung" hört man nichts mehr, auf der Vatikan-Homepage-Seite dieses Rates ist die letzte Eintragung vom Jänner 2013…

kath.press: Von der Kirche forderte der Papst einen verstärkten Dienst an Armen, Ausgegrenzten und besonders Migranten; diese stellten "einen Schrei in der Wüste unserer Menschheit" dar. Es gehe um "Brüder und Schwestern", die von der globalisierten Gesellschaft ausgesondert würden. Die Kirche müsse Zeugnis dafür zu geben, "dass es für Gott niemanden gibt, der fremd oder ausgeschlossen ist". Das Mittelmeer sei für "zu viele zu einem Friedhof geworden".
Atheistischer Kommentar: Die Vermutung, dass das der Kirche helfen würde, ist ein sicherer Irrglaube! In Europa ist der Zustrom islamischer Migranten bei den Menschen überhaupt nicht gut angekommen, wenn der Papst nun meint, mit Zuwanderungsreklame Stiche machen zu können, dann werden das keine Siegesstiche wie beim Kartenspiel sein, sondern Stiche gegen die Interessen der einheimischen Europäer.

kath.press: Von der Situation des Christentums zeichnete der Papst ein nüchternes Bild. "Wir haben keine christliche Leitkultur, es gibt keine mehr! Wir sind heute nicht mehr die Einzigen, die Kultur prägen, und wir sind weder die ersten noch die, denen am meisten Gehör geschenkt wird", sagte er. "Das Christentum ist keine dominante Größe mehr, denn der Glaube – vor allem in Europa, aber auch im Großteil des Westens – stellt keine selbstverständliche Voraussetzung des allgemeinen Lebens mehr dar". Auf mögliche Faktoren für eine Glaubwürdigkeitsverlust wie den Missbrauchsskandal, mangelnde Transparenz und fehlende Mitbestimmungsmöglichkeiten ging der Papst nicht ein.
Atheistischer Kommentar: Die Feststellung, dass es keine christliche Leitkultur mehr gibt, ist eine päpstliche Tatsachenfeststellung, diese christliche Leitkultur war zudem eine gewaltsam aufgezwungene gewesen, Gehör finden christliche Ansichten sehr wenig, man denke zum Beispiel nur an christkatholische Narreteien, wie das Geschlechtsverkehr nur für Inhaber katholischer Trauscheine erlaubt wäre! Daran orientieren sich maximal Promillebruchteile!
Der Christenglaube war niemals die von der Menschenmehrheit frei gewählte selbstverständliche Voraussetzung des allgemeinen Lebens gewesen, sondern maximal die anbefohlene! Und das geht schon länger nimmer und darum ist das Christensystem davongeschrumpft!

Daran kann kein Papst mehr was ändern!

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).




Meinungsmache


Zum Standardrepertoire rechtsextremer „islamkritischer“ Publikationen gehört der Vorwurf, die so genannten Main Stream Media (MSM) unterdrückten Wahrheiten, verfälschten aufgrund eines angeblichen (linken) Bildungsauftrags Fakten und manipulierten Meinungen. Ich möchte an dieser Stelle nicht beurteilen, in welchem Umfang dies tatsächlich geschieht, schließlich gibt es praktisch wohl kein Medium, dass eindeutig politisch neutral sein kann. Aus dem Faktum, dass die MSM sich die schlichten „Wahrheiten“ extremer Publikationen nicht zu eigen machen, nun allerdings zu schließen, dass dort üble Meinungsmache betrieben würde, ist – mit Verlaub – ein Glaube, der in der normalen Welt außerhalb der „Islamkritiker“-Szene wohl  eher ausgestorben zu sein scheint.

Für das Gegenteil gibt es aber täglich eine Fülle von Beweisen. Man muss nur einmal mit klarem Verstand solche Hetzseiten wie PI, Dolomitengeist, SOS-Österreich oder Quotenqueen u.a. anklicken. Man wird sofort ohne größeres Suchen fündig. Den Vogel abgeschossen hat heute zweifellos das Hetzblättchen „Zukunftskinder“ mit einer „Reportage“ über Tunesien (Titel siehe oben). Dem Leser wird übrigens erst ganz am Schluss klar, dass dieser Beitrag 1 zu 1 abgekupfert wurde bei Africa-Live und von einer gewissen Ingrid Aouane stammt. Und diese schreibt:

Wir fahren vorbei an sehr vielen zerstörten Häusern, mit Brettern vernagelten geplünderten Geschäften und sogar einem Hotel in diesem Zustand. Hammamet hat sein Gesicht verloren, und das nicht etwa, weil alle Ben Ali-Porträts und Fähnchen abgehängt wurden.

Ich darf mich wohl als intimen Hammamet-Kenner bezeichnen und kenne die geschilderte Fahrstrecke wie meine Westentasche. Die „vielen zerstörten Häuser“ schrumpfen dann unmittelbar zusammen auf ein während der Revolution 2011 abgefackeltes Schuhgeschäft und zwei noch nicht wieder eröffnete Kioske. Am Gesicht Hammamets hat sich dadurch nichts geändert. Und auch diese Schäden werden sicherlich bald behoben sein.

Doch es geht munter weiter mit den Impressionen eines Taxifahrers:

" Es ist schlimmer jetzt als vorher. Die Lebensbedingungen haben sich verschlechtert, die Touristen bleiben aus, und Meinungsfreiheit gibt es noch immer nicht"! Vor einigen Tagen z.B. ist ein Künstler im Kulturzentrum von Hammamet aufgetreten, der die aktuelle Regierung durch den Kakao zieht. Sofort standen die Islamisten parat und wollten ihm den Mund verbieten, nur durch ein Riesenaufgebot von Polizisten konnte ein Eklat verhindert werden". Aha, das wars also! "Wir wollen die Islamisten nicht, wir wollen Ben Ali wieder haben" ereifert er sich. "Sehen Sie, Ben Ali hat sich bereichert, aber nur an den Reichen, den Armen hat er nichts weggenommen. Unter seiner Regierung lief die Wirtschaft, heute traut uns kein Investor oder Geschäftspartner mehr".

