® Die Frage steht im Raum


FragezeichenWarum steht die Frage im Raum? Na klar, die wird gestellt, also steht sie. Nur das Fragezeichen am Ende wird gesetzt, das darf sitzen (Bild: Wo ist dein Problem Logo, BPHD, Wikimedia Commons).

Die Frage steht, das Fragezeichen sitzt, und wenn zwischendrin eine Pause eingelegt wird, darf die sogar liegen; sie wird schließlich eingelegt.

Bei der Absicht, aus dieser Wirrnis Humor zu saugen, sind auch die Übersetzungen interessant. Auffällig ist, auf englisch gibt es keine klare Entsprechung. Da gibt es nichts, was im Raum steht, sondern es wird bestenfalls erhoben (raised). Es muss auch keine Frage (question) sein, sondern das Modewort issue passt auch. Und der Raum, in dem die Fragen stehen? Den gibt's nur bei uns:

  • the question is
  • the question arises
  • the issue of

Um so wertvoller wird der Fragenraum für uns. Das ist quasi ein Schutzbiotop, wo die Merkwürdigkeiten der deutschen Sprache ihre Urständ feiern. Beispielsweise stehen die Fragen sehr stabil. Sie fallen nicht um, nicht mal die Umfragen. Und wenn Fragen wiederholt werden, werden sie wiederholt gestellt, obwohl sie doch gar nicht fallen können. Das sind dann bohrende Fragen.

Manche Fragen stellen sich sogar von allein. Man sieht, die haben enormes Standvermögen. Es braucht einige Beharrlichkeit, um sie niederzuhalten. Man muss den Mund halten, denn bevor sie gestellt werden, liegen die Fragen auf der Zunge. Sobald sie mal gestellt sind, stehen sie im Raum herum, und nichts kann sie ungefragt machen.

Sie können höchstens verhallen, aber dafür brauchen sie einen Raum mit Hall. Sonst reicht ein Abstellraum. Dadrin können die Fragen im Raum stehen und verstauben. Für offene Fragen braucht es allerdings einen offenen Raum. Manche Fragen sind so global, dass sie eigentlich nur im Weltraum stehen können.

Das wirft die Frage nach der Raumzeit auf. Können Fragen nicht bloß im Raum stehen, sondern in der Raumzeit?

Ob das wohl geht? In der Zeit kann man doch nur liegen, wenn überhaupt. Man liegt in der Zeit, wenn man rechtzeitig fertig ist.

Mal angenommen, die Frage wird gestellt, und damit wird man rechtzeitig fertig? Sie steht dann im Raum, und sie liegt in der Zeit. Steht sie dann in der Raumzeit? Oder liegt sie in der Raumzeit? Oder gibt's womöglich eine Superposition von Stehen/Liegen?

Das führt auf das gleiche philosophische Paradox wie die Frage nach dem Vorstandsvorsitzenden. Steht der, oder sitzt der? (Oder sind Banker/Manager gemeint, die vor Gericht stehen, und danach sitzen die?)

Interessant sind noch die großen und die kleinen Anfragen, denn die werden eingereicht und nicht gestellt. Zwischendurch können noch Zwischenfragen kommen, die ihrem Platz im Zwischenraum finden, sobald man sie in einen Raum stellt. Bei den Abfragen ist der Fall nicht so klar. Die stellt man besser nicht in den Raum, denn das müsste der Abraum sein. Notfalls tut es aber auch ein Klassenraum, wenn Schüler abgefragt werden. 

Gibt's irgendwelche Nachfragen? Richtig, die Nachfragen stellt man auch nicht in den Raum, sondern man schiebt sie nach. Sollte jemand diese Aussage hinterfragen, dann bleibt ihm die Möglichkeit der Hinterfrage. Wo die landet, das weiß keiner. Hinterfragen ist sowieso unmodern, weil jeder seine eigenen Fragen in den Raum stellen will und meistens auch gleich die Antwort.

Das blöde ist nur, dass die Antworten so oft danebenliegen. Und wenn die da immer rumliegen, wie sollen sie dann an die im Raum stehenden Fragen drankommen? Das ist die naheliegende Frage, die im Raum steht …

 

(Dieser Artikel erschien zuerst am 29.12.13 und wurde am 23.9.18 überarbeitet und ergänzt.)

Links zu weiteren Humor-Artikeln:




Unterstellungen zur Asylpolitik


blow-22207_1280Hier geht es nicht darum, blindlings auszuteilen, sondern es handelt sich um wohlabgewogene Einschätzungen. Und warum Unterstellungen? Weil die Zahlen manipuliert werden, darum. Es wird gemauert, getrixt, getäuscht, gelogen und betrogen (Bild: PublicDomainPictures, pixabay, Anklicken zeigt Texte von wb).

Produzenten der Fakes sind staatliche Stellen genauso wie Medien und Lobbys. Letztere sind bei der Produktion von Meinungsumfragen führend. Diese Domäne konnten sie erobern, weil das Vakuum an unmanipulierten staatlichen Zahlen groß ist – und ein Bedürfnis nach stimmigen Zahlen ist allgemein gegeben.

An der Journaille ist dies Bedürfnis großteils vorbeigegangen. Früher, als die Fakes noch nicht Fakes hießen, waren Journalisten mal Leute, die allen Fakes nachgespürt haben. Wenn sie eine Manipulation, eine Täuschung, eine Verschleierung aufdeckten, gab es einen Skandal. Die Publikative galt als vierte Gewalt im Staate.

E und U

Naja, das ist sie wohl immer noch, nur eben anders. Zur Klärung kann man sich an die Musik wenden. Damals gab es die Unterteilung in E-Musik und U-Musik (Ernst und Unterhaltung). Analog dazu könnte man nun E-Journalismus und U-Journalismus unterscheiden. Das wäre dann der Enthüllungsjournalismus und der Unterhosenreport, und von den Enthüllungen landen 90% auch im U-Bereich des Paparazzitums …

Doch doch, es gibt noch den echten Enthüllungsjournalismus. Der Spiegel spiegelt immer noch ganz gut. Sogar im Bundestag stellt die Opposition mittlerweile Nachfragen zum Thema. Aber wenn überhaupt, scannen viele Wissbegierige heute nur noch Datenberge, die von freiwilligen Helfern geleakt werden. Und manche Helfer produzieren das Material gleich selber …

Vielleicht kommt die weltweite Wurstigkeit daher? Fake oder Wahrheit, ganz egal? Hauptsache 'ne knackige Meldung? Am besten eine, die rund um die Welt geklickt wird? Und hätten die Zahlenlieferandos es früher wagen dürfen, solche Machwerke wie aus der heutigen Produktion abzuliefern? Wären sie da nicht medial in die Pfanne gehauen worden?

Wohlan, wenn wb schon mal so metapherös sein darf, mit medialen Pfannen, dann kommt nun die Aussage (z.B. zu New York Times und Süddeutscher Zeitung), dass die Flaggschiffe lecken. Jawohl, sie lecken linksgrüne Füße, die alles Etablierte niedertrampeln wollen …

Äh nein, so nicht.

Arbeitslose und Arbeitende

Um bei der Sache zu bleiben, sind nun ein paar Facts fällig. Den Einstieg können die Arbeitslosenzahlen machen, die nicht ganz zum Thema passen, aber ein besonders verfeinertes Zahlenjonglage-Kunststück darstellen. Das gilt international. Aus der US-amerikanischen work force wird genausoviel herausgerechnet wie aus der deutschen Arbeitslosenstatistik. Immer nach dem Motto, wer sich gerade in der Nase bohrt, der gilt nicht als arbeitslos. Und wer krank ist, und wer in Ausbildungsmaßnahmen abgeschoben ist, und wer das falsche Alter hat, und wer zu lange arbeitslos ist, und wer Angehörige pflegt oder Kinder erzieht, und und und (wb-Link Arbeitslose).

Die meisten Medien akzeptieren diese Betrügerei klaglos. Jedes Jahr werden die offiziellen Zahlen wiedergegeben, und im Kleingedruckten steht dann, naja, da sind auch noch die vielen nicht Gezählten. Warum machen die Medien das? Warum schreiben sie nicht die richtigen Zahlen hin, und wenn die zu gut verbaggert sind, dann eben pi mal offiziell? Wären sie das der Allgemeinheit nicht schuldig? Wenn sie zu hoch schätzen, würde das die Zahlenlieferandos nicht auf Trab bringen? Nicht pi, sondern e? Oder α oder Φ? Oder womöglich echte, redlich ermittelte Zahlen?

Um zum Thema zu kommen, wird nun das Teamwork von Arbeitsamt und Bamf angesprochen. Die beiden Zahlenlieferandos haben eine feine Meldung fabriziert und medienweit unkritisch wiedergegeben gekriegt. 300.000 Flüchtlinge aus den acht Hauptasylländern hatten demnach einen Job gefunden, 238.000 sogar einen sozialversicherungspflichtigen (wb-Link Highlights).

Verdächtig war bloß, dass keine Informationen mitgeliefert wurden, wieviele von den 300.000 sich selbst erhalten konnten, und wie viele direkt oder indirekt aus den diversen Flüchtlingsgeldströmen subventioniert wurden. Wieso ließen sich die Medien mit so einer unseriösen Meldung abspeisen? Warum muss man auf die Leserforen (vor allem der Zeit) zurückgreifen, um solcher migrationspolitischen Selbstbeweihräucherung und -bauchpinselung zu entgehen?

Herausrechnen, Hereinrechnen

Wenn sich die Bundesagentur für Arbeit und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zusammentun, dann treffen echte Manipulationsexperten aufeinander. An dem 300.000-Beispiel zeigen sie, dass sie nicht nur das Herausrechnen beherrschen wie bei den Arbeitslosenzahlen, sondern auch das Hereinrechnen. Das gehört quasi zu deren Grundrechenarten, Zusammenzählen, Abziehen, Herausrechnen, Hereinrechnen.

Sie tun das anscheinend völlig skrupellos. Bei den Arbeitslosen können sie nicht genug Leute herausrechnen, und bei den Arbeitenden rechnen sie jeden rein, der nicht bei drei auf der Palme sitzt. So machen sie aus Deutschland einen hervorragenden Standort für Lügenproduktion.

Gefällige Beihilfe leisten Organisationen, die unter Staats-Journalismus laufen, vulgo der Tagesschau-Faktenfinder. Die operieren auf der Basis, dass es keine belastbaren Zahlen gibt, nichts Nachvollziehbares und keine uncoupierten offiziellen Quellen. Damit wollen sie alle Arten von pi-mal-Daumen-Schätzungen widerlegen (wb-Link Verboten, verboten).

Warum bohren die Faktenfinder-Journalisten nicht nach, ehe sie äußern, Zahlen nicht nachvollziehbar, Quelle nicht genannt, Zahlen strittig? Genau das wäre doch die Aufgabe von staatlichen Statistikern, dass sie unstrittige Zahlen liefern, und zwar redliche Gesamtzahlen? Wer sagt denen das endlich?

Familiennachzug

Hier bei wissenbloggt wurde schon mehrfach auf die Spaßeffekte beim Familiennachzug hingewiesen. Der wird bei den Flüchtlings-Immigranten nicht mitgezählt. Na schön, sie stellen keinen Asylantrag, aber wieso werden ihre Zahlen dann so verbuddelt? Und warum erfährt man nicht, wieviele den Flüchtlings-Immigranten zugeordnet sind und wieviele anderen Ausländern, die selber dafür aufkommen?

Ein Blick auf die Site des Bamf zeigt, die führen gern Zahlen vor, die zur linksgrünen Agenda passen, zu Integration und freiwilliger Rückkehr. Dazu ein Zahlenkonvolut namens Asylzahlen mit Aufschlüsselungen ohne Ende. Bloß zum Thema Familiennachzug gibt es keine eigene Rubrik, und die Suche bringt nur Artikel zur Gestaltung des Familiennachzugs, wenn man ihn selber durchführen will. Erst nach einigem Herumklicken findet sich dann doch etwas (1.), auf S. 95, nach Ländern aufgeschlüsselt.

Die Gesamtzahl 115.000 für 2017 deckt sich ganz gut mit den bei wb geschätzten 118.000 (wb-Link Familiennachzug). In der Länderwertung sind Syrien, Türkei, Irak Spitzenreiter (Türkei gleichbleibend, Syrien und Irak stark steigend). Viertes Land ist Indien (ebenfalls ansteigend); diese vier Länder machen die Hälfte aus. Die zweite Hälfte wird vom Kosovo angeführt, auch ein paar weitere osteuropäische Länder zeigen stark steigende Zahlen.

Das wäre dringend erklärungsbedürftig. Wo bleibt die Darstellung vom Trend? Die Asylzahlen gibt's monatsweise frisch, zum Familiennachzug gibt's das ganze Jahr noch garnix. Dabei gehen die Zahlen wahrscheinlich steil nach oben. Schlagen sich die 300.000 Asyl-Prozesse in 300.000 neuen Familiennachzügen nieder? Was ist mit dem osteuropäischen Familiennachzug, geht der auch auf Sozialkasse?

Wieso gibt es die Ungleichstellung von den einen, die einen gutbezahlten Arbeitsplatz nachweisen müssen, und deren Familiennachzug deutsch sprechen muss, gegenüber den anderen, die sich nicht selbst erhalten können, und die trotzdem ihre sprachunkundige Familie reinholen dürfen? Warum fragen die Medien nicht nach? Wissen die das nicht, wirkt das Bamf-Versteckspiel?

Umfragen

Bevor die Unterstellungen kommen, sind noch ein paar Beispiele für unterschiedliche Abfrageergebnisse fällig. Es geht um verschiedene Studien (siehe auch wb-Link Umfragen), zunächst um eine vom bekanntermaßen immigrationsfreundlichen PEW (2., 3., 4.), Aussage: A majority of people in several European countries say they support taking in refugees who are fleeing violence and war. Und nun das, was in der Zeit draus wird (5.), Aussage: Mehr als zwei Drittel der Europäer sind laut einer Umfrage weiter für die Aufnahme von Menschen in Not.

"Flüchtling" ist im Original noch jemand, der vor Gewalt und Krieg flieht, und dann sind's "Menschen in Not" – also auch Armutsmigranten. Nach denen wurde aber nicht gefragt. Die Unstimmigkeiten gehen schon beim Original los, so die Numerierung Q53a und Q41b an den Grafiken (2.). Was ist denn mit Q(uestion)1 bis Q40? Anscheinend gab es eine viel größere Zahl von Fragen, von denen selektiv einige wenige veröffentlicht wurden.

So ähnlich geht es bei der größeren SVR-Umfrage zu (6., 7.). Da gab es 136.356 "nicht neutrale Ausfälle insgesamt" und 9.298 "auswertbare Interviews" ( 7. S. 12). Nur 1 Befragter von 15 wurde also verwertet. Wenn das keine ideale Basis für Manipulation ist … Und es gab zwei Fragen, die objektiv beantwortbar sind:

  • "Migranten haben die Kriminalität erhöht", Ergebnis 7% ja, 30% nein (6. S. 14). Real muss es aber 100% ja heißen, laut PKS (z.B. zusätzlich 1,1 Morde/Totschläge pro Tag).
  • "Migranten haben positiv zu Deutschlands wirtschaftlicher Entwicklung beigetragen", Ergebnis 40% ja, 5% nein (6. S. 16). Real 100% nein durch zig Mrd. Nettokosten (das mag sich in Zukunft ändern, aber bis dato ist der Saldo überaus negativ).

Es kamen völlig falsche Einschätzungen als Abfrageergebnis, was die anderen Ergebnisse natürlich auch fragwürdig macht. Von den 9.298 ausgewählten Befragten waren merkwürdigerweise nur 2.720 (29,3%) ohne Migrationshintergrund. Und das ist kein Zufall, es war früher auch schon so. Bei einer früheren Studie gehörten sogar nur 19,5% der Befragten zur Mehrheitsbevölkerung (8.). Wunder was, wenn der SVR schon mal unter "Politbüro der deutschen Migrationspolitik" läuft und seine Studien als Auftragsarbeit der linksgrünen Kreise gelten. Was die Zeit draus macht, ist wieder ein unkritischer Willkommens-Artikel (9.). Es gibt aber auch das Gegenteil, z.B. bei Cicero (10.).

Plausibler erscheint ohnehin eine Direktumfrage bei der Welt (11.). Da wurde ungefiltert abgefragt, ob die unkontrollierte Einwanderung … gut für das Land wäre, Ergebnis 93% nicht gut. Das ist auch bei 80.000 Teilnehmern nicht repräsentativ, aber es zeigt die Spannen, die bei den Erhebungen möglich sind.

Unterstellungen

Endlich ist es soweit, dass die Verdachtsmomente eingesammelt sind. Über die Verlogenheit muss man nicht mehr diskutieren (wb-Link Verlogenheit), aber nun kann es losgehen mit den Beschuldigungen (die ja nun nicht mehr ganz so unbelegt sind). Zumal wir uns im Land der derjenigen befinden, die den Flüchtlings-Immigranten aus der halben Welt glauben, dass sie ihren  Pass verloren haben und Syrer sind (anscheinend kein Problem, wenn der Familiennachzug dann von Nigeria kommt).

Dann dürfen wir auch andere Sachen glauben, und zwar in der weniger gutgläubigen Richtung. Das betrifft nicht bloß die Immigrationsindustrie von Hilfsorganisationen, Vermietern, Sozialarbeitern, Anwälten und anderen, deren Vorteile klar auf der Hand liegen (300.000 Prozesse, dazu ein untypischer Bericht der SZ, 12.).

Mit der Begründung, dass die dargelegten Divergenzen gegenüber der freien Befragung offensichtlich nur fabriziert sein können, unterstellen wir den Agendasetzern (Studien-Autoren, Zeitungs-Redakteuren, Groß-Politikern) konzertiertes Vorgehen:

  • Sie verwischen mit Absicht den Unterschied Flüchtling/Immigrant, um die Zustimmung zum Asyl für allgemeine Immigration zu missbrauchen.
  • Sie stellen die positiven Aspekte unangemessen heraus und verschleiern oder leugnen die negativen.
  • Sie wollen die große Menge der Immigranten drin haben, und die sollen dauerhaftes Bleiberecht kriegen, ehe sich Protest regen kann.
  • Sie wollen eine positive Grundstimmung herbeimanipulieren, um die Basis für die Unterzeichnung vom global compact on refugees im Dezember zu schaffen.

Von dem Pakt wird die Gleichstellung von Flucht und Armutsimmigration geplant, und es soll offene Grenzen für alle geben (wb-Link Umsiedlung). Das versuchen die Agendasetzer schon vorab durchzusetzen. Deshalb wird a) gefragt, ob echte Flüchtlinge kommen dürfen, und dazu sagen sehr viele Befragte ja. Berichtet wird aber b), alle Immigranten wären willkommen.

Wenn b) direkt gefragt wird, nämlich ob allen Armutsflüchtlingen die unkontrollierte Einreise gestattet werden soll – also genau das, was der global compact on refugees erreichen will -, ist die Ablehnung gewaltig.

Ähnlich gewaltig dürfte die Ablehnung bei der Frage sein, ob alle unkontrolliert Reingekommenen und weiter Reinkommenden nach ein paar Jahren dauerhaftes Bleiberecht kriegen sollen.

Um das zu kaschieren, wird gelogen und betrogen und aus den wahren Daten ein Geheimnis gemacht – aus den Gesamtzahlen, aus den Gesamtkosten, aus den Anteilen Selbstversorger/Staatshilfe. Deshalb wird (ohne Druck) nie nachgehakt und kontrolliert, wo sich verdächtige Aspekte auftun, betreffend Immigration und Sekundärimmigration aus Osteuropa, aus der Türkei, aus dem Nahen, Mittleren und Fernen Osten, aus Arabien, aus Afrika.

Das also sind unsere Unterstellungen zur Asylpolitik. Schön wär's, wenn sie sich als gegenstandslos erweisen würden.

 

Medien-Links:

  1. Das Bundesamt in Zahlen 2017 Asyl, Migration und Integration (Bamf).
  2. A majority of Europeans favor taking in refugees, but most disapprove of EU’s handling of the issue (PEW Fakttank 19.9.): A majority of people in several European countries say they support taking in refugees who are fleeing violence and war.
  3. Topline Questionnaire (Pew Research Centre 19.9.).
  4. International survey methodology (Pew Research Centre 5-7/18): 1000 Befragte.
  5. Migration: Große Mehrheit in Europa würde weiter Flüchtlinge aufnehmen (Zeit Online 19.9., 220 Kommentare): Mehr als zwei Drittel der Europäer sind laut einer Umfrage weiter für die Aufnahme von Menschen in Not.
  6. Stabiles Klima in der Integrationsrepublik Deutschland SVR-Integrationsbarometer 2018 (Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration). S. 14: "Migranten haben die Kriminalität erhöht", Ergebnis 7% ja, 30% nein – S. 16 "Migranten haben positiv zu Deutschlands wirtschaftlicher Entwicklung beigetragen", Ergebnis 40% ja, 5% nein.
  7. Methodenbericht SVR-Integrationsbarometer 2018 (Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration). S. 12: "nicht neutrale Ausfälle insgesamt" 136.356 und "auswertbare Interviews" 9.298.
  8. Migrationsforschung : Professor Bade gibt den Anti-Sarrazin (Frankfurter Allgemeine Zeitung 9.5.11) (Prof. Bade ist inzwischen durch Professor Bauer ersetzt). Er ist der Sprecher des einflussreichen Kartells staatlich geförderter Migrationsforschung, die offene Debatten unterbindet. … Kaum jemand aber überprüfte diese vermeintlich repräsentative Studie: 5600 Personen wurden dafür am Telefon befragt, davon hatten 80,5 Prozent einen Migrationshintergrund und nur der Rest von 19,5 Prozent der Befragten gehörte zur Mehrheitsbevölkerung.
  9. Migration: Mehrheit sieht Flüchtlinge als kulturelle Bereicherung (Zeit Online 19.9., 500 Kommentare): Deutschland ist ein weltoffenes Land: Laut einer repräsentativen Befragung beurteilen die meisten Deutschen das Zusammenleben von Einheimischen und Zuwanderern positiv.
  10. Studie zur Integration des SVR – Bis das Ergebnis stimmt (Cicero 21.9.): Eine Studie verbreitet gute Nachrichten über die Integration in Deutschland. Doch der Auftraggeber und seine Methodik ist höchst zweifelhaft. Das hindert viele Medien nicht, die Ergebnisse kritiklos zu veröffentlichen.
  11. Ungarn – Die Kluft zwischen Orbán und Merkel wird zum Abgrund (Welt 17.9.) Abstimmung am Ende des Artikels, Ergebnis aus 80.000 ungefilterterten Stimmen: 93% für die unkontrollierte Einwanderung war nicht gut für das Land.
  12. Flüchtlinge – Gerichte kassieren fast die Hälfte der abgelehnten Asylbescheide (Süddeutsche Zeitung 14.1.): Gegen fast alle ablehnenden Bescheide des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf) wird geklagt. Diese Zahlen gehen aus einer Antwort der Bundesregierung an die Linksfraktion hervor, die regelmäßig detaillierte Statistiken abfragt … Demnach werden 44% der Verfahren für die Flüchtlinge entschieden, bei Syrern 69% und bei Afghynen 61% – aber das ist nur die 1. Instanz. Das Bamf geht regelmäßig in Berufung und hat in 2. Instanz wiederum oft Erfolg (keine Angabe, wie oft). Bei den 300.000 Prozessen geht es um den Anerkennungs-Status. Nur für anerkannte Flüchtlinge gibt es Familiennachzug, für Angelehnte (subsidiär Geschützte) gibt es nur eine Quote von 1000 pro Monat.
  13. Hold the Front Page: The Reporters are Missing (Consortium News 19.9., 110 Comments): So much of mainstream journalism has descended to the level of a cult-like formula of bias, hearsay and omission. Subjectivism is all; slogans and outrage are proof enough.

Links zu Artikeln von wissenbloggt:




Über die Rache: „Die Rache ist mein“, spricht „Gott“ von Frank Sacco


Die sommerliche Dürre ist zuende, und nun wird die Sintflut thematisiert. Frank Sacco, Doktor der Medizin, schreibt über üble göttliche Features und schließt mit einem sarkastischen Amen.
 

Über die Rache: „Die Rache ist mein“, spricht „Gott“  von Frank Sacco

Diesen Trost gab Jahwe seinem Volk. Und unser Christengott gibt ihn uns Getauften. Angeblich. Indes: Beide sind eine üble Erfindung. Doch auch Erfindungen können  trösten. Sogar perfekter als irgendwelche Mitmenschen. Doch die Erfindung Jahwe lehrte mit seiner ihm angedichteten Sintflut leider auch (und nicht nur) Adolf Hitler, wie man einen „ethisch durchaus vertretbaren“ Holocaust hinlegt. Und meine Kirche lehrt es unseren Kindern  bis heute. Sie hat aus Auschwitz nichts gelernt (Bild: Gustave Doré, Wikimedia Commons).

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Wird ein schwacher Mensch (oder ein schwaches Volk) durch einen starken Bösewicht oder eine starke Regierung geschädigt, kann er (oder es) sich nicht selbst rächen. Aufgrund der Schwäche. Toll, wenn einem da ein Jahwe oder ein Christengott aushilft. Toll, wenn solch ein Gott die Feinde in einer ewigen Folterhölle foltert. Rache tut  ja so gut. So hilft diese jüdisch – christliche Religion dem Seelenfrieden des Schwachen schon hienieden. Und zum Trost derer, die die Zeit nicht abwarten können: Es gibt auch Personen, die mit Erfindungen wie Jahwe oder dem Christengott kommunizieren können. Oder es behaupten. Wenn die nun vorbringen, der jeweilige Gott befehle schon hier und ohne Umschweife Rache oder Krieg, so darf man sich schon hier rächen und töten. Am 5. Gebot vorbei! Als Einzelperson oder als Volk. Eine tolle Angelegenheit also. So befahl die Erfindung Jahwe seinem Volk die Tötung aller Kanaaniter, inclusive aller Babys. Das war völlig o.k. Ein Stück Altertum? Keineswegs. Christina und Hans, von denen wir hier weiter unten lesen werden,  sind noch auf dem gleichen „Wissens“- bzw. Glaubensstand. Noch ein kleiner Vorteil der Rache: Die Rüstungsindustrie hat volle Auftragsbücher. Es kann uns  nicht langweilig werden.

Doch zuvor kurz zu Kafka: Er ist Jude und schreibt das Stück „Das Urteil“ Dort geht es um Gregor. Gregors Vater ist zu schwach, sich an seinem Sohn (wegen begangener Kleinigkeiten) zu rächen. So holt er sich, der bereits Psychotische und Bettlägerige, zwecks Rache Jahwe her. Wie?  Indem er Gregor verflucht. Der jüdischen Vaterfluch bewirkt eine Symbiose mit Jahwe. Und der Herr Papa verurteilt Gregor zum Tode durch Ertrinken. Dieser merkt aber, da kommt kein Jahwe, ihn zu ertränken. Also macht er es selbst. Er fühlt unbewusst die Pflicht dazu. Denn er glaubt an Jahwe.Ertränkt er sich nicht, so wartet das Gehinom, die Hölle Jahwes auf ihn. Jeder Fluch dient also dazu, etwas Transzendentales herbeizurufen. Und Georg glaubt an Transzendentales. Er glaubt, wie auch Kafka, an die Unendlichkeit. Diese taucht im letzten Satz der Geschichte dann auch prompt auf. Kafka hatte ein Über-Ich- Problem. Und er erkannte nie wirklich, dass diesem Problem, seiner Krankheit, die Erfindung Jahwe zugrunde lag. Wir spüren bei Kafka einen Gegner, wissen aber nicht, wer der Gegner ist. Wir spüren aber bei seiner Lektüre viel Leid, einen unendlichen Druck, eine Wehrlosigkeit und eine tiefe Verzweiflung. Kafka selbst hatte diese Gefühle. Er hatte ein Sacco-Syndrom. Und er starb daran (wie auch Sigmund  Freud daran starb). Beinahe durch einen Sprung aus dem Fenster, letztlich aber durch eine Schwächung seines Immunsystems. So konnte die Tuberkulose kommen und siegen. Genaueres kann man in meiner Psychoanalyse Kafkas nachlesen (Bild: Sacco).

sacojesusablehnDoch nun endlich zu Facebook. Ich hatte dort beklagt, dass „der Christengott“ auch die Babys bei der Sintflut ertränkte. Wo war da seine moralische Qualifikation? Unsere ehemalige Pastorin, damals ca. 40 Jahre alt, hatte dazu gemeint, ob ich nicht glauben würde, dass alle Menschen, also auch die Babys, „irgendwo Sünder“ seien. Und ertränkt werden mussten. Nun, ich hatte es nicht geglaubt. Und wieso nahm dieser Gott als Tötungsmittel Regenwasser? Dabei  hätte es doch bspw. ein harmloseres Vergasen, bspw.  mit Kohlenmonoxyd auch und vor allem schneller getan.

