Perverse Logik der modernen Sklaverei


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Dass es moderne Sklaverei gibt, ist kein Geheimnis. Sogar in Europa gibt es  Arbeitssklaven in Gewächshäusern und Plantagen und Sexsklavinnen in den Bordells (Bild: Leibeigene, ca. 1310, Wikimedia Commons).

In Afrika, Asien, Arabien und Amerika ist Sklaverei durchaus verbreitet (1.). Die Rede ist von echter Sklaverei, nicht bloß von Lohnsklaverei und Schuldknechtschaft. Dabei spielen Elemente des einen beim anderen eine Rolle. Darüber berichtet der britische Professor of Business and Society von der University of Bath, (2.).

Die besondere Perversion dabei: Es gibt Sklaven, die weniger arbeiten, als sie wollen. Die Logik hinter dieser speziellen Form der Ausbeutung ist verdreht, aber zwingend.

Zunächst ein paar Takte aus Cranes Bericht referiert: Demnach bezeichnet "moderne Sklaverei" die schlimmsten Formen der Ausbeutung. Das trifft auf junge Mädchen zu, die zur Prostitution gezwungen werden, auf Bauarbeiter, die in Knebelverträgen gefangen sind, auf Migranten, die für Jahre auf Fischerbooten ohne Bezahlung arbeiten müssen.

Die Kreativität der Ausbeuter kennt kaum eine Grenze. Sie generieren Profite für sich selbst auf Kosten der anderen. Die Profite sind so enorm wie die Kosten schrecklich sind. Es wird Gewalt angewendet, um die Opfer in Rollen zu zwingen, die sie freiwillig nicht annehmen würden. Anstrengende, gefährliche Arbeit von morgens bis abends, für Hungerlohn oder zum Abarbeiten von Schulden – so werden die Kosten gesenkt und die Produktivität erhöht.

Aber nicht immer. Cranes Forschungen brachten auch ein anderes Ausbeutungsmodell zum Vorschein. Speziell bei Arbeitssklaven in der Landwirtschaft gab es eine neue Form der Unterbeschäftigung. Sie arbeiteten für längere Perioden nur kurz oder gar nicht. Wie verträgt sich das mit der Optimierung der Ausbeutung?

Der Professor liefert eine plausible Erklärung. Selbst für entrechtete Arbeitssklaven kann es im Sinne der Ausbeutung sinnvoll sein, sie nicht zu beschäftigen. Es gibt nämlich nicht nur eine Art der Ausbeutung. Da greifen mehrere Strategien ineinander.

Arbeitskosten reduzieren ist die offensichtliche Methode. Aber es gibt ja noch die Schuldknechtschaft. Wenn die richtig eingesetzt wird, bindet sie die Arbeiter genauso wie physische Gewalt. Das Verfahren ist einfach:

Zuerst werden die Arbeiter in ein europäisches Land gelockt, z.B. Großbtritannien. Der Ausbeuter verspricht ihnen Geld, Unterkunft und Arbeit – und dann gibt er ihnen absichtlich keinen Job. Er vertröstet sie, den Job gäbe es in 2, 3 Wochen. Sie können in der Unterkunft bleiben, sie bekommen ein Handgeld zum Überleben. Zurückzahlen ist erst nötig, wenn sie Geld verdienen. Das hört sich alles ganz nett an, aber so wird der Einstieg in die Schuldknechtschaft geschaffen. Die beschäftigungslosen Arbeiter schulden immer mehr, sie können nicht weggehen, weil ihnen sonst niemand Geld und Job gibt.

Die Perversion geht noch weiter. Der Ausbeuter verkauft den Arbeitenden alles extra teuer. Er zieht zusätzliche Profite aus überteuerten Gütern und Leistungen, welche die Arbeiter mangels Alternative in Anspruch nehmen müssen. Wohnung, Essen und Transport werden zu Monopolpreisen angeboten, und den Ausgebeuteten bleibt nichts anderes übrig als zu akzeptieren. Der Ausbeuter steigert dadurch nicht nur seine Gewinne, er verstrickt die Arbeiter immer tiefer in Schulden.

Um den Schulden zu entkommen, greifen die Arbeiter auch auf Gelder von Familienmitgliedern zurück – noch ein zusätzlicher Profit für den Ausbeuter. Ansonsten sorgen überzogene Zinsen dafür, dass die Ausgebeuteten ihre Schulden nicht abzahlen können. Das Geschäft läuft also immer weiter, es mündet in einen Zyklus von Schulden und Ausbeutung, der kaum mehr aufzubrechen ist.

Das Besondere des Geschäftsmodells ist, dass es sozusagen verfeinert ist. Kein direktes Auspressen von möglichst viel Arbeitsleistung aus möglichst wenigen Sklaven unter der Knute. Nein, der Ausbeuter holt sich absichtlich viel mehr Arbeiter, als für den Job nötig sind, und dann lässt er sie schmoren. Sie sind ja notgedrungen auch Konsumenten, die keine Wahl haben, als die Güter und Leistungen des Ausbeuters zu konsumieren.

Sie können nicht anders, als sich in Schulden zu verstricken. Die beschäftigungslosen Sklaven sind keine Verirrung, sie sind ein neues Geschäftsmodell. Crane sieht sie als Illustration der ständigen Innovation auf dem Gebiet der Ausbeutung.

Was es sonst noch an schauerlichen Methoden gibt, belegen die weiteren Links. Der ISIS, der aus Geldknappheit Sexsklavinnen auf Facebook verhökert (3., Kosten 8000$). Der ISIS, der Verwundete tötet, um deren Organe zu vermarkten (4.). Kinder, die in die Sklaverei verkauft werden (5. und 6.).

Und derweil kaspert unsere Politik herum, um selbstausgesuchten Hilfenachfragern möglichst optimal zu helfen, während für einen Bruchteil der Kosten woanders viel mehr Humanität möglich würde. Wahrhaft pervers.

 

Medien-Links:

  1. Modern Slavery Grows (New York Times 2.12.14): Global slavery has become a profitable growth industry generating an estimated $150 billion a year in illicit profits. Modern-day slaves include construction workers in the Persian Gulf, girls from Nepal trafficked into prostitution, shrimp fishermen on Thai ships, children in India working in brick kilns and garment workers in Bangladesh. Slavery is also present in prostitution rings, and even in private homes that employ domestic workers in the United States and Europe.
  2. Some people trapped in ‘modern slavery’ are underworked – and they pay a heavy price for it (The Conversation 18.6.): People trapped in modern slavery situations endure terrible conditions, threats to their safety, and limits on their freedom. Yet sometimes, they actually do less work than they really want to. It may sound unlikely, but as a business model of exploitation, it has its own warped logic.
  3. Cash-Strapped ISIS Is Selling Sex Slaves On Facebook: Asking Price $8,000 Each (Zero Hedge 29.5.): One month after disturbing reports emerged that the cash-strapped Islamic State regime, … has been killing its own fighters in order to sell their organs, as well as paying $50 to fighters for every female sex slave they own, ISIS has now tapped into yet another critical cash-flow stream: selling female sex slaves.
  4. Cash-strapped ISIS killing injured fighters to sell organs: Reports (Times of India 20.4.16): Cash-strapped Islamic State terror group has been killing its injured fighters so that their organs can be extracted and sold on the black market abroad, according to media reports. … Iraqi Ambassador to the United Nations Mohamed Alhakim had made the similar accusations last year, saying that the ISIS is trafficking human organs and has executed a dozen doctors for failing to go along with the programme.
  5. Number Of Children Forced Into Slavery Hits All-Time High (Zero Hedge 26.3.): Statistics released by the NCA (National Crime Agency) show the number of potential victims of slavery has increased by 35% to 5,145 since 2016 – the highest since records began in 2009.
  6. Cash-Starved ISIS Offers Incentive Pay For Fighters: $50 Per "Female" Sex Slave (Zero Hedge 25.4.16):

    • For each of his two wives, al-Jiburi would receive an extra $50.
    • For each of his six children under age 15, he would get another $35.
    • Any “female captive” – sex slave – would entitle him to an additional $50.

Links zu wissenbloggt-Artikeln:




Die Schamlosen - mediale Manipulation gekontert


fear-299679_1280Die Spur der Dogmendealer ist leicht aufzunehmen, zumal sie sich durch die ganzen Mainstreammedien zieht. Ein aktueller Text erschließt, wie manipulativ argumentiert wird: Bei Umkehrung gelten die Argumente größtenteils auch in der konträren Richtung (Bild: SEVENHEADS, pixabay).

In diesem Artikel ist wissenbloggt wieder in Sachen Verlogenheitsbewältigung tätig. Ein Meinungsartikel aus der SZ wird gekürzt wiedergegeben, wobei die Argumentation 1:1 übersetzt ist, von der linksgrün-dogmatischen Position in die rechts-pragmatische. Vielfach muss kein Wort geändert werden, und es gilt genauso für die Gegenseite. Der "übersetzte" Text ist geeignet, einen linksgrünen Shitstorm hervorzurufen. Er liest sich wie ein populistisches rechtsradikales Pamphlet, was allerhand über den Ursprungstext aussagt.

Und natürlich über die Manipulationsbereitschaft der SZ. Und darüber, wie skrupellos da mit zweierlei Maß gemessen wird: Von links darf gehetzt werden ("Verbrecher"), von rechts aber nicht.

Die implizite Vereinnahmung von "Demokratie" für den linksgrün-dogmatischen Minderheiten-Standpunkt gilt hier natürlich ebensowenig wie die Dogmen, richtige Hilfe ist nur, wenn alle herkommen, und Aufklärung bedingt Grenzöffnung. Besonders frappante Gleichklänge links-rechts sind markiert mit (!), Übersetzungen sind kursiv, Auslassungen sind als (gekürzt) notiert, alles andere ist 1:1:

Die Schamlosen

Populisten betreiben überall in Europa die Demontage der freiheitlich-demokratischen Gesellschaft. Dagegen müssen die Bürger jetzt aufstehen (!). Denn es geht um die Frage, ob die Werte bleiben, die Europa geprägt haben – oder ob die Gegenaufklärung kommt.

(gekürzt, da wird christlich fabuliert)

Gibt es eigentlich, wenn schon keinen Stil, in der derzeitigen Politik von Deutschland bis Schweden noch so etwas wie Scham? Die Herren der neuen Bessermenschlichkeit führen nicht nur eine Sprache im Mund, die bestürzend an die Nazizeit erinnert (so, wenn Normalbürger als "Rechtsradikale", "Rassisten" und "Fremdenfeinde" tituliert werden), sie handeln auch in einer Weise, die man noch vor einem halben Jahrzehnt in Europa für ausgeschlossen hielt. War nicht, bei allen gelegentlichen Irritationen, doch Verlass auf den unzerstörbaren Zusammenklang von europäischem Frieden und Menschenrechten? Von Gemeinsinn und Mitmenschlichkeit bis zu den Grenzen von Europa? Erschien es uns nicht, als seien die bitteren Lehren aus der Preisgabe des Abendlandes durch die Nazis ein für allemal gezogen worden, nämlich jenes entschiedene "Nie wieder!", das vermeintlich zeitloser Konsens wurde und für jegliche Zukunft die Absage an Politwillkür und Despotie enthielt?

Nein. Wie in einem verblassenden Traum steht man ratlos da und fragt sich, was zu tun wäre, während das Menetekel an der Wand leuchtet (!). Vielleicht fühlten sich die Menschen seinerzeit ähnlich, am Ende der Zwanzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts, vor dem absehbaren Niedergang von Vernunft und Anstand und dem sich ankündigenden Aufstieg der Verbrecher. Plötzlich empfindet man die eigenen Fragen an die damalige Generation als hochmütig, warum sie nicht rechtzeitig handelten, als es noch möglich war.

Was tun? Wer könnte, sollte dieser Finsternis des Geistes entschieden Widerstand leisten? Alle, denen an einer menschenwürdigen Zukunft liegt. Parlamentarische Opposition aber, Verbände und Kirchen sind von einer unfassbaren rhetorischen und argumentativen Schwäche befallen (!). Sie maulen herum, statt zu offenem Disput zu schreiten, wie er dringend nötig wäre, um diejenigen zu ermutigen, die noch immer nicht glauben wollen, was da mit ihrem Europa geschieht – dessen Emanzipation und Gedankenfreiheit, Friedfertigkeit und politische Umsicht mit zwei Weltkriegen erkauft sind, den entsetzlichsten Blutbädern der Geschichte, angerichtet von Rassismus, Größenwahn und Nationalismus.

Was da geschieht und gemeinhin mit dem Begriff Willkommenskultur beschönigt wird, ist nichts anderes als die Demontage der Grundpfeiler unserer in siebzig Jahren gewachsenen freiheitlich-demokratischen Zivilisation, in der politische Disparitäten mehr oder minder besonnen, vor allem aber mit wechselseitigem Respekt festgestellt wurden (!). Jetzt missbrauchen Demagogen von Mainstreammedien, Parteizentralen und Kanzleramt die Demokratie zum Zweck ihrer Beseitigung. Solche Vergewaltigung zielt auf die Eliminierung der zuvor gültigen Rechtsnormen und beginnt, wie immer, mit Zensur: Unbeobachtet und unkritisiert kann man eine Gesellschaft am leichtesten in die Unmündigkeit führen (!).

In Europa geht es aber längst nicht mehr, wie noch beim Brexit, um die Frage, wie viel Lüge ein Staat sich leisten kann, ohne darin zu versinken. Es geht um eine Richtungsentscheidung für den Kontinent. Es geht um die Frage, ob das, was Europa geprägt hat und was ihm die Bewunderung der Welt eintrug – nämlich die geistige Befreiung aus den Ketten vererbter Macht und klerikaler Einschüchterung, die Überwindung historischer Ressentiments und die Emanzipation von überkommenen Geisteshaltungen – weiterhin gültig bleiben kann; oder ob wir in eine Phase der Gegenaufklärung schlittern, in der sich unter den Lippenbekenntnissen zu Demokratie und Europa eine Wirklichkeit aus Selbsthass, Pseudo-Gutmenschentum und zutiefst inhumaner Heuchelei ausbreitet.

Die Leichtfertigkeit, mit der sogenannte Gutmenschen hierzulande bis dato unumstößliche Verfassungspositionen zwecks parteipolitischer Machtergreifung auf die Klientel von links außen geräumt haben, ist ein Alarmzeichen. Man kennt aus der Geschichte die Anfälligkeit demokratischer Parteien, extremistische politische Kräfte zu umgarnen – in der Hoffnung, sie dadurch zu zähmen. Derart hochmütige Abenteuer erwiesen sich noch stets als Irrtum mit desaströsen Folgen. Fassungslos muss man zur Kenntnis nehmen, dass derselbe Weg erneut beschritten wird; wieder werden die no-border-Parolen der extremen Linken kopiert, statt sie zu dekuvrieren und offensiv zu bekämpfen; und wieder stärkt es diese Kräfte (gekürzt, Passus mit AfD und CSU).

Offensichtlich trauen die verbliebenen demokratischen Parteien in Europa den eigenen Grundsätzen so wenig zu, dass sie wie das Kaninchen auf die Schlange starren, statt entschlossen gegen die antidemokratischen Ideologen vorzugehen. Wie war das noch mit der "wehrhaften Demokratie", als die Bundesrepublik sich durch die Terroristen der RAF so bedroht fühlte, dass die Parlamentarier bis hart an die Grenzen der Verfassung gingen? Die Bedrohung, der sich Europa heute ausgesetzt sieht, ist unvergleichlich höher. Es ist keineswegs ausgeschlossen, dass regierungsamtliche Volksverhetzung und Terror von Immigranten sich die Hand reichen werden (gekürzt, Passus mit Macron und Le Pen).

"Man muss auch den Mut zur Intoleranz denen gegenüber aufbringen, die die Demokratie gebrauchen wollen, um sie umzubringen", sagte Carlo Schmidt 1948 im Parlamentarischen Rat. Dafür muss man beherzt und besonnen aufstehen gegen die Ideologen und bigotten Heuchler, die Schein-Barmherzigen, die Schamlosen, die Profiteure um jeden Preis. Wenn wir rechtzeitig handeln, schaffen wir das.

 

Medien-Link:

Außenansicht – Die Schamlosen (Süddeutsche Zeitung 19.7.): Populisten betreiben überall in Europa die Demontage der freiheitlich-demokratischen Gesellschaft. Dagegen müssen die Bürger jetzt aufstehen. Denn es geht um die Frage, ob die Werte bleiben, die Europa geprägt haben – oder ob die Gegenaufklärung kommt.

Links von wissenbloggt:




® Göttliches Ablaufdatum überschritten


polyatheistGötter vom monotheistischen Unkulturkreis sind immer die einzig wahren Götter, und sie sind unvergänglich. Die Beweislage ist aber mau. Der jüdische Gott Jahwe wurde vor 2.500 Jahren geschöpft. Die Erschaffung des erweiterten christlichen Trios Gott / Jesus / Heiliger Geist / Gottesmutter Maria datiert vor 2000 Jahren, den islamischen Allah ersann man vor rund 1500 Jahren.

(Bild: Polyatheist) Um den Dreh herum konnte man den Exitus der griechisch-römischen Götterriege beobachten. Zunächst wurde die Truppe des griechischen Zeus' noch recycled zur römischen Jupiter-Crew. Dann musste die sich dem christlichen Gott samt seinen zweieinhalb halboffiziellen Mitgöttern geschlagen geben. Interessanterweise war der christliche Gott eigentlich ein no-name-Produkt, der hieß nur Gott und nix weiter. Dafür hat der Allah 99 Namen, auch wenn er bloß ein Einzelkämpfer ist.

Der Kern dieser kleinen Auflistung ist einmal die Tatsache, dass es den einzig wahren Gott mehrfach gibt – so dass sich für jeden davon eine Mehrheit von anderen ergibt, die seine Existenz negiert ("nur unserer ist der einzig wahre"). Und dann ist da dieses Ablaufdatum der unvergänglichen göttlichen Gruselgestalten: Die Götter überleben sich wie alles andere auch.

An das expiration date erinnert der Friendly Atheist (1.)  Die USA sind nicht nur bible belt, es gibt dort auch kritische Geister.graveyardofthegods1 Und die haben den Göttern einen Friedhof spendiert (Bild: Patheos, Friendly Atheist).

Jedes Jahr tun sich Atheisten, Humanisten und Agnostiker der University of Wisconsin–Madison zusammen, um einen fantastischen “Graveyard of the Gods” aufzubauen. Das soll die Studenten an all die Götter erinnern, die einst angebetet wurden, an die geglaubt wurde, und die nun vergessen sind (3.). Wieviel länger werden die heutigen Götter bestehen?

Das Schild sagt so schön "here lie …" Weil das Wort lie auch Lüge bedeutet, darf man die Aussage noch etwas ausspinnen. Schließlich haben die tüchtigen Leute von der Uni Wisconsin–Madison nicht wirklich was zu verbuddeln. Keine Totelschädel, keine Gebeine. Götter gibt's ja nur in der Phantasie der Gläubigen, und nicht in der Realität.

Trotzdem darf man mal so tun, als ob's sie gegeben hätte, um auf die Diskrepanz zwischen ewigem Anspruch und begrenztem Ablaufdatum hinzuweisen. Der Götterfriedhof wird in einem weiteren Artikel mit Bildern ausstaffiert (2.), mit der ketzerischen Frage, What’s stopping Allah and Yahweh from joining the mix? Was hält Allah und Jahwe davon ab, hier begraben zu werden? (In den USA wird der Name des jüdischen Gotts teilweise auch für den christlichen verwendet.)

Und der da? Ist der nicht von Haus aus unterirdisch begraben? (Bild: geralt, pixabay)

devil-806649_640geralt

Der Teufel gehört zum Gesamtpaket mehr oder weniger dazu, soweit die monotheistischen Wolkenschieber betroffen sind. Hübsch wär's, wenn man auch einen Teufelsfriedhof spendieren könnte, auf dem der religiöse Höllenzauber entsorgt wird. Noch gibt's ja die Indoktrinierung mit dem christlichen Höllenfeuer und seinem muslimischen Äquivalent (72 Huris pro Greis).

Fazit: Wir warten auf die Zeit, wo die Menschen sich besinnen, und wo die Religionen nicht mehr too balla-balla to fail sind. Von der Logik her müsste die Formel gelten

A = WU  (Ablaufdatum = Weltuntergangsdatum)

Wenn die Welt nicht untergeht, sollte wenigstens der Gott untergehen, der für sowas herhält. Das Verarschungsmonopol ist heute schließlich zu einem hart umkämpften Gut geworden, um das alle Arten von Bauernfängern rangeln.

viereinhalb(Gott, Jesus, Heiliger Geist, Jungfrau Maria so halb & Allah, Bild: Wikimedialimages, oscardavid19gt, TheDigitalArtist, Jo-B & werner22brigitte, alle pixabay)

(Dieser Artikel erschien zuerst am 3.11.15 und wurde am 18.7.18 überarbeitet und ergänzt.)

Medien-Links:

  1. In Madison, “Graveyard of the Gods” Asks Students When Their Theology Will Become Mythology Patheos, Friendly Atheist 27.10.16): As they do every year, the Atheists, Humanists, and Agnostics at the University of Wisconsin–Madison have put up a fantastic “Graveyard of the Gods,” reminding students of all the deities who were once worshiped, only to be forgotten. The purpose is to get students thinking about when their God will join the ranks of the dead.
  2. College Atheists Place ‘God Graveyard’ on Campus: 200 Tombstones of Gods We No Longer Worship (Patheos, Friendly Atheist 31.10.15): Last month, the University of North Georgia Skeptics Society created a “Graveyard of the Gods.” It featured the tombstones of a number of ancient gods we now consider mythological. It also raised an important question: What’s stopping Allah and Yahweh from joining the mix?
  3. God Graveyard Annual Display (University of Wisconsin–Madison, Atheists, Humanists, & Agnostics (AHA) 12.11.17): This past Halloween, eight AHA officers awoke before dawn to set up our annual Graveyard of the Gods display. The main display reads as follows:

GOD GRAVEYARD  
Here lie the graves of thousands of past gods.  
Once worshiped by entire civilizations,
now forgotten by most.

How much longer will the gods of today last?

Bunte Mischung von wissenbloggt-Links dazu:

Humoristische und halbernste Götter-Links:

Seriöse Götter-Links von wissenbloggt:




Fake News, Fake Porn, Fake President


emoji-2428737_1280Laut FAZ haben wir uns mittlerweile daran gewöhnt, dass Fotos manipulierbar sind und auch tatsächlich manipuliert werden (1.). Die meisten Bilder um uns herum seien auf irgendeine Weise subtil angepasst, optimiert oder farblich ergänzt. Früher kostete das viel Zeit und Nerven in der Dunkelkammer, heute ist es bequem vorkonfiguriert und nur zwei Klicks entfernt (das nicht ganz so subtile Bild ist von aaandrea, pixabay).

Was für Fotos gilt, gilt auch für Tonaufzeichnungen. Zu einem Audiorecord vom Ex-Präsi Obama haben Forscher die passenden Mundbewegungen synchronisiert (2.). Der Ansatz erzeugt laut Autoren photorealistische Bilder. Aber warum nur das Sprechen faken? Warum nicht gleich aufs Ganze gehen?

Was da möglich ist, zeigt ein YouTube-Video (3.). Unsere geliebte Staatsratsvorsitzende, pardon, Bundeskanzlerin Merkel kriegt das Gesicht vom verehrten US-Generaldirektor-Präsidenten Trump übergezogen. Das geht schon so gut, dass es kaum auffällt. Nein, das wirkt total authentisch.

Die Streifen können täuschend echt ausehen, meint die FAZ denn auch (4.). Dahinter steckt ein Boom; seit einigen Monaten werden Tausende von Porno-Videos manipuliert. Z.B. werden die Köpfe berühmter Schauspielerinnen auf die Körper der Pornodarstellerinnen montiert. In den Medien wird das heftig abgefeiert (5., 6., 7.).

Eine benutzerfreundliche App führte zu einer Explosion von überzeugenden Gesichtsaustausch-Pornos (face-swap porn). Das wird in der Szene deepfakes genannt, nach dem gleichnamigen Reddit-Nutzer, der Ende 2017 den Trend lostrat, mit gefälschten Pornovideos von Scarlett Johansson, Taylor Swift, Gal Gadot u.a. (8.).

Das mag vielen witzig erscheinen, aber es hat Konsequenzen. Diese Technologie könnte eine Menge Probleme schaffen, für Regierungen, Firmen und Medien. Hier kommt das wissenbloggt-Lieblingsthema Verlogenheitsbewältigung ins Spiel. Denn es wird immer schwerer, echte Nachrichten von gefakedten zu unterscheiden (7.), und wer will das dann auseinanderklabüsern? Auch das Bild, was Überwachungskameras liefern, wird dann anfechtbar, wenn jeder ein täuschend echtes Gegenvideo erstellen kann.

Denn die neue Technik ist kein Basteln im Photoshop. Keiner setzt sich mehr hin und bosselt ein paar Stunden an einem Foto herum. Was da passiert, ist machine learning. Ein Video oder eine Bildersammlung werden von der App in Echtzeit konvertiert. Noch muss die App trainiert werden, damit das klappt. In Zukunft können damit Massen an Fakenews produziert werden, und der Informationskrieg könnte damit ganz neue Dimensionen annehmen – solche Gedanken stammen auf dem Leserforum vom Zeit-Beitrag (8.). Noch ein paar Argumente von dort: 

  • So neu ist es nicht: Gefakedte Pornografie um berühmte Schauspielerinnen und selbst Comic-Figuren hat es immer gegeben.
  • Im kommerziellen Film sind Animationen, Stands und Tricks schon üblich, seit digital gedreht wird. Jetzt wird die Manipulation eben einfacher.
  • Was da möglich wird? Politiker können plötzlich den Krieg erklären oder Autokameras können vor Gericht falsches Geschehen zeigen.
  • Stimmenimitierung gibt's ja auch auch schon – wie will man dann noch Wahrheit von Lüge unterscheiden können?
  • Deutschland ist hinten dran, während "da draußen ein Wettlauf zu starker KI rast" (aber Schutz bedeutet das nicht).
  • Fake News, Fake Porn, Fake World … Wir verabschieden uns langsam aus dem realen Leben.
  • Aber aus pragmatischer Sicht muss es nicht so schlimm sein: Das realistische, was passieren wird, ist das Verschwimmen der Grenzen zwischen virtuell und real, zwischen Fake und Realität.
  • Die Folge wird wohl sein, dass nicht mehr alles geglaubt wird, nur weil wir es in einem Videoclip vorkommt. Mehr hinterfragen ist dann die Devise.
  • Und wenn wir werden mit einem Computer telefonieren und es nicht merken? Cool, meint ein Forist, das sei doch eine gute Maßnahme gegen Einsamkeit, oder nicht?
  • Und die witzigsten Beiträge: Mit einem Sextape lässt sich nun wohl keine Karriere mehr starten …
  • Solange die Software nur Gesichter faked, hat ein anderer kein Problem – aber wenn man damit auch Ärsche umbauen kann, sieht er echt Stress voraus.