Ganz ohne Zweifel ist die Meinungsfreiheit heute in Tunesien erheblich besser geschützt als zu Zeiten der Diktatur. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die von Ennahdha dominierte Regierung versucht, ihre Gefolgsleute in den staatlichen Presseorganen zu platzieren – wogegen die Redakteure, unterstützt von der mächtigen Gewerkschaft UGTT, heftigst protestieren. Richtig ist zwar, dass die Salafisten (Islamisten) erhebliche Unruhe verbreiten (von der derzeitigen Regierung nur sehr lasch bekämpft) und am liebsten das gesamte kulturelle und künstlerische Leben als „unislamisch“ in Tunesien unterbinden möchten, doch eine breite Mehrheit in der Bevölkerung lehnt dies vehement ab. Dies ist ja gerade einer der Gründe, weshalb Ennahdha beständig an Rückhalt in der Gesellschaft verliert und derzeit bei Wahlen nicht die geringsten Chancen hätte.

Wenn der Taxifahrer nun wirklich gesagt haben sollte „wir wollen Ben Ali wiederhaben“, so ist dies eine Meinung, die ich noch nie vernommen habe. Die ehemaligen Mitglieder der einstweilen verbotenen RCD (Partei Ben Alis) sind längst in alle Winde verstreut und (wie man hört) bereits überwiegend in republikanisch-demokratischen Parteien tätig, was nicht von allen gern gesehen wird. Der Niedergang des Tourismus und der Wirtschaft (mangelnde Auslandsinvestitionen) ist dabei auch nicht dem Fehlen Ben Alis geschuldet, sondern entspringt der nach wie vor unklaren politischen Situation, was sich hoffentlich bei den Wahlen im nächsten Jahr grundlegend ändern wird.

Völlig ins Abstruse und Irrationale verliert sich die Autorin dann aber im Schlusssatz:

Ich frage ihn, ob das nur seine Meinung ist oder ob auch andere so denken. "Ich gebe Ihnen einen Beweis", antwortet er. "Aus Protest gegen die ungewollten Islamisten sind mittlerweile über 70.000 Tunesier zum Christentum übergetreten – ich auch!"

Diese Zahl – falls sie jemals so genannt wurde – entspringt wohl eher dem Wunschdenken unter Christen, als dass sie in der Realität auch nur den geringsten Bestand haben könnte. Die Zahl von rund 2.000 einheimischen Christen (siehe dazu meinen Artikel Christen in Tunesien) hat sich praktisch nicht verändert. Wozu sollte man auch den einen Gott gegen einen anderen Gott eintauschen? Und schon gleich gar nicht, wenn man damit (angeblich) den Wunsch verbindet, der überzeugte Moslem Ben Ali möge doch zurückkehren. Der Bericht auf Zukunftskinder ist dermaßen sinnlos zusammengestoppelt, dass man ihm (auch ohne Bezichtigung der Lüge) überdeutlich den Zweck entnehmen kann, zu dem er verfasst wurde: billigste Meinungsmache zur Befriedigung eines ganz speziellen Publikums.

 

 

Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

 




Sexuelle Gewalt in der katholischen Kirche 2019


Mea-Maxima-Culpa-Stille-im-Haus-des-HerrnDarüber berichteten am 20.12.2019 mehrere Medien, religion.ORF meldete:

"Die vatikanische Behörde, die sich mit Missbrauchsfällen befasst, hat in diesem Jahr eine Rekordzahl von Anzeigen erhalten. Es gingen etwa tausend Anzeigen ein.
Die hohe Zahl von Anzeigen habe das Personal der Behörde 'überwältigt', sagte John Joseph Kennedy, Leiter des Disziplinarbüros der Glaubenskongregation der Nachrichtenagentur AP. Diese Zahl sei um vier Mal höher als noch vor zehn Jahren. Um mit all diesen Fällen umzugehen, müsste das Personal sieben Tage pro Woche arbeiten (..).
Die Anzeigen trafen aus der ganzen Welt ein, auch aus Ländern, in denen bisher keine Missbrauchsfälle gemeldet worden waren. Die meisten Missbrauchsanzeigen seien aus Argentinien, Mexiko, Chile, Italien, Polen und den USA eingetroffen. 'Der Vatikan hat sich zur Bekämpfung von Kindermissbrauch verpflichtet und braucht Zeit, um alle Fälle zu prüfen', sagte Kennedy."

Die Meldungen in anderen Medien sind meist wortgleich mit obigem Text, er dürfte somit von einer nicht näher angeführten kirchlichen Stellungnahme stammen, die möglicherweise von Associated Press (AP) verbreitet wurde.

 




Auf dem Weg der Besserung...


Fortschritt…sind in der aktuellen Vorweihnachtszeit anscheinend der Vatikan und Saudi Arabien, das kann man Medienberichten entnehmen.

Der Herr Papst gab laut ORF-Bericht vom 17.12.2019 die Abschaffung des "päpstlichen Geheimnisses" in Sachen Sexualstraftaten bekannt.

Dieses Papstgeheimnis war ein Bestandteil des Vertuschungssystems von klerikalen Sexualstraftaten, klerikaler Kindesmissbrauch fiel unter das päpstliche Geheimnis und damit waren alle Kirchenfunktionäre, die von solchen Taten wussten, zum Schweigen verpflichtet.