Dazu sagt Christina (Name geändert):  „Unser Schöpfer hat das Recht und die Pflicht, die Bösen zu bestrafen und das Böse, zur Abschreckung potentieller Sünder, Furcht einflößend auszurotten. Das erwarten auch die Opfer von menschlicher Gewalt zu Recht vom Schöpfer. Du hast Dich unendlich weit von Gott entfernt, Frank. Es wäre ein unfassbares Wunder, wenn Du noch rechtzeitig zum Heil zurückfinden würdest. Tobe Deinen Hass gegen Gott, wie Satan, also völlig aus, bevor Dich Gott richtet. Denn das wird dann vollkommen sein. Übrigens: Wenn Du die Bibel liest, erkennst Du, genauso wie bei der intensiven Naturbeobachtung, der Menschenbeobachtung und der Meditation, dass diese Werke kein Mensch, sondern nur Gott selbst veranlasst haben kann. Denn vom Nichts kommt nichts. Aber da Du die argumentative Auseinandersetzung mit den Christen brauchst, um Dich zu trösten, wirst Du bis zu Deinem Vergehen hier, unterschwellig verzweifelt und Sinn entleert und tollwütig, weiter schreiben. Facebook ist Dein Trost. Ich werde Dir kein weiteres Wort mehr dazu schreiben. Denn es ist jetzt alles Wesentliche erwähnt. Danke auch von mir dazu an Facebook! Amen.“

Dann kommt dazu Hans (Name geändert);

„Frank Sacco! Meine Verwandte Christina hat Recht. Du beklagst Dich darüber, dass Gott Kinder vernichtet. Ja, Frank, Gott darf das Böse auch im Keim ersticken und ausrotten, bevor es immer bösere Blüten trägt. Das tut Gott für die gutmütigen Menschen, die unter den Gewalttätern leiden. Gott ist nicht ethisch dazu verpflichtet, mit der Ausrottung der Bösen zu warten, bis diese volljährig sind. Tatsächlich kann jeder Mensch schon bei kleinen Kindern erkennen, ob diese gutmütig oder bösartig sind… Und jetzt, Frank, bereue Deine Sünden und kehre, demütig und dankbar, zu Gott zurück!!!“ Nun, den Teufel wird ich tun.

Dann wieder Christina zum Hans:  „Nur durch Gott finden wir zum inneren Frieden. Denn er ist unser Ursprung und unser Schicksal. Abwendung von Gott führt zur Übeltat und zur psychischen Erkrankung, die dann mit Psychopharmaka oder Heroin betäubt wird.“

Nun, da hat Christina mal ausnahmsweise und beinahe Recht. Die Geistlichkeit hat dafür gesorgt, dass man sich bei der „Abwendung“ von ihrer Erfindung Bibelgott des Öfteren schon in einer Psychiatrie oder in einer Gosse mitsamt Alkohol und Drogen wiederfand. Dafür sorgen frühkindlich und in tiefer Suggestion einer  „Heiligen“ Messe eingepflanzte Sündengefühle verbunden mit einem daher gestörten Selbstvertrauen. Ein Kirchenaustritt wird damit zu Kirchenaustrittsfalle. Das klerikal indoktrinierte „eigene“ Unbewusste rächt sich an der ausgetretenen Person. Wie? Über einen ecclesiogenen Masochismus. Wie wir ihn von Ödipus her kennen. Der hatte sich ja beide Augen ausgestochen, damit (die Erfindung) Zeus ich nicht in die Hölle warf. Eine Vielzahl solcher Fälle ist bekannt. Das Christentum ist die „perfekte“, da grausamste bekannte Religion: Allah holt schon mal Sünder aus der Hölle raus. Unser Gott jedoch nie. Da ist er kleinlich.

Darum hält es sich auch über 2000 Jahre, das Christentum. Zum einen ist die Bedrohung mit ewiger Feuerfolter für Kinder ein unauslöschliches, gläubig und demütig machendes Brandmahl, verstärkt durch die Darstellung eines überaus verbrecherisch wirkenden gewalttätigen „Gottes“. Zum anderen bedient unser Glaube auch die streng Gläubigen. Die erwarte ein hübsches Paradies, von dem aus man auch die endlosen Qualen der Nichtgläubigen und „bösen“ Menschen  in der Hölle beobachten kann. Ja das sei geradezu das Schönste am Paradies, äußert der so unheilige Heilige Thomas von Aquin: Das Zuschauen bei Folterungen. Durch zu wenig bzw. gar keinen Sex wurde Thomas zum Sadisten. Und zum Asketen wurde er, da nur Arme und Asketen durchs christliche Nadelöhr kommen. Wie gesagt: eine perfekte Religion. Amen.

 

Frank Sacco ist Autor von Das Sacco Syndrom und Autor der Bücher

Weitere Artikel von Frank Sacco




Netzwerkdurchsetzungsgesetz-Urheberrechtsreform: Verboten, verboten, verboten


clown-1760854_1280Wie heißt das meistbenutzte Wort mit Verb? Richtig: Verboten. Bald ist das einzige, was bei uns nicht verboten ist, das Verbot selber.

Dementsprechend läuft die hiesige Verbotsproduktion zu immer neuen Rekorden auf. Beispiele nennen sich Netzwerkdurchsetzungsgesetz und Urheberrechtsreform.

Wer das mit Humor nehmen will, braucht rheinisches Blut und teutonische Nehmerqualitäten (Bild: succo, pixabay).

Bei wissenbloggt muss nicht auf Einzelheiten der Beschwerdeführung eingegangen werden. Das haben andere Medien sattsam durchexerziert (1., 2., 5., 6., 7.). Hier geht es darum, die befremdlichen Aspekte herauszuarbeiten und ein wenig Leserhilfe zu betreiben.

Ein Beispiel – was wäre wenn die neue Zensur und Verbieterei voll durchgezogen würde? Würden die Texte dann so aussehen wie dieser nicht ganz unbekannte Passus?

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser. Und Gott sprach: Es werde Licht! und es ward Licht. Und Gott sah, daß das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag. Und Gott sprach: Es werde eine Feste zwischen den Wassern, und die sei ein Unterschied zwischen den Wassern. Da machte Gott die Feste und schied das Wasser unter der Feste von dem Wasser über der Feste. Und es geschah also. Und Gott nannte die Feste Himmel. Da ward aus Abend und Morgen der andere Tag.

Wahrscheinlich muss man Bundesjustizminister sein, um sich an solchen schwarzen Balken zu delektieren. Nun gut, wenn die große Zensurkeule rausgeholt wird, will sich wissenbloggt auf das Niveau des Gegners begeben. Zum Schwärzen steht ab sofort unser vollidiotischer Zensurgenerator sw-sw-08/15 zur Verfügung (mit Regulierungsautomatik).

Die Zensurkeule ist als Oberbegriff durchaus verwandt mit der Nazikeule und der Kommunistenkeule, deshalb ist sie umschaltbar auf braun in braun und rot in rot:

Nazis, Rechtsradikale, Faschisten, Ausländerfeinde, Fremdenfeinde, Alltagsrassisten, völkische Überlegenheitsfantasten, menschenverachtende Dumpfbacken, mit Hetze, Desinformation und braunem Gedankengut. Gesinnungsfaschisten, AfD-Abschaum, Hassprediger, Gesellschaftsspalter im stinkenden braunen Sumpf.

Linksgrün versiffte Traumtänzer, Anmaßung, Stalinismus, open border madness. Gutmenschenlinke mit Open-Border-Romantik, "Abschiebung ist Mord"-Demagogen, Linksideologen, gefühlsduselige Gutmenschen, die in Willkommenskultur schwelgen wollen.

Mal sehen, was das neue EU-Urheberrecht und das deutsche Netzwerkdingsdabumsda für solche Innovationen bereithält. Wahrscheinlich darf nun niemand mehr die Farben schwarz, rot, braun benutzen. Oder nur noch in kürzesten Ausschnitten, wie das bei Nachrichtenartikeln oder Überschriften der Fall sein soll, während das Teilen einer Überschrift künftig sowieso abgestraft wird (6.).

Dann sollten Links logischerweise auch nur noch 20 Zeichen lang sein. Wenn schon Entdemokratisierung und Zensur, dann konsequent, bittesehr. Und noch konsequenter: Wo blühen denn Fake News und Hate Speech am üppigsten?

Nein, damit ist nicht der Faktenerfinder, pardon, Faktenfinder der Tagesschau gemeint (3.). In einem schönen Beispiel zeigt der immerhin, wo das Problem sitzt: Wenn man die verwendeten Zahlen prüft und folgerichtig bestimmte Personen wieder herausrechnet … die hochgerechneten Flüchtlingskosten sind nicht nachvollziehbar … Eine Quelle für die Zahlen wird nicht genannt … Wieviele Menschen aber tatsächlich durch den Familiennachzug nach Deutschland kommen, ist strittig. Eben. Im Herausrechnen sind sie ganz groß, auch wenn es in dem Fall vielleicht mal passt. Die Zahlen werden zurechtgedoktert oder gleich geheimgehalten – dann gibt es nichts Nachvollziehbares und keine offiziellen Quellen. Besonders lustig ist das beim Familiennachzug: Also bei Leuten, die sie selber reinholen, können sie die Zahl nicht nennen, seit 2015.

Zweifellos eine prächtige Blüte von Fake – aber das war gar nicht gemeint. Denn es geht jetzt gegen die Religion. Bibel und Koran sind voller Hate Speech, und unter Fake News müsste das sowieso laufen. Also dann, wo bleibt die konsequente Umsetzung der Zensur? Wann kommt das Faktenerfinder-Verbot, das Bibel- und Koranverbot? Oder wenigstens die die Relikeule, sprich, die Umsetzung mit dem vollidiotischen Zensurgenerator, im Koran-Fall grün auf grün? (wb-Link 115. Sure)

115. Sure: Die Technik
Diejenigen, welche Sure 1 bis 114 beherzigen, leugnen die Wissenschaft. Konsequenterweise mögen sie bitte auf die Produkte der Wissenschaft in Form von moderner Technik verzichten, denn sie wurden von Ungläubigen ersonnen und gestaltet. Stattdessen mögen sie sich bitte an die Hervorbringungen ihrer eigenen Weltsicht halten. Also Eselreiten statt Autofahren, Rauchzeichen und Trommelsignale statt Handy und anstelle von Atombomben Stinkbomben.

 

Medien-Links:

  1. Verfassungsschutz: Ein mieses Spiel mit der Angst der Menschen (Zeit Online 31.5.17, 350 Kommentare): Die Bundesregierung hat Angst vor ihren Bürgern und verabschiedet immer neue Überwachungsgesetze. Doch dem Verfassungsschutz genügt das nicht, er will noch mehr Daten.
  2. Netzwerkdurchsetzungsgesetz – Deutschland am Pranger (Cicero 15.6.17) – Kisslers Konter: Die Kritik am geplanten Gesetzesvorstoß gegen Hassrede im Internet reißt nicht ab. Sogar die Vereinten Nationen sehen die Meinungsfreiheit in Deutschland gefährdet.
  3. Flüchtlinge in Deutschland Rechnen mit falschen Zahlen (Tagesschau Faktenfinder 4.11.17).
  4. Neues Gesetz gilt ab heute – Soziale Netzwerke müssen Hass und Hetze schneller löschen – Kritiker warnen (Focus Online 1.1.): Die Online-Netzwerke müssen „offenkundig strafbare Inhalte“ binnen 24 Stunden nach dem Hinweis darauf löschen. Bei weniger eindeutigen Fällen ist eine Frist von sieben Tagen vorgesehen. Dazu zählen Verwendung der Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, Vorbereitung einer Gewalttat, Verunglimpfung des Staates und seiner Organe, Bildung terroristischer Vereinigungen, Volksverhetzung, Verbreitung von Kinderpornografie oder Verleumdung.
  5. Special zum Thema "Fake News" (Bundeszentrale für politische Bildung).
  6. Urheberrechtsreform: Diese Überschrift dürfen Sie künftig nicht mehr zitieren (Zeit Online 12.9., 440 Kommentare): Die Lobbyarbeit ist aufgegangen: Die EU-Urheberrechtsreform belohnt die Verlage. Für uns alle ist sie desaströs. Die freie Verbreitung von Informationen ist in Gefahr.
  7. ‘Catastrophic’: EU Passes Copyright Directive Including Internet ‘Link Tax’ and ‘Upload Filter’ (Planet Free Will 12.9.): The European Parliment has passed a controversial copyright directive that contains provisions which force tech giants to install content filters and sets in place a potential tax on hyperlinking. The bill was passed in a final vote of 438 – 226 and will need to be implemented by individual EU member states.
  8. Urheberrechtsreform: Was hat das EU-Parlament tatsächlich beschlossen? (Heise Online 15.9.): Das Internet verloren, die Kulturindustrie gerettet – die geplante EU-Urheberrechtsnovelle lässt viele Deutungen zu.
  9. Entwurf eines Gesetzes zur Verbesserung der Rechtsdurchsetzung in sozialen Netzwerken (Netzwerkdurchsetzungsgesetz – NetzDG, Deutscher Bundestag 16.5.17): Strafbar sind solche Inhalte, die den Tatbestand der §§ 86, 86a, 89a, 90, 90a, 90b, 91, 100a, 111, 126, 129, 129a, 129b, 130, 131, 140, 166, 184b, 184d, 185 bis 187, 241 oder 269 des Strafgesetzbuchs erfüllen.

Links zu Fake-Artikeln von wissenbloggt:

Links zu weiteren Humor-Artikeln:

(Hinweis: um den Farbe-in-Farbe-Text zu lesen, markiert man ihn.)




Rezension Detel Grundkurs Philosophie 4-7


detelband113580331-00-00Die Rezension vom Grundkurs der Philosophie von Wolfgang Detel wurde mit den Bänden 1-3 begonnen und wird hier mit den Bänden 4-7 fortgeführt (5 Bände stammen von Detel, 2 von anderen renommierten Autoren). Ganz kurz die besonderen Vorzüge:

  1. Die Professoren Detel & Co. bleiben beim Thema. Das würde man sich auch bei anderen Autoren wünschen.
  2. Detel hat den Stoff so durchgearbeitet und strukturiert, dass er für Verweise ("Explikationen") nutzbar ist.

Der Verlag schreibt zurecht, es sind Bücher für alle, die sich gründlich in die Philosophie einarbeiten wollen.

Die Teilbereiche werden systematisch eingeführt, bauen aufeinander auf und werden durch Beispiele erläutert. Es gibt auch Übungsaufgaben am Ende jedes Bandes, Literaturhinweise und ein Sachregister. Die Begriffe und Positionen der wichtigen philosophischen Disziplinen werden in knapper, verständlicher Form präsentiert. Der Stoff ist so kompakt, dass die Rezension ihn nur noch umreißen kann, was hier durch eine Sammlung von Fragen geschieht.

Die Bücher sind nicht nur zum Lernen nützlich, sondern auch zum Nachschlagen, wenn man die Info ("Explikation") kompakt wünscht (für elaborierte allgemeine Information kann man wiki nutzen). Bei Band 6 und 7 gibt es keine Verweise, so dass Begriffe nochmal erläutert werden, oder eben nicht – man merkt den Unterschied.

In der Rezension zu Band 1-3 wurde schon das Interview des Professors mit seinem Verlag angesprochen und teilweise wiedergegeben. Im Weiteren äußert sich Detel zum Thema, ob man Philosophie "schulmäßig" lernen kann:

Die meisten Positionen und Theorien der modernen theoretischen Philosophie werden kontrovers debattiert. Dabei wird auf eine große Zahl von grundlegenderen philosophischen Begriffen, Positionen und Theorien zurückgegriffen, die man kennen muss, um diese Debatten verstehen und würdigen zu können. Diese Grundlagen können nicht nur gelehrt und gelernt werden, sie müssen heute sogar gelehrt und gelernt werden.

Wer beispielsweise nicht weiß, was logische Schlüsse, starre Referenz, Intentionalität, phänomenales Bewusstsein, Supervenienz, Gettier-Probleme, Gefangenendilemma oder kollektive Handlungen sind, hat keine guten Chancen, die wichtigsten laufenden Diskussionen in der theoretischen Philosophie angemessen zu verstehen. Dieses Grundlagenwissen ist gegenwärtig schon recht umfangreich und soll im Grundkurs so kurz und verständlich wie möglich dargeboten werden.

Ich habe etwa 75% des Stoffes aller fünf Bände viele Male in einem einsemestrigen kompakten Modul präsentiert. Der Grundkurs soll den LeserInnen die Möglichkeit bieten, sich über Details rasch zu orientieren, aber vor allem sich den Stoff mit Hilfe von Beispielen und Übungsaufgaben anzueignen.

Das merkt man, dass der Stoff gut durchgearbeitet wurde. Philosophische Positionen und Kontroversen werden kompakt auf den Punkt gebracht, so dass "aus Überblick Orientierung erwächst" (Journal für Philosophie). Dem Leser wird eine gut aufbereitete Grundlage geboten, und auch wenn's penetrant wirkt, möchte der Rezensent diese Art der Wissensvermittlung nochmal als vorbildlich loben. Hier nun also Band 4-7:

Band 4: Wahrnehmungstheorie – Theorie des Wissens – Allgemeine Wissenschaftstheorie

Welche Funktionen weisen psychologische und philosophische Wahrnehmungstheorien der Wahrnehmung zu? Welche Rolle spielt sie im Empirismus? Was sind Pushmi-Pullyu-Repräsentationen? Welche epistomologischen Positionen und Prinzipien sind wesentlich? Wie werden wissenschaftliche Theorien bestätigt oder widerlegt, akzeptiert oder verworfen (mit einer formalen Analyse vom Fall Semmelweis)? In welchem Verhältnis stehen Wahrheit, Rechtfertigung und Wissen zueinander? Ist Wissen kontextabhängig? Gibt es wissenschaftlichen Fortschritt?

Auf das letzte Kapitel Wissenschaft und ihre sozialen Bedingungen wird nicht jeder etwas geben, Aussage etwa: Eine angemessene Beschreibung wissenschaftlicher Aktivitäten muss die soziale Formierung stabiler wissenschaftlicher Meinungen in möglichst vielen wissenschaftlichen Gemeinden untersuchen. Das ist Detel bestimmt schwergefallen, solche Verquickung vom Sozialen mit der Wissenschaft wiederzugeben. Vielleicht erklärt das die Tatsache, dass im neuen Band 4 z.T. noch auf die Nummern vom alten Band 3 verwiesen wird, z.B. 3.163.

Ein Beispiel für epistomologische Probleme liefert das Gettier-Problem: Es gibt Beispiele, die (a) – (d) erfüllen, und wenn (a) – (d) erfüllt sind, dann ist b* wahr, und S ist gerechtfertigt, b* zu glauben, aber b* ist (für S) nur kontingentweise wahr, und daher nicht Wissen, obgleich alle Bedingungen der Standarddefinition für Wissen erfüllt sind.

(a) S hat die Meinungen b und b*.
(b) S verfügt über Gründe r derart, dass
      (i) r die Meinung b rechtfertigen und
      (ii) S glaubt, dass (i) der Fall ist.
(c) Ferner gilt:
      (i) b impliziert logisch b*, und
      (ii) S glaubt, dass (i) der Fall ist.
(d) Es gibt ein Faktum c* und eine Meinung c mit dem Gehalt,
      dass c* der Fall ist (so dass c wahr ist), derart, dass
      (i) S die Meinung c nicht hat,
      (ii) c die Meinung c* impliziert (so dass b* wahr ist),
      (iii) es keine Gründe gibt, die c rechtfertigen,
            oder von denen S glaubt, dass sie c rechtfertigen, und
      (iiii) dass gilt: c impliziert nicht-b (so dass b falsch ist).

Nach dieser Problem-Darstellung braucht der kritische Leser keine weiteren Probleme zu suchen, weil die Vorgaben (a) – (d) schon problematisch genug sind – es geht um b und c und deren "Schnittmenge bzw. Folge" b*:

(d)      c ist wahr.
(d) (ii) c impliziert b* und b* ist wahr.
(d) (iv) c impliziert nicht-b und b ist falsch.
(c) (i): b impliziert b*.
>         b* ist wahr und falsch.
(a) (i) b wird gemeint.
(d) (i) c wird nicht gemeint.
>         b* wird nicht gemeint und doch gemeint.

Band 5: Handlungs- und Entscheidungstheorie – Sozialontologie – Wissenschaftstheorie der Sozialwissenschaften

Die Begriffe Handlung, Handlungserklärung und Tun werden mit Hilfe von Band 2 und 3 erläutert. Eine einführung in die Entscheidungs- und die Spieltheorie wird gegeben und der Übergang zur Sozialontologie abgesteckt. Die Idee der Sozialwissenschaft wird erläutert, die verstehende Soziologie, die kritische Theorie und die "berüchtigte" dialektische Methode.

Fragen dazu: Was macht eine Handlung aus – im Unterschied zum Verhalten? Wie lässt sie sich erklären? Was sind Konventionen, Regeln und soziale Normen? Was sind kollektive geistige Zustände und kollektive Handlungen? In welcher Weise existieren soziale Gruppen, sozialer Status und Institutionen?

Ein Beispiel: Wünsche (= Präferenzen) sind Zustände, deren Erfüllung vom Metagefühl des Wohlbehagens begleitet sind.

Interessant ist die Parallele zu Searles "x counts in z as y" (Ein Ereignis, ein Gegenstand oder eine Handlung x gilt in einer Gruppe, Gesellschaft, Kultur z als ein institutionelles Faktum y. Bei Detel heißt das Soziales Behandeln-als …: "Eine Person behandelt x als y … nur dann, wenn (und hier kommt die Bedingung z in Textform).

Die letzten beiden Bände wurden von anderen Autoren geschrieben. Detel hat nicht einfach seine Doktoranden drangesetzt, sondern renommierte Kollegen dafür gefunden. Ihre Texte sind allerdings nicht in die numerierte Folge der Explikationen eingebunden und stehen deshalb unabhängig da:

Band 6: Politische Philosophie vom Professor für Sozialphilosophie und Politische Philosophie Robin Celikates und vom Philosophieprofessor Stefan Gosepath: Der Band 6 führt in die politische Philosophie und in die praktische Philosophie ein. Laut Verlagstext bietet er Schülern und Studenten, aber auch und vor allem Quereinsteigern eine gute Möglichkeit, sich anhand des Textes, der Zusammenfassungen und der im Anhang gestellten Aufgaben den Problembereich zu erarbeiten. Die Kapitel im Einzelnen:

Was ist politische Philosophie? (Z.B. die "realistische" Antwort: Politik als Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln – Anmerkung Rezensent: das hat man auch schon andersrum gehört).

Der Naturzustand und die anarchistische Herausforderung – zur Rechtfertigung politischer Herrschaft. Es geht dabei u.a. um Eigentumsbegründung, Gerechtigkeit, Fairness.

Kritik des Liberalismus. Hier kommt nochmal der Marxismus aufs Tapet, sowie Einwände dagegen und auch gegen den Liberalismus. Der Femninismus kommt dran, das Gendern auch kurz, und der unvermeidliche Poststrukturalismus.

Umkämpfte Begriffe und praktische Herausforderungen. Das sind etwa Gerechtigkeit, politische Freiheit, Demokratie, Neutralität, Toleranz und Multikulturalismus.

Ein Beispiel: Im Folgenden wird demgegenüber die Herausforderung hervorgehoben, die der globalisierte Kapitalismus darstellt. Die mit ihm einhergehenden Ungleichheiten erweisen sich nämlich nicht nur aus gerechtigkeits-, sondern auch aus demokratietheoretischer Perspektive als problematisch.

Der Rezensent vermisst hier den Bezug auf aktuelle Fragen wie open border und die weltweite Migration. Es fehlen die Themen "Dürfen alle alles überall?" und "Inwieweit gibt es Etabliertenrechte?"

Band 7: Ethik vom Professor für praktische Philosophie und Religionsphilosophie Matthias Lutz-Bachmann. Der abschließende Band 7 behandelt die Ethik, also die Frage: "Was sollen wir tun?" Verlagstext: In seinem bewährten Aufbau aus Erläuterungen, zusammenfassenden Abschnitten und Übungsaufgaben führt der Band in das Thema ein, nicht primär, um ethische Grundpositionen darzustellen, sondern um den Leser einzuladen, die hier vorgelegten Überlegungen und Vorschläge nachzuvollziehen und sich selbst auf die Spur der philosophischen Arbeit zu begeben. Die Hauptkapitel führen an das Thema heran, die Überschriften:

Erste Definitionen (z.B. philosophische Ethik und Metaethik).

Ethische Modelle (z.B. Utilitarismus und Diskursethik).

Ethische Grundbegriffe (z.B. Handlungen, Tugenden, das Gute, Richtige und Gerechte, Freiheit und Verantwortung, praktische Vernunft).

Angewandte Ethik (z.B. Ethik im Zeitalter der Pluralisierung von Moral und Menschenrechte).

Warum moralisch sein? Dieser Epilog behandelt die entscheidende Frage; hier geht es gegen den Amoralisten.

Ein Beispiel: In diesem Sinn reflektiert die philosophische Ethik oder Moralphilosophie die Moralität der Moral und überprüft, sucht oder entwickelt Gründe für deren Bestätigung oder Kritik, praktische Anerkennung oder Veränderung.

Der Rezensent bedauert nochmal, dass Band 6 und 7 nicht in die Explikations-Verlinkung der Bände 1-5 einbezogen sind. Sonst könnte z.B. die Definition von Handlungen in Band 7 mit Band 5 abgestimmt sein. Ansonsten ist das Werk mit den 7 schmalen Bänden eine sehr gute kompakte Grundlage der theoretischen Philosophie.

 

(Band 1-3 wurden im Artikel Rezension Detel Grundkurs Philosophie 1-3 besprochen – Hinweis: um dort den schwarz-auf-schwarz-Text zu lesen, markiert man ihn.)
  

Wolfgang Detel, Grundkurs Philosophie Band 1 bis 7, Reclam, um die 200 Seiten

  1. Reinschauen in Band 1 (reclam)
  2. Detel: Grundkurs Philosophie – Band 1: Logik (Eine Besprechung von Joachim Stiller)

Links von wissenbloggt:




Deutscher Niedergang


germany-2888541_1280sulox32Was die Deutschlandflagge symbolisiert:

  • Schwarz: bald wird es zappenduster,
  •  
  • Rot: jetzt brennen die roten Alarmlampen,
  •  
  • Gold: früher ging's uns noch gold.

(Bild: sulox32, pixabay, Beschriftung: wb).

Gewiss ist die Symbolik ungewollt, nichtsdestotrotz ist sie passend. Sie steht für die Frage: Wieviel insuffiziente Politik können wir uns angesichts der Jahrhundertprobleme noch leisten? Oder ist unsere Politik too balla-balla to fail?

Diese ketzerische Frage hat einen sachlichen Grund. Immer wieder muss hier angeprangert werden, wie die Politik mit Placebo-Maßnahmen, bloßem Gerede oder direkter Täuschung an Problemen herumklittert, die eine sachgemäße Behandlung bräuchten. Gut funktioniert bloß das Geldausgeben, was uns den Titel Kraut sourcing einbringt (= Zahlmeister Deutschland, abgeleitet von Krauts und crowd sourcing). Das ist aber das einzige, worin unsere Politik Spitze ist.

Nicht mal das Einfahren des Geldes funktioniert einwandfrei, trotz der deutschen Spitzenleistungen bei direkter und indirekter Besteuerung des Normalbürgers. Oft funktioniert das nach dem "System Soli"; erst werden für einen bestimmten Zweck Sonderbeiträge erhoben, und wenn der Zweck erfüllt ist, laufen die Sonderbeiträge trotzdem weiter. Weil es damit immer noch nicht reicht, muss die EZB noch Billionen aus leerer Luft dazudrucken, damit z.B. Italien am Konkurs vorbeischrammt (wb-Link Europäischer Zusammenbruch).

Ende des Jahres soll die sogenannte QE-(=Geldschwemme-)Maßnahme der EZB angeblich eingestellt werden. Aber das ist eins von den typischen Fakes, die heute als Information gelten. Es wird nix eingestellt. Es geht endlos weiter mit der windigen Staatsfinanzierung der EZB. Wenn die aufgekauften Staatsanleihen ihre Laufzeit absolviert haben, zahlen die Staaten das Geld zurück, und zwar indem die EZB ihnen neue Staatsanleihen zum selben Dumpingzins abkauft. "Aufhören" heißt im Jargon der EZB, wir kaufen nicht noch zusätzliche Staatsanleihen zu marktfernen Zinsen auf, wir kaufen bloß dieselben immer wieder neu.

Dass der italienischen Regierung das immer noch nicht reicht, steht auf einem anderen Blatt. Deutschland ist davon betroffen, weil es durch den Euro mit der italienischen (und griechischen usw.) Misswirtschaft verlinkt ist und für EZB samt Target 2 bürgen muss. Das sind Risiken aus unfreiwilligen (und unvergüteten) Krediten in Billionenhöhe (wb-Link Italien).

Migrationspolitik

Das Konzept des vermeintlichen Stops, wo trotzdem weitergemacht wird, gibt es auch bei der Migrationspolitik. Da kommen gern Meldungen der Art, es wären nun weniger Flüchtlinge. Damit wird unbedarften Lesern suggeriert, die Zahl der Immigranten würde geringer; 17% weniger, alles im Grünen Bereich. In Wirklichkeit besagt es ganz was anderes. Die Zahl wird nach wie vor größer, jedes Jahr um ca. 10%, nur wird sie nicht ganz so schnell größer.

