Seuchen: Warnung & (verdächtige) Entwarnung


skeleton-1561177_1280Eine aktuelle Hitliste der unerfreulichen Bedrohungen gibt's beim Pandemie-Artikel von wb (Link Kollateralschaden). Neu dazugekommen sind Berichte zu Antibiotikaresistenz (1.) und diversen Seuchen wie Pocken (2.), Pest (3.), Geflügelpest (4.) und Masern (5.). Dazu kommen allgemeine Warnungen vor den nächsten globalen Pandemien (6.+7.). Kein Grund also, die Gesundheitsvorsorge leicht zu nehmen (Bild: TheDigitalArtist, pixabay).

Das sind eine Menge Warnungen. Entwarnungen gibt's aber auch. Ganz frisch ist eine Metaanalyse zur weltweiten Sterblichkeit von internationalen Migranten (8.). Die Migranten haben demnach einen Sterblichkeitsvorteil (mortality advantage compared with general populations), weil sie bei den häufigsten Todesursachen wie Erkrankungen von Herz und Kreislauf sowie Nerven und Atemwegen unterdurchschnittlich vertreten waren. Sie waren ja auch unterdurchschnittlich alt.

Nachdem nun der UN-Migrationspakt ins Haus steht (Mitte 12/18), zieht die Zeit eine passende Parallele. Sie stellt einen Zusammenhang Migration-Entwarnung und Migration-Pakt her (9.). Geflüchtete sind demnach kaum eine Gesundheitsgefahr für Zielländer. Schau'n mer mal.

Zuerst der Hinweis, dass sich die Allgemeinbevölkerung der Zielländer eher selten bei Migranten und Migrantinnen ansteckt, wie die Daten der Metastudie andeuten. Zwar stürben Migranten statistisch gesehen häufiger an Tuberkulose, HIV und viraler Hepatitis, doch die seien in Europa selten und fielen wenig ins Gewicht. Es gebe mithin "keinen systematischen Zusammenhang zwischen Migration und dem Import von Infektionskrankheiten." Das ist ein Zitat aus der Studie, und ein weiteres folgt sogleich:

skeleton-1940283_1280U.a. deshalb sei es "wichtig, dass die Aufnahmeländer eine bessere medizinische Versorgung gewährleisteten" (9., Bild: ractapopulous, pixabay). … Nanu?

Wenn keine Infektionskrankheiten eingeschleppt werden, dann ist doch alles in Ordnung? Wieso müsste dann die medizinische Versorgung verbessert werden? Wie geht das zusammen?

Der Bericht erwähnt, dass einige Geflüchtete aus Ländern mit schlechter Gesundheitsversorgung bei der Ankunft medizinisch behandelt werden müssen (Anmerkung wb: in anderen Quellen wird der Standpunkt vertreten, dass praktisch alle wegen Traumatisierung behandlungsbedürftig sind, und man kann ebenso vom extremen Bedarf an Zahnbehandlung lesen).

Jetzt kommt noch ein Nanu-Passus: Diese Belastung der Gesundheitssysteme dürfe nicht isoliert vom Nutzen der Zuwanderung betrachtet werden, der weitaus höher ist. In einer entwickelten Volkswirtschaft könne ein Anstieg der Migranten in der erwachsenen Bevölkerung demnach das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf um 2% erhöhen.

Der Bericht ist also eine Studie zum Nutzen der Migration? Offiziell ist er doch eine Metaanalyse zur Sterblichkeit von Migranten. Wieso schiebt der in einem Nebensatz die Behauptung vom Nutzen unter, "der weitaus höher ist"? Mit der Begründung, dass 37% der der praktizierenden Ärzte in Großbritannien ihre medizinische Qualifikation in einem anderen Land erworben haben?

skull-3378748_1280Das ist als Argument für den Nutzen der Migration gemeint, aber es deckt die Manipulation auf: In der Studie geht es um Migranten allgemein, und nicht um Geflüchtete, wie die Zeit schreibt. Das macht aus der Argumentation einen veritablen Trümmerhaufen (Bild: anaterate, pixabay).

Die größte Gruppe unter den Migranten in Großbritannien sind Polen, die zweitgrößte Inder. Also ist die Rede von Geflüchteten schlichtweg eine Irreführung. Die Immigranten aus Polen und Indien müssen herhalten, um gut Wetter für Flüchtlinge zu machen: Sie schleppen keine Krankheiten ein, sie schaffen Gesamtnutzen.

Nun ist inzwischen bekannt, dass die Legende vom Gesamtnutzen für die Immigration von unvorbereiteten Unqualifizierten aus rückständigen Regionen mit rückständigen Religionen nicht zutrifft (wb-Link UN-Migrationspakt):

  • Der ökonomische Nutzen fehlt angesichts von zig Mrd. Kosten pro Jahr ohne Aussicht auf Ausgleich des Defizits.
  • Der gesellschaftliche Nutzen fehlt wegen der Verwerfungen in Deutschland, England usw. und der Krise in der EU.

Das wirft die Frage auf, wenn beim Nutzen gefaked wird, wie steht es dann mit dem Import von Infektionskrankheiten? Menschen aus allen Winkeln der Welt bringen Krankheitskeime aus allen Winkeln der Welt. Wie kommt es, dass die vorhandene Bevölkerung sich "eher selten bei Migranten und Migrantinnen ansteckt"? Weil Polen und Inder gemeint sind und nicht Nigerianer und Eritreer?

Wenn es keinen systematischen Zusammenhang zwischen Migranten und Infektionskrankheiten gibt, und die Migranten sind meistens keine Flüchtlinge, dann ist doch wenig ausgesagt über den Zusammenhang zwischen Armutsflüchtlingen und Infektionskrankheiten?

Hier liegt der Verdacht der Augenwischerei nahe. Der UN-Migrationspakt kommt, und dazu müssen positive Berichte her – das dürfte dahinterstecken. Die 20 unabhängigen Expertinnen und Experten aus 13 Ländern, darunter Großbritannien, Deutschland und Kenia haben geliefert, die Zeit ist aufgesprungen.

Es wurde eine Metaanalyse der verfügbaren Studien gemacht, wozu z.B. einige über Russlanddeutsche gehörten, doch über die aktuelle Zuwanderung aus Nahost, Mittelost, Arabien und Afrika gab's anscheinend noch keine. Trotzdem wurde der Anspruch "internationale Migranten" draufgepappt. Das läuft auf Täuschung hinaus, und die Zeit ist dieser Täuschung gewollt oder ungewollt gefolgt.

Wer realistische Zahlen will, kann beim Robert Koch Institut nachschauen, Beispiel Tuberkulose: 32% deutsche Erkrankte, 68% ausländische (10.). Die Gesamtzahl der meldepflichtigen Infektionskrankheiten (die allerdings vielfach per Antibiotikaspritze kuriert werden können) bei Asylsuchenden in Deutschland war im vorigen Jahr 360.396 (11.).

 

Medien-Links:

  1. Vital Signs report: Containing Unusual Resistance – Early, aggressive action can prevent spread (Centers for Disease Control and Prevention CDC 3.4.): More than 23,000 Americans die each year from infections caused by germs resistant to antibiotics. While antibiotic resistance (AR) threats vary nationwide, AR has been found in every state. And unusual resistance germs, which are resistant to all or most antibiotics tested and are uncommon or carry special resistance genes, are constantly developing and spreading. (In anderen Quellen: "nightmare bacteria" across the United States.)
  2. Pocken – Seuche aus dem Baukasten (Süddeutsche Zeitung 7.7.17): Virologen haben Pferdepocken im Labor nachgebaut. Sie warnen: Auch die ausgerottete menschliche Variante des Virus ließe sich auf beunruhigend einfache Weise wiederbeleben.
  3. Plague fears grow as Malawi becomes tenth African nation put on alert for the spread of the killer disease (Dayly Mail Online 11.11.17): At least 143 people have died of the plague following an outbreak in Madagascar. Another 2,000 people have been infected since the spread in August this year. Malawi's Dr Dan Namarika warned 'porous borders' may help spread the disease.
  4. Asian Lineage Avian Influenza A (H7N9) Virus (Centers for Disease Control and Prevention CDC 20.9): Human infections with an Asian lineage avian influenza A (H7N9) virus (“Asian H7N9”) were first reported in China in March 2013. Annual epidemics of sporadic human infections with Asian H7N9 viruses in China have been reported since that time.
  5. Viruserkrankung: Zahl der Maserninfektionen weltweit um 30 Prozent gestiegen (Zeit Online 29.11., 150 Kommentare): Laut WHO waren 2017 deutlich mehr Menschen von Masern betroffen als zuvor. Als Grund sieht die Organisation Nachlässigkeit und Fehlinformationen über Impfungen.
  6. Predicting the next global pandemic (Global Risk Insight 8.11.): The nature and likelihood of the next pandemic presents many challenges to governments and health organisations, as it could be an unknown pathogen that the world is ill-equipped to contain. The risks associated with such a pandemic has secondary effects as it not only affects human health, but also causes severe disruptions in economic, political, and social areas.
  7. Bill Gates thinks a coming disease could kill 30 million people within 6 months — and says we should prepare for it as we do for war (Business Insider 27.4.): The next deadly disease that will cause a global pandemic is coming, Bill Gates said on Friday at a discussion of epidemics. We're not ready. An illness like the pandemic 1918 influenza could kill 30 million people within six months, Gates said, adding that the next disease might not even be a flu, but something we've never seen.
  8. Global patterns of mortality in international migrants: a systematic review and meta-analysis (The Lancet 5.12.): Our study showed that international migrants have a mortality advantage compared with general populations.
  9. Migrationspakt: Warum Geflüchtete kaum eine Gesundheitsgefahr für Zielländer sind (Zeit Online 6.12., 330 Kommentare): Schleppen Geflüchtete viele Infektionskrankheiten ein? Nein. Migration nützt der öffentlichen Gesundheit mehr, als zu schaden, sagt eine unabhängige Forschungskommission.
  10. Bericht zur Epidemiologie der Tuberkulose in Deutschland für 2017 (Robert Koch Institut): 1.650 (31,9%) der auf dem Meldeweg erfassten Erkrankten hatten die deutsche Staatsangehörigkeit, 3.515 Erkrankte (68,1%) waren ausländische Staatsbürger.
  11. Dem Robert Koch-Institut übermittelte meldepflichtige Infektionskrankheiten bei Asylsuchenden in Deutschland Dezember 2017 (49.-52. Kalenderwoche, Robert Koch Institut, 17.1.): Anzahl der übermittelten Fälle von meldepflichtigen Infektionskrankheiten nach Übermittlungskategorie (1. bis 52. Kalenderwoche 2017) Gesamt 360.396

Links von wissenbloggt zur Durchseuchungslage:




"Speziesismus": Neue Idiotien der Sprachverhunzer


dogs5(Bilder: evastupica, glasskid50, danielsfotowelt, hettyvanderzanden, nurp, alle pixabay).

Wenn man Tiere allzusehr vermenschlicht, kommt sowas raus wie das Credo von PETA (People for the Ethical Treatment of Animals): "Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten"(1.). Diese bis aufs Experimentieren widernatürliche Einstellung hat durchaus Follower.

Solche Leute haben sogar ein Fachwort für die spezielle Diskriminierungsform aufgrund der Artzugehörigkeit kreiert, Speziesismus. Das ist die Diskriminierung von Tieren durch Menschen (umgekehrt sind noch keine Beanstandungen publiziert). Ziel ist nicht bloß, das Leid der Massentierhaltung zu beenden und Tiere in freier Wildbahn zu schützen. Auf gut genderisch geht es bis dahin, die Sprache im Sinn des Tierschutzes zu beeinflussen, so wie die PETA-Aktivisten den Tierschutz verstehen ("evolve common language").

Zu was für Idiotien man sich dabei versteigt, ist frappierend. Die Massentierhaltung wurde mit dem Holocaust verglichen (2.), Metzger wurden als Mörder zu bezeichnet. Das hat PETA den Ruf einer radikalen Tierrechtsorganisation eingebracht. Diesem Ruf versucht der Verein gerecht zu werden.

Er hat jetzt einen Anlauf zur Sprachmanipulation unternommen. Bei Twitter wurden tierfreundlich umgestaltete Sprichwörter publiziert (3.), um "den Speziesismus aus der Umgangssprache zu entfernen" (4.). Andersdenkende waren schnell mit Spott über die Sprichwortverhunzung zur Hand. Zero Hedge kommentiert: PETA is trying to stop people from being 'racist' against chickens (5.).

Eine Liste der betroffenen Sprichwörter ("Stop Using Anti-Animal Language"):

Deutsch Englisch PETA-Verhunzung
zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen kill two birds with one stone feed two birds with one scone
das Versuchskaninchen sein  be the guinea pig be the test tube
auf etwas herumreiten beat a dead horse feed a fed horse
die Brötchen verdienen bring home the bacon bring home the bagels
den Stier bei den Hörnern packen take the bull by the horns take the flower by the thorns

Der Spott der Kommentatoren ließ nicht auf sich warten:

  • Wenn bacon (Speck) für die Veganer offensiv ist, sind dann bagel (Teigkringel) für die Glutenfreien offensiv?
  • Ein gefüttertes Pferd füttern? Man sollte doch keine Ausdrücke fördern, die der Fettleibigkeit Vorschub leisten.
  • Außerdem merkt ein totes Pferd ja nicht, wenn es geschlagen wird, während ein überfüttertes Pferd leidet.
  • Und was soll die Blume denken, wenn man sie bei den Dornen packt? (Ergänzung wb)

In vorauseilendem Gehorsam verhunzt wissenbloggt ein paar weitere Sprichwörter (Quelle u.a. 5.). Beim letzten Punkt von diesem Leserservice geht es um Menschen, falls die überhaupt noch eine Rolle spielen:

Deutsch Englisch wissenbloggt-verhunzt
der Spatz in der Hand ist besser als die Taube auf dem Dach a bird in the hand is worth two in the bush a turd in the hand is worth two in the bush
der Stärkere gewinnt dog eat dog blog eat blog
eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus dog don’t eat dog blog don’t eat blog
einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul don’t look a gift horse in the mouth don’t take a gift course to the south
es regnet junge Hunde it's raining cats and dogs it's raining hats and clogs
der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt it's the last straw that breaks the camel's back it's the last straw that breaks the politician's promise
Affen machen alles nach monkey see monkey do honkey see honkey do
gebranntes Kind scheut das Feuer once bitten twice shy once written twice wrong
Morgenstund hat Gold im Mund early bird catches the worm early turd catches the worm
alles auf die Reihe kriegen to get one's ducks in a row to get one's fucks in a row
keine Rose ohne Dornen you can't catch a fish without it's bones You can't snatch a dish without it's scones
das dicke Ende kommt zuletzt it's not over until the fat lady sings it's not over until the flat shady stinks

Bittesehr, das muss sich hinter den PETA-Parolen nicht verstecken. Was haben diese Sprachverhunzer eigentlich an der Bommel, dass sie sich dauernd lächerlich machen müssen? Rechtschreibreformer, GenderInnen, MeTussis, PETA-Parolenschwinger? Könnten sie nicht mal was Vernünftiges anleiern, z.B. dass die Massentierhaltung ersetzt wird durch die ganzen beyond-Produkte? (wb-Link ganz unten)

Dann könnten die PETA-Protagonisten einen großen Teil von ihrem Credo abhaken. Experimentieren in der Computersimulation, Essen und Anziehen aus der Retorte, Unterhalten mit Robot-Pets – und die Ausbeuter sind ja nicht zuletzt die, welche die Tiere vermenschlichen und vor ihren Karren spannen.

 

Medien-Links:

  1. Peta: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten.
  2. Bundesverfassungsgericht – PETA darf Tierhaltung nicht mit Holocaust vergleichen (Focus 26.3.09): Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe hat eine Klage der Tierschutzorganisation PETA zurückgewiesen. PETA wollte mit dem Slogan „Der Holocaust auf Ihrem Teller“ gegen Massentierhaltung protestieren.
  3. PETA auf Twitter (4.12.): Bringing Home the Bagles …
  4. PETA releases list of animal friendly idioms to avoid 'speciesism' (KelownaNow 4.12.): People for the Ethical Treatment of Animals (PETA) took to Twitter today to release a list of updated idioms to remove speciesism from daily conversations. The organization turned phrases like "kill two birds with one stone," to "feed two birds with one scone," to evolve common language as social justice itself evolves.
  5. PETA Publishes Laughable List Of 'Animal Friendly' Phrases To 'Fight Speciesism' (Zero Hedge 5.12.): That's right: PETA is trying to stop people from being 'racist' against chickens.
  6. Englische Sprichwörter (Wikiquote)

Links von wissenbloggt:




Können Atheisten wissenschaftlich denken?


chimpanzee-978809_1280Diese Frage ist mit ein paar Behauptungen unterfüttert, und es ist interessant zu sehen, wo die Denkfehler stecken.

Letztlich läuft es auf die Behauptung hinaus, ein Atheist würde nie objektiv und wissenschaftlich denken (Bild: skeeze, pixabay).

Man muss nicht auf den ganzen Unfug eingehen, der in Form eines Videos daherkommt. Es reicht, die grundlegenden Irrtümer aufzuzeigen.

Bei atheisten-info.at hat Erwin Peterseil das unternommen. Unter dem Titel Der Denkfehler der Atheisten schreibt er: Da erklärt uns also einer die Welt, der sie versteht! Er fragt, ob Atheisten wissenschaftlich denken können und dann redet er die ganze Zeit haarsträubenden Blödsinn.

Können Atheisten wissenschaftlich denken?
(Der Inhalt des Kastens stammt aus dem Vordenker-Video)

  1. Das Universum ist per Urknall entstanden
  2. Evolution (und somit der Zufall) sorgten für die Entstehung von Leben
  3. Menschen sind also zufällig entstanden
  4. Die Hirnstrukturen (z.B. deine) sind zufällig (neironale Netze)
  5. Die Denkmuster sind zufällig
  6. Ein Atheist denkt also nie objektiv und wissenschaftlich

Dazu möchte der wissenbloggt-Atheist Wilfried Müller eine eigene Argumentation aufbauen, auch wenn ihm die Fähigkeit zur objektiven und wissenschaftlichen Denke abgesprochen wird. Punkt für Punkt:

  1. Das Universum ist per Urknall entstanden –ok-check-303494_1280Clker-Free-Vector-Images-150x150
    Das entspricht dem wissenschaftlichen Weltbild.
    (Es entspricht aber nicht dem Weltbild der Argumentation.)
  2. Evolution (und somit der Zufall) sorgten für die okyeno-delete-462216_1280-300x300Entstehung von Leben –
    Bei der Evolution ist der Zufall nur ein Element. Variation und Selektion haben außerdem starke deterministische Einflüsse.
  3. Menschen sind also zufällig entstandenoky1-delete-462216_1280-300x300
    Mit zunehmender Entwicklungsstufe schwindet der Anteil des direkten Zufalls, Stichworte Emergenz, Symmetriebrechung, Selbstorganisation.
  4. Die Hirnstrukturen (z.B. deine) sind zufällig (neuronale Netze)oky1-delete-462216_1280-300x300
    Hier gilt nochmal dieselbe Argumentation wie bei 3.
    Der Zufall war beteiligt, aber das meiste ist Determinismus.
  5. Die Denkmuster sind zufälligoky1-delete-462216_1280-300x300
    Und nochmal dieselbe Argumentation wie bei 3.
    Der Zufall ist beteiligt, aber das allermeiste ist Determinismus.
  6. Ein Atheist denkt also nie objektiv und wissenschaftlich okno-delete-462216_1280-300x300
    Diese Aussage ist komplett falsch, denn als Nichtexistenzbehauptung kann sie widerlegt werden: Ein atheistischer Wissenschaftler reicht dazu.

Es gibt viele atheistische Wissenschaftler, und auch andere Atheisten denken wissenschaftlich. Die Vernunftwidrigkeit der Aussage liegt aber auch darin, dass sie unausgesprochendermaßen für Atheisten eine andere Entstehungsgeschichte als für Gläubige unterstellt. Gläubige sind gottgemacht und nicht zufällig, denn der Vordenker hält seine Argumentation 1.-6. bestimmt für objektiv, wenn nicht gar für wissenschaftlich.

Zum Nicht-Zufall hat Erwin Peterseil auch noch ein paar Takte zu sagen: Wer einen Schöpfergott braucht, lebt mit einem Denkfehler, der alleine dadurch schon erkennbar sein müsste, dass dieser vermutete Gott ja auch eine Ursache haben müsste. Oder ist er vor dem Urknall, bevor es Raum, Zeit und Materie gab, zufällig entstanden? Ein Gott verlängert nur die Kausalkette, erklärt aber nichts, wenn er selber unerklärbar ist, z.B. Gott habe es immer schon gegeben oder so. Und gesehen hat so einen Gott schließlich auch noch nie jemand, man kann ihn sich bloß einbilden.

 

(Bilder ok/no: Clker-Free-Vector-Images/Mediengestalter, pixabay, Mischung von wb.)

Link zum Originalartikel bei atheisten-info.at (mit eigebettetem Vordenker-Video)

Passende Wissenschafts-Links von wissenbloggt:

Götter-Links von wissenbloggt:




Rentenprognosen: ⅓-½ der Beschäftigten droht Mini-Rente


photomanipulation-2110496_1280-4144132auto-1661009_1280-Tama66Hui rein & pfui raus – die Rente ist sicher … nicht so gut wie erhofft (Bilder: 4144132 und Tama66, pixabay).

Im September hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) einen Wochenbericht vorgelegt, nach dem die rentennahen Jahrgänge große Lücken in der
Sicherung des Lebensstandards haben. Bei mehr als der Hälfte der erwerbstätigen 55- bis 64-Jährigen ist demnach der aktuelle Konsum größer als die bisher erworbenen Rentenanwartschaften (2.).

Jetzt hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) eine Prognose vorgelegt, nach der etwas geschehen muss, sonst greifen die Mini-Renten um sich. Pressemitteilung der NGG, Hamburg, 3. Dezember 2018 (1.):

Jedem dritten Beschäftigten droht eine Mini-Rente

NGG legt Rentenprognose vor | 12,8 Millionen Arbeitnehmer unter der Grundsicherung

Deutschland droht Altersarmut – in einem größeren Ausmaß als bislang angenommen. Das befürchtet die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). 12,8 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer würden – so, wie sie heute arbeiten – nur eine Rente unterhalb der staatlichen Grundsicherung bekommen. Und das, wenn sie nach immerhin 45 Berufsjahren in den Ruhestand gingen. Das sind bundesweit 42 Prozent aller Beschäftigten, die in Vollzeit, Teilzeit oder ausschließlich geringfügig arbeiten.

Die Schwelle für „Alters-Hartz-IV“ liegt im Bundesschnitt bei aktuell 785 Euro im Monat. Dabei sind insbesondere die Kosten fürs Wohnen berücksichtigt. Dies geht aus einer Renten-Analyse des Pestel-Instituts hervor. Die Wissenschaftler aus Hannover haben dabei für die Gewerkschaft NGG amtliche Statistiken ausgewertet.

Demnach könnte die Zahl armutsgefährdeter Rentner in Deutschland künftig noch deutlich steigen – nämlich dann, wenn die durchschnittliche Rente bis zum Jahr 2030 auf nur noch 43 Prozent des Einkommens abfallen sollte. Dann gäbe es mehr als 16 Millionen Menschen, die nach 45 Beitragsjahren bei einer Rente unterhalb der Grundsicherung landen, so das Pestel-Institut. Claudia Tiedge, stellvertretende NGG-Vorsitzende, spricht von „alarmierenden Zahlen“. Wer ein Leben lang gearbeitet habe, müsse später auch von seiner Rente leben können, betont sie: „Am Ende steht hier das Vertrauen in die staatliche Altersvorsorge und damit der gesellschaftliche Zusammenhalt auf dem Spiel.“ Die Bundesregierung hat eine Sicherung des Rentenniveaus bei 48 Prozent lediglich bis 2025 vereinbart. „Das reicht nicht aus“, so Tiedge. Die Große Koalition müsse das Rentenniveau längerfristig stabilisieren und möglichst anheben.

Zugleich sieht die NGG die Arbeitgeber in der Pflicht. „Klar ist, dass aus Mini-Löhnen keine Spitzen-Renten werden“, betont Tiedge. Gerade in Branchen wie dem Gastgewerbe und Bäckerhandwerk müssten viele Beschäftigte im Alter aufstocken. „Dabei haben Hoteliers, Gastronomen und Bäckermeister bei der Bezahlung durchaus Spielraum. Anstatt auf Aushilfen mit wenigen Wochenstunden zu setzen, sollten sie reguläre Vollzeitstellen schaffen – und zwar bezahlt nach Tarif“, so die Gewerkschafterin.

Viele Beschäftigte hätten zwar das Glück, dass der Partner mehr verdiene und so die Haushaltskasse im Rentenalter aufbessere. Doch häufig sei das Geld selbst dann sehr knapp. Gerade wer einen Teilzeit- oder Minijob habe, müsse sich auf einen „extrem mageren Rentenbescheid“ einstellen. Frauen seien davon besonders häufig betroffen. Sogar knapp 29 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten haben nach Berechnungen des Pestel-Instituts aktuell einen Rentenanspruch von weniger als 1.000 Euro monatlich – nach 40 Arbeitsjahren.