Hier der Schwurtext zum päpstlichen Geheimnis: "Wer zu päpstlichen Geheimsachen kraft seines Amtes Zugang hat, muss einen Eid nach folgender Formel leisten:  Ich … verspreche, indem ich die heiligen Evangelien Gottes berühre, vor … treu das 'päpstliche Geheimnis' zu wahren in den Sachen und Angelegenheiten, die unter dieses Geheimnis fallen (Für diejenigen, die zum päpstlichen Geheimnis in einer besonderen Angelegenheit Zugang erhalten: zu wahren in der mir anvertrauten Sache), derart dass es mir in keiner Weise noch unter irgendeinem Vorwand, sei dies ein höheres Gut, seien es äußerst drängende und schwerwiegende Gründe,  erlaubt ist,  das  vorgenannte Geheimnis zu verletzen. Ich verspreche, dieses Geheimnis zu wahren auch nach Abschluss der Sachen und Angelegenheiten, für die eine solche  Geheimhaltung  ausdrücklich angeordnet  ist.  Sollten mir in einem Fall Zweifel über die genannte Geheimhaltungspflicht kommen, werde ich zugunsten der Geheimhaltung entscheiden. Ferner weiß ich, dass wer gegen diese Geheimhaltungspflicht verstößt, eine schwere Sünde begeht. So wahr mir Gott helfe und diese heiligen Evangelien, die ich mit meinen Händen berühre."

In der ORF-Meldung heißt es dazu: "Eine am Dienstag veröffentlichte Instruktion nimmt kirchliche Strafverfahren zu sexuellen Handlungen unter Gewalt, Drohung oder Amtsmissbrauch, sexuelle Handlungen mit Minderjährigen, Besitz und Verbreitung von kinderpornografischem Material sowie Vertuschung von dem Siegel der besonderen Geheimhaltung aus."

Allerdings bleibt aufrecht, dass "entsprechende Vorgänge weiter einer besonderen Vertraulichkeit zum Schutz der Beteiligten und Betroffenen" unterliegen. Aber: "Gleichwohl dürften dadurch Ermittlungen und eine etwaige bestehende staatliche Anzeigepflicht nicht behindert werden."

Na, das ging aber flott! Kaum sind zehn Jahre vergangen, seit die Welle der Enthüllungen dieser Straftaten durch Europa bebten, schon hebt der Vatikan die verpflichtende Vertuschungsverschwiegenheit dazu auf!

Und was macht Saudi Arabien? Dort wurde der Kopftuchzwang abgeschafft!

Meldung aus der Zeitung "Österreich" vom 16.12.2019:
Schneller Wandel in Saudi-Arabien: Frauen gehen ohne Kopftuch auf die Straße.
(..) Eingeführt hat den Wandel Mohammed bin Salman (34), saudischer Thronfolger. Er treibt die Reformen voran. Früher durften Frauen nur mit Kopftuch oder Gesichtsschleier auf die Straße, über dem Körper die Abaya. Heute gehen Frauen mit offenem Haar zum Einkaufen, schlendern durch Shoppingmalls, arbeiten ohne Kopftuch im Büro.
Die Sittenpolizei, die Mutawas, ist weitgehend von den Straßen verschwunden. Frauen dürfen Autos lenken, (…). Und für Reisen ins Ausland müssen sie sich nicht mehr den Segen eines männlichen Vormunds holen.

Na, da staunt man wohl doch! Sogar Saudi Arabien reitet schon ganz vorsichtig in Richtung 20. Jahrhundert!

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).

 




In eigener Sache


Fun am SonntagEs ist jetzt ziemlich genau ein Jahr her, dass Wilfried Müller die lange geplante endgültige Übernahme der Seite Wissenbloggt unversehens ablehnte und ich mich gezwungen sah, trotz aller privaten Verpflichtungen den Betrieb wieder selbst in die Hand zu nehmen.

Mit einiger Mühe ist es sogar gelungen, zu den ursprünglich gedachten und lange vorher erfolgten humanistischen Inhalten zurückzukehren, die zwischenzeitlich verloren gegangen waren.

Der ursprüngliche Grund, weshalb ich überhaupt Mitte 2013 die Verantwortung für die funktionierende Seite an Wilfried Müller übergab, war die Geburt meiner Tochter. Inzwischen ist diese eine selbstbewusste junge Dame von sechseinhalb Jahren geworden (wie meine engeren FB-Freunde wissen), die völlig zu recht einen eher größer werdenden Anteil an väterlicher Sorge und Aufmerksamkeit verlangt als dies zu Baby-Zeiten der Fall war. Mit anderen Worten: ich kann diese beiden Aufgaben nicht mehr parallel durchführen und muss eine Entscheidung treffen, die ganz selbstverständlich nur zugunsten meiner Tochter fallen kann.

Ich habe daher beschlossen, Wissenbloggt auslaufen zu lassen, falls sich nicht noch bis Ende des ersten Quartals 2020 ein Nachfolger findet, dessen humanistische Kompetenz unzweifelhaft ist.

Sic transit Humanitas!




Prognosencheck 2019


GWUPAussendung von e-Skeptiker – Newsletter für Wissenschaft und kritisches Denken – GWUP (Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften) – vom 12.12.2019

Kein Polsprung und kein harter Brexit:
Die Prophetenpleiten des Jahres 2019

Ein innerhalb weniger Tage um 5000 km springender magnetischer Nordpol, der die Erdachse verschiebt und den europäischen Kontinent in ein Inselarchipel zerbrechen lässt – die Katastrophenprognosen der selbst ernannten Nostradamusdeuterin Rose Stern für die im Dezember 2019 beginnende Endzeit erweisen sich glücklicherweise als ebenso falsch wie der vom US-amerikanischen Pastor Peter Begley für den 21. Januar vorhergesagten Weltuntergang nach einer Mondfinsternis. Die alljährliche Prognosenpleite von Wahrsagern, Hellsehern und Astrologen setzte sich auch 2019 fort.