Doch nicht mal darauf kann man sich verlassen, denn weder die Geburten von Immigrantinnen (ca. 50.000 pro Jahr) noch der Familiennachzug (geschätzt 100.000 pro Jahr) sind eingerechnet, mit der lächerlichen Begründung, die stellen ja keinen Asylantrag. Was noch an den offiziellen Zahlen vorbei geht, kann man nur ahnen, z.B. die 73.708 Migranten (Zahl Jan. bis Juli 18), die laut diversen Medienberichten bereits in einem anderen EU-Staat registriert waren oder dort Asyl beantragten und die trotzdem nach Deutschland weiterzogen.

Unnötig zu sagen, dass die aggregierten Zahlen bei unseren offiziellen Zahlenlieferandos nach Kräften versteckt und verbaggert werden. Der Familiennachzug ist nur bis 2015 ausgewiesen, als ob sie 3 Jahre bräuchten, um die Zahlen vom Computer abzurufen (sie holen die Leute ja selber rein, die Daten sind also schon vorab da). So etwas wie eine Immigrations-Uhr analog zur Schulden-Uhr gibt es überhaupt nicht. Das liefe dem offenkundigen staatlichen Desinteresse an Transparenz zuwider. Man pflegt den Eindruck, es wäre wer weiß wie kompliziert, ein paar plausible Annahmen zu treffen und aus dem Zahlensalat eine brauchbare aktuelle & komplette Übersicht zu schaffen (wb-Link Familiennachzug).

Zahlensalat

Dieselbe Strategie des Verbergens der Zahlen im Zahlensalat findet man beispielhaft in den bayerischen Haushaltsplänen, wo die maßgebenden Zahlen (die Schuldenmilliarden) auf S. 516 bzw. 468 versteckt sind (wb-Link Milliardengrab).

Was die Politik vor dem Bürger verbirgt, ist das Eigentliche, das was ihn am meisten angeht. Zu den wirklich bedeutenden Punkten wird der demokratische Souverän nicht gefragt. Es wird noch nicht mal erhoben, was nun die Mehrheit ist, die Asylkritiker oder die Asylbefürworter (in Österreich tat man das und zog Konsequenzen). Stattdessen dürfen sich private Umfrager auf dem Gebiet tummeln und je nach Gusto gefärbte Umfrageergebnisse verbreiten (die alle "repräsentativ" sind).

Die Demokratie wird zur Lobbykratie, die Politik kaspert alles per Selbstermächtigung zusammen – sei es die Euro-, Banken-, Griechenland- und nun Italien-Rettung, seien es die EU-Erweiterungen, sei es die Immigrationspolitik mit den Flüchtlingen, Asylanten, Geschützten, Bleibeberechtigten, Nichtabschiebbaren, die in Wirklichkeit wohl dauerhafte Immigranten sein sollen.

Umsiedlung

Im Dezember soll in Marokko der "globale Pakt für Flüchtlinge" verabschiedet werden, der in Brüssel anscheinend schon beschlossene Sache ist. Der Inhalt läuft darauf hinaus, dass kein Flüchtling mehr illegal sein soll und jeder dahin kann, wo er will – kurz, dass der Geburtenüberschuss von Afrika usw. nach Europa abgewälzt wird.

Von irgendwelchen Beschränkungen der Migration oder von einer Auswahl, wen die Zielländer aufnehmen wollen, ist in dem Dokument nicht die Rede. Stattdessen sollen sichere Migrationsrouten für alle eingerichtet werden, sollen die Migranten bereits in den Herkunftsländern auf die Reise vorbereitet werden. Im Zielland angekommen, soll den Migranten diskriminierungsfreier Zugang zur Grundversorgung gewährt werden, zu den Sozialwerken, zu einer "bezahlbaren und unabhängigen" Rechtsvertretung, zu Bildung, zu lebenslangem Lernen und zur Gesundheitsversorgung – sie sollen der einheimischen Bevölkerung in jeder Hinsicht gleichgestellt werden. Mehr noch, ihnen soll ein leichterer Familiennachzug garantiert werden als den Einheimischen; d.h. wo diese ein ausreichendes Einkommen zum Selbsterhalt nachweisen müssen (und gute Deutschkenntnisse der reinzuholenden Familienmitglieder), soll das bei Immigranten keine Rolle spielen (was allerdings dem deutschen Ist-Zustand entspricht).

In den Umsiedlungs-Zielländern sollen alle Formen von Diskriminierung eliminiert werden und ein öffentlicher Diskurs "zur Gestaltung der Wahrnehmung der Migration" gefördert werden. Medien, die "systematisch Intoleranz, Xenophobie, Rassismus und andere Formen von Diskriminierung gegen Migranten fördern", sollen öffentliche Gelder und sonstige Unterstützungen entzogen werden, wobei unklar ist, wer über Diskriminierung befindet.

Das EU-Parlament diskutiert bereits das "Umsiedlungsmodell" und den "Referenzschlüssel", nach dem die Immigranten auf die einzelnen Länder verteilt werden sollen (wb-Link Umsiedlung).

Fehlsteuerung

Natürlich ist das in mehrfacher Hinsicht Unfug, denn außer Deutschland will kein Land Immigranten zugeteilt kriegen, und auch die deutsche Bevölkerung will sich mehrheitlich nicht von der EU vorschreiben lassen, welche Immigranten reinkommen – zumal jetzt der Unterschied zwischen Flüchtlingen und Immigranten ganz verwischt werden soll. Die Umsiedlung vom großen, rohstoffreichen Afrika ins übervölkerte, rohstoffarme Europa ist ja schon in sich verkehrt.

Das Schlimme ist der Dilettantismus und Kontrollverlust, der bei dieser Politik herrscht. Man muss sich doch darüber im klaren sein, dass die gegenwärtige Praxis der Humanitätsausübung höchst ungerecht und deshalb auch inhuman ist. Sie stellt für die Nichtberücksichtigten die Herausforderung dar, selbst auf Reise zu gehen, um ihren Teil der Entwicklungshilfe selber abzuholen – sprich sie ist geeignet, eine Völkerwanderung auszulösen. Die Auflösung der Grenzen bedeutet am Ende, wir holen uns unsere Entwicklungshilfe selber ab.

Das noch zu unterstützen, ist kontraproduktiv für beide Seiten, weil es Europa zu einem zweiten Afrika machen würde. Als Kollateralschaden der Grenzöffnung ist Deutschland jetzt schon für alle Probleme der Welt zuständig, sogar für die der Uiguren aus China.

Wir investieren sehr viel Geld in die Falschen. Die Bedürftigsten hungern in Afrika weiter (wb-Link Hungernde). Die da kommen, werden hier nicht gebraucht, und viele von ihnen passen gar nicht in unsere moderne, aufgeklärte, emanzipierte  Kultur. Während Deutschland bei der unqualifizierten Einwanderung weltweit am permissivsten ist, baut es für qualifizierte Einwanderer hohe Hürden auf, durch enorme Anforderungen für die "Blue Card" – die Qualifizierten kommen dann eben nicht.

Brain Drain

Schlimmer noch, wir schauen zu, wie unsere heimische Exzellenz zu Hunderttausenden das Land verlässt, wegen zu hoher Steuern und Abgaben, wegen Unterfinanzierung von Unis und Krankenhäusern, wegen mangelndem Wohnungsbau, wegen zuviel Bürokratie, wegen des Zertifizierungsunwesens, wegen der ungesteuerten Immigration und wegen der Überfremdung in vielen Schulen (wb-Link Geburtenraten).

Der Exodus besteht aus 10.000 Personen pro Monat, von denen 70% Hochqualifizierte sind. Dafür kommen 20.000 – 30.000 pro Monat rein, die zum größten Teil keine Qualifikation nach unserem Standard haben, die meistens nur Hilfsarbeiten übernehmen können, wenn überhaupt, und die demnächst wohl von Robotern verdrängt werden.

Bereits jetzt vermehren sie sich stark, durch hohe Fertilitätsraten, durch Familiennachzug und durch sonstigen Zuzug. Ein Viertel der Geburten in Deutschland ist von ausländischen Müttern, unter den jungen Altersgruppen machen die Ausländer bis zu einem Drittel aus (jeweils ca. die Hälfte Immigranten, wb-Link Asyl).

Die Rede ist, mit fortschreitender Integration nähert sich das alles an. Für viele Gutwillige, Fleißige, Anpassungsbereite gilt das auch. Aber warum sollen die hier Straßenfeger werden statt zuhause Geschäftsmann, wozu ihnen ein Bruchteil der Integrationskosten verhelfen würde?

Blöderweise ist ungewiss, wieviele zu den Gutwilligen gehören. Man hat die Einreisenden ja nicht gefragt, ob sie sich überhaupt integrieren wollen, geschweige denn, dass man sie auf unsere Kultur eingeschworen hätte. Sie dürfen so rückständig und systemfeindlich sein, wie sie wollen, und sie können unser Sozialsystem trotzdem voll in Anspruch nehmen.

Missbrauch

Das Sozialsystem wird teilweise schon missbraucht. Der diesbezügliche Kenntnisstand beruht auf Einzelfällen, eine systematische Untersuchung gibt es nicht, und sie ist auch politisch nicht gewollt (wb-Links Sozialbetrug & Insidersicht). Unsere Regierung hat eine Gesetzeslage fabriziert, auf deren Grundlage wir 100.000-fach verhohnepipelt werden, und die uns vor aller Welt lächerlich macht (wb-Link Sami A.).

Im Lande wird nichts unternommen, um die Pull-Effekte für weitere Immigration zu entschärfen. Wir haben die beste Alimentierung für Flüchtlinge weltweit, die permissivste Handhabung der Gesetze, eine Endlosduldung, die nach ein paar Jahren zum Bleiberecht führt. Wir haben den geförderten Zuzug zu Verwandten, die bereits da sind, bis hin zum weltweit einmaligen Familiennachzug für Abgelehnte. Unsere Asylprüfung ist eine Farce, weil sowieso fast jeder dableibt, egal wie der Befund ausfällt.

Zusammen mit der hochgradig unseriösen Euro-Finanzpolitik, der heruntergekommenen Infrastruktur und den hohen impliziten Verbindlichkeiten sind das schwere Hypotheken auf unsere Zukunft. Noch gravierender ist die Methodik unserer Politik. Stets wird weitergemacht, ehe die bestehenden Probleme gelöst sind. Die werden nicht gelöst, sondern mit Geld zugeschüttet oder mit gefakedten Zahlen weggelogen. Auf Basis von manipulierten, intransparenten Zahlen kann nicht seriös und regulär regiert werden. Es ist aber nicht zukunftsfähig, wenn statt Problemlösung bloß Symptome geschönt werden. De facto soll ein offenkundig dysfunktionales System bis zum Kollaps der Republik künstlich am Leben erhalten werden.

Mit Weglügen sind die Probleme nicht auf Dauer niederzuhalten. Sprüche wie der Zuzug der Asylsuchenden ist wieder auf ein Normalmaß zurückgegangen sollten niemanden beruhigen. Ein "Normalmaß" von 200.000 "Asylsuchenden" (=Immigranten auf Dauer) plus 50.000 nicht Gerechnete plus 100.000 Familiennachzug plus 50.000 Geburten ist nicht dauerhaft zu bewältigen. Dasselbe gilt für die Euro-Projekte von noch mehr Vergesellschaftung der Risiken per Eurozonen-Finanzminister, Eurozonen-Budget und Vervollständigen der Bankenunion.

  • Wo andere die Verantwortung übernehmen, wird Verantwortungslosigkeit erzeugt, speziell in unserer Welt der Nutzenoptimierung (Beispiel wb-Links Italien).
  • Wo die Gesetze der Ökonomie von politischer Willkür außer Kraft gesetzt werden, ersetzt der Kuhhandel die Rechtlichkeit (Beispiel wb-Link Maastricht).
  • Wo der Open-Borders-Dogmatismus regiert, wird Bürgerkrieg gesät, spätestens dann, wenn muslimische Mehrheiten entstehen (Beispiel wb-Link Kosovo).

Da kann man nur von den goldenen Zeiten der Sozialen Marktwirtschaft träumen (wb-Link Reload 1970), wo es noch einen realen Zuwachs der Löhne gab, wo die Schuldenorgien noch nicht losgegangen waren, und wo der Kontrollverlust nur für ein paar steineschmeißende Revoluzzer galt. Am traurigsten ist, was sich die heutigen Wähler alles bieten lassen, um dann doch wieder den alten Filz zu wählen, der ihnen das beschert – Deutschlands Niedergang.

 

(Der Text wurde am 21.9. leicht überarbeitet und ergänzt beim Passus Stets wird weitergemacht, ehe die bestehenden Probleme gelöst sind.)

Keine Medien-Links in diesem Übersichtsartikel; die Links stehen in den einzelnen wb-Artikeln. Dort sind auch die Zeit-Artikel mit den Leserkommentaren verlinkt, aus denen einige Argumente hier aufgegriffen sind.

Links von wissenbloggt zum Niedergang:

Links von wissenbloggt zu Sozialproblemen:

Links von wissenbloggt zu Kapitalismuskritik:

Links von wissenbloggt zu Einzelpunkten:




Übersetzungshilfe VII+VIII


globe-110775_1280Warum heißt das eigentlich immer I+II oder VII+VIII? Nun, das ist historisch bedingt. Es gab mal Übersetzungshilfe I und Übersetzungshilfe II. Die wurden in der Folge zusammengefasst. Eine Übersetzungshilfe Nr. VII und Nr. VIII gab's bisher aber nicht (Bild: geralt, pixabay, aufgehübscht von wb).

Ist es deshalb zu kühn, nun mit "Übersetzungshilfe VII+VIII" herauszukommen? Immerhin ist es symmetrisch … Also auf zu ein paar neuen Takten Leserbespaßung. Die Religion steht diesmal zurück, um der Politik den Vortritt zu lassen. Also erstmal im Profanen suhlen, dann ein paar gemixte Begriffe und wenig Kürzel-Hickhack, und zuallerletzt die Ewigen Werte.

 

»Wir schaffen das!«
= Blechen für den Größenwahn

»Unsere Banken müssen gerettet werden!«
= Gebt euer Geld den Leuten, die euch abzockern und sich dabei verspekuliert haben!

»Unsere Hedgefonds müssen gerettet werden!«
= Na klar, das kommt auch noch, weil, die Hedgefonds sind systemrelevant. Die werden für das Umverteilungssystem von unten nach oben benötigt.

»No middle left.«
= Bezeichnende Klage auf englisch

Des Öfteren fragt man sich, was steckt hinter den Begriffen, mit denen unsere Medien überschwemmt werden? Was bedeutet wtf und dergleichen? Hier ein paar kreative Eigenbau-Beispiele:

Politischler
= Für Tische ist der Tischler zuständig, fürs Politische der Politischler.

Stammtischler
= Nichtberufener Politiker

Stammpolitischler
= Politiker, der auch nicht mehr weiß

Stammwähler
= Leute, die denselben Fehler immer wieder machen

#Aufstehen!
= Linksgrünes Leichenfleddern

#Ausziehen!
= Beliebte Ballermann-Forderung – hätte wahrscheinlich noch mehr Follower.

#Sitzenbleiben!
= SPD-Gegeninitiative – das Wort #Aufstehen! vermeidend:
"Es geht auch ohne Abi – #Sitzenbleiben!"
(Ungebremster Zuzug von nichtdeutschsprechenden Schülern garantiert den Erfolg.)

Algbt
= Gender*innen-Sprech-Ersetzung von Abi – denn wieso nur bi und nicht lesbisch, schwul, bi, transgender?

Gender
= Problemzonen-Philosophie

Gender
= Intellektuelle Knautschzone

#Metoo
= Rufmordkampagne für reiche weiße Männer

#Metwo
= »Alltagsrassismus ist alles, was nicht Gender ist.«

rassistisch
= Das neue Wort für kritisch (geklaut beim Zeit-Forum).

Hier in aller Kürze die versprochenen Kürzel (mitsamt ihrer Bedeutung), die wissenbloggt im Zuge der Modernisierung und Rationalisierung einführt – und zuletzt wird's sogar ketzerisch. Krauses Zeug, mag da jemand sagen? Na und, wer ist Krause?

wb
= wissenbloggt

wisssenblogggt
= rechtschreibreformgemäßes wissenbloggt

Präsi
= Präsident

Minipräsi
= Ministerpräsident

Mistpräsi
= Mr. President (special feature for America)

IQ
= Idiotiequotient = Idiocy Quotient (IQ 100 ist normal)

KI=AI
= Künstliche Idiotie = Artificial Idiocy

EU
= Error Utilities

EURO
= Error Utilities' Ridiculous Offspring

hh
= ein kleines lol = ein Lolchen = haha

HH
= lol = laugh out loud= hahahaha

FF
= Fußballer-Frisur = hahahahahahahaha

God
= Goofy on duty = hahahahahahahahahahahahahahahaha

 

Links zu weiteren Humor-Artikeln:




Rezension Detel Grundkurs Philosophie 1-3


detelband113580331-00-00Der emeritierte Philosophieprofessor Wolfgang Detel hat einen 5+2-bändigen Grundkurs der Philosophie verfasst, der hier gewürdigt werden soll (5 Bände stammen von Detel, 2 von renommierten anderen Autoren). Ins Auge springen zwei besondere Vorzüge:

  1. Die Autoren bleiben beim Thema. Eine Menge Kollegen tun das nicht. Sie füllen Seiten mit Zeugs, das schon 100-mal geschrieben wurde und in Philosophiegeschichtsbüchern besser aufgehoben wäre.
  2. Detel hat den Stoff durchgearbeitet und strukturiert, und er nutzt das für vielfältige Verweise – man wünschte sich, sowas über andere Philosophie-Autoren sagen zu können.

Im Hinterkopf des Rezensenten regt sich eine Wunschvorstellung: Wie wäre es, wenn alle sich auf eine gemeinsame Verweisstruktur einigen könnten? Die ganzen Philosophie-Doktorarbeiten strotzen doch von Zitaten und Verweisen (d.h. "das hab ich auch gelesen"). Das könnte statt Ablenkung auch Nutzen haben, wenn das Doktorthema eben wäre, einen Begriff fürs Allgemeinverständnis aufzubereiten. Nicht freifliegend wie bei wiki, sondern systematisch mit numerischer Codiereung. Gern auch mit Farbcode, je nach Geistesrichtung (emergent materialistisch, naiv subjektivistisch). Gern auch schwarz auf schwarz für fundamentalistische Einstellungen (forget it).

Soweit die Abschweifung vom Abschweifungskritiker – zurück zum Thema. Wie der Verlag schreibt, sind die Bücher für alle, die sich gründlich in die Philosophie einarbeiten wollen: Die Reihe präsentiert Begriffe und Positionen aller wichtigen philosophischen Disziplinen in knapper, möglichst verständlicher Form. Die Teilbereiche werden systematisch eingeführt, bauen aufeinander auf und werden durch zahlreiche Beispiele erläutert. Es gibt auch Übungsaufgaben am Ende jedes Bandes, Literaturhinweise und ein Sachregister.

Die Bücher sind nicht nur zum Lernen nützlich, sondern auch zum Nachschlagen, wenn man die Info ("Explikation") kompakt wünscht (für elaborierte allgemeine Information kann man wiki nutzen). Bei Band 6 und 7 gibt es keine Verweise, so dass Begriffe nochmal erläutert werden, oder eben nicht – man merkt den Unterschied.

Ganz problemlos gestaltet sich das nicht. Es gibt eine ältere und eine neuere Auflage, dabei wurde z.B. Band 3 stark überarbeitet. Im neuen Band 3 haben einige Explikationen die alten Nummern für neue Inhalte. Im neuen Band 4 wird z.T. noch auf die alten Nummern verwiesen, so dass man sich am besten den alten und den neuen Band 3 zulegt. Das ist aber nur ein kleiner Schönheitsfehler, zumal die Bände preisgünstig sind.

In einem Interview mit dem Reclam-Verlag äußert sich Professor Detel selber zu seinem Projekt. Wie die Bände aufeinander aufbauen? Nach Detel in zweifacher Hinsicht:

  1. Zum einen entwickeln sie ohne Voraussetzung ein umfangreiches Netz von Begriffen und Positionen, und dabei beziehen sich spätere auf frühere Bände. Ein formaler Ausdruck dieses engen Zusammenhanges sind die fortlaufende Nummerierung der eingeführten Begriffe und Positionen und vielfältige Rückverweise durch alle fünf Bände hindurch.
  2. Zum andern beschreiben die Bände im Anschluss an eine Einführung in die Logik (Bd.1) aus philosophischer Sicht nacheinander die Bereiche der Natur (Bd.2), des Geistes, der Sprache (Bd.3), des Wissens, der Wissenschaft (Bd.4), der sozialen Beziehungen (Bd.5) und deren Verknüpfung.

Auf diese Weise zeichnet der Grundkurs den allgemeinen Aufbau der Welt aus philosophischer Perspektive nach. Grob gesprochen beruht das Soziale ja auf dem Geistigen und das Geistige auf der Natur. Die beiden Bände zur politischen Philosophie (Bd.6) und zur Ethik (Bd.7) knüpfen an diese Grundlagen an. Detel gibt auch Auskunft über seine Sicht der Entwicklungen in der Philosophie der letzten 30 Jahre:

Bis vor ca. 30 Jahren galten Logik und Wissenschaftstheorie als die Königsdiszplinen der theoretischen Philosophie, und Metaphysik wurde entweder als Sammelsurium von Scheinproblemen angesehen oder nach Kants Zerstörung der Metaphysik als überholt betrachtet. Inzwischen sind die Philosophie des Geistes und die Bedeutungstheorie (Semantik) in das Zentrum der theoretischen Philosophie gerückt. Die Metaphysik gilt als rehabilitiert.

Außerdem sind neue Disziplinen wie Handlungstheorie, Entscheidungstheorie und Sozialontologie hinzugekommen. Alle diese Diszipinen haben sich in den letzten Jahrzehnten zunehmend miteinander vernetzt. Und schließlich zeichnet sich auch eine neue Auffassung zum Status der Philosophie ab.

Systematische theoretische Philosophie wurde bis vor etwa 30 Jahren weitgehend als analytische Philosophie betrieben. Sie galt als angewandte Logik – als eine Disziplin, die nicht die Welt zu beschreiben versucht, sondern kritisch analysiert, wie andere Disziplinen über die Welt reden.

In letzter Zeit hat sich dagegen zunehmend die Auffassung verbreitet, dass auch die Philosophie mit dem Anspruch auf eigenständiges Weltwissen aufzutreten vermag, beispielsweise gegenüber der Psychologie, der Biologie oder der Informationstheorie. Die ersten fünf Bände des Grundkurses versuchen dieses erweiterte Spektrum, seine innere Vernetzung und seinen neuen wissenschaftlichen Status abzubilden.

Hier nun die Bände im einzelnen, zunächst 1-3, in einem weiteren Artikel folgen dann 4-7:

Band 1: Prädikations- und Argumentationstheorie – Aussagen- und Prädikatenlogik – Anwendungen der Logik (Reinschauen 1.)

Wie argumentieren wir? Was ist eine Prädikation? Was sind Wahrheitswerte? Was sind deskriptive Sätze? Was ist ein schlüssiges Argument? Was ist modus ponens, modus tollens? Was sind die Prinzipien und Variablen der Logik? Was ist ein logischer Kalkül? Wozu taugt die Logik? Was ist die Semantik der Junktoren Negation ¬; Konjunktion Λ Disjunktion V usw.? Was bedeuten die Quantoren Allquantor ∀ und Existenzquantor ∃?

Ein Beispiel: ∀ x ¬ P(x): Für jedes x gilt: x ist nicht P (kein x ist P).

Man lernt einiges über Prädikatenlogik, bis hin zur formalen Analyse philosophischer Argumente. Es geht weiter bis zur Aussagenlogik und Mengenlehre und zur Erwähnung der Theorie algebraischer Gruppen als Kalkül.

Band 2: Allgemeine Metaphysik – Naturphilosophie und nomologische Erklärungen – Theorie natürlicher Funktionen und funktionale Erklärungen

Welche Arten von Dingen (Gegenständen) gibt es in unserer Welt? (einzelne konkrete Gegenstände, einzelne abstrakte Gegenstände, konkrete Universalien, abstrakte Universalien, oder auch keine Universalien und dafür Tropen – siehe auch wb-Links Bunge & Tropentheorie.) Welche Metaphysiken gibt es? (der Materialismus läuft hier unter Naturalismus und Physikalismus.) Welche dieser Dinge sind grundlegend? Was sind Naturgesetze? Was ist Kausalität, Verursachung und Determinismus? Was sind die Grundsätze der Quantenmechanik? Wie lässt sich der Bereich der Natur und der funktionalen Systeme beschreiben? Welche Formen von Erklärungen sind angemessen? Was sind deduktiv-nomologische Erklärungen? Was sind natürliche Systeme und Funktionen? Wie sieht eine moderne Naturvorstellung aus?

Ein Beispiel: (A1, …, An), G ├ B (mit den Antecedensbedingungen A1, … , An, dem kausalen Naturgesetz G, dem Schluss-Symbol ├ und dem Explanandum B gilt: Die Form der Erklärung ist eine logische Deduktion).

Band 3: Allgemeine Philosophie des Geistes, der Repräsentationstheorie, der Bewusstseinstheorie und der Sprachphilosophie

Hier geht es um mentale Zustände, das Leib-Seele-Problem und die Frage Dualismus oder Monismus?. Was ist Supervenienz und schwacher oder starker Physikalismus? Was ist Kognition? Was sind Repräsentationen, speziell sprachliche und nicht-sprachliche? Was sind propositionale Gehalte? Wie verhält sich der Geist zur Natur und zum Gehirn? Inwiefern repräsentieren geistige Zustände und sprachliche Ausdrücke Zustände in der Welt? Was ist das Bewusstsein? Was sind Qualia? (Hier wird auch Mary's room besprochen, siehe auch wb-Link Mary.) Was sind Gefühle?

Die Hälfte des Bandes gehört dann der überarbeiteten und ausgebauten Sprachtheorie. Die Neuausgabe wurde u.a. um Abschnitte zur Kognitionswissenschaft, zur Theorie der verkörperlichten Kognition und zu Ludwig Wittgenstein, Robert Brandom und Donald Davidson ergänzt: Was sind natürliche Sprachen, welche syntaktischen und semantischen Strukturen weisen sie auf? Die Carnap-Semantik wird eingeführt und die Frage diskutiert, was logisch wahr ist (L-wahr)? Was sind Referenzen? Was ist eine generative Grammatik? Was besagt die Wittgenstein-Theorie? Wie sehen Wahrheitstheoreme aus? Wie sieht das Modell einer davidsonianischen Interpretationstheorie aus (nach Davidson mit der Sprache der "Lareten")?

Ein Beispiel:                        NP
                                       ┌──┼──┐
                                   Det      A      N
                                      │       │      │
                                  Die muntere Fee

Struktur einer Phrase mit Nominalphrase NP, Determinierer Det, Adjektiv A, Nomen N.

 

(Band 4-7 werden im Folgeartikel Rezension Detel Grundkurs Philosophie 4-7 besprochen.)
 

Wolfgang Detel, Grundkurs Philosophie Band 1 bis 7, Reclam, um die 200 Seiten

  1. Reinschauen in Band 1 (reclam)
  2. Detel: Grundkurs Philosophie – Band 1: Logik (Eine Besprechung von Joachim Stiller)

Links von wissenbloggt:




Holocaust – darf man ihn in der BRD verharmlosen und verherrlichen? von Frank Sacco


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In diesem Artikel geht Frank Sacco, Doktor der Medizin, wieder in die Vollen. Die Themen sind Kannibalismus, Sintflut, schönste Bibelgeschichten, Luthers Judenhass, Saccos Anzeigen gegen Kirchenleute und Hitler (muss bei wb kopfstehen, Bild: OpenClipart-Vectors, pixabay).

 

Holocaust – darf man ihn in der BRD verharmlosen und verherrlichen?  von Frank Sacco

Die Rehabilitation Hitlers, ist sie möglich, kann sie jemand wollen, ist sie in der BRD gar straflos zu betreiben? Es stellt sich uns bei dieser Vorstellung ein Widerwille ein, ein Ekel. Denn ein Tabu ist angesprochen. Treffen wir auf ein solches, stellen wir reflexhaft beides ein: Denken und Handeln. Doch gerade hinter Tabus ist ein Weiterdenken notwendig. Hitler soll sich ja nicht wiederholen. Oder nicht so schnell – nicht solange wir leben. Ekel stoppt eine Handlung, um Angst nicht aufkommen zu lassen. So essen wir Heutigen kein Menschenfleisch, obwohl es wie zu allen Zeiten gesund sein mag und eventuell prima schmeckt. Doch es ist Sünde. Und die Strafe folgt im Jenseits, so das Kirchen-Dogma. Ekel schützt vor dem Aufkommen von Höllenängsten. Die hat man in der Regel nicht, weil es ja den schützenden Ekel gibt. Daher ist es ekelhaft, „Gott“ mit Hitler zu vergleichen. Man meint, Versündigung  drohe. Doch der Vergleich ist keine Sünde. Er ist notwendig. Warum?