Eine gute tarifliche Altersvorsorge könne zwar dabei helfen, dass im Alter etwas mehr übrig bliebe. „Aber Zusatzrenten sind nicht dafür da, ein immer geringeres Rentenniveau der gesetzlichen Rentenversicherung auszugleichen“, so Tiedge. Ihr Fazit: „Der Staat muss die gesetzliche Rente sichern. Alle Beschäftigten sind auf sie angewiesen. Und die Arbeitgeber müssen bei Löhnen, Arbeitszeiten und Zusatzvorsorge viel mehr tun, damit die Menschen ihren Lebensabend genießen können.“

  1. Pressemitteilung der NGG als PDF
  2. Studie im DIW Wochenbericht 37/2018

Weitere Medien-Links:

  • Rentennahe Jahrgänge haben große Lücke bei der Sicherung ihres Lebensstandards im Ruhestand (DIW-Pressemitteilung vom 12.09.2018): Mehr als der Hälfte der 55- bis 64-jährigen Erwerbstätigen reichen derzeitige Rentenanwartschaften nicht, um aktuellen Konsum vollständig zu decken – Private Versicherungen reduzieren diesen Anteil nur geringfügig – Potentielle Versorgungslücke beträgt durchschnittlich rund 700 Euro im Monat
  • Schuften für Sozialhilfe (junge Welt 5.12. zur NGG-Studie): Rentenprognose der Gewerkschaft NGG ergibt: Mehr als jeden dritten Beschäftigten erwartet nach 45 Arbeitsjahren eine Rente unterhalb der Grundsicherung.
  • Altersvorsorge: Älteren Arbeitnehmern droht Armut beim Renteneintritt (Zeit Online 12.9., 500 Kommentare, zum DIW-Bericht): Die Hälfte der Menschen, die bald in Ruhestand gehen, erhält einer Studie zufolge nicht genug Rente, um alle Ausgaben zu bestreiten. Besonders betroffen seien Frauen.
  • Rente – Die anderen kriegen's hin, wir nicht (Süddeutsche Zeitung 16. 5.): Die Rentenpläne der Koalition wurden jüngst von Experten als unbezahlbar verworfen. Nun soll eine Kommission neue Vorschläge erarbeiten. Leser und Leserinnen werfen der Regierung Untätigkeit vor.
  • SPD-Gegenwind für Andrea Nahles? (scharf links 13.2.): Für den aktuellen Mindestlohn müsste man schon 55 Jahre in Vollzeit arbeiten, um im Alter von 71-72 Lebensjahren eine Armutsrente in Höhe der Sozialhilfe zu erhalten (analog der geringen gesetzlichen Grundsicherung, bzw. im Hartz-IV-Strafvollzug).

Links von wissenbloggt:

 




Rezension des Buches „Die Offenbarung des Johannes“ mit einer Einleitung von Will Self von Frank Sacco


revelation-981662_1280Frank Sacco, Doktor der Medizin, hat schon mehrmals bei wissenbloggt über Schizophrenie geschrieben (Links unten).

Diesmal im Zusammenhang mit der Offenbarung des Johannes, die früher vom Fischer Verlag mit einer Einleitung von Will Self verkauft wurde (Bild: JamesNichols, pixabay).

Die religiös bedingte Schizophrenie von Frank Sacco

Rezension des Buches „Die Offenbarung des Johannes“ mit einer Einleitung von Will Self

Die Einleitung ist hier das Spannende! Self berichtet von seinem Freund Ben Trainin. Der war in Künstlerkreisen geboren und studierte gerade Geschichte. Er war hochintelligent. Er baute eine Kanzel und predigte. Die Story von der Apokalypse hatte ihn im Griff. Zwei Selbstmordversuche folgten. Er wurde „von den Furien seines Verstandes tyrannisiert“. Er erkannte wohl im Oberflächenbewusstsein, dass die Story „abergläubiger Schwachsinn“ ist, doch er glitt in Drogen ab. Mit 28 Jahren beging er Suizid.

Will Self wohnt in der Nähe einer psychiatrischen Klinik, dem Royal Free Hospital. Monate nach Bens Tod hört er einen Schizophrenen aus dem Buch der Offenbarung zitieren. Es quoll aus ihm wie aus einer Tube „gestreifter Zahncreme“.  Der Bezirk war mit „Verrückten reicht gesegnet“. Self fiel auf: „Jeder Dritte“ deklamierte den Text der Offenbarung.

So liest dann auch Selb die Bibel. Er erkennt: Der Text der Offenbarung  ist „pervers“. Er ist ein „Wust‘“ der Gewalt mit übler Kulturfeindlichkeit. Er hat einen „verderblichen Effekt‘“. Selb geht ins Internet: 2.666.896 Webseiten beschäftigen sich mit der Story.  Er trifft auf Schreie, die  „Vergebung“ möchten. Er trifft auf einen „psychotischen Alptraum“.

Anschließend ist der Bibeltext im Wortlaut zu lesen. Wir kennen ihn alle. „Dies sind die wahrhaftigen Worte Gottes“. Der Wortlaut der Offenbarung  kommt nach Verlautbarung der Bibelschreiber und unserer Geistlichen  aus dem Mund Gottes und dem Mund seiner Engel. Und auch Jesus lässt man  hier munter sprechen. Der Sohn Gottes, der „Augen hat wie Feuerflammen“, sagt  zu einer Hure: „…und ihre Kinder will ich zu Tode schlagen… Ich werde geben einem jeglichen unter euch nach euren Werken.“ Dieser Satz machte den kleinen  Luther so ängstlich, dass er Mönch wurde. Als Mönch bekam er ein Sacco-Syndrom. Zunächst kam eine kirchenbedingte Depression. Er versuchte, sie mit einem kirchenbedingten Masochismus zu heilen. Zuletzt ereilte ihn eine halluzinatorische Psychose – wie auch viele seiner Kollegen. Er halluzinierte u. a. den Teufel. Erst ein anderer Bibelsatz „heilte“ ihn. In ihm steht: „Sola Fide“. Nur durch einen festen Glauben komme man nicht in Jesu Hölle. Nun, so einen  Glauben hatte der antitisemitische Mönch. Mit guten Werken konnte er sich dann später sehr zurückhalten. Sie waren nicht mehr nötig. So wurde er Mittäter an den drei letzten Hexenverbrennungen in Wittenberg und an der Abschlachtung von Bauern.  Doch das nur nebenbei.

Die Apokalypse spricht von sieben verschiedenen Plagen. Und alle diese Gerichte seien gerecht, ist zu lesen. Sie bestehen vorwiegend aus Ertränken und Verbrannt werden von Sündern. In einem „feurigen Pfuhl“. Leider bedeuten diese Foltern nicht den Tod. Der Jesus der Bibel führt sie in seiner Unsterblichkeit munter ewig aus. Am selben Individuum. Er habe ja den „Schlüssel zur Hölle“ vom Herrn Papa geerbt. Und sie werden „gequält werden mit Feuer und Schwefel… und der Rauch ihrer Qual wird aufsteigen von Ewigkeit zu Ewigkeit“. Eine Ewigkeit ist dem Auferstandenen und so sündenfreien Jesus der Bibel da nicht einmal genug. Die Bibelscheiber machen hier aus dem einfachen Zimmermannssohn kaltlächelnd eine Hitlerfigur, die den Führer, was den Grad der Grausamkeiten betrifft, locker in den Schatten stellt. Noch heute predigen Bischof Nikolaus Schneider und sein Kollege Hans Werner Deppe das Feuer in der Hölle. Und  nicht nur die.

Die etablierte Psychiatrie leugnet die Pathogenität der Bibel und des Klerus. Man hat selbst viel zu viel Angst: Vor Gott und seinem größten Arbeitgeber, den Kirchen. Es wurden hier Stimmen laut, ich solle gefälligst eine groß angelegte Studie über das Sacco-Syndrom durchführen, um seine Existenz und damit die Pathogenität der Dogmen Apokalypse und Hölle zu beweisen. Nun, diese Studie führten die Kirchen bereits selbst durch. Die Kinder Würzburgs wurden im gesamten Jahr 2010 über Ausstellungen in allen Kirchen mit der Apokalypse in fundamentalistischer Weise konfrontiert. Sie sind heute seelisch krank wie nirgendwo in der Welt. Die Stadt hält hier einen traurigen Weltrekord. Alleine jedes 5. Würzburger Kind hat heute bereits die Angsterkrankung ADS. ADS stellt eine Flucht vor nicht Auszuhaltendem in eine Hyperaktivität und/oder Clownerie dar. Ich sagte bereits  im Jahr 2010 das vermehrte Auftreten psychischer Erkrankungen in Würzburg voraus und zeigte die Kirchen wegen Kindesmisshandlung an.  Auf der  Internetseite "Seelische Störungen durch die Lehre der Kirchen" ist zu lesen, dass nach einer "Studie der Universität Würzburg" die Stadt  "eine Hochburg der Selbstmörder" ist. Die Forscher gehen von einem Zusammenhang mit dem "konservativen, stark katholische geprägtem Milieu" der Stadt aus. Der Jesuitenpater Rupert Lay bestätigt das: "Die Hälfte der Patienten, die zu mir in Therapie kommen, sind krank durch  Erfahrungen, die sie in der Kindheit und Jugend mit der Kirche gemacht haben." Besonders pathogen sei das Dogma  der "ewigen Verdammnis". Die Diagnose lautet also: „Sacco-Syndrom“.

Wie lauten nun die gängigen Vergehen der Kirchen?

Kindesmisshandlung nach § 235 RiStBV, Androhung von Folter und diversen Verstößen gegen deutsches Recht, wie sie sich aus dem Text ergeben, u.a. § 225 StGB Misshandlung von Schutzbefohlenen, § 240 Nötigung, § 241 Bedrohung, § 1631 BGB Personensorge, Störung der Religionsruhe, § 131 StBG Gewaltdarstellung, Verstoßes gegen Art. 1 GG und gegen § 1 des Kinder- und Jugendhilfegesetzes Und auch „Gotteslästerung“ nach § 166 StGB. Denn ein Gott, der die Liebe sein soll, wird sich nicht irgendwann wie ein Hitler aufführen. Sowieso sei die Androhung jenseitiger Strafen aber nur ein „Geschäft“ seiner Kirche, so Bischof Nikolaus Schneider im Der Spiegel  43/2014. Es ist das intelligenteste, aber auch schmutzigste Geschäft dieser Erde.

 

„Die Offenbarung des Johannes“ mit einer Einleitung von Will Self (Fischer Tb, antiquarisch bei booklooker) Taschenbuch 2000

Frank Sacco ist Autor von Das Sacco Syndrom und Autor der Bücher

Weitere Artikel von Frank Sacco, speziell zu Schizophrenie und Die ecclesiogene (kirchenbedingte) Schizophrenie von Frank Sacco

 




Behauptungen zum UN-Migrationspakt gekontert


handshake-36806_1280Der Pakt hat ein neues Oxymoron kreiert, die "unverbindliche Verpflichtung"  (Bild: Clker-Free-Vector-Images, pixabay). Ob man nun mit beredtem Schweigen oder mit einem stummen Schrei darüber hinweggeht – die Sache ist diskussionsbedürftig. Da geht es nicht um das Aufwärmen linker und rechter Positionen, sondern um eine klare Analyse, was drin steht und was es bedeutet.

Dieser Artikel befasst sich mit Argumenten, wie sie in den Medien so häufig vertreten werden, dass sie nicht im Einzelnen verlinkt werden müssen. Als Beispiel kann das aktuelle Positionspapier der Linken herhalten (1.).

Unverbindlich

Wie die oft betonte "Unverbindlichkeit" des Paktes zu sehen ist, wird schon im wb-Artikel Verheerende Signale diskutiert – der Schluss daraus:

Die Unverbindlichkeit ist unverbindlich.

In den Medien ist schön zu sehen, wie der Pakt schon vor der Unterzeichnung als Grundlage für weitere Forderungen herangezogen wird. Im Pakt selber steht der Anspruch der Umsetzung (40., 2.) drin. Bei Links und Grün wird dieser Anspruch aufgegriffen ("schnellstmöglich umsetzen" incl. Kündigung vom Pakt mit der Türkei, 1.). Damit ist unzweifelhaft klar, dass es nicht um eine unverbindliche Verlautbarung geht, sondern um eine Etappe in der politischen Auseinandersetzung um die Migration.

Es geht also nicht um ein Oxymoron, sondern um eine Tautologie. Die Behauptung der Unverbindlichkeit ist unverbindlich; sie stimmt mit der Realität kaum überein.

Der Pakt schafft kein Recht zur Migration

Diese Aussage wird ständig wiederholt – was dran ist? Das lässt sich durch das Lesen vom Pakt (2.) beantworten. Was auffällt ist die Beliebigkeit – jeder kann sich da was raussuchen. Einerseits wird von der Verhinderung der irregulären Migration geredet (27.), andererseits wird gefordert, "dass alle Migranten ungeachtet ihres Migrationsstatus ihre Menschenrechte durch einen sicheren Zugang zu Grundleistungen wahrnehmen können" (31.) Wer für die Gewährung zuständig ist, wird offengelassen, das kann sich also jeder zurechtlegen, bis zur linksgrünen Extremposition, dass Deutschland für die Einhaltung vom Grundgesetz weltweit zuständig ist.

Ähnlich der uneingeschränkte Anspruch, die Menschenrechte der Migranten zu schützen (23.). Dort steht auch die Verpflichtung, auf die Bedürfnisse von Migranten einzugehen, die sich "aufgrund der Bedingungen, unter denen sie unterwegs sind oder mit denen sie im Herkunfts-, Transit- oder Zielland konfrontiert sind, in prekären Situationen befinden können." Bezeichnend ist, wie das Attribut "irregulär" immer mal vorgezeigt wird, aber wo's drauf ankommt, werden Rechte für alle Migranten definiert, irreguläre inclusive.

Die Pflichten des einen sind die Rechte des anderen, und umgekehrt. Wenn im Pakt 20* drinsteht, "wir verpflichten uns", dann definiert das Rechte für diejenigen, die in den Genuss der Verpflichtungen kommen. Durch diese Verpflichtungserklärungen werden implizit weitreichende Rechte definiert, die schon im Herkunftsstaat anfangen und auch die Transit- und Zielländer betreffen. Grenzen wie in Ungern lassen sich mit dem Pakt nicht vereinbaren.

Die Behauptung, der Pakt schaffe kein Recht zur Migration, ist demzufolge nur soweit durch Fakten gestützt, als es nicht expressis verbis drinsteht. Indirekt zielt der Pakt sehr wohl auf das Recht zur Migration.

Migration ist nützlich

"Dieser Globale Pakt ist das Ergebnis einer beispiellosen Überprüfung von Fakten und Daten, die im Rahmen eines offenen, transparenten und inklusiven Prozesses gesammelt wurden" (10.). Die Pakt-Erfinder schreiben sich eine Menge Expertise bei diesem Thema zu, und sie wollen auch noch weiter forschen.

Ihr Forschungsergebnis war der Nutzen der Migration; was sie allerdings nicht explizit reingeschrieben haben, sondern verklausliert als "den Gesamtnutzen von Migration zu optimieren" (11.), und "auf der Grundlage von Beweisen und Fakten die öffentliche Wahrnehmung des positiven Beitrags einer sicheren, geordneten und regulären Migration zu gestalten" (33.)

Den Überprüfern ist anscheinend entgangen, dass es auch negativen "Gesamtnutzen" gibt. Die Migration aus den Kolonialstaaten nach Großbritannien und Frankreich war keine Erfolgsgeschichte (siehe Brexit und Kummer in den Banlieus). Dabei konnten die Einreisenden die Sprache, sie kannten die Kultur und waren deshalb schon gutteils integriert. In Deutschland war die Immigration der Türken erfolgreicher, aber die kamen zum Arbeiten, und es gab tatsächlich Arbeitsplätze für sie. Heute sieht es anders aus.

Das hat es noch nie gegeben, dass Millionen Menschen aus rückwärtsgewandten Kulturen mit menschenfeindlichen Religionen (Beispiel Islam = Unterwerfung des Menschen) ohne Vorkenntnisse in aufgeklärte Hochtechnologieländer migrierten. Darauf lässt sich die Behauptung von positiven Migrationswirkungen nicht einfach ausdehnen.

"Immigration ist nützlich" – das ist sicherlich korrekt, wo sie gesteuert erfolgt wie in richtigen Einwanderungsländern. Bei der ungesteuerten Immigration sieht es anders aus. Die nutzt nur denen, die es hierher schaffen, und ihrem Anhang zuhause, dem sie Geld schicken. Aber gibt es einen Nutzen für die Zielländer?

  • ideologisch mag das zu 100% richtig sein,
  • logisch nur zu 50%, weil es 2 Möglichkeiten gibt, und
  • faktisch ist es zu 0% richtig. Der behauptete Nutzen ist nicht eingetreten:

    • Der ökonomische Nutzen fehlt angesichts von zig Mrd. Kosten pro Jahr, einem Defizit, das wohl auch kommende Einwanderergenerationen nicht auffüllen können (sofern sie es überhaupt wollen).
    • Der gesellschaftliche Nutzen ist auch nicht eingetreten. Es gibt Verwerfungen in Deutschland und Krise in der EU.

Die UN-Überprüfer sind im Obligo, den Nutzen erstmal zu beweisen. Da reicht der Hinweis auf das Eindämmen der irregulären Migration nicht, wo doch zuförderst allen Migranten überall geholfen werden soll. Für die Zielländer stellt sich die Frage: Entwachsen von Immigranten aus rückständigen Regionen mit rückständigen Religionen in absehbarer Zeit jene Forscher, Erfinder und Techniker, die unser Land braucht, um in der internationalen Konkurrenz zu bestehen?

Wie soll das gehen, wenn die kulturelle und religiöse Bürde keine Entfaltung der Person zulässt und ihren IQ im Landesdurchschnitt auf ca. 80 beschränkt (Äthiopien 61, Eritrea 63, Nigeria 70, Bangladesch 77, Afghanistan 80, Marokko 82, Türkei 89, 3.)? Wie lange braucht es, um diese Bürde loszuwerden? Ein oder zwei Generationen? Oder noch länger? Religion ist schließlich penetrant, die hält sich generationenlang, auch wenn sie sich im Glücksfall abschwächt.

Wo einerseits die schwindende Durchlässigkeit beim sozialen Aufstieg beklagt wird, kann man doch nicht andererseits genau solch eine Verbesserung als zeitnahe Perspektive für irreguläre Einwanderer behaupten.

Offene Fragen

Wer das windelweiche gender-political-correchte Geschwurbel des Paktes liest, der kann sich angenehm berührt fühlen, weil sich kluge Menschen so nett um alles kümmern wollen. Skeptische Geister werden aber die Frage stellen, warum sind die Knackepunkte ausgeklammert?

  1. Wollen wir das überhaupt? Soll Deutschland ein Einwanderungsland sein? Die demokratische Beantwortung dieser Frage ist unsere Regierung uns immer noch schuldig. Stattdessen will sie mit der Pakt-Unterzeichnung schon wieder vollendete Tatsachen schaffen.
  2. Sollte nicht vielmehr die Hilfe vor Ort Priorität haben, zuallererst die Hilfe zur Selbsthilfe und zum (Wieder-)Aufbau des Landes? Der Pakt sagt dazu, dass niemand zu irregulärer Migration veranlasst werden soll (18.). Aber wie funktioniert das, wenn jeder als Migrant mehr Rechte beanspruchen kann als zuhause? Bezeichnend ist, dass die gravierendsten Problemursachen im Pakt nicht genannt werden. Dass die insuffiziente/kriminelle Politik/Verwaltung nur in sanfter Umschreibung erwähnt wird, mag verständlich sein, weil die Länder ja unterzeichnen sollen. Aber wie wollen die Autoren es rechtfertigen, dass der Hauptproblemfaktor Geburtenüberschuss gar nicht angesprochen wird?
  3. Und wer soll das bezahlen? Das imaginäre Ideal vom allgemeinen Nutzen der Migration herzubeten, bezahlt nun mal nicht die realen Kosten. Auch diese Frage ist völlig ausgeklammert.

Wie gesagt transportiert der Pakt ein starkes Bias in Richtung "Recht auf Migration". Darüber hinaus schimmert unausgesprochenermaßen eine "Notwendigkeit der Migration" durch. Vordergründig geht die Logik so: Weil Leute einwandern, sind wir ein Einwanderungsland. Und weil wir ein Einwanderungsland sind, sollen Leute einwandern.

Zuzeiten wurde diese Argumentation medial bis dahin ausgewalzt, dass Immigration unvermeidbar wäre und Grenzen nicht geschlossen werden könnten (vor allem bevor Ungarn und die Türkei dichtmachten). Der Pakt atmet diese Agenda, genauso wie die weitergehende Agenda der Umsiedlung, der replacement migration (siehe auch wb-Link Umsiedlung). Ohne es klar zu sagen, ist dies Motiv in die Ausführungen eingewoben. Sonst könnte die Migration nicht so wohlwollend als Selbstverständlichkeit betrachtet werden.

Die Vorstellung, übervölkerte Zielländer wie Deutschland könnten gar keine replacement migration wollen (oder wenigstens deren Bevölkerung), steht nicht zur Diskussion (1. oben). Die Tatsache, dass die Hauptprobleme Übervölkerung & Staatsversagen der Herkunftsländer damit nicht gelöst werden, auch nicht (2. oben). Ebensowenig die Tatsache, dass das sehr viel Geld kostet, ohne eine nennenswerte Verbesserung zu bringen, selbst wenn 5 Millionen von den jährlich 50 Millionen Bevölkerungszuwachs allein von Afrika emigrieren (3. oben).

Diffuse Antworten

Kritische Menschen sehen, dass im Pakt mehrfach das Gegenteil drin steht von dem, was sonst noch drinsteht:

  • Unverbindlich vs. Verpflichtungen.
  • Immigration erleichtert vs. Rückführungen auch erleichtert,
  • es soll positiv berichtet werden vs. entsprechend der Faktenlage.
  • Migration erleichtert & unterstützt vs. es kommen nicht mehr Migranten,
  • mehr Rechte für Migranten vs. die Staaten entscheiden selber über die Maßnahmen.

Wenn die einen die vielen Wohltaten für Migranten als Pullfaktor sehen, können die anderen ihnen sagen, was wollt ihr denn, da steht doch Rückführung drin.

Wenn die anderen sagen, der Pakt stoppt die irreguläre Migration, können die einen dagegenhalten, wie kommt ihr darauf, es steht doch ganz klar drin, wir müssen alle unterstützen.

Wiederum können die einen sagen, der Pakt wird viel mehr Zuwanderung bringen, und die anderen können paktkonform sagen, nur weil sie gezwungen sind, ihr Herkunftsland zu verlassen (21. h, den Zwang, das Heimatland aufzubauen, kennt der Pakt nicht).

Letztlich kann sich jeder aussuchen, was den Vertrag für ihn ausmacht, und eine Menge konträre Positionen lassen sich damit belegen. Trotzdem ist das nicht Placebopolitik, sondern Salamitaktik: Der Pakt ist ein weiterer Schritt zur grenzenlosen Migration und zum Augenschließen gegenüber den wichtigsten Problemen. Kein Pieps zu Geburtenkontrolle in den Herkunftsländern und nicht mal in den Zielländern.

Interessant dazu die Kritik am Abkommen mit der Türkei, "das der EU einen Teil der Flüchtlinge vom Leibe hält" (4.). Genau dies Abkommen wollen die Linken mit Verweis auf den Pakt abgeschafft sehen (1.). Das ist eine alte linke Forderung, für die nun der Pakt instrumentalisiert wird. Wer braucht noch mehr Belege für die Wirkung des Paktes?

 

(Die unterschiedlichen Papiere in 2. können Verwirrung anrichten, der Autor hat auch erst spät gemerkt, dass es verschiedene Versionen gibt.)

Medien-Links:

Links zu Artikeln von wissenbloggt:




® Die Zukunft gehört dem Analphabetismus


Pictogram-learning1.svgDiese Meinung vertritt ein großartiger Artikel der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung von Markus Günther. Nur noch Analphabeten, schreibt er am 25.5.14 (1.), und das soll keine Frage sein, sondern eine Feststellung. (Bild: anatom5 GmbH, Wikimedia Commons).

Früher galt es als Behinderung, wenn jemand nicht lesen und schreiben konnte, jetzt wird das zum Standard. SMS und Internet täuschen über die Entwicklung hinweg, indem sie einen vorübergehenden Boom des Schriftlichen hervorbrachten. Der FAZ-Autor bemängelt, wie wenig das diskutiert wird. Kann der Mensch der Zukunft überhaupt noch lesen? Oder wird nicht bloß das Papier überflüssig, sondern das Geschriebene überhaupt? Seine Prognose ist, die Welt wird bald nur noch wenige Menschen brauchen, die lesen und schreiben können.

Die Argumente für den Analphabetismus sind so gewichtig, dass sie den allfälligen Widerspruch überwiegen. Ja, die Kulturtechniken werden noch in der Schule gelehrt, aber die digitalen Umwälzungen steuern in eine audiovisuelle Welt hinein. Demnach war die fast vollständige Alphabetisierung der Welt ein kurzlebiges Phänomen, schreibt der Autor. Umwälzungen gab es schon immer, z.B. als das Auto die Pferde verdrängte.

Derzeit ist man von Schriften geradezu umzingelt, es wurde noch nie so viel geschrieben wie heute. Die Schriftkultur ist essentiell für Leben, Arbeit, Schule. Doch die Erosion läuft, und der Autor hat beeindruckende Beispiele dafür gesammelt. Wer seine Schrift nicht eintippen will, kann sie in den Computer oder das Smartphone reinsprechen. Diktate werden schon ganz passabel aufgenommen, und die Entwicklung geht weiter. Lesen muss man die Niederschrift auch nicht mehr, man kann sie sich auf Tastendruck vorlesen lassen.

Noch hapert es hier und da, und der Geübte tippt schneller, als er erfolgreich diktiert. Aber wenn die Schüler das Diktieren lernen, kehrt sich das garantiert um. Und es betrifft Privatleben genauso wie Beruf und Ausbildung. Beispiel gefällig? Überall werden geschriebene Gebrauchsanleitungen durch Videos ersetzt, mit großem Erfolg. Das Video ist eingängiger, effizienter, plastischer. Das zieht die audiovisuelle Kommunikjation in anderen Branchen nach sich. Piktogramme, Blink- und Piepssignale greifen um sich (und die FAZ hat eine schöne Sammlung angefügt). In der Medizin sind Lehrfilme erfolgreicher als Seminare; anderswo auch, und diese Erfolge werden die Schriftkultur auch anderswo zurückdrängen, so die FAZ.