Der gute Mann bezieht sich doch wohl nicht auf den US-Präsi? Die Frage, die nicht gestellt wurde: Ist Trump womöglich schon so ein Fake?

 

Medien-Links:

  1. Debatte über „Varoufake“ : Als die Bilder lügen lernten (Frankfurter Allgemeine Zeitung 23.3.15): Der Fall „Varoufake“ hat gelehrt, wie leicht auch Bewegtbilder heute manipuliert werden können. Welche adäquaten Mittel haben die Medien zur Hand, um die Richtigkeit von Videos zu prüfen?
  2. Synthesizing Obama: Learning Lip Sync from Audio (SIGGRAPH 2017): Given audio of President Barack Obama, we synthesize a high quality video of him speaking with accurate lip sync, composited into a target video clip. Trained on many hours of his weekly address footage, a recurrent neural network learns the mapping from raw audio features to mouth shapes. Given the mouth shape at each time instant, we synthesize high quality mouth texture, and composite it with proper 3D pose matching to change what he appears to be saying in a target video to match the input audio track.
  3. Face Swap – Merkel mit Trumps Gesicht (YouTube 28.5.17).
  4. Online-Pornographie: Mit Künstlicher Intelligenz gegen „Fake Porn“  (Frankfurter Allgemeine Zeitung 15.2.): Immer mehr manipulierte Pornofilme tauchen im Internet auf. Nun gehen Plattform-Betreiber dagegen vor. Und Pornos sind nicht das einzige Thema, wie schon die Kanzlerin erfahren musste.
  5. Künstliche Intelligenz: Jetzt also „Fake Porn“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung 27.1.): Spielen die Hollywoodstars Scarlett Johansson und Daisy Ridley in Porno-Filmen mit? Keineswegs. Doch mit digitalen Manipulationen wurden ihre Gesichter auf fremde nackte Körper in entsprechenden Streifen montiert. Das Ergebnis wirkt täuschend echt, so der Bericht.
  6. We Are Truly Fucked: Everyone Is Making AI-Generated Fake Porn Now (Motherboard 24.1.): A user-friendly application has resulted in an explosion of convincing face-swap porn.
  7. The Era Of AI-Generated 'Fake Porn' Has Arrived (Zero Hedge 24.1.): They call them "deepfakes." … Soon, this technology could create problems for everybody, from governments, to corporations to the news media – which will now find it even more difficult to distinguish veritable "Fake News" from reality.
  8. Künstliche Intelligenz: Auf Fake News folgt Fake Porn (Zeit Online 26.1.): Die Schauspielerin Daisy Ridley dreht jetzt Pornos? Maisie Williams auch? Stimmt nicht: Beide wurden Opfer von Deepfakes, einer neuen Art, per KI Videos zu fälschen.

Links von wissenbloggt:




® Politik der Hoffnungszeichen


lobbying-161689_640Unsere Welt ist geprägt von Umwälzungen, die vermeintliche Besitzstände pulverisieren und neue Gemeinheiten möglich machen. Die Menschen erarbeiten neue Techniken, die sogleich gegen die Menschen eingesetzt werden. Früher war es undenkbar, dass die Arbeitsplätze auf Wanderschaft um die Welt gehen könnten (Bild: OpenClips, pixabay).

Das Know-How steckt jetzt aber im Computer drin und kann weltweit gegen seine Entwickler eingesetzt werden.

Die globale Logik sorgt dafür, dass solche Gemeinheiten durchgezogen werden müssen, denn wer es tut, gewinnt beim weltweiten Kampf um Profite und Marktanteile. Wenn die weniger Skrupellosen nicht aus dem Markt gedrängt werden wollen, müssen sie mittun (wb-Link Globalisierung).

Verschärft wird die Lage durch das Ethosdefizit, das den technischen Fortschritt umgibt (wb-Link Ethosdefizit). Trotz der überkommenen Inhalte haben die Religionen ihre Rolle als Ethosstifter zu konservieren verstanden und blockieren nun zeitgemäße Antworten auf unsere Schicksalsfragen. Die "heiligen" Bücher wissen nichts von Robotern und Computern, trotzdem sind sie sakrosankt und dürfen nicht upgedated werden. Von daher fehlt der moralische Impetus, der solche Frage klärt: Müssen die Roboter nicht für die Allgemeinheit arbeiten statt für die Besitzenden?

Die Bilanz ist deshalb schlecht: Die Gewinne aus den Umwälzungen landen als unverdienter Reichtum bei einer Abzocker-Elite, und die Allgemeinheit erlebt ein permanentes Downgrade. Sie wird arm gemacht. Die Arbeitseinkommen (außer bei Managern) stagnieren seit 30, 40 Jahren.

Der Reallohnindex weist läppische 10% Steigerung von 2007-2017 aus (1.). Im selben Zeitraum stieg das BIP um 27%, von 31,0 auf 39,5 Billionen (2.). Währenddessen wird die Last der öffentlichen Schulden immer größer, im selben Zeitraum wird eine Steigerung der Staatsschuld von 1,5 Billionen auf 2 Billionen ausgewiesen (3.). 

Nicht nur die offiziellen Schulden mehren sich, die impliziten Zahlungsverpflichtungen verdoppeln und verdreifachen den Betrag locker. Pensionszusagen gibt es bis hoch zur EU-Ebene, und der Infrastruktur-Verfall bedingt auch immer höhere Kosten (wb-Link Pleitepolitik). Dazu kommen Belastungen aus schlechten Risiken in bad banks wie FMS-WM und in den Euro-Rettungsfonds EFSF und ESM (>300 Mrd.), im (Euro-)Target-2-System (1 Billion) und in der EZB, die sich mit faulen Anleihen vollstopft (2,5 Billionen).

Hoffnungszeichen? Bisher noch nicht in Sicht.

Der Misserfolg solcher Politik lässt sich auch an 10-20% Arbeitslosigkeit in den Euro-Südländern ablesen (4.) und an 20, 30, 40% Jugendarbeitslosigkeit allda (5.). Es ist Zeit, das von Grund auf zu ändern.

Lobbyismus

Zuerst fällt dabei unser antiquiertes parlamentarisches System auf, das sich an Dogmen und sakrosankten Heiligtümern ausrichtet, fast wie die Religion. Dabei geht das System nicht bloß an den Realitäten der Moderne vorbei, denn es verlangt grundsätzlich Abgeordnete, die auf drei Schultern tragen. Sie sollen für ihre Wähler arbeiten und für ihre Partei, und funktionieren soll das Ganze auch noch – das bedeutet, die Belange der Lobbys müssen ebenfalls berücksichtigt werden. Dass dies im Hinterkopf der Abgeordneten abzulaufen hat, ist ein schwerer Konstruktionsfehler des demokratischen Systems.

Mehr noch, die Lobbys selbst sind ein Konstruktionsfehler, bzw. die Notwendigkeit ihrer Existenz. Denn die Interessen von Wirtschaft, Industrie und Verbänden sind legitim. Ihnen gebührt ein explizit definiertes Mitspracherecht statt der Manipulation hintenrum. Doch wie bei den Fetischen der Religion (Bibel, Koran), hat auch die Politik ihren Fetisch, und der ist das Parlament, dessen Insassen exklusiv "Volksvertreter" sein müssen. Dass es in der Realität ganz anders zugeht, demonstriert uns die Politik immer wieder.

Wenn man die Interessensvertreter besser sortieren würde, könnte der Diskurs zwischen den Interessen von Allgemeinheit und Wirtschaft im Parlament stattfinden statt hintenrum unterderhand. Unser Parlamentarismus sollte nicht nur auf Wählerstimmen ausgelegt sein, sondern auch Vorkehrungen zur offiziellen Repräsentanz der kommerziellen Interessen treffen (das Thema ist angesprochen in den wb-Links Politik).

Computerhilfe

Und das reicht noch nicht, um zukunftsfähiges Regieren möglich zu machen. Die vielfach zu beobachtende Reformunfähigkeit verlangt mehr Fortschritt im Politischen. Die Politik ist mit ihren Methoden noch nicht in der Gegenwart angekommen. Die Gesetzgebung hat zwei technische Revolutionen verschlafen, sie befindet sich noch im Vorcomputer-Zeitalter:

  • Als sich die Computer durchsetzten, wurde überall die computerunterstützte Planung und Entwicklung eingeführt – nur nicht in der Politik.
  • Als dann das Internet aufkam, wurde überall der reibungslose online-Meinungsaustausch genutzt – nur nicht in der Politik. Der Wählerwille wird noch immer per Zettelwirtschaft erhoben, und Gesetze fabriziert man nach wie vor per Daumenpeilung.

Aber Gesetze sind ein Produkt, und Entscheidungsfindung ist ein Projekt. Dafür gibt es moderne Lösungsmethoden. Würde die demokratische Politik mit derselben Professionalität betrieben wie die Wirtschaft, hätte sie längst eine bessere Qualität. Es adelt den demokratischen Gesetzgebungsprozess nicht, wenn er schwierig und langwierig ist. Das ist vielmehr ein Zeichen von schlechtem Management.

Das ständige Ausreizen der Erpressungspotentiale zeigt, wie irrational und willkürlich der politische Prozess abläuft. Der Kuhhandel ist eine Methode von gestern und sollte in der modernen Politik nichts mehr zu suchen haben. Dazu werden im wissenbloggt-Link Politik 2.0 und 3.0 Vorschläge gemacht, wie die Politik Effizienz und Zukunftsfähigkeit gewinnen kann.

TV-Präsenz

Sicher gefällt der Ansatz nicht jedem, wie der Computer bei der Entstrubbelung von Gesetzen bis hin zur Entscheidungsfindung helfen soll. Für professionelles Regieren ist aber gerade das nötig. Andere Hoffnungsträger erscheinen nicht auf der Bildfläche.

Und noch etwas: Die viele TV-Präsenz ist schädlich.

Kein Medium ist so ungeeignet wie das TV, um Inhalte zu diskutieren. Die Verquickung von emotionalen Einflüssen und sachlichen Fragen ist beim Menschen systemimmanent. Das hat den Trend von den Herbert Wehners und Franz-Josef Sträußen weg zu den Trumps verschuldet. Das Optische zählt zu viel, das Unterschwellige, der Look. Eine Unkultur des Instant-Politiksurrogats ist aufgekommen, wo vorgefertigte Phrasen und sogar Tweets den Dialog ersetzen.

Alles sollte willkommen sein, um die Sache in den Vordergrund zu stellen und das Ballyhoo zu unterdrücken. Interessantes Spektakel sollte im Theater stattfinden und nicht in der Bütt. Die Politik läuft vornerum nach den Maßstäben von Hühnerstall (Hackordnung) und Reviermarkieren ab, und der Klamauk beim Unwichtigen überdeckt das Einlullen beim Wichtigen. Hintenrum kommt dann das Mauscheln und Manipulieren, und das kommt uns zu teuer.

Wir werden schon zu lange armgemacht durch die Umverteilungsaktionen von unten nach oben ("Bankenrettung" I+II (6.), "Griechenlandrettung" I+II+III (7.), "Quantitative Easing" I+II+… (wb-Link QE) und die Unfähigkeit, das Potential unserer modernen Kultur artgemäß zu nutzen. Stattdessen richtet die religiöse Vereinnahmung dessen, woran die Religion keinen Verdienst hat, schweren Schaden an (wb-Link Religion). Die politische Insuffizienz verschlimmert das noch. Man lässt die Abzocker weitgehend ungestört weitermachen.

Was fehlt, ist ein Hoffnungszeichen, dass sich mal was zum Besseren ändert – nein, stimmt gar nicht, Hoffnungszeichen produziert die Politik andauernd, und sie werden im TV wohltönend verkündet. Bloß wird danach jede Reform kleingemahlen, und am Ende bleibt fast alles beim alten. Wir sollten weniger auf die Ankündigungen geben und mehr auf das, was tatsächlich reformiert wird. Hoffentlich.

 

(Dieser Artikel erschien zuerst am 16.11.14 und wurde am 15.7.18 überarbeitet und ergänzt.)

Medien-Links:

  1. Verdienste und Arbeitskosten – Reallohnindex und Nominallohnindex (Statistisches Bundesamt 21.6.).
  2. Bruttoinlandsprodukt (Sozialpolitik-aktuell.de 2018).
  3. Entwicklung der Staatsverschuldung in Deutschland (wiki 2016)
  4. Europäische Union: Arbeitslosenquoten in den Mitgliedsstaaten im Mai 2018 (statista)
  5. Europäische Union: Jugendarbeitslosenquoten in den Mitgliedsstaaten im Mai 2018 (statista)
  6. Euro-Schutzschirm – Was sind ESM, EFSM und EFSF? (Die Bundesregierung)
  7. Bisherige Euro-Rettungspakete So viel Geld floss nach Griechenland (tagesschau.de 5.7.): Rettungspaket I+II+III für Griechenland
  8.  

Links von wissenbloggt dazu:




Manager-Lohn: Abstand deutlich gestiegen


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Eine Pressemitteilung der Hans-Böckler-Stiftung vom 5.7. zeigt, dass sich die Managergehälter immer weiter von denen der Lohnempfänger entfernen (Grafiken: Institut für Mitbestimmung und Unternehmensführung (I.M.U.) der Hans-Böckler-Stiftung).

Abstand deutlich gestiegen

Vorstände im Dax verdienen im Mittel 71-mal so viel wie durchschnittliche Beschäftigte

Vorstände von Dax-Unternehmen verdienen im Durchschnitt 71-mal so viel wie die durchschnittlichen Beschäftigten in ihrer Firma. Der Abstand hat sich zwischen 2014 und 2017 deutlich vergrößert und ist höher als in allen anderen zuvor untersuchten Jahren. Schaut man auf die einzelnen Unternehmen im Dax 30, reichte die Bandbreite der sogenannten Manager to Worker Pay Ratio 2017 vom 20-Fachen bis zum 159-Fachen – beides ebenfalls Höchststände. Die Vorstandsvorsitzenden im Dax haben im zurückliegenden Geschäftsjahr 2017 im Schnitt sogar das 97-Fache eines durchschnittlichen Beschäftigten in ihrem Unternehmen erhalten. Das zeigt eine neue Studie der Hans-Böckler-Stiftung. „Die Schere öffnet sich weiter“, erklärt Marion Weckes, Vergütungsexpertin im Institut für Mitbestimmung und Unternehmensführung (I.M.U.) der Stiftung.

Die Ökonomin und Aufsichtsratsberaterin moniert Transparenzdefizite beim Thema Entgeltrelation in den Unternehmen. Die beträfen nicht nur die öffentlich zugänglichen Geschäftsberichte, sondern teilweise sogar die Unterlagen, auf deren Basis der Aufsichtsrat über Vergütungen entscheiden soll. Weckes empfiehlt, in den Deutschen Corporate Governance Kodex Berichtsempfehlungen aufzunehmen, um die große Ungleichheit zwischen Topmanagern und den übrigen Beschäftigten in den Aufsichtsräten stärker auf die Agenda zu bringen. Zudem sieht die I.M.U.-Expertin die Bundesregierung in der Pflicht, mit der anstehenden Umsetzung der EU-Aktionärsrichtlinie in deutsches Recht für mehr Transparenz zu sorgen. „Das ist auch mit Blick auf das Gerechtigkeitsempfinden und die Motivation der Belegschaften wichtig“, sagt Weckes.

Wer die Verantwortung für die Geschicke eines großen Unternehmens mit zig tausend Arbeitsplätzen trägt, erbringt eine beachtliche Leistung und sollte anständig bezahlt werden. Dagegen wird kaum jemand etwas einwenden. Die Frage ist aber, wie hoch der Gehaltsaufschlag ausfallen darf. Eine Messgröße ist hier die Manager to Worker Pay Ratio, auf die seit 2013 auch der Deutsche Corporate Governance Kodex Bezug nimmt. Wie hoch die Ratio – also das Verhältnis zwischen Vorstandvergütung und durchschnittlichem Verdienst im Unternehmen ausfällt –, muss von deutschen Unternehmen allerdings bislang nicht publiziert werden.

„Managergehälter müssen leistungsgerechter werden. Das nachhaltige Unternehmen mit Perspektiven für Arbeitsplätze und Standorte muss dafür der Maßstab sein – und nicht nur der Börsenwert eines Unternehmens. Es gibt aus Mitbestimmungssicht keinen triftigen Grund, warum Managergehälter und Durchschnittsverdienste derart auseinanderklaffen. Deshalb setzen wir uns dafür ein, der Manager to Worker Pay Ratio im überarbeiteten Deutschen Corporate Governance Kodex zwingende und transparente Regeln zu geben“, sagt Dr. Norbert Kluge, Direktor des I.M.U. zu den Ergebnissen der neuen Studie.

I.M.U-Vergütungsexpertin Weckes hat die Pay Ratios für die 30 Dax-Unternehmen zum fünften Mal berechnet. Dazu setzt die Forscherin die Vorstandsvergütungen ins Verhältnis zu den Durchschnittsverdiensten im jeweiligen Konzern. Ausgewertet wurden die Geschäftsberichte in den Jahren 2005, 2008, 2011, 2014 und 2017. Angaben für inländische Beschäftigte waren nicht durchgängig verfügbar und erlaubten daher keinen Vergleich.

Zentrale Ergebnisse: In einem guten Jahrzehnt ist der Gehalts-Abstand zwischen Topmanagern und durchschnittlichem Konzern-Beschäftigten um rund 70 Prozent gewachsen: 2005 bekam ein Vorstandsmitglied im Dax durchschnittlich 42-mal so viel wie ein Beschäftigter, 2017 musste ein durchschnittlich bezahlter Mitarbeiter hingegen rechnerisch 71 Jahre arbeiten, um auf das Jahressalär des Topmanagers zu kommen. Das ist deutlich mehr als bei der letzten Analyse für 2014 (das 57-Fache) und im bisherigen Extremjahr 2011, als Weckes das 62-Fache errechnete.

Erstmals hat die Forscherin zudem zwischen den Vergütungen von Vorstandvorsitzenden (CEOs) und „einfachen“ Vorständen differenziert. 2017 verdiente ein Dax-CEO im Durchschnitt 97-mal so viel wie der Durchschnitt der Belegschaft. Bei den übrigen Vorstandsmitgliedern war es im Mittel das 45-Fache.

Bezogen auf den gesamten Vorstand reicht die Spanne im Dax vom 20-Fachen bei der Commerzbank über das 47-Fache bei Linde oder das 90-Fache beim Autobauer Volkswagen bis zum 159-Fachen bei der Deutschen Post. Vier Dax-Unternehmen weisen eine Ratio von mehr als 100 auf, nur drei eine von 30 oder weniger (Grafik 2).

Der CEO-Posten ist nach wie vor der höchst vergütete im gesamten Vorstand. Entsprechend größer ist die Einkommensdistanz zwischen CEO und durchschnittlichem Beschäftigten des jeweiligen Unternehmens. Sie liegt für 2017 zwischen dem 25-Fachen bei der Commerzbank und dem 232-Fachen bei der Post (Grafik 3). 12 Unternehmen zahlen dem Vorstandschef mindestens das 100-Fache des durchschnittlichen Gehalts. Unter den „einfachen“ Vorstandsmitgliedern erhielten vier maximal das 20-Fache des Durchschnittsgehalts in ihrem Unternehmen, eines mehr als das 100-Fache (Grafik 4) (Unten: Grafik 2, I.M.U., Grafiken 3+4 finden sich im HBS-pdf).

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Weitere Informationen:

Marion Weckes: Manager to Worker Pay Ratio 2017. Das Verhältnis der Vorstandsvergütung zur Mitarbeitervergütung im DAX 30 (pdf), Mitbestimmungsreport Nr. 44, Juli 2018.

Die Pressemitteilung mit Grafiken (pdf)

Link zur Pressemitteilung: Abstand deutlich gestiegen – Vorstände im Dax verdienen im Mittel 71-mal so viel wie durchschnittliche Beschäftigte (Hans-Böckler-Stiftung 2018).

Links von wissenbloggt:

 




Einsam


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Was ist schlimmer als rauchen oder dick sein? Wogegen müsste es ein Ministerium geben? In unserer modernen Gesellschaft ist die Einsamkeit ein Problem. Dabei hat sie nicht notgedrungen etwas mit dem Alleinsein zu tun. Man kann sich auch inmitten von Menschen einsam fühlen.

Die Ursachen der Einsamkeit liegen größtenteils in einem selbst; im geringen Selbstwertgefühl. So kann man es in aktuellen Artikeln zum Thema lesen – und das Thema ist wichtig. Wenn man die innere Leere nicht füllt, jenes Schwarze Loch im Menschen, kann das tödliche Folgen haben (Bild: Anemone123, pixabay).

Aber der Reihe nach. Es geht hier nicht um platte Sprüche wie Einsam? Weniger Knoblauch essen. Oder den Dreh zur Kontaktsuche: Einsamer sucht Einsame zum Einsamen.

Einsamkeit ist wissenschaftlich schwer zu fassen, heißt es in einem Psychologie-Artikel bei der Zeit (1.). Trotzdem wird genau das versucht. Man steckt Probanden in einen Kernspintomografen (allerdings nicht, um sie dort allein zu lassen). Man findet heraus, Soziale Isolation und Einsamkeit korrelieren, sind aber nicht dasselbe, wobei soziale Isolation kränker macht als das Gefühl von Einsamkeit. Umgekehrt verbessert ein gutes soziales Umfeld  die Gesundheit der Menschen.

Einsamsein ist für die Gesundheit allerdings nicht so schlimm wie Rauchen, Trinken oder chronischer Stress, besagt die Ent-Emotionalisierung des Forschungsfeldes. Bloß z.B. das britische Austeritätsprogramm beeinträchtigt die psychische Gesundheit. Viele Menschen fühlten sich zunehmend isoliert. Doch soziale Isolierung ist nicht dasselbe wie Einsamkeit.

In dem Zeit-Artikel werden soziale Medien nicht nur mit "Verblödung" und "Demenz" assoziiert, sondern auch mit Vereinsamung. In einem aktuellen Conversation-Artikel (2.) kommen sie gar nicht erst vor, die Facebooks und Twitters, sondern es geht um die zunehmende Vereinsamung, die inzwischen einen von drei (britischen und US-) Erwachsenen betreffe (1/3 mehr als 1980).

Das Hirn sei betroffen und das Immunsystem. Depression, Selbstmord und Gesundheitsstörungen bis zum vorzeitigen Tod (besonders von gefühlskrüppeligen Männern) können die Folgen sein – schlimmer als beim Rauchen und bei Völlerei. Zur Einsamkeit in der Menge wird ein Bonmot des Schauspielers und Komikers Robin Williams zitiert:

I used to think the worst thing in life was to end up all alone. It’s not. The worst thing in life is to end up with people who make you feel all alone. (Ich dachte, am schlimmsten wäre es, einsam zu sterben. Stimmt aber nicht. Am schlimmsten ist es, zwischen Leuten zu enden, die einem das Gefühl vermitteln, einsam zu sein.)

Einsam ist nach dieser Definition, wer weniger soziale Beziehungen hat, als er möchte. Es müssen aber nicht viele Kontakte sein, sondern befriedigende. Man kann sich also durchaus einsam fühlen, wenn man es gar nicht ist. Deshalb hilft es nicht unbedingt, wenn man mit mehr Leuten ins Gespräch kommt.

Einsamkeit ist auch eine Weltsicht. Man empfindet die Welt anders, man sieht Bedrohungen, wo vorher keine waren, man erwartet mehr Zurückweisung, man beurteilt andere kritischer. Das teilt sich anderen mit, und man wird tatsächlich einsamer. Der Einsamkeits-Zyklus dreht sich weiter.

Einsamkeit ist ansteckend. Nicht-Einsame, die mit Einsamen herumhängen, riskieren selber einsam zu werden (Frohsinn färbt zum Glück genauso ab). Es gibt sogar ein Einsamkeits-Gen, das man erben kann (Mama und Papa können dann nicht gar so einsam gewesen sein, wb). Es ist wohl eher ein Gen der Unzufriedenheit mit den Beziehungen, die man hat.

Und wie entkommt man der Einsamkeit? Ja, man kann da was machen. Mit mehr Menschen ins Gespräch kommen, die soziale Kompetenz steigern, Komplimente verteilen. Am wichtigsten ist es, die Weltsicht zu ändern. Es liegt nicht unbedingt an eigenen Unvollkommenheiten, wenn andere abweisend sind. Die haben ja auch ihre Probleme. Eine abgelehnte Einladung muss keine Ablehnung des Einladenden sein. Oft geht es nicht um Versagen, sondern um Umstände, die nicht passen.

Die Einsamen kriegen noch ins Merkbuch geschrieben: Stop mit Misstrauen und Zynismus. Den Abwehrschild runternehmen, auch wenn man nicht weiß, was dabei rauskommt. Ähnlich die Tips vom "Glücksdedektiv" (3.): Extreme Schüchternheit überwinden und keine zu hohen Erwartungen vor sich herschieben. Wie Bob Dylan schlicht und ergreifend singt:

May you always do for others
And let others do for you

(Mögest Du den anderen genügen
Und mögen die anderen Dir genügen)

Man kann dazu praktische Ratschläge hören, die wahrscheinlich ähnlich wirksam sind wie Diät-Tips, aber sei's drum:

  • Alleinsein lernen, sich selber akzeptieren und pfleglich mit sich umgehen,
  • unter die Leute gehen, kommunikativ sein, Kontakte weiterhin pflegen,
  • sich einen Sinn geben, neue Interessen und Hobbys entwickeln,
  • Hilfe anbieten, ehrenamtlich tätig werden.

Von Systemwechsel ist nirgends die Rede. Doch Einsamkeit ist möglicherweise kein Thema in muslimischen oder Stammesgesellschaften. Da geht die Gruppe vor Individualismus, und Selbstverwirklichung ist ein Schimpfwort. Ob es wohl eine Gesellschaft gibt, die beides kann? Soziales Gemenge, soviel man braucht, und Abstand, soviel man möchte? Oder fallen immer welche hinten runter, wenn der Individualismus die soziale Kontaktpflege zu einer regelrechten Aufgabe macht? Oder sogar zum Geschäft, wie bei den "sozialen" Medien?

 

Einsamkeit: Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Pharmakologen.

 

Medien-Links:

  1. Psychologie: Einsamkeit – eine tückische Trenddiagnose (Zeit Online 22.4.): Sie sei eine Krankheit, gar häufigste Todesursache, ein Ministerium gegen Einsamkeit müsse her. Wer profitiert eigentlich, wenn einsame Menschen für krank erklärt werden?
  2. Loneliness is contagious – and here’s how to beat it (The Conversation 13.6.): Loneliness is a common condition affecting around one in three adults. It damages your brain, immune system, and can lead to depression and suicide. Loneliness can also increase your risk of dying prematurely as much as smoking can – and even more so than obesity.
  3. Einsamkeit überwinden: Die 10 besten Strategien im Kampf gegen das schwarze Loch (Glücksdedektiv 27.3.20??): Einsamkeit ist ein zutiefst unangenehmes Gefühl, mit dem die meisten Menschen schon einmal Bekanntschaft gemacht haben. Es ist ein Gefühl von absoluter Leere und Verzweiflung. Betroffene fühlen sich nicht zugehörig, nicht gewollt, ausgeschlossen von der Gemeinschaft, anders, ungeliebt und verlassen.

Links von wissenbloggt:




Sündengefühle von Frank Sacco


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Mit Sündengefühlen scheinen sich merkwürdigerweise viele abzugeben (Bild: Josch 13, pixabay). Sogar bei wissenbloggt gab es einen Artikel dazu (Link unten); dabei sind Sünden böse, böse, böse.

Unser Fachmann Frank Sacco, Doktor der Medizin, findet einiges zu kritisieren am Umgang mit der Sünde, bzw. an der Instrumentalisierung der Sünde.

Sündengefühle  von Frank Sacco

Mit einer Rezension des Buches „Unbewusste Schuldgefühle“  von Engel und Ferguson, Kreuz-Verlag, 1992.

Über Sünde werde in der Psychiatrie „nicht mehr gesprochen“, pflichtete mir  der Psychiater meiner Kammer am 17.11.2009 bei. Ich bin über diesen Kunstfehler erschüttert. Man spreche aber  durchaus über „Schuld“. Das Thema Religion gilt als „verpönt“, so Lütz. Religiöse Anamnesen werden nicht erhoben. Dahinter steckt Angst. Die Angst der Psychiatrie.  Doch so geht es nicht, liebe Kollegen. Das o.g. Buch kann nur dann helfen, hin zu einer wirklichen Heilung helfen, wenn man das Wort Schuld im Buch konstant  durch das Wort „Sünde“ ersetzt.

Während eine mäßige Schuld wieder gutzumachen ist, so geht das bei der Sünde nur im Katholizismus. Ausnahmen sind die nicht gebeichteten Sünden oder eine „Sünde wider einen Heiligen Geist“. So etwas bedeute das finale AUS in Bibel- Jesu KZ, der Hölle, so der Klerus. Wir Lutheraner müssen dagegen bis zu einem „Jüngsten Gericht“ warten. Wenn dann ein angeblich „von den Toten Auferstandener (!) einen guten Tag hat, werde eine Sünde vergeben. Doch nur denen wird vergeben, die feste ans Christentum und diese Auferstehung glauben. Denen, die auf die Knie fallen. Nietzsche diagnostiziert vor 1870 das Sacco-Syndrom, wozu die etablierte Psychiatrie heute zu dumm ist. "Krank machen  ist die eigentliche Hinterabsicht des ganzen Heilsprozeduren-Systems der Kirche.“ Schon ein flüchtiger Gang über die Flure einer Psychiatrie mache klar, wer für die dortigen Erkrankungen verantwortlich zeichne: Die Kirchen.  „Der Priester herrscht durch die Erfindung der Sünde… Das Christentum war das bisher größte Unglück der Menschheit." Wie hochaktuell er damit doch ist: Eugen  Drewermann spricht sehr kritisch vom „hochgezüchteten Sündenbewusstsein“. Das Wort „Sündengefühl“ musste ich erst für die Psychiatrie kreieren, ein Internist. Selbst Word kennt es noch nicht.  Heute  wird die Gefahr und Schuld der Kirchen für die Gesundheit der Bevölkerung von im Kern Gläubigen und der etablierten Psychiatrie aus eigner Gott-Angst heraus ignoriert und unverantwortlich bagatellisiert. Drohe der Klerus mit Folter, so sei das für Kinder völlig ungefährlich, so die Berliner Psychiater-These, siehe Internet. Fazit: Klares Denken ist  Fehlanzeige in der Psychiatrie. Eigene Gottangst führt zu einer Denkhemmung meiner Kollegen. Es soll dabei Ausnahmen geben.

Eine Schuld ist also gar nicht so schlimm. Man kann sich entschuldigen. Oder man geht halt ins Gefängnis. Hart ist dagegen die Sünde. Denn auf der steht, so Bischof N. Schneider, ewige Folter mit richtigem „Feuer“. Diese Feuer-Botschaft sei „verstörend“. Schneider meint, diese Strafe gelte besonders für Autisten wie mich, die im Leben „nicht genug Liebe“ gegeben haben. DAS macht unsere Kinder krank. Das mit der Folter habe Schneider in einem „Richterspruch Jesu“ gelesen. Doch den gibt es gar nicht. Ich habe Schneider gebeten, ihn mir zu senden: Fehlanzeige. Er, Schneider, ist Verbrecher und Gotteslästerer in Person. Er macht Jesus zu einem Nazi. Er zerstört den öffentlichen Frieden unserer Kinder.

Das Wort Sünde kommt im oben erwähnten Buch nicht vor. Nur als Zitat. Da  wird  Sigmund Freud erwähnt: Wer seine „Sünden“ erkenne, der „bestraft sich“. So etwas, das Wort Sünde,  ist bei Freud eine große Rarität. Und die Konsequenz der Sünde, Schneiders  ewiges KZ Hölle, ist bei Freud als Wort noch seltener zu finden. Denn die ewige Folter war die ureigene Angst des Analytikers. Immerhin ahnte Freud hier im Gegensatz zu seinen heutigen Kollegen etwas vom religiösen Masochismus, der Selbstbestrafung. Die ist ein beschwichtigendes Opfer an den jeweiligen Gott und heute u. a. in der „Depressiven Episode“ versteckt – unerkennbar für „moderne“ denkgehemmte Psychiater. Ich schrieb ein Buch darüber. Und einen Artikel über das Paradebeispiel des Masochismus: Ödipus.

Auch Engel und Ferguson wollen nichts vom religiösen Masochismus wissen. Es sei banales Schuldgefühl, das einen Masochismus bedinge. Ein unter Schuldgefühlen leidender könne „immer eine Möglichkeit finden, gemartert zu werden“. Unbewusste Schuldgefühle würden eine „ungeheure Rolle“ bei „vielen psychologischen Problemen“ spielen. Man sabotiere sich selbst. Der Depressive gönnt sich seine unbeschwerte Fröhlichkeit nicht. Man verweigere sich „Erfolg, Intimität, Freude und Seelenfrieden“. Freud wird zitiert: Menschen würden „krank“, weil ein tiefverwurzelter… Wunsch sich erfüllt hat“ (S. 149). In Selbstbestrafung meide man „intime Beziehungen“, suche sich extra „unpassende Partner aus“ und zerstöre eine vorhandene gute Beziehung, weil man „glaubt, sie nicht zu verdienen“. Man fliehe vor sexueller Erfüllung, da man glaube, Sex „ist Sünde“. Also doch: Doch und endlich hier dieses Wort „Sünde“ im Buch. Das Bedürfnis nach Strafe  treibe  gewisse Patienten zu „entsprechenden Prostituierten“ (zum Sadomasochismus). Sobald die dortige Strafe beginne, würden „Schuldgefühle“ abnehmen und Lust könne entstehen. Sexuelle Lust. Auch die Angst, dem Ehepartner schuldhaft Gewalt anzutun, treibe Männer in den Puff. Nebenbei: Der deutsche Mann ist  Bordell eher schüchtern und lieb als brutal.

Die Autoren wundern sich allerdings über ein Rätsel: Winzige Dinge lösen schwere Erkrankungen aus. „Unfreundliche Gedanken“ zum Beispiel. „Sexuelle Phantasien“. Eine „vermeintliche Missetat“. Das Wort Sünde muss hier vermieden werden, denn es löst unbewusste Ängste bei Psychiatern aus. Immerhin ist auf Seite 42 von „psychologischer Verdammnis“ die Rede und der Überzeugung, unter einem bösen Fluch  stehen zu können, verflucht zu sein. Immerhin: Hier kommt Transzendentales auf. Der, der das Verfluchen erfunden hat, ist der liebe Gott. Ein harmloser Apfel bewirkte seinen Amoklauf.  Ein totes Elternteil könne den Klienten „von oben“ kontrollieren. Keine Rede hier also von einem Gott, der uns alle „von oben“ kontrollieren soll,  sogar unser sexuelles Verhalten im Ehebett. Bloß kein Orgasmus an den empfängnisfreien Tagen! Hände weg von der Vagina! Hände weg vom eigenen Schwanz oder dem Schwanz des Ehegatten. Kinder, also Knaben,  „darf“ ein Kleriker aber schon vögeln: Das verbietet der liebe Bibel-Gott nicht.

Die angesprochenen Dinge beinhalten meist so minimale Schuld, dass sie unmöglich Erkrankungen auslösen können. Doch es sind exzessive Sünden mit der Option ewiger Folter. Oft ist beim Erkrankten die Sünde gar nicht unbewusst. Verdrängt ist deren Strafe, die Hölle. Besser, man reiße sich bei sündigen Gedanken ein Auge aus und hacke sich eine Hand ab, so die Bibel, als ewig in Jesu “höllischem Feuer“  zu schmoren (Bergpredigt). Nietzsche hatte Recht. Das größte Unglück der Menschheit ist diese Bibel, ist dieses Christentum. Es kann die Menschen auch  in einen sie exzessiv überfordernden pathologischen Altruismus mit perfektionistischer Ausprägung treiben. Die Folge dieses Gefängnisses: u.a. Migräne. Die 260 klinischen Fälle, die Freud in seiner „Psychopathologie des Alltagslebens“  anführt, lassen sich  ausnahmslos in die vier  „Sünden“ nach der Bergpredigt ordnen: 57 x Unaufrichtigkeit, 122 x Selbstsucht, 39 x Unreinheit, 42 x Lieblosigkeit (Autor: Tournier). Psychiatrische Alltagserkrankungen sind also zumeist auf: Sündengefühle bei Empfindlichen zurückzuführen. Diese sind die Ursache der Erkrankungen. „Für ihre Gedanken können Sie doch nichts“, rief Freud seiner Patientin Elisabeth v. R. zu, die unter einer schweren Angstneurose, einer Fibromyalgie litt. Sie hatte den sündigen Gedanken gehabt, ihren Schwager für sich haben zu wollen. Schwachsinnige Tiefenpsychologen analysierten Freuds Angsterkrankung. Er habe seinem Brüderchen „vergiftete Muttermilch gewünscht“. Da war der kleine Sigmund gerade mal  1 Jahr alt. Für Gedanken „kann“ man eben doch etwas, Herr Freud,   und zwar im verbrecherischen Christentum. Da sind sie nicht frei, die Gedanken. Freuds Sünde: Es war die größte Sünde, die ein Jude im Leben begehen kann.

Im o. g. Buch werden verschiedene Arten von ‚“Schuld“ ausführlich an Fallbeispielen besprochen. Die gefühlten „Verbrechen“, wie es da heißt,  seien z. B. ein „Übertreffen wollen“, das Gefühl, eine „Belastung“ für die Umwelt zu sein, weiter „Liebesraub“, also das Gefühl, durch eigenes  Verlangen nach Liebe anderen solche Liebe abzuziehen. Weiterhin ein „Verlassen“, also die „Schuld“ (besser Sünde), jemanden psychisch zu schädigen, indem man ihn  verlässt (oder verlassen muss). Weitere Beispiele werden genannt: Illoyalität, grundsätzliche  Schlechtigkeit, Überlebensschuld, ja „alles“ könne ein Schuldgefühl bewirken. In der Tat: Ich denke da an eine furchtbare Sünde, an den Apfel, den Eva ihrem Gott klaute. Statt einfach zu verzeihen, lief dieser Gott Amok und wird zum Verbrecher und Folterknecht an Gebärenden. Pfui!  Eltern könnten diverse „Schuldgefühle“ bei Kindern auslösen. Elterliche Depression, Unruhe, ja selbst  sexueller Missbrauch am Kind würden „Schuldgefühle“ beim unschuldigen Kind bewirken. Es fühle sich dann schmutzig und „verdammt“ (Seite 101).Frank  Sacco sagt: Verdammt zur Hölle.

Die Therapie: Schön ist es natürlich, wenn man durch Exploration herausfinden kann, wo die „Schuld“, die objektiv oft gar keine ist,  liegt.  Liegt die „Schuld“ vor dem 4. Lebensjahr, ist ein solches  Herausfinden nicht möglich. Dann muss man dem Klienten, wenn er sich für „modern und aufgeklärt“ hält,  nahelegen oder gar beweisen, dass er unbewusst seinen orthodoxen  Kindheitsglauben glaubt, so auch an Dinge wie Versündigung und die Strafe dafür, die Höllenstrafe.  Hier kann man  den Kierkegaard-Test anwenden (siehe Internet). Und dann eine EAT machen, eine „Ausfirmung“. Kirchliche Gehirnwäsche wird rückgängig gemacht. Die Ecclesio-adversative Therapie (EAT) ist das Gegenteil einer Firmung oder Konfirmation. Das „Gift“ des Glaubens (Rilke) muss raus aus den Gehirnen. Man muss o.g. Buch lesen und darin Schuld durch Sünde ersetzen. Man muss den „Antichristen“ Nietzsches lesen. Und dann das Buch „Wenn Glaube krank macht“. Es ist von mir und in der Tat das beste Buch über psychische Erkrankungen, das mir bekannt ist. Dann erkennt man plötzlich: Man ist als Kind einer verfassungsfeindlichen Organisation, einer kriminellen Vereinigung  in die Hände gefallen.  Von der Gründung an betreibt sie mit der Angst vor der Hölle ein „Geschäft“. Das gibt Bischof Nikolaus Schneider selbst zu. Es geht, wie so oft, um Geld. Die Kollateralschäden dieses miesen Geschäftes können auf unseren geschlossenen Psychiatrien zur üblichen Zeit besucht werden.

dwarf-1765187_1280(Bild: Klaus-Hausmann, pixabay) – Frank Sacco ist Autor von Das Sacco Syndrom und Autor der Bücher

Weitere Artikel von Frank Sacco

Weiterer Link von wissenbloggt: Das Sünder-Prinzip




Rezension zu „Machtkampf. Die Geburt der Staatskirche“ von Rolf Bergmeier


636_0bergmeierDie Rede ist vom Startup "katholischer Glaube".

Unser Rezensent Dr. Gerfried Pongratz wünscht dem Faktenwissen über diese "Ouvertüre zu einer Gesellschafts- und Kulturrevolution von explosiver Kraft" (Verlagstext) weite Verbreitung. Pongratz nimmt das Verlags-Wort vom "Religions-Tsunami" auf, der "mit kaum zu zügelnder Kraft über Europas Geschichte hinwegrollt" – Gerfried Pongratz 7/2018.

Rolf Bergmeier:

„Machtkampf. Die Geburt der Staatskirche

Am 28. Februar 380 verkündete Kaiser Theodosius den Erlass „Cunctos populos“, der im römischen Reich den Katholizismus zur Staatsreligion erhob. Der Historiker Rolf Bergmann schildert diesen „Sieg des Katholizismus und die Folgen für Europa“ (Untertitel des Buches) als epochales Ereignis, das die Welt nicht nur veränderte, sondern auch bis heute prägt. Wer die Bücher des Autors (z.B. „Schatten über Europa“) kennt, weiß, was ihn erwartet: Klare, zuweilen mit Ironie gewürzte Sprache, akribische, mit umfangreichem Quellenmaterial belegte Darstellung, stringente Analysen, gute Verständlichkeit in Verbindung mit zum Teil streitschriftartiger Erzählweise.

„Cunctos populos“ eröffnete die Dominanz der katholischen Religion in allen Phasen des Daseins: “Ein ganzer Kontinent verliert seine in Jahrhunderten gewachsene Identität. Bis Bürger die antike Welt in all ihrer Schönheit wieder ans Licht holen“ (S. 8). Das Buch beschreibt, wie in einer zerstückelten Religionslandschaft eine ausgewählte Religion zur machtvollsten der Welt wird, wie diese die Menschen in allen Bereichen ihres Lebens beherrscht und wie damit die kulturellen, zivilisatorischen, wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen in Mitteleuropa – im Gegensatz zu den byzantinischen und islamischen Hochkulturen – einen Tiefstand erreichen. Ein Religions-Tsunami rollte über Europas Geschichte hinweg, „ein Geist, der Europa mehr als tausend Jahre beherrschen wird und die Welt bis heute zu normieren sucht“ (S. 9).

Im mehreren Kapiteln beschreibt der Autor die Entwicklung und das Konkurrenzverhältnis verschiedener „Jesusbewegungen“ innerhalb des Christentums und wie sich römischer (toleranter) Polytheismus nach der „konstantinischen Wende“ langsam wandelt. Das nicäaische Konzil 325 soll innerchristliche Streitigkeiten beenden, verstärkt aber das große Durcheinander („die Spannungen in den Gemeinden und die Rivalitäten zwischen den Auffassungen und den Bischöfen dauern rund 400 Jahre“, S. 21)), vor allem Arianer und Katholizismus stehen sich als feindliche Brüder gegenüber, von einem Christentum kann keine Rede sein.

Theodosius (379-395) ist des Religionsgetümmels müde und verbietet mit Cunctos populos alle heidnischen Religionen und schaltet alle vom Katholizismus abweichenden christlichen Varianten mit Zwangsmaßnahmen aus: „Nur diejenigen, die diesem Gesetz folgen, sollen, so gebieten wir, katholische Christen heißen dürfen; die übrigen, die wir für wahrhaft toll und wahnsinnig erklären, haben die Schande ketzerischer Lehre zu tragen“. Dieser, durch zahlreiche weitere Verbote ergänzte Erlass „ist das Epochenereignis, die geistige Wende zum Mittelalter, ein Faustschlag in die Spätantike“ (S. 34). Staatskatholizismus löst das ursprüngliche Gemeindechristentum ab, an die Stelle von „Feindesliebe“ tritt die Verfolgung Andersdenkender, Freiheit wird unter dem Joch hunderter Dogmen versklavt. Spätere Kaiser erweitern den Codex Theodosianus mit zusätzlichen massiven Strafandrohungen bis hin zur Todesstrafe und befestigen die Allianz aus Kirche und Staat zu einem unüberwindlichen Bollwerk.

Die politischen, ökonomischen und sozialen Folgen sind gravierend bis verheerend. Das Buch beschreibt den Machtkampf zwischen Kaiser und Kirche, die Entwicklung bischöflicher Stadtherrschaft und in der Folge den ökonomischen Abschwung in Mitteleuropa. Der frühmittelalterliche Handel erodiert, Kriege und Invasoren, aber auch die „sündhafte“ Verurteilung vom Streben nach Glück und geschäftlichen Erfolg tragen das ihre zum wirtschaftlichen und sozialen Niedergang bei. Im Gegensatz dazu steht der Reichtum der neuen Kirche, ausgelöst vor allem durch maßlose Schenkungen. Aus der Synthese von Thron und Altar, aus Glauben und Aberglauben, aus Bildungsfinsternis und Herrschaftsanspruch erwächst ab dem 6. Jahrhundert eine der abträglichsten Wirtschaftsformen der Weltgeschichte: Der Feudalismus mit Klassengesellschaft, Grundherrschaft, Leibeigentum und Schollenpflicht. Am Beispiel Karl I („der Große“) als Exponent des mittelalterlichen Feudalismus beschreibt der Autor die Folgen dieses Wirtschaftmodells; im Gegensatz zur hohen Stadtkultur des römischen Reiches präsentiert sich das Frankenreich als ungebildet, provinziell und verarmt mit andauernder Kriegsführung.

Eine weitere – die dramatischste – Auswirkung von Cunctos populos mit seinem strengen Dogmatismus und der Verengung jeder nichtkatholischen Tätigkeit betrifft den Verlust geistiger Entwicklung und kultureller Vielfalt. Öffentliche Schulen, Theater und Bibliotheken werden geschlossen, die Anrufung Heiliger ersetzt ärztliches Wissen und – besonders gravierend – nur noch Angehörige des Klerus und Mönche können im lateinischen Westen schreiben und lesen. Philosophie wird zur dienstleistenden Magd der Religion (ancilla theologiae) und verkümmert zu philosophieähnlichen theologischen Basteleien mit vorbestimmten Ergebnissen. Die Kulturlandschaft zerfällt, das Erziehungs- und Ausbildungssystem fällt auf unterstes Niveau, die Kirche gewinnt als Herrin der lateinischen Amtssprache zusätzlich ungeheure Macht.

Die Unterschiede zwischen dem antiken Menschenbild – der Mensch steht im Mittelpunkt – und dem „Sünder“ im katholischen sowie Überlegungen zur Bedeutung des Begriffes „Menschenwürde“, wie auch die unvermeidbaren Spannungen zwischen Katholiken und Juden bilden weitere Kapitel des Buches. Der Autor verteidigt den Begriff des „Finsteren Mittelalters“ als Epoche zwischen 500 und der Renaissance, die allerdings nur die lateinsprachige (katholische) Welt betrifft und nicht die orthodox-griechisch-byzantinische sowie die islam-arabische Welt zwischen Bagdad und Spanien.

Es würde den Rahmen dieser Besprechung sprengen, auf alle Einzelheiten, Erläuterungen und Vergleiche zwischen antiker und christlich-katholischer Kultur mit all den daraus entstandenen Folgen und Auswirkungen bis heute einzugehen. Cunctos populos „provoziert tiefgreifende Spaltungen und Zerwürfnisse, entfesselt Religionskriege, heiligt Kreuzzüge und vernichtet Kulturen. Cunctos populos theologisiert, enturbanisiert und feudalisiert Mitteleuropa. Kein Ereignis hat die Welt so umgeformt wie dieser Erlass“ (S. 190).

„Das Buch schüttelt den Sakristei-Staub aus den Geschichtsbüchern. Es schreibt die Geschichte des beginnenden Abendlandes nicht neu, sondern ordnet die von Theologen und gläubigen Historikern betriebene religiös kontaminierte Kirchengeschichte der kritisch-wissenschaftlich betriebenen Geschichte unter“. Es macht auch deutlich, wem das sogenannte „christliche Abendland“ seine überlegene Kultur und Zivilisation zu verdanken hat und wem nicht. In einem Epilog verdeutlicht der Autor mit zahlreichen „wahr ist..“ seine Überzeugungen: „Religionen (sind) wegen des Anspruchs auf alleinige Deutungshoheit für die Gesellschaft eher schädlich als nützlich, während sie dem Einzelnen mit Festen und Feierlichkeiten, mit Bildern und Symbolen Halt und Orientierung geben können“ (S. 199).

„Machtkampf“ ist ein in der Klarheit seiner mit Literaturhinweisen und Quellen überreich ausgestatteten Aussagen beispielhaftes Buch, das vermutlich heftigen theologischen Widerspruch auslösen wird. Dem Rezensenten erschloss es viele neue, bzw. zusätzliche Erkenntnisse und bot darüber hinaus spannende Lektüre.

 

Gerfried Pongratz

Rolf Bergmeier: „Machtkampf. Die Geburt der Staatskirche“, Alibri Verlag Aschaffenburg, 2018, ISBN 978-3-426-86569-292-4, 205 Seiten

Weitere Rezensionen von Gerfried Pongratz




Saudi-Arabien lebt gefährlich: Jetzt auch mit Frau am Steuer


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… das könnte die Einstellung gewisser konservativer Elemente im Saudischen sein. Wer die Gegend schon mal gesehen hat, kennt die oft neuwertigen geschredderten Autowarcks am Straßenrand (Bild: Clker-Free-Vector-Images, pixabay, aus 2 Bildern zusammengesetzt).

Ein wissenbloggt-Artikel gibt Aufschluss über die Fahrkünste, die dahinterstecken (wb-Links). Was sich in solchen Eskapaden zeigt, ist der Überdruss in einem Land, wo die Freiheit stark beschnitten ist. Es gibt keine Kneipen, keine Discos, kein High-Life. Es sei denn, man hält letzteres beim Besuch einer Eisdiele für gegeben.

Allerdings lockern sich die Zustände. Kinos wurden erlaubt (1.), und nun dürfen die Frauen auch autofahren (2.). Dagegen hatten sich die Saudis lange gesträubt. Es gab sogar weibliche Flugzeug-Crews, die dort landeten, aber mit dem Auto durften die Pilotinnen dann nicht fahren (3.).

Ob das den Arabern unlogisch erschien? Zeichen deuten darauf hin, dass auch eine andere Ursachen zugrundelag: Die ökonomische Notwendigkeit. Davon spricht ein Artikel von The Conversation (4.). Die weibliche Arbeitskraft wird gebraucht, und außerdem bindet das Scharia-System zu viele Kräfte. Die Frau, die überallhin chauffiert werden muss, weil sie alleine nicht fahren darf, weil es keine öffentlichen Transportmittel gibt, weil so vieles nicht zu Fuß erreichbar ist.

Der Anspruch ist weitaus hehrer: Das 2030-Programm (5.) möchte den Saudis, ohne explizit das Geschlecht zu benennen, Folgendes bieten:

  • allgemeinen Sport (z.B. Beach Volley im Burkini),
  • Hochleistungssport (z.B. gekaufte Fußballer),
  • Unterhaltung gemäß Bedürfnissen,
  • Kunst und Kultur.

Das Wort Frau/en (woman/women) taucht im Programm nicht auf, dafür ist viel die Rede von Finanzen. First things first, werden sich die Programmgestalter gedacht haben … Ein paar Leserkommentare zum Autofahren für Frauen aus Zero Hedge (2.):

  • Accident rate going up soon, I'm sure (da gehen die Unfallraten aber hoch).
  • Eventually they'll want to wear pants, and then someone will tell them about pay equity (bald wollen sie Hosen tragen, und dann wird man ihnen von Gehaltsgleichheit erzählen).
  • These have not entered the 21st century. They have entered the 20th century. Still 100 years behind (sie haben nicht das 21. Jhd. erreicht, sondern das 20. – immer noch 100 Jahre zurück).

 

Medien-Links:

  1. Nach 35 Jahren Film-Verbot : In Saudi-Arabien eröffnet erstmals wieder ein Kino (Frankfurter Allgemeine Zeitung 22.4.): Am Wochenende öffnete in Saudi-Arabien nach mehr als 35 Jahren das erste öffentliche Kino. … Das Königshaus hatte Kinos Anfang der 1980er Jahre als „unislamisch“ verboten.
  2. "Saudi Arabia Has Entered The 21st Century" – Women Take Victory Lap As Driving Ban Ends (Zero Hedge 24.6.): While some pro-Saudi media outlets have argued that the lifting of the driving ban is part of a broader shift away from human rights abuses, as Reuters points out, it has also been accompanied by a crackdown on dissent, including against some of the activists who had campaigned for it. Meanwhile, concerns that women drivers might face harassment prompted the passage of a new anti-harassment law last month.
  3. Wo Frauen nicht einmal fahren dürfen – Frauen-Crew landet erstmals Passagierflugzeug in Saudi-Arabien (Stern 15.3.16): Noch immer dürfen Frauen in Saudi-Arabien nicht einmal Auto fahren. Wenn es auch kein Gesetz gegen Frauen am Steuer gibt, so sorgen doch islamische Kleriker dafür. Ein Passagierflugzeug zu fliegen, scheint aber in Ordnung zu sein. Anlass des Berichts ist, dass eine rein weibliche Crew zum ersten Mal Passagiere nach Jeddah geflogen hat.
  4. The real reason Saudi Arabia lifted its ban on women driving: economic necessity (The Conversation 22.6.): Public transport is significantly underdeveloped and taxis are culturally not an option unless at least two women travel together. Under the female driving ban, this has meant that to leave the house a woman must be driven by a male relative, or if the family can afford it, by a driver.
  5. Saudi Vision 2030 (7/18): Our Vision: Saudi Arabia..the heart of the Arab and Islamic worlds, the investment powerhouse, and the hub connecting three continents

Links von wissenbloggt:




Özil als Bundeskanzler!


Mesut_Ozil_cropDie Headhunter-Funktion ist ein neues feature von wissenbloggt. Bisher wurde sie an Norbert Walter-Borjans und an Sahra Wagenknecht ausprobiert. Beide Male ohne Erfolg, beide wurden erstaunlicherweise nicht Bundeskanzler*_In.

Um diesem bedauerlichen Mißstand abzuhelfen, wird nun ein Kandidat propagiert, der in der Mitte des Volkes steht: Mesut Özil (Bild: Alejandro Ramos, pixabay, Ausschnitt).

Auf seiner Site fragt unser Kandidat, "Why should I subdue the world, if I can enchant it." (Özil spielt beim FC Arsenal London, zu deutsch: "Warum sollte ich die Welt unterwerfen, wenn ich sie entzücken kann."). Schön gesagt, das reicht auch als politisches Programm. Ansonsten sagt die Site nicht viel, aber der Mann ist schließlich als schweigsam bekannt.

Politisch vorbelastet ist er durch das Aufwachsen im Gelsenkirchener Stadtteil Bismarck. So einen Namen hat man nicht täglich vor Augen, ohne die höheren Weihen der Politik zu absorbieren. Man sah das auch an Özils Kontakt zum Oberscheich Erdogan, der nun Staats- und Regierungschef ist. Was Erdogan kann, kann Özil schon lange, und dribbeln kann er besser. Probleme umdribbeln ist ein politisches Basisfeature, viel eleganter als das altgewohnte Rutsch-mir-den-Buckel-runter und Gar-ned-ignoriern.

Bei wissenbloggt bürgert sich die Form des gefakedten Interviews ein, bei dem die Kandidaten alles in den Mund gelegt bekommen. Das Verfahren hat den Vorteil der Ehrlichkeit: Es wird zugegeben, dass alles nicht stimmt, gegenüber gewissen anderen Medien, die so tun, als ob doch. Mesut Özil (Ö) spricht auf Phantasiebasis zum wissenbloggt-Schreibknecht Wilfried Müller (M).

M: Hallo. Danke fürs Dasein. Oder muss ich jetzt englisch sprechen?

Ö: Nö.

M: Türkisch aber auch nicht?

Ö: Nö.

M: Na dann eine Steilvorlage: Welche Richtung, und wenn ja, inwiefern?

Ö: Ich passe lieber kurz.

M: Sie passen auf?

Ö: Kurz.

M: Aha, Kurzpass.

Ö: Hm.

M: Und Doppelpass?

Ö: Hmhm.

M: Und die Richtung?

Ö: Immer flachhalten.

M: Verstehe, Richtung egal, Hauptsache flach.

Ö: Und mit Effet.

M: Also die Vorlagen werden angeschnitten?

Ö: Kommt besser.

M: Das sind tückische Vorlagen …

Ö: So ist das heute.

M: Ist das schon mit der Fraktion abgesprochen?

Ö: Dafür ist die Fifa1 zuständig.

M: Nicht die AKP2? Oder der DFB3?

Ö: Auch nicht die KPD4.

M: Haha. Werden Sie als Bundeskanzler zur Verfügung stehen?

Ö: Wenn ich meine Rückennummer tragen darf, spiele ich jede Position.

M: Die 9?

Ö: Die 10.

M: 10 kleine Negerlein5?

Ö: Nö.

M: Eher 11 große Fußballstars?

Ö: Was denn nun?

M: Wollte ich auch grad fragen.

Ö: Tschüss, ich muss gehen.

M: Moment, war ja noch nicht mal Halbzeitpause. Und keine Verlängerung?

Ö: Nö, Kanzlerbonus.

M: Na denn.


1 Fifa, Fédération Internationale de Football Association (Fußballverband)
2 AKP, Adalet ve Kalkınma Partisi (Erdogans Partei)
3 DFB, Deutscher Fußball-Bund
4 KPD, aus AKPDFB
5 10 kleine Negerlein (Volkslied)


Interview gefaked von Wilfried Müller


Nachtrag: Interessanterweise ergibt sich hier eine Parallele zu Hexenjagd statt Problembewältigung: Einer wird drangekriegt, um das Systemversagen zu kaschieren. Nachdem "die Mannschaft" gescheitert ist, werden keine Konsequenzen gezogen. Der deutsche Fußball-Bundestrainer bleibt im Amt, er darf noch mehr Fehler machen. Stattdessen wird ein Buhmann vorgeschoben – und der heißt Mesut Özil und soll für das "Gegenteil von gelungener Integration" stehen. Nein! Özil als Bundeskanzler!


Mehr Humor und die Auswahl der humoristischen Polit-Artikel:




Erfolg! Mehr Profit auf Kosten von Arbeitenden & Jugendlichen


2018-03-09_11-24-552018-03-09_11-24-54Immer wieder kommt dieses leidige Thema hoch, denn die Ungleichheit wird immer größer. Das belegen diverse Studien (1., 2.). In der Auswirkung sind schöne Erfolge zu verzeichnen:

  • 2014 – “die 85 reichsten Leute sind so reich wie die ärmere Hälfte der Welt,”
  • 2016 – “die 62 reichsten Leute sind so reich wie die ärmere Hälfte der Welt,”
  • 2017 – “die 8 reichsten Leute sind so reich wie die ärmere Hälfte der Welt.”

Egal, ob diese Zählweise nun stimmt, oder ob es das ganze obere 1% ist, das mehr als die unteren 50% besitzt (3.). Wie der Freitag schreibt (4.), besitzt das reichste Zehntel der deutschen Gesellschaft 66,6% aller Güter, die reichsten 0,1% besitzen 23%. Einige wenige Familiendynastien besitzen die größten Konzerne des Landes und haben Milliardeneinkommen, derweil ein nicht unerheblicher Teil der Gesellschaft am Existenzminimum lebt.

In keinem anderen Staat innerhalb der Euro-Zone ist die Kluft zwischen arm und reich größer (5.), nur in den USA ist die Lage noch extremer. Ein YouTube-Video von 2014 (6.) zeigt das anschaulich auf. Faszinierend findet der Freitag an dem Video, wie die amerikanischen Befragten die Verteilung der Güter einschätzen: Sie liegen völlig daneben und verkennen die krass ungleiche Verteilung der Güter.

Ein Wunder ist die Ungleichheit jedenfalls nicht, weil auch statistisch immer weniger bei den Arbeitenden landet. Z.B. in den USA betrug der Anteil der Arbeitnehmerentgelte am Volkseinkommen 1980 noch 62% und heute nur noch 56%. In Deutschland gab es 1981 eine Lohnquote von 75%, 2000 waren es 72%, 2016 waren es nur noch 68,7%.

Was davon in der Lohntüte übrigbleibt, wird auch weniger. Zwar blieb die Steuerquote nach offiziellen Zahlen 1995-2016 ungefähr bei 23,3%. Aussagekräftiger ist der Wert incl. Sozialabgaben, das machte dann zusammen 49,4% in 2016. Ganz anders die deutschen Unternehmenssteuern, die lagen 1995 noch bei 59%, 2016 waren sie nur noch knapp 30%.

Die Unternehmenssteuern haben sich halbiert, die Steuern für Arbeitnehmer sind gleichgeblieben. Und die Unternehmen betreiben noch dazu Steuerflucht im Wert von hunderten von Mrd., während die normalen Steuerzahler nur wenig schummeln können (mehr zu diesem Thema bieten die wb-Links unten).

Die Ungleichheitsforschung befasst sich ja mit allen Aspekten dieser Verhältnisse. Einen interessanten Beitrag liefert auch die SZ (7.), basierend auf Daten von OECD und IWF. Demnach gibt es vor allem zwei Ursachen für die weltweit steigende Ungleichheit:

  • die schnelle Entwicklung neuer Technologien und
  • die globale Arbeitsteilung.

Der technologische Fortschritt macht inzwischen quasi offiziell immer mehr Arbeitsplätze überflüssig. Besonders Routine-Tätigkeiten werden automatisiert, und das macht die neuen Technologien zum größten Treiber für wachsende Ungleichheit in Industriestaaten. Sie wirkten sich laut SZ stärker aus als die Globalisierung; Studien bestätigen demnach, dass zunehmende Automatisierung plus Auslagerung der Produktion ins Ausland plus zunehmender Preiskampf über Importe die normal qualifizierten Arbeitskräfte langfristig ihre Jobs kosten.

Damit vollziehen sowohl IWF als auch OECD eine Kehrtwende in ihren marktliberalen Ansichten. Es wird sogar vor den Schäden der Ungleichheit gewarnt; die gestiegene Ungleichheit habe das Wachstum der Industriestaaten von 1990-2010 durchschnittlich um 5% reduziert – im Fall Deutschland hochgerechnet rund 100 Mrd. Verlust.

An dieser Stelle soll es nun um personenbezogene Auswirkungen gehen, wie von der zynischen Erfolgsmeldung im Titel versprochen. Dazu hat die junge Welt einen Artikel namens Gestohlene Zukunft aufgelegt (8.). Der Autor Werner Seppmann beschreibt die katastrophalen Folgen der wachsenden Jugendarmut in den entwickelten kapitalistischen Ländern des Westens.

  • Seit Beginn der neoliberalen Umwälzungen (Deregulierung) in den 1970er Jahren geht die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander.
  • Arbeitslosigkeit breitete sich aus, überall entstanden prekäre Arbeitsverhältnisse.
  • In vielen Industrieländern, darunter den 35 entwickelten kapitalistischen OECD-Staaten, breiteten sich Verelendung und Hoffnungslosigkeit aus, wie sie bis dahin nur aus der "Peripherie" bekannt waren.
  • In der Bundesrepublik stecken 25% aller Beschäftigten in prekären Arbeitsverhältnissen, in den um sich greifenden Armuts- und Bedürftigkeitszonen leben inzwischen 20% aller Kinder.
  • 1965 war nur jedes 75. Kind auf Sozialhilfe angewiesen, heute ist es fast jedes fünfte.
  • Jugendarbeitslosenquoten in Griechenland: 45%, in Italien und Spanien 35-42%, in Frankreich, Belgien und Finnland über 20%, in Deutschland 7% – aber diese niedrige Quote ist fragwürdig, denn die Erfassung der Erwerbslosigkeit ist bei Jugendlichen sehr lückenhaft.

Der Autor bilanziert, dass auch bei Jugendlichen offensichtlich kein automatischer Zusammenhang zwischen Prekaritäts- bzw. Armutslagen und Protest- und Widerstandsverhalten besteht. Zur Entwicklung der Aktionsbereitschaft müssen die Jugendlichen das Bewusstsein entwickeln, dass ihre prekären Verhältnisse nicht 'normal' oder 'unabdingbar' sind. Und sie müssen erkennen was für ihre prekären Verhältnisse verantwortlich ist.

In die gleiche Stoßrichtung argumentiert der Freitag in einem anderen Artikel (9.) Die etablierten Parteien, die regierenden Politiker, die Öffentlichkeit der Bundesrepublik Deutschland, die Massenmedien und die Wissenschaftler beschäftigen sich kaum mit "der Zerklüftung unserer Gesellschaft". Anmerkung wb: Das erstaunt um so mehr, als sie sich intensivst mit den Belangen der Flüchtlinge und Immigranten befassen.

Damit keiner sagen kann, er hat es nicht gewusst, noch ein paar Links zur Schädlichkeit der zunehmenden Ungleichheit in Bezug auf das Wachstum. Die Friedlich Ebert Stiftung liefert ein Modell dazu (10.), die Ökonomenstimme (11.) rechnet genau vor warum moderne Indistriestaaten ein Viertel ihres BIP dafür aufwenden, die Folgen der Ungleichheit zu bewältigen:

  1. Kaufkraft muss mit bürokratischem Aufwand von Reich zu Arm zurücktransferiert werden.
  2. Die Wirtschaft muss unter hohem Werbeaufwand die Kaufkraft der Reichen mobilisieren, um Nachfrage für Bedürfnisse zu schaffen, die es eigentlich nicht gibt.
  3. Die Verwaltung der durch die Ungleichheit kumulierten finanziellen Ansprüche kostet auch.
  4. Die Ungleichheit führt zu schlechter Arbeitsqualität, was u.a. auch die Gesundheitsausgaben erhöht.

Höhere Profite werden noch immer auf Kosten der Arbeitenden realisiert, heißt der Spruch dazu. Aber es funktioniert nicht uneingeschränkt, und irgendwann muss doch mal ein Ende sein?!

Nachtrag 11.7.: Die Hurun Global Rich List 2018 (12., Bild: Hurun Report). Übersetzt bei atheisten-info.at (13.): Das Gesamtvermögen stieg um erstaunliche 31% auf 10, 5 Billionen US-Dollar, was 13,2% des weltweiten BIP entspricht, und fast das Doppelte der 7% des globalen BIP vor sechs Jahren. Rupert Hoogewerf sagte: "Nie war so viel Reichtum in den Händen von so wenigen konzentriert."

hurunlist2018

Medien-Links:

  1. World Inequality Report 2018 (World Inequaltiy Lab): In den letzten Jahrzehnten hat die Einkommensungleichheit in fast allen Ländern zugenommen, jedoch mit unterschiedlicher Geschwindigkeit, was darauf hindeutet, dass der Politik bei der Ausprägung der Ungleichheit eine wichtige Rolle zukommt.
  2. The Rise of Market Power and the Macroeconomic Implications (janeckhout.com 25.10.17): Using micro  data on the accounts of publicly traded firms in the US starting in 1950, we find that markups have been relatively constant between 1950 and 1980 at around 20% above marginal cost. From 1980 onwards, there has been marked change in this pattern with markups steadily rising from 18% to nearly 67% in 2014, a three and a half fold increase (die Waren werden mit 20% … 67% über den Kosten angeboten – markup = Preisaufschlag).
  3. For The First Time Ever, The "1%" Own More Than Half The World's Wealth: The Stunning Chart (Zero Hedge 14.11.17): According to our latest estimates, the top one percent own 50.1 percent of all household wealth in the world.”
  4.  Verteilungsgerechtigkeit (Der Freitag 12.11.15): Ein Plädoyer Wie entwickelt sich die Wohlstandsverteilung in Deutschland und welche Alternativen gibt es, auch unter Berücksichtigung des ökonomischen Anreizsystems?  
  5. Vergleich in der Euro-Zone Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland am größten (Spiegel Online 26.2.14): Manche haben Millionen, andere nur Schulden: Laut einer DIW-Studie sind die Vermögen in keinem Euro-Land so ungleich verteilt wie in Deutschland. Der durchschnittliche Besitz von Arbeitslosen hat sich seit 2002 fast halbiert.
  6. Vermögen in den USA, Ideal und Wirklichkeit (brilliante Visualisierung) (YouTube 20.1.14): Harvard fragte 5000 Amerikaner, wie sie die Ungleicheit in den USA einschätzen, und stellt dagegen die Realität.
  7. Neoliberal war einmal (Süddeutsche Zeitung 10.4.17): Immer mehr internationale Organisationen wie der IWF sorgen sich um die Ungleichheit. Eine Lösung: höhere Steuern für Reiche.
  8. Gestohlene Zukunft (junge Welt 9.7.):  In den entwickelten kapitalistischen Ländern des Westens wächst die Jugendarmut – die Folgen sind katastrophal (Vorabdruck aus dem Sammelband »Eine Welt zu gewinnen«, der bald im Kölner Papyrossa-Verlag erscheint).
  9. Armes Deutschland – Ungleichheit – Die Politik orientiert sich an den Interessen der Reichen – und ignoriert die Armut (Der Freitag 9.8.16): Immer reicher werden die Reichen und die Armen immer zahlreicher. Trotzdem hört man von den etablierten Parteien und regierenden Politikern nicht mehr als Lippenbekenntnisse im Kampf gegen die Armut. Warum beschäftigt sich die Öffentlichkeit der Bundesrepublik Deutschland, handle es sich nun um Parteien, Massenmedien oder Wissenschaftler, kaum mit der Zerklüftung unserer Gesellschaft?
  10. Zunehmende Ungleichheit verringert langfristig Wachstum – Analyse für Deutschland im Rahmen eines makroökonomischen Strukturmodells (Friedlich Ebert Stiftung 2017): In der langen Frist dominiert er (der Humankapitalkanal) die Gesamtwirkung, so dass nach 25 Jahren das reale Bruttoinlandsprodukt deutlich – um etwa 50 Milliarden Euro – unter seinem Vergleichswert in einem Szenario ohne Anstieg der Ungleichheit liegt.
  11. Die wahren Kosten der Ungleichheit (Ökonomenstimme 12.1.): Moderne Industriestaaten müssen mindestens einen Viertel ihres BIP allein dafür aufwenden, die Folgen der wachsenden Ungleichheit zu bewältigen, wie dieser Beitrag zeigt.
  12. Hurun Global Rich List 2018 (Hurun Report).
  13. Top 100 – Hurun Global Rich List 2018 (atheisten-info.at 11.7.).

Links von wb dazu:




Fußball-Intimitäten


footballgrass-369975_1280geraltHauchzart touchiert, brechen sie zusammen wie vom Blitz gefällt und wälzen sich in Agonie. So sehen Sieche aus – das ist ein Eigenzitat von wb. Bei der Fußball-WM in Russland (Bild: geralt, pixabay) zeigten besonders fortschrittliche Kämpen mit ihren Showeinlagen, dass es genausogut ohne die hauchzarte Berührung geht.

Solche Protagonisten verleihen dem Sport einen zusätzlichen amoralischen Touch. Nach der überkandidelten Geschäftemacherei ("Millionarios") und dem nichtendenden Doping ein Feature, auf das viele Zuschauer lieber verzichten würden (nochmal wb). 

Ansonsten zeigen sich viele Teams rustikal und angriffslustig (allgemein gesprochen, nicht unbedingt aus deutscher Sicht). Bestaunenswert ist, wie die Spieler das wegstecken, dass sie immer feste auf die Knochen kriegen. In manchen Spielen kann der Ballführende keine 10 m zurücklegen, ohne dass man ihn in die Horizontale transferiert. Das grenzt an Freistilringen, ist aber anscheinend so gewollt – wenn solche Ringer-Einlagen nicht sanktioniert werden, zieht man sich Ringerspiele heran. Ein paar Takte zum Thema mehr Sport fürs Geld.

Ultimative Elemente der Sieger-Ermittlung:

  • Elfmeter: die 11 kommt nicht von der Zahl der Spieler, sondern von den ursprünglichen 12 yards = 11 m,
  • Elfmeterschießen: wenn die Mannschaften sich nicht einigen konnten wer gewinnt, müssen sie nachsitzen, bzw. -schießen,
  • katholischer Elfmeter: Ohrfeige, der Empfänger kriegt eine geballert,
  • Verlängerung: Zwei drangehängte Dramolette vorm Elfmeterschießen.

Worauf es besonders ankommt:

  • Tor: heißt auf russisch genauso wie auf englisch/spanisch гол ("gol"),
  • Torschuss: Kopfstöße zählen ebenfalls zu den Torschüssen, alle zusammen gelten als Maß für die Angriffslust einer Mannschaft,
  • Torschusspanik: ist eigentlich die Panik vorm Nicht-Tor, vorm Vorbeischießen,
  • missed: sagt der englisch Sprechende beim Vorbeischießen (ohne Gewähr), der deutsch Sprechende sagt phonetisch und inhaltlich dasselbe mit Mist.

Ein paar Feinheiten unterwegs:

  • Kopfstoß: ist erlaubt, wenn er den Ball trifft, aber nicht, wenn er den Gegner trifft,
  • Rasenmäher: früher Spielstil ("Sense", "Blutgrätsche"), heute wichtiges Requsit für die Frisur der Spieler,
  • Abseits: wenn der vorderste Spieler hinter dem hintersten Spieler, d.h. aus der Sicht vom vordersten vor dem hintersten, also, wenn die Abwehrkette einen Schritt nach vorne macht, und der Angreifer bleibt stehen, dann ist der im Abseits.

Taktische Feinheiten:

  • Pressing: ständiges Anrennen auf die ballführenden gegnerischen Spieler,
  • den Gegner anlaufen: derjenige, der den Ball führt, wird angelaufen, angerempelt, festgehalten, umgerissen, geschubst, getreten, geschlagen, niedergestreckt,
  • Foul: nur teilweise regelkonform, darf man nur, wenn's der Schiedsrichter nicht sieht,
  • Fair play: den gegnerischen Spieler nur gerade so unsportlich angehen, dass der Schiedsrichter nicht pfeift,
  • Schwalbe: feindeinwirkungsfreies Fliegen – das ungehemmte Ausleben der Schauspielertalente zielt darauf, dass der Schiedsrichter doch pfeift, unberechtigterweise.

Und zum Abschluss:

  • Ballermann: Lehnwort aus dem urdeutschen Sprachfundus, wie gemacht für Fußball,
  • balla-balla: dieser Fachterminus beschreibt die Befindlichkeit der Fans,
  • balla nostra, der du bist im Himmel, so auf Erden …

 

Links dazu:




Sigmund Freud, ein „katholischer Sünder“ von Frank Sacco


davSigmund Freud zieht sich durch viele Artikel von Frank Sacco, Doktor der Medizin, ebenso wie die Höllenfurcht und das Sacco-Syndrom. Diesmal hat Sacco auch einen Hoppla-Effekt dabei (Bild: Sacco).

Sigmund Freud, ein „katholischer Sünder“ von Frank Sacco

Hoppla, werden sich einige fragen, wie kann ein Jude Katholik sein? Wie kann ein Frank Sacco jemanden zum Sünder machen, wo er doch weiß, dass der Begriff Sünde nur eine bösartige Erfindung Geistlicher ist, um ihren Terror ausüben zu können. Aber ich fungiere hier einmal als fiktiver christlicher Geistlicher. Und nur in diesem Kapitel.

Freud war Jude, aber die Eltern brachten ihm das Judentum nur oberflächlich bei. Kein Schweinefleisch. Der junge Freud ging aber zeitweise so oft in „jede“ Kirche, wie es seine katholische Kinderfrau tat. Sigmunds Kinderglaube war demnach auch der Katholizismus. Er wuchs bireligiös auf. Er war religionspsychogisch weniger Jude als gläubiger  Katholik.

In den diversen Kirchen wurde Sigmunds Gehirn gründlich gewaschen. In gottesdienstlicher Hypnose. In einer Brühe aus Gewalt und Angst. Jeder gläubige Jude ist ja nach dem Dogma Sünder, schon weil er Jude ist. Denn er wird nicht an die Auferstehung Jesu glauben, die Bedingung für eine „Rettung“.  Und nicht daran, dass Jesus  ein Sohn  Gottes oder gar selber Gott ist. Der Glaube, der im Christentum „vor der Hölle rettet“,  ist im Judentum Sünde. Auch sei jeder Jude ein Meuchel-Mörder am Jesus der Bibel, wurde dieser ja „von Juden ermordet“ und von einem Juden namens JUDAS „verraten“. Der Name Judas ist wohl kaum  Zufall. Jesu Blut „komme über uns“, sollen die Juden in einer „Selbstverfluchung“ ausgerufen haben. Sie seien die „Söhne des Teufels“, meint der gemeine Jesus der Schrift.  „Seel und Leib“ werde in der Hölle ewig brennen, so man nicht Buße tue. Doch die Voraussetzung für Buße ist oft eine Beichte. Dort wird die Art der Strafe festgelegt. Und eine Sünde vergeben. Doch zu der vergebenden Beichte durfte unser kleiner Sigmund nicht. Ja der Christengott könne Gedanken lesen, und folgerichtig bestrafen. Das lehrt das mildere Judentum nicht. Dort sind die Gedanken noch frei. Ja Jesus lehrt, es sei kommoder, sich bei sündigen sexuellen Gedanken ein Auge auszureißen, als in seiner Hölle ewig zu verbrennen, so die biblische  Lehre bis heute. So vergiftet der Sexmuffel  Jesus bis heute die Sexualität. Auch das Abhacken einer Hand sei angenehmer als seine Hölle. Dass diese Lehre Irrlehre und tiefer Aberglaube ist, teilte man dem kleinen Freud in den diversen Kirchen nicht mit. So entwickelte er ein Sacco-Syndrom. Eine religiöse Angsterkrankung. Man sollte als jüdischer Vater seinen Sohn halt nicht in die rauen Hände einer fundamentalistischen Gewaltkirche geben.

Der erwachsene Freud fiel des Öfteren in Ohnmachten. „Angst“ habe diese herbeigeführt, so Freud. Er habe eine „Neurose“. Daran solle man „arbeiten“. Voraus ging Freuds Ohnmachten jeweils eine Fach-Diskussion im Kollegenkreis über Morde an einem Gott. Die Tiefenpsychologen begannen ihre Arbeit: Freud habe als Einjähriger seinem Bruder und Säugling „vergiftete Muttermilch“ gewünscht, so eine Erklärung der „Fachleute“. Das ist nie Schuld, aber doch eine heftige „Sünde“ eines Einjährigen. Pfui! Die zweite Version im Umlauf war die: Er habe C. G. Jung den Tod gewünscht. Auch das ist wiederum keine  Schuld, aber eine furchtbare Sünde. Überhaupt: Freuds Psychoanalyse sei „vom Teufel“, so die kirchlichen Menschenschinder. Sie verteufelten den Angstpatienten Freud.

Erst derjenige, der 2018 die 4. Theorie der Tiefenpsychologie ablieferte, ein gewisser Frank Sacco, liefert uns die wirkliche Sünde des Analytikers. Es ist die birelitiöse Sünde eines Doppelmordes. Freud hatte mit seinem Satz „Religion ist Wahn“ gleich zwei seiner Kindheitsgötter vernichtet. Den aus der Bibel und den alten, ergrauten  Jahwe. Wiederum liegt also keine Schuld vor, sondern nur eine herbeikonstruierte Schuld mit dem Namen „Sünde“. Die Angst ergibt sich nun völlig von „selbst“, hat man sie als Psycho-Virus bzw. als „Schläfer“ dem kleinen Sigmund frühzeitig in Synagogen und Kirchen wie ein Brandmahl aufgedrückt. Es ist die Angst vor einem  Verbrennen in Ewigkeit, Amen.

Unsere heutigen „agnostischen“ und „atheistischen“ Psychiater haben in der Regel den gleichen tiefen orthodoxen Glauben, wie ihn Freud hatte. Sie sind in ihrem ihnen unbewussten Kern ebenso gläubig wie die heutigen Kollegen in den USA. Das stellte L. I. Hofmann in ihrer Doktorarbeit fest (Uni Oldenburg). Und sie haben die gleiche Sünde begangen. Die Juden gegen Jahwe, die Christen und Ungläubigen gegen den Heiligen Geist. Diese Sünde ist es, die für Übertragungen und die sehr hohe Suizidrate im therapeutischen Milieu verantwortlich ist. Sie erklärt uns die Schweigsamkeit meiner Kollegen in Sachen Religionskritik. Das Maß ihrer Sünde ist halt voll. Man begeht den Kunstfehler, Sacco-Kranke zum verursachenden Klerus zu schicken. Ein ausgewachsener Skandal.

Am Grad des Widerstandes gegen eine psychoanalytische Erkenntnis kann man nach Freud ziemlich exakt deren Richtigkeit bemessen bzw. sogar nachweisen. Ich legte 2009 eine „Psychoanalyse der Kirchen und der Psychoanalytiker“ vor und sandte sie der Dachorganisation der Psychiatrie, der  DGPPN. Die informierte umgehend die Bundesärztekammer. Schon vorher hatte ein Psychotherapeut mich bei der Polizei angezeigt. Ich könne so gefährlich sein wie der „Amokläufer von Winnenden“. Ob ich „Waffen“ hätte oder „Jäger“ sei. Er fühle sich „bedroht“. Es resultierte eine verdeckte Ermittlung gegen mich, zuletzt auch durch das Landeskriminalamt. Ja man betrieb meinen Approbationsentzug. Die Psychiatrie lief also Amok. Nicht ich. Man erklärte mich für paranoid und scheute zuletzt nicht vor einer schweren Körperverletzung zurück. Doch ein Analytiker muss mit solchen Maßnahmen rechnen, wenn er gut ist. Und ich bin gut. Wer sonst hat den vermeintlichen Atheisten Sigmund Freud und seine Kollegen richtig analysiert?

Freud selbst berichtet uns ja über etliche Patientinnen mit einem Sacco-Syndrom. Oft ist frühkindliche oder spätere Sexualität die „Sünde“. Doch er kann den Frauen nicht grundsätzlich helfen. Denn er kann einer Gewalt-Kirche keine Schuld geben. Er kann nicht über Sünde und deren Strafe im Jenseits nachdenken und schon gar nicht einen religiös vermittelten Aberglauben als solchen entlarven.  Das Wort „Hölle“ kommt bei ihm nur als Rarität vor. Hier nur ein Fall von vielen: In „Zur Psychotherapie der Hysterie“ beschreibt Freud den Casus einer Angstpatientin mit „hartnäckigen“ Bauchschmerzen. Ihr erschienen ein großes schwarzes Kreuz und ein Haufen Schlangen. Freud deutet ihr an, dass man unter dem Kreuz „meist eine moralische Last“ verstünde. Freud glaubt sich in die „Seelenkrämpfe, in die Vorwürfe, die sie sich macht, eingeweiht“. Das Wort Sünde kann er allerdings nicht über die Lippen bringen. Seine Klientin hatte wie auch ihr Analytiker den jeweiligen Kindheitsgott verraten. Sie hatte sich einem „Okkultismus“ hingegeben und damit eine Sünde wider den Heiligen Geist begangen, einen Geist, den es, wie alle Geister, ja gar nicht gibt. Er ist eine bösartige Erfindung, die unsere geschlossenen Abteilungen auf unseren Psychiatrien mit Schwerstkranken und so manche Gräber mit Suizidenten füllt.

Freuds berühmte Patientin Elisabeth. v. R. hatte sich übrigens über den Tod ihrer Schwester gefreut. Nur kurz, aber es langte völlig für die Entstehung eines Sacco-Syndroms in Form einer schweren masochistischen „Fibromyalgie“. Bei einer  anderen „glücklich verheirateten Frau“ äußerte sich das Sacco-Syndrom in Absencen. Sie hatte frühkindlichen Sex mit ihrer Gouvernante. Und  sich wohl, wie es sehr oft bei den Kindern der Fall ist,  selbst schuldig und sündig gefühlt.

sdr

(Bild: Sacco) Frank Sacco ist Autor von Das Sacco Syndrom und Autor der Bücher

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® Hexenjagd statt Problembewältigung


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In der besten aller Welten geht das so: Wenn ein Mißstand erkannt wird, greift die Politik ein und beseitigt ihn.

In der Realwelt hat sie den Mißstand als solchen beseitigt und durch das Wort Missstand ersetzt. Das macht ihn schwer lesbar; aber auch wenn man Msistsnad draus gemacht hätte, wäre der Murx noch da. Die Umbenennerei ist symptomatisch für die heutige Herangehensweise.

Man will es gar nicht mehr mit den Mißständen aufnehmen, man tut nur noch so als ob (wb-Link So tun als ob). In dieser Hinsicht haben Politik, Medien und Gesellschaft auf allen Gebieten Fortschritte erzielt. Ein Beispiel ist der Sport, Hauptabteilung Doping.

Sport

Doping ist verboten und wird deshalb getestet und verfolgt. Das Geheimnis ist nun, so zu tun als, ob man ernsthaft dagegen angehen wollte. Aber wie könnte man das, wenn das Rennradfahren dann komplett ausfallen würde, das Gewichtheben dito, und das Laufen vom Sprint bis zum Marathon gebremst wird?

Stattdessen werden lange und unübersichtliche Berichte über zweifelhafte Praktiken lanciert, die immer insinuieren, jetzt isses soweit, und sie kriegen jemand dran. Isses aber nicht, und es kommen neue Berichte mit neuen Verdachtsmomenten usw. usf. Die Saubermänner sind überaus tüchtig bei ihrer Drecksarbeit des Vertuschens.

Natürlich wird schon mal jemand drangekriegt, der nicht aufgepasst hat und der nicht die volle Rückendeckung der Anwälte/Ärzte/Funktionäre hat. Wenn's gar nicht mehr anders geht, wird dann einer ausgeguckt, der stellvertretend für andere abgeschlachtet wird. Das ist dann die Hexenjagd anstelle der Problembewältigung (Bild: OpenClips, pixabay).

Man erinnert sich an das widerwärtige Schauspiel, als der Radrennfahrer Armstrong in die Pfanne gehauen wurde (1. Link). Über Monate hinweg wurde auf dem rumgetrampelt. Man meint aber zu wissen, dass die anderen genauso fleißig gedopt haben, doch es hieß nur Armstrong hin und Armstrong her. Es war eine muntere Hexenjagd, die solange anhielt, bis das Interesse insgesamt abkühlte und die anderen weiterdopen konnten. Es war sozusagen eine Placebo-Aktion, zumal Armstrong ja schon lange außer Diensten war.

Aktuell gibt es wieder jemanden, der in der Szene unbeliebt ist, der Radrennfahrer Froome – und der wurde gerade freigesprochen (2.). Es ist ja nicht so viel medialer Druck dahinter. Im Sommer 2018 machen nämlich die Fußballer die Doping-Schlagzeilen (3.). Aber man kann Doping-Vorwürfe zu jedem beliebigen Zeitpunkt finden, während von echtem Durchgreifen nur ganz selten berichtet wird.

EU-Parlament

Das Prinzip der Hexenjagd anstelle von Problembewältigung ist allgemeingültig. Zuerst kommt das Wegducken und Nebelwerfen, bis es gar nicht mehr anders geht. Und dann geht es seinen Gang, Beispiel Politik: Die Lobbys sind so mächtig, dass sie alles und jedes ausbremsen können. Das machen sie so lange, bis ein Wirbel nötig ist. Dann wird sich allgemein aufgeregt, die Medien berichten darüber, bis es keiner mehr hören mag, und unweigerlich landet das Vorhaben dann im Europaparlament.

Dort legen sich die Konservativen quer und verwässern die Vorlage und schieben die entschärfte Version bis 2025 auf. Der Chef der EU-Kommission Juncker ist sinnigerweise ein Top-Lobbyist der Steuervermeidungsindustrie. So kommt es, dass die Steuerflucht immer noch prosperiert, wenn nicht in Luxemburg, Liechtenstein und der Schweiz, dann eben in Singapur, Hongkong und Panama.

Die einzige Institution, die ernsthaft was gegen die Steueroasen unternommen hat, war das Finanzministerium der USA. Die haben der Schweiz gezeigt, wie Druckmachen geht. Ehe die Banken ihre Lizenz für den US-Markt verlieren, knicken sie lieber ein. Die Methode ist bekannt, und man wartet, dass sie flächendeckend angewendet wird. Aber das hieße, das Prinzip Hexenjagd statt Problembewältigung zu missverstehen. Man veranstaltet halt nur einen Bohei, man greift sich ein paar entbehrliche Sünder und lässt ansonsten alles weiterlaufen.

In Deutschland tat sich nur der SPD-Politiker Norbert Walter-Borjans in Richtung echter Problembewältigung hervor (wb-Link Borjans). Er kämpfte nicht nur gegen Steuerflüchtlinge, sondern sogar gegen den (Ex-)Bundesfinanzminister Schäuble, der ihn ausbremsen wollte. Nach der Abwahl der nordrhein-westfälischen SPD-Regierung wurde Walter-Borjans abgehalftert, und die SPD kramte andere eminente Kandidaten hervor – nicht zu ihren Gunsten.

EZB

Natürlich ging es mit dem steuerflüchtigen Aufräumen nicht weiter. Natürlich wurde nur diskutiert, national, europäisch, global. Aber der Hype war längst abgefeiert, der Steuer-Schurkenstaat Schweiz war empörungsmäßig abgeschlachtet. Die Schweiz machte daraufhin begrenzte Zugeständnisse und gab schöne ("Weißgeld") Versprechen ab. Schon flaute das Interesse ab, und man konnte weitermachen. Und im Zweifelsfall übernimmt Singapur (wb-Links Schweiz)

Die Staatsanwaltschaften unternehmen kaum noch etwas gegen die Steuerflucht. Den Top-Politikern ist sie egal, denn es ist leichter, dem Mittelstand Steuergeld aus der Tasche zu ziehen. Mit der Steuerflucht-Bekämpfung geht es überhaupt nur voran, wenn wieder was geleakt wird oder Steuer-CDs auftauchen. Nix mit Problembewältigung und die Steueroasen endlich alle drankriegen (wb-Link Leaks).

In die Gegenrichtung geht es mit 1000-facher Energie. Der Boss der EZB, Draghi, ist ein Top-Lobbyist der Banker, der sich durch seine Bankenbeglückung hervortat. 2015, als dieser Artikel geschrieben wurde, haute er 2 Mrd. Euro pro Tag an die Banken raus – und als der Artikel 2018 überarbeitet wurde, waren es wieder 2 Mrd. pro Tag (angeblich nur bis Jahresende). Aus der Bankenbeglückung ist inzwischen eine Staatsfinanzierung geworden. Italien ist der Verlockung des billigen Geldes erlegen und de facto pleite (wb-Link Pleitepolitik).

Was der demokratisch nicht legitimierte Draghi an Politik treibt, hat mehr Effekt als alle Steuerkontrollen zusammen. Aber in Richtung Reichtumspflege wirken natürlich ganz andere Kräfte als die schwächlichen Bestrebungen in Richtung Allgemeinwohl. Abzulesen an der zunehmenden Ungleichheit.

Banken

Mühelos wird jetzt verständlich, warum es beim Aufräumen mit den (Groß)Banken nicht vorangeht. Ein Skandal nach dem anderen wird aufgedeckt, es gibt Bußgelder in den USA (die meistens Deals sind), und in Deutschland gibt's nix, außer gelegentlich einen Betrugsprozess. Ein Wirtschaftsstrafrecht kennen wir immer noch nicht, und wir müssen zusehen, wie die (Groß)Banker sich nach wie vor bonimäßig bedienen, selbst wenn die Banken Verlust machen (wb-Link Wirtschaftsstrafrecht).

Eine echte Wiedergutmachung der Schäden steht immer noch nicht auf der Agenda. Im Gegenteil, die Banken werden gepäppelt ohne Ende. Sie haben die geschenkten Milliarden Rettungsgeld von 2008 geschluckt, und der irre Dreh, dass der Staat sich das Geld bei den Banken pumpte, um es ihnen (nicht unbedingt denselben) zu schenken, bringt ihnen obendrein Zinsen ein. Die Eurozone hat in 10 Jahren Krisenbewältigung immer noch keine Regelung geschaffen, die staatliche Rettungsbemühungen für Pleitebanken zuverlässig verhindert.

Auch hier Hexenjagd statt Problembewältigung. Ab und zu ein Hype, und wenn der nächste Skandal hochkocht, wird wieder über Bankenregulierung diskutiert. Dann werden ein paar Gesetze angeschoben, die in EU-Parlament und EU-Kommission verwässert und mit Schlupflöchern bestückt werden. Inzwischen mag der Höhepunkt der Deregulierung von 2008 überschritten sein, aber man ist weit von dem entfernt, was man 1970 hatte.

Neue Regeln stören ohnehin nicht allzusehr. Man hat ja jetzt die Schattenmärkte, wo alles abtauchen kann, was das Licht scheut (wb-Link Schattenbanken). Dort ist nix reguliert, und deshalb boomt dieser Bereich phantastisch (auf dem Weg von 1/3 zu 1/2 des gesamten Finanzmarkts). Dass diese Bereiche wegreguliert gehören, ist nicht mal Thema der Diskussion.

Zustände

Auf der einen Seite die prosperierende Reichtumspflege, auf der anderen die Prekarisierung. Auf beiden Gebieten gibt es große Fortschritte. Die Methoden der Lieferandos usw. sind bekannt. Ein Beispiel aus der Textilindustrie (4.) beklagt die unveränderlichen Zustände nicht nur in Asien oder Mittelamerika: Die Menschen werden weiter unter Druck gesetzt. Nur die Methoden sind subtiler.

D.h. keine Prügelstrafen mehr und keine obligatorischen Schwangerschaftstests für Frauen, die neu in der Fabrik anfangen. Aber immer noch keine auskömmlichen Löhne, und stattdessen unbezahlte Überstunden. Das Prinzip funktioniert überall. Ab und zu ein bisschen Hexenjagd bei den schlimmsten Verstößen, dort werden ein paar Schuldige drangekriegt, ansonsten geht's weiter wie gehabt. 

Und wenn sich der Protest formiert, wie in 2015? Dann können die Gewerkschaften existenzsichernden Mindestlohn fordern, und das tun sie vor allem in den USA (5.). In den USA marschieren die Menschen recht erfolgreich für das 15-Dollar-Ziel, und in Deutschland wurde der Mindestlohn ohne Systemzusammenbruch eingeführt.

Der gewitzte wissenbloggt-Leser weiß aber: Hexenjagd ersetzt die Problembewältigung. Wenn der Hype für mehr Kohle vorbei ist, wo stehen wir dann? Kommen die Gewerkschaften tatsächlich nochmal hoch, um Ungleichheit und Ungerechtigkeit niederzuzwingen? Oder geht es nur um die einstweilige Beruhigung, und ansonsten wie gehabt?

Politik

Was zur Zeit der ersten Publikation des Artikels noch nicht auf der Agenda stand, war die Migrationsbewegung. Die liefert nun ein exemplarisches Beispiel für Hexenjagd statt Problembewältigung: Es werden Privilegierte gefördert, während die große Masse der Menschen in Not ohne substantielle Hilfe bleibt – und dabei wird so getan, als ob damit das Problem zu lösen wäre.

  1. Ganz Sendungsbewusste glauben, sie (genaugenommen wir) könnten allen helfen, wenn nur die Grenzen offen sind.
  2. Der realistisch angehauchte Wohlmeinende zieht lieber ein paar Stolperschwellen unterwegs hoch, damit nicht alle kommen können, und trotzdem kann er so tun, als ob er allen helfen wollte.
  3. Realisten sehen die Notwendigkeit der Hilfe vor Ort, statt alle nach Deutschland zu locken.

Die Diskussion darüber verlief sehr dogmatisch und unfreundlich. Die Immigrationsgegner wurden als Rassisten und Fremdenfeinde abgestempelt, während die selbsternannten Menschenfreunde nur die Flüchtlinge lieben und ihre Landsleute hassen, wenn die nicht auf derselben Schiene denken.

Der aktuelle politische Bohei vom Sommer 2018 sieht eine Konfrontation von 2. (Bundeskanzlerin) und 3. (Innenminister). Deprimierend ist die Heuchelei, mit der alte und neue Standpunkte als "Erfolge" verkauft werden (wb-Link Kanzlerin verbreitet Lügen). Da werden mal wieder Hexen gejagt und nicht Probleme gelöst.

 

(Dieser Artikel wurde am 8.4.15 publiziert und am 3.7.18 überarbeitet.)

Medien-Links:

  1. Fall Armstrong – Der größte Dopingskandal der Sportgeschichte (Spiegel Online 11.10.12): Lance Armstrong hat systematisch gedopt und Kollegen zum Doping angestiftet: Der Usada-Bericht zeigt detailliert, wie der siebenmalige Tour-de-France-Sieger die Radsport-Welt jahrelang nach Strich und Faden betrogen hat – und warum er niemals bestraft wurde.
  2. Tour de France – UCI stellt Doping-Verfahren gegen Froome ein (Spiegel Online 2.7.): Der Weltverband UCI hat das Doping-Verfahren gegen Radprofi Christopher Froome eingestellt. Damit dürfte der Weg zum Start des 33 Jahre alten Briten am kommenden Samstag bei der Tour de France frei sein.
  3. Geheimsache Doping: Brasiliens zwölfter Mann. Tricksereien im Land des Fußballs (ARD Sportschau 2.7.): Recherchen der ARD-Dopingredaktion enthüllen die dubiosen Praktiken eines brasilianischen Promiarztes. Aufnahmen mit versteckter Kamera zeigen, wie der Mediziner Mohamad Barakat aus Sao Paulo einem Lockvogel Dopingmittel verschreibt.
  4. Kommentar Zementierte Missstände (Süddeutsche Zeitung 6.4.15): Die Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie sind immer noch schlecht. Und das ist nicht nur in Asien oder Mittelamerika so.
  5. The Great Divide – All Economics Is Local (New York Times 22.3.14): Twenty-one states (and Washington, D.C.) currently have wage floors above the federal level ($7.25), and 11 of these raise them every year to account for inflation.

Links von wissenbloggt dazu:




Stimmungsmache pro Immigration durch mediale Manipulation


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Am Beispiel eines SZ-Meinungsartikels wird in diesem Text vorgeführt, wie manipulativ die Agendasetzung der Willkommenskultur medial durchgezogen wird (Bild: MIH83, pixabay).

Wäre das nur auf der Meinungsseite so, würde sich niemand beschweren. Aber es zieht sich durch große Teile der Süddeutschen Zeitung. Auch die Zeit ist betroffen – dort zeigt sich eine Diskrepanz zwischen dem redaktionellen Teil und der Mehrheit der Leserkommentare – und natürlich die ÖR-Programme, der Staatsfunk, der sich genausogut Radio Merkel nennen könnte.

Dieser wissenbloggt-Artikel befasst sich mit einem von Gesinnung & Gestaltung her typischen SZ-Artikel (Link unten). Zu dem Thema wurden schon umfangreiche Analysen durchgeführt (wb-Link  Mainstreammedien), um die Schieflage der Immigrations-Berichterstattung aufzuzeigen.

Nicht dass es viel geändert hätte. Das Thema wird zunehmend freier und mit weniger schlimmen Schuldvorwürfen diskutiert, aber das liegt eher daran, dass die Unterdrückung nicht beliebig lange aufrecht erhalten werden kann. Einige Aspekte der neuerdings geplanten Maßnahmen sind so, dass die Bundeskanzlerin nach den bisherigen Maßstäben als Ausländerfeindin und Rechtspopulistin gelten müsste.

Trotzdem bleiben einige Mainstream-Medien ihrer Agenda treu, nicht nur die SZ. Das Pikante dabei ist, dass sie eine extreme linksgrüne Ansicht transportieren ("no border"), die durch Akte der Willkür in der Politik etabliert wurde.

Die konträre Ansicht ist im Gegensatz dazu demokratisch fundiert. Nicht durch die Rechtsradikalen und Fremdenfeinde. Sondern durch die Bevölkerungsmitte, die jahrelang als Nazis, Rassisten und Rechtspopulisten verunglimpft wurde, sobald sie die No-border-Schiene hinterfragte. In Wirklichkeit hat sich diese Mehrheit sehr hilfsbereit und fremdenfreundlich gezeigt und riesige Geldbeträge aufgebracht.

Dabei wurde sie nie gefragt, ob sie no border und die damit verbundene Pseudohumanität überhaupt will (überteures Hilfsprogramm für die hier Ankommenden, ignorieren der wirklich Hilfsbedürftigen). Sie wurde nicht gefragt, ob die Immigranten auf Dauer bleiben dürfen, oder ob das gesetzlich vorgesehene Asylende gelten soll. Mit dem Imperativ "Integrieren" und Familiennachzug sogar für Abgelehnte ("subsidiär Geschützte") wurden einfach Fakten geschaffen.

Und die Bevölkerung soll auch nicht gefragt werden – das geht aus den inkriminierten Verlautbarungen zur Immigrationslage klar hervor. So wie es ist, soll es weitergehen, und keiner soll dabei mitreden dürfen. Hier die Analyse vom SZ-Text in tabellarischer Form:

__________beanstandet__________ __________Begründung__________
"Wer die Humanität nicht preisgeben will …" Vereinnahmung: Humanität ist das, was wir treiben, egal was andere meinen.
"Der europäischen Rechten wird die Tür zur guten Stube der EU geöffnet vom deutschen Innenminister." Solches Demokratieverständnis hat mit Volkswillen nichts im Sinn.
"Wunschzettel innenpolitischer Hardliner: Abschiebezentren, Sanktionen, Sammellager, Grenzabweisungen, von Integration keine Rede." Das soll alles verboten sein, da darf nicht drüber geredet werden – der Volkswille zählt gar nicht.
"Zwei Gipfel in Brüssel, bei denen Merkel vieles erreichte." Nichts außer Augenwischerei (wb-Link Lügen).
"Worte wie 'Willkommenskultur' oder 'Wir schaffen das' mag unter Europas Staatschefs kaum noch jemand hören." Weil andere Staatschefs auf ihre Bevölkerung hören, nur Merkel nicht.
"Europa im Frühsommer 2018 ist ein Ort, an dem Sicherheit und  Wohlstand nicht mehr freiwillig mit den Ärmsten der Erde geteilt werden." So ein Ort war Europa noch nie. Die Immigration versucht auch nur, es zu einem Ort zu machen, wo mit Privilegierten geteilt wird. Um die Ärmsten der Erde geht es gar nicht.
"Verachtung für angeblich schwächliche Demokratien breitet sich aus wie ein Schwelbrand. Und Seehofer facht den Brand an." Populistische Hetze. Wer die Demokratie verachtet, sind die grünlinken No-border-Durchsetzer.
"Die neuen Bevölkerungspolitiker wollen Migranten aus der Mitte der EU an ihre Ränder und weiter schieben." Die wollen sie gar nicht erst anlocken. Es ist schließlich kein Naturgesetz, dass sie kommen müssen. Hilfe vor Ort ist 100-mal besser.
"Die europäische Werteunion will das 'Weltproblem Flucht' in Staaten auslagern, in denen es weder belastbare Rechtssysteme noch wehrhafte Zivilgesellschaften gibt." Umgekehrt, sie wollen nicht dass es hierher verlagert wird – Manipulation pur.
"Humanität und Verantwortung für die Gebeutelten des Planeten sind das Innerste, was die EU zusammenhält." Nein, Verantwortung für die Europäer ist der innerste Zusammenhalt der  EU.
"Wehret den Anfängen, sonst macht die neue Rechte mit ihren Handlangern Europa kaputt." Nein die Grünlinke macht Europa kaputt und bringt die Rechte hoch.

Bezeichnend an solcher Agenda ist die Komplettverweigerung der Diskussion. Die Gegen-Standpunkte scheinen einfach nicht erwägenswert. Es wird argumentiert, als ob es selbstverständlich wäre, dass alle herkommen, als ob keine bessere Art der Hilfe möglich wäre.

Und es wird unausgesprochenermaßen davon ausgegangen, dass die Immigranten hierher gehören und ewig bleiben.

Ergo, man hat die Humanität gepachtet, egal ob's in Wirklichkeit nur Privilegiertenpäppeln ist. Man hat die Demokratie gepachtet, und "Die Demokratie ist in Gefahr, weil die Falschen die Wahlen gewinnen." Und man hat die Deutungshoheit gepachtet, nach der alles gut ist, wenn Merkel drunter steht.

So sieht das Stimmungsbild der deutschen Migrationspolitik im Sommer 2018 aus.

Dazu Anmerkung von atheisten-info:

Es geht heute politisch ums Fressen und nicht um die Moral

Der Spruch von Bert Brecht, zuerst kommt das Fressen, dann die Moral, stammt aus der Dreigroschenoper, das gesamte Zitat lautet:
"
Ihr Herrn, die ihr uns lehrt, wie man brav leben,
Und Sünd und Missetat vermeiden kann,
Zuerst müsst ihr uns was zu fressen geben,
Dann könnt ihr reden, damit fängt es an.
Ihr, die ihr euren Wanst und unsre Bravheit liebt,
Das eine wisset ein für allemal,
Wie ihr es immer dreht, und wie ihr's immer schiebt,
Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.
Erst muss es möglich sein auch armen Leuten,
Vom großen Brotlaib sich ihr Teil zu schneiden."

Wobei real gesehen unter "Fressen" all das zu verstehen ist, was Abraham Maslow unter die drei ersten Stufen seiner Bedürfnispyramide eingereiht hat:

  1. Physiologie (Hunger, Durst, Geschlechtstrieb),
  2. Sicherheit,
  3. Zuwendung und Zugehörigkeit.
  4. Unter "Moral" stehen die Stufen
  5. Wertschätzung und
  6. Selbstverwirklichung.

Das Individuum strebt danach, dasjenige Bedürfnis zu befriedigen, das frustriert wird!

Bezeichnend ist, dass jeder von uns mit dem Niedrigsten in der Hierarchie beginnt und sich zum Höchsten hinaufarbeitet. Dieses Schema ist in Hinblick auf die Evolution zutiefst sinnvoll, denn es spiegelt eine Hierarchie menschlicher Bedürfnisse wider, die sich nicht signifikant von denen unterscheiden, für die sich die natürliche Auslese entschieden hat.

Das aktuelle Problem ist es jedoch, dass die politisch dominierenden Etablierten auf der "Moralstufe" stehen und die Stufe "Fressen" überhaupt nicht mehr wahrnehmen!
Denn in ihrem Dasein dominiert die Moral, weil das Fressen keine Rolle mehr spielt, diese Bedürfnisse sind im Establishment längst befriedigt! Das als "Gutmenschentum" verhöhnte Verhalten, ist der Ausdruck des persönlichen Strebens nach Wertschätzung und Selbstverwirklichung, man ist z.B. willkommenskulturell und almosenmäßig tätig und alle müssten mittun…

Da jedoch in der breiten Masse der arbeitenden Menschen das "Fressen" als Beschreibung der Gesamtheit von elementaren physischen und psychischen Grundbedürfnissen das Wesentliche ist, ist das dort herrschende Bewusstsein ein völlig anderes als das Bewusstsein der längst vollgefressenen Moralbeherrschten!

Die herrschende Klasse verwirklicht sich durch das Profitsystem, die Klasse der selbstauserwählten Etablierten durchs politisch korrekte Moralisieren, die arbeitende Klasse empfindet sich jedoch in ihrem Dasein im steigenden Ausmaß als bedrängt und bedroht, ausgebeutet, ignoriert und alleingelassen!!!

Abschließend dazu wieder das Zitat des grünen Bürgermeisters von Tübingen, Boris Palmer: "Das Phänomen ist überall in Europa gleich: Links meint man im Besitz der Wahrheit über Humanität und Flucht zu sein und treibt damit die Leute den Rechten so lange zu, bis sie die Macht haben."

ES GEHT UMS FRESSEN – NICHT UM DIE MORAL

Link zum Artikel von atheisten-info.at (Angefügt 8.7.)

Medien-Link:

Asylkompromiss – Wer die Humanität nicht preisgeben will, muss jetzt Bündnispartner suchen (Süddeutsche Zeitung 3.7., im Druck: Ab in die Wüste): Der Preis für die Unions-Einigung ist zu hoch. Seehofer hat Merkel eine Kehrtwende in der europäischen Asylpolitik abgepresst. Die folgt der Logik der neuen Rechten.

Links von wissenbloggt:




Schwein gehabt? Gott sei Dank!


scary-1529038_1280Bei atheisten-info.at nutzt Erwin Peterseil die Gelegenheit zur Reflektion über abergläubische Sprüche. Wenn's schiefgeht, sagt man Schief! oder so ähnlich, und damit ist das abgetan.
 
Bloß warum wird man gleich persönlich, wenn's gutgeht? Dann muss ein Gott herhalten, beklagenswerterweise (Bild: 1782376, pixabay).

Gott sei Dank

Diesen Spruch hört man ständig, ist etwas besser ausgegangen als zu befürchten gewesen war, dann sagen die meisten Leute reflexartig, "gottseidank ist dann doch nix passiert" oder so. Das ist wohl ein historisch den Leuten eingeimpfter Sager, wenn was gut ausgeht, dann müsse man Gott danken, der Gott-sei-Dank-Spruch wurde dadurch zu einem eintrainierten Synonym für "zum Glück",  "glücklicherweise", "erfreulicherweise". Sogar mein Winword-Thesaurus zeigt zu den angeführten Wörtern und zu "Gott sei Dank" jeweils die jeweiligen anderen Wörter als Synonyme an.

Aber warum soll Gott gedankt werden, wenn etwas doch nicht schief gegangen ist? In der Bibel steht doch, dass der Christengott für alles verantwortlich ist! Mt. 10, 29-30: "Verkauft man nicht zwei Spatzen für ein paar Pfennig? Und doch fällt keiner von ihnen zur Erde ohne den Willen eures Vaters. Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt." Wenn sich also der HErr um herabfallende Spatzen kümmert und um ausgefallene Haare, dann wird er ja auch von verlorenen Schnupftüchern über verstauchte Knöchel bis zu Erdbeben für alles zuständig sein!

Und müsste da ein gläubiger Christ, der ständig "Gott sei Dank" sagt, nicht darüber nachdenken, warum ihn der HErr in Situationen bringt, wo er sich fürchten muss und dann Gott zu danken hätte, wenn's doch nicht ganz schlimm kommt, wie zuerst zu befürchten war, er sich schließlich vielleicht nur das Nasenbein und nicht das Genick bricht?

Und müsste dann ein Gläubiger – statt Gott zu danken – nicht rufen, HErr warum schreckst du mich so! Wenn du die Haare auf meinem Kopf zählst, dann kannst du ja auch darauf aufpassen, dass ich nicht … (befürchtetes Missgeschick anführen), weil als Christ müsste ich dir doch soviel Wert sein wie ein Spatz!

Warum schreib ich diesen Blödsinn hier? Weil es auch Religionsfernen und Religionsfreien reflexartig passiert, dass sie gedankenlos "Gott sei Dank!" rufen. Das kann man sich abgewöhnen, weil man es ja gar nicht meint. Und was man nicht meint, soll man auch nicht sagen!
 

Link zum Originalartikel bei atheisten-info.at

Humoristische und halbernste Götter-Links von wissenbloggt:

Seriöse Götter-Links von wissenbloggt:




Beschleunigte Zeiterfassung: Computerzeit hoch aufgelöst


time-2801595_1280Die Physik diskutiert, ob das kleinste Zeitintervall nicht mehr die Planck-Zeit (10-43 sec) sei, sondern ein Intervall, das erheblich darüber liegt (wb-Link unten). Gar so weit ist die Computertechnik noch nicht, aber sie operiert bereits mit Nanosekunden (10-9 sec). Eine ähnliche Zeitspanne soll nun ausreichen, um Computernetze zu synchronisieren (Bild: geralt, pixabay).

Ein Artikel der New York Times erläutert, worum es geht (Link unten). Betroffene der Zeitverkürzung sind die Flash Boys, die Hochfrequenzhändler, welche die Börsen z.B. mit schnell zurückgezogenen Scheinaufträgen zur Pervertierung der Anlageidee missbrauchen (beschrieben in den wb-Links Hochfrequenzhandel und Flash Boys). Wenn sich das neue System durchsetzt, können die Hochfrequenzhändler mit ihren Aufträgen keine anderen mehr überholen.

Aktuell gibt es einen technischen Fortschritt, der genaueste Unterscheidung erlauben soll, wer wann einen Auftrag plaziert. Bei 10-9 sec gerät man noch lange nicht in relativistische Bereiche, so dass es keine theoretischen Probleme mit solchen Feststellungen gibt, was war gleichzeitig, wer kam zuerst? Praktische Probleme gibt's sehr wohl, und an denen arbeiten Computerwissenschaftler der Stanford University und von Google (beides bei San Francisco).

Es geht da um Zeitintervalle, die weit unter der Zeit liegen, die man fürs Drücken der Enter-Taste braucht (genannt werden 5 msec). Tastaturen und Tastendrücke sind sowieso nicht im Spiel, da dreht sich alles um Computer, die softwaregesteuert Orders und Fake-Orders geben, und die solche Kaufaufträge wieder zurücknehmen, ehe jemand sie annehmen kann. Klar, dass es da auf jede Nanosekunde ankommt.

Was unausgesprochenermaßen im Hintergrund mitklingt, ist der Zoff um solche Orders, hast du schon gekauft, oder hab ich rechtzeitig zurückgezogen? Oder kam mein Kaufauftrag vor deinem?

Daran kann sehr viel Geld hängen, und das erklärt auch, warum solcher Aufwand getrieben wird. Inzwischen gibt es Technologie, die auf die hundertmilliardenstel Sekunde (10-11 sec) genau die Stoppuhr drückt. Das ist nicht einfach, denn heute läuft das Börsenprogramm ja nicht mehr auf einem einzigen Großrechner, sondern auf einem gigantischen Netzwerk von Computern, die alle miteinander synchronisiert werden müssen. Der Spruch mit der Stoppuhr ist natürlich nur metaphorisch gemeint, und es handelt sich ganz bestimmt nicht um Uhren wie auf dem Bild oben.

Als Kunde für die beschleunigte Zeiterfassung tritt die Nasdaq auf, die New-Yorker Börse. Dort laufen in jeder Sekunde Millionen Orders ein ("millions of stock trades that are placed on their computer systems every second"). Auch wenn die Hälfte davon Flash-Trading-Müll ist, muss alles akkurat erfasst werden; schließlich hängt ganz viel Geld dran. Die akkurate Reihenfolge der Orders zu bewahren, bedeutet Profite zu schützen, und das ist ein hehres Ziel. Wenn der eine Kunde dem anderen was vor der Nase wegschnappen will, soll der schnellere gewinnen – the winner takes it all (wb-Ergänzung).

Und wenn der Markt volatil ist wie in der letzten Zeit? Wenn die schnellen Firmen (mit mehr Computerpower) Vorteile gegenüber den langsamen gewinnen? Wenn typischerweise die Hälfte der täglichen Auftragsflut von den Hochfrequenzhändlern kommt? Dann wird die genaue Zeiterfassung um so mehr gebraucht – die Finanzindustrie sei obsessiv dahinter her, heißt es.

Erstmal wird nach dem neuen Konzept sortiert, weil Aufträge aus der ganzen Welt durch unterschiedliche Laufzeiten um einen Tick zeitversetzt eintrudeln. Jeder kriegt einen ultragenauen Zeitstempel, so dass man auseinanderklabüsern kann, welcher zuerst eingegeben wurde, und nicht welcher zuerst ankam.

Das wird die Flash Boys nicht freuen, die viel Geld in Computer gleich nebenan bei der Börse ausgegeben haben, um durch die allerschnellste Datenübertragung alle anderen zu überholen. Wenn das nicht mehr geht, ist das Frontrunning unterbunden, eine von den Perversionen des Hochfrequenzhandels. In der EU wird seit Jahresanfang schon ein Zeitstempel mit Mikrosekunden-Genauigkeit verlangt (10-6 sec). Da ist aber noch Luft bis zum Nanobereich (10-9 sec).

Es geht auch um andere Weiterungen. Die Nasdaq hat schon Handelssysteme für quasi alles, nicht bloß für Aktien und Bonds, sondern auch für Fische und Car-sharing (Nasdaq Financial Framework). Das neue Synchronisierungssystem erlaubt außerdem, schnell mal einen “pop-up” electronic market einzurichten. Als Beispiel wird die Fußball-WM genannt.

Gemeint sind wohl nicht Wetten (auch wenn in dieser Richtung über den frühen Dexit spekuliert werden darf). Konkret erwähnt ist der Tickethandel, die Unterbringung, der Transport – das soll alles von der Nasdaq-Software gehandled werden. Damit das geht, müssen die Computer aufgerüstet werden, sie müssen alle in den Nanosekundenbereich vordringen.

Die Prozessoren können das schon lange, die sind mit 4 und noch mehr GHz getaktet. Ein Zyklus dauert dann 1/4 Nanosekunde, und in einer Nanosekunde legt das Licht nur 30 cm zurück (ebenso wie der Strom in den Leitungen und die Mikrowellen zu den Satelliten). Wenn die Rechner überall in der Welt verteilt werden, und wenn man die Cloud-Computer bevorzugt irgendwo im Hinterland aufstellt, wo Strom und Kühlung billig sind, dann spielen genaue Zeitsynchronisierungssysteme eine größere Rolle als bisher. Das alte Network Time Protocol ist schon 33 Jahre alt und muss bald ersetzt werden, ebenso wie einige andere Ansätze mit Atomuhren und GPS.

Das neue System heißt Huygens (nach dem Erfinder der Pendeluhr Christiaan Huygens). Es nutzt Techniken für maschinelles Lernen zur Synchronisierung bis runter auf hundertmilliardenstel Sekunden (10-11 sec) – gegenüber dem alten Standard, der nur Millisekunden kann (10-3 sec). Für menschliche Kunden reichte das aus, aber seit die Aufträge computerisiert abgesetzt werden, ist es zu langsam.

Das neue System braucht keine supergenauen Atomuhren und Satellitenreceiver wie das, was die Konkurrenz entwickelt hat. Dadurch ist es preisgünstiger, und schell ist es von Haus aus – damit wäre der Artikel referiert.

Wie nennt sich nun das kleinste praktikable Zeitintervall? Gemäß einer alten Bauernweisheit die Zeit eine Mischung aus Welle & Teilchen – und ihre kleinste Einheit ist ein Weilchen. Logo.

 

Medien-Link:

Time Split to the Nanosecond Is Precisely What Wall Street Wants (New York Times 29.6.): Computer scientists at Stanford University and Google have created technology that can track time down to 100 billionths of a second. It could be just what Wall Street is looking for.

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Schwerstkranken wird Zugang zu Suizidmitteln als letzte Chance verwehrt


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Beim HVD, dem Humanistischen Verband Deutschlands, hat Gita Neumann eine Pressemitteilung zur Sterbehilfe publiziert (Link unten).

Neumann ist Mitglied des HVD-Präsidiums, Dipl.-Psychologin, Sozialpädagogin, Philosophin und Mitglied der Akademie für Ethik in der Medizin (AEM, Göttingen).

(Bild: Dieter_G, pixabay)

Schwerstkranken wird Zugang zu Suizidmitteln als letzte Chance verwehrt

Das Gesundheitsministerium fordert das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) auf, den Erwerb von Medikamenten zur Selbsttötung für Schwerstkranke auch in Extremfällen zu versagen. Das steht im Widerspruch zu einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts. Der Humanistische Verband Deutschlands fordert eine Harmonisierung im Sinne der Bevölkerung.

Im März des vergangenen Jahres hatte das Leipziger Bundesverwaltungsgericht entschieden, dass schwerstkranke, sterbewillige Menschen in Deutschland eine tödliche Dosis Betäubungsmittel (Natrium-Pentobarbital) zum Suizid erhalten können. In den Leitsätzen des Urteils heißt es, der Erwerb eines Betäubungsmittels zum Zweck der Selbsttötung sei zwar grundsätzlich nicht erlaubnisfähig, das allgemeine Persönlichkeitsrecht umfasse jedoch "auch das Recht eines schwer und unheilbar kranken Menschen, zu entscheiden, wie und zu welchem Zeitpunkt sein Leben enden soll, vorausgesetzt, er kann seinen Willen frei bilden und entsprechend handeln." Im Hinblick auf dieses Grundrecht sei der Erwerb eines Betäubungsmittels für eine Selbsttötung mit dem Zweck des Betäubungsmittelgesetzes "ausnahmsweise vereinbar […], wenn sich der suizidwillige Erwerber wegen einer schweren und unheilbaren Erkrankung in einer extremen Notlage befindet".

Nun hat das Gesundheitsministerium unter Jens Spahn (CDU) das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) aufgefordert, bei Schwerstkranken den Erwerb von Medikamenten zur Selbsttötung auch in Extremfällen nicht zu erlauben. Das geht aus einem Schreiben vom 29. Juni 2018 hervor, das mehreren Medien vorliegt. Danach könne es nicht Aufgabe des Staats sein, "Selbsttötungshandlungen durch die behördliche, verwaltungsaktmäßige Erteilung von Erlaubnissen zum Erwerb des konkreten Suizidmittels aktiv zu unterstützen" – entsprechende Anträge sollten abgewiesen werden.

Gita Neumann, als Mitglied des Präsidiums des Humanistischen Verbandes Deutschland zuständig für Humanes Sterben, sagt: "Das Gesundheitsministerium will schwerstkranken, tödlich Erkrankten die letzte Chance für ein legales und humanes Mittel zur Selbsttötung verwehren. Der Zugang war vom höchsten Verwaltungsgericht Deutschlands in extremen Fällen unerträglichen Leidens ausdrücklich eingeräumt worden. Für die skandalöse Missachtung des Urteils des Bundesverwaltungsgerichtsurteils gibt es keine weltanschaulich neutralen Gründe. Schon der Förderung der Suizidhilfe laut § 217 Strafgesetzbuch liegt die rigorose Tendenz zugrunde, keinerlei Ausnahmen etwa für Ärzte vorzusehen, die ihren aussichtslos erkrankten Patienten auch nur Unterstützung bei der Selbsttötung gewähren."

Gita Neumann ist Mitglied des HVD-Präsidiums, Dipl.-Psychologin, Sozialpädagogin und Philosophin. Mitglied der Akademie für Ethik in der Medizin (AEM, Göttingen). Publikationen, Stellungnahmen in Gesetzgebungsverfahren und Medienauftritte zu Patientenautonomie am Lebensende, Hospiz- und Palliativversorgung, Weltanschauungsfragen, Lebens- und Sterbehilfe. Foto: © Die Hoffotografen

Seit dem Urteil im März 2017 sind bereits mehr als hundert Anträge auf die Herausgabe von Natrium-Pentobarbital beim BfArM gestellt worden – alle diese Anträge sind jedoch noch offen (Stand 26.04.2018).  Das geht aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage an den Bundestag hervor. Für die Antragsteller bedeutet das Schreiben des Gesundheitsministeriums nun zumindest Klarheit: Als nachgeordnete Behörde muss sich das BfArM an die Vorgabe des Bundesministeriums halten.

Fakt ist: Ein Großteil der Deutschen befürwortet, dass es in Deutschland bei einer schweren, unheilbaren Krankheit ein "Recht auf eine Beihilfe zur Selbsttötung" geben solle. Das heißt, das politische Handeln steht hier nicht nur im Widerspruch zum Urteil des Bundesverwaltungsgerichts, sondern auch im Widerspruch zum Willen des Großteils der Bevölkerung.

"Wir fordern die Bundesregierung auf, eklatante Widersprüche im Sinne der Bevölkerungsmehrheit zu harmonisieren", so Gita Neumann. "Dazu gehört der § 217 Strafgesetzbuch dringend auf den Prüfstand, statt ein Bundesinstitut zum Rechtsbruch gegen ein höchstrichterliches Urteil aufzufordern."

 

Medien-Link:

Schwerstkranken wird Zugang zu Suizidmitteln als letzte Chance verwehrt (HVD Bundesverband 30.6.)

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Das Unbehagen in der Kultur von Frank Sacco


terror-2500713_1280Dieses „Christentum“ gehört mittlerweile nun wirklich und leider zu Deutschland und vergiftet unser Mutterland als schleichendes, unbewusstes Gift, schreibt Frank Sacco, Doktor der Medizin. Er spricht von der Gehirnwäsche unserer Kirchen und der Lust in sexuellen Dingen, die als verpönte Sünde gilt (Bild: Estefano, pixabay).

Das Unbehagen in der Kultur  von Frank Sacco

Dieses Unbehagen in der „christlichen“ Gemeinschaft rührt auch bzw. vorwiegend von der Gehirnwäsche unserer Kirchen her. Freud konnte das nicht erkennen, fasse er sich ja im Unbewussten selbst als größter Sünder des Juden- Christentums auf. Er meinte, mit dem Satz „Religion ist Wahn“ Jahwe getötet zu haben.

Dieses „Christentum“ gehört mittlerweile nun wirklich und leider zu Deutschland und vergiftet unser Mutterland als schleichendes, unbewusstes Gift. Es ist „Gift und Glut“, so der Aufklärer Rilke, das wir unseren Kindern damit zumuten. Es ist eine Zumutung. Unbarmherzig halten die Amtskirchen die ewige Hölle als Ort ewiger Folter im ihrem fundamentalistischen Programm, unbarmherzig machen sie unsere Kinder zu „Mittätern an Jesu Kreuzigung“, also zu Meuchelmördern am Kreuz. Die sollen möglichst leidend den Leidensweg Jesu im Leben nachgehen. Lust am Leben, ja gar Lust in sexuellen Dingen ist immer noch verpönte Sünde, ein gutes Essen soll als „Völlerei“ Sünde sein und möglichst in einer Askese oder einem anderen Masochismus seine Ablösung finden. Demut und Schuldbewusstsein und Angst, das ist die Klaviatur der Pfaffen noch und gerade wieder heute.

Das Gift macht alle Kinder krank. Und so erwachsen später diverse Krankheiten – je nach Konstitution der Betroffenen. Der eine raucht (masochistisch) und benötigt solches zur Beruhigung, der andere trinkt – aus selbigem Grund. Wieder jemand findet „Ruhe“ im Essen oder im Nichtessen, der Anorexie. Wieder jemand braucht das Glücks-Spiel, auch das Spiel mit dem Tod, oder das Gewaltfernsehen. Es lenkt von einer persönlich bedrohenden Gewalt ab. Es härtet ab.

Die unbewusste Angst macht den nächsten zum Angstpatienten, der in Angst vor Verlust rücksichtslos ein Geschäft betreibt, betreiben muss, und seine Angestellten über einen Sadismus, seinen Ersatz für ausbleibende normale Sexualität ausbeutet. Bei denen wiederum resultiert über eine Arbeitsverweigerung und einen dadurch weiter sich aufbauenden Druck das berühmte Burn-out Phänomen mit monatelanger „Depression“.

Die Psychiater sind da macht- und kraftlos. Sie stehen ja in aller Regel selbst unter der Angstfuchtel ihres größten Arbeitgebers, den Kirchen. In ihren Lehranalysen kommt das Wort Höllenangst nicht vor. Wahnhaft krank ist man dort und  wie schon der alternde Freud, der Berliner Psychiater These verfallen, ein Höllenpredigen könne kein Kind erkranken lassen. Die schon angesprochene Sexualität verkommt bei einer Sprachlosigkeit der Beteiligten nach einer kurzen Phase zur Pflicht. Die sündengeschwängerte  und daher mangelnde Lust bringt bald männliche Impotenz  und weibliche Frigidität auf den Plan.  Hetero-Sex wird zum eher seltenen Phänomen, das man lieber anschaut als ausübt. Oder gar lustvoll ausübt.

sdr

sdr

(Bild: Sacco) Frank Sacco ist Autor von Das Sacco Syndrom und Autor der Bücher

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Deutsche Kanzlerin verbreitet Lügen


merkel-3464284_1280Die deutsche Bundeskanzlerin muss kopfstehen, denn das passiert bei wissenbloggt allen, die sich unbeliebt machen (Bild: berlinerfotograf, pixabay,  verkleinert). Eigentlich müssten viele Medienschaffende mitpurzeln, die Jubelmeldungen über den "Erfolg" der Kanzlerin verbreiteten:

  • "Merkel überraschend erfolgreich" (3.)
  • "Merkel präsentiert ihre Erfolge" (4.)
  • "Merkel hat erreicht, was zu erreichen war" (5.)

In Wirklichkeit hat sie nichts erreicht, außer dass sie sich wieder mal ohne echte Argumente durchgesetzt hat. Inhaltlich ist die große Merkel-Show in die Hose gegangen – es war nichts als Schmierentheater. Diese Erkenntnis wird flächendeckend in den Zeit-Foren diskutiert (1., 2.). Bei wissenbloggt wird eine Blütenlese der interessantesten Zeit-Leserkommentare referiert.

Natürlich gibt es immer noch Leute, die Merkels Politik für einen "Glücksfall für die zivilisierte Welt" halten, und es gibt tatsächlich welche, die den Merkel-"Erfolg" bejubeln. Die große Mehrheit ist aber realistischer. Da ist von Merkel-Murks und Jubeljournalismus die Rede, von einem zusammenbrechenden Kartenhaus, von deutschen Steuergeldern, die für laue Versprechen ausgegeben werden, von einer medial gezündeten Nebelkerze, von einer Luftnummer-Rücknahmevereinbarung, von immer weiteren Dimensionen der Aberwitzigkeit, von vagen Möglichkeiten, Kann-Bestimmungen, wertlosen Versprechungen und von Wunschdenken anstelle schriftlicher Einigung, mit dem offenbar nur die Öffentlichkeit übertölpelt werden sollte.

Die Sache selber ist es kaum wert, drauf einzugehen. Sie bröckelt ja schon auseinander, weil 3 der 14 Zustimmenden zur Flüchtlingsrücknahme gar keine sind (2.). Die "europäische" Lösung umfasst ohnehin nur 11 von 28 Staaten. Entsprechend wird sie in den Kommentaren zerpflückt. Ein paar Umrisse:

  • sogenannte "Aufnahmezentren" sollen freiwillig eingerichtet werden (bloß wo?),
  • Flüchtlinge sollen auf freiwilliger Basis auf europäische Staaten verteilt werden (bloß in welche?),
  • Flüchtlinge aus Deutschland sollen in Ländern wie Frankreich, Polen, Dänemark zurückgenommen werden (Größenordnung der EU-Herumschieberei unter 10.000, bei 150.000 – 200.000 Zuzug nach Deutschland plus Familiennachzug),
  • Flüchtlinge aus Ländern wie Italien und Griechenland sollen in Deutschland zurückgenommen werden (also von dort, wo die meisten Flüchtlinge zu uns kommen),
  • Flüchtlinge sollen in Länder verteilt werden, wo sie bereits Familienangehörige haben (also meist Deutschland, weil Deutschland mehr Flüchtlinge aufgenommen hat als ganz Rest-Europa zusammen),
  • mit den 14 Ländern der Liste ist rein gar nichts beschlossene Sache (wie auch die Absage von Ungarn, Tschechien, Polen zeigt),
  • die maßgeblichen Staaten Italien, Österreich, Spanien und Griechenland fehlen auf der Rücknahme-Liste,
  • außerdem sind Dublin-Rückführungen nur ein halbes Jahr lang möglich, d.h. für alle, die 2015 – 2017 kamen, ist es zu spät,
  • Dublin-Rückführungen werden auch nur mit Migranten gemacht, die in der Eurodac-Datenbank registriert sind – das sind sie aber oft nicht,
  • die Visegrad-Staaten lassen kaum jemanden rein; die ungarische Grenze ist dicht, in Polen, Ungarn und Tschechien oder Estland gab es kaum Erstregistrierungen (spielt aber auch keine Rolle, die sind längst in Deutschland),
  • den Sicherheitsbehörden zufolge scheitert die Rückführung sowieso meistens, denn viele Migranten können "am Rückführungstermin nicht angetroffen werden" (2.).

Foristen-Kritik

Gängige Ansicht: An der bisherigen Praxis in Bezug auf den weitaus größten Teil der Migranten wird sich kaum irgendetwas ändern – das war wohl auch Merkels Absicht.

Sekundärmigranten, die z.B. in Griechenland registriert sind, können weiterhin einreisen, sie können ihre Verfahren über Rückführungsfristen verzögern, sie können abtauchen oder prozessieren und darauf hoffen, dass migrationsfreundliche Richter ihre Rückführung nach Griechenland untersagen. Die durchgewunkenen Unregistrierten können sowieso weiter einreisen und dableiben; die Sogwirkung der Merkel-Politik bleibt erhalten. D.h. keinerlei Entlastung für Deutschland.

Im Gegenteil: Unterm Strich bedeutet Merkels "europäische Lösung", Deutschland nimmt mehr Flüchtlinge auf als bisher, und ansonsten bleibt alles beim alten.

Das reale Ergebnis nochmal aus ganz spitzer Feder: Die Länder, aus denen keine Migranten kamen, weil sie keine Flüchtlinge akzeptieren, nehmen alle null Flüchtlinge zurück. Und die null Flüchtlinge werden sogar beschleunigt zurückgenommen. Mit der beschleunigten Rücknahme hat Merkel die Hoffnungen sogar noch weit übertroffen …

Das ist nicht bloß Sarkasmus, das ist Galgenhumor. Und warum das Ganze? Mit dem Getöse um die Modalitäten der Rückführung von denjenigen, die die Kriterien erfüllen, gelang es der Kanzlerin vor allem, die Aufmerksamkeit abzulenken von den weiterhin hier Ankommenden und den schon bisher Angekommenen.

Innereuropäisches Herumschieben von Flüchtlingen senkt schließlich nicht die Migrationszahlen – diese Veranstaltung diente nur der Show. Sie sollte die Menschen beruhigen, Handlungsfähigkeit vortäuschen und Merkels innenpolitische Probleme lösen.

Vorsichtig ausgedrückt: Der Eindruck des ersten Artikels (1., aber auch 3., 4., 5.) über die Verhandlungen war, dass Merkel einen echten Durchbruch erzielen konnte. Das war offenbar nicht der Fall, was den unguten Eindruck einer gefärbten, oder wenigstens schlampigen Berichterstattung hinterließ.

Krasser gesagt: Angesichts der Dementis der drei Länder sagt die Bundeskanzlerin im erwähntem Schreiben (6.) die Unwahrheit. Oder auch: Die Kanzlerin sagt nicht die Wahrheit. Und: Die deutsche KanzlerIn verbreitet Lügen, um an der Macht zu bleiben.

Fazit von wissenbloggt

Solche Politik ist an Verlogenheit kaum zu übertreffen. Erstaunlich, mit welcher Hartnäckigkeit die Open-border-Cheerleader an ihrer Sichtweise kleben bleiben. In der SZ steht nichts von Lüge und Schämen und mit Bedauern korrigieren (Stand 1.7.). Da wird jetzt wie auch in der jW über die geplanten Lager (negativ) argumentiert (8. und 9.). Der Unterschied ist, dass das Wort "Aufnahmezentrum" oder "Flüchtlingslager" kein spontanes Kammerflimmern mehr hervorruft. Auf einmal kann man darüber reden (wenn auch hypothetisch, wegen der Ungewissheiten, wer wo was einrichtet).

Das ist immerhin eine Versachlichung. Trotzdem sind ein paar Takte Klartext fällig. Nachdem wieder mal eine Manipulation und Desinformation aufgeflogen ist (siehe auch wb-Links Berichterstattung), wäre es geboten, moralische Maßstäbe an die grundlegende Geisteshaltung anzulegen.

Hinter dem Ganzen schwebt ja der & linksgrün-merkelsche Geist mit der Behauptung, die Grenzen wären aus humanitären Gründen geöffnet. Zugleich gibt es aber den Deal mit der Türkei, um die Grenzen unerreichbar zu machen. Und dem Taxiservice ("Seenotrettung") der NGOs im Mittelmeer stehen die stillschweigend gewünschten Grenzschließungen von Ungarn usw. gegenüber.

Das stinkt nach Verlogenheit und Heuchelei. Erstaunlich, dass diese offenen Grenzen à la Merkel und solche selektive "Menschlichkeit" als Humanität durchgehen können, denn das ist alles andere als human.

In Wirklichkeit ist das eine hinterfotzige Art, Privilegien zu vergeben.

Die Privilegien werden an die Gewinner vom Rattenrennen durch Wüste und Mittelmeer vergeben. Wer die hinterrücks aufgebauten Grenzen überwindet, ist der Gewinner, der herzlich willkommen geheißen und mit guten Gaben überhäuft wird. Gleiches gilt für andere Privilegierte mit Vitamin B (Verwandte oder Freunde in Europa).

Für den großen Rest, die an den Grenzen aufgehaltenen oder Zuhause bleibenden Hilfsbedürftigen, gibt es so gut wie nichts.

Dieses System ist eine Pervertierung von Menschlichkeit.

Und dann wird so viel Geld in dieses überteuerte, pervertierte System gesteckt. Diese Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität ist es, die immer mehr Menschen bewusst wird, und die sie der Merkelpolitik abspenstig macht.

 

Medien-Links:

  1. EU-Asylpolitik: Zahlreiche EU-Staaten sollen Flüchtlingsrücknahme zugesichert haben (Zeit Online 30.6. 700 Kommentare): Die Kanzlerin hat offenbar mit 14 Ländern eine beschleunigte Rückführung von Migranten vereinbart. Ungarn und Tschechien dementierten, Teil der Übereinkunft zu sein.
  2. Asylstreit: Auch Polen dementiert Abkommen mit Deutschland (Zeit Online 1.7. 70 Kommentare): Nach Ungarn (und Tschechien) hat auch Polen bestritten, mit Merkel eine Rückführung von Flüchtlingen vereinbart zu haben. Sicherheitsbehörden zufolge scheitert die Rückführung demnach vor allem aus einem Grund: Viele Migranten können am Rückführungstermin nicht angetroffen werden.
  3. Letzter Akt – Kanzlerin Merkel hat beim EU-Gipfel in der Asylpolitik überraschend viel erreicht (Süddeutsche Zeitung Titel 30.6./1.7.)
  4. Asyl-Streit in der Union – Merkel präsentiert ihre Erfolge (Süddeutsche Zeitung 30.6.): Auf acht selbstbewussten Seiten bilanziert das Kanzleramt den EU-Gipfel. Doch Tschechien, Ungarn und Polen dementieren, dass es eine Einigung gibt.
  5. EU-Gipfel in Brüssel – Merkel hat erreicht, was zu erreichen war (Süddeutsche Zeitung 29.6.): Mehr war in einer EU, die auf Konsens setzt, nicht drin.
  6. Unionspolitiker unterstützen EU-Pläne zur Asylpolitik (CDU/CSU 29./30.6.): Zu den Beratungen des EU-Rates in Brüssel wurden inzwischen weitere Details bekannt. Per Telefon und mit einem Schreiben informierte Bundeskanzlerin Angela Merkel die Spitzen der Koalitionsparteien und erntet durchweg positive Reaktionen (Das originale Papier „Mehr Ordnung und Steuerung in der Migrationspolitik: Bericht zur Lage nach dem Europäischen Rat vom 28./29. Juni 2018“ ist nicht aufzutreiben, nur das folgende).
  7. Schlussfolgerungen – 28.Juni 2018 (Europäischer Rat).
  8. Willkommen in Europa (junge Welt 29.6.): Plan der EU für den Umgang mit Flüchtlingen steht: Alle in Lagern internieren.
  9. EU-Pläne für Flüchtlingslager in der EU und Afrika – Weggesperrt, verteilt oder abgeschoben (Süddeutsche Zeitung 1.7.): Die EU-Staaten wollen geschlossene Flüchtlingslager auf europäischem Boden einrichten – oder die Asylsuchenden bereits in Afrika registrieren und überprüfen. Sind solche Überlegungen überhaupt realistisch?
  10. Kommissionspräsident Juncker wirft Nebelkerzen (The European 29.6.): Der gestrige EU-Gipfel hat sich entschlossen, den Europäern tonnenwiese Sand in die Augen zu streuen. Aufnahmelager sollen demnach auf freiwilliger Basis entstehen, aber wer die “freiwilligen Länder” sind, ist unbekannt. Also ein leeres Versprechen. Aus den Lagern heraus sollen die Menschen auf “freiwillige Länder” verteilt werden, aber welche das sein sollen, ist ebenfalls unklar. Dann sollen Sammellager in nordafrikanischen Staaten entstehen, aber das wird dort abgelehnt. Man sei einer “europäischen Lösung” so fern wie vor dem Gipfel, nur soll das keiner mitkriegen.

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Rezension zu „Größer als das Amt - Auf der Suche nach der Wahrheit“ von James Comey


978-3-426-27777-5_Druck.jpg.39627759Der Verlag findet die Erinnerungen von Ex-FBI-Chef James B. Comey "aktuell, brisant und spannend wie einen Krimi". Unser Rezensent Dr. Gerfried Pongratz spricht von einem Buch, das er kaum aus der Hand legen konnte.

Comey befand sich 20 Jahre im Zentrum der Macht, als "unbeugsamer Ermittler", der gegen Mafia, CIA-Folter, NSA-Überwachung, Clintons Umgang mit dienstlichen Emails und Trumps Russland-Verbindungen vorging.
Der Verlag spricht von einer politischen Achterbahnfahrt: stellvertretender Justizminister unter George W. Bush, FBI-Direktor unter Barack Obama und gefeuert von Donald Trump. Rezension von Gerfried Pongratz 6/2018.

James Comey:

„Größer als das Amt – Auf der Suche nach der Wahrheit

„Wer bin ich, dass ich mir einbilde, ich sollte anderen Menschen etwas über Führungsethik erzählen?“

„Ich hoffe…, dass es …ein aufschlussreiches Buch für meine Landsleute bleibt, indem es sie animiert, sich für eine Loyalität zu entscheiden, die größer ist als Parteizugehörigkeit und Amt – und aus den Lügen die Wahrheit herauszufiltern und sich für eine integre, ethisch geerdete Führung einzusetzen.“

Zwischen diesen beiden Sätzen, dem ersten und letzten des Buches, spannt der Autor James Comey einen weiten Bogen über das sein Leben bestimmende Bemühen, als Jurist mit hohen ethischen und moralischen Ansprüchen Recht zu erwirken, Gerechtigkeit zu fördern und damit seinem Land in hohen und höchsten Staatsämtern bestmöglich zu dienen. Entlang seiner bemerkenswerten Biografie berichtet er von ungewöhnlichen Erlebnissen in seiner Berufslaufbahn, beleuchtet die dabei gewonnenen Erfahrungen und beschreibt die bei der US Präsidentschaftswahl 2016 aufgetretenen Vorkommnisse, die ihn als Direktor des FBI ins Kreuzfeuer der Kritik brachten und letztendlich zu seiner Entlassung führten.

Der 1960 im Bundesstaat New York geborene Autor durchlief eine hochkarätige Karriere als Anwalt, Staatsanwalt, Universitätslehrer und Spitzenjurist in der Privatwirtschaft. Von 2003 bis 2005 war er in der Regierung Georg W. Bush stellvertretender Justizminister, 2013 wurde er von Präsident Obama als Direktor des FBI bestellt, im Mai 2017 enthob ihn Präsident Trump mit sofortiger Wirkung seines Amtes. Laut Wikipedia wurde James Comey über Parteigrenzen hinweg respektiert und als unabhängig und integer geschätzt.

„Der 11. September 2001 hatte nicht nur unser Land, sondern auch das Leben von uns Staatsdienern verändert“ (S. 120). In der Folge kam es durch Präsidentenverfügungen und zweifelhafte Rechtsgutachten zu Überwachungs- und Foltermaßnahmen, denen sich Comey als stellvertretender Justizminister heftig – allerdings zunächst vergeblich – widersetzte. Die Schilderung dieser Vorgänge sowie seine dabei gewonnenen Erkenntnisse und Einsichten – u.a. zu einer „politischen Kultur“, die Nachdenklichkeit von Politikern in Spitzenpositionen mit Schwäche und Unfähigkeit gleichsetzt – bilden hochinteressante Kapitel des Buches.

Nach acht Jahren in der Privatwirtschaft wurde Comey 2013 von Präsident Obama zum Direktor des FBI (Federal Bureau of Investigation, weltweit agierend, Budget 2012 laut Wikipedia 8 Milliarden US-$) ernannt; eine Position, die, wie Obama ausdrücklich forderte, politisch unabhängig, unbeeinflußbar und neutral zu führen ist (und deshalb mit zehnjähriger Amtszeit ausgestattet wird) und auch zum Präsidenten der USA Abstand halten muss. In der langen Geschichte des FBI wurde, was Comey sehr offen darlegt, diesen Prinzipien häufig nicht entsprochen und so war es ihm ein besonderes Anliegen, im FBI Rekrutierungs-, Handlungs- und Führungsprinzipien zu etablieren, die sehr hohen ethischen Standards und dem Leitbild „das amerikanische Volk schützen und die Verfassung der USA bewahren“ entsprechen; mehrere Kapitel sind neben der Beschreibung aktueller Fälle diesen Bemühungen und Maßnahmen gewidmet.

2016 kam das FBI, bzw. Comey ins Kreuzfeuer der Politik, als im Präsidentschaftswahlkampf (durch vermutlich russische Interventionen) bekannt wurde, dass Hillary Clinton in ihrer Amtszeit als Außenministerin einen privaten E-Mail Account mit ungeschütztem Server für Tausende als geheim eingestufte dienstliche Mails verwendet hatte und das FBI die sich daraus ergebenden Fragen und Konsequenzen eingehend untersuchte. Nach Abschluß der Ermittlungen kamen Comey und seine Mitarbeiter jedoch zum Schluß, Clintons Verfehlung rechtfertige kein strafrechtliches Vorgehen. Nachdem Comey diese Entscheidung im Juli 2016 unter Eid verkündet hatte, kam es zu heftigen Protesten der Republikanischen Partei und ihr nahestehender Medien, wie auch von Donald Trump; man warf Comey Parteilichkeit vor.

Die Situation verschlimmerte sich, als Anfang Oktober 2016 dem FBI bekannt wurde, dass sich auf einem privaten Laptop eines Abgeordneten weitere Hunderttausende vermutlich als geheim eingestufte E-Mails von Hillary Clinton befanden; obwohl sich Comey sehr wohl bewusst war, was es für den Wahlkampf bedeutete, neue Ermittlungen gegen Hillary Clinton einzuleiten, entschied er sich dazu und zeigte dies dem Kongress pflichtgemäß an. Die Veröffentlichung führte zu heftigsten politischen und öffentlichen Kontroversen und obwohl auch diese Untersuchungen zwei Tage vor der Wahl mit dem Ergebnis strafrechtlicher Irrelevanz abgeschlossen wurden, verhalfen sie nach Einschätzung vieler Beobachter Donald Trump zum Wahlsieg.

In der Folge wurde Comey von vielen Seiten massiv angegriffen und diffamiert, auch Verwandte, Freunde und Bekannte überzogen ihn mit heftigen Vorwürfen („am schlimmsten setzte mir die Behauptung zu, ich sei in meine Integrität verliebt, in meine Tugendhaftigkeit“, S. 287), Präsident Obama allerdings versicherte ihm: „Ich habe Sie zum FBI-Direktor gemacht, weil ich Ihre Integrität und Ihr Können zu schätzen weiß… Sie sollen wissen, dass nichts, aber auch gar nichts in diesem Jahr geschehen ist, was meine Meinung geändert hätte“ (S. 291).

Nach seiner Wahl zum Präsidenten versuchte Trump, Comey mit Schmeicheleien, privaten Anrufen, 4-Augen-Gesprächen und bei einem intimen Essen im Weißen Haus dazu zu bewegen, Ermittlungen des FBI im Zusammenhang mit der Präsidentschaftswahl, u.a. zu russischen Einflußnahmen, auszusetzen und seine, Trumps, Sicht der Vorfälle zu übernehmen (Comey: „Ich fühlte mich an die Klubs der New Yorker Mafia erinnert, die ich in den 1980er- und 1990er- Jahren als Staatsanwalt kennengelernt hatte“, S. 306).

„Und völlig verrückt ging es dann auch weiter“ (S. 314). Trumps Bemühungen, Comey – z.B. mit versuchten Umarmungen vor der Presse – zu beeinflussen, nahmen abstruse Formen an; er wollte gegenüber Comey ein auf Patronage beruhendes Verhältnis etablieren und drohte gleichzeitig unverhohlen, ihn bei Unfügsamkeit aus dem Job zu werfen (Comey: „Nichts an seinem Verhalten entsprach auch nur im Geringsten dem, was man von einer Führungspersönlichkeit erwarten könnte“, S. 329). Dabei scheute sich Trump auch nicht, absurde Behauptungen und leicht durchschaubare Lügen von sich zu geben und Offensichtliches vehement zu bestreiten. „Dabei wußten wir, dass sich Wladimir Putin auf beispiellose Art und Weise in die US-Wahl eingemischt hatte, nicht zuletzt auch, um Trump zum Sieg zu verhelfen“ (S. 341). Die Auseinandersetzungen zu diesen sowie auch zu anderen aufklärungsbedürftigen Vorgängen in Trumps Umfeld, verbunden mit Comeys Unbeugsamkeit und kritischen Reaktionen auf Trumps Einflußnahme- und Rechtfertigungsversuche, führten dazu, dass Comey am 9. Mai 2017 während einer Rede in Los Angeles via Fernsehbildschirm erfuhr, dass er von Trump fristlos entlassen worden war („das Ende kam in der passenden Form eines Orkans aus schlechten Manieren“, S. 356).

„Ich war nicht wütend über meine Erlebnisse mit diesem Präsidenten, ich war traurig… für unser Land macht es mir Angst“ (S. 364/365). Nach einem beeindruckenden Abschiedsbrief (S. 370-372) an alle FBI-Mitarbeiter kommt Comey in einem Epilog zum Schluss: „Der gegenwärtige Präsident ist ein Mann ohne Moral und agiert ohne jede Bindung an die Wahrheit und Werte einer Demokratie“ (S. 373). „Ja, unser gegenwärtiger Präsident wird auf kurze Sicht erheblichen Schaden anrichten…“(S. 375), aber: „Heute sehe ich, während die Flammen noch wüten, neues Leben aus diesem Boden hervorwachsen – junge Menschen, die sich engagieren wie nie zuvor, und Medien, Gerichte, Akademiker, gemeinnützige Organisationen und alle anderen Elemente der Zivilgesellschaft, die neue Kraft schöpfen“ (S. 376).

James Comey gelingt es mit diesem Buch, nicht nur tiefgründige Einblicke in die derzeitige US Administration zu geben, sondern auch viel Wissen zum amerikanischen Rechtswesen und Regierungssystem zu vermitteln. Der vermutlich vom Verlag stammende zweite Untertitel des Buches „DER EX-FBI-DIREKTOR KLAGT AN“ wird seinem Inhalt nur bedingt gerecht, das Buch (Originaltitel: „A higher Loyality, Truth, Lies, and Leadership“) bietet sehr viel mehr als die Beschreibung einer hochkarätigen Juristenlaufbahn mit zahlreichen ungewöhnlichen Begebenheiten und Auseinandersetzungen. Neben Berichten darüber ist es James Comey ein großes Anliegen, seine persönlichen (amerikanisch-idealistischen) Standards im Hinblick auf Moral, Loyalität, Berufsethik und Mitarbeiterführung darzulegen. Auch seine aus beruflicher Erfahrung gewonnenen Erkenntnisse zur Qualifikation und Integrität von Führungspersönlichkeiten und sein Wunsch, die oftmals in Vergessenheit geratenen „alten“ amerikanischen Tugenden und Wertvorstellungen wieder zu beleben, bilden einen Teil seiner Ausführungen.

Wenn man der persönlichen Integrität des Autors traut und seinen Darstellungen Glauben schenkt – es besteht kein Anlass, dies nicht zu tun -, kann das Buch als detailreich spannende und damit auch unterhaltsame Lektüre mit hohem Informationsgehalt einschlägig Interessierten uneingeschränkt empfohlen werden!

 

Gerfried Pongratz

James Comey: „Größer als das Amt – Auf der Suche nach der Wahrheit“, Droemer Verlag München, 2018, ISBN 978-3-426-27777-5, 384 Seiten

Weitere Rezensionen von Gerfried Pongratz




Erderwärmung als Intelligenzkiller


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Ein anrüchiges Thema wie Intelligenz wird tunlichst nicht erwähnt. Doch wissenbloggt tut es trotzdem, und wenn nur wegen der Freude, an Tabus zu kratzen. Die Basis für die IQ-Wertungen ist natürlich ziemlich wackelig, weshalb man sich der Sache besser ganz langsam nähert (Bilder: Clker-Free-Vector-Images, pixabay).

Das Problem ist ja auch, dass immer was anderes rauskommt, weil die IQ-Messungen immer was anderes messen (1. bis 4.). Wie das am Ende mit dem Klima zusammenhängt? Nun, das liegt an den Einflussgrößen, welche die Forscher für die Intelligenz gefunden haben:

  1. Grundsätzlich wurde der IQ von Westeuropäern für Westeuropäer nach westeuropäischen Maßstäben entwickelt (1.). Die Forscher streiten noch darum, ob IQ-Tests auf Völker mit anderen sozialen Strukturen, Kulturen, Werten und Denkweisen anwendbar sind.
  2. Dann spielt die Ernährung eine Rolle. Schwermetalle, radioaktive Stoffe, chemische Umweltgifte und Mangelernährung beeinträchtigen die menschliche Intelligenz (2.). Genannt wird der Jodmangel und die ungenügende Ernährung, durch die angeblich 15 IQ-Punkte verloren gehen.
  3. Die Intelligenz könnte auch mit Infektionskrankheiten in Verbindung stehen (3.). Die Länder mit den meisten Infektionskrankheiten sind auch die mit den niedrigsten IQ-Werten.
  4. Das Einkommen spielt eine Rolle, der Wohlstand (6.), die Bildungsausgaben (1.), die Arbeit (wenig landwirtschaftliche Arbeit, 3.).
  5. Die Ethnie spielt keine Rolle, heißt es überall, sondern nur Herkunft, Bildungsniveau und die anderen Faktoren (1.).
  6. Und das Klima beeinflusst die Intelligenz. Es gibt einen Zusammenhang zwischen zunehmender Hautpigmentierung und abnehmendem IQ (1.), wobei die Pigmentierung der Haut nicht ethnisch, sondern klimatisch bedingt ist. Das wird gestützt durch Beobachtungen innerhalb z.B. der kaukasischen Rasse.

Die Listen der IQ-Werte offenbaren große Unterschiede. Dass Deutschland so unterschiedlich eingeordnet wird (IQ = 97 … 107 bei 4., 1., 5.) zeigt die Wackeligkeit der Methoden. Einheitlich sind aber die auffällig hohen IQs in Ostasien (Singapur 108, Hongkong 108, Taiwan 106) und die auffällig niedrigen IQs in Afrika (z.B. Äquatorialguinea 56, Gabun 58).

snail-306355_1280Dass Unterschiede in den kognitiven Fähigkeiten der verschiedenen Völker und Nationen existieren, haben verschiedene Studien unabhängig voneinander immer wieder gezeigt (3.). Das sind also keine rassistischen Befunde, sondern vielmehr wissenschaftliche.

Bei dem Thema ist nicht nur der Zusammenhang Klima-Intelligenz interessant, der in der großen Liste (1.) allerdings nicht besonders überzeugend dargestellt wird – in Singapur ist es schließlich auch ganz schön heiß. Interessant ist, dass das Thema 2010 hochkochte und seither medienmäßig tabuisiert wurde, bzw. nur noch in rassistischen Publikationen vorkommt. Zu dieser Omerta wird in (4.) eine kritische Meinung geäußert:

Dort hat sich der Autor die Mühe gemacht, die Pisa-Zahlen in IQ-Zahlen umzurechnen, und er bemängelt das Tabu. Nach seiner Expertise scheuen die Bildungspsychologen und –soziologen in ihren Veröffentlichungen heutzutage die Begriffe "Intelligenz" und "IQ". Die kommen z.B. auf den 312 Druckseiten des PISA-Berichtes "Bilanz nach einem Jahrzehnt" (2010) kein einziges Mal vor. Doch seien die "IQ"-Vermeider so frei, alle IQ-Werte, die jemals gemessen worden sind, in "Kompetenzen" zu transformieren. Bei solchen Transformationen bleiben alle numerischen Beziehungen, Korrelationen und inhaltlichen Schlußfolgerungen unverändert – correcte Augenwischerei also hier wie da.

Wenn der Zusammenhang Temperatur-Intelligenz wahr ist, steht uns durch die Erderwärmung ein allgemeiner Intelligenzverlust bevor. Man könnte allerdings den Eindruck gewinnen, dass es zu so einem Rückschritt gar keiner Aufheizung bedarf …

 

Anhang: Kleiner wissenbloggt-Intelligenztest (Auflösung unten):

  1. Im Inneren welcher Frucht befindet sich ein Kirschkern?
  2. In welcher Stadt steht der Kölner Dom?
  3. Was ist die zehnte Wurzel aus 57,6650390625? (kein unendlicher Bruch)

Medien-Links:

  1. Der IQ im Ländervergleich (Laenderdaten.info): Oftmals noch überraschend, aber wissenschaftlich inzwischen nachgewiesen ist, dass ein wärmeres Klima einen merklich schlechten Einfluss auf den Intelligenzquotienten hat.
  2. Die Verblödung schreitet voran (telepolis 30.9.2003): Die weitgehend verdrängte Bedrohung der menschlichen Intelligenz durch die Vergiftung der Umwelt.
  3. Warum Afrikaner in IQ-Tests schlechter abschneiden (Tages-Anzeiger 28.7.10): Der Intelligenzunterschied zwischen verschiedenen Nationen ist ein hochsensibles Thema. Forscher liefern jetzt einen neuen Ansatz zur Erklärung für das IQ-Gefälle. Mit Rassismus hat das nichts zu tun.
  4. PISA 2009: Die IQ-Mittelwerte aller beteiligten Staaten – Umwandlung der PISA-Testwerte in den IQ (v-weiss 2010): Man müßte Korrekturrechnungen durchführen, in Deutschland z. B. die seit Jahren steigenden Prozentzahlen der Förderschüler (Hilfsschüler) berücksichtigen,  die gar nicht in die Grundgesamtheit bei PISA eingehen.
  5. Germans are brainiest (but at least we're smarter than the French) (Times Online 27.3.06): According to Richard Lynn of the University of Ulster, Britons have an average IQ of 100. The French scored 94. But it is not all good news. Top of the table were the Germans, with an IQ of 107.
  6. IQ and the Wealth of Nations (wiki).
  7. PISA 2009. Bilanz nach einem Jahrzehnt (Waxmann 2010).
  8. PISA & Co. – Die wichtigsten Bildungsvergleichsstudien im Überblick (Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen).

Links von wissenbloggt:

Auflösung vom wissenbloggt-Intelligenztest:

  1. Köln
  2. Kirsche
  3. x10 = 57,6650390625 kriegt der intelligente Mensch ohne Rechner raus:
    a) x ist eine Zahl zwischen 1 und 2 (110=1, 210=1024),
    b) x hat 1 Kommastelle (weil die 10. Potenz 10 Kommastellen hat),
    c) die 1 Kommastelle muss 5 sein (weil die letzte der 10 Kommastellen 5 ist),
    d) das Ergebnis ist x = 1,5 und für ganz Schlaue ±1,5.



Unwahre Welle


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Die Site der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) ist nicht ganz topaktuell, und die Benutzerführung ist ein bissel kontraintuitiv, aber die Information ist seriös. Jedenfalls so seriös, wie man das erwarten kann (Bild: geralt, pixabay).

Da stehen dann schon mal fragwürdige Zahlen zu den Kosten der Immigration: Bund gibt rund 21 Milliarden Euro für Flüchtlingshilfe aus (1.). Die Zahlen sind ohne die Ausgaben von Ländern und Gemeinden, und vom Familiennachzug ist auch nicht die Rede. Diese 21 Mrd. sind also nicht die Antwort auf die große Frage, wieviel die Flüchtlingspolitik nun kostet. So eine Antwort wäre wohl zuviel verlangt, wo der Staat doch überall mauert und die Beträge nur scheibchenweise preisgibt (siehe auch wb-Links).

Damit ist zwanglos das Thema Fake News erreicht. Das wird bei der bpb auch abgehandelt (3.): Hier finden Sie Informationen und Materialien der bpb zum Thema Fake News. Die Seite wird laufend aktualisiert.

Gar so schrecklich aktuell isses aber nicht. Die "Wahre Welle" fehlt nämlich (4. und 5.). Das ist ein "Aufklärungsprojekt zum Thema Verschwörungstheorien" der bpb. Inhalt:

  • Warum Verschwörungstheorien nicht tot zu kriegen sind
  • Verschwörungstheorien zu 9/11
  • Chemtrails und Reptiloide
  • Verschwörungstheorie “Islamisierung“
  • Über die “Protokolle der Weisen von Zion“
  • Verschwörungstheorie "Lügenpresse"
  • Reichsbürger, Mondlandung, Reptiloide, Flacherde

Die Aufklärung bestand darin, dass erstmal eine Menge Fakes gestreut wurden, im Web, in den sozialen Medien. Die Zielrichtung war Provokation, vorgetäuschte rechtsradikale Inhalte wurden verbreitet. Doch das war alles nur Sátire – missglückte Sátire, wie einige Kritiker urteilten (6. bis 8.).

Der jugendlichen Zielgruppe sollte damit Medienkompetenz beigebogen werden. Und wohl auch ein Zugang zu den weniger fetzig präsentierten Inhalten der bpb-Site. Von der Sache her ist die Wahre Welle ein Projekt, das gut zu der Verlogenheitsbewältigung passt, die bei wissenbloggt betrieben wird. Es kam bloß nicht richtig an. Die Welle schwappte an den Hauptmedien vorbei. Warum eigentlich?

Wenn man die kunterbunte, animierte Site anschaut, sollte sie dem Geschmack der Jugend nahekommen. Die Texte nicht unbedingt: "den gesunden Menschenverstand erst nehmend und immer aufrecht wie ein rechter Arm in einem Leni Riefenstahl Film." Ob die Kids mit dem Hitlergruß so vertraut sind? Das ist immerhin schon 80 Jahre her.

Um das Ganze aufzupeppen, hier ein paar Ideen, welche Verschwörungstheorien sich noch so anbieten:

  • Die Immigration als heimliche deutsche "Bestandserhaltungsmaßnahme"
  • Die Euro-Rettung als kapitalistische Machtergreifung
  • Die Merkel-Politik als Fortsetzung der DDR-Agenda
  • Die Trump-Politik als Sátire
  • Die Götter als Fake

"Wahrewelle.tv ist ein Sátireprojekt der Bundeszentrale für politische Bildung 2018," heißt es bei 8. Wenn das schon von Steuergeldern finanziert wird, dann bitte richtig. Sonst bleibt die Wahre Welle eine Unwahre Welle.

 

Medien-Links:

  1. Bericht (Bundesregierung): Bund gibt rund 21 Milliarden Euro für Flüchtlingshilfe aus. Näheres im nächsten Link:
  2. Bericht der Bundesregierung über Maßnahmen des Bundes zur Unterstützung von Ländern und Kommunen im Bereich der Flüchtlings- und Integrationskosten und die Mittelverwendung durch die Länder im Jahr 2017 (Bundesfinanzministerium): Im Jahr 2017 hat der Bund etwa 20,8 Milliarden Euro für die Aufnahme und Integration von Geflüchteten ausgegeben (2016: 20,3 Milliarden Euro). Das zeigt ein Bericht der Bundesregierung. Der größte Einzelposten (6,8 Milliarden Euro) floss dabei in die Bekämpfung von Fluchtursachen, mit weiteren 6,6 Milliarden Euro beteiligte sich der Bund an den Kosten der Länder und Kommunen für Asylsuchende. Die Ausgaben im Bereich Flüchtlingshilfe machten 2017 insgesamt 6,4 Prozent der Gesamtausgaben des Bundes aus (2016: 6,3 Prozent).
  3. Fake News (bpb): Hier finden Sie Informationen und Materialien der bpb zum Thema Fake News. Die Seite wird laufend aktualisiert.
  4. Wahre Welle (bpb)
  5. Wahre Welle TV News (bpb): Nachrichten – endlich ehrlich.
  6. Skeptiker gleich Spinner? Bundeszentrale für politische Bildung informiert über Verschwörungstheorien (NachDenkSeiten 27.6.): Mit der neuen Webseite „Wahre Welle“ diffamiert die Bundeszentrale für politische Bildung das, was sie eigentlich fördern sollte: das kritische Nachfragen, den skeptischen Blick. Dürftig kaschiert als satirische Übung zur Medienkompetenz, ist die von Steuergeldern finanzierte Seite ein Versuch, die jugendliche Zielgruppe zur Kritiklosigkeit zu erziehen.
  7. Wenn eine Behörde Web-Satire macht: Warum die Wahre-Welle-TV-Kampagne der Bundeszentrale problematisch ist (MEEDIA 26.6.): Die bpb hat mit Wahre Welle TV ein Satire-Projekt gestartet, mit dem über Verschwörungstheorien aufgeklärt werden soll. Zunächst stifteten die Parodie-Videos allerdings ordentlich Verwirrung.
  8. Satire-Sender "Wahre Welle" im Internet Verschwörungstheorien? Nein danke! (Der Tagesspiegel 25.6.): Der Online-TV-Sender "Wahre Welle" wirkte tagelang wie ein Projekt der Rechten. In Wahrheit will die Bundeszentrale für politische Bildung aufklären. Laut Tagesspiegel war kurzfristig im Quellcode der Seite zu lesen: "Wahrewelle.tv ist ein Satireprojekt der Bundeszentrale für politische Bildung 2018."

Links von wissenbloggt:




Asyl: Argumente pro und contra Einwanderung


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Viele hätten gern so ein Schild an den Grenzen aufgestellt, um die Immigranten draußenzuhalten (Bild: meineresterampe, pixabay, verändert). Andere vertreten den Standpunkt der offenen Grenzen für alle. Einige wollen sich an die Rechtslage halten, die allerdings kontrovers diskutiert wird – zumal andere EU-Staaten sie nach Gusto interpretieren und machen, was sie wollen. Zuletzt gab es noch einen UNHCR-Bericht (1.), der weltweit mehr Flüchtlinge sieht, von denen aber weniger in Deutschland ankämen (2.).

Ob das stimmt? Der UNHCR-Bericht verzeichnet 970.365 (von ihm registrierte) Flüchtlinge in Deutschland, wo es doch incl. Familiennachzug eher doppelt so viele sind. Und die grassierende Aussage "Die Zahl der Asylbewerber sinkt" ist eine Desinformation von geradezu demagogischer Qualität. Hier die Gegenüberstellung als Tabelle:

___________pro____________ _____________contra______________

"Die Zahl der Asylbewerber sinkt."
"Es kommen kaum noch welche."
"Zahl der Asylanträge seit über einem Jahr auf niedrigem Niveau."

 

(Die bisherige Zahl ist 14.000 pro Monat in 2018)

Gemeint: Es werden mehr, aber weniger schnell mehr. Doch nicht mal das stimmt:

  • 150.000-200.000 Immigranten
  • 100.000-200.000 Familiennachzug1
  • 100.000 Geburten von Immigrantinnen2

Damit dürfte 2018 wieder einer der Einwanderungs-Spitzenjahrgänge werden. Und es gibt keine Garantie dafür, dass es nicht wieder 1 Mio./Jahr werden, denn Deutschland traf ja außer dem scheintoten Türkei-Deal keine ernsthaften Vorkehrungen, um die Grenzen zu kontrollieren.

"Grenzen lassen sich nicht schließen." Das stimmt nicht. Mit den heutigen Möglichkeiten (Fingerabdrücke, Gesichtsscan, DNS-Probe) sind Grenzen ohne Zaun möglich.
"Die Immigration ist demographisch unbedenklich." Die Zahlen sprechen dagegen. Inzwischen ist 1/4 der Geburten in Deutschland von ausländischen Müttern, geschätzt die Hälfte davon Immigrantinnen. Die Eingereisten vermehren sich (Fertilitätsrate ca. 2,3), während die Einheimischen weniger werden (1,3)2. U.a. liegt das daran, dass der Großteil der Eingereisten von den Einheimischen alimentiert werden muss, die deswegen so hohe Steuern zahlen, dass die eigene Familiengründung schwierig wird.
"Es sind nur 1% Fremde, 1 Mio. unter 80 Mio." Desinformation: Bei den Geburten sind 23% von ausländischen Müttern2, und unter den jungen Altersgruppen machen die Ausländer 30% aus3, davon ca. die Hälfte Immigranten.
"Es sind alles Flüchtlinge, die im Krieg ausgebombt wurden." Nein, die Ausgebombten sind in sicheren Lagern im nahen Ausland. Von da aus machen sich Leute mit etwas Geld auf, um was Besseres aufzutun; viele tun dasselbe von zuhause aus. Fliehen tut praktisch niemand, der hier ankommt, sonst könnten Frauen und Kinder nicht zurückgelassen werden. Oft wirken nicht Not und Terror als Antrieb zur "Flucht", sondern Verwandte und Freunde, die bereits in Europa angekommen sind.
"Das Boot wird nie voll."
"Die Kassen werden nie leer."
Beides grundsätzlich falsch. Und wann das Boot voll ist, muss die Gesamtheit der Einheimischen entscheiden, nicht bloß die Immigranten und ihre Fürsprecher. Dasselbe gilt für die Beträge, die für Hilfe bewilligt werden.
"Wir sind an der Lage schuld."
"Die können nicht anders."
Nein. Es gibt zwar Fischereiflotten, die vor der Küste abräumen, und aufgezwungene Freihandelsabkommen – aber abgesehen von den durch USA & Co. angezettelten Kriegen sind die Probleme zumeist selbergemacht; durch Übervölkerung, Übernutzung, Korruption und Misswirtschaft. Europa hat sich nach dem 2. Weltkrieg selber hochgearbeitet, der Rest der 3. Welt tut es derzeit. Afrika kann das auch. Emigration von Privilegierten löst das afrikanische Problem nicht.
"Wir müssen helfen."
 
Ja, aber vernünftig. Hilfe vor Ort wird vom UNCHR mit 120 $ pro Jahr angesetzt (6.). Hilfe in Deutschland ist um den Faktor 100 teurer (7.). Deutschland hilft weltweit am teuersten. Die Hilfe der Anrainerstaaten mit den aufgenommenen Flüchtlingsmillionen heißt meist nur, dass sie dort leben dürfen, Unterstützung gibt's nur von der UNO usw.
"Die Deutschen sind egoistisch und helfen zuwenig." Stimmt nicht. Kein anderes Land bringt soviel Hilfsgeld auf wie Deutschland.
"Es ist Europas Aufgabe, Migranten aufzunehmen und zu integrieren." Nein, ist es nicht. Es ist Europas Aufgabe, den Menschen zu helfen, und das geht im nötigen Maßstab nur durch Hilfe vor Ort.
"Humanität heißt alle hier reinlassen und versorgen."

Nein. Hinter dieser empathischen Haltung stecken 1. Pseudohumanismus, 2. Ignoranz und 3. Menschenverachtung:

  1. Fremde, die hier aufschlagen, werden bedingungslos gepäppelt.
  2. Fremde in der Fremde werden bloß verbal unterstützt, wenn überhaupt.
  3. Einheimische, die was anderes wollen, werden als Falschmeiner gehasst, vor allem wenn sie die Kosten nicht tragen wollen und die Nachteile nicht in Kauf nehmen wollen.
"Die Immigration lässt sich nicht verhindern." Die massenhafte Migration nach Deutschland ist nicht schicksalhaft, sie ist keine Naturgewalt. Der Grund dafür ist vielmehr ein System falscher Anreize. Diese Tatsache steht nicht im Widerspruch dazu, dass es weltweit Emigrationsgründe gibt.
"Die Gesetze verlangen es so." Das stimmt erstens nicht, und zweitens müssen Gesetze an den Bevölkerungswillen angepasst werden und nicht umgekehrt.
"Die gehen am Ende zurück." Zu diesem Thema liefern die Regierungsparteien keine klare Aussage4. Definitiv sind derzeit kein Asylende und keine Rückführung geplant.
"Unsere Flüchtlingspolitik nutzt allen." Nein, sie nutzt nur der Asylindustrie und den selbstausgewählten Privilegierten, die hier mit egal welchem Status versorgt werden. Die Ärmsten vor Ort erhalten nur 1/135 der Hilfe von denen in Deutschland5. Es ist ungerecht, egoistische Interessen von Immigranten zu bedienen, die lieber hier soziale Errungenschaften konsumieren als dort ihr Land wieder aufzubauen, und die ihre Familie nachholen möchten, statt sich dort um sie zu kümmern.
"Die Flüchtlinge sind uns dankbar." Teils, teils. Es gibt dankbare, ja. Aber auch undankbare, die Rechte einfordern und -klagen, während sie keine Pflicht zum Bekenntnis für Demokratie, Grundgesetz, Rechtsstaatlichkeit, Menschenrecht, Säkularisierung und Integration sehen.
"Die Welt achtet uns für unsere Flüchtlingshilfe." Das mag teilweise stimmen. Viele halten uns aber für dämliche Weicheier, wegen unseres Kontrollverlusts und unserer Bereitschaft, uns ausnutzen zu lassen. Für unsere Zahlmeisterei bei der Euro-Subventionierung liebt uns ja auch keiner.
"Wir müssen die Werte der Flüchtlinge achten." Nein, müssen wir nicht. Wir müssen die Menschen achten, nicht aber ihre Werte; die können wir auch ablehnen. Grund genug gibt's dafür, wenn sie so rückständig sind.
"Wir brauchen den Zuzug für unsere Renten." Nein, gebraucht werden allenfalls Fachkräfte, die hier einen Job finden. Die meisten Immigranten aus dem Nahen Osten, Arabien und Schwarzafrika erreichen hier das Minimum ihrer Nützlichkeit; sie kosten statt zu nutzen. Angeblich arbeitet 1/4 der Menschen aus "nichteuropäischen Asylherkunftsländern", aber hier treffen sich Zahlen von Bamf und Arbeitsamt, die beide für ihre Unglaubwürdigkeit bekannt sind (9.).
"Wir brauchen den Zuzug zur 'Bestandserhaltung'." Nein, wir brauchen keine Bestandserhaltung. Deutschland ist  übervölkert, eine schrumpfende Bevölkerung wäre besser und nachhaltiger für das Land und beispielhaft für die Welt.
"Haben wir keine anderen Probleme?" Beliebter Ablenkungsversuch von Leuten, die etwas angerichtet haben und nicht drüber reden wollen. Nein, die Immigration wird durchweg als Jahrhundertproblem Nummer 1 angesehen und entsprechend diskutiert.

Die deutsche Migrationspolitik basiert nicht auf rationaler Grundlage. Politisch ist eine linksgrüne Extremposition durchgesetzt; die Grenzen sind für Einwanderer offen, bis hin zum Familiennachzug sogar für Abgelehnte ("subsidiär Geschützte", 8.). Kaschiert wird die deutsche Grenzöffnung durch Ungarns Grenzschließung und den "Türkei-Deal".

Auf Seiten der Open-Border-Fraktion ist das Thema mit einer Menge Lüge und Selbstbetrug garniert, mit enormer Medienmacht und geradezu mit Menschenhass auf die Immigrations-Kritiker. Bei letzteren gibt es auch emotionales Verhalten bis hin zum Hass auf Fremde & Willkommensheißer.

Die große Mehrheit besteht aber nicht aus Nazis, Rechtsradikalen und Fremdenhassern, sondern aus Gutwilligen und Hilfsbereiten, welche die enormen Zahlungen für die Hilfeleistungen bisher ohne Randale aufbrachten. Was aber viele aufbringt, ist das Für-dumm-Verkaufen durch Politik, Medien und sonstige Open-Border-Verfechter ("lauter Fachkräfte", "zahlen unsere Rente", "keine zusätzliche Kriminalität", "keine Überfremdung", "keiner hat Nachteile", "die bleiben nur zeitweise", "wir schaffen das").

Und es stört viele, dass die gefühlsgesteuerte Grenzöffnung, die den Missbrauch des Asylrechts zum Einwandern möglich macht, immer noch andauert. Ebenso der Versuch, diese Tatsache wegzulügen, anstatt endlich zum Normalzustand kontrollierter Grenzen zurückzukehren. Und es stört die Verschleierung der wirklichen Einwanderungszahlen, bei denen z.B. der Familiennachzug immer verschwiegen wird. Dass die konfuse Art der Hilfe zu schwerer Fehlallozierung führt, wird nun immer mehr Leuten klar.

Am Ende kommt's dann raus, dass das Geld ausgegeben ist, und kein Problem ist gelöst (außer für die Partikularinteressen von Asylindustrie und privilegierten Immigranten).

Die Probleme sind zu schwer, um gefühlsmäßig aufgewühlten Leuten anvertraut zu werden, mit der entsprechenden Konfusion, die dabei rauskommt. Deshalb müssen Leute mit Durchblick ran, mit gerechtigkeitsorientiertem und rationalem Verhalten, die überblicken können, wieviel Humanität wir uns leisten können, und die den besten Nutzen aus den Kosten schaffen.

Der Schaden ist einfach zu groß, der von der aktuellen Migrationspolitik angerichtet wird. Trotz der hohen Kosten schafft sie mehr Probleme als sie löst:

  • der innere Friede ist gestört,
  • der europäische Zusammenhalt ist beeinträchtigt,
  • die Sozialsysteme werden noch mehr überlastet,
  • es gibt soziale Probleme mit 1-2 Millionen Leuten, die nicht gebraucht werden und womöglich in Parallelgesellschaften abdriften,
  • es gibt kulturellen und emanzipatorischen Rückschritt,
  • die Probleme in Afrika werden dabei immer größer, weil das Geld an Privilegierte geht statt an die Bedürftigen, statt in Aufbauhilfe und statt in Geburtenkontrolle.

Vor allem bei letzterem ist ein Mentalitätswandel erforderlich. Unsere Politiker sind stark christlich indoktriniert, d.h. sie stehen Geburtenkontrolle und Abtreibung kritisch gegenüber, anstatt beides nach Kräften zu unterstützen. Dabei ist das der wichtigste Ansatz für die Verbesserung der Zustände. In China und Indien hat man diese Erkenntnis umgesetzt, in Afrika steht das noch aus.

Wenn der Mentalitätswandel endlich einsetzt, erhält die Vernunft vielleicht eine neue Chance. Die EU-Politik der Grenzöffnung für alle will ja kaum noch jemand. In vielen Ländern formen sich demokratische Mehrheiten dagegen. Es ist die falsche Denke, nun zu behaupten, das würde die EU kaputtmachen – auch wenn das noch so demagogisch vertreten wird (10.).

Andersrum stimmt es: Die EU-Politik hat Europa den Europäern entfremdet – und die deutsche Politik erst recht -, und nun findet eine Rückbesinnung statt. Bleibt zu hoffen, dass das schnell und nachhaltig erfolgt.

 

(Nachtrag 29.6. "Haben wir keine anderen Probleme?")

Medien-Links:

  1. Global Trends – Forced Displacement in 2017 (UNHCR): 68,5 Millionen gewaltsam Vertriebene weltweit, als Ergebnis von Verfolgung, Konflikt oder allgemeiner Gewalt (keine Rede von Übervölkerung oder Klimaproblemen oder Krankheit/Seuchen). Tabelle 1 im Anhang verzeichnet 970.365 Flüchtlinge in Deutschland.
  2. UN-Bericht – Zuflucht bei den Armen (Süddeutsche Zeitung 19.6.): So viele Menschen wie nie zuvor müssen derzeit weltweit ihre Heimat verlassen – allerdings sucht nur ein Bruchteil von ihnen Schutz in Europa.
  3. Stunning Video Shows Global Migration Flows (Zero Hedge 19.6.)
  4. Gefährliche Hasswelle (der Freitag 19.6.): In der heutigen Welt ist die Forderung nach „null Landungen“ von Migranten an der europäischen Mittelmeerküste nichts weiter als kriminelle Propaganda. … Auf die Frage, ob wir alle aufnehmen können, die von Afrika nach Europa emigrieren wollen? Nein. Aber Italien hat sich nicht das Recht erworben zu sagen: „Okay, jetzt ist es genug.“
  5. African Countries by population (worldometers 2018).
  6. Struktur und Finanzierung (UNCHR 2018): Um seine Aufgaben für den internationalen Flüchtlingsschutz vollständig erfüllen zu können, legte UNHCR für 2016 einen Finanzbedarf von 7,5 Milliarden US-Dollar fest (bei 65 Mio. Flüchtlingen ca. 120 $ pro Person).
  7. Integration: Wie viel kosten die Flüchtlinge? (Zeit Online 12.5.16): Die meisten Bundesländer zahlen den Kreisen und Städten eine Pauschale für die Versorgung der Flüchtlinge; sie liegt zwischen rund 6.800 Euro im Jahr in Thüringen und knapp 13.000 Euro in einigen Regionen Hessens. Als Mittel für die Grundversorgung angegeben 652€ oder auch 939€ pro Monat.
  8. Übersicht über die möglichen rechtlichen Aufenthaltsarten für Flüchtlinge in Deutschland (frsh 2014).
  9. Fluchtmigration (Bundesagentur für Arbeit 5/18): Die mit 25,8 Prozent vergleichsweise geringen Beschäftigungsquoten von Beschäftigten aus den nichteuropäischen Asylherkunftsländern – Angaben nach dem Aufenthaltsstatus liegen hierzu nicht vor – zeigen, dass die Integration in den Arbeitsmarkt einen langen Atem braucht. Für alle Ausländer lag die Beschäftigungsquote im März 2018 bei 48,1 Prozent, für Deutsche sogar bei 68,1 Prozent (Beschäftigungsquoten bezogen auf die Bevölkerung inkl. ausschließlich geringfügig Beschäftigte).
  10. Flüchtlings- und Migrationspolitik – Riskant, egoistisch – und kein bisschen christlich (Süddeutsche Zeitung 25.6., gedruckt: Wider Herz und Vernunft): Söder, Kurz, Salvini und Europas sonstige Nationalisten nehmen mit ihrer flüchtlingsfeindlichen Propaganda das Ende der EU in Kauf – nur um bei kommenden Wahlen Stimmen zu kassieren. Demnach verstehen es die Rechtspopulisten, das Flüchtlingsthema als Brecheisen zu benutzen, um die "gesunden Strukturen Europas auszuhebeln". Sie wollen laut SZ die Menschen glauben lassen, das größte Problem der Zeit seien Flüchtlinge, und viele Bürger fielen darauf rein.
  11. EU-Asyl 2015 bis 2017 (atheisten-info.at 25.6.)

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