Im Kinderbuch „Meine schönsten Bibelgeschichten“, Deutsche Bibelgesellschaft, spricht „Gott“ ein paar doch sehr bemerkenswerte Sätze. Zu Noah. Es gebe außer Noah sonst „niemand mehr auf der ganzen Erde, an dem ich Freude haben  kann…  Alle sind böse.  Nur dich und deine Familie will ich retten… Bald wird die Sintflut kommen“. Dies ist also der erste Holocaust der Geschichte, wenn man die Geschichte glaubt oder glauben soll oder gar glauben muss, wie unsere Kinder. Zur Familie Noahs gehörten acht Erwachsene. Also mussten auch alle Kinder und Säuglinge der Erde mit Regenwasser ertränkt werden. Das dauerte nach der Bibel ca. ein Jahr. Mit Zyklon B wäre es schneller gegangen. Warum setzte es „Gott“, der allmächtige Chemieproduzent, nicht ein? Oder einfach Lachgas oder CO, überall vorhandenes Kohlenmonoxyd? Fazit: Wenn schon jemand glaubt, Babys entsorgen zu müssen, dann doch bitte auf die humanste zur Verfügung stehende Art und Weise. Kinder glauben die Geschichte natürlich so, wie sie ja auch gemeint ist. Ein Kind fragte die Pastorin, was denn mit „den anderen Tieren“ sei. Als keine Antwort kam, weil keine passende kommen konnte, meinte das Kind: „Die nehmen dann wohl das nächste Schiff“. Kinder denken eben noch normal. Wem es als  Erwachsener noch gelingt, wie ein Kind zu denken, ist der Wahrheit und damit der Einweisung in eine Psychiatrie recht nahe.

Die Flut, eine der „schönsten Bibelgeschichten“? Weil Gott acht Menschen errettete? Ich meine nicht. Ich werde die Bibelgesellschaft anzeigen. Die Verantwortlichen. Die Bibelgesellschaft lästert Gott. Und nicht nur die. Vor Jahren fragte ich Pastorin A. zu D. hier am Ort, warum auch alle Babys von „Gott“ ertränkt werden mussten. Die Antwort: „Glauben Sie nicht, dass alle Menschen irgendwo Sünder sind?“ Ich war geschockt. Waren die von „Gott“ zu Tode gefolterten Tiere auch Sünder? Diese Frage fiel mir in dem Moment, im Moment höchsten Grauens nicht ein. Wir erkennen hier aber die Problematik der Story. Gott wird noch heute, und das nach Auschwitz, vor Kindern als ein Holocaustveranstalter hingestellt, der wie Hitler agiert. Er pauschalisiert auch wie Hitler: Wo „Gott“ „Die Menschen“ sagt, sagt  Hitler „Die Juden“ oder gar „Der Jude“. 

Unseres „Gottes“ Straftat, die zu Tode Folterung der Menschheit mit Regenwasser, wird klerikal zu einer rüden „Ethik“ erhoben. Sie stellt geradezu eine Anti-Ethik dar. Doch diese zu kritisieren steht einem Kind oder einem gläubigen Erwachsenen nicht an. Der Sinn der Story: Man will als Kirche Ängste erzeugen. Die sind  ja die eigentliche finanzielle Grundlage jeder Religion. Auch unser früherer Pastor, heute Superintendent in Winsen, wollte unbedingt die Sintflutgeschichte im Kindergarten weiter an unserem Gesetz vorbei lehren lassen. Unschuldige Babys werden in der so unheiligen Schrift zu Sündern gemacht, die böse seien, Gott keine „Freude“ machen und die daher wie selbstverständlich auch folternd zu Tode gebracht werden dürfen. Auch jüdische Kinder werden mit der Geschichte in Synagogen psychisch missbraucht. Vor vielen Jahren schrieb ich Frau Charlotte Knobloch, damals Präsidentin des Zentralrates der Juden, sie solle auf eine Änderung der jüdischen Lehre von der Flut hinwirken. Gott habe Hitler den Holocaust Sintflut nicht vorgemacht. Es kam keine Antwort.

Oft schon in der selbigen Stunde des Kindergottesdienstes dieser „Aufklärung“ des Kindes über die höhere  „Ethik“, wird vom Kind verlangt, diesen Gott anzubeten, die Händchen zu falten und ihn zu lieben, ja ihn als die Liebe und die Gerechtigkeit in Person anzusehen. Sie müssen dafür beten, dass dieser „Gott“ sie liebt. „Mach mich fromm, dass ich nicht in die Hölle komm“. Alle Gerichte dieses „Gottes“ seien gerecht, so die Lehre. Hier wird ein von den Eltern mühsam eingebrachtes gutes Rechtsempfinden beim Kind auf den Kopf gestellt. Tötung und Folter und Holocaust werden im Unbewussten des Kindes zu ethischen Werten. Diese „Ethik“ ist ein widerliches Produkt der Hochintelligenz vom östlichen Mittelmehr. Das würden so auch die Opfer von  Auschwitz sagen, würden sie heute noch oder wieder  leben.

Diese kirchliche Anamnese hatte selbstverständlich auch das Kind Adolf Hitler. Es hat diese besondere Form der „Gerechtigkeit“ geglaubt, ja in der Suggestiv- und Bedroh-situation einer als „heilig“ erklärten katholischen Messe glauben müssen. Selbstverständlich wurde dem kleinen Adolf damals auch die Auffassung Luthers gelehrt. Sie war „in Mode“. Das Aushängeschild meiner protestantischen Kirche ist glühender Antisemit. Mit seinen Äußerungen, seinem Pogromaufruf, die Juden seien eine 1400-jährige „Plage, Pestilenz und alles Unglück“ und man müsse ihre Synagogen und Schulen  aufbrennen und ihre Häuser zerstören (Gerd Lüdemann, „Das Unheilige in der Heiligens Schrift, zu Klampen), war Luther der Vater der Reichskristallnacht und der nachfolgenden Judenverfolgungen unter Hitler. Rabbiner, die weiter das Judentum lehrten, solle man nach Luther umbringen. Wolf Biermann sagt uns in der Zeitung Die Zeit vom 3. 11. 2011 über Luther: „Er predigte, dass man die Juden auf der Straße totschlagen soll wie Ratten.“  Die führenden Nazis waren durch Luther und die Bibel beeinflusst: Julius Streicher, Gauleiter und „Stürmer“-Herausgeber sowie Mitverantwortlicher bei den blutigen Judenverfolgungen berief sich vor dem Internationalen Militärgerichtshof in Nürnberg 1946 auf den „Reformator“. Er, Streicher, habe nur ausgeführt, wozu Luther „jeden ehrlichen und gläubigen Menschen“ aufforderte. Luther hatte die Juden mit dem Teufel gleichgesetzt (Quelle: „Judentumskunde“, Hans-Jochen Gamm, Ner-Tamit-Verlag). Er bekräftigte auch den üblen Kernsatz der Bibel, jede weltliche Herrschaft, also auch die Hitlers, sei von Gott eingesetzt.

In der Zeitung Die Welt (Ende April 2011) bekommt Luther die Note 1. Das ist für mich unverständlich. Warum meine Kirche den Namen Luthers im Kirchennamen (evangelisch-lutherische Kirche) beließ und ihn weiterhin befeiert, ist wie vieles an ihr völlig unverständlich. Ich habe die EKD gebeten, von den Feiern zum Lutherjahr Abstand zu nehmen. Aus gutem Grund feiern wir Hitlers Geburtstag ja auch nicht mehr. Unverständlich ist mir auch ihr Festhalten an der angeblichen Wahrheit des das Kapitels Joh. 8/44. Bibeljesus bezeichnet hier  Juden als die „Söhne des Teufels“. Der Islamexperte Pfarrer Eberhard Troeger äußert in idea Spektrum Nr. 7 / 2011, Abraham könne nur für das Judentum als Ahnherr gelten. Abraham sei nicht Ahnherr der Araber. Joh. 8,44 soll sich nur auf Juden beziehen. Nur diese sollen  Kinder des Teufels, Kinder Jahwes sein. Die Textstelle wird bei Lüdemann als ein „bedauerlicher Höhepunkt“ des Antisemitismus bezeichnet. Die Kirchen hätten keine größere Schuld als die an Israel, meint auch Hans-Jochen Gamm. Auch die Amtskirchen sind die Väter  Adolf Hitlers, die Väter von Auschwitz.

Die These, Juden seien die Kinder des Teufels, ist in Deutschland nach § 130 StGB Volksverhetzung und nach der Richtlinie 2000/43/EG des Rates vom 29. Juni 2000 zur Anwendung des Gleichbehandlungsgrundsatzes ohne Unterschied der Rasse oder der ethnischen Herkunft streng untersagt. „Jesus“, der heute angeblich wieder so Quicklebendige, muss ins Gefängnis, auch wegen seiner Planung des Terroranschlages  Apokalypse. Er zitiert den „Teufel“, den es aber gar nicht gibt. Alle Geistlichen müssen ins Gefängnis (und zwar schnell), die die Sintflut-Story  so lehren, wie es heute üblich ist. Sie verstoßen gegen § 131 StGB und Art 1 GG. Sie missbrauchen Kindere seelisch.

Hitler kannte auch Nietzsches Werk. Nietzsche wertete in Identifikation mit den "Starken" dieser Welt das Mitleid mit den Schwachen ab. Er nannte Schwache die „Missratenen“. Und er fand es nur völlig in Ordnung, wenn die Starken, z. B. Napoleon, diese Missratenen zwecks Machtausübung und Machtsteigerung in Kriegen ohne jedes Mitleid vernichteten, um die „ungeheure Energie der Größe zu gewinnen, um durch Züchtung und andererseits durch Vernichtung von Millionen Missratener den zukünftigen Menschen zu gestalten und nicht zu Grund zu gehen an dem Leid, das man schafft und dessengleichen noch nie da war“.  Züchten sollte man also den Supermenschen, die Missratenen dagegen vernichten. Jenseits von Gut und Böse müsse man denken, lässt N.  seinen König Lear sagen. Er wolle Dinge tun, die „solln werden das Grauen der Welt“. War Nietzsche Hitlers Ansporn, es „durchzustehen“, und nicht an dem Leid zugrunde zu gehen, „das man schafft“? War Nietzsche ein schuldhafter Vater des „Leids“, des Grauens in Auschwitz? Zu bedenken ist hier: Er war psychisch krank mit einer Zyclomanie. Er war sehr krank.

Wir sehen Hitler also in sehr „guter Gesellschaft“ mit seinem Kindheits-Gott, mit dem Jesus der Bibel, mit Luther und mit Nietzsche. Sein Volk „wusste“ ihn von Gott eingesetzt. Hitler  „wusste“ sich von Gott eingesetzt. „Gott schütze den Führer“. So hieß es in den Kirchen. Die Predigten auch nach dem Attentat auf Hitler sind im gleichnahmen Buch vom Druffel-Verlag im Original enthalten. Man dankte im Jahr 1944 Gott für Hitlers Rettung nach dem Anschlag auf sein  Leben.  Hitler wusste die Kirchen, ja er „wusste“ wohl auch „Gott“ hinter sich. Und Hitler war auch psychisch krank. Wer im Internet „Hitlers erster Mord“ eingibt, bekommt eine Vorstellung dieses Kranken. Wer den Auftrag zu Auschwitz gab, muss wohl auch krank sein. Also ich könnte es nicht. Ich übernehme auch keine Verantwortung da, wo ich nicht verantwortlich bin, Herr Außenminister Maas. In meiner Verantwortung liegt es, diesen Artikel zu schreiben. Wir müssen davon ausgehen, dass Hitler als Kind krank gemacht wurde. War er gar daher unschuldig an Auschwitz? Diese Frage lässt sich nicht mehr klären. Die Gerichtspsychiater kommen in diesem Casus  zu spät.

Warum diese Überlegungen jenseits eines Tabus? Auf so einem unangenehmen Terrain? Nun, der nächste Hitler kommt bestimmt. Und die Geburtswehen dieses neuen Hitlers werden denen des Führers ähneln bzw. denen identisch sein.  Die Lehre aus diesem Artikel: Äußern Politiker oder Philosophen etwas, was gegen die Nächstenliebe spricht, soll man Skepsis zeigen und schauen, ob sie Verbrecher oder krank sind. Auch sollte die Perzeption eines Holocausts immer eine negative werden. Da verlangt es also eine komplette Umarbeitung des sog. „christlichen“ Glaubens mit seinem orientalischen Märchenbuch, der Bibel. Das jetzige Christentum ist von seinen Grundlagen her nicht „christlich“. Es ist fundamentalistisch und terroristisch. Es ist nicht verfassungskonform und gehört verboten. In einem Jenseits werde Jesus ewig und mit Feuer quälen. Das schreibt unseren Kindern  Bischof Nikolaus Schneider, ehemals Chef der EKD. Er, unser Gott,  werde damit Hitler weit in den Schatten stellen. Solche Angst vor dem  Jenseits zu machen sei das „Geschäft“ der Kirche, so Schneider in einem bemerkenswerten Spiegel-Interview.

Die Vorstellung dieses Hitlergottes im Himmel, der ja zu allem Überfluss noch das KZ Hölle vorhalten soll, erschreckt unsere Kinder. Sie können im Gegensatz zu den allermeisten Erwachsenen die Taten und Planungen „Gottes“ richtig und noch ohne Verdrängung einschätzen. Welche Gnade sei für Sünder in der Hölle jedes nicht brennende Körperteil! Das lehrt unsere Kinder (mit einem Ausrufungszeichen) der Kirchenautor Hans-Werner Deppe vom Betanien-Verlag im Buch „Wie wird es in der Hölle sein?“. Es wurde hier im Landkreis an Kinder kostenlos auf CD verteilt, bis ich  die Polizei verständigt hatte. Ich habe Schneider und Deppe angezeigt: Wegen Gotteslästerung, Bedrohung und Kindesmisshandlung.

 

Ich habe am Schluss eine kleine Bitte: Tun Sie es mir nach, liebe Leser. Danke. Danke im Namen vieler meiner psychisch kranken Patienten. Und zeigen Sie beherzt jeden Geistlichen an, der gegen unsere Gesetze verstößt. Ganz auf meiner und Ihrer Seite stehen da die Mönche des Recollectio-Hauses. Dort werden vornehmlich Patienten mit einem Sacco-Syndrom therapiert. Und Papst Benedikt dankt es Ihnen auch.  Er bedeutet uns in seiner “Einführung in das Christentum“, man dürfe „die Botschaft von der Liebe Gottes“ nicht unglaubwürdig machen.

Ihr Frank Sacco

 

Referierte Quellen:

Frank Sacco ist Autor von Das Sacco Syndrom und Autor der Bücher

Weitere Artikel von Frank Sacco

Link zum Thema Holocaust von wissenbloggt: Psychoanalyse der Flüchtlingspolitik




Gehört das Christentum zu Deutschland?


child-945422_1280Diese provokante Frage stellt sich angesichts des katholischen Kinder-Missbrauchs-Skandals. Bei den Evangelen ist nichts in einer auch nur annähernd solch extremen Ausprägung bekannt; ihnen steht deshalb eine Entschuldigung wegen unseres pauschalisierenden Titels zu. Muss man womöglich bei den Katholen auch noch relativieren? (Bild: Free-Photos, pixabay).

Wo doch die Studie noch gar nicht veröffentlicht ist, und trotzdem werden schon Schuldzuweisungen ausgesprochen? Und wo die römisch-katholische Deutsche Bischofskonferenz deswegen böse ist, weil sie doch so sehr mit den missbrauchten Kindern mitfühlt, und es sogar unternommen hat, ein Beratungs-Telefon für diejenigen zu schalten, die aufgrund der Berichterstattung aufgewühlt sind (Pressemitteilung 1.).

Wie bitte? Die sehen seit zig Jahren zu, wie Missbrauch getrieben wird, sie verhindern eine angemessene Strafverfolgung der Verbrechen, sie begünstigen die Täter und befördern sie z.T. noch (4.), und nun spendieren sie den Opfern ein Telefon, weil die "aufgrund der Berichterstattung" "aufgewühlt" sein könnten? Solche bischöfliche Rede ist Menschenverachtung pur.

Doch immer der Reihe nach. Ausgangspunkt ist eine systematische Studie, in der die Deutsche Bischofskonferenz über vier Jahre lang sexuelle Gewalt in der Kirche erforschen ließ. Durch eine Indiskretion kam es zur "verantwortungslosen Vorabbekanntmachung der Studie" (1.) z.B. in der Zeit (2.) und im Spiegel (3.).

Die Kirche hatte demnach 38.000 Personalakten aus den Jahren 1946 bis 2014  zur Verfügung gestellt, in denen sie selbst die Eintragungen gemacht hat. Aus den untersuchten Akten ergab sich die "untere Schätzgröße", dass 4,4% aller Kleriker in diesem Zeitraum 3677 Minderjährige sexuell missbraucht haben. Von den aktenkundigen 1670 Beschuldigten wurde nur gegen 566 ein kirchenrechtliches Verfahren eingeleitet, 154 Verfahren endeten ohne Strafe oder Sanktion. In 103 Fällen gab es lediglich eine Ermahnung. 41 Beschuldigte wurden aus dem Klerikerstand entlassen,  88 Beschuldigte wurden exkommuniziert. Rechtsstaatliche Verfolgung der Straftaten gab es gar nicht.

Die Beschuldigten haben mehrheitlich keine Reue gezeigt (2.).

Worum es ging bei den maximal 13 Jahre alten Betroffenen? Eine nicht belegbare Quelle zitiert S. 288 der noch geheimgehaltenen MHG-Studie: Berührung primärer Geschlechtsteile unter der Kleidung, Küsse auf den Mund, genitale Penetration, Masturbation an Betroffenen, Entkleidung Betroffener, Demütigung und Züchtigung, Oralverkehr, Fingerpenetration, Zeigen pornografischer Bilder.

screenshotdbk2018Schon bevor die Studie publiziert ist, werden Zweifel angemeldet, dass die Studie "eine umfangreiche und sorgfältige Erhebung ist", wie die Bischofskonferenz behauptet. Diese Kritikpunkte werden geäußert (z.B. im Zeit-Forum 2.):

  • Die Missbrauchszahlen aus kirchlichen Internaten kämen in der Studie nicht vor.
  • Wahrscheinlich gibt es neben den 38.000 Datensätzen noch mehr, das "anzunehmende Dunkelfeld" könnte ebenso groß sein.
  • In der Studie gebe es in vielen Fällen Hinweise, dass Akten "vernichtet oder manipuliert" worden seien.

(Ein pikanter symbolträchtiger Bildausschnitt von einem Screenshot der dbk-Site.)

Das Missbrauchsproblem kann noch größer sein als gedacht. Das Forschungskonsortium der Universitäten Mannheim, Heidelberg und Gießen spricht von "bis zu 8% der gesamten Kleriker" in den Diözesen, die als mutmaßliche Missbrauchstäter aktenkundig geworden seien (in Australien waren es bis zu 7%, wb-Link).

Oft wird der Vergleich mit häuslichen Verhältnissen oder Sportvereinen usw. gezogen, wo auch Missbrauch stattfindet. In einer Organisation, wo Männer den Frauen entsagen und Kleider tragen, sammeln sich aber besonders viele Päderasten und Pädophile. Und die Kirche ist nun mal die Organisation, welche anderen Menschen vorschreiben will, wie sie zu leben haben. Auch weil die Täter z.T. in gehobener Position waren (4.), müssen dort andere Maßstäbe angelegt werden – allerdings nicht in der Weise, wie es tatsächlich passiert: Da wird geschiedenen und neu verheirateten Paaren das Leben schwer gemacht, da werden Nicht-Kirchenmitglieder diskriminiert. Und die Missbrauchsopfer werden nach wie vor missachtet.

Der vorige Papst riet ihnen, die Kraft zur Vergebung der Täter zu finden. Der jetzige Papst plant für 2019 eine Bischofskonferenz im Vatikan. Das Kalkül dürfte sein, bis dahin hat sich die Lage beruhigt.

Es soll einfach nicht diskutiert werden, was da im Zeichen des Kreuzes geschieht. Ob dem bayerischen Minipräsi klar ist, was er da in den Ämtern an die Wand nageln lässt? Im Grunde ist das Kreuz das Zeichen für eine real existierende Sharia, eine kirchliche Parallelwelt mit eigenen Gesetzen und Paralleljustiz. Die Politiker, die keine Paralleljustiz zulassen wollen – wo sind sie, wenn es um die Auflösung des Reichskonkordats und der Sonderrechte geht? (5.).

Der Missbrauchsskandal liefert eine Begründung zum Hinterfragen der überkommenen kirchlichen Privilegien, an der kaum vorbeizukommen ist. Die Aussage von einem Zeit-Foristen hat es auf den Punkt gebracht: "3.677 Opfer ließen sich einfach nicht mehr verschleiern." Das darf einfach nicht ohne ernsthafte Konsequenzen bleiben.

Das Kirchenrecht und die Kirchenprivilegien gehören abgeschafft, das Reichskonkordat gehört aufgelöst. Und die Politiker, die zu sehr religiös indoktriniert sind, um die notwendigen Konsequenzen zu ziehen, die gehören auch abgehalftert. Solches Christentum gehört nicht zu Deutschland.

 

Medien-Links:

  1. Bischof Ackermann zur Studie „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“ (Pressemeldung der Deutschen Bischofskonferenz 12.9.): Gerade mit Blick auf die Betroffenen sexuellen Missbrauchs ist die verantwortungslose Vorabbekanntmachung der Studie ein schwerer Schlag. Für die Woche der Herbst-Vollversammlung (24.–27. September 2018) haben wir geplant, ein Beratungs-Telefon für diejenigen zu schalten, die aufgrund der Berichterstattung aufgewühlt sind und mit jemandem sprechen möchten.
  2. Sexueller Missbrauch: Das Ausmaß des Verbrechens (Zeit Online 12.9., 500 Kommentare): Über vier Jahre lang haben die deutschen Bischöfe sexuelle Gewalt in der Kirche systematisch erforschen lassen. Wir veröffentlichen erste Ergebnisse der Studie.
  3. Katholische Kirche in Deutschland – Missbrauchsstudie dokumentiert Tausende sexuelle Übergriffe (Spiegel Online 12.9.): Eine neue Studie der katholischen Kirche offenbart: Mindestens 1670 Kleriker haben sich von 1946 bis 2014 an Schutzbefohlenen vergangen. Und der Missbrauch dauert offenbar noch an.
  4. Sexueller Missbrauch in katholischer Kirche: Auch Täter stiegen auf (Zeit Online 14.9., 100 Kommentare): Fast zehn Prozent der katholischen Kleriker, die Kinder missbraucht haben sollen, hatten irgendwann ein leitendes Amt inne. Das belegt eine Studie, die der ZEIT vorliegt.
  5. Das Reichskonkordat von 1933 (Deutscher Bundestag 17.5.10): Eine völkerrechtliche Sonderstellung in Bezug auf ihre Auflösung ist ihnen in der Völkerrechtspraxis nicht zugestanden worden. Denkbar sind aber eine einverständliche Vertragsaufhebungen oder vertraglich geregelte Erledigungsgründe, bei deren Vorliegen der Vertrag endet.
  6. Ergebnis der katholischen Missbrauchsuntersuchung (atheisten-info.at 15.9.): Ursprünglich wollte die katholische Kirche in der BRD die Untersuchung der Geschichte ihrer Missbrauchsfälle an den Kriminologen Christian Pfeiffer auslagern, was jedoch nicht funktionierte, da Pfeiffer den begründeten Verdacht hatte, dass zahlreiche ältere Kirchenakten bereits vernichtet worden seien ... Die Kirche hat sich also letztlich selber untersucht und war jederzeit in der Lage, Quellen zu verfälschen oder ganz zu verbergen. Wenn der Bericht dann am 25.9. präsentiert wird, kann man mit den Spekulationen beginnen: wie groß ist das Dunkelfeld? Aber es ist ja historisch schon immer so gewesen, die größte Leistung der katholischen Kirche ist ihre permanente Heuchelei!

Links von wissenbloggt:




Manipulative Berichterstattung über Hungernde


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Die Zahl der Hungernden ist weltweit runtergegangen, aber jetzt ist sie erstmals seit zehn Jahren wieder gestiegen. Das wird in einem Bericht von fünf UN-Organisationen dargelegt (1.), und das gab Anlass zu zahlreichen Medienberichten. Es geht um 821 Millionen Menschen, die 2017 unterernährt waren, 17 Millionen mehr als 2016 (Bild: OpenClipArt-Vectors, pixabay).

Unter anderen greift auch ein Bericht der Zeit dies Thema auf (2.). Wie immer bei der Zeit, kann man sich auf kritische Leserstimmen verlassen. Die Stichpunkte in diesem Artikel gehen u.a. auf die Zeit-Foristen zurück – und Kritik erscheint angebracht.

Es geht schon mal damit los, dass die Zahlen kritisch angeschaut werden müssen. Denn die Unterernährten werden nicht gezählt, sie werden berechnet und extrapoliert (Methodologie ab Seite 140 in 1.). Der Anstieg von 804 Millionen auf 804+17=821 Millionen entspricht gleichbleibender Prozentzahl von der Weltbevölkerung. Die Tabelle wurde mit Hilfe von (3. und 4.) erstellt, und sie zeigt nebenbei, dass die Zunahme der Weltbevölkerung nicht bei 80 Mio. pro Jahr liegt, wie viele annehmen, sondern bei 100 Mio. pro Jahr.

Jahr Bevölkerung Zuwachs  Hungernde Zuwachs Hung. %
2015 7,35 Mrd.   800 Mio.   10,88%
2016 7,45 Mrd. 100 Mio. 804 Mio. 4 Mio. 10,81%
2017 7,35 Mrd. 100 Mio. 821 Mio. 17 Mio. 10,83%

Der Anteil der Hungernden ist gleich geblieben, aber wenn man den Berechnungen trauen darf, ist ihre Anzahl zuletzt gestiegen. Die Kurve zeigt allerdings längerfristig nur Abnahme (3., in den letzten 50 Jahren auf 1/5), und inwieweit die Zunahme signifikant ist, wird nicht belegt.

Darauf beruht der Manipulations-Vorwurf aber nicht. Der macht sich am Text der Meldung von dpa & Co. fest: Weltweit leiden erstmals seit zehn Jahren wieder mehr Menschen an Hunger. Dass die Zahl steigt, liegt laut einer UN-Studie an Kriegen und Konflikten – und am Klimawandel (wiedergegeben in der Zeit 2.).

Als ob die Bevölkerungszunahme garnix damit zu tun hätte.

Im Bericht der Fao (1.) wird das Bevölkerungswachstum nur so nebenbei in Kombination mit anderen Problemen als Ursache erwähnt (2 Erwähnungen S. 2 & 4 "population growth", gegen ca. 10* "vegetation growth" und gefühlt 100* "child growth"). Anders als das andere zentrale Thema Klima hat die Bevölkerungsentwicklung keinen eigenen Abschnitt – und in der verbreiteten Meldung ist dieser Punkt glattweg verschwunden.

Das ist Manipulation. Die Übervölkerung dürfte die Ursache Nummer eins für den Hunger in der Welt sein. Aber das Thema Bevölkerungsexplosion ist generell ein Tabuthema. Es gibt nicht mal eine klare Aussage dazu, wie groß die Zunahme pro Jahr ist, etwa 80 Millionen kann man vielfach lesen. Die Statistik in 5. und 6. zeigt aber eher 100 Mio., also erheblich mehr.

Während der Bevölkerungsaspekt zahlenmäßig und bedeutungsmäßig heruntergespielt wird, bzw. so gut wie ignoriert wird, ist der Klimaaspekt der Dreh- und Angelpunkt beim Ernährungs-Report. In der Studie laufen Kriege und Konflikte immer nur nebenbei mit, insofern bildet die dpa-Meldung nicht mal diese Priorisierung richtig ab (liegt … an Kriegen und Konflikten – und am Klimawandel).

Selbst da gibt es also eine Schieflage – und noch mehr. Im Fao-Report ist auf S. 39 eine Grafik zu wetterbedingten Desastern zu sehen, die seit 2006 keine Zunahme mehr zeigt. Das steht im Widerspruch zu dem Text im Fazit (S. 112: Evidence shows that, for many countries, recent increases in hunger are associated with extreme climate
events …
).

Im weiteren Text gilt Erwärmung stets als schlecht, auch wenn sie z.B. in Russland gewaltige neue fruchtbare Zonen schafft. Dass die Sahelzone sich klimatisch verbessert hat, wird gar nicht erwähnt. Bei den ausführlich aufgezählten Schäden ("damage and loss") vermisst man die Aussage, wieviel davon der Übervölkerung verdankt wird. Wenn sich die Bevölkerung vervielfacht und damit auch Wasserverbrauch, Holzeinschlag usw., gibt es nun mal Umweltzerstörung durch Übernutzung.

Auch hier also ein Bias, eine Voreingenommenheit, welche die Menschen der 3. Welt von Schuld freispricht, während sie den Menschen der 1. Welt unausgesprochenermaßen alle Schuld zuschiebt. Die sollen ebenso unausgesprochenermaßen auch die Programme für den Klimaschutz bezahlen (climate resilience policies, programmes and practices), denn nur so könne das Ziel erreicht werden, den Hunger zu beenden (S. 113).