Der Mainzer Mathematiker Michael Kunkel, der für die GWUP alljährlich die Prognosen auswertet, fand auch für 2019 kaum Treffer. Neben den üblichen Naturkatastrophen (Vulkanausbrüche, Erdbeben, Tsunamis, Waldbrände) floppten auch realistischere Prognosen wie ein harter Brexit (Craig Hamilton-Parker), das Ende von Facebook (Julie McKenzie) oder der Rücktritt der Bundesregierung im Frühjahr (Udo Golfmann). Beim US-Präsidenten waren sich die Auguren gar nicht einig: Er tritt zurück (Rose Smith), bleibt Präsident (Susan Rowlan) oder wird Opfer eines Anschlags (Nikki Pezaro, Craig Hamilton-Parker und andere). "Anschläge auf US-Präsidenten werden in jedem Jahr vorhergesagt", kommentiert Kunkel, dem absurde Prognosen wie die Entdeckung eines Riesenaffen à la King Kong, ein ins Weiße Haus einbrechender Papagei (beide Nikki Pezaro) oder der gleichzeitige Bundesligaabstieg von Bayern München und Borussia Dortmund (Martin Wagner) wesentlich besser gefallen: "Mit solchen Prognosen wird wenigstens keine Angst unter Leichtgläubigen geschürt."

Die Mehrzahl der Astrologen wagt sich dabei seltener auf das dünne Eis exakter Prognosen. Naturkatastrophen, Kriege oder irgendwelche gesellschaftlichen Umwälzungen werden zwar erwähnt (z.B. bei Michael Allgeier, Cord Kleinschmidt, Karin Mayer, Elizabeth Teissier), aber der in der Regel verwendete Konjunktiv verwässert die sowieso schon vagen Aussagen zusätzlich. Mancher Astrologe gibt auch offen zu, dass er gar nicht weiß, was passieren wird. "… welchen Bereich dies betrifft, sehen wir erst, wenn es soweit ist, und zwar von Mai bis Juli" wird Martin A. Banger zum Thema "Verunsicherungen in der Bevölkerung" zitiert. "Wenn es soweit ist, dann weiß ich es auch", reagiert Kunkel amüsiert. Glaubt man dem Deutschen Astrologen-Verband, dann sind Prognosen sowieso nicht das zentrale Thema der Sterndeutung – umso überraschender, dass sein Vorsitzender Klemens Ludwig im Wirtschaftsteil des Spiegel eine relativ genaue Voraussage wagte: "Der DAX wird bis 2024 auf mindestens 8500 Punkte fallen, da lege ich mich fest." Kunkel verspricht, diese Prognose nicht zu vergessen.

Die in der Regenbogenpresse beliebten Promiprognosen lieferten auch 2019 die üblichen Themen: Promipaare trennen sich, Singles finden einen Partner, bei Älteren werden Gesundheitsprobleme, bei Frischvermählten eine Schwangerschaft vorhergesagt – für Kunkel sind solche Voraussagen zumindest teilweise prüfbar, allerdings meist auch sehr trivial: "Die Hälfte der Auguren dürfte das Geschlecht des Kindes von Prinz Harry und Herzogin Meghan richtig vorhergesehen haben." Der britische Hellseher Nicolas Ajula gehörte nicht dazu, er sah die Geburt eines Mädchens – und eine Schwangerschaft bei der 52-jährigen Nicole Kidman. Kaum prüfbar ist, ob Angela Merkel im November wirklich an Rücktritt dachte (Elizabeth Teissier) oder ob Helene Fischer sich irgendwann wieder für Florian Silbereisen interessieren könnte (Astrologin Susy Schädler).

Hintergrundinfos zu den Prognosen: https://tinyurl.com/PrognosenFAQ2019
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Impressum:
Herausgeber und Redaktionsanschrift: Zentrum für Wissenschaft und kritisches Denken, GWUP e.V., Arheilger Weg 11, 64380 Roßdorf. Redaktion: Inge Hüsgen (V.i.S.d.P.), Michael Kunkel, Dr. Martin Mahner. Alle Texte – soweit nicht anders gekennzeichnet – ©2019 GWUP.
Die Weiterverbreitung dieses Newsletters zu nicht-kommerziellen Zwecken mit Quellenangabe und/oder diesem Impressum ist erwünscht.
Die GWUP im Internet:
http://www.gwup.org (offizielle Website)
http://blog.gwup.net (offizieller Blog)
http://www.gwup.org/zeitschrift (Zeitschrift "Skeptiker")
Mehr von den Skeptikern in Web (Blogs, Facebook-Gruppen, Tweets, RSS- Feeds…) unter http://www.gwup.org/index.php?view=article&id=889.
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Der große Pro-Christ Gebetsbetrug?


Auf Pferderennbahnen oder beim Roulette werden Zuschauer dann und wann von Leuten angesprochen, die einen “todsicheren” Tipp versprechen – gegen Geld, versteht sich. Trotzdem geht derjenige, der sich darauf einlässt, kein Risiko ein, denn das Geld muss erst dann bezahlt werden, wenn die Vorhersage auch eingetroffen ist.

Tatsächlich sprechen die Tippgeber natürlich viele Leute an und erzählen allen etwas anderes. Wenn sie genügend Dumme finden, gewinnen sie immer – einer ihrer “todsicheren” Tipps wird schließlich immer eintreffen.

Das große “Gebetsexperiment“, bei dem der evangelikale Verein ProChrist derzeit Menschen aufruft, einen “Wunsch an Gott” einzusenden, für den dann von Christen gebetet werden soll, kommt der oben beschriebenen Betrugsmasche deutlich näher als einem Experiment.

2.000 Menschen stehen laut ProChrist als Beter bereit, das heißt, man richtet sich offenbar auf Tausende von Gebetswünschen ein. Bei einer 50 zu 50-Chance, dass der Wunsch durch bloßen Zufall eintritt, würde so die Hälfte derer, die sich überhaupt auf so ein “Experiment” einlassen, in ihrem Glauben an die Wirksamkeit von Gebeten bestärkt. Natürlich dürfte die tatsächliche “Ausbeute” etwas geringer ausfallen, aber selbst bei völliger Unwirksamkeit von Gebeten wird ProChrist rein aufgrund der statistischen Wahrscheinlichkeit, dass etliche dieser Wünsche durch bloßen Zufall erfüllt werden, massenhaft Leichtgläubige für den Glauben gewinnen.