Noch ein Beispiel? Google ist die Nummer 1 unter den Suchmaschinen (2.), und wer ist die Nummer 2? Das ist Youtube, wo man sein Begehren schon reinsprechen kann und mit ausdiovisuellen Antworten belohnt wird (1.). Das Spektrum ist riesig, medizinische Fragen, Kochrezepte, Reparatur- und Arbeitsanweisungen, Vergleichstests, Mode, Archäologie, Erste Hilfe, Anleitung zum Musikmachen, die Liste der Beispiele ist lang.

Und der Autor Markus Günther macht den Erfolg nicht einmal nur an der Technologie fest, sondern an der Wechselwirkung von neuen Möglichkeiten, alten Triebkräften, Effizienzsteigerungen und Wettbewerbsdruck, das alles mischt mit. Das ist eine kapitalistische Grundeigenschaft wie die Produktivitätssteigerung, die immanente Systemlogik bekämpft Wachstums- und Handelshemmnisse – und dazu kann die Schriftsprache werden. Die Liste der Hemmnisse laut FAZ:

  • Unterschiede in politischen und Rechtssystemen,
  • Währuings- und Sprachunterschiede,
  • Unter- und Überqualifizierung der Arbeiter und Konsumenten (weil es im Politikteil steht und nicht im Kulturteil, können die kulturellen Unterschiede vernachlässigt werden).

Der Kapitalismus hat an gebildeten Menschen kein Interesse, denn er bemisst die Qualifikationen funktional und nicht kulturell. Deshalb werde die elitäre Fähigkeit der Schriftsprache nur noch für Eliten gebraucht, und die Allgemeinheit kann getrost darauf verzichten.

Die Abschaffung der Handschrift kommt ja schon gut voran, das bringt einen Produktivitätsschub. Und der audiovisuelle Markt ist Gold wert, weil er die Interaktion beschleunigt. Die Analphabetisierung beschleunigt sich auch, die USA machen es vor. Dort ist die Allgemeinheit viel weniger geschult, die macht keine mehrjährige Lehre mit Berufsschule, sondern da reicht eine kurze Einweisung, und es wird losgearbeitet. Die Zukunft sieht dann so aus, dass einer mangelhaft ausgebildeten Masse eine hochgebildete Elite gegenübersteht. (Wenn wb das einwerfen darf, finanziell steht einer immer ärmeren Masse bereits eine superreiche Elite gegenüber, wenn die ihren Reichtum auch nicht durch Fähigkeit verdient, sondern durch Abzocke).

Der FAZ-Artikel hebt noch auf die kurze Geschichte der allgemeinen Alphabetisierung ab. Erst seit den letzten 150 Jahren ist die Schriftsprache bei der Masse der Menschen angekommen. Und jetzt geht sie wieder, wie auch andere Propheten voraussagen. Wir werden wieder zu einer "oralen" Gesellschaft, die Schrift war ja nur so erfolgreich, weil sich ansonsten kein Wort speichern ließ. Nochmal anders gesagt, "die Welt ist in Programmierer und Programmierte zerfallen." Da mischt sich der Niveauverlust mit der Analphabetisierung, auf dies Thema wird weiter eingegangen, bis zu:

"Der Kanon aus Lesen, Schreiben, Rechnen ist nicht für alle Zeit in Stein gemeißelt."

Wenn weder Wirtschaft noch Schule dauerhaft auf den Alphabetismus angewiesen sind, wie steht es dann mit dem Eigeninteresse? Ein gutes Buch, niveauvolle literarische Unterhaltung, seriöser Journalismus? Hört sich schön an, so der Artikel, erodiert aber schon weg. Man schreibt keine Briefe mehr, man liest keine Bücher mehr, es fehlt die Ruhe, die Geduld, die Übung. Auch das Lesen im Internet sei mehr ein Gerücht, heißt es, denn es liest nur noch eine kleine Minderheit. Die anderen gucken sich die Schlagzeilen und die Kurzinfos an.

Die Hitliste im Netz sieht so aus: Suchen, Pornographie, Unterhaltung, Shopping und Service-Infos. Die Zeitungshäuser haben die meisten Klicks auf Bildergalerien und Kurzvideos, sogar die seriösen Nachrichtenportale. Wenn rationalisiert wird, kommen mehr Videos ins Programm rein. Texte sind nur noch Vertiefung für eine Minderheit. Unterhaltung steht ganz im Vordergrund, Werbung in allen Spielarten und grafisch aufbereitete Kurzinfos. Die Nachrichten werden zum Konsumartikel mit beliebigem Inhalt.

Dass die Menschen an der Lesekultur hängen und das geschriebene Wort brauchen und um die Lesefähigkeit kämpfen, ist laut Markus Günther vorerst nicht erkennbar. Es regieren die manipulativen Kräfte der Märkte und Monopole – soweit der FAZ-Artikel.

Tendentiell setzen die Manipulatuere aber das um, was gewollt ist und ankommt. Wenn die Masse es nicht anders will, geht die Schriftkultur eben großteils verloren.

… und warum auch nicht, meint wb, sie ist ja eigentlich kein Selbstzweck. Wenn man Fahrpläne nicht mehr lesen muss, weil einen das Smartphone leitet, und wenn das Auto beim Stoppschild automatisch stoppt, darf der Mensch buchstabenblind werden.

P.S. Die Roboter werden natürlich alle lesen können. Dabei werden sie es gar nicht müssen, weil sie eine bessere und effizientere Schnittstelle kriegen dürften, eine elektronische. Dann ist der Mensch ganz abgehängt.

Und was macht der Mensch dann? Abhängen.

 

(Dieser Artikel wurde zuerst am 25.5.14 publiziert. Am 2.12.18 wurde er leicht überarbeitet und durch Links ergänzt wie 3., wo der FAS-Artikel auch diskutiert wird, sowie durch wb-Links zum Thema.)

Medien-Links:

  1. Nur noch Analphabeten (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 25.5.14, mit Zahlsperre): Die Welt von morgen braucht keine Menschen mehr, die lesen oder schreiben können. Das Ende der Schriftkultur hat längst begonnen.
  2. Suchmaschinenverteilung in Deutschland (seo-united.de 11/17):
    Google 95%
    Bing 4%
    Yahoo 1%
  3. Zur Diskussion: „Nur noch Analphabeten“ (Pirandils Blog 28.5.14): In der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ vom 25. Mai 2014 vertritt der Autor Markus Günther eine steile These: Er prophezeit eine Zukunft voller Analphabeten. Ich möchte seine Gedanken hier gerne zur Diskussion stellen.
  4. Analphabetismus in Deutschland : Buchstäblich abgehängt (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 7.4.): Für Betroffene ist das Leben ein täglicher Spießrutenlauf und der Alltag oft mit Scham besetzt: Warum kommt die Bekämpfung des funktionalen Analphabetismus nicht voran?
  5. Analphabetismus : Die unsichtbaren Flüchtlingsfrauen (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 26.9.17): Viele Flüchtlingsfrauen können nicht lesen und schreiben, sie meiden die Öffentlichkeit. Aber lernen wollen sie gern.

Links von wissenbloggt zu solchen Themen:

 




Gilets Jaunes, Yellow Jackets, Gelbe Westen - Warnwestenpflicht in Europa


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Das gab es wahrscheinlich noch nie, dass der (autofahrenden) Bevölkerung ein genormtes Kleidungsstück aufgezwungen wird, das nun zum Protestsymbol mutiert. Bei wiki liest man über Warnwestenpflicht in Europa, womit natürlich keine Pflicht zum Protest gemeint ist (Bild: Conmongt, pixabay). Wiki weiter: Eine Warnweste ist eine Weste in meist gelber oder oranger Tagesleuchtfarbe mit retroreflektierenden Streifen, die zur besseren Sichtbarkeit von Personen dient. … Seit Juni 2013 ist die neue
EN ISO 20471 gültig …

Die Warnweste ist mithin ein EU-Produkt. Erstaunlich, dass die EU nicht von Missbrauch spricht, wo das gelbe Accessoire nun für ganz andere Warnungen eingesetzt wird als vorgesehen. Für die EU wär's doch kein Problem, eine entsprechende Verfügung in die Wege zu leiten (z.B. eine neue Warnwestentrageverordnung 2018/87/EG), mit der das missbräuchliche Tragen von EN ISO 20471 sanktioniert wird?

Die Missbrauchsvorwürfe kommen aber von anderer Seite. Schon in Frankreich wurde ohne viel Erfolg von der "braunen Pest" geredet ("peste brune") und die Verantwortung der Rechten Le Pen und dem Rassemblement National zugeschrieben. In Deutschland gibt es diese Anwürfe:

  • Wie braun sind die Gelben Westen?
  • Rechtsradikale ziehen gelbe Westen über. Verschiedene Gruppen versuchen französische Proteste nach Deutschland zu bringen und zu instrumentalisieren.
  • Rechte Gruppen missbrauchen "Gelbe Westen"-Bewegung für ihre Zwecke.

Außerdem gab es in Deutschland keine Benzinpreiserhöhungen. Weshalb also formt sich jetzt der Protest wie in Frankreich und auch in Belgien? Ist Gelb wirklich das neue Braun (1.)? Dem halten die Cicero-Leserkommentatoren verschiedene Argumente entgegen.

Wieso wird der Agenda nach immer alles von rechts instrumentalisiert? Erst die Opfer von Gewalttaten und nun die gelben Westen. Von Links wird doch ebenso vorgegangen, gegen Rechts, gegen Kohle, gegen Atomenergie usw. Es wird gestört, blockiert, randaliert und eingeschüchtert. Ob links oder rechts, die Leute artikulieren eben ihre Interessen.

Und da geht es nicht bloß um Energieverteuerung und Mobilitätseinschränkung, sondern auch um Migration und Wohnungsmangel. Immer klarer wird erkennbar, wieviel sozialer Protest gegen die Folgen grüner Politik dahintersteckt. Das sind weniger politische Ambitionen, die da geäußert werden, schreibt ein Forist. Die Leute wollen keine Geldnöte mehr zum Monatsende haben, sie wollen von ihrer Arbeit anständig leben können, sie wollen wieder einen öffentlichen Dienst, der ordentlich funktioniert, sie wollen ein Gesundheitswesen, das erschwinglich ist.

Der Protest wendet sich gegen die "Eliten", welche die zunehmende Armut und Ungleichheit in "die Wirtschaftsglobalisierung und den Hyperkapitalismus eingepreist" haben, und die "indifferent gegenüber dem exponierten Bevölkerungsanteil" sind. Das macht die Menschen wütend.

Die nzz redet denn auch von Wutbürgern (2.), und damit dürfte sie die Sache besser treffen. In Frankreich stimmen 94% der Bevölkerung den Gelben Westen zu (3.), und das lässt keinen Raum für die "Braun"-Behauptung – es sei denn, man wollte 94% der Bevölkerung in die braune Ecke schieben.

In Deutschland haben die Gelben Westen ja auch braun-unverdächige Fürsprecher wie Sahra Wagenknecht (4.). Es wird wohl so sein, wie ein kluger Cicero-Forist schreibt: Die Gelben Westen stehen nicht für rechts gegen links, sondern für unten gegen oben. Die Konfliktlinie hat sich um 90 Grad gedreht. Die Grundidee ist, dass die Geplünderten gegen "die da oben" stehen, in Frankreich also gegen den Präsi Macron. Sie wollen denen zeigen "wo der Frosch die Locken hat", wie ein eloquenter Forist textete.

Man muss wohl zustimmen, dass die "Braun"-Anwürfe gerade in Frankreich eine Beleidigung der ganzen Nation sind. Denn, wie ein anderer Forist richtig erkannte, wer sich eine rotgüne Brille aufsetzt, kriegt als Mischfarbe braun.

Bei den aktuellen Protesten sollte also gelten: Warnwestenpflicht in Europa.

 

Medien-Links:

  1.  
  1. Wie Rechte die Gelbe-Westen-Aktion vereinnahmen – Gelb ist das neue Braun (Cicero 30.11., 23 Kommentare): Diese Weste ist jetzt offenbar auch hierzulande der letzte Schrei. Das Must-have für Menschen, die Wut im Bauch haben. Wut, weil die Benzinpreise steigen und ihr Diesel bald nichts mehr Wert ist.
  2. Es sind die Wutbürger, die sich nun gegen Macron erheben (Neue Züricher Zeitung 18.11.): Beim Protest der französischen Wutbürger handelt es sich um ein neuartiges Phänomen. Die Mobilisation – von der Polizei offenkundig unterschätzt – erfolgte weitgehend spontan über Internet und Smartphone, in lokalen Gruppen ohne zentrale Steuerung. … Keine Partei, keine Gewerkschaft, kein Verband steht im Hintergrund, es gibt auch keine sichtbare Führung.
  3. «Gilets jaunes»: les Français appuient de plus en plus massivement le mouvement (Le Figaro 28.11.): Selon notre enquête Odoxa-Dentsu Consulting, 84 % des Français trouvent désormais la contestation justifiée.
  4. Sahra WagenknechtFraktionschefin der Linken lobt "Gelbe Westen" als Vorbild für Proteste hierzulande (Focus Online 29.11.): Die Vorsitzende der Linken im Bundestag, Sahra Wagenknecht, begrüßt die französische Protestbewegung "Gelbe Westen" und sieht sie als Vorbild auch für Deutschland. "Ich finde es richtig, wenn Menschen sich wehren und protestieren, wenn die Politik ihr Leben verschlechtert – die Benzinpreiserhöhungen sind gerade für Pendler existenziell".

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Spielen mit Primzahlen


abacus-1812836_1280Primzahlen und Pi sind der Mathematiker liebstes Kind. Es muss ungeheuer viel Spaß machen, sich damit zu beschäftigen, zumindest wenn man mathematisch infiziert ist. Für die beiden könnte man ein eigenes Pedia aufmachen, sozusagen ein Pripipedia.

Da könnten sich die Experten über diesbezügliche Rechenkünste austauschen (Bild: barescar90, pixabay).

Für Pi errechnete man 2006 erst 100.000 Nachkommastellen, 2014 waren es schon über 12 Billionen. Bei den Primzahlen ist es bald noch schlimmer. Alle Jahre wieder wird ein neuer Spitzenreiter gefunden, der noch größer, schneller, weiter ist (3. und wb-Link Primzahl. Stand Januar 2018 ist die Rekordprimzahl 277.232.917 -1, eine Zahl mit 23.249.425 Dezimalstellen).

Derzeit sind sogar die benachbarten Zahlen unter mathematischem Beschuss. Denen gilt ein kurioser Beweis, der nun in der Zeit publiziert wurde (1.). Die Behauptung lautet, alle Primzahlen p größer als 3 ergeben quadriert ein Ergebnis, das Modulo 24 immer Rest 1 ergibt: p2 mod 24 = 1. Beispiel für p=17: 172 mod 24 = 1 (289=12*24+1).

Der Beweis dafür wird in dem Zeit-Artikel nur halb geführt:

  • p-1 und p+1 müssen gerade sein, weil p immer ungerade ist (Primzahlen können nicht durch 2 teilbar sein),
  • p-1 oder p+1 müssen durch 3 teilbar sein, weil p es nicht sein kann (Primzahlen können nicht durch 3 teilbar sein),
  • entweder p-1 oder p+1 sind daher durch 2 und 3, und somit auch durch 2*3=6 teilbar,
  • p lässt sich also ausdrücken entweder als n*6+1 oder als n*6-1 mit n>0,
  • und solche Zahlen zum Quadrat sind immer mit Rest 1 durch 24 teilbar.

Warum das so ist, wird hier ergänzt:

(n*6+1)2 = n2*62 + 2*n*6 + 1 = n2*(24+12) + n*12 +1 = n2*24 + n2*12 + n*12 + 1

Man sieht, es ist durch 24 teilbar mit Rest 1, denn n2*24 ist durch 24 teilbar und ebenso (n2*12 + n*12) = 12*(n+1)*n. Entweder ist n+1 gerade oder n. In beiden Fällen steckt also der Faktor 2 drin, und 2*12 = 24. Entsprechendes gilt für (n*6-1)2. Dann wird nur der mittlere Term negativ und man kommt auf 12*(n-1)*n, was auch immer durch 24 teilbar ist.

In den Zeit-Leserkommentaren weist jemand darauf hin, dass es den Beweis für n-1 schon lange gibt (2.). Ein anderer kluger Mensch merkt an, dass die bewiesene Aussage auch für alle natürlichen Zahlen gilt, die weder durch 2 noch durch 3 teilbar sind. Das leuchtet unmittelbar ein.

Nicht gar so naheliegend ist die Aussage eines ausgepichten Mathematikers, die die Behauptung als cleveren Einsatz vom kleinen Satz von Fermat mit den chinesischen Restesatz sieht, bei dem Trick handele es sich nur um ein umständliches gruppentheoretisches Sieb von Eratosthenes. Das Ganze lasse sich auf beliebige Potenzen erweitern, so gelte auch für alle Primzahlen p:

  • p4 mod 240 = 1 mit p>5abacus-7935_1280
  • p12 mod 5040 = 1 mit p>7
  • p60 mod 3603600 = 1 mit p>13

Die Begeisterung der Fachleute hielt sich also in Grenzen ("netter Trick"). Für Laien ist es immerhin ein interessantes Problem zu stemmen. Ach ja, was mit dem schwergewichtigen Instrument auf dem Bild oben eigentlich gemeint ist, zeigt dies Bild (Hans, pixabay).

Das ist nicht ganz die aktuelle Rechenpower, aber es ist immerhin Handarbeit. Und Kopfarbeit, und das passt zum sogenannten Pi-Sport, bei dem kopflastige Menschen die Kommastellen der Kreiszahl Pi auswendig hersagen. Der Rekord liegt bei 70.000 Stellen in 10 std.

Dazu fällt einem nur noch ein Mathematikerwitz ein: Die sind zu 50% plemplem, zu 75% ballaballa und der Rest ist gaga. Das wären über 100%? Da sieht man mal, wie gaga die sind.

 

Medien-Links:

  1. Dieser Stand-up-Mathematiker bringt Ordnung in die Primzahlen (Zeit Online 27.11., 14 Kommentare): Auf den ersten Blick ist es verblüffend: Quadriert man eine Primzahl, dann ist das Ergebnis immer mit Rest 1 durch 24 teilbar. Einzige Voraussetzung: Die Zahl muss größer oder gleich 5 sein …
  2. Primzahlen, Teilbarkeit und die Zahl 24 (Werner Brefeld 2005). Hier geht es nur um die Zahl Prim2-1.
  3. Mathematik – Hobby-Mathematiker findet bislang größte Primzahl (Süddeutsche Zeitung 5.1.): Die neue entdeckte Primzahl ist mehr als 23 Millionen Ziffern lang. Sechs Tage lang benötigte ein Computer eines Hobby-Mathematikers, um sie zu finden.

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"Zurückbleiben" oder nicht?


farewell-3258939_1280"Zurückbleiben!" – oder auch "bitte Zurückbleiben!" ist die Aufforderung bei der Münchner U- und S-Bahn, bevor sich die Türen schließen. Soll heißen, wer nicht den Einstieg in die Waggons geschafft hat, muss auf den nächsten Zug warten. So ähnlich ist es bei der Migration (Bild: geralt, pixabay).

Da gilt der Imperativ des Bitte-Zurückbleibens manchmal auch, aber das Gegenteil kann genausogut richtig sein. Die Migrationslogik geht in dieser Beziehung so:

  • Abgelehnte Asylbewerber sind im Prinzip ausreisepflichtig. Über 600.000 Menschen leben in Deutschland, deren Asylantrag rechtskräftig abgelehnt wurde, obwohl 2 von 3 abgelehnten Bewerbern vor Gericht gehen. Inzwischen sind 78% der Abgelehnten "legalisiert", d.h. sie sind nicht mehr ausreisepflichtig (1.).
  • Ausreisepflichtige Ausländer sind derzeit ca. 230.000 in Deutschland, und davon sind etwa 170.00 geduldet (2.). Die Geduldeten haben keinen legalen Aufenthaltstitel, sondern bloß eine Duldung des illegalen Aufenthalts durch den Staat. Die Ausreisepflichtigen sind aber nicht ausreisepflichtig, wenn sie Gründe angeben wie schwere Krankheit, Schwangerschaft, fehlende Papiere, der Heimatstaat will sie nicht zurück, Berufstätigkeit (1.) usw.
  • Ansonsten ergeht eine Abschiebungsanordnung, und die Ausreisepflichtigen werden abgeschoben. Das gelang im vorigen Jahr 24.000 Mal (3.). Oft misslingt es auch, wenn z.B. die Betreffenden nicht angetroffen werden (gut Integrierte, die zur Arbeit gehen, werden anscheinend leichter angetroffen als weniger Integrierte, die zum Abschiebetermin unauffindbar sind). Es misslingt auch, wenn es Flughafendemos gibt oder die Abzuschiebenden im Flugzeug Randale machen – oder durch Kirchenasyl.
  • Der Abschiebestop kann so erzwungen werden. In Holland entgeht eine armenische Familie der Abschiebung, weil sie seit einem Monat in einer Kirche ist, wo deshalb ununterbrochen Gottesdienste abgehalten werden (4.). Wenn ein Ausreisepflichtiger aus Sicht der (deutschen) Behörden vorläufig nicht abgeschoben werden kann, erhält er eine Duldung, die meist jedes halbe Jahr verlängert wird.

Unterm Strich stellt sich die Frage, ob nicht erstmal die Frage der Rückführung geklärt sein müsste, ehe weitere Flüchtlings-Immigranten ins Land gelassen werden. Es sieht aber eher so aus, dass die Politik den illegalen Aufenthalt und überhaupt alle Migration legalisieren will. Das kann man als Ziel aus dem UN-Migrationspakt herauslesen, der im Dezember unterzeichnet werden soll (wb-Links UN-Migrationspakt).

Einen putzigen Versuch, das Problem zu lösen, ist die Bamf-Aktion "Dein Land. Deine Zukunft. Jetzt!" (5.). Da können "förderfähige Rückkehrende innerhalb des Förderrahmens" maximal 12 Monate Sachleistungen in Form von Miete, Bau- und Renovierungsarbeiten oder Grundausstattung für Küche oder Bad unterstützt werden.

Im Prinzip könnte es eine gute Idee sein, die Menschen nicht mit Zwang abzuschieben, sondern im Guten, mit einer Abstandszahlung. Dann hätte sich die Migration für sie gelohnt – aber welches Signal sendet das an die anderen? Das Ganze nachmachen? Dann wäre der Nutzen für Deutschland perdu. Die Bamf-Kalkulation geht ja nur auf, wenn die Abzuschiebenden mit weniger Geld abgefunden werden, als hier an Kosten entstehen, und das klappt nicht, wenn zehnmal mehr nachkommen.

Die Vorstellung ist allerdings attraktiv, die Rückkehrer könnten quasi zu Botschaftern für Deutschland werden, und das für weniger Geld, als wenn sie hier als perspektivlose Underdogs mitgeschleift werden; nichtvorhandene Fachkräfte für nichtvorhandene Jobs. So könnte ein gedeihlicher Ausgang des Grenzöffnungs-Abenteuers erreicht werden.

Insgesamt muss man sich aber fragen, inwieweit die Migrationslogik von Ablehnung und Ausreisepflicht und Abschiebungsanordnung und Abschiebestop sinnvoll ist. Wozu nutzt eine Ablehnung, die letztlich gar keine ist? Der subsidiäre Schutz (für Abgelehnte) wurde 2014, kurz vor der großen Migrationswelle, von Deutschland eingeführt. Dann wurde sogar noch das Recht auf Familiennachzug für Abgelehnte eingeführt, was z.Z. aber auf 1000 Personen pro Monat gedrosselt ist.

Derlei inkonsistente Haltung (ablehnen und dann Familie nachholen usw.) ist eine deutsche Spezialität. In den anderen EU-Staaten haben Geduldete kein Klagerecht. In Deutschland wird damit gern Zeit geschunden, denn auch wenn die Klagen letztlich meist abgelehnt werden, verfestigt sich inzwischen der Aufenthaltsstatus: Durch Eheschließung, Kindergeburt oder -einschulung, durch Arbeitsverhältnisse (Schein-Arbeitsverträge tun's auch), durch Krankheiten usw. Das alles kann neue Rechtsansprüche auf den  Verbleib erzeugen. Viele Ausreisepflichtige wachsen aus der Ausreisepflicht heraus. Wenn ihre Rückführung längere Zeit nicht gelingt, bekommen sie doch noch einen legalen Aufenthaltstitel. Die Abschiebungshindernisse sorgen letztlich für selbsterzwungene Einwanderung.