Hierher gehört noch das weitestgehend ignorierte Argument, dass Europa und speziell Deutschland mit seiner niedrigen Fertilitätsrate auf dem Weg zu nachhaltigen Zuständen war, bevor die Immigration einsetzte und den Weg verbaute. Speziell wenn die Immigranten aus der 3. Welt kommen, ist das ein echtes Heuchel-Thema: Wenn wir sie nicht aufnehmen, sündigen wir gegen die Humanität. Und wenn wir sie aufnehmen, sündigen wir gegen die Umwelt.

Wie es scheint, wird nur der Punkt Kriege und Konflikte halbwegs objektiv abgehandelt ("conflict" zieht sich parallel zu "climate shocks" durch den Text). Die Menschen der 3. Welt leisten selber genug in der Richtung – Kriege, Bürgerkriege, Genozid. Schande über unsere Flintenuschis und Säbelrassler, die sich mit zusätzlicher Kriegstreiberei da einmischen.

Unterm Strich zeigt sich eine manipulative Grundhaltung, die fern von Objektivität ist. Sie steht nicht hinter der Zahlen-Gymnastik vom deutschen Arbeitsamt zurück, und auch nicht hinter dem Wahrheits-Stretching vom Bamf. In der Fao-Studie ist die Desinformation schon angelegt, und die Berichte darüber setzen die schräge Vorgabe noch schräger um.

Abschließend noch ein paar Argumente aus dem Zeit-Forum (2.), die der Report auch beiseite lässt:

  • Warum schwanger werden, wenn nicht genug zu esen da ist? Kinder als Altersvorsorge funktionieren nicht, wenn sie verhungern. Haben die Frauen keinen Zugang zu Informationen und Verhütungsmitteln? Oder geht das auf das Machotum der Männer zurück, die viele Kinder als Ausdruck der Männlichkeit sehen?
  • Ist die Vergeudung und Vernichtung der Lebensmittel in der 1. Welt schuld? Hunger entsteht aber dadurch, dass die Hungernden nicht genug Geld haben, um Nahrungsmittel und deren Transport zu bezahlen. Wenn das die reichen Länder tun, helfen sie nur kurzfristig und zerstören langfristig die Landwirtschaft vor Ort.
  • Die Bevölkerungs-Wachstumsraten sind meist dort sehr hoch, wo die Ernährungssituation besonders schlecht und unsicher ist. Vielleicht erscheint dies den UN-Fachleuten zu banal, um es zu erwähnen? Ebenso sarkastisch die Frage nach dem Zusammenhang, ob mehr Hungernde auf der Welt womöglich etwas zu tun haben mit immer mehr Menschen auf der Welt?
  • Konstruktiv ist die Frage, ob eine Kombination von Nahrungsmittelhilfe und Bevölkerungsregulierung möglich ist? Durch 5-Jahres-Spirale oder durch Sterilisation? Dies wurde allerdings kontrovers diskutiert ("Zwangssterilisation"). Aber welche Lösung soll es denn geben, wo doch die Bevölkerungsvermehrung schneller geht als alle Aufbauhilfe?

Dieser Text soll keine Stellungnahme gegen Hilfe für die Hungernden sein, im Gegenteil. Viele von der Studie vorgeschlagene Maßnahmen zur besseren Umgang mit Klimaproblemen mögen hilfreich sein. Aber was bestimmt nicht hilfreich ist, ist Desinformation und Ablenkung vom Hauptproblem Übervölkerung.

Insgesamt ist das Thema Hunger stark unterrepräsentiert. Warum gibt es kaum Demos oder Transparente zur Rettung der 800 Mio. Hungernden, während die 2 oder 3 Mio. Flüchtlings-Migranten aus Lybien und dem Mittelmeer ständige Medienpräsenz haben?

 

Medien-Links:

  1. Food Security and Nutrition in the World (Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (Fao) des Internationalen Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung (Ifad), des UN-Kinderhilfswerks Unicef, des Welternährungsprogramms WFP und der Weltgesundheitsorganisation WHO 2018) Klima-Auswirkungen auf Seite 39 zeigen seit 2006 keine Zunahme, die geschätzten Hungernden-Zahlen ab S. 140.
  2. 821 Millionen Menschen sind unterernährt (Zeit Online 11.9., 120 Kommentare): Weltweit leiden erstmals seit zehn Jahren wieder mehr Menschen an Hunger. Dass die Zahl steigt, liegt laut einer UN-Studie an Kriegen und Konflikten – und am Klimawandel (Den Bericht hat die Zeit anscheinend von
  3. Global Extreme Poverty (Our World in Data, 2013, Revision 27.3.17). Die Kurve dort zeigt 9,6% extrem Arme für 2015.
  4. Weltbevölkerung von 1950 bis 2017 (statista 2018). Angezeigt werden 7,35 für 2015 und 7,55 für 2017.
  5. Bevölkerungsentwicklung (Bundeszentrale für politische Bildung 1.7.17). Die Statistik zeigt 7,3 Mrd. für 2015 und 7,77 Mrd. für 2020, das sind fast 100 Mio. pro Jahr, und dazu eine durchschnittliche Wachstumsrate von 1,1%, entsprechend gut 80 Mio.

Unsere Links dazu:




Dem Bankencrash zum 10.


birthday-1835443_1281Schon lange kein Bankenartikel mehr in wissenbloggt … Jetzt ist also einer fällig, zum zehnten Geburtstag vom Bankencrash – und ein neuer Crash ist bereits in Arbeit. Noch ist es allerdings offen, wo es als nächstes crasht (Bild: Pexels & Free-Photos, pixabay, zusammengefügt von wb). Die Wahrscheinlichkeiten darf sich der geneigte Leser selber zurechtlegen.

  • Ist es beim Euro, der nach wie vor die ungelösten Probleme von Target 2 und der Unmöglichkeit der Abwertung vor sich herschiebt?
  • Ist es bei der EZB-Staatsfinanzierung über das QE-Programm ("Geldschwemme"), das z.B. Italien süchtig gemacht hat?
  • Ist es bei der Krise der Immigrationspolitik, von der die EU zerbröselt werden könnte?
  • Ist es bei der exponentiell wachsenden globalen Verschuldung von derzeit 250 Mrd. Dollar, wobei die Kredite die existierenden Werte um ein Mehrfaches übersteigen?
  • Oder ist es ein neuer heißer Kandidat namens CLO?

Inzwischen nehmen nicht nur Staaten ihre Kredite in einem endlosen Teufelskreis auf – auch Firmen sind inzwischen auf dem Trip, immer mehr Anleihen auszugeben. Dank der QE-Politik hat sich VW mit 21 Mrd. eingedeckt, und bei chinesischen und US-Firmen sind die Beträge noch höher. Die Top-3- der verschuldeten Staaten aus der 1. Welt sind:

  1. Japan (245% vom BIP mit Yen im Wert von 10.000.000.000 €)
  2. Griechenland (173% vom BIP mit 350.000.000 €)
  3. Italien (138% vom BIP mit at 2.300.000.000 €)

Bei Japan ist das nicht so schlimm, weil die Japaner ihre Yen selber drucken können. Griechenland und Italien können das nur über die EZB, und vor allem Italien ist so abhängig, dass die QE-Maßnahmen ohne Crash nicht mehr aufhören können.

Doch das verblasst vor der neuen Weltbeglückung, welche die internationale Finanzindustrie fabriziert hat. Die Rede ist nun endlich von den CLOs. Man kennt die CDOs, die Collaterated Debt Obligations, (dreiviertelfaule Verbriefungen von Immo-Hypotheken) mit denen der Crash von 2008 erzeugt wurde (schockierende Details in den wb-Links). Nachdem die Politik es nicht geschafft hat, die Finanzwelt ernsthaft zu regulieren, wird nun ein neuer Anlauf mit CLOs (Collaterated Loan Obligations) unternommen (1.).

Diesmal sind es Verbriefungen von "Leveraged Loans", das sind Kredite an Unternehmen mit niedriger Bonität. Die bringen mehr Zinsen in einer Landschaft der Minimalzinsen durch die QE-Maßnahmen. Debt und Loan bedeuten praktisch dasselbe, und vom Risiko her nehmen sie sich wohl auch nicht viel. Die CDOs crashten, als der Immo-Markt-Boom zuende ging. Die CLOs können crashen, wenn der Konjunktur-Boom aufhört – sie haben es in sich.

Es sind wieder dieselben Finanzinstitute wie damals, Citigroup, Bank of America und Deutsche Bank, die solchen Ramsch abpacken. Pensionskassen, Investmentfonds, Stiftungen und Versicherer kaufen das Zeug, weil sie sonst nicht genug Rendite auf ihr Geld bekommen und die  vertraglichen Leistungen für Ruheständler und Versicherte nicht erbringen können. Normale Staatspapiere und Firmenanleihen werfen dank QE seit Jahren nicht mehr genug ab.

Dafür hilft das QE von EZB und Fed bei Aktienrückkäufen, die jetzt auf einem Höchststand sind. Das treibt die Aktienkurse hoch, prima für die Manager, die mit Aktien bezahlt werden. Und es treibt Fusionen an, die Übernahme von Konkurrenten. Die folgenen Rationalisierungen bringen den Verlust von Arbeitsplätzen – die Nichtprivilegierten sind rundum die Leidtragenden, schon ohne Crash.

"Kredit" kommt vom italienischen "credite" (Darlehen) und das stammt vom lateinischen "creditum". Das englische "debt" stammt vom lateinischen "debere" (sollen).

Das passt irgendwie nicht.

Auf deutsch sind "Schulden" doch mit "Schuld" konnotiert, und auf englisch gemahnt "debt" an "doubt" (zweifeln). Beides gilt als falsch, aber da könnte man trotzdem dran glauben. Wenn's crasht, müssen sowieso alle dran glauben …

 

Medien-Links:

  1. Finanzkrise: Knallt es bald wieder? (Zeit Online 5.9., 333 Kommentare): Zehn Jahre nach der Lehman-Pleite ist das Risiko an den Finanzmärkten erneut gefährlich gestiegen. Dieses Mal sind es allerdings die Unternehmen, die sich hoch verschulden.
  2. Im Reich der Gier (Der Freitag 5.9.): Jene brandgefährliche Fantasie von einer apolitischen Wirtschaftspolitik verhüllt bis heute den Klassenkampf, mit dem das Establishment alle Risiken und Verluste auf die Schwachen abwälzt und von ihnen verlangt, sich „in das Unvermeidliche zu ergeben“. Weil eine progressive internationalistische Alternative fehlt, treiben die Mächtigen jener Technostruktur ganze Bevölkerungen in die offenen Arme eines postmodernen Faschismus.
  3. Global debt rose by over $8 trillion in Q1 2018 to over $247 trillion (318% of GDP) (Global Debt Monitor 9.6.).
  4. 4 Lessons About Lehman, And The Subsequent Meltdown In Global Markets (Zero Hedge 10.9.):

    • Finanzmarktturbulenzen sind unvermeidbar.
    • Es ist undurchschaubar, was die Geldpolitik steuert.
    • Aktienmarkt-Kurse gehen runter wenn die Invastoren aufgeben.
    • Jeder Kursverfall enthält die Wurzeln des nächsten, nur die Erholung ist immer anders.

Nachträge 15.9., sehr detailreich von 2008 (Spiegel), von 2018 (Zeit) und zu den Kosten (SZ):

Links von wb:




Philosophie: Freier Wille III - Zufall regiert


chains-433541_1280Der Freie Wille taucht in philosophischen Büchern oft auf, und meistens ist er unfrei (Bild: geralt, pixabay). Da darf man anderer Ansicht sein.

Dieser Artikel argumentiert für die Ansicht, dass der Freie Wille real ist und tatsächlich existiert. Dazu wird der Umweg über eine Analogie gewählt.

"Mein Körper gehört mir!" ist eine gängige Ansicht. Kaum jemand aus unserer Kultur würde sagen, "Mein Körper gehört Angela Merkel." Oder Mario Draghi, oder sonstwem (mit "meinem Geld" ist es was anderes). Der Besitzanspruch am "eigenen Körper" ist eine Selbstverständlichkeit.

Dabei ist der menschliche Körper für die beteiligten Moleküle nur ein vorübergehender Aufenthalt. Durchschnittlich alle sieben bis zehn Jahre erneuern sich die Körperbestandteile. Manche gar nicht, manche in zwei Wochen oder noch schneller. Es gibt eine hohe "Erneuerungsrate" für die Körpermoleküle.

Die beteiligten Atome sind dafür um so langlebiger. Sie wurden vor Milliarden Jahren in einer Sonne fusioniert, bei deren Explosion ins Weltall geschleudert und dort als Staub von der Akkretion der Erde eingesammelt. Dort waren sie z.B. als CO2 Bestandteil der Luft, dann Bestandteil von Pflanzen und am Ende von Menschen. Meist nur vorübergehend, wie die Erneuerungsrate besagt. Die Atome gehören im Lauf ihres weiteren Daseins zu Pflanzen, Tieren, Menschen und weiteren Elementen der Biosphäre, oder zur Atmosphäre oder zur Geosphäre. In Milliarden Jahren zerfallen sie dann (wenn sie nicht "stabil" sind noch schneller).

Es ist also nicht so, dass auf allen Atomen von Müller "Müller" draufsteht. Im Gegenteil könnte die Namensliste ziemlich lang sein, und Waldi kann auch dabei sein. Dessenungeachtet spricht man ganz selbstverständlich von "seinem Körper". Warum nicht auch von seinem "Freien Willen"?

"Die Gedanken sind frei," sagt man. Gemeint ist damit auch, "der Wille ist frei." Wie frei der Wille sein kann, zeigen kleine Kinder. Bei deren Verhalten ist ein starkes Zufallselement dabei, das man oft ungebremst beobachten kann. Bei Erwachsenen spricht man dann von spontan, impulsiv und launisch.

Es gibt viel Kritik an der Setzung des Zusammenhangs Freier Wille – Zufall. Ein Argument könnte sein, die Launen wären ja deterministisch festgelegt. Das ist aber auf alle Fälle falsch, denn auf Dauer ist nichts deterministisch festgelegt. Irgendwann schägt der Zufall durch. Es ist nicht die Frage ob, sondern wann (Der Begriff Determinismus wird hier im überwiegend gebräuchlichen engen Sinn verstanden). Um es argumentativ abzuhaken:

  • Der objektive, intrinsische, (Quanten-) Zufall schafft zwar fast nur Änderungen auf der Mikro-Ebene. Aber dynamische Systeme verstärken minimale Änderungen in die Meso- und Makro-Welt hinein (wb-Link Quanteneffekte). Quantenereignisse sind das einzige, was die Welt davor bewahrt, vollständig deterministisch zu sein. Dies ist also das Argument, die Abwesenheit von vollständigem Determinismus schafft Freiheit – denn sonst wäre ja alles für alle Zeiten festgelegt.
  • Die ganze Welt ist ein dynamisches System, und auch das Hirn ist ein dynamisches System. Man darf annehmen, dass es auch dort labile Zustände gibt, wo Quanteneffekte in die Meso-Welt hinein verstärkt werden. (Schafft es ein Impuls über eine Potentialschwelle oder nicht? Schafft es ein Erregungszustand in den Fokus des Bewusstseins und erlangt Durchgriff?) Dies ist das Argument, das Hirn kriegt von der Quanten-Freiheit was ab (aus der nicht gänzlich deterministischen (Um-)Welt heraus sowieso, und wahrscheinlich noch aus Myriaden internen Quellen).
  • Nun darf noch das Mein-Körper-gehört mir-Argument herangezogen werden. Das liefert einen guten Grund, eine mikroskopische Eigenschaft wie den Quantenzufall für die eigene Person in Anspruch zu nehmen. Es liefert auch einen Grund, die komischen Entitäten und Eigenschaften der Mikro-Ebene als Bestandteil zu akzeptieren (wenn man die Mikrostruktur der Intelligenz erforscht, sieht man auf der untersten Ebene wohl auch nichts Intelligentes mehr, sondern nur Logik).

freedom-2053281_1280Der Zufall werkt an Entscheidungen mit, und wenn die Entscheidungen nicht fest programmiert sind, sind sie frei. Eine andere Freiheit hat unser physikalisches Weltbild nicht zu bieten (Bild: NeuPaddy, pixabay).

Zum Thema Willensbildung bietet wissenbloggt ein Gedankenexperiment an (wb-Link Quanteneffekte). Es geht um eine Zeitmaschine, die 100* dieselbe Zeitspanne wiederholt, um festzustellen, wie stark der Zufall auf die spontanen Entscheidungen wirkt. Mithin, um den Freien Willen theoretisch einzufangen und quantitativ zu beschreiben. Mangels Zeitmaschine ist das Experiment nicht gar so realistisch, aber es erlaubt ein paar grundlegende Erwägungen. Möglicherweise lässt sich in der Richtung konkret was untersuchen, wenn man es lernt, einen Menschen im Tomographen neu zu booten? Oder man bastelt eine Computerintelligenz, an der man es simulieren kann? Aber das ist jetzt wirklich genug Spekulation.

Als Fazit kann man sagen, in der Mikrowelt ist nicht alles, wie es aus der Makro- und Mesowelt scheint. So wie Intelligenz mikroskopisch wohl nicht intelligent aussieht, so ist der "eigene Körper" etwas höchst Variables und Fluktuierendes.

Ebenso ist der Freie Wille aus mikroskopischer Sicht nur ein Produkt des intrinsischen Zufalls. Das erlaubt eine andere Formulierung – für den Willen gilt wie für die ganze Welt:

Entscheidungen emergieren aus den Quantenereignissen.

Und der Freie Wille emergiert aus den Quantenereignissen.

 

Links von wissenbloggt dazu:




® Philosophie: Gedankenexperiment zur Willensbildung


light-paint-933160_1280… wenn man die ganze Welt in den Zustand von vor ein paar Minuten zurücksetzen könnte, würde sie sich trotz identischer Ausgangsbedingungen anders entwickeln, als sie jetzt ist – und die Unterschiede würden immer weiter zunehmen.

Dieses Eigenzitat stammt aus dem wb-Artikel Philosophie: Freier Wille II – Entscheidungsverarbeitung. Der beschreibt, wie die Quanteneffekte den Determinismus brechen und ergebnisoffene Zufallsentscheidungen liefern, von denen die Weltläufte gesteuert werden. Das macht die Vorstellung von einer 1:1-Wiederholung gleich doppelt unrealistisch: Einmal erlauben die Quanteneffekte kein 1:1 bei der Zeitschleife, und zum anderen ist die Zeitschleife als solche ebenso wenig realistisch, wie sie Neuigkeitswert hat. Sie ist ja altbekannt als Zeitreise-Phantasie in der Science-Fiction-Literatur.

Nein, man kann man die Zeit nicht zurückdrehen und die Welt nicht zurücksetzen. Aber man kann sich das vorstellen und ein Gedankenexperiment draus machen. Wie wäre es also, wenn man die fiktive Zeitmaschine anschmeißt und die letzten 5 min nochmal wiederholt? 99 Mal, damit es zusammen 100 Versionen der letzten 5 min gibt? (Bild: tookapic, pixabay)

Versuchsdesign

Wegen der Nichtdeterminiertheit darf man keine 100 identischen Abläufe erwarten, bei denen sich alles 1:1 wiederholt, auch wenn die Ausgangsbedingungen jedesmal völlig gleich sind. Vielmehr wird es Variationen geben, und über die darf nun spekuliert werden. Der Punkt ist: Die Unterschiede kommen einzig und allein von den Quantenereignissen, die in den 5 min passieren. Wieviel Änderungen bewirken die in der Mesowelt?

Dazu ist es vorteilhaft, besondere 5 min auszuwählen, wie sie durch ein weiteres Zitat aus dem Artikel definiert sind: Bei Erwachsenen kommen Entscheidungen manchmal auch so spontan, dass die Entscheider selbst ganz baff sind. Da kann man spekulieren, ob es einen Mechanismus (oder einen Fehler) gibt, der sowas deterministisch zuwegebringt, oder ob eine Quanten-Entscheidung unmittelbar durchschlägt.

Genau diese Spekulation soll das Gedankenexperiment untersuchen. Wie oft fällt die spontane Entscheidung bei unseren 100 Durchläufen? Also einen Moment abgepasst, wo jemand über seine eigene Entscheidung baff ist ("Eigentlich müsste ich noch den Auftrag bearbeiten, und nun sitze ich hier im Biergarten"). Dann die Zeitmaschine angeschaltet, 5 min zurück und das Ganze von vorn. Und das 99 Mal wiederholen, damit es 100 Durchläufe werden.

Resultate

Es könnte natürlich passieren, dass lauter verschiedene Resultate rauskommen. Das wäre dann ein Hinweis auf hohe Unbeständigkeit, auf starken Quanteneinfluss – oder einfach darauf, dass die 5 min zu lang sind. Man möchte ja möglichst nur eine labile Situation einfangen, in der ein Quantenereignis durchschlagen kann. Angenommen, das gelingt, dann lassen sich die spekulativen Resultate so auflisten:

  • 1* – Wenn der Proband die anderen 99 Mal nicht ausbüxt, dann gab es das spontane Ereignis nie wieder. In dem Fall sind Quantenereignisse voll durchgeschlagen.
  • 100* – Wenn der Proband 100 Mal ausbüxt, dann haben die Quantenereignisse nicht viel Einfluss darauf. Dann läuft auch der spontane Willensakt sehr deterministisch ab, zumindest innerhalb von den 5 min.

Interessant wären Ergebnisse zwischen 1* und 100*. Wahrscheinlich ließen die sich durch Variation der Zeit verändern. Lässt sich vielleicht eine Zeitverteilung in der Art feststellen, wenn man weniger als 60 sec zurückgeht, bleibt das Geschehen unverändert, das spontane Ereignis passiert also 100* von 100? Und wenn man weiter als 60 sec zurückgeht, kriegt man nur noch 50* von 100?

Das wäre ein zweifacher Hinweis. Einmal zeigt sich dann eine Wahrscheinlichkeit für das spontane Ereignis, nämlich 50%. Zum zweiten ist klar, dass es vor 60 sec stattfand. Wenn man weiter zurückgeht, vielleicht 120 sec, könnten 25* rauskommen, was für ein zweites maßgebendes spontanes Ereignis vor 120 sec sprechen würde. Beim weiteren Zurückgehen ließen sich so vielleicht mehrere Sprünge finden, die alle zum endgültigen Befund beitragen (oder auch Variationen davon). Denkbar wäre, dass sich daraus eine charakteristische Zeit für den Aufbau von dem spontanen Ereignis ableiten ließe, also eine Art Halbwertszeit. Wenn die bei 5 min liegt, dauert es im Mittel 5 min, bis das Zusammenwirken von Quantenereignissen und Determinismus das spontane Verhalten hervorbringt. 

Halbwertszeit

Die Interpretation vom Fall 1* fällt damit klar aus, sofern das bei allen Zeithorizonten und bei Zillionen Versuchen so bleibt – dann darf man von einer völligen Zufallsbestimmung der spontanen Entscheidung ausgehen. Dann ist es eine spezielle Kombination von vielen Quantenereignissen, die das hervorbringt, oder möglicherweise ein ganz seltenes Quantenereignis, was durchschlägt.

Solange es nicht 2* passiert, darf man (außerhalb des 1*-Falls) von einer indifferenten Mehrzahl von Quantenereignissen ausgehen, die dem "Quantendeterminismus" folgen, d.h. die einzelnen Ereignisse sind zwar zufällig, aber sie mitteln sich mehr oder weniger weg, und das System verhält sich insgesamt fast deterministisch.

Ansonsten baut sich tatsächlich eine Anzahl von labilen Situationen auf, in der geringste Einflüsse den weiteren Verlauf so oder so steuern. In diesem Fall sind Werte über 1* möglich, bis zu den 100* bei ganz kurzem Zeithorizont. Die Statistik könnte dann so aussehen (20%-Entscheidung soll heißen, mit 20% geht es in Richtung zum spontanen Ereignis, mit 80% nicht):

Rücklaufzeit Treffer Interpretation
bis 60 sec 100* Entscheidung schon gefallen
um 120 sec 50* letzter labiler Punkt, 50%-Entscheidung
um 180 sec 25* vorletzter Punkt, 50%-Entscheidung
um 240 sec 5* drittletzter Punkt, 20%-Entscheidung
5 min 2* viertletzter Punkt, 40%-Entscheidung

Die Linearität der Abfolge ist natürlich natürlich genauso spekulativ wie die Zeiten. Es könnten auch 0,6 sec bis zum letzten Quantenereignis sein, und das Ganze entwickelt sich in 5 sec statt 5 min. Oder es sind auch schon Ereignisse von vor 5 std beteiligt …

Soviel zur Frage Wie deterministisch ist der Wille?

Vergleiche

Ähnlich gelagert ist die Frage Wie deterministisch ist die Welt? Es ließe sich bestimmt ein markantes Ereignis finden (z.B. ein Baum fällt um), mit dem man das Gedankenexperiment durchführen könnte. Da wäre es auch interessant zu erfahren, bei welchem Zeithorizont 100* oder 50* erreicht werden.

Insbesondere wäre es schön zu wissen, ob die Willensentscheidungen kürzere Halbwertszeiten haben als die Naturereignisse. Das würde nämlich Aufschluss über die Frage geben, ob irgendeine Instanz im Hirn als Rezeptor und Verstärker für Quanteneffekte fungiert.

Nachdem das Experiment nicht durchführbar ist, kann es wenigstens zur Kategorisierung der Einschätzungen dienen. Wer sich zum 1* bekennt, glaubt an die Durchschlagskraft der Quantenereignisse. Wer die 50* bei ganz langen Zeiten sieht, glaubt an den weitestgehenden Determinismus. Und wer an 100* auf allen Skalen glaubt, negiert das physikalische Weltbild komplett.

 

(Dieser Artikel wurde am 23.8.17 zuerst publiziert. Die Abschnitte Resultate und Halbwertszeit wurden am 6. und 9.9.18 überarbeitet, insbesondere die Interpretation von 50* wurde verfeinert.)

Links von wissenbloggt dazu:




® Übersetzungshilfe V+VI


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Wieder ist die Zeit für Klartext mit Vitamin H wie Humor gekommen (der Pfeil im Bild von Clker-Free-Vector-Images, pixabay, wurde von wissenbloggt verdreht, "Achtung, diese Seite nach oben"). Damit stimmt auch die Richtung für das Folgende.

Die hochheilige Religion gibt immer wieder etwas für die Leserbespaßung her, etwas zum Belustigen, wenn einem das Gemüt danach steht. Diesmal wird wieder dem Heiligen Vorrang eingeräumt, und das Profane kommt am Ende:

 

»Ihr seid alle Sünder.«
= Frechheit

»Religion ist …«
= Hirnforschung ohne Abitur.

»Ohne den Herrn gelingt nichts.«
= wenn doch, machen wir's wenigstens madig.

»Jesus lebt.« (2)
= vielleicht nehmen sie uns diese offenkundige Lüge auch noch ab.

»Ohne Gottes Hilfe wäre ich verloren.«
= wenn die Hilfsbedürftigkeit so imaginär ist wie der Helfer, passt es sogar.

Die ex-päpstliche Warnung vor den »modernen Trugbildern«
= der Ex-Papst will seine alten religiösen Trugbilder kultivieren.

»Enthaltsamkeit, kein Sex vor der Ehe.«
= lasst euch das Naturgegebene vorenthalten, damit der Trieb euch in eine übereilte Ehe drängt und ihr schleunigst Kinder kriegt.

»Was es in einer Gesellschaft an Überzeugungen und Werten gibt, speist sich ganz wesentlich aus Religion.«
= tun wir so, als ob es noch Mittelalter wäre. Ignorieren wir, dass die heutigen Überzeugungen auf Wissenschaft basieren und die Werte auf der Aufklärung.

Fundis
= Besessene

von Gottes Gnaden
= Scheinargument für Entrechtung, damit setzt man sich über die Zustimmung der Betroffenen hinweg.

(der Ex-Papst zur Datierung des Grabs vom Apostel Paulus im 1. Jhd.) »Die Entdeckung berührt uns zutiefst.«
= der Schock, dass auch mal was davon stimmt …

»Selbst denken heißt zum Teufel beten.«
= wer denkt, betet nicht, und wer nicht denkt, bleibt dumm.

»Wenn alles problemlos läuft, können wir uns nicht weiterentwickeln.«
= (stimmt)

heilig
= profan, Heiligsprechungen sind reine Willkür.

»Sieh die tiefere Wahrheit hinter dem Schema.«
= trainiere, überall das Gegenteil reinzuinterpretieren.

»Man muss Antennen dafür entwickeln.«
= da ist höchstes Misstrauen angebracht, meistens heißt es, er will dich einseifen.

»Wenn du glaubst und betest, kommst du in den Himmel und hast ein ewiges Leben.«
= Leistungserbringung im Diesseits und Belohnung im Jenseits = Betrug.

»Tefer als in Gottes Hand kannst Du nicht fallen.«
= das stimmt, aber wer will so tief fallen?

»Es ist vernünftig zu glauben.«
= ja, aber nur bis IQ 75.

»Es ist vernünftig zu glauben.«
= was die Dogmendealer so sagen.

Oblate
= Keks-Werdung Christi

Die Bibel im Nachtschrank vom Hotel
= christliches product placement (auf der letzten Seite sind die Telefonnummern der Huren).

»Fürchtet den Zorn Gottes!«
= Wenn sie mir nicht gehorchen, dann dem Popanz, den ich mir für sie ausdenke.