Hinter die Überschrift – die sich übrigens an der Überschrift in Richard Dawkins’ Buch “Der Gotteswahn” zu der legendär gescheiterten Templeton-Gebetsstudie orientiert – habe ich ein Fragezeichen gesetzt. Ich will den Leuten von ProChrist und den Betern nicht pauschal bösen Willen unterstellen – ebenso wenig, wie davon ausgegangen werden kann, dass die meisten der Beteiligten den obigen Zusammenhang überhaupt durchschauen. (Der Grund, weshalb ich überhaupt etwas dazu schreibe ist, dass im Internet ofenbar noch niemand auf diesen Zusammenhang hingewiesen hat, also auch kein Atheist.) Zum Betrugsvorwurf würde vermutlich bereits die Absicht fehlen, den Getäuschten materiell zu schädigen.

Das ändert aber nichts daran, dass die Masche mit dem Gebetsexperiment nach genau dem selben Schema funktioniert wie der Betrug beim Pferderennen oder beim Roulette.

Diesen Punkt wollte ich machen, und ob man das als Betrug auffasst, kann ja jeder selber entscheiden.

Quelle: http://skydaddy.wordpress.com/2013/01/13/der-grose-prochrist-gebetsbetrug/

 

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

 




Missgriff bei der Bischofsernennung?


MarketzEinen solchen Missgriff könnte man bei der Bestellung des neuen Kärntner Bischof Josef Marketz vermuten, wenn man den Bericht über ihn auf kath.net liest:

kath.net: Der designierte Kärntner Bischof Josef Marketz hat sich für die Abschaffung des Zölibats ausgesprochen. Dies vermitteln zumindest Medienberichte über ein Interview mit der "Kleinen Zeitung". Auf die Frage, ob der Zölibat abgeschafft werden soll, meinte Marketz laut ORF; dass er sich dafür aussprechen würde: "Nicht so sehr, weil jeder Mann unbedingt eine Frau neben sich braucht. Doch ich sehe die Vereinsamung vieler alter Priester, deren eigene Familie oft nicht mehr da ist." Es gebe laut dem Kärntner Bischof viele Gründe für die Abschaffung des Zölibats.
Atheistischer Kommentar: Ja, der Hauptgrund für die Zölibatabschaffung sind wohl die Bibelworte des Christengottes Jesus, bekanntlich sagte der über die Ehelosigkeit: Mt 19,12: "Denn es sind etliche verschnitten, die sind aus Mutterleibe also geboren; und sind etliche verschnitten, die von Menschen verschnitten sind; und sind etliche verschnitten, die sich selbst verschnitten haben um des Himmelreiches willen." Also ist klar: Zölibatäre Ehelosigkeit gibt's nur für Kastrierte!

kath.net: Für merkwürdige Meldungen sorgte Marketz auch in einem Interview mit der "kathpress". So relativierte er die Verpflichtung von Katholiken zur Sonntagsmesse und meinte, dass "Liebe" und nicht der "regelmäßigen Kirchenbesuch" ein Indikator dafür sei, wie viel christliches Leben es in Österreich gibt.
Atheistischer Kommentar: Marketz weiß wohl, dass der Schwund der Besucher von Sonntagsmessen irreversibel ist, wenn rund 90 % der noch vorhandenen Kirchenmitglieder sonntags nicht in die Kirche gehen, dann kann die katholische Kirche nichts dagegen machen. Und "Liebe" als christlicher Maßstab ist wohl nicht nachmessbar und Leute sind ja oft lieb zueinander…

kath.net: Auch auf die Kraft des Gebets vertraut Marketz in der Frage der Priesterberufungen nur bedingt. Unter den heutigen Gegebenheiten sei absehbar auch nicht viel Priesternachwuchs zu erwarten, "auch wenn wir noch so beten". So möchte er viel mehr die Laien ermächtigen , in der Kirche Dienste zu übernehmen".
Atheistischer Kommentar: Ja, beten nutzt nix, der Priesternachwuchs ist nicht herbei betbar. Es ist allerdings auch sonst nichts herbei betbar; beten nutzt nichts. Und ein paar dienstbare Laien lassen sich doch überall finden…

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).

kath.net: Und auch die klare Lehre der katholischen Kirche beim Thema "Priesterweihe für Frauen" interessiert Marketz so wenig. So meint er: "Wenn eine sagt, sie möchte Priesterin werden, dann kann ich nur mit ihr zusammen hoffen, dass das möglich wird – das sag ich ganz ehrlich."
Atheistischer Kommentar: Die Protestanten haben Priesterrinnen und der HErr hat sie deswegen nicht gestraft. Was natürlich an dessen Nichtexistenz liegt, aber Frauen existieren! Und in Österreich gab es gemäß der Statistik von 2017 (neuere gibt's noch keine) 462 Mönche und 3.600 Nonnen. Und in den Sonntagsmessen sitzen auch deutlich mehr Omas als Opas! Die katholische Gleichberchtigung der Frauen wäre also eine Anpassung an die Wirklcihkeit. Der Bischof Marketz scheint ja einen starken Hang zur katholischen Realität zu haben! Man wird sehen: Wird er innerkirchliche Probleme haben? Oder ist er nur der Zeit voraus?

 




Religionsfreiheit - muss das sein?


Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte wurde am 10. Dezember 1948 von der Vollversammlung der UNO mit 48 zu null Gegenstimmen bei acht Enthaltungen, seitens muslimischer und kommunistischer Regierungen, beschlossen.

In der heutigen Diskussion gewinnt man sehr oft den Eindruck, als sei lediglich der Artikel 18, in dem neben der Meinungs- und Gewissensfreiheit auch von der Religionsfreiheit die Rede ist, von ausschlaggebendem Interesse.