Wenn das politisch nicht gewollt ist, warum gibt es dann nicht wenigstens bessere Zahlen? Warum werden Ausreisezahlen nicht differenziert nach legalen Ausreisenden, wenn das Visum abläuft, und denen, die ohne Visum einreisten? Soll es die Bürger beruhigen, wenn sie hohe Ausreisezahlen sehen? Oder niedrige Einreisezahlen, bei denen z.B. der Familiennachzug weggelassen wird? Die Bamf und Eurostat liefern immer wieder auf Täuschung gebürstete Zahlen (wb-Links Manipulation). Das ist wohl kaum die Lösung. Und das hier? (Bild: Bamf – man beachte die 7. Fahne, das ist die türkische.)Druck

Medien-Links:

  1. Zuwanderungsgesetz SPD setzt mehr Spurwechsel für abgelehnte Asylbewerber durch (Welt 2.10., 2000 Kommentare): Die Bundesregierung weitet die Möglichkeiten für Geduldete aus, durch Berufstätigkeit der Abschiebung zu entgehen. … So lebten zum Jahreswechsel laut Ausländerzentralregister rund 618.000 Menschen im Land, deren Asylantrag rechtskräftig abgelehnt wurde, meist schon vor Jahren. 78 Prozent von ihnen sind demnach schon „legalisiert“; sie sind nicht mehr ausreisepflichtig, sondern verfügen schon über eine Aufenthaltserlaubnis.
  2. Anzahl der ausreisepflichtigen Ausländer in Deutschland nach Bundesländern im Jahr 2017 (31. Dezember) (Statista): … von 228.859 ausreisepflichtigen Ausländern in Deutschland waren 166.068 geduldet.
  3. Ausreisepflichtige Migranten – Zahl der Abschiebungen 2017 deutlich gesunken (Welt 28.1., 180 Kommentare): 2017 wurden 23.966 Flüchtlinge in ihre Heimatländer zurückgebracht.
  4. Church holds 24/7 service for over a MONTH to stop refugee family’s deportation from Netherlands (Russia Today RT 28.11.): A Dutch church has literally become a sanctuary for an Armenian refugee family as pastors take turns holding services to keep immigration officials from legally entering the building. Services have lasted over a month so far.
  5. Aktion "Dein Land. Deine Zukunft. Jetzt!" (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 14.9.): Mit der Neuauflage der Aktion "Dein Land. Deine Zukunft. Jetzt!" bietet das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat freiwilligen Rückkehrerinnen und Rückkehrern im Rahmen des Bundesprogramms StarthilfePlus erneut eine zusätzliche Reintegrationsunterstützung im Bereich Wohnen an.
    Die Aktion läuft vom 15.09.2018 bis 31.12.2018 und richtet sich an Menschen, die sich vor, während oder nach ihrem Asylverfahren befinden.
    Personen, die in ihr Herkunftsland zurückkehren und StarthilfePlus erhalten, können vom 15.09.2018 bis 31.12.2018 zusätzlich angemessene und notwendige Sachleistungen im Bereich Wohnen beantragen. So können förderfähige Rückkehrende innerhalb des Förderrahmens der Aktion "Dein Land. Deine Zukunft. Jetzt!" maximal zwölf Monate durch Sachleistungen in Form von Miete, Bau- und Renovierungsarbeiten oder die Grundausstattung für Küche oder Bad unterstützt werden.
  6. Germany Doubles Payout To Migrants Who Agree To Leave The Country (Zero Hedge 29.11.): Germany initially offered €1,200 ($1,360) to refugees who wouldn't fight deportation. But under the new initiative, that sum has been increased to  €3,000 ($3,400). That's more than double the original payout. … some migrants might calculate that it would be worth it to travel to Germany solely with the intention of dropping their asylum proceedings and taking the money.

Links zu Artikeln von wissenbloggt:




Was wissen sie über uns?


library-1666701_1280Sie – das sind die Big-Data-Firmen. Viele Menschen wüssten gern, welche Daten die anhäufen, und was damit gemacht wird. Dazu hat wissenbloggt schon Artikel veröffentlicht (wb-Links Facebook).

Neu ist jetzt eine Tabelle, die aus den Nutzerbedingungen erstellt wurde, in der nach einzelnen Sparten aufgelistet ist, auf was die Provider zugreifen. Da kommen eine Menge Daten zusammen (Bild: geralt, pixabay, Ausschnitt von wb).

Die neuen Giganten, das sind Alphabet (Google), Facebook (FB), Apple, Twitter, Amazon und Microsoft (MS). Twitter gehört nicht unbedingt zur Geld-Top-Liga (wb-Links Giganten), aber bei der Daten-Top-Liga ist es dabei.

Die Daten der Tabelle wurden vom Security Baron zusammengestellt (1.), wo sie in enem bunten Schaublid dargestellt sind. Von dort übernahm sie der Visual Capitalist (2.). Von da kopierte sie wiederum Zero Hedge (3.), und schließlich landeten sie hier bei wissenbloggt – damit ist der Transparenz Genüge getan.

Nicht ganz so transparent ist das, was mit den Daten von Big Data angestellt wird, aber das ist ein anderes Thema. In der Tabelle sind die Häkchen manchmal durch Symbole ersetzt, die auf Teilbereiche der Firmen hinweisen, z.B. G+ bei Google. Die Indizes 123… sind unter der Tabelle erklärt. Immerhin kommen 42 Kategorien von Daten zusammen, und die Firmen sind im Schnitt bei der Hälfte der Daten vertreten. Erstaunlicherweise ist Microsoft mit 32 von 42 Treffen Spitzenreiter vor Facebook und Google, und mit 11 hat Twitter am wenigsten Treffer.

  Google FB   Apple Twitter Amazon MS 
Name
Geschlecht
Geburtstag
Tel.-Nr.
Email
Wohnort Zeitzone
Pers.stand
Arbeit G+
Einkommen
Ausbildung 1
Ethnie
Religion
Adresse
Gesichtserk.
Polit. Ansicht
Kreditkarte 2
Ausweis-Nr.
IP-Adresse 3
Mails M
Kontakte M 4
Anrufe 5
Kalenderdaten 31 6
Suchverlauf
Videos [ ►] 7 [ ►]
Besuchte Sites
Browser-Info
Video-Upload [ ►]
Foto-Upload 8
Status Posts G+
Likes
Dokumente 9
Kauf-Verlauf a
Spiele b
Bücher B
Musik
Fitness-Daten c
Werbe-Klicks Λ
Verstecktes d
Benutz. Devices a
Umgebungsinfo
Voice Data
Gaming Data e
Treffersumme 25 28 14 11 18 32
  Google FB Apple Twitter Amazon MS

1: "Wir zeigen Ihnen keine Werbung, die auf Rasse, Religion, Gender oder Gesundheit beruht."
2: Wenn man bei Facebook gekauft hat
3: Nur beim Anlegen vom Account
4: Incl. Follower, Freundesnachfragen, Freunde, gelöschte Freunde usw. usf.
5: nur Metadaten von Textmessages
6:  beides, wo man sich anhängt, und wo man eingeladen wird
7: Incl. live broadcasts
8: Incl. Foto-Metatdaten
9: Incl. der Dokumente in der Cloud
a: Nur Apple-Produkte und -Wartung
b:  Nur Metainformation über Spielverlauf im Spielcenter
c: Gesundheitsdaten aus HealthVault wie Herzfrequenz und Schritte/Tag
d: Was man vor dem Newsfeed versteckt hat
e: Incl. Tracking-Daten und gedrückte Tasten

 

Medien-Links:

  1. The Data Big Tech Companies Have On You (Or, At Least, What They Admit To) (Security Baron 30.9.): Have you ever asked yourself, “What does Google know about me?” The answer is uncomfortable. What Google knows about you includes everything from your clicks on ads to your birthday to the device you’re using right now and the Wi-Fi network it’s connected to. But Google pales in comparison to some of the other big companies that sell your data or collect it out there.
  2. Here’s What the Big Tech Companies Know About You (Visual Capitalist 19.11.): Today’s infographic comes to us from Security Baron, and it compares and contrasts the data that big tech companies admit to collecting in their privacy policies.
  3. Visualizing What The Big Tech Companies Know About You (Zero Hedge 25.11.):
    Facebook knows your political views, religious views, and even your ethnicity
    ○ Xbox users will have their skeletal tracking data collected through the Kinect device
    ○ Facebook also knows your income level, which it finds out through partnerships with personal data brokers
    ○ Platforms collect your documents, email, and message data – though some of this is just metadata
    ○ Facebook and Microsoft store facial recognition data, based on the pictures you upload

Links von wissenbloggt:




Politik pennt, Abzocker danken


villain-2103500_1280Das Cum-Ex-Unwesen wird mal wieder medial aufgearbeitet, diesmal anhand von "Phantom-Aktien". Im Grunde ist das nur eine Optimierung der Betrugsmethoden, und sie ist schon jahrelang Usus. Es gibt keinen besonderen Anlass, das Geschehen aufzuwärmen, außer dass die Politik nix dagegen tut – dann tun die Medien eben etwas mehr (Bild: 3959267, pixaby & wb).

Wie das medial um sich griff, ist an den chronologischen Links unten zu sehen (1.15.). Sie decken die letzten 1½ Jahre ab, wobei das Geschehen schon 1999 seinen Ursprung nahm. Die Angaben zum Schaden stiegen von 5+ Mrd. auf 50+ Mrd., und der Wirkungskreis breitete sich von Deutschland auf die EU und sogar in die USA aus. Der deutsche Anteil wurde zuletzt mit 32 Mrd. beziffert, als nächstes kam Frankreich mit 17 Mrd. (11.). In Deutschland sind das 385€ pro Einwohner.

Gegenüber der Bankenkrise sind 50+ Mrd. nur ein Bruchteil der Kosten, und bei den Immigrationskosten deckt der Betrag nur gut 1 Jahr ab. Die in den Steueroasen verschwindenden Gelder liegen nochmal um 1-2 Größenordnungen darüber (ca. 1 Billon pro Jahr). Die Bezeichnung "Coup des Jahrhunderts" (8.) ist also ein bissel überzogen.

Ganz normale Abzocke des Staates also?

Das wäre denn doch untertrieben, denn es geht hier nicht ums Ausnutzen von Gesetzeslücken wie bei den Steueroasen, sondern schlicht um Betrug. Die Kapitalertragssteuer mehrfach anzurechnen, ist illegal. Das ist jedenfalls das Fazit vom Abschlussbericht des Cum-Ex-Untersuchungsausschusses des Deutschen Bundestags (2.). Der wurde schon letztes Jahr (2017) veröffentlicht: Eine Gesetzeslücke hat insoweit nicht bestanden (als die Kapitalertragsteuer nicht rechtmäßig mehrfach anrechenbar ist). 

Und es kann die Sache wohl kaum legaler machen, wenn es die mehrfach abgerechneten Papiere gar nicht gibt ("Phantomaktien", 13.,15)? Steuerrückerstattungen auf Dividenden für Aktien einfordern, die man nie besessen hat – wer weiß, ob es dafür nicht doch eine passende Gesetzeslücke gibt?

Fest steht jedenfalls, dass die Cum-Ex-Masche schon jahrelang bekannt ist, und dass man die Abzocker trotzdem einfach machen ließ. So ein großes Vollzugsdefizit gibt es z.B. in den USA nicht. Dort wird schon länger ermittelt (15). Und in Deutschland? Da "reagiert die Politik" (15). Sie reagiert aber ganz, ganz träge.

Schließlich haben die Medien (voran Zeit, Zeit Online und das ARD-Magazin Panorama) schon vor über einem Jahr darüber berichtet, wie Banker, Berater und Anwälte den deutschen Staat über Jahrzehnte hinweg plünderten. Und wie der es sich gefallen ließ. Und wie die Bundesfinanzminister Eichel, Steinbrück und Schäuble bescheid wussten und trotzdem nichts taten (nur der NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans ging gegen solche Machenschaften vor, aber Walter-Borjans ist nicht mehr im Amt, weil seine Partei, die SPD, abgewählt wurde).

Erst eine hartnäckige Sachbearbeiterin aus dem Bundeszentralamt für Steuern weigerte sich schließlich, das Geld auszuzahlen (8.), obwohl das Bundeszentralamt als größte Engstelle bei der Verfolgung der Steuerkriminalität gilt. Das Amt hat zuwenig Personal; eigentlich würde ein Finanz-FBI gebraucht, und natürlich ein Unternehmensstrafrecht (siehe wb-Link Wirtschaftsstrafrecht). Alternativ gibt es auch die Aussage, Correctiv hätte alles aufgedeckt (10.,11.).

Das Verständnis für die verpennte Politik ist gering, zumindest bei den Leserkommentaren der Zeit (8.). Die Diskrepanz zwischen den "wahnsinnigen Ausmaßen" bei Cum-Ex und den bis vor kurzem nichtvorhandenen Aktivitäten dagegen spricht dem sonstigen Aktionismus hohn: Akribisch und nachdrücklich ruft das Finanzamt Kontodaten ab, es sperrt Konten bei geringen Anlässen, es verfolgt fehlende Rückzahlungen sofort – während es sich beim Milliarden-Steuerbetrug jahrelang Zeit lässt. Wer falsch parkt, wird unerbittlich verfolgt, bis 10€ Strafe mit Zins und Zinseszins beigetrieben sind, Schwarzfahrer werden von den Gerichtsvollziehern hemmungslos gepfändet.

Und die deutsche Politik ruht sich auf Placebo-Maßnahmen aus. Aus ihrer Sicht ist das Cum-Ex-Problem mit einer Gesetzesänderung von 2012 gelöst – man änderte das System zur Abführung der Kapitalertragsteuer und träumte davon, dass Cum-Ex nicht mehr funktioniert. Und worin bestand die "revolutionäre Systemänderung" (ein Forist bei der Zeit, 8.)? Eine Steuerbescheinigung dürfen nur noch diejenigen Banken  ausstellen, welche die Steuern einbehalten und abgeführt haben – und dafür hat der Gesetzgeber 12 Jahre gebraucht und das Problem immer noch nicht gelöst.

Bei dem Cum-Ex-Spitzenprodukt Phantomaktien ist auch wieder die Deutsche Bank dabei; in den USA sind zwei von ihren Töchtern (DBTCA und DBSI) schon drangekriegt worden: Im Juli 2018 stimmten sie einem Vergleich über 75 Millionen US-$ zu. In Deutschland ist der Finanzminister anscheinend noch nicht mit dem Nasebohren fertig, oder warum dauert es hier Jahre länger, um überhaupt solche bescheidenen Anfänge zu erreichen?

Unsere Behörden zahlen Kindergeld an erfundene Kinder und Erstattung für erfundene Verluste. Aber wenn die Täter einen Betrugsakt nach dem anderen begehen können, ohne dass sie jemals dafür bestraft werden – dann wären sie ja dumm, wenn sie nicht weitermachen würden (Leserkommentare zu 15).

In den Foren wird auch die Forderung laut, die Verantwortlichen in Haftung zu nehmen. Im Finanzminsterium mit all den Präsidenten, Vizepräsidenten, Ministerialdirektoren ebenso wie an der Spitze, den Finanzministern.

Vielleicht müsste das Volk auch für eine Qualifizierungspflicht der Politiker auf die Straße gehen und Nachhilfe bei Finanzgeschäften und Bankenaktivitäten erzwingen. Dann wären sie den EInflüsterern der Lobbys nicht mehr ausgeliefert und bräuchten keine Lobby-Anwälte mehr, um die Gesetze zu texten. Aber wenn überall Heerscharen von spezialisierten Anwälten mitwirken, wie wiederum Heerscharen von weiteren Anwälten als Lobbyisten auf den Gesetzgebungsprozess ansetzen, dann stehen am Ende die Gerichte vor einer undurchschaubaren und widersprüchlichen Rechtslage. Und nach der urteilen sie "verkehrsüblich" – eben nach dem, was die Anwaltskohorten zusammenstrickten. Wie blöd das ist, was dabei rauskommt, danach wird nicht mehr gefragt (siehe auch wb-Links Arbeit & Politik).

 

Medien-Links:

  1. Cum-Ex-Geschäfte – Der Staat muss sich konsequenter gegen Steuersünder wehren (Süddeutsche Zeitung 20.4.17): Warum nicht Insider anheuern, um die Schlupflöcher aufzuspüren? Es braucht endlich Steuer-Spezialeinheiten – anders lassen sich die dubiosen Deals kaum stoppen.
  2. Abschlussbericht des Cum-Ex-Untersuchungsausschusses (Deutscher Bundestag 20.6.17):  Der Ausschuss sieht seine Auffassung, dass Cum/Ex-Geschäfte mit Leerverkäufen rechtswidrig sind, nach dem Ergebnis der Sachverständigenanhörung vom 14. April 2016, der Auswertung des Sachverständigengutachtens von Prof. Dr. Christoph Spengel vom 28. Juli 2016, sowie durch die Zeugenvernehmung bestätigt. Das deutsche Steuerrecht bot in den Jahren 1999 bis 2012 zu keinem Zeitpunkt die Möglichkeit, eine einmal einbehaltene Kapitalertragsteuer in rechtmäßiger Weise mehrfach anrechnen beziehungsweise erstatten zu lassen. Eine Gesetzeslücke hat insoweit nicht bestanden. (Grundstruktur der Cum/Ex-Gestaltungen auf S. 321).
    Die dargelegte Auffassung, welche den Leerkäufer bereits mit Abschluss des Kaufvertrages als wirtschaftlichen Eigentümer der Wertpapiere ansehen will, aber gleich zeitig auch dem ursprünglichen Aktieninhaber diese Eigenschaft noch zuspricht, führt im Ergebnis zu einer Verdoppelung des wirtschaftlichen Eigentums. Da ein Leerverkäufer darüber hinaus auch mit mehreren Personen gleichzeitig Kaufverträge über die noch nicht in seinem Besitz befindlichen Aktien abschließen könnte, ist nach dieser Ansicht auch eine beliebige Vervielfältigung des wirtschaftlichen Eigentums möglich. Ein solches mehrfaches Eigentum ist aber weder mit den Grundsätzen des deutschen Rechts, noch mit dem Regelungsverständnis des wirtschaftlichen Eigentums, noch mit dem Wortlaut des § 39 AO vereinbar.
  3. Cum-Cum-Geschäfte – Bafin sorgt sich um Stabilität vieler Banken (Süddeutsche Zeitung 18.7.17, in der gedruckten Version: Cum-cum-Kummer): Viele Banken, die einst sogenannte "Cum-Cum-Geschäfte" getätigt haben, müssen sich auf eine Rückzahlung der Kapitalertragsteuer einstellen. Die Finanzaufsicht Bafin macht sich deshalb Sorgen um die Stabilität der Banken.
  4. Kollektivversagen: Cum/Cum, Cum/Ex und Hopp! (Oekonomenstimme 27.7.17): Jahrelang wurde in Deutschland mittels sogenannter Cum/Ex-Geschäften mit Leerverkäufen illegal viel Geld verdient. Diese Lücke wurde geschlossen, aber weiterhin möglich sind Cum/Cum-Geschäfte, die ebenfalls fragwürdig sind, wie dieser Beitrag zeigt.
  5. Gestohlene Milliarden (junge Welt 27.12.17): Cum-ex-Geschäfte. Schleppende Aufklärung trotz Untersuchung im Bundestag. Mutmaßlicher Lobbyist im Finanzministerium.
  6. Cum-Ex-Skandal – Banken und Börsenhändler sollen Staat um 5,3 Milliarden Euro betrogen haben (Süddeutsche Zeitung 10.1.): Erstmals liegt im größten deutschen Steuerskandal eine konkrete Zahl vor. Die Staatsanwaltschaft droht den Beschuldigten mit Haftstrafen.
  7. Employees At Dozens Of German Banks Snagged In Tax-Evasion Probe (Zero Hedge 29.6.): Both the buyer and seller could then claim certain tax credits. Before German tax authorities revised the rules, large banks regularly advised their German clients about the practice.
  8. Cum-Ex: Der Coup des Jahrhunderts (Zeit Online 18.10., 750 Kommentare): Ganz Europa wurde von Steuerräubern geplündert. Auch weil Deutschland die Partnerländer erst viel zu spät warnte, entstand ein Schaden von mindestens 55 Milliarden Euro.
  9. Banken und Superreiche plündern Steuerzahler aus … und zwar mit der Cum-Ex-Masche (atheisten-info.at 23.10.): 2016  befasste  sich  ein Untersuchungsausschuss des Bundestags mit sogenannten Cum-Ex-Geschäften. Der Schaden bislang: mindestens 55 Milliarden Euro. Nun  wurde bekannt: Der Betrug geht unvermindert  weiter – mit Hilfe ausländischer Banken.
  10. Es grünt so grün – Finanz-Betrug und Wahl-Betrug (Rationalgalerie 22.10.): Die Medien-Welt erzitterte kurz und belanglos: Mal wieder hatten die Banken in die Taschen der Steuerzahler gegriffen. Diesmal waren es 55,2 Milliarden Euro, die über die betrügerischen "Cum-Ex-Files" den Besitzer gewechselt hatten: Aus der Staatskasse in die Bank-Tresore. An der vordersten Aufdeckungs-Front hatte das Recherchezentrum CORRECTIV diese scheinbare Sensation enthüllt. … Dass es aus gerechnet die „Brost-Stiftung“, ein Etikettenverein des WAZ-Konzerns ist, der den Laden finanziert, ist kaum bekannt. Zu Lesen ist auf der CORRECTIV-Website, wer der Feind ist …
  11. CumEx Files – Häufige Fragen zu den CumEx-Files (CORRECTIV 23.10.):
    Deutschland: mindestens 31,8 Milliarden Euro
    Frankreich: mindestens 17 Milliarden
    Italien: mindestens 4,5 Milliarden
    Dänemark: mindestens 1,7 Milliarden
    Belgien: 201 Millionen
  12. Cum-Ex (Süddeutsche Zeitung Liste 25.11.): Über Jahre hinweg haben Kriminelle den deutschen Fiskus um Milliarden Euro erleichtert, mit einer höchst einfallsreichen Masche: Beim Handel von Aktien mit (Cum) und ohne (Ex) Dividende ließen sie sich eine nur einmal gezahlte Kapitalertragsteuer gleich mehrmals erstatten.
  13. Dubiose Finanzdeals – Wie Cum-Ex, nur krasser: Steuerdiebstahl mit "Phantom-Aktien" (Süddeutsche Zeitung 21.11.): Die Staatsanwaltschaft Köln ermittelt gegen mehrere Mitarbeiter einer Bank in Deutschland wegen des Verdachts auf Steuervergehen. Es geht um eine neue Masche, die noch perfider als Cum-Ex ist: Ausgenutzt wurde der Handel mit "Phantom-Aktien". Das Bundesfinanzministerium versucht jetzt, die Notbremse zu ziehen.
  14. Deutsche-Bank-Links
  15. Phantomaktien: Schaden durch neuen Steuertrick noch nicht zu beziffern (Zeit Online 23.11., 270 Kommentare): Mit Phantomaktien sollen Banker und Aktienhändler Millionen an Steuergeld erschlichen haben. Das Finanzministerium muss das Ausmaß noch ermitteln. Die Politik reagiert.

Weitere Links von wissenbloggt:

 




Der beste Psychotherapeut ... Frank Sacco


44719350_130655061242885_4207821353002205184_nFrank Sacco, Doktor der Medizin, hat einen krassen Ausdruck geprägt: Die Kombination des Zerstörens einer Kinderseele mit dem Schwanz und mit der Höllenangst bezeichnet er als den "doppelten Fick".

Wo niemand in so einem Fall helfen wollte, sprang Sacco ein, was ihm ein besonderes Lob einbrachte. Sein Bericht aus persönlicher Betroffenheit:

Der beste Psychotherapeut

… in Deutschland – und der soll ich sein. Nun, was wahr ist, das ist wahr. Wir leben in einer hochchristlichen Gesellschaft. Wenn das Kind zuhause etwas von seinen wöchentlichen Vergewaltigungen sage, komme es in die Hölle, so ein evangelischer Pastor zu einem Mädchen. Bischöfin Käßmann entschuldigte sich bei ihr. Den „doppelten Fick“ habe ich sie genannt, diese Kombination des  Zerstörens einer Kinderseele mit dem Schwanz und mit der Höllenangst. Weil ihre Therapie bei drei Psychiatrien abgelehnt wurde, schickte sie unser Pastor zu mir. Er kannte meine Qualitäten.

Nietzsche war schon auf dem nahezu richtigen Weg in seiner Einschätzung des unmoralischen Christentums: "Krank machen ist die eigentliche Hinterabsicht… der Kirche…  Der Priester herrscht durch die Erfindung der Sünde… Das Christentum war das bisher größte Unglück der Menschheit." Doch diese seine wichtigste Lehre verlief im Sande. Die Dogmen Sünde (Beispiel: jede Abtreibung ist Mord), Auferstehung (erst sie macht Folter im Jenseits möglich), Apokalypse (dieser angeblich geplante Terroranschlag machte die Kinder Würzburgs krank) und Hölle (dort wird nach Bischof N. Schneider mit Feuer gefoltert) werden  auch atheistisch erzogenen Kleinkindern heute flächendeckend  in den Kitas in Hypnose (Suggestion) und vor dem Eintreten eines kritischen Bewusstseins als lebenslang wirksame Brandmale ins unschuldige Gehirn geschissen. Sie müssen sich, so klein sie auch sind,  als Sünder bekennen und die Herrlichkeit des Christengottes im zu betenden  Vaterunser bescheinigen. Und das  eingedenk dessen, dass diese Gestalt mit der Sintflut der Lehrmeister Hitlers in Sachen Holocaust war und ein neues Auschwitz namens Hölle  für diejenigen  plant, die ihn nicht anhimmeln. Sola fide.

Unsere nach Meinung Freuds feige Psychiatrie duckt sich beim Thema Religion weg. Das „transzendentale Denken fehle“ angeblich. Und darum überweise man von Kirchen produzierte Neurotiker und Psychotiker zur „Therapie“ zum Dogma verpflichteten Verursacher dieser Schäden, zum Geistlichen. Und das solle auch so bleiben. Da ist es einfach, der beste Analytiker und folgerichtig  der beste Psychotherapeut zu sein, wenn man die Verbrechen der Kirchen durchschaut und es den Patienten verdeutlicht, dass sie als wehrlose Kinder einer verbrecherischen Organisation, ja einer terroristischen Vereinigung aufgesessen sind. Deren Leitung droht, da es Auferstehung nach der Staatsanwaltschaft Freiburg nicht gibt, in eigener Täterschaft mit ewiger Folter. Es ist nota bene eine Folter, deren Stattfinden jede christliche Geistlichkeit nach Joh. 20 durch Vergebung mit Leichtigkeit verhindern könnte. Doch sie denkt nicht daran. Die Hölle ist doch die bisher beste Geschäftsidee, so zu lesen in  idea spektrum, und sie soll es bleiben.  Und dass das Christentum ein Geschäft mit der Höllenangst ist, gibt Bischof N. Schneider in einem schwachen Moment selbst zu. Es ist das mieseste Geschäft dieser Erde.