Gebetsteppich
= genau so ein Mumpitz wie fliegender Teppich.

Ganzkörperverhüllung
= chicer islamischer Dresscode

Koranschule
= Hassmanufaktur

Aufklärung
= Sterbehilfe für die Religion

»Apostasie«
= das heißt jetzt reli finisher.

Das Profane soll auch nicht zu kurz kommen:

»Wir zahlen unsere Schulden.«
= beliebter Spruch aus der griechischen Mythologie, der sich aufs Jenseits bezieht.

»Der Euro fördert die europäische Integration.«
= ich konnte noch nie Integrieren von Differenzieren unterscheiden.

»Was brauchen Regierungen zu Regulierungen?«
= ul

 

(Dieser Artikel erschien zuerst am 8.9.13 und wurde am 9.9.18 überarbeitet und ergänzt.)

Links zu weiteren Humor-Artikeln:




Rezension Tretter/Grünhut Ist das Gehirn der Geist?


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Die Titelfrage ließe sich ad hoc beantworten: Nein, das Gehirn ist nicht der Geist. Schließlich ist das Gehirn ein Organ, und der Geist ist eine Menge von Hirnaktivitäten, mithin eine ganz andere Kategorie. Trotzdem scheint die kategorienverletzende Frage ihre Kreise zu ziehen. Mit dabei sind der Medizinprofessor und Dreifachdoktor Felix Tretter und die Fachärztin für Psychiatrie Christine Grünhut.

Die beiden Autoren haben eine Sammlung von Erklärungsansätzen rund um das Thema herum zusammengetragen.

Es ist eine Sammlung von vielfach bereits gescheiterten Ansätzen, die sich meist noch gegenseitig widersprechen. So kommt es, dass das Buch alle paar Absätze für etwas Neues argumentiert, oft für das Gegenteil von vorher. Die Materie ist so vielgestaltig, dass kaum etwas zusammenpasst. Das erzeugt beim Lesen einen diffusen Eindruck, zumal alle Ansätze mit großer Geduld durchgenommen und mehr oder weniger gleich(-wertig) dargestellt werden.

Das einführende "Grundfragen"-Kapitel gibt schon mal einen Vorgeschmack. Da werden sämtliche Themen kurz angesprochen, was die meisten Leser stressen dürfte. In Kapitel 2-8 werden die einzelnen Themen dann vertieft. Kapitel 2 liefert ein paar Begriffe und ein paar Definitionen, die mal hier, mal da eingesammelt wurden und kein konsistentes Bild aufbauen. Unter "Unbstimmtheitsrelation" wird auch darauf eingegangen, dass ein "molekularbiologisch fundiertes Determinismus-Konzept von Gehirn und Geist fragwürdig erscheine". Zusammen mit ein paar weiteren unbestimmten Absätzen zur Unbestimmtheit ("Der Determinismus ist begrenzt") ist das die weitestgehende Annäherung der Autoren ans moderne physikalische Weltbild. Bei ihnen gehen die "Erkenntnisprogramme von Physik und Chemie" von einem deterministischen Weltbild aus.

Kapitel 3 wiederholt weitere Punkte aus dem Vorlauf, diesmal als Grundfragen zur Philosophie des Geistes. Die Beantwortung der Grundfragen ("Was ist der Geist?") besteht aus zusammengefügten Versatzstücken aus der Literatur, was unter "Gegenüberstellungen der bekanntesten Positionen" läuft. Eigene Stellungnahmen kommen praktisch gar nicht vor, es wird nicht gesagt, dieser Ansatz ist wissenschaftswidrig (Idealismus) oder überkommen (Dualismus). Immerhin findet sich ein zitierter Passus über die Präzisierung, nicht Gehirn sei der Geist, sondern Gehirnzustände seien Geistzustände, was aber den "Wahrheitsgehalt der Kernaussage nicht steigere".

Die Autoren lassen die Identitätstheorie (wie passen neuronale Aktivitäten und Geist zusammen?) für sich sprechen, bloß dass sie immer nur compilieren und nicht editieren, damit ein zusammengehöriges Ganzes draus wird. Für viele Leser mag das stressig wirken, sofern sie nicht in erster Linie wissen wollen, was man alles darüber denken konnte und kann, sondern wenn sie einen stimmigen aktuellen Stand erfahren möchten.

In Kapitel 4 wird eine Menge zur Psychologie compiliert, wobei die Information wieder einseitig auf der philosophischen Seite bleibt, die neuronalen Aspekte kommen hier nicht vor. Denen gehört das Kapitel 5 über die Neurobiologie, in dem die psychologischen Aspekte verschwinden. Man hat jetzt schon über die Hälfte des Buches gelesen, ohne dass die Beziehung Gehirn-Geist konkret vertieft worden wäre. Die Vorgangsweise ist, für jeden Aspekt erstmal Autoritäten zu sammeln, in der Hoffnung, damit wäre das Problem dann schon irgendwie bearbeitet. Es tauchen aber bloß neue Fragen auf, was von den konkurrierenden Darstellungen gelten soll, und vor allem, was es über den Grundzusammenhang aussagt.

Das Kapitel 5 erwähnt so nebenbei das zentrale Element der Hirntätigkeit, die Schleifen ("Feedback-Loops"), um dann über Informatik und Systemtheorie zu referieren. Der Leser wird mit Modellen konfrontiert, deren Bezug zum eigentlichen Thema recht gering scheint, die aber als "äußerst erfolgreich" beschrieben werden – welche Erfolge sind das, bei der Transposition von biologischen Neuronen in artifizielle Neuronen? Statt immer noch mehr belehrender Details hätte man inzwischen gern mal einen Erfolg beim Erkenntnisfortschritt.

Und ein paar aktuelle Informationen dazu, wie das Denken sich neurologisch darstellt, wären auch nett. Denn das Buch kommt nicht zu der Verbindung von Geist und Gehirn. Es gibt keine Aussagen dazu, wie sich Denken, Erkennen, Bewusstsein usw. in neuronalen Schleifen darstellen. Der Weg wurde von oben her bereitet (Philosophie) und von unten her (Systemtheorie), und wo sich nun beides treffen sollte, um in einer Synthese zum Erkenntnisfortschritt beizutragen, da passiert: Nichts. Im Grunde ist das ein Versagen beim Thema, beim Eigentlichen.

Stop, nicht ganz, denn in Kapitel 7 gibt es doch ein wenig davon, denn jetzt wird der Freie Wille diskutiert. Was dabei rauskommt, ist allerdings nicht ganz das Erwartete. Immerhin wird mehr oder weniger gesagt, dass der Wille nicht unfrei sein könne, bloß aus den falschen Gründen, und so windelweich wie üblich. Es fängt an mit dem Einstieg, wo drei Positionen unterschieden werden:

  1. Frei-Zufall,
  2. Bedingt frei-stochastische Determination und
  3. Unfrei-strikte Determination

Nun sollte klar sein, dass das heutige physikalische Weltbild die Position 3. nicht zulässt. Und es bleibt unklar, warum 2. bedingt frei sein sollte, wo doch dort auch Zufall mitspielt – den kann man doch nicht abschalten. Und bei 1. spielt der Quantendeterminismus genauso mit, den kann man auch nicht abschalten.

Die weitere Diskussion ist nicht frei von Dualismus, es wird so getan, als gäbe es einen Unterschied zwischen Person und Wille, zwischen Ich und Wille. Das Ich ist aber eine Menge von Hirnprozessen, und der Wille ist eine Untermenge davon – der Wille ist Bestandteil des Ich. An dieser Stelle werden wieder externe Positionen eingebunden, die z.B. den Freien Willen als Illusion erklären. Die Libet-Experimente werden diskutiert und mit Wenns und Abers versehen. Wie Entscheidungen zustandekommen, wird anschließend nur vom Philosophischen her besprochen, dabei muss man doch nur die mikroskopischen Vorgänge anschauen, um Libet zu erklären.

Verwirrend ist, wie nochmals zwischen den pro- und contra-Positionen zum Freien Willen hin und her gesprungen wird, wobei auch physikwidrige Standpunkte gelten. Am Ende wird das Bestreiten des Freien Willens eine "überzogene Position" genannt. Endlich mal eine Stellungnahme, wenn auch eine fragwürdige.

Als vorläufiges Fazit kommt nun Kapitel 8, mit dem Vorschlag zur Etablierung einer interdisziplinären Neurophilosophie. In einer Tabelle werden die Fragen dazu genannt, und es verwundert kaum, dass das Eigentliche wieder völlig unterrepräsentiert ist ("Mikro-Makro-Problem"). Kapitel 9 bringt das Thema als Zusammenfassung auch nicht auf den Punkt, aber immerhin ist die Rede von einer nötigen "Zusammenführung". Ein bissel Zusammenführung hätte man allerdings von dem Buch erwartet, nicht bloß die Aneinanderreihung von Literaturhinweisen und Autorennennungen. Soll man sich die alle merken? Wozu, wenn sie sich doch meist widersprechen?

 

F. Tretter, C. Grünhut, Ist das Gehirn der Geist? Grundfragen der Neurophilosophie, Hogrefe, 260 Seiten, 2010

(Das Thema Freier Wille wird im wissenbloggt-Artikel Philosophie: Freier Wille III – Zufall regiert nochmal aufgegriffen.)

Links von wisssenbloggt: zum Thema Freier Wille & Bewusstsein.




Wie wird die Nahrung bei der Herstellung vergeudet?


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In einer Welt, wo immer noch Hunderte von Millionen hungern, sollte es eigentlich selbstverständlich sein, dass keine Nahrung verschwendet wird. Das ist aber nicht so leicht, wenn die Regale im Supermarkt immer gefüllt sein sollen, und wenn die Konsumenten einen vollen Kühlschrank zuhause haben wollen. Das, was dann weggeschmissen wird, ist noch nicht alles. Schon bei der Herstellung von Lebensmitteln wird enorm viel verschwendet (Bild: Painter06, pixabay).

Wie das zugeht, berichtet Megan Blake in The Conversation (1.), und wissenbloggt referiert den Inhalt. Zunächst die Größe des Problems:

2017 wurde laut UN ein Drittel von allen produzierten Lebensmitteln entsorgt (2.) – 1.300.000.000 Tonnen. Das bedeutet nicht nur einen Verlust an Nahrung, sondern auch Verschwendung von Ressourcen. Und 1/3 von dem Drittel geht schon verloren, bevor es die Bauernhöfe und Produktionsstätten verlässt.

Insgesamt fällt etwa die Hälfte der vernichteten Lebensmittel bei Herstellung, Transport und Verkauf an (3.). Dabei tolerieren die Hersteller eigentlich nur 5% Abfall während normaler Produktion. Die Hauptursache für den Abfall nennen sie "Ineffizienz" (4.), und davon gibt es mehr als gedacht.

Ein Beipiel: Mehrere Maschinen arbeiten zusammen, um ein Fertiggericht herzustellen. Eine davon fällt aus, die anderen produzieren weiter. Was sie abliefern, geht direkt in den Abfall, bis die ausgefallene Maschine wieder angekurbelt ist. Dahinter steht ein Effizienzgedanke. Es ist billiger, den Abfall zu verlieren, als den ganzen Maschinenpark zu stoppen.

Die Verluste gehen besonders mit dem Hochfahren ("Ankurbeln") der Machinen einher. Die Maschinen brauchen ein paar Minuten, um auf Touren zu kommen und die volle Produktion zu bringen. Was bis dahin produziert wird, ist unverkäuflich, z.B. weil in den Packungen zuwenig drin ist (5.).

Und jedesmal wenn das Produkt umgestellt wird, z.B. auf allergenfrei, muss die Maschine eine Weile laufen, um die Reste der alten Inhalte loszuwerden. Was derweil produziert wird, kann auch nicht verkauft werden. Ähnlich ist es bei der Produktentwicklung, denn bis alles eingestellt und kalibriert ist, wird eine Menge Ausschuss produziert. Diese Maschinen sind hochkomplex, sie arbeiten mit hoher Geschwindigkeit, und das braucht eben eine Weile, bis alles passt, vom Befüllen bis zum Etikettieren und Einpacken.

Inzwischen können die nichtverkäuflichen Produkte in eine Überschuss-Verteilung gegeben werden (surplus redistribution). Vielleicht ließe sich das Konzept durch Steuern, Regulierung und Industriestandards voranbringen, damit mehr Menschen durch diese Produkte ernährt werden können, statt sie wegzuschmeißen oder in die anaerobe Kompostierung zu geben (6.).

Einfach ist das nicht, weil eine Menge Logistik dazu gehört. Viele Menschen und Organisationen müssen koordinert werden. Es braucht Arbeitskräfte aller Art, vom Abladen der Paletten bis zum Aufteilen und Umetikettieren, es braucht Extraplatz dafür. Freiwillige müssen einbezogen werden, und die müssen flexibel sein. Die Überschüsse kommen unvorhersehbar in Bezug auf Sorte und Menge, und sie müssen zeitnah umgeschlagen werden.

Das Problem ist aber lösbar, und es wird daran gearbeitet, z.B. durch neue Wege der Mitteilung, wann Essen zu haben ist. Einige Organisationen machen mit beim Sammeln und Verteilen der Überschüsse (7.-16.). Überall wird nach der besten Methode gesucht, die Nahrung und die Hungrigen zusammenzubringen. Die Verbraucher und die Produzenten können mithelfen; erstere durch Druckausübung, letztere durch Mitarbeit. Freiwillige werden gebraucht und Spenden. Alle können helfen.

Bis Nahrung weggeworfen wird, ist sie kein Abfall.

 

Medien-Links:

  1. Enormous amounts of food are wasted during manufacturing – here’s where it occurs (The Conversation 5.9.): The volume of edible food that is wasted is staggering. In 2017, the UN estimated that almost a third of all food that is produced is discarded. Edible food makes up approximately 1.3 gigatonnes of this (one gigatonne is a billion tonnes).
  2. FAO activities on food waste measurement and SDG reporting (Food and Agriculture Organization fo the United Nations 31.3.17): Food is any substance, whether processed, semi-processed or raw, which is intended for human consumption, and includes drink, chewing gum and any substance which has been used in the manufacture, preparation or treatment of "food" but does not include cosmetics or tobacco or substances used only as drugs.
  3. Tackling the 1.6-Billion-Ton Food Loss and Waste Crisis (BCG 20.8.): The scale of the problem is staggering. Each year, 1.6 billion tons of food worth about $1.2 trillion are lost or go to waste—one-third of the total amount of food produced globally.1 To put the figure in perspective, that is ten times the mass of the island of Manhattan.
  4. Reducing Food Loss and Waste (World Resources Institute 5/13): The Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO) estimates that 32 percent of all food produced in the world was lost or wasted in 2009. This estimate is based on weight. When converted into calories, global food loss and waste amounts to approximately 24 percent of all food produced.
  5. Capitalism has coopted the language of food – costing the world millions of meals (The Conversation 1.2.): Meanwhile, stories about the various groups of people going hungry are also on the rise – there are reports about malnourished elderly people, children’s holiday hunger, and rising food insecurity.
  6. Anaerobic digestion (The Waste and Resources Action Programme wrap 2018).
  7. OLIO food sharing revolution
  8. FoodCloud
  9. Facebook Foodhallproject
  10. FareShare
  11. The Bread and Butter Thing
  12. His Church
  13. City Harvest London
  14. The Felix Project
  15. The Real Junk Food Project
  16. Community Shop

Unsere Links dazu:




Der doppelte Fick von Frank Sacco


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Als Doktor der Medizin kennt Frank Sacco keine Prüderie. Deshalb kann der die menschliche Kopulation auch beim volkstümlichen Namen nennen. Ein pikantes Bild dazu liefert SatyaPrem, pixabay.

Der doppelte Fick

Sind denn alle Priester homosexuell und pädophil? Das fragt man sich schon lange. 300 ihrer Zunft missbrauchten allein in Pennsylvania  serienweise die ihnen ausgelieferten Knaben. Bei der Eingangsfrage, siehe dazu meinen unten angeführten Link (1.), ist eine 5x so hohe Dunkelziffer zu berücksichtigen.

Man lässt das Märchen verbreiten, homosexuelle Priester seien die „Ausnahme“. Dazu gibt es „Untersuchungen“, die ich hier offiziell nicht anzweifeln will. Unten verlinkt kommt so eine (2.).

„Kichernde Teufelspriester“, heißt dagegen ein Leitartikel in der Die Welt vom 22.8.18. Man zog sich entsprechende Knaben in Pennsylvania als Missbrauchsopfer heran. Wie man das am geschicktesten macht, erkläre ich hier am Ende dieses Artikels. Dann, wenn die Manipulation „erfolgreich“ war, schenkte man den Opfern ein goldenes Kreuz, um anderen Priestern zu signalisieren: Dieses Kind steht ab jetzt zur freien Verfügung und kann gefickt werden.  Die Kleinen haben wir „im Stich gelassen“, so Papst Franziskus dazu.

Die Hintergründe: Katholischer Priester wird man, wenn man glaubt. Wenn man recht orthodox glaubt. Orthodoxer als andere. Unser Glaube, das sog. Christentum, verteufelt und verhöllt bekannter Maßen die Geschlechtsöffnung der  Frau, die Vulva. Alles, was dort hineinkommt und herauskommt, soll der Sünde sein. Sowohl Maria als auch ihr Sohn Jesus mussten daher Jungfrauen bleiben. Jesus kam nicht über die Vagina zur Welt. Ob der Bibelgott regelmäßig Sex hat, so etwas wird gar nicht erst diskutiert! Das frühkindliche Trauma der Entdeckung eines  heterosexuellen Doktorspiels beim Kind durch einen Erwachsenen führt unsere Kinder in die Angsterkrankung Sexualität. Hier werden sowohl die Hetero- als auch die unechte (die nicht genetisch bedingte) Homosexualität nach Hirschfeld zu einer Angstkrankheit. Denn der Entdecker der kindlich-harmlosen „Tat“, selbst orthodox gläubig, stellt dem Kind seine Spielerei im Doktorspiel als höllenwürdige Sünde dar.

Das Aushängeschild der heutigen  Homosexuellen in Berlin und Hamburg, Prof. Magnus Hirschfeld, ist selbst schwul. Er lebte gleich mit zwei „Ehepartnern“  in voller Zufriedenheit zusammen. Er erklärt uns, dass einem männlichen Kind vom Klerus die weibliche Vulva  vom Glauben her als der „Eingang zur Hölle“ dargestellt wird. Nicht Vererbung, nein, dieses Trauma sei der Grund des Hervorbringens  eines „unechten Homosexuellen“. Die Gesellschaft habe die Kirchen einfach nicht „im Griff“. Sonst würde es wohl weniger Schwule geben, so  der „Einstein des Sex“. Die Kirchen machen bis heute munter weiter mit dem so einträglichen „Geschäft“ ihrer Androhung jenseitiger Folter, speziell auch  bei sündigem Verhalten auf dem Gebiet des Sex. Dass es ein Geschäft ist, beichtet uns Bischof Nikolaus  Schneider (Der Spiegel 43/2014). Die jenseitige  Folter  gibt es aber ja gar nicht! Weil es kein Jenseits gibt! Gott, das wissen wir Aufgeklärten heute, ist eine einträgliche Erfindung. Aber das nur so nebenbei. Angst vor der ewigen Hölle ist auch der angewendete üble Trick,  über den  ein gefügig Machen der kleinen Messdiener erst ermöglicht wird (s.u.).

Die heutige mit der Sache Homosexualität befasste Sparte der Psychiatrie leugnet, da selbst in ihren Gliedern in der Regel homosexuell, diese Zusammenhänge. Sie besteht strikt  auf Vererbung bzw. schon eine „schon intrauterin vorhandene  Veranlagung“. Die Entstehung einer Homosexualität sei „jenseits jeder Pathologie“. Eine Lüge also. Man log den dt. Ärztetag an, der auf die kämpferisch vorgetragenen Lügen und Verdrehungen hereinfiel. Vererbung setzt ja voraus, dass das Sperma zum Ei kommt. Kommt Sperma zu Sperma, kommt kein Kind zustande. Weder chromosomal noch epigenetisch (über Protoplasma). Unechte Homosexualität entsteht demnach in jeder Generation neu. Und sie ist sowohl in der Zahl der Entstehung  als auch in der konsequenten Ausprägung abhängig von der Intensität des „christlichen“ Glaubens. Die echte Homosexualität ist nach Freud und diversen anderen Analytikern dagegen nicht angst-, sondern genetisch bedingt.

Das auf brutale Weise glaubenstraumatisch vulva-verhexte männliche Kind wird also, da sich Sexualität nicht abtöten lässt, schwul. Irgendwohin muss es ja mit seinem Trieb. Onanieren darf  es ja auch nicht!  Obgleich Jesus als normales Kind ja auch onaniert hat. Es weiß nur zunächst nichts von seiner frühen Umkehrung (als etwa Dreijähriger) ins Homosexuelle. Wenn der Junge es erkennt, sollte er in Psycho-Therapie. Da hat Papst Franziskus schon Recht. Denn das Kind ist auf den Schulhof gefährdet und hefigen Diskriminierungen ausgesetzt. Kinder können da sehr hart sein. Eine tiefe Sorge des Kindes, schwul sein zu können, ist im Vorfeld einer angstinduzierten Schizophrenie sehr oft beschrieben worden. Wer aber später den Priesterberuf erwählt, dem ist es in der Regel sein Schwulsein schon bewusst. Er wählt ja  den Beruf, und Eugen Drewermann gibt solche Beispiele, gerade aus der Angst vor einer ausgelebten Homosexualität heraus. Denn mit der landet man nach dem Dogma ohne ordentliche Beichte sowieso in der Hölle. Der Priesterberuf schütze, so meint der angehende Geistliche, vor einer solchen Versündigung. Denn er schützt ganz allgemein vor Sex. Er schützt vor der Hölle Dort werde man froh  sein „um jedes nicht brennende Körperteilt“, teilt der Kirchen-Autor Hans-Werner Deppe im Buch „Wie wird es in der Hölle sein?“, betanien, unseren Kindern mit. Auch und gerade der Schwanz wird da also vermutlich und ewig brennen. Eine unangenehme Vorstellung. Ich habe Deppe angezeigt. Wegen seelischem Kindesmissbrauch.

Doch im Priesterseminar ist diese Angst schnell verflogen. Dort wird, das erkennt der Lernende, Homosexualität lebhaft und auch mit fertigen Priestern fröhlich und ohne gröbere Sündengefühle ausgelebt. Warum auch nicht. So verschwindet die große sexuelle Angst.  Das Schwulsein aber, das erkennen wir jetzt, ist im Katholizismus, der sich anmaßt, in seinen Dogmen für alle Menschen gültig zu sein,  systemimmanent. 20 % der organisierten katholischen Landjugend ist aufgrund tief verdrängter  Höllenängste schwul. Und über 50 % der fertigen Priester sind es.

Nahezu  jeder Mensch ist der Pädophilie nicht abgeneigt. Wir sind ja Teile der Natur. Ein Affe fragt auch nicht: Bist Du schon 16? Man merkt und fühlt die Neigung  jedoch oft nicht, wenn das Überich „Gott“ derartige Gefühle als verboten einstuft. Denn „Gott“ strafe auch bloße Gedanken! Doch Sex mit einem (einer) Heranwachsenden vor Entwicklung der Schambehaarung  erscheint vielen zunächst irgendwie weniger sündhaft als normaler Sex. Die Neigung zum Kind hin ist beim Priester allerdings ausgeprägter. Pädophilie und Homosexualität haben hier  ja die gleichen ecclesiogenen Wurzeln: Die Angst vor normalem Sex, den anerzogenen angstbedingten Ekel vor dem Geschlecht des Andersgeschlechtlichen. Abgeschwächt haben diesen Ekel auch  Heterosexuelle.  Denn auch der normale Sex ist kirchenbedingt vergiftet. Dieses Gift hat die übliche Sexualität zur Angst-Krankheit gemacht. Auch die Homosexualität ist in dem Sinn natürlich Krankheit und ein Symptom eines Sacco-Syndroms. Die Schäden sind nur anders. Während Homosexualität ca. 5x mehr Suizide und Depressionen mit sich bringt, leiden Heteros u. a. an Impotenz und ecclesiogener Frigidität. Statt einen Penis zu lieben, ekelt sich oft nicht nur die frigide Frau vor dem Teil. Letztere kann oft erst in einer lesbischen Beziehung „Heilung“ erfahren und zum ersehnten Orgasmus kommen.

Katholische Priester haben nun ein intelligentes System entwickelt: Wie bekommt man die missbrauchten Knaben zum Schweigen? Nun: Man ist erst vorsichtig. Man sitzt am Bett, streichelt, gibt zärtlich Küsschen auf die Stirn. Man schaut, wo ist schon zum Schwulsein prädestiniertes Material vorhanden? Auch das Kind will ja Sex (nach Freud). Auch das Kind stimuliert da schon einmal bei zunehmender erregender körperlicher Zuwendung durch den  Erwachsenen diesen ebenfalls sexuell. Hat man es einmal so weit,  sagt man dem Kind, es  habe den zur Keuschheit verpflichteten Priester, was eine große Sünde darstellt, zu einer verbotenen und dazu noch höllenwürdigen homosexuellen Handlung „verführt“! Es habe vor Gott schwere Schuld auf sich geladen. Man schickt es zur Beichte. Zu einem homosexuellen Kollegen. Der weist es darauf hin, dass Gebeichtetes absolut geheim ist, geheim zu halten auch vor den Eltern und Verwandten.  Man fickt halt doppelt: Mit dem Schwanz und mit der ewigen Hölle. Mit der Hölle macht man die Kleinen mundtot. Erst danach  kann der Sex härtere Formen annehmen. Erst dann kann Analverkehr ermöglicht sein. Die zunächst verhängten Strafen wie die in der Die Welt geschilderten körperlichen Züchtigungen fallen dann auch weg und machen Belohnungen Platz: Man schenkt sogar ein goldenes Kreuz. Denn auch Jesus wird wohl mit allem einverstanden sein. Der hatte es auch nicht mit Frauen. Soweit die im Milieu allseits bekannte Gebrauchsanweisung.

Fazit: Man sollte aus der Kirche austreten. Die Kirchensteuer ist anderswo besser angelegt.

 

Medien-Links:

  1. Außer Kontrolle – Pädophile Täter können ihr Verhalten schlechter steuern (3sat 26.4.): Pädophile, die ihre Neigung auch tatsächlich ausleben, können ihr Verhalten schlechter kontrollieren. Dabei sind zwei Bereiche des Gehirns beteiligt: der präfrontale Kortex und die Amygdala.
  2. Leygraf: "Pädophilie bei Priestern die Ausnahme" (DW 8.12.12): Katholische Priester haben auch in Deutschland Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht. In einer Studie haben Psychiater unter Leitung von Norbert Leygraf untersucht, warum die Täter diese Übergriffe begangen haben.
  3. Missbrauch in Pennsylvania: Bigott und perfide (Frankfurter Allgemeine Zeitung 16.8.): In Amerika ist die katholische Kirche immer dort lautstark zur Stelle, wo es um den Schutz des ungeborenen Lebens geht. In eigener Sache muss sie immer erst zum Reden gezwungen werden.SACO4228_2103883563264358_6485126769845207040_n2

Der überaus treffende Cartoon darf aus rechtlichen Gründen nicht gezeigt werden, er zeigt einen kinderkopulierenden Bischof:

"Hab keine Angst, mein Sohn, in dir steckt ein guter Christ!"


Frank Sacco ist Autor von Das Sacco Syndrom und Autor der Bücher

Weitere Artikel von Frank Sacco




Wehret den "Einzelfällen"


knife-316655_1280In der Medienlandschaft gibt es Unerfreuliches zu besichtigen. Je nachdem, welches Medium man sich anschaut, wird die Causa Chemnitz ganz anders dargestellt. Die einen schreiben von Pogromstimmung, Randale und Hetzjagd auf Immigranten, und der Messermord von Chemnitz wird als "Totschlag" heruntergespielt (Bild: PublicDomainPictures, pixabaxy).

Die anderen reden von Protesten friedlicher Bürger gegen einen Mord, auf denen die Hooligans surfen. Der Generalstaatsanwalt kennt keine Hinweise auf eine Hetzjagd, der Ministerpräsident auch nicht, aber die Bundeskanzlerin behauptet genau das. Immer wieder wird der Mord nicht bloß als Totschlag verharmlost, sondern auch als "Einzelfall".

Bei wissenbloggt wird nur das Einzelfall-Thema angegangen. Hier kann nun keine Untersuchung stattfinden, wer in der unerfreulichen Chose inwieweit recht hat, und was man eigentlich über die Täter weiß. Wie sich herausstellte, sind die Angaben zur Person falsch oder auch nur die Pässe, und die Vorgeschichte aus Abschiebungsvermeidung und sonstigem Missbrauch wirft ein Schlaglicht auf deutsche Permissivität und Inkompetenz. Damit setzen sich hoffentlich andere auseinander.