Es hört sich so an, als sei ausgerechnet dieses Menschenrecht auf Religionsfreiheit das Wichtigste von allen. Wichtiger als zum Beispiel das Verbot von Folter und Sklaverei oder die Unantastbarkeit der Person und ihres Eigentums.

Bei der Berufung auf die Religionsfreiheit bilden sich erstaunliche Fronten. Das eher linke Spektrum bis weit in die Reihen von CDU/CSU hinein aber auch die römisch-katholische und evangelische Kirche pochen darauf, dass dieses Recht selbstverständlich auch dieser  nunmehr in nennenswertem Umfang in Europa aufgetauchten Religion, dem Islam, zustünde.

Aber es erinnern konservativ eingestellte Bürger, die zumeist islamkritisch eingestellt sind, eher daran, dass dieses Recht für den Islam im Gegenzug auch den anderen Religionen in von muslimischen Mehrheiten bestimmten Nationen zugestanden werden müsse.

Bei dieser zweiten Betrachtungsweise kommen wir dem ursprünglichen Sinn von Religionsfreiheit schon beträchtlich näher. In einer politischen Landschaft, die seit dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 (siehe wikipedia) durch den Grundsatz „cuius regio, eius religio“ gekennzeichnet war, stellte die prinzipiell mögliche Abnabelung von der Religion des Herrschers in der Tat einen gewaltigen Fortschritt dar, von dem islamische Länder in aller Regel weit entfernt sind. Mit anderen Worten: nicht der Staat hat zu bestimmen, nach welchem Ritus sich ein Paar trauen darf, sondern das Paar selbst. Solange es keine Zivilehe gab (erst unter Bismarck eingeführt) war dies ein bemerkenswerter Fortschritt. Eine in diesem Sinne verstandene Religionsfreiheit bedeutet im Grunde nichts anderes als eine Vorstufe dessen, was wir heute als Laizität des Staates verstehen. Er hat sich aus dem positiven oder negativen Bekenntnis seiner Bürger herauszuhalten. Wird dagegen heute von Religionsfreiheit gesprochen, so wird man mit der Nase darauf gestossen, dass damit nur die die Erhaltung und Festigung von Privilegien gemeint ist.

Laizität (am Beispiel Tunesien)

Umso erfreulicher ist es, dass in einem islamischen Land, Tunesien, eine machtvolle Demonstration für die Laizität des Staates („I laïque Tunisia“) stattgefunden hat.

Den rund 15.000 Manifestanten ging es – wie das hochgehaltene Transparent in bestechender Kürze und Eindeutigkeit zeigt –  um die Toleranz zwischen den Weltanschauungen und die Aufhebung der staatlichen Bevorzugung einer einzigen Religion.

Gleichzeitig geht aber auch um die negative Religionsfreiheit – der junge Mann ist Atheist – und die echte Gleichberechtigung von Mann und Frau. Und all das in einem einzigen Plakat, in einem einzigen Wort vereint. Vergleichbares war in keinem anderen der von Revolutionen erschütterten Länder zu vernehmen.

Natürlich gibt es auch in Tunesien Bewegungen konservativer Muslime, die von der Einführung eines Emirats träumen, doch scheint die Zeit über sie hinweggegangen zu sein. Die angedachte Aktion junger Frauen, den aus dem Exil zurückkehrenden Terroristen Rachid al-Ghannouchi am Flughafen im Bikini zu begrüßen, um ihm zu zeigen, wie das moderne Tunesien aussieht, scheiterte lediglich an den Wetterbedingungen. So wurde ihm nur entgegengehalten: „Allah schafft keine Jobs“ – auch dies eine bemerkenswerte Aussage, die nicht unbeobachtet blieb. Die Extremisten erhielten zwar in den Wahlen vom 23. Oktober eine erschreckend hohe Stimmenzahl, doch betonen sie unablässig, die derzeit bestehenden Freiheiten nicht antasten zu wollen. Wohl zu recht wird dies nicht wirklich von den meisten geglaubt, wie in dem guten Kommentar von Abdelhamid Gmati „Croire ou ne pas croire“ in lapresse.tn deutlich wird.

Meinungs- und Gewissensfreiheit

Das allgemeiner gefasste Prinzip der Meinungs- und Gewissensfreiheit, wie es etwa von dem Aufklärer Diderot vorgetragen wurde, und das in der französischen Revolution seinen Niederschlag fand, hätte im Grunde bereits zu diesem Zeitpunkt eine Diskussion über die Frage der Religionsfreiheit als Unterabteilung der viel weiter gefassten Meinungsfreiheit überflüssig gemacht.

Ein Beispiel kann verdeutlichen, wie schnell die beiden Freiheiten auf Kollisionskurs gelangen können. In einem „schwach-islamischen“ Land wie Tunesien bestand und besteht für bekennende Juden und Christen staatlich garantierte Kultusfreiheit.

Moscheen und Kirchen werden wegen der latent immer vorhandenen Extremismusgefahr gesondert bewacht und beschützt. Wenn man einmal davon absieht, dass laut gültiger Verfassung nur ein Moslem Staatspräsident werden kann, herrscht eine für ein muslimisches Land erstaunliche Religionsfreiheit.

Trotzdem hätte sich wohl niemand vor dem 14. Februar 2011 getraut, eine Meinung zu äußern etwa der Art, Mohammed sei wegen seiner Heirat mit der neunjährigen Aische nach moderner Rechtsauffassung ein Pädophiler. Er hätte wohl erhebliche Probleme mit der Religionspolizei bekommen. Hier steht eindeutig die „Religionsfreiheit“, die sich bereits damit als ein Privileg dekuvriert, oberhalb der Meinungsfreiheit angesiedelt.