Es bekämpfen mich (mit oft unfairen Mitteln) meine Kollegen aus der sprechenden Medizin, denen ich ihren größten Kunstfehler, ihr Schweigen, aufzeige und vorwerfe. Es bekämpfen mich Gläubige, die glauben zu glauben, ein Gott liebe und beschütze sie, und sie müssten ihn deshalb – selbst eingedenk seiner grauenhaften Moral – zurücklieben. Mich bekämpfen Agnostiker und unechte Atheisten, denen ich den Spaß an ihren regelmäßigen Kirchgängen verderbe. Es bekämpfen mich Erkrankte, die es als Zumutung empfinden, wenn ich ihnen eine Angst vor der Hölle zuschreibe, wo sie sich doch als modern einstufen.

Es verstehen mich Patienten, die diese Angst schon bei sich entdeckten oder sie durch meine Arbeiten erst bemerkten. Und es gibt auch so einige Denker, die in der wirklichen Nachfolge Nietzsches stehen. Der große Denker war mutiger als ich, da er seine Religionskritik vor der Einführung der Psychoanalyse vorzubringen wagte. Und er hatte keinen Frank Sacco an seiner Seite. Der hätte ihm seine  vermeintliche Sünde, ein Gottesmörder zu sein, in kurzer Zeit  in einer EAT ausgeredet.

 

Frank Sacco ist Autor von Das Sacco Syndrom und Autor der Bücher

Weitere Artikel von Frank Sacco, speziell Der doppelte Fick




Rezension zu Rovelli Die Wirklichkeit, die nicht so ist, wie sie scheint II


9783644052512Wieder geht es um Universum, Raumzeit, Quanten – dies ist der zweite Teil der Rovelli-Rezension. "Carlo Rovelli rockt die Physikwelt", lautet ein netter Kommentar dazu. Bisher waren die Grundlagen dran, jetzt kommt der Teil, wo Rovelli den Kern seiner Quantentheologie – pardon, Quantentheorie vorstellt. Weitere Aufklärung über Zeit und Raum und Wirklichkeit, wie die Physik sie heute sieht.

Die Rede ist von QED, Quantenelektrodynamik und QCD, Quantenchromodynamik. Beide erweisen sich nach Rovelli als Spezialfälle der allgemeinen Quantengravitation, bzw. seiner Auslegung davon als Schleifenquantengravitation LQG (loop quantum gravity).

Dritter Teil II

Auf das abgebildete Kleidungsstück ist Rovelli besonders stolz, deshalb wird es hier wiedergegeben. Verständnis der Formeln wird nicht erwartet, es geht nur um die schlichte Erhabenheit der drei Formeln:

tshirtrovelli(Bild: Rovelli, Abbildung 7 – Die Gleichungen der Schleifen-Quantengravitation, zusammengefasst auf einem T-Shirt)

In Worten beschreibt Rovelli den Raum als ein Spin-Netzwerk, in dem die Knoten die elementaren Körnchen des Raums darstellen und die Links ihre Beziehung zur Umgebung. Die Spin-Netzwerke verwandeln sich in jeweils andere, und aus diesen Prozessen geht die Raumzeit hervor. Die Prozesse werden von Summen über die Spinschäume ausgedrückt, wobei ein Spinschaum einen ideellen Pfad eines Spin-Netzwerks darstellt. Das Ganze ist ein mikroskopisches Wimmeln von Quanten in unvorstellbar kleiner Dimension, das Raum und Zeit erschafft.

Wir nehmen es in der Makrowelt als Ruhezustand wahr, während jeder Kubikzentimeter Raum und jede vergehende Sekunde das Ergebnis des wabernden Schaums sind. Damit ist die Beschreibung der Welt-Bestandteile bei der untersten Zeile in Rovellis Darstellung angelangt (siehe erster Artikel, zweiter Teil, durch Strich abgetrennt).

Die Welt besteht aus Teilchen, die Quanten von Quantenfeldern sind, und die Zeit entsteht aus den Prozessen dieses Feldes – die Welt besteht vollständig aus Quantenfeldern. Teilchen, Energie, Raum und Zeit sind nur Manifestationen eines einzigen Typs von Sein: den kovarianten Quantenfeldern.

Rovelli findet diese Vorstellung selber nicht ganz einfach, weil der Mensch von Natur aus ein ganz anderes Verständnis von Raum und Zeit hat. Aber die Beschreibung der Natur wird immer feiner, und nach Rovelli auch "einfacher".

Vierter Teil

Der vierte Teil befasst sich mit Konsequenzen aus diesem Weltverständnis – mit Dingen jenseits von Raum und Zeit. Zum einen ist die Rede von der Zeit "vor dem Urknall", sprich, wie die Urknalltheorie zustandekam. Wieder war Einstein beteiligt, und der Papst Pius XII vereinnahmte die Urknalltheorie als Bestätigung der biblischen Schöpfungsgeschichte. Aber wenn das der Schöpfungsakt sein sollte, wie wäre dann ein evtl. früheres Universum unterzubringen?  "Es werde wieder Licht?" Die katholische Kirche rückte von der Vereinnahmung wieder ab.

Der Urknall wurde zunächst von Spöttern so benannt, die sich über "diese Absonderlichkeit" lustig machten. Er ist aber längst wissenschaftlich etabliert. Die Schleifenquantengravitation verspricht noch mehr Aufschluss darüber. Dazu bringt Rovelli Spekulationen über andere Universen, aber er sieht die entsprechenden Theorien noch in der Erkundungsphase.

Die Theorie der Quantengravitation steckt noch in den Kinderschuhen, empirische Beweise sind noch nicht zu haben. Dasselbe gilt ja auch für die Stringtheorien. Rovelli sieht den Impetus darauf, nicht mehr von neuen Feldern und exotischen Teilchen zu träumen, von zusätzlichen Dimensionen, weiteren Symmetrien und Paralleluniversen. Mit den vorhandenen Theorien sei die Grundlage da: Allgemeine Relativitätstheorie, Quantenmechanik und Standardmodell – und das ist auch die Grundlage der Schleifenquantengravitation (LQG, genauer: Vereinbarkeit mit dem Standardmodell).

Rovelli sieht die Hintergrundstrahlung als Fenster in die LQG. In diesen "feinen Kräuselungen" des Weltraums seien die Spuren zu suchen, die zu einer Bestätigung der LQG-Schlussfolgerungen über das Wesen von Zeit und Raum führen können.

Der anschließende Abschnitt über Schwarze Löcher ergeht sich in ein wenig Spekulation, was die LQG dazu zu sagen hätte. Einmal natürlich, dass die Singularitäten verschwinden, die in der Allgemeinen Relativitätstheorie beim Übergang zu infinitesimalen Größen entstehen. Dem wirkt die LQG durch ihre Körnung entgegen; es gibt nichts unendlich Kleines mehr. Eine Konsequenz der LQG könnte sein, dass die Schwarzen Löcher letztlich instabil sein könnten. Sehr alte Schwarze Löcher könnten explodieren, und der Nachweis davon wäre ein phantastisches Signal eines quantengravitativen Phänomens.

Die LQG räumt also mit den unendlichen Werten auf und hilft damit der Allgemeinen Relativitätstheorie. Umgekehrt verschwinden bei Berücksichtigung der Gravitation in der Quantenfeldtheorie deren Divergenzen. So löst die LQG den Widerspruch zwischen Relativitätstheorie und Quantenmechanik auf. Beide Theorien lösen gegenseitig ihre Probleme.

Zur Veranschaulichung werden die grundlegenden Beschränkungen zusammengestellt:

  1. Die Spezielle Relativitätstheorie lässt sich in die Entdeckung fassen, dass es eine Maximalgeschwindigkeit c (Lichtgeschwindigkeit) gibt.
  2. Die Quantenmechanik lässt sich durch die Entdeckung beschreiben, dass es in jedem System eine maximale Information (=Wirkung, mit dem Wirkungsquantum ) gibt.
  3. Die Quantengravitation läuft darauf hinaus, dass es eine miniale Länge P gibt.

Im letzten Abschnitt geht Rovelli auf die Information ein. Der mathematische Aufbau der Quantenmechanik eignet sich gut dazu, in Begriffen der Informationstheorie ausgedrückt zu werden. Der Informationsbegriff ist für das Verständnis der Quantenrealität grundlegend, daher der Slogan "it from bit", was zu übersetzen ist mit "alles ist Information". In der Quantengravitaion werden Prozesse beschrieben, wobei ein Prozess eine Region in der Raumzeit ist. Dazu werden immer Wahrscheinlichkeiten berechnet.

Die Realität ist eingebunden in ein Beziehungsgeflecht von wechselseitigen Informationen, aus denen die Welt gewoben ist. Im Grunde ist immer nur davon die Rede. Die Welt besteht nicht aus Gegenständen, wie wir sie sehen. Sie ist ein kontinuierlicher und stets sich verändender Strom. Eine Welle im Meer hat keinen definierten Anfang und kein definiertes Ende. So ist es auch mit einem Berg.

Die Frage nach Anfang und Ende ist sinnlos, weil Welle und Berg keine Objekte an sich sind, sondern bloß unsere Weise, die Welt zu untergliedern. Mit solchen Begriffen bringen wir die uns verfügbare Information in eine Form – und das gilt für jedes Objekt und jedes lebende Wesen. Der Begriff eines physikalischen Systems wird damit zu einer Idealisierung. Deshalb spielt der Begriff der Information beim Versuch, die Welt zu verstehen, so eine große Rolle.

Nur sind wir uns solcher Ergebnisse aus der LQG längst nicht sicher. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse sind nicht endgültig, sondern die besten derzeit verfügbaren. Rovelli spricht von Vertrauenswürdigkeiten statt Gewissheiten, und man möge nicht auf die Verkünder von letztgültigen Antworten hereinfallen. Die Welt ist voll von selbsternannten Hütern der Wahrheit und sonstigen Märchenerzählern.

Was dem Leben wirklich Sinn gibt, ist aber der Blick nach vorne, das Weitergehen, das Ergründen des geheimnssvollen Universuns. Das stellt Rovelli als das Schönste dar, und sein schönster Traum ist, dass einer seiner Leser auf diesen Entdeckungskurs geht, um die Mysterien der Welt zu erhellen und Neues zu entdecken.

(Zusammengefasst vom wissenbloggt-Allzweck-Rezensenten Wilfried Müller)

 

Carlo Rovelli, Die Wirklichkeit, die nicht so ist, wie sie scheint, Eine Reise in die Welt der Quantengravitation, Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2016, ISBN 9783498058067, Gebunden, 320 Seiten, 22,95 EUR

Erster Teil: Rezension zu Rovelli Die Wirklichkeit, die nicht so ist, wie sie scheint I

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Dunkel ist der Rede Sinn


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Die Alltagssprache nutzt viele Redensarten, und oft weiß der Sprecher gar nicht, was das ursprünglich bedeutet. Macht nix, aber es ist trotzdem interessant, mal ein wenig in den Ursprüngen herumzustöbern. Da kommt die eine oder andere Petitesse ans Licht (Bild: romanosky, pixabay).

Oft ist die Entstehungsgeschichte unklar, und manchmal liegt sie auf der Hand (wie bei der Bedeutung von auf der Hand liegen, die auf der Hand liegt).

In anderen Fällen ist es nicht so klar. Wo kommt der rote Faden her? Ist es der Ariadne-Faden, der Theseus aus dem Labyrinth des Minotauros heraushalf? (1.) Oder hat Goethe recht, der den  Ursprung bei der königlich britischen Flotte sah, wo in sämtliche Tauwerke ein roter Faden eingesponnen war, damit man sehen konnte, dass es der Krone gehört (2.).

Ersteres wird von wiki vertreten, letzteres ist einem Artikel der nzz entnommen. Dort breitet der Linguistikprofessor Angelo Garovi eine Auswahl von Redewendungen aus – viele haben mit Fäden oder letztlich mit Spinnen oder Weben zu tun. Z.B. keinen guten Faden an ihm lassen heißt nur Schlechtes von ihm reden. Bei den Webern prüfte der Lehrmeister das Meisterstück der Gesellen nach Strich und Faden –  und wenn es schlecht war, ließ er keinen guten Faden an dem Stoff.

Die mythologische Vorstellung vom Lebensfaden, den die Parzen (Schicksalsgöttinnen) für jeden Menschen spannen und bei seinem Tod durchschneiden, stammt dagegen aus der Antike.

Einige Redensarten befassen sich mit dem Himmel, z.B. es schreit zum Himmel, wie man bei einer schrecklichen Tat sagt. Ansonsten steht der Himmel eher für Glückseligkeit. In frühen jüdischen Texten kommt der siebte Himmel vor, laut Talmud der oberste Himmel, der Ort des Rechts und der Gerechtigkeit. In der Vorstellung der Renaissance ist der Himmel voll mit geigenspielenden Engeln, daher der Spruch der Himmel hängt voller Geigen.

Nicht jedem war der Weg in den Himmel der Liebe vergönnt, wenn er nämlich einen Korb bekam. Mittelalterliche Miniaturen bilden ab, wie die Burgfräuleins ihre Liebsten in einem Korb zum Fenster hinaufzogen, und wenn die Liebe erkaltete, sorgten sie dafür, dass der Boden des Korbs durchbrach – der Liebste fiel dann durch – Später war der kosige Brauch nicht mehr so mühsam; sie schickten dem Verschmähten dann einen Korb ins Haus.

Auch mit Krediten gab's schon in alten Zeiten Kummer. Verwendet wurde ein gespaltener Stab ("Tessel" oder "Beilen"). In beide Teile wurden zugleich (symmetrische) Kerben gehauen. Das Kerbholz war eine frühe Form der Kontoführung mit Blaupase oder Kopie. Säumige Zahler hatten viele Kerben auf dem Stab – sie hatten Schulden. Später galt das auch in übertragenen Sinn. Wer sich etwas zuschulden kommen ließ, hatte etwas auf dem Kerbholz.

Eine kleine Auswahl deutet an, was es noch alles gibt, von 08/15 bis Zeter und Mordio. Interessant sind die Gemeinsamkeiten und die Unterschiede z.B. deutsch-englisch. Grün steht in beiden Sprachen für unerfahren, die Deutschen sind grün hinter den Ohren, und die Engländer haben grüne Hörner (greenhorn). Aber wenn die Deuschen sagen, das kommt mir spanisch vor , dann sagen die Engländer it sounds Greek to me.

Auswahl Redewendungen aus wiki, ergänzt von wb: (1.)

  • 08/15 ("Null-acht-fuffzehn" nach dem Standard-MG im 1. Weltkrieg)
  • Am Arsch der Welt (abgelegen)
  • Einen Fehler ausmerzen (im März wurden nicht zur Zucht brauchbare Schafe aussortiert)
  • Backfisch (unreifes Mädchen, von zu kleinen Fischen, die man zurückwarf)
  • nur Bahnhof verstehen (vom 1. Weltkrieg, Bahnhof = nach Hause)
  • Cherchez la femme (suchen Sie die Frau, die dahinter steckt)
  • Auf Draht sein (aus der Telegraphensprache)
  • Aus dem Effeff (etwas perfekt können, ff wie finissimo)
  • Den Faden verlieren (nicht mehr weiter wissen, auch nach dem Ariadne-Faden, mit dem Theseus aus dem Labytrinth fand)
  • Flitterwochen (nach mittelhochdeutsch vlittern = turteln)
  • Gretchenfrage (nach Goethes Faust, Gretchen fragt Heinrich: „Wie hast du’s mit der Religion?“)
  • Auf dem Holzweg sein (auf Holzwegen werden die gefällten Bäume abgeschleppt, sie enden plötzlich mitten im Wald)
  • In flagranti (lateinisch "in flagranti crimine" = "in flammendem Verbrechen")
  • Jacke wie Hose (macht keinen Unterschied, beides aus demselben Stoff)
  • Eher geht ein Kamel durch das Nadelöhr (Übersetzungsfehler, das Nadelöhr war eine Nachtpforte)
  • Die Katze aus dem Sack lassen (Geheimnis lüften, es beweist, dass kein Hase drin ist)
  • Einen Korb bekommen (eine Bitte nicht erfüllt bekommen, der Legende nach wurden Troubadeure von ihren Liebschaften im Korb hochgezogen, kam der Korb ohne Boden, war es aus)
  • Durch die Lappen gehen (entwischen, bei der Treibjagd wurden bunte Lappen gespannt)
  • Lunte riechen (Verdacht schöpfen, man konnte die brennende Lunte = Zündschnur riechen)
  • Muckefuck (Ersatz- oder Blümchenkaffee nach "Mocca faux" = falscher Kaffee)
  • Den Nagel auf den Kopf treffen (Schützensprache, Nagel = Scheibenmitte)
  • Ach du grüne Neune! (unangenehme Überraschung, von Pik Neun beim Kartenlegen, was Schlechtes verheißt)
  • Grün hinter den Ohren (grün = unerfahren, z.B. auch engl. greenhorn)
  • Oberwasser haben (Oberhand gewinnen, Müllersprache, Oberwasser fließt aufs Mühlrad)
  • Wie die Ölgötzen (dumm herumstehen, nach Götterstatuen)
  • Pantoffelheld, unter dem Pantoffel stehen (er hat nichts zu sagen, Hausschuhe oder Holzpantinen als Sinnbild wieblicher Bekleidung)
  • Pi mal Daumen (ungefähr, (Pi) kann nicht abgezählt werden)
  • Quadratur des Kreises (unlösbare Aufgabe)
  • In die Röhre schauen (das Nachsehen haben, Röhre = Fernglas)
  • Gib ihm Saures! (lass ihn leiden, süß und sauer stand für gut und schlecht)
  • Einen Schnitzer machen (einen Fehler begehen, vom Schnitzen, wo ein falscher Schnitt zerstörend wirkt)
  • Das kommt mir spanisch vor (seltsam, nach Karl dem V., der spanische Sitten nach Deutschland brachte, engl. sounds Greek to me)
  • Süßholz raspeln (plump schmeicheln, Süßholz ist zuckerhaltiges Gewächs)
  • Aufs Tapet bringen (etwas ansprechen, von frz. tapis = Tischdecke)
  • Kommt nicht in die Tüte (Händlersprache für Ablehnen von Waren)
  • Unter ferner liefen (hinten im Feld, von Pferdewetten, wo nur die ersten 3 zählen)
  • Auf Vordermann bringen (verbessern, Militärsprache, ausrichten wenn die Reihe schief war)
  • Würmer aus der Nase ziehen (Geheimnisse entlocken, Quacksalber zogen Hirnwürmer aus der Nase)
  • Ein X für ein U vormachen (Betrugsversuch, lat. V = U war manipulierbar zu X)
  • Zeter und Mordio schreien (Krach schlagen, germanische Anklage mit "Zêter" = zieht her und Klagegrund "mordio" = Mord)

Medien-Links:

  1. Liste deutscher Redewendungen (wiki) aus dieser Liste wurde die Sammlung oben referiert.
  2. Einen Korb bekommen: Unser Alltag ist voll von Redensarten, deren Sinn den wenigsten bewusst ist (Neue Züricher Zeitung 21.11.): Fast täglich brauchen wir – bewusst oder unbewusst, oft sogar floskelhaft – Sprichwörter und sprichwörtliche Redensarten, deren Sinn und Bedeutung man erahnt, aber nicht immer genau kennt.

Links von wissenbloggt zum Thema Sprache:

 




DUH da duh da day


tank-2729903_1280Es hat ganz den Anschein, als ob DUH vielfach besungen würde. Eine Auswahl von Songtext-Schnipseln legt das nahe (1.). Es geht hier aber ganz unlyrisch um die Deutsche Umwelthilfe DUH, und die diesbezüglichen Lieder sind Klagelieder. Was das mit dem Panzer zu tun hat? Nun, man wird sehen. Erstmal DUH, dann Panzer (Bild: Momentmal, pixabay).

Die DUH wurde 1975 gegründet (2.), hat 347 Mitglieder und etwa 80 Mitarbeiter (3.). Auf Betreiben der Grünen unter der letzten rot-grünen Bundesregierung wurde der Verein 2004 in die Liste qualifizierter Einrichtungen nach Unterlassungsklagegesetz eingetragen. Das befugt ihn, Verstöße gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb und andere Verbraucherschutzgesetze "mit geeigneten Maßnahmen" zu verfolgen.

Das dürfte die Wende gewesen sein, die aus dem Umweltschutzverein mehr machte, einen "von Abmahnungen lebenden Interessenverein" (4.). Die DUH finanziert sich zu 38 % aus Projektzuschüssen (Hälfte aus öffentlichen Quellen, Hälfte von privaten Stiftungen). 30 % des Etats stammen aus dem "Verbraucherschutz", d.h. Abmahnungen (1.265 in 2015), und 17% aus Unternehmensspenden und zum geringen Teil auch privaten (Stand 2016, 3.).

Die Abmahn-Tätigkeit der DUH wird professionell betrieben (wb-Link scharfe Kritik). Sie führt teure Musterklagen bis in die letzte Instanz, sie kontrolliert abgemahnte Firmen über Jahre hinweg. sie verfolgt sie bei Verstößen mit versierten Rechtsanwaltskanzleien.

Inzwischen ist der Tätigkeitsbereich erweitert: "Das Ziel ist die möglichst völlige Verdrängung des Dieselmotors", schreibt der European, der sich besonders auf die DUH eingeschossen hat (5.). Demnach verwendet die DUH einseitige Argumente und argumentiert mit ideologischer Verbohrtheit. Die DUH macht Politik, durch beständige Bemühung der Gerichte landauf, landab. Sie klagt gegen Autoindustrie und Kommunen und dank ihr müssen Millionen deutsche Diesel-Fahrer Fahrverbote befürchten.

Was für Luftnummern die zugrundeliegenden Grenzwerte sind, erläutert wissenbloggt (wb-Link Diesel-Skandal) – auf dieser hanebüchenen Basis Fahrverbote zu verhängen, ist tatsächlich ein Skandal. Aber das kann die DUH nicht bremsen.

Wenn die DUH was erreichen will, ist sie nicht zimperlich. Bei ihren Messungen kam in einem Fall der 17-fache Wert vom Euro-6-Grenzwert raus, aber wurden die Versuche wissenschaftlich durchgeführt? Die betreffende Fachhochschule distanzierte sich von den Versuchen der DUH, mit der Begründung, sie wären es nicht. Ein TÜV maß die Abgaswerte als im zulässigen Bereich liegend (3.).

Bemerkenswert ist die Verstrickung der DUH mit der Politik. Der Bund förderte die DUH-"Informationskampagne Stickstoff" mit 182.672 Euro, er zahlt einen großen Teil des Etats. Der ehemalige Abteilungsleiter im deutschen Umweltbundesamt arbeitet jetzt als Sachverständiger für die DUH, die mit weiteren Ex-Beamten bestückt sei (5.).

So fördert der Bund letztlich indirekt die Fahrverbote – aber er steht nicht selber in der Schusslinie. Das Umweltministerium tritt nicht selbst auf, es lässt auftreten, es hat sozusagen eine Art private Umweltpolizei. Auch der Deutsche Städtetag steht auf seiten der DUH und agiert gegen die eigenen Mitglieder, die Städte. Alles kein Problem, denn der Sündenbock ist ausgelagert. Die DUH ist schuld, die Politik hat Ruhe.

Das empfinden viele Leute zurecht als blamabel und lächerlich. Es geht ja nicht um irgendwelche Mensch- und Umweltschäden, weil der NOx-Grenzwert keine belastbare Begründung hat und ein Produkt der Willkür ist. Er liefert bloß den Vorwand für einen ungeahnten Aktionismus. Eine Stimme aus dem Ausland (nzz, 6.):

Demnach ist das ein Trauerspiel, was Deutschland mit seiner Automobilindustrie gerade macht. Laut nzz konstruieren Ingenieure Dieselmotoren, die noch einen Bruchteil der Stickstoffoxide der Vorgängermodelle ausstossen, und dafür sorgen, dass die Umweltbelastung in den Städten weiter sinkt. Aber die Diskussion wird nicht von dieser Entwicklung dominiert. Vielmehr wird eine Stadt nach der anderen auf Klage der DUH gerichtlich aufgefordert, den Großteil der Dieselautos zu verbannen, zumindest auf einzelnen Straßen. Zur Liste gehören Berlin, Hamburg, Köln, München, Frankfurt, Stuttgart, Düsseldorf, Aachen, Bonn, Mainz und nun auch Gelsenkirchen und Essen – und jetzt hat es auch das Teilstück einer Autobahn erwischt, weil es durch Essen führt. 100.000 Personen nutzen es täglich, und viele davon werden zu Umwegen gezwungen.

Dem kann man wenig hinzufügen. Ach ja, die Panzer fehlen noch.

Auf englisch heißt Panzer tank, nach seiner Haupttätigkeit, dem Tanken. Und was tanken die Tanks? Diesel. So ein Panzer verbraucht 400 l Diesel / 100 km. Die dürften vom Fahrverbot wohl auch betroffen sein. Der DUH ist eine entsprechende Klage zuzutrauen.

 

Medien-Links:

  1. Lyrics.cat
    La da da da da, la da da da duhLa dah dah dada dah. Lah dada dah da-da dah. Dah da dada dum dah.
    La dah dah da-da dah dee. Dah da daladah duh duh duh. La dah dah da-da daaaaah.
    La da da di da da dum da duh da da dum di da ohhh
    … da duh. Da duh da duh da duh. Da da duh duh duh da …
    La! La da da duh duh da dum! La da da duh duh da dum! La da da duh duh da! La da da duh duh da! La da da duh duh!
    La dup dup duh doh. La dup …
    Duh da duh da day
  2. Deutsche Umwelthilfe (DUH): Kinder besonders gefährdet – Helfen Sie jetzt! Wir messen Dieselabgase vor Schulen und Kindergärten. Bitte helfen Sie uns mit Ihrer Spende oder Fördermitgliedschaft – für unsere Gesundheit und die unserer Kinder!
  3. Deutsche Umwelthilfe (wiki)
  4. Diesel-Einfahrverbot: Rußmord (Frankfurter Allgemeine Zeitung 3.3.17): Und die Autoindustrie benimmt sich wie ein Kaninchen vor der Schlange. Sie erweist sich als unfähig, gegen Polemisierung der Autogegner – allen voran der sogenannten Deutschen Umwelthilfe, die ein von Abmahnungen lebender Interessenverein ist – vorzugehen.
  5. Deutsche Umwelthilfe: Staatsknete für den Stickoxid-Kreuzzug (The European 22.4.): Fahrverbote fordern, die Politik in die Zange und die Bürger in Geiselhaft nehmen – und gleichzeitig saftig Staatsknete kassieren: das ist das Geschäft von Jürgen Resch, dem Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe. Die Bundesregierung gibt damit millionenschwere Subventionen an eine Lobbyorganisation, die hunderttausende Jobs in der deutschen Autoindustrie gefährdet.
  6. Kommentar – Wie der deutsche Diesel-Fahrer drangsaliert wird (Neue Züricher Zeitung 20.11.): Immer mehr deutsche Städte greifen zu Fahrverboten und sperren gewisse Diesel-Autos aus. Nun will die Regierung den Gemeinden grünes Licht für die automatisierte Überwachung der Autofahrer geben. Die Verhältnismässigkeit bleibt auf der Strecke.

Links von wissenbloggt dazu:




Krieg zwischen Wissenschaft und Religion vermeidbar?


totem-pole-467528_1280werner22brigitteGottes Streitkräfte schreiten zur Verteidigung der Religion, wie zwei neue Artikel deutlich machen: Es muss was unternommen werden gegen den Reli-Exit. Dabei geht es nun nicht um den Islam, erst recht nicht um Stammesreligionen (Bild: werner22brigitte, pixabay), sondern um unsere alte Haus- und Hof-Religion Christentum.

Die britischen Professoren David N. Livingstone und John Hedley Brooke verteidigen die Religion, die vom US-amerikanischen Professor Jerry Coyne angegriffen wurde (1.). Von dort stammt das Wort vom Krieg zwischen Wissenschaft und Religion, der nicht unvermeidbar sei. In Deutschland geht es mehr um gegenseitige Animositäten. Über die berichtet der Redaktionsleiter von Christ & Welt und Träger vom Katholischen Medienpreis, Raoul Löbbert (2.,3.). Er bezieht sich auf einen Religions-/Atheismus-Index von 2012 (4.). Bei wissenbloggt gibt es einen neueren Index zu sehen (auch von WIN-Gallup, wb-Link Reli-Rating). Im einen Fall steht Deutschland auf Platz 8 der atheistischsten Länder, im anderen auf Platz 16. Großbritannien kann sich einmal nicht unter den top ten qualifizieren, ist beim anderen aber auf Platz 10.

So viele Heiden … Denen gilt es zu wehren, so die Leitlinie.

Beim deutschen Artikel heißt es, der moderne Heide wolle nicht diskutieren, es genüge ihm, die eigene Ignoranz bestätigt zu sehen. Der britische Artikel spricht vom "biologist and polemicist" Jerry Coyne, ehe er ihm die Leviten liest.

Diesen Furor zog Coyne auf sich, weil er schrieb, Wissenschaft und Religion seien genauso inkompatibel wie Rationalität mit Irrationalität inkompatibel ist. Solch eine Verallgemeinerung mögen die gegnerischen Professoren nicht leiden. Deshalb hacken sie ein wenig auf einem weiteren Professor herum, mit ihrem Fazit, bei dessen Aussagen sei der Krieg zwischen Wissenschaft und Religion als gegeben impliziert. Ihre Entgegnung hebt darauf ab, es gebe viele Wissenschaften und viele Religionen, und die seien alle ganz anders zu sehen.

Ein kleiner Einschub von wissenbloggt – viele Wissenschaften? Es gibt doch nur den einen Kanon der Wissenschaften und nicht etwa eine deutsche und eine britische Physik. Bei den Religionen haben sie allerdings recht, die gibt's nach Belieben. Allein darin zeigt sich doch der Unterschied, das eine ist klar definiert, das andere beliebig.

Die Professoren gehen so weit zu sagen, Begriffe wie "Religion" und "Atheismus" hätten keinen Gehalt (terms such as “religion” and “atheism” have no essence). Naja, die Wissenschaften lieferten schon mal die eine oder andere Antwort auf Fragen aus der Glaubensgeschichte, aber sie ließen Raum offen für religiöse Nachfragen & Hinwendung. Und wenn's darum geht, was für die Menschheit wichtiger ist, dann wären das nicht die wissenschaftlichen Fragen. Wissenschaft könne nur im Zusammenhang mit Religion oder Ideologie florieren.

Wow.

Schließlich seien Wissenschaft und Religion Komplemente (wie beim Ex-Papst, der in ihnen die beiden Flügel sah, mit denen sich die Menschheit erhebt). Geschichtlich gesehen lagen Wissenschaft und Religion schon mal über Kreuz, zumal bei der wissenschaftlichen Abkehr vom Wunderglauben, beim wissenschaftlichen Glauben an unbrechbare Naturgesetze oder beim Leugnen des Freien Willens.

Anmerkung wissenbloggt: Aus der Sicht, die hier vertreten wird (wb-Link Unfreier Wille) ist das eine putzige Umkehrung: Die Religion sieht den Willen als frei (damit der Mensch fehlen kann und Gott ihn dafür strafen kann), während viele Wissenschaftler immer noch an den unfreien Willen glauben.

Andererseits habe die Religion die Wissenschaft vielfach inspiriert (z.B. durch die Annahme des gemeinsamen Ursprungs der Menschen). Und die wissenschaftlichen Apparaturen wie das Teleskop wurden erfunden als Kompensation für den Sündenfall (Scientific methods and instruments were devised as a means for ameliorating the damage to human cognitive powers and sensory apparatus believed to have been brought about by human sinfulness). Der Artikel nimmt auch die Gestalt vom Globus als religiöse Errungenschaft in Anspruch, sie sei fundamental für die Entwicklung der Wissenschaft.

Anmerkung wissenbloggt: Nur dass die alten Griechen schon wussten, wie die Welt aussah, und dass die christliche Religion deren Erkenntnisse 1000 Jahre lang verbaggert hat – die Professoren beanspruchen Lorbeeren für die Religion, die sie nicht verdient.

Ähnlich wird argumentiert, Gottes Schöpfungsgeschichte hätte die Entdeckung der Abstammung der Arten initiiert, und heutzutage, nütze die Religion beim Dialog zwischen theologischer Anthropologie und Transhumanismus. Die neuen technischen Möglichkeiten werfen die Frage auf, was "menschlich" sei. Dazu hätten die Theologen viel zu sagen.

Einschub von wissenbloggt – die Philosophen haben noch mehr dazu zu sagen, und zwar ohne den Bias, der daher kommt, dass die Religion ihren vermeintlichen Gott über die Menschen stellt.

Auch bei der Wertediskussion ist die Religion demnach wertvoll. Wo die Begriffe "Wissenschaft" und "Religion" so viele Änderungen durchlaufen haben, stelle sich die Frage, ob Religionen in technologischen Gesellschaften überleben können?

Das haben sie schon, und aus wichtigen Gründen, so die Autoren. Religionen spenden Identität und Sinn – sie interpretieren das Universum, sie erklären es nicht. Die Religion für einen schiefgegangenen Versuch zur Welterklärung zu halten, ist demnach genauso wie das Ballett für einen schiefgegangenen Versuch zum Nachrennen nach dem Bus zu halten.

Anmerkung wissenbloggt: Interpretieren statt erklären? Tanzen statt Denken? .

Der deutsche Artikel setzt da an, wo der britische aufhört. Er verbreitet auch die Mär der populistischen Atheisten, welche die Religiösen mit ihren Erkenntnissen belästigen. Demnach arbeiten sie sich "mit glühendem Eifer am Glauben ab" – das ist auch eine Art, wie man Aufklärung bezeichnen kann.

Von all der Indoktrinierung und Mission hat der Autor Löbbert anscheinend noch nie was gehört, und von lernresistenten Bischöfen auch nicht. Aus seiner Sicht wolle der moderne Heide nicht diskutieren und nicht herausgefordert werden. Er sei außerdem träge, Wissen sei ihm egal, er interessiere sich nicht für philosophische Theorien und Beweise. Und für die Sinnstiftung der Religion auch nicht.

Anmerkung wissenbloggt: Das ist Sophistik, einfach die Vorwürfe umkehren. Und den Sinn gibt sich jeder selber, entweder direkt, oder indirekt durch die Wahl der Religion. Das scheint dem großen Theoretiker Löbbert nicht klar zu sein.

Er zitiert einen anderen Geistesriesen mit diesem Spruch: Die Erforschung des Universums habe ihm gezeigt, dass die Existenz der Materie ein Wunder ist, das sich nur übernatürlich erklären lasse.

Abschließende Bemerkung wissenbloggt: Das ist also die Zielrichtung, statt beyond god zurück zum Wunderglauben. Wer mit Philosophie und Wissenschaft argumentiert, sollte aber wissen, dass die Wissenschaft auf einer materialistischen Weltvorstellung aufbauen muss. Sie kann doch nicht auf Basis eines Wunderglaubens argumentieren und forschen, der beliebige Natur- und Menschengesetze außer Kraft setzt (außer den Theologen, die können das).

 

Medien-Link:

  1. War between science and religion is far from inevitable (The Conversation 19.11.): In his 2015 book Faith versus Fact, the biologist and polemicist Jerry Coyne launched one of his many attacks on religion in the name of science: science and religion, he wrote, are “incompatible in precisely the same way and in the same sense that rationality is incompatible with irrationality”.
  2. Religion: Atheisten nerven (Zeit Online 14.11., 500 Kommentare, Zahlsperre): Wer heutzutage sagt, dass er an Gott glaubt, wird schnell blöd angemacht. Unser Autor kennt das alltägliche Christen-Bashing und findet es niveaulos.
  3. Wenn Atheisten nerven (pro christliches Medienmagazin 15.11.): Wenn er auf einer Party davon berichte, dass er gläubig sei, ernte er meistens eine Tirade an Anfeindungen, schreibt der Journalist Raoul Löbbert in der Wochenzeitung Die Zeit. Dabei ist er sich sicher, dass es auch für hartgesottene Atheisten Momente gebe, wo sie existenziellen Trost brauchen.
  4. Global Index of Religion and Atheism (WIN-Gallup International 2012)

Götter-Links usw. von wissenbloggt:




Neue Lachnummern aus Genderland


goat-3456117_1280Deutsch kann so schön sein … Damit sind nicht die augenbetörenden Dreifach-sss gemeint, sondern z.B. sowas: (2) Den Gläubigern oder Gläubigerinnen und Schuldnern und Schuldnerinnen des Schuldners oder der Schuldnerin und dem Schuldner oder der Schuldnerin selbst ist der Beschluß besonders zuzustellen.

Ja, da staunt die Ziege (Bild: bradfordhines, pixabay, Text aus 1.). Zum Muttertag gibt's jetzt Glückwunschkarten ohne "Mutter" (Happy You Day, 2.), in Australien stellt man Umtriebe fest, "boy" oder "girl" aus den Büchern zu tilgen (3.), in England sollen schoolboys Röcke tragen (4.), und die Zeichentrickfiguren auf den Paketen mit Frühstücksflocken sollen weg (5.).

Solche Aktivitäten gehen auf Gender-Tabuisierungen zurück, und noch andere: US-College-Studenten dürfen sich ihre eigenen Noten schreiben (6.,7.), eine US-Lehrerin wurde gefeuert, weil sie keine Noten für Nichts geben wollte (8.), und an einer US-Uni wurden safe spaces für weiße Studenten eingerichtet (sie hießen “White Awake” und wurden schnell wieder umbenannt, 9.). Damit die zarten Seelen der Studenten nicht verschreckt werden, soll das Klatschen in Manchester durch Handwedeln ersetzt werden (10.), und bei den Grünen in Meckpomm müssen die Männer vor die Tür, wenn die Frauen über Frauenthemen reden (11.).

Es ist bald so schlimm wie Rauchen. Um die Liste der Gender-Idiotien zuendezubringen: Babys sollen nur noch mit Baby's Zustimmung gewickelt werden (12.), und wem die 60 Genders noch nicht reichen, der soll sich nun noch sein eigenes dazuerfinden (wb-Link 60 Geschlechter und 13.).

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(Bild: OpenClipart-Vectors & Elionas, pixabay, manipuliert von wb)

Die bedenklicheren Meldungen umfassen die Aussage, dass heute der (Gender-)Schein wichtiger ist als das Sein (neue Zählung 1.), sie verweisen auf Modest Fashion (so heißt der gendergerechte Modestil, der eine Diskriminierung Andersgekleideter darstellt, 2.) und einen Link zu einem ketzerischen schwedischen Professor, der seinem Wissen mehr traut als der Gender-Ideologie (3.). Ob das wohl auch so gekommen wäre, wenn es eine Professeuse gewesen wäre?

Ein Lichtblick kommt vom Rat für deutsche Rechtschreibung, der auf einer Tagung beschlossen hat, dass weiterhin keine einheitliche geschlechtergerechte Schreibweise eingeführt werden soll (4.). Der SZ zufolge ist (und bleibt) deutsch eine Männersprache, weil die Normalform die maskuline sei. Sie gelte als "generisch", zum Beispiel in dem Satz: "Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker!"

Na klar, man weiß, dass auch Ärztinnen und Apothekerinnen mitgemeint sind, und – was der SZ entging: Beim Sie sind auch die Ers mitgemeint.

Eine Schieflage, und nicht die einzige. Das Argument kommt aber nur selten zum Tragen: Solange Metoo gegenüber dem muslimischen Machoverhalten blind ist, kann man es nicht ernstnehmen (5.).

Bei wissenbloggt wurde dieser Punkt allerdings schon mehrmals betont. Früher war die Emanzipation ernstzunehmen, aber heute? Seit sie sich Genderproblemen und MeToo widmet, ignoriert sie die krassen Frauenrechtsverletzungen in der islamischen und auch in der hinduistischen Welt (wb-Link Flammentod). Das Projekt Enamzipation wird der Lächerlichkeit preisgegeben. Wer will das noch ernstnehmen?


(Wer weitere Genderkritik lesen möchte, findet sie bei (1.-4., nochmal neue Zählung.)


Medien-Links zu Gender-Lächerlichkeiten:

  1. Gendersprech § 30 Abs. 2 InsO, Original und gegenderte Version aus unbekannter Quelle:
    (2) Den Gläubigern und Schuldnern des Schuldners und dem Schuldner selbst ist der Beschluß besonders zuzustellen.
    (2) Den Gläubigern oder Gläubigerinnen und Schuldnern und Schuldnerinnen des Schuldners oder der Schuldnerin und dem Schuldner oder der Schuldnerin selbst ist der Beschluß besonders zuzustellen.
  2. Mother’s Day cards go gender-neutral (The Times 11.3.): Waitrose is selling gender-neutral Mother’s Day cards as retailers reduce their use of the M-word to make today’s celebration more “transgender inclusive”. The supermarket chain is selling a “Happy You Day” card in its Mother’s Day range in which the word “mother” does not appear.
  3. "It's Ridiculous" – Parents Furious As Australia Seeks To Ban Use Of "Boy" Or "Girl" In Books (Zero Hedge 22.5.): The research suggests educators should “minimise the extent to which gender is labelled” and avoid telling children what girls and boys should do. Parents reacted angrily to the story on social media…
  4. British School Forces Boys To Wear "Gender-Neutral" Skirts Instead Of Shorts (Zero Hedge 4.6.): A private secondary school in Oxfordshire, England is banning its male students from wearing shorts during the summer months, and is instead requesting that they wear a more "gender neutral" ensemble that includes that staple of men's athletic wear: The skirt.
  5. Zeichentrickfiguren auf Frühstücksflocken sollen weg (The European 26.7.): “Befürworter der öffentlichen Gesundheit” wollen gegen eine massive Gefahr vorgehen: Zeichentrickfiguren auf Packungen von Getreideflocken, wie zum Beispiel die der Marke Kellogg’s. Angeblich haben es Tony der Tiger, Sonny der Kuckuck Vogel, Cap’n Crunch oder Graf Chocula alle auf unsere Kinder abgesehen.
  6. Professors allow students to pick their own grade (The College Fix 9.8.): A literature class at Davidson College this fall will use “contract grading,” allowing students to pick ahead of time their grade for the class and the workload they need to complete to earn it.
  7. "Revolutionary" Professors Allow Students To Pick Their Own Grades (Zero Hedge 9.8., Sekundärartikel zu College Fix, Leserstimmen dazu): "I can't wait to read an article (and the calculations) on load bearing bridges about five years from now", und "My Doctoral Thesis: Why A Bridge Should Treat A Semi-Truck The Same As A Tricycle (Because Equality) By Octavia Cortez-The-Killer".
  8. Another Sign America Is Done: Teacher Fired For Refusing To Give 50% Grade To Students Who Didn’t Turn In Their Homework (End Of The American Dream 25.9.): "Bye Kids. Mrs. Tirado loves you and wishes you the best in life! I have been fired for refusing to give you a 50% for not handing anythong in."
  9. University announces “White Awake” safe space for white students (Campus Reform 14.9.): The University of Maryland at College Park announced Friday a new diversity support group to create a “safe space” for white students to discuss their feelings about “interactions with racial and ethnic minorities.” … After publication of this article, University of Maryland-College Park changed the name of the group to "Anti-Racism and Ally Building Group,"
  10. UK University Bans Clapping At Performances To Avoid Triggering Students With Anxiety (Zero Hedge 3.10.): In an attempt to make public performances more "inclusive" for people with "disabilities" like anxiety and other sensory issues, the University of Manchester students' union has voted to ban applause at student union events, and is asking students to use "jazz hands" instead.
  11. Frauenplenum – Männer beim Grünen-Parteitag kurzzeitig ausgeschlossen (Nordkurier 20.10.): Die MV-Grünen haben bei ihrem Landesparteitag für rund zehn Minuten alle Männer ausgeschlossen. Grund war die Einberufung des Frauenplenums, einem Parteitagsgremium. Die Satzung verlangt bei dessen Beratungen, dass alle Männer den Raum verlassen, damit die Frauen nicht beeinflusst werden können.
  12. Baby-Wickeln nur mit Baby-Zustimmung! (atheisten-info.at 23.5.): "Sexualpädagogin will Babys vor dem Wickeln um Erlaubnis fragen". Das meldete die WELT am 23.5.2018, Weiter heißt es über die Ideen von Deanne Carson wie man dem sexuellen Missbrauch von Kindern vorbeugen könnte: "(..) In ihrem Interview im australischen Fernsehen 'ABC News' sagte Carson, dass Eltern ihre Babys von Geburt an um Zustimmung bitten sollten, bevor sie deren Windeln wechseln. Eltern sollten innehalten und mit dem Kind Augenkontakt herstellen und es fragen: 'Ich werde jetzt deine Windeln wechseln, ist das okay?' Ein Video dazu bei YouTube.
  13. Clemson invites students to 'create your own gender' (Campus Reform 16.11.): Have you ever considered creating your own gender? Clemson University students explored this phenomenon by embarking on a “Create Your Own Gender Adventure” workshop on Wednesday.

Medien-Links zu anderen Gender-Nachrichten:

  1. Lost in Space (Clusterfuck Nation–Blog 15.10.): We’re now a nation consumed by make-believe, in which you can declare anything you want about yourself and insist that everyone else agree that it is so. If I identify this way, you must believe me!
  2. Nichts für Schlampen (Der Bund 9.9.): Modest Fashion ist ein neuer Begriff in der Mode. Frauen werden damit in anständig und unanständig eingeteilt – und niemand stört sich daran.
  3. "Transphobic" Swedish Professor May Lose Job After Noting Biological Differences Between Sexes (Zero Hedge 20.9.): He was asked to distance himself from two specific comments; that gay women have a "male sexual orientation" and that the sexual orientation of transsexuals is "a matter of definition."
  4. Gendergerechte Sprache – Ein amtliches Pflaster kann den Makel des Deutschen nicht zukleben (Süddeutsche Zeitung 16.11.): Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat getagt und beschlossen, dass es nichts zu beschließen gibt. Es wird weiterhin keine einheitliche geschlechtergerechte Schreibweise geben.
  5. Sexuelle Belästigung: #MeToo war erst der Anfang (Zeit Online 5.10., 310 Kommentare): Was hat sich ein Jahr nach Beginn der #MeToo-Debatte für Frauen in Deutschland verändert? – Leserkommentar: Solange Metoo gegenüber dem muslimischen Machoverhalten blind ist, kann man es nicht ernstnehmen.

Medien-Links zu Gender-Kritik:

  1. Genderwahnsinn – Verlieren Genderkritiker den Kampf gegen die Genderideologie? (Philosophia Perennis 24.4.): Die Erfolge der Genderideologie sind überwältigend. Wer hätte noch vor 20 Jahren gedacht, dass es eine Ideologie mit einer wissenschaftlich unhaltbaren Kernaussage zu mehr als 200 Lehrstühlen und Universitätsinstituten bringen könnte?
  2. Gendern – Meine Gedanken zu einem Streitthema (Robin Thiedmann bei Facebook 25.6.): Gendern löst keine tatsächlichen Probleme. Die zugrundeliegenden Theorien sind haltlose, dystopische Wunschvorstellungen, um einen ideologisch angetriebenen “Kampf der Geschlechter” zu stilisieren. Die Forschungsbereiche sehen sich als “feministische Wissenschaften” und sind Munitionsliferanten in diesem Kampf, statt objektive Prüfstellen. Die sozialkonstruktivistische These lässt sich empirisch nicht bestätigen.
  3. There’s a problem with the LGBT rights movement – it’s limiting freedom (The Conversation 17.9.): Can true freedom and humanity be acquired through the mimicking of heterosexual lives?
  4. Jordan Peterson: Mythos Tabubrecher (Zeit Online 13.8., 820 Kommentare): Ein Leserkommentar: Political Correctness ist zusammen mit ihren Kindern, Identitätspolitik, safe space, cultural appropriation, toxische Maskulinität etc. zu einem umfassenden autoritären, antiliberalen, bigotten, scheinintellektuellen sprachlichen und geistigen Zensursystem verkommen, das sich nicht mehr auf die einstmalige Basisidee, eine zivilisierte Debatte zu befördern, berufen kann.

Links von wissenbloggt:

 




Der Sündenfall von Frank Sacco


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Frank Sacco, Doktor der Medizin, schreibt über das "göttliche KZ Hölle" und seine Theorie zur Sündenfallgeschichte. Er bezieht sich auf die Ausgabe von chrismon vom 8.10. Die Kirchenzeitschrift wird von der EKD mit jährlich 4 Millionen Euro subventioniert und erreicht hauptsächlich als Beilage von Zeit, SZ usw 1,6 Millionen Leser (Bild: Sacco).

Der Sündenfall   von Frank Sacco

Er wird heute im Kirchenblatt „chrismon“ diskutiert. Herausgeber Dr. Bedford-Strohm. Er ist der Chef der Evangelischen Kirchen Deutschlands, der EKD.

Man muss ein Kind nicht täglich sexuell oder seelisch vergewaltigen, um es als Kirche grundsätzlich gesundheitlich zu schädigen. Das göttliche KZ Hölle muss gar nicht explizit erwähnt werden. Beeindruckt durch meine  diesbezüglichen Angriffe auf die Kirchen äußerte vor Jahren Bischof Zollitsch, die katholische Kirche wolle dieses KZ lieber  nicht mehr „thematisieren“. Das  ist auch nicht nötig. Das macht schon die Presse, das machen schon  die Medien. Doch ohne einen im kollektiven Unbewussten wütenden Rachegott, das weiß oder ahnt man als Kirche, kann man einpacken.

Sehr früh muss man allerdings damit anfangen. Mit „Dreijährigen“ im „Hauptgottesdienst“, also vor dem Einsetzen einer Kritikfähigkeit. Das schreibt uns Erzbischof Becker, Paderborn. Ich habe ihn wegen Kindesmisshandlung  angezeigt. Heute, am 1.10.2018, gibt es einen Artikel im chrismon, dem „Evangelischen Magazin“ über den Sündenfall. Setze man sich über ein Gebot Gottes hinweg, werde man „nicht glücklicher“. Da wird Gott strafend einschreiten. Leider straft er verbrecherisch, ja in der Tat oft schlimmer als der Diktator aus Braunau am Inn.  Hitler ist also noch zu toppen.

Der Christengott schickt auch harmlosen und lieben Schwangeren „schmerzhafte Schwangerschaften und Geburten“ als Strafe innerhalb der „Erbsünde“.  Er schickt auch „Dürren“ und „Hunger“ (statt Manna), so chrismon, wobei er sich auch nicht um qualvoll millionenfach verhungernde unschuldige Kinder in Afrika schert. Er, der selbst kein Gewissen hat, schickt  „Krankheiten“, auch qualvolle Krankheiten. Und diese  auch völlig sündenfreien Babys und Säuglingen. Und er schickt ihnen den „Tod“, mag er für die Kleinen auch noch so qualvoll sein. Und wenn er nichts persönlich schickt, so verhindert er es auch nicht – als Allmächtiger.

Dass die Welt so viele „unerträgliche Seiten“ aufweise, resultiere also „letztlich aus dem Eigensinn der Menschen“, so heute zu lesen im chrismon. Der Gott der Christen will demnach keinen „Eigensinn“. Den beansprucht er für sich. Er will uns als Marionetten. Wir sind also selbst schuld daran, einen Hitler als Gott zu haben. Es geschieht im Austausch gegen einen Apfel. Wir nehmen einen Apfel und bekommen dafür einen Hitler. Soweit die heutige Morgenlektüre.

Der eigentliche Sinn der Story: man soll die „christliche“ Religion begreifen: Selbst die allerkleinsten Sünden, hier ein Apfelklau, ziehen allergrößte göttliche Strafen nach sich. Man will Kadavergehorsam. Kadavergehorsam in Sachen Religion und Kirche. Das Resultat dieser Kirchenpolitik: Ein Sacco Syndrom verschiedenster Ausprägung: Perfektionismus und Migräne. Etliche tauchen auch endgültig ab: in eine Schizophrenie. Sie halten einen Hitler als Gott nicht aus. Wieder andere werden depressiv oder süchtig, wie Sigmund Freud es wurde.  Sich aufzuhängen bringt dagegen nicht viel: Die Hölle warte ja dann umso mehr und in umso härter Ausprägung, so das Dogma. Es ist übrigens nach §166 StGB Gotteslästerung, Kindern so einen Gottesbild  vorzusetzen.

Entstanden ist die Sündenfallgeschichte so: Frühere Herrscher waren gleichzeitig Götter. Sie machten sich zu Göttern. Und sie hatten einen Apfelbaumgarten. Ohne Maschendrahtzaun herum. Der Maschendrahtzaun ist erst eine Erfindung der Eisenzeit. Klaute jemand einen Apfel, wurde er erst im Beisein des Volkes gefoltert und dann geköpft. Denn der Gott hatte begreifliche Sorge, der Dieb würde in Zukunft Gravierenderes klauen, würde man ihn nicht köpfen. Er hatte da Angst um sein Haus und seinen Harem. Früher hatten es ja die Götter noch mit Sex. Ja sie konnten oft nicht genug davon bekommen. Ob der Christengott jemals Sex hatte, darüber schweigt er sich ja aus. Auch in den Zwiegesprächen mit seinen Päpsten. Doch statt Sex zu machen kann er zum Entsetzen unserer Kinder anderes: Gedanken lesen und diese Gedanken mit der ewigen Hölle bestrafen.

 

Frank Sacco ist Autor von Das Sacco Syndrom und Autor der Bücher

Weitere Artikel von Frank Sacco, speziell zu Sünden




Nach UN-Migrationspakt kommt UN-Flüchtlingspakt


horn-41940_1280Die Heimlichkeiten hören nicht auf. Wer hat mitgekriegt, dass die UN nach dem Migrationspakt noch einen Flüchtlingspakt planen? Schon vom Migrationspakt wusste kaum jemand, und der Flüchtlingspakt wurde noch besser versteckt. Allein wegen der Heimlichtuerei ist ein Alarmsignal fällig (Bild: Clker-Free-Vector-Images, pixabay).

Letzte Woche (13.11.) wurde über die Resolution zum Flüchtlingspakt (1.) in der UN abgestimmt. 176 Staaten, darunter alle EU-Staaten incl. Deutschland stimmten zu, 13 Staaten nahmen nicht teil, 3 Staaten enthielten sich, und die USA lehnten die Resolution ab. Hier liegt dasselbe Prinzip zugrunde, das auch beim Migrationspakt (2.) herrscht: Der Pakt ist "nicht verbindlich", und er wird nicht im Parlament, geschweige denn öffentlich diskutiert.

Diskussionen gibt es nur, wenn die Information aus Versehen publik wird, z.B. jetzt bei Cicero (3.). Der demokratische Souverän ist nicht gefragt, er wird vor vollendete Tatsachen gestellt. Was Wunder, wenn bei derartigen Verfahrensweisen sogar die besten Pakte anrüchig wirken. Ob der Flüchtlingspakt zur guten Kategorie gehört, ist natürlich noch die Frage.

Im Grunde hört sich die Zielsetzung ganz gut an (1., Punkt 7.): Die Ziele des Globalen Paktes als Ganzes bestehen darin,
i) den Druck auf die Aufnahmeländer zu lindern,
ii) die Eigenständigkeit der Flüchtlinge zu erhöhen,
iii) den Zugang zu Drittstaatenlösungen zu erweitern und
iv) in den Herkunftsländern Bedingungen für eine Rückkehr in Sicherheit und Würde zu fördern.

Zur Erreichung dieser vier miteinander verknüpften und interdependenten Ziele sollen der politische Wille mobilisiert, die Unterstützerbasis erweitert und Regelungen getroffen werden, die ausgewogenere, nachhaltigere und berechenbarere Beiträge seitens der Staaten und anderen relevanten Interessenträger ermöglichen.

Ein paar weitere Stellen seien herausgegriffen – unter Regelungen zur Lasten-und Verantwortungsteilung steht dann als Punkt 14.: Die Länder, die Flüchtlinge aufnehmen und unterbringen, oftmals über einen längeren Zeitraum hinweg, leisten im Rahmen ihrer eigenen begrenzten Mittel einen enormen Beitrag zum Gemeinwohl, ja zur Menschlichkeit. Daher ist es unerlässlich, dass diese Länder zur Bewältigung der Aufgabe an vorderster Front greifbare Unterstützung von der internationalen Gemeinschaft als Ganzes erhalten.

Unter Neuansiedlung steht als Punkt 90.: Die Notwendigkeit, ein positives Klima für Neuansiedlungen zu fördern und die dafür nötigen Kapazitäten zu stärken sowie den Bestand an Neuansiedlungsmöglichkeiten zu erweitern, kann nicht genug betont werden.

Unter Lösungen steht in Punkt 85.: Die Beseitigung tieferer Fluchtursachen ist das wirksamste Mittel, um Lösungen zu erreichen.

Reflektion

Was dabei auffällt, sind die Worte, in die das "hohe Flüchtlingskommissariat" sein Begehren kleidet. Es heißt "unerlässlich", es wird die "Notwendigkeit betont" – fehlt bloß noch "alternativlos". Keine Rede von einer Bitte um Hilfe oder einer Nachfrage, Lasten zu übernehmen.

Das hohe Kommissariat sieht es offenbar als sein Recht an, die Flüchtlinge zu verteilen. Lastenteilung geht bei ihm immer mit Verantwortungsteilung einher, womit eine Verantwortung für die Lastenübernahme insinuiert wird.

Der Punkt Neuansiedlungen ist besonders krass, weil er Neuansiedlungen einfach als gegeben hinnimmt. Die UN spezifizieren keine Länder namentlich, sie wollen bloß ein "positives Klima" dafür schaffen.

Die tieferen Fluchtursachen kann man übersetzen mit Ursachen aller Art für Migration. Es kommt dem Kommissariat offenbar nicht in den Sinn, dass auch die von ihm geforderte Vollversorgung samt Neuansiedlungsplatz eine erstklassige Fluchtursache für die Armen der Welt darstellt.

Im Flüchtlingspakt fehlt wieder jegliches Hinterfragen der Flucht. Es geht ja nicht wirklich um Flüchtlinge im herkömmlichen Sinn, sondern um sämtliche Migranten, auch wenn das nur im Migrationspakt (2.) exlizit ausgesprochen wird. Wie der Migrationspakt vertritt auch der Flüchtlingspakt (3.) unausgesprochenermaßen die Vorstellung von der Migration als Menschenrecht, als etwas, das gefördert, ermöglicht und geschützt werden muss. Im Grunde arbeiten die UN daran, die Grenzen weltweit zu schleifen.

Sie tun so, als müssten bloß die hohen Kommissare kommen und das alles richtig organisieren, und dann ist allen geholfen. Pustekuchen. Damit die einen was kriegen können, müssen die anderen was geben. Diese Tatsache wird hier weggeschwurbelt.

Man kann doch nicht so tun, als ginge es um reguläre Immigration, wo die Immigranten den Einwanderungsländern Nutzen bringen. Die Realität in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Belgien, Schweden … zeigt deutlich, dass es bei der unkontrollierten Immigration um eine Umverteilung an selbstausgewählte Privilegierte geht.

Was von der "Unverbindlichkeit" der Pakte zu halten ist, wird z.B. im wb-Artikel mit den verheerenden Signalen diskutiert. Was da über den Migrationspakt steht, gilt für den Flüchtlingspakt genauso.

Den UN geht es um den "politischen Willen" der "Staaten und anderen relevanten Interessenträger". Für den Willen der Betroffenen soll nur ein "positives Klima" geschaffen werden. In puncto Flüchtlingshilfe wird jeder Klacks bedacht und geregelt, in puncto demokratischer Legitimierung fehlt der leiseste Ansatz.

Demokratie ist aber, wenn die Leute gefragt werden (und die Mehrheit der Vereinten Nationen sind Demokratien), und nicht, wenn sie manipuliert werden. Wenn ein demokratischer Anspruch gelten soll, müssen die Betroffenen abstimmen dürfen. Redlicherweise darf sowas nicht hinter ihrem Rücken und über ihre Köpfe hinweg beschlossen werden, sonst machen sich die UN zum Statthalter der Diktatur. Erstaunlich, dass solche Selbstverständlichkeiten überhaupt erwähnt werden müssen.

Nachtrag 25.11. aus den Kommentaren: Wo bleibt der Pakt für das Zuause (wieder) aufbauen und weniger Kinder kriegen?

 

Medien-Links:

  1. Globaler Pakt für Flüchtlinge (UN-Generalversammlung 2018)
  2. Globaler Pakt für eine sichere, geordnete und reguläre Migration (UN-Generalversammlung 30.6.18)
  3. Globaler Flüchtlingspakt der UN – Das Dokument im Wortlaut (Cicero 17.11.): Nach dem Migrationspakt planen die Vereinten Nationen ein weiteres Abkommen. Schon der Migrationspakt hatte hitzige Debatten ausgelöst. Was steht im Flüchtlingspakt?

Links zu Artikeln von wissenbloggt:

 




Philosophie: Gibt es einen unfreien Willen?


choice-3274959_1280Zur Begründung des unfreien Willens werden allerlei Anstrengungen unternommen, die oft Züge von Sophistik aufweisen. Gibt es wirklich nur die eine Möglichkeit? (Bild: geralt, pixabay+wb).

Aus dem Standpunkt der Freier-Wille-Leugner ist ja schwer zu erklären, warum man sich mit dem Willen überhaupt argumentativ abgeben sollte, wo man doch eh nix entscheiden kann und quasi vollautomatisch funktioniert. Im Detail sind die Ansichten aber durchaus unterschiedlich, was denn nun der Wille sei, und darum geht es in diesem Artikel.

Wille aus Makrosicht als Freiraum

Um die Problemzonen lokalisierbar zu machen, sollen erstmal die einschlägigen Kategorien hingeschrieben werden, und das wären mit zunehmender Relisierungstendenz Wünschen, Wollen und Handeln. Die Sprache drückt das sehr schön mit dem Konditional aus: Ich wollte … ist bloß ein Wunsch, während Ich will … auch eine Realisierungsabsicht enthält. Wichtig ist der Freiraum, der den Kategorien zugeordnet ist. Der ist hier aus der Sicht des Freier-Wille-Besitzers skizziert.

Kategorie Beschreibung Freiraum

… ich wünschte

WÜNSCHEN

… ich wünsche

Hypothetische Wünsche sind der Realisierung am fernsten. Widersprüchliche Wünsche sind deshalb kein Problem, sie drücken keine Handlungsabsicht aus, sondern sie weisen nur einen Gefühlswert zu. Der Wünschefreiraum (oder Gedankenspielraum) ist nur durch die Phantasie beschränkt und daher sehr groß. "Die Gedanken sind frei."

… ich wollte

WOLLEN

… ich will

Im Konditional ist das Wollen etwa geichbedeutend mit dem Wünschen. Ansonsten gibt der Wille dem Gefühlswert eine Handlungsabsicht bei. Der Willensfreiraum wird eingegrenzt durch Zwänge oder durch Lernen (z.B. Indoktrinierung), aber auch erweitert (z.B. durch gute Erziehung, Emanzipation oder Aufklärung). Im Willensfreiraum herrscht die Willensfreiheit.

… ich täte

HANDELN

… ich tue

Handeln im Konditional ist etwa das Gleiche wie Wollen. Sonst wird hier die Handlungsabsicht in die Tat umgesetzt, man tut was. Der Handlungsspielraum hat mehr Restriktionen und Zwänge (durch Wissen, Können, Lebensumstände) als der Willensfreiraum. Nicht jeder Wille wird durch Handlungen realisiert.

Hier kann jeder selber verorten, wo für ihn die Unfreiheit einsetzt. Wer schon die Wünsche für unfrei erklärt, nimmt gewiss eine extreme Position ein. Wer nur den Willen für unfrei hält, der sieht einen leeren Willensfreiraum. Viele setzen wohl den Handlungsspielraum mit dem Willensfreiraum gleich, um zum Verdikt "unfrei" zu kommen. Hier wird aber der Standpunkt vertreten, dass alle 3 Ebenen frei sind, von oben nach unten allerdings zunehmend durch Restriktionen und Zwänge eingeschränkt.

Wille als Produkt der eigenen Entscheidungsverarbeitung

Zur Definition, was als Wille angesehen wird, werden die typischen Ausprägungen des Willens bzw. die Entscheidungstypen in der Ich-Perspektive aufgelistet. Am Ende zeigt sich, dass diese Entscheidungsformen alle einen Bestandteil des Willens bilden.

Nr Entscheidungstyp Beschreibung
0 vegetative Entscheidung oder Zwang Gehört auch zum Bereich Entscheidung, kann aber nicht zum Willen gerechnet werden. Vorschlag: "Entscheidungsproduktion" statt "-verarbeitung".
1 unbewusste Entscheidung Ich gehe an einem Stein links vorbei und nicht rechts. Diese Entscheidung fällt mein Hirn so leicht, dass nicht mal das Bewusstsein tangiert wird. Warum gehe ich links vorbei? Es ist mein Wille. Es ist nicht der Wille von jemand anders, es ist kein Zufall, sondern das Produkt meiner eigenen Entscheidungsverarbeitung.
2 kleine Entscheidung Der Stein ist so sperrig, dass ich kurz überlegen muss, rechts oder links. Mein Hirn braucht nur einen Moment für diese Entscheidung, und ich treffe sie bewusst. Da äußert sich mein Wille.
3 große Entscheidung Ich muss eine wichtige Entscheidung fällen und überlege hin und her, ich wäge ab und berücksichtige die Randbedingungen. Mein Bewusstsein ist elaboriert mit der Entscheidung befasst, ich stoße sie mehrmals um, und am Ende wähle ich womöglich spontan eine ganz andere Möglichkeit aus. Da zeigt mein Wille, was er alles kann.

Entscheidung auf Mikroebene als Produkt der Quantensprünge

Zur Definition der Willensfreiheit wird die Frage bemüht, könnte ich mich in der gegebenen Situation anders entscheiden? Das ist äquivalent mit der Vorstellung, die Szene läuft nochmal mit identischen Ausgangsbedingungen ab und der Frage, kann die Willensentscheidung dann anders ausfallen?

Die Antwort ist Ja. Man kann nicht garantieren, dass sie wieder genauso ausfällt. Dazu müsste die Welt vollständig deterministisch sein, und das ist sie nicht. Schon nach Sekundenbruchteilen würde der intrinsische Quantenzufall die Abläufe auf der Mikroebene anders gestalten, und irgendwann schlagen diese Änderungen in die Makroebene durch. In labilen Situationen reicht ja eine winzige Fluktuation, um den Lauf der Welt zu ändern (Schmetterlingseffekt, wb-Links Freier Wille). Das gilt nicht nur für den Willen, sondern für alles, was da schaltet und waltet, also auch für den Fall 0 und überhaupt für die ganze Welt.

Die Wahrscheinlichkeit von merkbaren Änderungen hängt natürlich davon ab, wie weit man bei der hypothetischen Wiederholung in der Zeit zurückgeht. Eine Mikrosekunde reicht vielleicht nicht, während ein Tag vielleicht zu viel Änderungen bringt, um die Szene überhaupt wiedererscheinen zu lassen (dazu das wb-Gedankenexperiment).

Angenommen, man findet das richtige Zeitintervall für merkbare Änderungen, dann dürften die Fluktuationen besonders im Fall 3 verhindern, dass alles nochmal ganz genauso abläuft, weil doch feinste Nuancen abgewogen werden, wo die Entscheidung ganz knapp ausfällt. Die labilen Situationen werden treffen bezeichnet mit "Die Entscheidung steht auf der Kippe". Entsprechendes könnte auch für spontane Entscheidungen gelten, die möglicherweise direkter auf den Quantenzufall zurückgehen. Es ist ja nicht mal bei 1 und 2 garantiert, dass wieder derselbe Weg am Stein vorbei gewählt wird.

Die Willensentscheidung in einer gegebenen Situation kann jedenfalls definitiv anders ausfallen. Die Physik steht dafür, dass der Willensfreiraum nicht leer sein kann, auch wenn gewisse Neurologen das nicht wahrhaben wollen (wb-Link Unfreier Wille). In der Konsequenz heißt das, es gibt keinen unfreien Willen.

Die bessere Fragestellung ist also die von diesem Artikel: Gibt es einen unfreien Willen? Und nicht die meistens gebrauchte: Gibt es einen freien Willen?

Wenn es keinen unfreien Willen gibt, muss im Umkehrschluss der Wille frei sein (wenn es denn einen Willen gibt, aber das wird wohl kaum bestritten). Damit wäre belegt, dass die die Entscheidungen frei sind – natürlich innerhalb des Willensfreiraums. Und weil es keinen unfreien Willen gibt, ist Wille synonym zu Freiem Willen.

Der Freie Wille emergiert aus den Quantenereignissen, und einen anderen Willen als den Freien Willen gibt es nicht.


(Geringfügig überarbeitet am 18. und 19.11.18.)


Links von wissenbloggt dazu:

 




Armutsberichte: Die Ungleichung geht nicht auf


discount30-2789868_1280Früher gab es Sonderangebote bei den Gütern, die verkauft wurden. Jetzt werden die Normalverbraucher selber zu Sonderangeboten. Das ist die Botschaft hinter den Armutsberichten, die wieder mal im Schwange sind (Bilder: MarcoRoesler, pixabay, "100%" von wb).

Die Zahlen sind nicht gut. Mehr als 2 Millionen Minderjährige sind von Armut betroffen. 1,2 Millionen Berufstätige müssen mit Hartz IV aufstocken (1.). Berlin und Bremen bleiben "die Armenhäuser Deutschlands". 40% der Einelternfamilien sind betroffen; jedes dritte arme Kind hat ausländische Eltern. In der übrigen Bevölkerung ist jeder achte Minderjährige arm. Weitere Zahlen sieht man in dem Sozialbericht 2018 (2.).

discount60-2789874_1280 Entsprechendes entnimmt man Artikeln (3.), die auf dem WSI-Verteilungsbericht 2018 basieren (4.). Der Sozialbericht 2017 sagt auch nicht viel anderes (5.). Nach Befragungsdaten aus dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) muss rund jeder 8. aus der Erwerbsbevölkerung dauerhaft unter prekären Bedingungen leben, das sind gut 12% der Erwerbsbevölkerung bzw. gut 4 Millionen Menschen. Prekäre Umstände, das heißt: Job ohne Perspektive, zu wenig Einkommen, mangelhafte soziale Absicherung, und das über Jahre (6.).

discount90-2789877_1280Wie sich die prekären Verhältnisse auch auswirken, zeigt die Statistik der Stromabschaltungen (7.). 344.000 deutsche Haushalte wurden mit Stromsperren belegt, 14.000 mehr als im Vorjahr. Sogar drüben in den USA ist die Hälfte der unter 18-Jährigen unterstützungsbedürftig (51,7%, 8.). Zeit für die Frage, existiert ein verfestigtes Prekariat? (9.). Eine etwas ältere Statistik zeigt ein Auf und Ab bei Unterschicht und Oberschicht (10.)., ansonsten geht der Trend klar zur Ausweitung der Unterschicht und zum Reicherwerden der Oberschicht.

Das ist (nicht nur) das Produkt von 13 Jahren Merkel-Regierung. Die Einkommensschere öffnet sich weiter, die Lebenswelten von Armen, Mittelschicht und Reichen fallen immer weiter auseinander, oder mit Merkels Worten: "Nie ging es den Deutschen so gut wie heute".

Dieser sarkastische Spruch stammt aus dem Leserforum der Zeit (4.). Dort finden sich auch andere gute Argumente. Demnach ist es nichts Neues, dass bildungsferne Familien immer mehr abgehängt werden. Das habe aber nichts mit den ausbeuterischen Reichen zu tun, sondern mit der Tatsache, dass immer mehr Menschen hier leben die in der modernen Arbeitswelt nicht mithalten können und bei denen es selbst an den Grundlagen wie der Sprache und Schulbildung fehlt.

Das sind natürlich vielfach Ausländer, weshalb viele Foristen den Anstieg der Armut auch auf den Zuzug der Flüchtlinge zurückführen möchten. Andere finden diese Denke erbärmlich. Nur ist das Argument nicht von der Hand zu weisen, dass man mit 50 Millarden Euro die Armut in Deutschland schon recht wirksam bekämpfen könnte (oder wie auch immer die Kosten für die Flüchtlinge sind; in dem Fall wäre abzuziehen, was die entsprechende Hilfe vor Ort kosten würde).

Ein weiteres Argument kann Logik für sich beanspruchen:Wenn die Linken (und Grünen) Armutsmigration befürworten, gibt es automatische eine Spreizung der Ungleichheit. Das dann mit noch mehr Belastung der arbeitenden Bevölkerung zu bekämpfen, sei die falsche Richtung, das zieht die ja noch weiter runter.

Überhaupt haben sich die Verhältnisse geändert. Früher war es breiten Schichten möglich, Familien zu gründen und Häuser zu bauen. Aus eigener Kraft ist das nun kaum mehr machbar, selbst wenn beide Verdiener Akademiker mit vermeintlich guten Gehältern sind.

discount100-2789863_1280Das ist ja die Crux, dass die Gehälter kaum mehr für all die Nebenkosten und den Aufbau reichen. Das sollen die Preisetiketten symbolisieren: Die Arbeitskraft wird immer mehr verramscht. Ob sie irgendwann wirklich 100% vom Einkommen abschreiben muss? Man wird sehen. Hauptsache für die Boni ist gesorgt (11.).

 

Medien-Links:

  1. Verfestigte Kinderarmut (junge Welt 15.11.): Neuer Report: Mehr als zwei Millionen betroffene Minderjährige. 1,2 Millionen Berufstätige müssen mit Hartz IV aufstocken
  2. Datenreport 2018 Ein Sozialbericht für die Bundesrepublik Deutschland (Bundeszentrale für politische Bildung): Doch eines von sechs Kindern wächst bei einem alleinerziehenden Elternteil auf und jedes elfte Kind lebt in einem Haushalt, in dem niemand erwerbstätig ist.
  3. DAUERHAFTE ARMUT UND VERFESTIGTER REICHTUMWSI-Verteilungsbericht 2018 (WSI 11/18): Vor allem Armut hat in sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verfestigt, aber auch Reichtum wird immer dauerhafter.
  4. WSI-Verteilungsbericht: Soziale Spaltung in Deutschland nimmt weiter zu (Zeit Online 5.11., 1100 Kommentare): Die Mittelschicht ist geschrumpft, zeigt der Verteilungsbericht des WSI. Das liege daran, dass es mehr Menschen mit geringem und mehr mit sehr hohem Einkommen gebe.
  5. Sozialbericht 2017 (Bundesministerium für Arbeit und Soziales)
  6. Rund jede und jeder achte in der Erwerbsbevölkerung muss dauerhaft unter prekären Bedingungen leben (scharf links 20.10.): Rund jede und jeder achte in der Erwerbsbevölkerung muss dauerhaft unter prekären Bedingungen leben. … In der Erwerbsbevölkerung leben gut 12 Prozent oder gut vier Millionen Menschen dauerhaft in prekären Umständen. Das heißt: Job ohne Perspektive, zu wenig Einkommen, mangelhafte soziale Absicherung, und das über mehrere Jahre. … Befragungsdaten aus dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP)repräsentative Angaben von fast 10.000 Personen …  die im Beobachtungszeitraum von zehn Jahren mindestens einmal erwerbstätig waren. Der Untersuchungszeitraum reicht von 1993 bis 2012.
  7. Blackout für 344.000 Haushalte (junge Welt 12.11.): 2017 wurden in Deutschland 14.000 Stromsperren mehr exekutiert als im Jahr zuvor.
  8. The Welfare Generation: 51.7% Kids in 2017 Lived in Households Getting Govt Assistance (CNSNews 8.11.): Among American residents under 18 years of age in 2017, according to the Census Bureau, 51.7 percent lived in households in which one or more persons received benefits from a means-tested government program.
  9. Existiert ein verfestigtes „Prekariat“? (Hans Böckler Stiftung 09/18): Prekäre Beschäftigung, ihre Gestalt und Bedeutung im Lebenslauf und die Konsequenzen für die Strukturierung sozialer Ungleichheit.
  10. Relative Einkommensposition (Bundeszentrale für politische Bildung 27.9.13):
    1992: 20,3% Unterschicht, 17,0% Oberschicht (nach Wiedervereinigung)
    1998: 17,5% Unterschicht, 17,9% Oberschicht (Ende schwarz-gelbe Kohl-Ära)
    2005: 22,3% Unterschicht, 18,3% Oberschicht (Ende Rot-Grün)
    2009: 22,3% Unterschicht, 18,8% Oberschicht (Ende erste Groko der Neuzeit)
    2011: 21,4% Unterschicht, 18,4% Oberschicht (Mitte Schwarz-Gelb)
  11. Everyone On Wall Street Is Getting Bigger Bonuses This Year (Zero Hedge 12.11.): Here is how the report estimates that bonuses will rise across Wall Street:
    Equities sales and trading:                      5-20%
    Private equity:                                            5-10%
    Investment banking underwriting:        5-10%
    Corporate Management:                          5-10%
    Hedge Fonds and asset management       5%

Links von wissenbloggt:

 




Der eigentliche Diesel-Skandal ist ganz anders


smoke-1162281_1280Viele Menschen wundern sich, dass es die Dieselkrise offenbar nur in Deutschland gibt. Das hat seinen Grund nicht in der Technik, sondern in der Politik: Bei der vorliegenden Konzentration ist NOx für den Menschen bedenkenlos. Die deutsche Politik macht uns einen blauen Dunst vor (Bild: maxkonoxvill, pixabay).

Wie übel diese Vernebelung ist, wurde jetzt in einem Zeit-Artikel offengelegt (1.). Da kommen kaum glaubliche Zustände ans Licht. Natürlich gab es genug Hinweise auf die Manipulation, die dahinter steckt, und der Kenntnisstand hat sich längst von der Panikmache entfernt, wie sie z.B. bei (2.) betrieben wird: In der EU der 28 wurden demnach 28.456 Tote dem Auto-NOx zugeordnet – höchst verdächtig diese exakte Zahl.

So gab es denn auch die Stimme der Wissenschaft, die entwarnte (3.), und auch anderswo wurde Kritik an den Grenzwerten laut (4.). Wie schadstoffbelastet die Diskussion ist, zeigen die Links zu Spektrum, nach dem die LKWs maßgeblich für die Belastung verantwortlich sind (5.), und zum Bundes-Umweltamt, nach dem es die Diesel-PKWs sind (6.).

In so einer unklaren Situation gehört schon eine gepflegte Ignoranz dazu, die Grenzwerte strickt zu handhaben und Fahrverbote darauf zu gründen (7.,8.). Es ist ja nicht so, wie es viele Menschen stillschweigend voraussetzen, nämlich dass die NOx- und auch andere Grenzwerte irgendwie objektiv gegeben wären. Nein, das ist nicht der Fall. Die Grenzwerte sind willkürlich festgesetzt und können genauso willkürlich etwas höher oder niedriger angesetzt werden.

Und wie fahrlässig die Festsetzung der Grenzwerte passierte, das ist angesichts der gezogenen Konsequenzen ein veritabler Skandal. Dem Zeit-Bericht entnimmt wissenbloggt eine atemberaubende Story von politischer Inkompetenz und Ignoranz. Der Untertitel der Zeit sagt es schon, der Grenzwert 40 µg für NOx in der Luft ist aus der Luft gegriffen.

Da geht es um die EU-Richtlinie 1999/30/EG von 1999, und die Geschichte dieser Richtlinie ist nicht bloß bizarr, wie die Zeit sagt (1.), sie ist skandalös.

Es ging los mit der Richtlinie für Luftqualitätsnormen für Stickstoffdioxid von1985. Die legte 200 µg pro m3 übers Jahr gemittelt als Grenzwert fest. Und der Wert sollte an den wissenschaftlichen Fortschritt gekoppelt werden, und zwar nach den Ergebnissen der Weltgesundheitsorganisation WHO.

Diese WHO hatte damals einen guten Ruf (durch den Sieg über die Pocken). Aber die Experten kamen mit der Beurteilung der NO2-Schadenswirkung nicht voran (anders als etwa bei SO2). Die Abgasfilter in den Kraftwerken und die Katalysatoren in den Autos wirkten, es gab keinen sauren Regen mehr, und die evtl. Reizung der Atemwege durch Irritation der Schleimhäute hielt sich in Grenzen. Sie hatte vor allem keine bleibenden Auswirkungen. NOx gelangt nicht ins Blut, und ob das Quantum von 200 µg überhaupt schädlich ist, stand zur Diskussion.

Bis heute gibt es keine eindeutigen Forschungsergebnisse. Zu viele Faktoren überlagern sich, und zu viele andere Stoffe sind richtig schädlich. Verkehrsabgase bestehen nicht nur aus NOx, sonderen aus einer Vielzahl von Stoffen, die auch von Benzinmotoren, vom Brems- und Reifenabrieb erzeugt weren. Auch Stress und Lärm gehen als Belastungsfaktoren ein.

Aus diesen Gründen lehnte eine Expertengruppe der WHO 1995 die Berechnung von NOx-Grenzwerten ab. Auch die US-Umweltbehörde schloss sich an, mit dem Verdikt, unter 100 µg NOx seien keine Langzeiteffekte erkennbar.

Die EU wollte es besser wissen. Nachdem sie 1993 die Festlegung langfristiger Luftqiualitätsziele beschlossen hatte (incl. NOx), wollte sie der EU-Richtlinie 1999/30/EG gemäß die WHO-Werte übernehmen. Aber die lagen bei 150 µg, nicht viel unter den geltenden 200 µg. Die WHO stellte in der Folge eine Arbeitsgruppe zusammen, um wissenschaftliche Grundlagen für neue Grenzwerte zu erarbeiten.

Angesichts der widersprüchlichen Datenlage aussichtslos. Die Forscher stützten sich auf Metaanalysen, die leider nicht das Gewünschte hergaben; zu verschieden, zuviele andere Faktoren. Es gab keine schlüssigen Ergebnisse. Im Endeffekt schrieben die WHO-Forscher bei einem Bericht der US-Umweltbehörde ab. Der hatte allerdings das Ergebnis, dass die Daten keine signifikante Abhängigkeit zeigten – die WHO-Wissenschaftler standen im "wissenschaftlichen Niemandsland".

Auch aus den Studien der Metaanalyse ergaben sich keine geeigneten Grenzwerte. Als Beispiel für die Streubreite werden die Messungen von Gasherden genannt, die 8-2500 µg ergaben. Das gibt nichts her. So griffen die WHO-Leute zur Daumenpeilung, sie schätzten 40 µg als zusätzliche Belastung vom Gasherd – und das war nun der Richtwert.

Fehler 1: Bis heute gibt es keinen Beleg dafür, dass die 40 µg irgendwelche gesundheitlichen Auswirkungen hätten. Die US-Umweltbehörde hält an ihren 100 µg Jahresmittelwert fest.

Fehler 2: Die Brüsseler Bürokraten prüften den Vorschlag der Gutachter nicht, sie übernahmen ihn einfach als Grenzwert, der an keinem Messpunkt überschritten werden darf.

Der Grenzwert ist ganz was anderes als der Jahresmittelwert. Der Grenzwert 40 µg korrespondiert mit sehr viel niedrigeren Jahresmittelwerten, weil er nur an den Hotspots zu Spitzenzeiten auftritt. Die WHO warnte denn auch vor der Gleichsetzung von Mittel- und Grenzwert.

Aber da war die EU-Richtlinie 1999/30/EG schon in Kraft.

Soweit die bizarre Geschichte von 1999/30/EG. Dem Artikel zufolge dürfte sowieso der Feinstaub um vieles schädlicher sein als NOx, falls das überhaupt schadet. Aber die wirklichen Schadstoffe wie Feinstaub und CO2 sind in der Abgasnorm nicht berücksichtigt.

Und auf dieser hanebüchenen Basis werden Gerichtsurteile gefällt und Milliardenwerte an ausgemusterten Dieselfahrzeigen verbrannt (9.). Der Dank für die Umsetzung dieser Idiotie geht auch an Greenpeace, die Grünen und deren Produkt, die Deutsche Umwelthilfe DUH (siehe wb-Link).

Als nächstes dürfte die Benzinerkrise kommen. Und dann womöglich die E-Auto-Krise, wenn dieselben Akteure plötzlich entdecken, dass die giftigen Metalle in den schweren Batterien auch die Umwelt belasten.

Ein paar Argumente aus den Kommentaren der unten verlinkten Artikel:

  • Das wäre wohl alles so gut überlegt wie bei der Energiewende; wieder mal wird bewährte Technologie verschrottet.
  • Politik und Wirtschaft haben den Umtausch von Autos beschlossen, die Betrüger werden belohnt und die Betrogenen werden im Regen stehen gelassen.
  • Ein zweites Auto-Verschrottungsprogramm nach dem vom Bankencrash, ein zweites Konjunkturprogramm für die Autoindustrie – das ist das eigentliche Ziel.

Man kann sich nicht mal darauf verlassen, dass neugekaufte Autos werthaltig bleiben. Wer weiß, was die Verschärfer der Abgaswerte in ein paar Jahren treiben?

 

Medien-Links:

  1. Stickstoffdioxid: Hysterie ums Falsche (Zeit Online 7.11. mit Zahlsperre): Der Grenzwert 40 Mikrogramm für das Auspuffgas Stickstoffdioxid ist aus der Luft gegriffen.
  2. Study on health and environmental impacts of diesel NOx emissions published (Environmental Health Analytics, LLC 15.5.17).
  3. Diesel Fahrverbote – „Das ist wie beim Hexenhammer im Mittelalter“ (Cicero 11.10.). INTERVIEW MIT DIETER KÖHLER am 11. Oktober 2018 – "Fakten spielen keine Rolle mehr."
  4. F.A.Z.-Recherchen : Diesel-Konzept der Regierung basiert auf veralteten Daten (Frankfurter Allgemeine Zeirung 22.10.): In 14 besonders mit Stickstoffdioxid belasteten Städten sollen Maßnahmen ergriffen werden, um Fahrverbote für ältere Diesel zu vermeiden. Doch wie F.A.Z.-Recherchen nun zeigen, waren die Daten der Regierung nicht aktuell.
  5. Umweltbelastung: Streit um Diesel-Pkw geht am Problem vorbei (Spektrum.de 22.10.): Die Lkw-Flotte, Kleintransporter und Busse emittieren – so wie sie heute unterwegs sind – unserer Berechnung nach mehr als 50 Prozent der Stickoxide in deutschen Innenstädten. Die Einsparmöglichkeiten sind dort deswegen viel größer als bei den Diesel-Pkw, die nur ein Drittel der Stickoxide verursachen.
  6. Neun Fragen und Antworten zum Diesel (Umwelt-Bundesamt 2.10.): Diesel-Pkw sind die Hauptquelle für Stickoxid in den Städten. Der Verkehrsbereich trägt zu rund 60 Prozent zur Stickstoffdioxid (NO2)-Belastung bei. Daran sind die Diesel-Pkw mit 72,5 Prozent beteiligt. Andere Fahrzeuge haben einen wesentlich geringeren Anteil. Busse z. B. machen im Bundesdurchschnitt nur vier Prozent der Emissionen des städtischen Verkehrs aus. Auch Lkw- und Lieferverkehr sind mit rund 19 Prozent deutlich weniger an der Luftbelastung beteiligt als die Diesel-Pkw.
  7. Dieselskandal: Gericht verhandelt über Fahrverbote in Köln (Zeit Online 8.11., 170 Kommentare): In Köln und Bonn könnten Fahrverbote für Dieselfahrzeuge kommen. In Berlin trifft der Verkehrsminister Vertreter der Autoindustrie, um über Nachrüstungen zu verhandeln.
  8. Diesel-Fahrverbote – Kampf dem Diesel, Kampf dem Wohlstand (Cicero 17.10.): Der Diesel ist an allem Schuld. Ein Verwaltungsgericht nach dem anderen verhängt Fahrverbote für den Selbstzünder, der einmal als geniale Erfindung deutscher Ingenieurskunst gegolten hat. Letztlich betroffen davon sind 15,2 Millionen Pkw-Besitzer.
  9. Großes Vorbild Amerika? (The European 26.10.): Abgas-Affäre, Diesel-Skandal, der Image-Verlust deutscher Vorzeige-Unternehmen, allen voran der Automobilindustrie, beschleunigt sich. … Angela Merkel. Sie kritisiert die deutsche Autoindustrie scharf, indem Sie be- und anklagt, dort sei „in der Diskussion um Schadstoffreduzierungen gelogen und betrogen“ worden.
  10. Luftverschmutzung: CDU will Dieselfahrverbote per Gesetz erschweren (Zeit Online 22.10., 800 Kommentare): Kanzlerin Angela Merkel hält Fahrverbote für Dieselautos in vielen Städten für unverhältnismäßig – auch in Frankfurt.

Links von wissenbloggt dazu:

 




In eigener Sache


Unter den Admins von wissenbloggt ist es zu einem Dissens gekommen, bei den Themen Immigration (siehe die Kommentare), "Islamisierung" oder auch Gender und generell Humanismus. Wir konnten nur ansatzweise einen kreativen Dialog zustandebringen. Frank Berghaus ist nun nicht mehr bereit, mit seinem Namen im Impressum zu stehen, deshalb kommt der Schreiber dieses Textes, Wilfried Müller, wieder dran.

Aber das macht Probleme. In der Zeit, wo WM drinstand, gab es zwei Abmahnungen wegen Artikeln aus der Zeit vor WM (2011-2013). Beide wurden zurückgewiesen, aber dazu brauchte es einen Anwalt, und da waren 1000 Euro pro Fall schnell weg. Wenn die Abmahnungen durchgegangen wären, wäre sogar das Mehrfache fällig geworden.

Frank ist durch seinen Wohnsitz in Tunesien einigermaßen gefeit, bei ihm haben sich auch keine Abmahner gemeldet. Aber ich, Wilfried, möchte nicht nochmal solche Post kriegen. Bevor ich meinen Namen ins Impressum schreibe, lösche ich deshalb alle Artikel bis Mitte 2013, wo ich von Frank übernommen habe.

Die geneigten Leser von wissenbloggt werden um Verständnis gebeten.




Arbeit ohne Sinn (aber mit Bezahlung)


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Natürlich haben die Juristen nicht das Anrecht auf den ersten Platz, wenn es um sinnlose Tätigkeiten geht. Da dürfen auch die Werbeleute ein Wörtchen mitreden, die Zertifizierer oder gewisse Politiker (Bild: GraphicMama-team, pixabay, Text von wissenbloggt).

In der Theorie sind Juristen dazu da, Rechtssicherheit zu schaffen. Sie eggen und säen und pflügen das juristische Land. Sie häufeln nur ein bisschen zuviel, denn die Zahl der Rechtsanwälte in Deutschland stieg zwischen 1990 und 2018 von 46.933 auf 164.656, eine Zunahme um 250%, jährlich beinahe 5% mehr im Schnitt.

Das entnimmt man einem Zeit-Artikel zur "Arbeit ohne Sinn" (1. und der Statistik 2.). Der Artikel kommentiert das Buch "Bullshit-Jobs" von David Graeber, das schon bei der Zeit besprochen ist (3.). Hier werden ein paar interessante Aspekte aus den Leserkommentaren herangezogen. Zusammen mit anderen Quellen liefert das eine trübe Sicht auf die moderne Arbeitswelt, ohne Bullshit, aber mit Bedenken.

Jurisprudenz

Ein großer Teil der Juristen ist demnach damit beschäftigt, durch Schreiben von Gesetzen, Verordnungen, Verträgen, allgemeinen Geschäftsbedingungen, Haftungsregeln oder Konventionen die Komplexität des Rechtssystems weiter zu erhöhen. Andere Juristen verkaufen sich als Experten für den Umgang mit diesem System oder bieten Wege an, wie die Regulierungen umgangen bzw. endlos verzögert werden können. Was wiederum nach weiteren Bestimmungen ruft usw.

Ein selbstverstärkender Trend wirkt darauf hin, das System zu verkomplizieren. Juristen, Steuerberater usw. sind sind nicht daran interessiert, dass sie obsolet werden. Im Gegenteil, sie wollen die  Gefilde ausweiten, denen sie ihren Verdienst verdanken. Stichworte dazu: die legalisierte Abzocke beim Abmahner-Unwesen, die  Erpressung mit Patenten durch die Patenthaie, die Abzock-Spitzenleistungen bei CETA, TTIP oder Toll Collect durch Verträge mit Schiedsgerichten (wb-Link Staatlicher Betrug).

Viele empfinden es als Frechheit, dass die beteiligten Juristen extrem viel Geld bekommen.

Steuer

Aus ähnlich gelagerten Gründen haben wir in der EU wohl immer noch keine vernünftige Steuergesetzgebung. Steuerflucht ist eben nicht bloß eine Pfründe für Steuerflüchtlinge, sondern auch für Anwälte (wb-Link Steuerflucht).

Genausowenig gibt es ordentliche Regeln zur Sozialversicherung; seit 20 Jahren sieht man da keinerlei Fortschritt. Man kann zwar in jedem EU-Land ungehindert arbeiten, baut aber in jedem Land unterschiedliche Rentenansprüche auf. Wenn man dann in Rente geht, darf man in jedem Land einen Antrag stellen – in der Landessprache, versteht sich…

Logischerweise produziert sowas Unmengen an bürokratischem Aufwand, ohne dass ein Nutzen dahintersteckt.

Uni

Früher durfte ein Professor lehren und forschen (und sein eigenes Büro/Institut betreiben). Jetzt darf er nur noch forschen, wenn er Anträge einreicht, Berichte schreibt, Formulare ausfüllt usw. Ein Arzt darf heute auch nicht einfach behandeln, sondern muss alles doppelt und dreifach dokumentieren. 

Zum Teil macht die Kontrolle auch Sinn, aber vielfach ist es nur Glasperlenschubserei – noch eine Menge bürokratischer Aufwand ohne Nutzen.

Ein pikantes Beispiel ist das Verfassen von Fake- oder sonstwie obsoleten wissenschaftlichen Artikeln (wb-Link Pseudowissenschaft).

Ebenso sinnfrei ist der Aufwand, der fürs Gendern betrieben wird. Überspitzt gesagt befassen sich nun Leute mit der Analyse der Gehälterstruktur der Institution im Hinblick auf eine geschlechtsspezifische Benachteiligung sowie der Berücksichtigung der Wünsche der weiblichen Belegschaft hinsichtlich des Speisenangebots in der Kantine (wb-Link Gender).

Werbung

Wo Werbung bloß um Marktanteile kämpft, ist sie Unsinn und Ressourcenverschwendung, und der Anteil dieser nutzlosen Werbung wird auf 80% geschätzt. Die allermeiste Werbung führt Verbraucher gezielt in die Irre, und das brauchen die Verbraucher nicht. Die smarten Verkäufer denken sich dann noch Sachen aus wie automatisierte Abzocke durch benutzerspezifische Preise, sprich Preisdiskriminierung.

Allein in Deutschland arbeiten etwa eine Million Menschen für Werbezwecke. Da sind ganze Heerscharen mit den modernen Formen des Leutebescheißens beschäftigt (Formulierung wb). Außer Belästigung produzieren die aber nichts, was irgendwer wirklich brauchen kann (wb-Link Werbung).

Minijobs

Ob man die ganzen Helferjobs zu den sinnfreien Tätigkeiten rechnen soll? Im Kleinanzeigenteil der Wochenblätter finden sich die Angebote zuhauf. Für Bäckereiverkäuferinnen, Tankstellenhelfer, Putzkräfte oder Spielhallenmitarbeiter gibt es Vergütung zum Mindestlohn, aber dort werden auch gerne Qualifizierte genommen. Zumindest aus deren Sicht dürfte die Arbeit oft sinnfrei sein.

Nur dass die Sinnfreiheit von allein zu den Arbeitenden kommt, auch wenn sie gar nicht den Job wechseln. Der sinnfreie Anteil seiner Arbeit sei in den letzten zehn Jahren deutlich angewachsen, sagt ein Zeit-Forist und stößt damit auf zustimmendes Echo. Soche sinnfreien "Bullshit-Jobs" gab es schon zu DDR-Zeiten, wird angemerkt.

Zu dem Thema mag ein putziges Beispiel aus dem Ex-Ostblock interessant sein: Auf dem Markt bietet jemand ausgebrannte Glühbirnen an – und sie werden ihm abgekauft. Die Käufer nehmen sie nämlich mit an ihre Arbeitsstelle und wechseln sie gegen intakte Glühbirnen aus.

Überreglementierung

Wie aus Idealen in der Realität Bevormundung wird, zeigt die Brüsseler Bürokratie oft und gern. Stichworte Dämmwahn, Brandschutz-Hype, Zertifizierungsunwesen …

Für alles gibt es jetzt Beauftragte, die in Firmen, Behörden und Organsationen herumschnüffeln und mit europäisch generierter Macht ausgestattet sind. Zertifizierer und Beauftragte sind die modernen Blockwarte. Die eigentliche Arbeit wird zunehmend durch Kontrollen behindert und durch unsinnige Vorschriften erschwert (wb-Link EU-Niedergang).

Den Leuten wird ständig das nächste Qualitätssicherungssystem aufgedrückt, um ihre Qualität und Leistung zu verbessern – meist ohne mehr Personal einzustellen oder sonstwie Geld auszugeben. De facto ist das ein Versuch, mit Luftakrobatik Mehrwert zu erzeugen.

In vielerlei Hinsicht regulieren wir uns längst zu Tode. Aufgrund der neuen Datenschutzregeln muss heutzutage jede kleine Metzgerei tonnenweise Dokumente anfertigen. Bestimmt nicht deshalb, weil der Metzgermeister sonst nicht wüsste, was er mit seiner Zeit oder seinem Geld anfagen soll. Die Dokumente sind auch nicht deshalb fällig, weil sein Handwerk komplizierter und komplexer wurde. Sondern deshalb, weil eine "Horde Bürokraten" in der Ferne eine neue Verordnung erlassen hat, die ihn unter existenzbedrohenden Strafen zum Dokumentieren zwingt.

Für viele ist das zum Abwinken. Was da beschrieben wird, lässt sie die Gesellschaft als hoffnungslos degeneriert empfinden. Wenn sie sich tagtäglich mit dem "geistigen Unrat" herumschlagen müssen, den "überbezahlte Theorie-Schwachmaten" austüfteln, wird ihnen das Leben schwergemacht.

Wie stichhaltig diese Kritik ist, zeigt der historische Vergleich. Woran sind denn alle großen Weltreiche der Geschichte letztendlich zugrundegegangen? Nämlich an ihrer überbordenden Bürokratie. Und, ja, wir sind auf einem guten Weg dahin, in Deutschland wie auch in der EU.

Komplexität

Deutschland und Europa brauchen einen Reset, fordert ein Forist. Keep it simple sei schließlich ein wesentlicher Grundsatz erfolgreichen Wirtschaftens.

Wenn es mittlerweile einfacher geworden ist, Fachkräfte von Deutschland nach China zu entsenden als etwa nach Spanien, dann müssen sich die Regulierungen der EU das Etikett hirnrissig gefallen lassen. Wenn die Stellenbescheibungen um so komplexer werden, je niedriger die Gehälter sind, dann ist da was faul. Wenn alles zu Tode reguliert wird, entstehen eben viele sinnfreie Tätigkeiten beim Ausfüllen von Formularen.

Ob das damit zu tun hat, dass modernes Wirtschaften mit ständig steigender Komplexität fertigwerden muss (beim Metzger wohl nicht)? Oder steckt ein Verantwortungstransfer dahinter, in dem Sinne, dass keiner die Verantwortung für sein Handeln übernehmen möchte, und dass es deshalb immer mehr Kontrolleure und Berater geben muss? Die sich wiederum selber mit vielerlei "Aus- oder Einschlusskriterien" absichern, so dass sie am Ende zwar teuer, aber nutzlos sind?

Oder ist es doch die maßlose und in weiten Teilen völlig sinnlose Regulierung in immer weiteren Bereichen? Schafft die diese Probleme, die es ohne sie gar nicht gäbe?

Was denn nun?

Da dürften alle drei Faktoren zusammenkommen, wobei einer den anderen verstärkt. In der Gesamtsicht kommt nun das politische Element zum Tragen. Warum brauche ich einen Steuerberater, damit ich alles richtig mache? fragt ein Forist, und: Wäre das nicht eine Aufgabe für die Parteien, unser System wieder zu entwirren und es einfacher, übersichtlicher und verständlicher zu machen?

Die Betonung auf Parteien zeigt schon dass es da unterschiedliche Betrebungen gibt. Als Regulierungsfanatiker gelten die Grünen, die SPD, die CDU und – wenn sie könnten – die Linke. Und natürlich die EU. Und was tun die Politiker in der Sicht der Foristen?

Statt zu deregulieren, werden irgendwelche Fördertöpfe aufgemacht und tausend Bedingungen dran gesetzt, die kaum jemand direkt verstehen kann. Das ist leider eine realistische Sicht, und ein wenig paradox ist es auch:

  • Als in den 1970er Jahren das große Deregulieren den Weg freimachte für die kapitalistische Machtergreifung, da flutschte das Deregulieren nur so – und wenn nun wieder reguliert werden soll, geht das ganz, ganz schwer.
  • Wo nun die EU und in ihrer Rechtsfolge Bundes- und Landesparlamente Regulierungen schaffen, da flutscht das nur so – aber wenn dereguliert werden soll, geht das ganz, ganz schwer.

Dabei wäre das Regulieren der Finanzwelt mal eine sehr sinnvolle Arbeit, und das Deregulieren der Überreglementierung auch. Dazu der sarkastische Spruch eines Zeit-Foristen: Eigentlich ist doch nur Jagen & Sammeln sinnvoll, nicht wahr?

 

Medien-Links:

  1. "Bullshit-Jobs": Arbeit ohne Sinn (Zeit Online 9.11., 90 Kommentare): Modernes Wirtschaften schafft merkwürdige Jobs, nur um mit der steigenden Komplexität fertigzuwerden.
  2. Zahl der Absolventen eines Jurastudiums 1959 – 2015 (LTO). Um 1960 gab es 2.000 Absolventen pro Jahr, das stieg auf 10.000 um 1995 und sank etwas auf 8.000 um 2015, um 2016 wieder auf 9.000 zu steigen. (wissenbloggt: Gebraucht würden 4.000 Absolventen pro Jahr, um den Bestand von 160.000 zu halten.)
  3. David Graeber: "Effizienz ist ein Mythos" (Zeit Online 9.11.): Warum halten so viele Menschen die eigene Arbeit für unnütz? Ein Gespräch mit dem linken Vordenker David Graeber über sein neues Buch "Bullshit Jobs" und die Sinnkrise auf dem Arbeitsmarkt.

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