Wenn in diesem Artikel den "Einzelfällen gewehrt werden" soll, ist das nicht im Sinn von Kriminalitätvermeidung gemeint, sondern im Sinn korrekter Berichterstattung. Mord und Totschlag sind nämlich alltäglich in Deutschland, und die Immigranten haben ihren Anteil daran. Das geht aus der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS, 3.) hervor. Das Zahlenwerk mit seinen 3276 Zeilen allein in Tabelle 61 ist schwer durchschaubar, deshalb sind hier die wesentlichen Zahlen herausgezogen (Die Spalte Asyl heißt in der PKS "Nichtdeutsche Tatverdaechtige – Asylverfahren", das sind alle Arten von Füchtlings-Immigranten):

Zahlen 2017 Gesamt Nichtdeutsche Asyl
Mord 823 307 78
Totschlag 1.855 837 324
Summe 2.678 1.144 402
pro Tag 7,3 3,1 1,1
% von Summe 100% 43% 15%
Personen 82.000.000 10.000.0001. 1.800.0002.
% von Pers. 100% 12% 2,2%
Faktor 1 3,5 6,8

Der Faktor gibt Auskunft darüber, um wieviel die Gruppe gegenüber ihrem Anteil an der Gesamtheit überrepräsentiert ist. Werden Nichtdeutsche und "Asyl" getrennt gelistet, stellen sich die Ausländer ohne Aslyzusammenhang etwas besser dar: 2,0 Tötungen (entsprechend 28%) pro Tag bei 10% der Bevölkerung ergeben Faktor 2,8.

An jedem durchschnittlichen Tag gibt es 4,2 Tötungen durch Deutsche und 2,0 durch Ausländer ohne Asylzusammenhang, bei letzteren also im Verhältnis 2,8-mal so viele pro Person. Durch Personen mit Asylzusammenhang gibt es 1,1 Morde und Totschläge pro Tag.

Mithin sind solche Tötungsdelikte inzwischen alltäglich. Sie sind keine Einzelfälle, und sie kommen 6,8-mal so häufig pro Person vor wie bei Deutschen.

  • Einerseits ist das dem hohem Anteil von jungen Männern zuzuschreiben, aber
  • andererseits ist so ein hoher Faktor für "Schutzsuchende" in einem Land, das sie aufnimmt und rundum alimentiert, ganz schön viel.

Bis hierher erweckt die Auseinandersetzung mit dem Thema schon ein betrübliches Bild. Besonders ungut ist die mediale Aufbereitung. Große Mainstreammedien sind sich nicht zu schade zum Manipulieren, Desinformieren und Betrügen – nicht nur in Einzelfällen. Am 5.9. liefert die SZ wieder mal ein Paradebeispiel (4., siehe auch wb-Links SZ): "Weit mehr als eine Million Flüchtlinge sind seit 2015 nach Deutschland gekommen, viele Hunderttausend dürfen bleiben. …" heißt es auf der Titelseite, und im Inhalt wird an der Wir-schaffen-das-Legende gearbeitet.

Realität ist nun aber, dass seit 2015 über 2 Millionen Flüchtlings-Immigranten gekommen sind (bis 2017 schon 1,8 Millionen), und dass bis dato niemand von ihnen bleiben darf, denn es geht ja alles über Asyl-, Flüchtlings- und subsidiären Schutz sowie Duldungen und Abschiebeaussetzungen, was alles befristet ist. So wie es ausschaut, werden allerdings 2 Millionen dableiben, ob sie dürfen oder nicht. Plus die 300.000, 400.000 oder 500.000, die jedes Jahr dazukommen.

 

Nachtrag zur letztgenannten Zahl: Das sind 200.000 Zuwanderer plus geschätzt 100.000-200.000 Familiennachzug (wb-Link Familiennachzug) plus geschätzt 50.000-100.000 Kinder (wb-Link Geburtenzahlen, es wird ein Viertel bis die Hälfte der 184.700 Geburten von ausländischen Müttern angenommen). Diese Zahlen müssen geschätzt werden, weil das Bamf sie geheimhält. Im Grunde wird auch die Zahl der Zuwanderer verschleiert, weil die Einwandernden aus Relocation und Resettlement migrationsmathematisch rausgerechnet werden, und weil diejenigen nicht mitgezählt sind, die woanders erfasst werden und dann doch nach Deutschland kommen.

Medien-Links:

  1. Mehr als 10 Millionen Ausländer in Deutschland (Destatis-Pressemitteilung Nr. 227 vom 30.06.2017).
  2. Das Bundesamt in Zahlen 2017 Asyl (Bamf). 2016 ca. 1,6 Mio., 2017 kamen ca. 200.000 dazu.
  3. Polizeiliche Kriminalstatistik 2017 (Tabelle 61) Nichtdeutsche Tatverdächtige nach dem Anlass des Aufenthaltes – csv (csv, 406KB) (falls der Link nicht funktioniert kommt man auch so zu Tabelle 61).
  4. SZ-Serie "Schaffen wir das?" "Integration kommt allen zugute" (Süddeutsche Zeitung 4.9.): Mehr sozialer Wohnungsbau, bessere Kitas – vom staatlichen Engagement für Flüchtlinge profitieren auch Einheimische … Diese neue Serie wird auf der Titelseite angekündigt mit "Weit mehr als eine Million Flüchtlinge sind seit 2015 nach Deutschland gekommen, viele Hunderttausend dürfen bleiben. …" (nicht online).

Links von wissenbloggt:




Aufstehen geht los


Am Morgen des 4.9. wollte man noch sagen Aufwachen, Aufstehen! So gegen 10 ist die Sammlungsbewegung dann aufgewacht. Hier ein erster Check der neuen Site.

Zunächst fällt auf, dass man sich Mühe gemacht hat und eine neue Form der Meinungsbeteiligung anbietet. Eine Grafik zeigt Punkte in den Abstimmungsdimensionen, und man kann auf Symbole klicken, A und B. Das sind die kontroversen Standpunkte, zu denen die Meinungsäußerungen zusammengefasst werden. Die vorliegende Version ist bestimmt noch nicht der Endstand, denn sie reagiert doch einigermaßen mysteriös. Es kommt immer die Antwort #1 Ich habe Existenzängste. Man kann aber auch #6, #14, #20 und #44 wählen. Andere Nummern gehen nicht, oder der Tester war zu blöd.

Vorläufiges Fazit: Hier sollen die modernen Möglichkeiten zur politischen Meinungsbildung eingesetzt werden. Es soll das gemacht werden, was die Politik schon lange hätte machen sollen: eine moderne Erfassung der Volksmeinung. Es ist auch das, was man sich bei den Zeit-Foren u.a. seit langem wünscht – ein hochinteressanter Ansatz. Dürfte den Aufstehen-Leuten viel Mühe machen, das immer zeitnah zusammenzufassen, mal sehen, wie sie das bewältigen, und ob die Site so viel Resonanz bekommt wie Zeit und Welt.

Ein Rückzieher ist allerdings dabei. im Gründungsaufruf fehlt der folgende Passus aus #fairland: Die Flüchtlingskrise hat in Deutschland zu großer Verunsicherung geführt. Wir lehnen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit ab. Aber wir halten die Art und Weise, wie die Regierung Merkel mit den Herausforderungen umgegangen ist, für unehrlich und inakzeptabel. Bis heute werden Städte, Gemeinden und ehrenamtliche Helfer weitgehend allein gelassen. Viele bereits zuvor vorhandene Probleme wie der Mangel an Sozialwohnungen, überforderte Schulen oder fehlende Kita-Plätze haben sich weiter verschärft. Am Ende leiden vor allem die ohnehin Benachteiligten. Wenn die Politik dann noch zuschaut, wie Hassprediger eines radikalisierten Islam schon 5jährigen Kindern ein Weltbild vermitteln, das Integration nahezu unmöglich macht, wird das gesellschaftliche Klima vergiftet.  

Die Worte "Flüchtling" und "offene Grenze" kommen nicht mehr vor, es gibt keine Stellungnahme zu Hilfe vor Ort. Was der Gründungsaufruf bietet, ist ist weichgespülte Hilfe für Menschen in Not: Das Recht auf Asyl für Verfolgte gewährleisten, Waffenexporte in Spannungsgebiete stoppen und unfaire Handelspraktiken beenden, Kriegs- und Klimaflüchtlingen helfen, Armut, Hunger und Elendskrankheiten vor Ort bekämpfen und in den Heimatländern Perspektiven schaffen. Durch eine neue Weltwirtschaftsordnung die Lebenschancen aller Völker auf hohem Niveau und im Einklang mit den Ressourcen angleichen.

Im Weiteren:

  • Zuerst die Geleitworte, man spart das Aufklappen.
  • Dann die Beispielfrage, die anscheinend festzementiert ist, und eine Erläuterung der Meinungsgruppen.
  • Darunter ein Abbild der interaktiven Grafik. Beim Original kann man reinklicken, und dann wandert ein blauer Kringel mit Kopf drin. Wo der hinwandert und was das genau bedeutet, sollen weitere Versuche klären.

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Warum hat aufstehen diese Diskussion ins Leben gerufen?

Wir wollen nicht den Fehler machen, den Politiker und Parteien in Deutschland so häufig machen: Einfach anzunehmen, dass wir am besten wüssten, was den Menschen in Deutschland fehlt. Außerdem wollen wir nicht annehmen, dass auch nur wir die Weisheit mit Löffeln gegessen haben. Wir brauchen eure Hilfe – und schätzen eure Meinungen und Ratschläge. Deshalb gibt es diese Umfrage

Wie kann ich eine neue Frage stellen?

Wenn du einen Vorschlag für eine Frage hast, würden wir uns sehr freuen, wenn du ihn uns mitteilst. Schreib’ uns doch einfach eine Mail an info@aufstehen.de. Wir versuchen dir so schnell wie möglich zu antworten!

Wer hat diese Plattform entwickelt?

Pol.is ist ein Tech-Unternehmen aus den USA, dessen Mission es ist, Menschen dabei zu helfen, einander zu verstehen. Mit künstlicher Intelligenz/maschinellem Lernen hilft die Software Mehrheitsmeinungen und Kompromisse zu finden. Das klappt in einigen Ländern schon sehr gut: Die Regierungen von Taiwan, Kanada, Singapur und Neuseeland nutzen die Software bereits!

Wo kann ich andere Projekte sehen, die diese Art von Umfragen nutzen?

In Deutschland wird diese Form der Umfrage, unseres Wissens nach, noch nicht eingesetzt. Es gibt aber schon tolle Erfolgsgeschichten aus Kanada, Singapur und Taiwan. Dort hat sogar schon die Regierung verstanden, dass das Volk viel schlauer ist, als einzelne Politiker und nutzt diese Umfragemethode, um Kompromisse und Lösungen für kontroverse Diskussionen zu finden. Hier die Websites in Landessprache: http://talkto.tw/ und https://www.canada.ca/en/canadian-heritage/programs/visual-arts-community.html

Kann ich die Ergebnisse auch sehen?

Na klar! Sobald du abgestimmt hast, kannst du unter der Umfrage direkt die Ergebnisse sehen – in Echtzeit! Du kannst sehen, welche Meinungsgruppen es gibt und was diese Gruppen vereint. Und hoffentlich auch, was alle vereint! Klick dich einfach durch – es ist echt spannend!

Falls du es von deinem mobilen Endgerät nicht sehen kannst, update doch bitte deine Software. Dann sollte es klappen!

Wie werden die Ergebnisse genutzt? Was macht ihr mit den Informationen?

Wir nutzen die Ergebnisse um unseren Einsatz und unsere Politik auf das abzustimmen, was ihr wirklich wollt! Es gibt für uns keine Ausflüchte oder einfachen Wege mehr – ihr gebt uns eine Marschrichtung und der wollen wir folgen!

Warum finde ich mein Statement nicht in der Liste?

Da kann es drei Möglichkeiten geben: Entweder wir hatten noch keine Zeit, das Statement zu prüfen. Das sollte im Idealfall nie länger als eine Stunde dauern, aber je nach Ansturm kommen wir eventuell nicht nach. Vielleicht gibt es aber auch schon ein Statement, das deinem zu sehr ähnelt. Dann wird es nicht veröffentlicht. Oder wir waren mit der Ausdrucksform nicht einverstanden: Hassrede und Hetze werden bei aufstehen kein Forum finden.

Wie schreibe ich Statements?

Schreib’ sie einfach in das Kommentarfeld – entweder anonym oder verknüpft mit deinem Social Media-Account. Unser Team überprüft es auf Dopplungen und Hassrede und fügt es dann zu den Statements hinzu. Ab dem Zeitpunkt können alle anderen Teilnehmer über dein Statement abstimmen – und vielleicht ist dein Vorschlag ja die Lösung, die alle vereint!

Wie kann ich teilnehmen?

Es gibt ganz verschiedene Arten an dieser Diskussion teilzunehmen. Erst einmal kannst du überlegen, ob du Anonym teilnehmen möchtest oder ob du gerne die Umfrage mit deinen Facebook- oder Twitter-Account verknüpfen möchtest. So könntest du sehen, wie deine Freunde abgestimmt haben und deine Freunde könnten das bei dir sehen. Auf deiner Facebook-Pinnwand sieht man jedoch nichts – wir würden nie ohne deine Erlaubnis etwas posten!

Außerdem kannst entscheiden, ob du einfach den Statements von uns und anderen Teilnehmern zustimmen oder sie ablehnen und uns damit ein genaueres Meinungsbild in der Gesellschaft ermöglichen möchtest. Oder, ob du sogar zusätzlich auch eigene Statements veröffentlichen möchtest.

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 "Den Deutschen geht es so gut wie nie…"

Ist das wirklich so?

Der Wirtschaft geht es gut, aber was ist mit den Menschen? Was kommt in der Gesellschaft an? Wie geht es dir? Wovor hast du Angst? Was würde deine Lebensqualität steigern und was schmälern?  Was müsste sich wirklich in Deutschland verändern um es zu einem lebenswerteren Land zu machen? Hast du Sorgen oder sogar Existenzängste?

Bewerte die Statements und erstelle deine eigenen Statements um zu erklären, wie du dem Thema gegenüberstehst!

Meinungsgruppen

DiskussionsteilnehmerInnen, die ähnlich abstimmen, werden zu einer Gruppe zusammengefasst. Klicken Sie auf eine Gruppe, um zu sehen, welche gemeinsamen Standpunkte diese Gruppe vertritt

Sie kennen wahrscheinlich 'Andere Kunden kauften auch' auf Amazon oder 'personalisierte Empfehlungen' auf Netflix. Diese Dienste verwenden Statistiken, um Nutzer mit gemeinsamen Interessen zuzammenzufassen und darauf basierend entsprechende Produkt- oder Filmempfehlungen zu geben.

Wenn Sie auf Pol.is über einen Kommentar abstimmen, werden Sie mit anderen Nutzern, die eine ähnliche Abstimmungspräferenz haben, in einer Gruppe zusammengefasst. Diese Gruppen werden unten angezeigt. Jede Gruppe besteht aus TeilnehmerInnen, die ähnliche Meinungen haben. Jede Diskussion bietet deshalb faszinierende Einblicke in das allgemeine Meinungsbild. Legen Sie los – klicken Sie auf eine Gruppe und erfahren Sie, welche Standpunkte diese Gruppe teilt und was sie einzigartig macht!

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Psychoanalyse der Flüchtlingspolitik


bullying-3089938_1280Eine persönliche Anmerkung vorweg: Es muss schon allerhand passieren, damit sich der wissenbloggt-Schreibknecht in solche Gefilde traut – Psychoanayse … Aber wie soll man das nennen, was in Diskussionen über die Vergangenheitsbewältigung hochkommt? (Bild: geralt, pixabay)

Aus der Perspektive eines Wilfried Müllers sieht Vergangenheitsbewältigung so aus (wie diese mit der Flüchtlingspolitik zusammenhängt, soll weiter unten begründet werden): Seit frühster Jugend werde ich mit Schuldvorwürfen konfrontiert ("Nazi-Gen"), ich werde in Sippenhaft genommen. Das erstreckt sich bis in die Literatur, die man mir im Deutschunterricht auftischt. Die ist so kaputt und depressiv – bis mir klarwird, da therapieren sich die Autoren unausgesprochenermaßen von ihren Nazi- und Kriegserlebnissen auf Kosten der Leser.

Dann darf ich mich über heftige Steuerzahlungen an der Wiedergutmachung (1.) beteiligen. Solange das Geld nicht für Waffen gegen Palästinenser verwendet wird, geht das gefühlsmäßig in Ordnung – doch wo bleibt die Wiedergutmachung von anderen? Die USA für Vietnam? Die Deutschen entwickeln eine ganz spezielle Schuldkultur – wohlgemerkt, die Nachkriegsgeneration, die völlig unschuldig ist. Die europäischen Nachbarn schaffen es sogar ohne Holocaust,  Schuldkomplexe zu entwickeln, wegen historischer Sklaverei, kolonialer Vergangenheit, Unterstützung vom Faschismus (2.). Soweit es wegen der Ausbeutung von Dritte-Welt-Ländern oder dem Überziehen der Region mit Krieg der Fall ist, hat es sogar eine reale Rechtfertigung.

Nichts dergleichen trifft auf die Religion zu. Die reitet zuallererst auf der Schuldwelle und will mir einreden, ich wäre ein Sünder und müsse Gott um Verzeihung bitten. Die Katholen haben sogar das Äquivalent für die Sippenhaft, die "Erbsünde". Mein Gott war der evangelische, bei weitem nicht so schlimm, aber den habe ich als erstes für mich abgeschafft. Und die Schuld am Juden- und Polen-Massenmord? Die habe ich für mich auch abgeschafft. Ich will mich nicht in Sippenhaft nehmen lassen, und an Erbsünde glaube ich schon gar nicht.

Aber wie steht es mit der "besonderen Verantwortung", die uns Deutschen für die Vergangenheit zugeschrieben wird? Damit wir uns selber und alle Welt besonders informieren und mahnen, damit sowas wie der Holocaust nie, nie wieder gemacht wird?

Auch diese Verantwortung lehne ich ab. Die Sonntagsredner können das gern auf sich nehmen, aber sie sollen mich nicht damit belästigen. Als Humanist bin ich sowieso menschenfreundlich eingestellt, und ich würde ganz bestimmt nicht tatenlos zusehen, wie neue Pogrome gemacht werden – das reicht.

Psychoanalyse

Im Gegenteil sehe ich in der deutschen Schuldfixierung ein schweres Problem – und damit kommt der eigentliche Sinn des Artikels ins Visier. Vor lauter Vergangenheitsbewältigung, Schuldbereitschaft und Wiedergutmachung wird unser Staat in Gefahr gebracht. In abgeschwächter Form gilt das für die ganzen EU-Kernländer. Damit setzt meine Psychoanalyse ein.

In einem anderen wissenbloggt-Artikel ist beschrieben, wie die Open-border-Agenda in Deutschland Macht ergriff (wb-Link Flüchtlingspolitik). Es ging zufällig, aus einem empathischen Impuls heraus vonstatten, und dann blieb es so. Dieser "Zufall" hat aber einen Grund, wie darzulegen ist. Er hat m.E. was mit Vergangenheitsbewältigung und Schuldbereitschaft zu tun.

Es wurden ja viele Gründe für Grenzöffnung und Willkommenskultur angegeben. Natürlich steht die Empathie im Vordergrund, aber kann und darf das bei politischen Entscheidungen sein? Eher nicht, denn Politik nach Empathie ist willkürlich, und damit das Gegenteil des demokratischen Auftrags. Es wurden ja dann auch eine Menge andere Gründe vorgelegt, warum die Menschen aus Afrika, Arabien und dem Nahen, Mittleren und Fernen Osten kommen sollten. Die Diskussion der Gründe findet sich im Flüchtlingspolitik-Artikel und muss hier nicht nochmal aufgewärmt werden. Frappierend, wie wenig stichhaltig die Gründe sind, "wir brauchen 'Bestanderhaltungsimmigration'" oder "Grenzen kann man sowieso nicht schließen" oder "es sind alles Flüchtlinge, die nach GG und Asylgesetz aufgenommen werden müssen"  oder "die integrieren sich alle" bis "die zahlen unsere Renten."

Die Behauptung ist nun, dass es gar nicht die echten Gründe sind, sondern vorgeschobene. Unbewusst oder zumindest uneingestandenermaßen steckt ein anderer Grund hinter der Grenzöffnung für Menschen aus der halben Welt: "Wir haben einen Schuldkomplex und möchten den an euch therapieren. Die Andersdenkenden sollen das bezahlen, die hassen wir sowieso."

Was da nämlich passiert, ist m.E. ein ungewollter und unbewusster Missbrauch der Schuldbereitschaft durch Überkompensation. Die Sanktionierung von Judenhass wird transformiert in die Verurteilung von einem zunächst einmal nichtexistenten "Fremdenhass". Darauf baut die Überkompensation auf, dass Fremde aus der ganzen Welt überhaupt erst reingelassen werden, um den Schuldkompex zu therapieren und den Beweis der Heilung anzutreten.

Dabei werden nicht nur gute Gefühle umgesetzt. Gegenüber den Fremden ist die Haltung unbekannterweise sehr positiv, gegenüber den Einheimischen ist sie sehr kritisch. Die Einheimischen sollen die Willkommenskultur nicht nur ungefragt bezahlen. Sie dürfen noch nicht mal mitreden, wen sie ins Land lassen und alimentieren sollen. Wenn sie anders denken, werden sie sogar verteufelt; dann sind sie "Fremdenhasser", "Rassisten" und "Nazis".

Die Wortwahl ist bezeichnend und stützt die Hypothese von der Überkompensation. Die Open-border-Politik wurde ja tatsächlich realisiert, und man konnte jahrelang beobachten, wie Vertreter von mittleren und konservativen Standpunkten als "Rechtsradikale" bezeichnet wurden – die Mitte wird rechtsradikal genannt.

Das ist eine klare Schieflage und zeigt, welche Machtposition die linksgrünen Agendasetzer erobert haben. Dass sie eine solche Jahrhundertentscheidung wie die Grenzöffnung für alle an der Mehrheit der Bevölkerung vorbei durchdrücken konnten, liegt m.E. an den von der Vergangenheitsbewältigung bestellten Feldern. Diese Durchsetzung war eine Bevormundung. Sie hat nicht nur unsinnige Auswirkungen, sie bedeutet eine Gefahr für unseren Staat. Was wurde denn durchgesetzt?

  • Die Umsiedlung vom rohstoffreichen großen Afrika usw. ins kleine rohstoffarme übervölkerte Deutschland (siehe wb-Link Umsiedlung).
  • Die Schädigung von Quellenland (Fachkräfte fehlen) und Zielland (hier ist der Fachkräfte-Status vernichtet).
  • Die Ungerechtigkeit gegenüber fast allen: die vor Ort (gehen leer aus), die hier (werden benachteiligt und zahlen noch dafür). Es profitieren nur die Privilegierten, die es hierher schaffen.
  • Und es kommen lauter Judenhasser!

Gefahr

Die Logik ist jetzt, wer die reingeholten Wiedergutmachungs-Ziele nicht haben will, wird in die Nähe der Juden-Vernichter geschoben. Der Hass auf diese Andersdenkenden ist so, als ob sie wirklich die Gaskammern anschmeißen wollten. Eine rationale Abwägung der Argumente wird damit verhindert – und das ist eine Gefahr fürs Gemeinwesen.

Denn ein Ausgleich der Positionen wird verwehrt, und die Open-border-Agenda soll bei uns weiterhin durchgesetzt werden, gegen den Willen der deutschen (und europäischen) Mehrheit. Solche Entmündigung kann sich schnell rächen, zumal die Argumente auf Seiten der Grenzöffnungs-Kritiker sind.

Der Praxistest zeigte, dass die Immigranten aus den fremden Kulturen vor allem eins sind: rückständig. Da hapert es nicht bloß an Ausbildung, Alphabetisierung und womöglich Arbeitsethos. Es fehlt an Aufklärung, Emanzipation und Enttabuisierung. Es dominieren repressive Verhaltensweisen, paternalistisches Machotum und menschenverachtende Religionen. Vor allem die Frauen sind nicht frei und selbstbestimmt. Insgesamt ist das eine schwere Bürde, und es wirft die Frage auf: Wieso sollen solche Menschen auf Dauer hier leben? Sie werden hier nicht gebraucht, sie passen nicht hierher. Es wäre besser, ihnen vor Ort zu helfen. Wenn sie nur Vorteilssuchende sind, haben sie sowieso kein Recht herzukommen. Wenn sie Asylanten oder Kriegsflüchtlinge sind, haben sie nur temporäres Bleiberecht.

Dass sie trotzdem fast alle hierbleiben, und dass das von der linksgrünen Fraktion erbittert verfochten wird, ist ist nicht legitim, und es ist gesellschaftlicher Zündstoff. Wie weit die linksgrüne Vereinnahmung geht, zeigt das Vokabular: "Mob", "Systemfeinde". Sowas wie besorgte Bürger, die bloß gehört werden möchten, kennt die linksgrüne Agenda nicht. Ohne Differenzierung und Sachlichkeit ist aber der Rechtsstaat in Gefahr, zumal er nur noch selektiv durchgesetzt wird: Gegenüber Einheimischen, nicht aber gegenüber Flüchtlings-Immigranten.

Dass es jetzt Randale gibt, liegt an der Ignoranz der Politik (die wiederum von der Schuldbereitschafts-Grundstimmung verstärkt wird). Wenn man ihr was im Guten sagt, ignoriert sie das. Einfach bloß weil die Leute was wollen, rührt sich in der Politik nichts. Man wird erst gehört, wenn man Randale macht. Was jetzt passiert, ist praktisch Randale mit Ansage: unsere Politik hat die Randale heraufbeschworen.

Die Gefahr liegt m.E. darin, gegen die Radikalinskis die rechtlichen Mittel einzusetzen, und gegen den Kontrollverlust bei Zuwanderung und Abschiebung weiterhin nichts zu tun. Durch solche Ungleichgewichte müssen sich die Protestler herausgefordert fühlen. Die Melange aus fehlgeleiteter Schuldbereitschaft, politischer Ignoranz und leichtfertiger UN- und EU-Bastelei an weltweiten Umsiedlungsaktionen ist eine reale Gefahr.

Na klar gibt es eine Mehrheit gegen Rassismus – wer wäre nicht dagegen? Aber nur eine Minderheit will, dass sich fremde Kulturen hier unkontrolliert ausbreiten und es ihrem Ermessen überlassen sein soll, inwieweit sie sich integrieren. Die Mehrheit will andere Formen der Hilfe.

Und sie sieht sich zurecht unter Zugzwang gesetzt. Einmal durch das elende politische Prinzip, die Hausaufgaben nicht zu machen. Also nicht die bestehenden Probleme (z.B. bei Asylende und Abschiebung) zu lösen, ehe weitergemacht wird (mit mehr Zuwanderung). Zum anderen durch den laufenden Versuch, Tatsachen am Mehrheitswillen vorbei zu schaffen, die dann womöglich nicht mehr korrigiert werden können. Da ist Randale programmiert, Bürgerproteste bis hin zum Volksaufstand; spätestens wenn die Flüchtlings-Immigranten massenweise Bleiberecht kriegen.

Es gibt viele Menschen, welche die Einhaltung der Gesetze fordern, die dabei mitbestimmen möchten, wer zu uns kommen darf, und die über andere Formen der Hilfe reden möchten. Sie aus dem deutschen Schuldkomplex heraus als Nazis zu verunglimpfen, ist m.E. nicht zielführend und nicht zutreffend. Es geht hier schließlich nicht gegen Teile unserer Bevölkerung, sondern um Hilfe für Fremde.

 

Medien-Links:

  1. Kriegsfolgen und Wiedergutmachung (Bundesfinanzministerium 2018)
  2. Der Schuldkomplex: Vom Nutzen und Nachteil der Geschichte für Europa (Pascal Bruckner 2008): In seinem mitreißenden Essay prangert der Philosoph und Schriftsteller Pascal Bruckner diesen »westlichen Masochismus« an und kritisiert die in Europa verbreitete Haltung, sich lieber jeder nur erdenklichen historischen Schuld zu bezichtigen, als hier und jetzt Verantwortung zu übernehmen.

Links von wissenbloggt:




Rezension Vollmer Gretchenfragen an Naturalisten


gretchenvollmerIn einer klaren und allgemeinverständlichen Sprache bietet das Buch einen instruktiven Einstieg in den Naturalismus, schreibt der Verlag, und er hat recht. Das kleine Buch des Physikers und Philosophen Gerhard Vollmer aus der Schriftenreihe der Giordano Bruno Stiftung hat es in sich. Zehn Themenbereiche werden abgehandelt, von abstrakten Objekten wie Logik, Mathematik und Metaphysik über Kosmologie und Evolution bis hin zu Religion und Moral.

Der Text ist durchaus anspruchsvoll und setzt gutes Basiswissen und Begriffsverständnis voraus. Das kann sich der geneigte Leser ggf. bei den wissenbloggt-Bunge-Rezensionen anlesen (wb-Links). Das Lesen lohnt sich in jedem Fall, denn der Aufwand geht direkt ins Inhaltliche, ohne irgendwelche künstlichen Komplikationen.

Wie bei wissenbloggt üblich, ist der Rezensent Wilfried Müller nur glücklich, wenn auch ein bissel was zu bekritteln ist. Ja, an dem rundherum gelungenen Buch finden sich kleine Kritikpunkte, die hier aus der bungeschen Sicht angemerkt werden. Wie Bunge im Band III von Matter and Mind schreibt (wb-Links), gehört der Naturalismus um das Soziale, das Moralische, das Rechtliche, das Wissenschaftliche, das Technische, das Künstlerische, das Ökonomische, das Politische und das Kulturelle erweitert.