Der Sonderfall, wenn ein Ausländer eine muslimische Tunesierin heiratet, wurde bereits vor knapp einem Jahr ausführlich dargestellt * (Liebe unter dem Halbmond). Wenn sich dann in Deutschland ein islamischer Interessenvertreter und Lobbyist wie Aiman Mazyek hinstellt und den Politikern verkaufen will, „es gibt keinen Zwang im Glauben“, dann darf man ob dieser eigenwilligen Koranauslegung durchaus nachdenklich werden.

Ganz außerordentlich bedenklich und krass gegen die Menschenrechtserklärung positioniert stellt sich die Situation in „richtig“ islamischen Ländern wie Iran, Saudi-Arabien, Pakistan und Afghanistan dar, deren Rechtssystem weitgehend auf der Scharia basiert.

Drakonische Strafen für Ehebrecher, Homosexuelle oder Apostaten wie Steinigung, Auspeitschung oder Köpfung sind schlicht mit unserer Vorstellung von Menschenrechten nicht vereinbar, laufen aber gleichwohl unter „Religionsfreiheit“, da es schließlich die Religion ist, die diese Regeln vorschreibt. Solche Zustände sind dermaßen indiskutabel zu Beginn des dritten Jahrtausends hiesiger Zeitrechnung, dass an dieser Stelle wohl nicht weiter auf sie eingegangen werden muss.

Die Situation in Europa

Wenden wir uns also wieder der Situation in Europa mit seinen demokratisch verfassten Staaten zu. Man sollte meinen, dass die mit der französischen Revolution erreichte Entmachtung der absolutistischen Herrscher und der mit ihnen aufs heftigste kooperierenden christlichen Potentaten sich im Sinne einer vernünftigen Laizität des Staates verfestigt hätte.

Das Gegenteil ist der Fall. In zähem Kampf und mit geschickter Lobbyarbeit ist es den Kirchen, allen voran natürlich der römisch-katholischen in den letzten 200 Jahren gelungen, ihren Einfluss auf das gesellschaftliche Leben geradezu krakenhaft wieder auszudehnen.

Ihre Präsenz in der Öffentlichkeit und ihr Einfluss auf das politische Alltagsleben übersteigen dabei inzwischen bei weitem den prozentualen Anteil ihrer Anhänger. Hinzu kommen die Gier und die verfassungsrechtlich bedenkliche Forderung nach allgemein staatlichen Leistungen, die von jedem Mitbürger – gleich ob mit christlichem, muslimischem, jüdischem, atheistischem oder sonst welchem Bekenntnis – getragen werden müssen.

Der Koordinierungsrat säkularer Organisationen (KORSO) hat einen Teil der direkten, Zuwendungen in einem informativen Faltblatt zusammengestellt. Dass darüber hinaus jedoch jährlich Milliardenbeträge an die Kirchen fließen, damit diese sich mit ihren angeblichen karitativen Leistungen brüsten können, finden sich akribisch nachgewiesen im „Violettbuch“ vom Wissenschaftler Dr. Carsten Frerk.

Man kann festhalten, dass sich die Amtskirchen – anders als die Freikirchen – eine Position erarbeitet und teilweise gegen die Bestimmungen der Weimarer Verfassung und des Grundgesetzes erschlichen haben, die mit den Forderungen nach religiöser Neutralität des Staates nur noch entfernt etwas zu tun haben.

Wen nimmt es da wunder, wenn nun diese neue Religionsgemeinschaft Islam in ihren verschiedenen Formen daher kommt und für sich dieselben Privilegien einfordert, die den etablierten religiösen Gemeinschaften in Deutschland so ans Herz gewachsen sind?

Angesichts dieser neuen Herausforderung macht sich eine geradezu lethargische Hilflosigkeit breit. Wie viel darf man ihnen gewähren, wenn gleichzeitig bekannt ist, dass diese Religion sich anschließend nicht damit zufrieden gibt, still als Gemeinde der Moslems vor sich hin zu arbeiten und den Anhängern ein spirituelles Zuhause zu geben, sondern klare und weit darüber hinaus gehende Ziele der politischen Einflussnahme auf die Gesellschaft verfolgt, ganz so, wie es auch von den Kirchen praktiziert wird.

Wer da immer noch glaubt, man könne sich mit dem Islam rein theologisch auseinandersetzen, verfehlt die wirkliche Problematik. Es kann nicht darum gehen, sich gegenseitig Suren und Bibelzitate um die Ohren zu hauen, oder Diskussionen darüber anzuzetteln, welcher der propagierten Götter denn nun der bessere sei – nein: die Frage kann ausschließlich und nur politisch entschieden werden.

Doch zu einer Rückbesinnung auf die Werte der Aufklärung fehlen ganz offensichtlich die Kraft und der Wille bei den im Parlament vertretenen Parteien. Muss denn wirklich erst eine neue Revolution her, um dieses Problem zu lösen?

Deutschland hat die Chance zu einem grundsätzlichen Neuanfang leichtfertig nach der Wiedervereinigung verspielt, weil eben alles „schnell“ gehen musste und es wichtiger schien, den Einigungsvertrag umgehend abzuschließen. Die ursprüngliche Version des Art. 146 im Grundgesetz sah vor, dass das Deutsche Volk sich in freier Selbstbestimmung nach der Vollendung der Einheit eine neue Verfassung gibt und das Provisorium von 1949 ad acta legt.

Tatsächlich aber wurde das Grundgesetz praktisch unverändert in ganz Deutschland für verbindlich erklärt und jede Diskussion umgangen. Dem Umstand, dass Deutschland sich seit 1949, als es noch unter dem Eindruck der Kriegsereignisse und den Schwächen der Weimarer Republik stand, ganz erheblich verändert hat, konnte somit nicht Rechnung getragen werden.
Es hätte klargestellt werden müssen, dass die „Religionsfreiheit“ nicht als Deckmantel dienen darf, um Privilegien oder sogar ungesetzliche Machenschaften zu schützen wie es derzeit in der unseligen Fassung des Artikels 4 im Grundgesetz der Fall ist.

Eine solche Bereinigung hätte bereits bei der Präambel beginnen müssen, mit diesem unsäglichen Satz „Verantwortung vor Gott und den Menschen“, was angesichts einer deutlichen Mehrheit der Deutschen, die nicht mehr an einen persönlichen Gott glaubt, nur schwer vermittelbar sein dürfte.

Was hat eine bronzezeitliche Fiktion in einem weltlichen Gesetzestext zu suchen? Und das muss irgendwann weitergehen mit der Abschaffung der Körperschaften öffentlichen Rechts hin zu einer Organisation unter Vereinsrecht für Religionsgemeinschaften, Abschaffung der Präsenz in Ethik- und Fernsehräten, Schulkommissionen und vieles andere mehr, Abschaffung des staatlich bezahlten Religionsunterrichts an öffentlichen Schulen und Abhängen der christlichen Symbole in den der Allgemeinheit zugänglichen Räumen.

Bereits mit diesen Maßnahmen hätten sich einige Probleme erledigt. Um nur ein Beispiel zu nennen: Bei einer Organisation nach Vereinsrecht muss eine Satzung vorgelegt werden. Man stelle sich nun vor, Muslime organisieren sich dergestalt nach Maßgabe der Scharia und in der vorgelegten Vereinssatzung stünde, dass der Austritt aus dem Verein – die Apostasie – mit dem Tode zu bestrafen ist.

Es steht zu vermuten, dass dann auch dem heftigsten Befürworter von „Religionsfreiheit“ klar wird, dass hier etwas nicht stimmen kann. Man stelle sich des Weiteren vor, dieser Verein verlange von neu hinzutretenden Mitgliedern und auch ihren Kindern, sie müssten sich die Ohren abschneiden lassen, weil dies nun einmal vereinsrechtlich so festgelegt sei.

Und in Wahrheit wäre es noch schlimmer: sie verlangten nicht die Ohren, sondern schnippeln an den Genitalien der Mitglieder herum, was normalerweise unter Verstümmelung religionsunmündiger Abhängiger fiele, falls weithin anerkanntes Recht auf religiöse Gruppen angewendet würde.
Es ließen sich noch viele Beispiele anführen, bei denen erst eine vereinsrechtliche Betrachtung klar macht, wie viel von diesen unter „Religionsfreiheit“ segelnden Privilegien schlicht mit moderner Rechtsstaatlichkeit unvereinbar sind. Man mag einwenden, dass das ja „nur“ Muslime treffen würde, alles andere könne dagegen so weiter gehen wie bisher.

Dazu sollte man sich einmal die arbeitsrechtlichen Bedingungen anschauen, unter denen die Mitarbeiter in staatlich zu 95 Prozent finanzierten, aber von der katholischen Kirche geführten Krankenhäusern herrschen.
Apostasie wird zwar nicht (mehr) mit dem Tode bestraft, sondern „nur“ mit dem Verlust des Arbeitsplatzes, arbeitsgerichtliche Prozesse der Betroffenen dagegen enden in aller Regel mit einem Sieg der Kirche – wegen einer sogenannten „Religionsfreiheit“.

Das Grundgesetz

Neben der Präambel, die geändert gehört – zum Glück ist es ja den Vatikanparteien Deutschlands im Parlament nicht gelungen, diesen Unsinn auch noch in den Lissabon-Prozess einzubringen – muss endlich eine Diskussion um die Ausgestaltung von Artikel 4 Grundgesetzt angestoßen werde.

Die entscheidenden Punkte finden sich in Absatz 1 und 2:

1. Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.

2. Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.

Besonders der zweite Absatz stellt einen juristischen Stolperstein ersten Ranges dar, weil unter ihm so ziemlich alles subsumiert werden kann, was den Religionsgemeinschaften gerade so in den Sinn kommt.

Es gibt keine ausdrücklich genannten gesetzlichen Beschränkungen. Das Mindeste, das erreicht werden müsste, ist ein Zusatz in diesem Grundgesetzartikel, wie er sich im UN-Zivilpakt aus dem Jahr 1993 findet:

Die Freiheit, seine Religion oder Weltanschauung zu bekunden, darf nur den gesetzlich vorgesehenen Einschränkungen unterworfen werden, die zum Schutz der öffentlichen Sicherheit, Ordnung, Gesundheit, Sittlichkeit oder der Grundrechte und -freiheiten anderer erforderlich sind.

Oder in anderen Worten ausgedrückt: „Alles, was den Bürgern eines Staates erlaubt ist, soll auch gläubigen Bürgern erlaubt sein – und nicht mehr“.

Eine dergestalt begründete Eingrenzung in die allgemeinen zivil- und strafrechtlichen Bestimmungen könnte die zu beobachtenden Auswüchse verhindern – zumindest eindämmen – und böte gleichzeitig den nicht zu unterschätzenden Vorteil, dass der Islam sich nicht auch noch die Privilegien einverleibt, die den anderen derzeit zur Verfügung stehen.

Wenn man davon überzeugt ist, dass ein solcher Verfassungszusatz ein dringliches Desiderat darstellt, sollten die zu ihrem Inkrafttreten erforderlichen Maßnahmen von den humanistischen Institutionen – notfalls auch auf dem Petitionsweg – umgehend eingeleitet werden. Auf Unterstützung durch die kirchliche Lobby wird man dabei aber wohl verzichten müssen.

Somit steht für mich fest: Die Religionsfreiheit, in dem Sinn wie sie heute ausgebeutet wird, gehört abgeschafft

* Eine kleine Ergänzung zu Tunesien: Das Dekret 73, das Tunesierinnen vorschrieb, nur Moslems heiraten zu dürfen, wurde ausser Kraft gesetzt. Und auch ansonsten sind nunmehr alle Regelungen, die Frauen diskriminieren (Ehe-, Familien- und Erbrecht, uam.) inzwischen durch neue Gesetze ausgemerzt worden.