Was uns umgibt, ist ja zumeist nicht die Natur, sondern es sind Produkte unserer Kultur. Wir sitzen drauf, wir ziehen sie an, wir haben sie vor (und oft sogar auf) der Nase. Deshalb ist der Begriff Naturalismus schlecht geeignet. Der bungesche Begriff Materialismus trifft es wohl besser, auch wenn er die Attribute emergentistisch und systemisch braucht – genug der Abschweifungen.

Vollmer fängt mit den abstrakten "Gegenständen" Logik, Mathematik und Metaphysik an (hier hätte sich der allgemeinere Begriff "Objekte" angeboten). Er klärt, was ist die Natur der Logik, der Mathematik, und was ist Metaphysik? Er gesteht Logik und Mathematik eigentlich keine Natur zu, denn sie existieren nicht im "abstrakten Ideenhimmel", sie werden nicht entdeckt, sondern erfunden (sind also Produkte der Kultur). Und die Aussage zur Metaphysik lautet, es gibt schlechte (dogmatische) und gute (kritisierbare), und auch von der letzteren gilt: so wenig wie möglich.

Das Gegenteil gilt vom Realismus: so viel wie möglich. Vollmers Wahrheitsbegriff ähnelt dem von Bunge, der Tatsachen von Tatsachenaussagen unterscheidet; bei Vollmer ist ersteres die Wahrheit einer beschreibenden Aussage.

Vollmers Welt ist von Naturgesetzen gesteuert, wobei ihm auch Bunges klärende Unterscheidung Gesetze (implizit definiert) und Gesetzesaussagen (vom Menschen gemacht) abgeht. Aufwendig wird die Frage geklärt, ist die Welt deterministisch?

Nein, sie ist es nicht, denn es gibt den absoluten (Quanten-)Zufall, der "steht beim Beginn einer neuen Weltlinie." Das ist Vollmers Formulierung dafür, dass die Quantenereignisse die Weltläufte bestimmen.

Und wie ist die Welt entstanden? Da räumt Vollmer mit den Vorstellungen eines "Vorher" (vor dem Urknall) und eines "Schöpfers" auf – Naturalisten nehmen diese übernatürliche Krücke lieber nicht in Anspruch. Ähnlich ist es mit der Unendlichkeit der Welt, mit Mehrfachwelten und den Parametern des Universums. Warum die so sind, darüber gibt es nur – erfahrungswissenschafllich nicht seriöse – Spekulationen. Die Frage, warum gibt es überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts? setzt etwas Außerweltliches voraus und ist deshalb entweder sinnlos oder unbeantwortbar.

Evolution

Weiter geht's mit der Evolution und der Entstehung von Komplexität. Das steht nicht im Widerspruch zur Zunahme der Entropie, weil diese lokal auch abnehmen kann. Der Begriff Emergenz wird von Vollmer als Beschreibung akzeptiert. Wenn beim Entstehen von neuen Eigenschaften (wie meist) der Zufall eine Rolle spielt, gibt es dafür keine Ursache und daher auch keine vollständige Erklärung (das hätte gern durch ein Beispiel vertieft werden können).

Vollmer sieht Naturwissenschaftler als Reduktionisten, die das Gesamtsystem aus den Komponenten erklären möchten, im Gegensatz zu den Holisten, bei denen nur das Ganze zählt. Die aufkommenden Fragen heißen jetzt, wie entstand das Leben, wie entstand der Mensch? Ersteres liegt ziemlich im Dunkel, es könnte ja Vorstufen gegeben haben, von denen keine Spuren mehr existieren. Zu letzterem wird natürlich mit Darwin argumentiert. Dabei, wie auch bei der Entstehung der Sprache, sehen Naturalisten keinen Grund, an einer natürlichen Entwicklung zu zweifeln (wobei die Sprache eigentlich den Naturalismus in Richtung Kultur verlässt).

Und schon stellt sich die Sinnfrage, die Vollmer klipp und klar bescheidet: Naturalisten sind in der glücklichen Lage, sich nicht um die fragwürdigen Konstruktionen der Sinnstifter mit "Jenseits" und Übernatürlichem/Unzugänglichen kümnmern zu müssen. Sie haschen nicht nach einem objektiven Sinn und wählen frei ihren subjektiven Sinn.

Auch in den Fragen zum Leib-Seele-Problem wird der Dualismus mit seinen übernatürlichen Konstrukten abgelehnt. Vollmer spricht von unterschiedlichen "Projektionen", die den Innen- und Außenaspekt der Gehirnvorgänge schaffen (bei Bunge heißt es weniger irritierend "Eigenschaften"). Als Nicht-Dualisten lehnen Naturalisten natürlich auch die "unsterbliche Seele" ab.

Die Problematik ums Bewusstsein wird nur kurz umrissen, zumal sie ja noch ungeklärt ist – das ist das hard problem. Ob es außerirdische Intelligenz gibt, ist eine Frage der Spekulation, auf die Vollmer noch näher eingeht. Dort rechnet er mit den Ungewissheiten ab. In puncto künstlicher Intelligenz ist er optimistischer, wobei er eine interessante Argumentation pro und contra einführt:

Einerseits lösen die Computer immer mehr Probleme, wenn auch durch Primitivmethoden "brute force" (alle Möglichkeiten durchprobieren). Ja, aber wenn man Intelligenz so genau anguckt, erscheint gar nichts mehr als intelligent. Möglicherweise wirkt auch der Mensch nicht mehr intelligent, wenn man auf den Dreh kommt, wie er's macht.

Wille oder nicht

Ähnliche Überlegungen hätte man sich auch beim "Dauerbrenner" Willensfreiheit gewünscht. Da möchte Vollmer dem Naturalisten jenen deterministischen Standpunkt eintunken, der vor mehr als 10 Jahren durch die Medien ging: Es kann keinen Freien Willen geben, weil das Hirn deterministisch funktioniert. Davon ist der Erfinder inzwischen abgerückt (wb-Link schwört ab), und auch bei Bunge ist ein Sinneswandel eingetreten (wb-Link Bunge V gegenüber Bunge/Mahner II).

Laut Vollmer sagen Naturalisten nein, sie hätten nicht anders handeln können. Auch Zufall schaffe keine Willensfreiheit. Damit widerspricht er sich gleich doppelt:

  • Auf der nächsten Seite möchte er einen Verantwortungsbegriff kreieren, der ohne Willensfreiheit auskommt (also man kann nicht anders handeln und soll trotzdem dafür verantwortlich sein).
  • Auf der vorigen Seite stand die schöne Intelligenz-Analyse: Wenn man sie mikroskopisch anschaut, sieht es nicht mehr wie Intelligenz aus – dasselbe gilt doch auch für den mikroskopisch betrachteten Freien Willen, der dann auf Zufall und Spontaneität zurückgeht: Das Hirn ist in vielen seiner Aktivitäten spontan und selbstgetriggert (Bunge: self generated, siehe auch wb-Links Wille).

Religion

Dieser Punkt dürfte die einzige wirkliche Schwäche in Vollmers Buch sein. Dafür legt er auf den folgenden Seiten mit seiner Stärke los, der Religionskritik (die eigentlichen bei Goethe entlehnten Gretchenfragen). Religion hat wohl evolutionäre Wurzeln und mag Überlebensvorteile geboten haben. Das heißt aber nicht, dass diese Vorteile heute noch bestehen. Naturalisten lehnen Religion wie alles Transzendente und Dogmatische ab. Naturalisten glauben gar nix. Es gibt keinen gültigen Gottesbeweis. Religiöse Erlebnisse sind Halluzinationen und Selbsttäuschungen. Und nun die schöne Argumentation:

Existenzaussagen lassen sich belegen, aber nicht widerlegen. Deshalb liegt die Beweislast ("Beleglast") für Existenzaussagen beim Behauptenden. Überzeugende Beweise sind aber bisher nicht aufgetaucht.

Teufel, Engel, Dämonen, Gespenster, Geister auch nicht. Es mag schon mal hilfreich sein, dran zu glauben, aber wegen der damit verbundenen Ängste eher nicht. Ähnliches gilt für Wunder – das sind Verstöße gegen die Naturgesetze, und der Naturalist bestreitet, dass es sie gibt.

Ist dann eine naturalistische Moralbegründung möglich? Nur eine relative, sagt Vollmer, man muss sich halt auf ein paar Grundnormen einigen. Nur als Beispiel: "Die Begründungslast tägt der Veränderer." Und: "Ultra posse nemo obligatur" (Unmögliches zu leisten ist niemand verpflichtet). Und: "Künftigen Generationen soll es nicht schlechter gehen."

Als Abschluss werden Esoterik, Para- und Pseudowissenschaften so richtig schön abgefieselt. Was ist dran? Nichts. Vollmer hat sich die Mühe gemacht, eine lange Liste zusammenzustellen, von Aberglaube bis Zombies. Ein paar Gegenbeispiele werden aber auch genannt, wo der vermeintliche Aberglaube keiner war, etwa bei Soziobiologie oder Monsterwellen.

Nach einem geschichtlichen Zwischenspiel kommt dann noch die letzte Auflistung: Was gibt es für Naturalisten alles nicht? Keinen Gott, keine Seele, keine außerirdischen Besucher, keinen objektiven Sinn des Lebens, keine Unfehlbarkeit usw. usf. Sehr lesenswert.

 

Gerhard Vollmer, Gretchenfragen an Naturalisten, alibri, 111 Seiten, kartoniert, Euro 10, ISBN 978-3-86569-278-8, Neuauflage 2017.

Links von wissenbloggt:




® Übersetzungshilfe III+IV


earth-237955_1280(Bild: geralt, pixabay – Vorsicht, freilaufende Menschen)

Der krausen Sprüche gibt es viele, nur was bleibt über, wenn man sie in Klartext umformt? Dem geht dieser Artikel nach, wieder unter der Rubrik Humor, diesmal zuerst das Profane:

»Humor ist, wenn man trotzdem lacht.«
= das Gegenteil von Zähne zusammenbeißen – und nötig ist der Humor.

Rettungsschirm
= Umverteilungsinstrument zur Bankenbeglückung

Quantitative Easing
= Umverteilungsinstrument zur Beglückung von Banken und unsoliden Staaten

Steueroase
= Schurkenstaat, wo sich Steuerhinterzieher mit Großverbrechern treffen.

Börse
= Zockerbude

Hochfrequenzhandel
= Pervertierung des Börsenzwecks

»alternativlos«
= tun wir so, als ob es keine Alternativen gäbe.

»Wir schaffen das!«
= hängt euch gefälligst rein, damit ich mein Geltungsbedürfnis pflegen kann.

»Der Euro ist stabil.«
= weiterschlafen, Leute, damit wir ihn durch Wahnsinnsgeschenke auf eure Kosten stabilisieren können!

Wem bis jetzt nicht der Humor vergangen ist, der kann hier die sakralen Entschleierungen genießen:

»Du bist nicht allein.«
= Stimmt, denn wenn du das glaubst, hast du einen Schatten.

Religion (3)
= lat. für Rückbindung, das ist das Gegenteil von Freiheit.

Islam
= arab. für Unterwerfung, das ist das Gegenteil von Demokratie und Selbstbestimmung.

»Den Naturwissenschaften bleiben die Dimensionen des Wirklichen, die im Glauben an den Schöpfer benannt und erkannt werden, erschlossen.«
= wir bestimmen, was wirklich ist, und wenn die Wissenschaft noch so viele Beweise bringt und wir gar keine.

»Die Religion wird durch Zweifel über den Status des Mythos' hinausgehoben, nur der Aberglaube zweifelt nicht.«
= wir tun so, als würde der Glaube seine Theorie von der Existenz Gottes in Frage stellen wie die Wissenschaft.

»Wenn der Glaube nicht auf die Probe gestellt wird, ist er nichts wert.« (»Bewährungsprobe bestehen«)
= wir verlangen echte Unterwerfung, sonst gilt es nicht.

»Wie anders wächst der Glaube als durch Not und Unglück?«
= in Not und Unglück sind wir da, um euch zu helfen, und zwar zum rechten Glauben (d.h. Gott hat's mal wieder versaubeutelt – der Spruch passt auf alles).

»Die christliche Vision liegt den Errungenschaften und Werten der Kultur zugrunde.«
= wir vereinnahmen die Kultur, auch wenn ihre wesentlichen Errungenschaften gegen die Religion erkämpft wurden.

»Fürchtet euch nicht!«
= Fürchtet euch sehr vor dem Bären, den wir euch aufbinden, aber kauft uns den Schmus ab, wir würden euch vor ihm beschützen.

»Sie haben nicht verstanden, worum es geht. Sie sind nicht von der Erleuchtung berührt und werden nicht der göttlichen Seligkeit teilhaftig.«
= glaube blind und habe Angst, dass dir was entgeht.

»Der Glaube fördert die Würde des Menschen und erleuchtet den tiefsten und letzten Sinn des Seins.«
= Verdummung adelt.

»Gott ist nur aufgrund göttlicher Offenbarung erkennbar. Es gibt keinen Vernunftbeweis für die Existenz Gottes.«
= glaube blind (das ist ein logischer Zirkelschluss, der für alles gilt – und es gibt eine Menge »Vernunftbeweise«  gegen die Existenz Gottes).

»Das kann der menschliche Verstand nicht erfassen.«
= glaube blind.

»Eine rein positivistische Kultur, die die Frage nach Gott nur im persönlichen Bereich zulässt, wäre eine Kapitulation der Vernunft, ein Verzicht auf ihre Möglichkeiten und damit ein Absturz der Humanität.«
= unsere übergeordneten Werte wurden vom Humanismus gegen die Religion erkämpft, deshalb wird mit dieser doppelten Vereinnahmung nicht nur die Vernunft besudelt, sondern auch die Humanität.

»Ich habe Gott geschaut.«
= mein Hirn hat mir etwas vorgegaukelt, auf das ich begeistert hereinfalle.

 

(Dieser Artikel erschien zuerst am 1.9.13 und wurde am 1.9.18 überarbeitet und ergänzt.)

Links zu weiteren Humor-Artikeln:




Elektro hin und Diesel her, Autofahren ist so schwer


allianzschiene2018PNVZur Abwechslung mal wieder der Diesel. Das ist ausgleichende Gerechtigkeit, denn vor ein paar Tagen war mal wieder das Elektromobil dran. Diesmal geht es speziell um die sozialen Aspekte vom Diesel-Bohei, und auch ein wenig um Beruhigung der künstlichen Aufregung. Dazu soll hier strikt wissenschaftlich vorgegegangen werden. Zu diesem Behufe wird hiermit der Begriff artifical brouhaha (AB) geprägt (Bild: Allianz pro Schiene).

Wie wenig am artifical brouhaha dran ist, zeigen die Schaubilder von der Konkurrenz (1.). Benzin- und Diesel-PKW zusammen wird im Personennahverkehr kaum mehr NOx-Emission zugeschrieben als dem Bus (auf Personenkilometer berechnet). Noch schöner wär's gewesen, wenn Benzin und Diesel getrennt gezeigt würden. Dann würden die Benziner mehr Energieverbrauch und Treibhausgase aufweisen und die Diesel mehr Stickoxide. Alles kein Grund für brouhaha.

Zumal dahinter ein von Partikularinteressen angetriebener Lobbyismus steckt, der dem NOx des Diesels 7.000 Tote pro Jahr zurechnen möchte. Dem Rauchen werden 140.000 Tote zugerechnet, und wenn man dasselbe Konzept auf die Akku-Gifte anwendet, kommen bestimmt auch Tausende von Toten raus.

Diesen spekulativen Toten steht eine reale Vernichtung von Milliardenwerten gegenüber. Wegen Bohei und brouhaha sind alte Diesel-Autos unverkäuflich geworden (2.). Dabei galten Dieselfahrzeuge vor einigen Jahren noch als umweltfreundlich, und ihr Kauf wurde gefördert. Der Kraftstoffverbrauch war geringer als beim Benziner und der Ausstoß an CO2 ebenfalls. Nun stellt man die Stickoxyde NOx in den Vordergrund, und das ganze kehrt sich um. Der Benzinmotor soll jetzt umweltfreundlicher sein, und die Dieselfahrzeuge werden geächtet (3.). Das schlagende Argument sind die spekulativen Toten-Zahlen.

Mit den Zahlen ist das allerdings so eine Sache. Die Allianz pro Schiene kommt z.B. auf einen Primärenergieverbrauch von 6,1 l Benzin pro 100 Personenkilometer beim PKW und auf 1,1 l bei der Bahn (Benzin aus Diesel oder Strom umgerechnet). Eine Gegenrechnung der FAZ ergibt 5,2 l für den PKW und 3,9 l für den ICE (4.). Da schneidet die Bahn gar nicht gut ab. Die Schienen-Befürworter können aber die Verkehrstoten in die Kalkulation einbeziehen: Von den gut 3.000 Verkehrstoten pro Jahr kann man vielleicht 500 dem Ferrnverkehr zurechnen (ca. 400 auf der Autobahn incl. Motorradfahrer). Das ist im langjährigen Schnitt das 50-fache wie bei der Bahn (5.) und rechtfertigt allemal den Titel … Autofahren ist so schwer.

Es wurde aber was Soziales versprochen, und das wird nun anhand des Scharf-links-Artikels von G. Karfeld (3.) geliefert. Das Wechselspiel Diesel hui, Diesel pfui ist nämlich ein lukratives Geschäft für die Autoindustrie. Wenn es Fahrverbote für den Diesel gibt, werden eine Menge Benziner oder auch Elektros verkauft.

Und der Verlierer ist – wieder mal der Nichtprivilegierte. Jeder, der alte Diesel-Autos fährt, jeder, der den Diesel braucht, weil er pendeln muss und sparsam fahren muss, und der nicht das Geld hat, sich alle paar Jahre ein neues Auto zu kaufen. Schließlich ist nach so kurzer Zeit der Verlust am größten.

Der Hauptkritikpunkt aus sozialer Sicht ist, dass man keine Fahrverbote aussprechen darf, ohne entsprechenden öffentlichen Personennahverkehr anzubieten. Naja, die Umweltbilanz vom ÖPNV ist nicht gar so günstig, wie die Grafik oben zeigt, und wenn man die FAZ dran rechnen lässt, fällt sie vielleicht noch ungünstiger aus.

Hinzu kommt noch ein Punkt, der gern vergessen wird: Kein Neuwagen ist ein sauberes Gefährt, denn zu seiner Produktion wird viel Umwelt verbraucht. Man darf also nicht nur die Belastungswerte alt/neu vergleichen, sondern man muss die Hypothek einkalkulieren, mit der der Neue ins Rennen geht. Das bedeutet meistens: Den Alten fahren, solange es geht.

Auch deshalb darf man das Scharf-links-Fazit unterstreichen: Fahrverbote dienen der Automobilindustrie; wer wirklich saubere Luft haben will, propagiert den Ausbau des Nahverkehrs und nicht Fahrverbote (Bild: Allianz pro Schiene).

allianzschienePFV Bleibt bloß das ewige Mysterium: Warum trifft es immer nur VW? Jedesmal wenn es happige Strafen gibt, sind die auf VW gezielt. Dabei sind die anderen genauso aufgestellt (6., 7., 8., 9.). VW hat nicht mal das Urheberrecht für Diesel-Täuschung. Ein Leserkommentar zu 6. berichtet, dass Daimler schon 2003 durch die Verkehrsbehörde des Bundesumweltamtes unter Leitung von Axel Friedrich des Betruges überführt wurde. Damals betraf es LKWs, und auch dort erkannte die Software den Prüfzyklus, so dass sie bei der Prüfung sauber arbeiten konnte und auf der Straße eben nicht mehr.

Vor 15 Jahren kam man noch ohne artifical brouhaha aus, deshalb ist die Kunde davon nicht verbreitet worden. Das Messen mit zweierlei Maß bei VW im Gegensatz zu den anderen ist allerdings ein Punkt, für den nun bittesehr etwas mehr AB fällig wäre.

 

Medien-Links:

  1. Allianz pro Schiene (Grafiken von Allianz pro Schiene): Die Allianz pro Schiene bringt den umweltfreundlichen Schienenverkehr in Deutschland voran. In unserem gemeinnützigen Verein arbeiten 23 Non-Profit-Organisationen und über 140 Wirtschaftsunternehmen zusammen.
  2. Gebrauchtwagen: Alte Diesel werden verstärkt ins Ausland verkauft (Zeit Online 7.8., 190 Kommentare): Der Export von gebrauchten Dieselautos ist um 20 Prozent gestiegen. Vor allem in die Ukraine haben sich die Ausfuhren gesteigert. Ein Grund dürfte der Abgasskandal sein.
  3. Luftqualität und Fahrverbote für Dieselfahrzeuge (scharf links 30.8.): Fahrverbote aussprechen, ohne alternative Verkehrsmittel wie den öffentlichen Nahverkehr auszubauen stellt keine Lösung dar. … Wer wirklich saubere Luft haben will propagiert den Ausbau des Nahverkehrs und nicht Fahrverbote. Fahrverbote dienen der Automobilindustrie.
  4. Klimabilanz der Bahn : Noch eine unbequeme Wahrheit (Frankfurter Allgemeine Zeitung 14.10.07): Sind Eisenbahnfahrer große Energiesparer? Solange die Bahn so betrieben wird wie heute in Deutschland, wohl kaum. Rein rechnerisch könnte man sich fast gleich ins Auto setzen …
  5. Verkehrssicherheit Nichts ist gefährlicher als eine Fahrt im Auto (Welt 13.12.17): Bahnen und Flugzeuge sind die sichersten Verkehrsmittel. Busse schneiden nicht viel schlechter ab. … Autofahren birgt das größte Risiko.
  6. Rückruf bei Daimler: Die Autoindustrie kommt schon wieder damit durch (Zeit Online 12.6., 420 Kommentare): Die Bundesregierung hat im Abgasskandal erneut auf Bußgelder verzichtet, es gibt für Daimler nur einen Pflichtrückruf. Das ist inakzeptabel, so entsteht kein Vertrauen.
  7. Abgasnorm: Welcher Neuwagen wirklich sauber ist (Zeit Online 11.6., 240 Kommentare): Immer mehr Automodelle erfüllen die zukunftsfähige Abgasnorm Euro 6d-Temp. Vorbildlich sind die Marken Peugeot und Citroën, bei VW läuft die Umstellung schleppend.
  8. Saubere Diesel: So gut sind die neuesten Euro 6d-TEMP-Modelle (ADAC 23.4.): Der ADAC hat erstmals drei Diesel-Modelle mit der neuen Schadstoffnorm Euro 6d-TEMP getestet, um zu prüfen, wie gut sie die Stickoxid-Grenzwerte einhalten.
  9. Abgasskandal – Import-Fahrzeuge viel dreckiger als deutsche Autos (Süddeutsche Zeitung 4.9.17): Das CAR-Institut der Universität Duisburg-Essen hat die Abgaswerte von 138 Autos aktuellen Euro- 6-Dieselautos verglichen. Im Schnitt stoßen sie beim Fahren auf der Straße das 5,3-Fache des in Europa erlaubten Grenzwerts von 80 Milligramm Stickoxid aus. Dabei schnitten die Modelle deutscher Hersteller sehr gut ab, die Fahrzeuge von VW waren in der Untersuchung sogar die saubersten.

Links von wissenbloggt dazu:




® Übersetzungshilfe I+II


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(Bild: JulianGough, pixabay, übersetzt – Achtung, nicht auf den Zaun leh….)

Übersetzungshilfe für religiöse und ideologische Sinnsprüche

Der davongelaufene deutsche Papst wollte die Bibel in alle Sprachen übersetzen. Wie wär's zur Abwechslung mal in die Sprache der Wahrheit? Was fällt einem beim religiösen Sprachgut denn zuerst ein? Richtig, das Weihevolle, Abgehobene. Aber worin besteht der reale Gehalt, wenn man das Sakrale entstrubbelt? Was bleibt über, wenn man es in Klartext umsetzt?

Dieser Frage soll hier nachgegangen werden. Ohne Scheu vor divinen Größen bringt wissenbloggt eine Gegenüberstellung von ausgewählten religiösen Sentenzen aus dem evangelischen und katholischen Zitatenschatz mit dem, was wirklich hinter dem Sakralen dahintersteckt. Das Ganze wird mit einigen Sprüchen aus dem profanen Bereich abgerundet.

Und warum firmiert das unter Humor? Auch wenn's oft nur lächerlich ist: besser schlecht gelacht als gut geärgert. Hier also die sakralen (Un-)Wahrheiten:

»Ich weiß, dass es Gott gibt.«
= ich kann wissen und glauben nicht auseinanderhalten.

Schöpfer
= logischer Irrtum, denn wer schuf den Schöpfer?

»Gottes Wege sind unerforschlich.«
= es herrscht Zufall, und wenn's mal kommt wie gewünscht, vereinnahmen wir das für unseren Gott.

»In den Schriften werden nachprüfbare Tatsachen berichtet, denn sonst hätte das damals keiner geglaubt, und man hätte die Apostel ausgelacht.«
= tun wir so, als ob diese Leute nur das glauben würden, was sie sehen (wie es wirklich ist, zeigt der nächste Spruch).

»Selig sind, die glauben ohne zu sehen.«
= sei dumm, glaube blind.

»Wir Menschen sind zu klein, um die göttliche Existenz wahrzunehmen – wir müssen das Fragen sein lassen und für die Gnade des Glaubens dankbar sein.«
= sei so dumm, blind zu glauben, und sei auch noch dankbar dafür.

»Es gibt Realitäten, die für unsere Begriffe zu groß sind.«
= glaube blind, nochmal anders.

»Gott ist jenseits des menschlichen Verstands.«
= glaube blind, schalte den Verstand aus.

»Es ist vernünftig, zu glauben.«
= wir wollen die Vernunft als Gegnerin des Glaubens entmachten und vereinnahmen.

»Jesus lebt!«
= wir hätten gern, dass es so sei, und weil's nicht so ist, tun wir so als ob.

»Glaube und Vernunft sind wie zwei Flügel, mit denen sich der menschliche Geist zur Wahrheit erhebt.«
= wir wollen Vernunft und Wahrheit für uns umdefinieren und missbrauchen.

»Der Glaube ist der Schritt ins Ungewisse, ohne den würden wir nie erfahren, was zu fühlen wir in der Lage sind.«
= Dummheit tut nicht weh (das sagt prima aus, was von den »Glaubensgewissheiten« zu halten ist).

»höhere Wahrheit«
= Lüge

»Offenbarung«
= Gerücht

»Die Wissenschaft schließt die Gottesfrage aus, das ist ein unwissenschaftliches Vorgehen und eine Verkürzung des Radius' von Wissenschaft und Vernunft.«
= wir tun so, als ob da etwas dran wäre, was überprüfbar und nachweisbar ist (der nächste Spruch zeigt, wie es wirklich gemeint ist).

»Religion ist Hirnforschung ohne Abitur.«
= (dieser Spruch ist von der Gegenseite entlehnt.)

»Wer nichts weiß, muss alles glauben.«
= (auch ein Lehnwort.)

»Zefix«
= Himmiherrgottsakramentzefixmilecktsamarschscheißglumpverreckts

Nachdem wir nun bei den bayerischen ewigen Gewissheiten gelandet sind, ist das Profane nicht mehr weit. Hier kommt eine Sammlung von Übersetzungen, die bis in den Bereich des Gottes Mammon vordringen:

»Ich misstraue der Wissenschaft, weil die Wissenschaft allem misstraut.«
= Idiotenlogik

»Die Menschen sind mit Selberdenken überfordert. Religiöse Führung ist besser fürs Gemeinwohl.«
= das denken die Mullahs im Iran auch.

»eine größere Macht ist am Werke.«
= ja, die Macht der Dummheit.

Wissenschaft
= Wahrheitssuche

Religion
= Denkmalspflege

»benötigen«
= Täuschung, die Mrd. landen bei den Reichen, die keine Not kennen, und geholt werden sie von den notleidenden Staatskassen.

Rettungsschirm
= Umverteilungsinstrument zur Bankenbeglückung.

Steueroase
= Schurkenstaat, wo sich Steuerhinterzieher mit Großverbrechern treffen.

»Deutschland profitiert vom Euro.«
= wenn sie so doof sind, dass sie das glauben, können wir ihnen alle Schulden der Welt aufpacken.

»Deutschland profitiert von der Immigration.«
= wenn sie so doof sind, dass sie das glauben, können wir ihnen alle Schulden der Welt aufpacken.

Euro
= größte Umverteilungskiste seit dem Kommunismus, nur andersrum: die Arbeiterklasse beschenkt die Kapitalisten.

Vertragstreue
= altmodischer Wert, über den man sich heute lustig macht, haha!

Eigenverantwortung
= auch altmodisch und lächerlich, haha haha!

Versprechen
= schön dumm, wer drauf reinfällt, haha haha lol lol!

Wahlversprechen
= witzig, witzig, hahaha hahaha lol lol lol!

lol
= laugh out loud = laut herauslachen = hahaha hahaha!

 

(Dieser Artikel erschien zuerst am 25.8.13 und wurde am 29.8.18 überarbeitet und ergänzt.)

Links zu weiteren Humor-Artikeln: