So steht Merkel zum christlichen Glauben


MerkelDas war der Titel eines Artikels vom 17.7.2019 dem 65. Geburtstag der deutschen Kanzler Angelika Merkel auf der Homepage von PRO, dem christlichen Medienmagazin, es heißt dort einleitend:

"Bundeskanzlerin Angela Merkel ist Pfarrerstochter. Daraus, dass ihr der christliche Glaube wichtig ist, hat sie in den vergangenen Jahren kein Geheimnis gemacht. Anlässlich ihres 65. Geburtstags hat PRO einige prägnante Aussagen von ihr zum Thema zusammengestellt."

Das ist wieder eine Gelegenheit, atheistische Kommentare zu christlichen Sagern zu verfassen:

Merkel auf der Wertekonferenz der CDU im Jahr 2006: "Der Maßstab der CDU ist und bleibt das christliche Menschenbild. Das ist auch Absage an jedwede Ideologie."
Atheistische Anmerkung: Aha, das Christentum ist also keine Ideologie, weil laut Fremdwörterbuch ist "Ideologie" die Bezeichnung für politische Weltanschauungen. Da wird's aber schwierig! Ist die CDU dann eine Religionsgemeinschaft und keine politische Partei?

Merkel in einer Rede auf dem 20. Bundesparteitag der CDU im Jahr 2006: "Es ist wahr: Europa ist kein Christenklub. Aber wahr ist auch: Europa ist ein Grundwerteklub. Hier bei uns gelten Menschen- und Bürgerrechte. Diese Menschen- und Bürgerrechte beruhen bei uns ganz wesentlich auf dem Menschenbild des Christentums."
Atheistische Anmerkung: Die Menschen- und Bürgerrechte mussten gegen die Religionen durchgesetzt werden, das fing mit der französischen Revolution an und ging bis zum Recht auf Religionsfreiheit, das als selbstverständliches Menschenrecht auch in Europa erst in den letzten Jahrzehnten zur lebbaren Tatsache wurde…

Merkel im Oktober 2010 auf dem Deutschland-Tag der Jungen Union: "Lasst uns doch mal über das Christentum wieder reden. Lasst uns das doch mal mit fröhlichem Herzen verkünden. Wie oft machen wir denn das?"
Atheistische Anmerkung: Ja, wie oft hat die Frau Merkel das Christentum verkündet? Die praktische Arbeit der Christenparteien beruht auf der Bibel, aber schwergewichtlich vor allem auf der Aussage in Mt 25, 29: "Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, und er wird die Fülle haben; wer aber nicht hat, dem wird auch, was er hat, genommen werden." Das verkündet man natürlich nicht, man handelt bloß in diese Richtung.

In einer Telefonkonferenz mit CDU-Mitgliedern rief Angela Merkel 2012 für Toleranz gegenüber dem Islam auf: "Vielleicht sollten wir als Christen uns auch wieder mehr Gedanken über unsere Religion machen und mehr über das Christentum sprechen, als Angst zu haben vor dem Islam."
Atheistische Anmerkung: Das hat 2009 der Strache mit seiner FPÖ gemacht, er verkündete als Gegenpol zum Islam ein "Abendland in Christenhand", die Folge war, dass die FPÖ unter Strache das einzige Mal eine Wahl verlor, den Islam mögen die FPÖ-Wähler und der Großteil aller Österreicher zwar nicht, aber unter die Herrschaft der Christenhand will man sicherlich auch nicht zurückfallen.

Merkel im Jahr 2012 in ihrem wöchentlichen Podcast: "Ich bin Mitglied der evangelischen Kirche, ich glaube an Gott, und die Religion ist mein ständiger Begleiter in meinem Leben gewesen."
Atheistische Anmerkung: Sowas ist heute schon recht selten geworden, speziell unter den Protestanten, dort gehen am Sonntag nur noch gut drei Prozent in die Kirche. Ob die Merkel da auch fallweise dabei ist, war nicht zu ergoogeln…

Auf dem CDU-Parteitag im Dezember 2012 sagte Merkel zu den Turbulenzen in der Koalition: "Auch mir hat eine Satiresendung schon einmal richtig aus der Seele gesprochen, als es dort hieß: Gott hat die FDP vielleicht nur erschaffen, um uns zu prüfen."
Atheistische Anmerkung: Ein Plus für die Merkel! Sie hat einen Sinn für Humor!

Merkel in einem FAZ-Interview im Januar 2015: "Mit fortschreitender Säkularisierung lassen die Kenntnisse über das Christentum immer mehr zu wünschen übrig. Jeder sollte sich selbst fragen, was er zur Stärkung der eigenen Identität, zu der bei der Mehrheit immer auch noch die christliche Religion gehört, tun kann."
Atheistische Anmerkung: Das übliche Problem bei den Politikern, sie verwechseln die noch bestehenden Mitgliedschaften in Kirchen mit gelebter Religiosität! Längst nicht alle, denen die Religion bedeutungslos geworden ist, treten aus der Kirche aus, in die sie als Baby hineingetauft wurden. Man nimmt z.B. auch Rücksicht auf die Oma oder die Erbtante, man hat im Hinterkopf vielleicht noch Reste von Gottesfurcht und hält sich an die Pascalsche Wette, man bleibt aus beruflichen Gründen vorsichtshalber in der Kirche, man meint, Kinder von konfessionslosen Eltern hätten in der Schule Nachteile, man weiß nicht, dass es längst auch säkulare Begräbnisse gibt und man nicht wegen der eigenen Bestattung das ganze Leben in der Kirche bleiben muss usw. Zur Stärkung der eigenen Identität brauchen heute wohl nur kleine Randgruppen eine Religion. Die Säkularität schreitet fort, die kann auch die CDU nimmer bremsen…

Die Frau Merkel steht jedenfalls noch auf christlichem Fuß, als eine protestantische Pfarrerstochter hat sie wohl in ihrem Haupte keine kritischen und selbstkritischen Gedanken dazu entwickelt, der ihr in früher Kindheit ins Hirn gewaschene Protestantengott klebt dort immer noch fest…

 

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).




Die Vorfahren Gottes


NisabaDieser Gastbeitrag von Prof. Dr. Uwe Hillebarnd erschien zuerst am 19. Januar 2012 – aber er ist immer noch aktuell.

Den Gott der Christen, diesen allmächtigen, allwissendenden und allgütigen Schöpfer von letztlich allem, den gibt es wirklich. Er ist real, so wie zu allen Zeiten die Götter, welche die Menschen anbeteten, real waren, jedenfalls für die Gläubigen unter den Menschen. Das predigten immer die jeweiligen Theologen, die von ihrem Gott ausgesandt wurden, um den Menschen das Heil oder Unheil zu verkünden. Sie sind von Gott dazu berufen und somit ermächtigt worden, dieses zu tun. Heutzutage müssen sie ihren Glauben erst an einer Universität studieren, an der man ansonsten nur Wissenschaft studieren kann. Und deswegen wissen sie jetzt auch, dass nur ihr Gott wahr ist, alle anderen Götter, sozusagen die Vorläufer, gab es nicht. Das sagen sie im Brustton der Überzeugung, die auf einem tiefen, weil studierten Glauben beruht. Denn wissen tun sie es natürlich nicht, nur das wissen sie nicht.
      
So ein Gott hat natürlich auch Vorfahren, denn jeder hat Vorfahren. Bereits lange vor Jesu Geburt glaubten die Menschen an Götter, hatten religiöse Vorstellungen und Riten. Alles, was man nicht oder noch nicht erklären konnte, wurde als göttlich, weil offenbar von einem Gott kommend, interpretiert. So wurden etwa Naturgewalten personifiziert. Wenn es donnerte, dann grollte der Gott des Donners. Es gab eine Göttin der Morgenröte, einen Sonnengott, einen Gott des Mondes und viele andere mehr. Dabei war die Lebens- und Leidensgeschichte von Jesus beileibe nichts Neues. Denn zwischen den alten Überlieferungen und den weitaus späteren christlichen Legenden gibt es viele Übereinstimmungen, weil die christliche Lehre und der christliche Kult häufig von älteren Religionen übernommen wurden.

Nach der Lehre des altpersischen Propheten Zarathustra schuf die Gottheit Ahura-Mazda die Erde, die Pflanzen, die Tiere und den Menschen. Den Anfang bildete dabei ein Menschenpaar, das in einem Paradies lebte. Da Ahura-Mazda aber mit seinen Geschöpfen nicht zufrieden war, schickte er eine Sintflut, um sie wieder zu vernichten. Er hatte einen Widersacher mit Namen Ahriman, der auf der Welt das Böse vertrat. Wie der Teufel in der christlichen Lehre war er ein gefallener Engel. Liest man das Alte Testament, kommt einem das bekannt vor. Nur der Name der Gottheit wurde von den Christen durch den Namen Gottvater ersetzt. Die Götter der Welt hatten für unsere Erde ersichtlich denselben Bauplan, leider kam ihnen dann die Evolution dazwischen. Am Ende aller Zeiten verhieß Zarathustra ein Weltgericht, bei dem die Toten wieder auferstehen sollten. Sofern jemand zu Lebzeiten gut wäre, hätte er vom Weltgericht nichts zu befürchten und würde ins Paradies aufgenommen werden. Andernfalls würde er in die Hölle kommen. Die Christen haben später dieses Weltgericht in das Jüngste Gericht umbenannt, alles andere haben sie so belassen.
 
Das Leben des sumerisch-babylonischen Fruchtbarkeitsgottes Tammuz verlief, lange vor Beginn unserer Zeitrechnung,  durchaus ähnlich wie das von Jesus, von dem uns die Evangelien berichten. Er wurde von einer Jungfrau geboren, die mit einem alten Ziehvater zusammen lebte, der nicht Josef hieß, und seine Geburt fand in einem Notquartier statt. Ob das etwa ein Stall war? Eltern und Kind wurden danach verfolgt und flohen, trotzdem musste der Sohn sterben. Wie bei Jesus.

Auch der babylonische Gott Marduk wurde, wiederum  lange vor Jesus, gefangen genommen, verhört, und zusammen mit einem Verbrecher hingerichtet. Oder der römische Gott Mithras, der persischen Ursprungs war. Er wurde im 3. Jahrtausend v. Chr. als Sohn eines himmlischen Vaters ebenfalls von einer irdischen Jungfrau geboren und nach seiner Geburt zunächst von Hirten verehrt, wie Jesus. Auch seine Familie musste fliehen. Nachdem er gekreuzigt worden und zu Ostern wieder auferstanden war, fuhr er in den Himmel. Wie Jesus. Die Anhänger von Mithras glaubten an eine Sintflut, die zu Beginn der Zeit alles Leben auf der Erde auslöschte. Danach kam ein Neuanfang. Sie glaubten ferner, dass die Seele des Menschen unsterblich sei, und die Toten am Ende aller Zeiten bei einem Jüngsten Gericht auferstehen würden. Die heutigen Christen glauben das auch.
 
Der Mithraskult kannte 7 Sakramente, wie später die katholische Kirche, darunter Taufe, Firmung und eine Kommunion, die auf das letzte Abendmahl von Mithras zurückgeht. In den Evangelien lesen wir gleichfalls von einem letzten Abendmahl Jesu. Und andere Götter wurden wie Jesus gekreuzigt, so Dionysos, Lykurgos und Prometheus. Da musste Jesus ja dasselbe Schicksal ereilen. Denn waren die Götter der Welt nicht gerade im Himmel, hatten sie hier unten oft auf ähnliche Weise zu leiden. Leiden durch Menschen, die sie als Gott eigentlich beherrschen sollten. Aber auf Erden ist das vermutlich nicht so einfach.

Diese Parallelen zu dem in den Evangelien beschriebenen Lebensweg von Jesus können kein Zufall mehr sein. Die »frohe Botschaft«, die in den Evangelien verkündet wird, kann getrost um einige Tausend Jahre vorverlegt werden, denn viele Ideen für diese Botschaft entnahmen die Evangelisten, wie unschwer zu erkennen ist, den Religionsmythologien längst vergangener Zeiten. Wie wir wissen, waren allerdings all diese Götter und damit ihre Lebensgeschichten pure Erfindungen der Menschen, die Kirche wird hierbei nicht widersprechen. Wenn jedoch die Evangelien den Lebensweg eines Jesus beschreiben, der in vielen Details mit den Lebenswegen dieser Götter übereinstimmt, dann muss der so beschriebene Jesus ebenfalls eine Erfindung sein. Es geht nicht darum, ob der Mensch Jesus wirklich gelebt hat, das soll hier gar nicht diskutiert werden, sondern es geht allein darum, dass sich die christliche Religion demnach aus erfundenen Erzählungen der Evangelien ableitet. Bis heute bezieht sich die christliche Kirche auf Geschichten, die, und das ist der logische Schluss aus den hier aufgezeigten Parallelen, nichts als Märchen sind. Und Märchen erzählt man kleinen Kindern, nicht Erwachsenen. Nach alledem hat die historische Wahrheit der Evangelien mit Wahrheit nicht viel zu tun. Ist dies das Fundament einer Weltreligion? Vielleicht wird ja diese Weltreligion in 2000 Jahren von dem Mithrasglauben abgelöst. Dann ist Mithras wieder der einzig wahre Gott, wie schon einmal. Und den Gott der Christen gab es natürlich nicht, der gehört zur Religionsmythologie.

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

 




Gott und die Welt


petersdom-2e22df13-40f4-4bd9-a521-c8efabd84371„In Verantwortung vor Gott und den Menschen“ steht als Verpflichtung in der Präambel des deutschen Grundgesetzes. Angesichts der stark steigenden Zahlen derer, die sich in den letzten Jahrzehnten von den Kirchen befreit haben und der zusätzlichen großen Menge derer, die nur aus gesellschaftlichen oder familiären Gründen weiterhin im Schoß der Kirchen verbleiben, muss die Frage erlaubt sein, ob dieser Gottesbezug noch zeitgemäß ist, oder ob er nicht inzwischen einen regelrechten Affront gegenüber den Nicht- oder Andersgläubigen darstellt. Das Grundgesetz gilt immerhin für alle Deutschen, nicht nur für die verbliebenen Reste der aussterbenden Spezies homo religiosus. Jeglicher Vorstoß in Richtung Vernunft ist in den vergangenen Zeiten nach dem Kriege am erbitterten Widerstand der kirchlichen Lobby gescheitert. Man fragt sich unwillkürlich, was diese damit bezweckt, welche wahren Gründe sich hinter diesem besessenen Kampf verbergen.

Ginge es den Kirchen lediglich darum, ungestört ihre Riten befolgen zu dürfen, könnte es ihnen doch völlig egal sein, wie sich dieses weltliche Gebilde Staat organisiert und seine Gesetze demokratisch abgestimmt formuliert. Niemand will und wird ihnen das Recht auf Ausübung ihrer Religion nehmen. Es geht also nicht um die Verteidigung des religiösen Freiraums, sondern offensichtlich um die Meinungshoheit, um Dominanz, ja letztlich um die Disziplinierung aller Abtrünnigen oder Nie-Dort-Gewesenen. Es findet so zu sagen eine Fortsetzung der Inquisition mit anderen Mitteln statt. Zwar darf man Häretiker und Ketzer nicht mehr so ohne weiteres auf dem Scheiterhaufen von ihren Sünden befreien, aber das Beharren auf einer unsinnigen Formel zeigt jedermann eiskalt und gnadenlos: Wir sind noch da, warte nur ab, bis wir wieder die alleinige Bestimmungsgewalt haben, dann geht es Dir an den Kragen.

Auch in den nie zu einer gemeinsamen Verfassung geronnenen Lissabon-Prozess haben sich die Kirchenvertreter eifrig bemüht – unterstützt von den deutschen Vatikan-Parteien – ihre diskriminierenden Bestrebungen einzubringen. Es hat nicht gereicht, da selbst die überwiegende Mehrzahl der so genannten „katholischen“ Länder dem Begehren Widerstand entgegensetzte. Seitdem herrscht helle Verzweiflung bei den Katholiken, die so weit führte, dass katholischen Abgeordneten mit Exkommunikation gedroht wurde – ein wohlfeiles Machtmittel, das aber nicht mehr ganz so zieht wie noch in früheren Jahren, als von jeder Kanzel Wahlkampfpropaganda betrieben wurde.

Sie geben nicht auf. Im Rahmen der Kampagne, einen Gott in die europäische Verfassung (so sie irgendwann kommen sollte) einzuführen, veröffentlichte Kath.net nunmehr ganz brandaktuell ein Interview, das der kürzlich verstorbene Otto Habsburg der Organisation „Kirche in Not“ 2007 gab:

Papst Johannes Paul II. hat immer wieder davon gesprochen, Europa müsse auch eine Seele haben. Wie hat er das gemeint?
Der Kampf um die Seele Europas ist der Kampf um den Gottesbezug in der Verfassung. Wenn die Menschenrechte, die eines der wesentlichen Elemente Europas sind, einen Sinn und einen Inhalt haben sollen, muss es logischerweise einen Gott geben. Denn das Menschenrecht fußt schließlich auf dem Gedanken, dass der Mensch als von Gott erschaffenes Wesen eigene Rechte hat. Aus diesem Grund plädiere ich dafür, den Gottesbezug in die Europäische Verfassung einfließen zu lassen.

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: ohne Gottesbezug ist die Seele Europas in Gefahr! Aber schlimmer noch: ausgerechnet die Menschenrechte, die der Vatikan neben Weißrussland nie unterzeichnet hat, dienen jetzt nachgerade als Gottesbeweis. Wusste dieser Mann zum Zeitpunkt des Interviews überhaupt noch, wovon er redete? Doch es geht bizarr weiter:

Die Gegenseite ist heute aktiver denn je. Der Teufel ist immer dort in der Nähe, wo der liebe Gott ist – weil er der Widersacher Gottes ist. Die antichristlichen und antireligiösen Kräfte sind gut vorbereitet, was von unserer Seite nicht behauptet werden kann. Hier gibt es für die Christen noch viel zu tun.
Reicht es denn nicht, wenn man einfach die Menschenrechte in die Verfassung schreibt und sich an diese vernünftigen Grundsätze hält?
Es reicht eben nicht! Hinter all dem muss eine höhere Autorität stehen. Das war der Grund, warum früher Gott in allen Dokumenten erwähnt wurde, jene höhere Autorität, die die Kontinuität der ganzen Sache verbürgt. Wir brauchen einen Gottesbezug in der Europäischen Verfassung, wobei dieser von allen Monotheisten getragen werden sollte.

Langsam schwant selbst dem kritischsten Leser, warum sich die Amtskirchen so herzhaft über die Präsenz des Islams in Europa freuen: Schützenhilfe für die erschlaffende Kraft des Christentums („alle Monotheisten“!). Und die Menschenrechte reichen natürlich nicht aus, denn denen fehlt die „höhere Autorität“.  Deutlicher kann man dem Scharia-Vorbehalt der OIC-Staaten nicht Beifall klatschen. Ob das allen Katholiken bewusst ist, die da immer noch meinen, vereint mit ihren Kirchen den Islam in Europa eindämmen zu können?

Wer an Gott glaubt, ist in dieser Frage unser Verbündeter. Auf anderen Gebieten mag es durchaus Differenzen zwischen den Religionen geben. Aber wenn wir die europaweite Perspektive sehen, müssen wir alle Kräfte sammeln und die Menschen vereinen, die an Gott glauben und für einen Gottesbezug in der Europäischen Verfassung eintreten.
Könnte es zu einer Re-Christianisierung oder zu einer Re-Vitalisierung des Christentums in Europa kommen?
Ich bin überzeugt, dass es dazu kommt. Ich sehe viele Zeichen, die das bestätigen. Wer, außer der katholischen Kirche, hätte weltweit solche Jugendtreffen zustande gebracht?
Wir leben in einer Zeit großer Veränderungen. Die Lebensbedingungen sind heutzutage ganz andere als früher. Die junge Generation hat das verstärkte Bedürfnis nach Halt, sie befindet sich auch wieder mehr auf der Suche nach Gott. Diese Chance gilt es zu nutzen.
Vor allem müssen junge, christliche Menschen in die Positionen kommen, wo Entscheidungen, auch für Europa, getroffen werden. Hier müssen sie für ihren Glauben

Wer sich die ganze Story zu Gemüte führen möchte, sei verwiesen auf http://www.kath.net/detail.php?id=32213

 

Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

 




Wir beten. Für Österreich - Ein Schmankerl von E. Peterseil


Pray for AustriaUnter dem obigen Titel berichtete kath.press am 9.7.2019 über die Einrichtung einer Homepage, die dazu anregen soll, dass Christen für österreichische Politiker regelmäßig beten, es heißt dazu konkret: "Ab sofort gibt es in Österreich eine neue Online-Plattform, auf der man für politische Verantwortungsträger beten kann. Unter www.prayforaustria.at haben gläubige Christen die Möglichkeit, für einen von insgesamt 274 Politikern zu beten – für den Bundespräsidenten ebenso wie für Parteichefs, Landeshauptleute, Mitglieder des derzeit regierenden Expertenkabinetts oder Angehörige des National- oder Bundesrats. Wer für sie beten möchte, sucht sich gezielt jemanden aus oder bekommt eine Person per Zufallsprinzip zugelost. Zusätzlich deklariert der oder die Betende im Internet, ob einmal am Tag, einmal die Woche oder einmal im Monat gebetet werden soll."

Und was erwartet man sich davon? Dass Gott der HErr dann die Beter unterstützt und den jeweiligen Politkern Hilfe leistet? Auf der Homepage heißt es dazu: "In einer politisch turbulenten Zeit wollen wir für die Politiker und Politikerinnen Österreichs beten. Wir möchten das Vertrauen und die Hoffnung in Österreich stärken. Wir möchten Gott in die Politik unseres Landes einladen und uns unter seine Führung und seinen Segen stellen. Die großen Gebetsbewegungen der Geschichte Österreichs zeigen uns: Beten hilft!"

Leider wird kein Beispiel für die "großen Gebetsbewegungen" angeführt, die bekannteste Gebetsbewegung war der Betkreis für den Staatsvertrag, der Rosenkranz-Sühnekreuzzug rühmte sich seinerzeit durch Rosenkranzbeten den Staatsvertrag herbeigebetet zu haben: "Nach 81 Sühneandachten und mehreren Lichterprozessionen mit Zehntausenden durch die Wiener Innenstadt erfüllte sich 1955 das Gebetsanliegen um die Wiedererlangung der vollen Freiheit Österreichs."

Das Kuriose war allerdings, dass 1952 die Sowjetunion die Neutralität ins Gespräch brachte und die Westmächte das vorerst ablehnten, Gott müsste also die christlichen Westmächte dazu bekehrt haben, den Wünschen der gottlosen UdSSR zu folgen! Das neutrale Österreich trennte schließlich mit der anschließenden ebenfalls neutralen Schweiz die NATO-Front gegen die Oststaaten in zwei Teile!

Aber das nur nebenbei! Jetzt am 11.7.2019 um 12h05 beten schon 433 Leute für die österreichische Politik. Da muss ja der Kurz die Wahlen wieder gewinnen! Aber bei 37 und 38 % liegt die ÖVP ja schon seit der Ibiza-Geschichte der FPÖ! Und vorher hat niemand organisiert für die ÖVP gebetet, am 9.5.2017 lag sie umfragemäßig bei 21 %, am 19.5. bei 33 %. Da hatte auch kein Gott geholfen, sondern der damalige ÖVP-Chef Mitterlehner mit seinem Rücktritt und sein Nachfolger Sebastian Kurz, der mit der Balkankonferenz die Balkanroute für Migranten geschlossen und offenbar damit das in der Bevölkerung als größtes gesehene Problem gelöst hatte. Das brachte Proteststimmen gegen die SPÖ-ÖVP-Koalition von der FPÖ als Zustimmungsstimmen zur ÖVP.

Ob es auch Beter für die Rendi-Wagner gibt? Das wird auf der Beter-Site leider nicht angezeigt. Aber wenn die Rendi-Wagner Bundeskanzlerin würde, wäre das wahrlich ein göttliches Wunder! Das traut sich ein glaubensfreier Mensch wie meinereiner hier zu schreiben. Das zeigt nämlich an, wie gering meinereiner die Chancen dieser Kandidatin einschätzt! Zurzeit liegt sie bei den Kanzlerumfragen mit 18 % auf Platz drei hinter Norbert Hofer von der FPÖ!

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).

 




Denk-Schrift III: Deutsche Politiker


Ausreden und Entschuldigungen:

Natürlich wird dieser knappen Darstellung der feindlichen Haltung der christlichen Kirche zur überlieferten Kultur als erstes Einseitigkeit vorgeworfen. Auch die Killerphrase "Rundumschlag“ ist beliebt. Das ist die übliche Antwort, wenn man sich einer näheren Beschäftigung mit den aufgeworfenen Fragen entziehen möchte. Nun, Einseitigkeit kann der Analyse nur dann vorgeworfen werden, wenn man den Untaten eine vergleichbare Liste guter Taten entgegen stellen könnte, die den angerichteten Schäden qualitativ und quantitativ entspräche. Aber wie sollte das gelingen? Wie sollte fast zweitausend Jahre Verfolgung Andersdenkender kompensiert werden? Wie sollte die Vernichtung ganzer Kulturen vom antiken Rom bis zum enthaupteten Aztekenkult gegen die Suppenküchen der Caritas und Diakonie aufgewogen werden? Wie sollten tausend Jahre physische und verbale Gewalt, Kreuzzüge, Inquisition, Hexenverbrennung und Indices verbotener Bücher gegen irgend etwas verrechnet werden? Es gibt Vergleiche, die verbieten sich, weil alle  Vergleichsmaßstäbe gesprengt, alle Zeitdimensionen unvorstellbar werden. 1700 Jahre staatlich verordneter, kirchlich geforderter Glaubenstotalitarismus ist ein solcher Vergleich.

1700 Jahre! Wissen wir eigentlich noch, wovon wir sprechen? Dennoch werden bis heute die massenhaft betriebenen Verstöße gegen die Menschlichkeit mit überheblicher Geste fortgewischt, letztlich, im Jahre 2011, durch den katholichen Kirchenhistoriker Klueting: „Man komme mir nicht mit Religionskriegen, Schwertmission, Judenmassaker, Ketzerverfolgung oder Hexenverbrennung. Das alles ist mir als Historiker bestens vertraut. Aber das sind antichristliche Verunstaltungen des Christlichen". So einfach entledigt sich ein Theologe, Professor dazu, der Vergangenheit: Eine im Wesen „reine“ Kirche muß bedauerlicherweise eine Unmenge antichristlicher Elemente in ihren Reihen beherbergen. Dann wäre noch als Entschuldigung das „finstere Mittelalter“ zu erwähnen, das der mildtätigen Kirche seinen grausamen Stempel aufgedrückt habe. Aber das Mittelalter ist nicht „finster“ geworden, weil die Menschen die Düsternis lieben, sondern weil eine übermächtige Kirche die Jahrhunderte mit finsteren Kirchenedikten überflutet und alle Werte neu definiert. Es sind Jahrhunderte, in denen die Frage „Was sagt Gott dazu?“ die einzige Frage aller Stände wird. In denen die Pracht, die Größe und die Überzahl der Kirchen den bescheidenen Hütten der Menschen das Sonnenlicht rauben wird. In denen in kollektiver, sonntäglich vertiefter Furcht vor Gottes Strafen gelebt und wie kaum eine andere Zeit das Grausame, Vulgäre und Rohe gepflegt wird. In denen unvorstellbare Obszönitäten, das Vierteilen, Blenden, Hände-, Brüste- und Hodenabhacken, das Zunge-, Lider- und Fingernägelausreissen, das Zerpflügen eingegrabener Menschen empfohlen werden. In denen Priester dumpfe Seelenqualen schüren, verstörte Geister in der Magie Halt suchen und kosmische Zeichen, Vorhersagen vom "Jüngsten Gericht", apokalyptische Verzerrungen und Visionen grotesker Tiere die Menschen verängstigen.

Da gibt es nichts „aus der Zeit heraus“ zu entschuldigen. Das „finstere“ Mittelalter ist kein Schicksal und die Verbrechen sind keine bedauerlichen „Verfehlungen“ einer ansonsten geheiligten Kirche. Ebenso wenig wie die bis in die 90er Jahre des 20. Jahrhunderts erfolgte Entwürdigung junger Frauen in den Wäschereien katholisch-irischer Magdalenenstiften [3] oder der tausendfache Mißbrauch junger Knaben in den Händen zölibatärer Priester. Das „finstere Mittelalter“ ist kein unabwendbares Ereignis gewesen, sondern zwangsläufige Folge einer unmenschlichen Kirchenlehre.

Epilog: „Das Christentum hat unsere Kultur geprägt“

Das Christentum hat unsere Kultur geprägt, das ist wahr, wenngleich seine kulturelle und menschliche Gesamtbilanz verheerend ausfällt und die neue Weltsicht keinen Vergleich mit der bekämpften antiken, arabischen oder maurisch-spanischen Kultur aushalten kann.

Diesen „Sieg“ des erstickenden Dogmas über freie, intellektuelle Hochspannung, diesen Triumph der unheiligen Allianz aus Kreuz und Schwert über eine beispiellose Hochkultur, deren gigantischer geistiger Fundus noch heute Philosophie, Kunst, Wissenschaft, Architektur und Poesie beflügelt, diesen Pyrrhus-Sieg der Staatskirche mit nachfolgender Analphabetisierung eines halben Kontinentes und wirtschaftlicher Verödung Europas als Ausgangspunkt einer neuen, angeblich der Antike überlegenen christlich-abendländischen Kultur feiern zu wollen, gar in Verkennung der philosophischer Werke und Ideen antiker Denker und unter Verleugnung unangenehmer biblisch-testamentarischer Texte und der historischen Tatsachen „die ursprünglichen Besitzverhältnisse“ der Kirche (H. Bielefeldt, 2011) über Würde und Menschenrechte glauben anmahnen zu müssen, kommt einer Satire auf unsere geschichtliche Kenntnis gleich und offenbart einen beschämenden Mangel an Bildung der classe politique.

Die Wahrheit ist, dass die katholische Kirchenführung mit den Menschenrechten wenig anzufangen weiß. Menschenrechte stellen sich aus kirchlicher Sicht vor allem als eine Kombination protestantischer und revolutionärer Auffassungen dar. So verwarf Leo XIII. im Jahre 1888 in der Enzyklika Libertas praestantissimum donum die Idee der Menschenrechte mit den Worten: „Die uneingeschränkte Freiheit des Denkens und die öffentliche Bekanntmachung der Gedanken eines Menschen gehören nicht zu den Rechten der Bürger“, es sei völlig ungerechtfertigt, die unbegrenzte Freiheit des Denkens, der Rede, des Schreibens oder des Gottesdienstes zu fordern.

Rund 120 Jahre später behauptet Papst Benedikt XVI. anläßlich seines Deutschlandbesuches im September 2011 in einer nebulösen, erkenntnistheoretisch wie rechtsphilosopisch [4] angreifbaren, sprachlich verschwurbelten Rede vor dem Deutschen Bundestag, die Idee der Menschenwürde und -rechte sei von der Überzeugung eines Schöpfergottes, von der „Gottesebenbildlichkeit“, abzuleiten und ordnet damit die auch von Buddhisten und Muslimen getragene UN-Menschenrechtserklärung auf die katholische Linie ein. Dieser christlich-kirchliche Gottesbezug der Menschenrechte, weder durch empirische oder wissenschaftliche Erkenntnisse nachweisbar, noch durch politische oder logische Argumente belegbar, eine Behauptung also aus dem luftleeren Raum, animierte die Konrad-Adenauer-Stiftung zum öffentlichen Nachdenken unter Leitung des CDU-Politikers Bernhard Vogel: Der Gottesbezug trage „dazu bei, dass der Mensch unreduziert wahrgenommen“ werde. Andere Menschenbilder seien „defizitär“, die „mit Sicherheit auch defizitäre ethische und politische Entscheidungen nach sich“ zögen („Menschenwürde“, 2006).

Dieser von der Bundesregierung finanzierte, zopfige Text gegen den Weltbürger, der alle bisherigen feindlichen Menschenbilder der Kirche, insbesondere die antijüdischen, antihäretischen, antireformatorischen und antimodernistischen, schlicht negiert, wurde als Handreichung für den Bundestag von einer Handvoll deutscher Theologen ausgetüftelt, die „Menschenwürde“ unter sich auszumachen versuchten. Philosophen und Kulturwissenschaftler waren unerwünscht.

Nur am Rande sei noch erwähnt, dass die ominöse Gottesebenbildlichkeits-Debatte durch die Evolutionsforschung (Darwin) als hoffnungslos antiquiert ausgewiesen ist. Denn falls die Gottesebenbildlichkeit zuträfe, hätte sich Gottes Wesen mit dem Wandel des Menschen vom lustarmen Einzeller zum erotisch-raffinierten homo sapiens ständig verändert, hätte Gott vor 100.000 Jahren körperlich wie wesenshaft dem homo erectus geglichen. Da Gott aber ewig ist, kann eine solche Veränderung ausgeschlossen werden. Im übrigen handelt es sich um eine auch theologisch unsinnige Gespensterdebatte. Denn sie unterstellt, dass Gott erkennbar ist (Spiegelbild des Menschen), was seine Göttlichkeit erneut grundsätzlich in Frage stellt. Die Ebenbildlichkeits-Debatte ist also Phraseologie in Reinstform, die wichtige Zukunftsthemen wie Praeimplantationsdiagnostik und Gen-Technologie zum Schaden der Menschen mit irrationalen Luftargumenten belastet und lediglich geeignet ist, eine ernsthafte, tiefer gehende Werte- und Würdediskussion zu umgehen und diese stattdessen in kirchlich-archaische Denkweisen einzumauern.

Gleichermaßen geheimnisvoll bleibt, was Papst Benedikt XVI. überhaupt unter „Menschenrechten“ versteht. Um die Freiheit des Denkens oder um Bürgerrechte jedenfalls kann es sich kaum handeln, da Libertas praestantissimum donum diese ausdrücklich ablehnt. Und dass die katholische Kirche Frauen den Zugang zu allen mit der Weihe verbundenen Ämtern und Funktionen verweigert und damit gegen das europäische Diskriminierungsverbot verstößt, ist ebenfalls bekannt.

Was Europa im innersten zusammenhält

Die gebetsmühlenartig wiederholte Behauptung, die christliche Idee von der Gottebenbildlichkeit des Menschen habe die Menschenrechte begründet und es sei ein Verdienst des Christentums, die Formel von der Menschenwürde gefördert zu haben, ist also nachweisbar falsch. Und angesichts dessen, was die Kirche in diesem Namen getrieben hat, bemerkenswert dreist. In Wahrheit ist die Redensart von einer durch die christliche Lehre generierten „Menschenwürde“ voll bitterer Ironie. Denn was die Lehre von der Erbsünde anthropologisch bedeutet, liegt auf der Hand: Sie ist menschenverachtend. Der Mensch ist verderbt, ein Wurm und Opfer seiner Sinne. Gott macht mit ihm, was er will. Der Mensch solle zu Staube kriechen und sich blind in sein jenseitiges Schicksal ergeben. Selbst der Gottessohn wird entwürdigt. Gegeißelt und mit Dornen gekrönt wird er seit Jahrhunderten den Menschen zur Schau gestellt. Keine Mutter würde nach dem Tode ihres Sohnes derart Schauerliches und Pietätloses zulassen.

Was Europa im innersten zusammenhält, was Europa ausmacht, ist also nicht der billige Rekurs auf die Bergpredigt, ist nicht ein angeblich „liebender Gott“, der die Menschen nach Belieben tötet und foltert. Was Europa zusammenhält, ihm ein unverwechselbares Gesicht gibt, ist das griechisch-römische Erbe, die mühevoll gegen die Staatskirche errungenen Bürgerrechte, die der klerikalen und weltlichen Willkür ein Ende setzen, die Freiheit des Denkens, die Gleichberechtigung und all das, was im Grundgesetz, in den Artikeln 2-18 steht. Europas Basis ist nicht die Bibel, sondern die Petition of Rights (1628), die Habeas-Corpus-Akte (1679), die Bill of Rights (1689) und die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte (1789). Diese Texte ergänzen die philosophischen Schriften von David Hume bis Kant, die als Texte der Befreiung zu verstehen sind. „Liberté, Égalité, Fraternité“, das ist es, was Europa ausmacht. Die monotheistische Theologie dagegen hebt die Freiheit auf. Sie lebt vom Zwang „Du sollst“ und von der Züchtigungsrute im Falle des Ungehorsams.

Es geht nicht um Gott

Zu guter Schluß und um nicht mißverstanden zu werden: Es geht nicht um Religion oder Glauben, sondern um einen hierarchischbürokratischen Komplex namens Amtskirche mit Bischöfen, die wie Fürsten behandelt und wie Generale besoldet werden. Es geht um Priester, die in heilloser Überforderung eine verquere gottferne Dogmatik an erste Stelle setzen, Gott die Unendlichkeit rauben, mit jedem neuen Attribut die Authentizitätsprobleme steigern und die chronischen Inkompatibilitäten ins Uferlose vermehren. Es geht um eine Kirche, die ihre 1700-jährige, unerbittlich grausame Geschichte als Staatskirche hintertreibt und stattdessen von der „Religion der Liebe“ schwadroniert. Die in völliger Verkehrung der Lehre und ihrer eigenen Historizität einen „liebenden Gott“ als Kronzeugen anführt, der die Erde verwüstet, die Menschheit vernichtet, brutale Fressketten einrichtet, die abscheulichsten Strafen androht und Auschwitz und Hiroshima zuläßt. Die, kurz gesagt, Gott zur Marionette eines unsäglichen Religionsschauspieles macht.

Und: Es geht um einen Staat, der dies alles nach Kräften fördert, gar in Verfassungen zur Furcht vor dieser Religion auffordert und Juden, Muslime und Nicht-Konfessionelle zwingt, mit ihren Steuern die satten Gehälter christlich-kirchlicher Würdenträger zu bezahlen. Es geht um eine Gesellschaft, in der der Bürger sich dagegen verwahrt, bei der Gestaltung des Politischen von nicht gewählten Meistern der Wahrheit bevormundet zu werden, die nach Wahrheitsregeln, die schon vor 2000 Jahren nicht mehr auf der Höhe der Zeit waren, an Problemen wie Praeimplantationsdiagnostik und Kernenergieausstieg herumdoktern. Es geht um selbsternannte Werte-Gurus, die weder die erforderliche Expertise in existenziellen Sachfragen nachweisen können, noch demokratisch legitimiert sind, die wenig mehr als Schlagworte zum Begriff „Ethik“ beisteuern und dennoch unangemessenen Einfluß auf die Gestaltung gesellschaftlicher Prozesse besitzen. Das hat es in Deutschland noch nicht gegeben: Bischöfe befinden darüber, ob Kernenergie und erhöhter CO2-Ausstoß aus konventionellen Kraftwerken gesellschaftlich vertretbar sind. Ihre Entscheidungsgrundlage ist ein Buch aus der Zeit der babylonischen Gefangenschaft der Juden.

Es geht auch um Würde

Und es geht auch um Würde. Als Republikaner schämt man sich, dass die Bundeskanzlerin als Gastgeberin an den Berliner Sitz der Deutschen Bischofskonferenz eilt, um dort vom Gast, einem umstrittenen Kirchenführer, empfangen zu werden. Betreten schaut man zu, dass Bundesverfassungsrichter, zu strikter religionspolitischer Neutralität verpflichtet, in ein Freiburger Priesterseminar pilgern, um einem Religionsführer ihre Aufwartung zu machen. Das soll uns mal einer nachmachen! Bundeskanzlerin, Bundestagspräsidium und oberstes Verfassungsgericht werfen sich im eigenen Land dem Repräsentanten einer Organisation zu Füßen, die im Laufe ihrer 2000jährigen Geschichte mehr Phantasie aufgewendet hat, Andersdenkende mit Streckbänken und Daumenschrauben zum Gehorsam zu zwingen, als jede andere Diktatur. Ungläubig beobachtet man, dass die Mehrheit der Volksvertreter einem Bundestagspräsidenten folgt, der auf Kosten der katholischbischöflichen Cusanus-Gesellschaft studiert und kürzlich eine Vater-Unser-Interpretation publiziert hat, der vom Papst in Privataudienz empfangen worden ist und im Gegenzug die Volksvertretung für die eigene religiöse Überzeugung strapaziert, indem er initiativ den Papst zu einer Rede vor dem Parlament, der Volkskammer aller Deutschen, einlädt. Nicht als Staatsmann hat Benedikt gesprochen, wie beschönigend behauptet wurde, sondern als Kirchenführer. Denn diesen Zahn zog der Papst den Politikern bei seiner Antrittsrede höchstpersönlich: Er sei als Papst und nicht als Staatenlenker gekommen.

Diese provokante Einladung Norbert Lammerts (samt der Fraktionsführer), die die Verfilzung von Staat und Kirche, von Politik und Religion öffentlich dokumentierte, die zum Auszug von einhundert Parlamentariern führte, deren vakanten Sitze horribile dictu mit Claqueuren gefüllt wurden, die Zehntausende auf die Berliner Straßen trieb, dieses instinktlose Unterfangen, das die 2000-jährige offene Feindschaft der Päpste gegen die Juden tatsächlich ebenso entschuldete wie die erbitterte Verfolgung von Häretikern und Ketzern durch die katholische Kirche, dieser staatskirchenpolitische Winkelzug, überflüssig wie ein Kropf, der dem innenpolitischen Frieden dauerhaft geschadet, die Diskussion um die Trennung von Staat und Kirche erst richtig angeheizt, alte Gräben vertieft und neue aufgerissen hat, ist ein böser Schlag ins Gesicht all derer gewesen, die meinen, Staatsreligionen hätten schon genug Unheil angerichtet, nun sei es genug mit heiligen Kriegen und Bush-Kreuzzügen, mit Salafisten, Pius-Brüdern und Scientologen, mit Bekehrten und Offenbarten, mit Verfluchen und Verstoßen, mit tönernen Friedensbekundungen und realer Unfriedensstiftung.

Also, wehret den Anfängen. Zum Beispiel bei der Frage, ob noch mehr Religionsunterricht an die ohnehin schon polyethnisch und multireligös überfrachteten öffentlichen Schulen gebracht werden soll. Diesmal geht es darum, dass Politiker die Schulen für islamischen Religionsunterricht öffnen wollen. Vorgeblich um fundamentalistische Auswüchse zu begrenzen. Als wäre es jemals möglich gewesen, Religionsradikalinskis durch freiwilligen, wöchentlichen Unterricht an staatlichen Einrichtungen zu bändigen. Mit solchen Maßnahmen erfährt lediglich der Zwist zwischen Konfessionsfreien, Protestanten, Katholiken, Freikirchlern und Muslimen eine neue Dimension. Statt Religion konsequent in die private Sphäre zu verschieben („Sonntagsschulen“), statt sie von den Hochschulen zu verbannen, werden die öffentlichen Schulen verstärkt in das grausame Geschacher um Glaubenswahrheiten hineingezogen.

Dabei deuten alle Daten deuten darauf hin, dass das Großkirchen-Christentum in der modernen Welt sein tatsächliches Ende bereits hinter sich hat. Denn die Welt rückt zusammen und die Kirchen sind nicht zufällig leer. Sie leeren sich, weil die Priester die Fragen des 21. Jahrhunderts unter Heranziehung 2000 Jahre alter Folianten dechiffrieren wollen, weil sie Urknall, Evolution, Apparatemedizin und Ausschwitz theologisch nicht mehr beherrschen. Wer angesichts des anthropozentrischen Größenwahns, des ungebremsten, katastrophalen Bevölkerungswachstums und in Gegenwart perverser Tier- und Ressourcenausbeutung weiterhin von „gottgewollter Herrrschaft des Menschen über die Natur“, von „Krone der Schöpfung“ und „macht Euch die Erde untertan“ meditiert, wer im Zeitalter der Globalisierung der Weltanschauungen immer noch behauptet, die ewige Wahrheit zu vertreten, der sollte von der öffentlichen Bühne abtreten. Der sollte dem grenzüberschreitendem Humanismus den Vortritt lassen.

[3] Im Irland der 60er und 70er Jahre verschwinden junge Frauen, oft mit dem Segen ihrer Familien, hinter den Mauern der Magdalenenstifte, die gefallenen Mädchen Zucht und Ordnung beibringen sollen. Vgl. dazu den preisgekrönten Film „Die unbarmherzigen Schwestern“ von Peter Mullan, 2002.

[4] Vgl. „Hier irrte der Papst“, FAZ v. 03.11.2011.

Rolf Bergmeier, M.A.

Althistoriker und Philosoph; Forschung mit Schwerpunkt im Grenzbereich von Spätantike, frühes Mittelalter und Kirchengeschichte.

Veröffentlichungen seit 2010 (Monographien):

· Kaiser Konstantin und die wilden Jahre des Christentums. Die Legende vom ersten christlichen Kaiser, 2010.

· Schatten über Europa. Der Untergang der antiken Kultur, Dezember 2011

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

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Denk-Schrift II: Deutsche Politiker


Gottgegeben: Die katholische Kirche als Lehrmeister:

Natürlich wird in den Werken Augustins auch der Vorrang der katholischen Kirche begründet. Diese, so vertraut er uns an, vertritt als „Tempel Gottes“ den dreifachen Gott. Und zwar seit Anbeginn des Universums, wie wir aus dem von Papst Benedikt zu verantwortenden katholischen Katechismus des Jahres 1993 erfahren dürfen: Gott, so sagt uns der damalige Kardinal Ratzinger durch den Mund des Katechismus, Gott habe die heilige katholische Kirche „schon seit dem Ursprung der Welt vorausgestaltet“. Das ist stark! Katholische Kirche seit dem Ursprung der Welt! Diese „Vorausgestaltung“ ist nicht in tastender, unschlüssiger göttlicher Planung erfolgt, „mal schauen, was aus dem Andromeda-Nebel wird“, nein fix und fertig ist sie gewesen, die katholische Kirche, „vorausgestaltet“ eben, vor Milliarden Jahren, mit Papst Benedikt, Bischöfen und Frauen in dienenden Berufen.

Die Protestanten spielen im vorkosmischen Plan Gottes übrigens keine richtige Rolle. Sie können leider „nicht gerettet werden“, so der heutige Papst Benedikt in seiner Heilsbotschaft Dominus Jesus aus dem Jahre 2000, da sie „um die katholische Kirche wissen, in sie aber nicht eintreten“. Warum sich die Protestanten bei einer solchen Diffamierung nicht zu Worte melden, wenn Benedikt als bisher einziger Religionsführer zu einer Rede vor dem Bundestag eingeladen wird, warum sie sich wie provinzielle Bittsteller nach Erfurt zur Audienz beim Papst bemühen, um dort noch die Stiefel zu küssen, die sie Jahrhunderte lang getreten haben, bleibt einigermaßen schleierhaft. Es sei denn, sie würden, o sancta simplicitas, tatsächlich immer noch daran glauben, dass es eine Ökumene gibt, die nicht katholisch ist.

Damit Papst und Bischöfe bei diesem kräftezehrenden Bekehrungsritual nicht verunsichert werden, wird ihnen der Besitz der Wahrheit ausdrücklich bestätigt: Die Wahrheit würde ihnen in der Erleuchtung des Geistes durch Gott zuteil. Der göttliche Geist strahle diese Ideen und Regeln direkt in den menschlichen Geist ein. Natürlich nicht in jeden Menschen, also nicht in den Geist von Philosophen, Agnostikern, Atheisten, Kommunisten, Häretikern, Kritikastern und seit dem Jahre 1 leider auch nicht mehr in die Köpfe der Juden. Letztere tragen ohnehin ein unentschuldbares Übermaß an Schuld mit sich herum, so dass der „heilige“ Augustinus sie in seiner Kampfschrift „Gegen die Juden“ als Mörder, aufgerührter Schmutz, triefäugige Schar, Wahnsinnige, Wölfe zu denunzieren gezwungen ist. Und auch hier gilt, dass die Juden wahrhaftig Grund gehabt hätten, sich gegen die Papstrede zu verwahren.

„Religion der Liebe“ als Begründung des moralischen Führungsanspruchs

Mit dem Begriff der „Nächstenliebe“ läuft die theologische Wortdrescherei zu großer Form auf. Zwar hat man noch nie davon gehört, dass die steinreiche Kirche Grundstücke oder bischöfliche Barockresidenzen verkauft hat, um der vorweihnachtlichen Aufforderung, „den Armen zu spenden“ beispielhaftes Gewicht zu geben. Zwar wissen die Gewerkschaften zu berichten, dass Arbeitnehmer in den kirchlichen Großeinrichtungen Diakonie und Caritas in niedrige Lohngruppen abgedrängt und nahezu mit Hungerlöhnen abgespeist werden. Zwar werden Geschiedene ausgegrenzt, des Arbeitsplatzes beraubt und Homosexuelle gedemütigt. Auch pfeifen alle Spatzen die in der Menschheitsgeschichte einzigartigen Verbrechen bei der Verfolgung Andersdenkender von den Zinnen der Kathedralen, aber nichts, auch rein gar nichts hält die kirchliche Klientel, die beileibe nicht nur aus Pastören besteht, davon ab, das Christentum als „Religion der Liebe“ in Positur zu bringen.

Ausgangspunkt ist natürlich der „himmlische Vater“. Dieser liebe alle Menschen, behauptet die Kirche. Ein Unsinnsspruch, denn Gottes Zorn ist stadtbekannt. Er ist so schlecht auf die Menschen zu sprechen, dass er sie mehrfach aufs böseste bestraft: Erstens mit dem Tod und zweitens mit der Erbsünde. Kurz danach räumt der „liebe Gott“ in einer Sintflut alles Leben beiseite, auch das der Fische, die sich doch eigentlich in dem vielen Wasser pudelwohl fühlen müßten, weil er sich immer noch über die Sünder ärgert. Dann, nachdem sich das Leben auf Erden wieder erholt hat, verlangt er, dass sein eigener Sohn ans Kreuz genagelt wird, als „Sühne für die verdorbene Menschheit“. Aber von den angedrohten wüsten Höllenstrafen nimmt Gott dennoch keine einzige zurück. Trotz Kreuzigung. Stattdessen gestattet er "Stellvertretern" tausend Jahre lang die Menschen zu drangsalieren und greift trotz „Allmächtigkeit“ nicht mit Blitz und Donner ein, um Hiroshima oder Auschwitz zu verhindern. Zu guter Letzt schickt dieser Kirchengott seine ungehorsamen Kinder auf ewig in das Feuer der Hölle, wenn sie nicht die katholischen Bedingungen für das ,,Seelenheil" erfüllen.

Dieses rigide Strafszenario, vor 2000 Jahren von untergangsgläubigen Jenseitsbeseelten im pathologischen Deutungswahn entworfen und seither zum Nutzen und Frommen der Kirche angewendet, diese furchtbare Höllensage, meilenweit von den religiösen Vorstellungen der Antike entfernt, [1] führte dazu, dass die meisten christfrommen Menschen mehr als 1500 Jahre in einer pseudoheilsamen Angststarre verharrten, weil sie fürchteten, direkt in den Kochtöpfen des schwarzen Hinkefußes zu landen. Und noch heute diktiert Angst vor dem „richtenden“ Gott das kirchliche Gottesszenario. Dennoch haben Priester die Stirn und Gläubige die Biederkeit, vom „liebenden Gott“ zu sprechen.

Dieser Gott hat einen Sohn. 400 Jahre lang sind beide innerhalb der christlichen Gemeinden heftig umstritten. Der römische Kaiser Konstantin ist es schließlich, der auf dem Konzil von Nicäa (325) den jüdischen Alleingott zum „wesensgleichen“ Zweifach-Gott transformiert. Der „Vater“ erhält einen göttlichen Sohn, der aber kein Sohn sein darf, da er ja „von Anbeginn“ schon existiert. Er ist also eher ein Bruder, aber auch wieder nicht, da er – zwar wesensgleich mit Gottvater – vom göttlichen Vater gezeugt sein soll, (Kath. Katech. 254). Er scheint also eher ein Klon zu sein, gezeugt und wesensgleich. Aber so ganz genau weiß das niemand, zumal nicht Gottvater, sondern der „Heilige Geist“ Maria geschwängert haben soll, irgendwie metaphysisch, wie sich versteht.

Josef spielt übrigens keine Rolle. Er akzeptiert achselzuckend die Fremdschwangerschaft seiner Frau und hütet Ochs und Schaf. Jesus, ein tiefgläubiger Jude, verkündet menschenfreundliche, altjüdische Botschaften. Seine Jünger und Apostel, rund 50 Männer und Frauen, und die römischen und jüdischen Zeitgenossen wissen allerdings rein gar nichts von ihm zu berichten. Was in einer Zeit, in der die Bibliotheken mit Hunderttausenden von Büchern zu bersten drohen, völlig lebensfremd ist und zwei Schlußfolgerungen zuläßt: Entweder ist Jesus eine rein literarische Figur, die erst mit den Paulusbriefen zu leben begann. Oder Jesus war weder aufsehenerregend noch konnte er über Wasser gehen. Er war ein Prophet. Und von denen gab es damals viele. Dieser „Gottessohn“ also, bis tief in das 4. Jahrhundert innerhalb der christlichen Gemeinden hoch umstritten, logisch und theologisch das Widersinnigste, was Religionen je erfunden haben, diesen Gottessohn also expedieren die Priester auf die Erde. Dort, im Leib einer Irdischen, habe er gewartet, neun lange Monate, bevor er das Licht der Erde erblickt, ohne Geburt. Die „Gottesmutter“ Maria ist daher unberührt, unbefleckt, himmlisch schön und so heilig, dass sie per Dekret von Papst Pius XII. aus dem Jahre 1950 körperlich in den Himmel auffährt. Wie man sich das vorzustellen hat, ist nicht bekannt. Aber Benedikt XVI. ist der Auffassung, dass dieser nicht nur wegen Marias Himmelfahrt hoch umstrittene Papst in den Pantheon der Heiligen aufgenommen werden sollte.

30 Jahre also lebt dieser Gottessohn auf Erden und stirbt in den Fängen jüdischer Häscher und römischer Söldner. Nicht in edler Haltung, sondern in erniedrigenster Pose, Mitleid heischend und den Menschen zur Besichtigung am Kreuz freigegeben, ohne dass der Allmächtige mit Donnerschlägen dazwischen fährt. Das habe ER so gewollt!, ruft die Kirche. Sein Wille sei gewesen, seinen Sohn stellvertretend für die Menschen büßen zu lassen. Man bedenke: ER läßt seinen Sohn ans Kreuz nageln, weil ER seine eigene Strafe nicht aufheben will! Wer denkt sich eine solche Vater-Sohn-Beziehung aus?

So also stellt sich die christliche Kirche den liebenden Gott vor. Daraus also leiten die Priester das Nächstenliebe-Gebot ab, ohne dessen Wirken wir angeblich unsere Werte und Würde, kurz unseren Halt, verlieren. Aber historisch betrachtet ist das Nächstenliebe-Gebot jüdisch: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (3 Moses 19,18). Im übrigen dürften vermutlich alle Kulturen den Wert der "Nächstenliebe", wenn auch unter verschiedenen Namen, hervorheben, ohne sich deshalb ständig an die Brust zu klopfen. Bereits die Philosophie Zarathustras (vor 500 v.u.Z.) basiert auf den drei Grundsätzen "Gut Denken, gut Reden und gut Handeln" und auf seinem Credo "Ich bin Zarathustra, wahrhaftiger Gegner der Lügner, und ich werde sie bis zu meiner letzten Kraft bekämpfen. Aber mit meiner ganzen Kraft werde ich den Aufrechten und Rechtschaffenen beistehen" (43/8). Wenig später läßt Sophokles um 450 v.u.Z. seine Antigone rezitieren: „Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich geschaffen“. Und Aristoteles erkennt um 330 v.u.Z. in seiner „Nikomachischen Ethik“, das Wesen der Freundschaft sei, mehr Liebe zu geben als zu nehmen. Der römische Philosoph Seneca schreibt ein ganzes Buch über die Wohltaten, „De beneficiis“, und erkennt in seinem Werk „Vom glückseligen Leben", das höchste Gut sei „ein ruhiges Handeln, reich an Menschenliebe und Rücksicht für die, mit denen man lebt". Cicero, ebenfalls ein „Heide“ des 1. vorchristlichen Jahrhunderts, wird diesen altruistischen Gedanken aufgreifen und von einer natürlichen „Wohlgeneigtheit zwischen allen Menschen“ sprechen. Keiner ist bisher auf den Gedanken gekommen, die Lehren Zarathustras, Sophokles` oder Senecas mit dem Epitheton „Philosophie der Liebe" zu versehen, obwohl ihnen dieses Markenzeichen wahrlich zustände. Im übrigen ist dieses überstrapazierte Liebesgebot als „Altruismus“, als Teil des natürlichen Verhaltens des Menschen, bekannt. Die Soziobiologie weist bereits Mitte des 20. Jahrhunderts die genetischen Grundlagen des Altruismus nach.

Neu scheint lediglich das Gebot der „Feindesliebe“ zu sein (Mt 5,43-48), das eine Radikalisierung des Nächstenliebe-Gebotes darstellt und vermutlich nur in Zusammenhang mit der damaligen unmittelbaren Erwartung einer neuen (himmlischen) Welt zu verstehen ist. In der kirchlichen Praxis ist das Feindesliebe-Gebot bis heute ohne Bedeutung. Die Kirche segnete Waffen und die Soldaten haben bis in die jüngste Zeit „für Gott und Vaterland“ die Gegner massakriert. „Feindesliebe“ bleibt damit als realitätsferne, unerfüllbare Forderung eine Wort-Tapete, genauso sinnvoll wie die Forderung „Reichtum für alle“. So bleibt es also völlig nebulös, welche spezifisch christlichen Werte die Kirchenführung eigentlich anzubieten hat.

So schlecht hat es noch keine Epoche mit dem Menschen gemeint

Man wird zugeben müssen, dass dieser „liebende Gott“, der in Wahrheit ein ziemlicher Wüterich zu sein scheint, unmöglich den wahren Gott repräsentieren kann. Ritterlichkeit, Fairness und Gerechtigkeit sind keine Vokabeln, die im Sprachschatz dieses Kirchengottes auftauchen. „Fürchte Gott“ mahnt daher sein Apologet Johannes (Offenbarung 14,7) und folgerichtig fordert die Landesverfassung Rheinland-Pfalz auch nicht, die Jugend in Gottesliebe zu erziehen, sondern in blanker Furcht: „Die Schule hat die Jugend zur Gottesfurcht […] zu erziehen” (Art. 33). Ein Spruch, der angesichts der heterogenen Religionslandschaft und des sehr realen Anteils von rund 30 Millionen Konfessionsfreien wie eine Botschaft aus dem 18. Jahrhundert anmutet. 2

Diese misanthropische Lehre mit ihren dominanten Eckpunkten, Erbsünde und göttliches Strafgericht, ist eine deprimierende Kriegserklärung an den Menschen. Von der Zeugung an mit einer übergroßen Schuld beladen, ist die Menschheit eine sündhafte Elendsmasse, mit der Gott machen kann, was er will. So schlecht hat es noch niemand mit den Menschen gemeint. So finster wurde noch niemals die Zukunft ausgemalt. Nie in der Menschheitsgeschichte wurde das Denken mit derart sinnlosen und wahnwitzigen Sünden- und Höllenapokalypsen kontaminiert, nie hat es einen radikaleren Wandel des Menschenbildes gegeben, nie eine bedrohlichere Lehre, nie eine größere Entmutigung, nie eine dreistere Tarnung mit Sprüchen vom „liebenden Gott“ und von der „Religion der Liebe“. Eine „chinesische“ Kulturrevolution, umfassender, grausamer, länger dauernd als jemals eine Kulturrevolution in der Menschheitsgeschichte, wird sie die Zeit verändern. Jenseitsorientierung, Diesseitsabgewandtheit, Schuldvorwürfe, Selbsterniedrigung und Angst vor Hölle und Vorhölle werden endgültig die entscheidenden und bestimmenden Faktoren im Leben der Menschen. Wir ahnen, dass die Wolfszeit anbricht. Das alles ist weder rational noch theologisch zu begreifen. Erst der Blick in die Religionsgeschichte öffnet den Zugang zum Verständnis. Eingeklemmt zwischen einer turmhoch überlegenen römisch-griechischen Kultur mit weit fortgeschrittener Wertediskussion auf der einen Seite und der noch älteren, ehrwürdigen jüdischen Bibel auf der anderen, steht die christliche Lehre als Klassen-Neuling von Beginn an unter Zugzwang. Diese neue Religion muß überhaupt erst noch ihren Platz finden, muß extravaganter und radikaler als alle anderen Religionen sein, muß die Mystifikation ins Unendliche steigern, muß die Juden enteignen, ihnen die Vergangenheit entwenden, muß die uralte Lehre zur Ankündigungsplattform ihrer neuen Religion degradieren, muß alle Andersdenkenden bekämpfen, um überhaupt Platz zwischen jüdischem Monotheismus, polytheistischer Duldsamkeit, senecaischen „Tue Gutes“-Gedanken und neuplatonischer Religionsphilosophie finden zu können.

Und so verrennen sich die christlichen Priester in immer abenteuerlichere Konstruktionen, die mit Augustinus` Sündenlehre und der Zwei-Naturen-Lehre des Jahres 451 ihre widergöttlichen Referenzpunkte finden. Gott, so erkennen wir, wird von den Priestern in schlimmster Weise geschmäht. Man müßte die Erfinder und Apologeten dieser Lehre wegen „Gotteslästerung“ (§166 StGB) vor Gericht stellen, ihnen wenigstens die Berechtigung absprechen, über Gott zu sprechen. Unabhängig davon, dass sie wegen der Paradoxie, über Unendliches sprechen zu wollen, aus dem Kreis der Gebildeten ausgeschlossen werden müßten. Die Kirche aber wird es nie verwinden, dass ihr Religionsgründer Jude war, der nicht im Traum daran dachte, eine bürokratischhierarchische Kirche mit einem Stellvertreter Gottes an der Spitze zu gründen. Sie wird Jesus vereinnahmen und die lästige jüdische Konkurrenz auf das bitterste verfolgen.

1 "Winter und Sommer sänftigen sie [die Götter] mit dem Eintreten eines milderen Hauches, das Irren strauchelnder Seelen ertragen sie sanftmütig und gnädig" (Seneca, De beneficiis).

2 Im „Vorspruch“ heißt es gar: „Im Bewusstsein der Verantwortung vor Gott, dem Urgrund des Rechts und Schöpfer aller menschlichen Gemeinschaft …“. Baden-Württemberg fordert in der Landesverfassung Art. 12 Eltern und Lehrer auf: „Die Jugend ist in Ehrfurcht vor Gott, im Geiste der christlichen Nächstenliebe …“ zu erziehen. Bayerische Landesverfassung, Art. 131, Abs. 2: “Oberste Bildungsziele sind Ehrfurcht vor Gott …“. Von 16 Bundesländern haben acht den Gottesbezug in der Präambel und fünf christliche Erziehungsziele in der Landesverfassung erwähnt.

 

 

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Denk-Schrift I: Deutsche Politiker


Redaktion: Ich freue mich ganz besonders, dass mir Rolf Bergmeier die Genehmigung zum Abdruck seiner Denkschrift erteilt hat. Dies geschieht fast zeitgleich mit der Vorstellung seines neuen Buches „Schatten über Europa“, das am 12. Dezember 2011 im Humanistischen Pressedienst begleitet von einem Interview vorgestellt wurde.

Vor und während des Besuches Papst Benedikts XVI. ist viel über „christliche Werte“, „Leitkultur“ und vom Christentum als „Fundament europäischer Kultur“ gesprochen worden. Was führende Politiker zu diesen grundlegenden und die herausgehobene Stellung der christlichen Kirche im deutschen Staatswesen begründenden Thesen bisher haben verlauten lassen, ist mehr von religiösem Engagement als von Kenntnis über historische und kirchengeschichtliche Zusammenhänge geprägt. Die folgende Denk-Schrift will der vorherrschenden weltanschaulichen Betrachtung einen lesbaren, wissenschaftlich orientierten Text an die Seite stellen. Dem Wesen einer Denk-Schrift entsprechend ist der Umfang des Textes knapp bemessen. Interessierte Leser werden gebeten, sich mit Hilfe der auf der letzten Seite zitierten Literaturwerke zu informieren.

„Wer unser christliches Weltbild nicht akzeptiert, ist fehl am Platze“

Für die meisten Politiker scheint die Sache klar zu sein: Deutschlands  „Werte“ sind christlich und weil sie göttlich sind, sind sie auch ewig. Ohne diese christlichen Werte werde der Gesellschaft der Boden unter den Füßen weggezogen. 47 Seiten hat die CDU-Wertekommission unter Leitung des damaligen rheinlandpfälzischen CDU-Chefs Christoph Böhr im Dezember 2001 zusammengeschrieben. Das Programm unter dem Titel „Die neue Aktualität des christlichen Menschenbildes“ wurde vom damaligen Generalsekretär der CDU, Laurenz Meyer, mit den Worten vorgestellt: „Unsere Werte, die Fundamente, auf denen unsere Gesellschaft gebaut ist, sind heute und in Zukunft […] dieselben wie zuvor“.

Die CDU-Vorsitzende, Angelika Merkel, erklärte im Oktober 2010 auf einer Regionalkonferenz in Berlin-Brandenburg die spezifischen CDU-Werte: “Wir fühlen uns dem christlichen Menschenbild verbunden, das ist das, was uns ausmacht.” Wer das nicht akzeptiere, so meinte sie, der sei „bei uns fehl am Platz“ (Tagesspiegel, 15.10.2010). Damit setzt die CDU-Vorsitzende, die gerade Thilo Sarrazin wegen angeblich integrationsfeindlicher Tendenzen gerügt hatte, nicht auf kulturelle und politische Versöhnung, sondern auf religiöse Konfrontation. Wer nicht Christ ist, fliegt raus.

Ob das der CDU angesichts wachsender Kirchenaustritte und der hohen Zahl von Immigranten aus unterschiedlichsten Kulturkreisen bekommt, mag dahingestellt bleiben. Dem innenpolitischen Frieden dient dieses Programm sicherlich nicht. Und der Freiheit des Denkens noch weniger, das ohnehin unter dem Bombardement von Schlagworten („alternativlos“, „scheitert der Euro, dann scheitert Europa“) und dem überfallartigen Wechsel politischer Positionen bedenklich gelitten zu haben scheint.

Gerne vereinnahmen christliche Politiker auch die jüdische Kultur. Im Bemühen, eine gemeinsame Abwehrfront gegen den angeblich zerstörerischen Islam aufzubauen, wird die „christlich-jüdische“ Kultur zitiert, die es zu verteidigen gelte. Ein etwas eigenartiges Kulturkonglomerat, das da aus dem Hut gezaubert wird. Denn die Christen haben sich zweitausend Jahre lang eifrig bemüht, der jüdischen Religion und Kultur den Garaus zu machen. Und so wird dieser Versuch einer Vereinnahmung von den Juden auch strikt abgelehnt.

Die wenigen Beispiele zeigen bereits auf den ersten Blick einen religionstypischen Mangel an Nachdenklichkeit, eine bemerkenswerte Naivität der Argumentation und eine fahrlässige Verkürzung der Belegführung. Sehen wir uns also die Erklärungen an und beginnen mit der Prüfung der Behauptung, das Christentum sei der eigentliche Kulturträger des Abendlandes, sei „Europas Leitkultur“, bevor wir uns mit den „christlichen Werten“ beschäftigen.

Vom Fundament europäischer Kultur

"Das Christentum hat nahezu alles, was uns heute umgibt, geprägt" erinnert Bundeskanzlerin Merkel die Parteigenossen auf der besagten Regionalkonferenz. Sie spricht damit aus, was viele denken, aber das sagt wenig. Denn es gibt auch eine negative Prägung.

Hitler und der Nationalsozialismus haben Deutschland auch geprägt, ohne dass wir uns dieser Zeit gerne erinnern. Es versteht sich, dass Frau Merkel in ihrem Bemühen, allem Christlichem eine positive Wirkung abzugewinnen, nicht die Leidensgeschichte Hunderttausender und die unverkennbar negative Wirkung des Christentums auf Wissenschaft und Forschung diagnostizieren mag. Noch weniger scheint die Physikerin die Bedeutung nicht-christlicher Kulturkreise für das „Abendland“ und deren wertebildenden Traditionen zu kennen.

Da wäre an erster Stelle die griechisch-römische Kultur zu erwähnen, der Europa fast alles verdankt, was tief und schön ist. Gleich ob die Antigone im Theater, der Codex Justinianum im Rechtswesen, der Lehrsatz des Pythagoras oder die Säulenarchitektur in der Baukunst, wir benutzen ein Erbe, das vor mehr als 2000 Jahren geschaffen und bis in das 4. nachchristliche Jahrhundert von „heidnischen“ Künstlern, Technikern und Wissenschaftlern fortentwickelt worden ist. Überall gab es damals beheizte Bäder, Brunnen, Fischteiche, Kanäle und Gärten. Aquädukte und Tunnel führten das Wasser über elf Fernleitungen in die Stadt Rom und alleine diese Stadt hatte damals 28 öffentliche Bibliotheken und Dutzende von Musikhallen. Nahezu jedes Städtchen verfügte über Schulen, der gebildete Römer sprach zwei Sprachen und etwa die Hälfte der Bevölkerung konnte lesen und schreiben.

Dann aber versandet ab dem 5. Jahrhundert dieser Strom des Wissens und der Kultur. Innerhalb von wenig mehr als einem Jahrhundert verwahrlosen fast alle Erbstücke, die Griechen und Römer in Italien und Gallien, Spanien und Syrien, Schottland und Nordafrika hinterlassen haben. Verfügten die antiken Bibliotheken in Rom, Marseille, Alexandria oder Konstantinopel noch über jeweils mehrere hunderttausend Bücher, so quälen sich wenig später Reste von einigen hundert Büchern in das Mittelalter der Klosterbibliotheken hinein. Die Wasserleitungen verfallen, die öffentlichen Schulen bleiben leer, Medizin und Naturwissenschaften veröden, die Theater sind geschlossen, die Menschen verlernen das Schreiben und brauchen Übersetzer, wenn sie kommunale Verordnungen lesen wollen. Über das Abendland senkt sich das "finstere Mittelalter" herab.

Die Kirche zerstört die antike Kultur

Schuld an diesem Desaster sind nicht die Germanen, ist nicht die Dekadenz der Römer, wie man immer wieder hört. Sie tragen lediglich zur Heimsuchung bei, sind aber nicht die Hauptverantwortlichen. Die Trostlosigkeit hat einen anderen Namen: Christentum. Die tausendjährige antike Kultur ist untergegangen, weil christliches Alleingott-Denken die heidnische Toleranz gegenüber allen Göttern ablöst, weil die christliche Kirche mit den griechisch-römischen Göttern zugleich auch die antike Kultur des Imperium Romanum bekämpft, weil eine rational nicht nachvollziehbare Diktatur der Wahrheit jedes alternative Denken zerstört, weil das jenseitszentrierte Himmel-Hölle-Bild diesseitiges Bemühen zum Tand erklärt und weil religiöse Fanatiker jegliches Denken außerhalb der Bibel als verwerflich denunzieren.

Das Unheil beginnt im Jahre 380 mit Kaiser Theodosius. Dieses Jahr ist ein Schicksalsjahr für Europa: Staat und Kirche verbünden sich in einer unheiligen Allianz zur Staatskirche, die die Macht erhält, ihre radikalen, diesseits- und menschenfeindlichen Vorstellungen in Politik umzusetzen. Die bisher heillos zerstrittenen Christen werden mit Hilfe von sechzig kaiserlichen Erlassen zu einer katholischen „Einheitspartei“ geordnet und bekommen damit die Möglichkeit, den Lehrsatz religiöser und geistiger Intoleranz zum Staatsziel zu erklären: Du mußt an den christlichen Gott glauben.

Diesem Missionierungsgedanken fallen fortan alle Kulturen von der antiken über die maurisch-spanische bis zu den Indio-Kulturen in Nord-, Mittel- und Südamerika zum Opfer. Wo immer das Christentum auftritt, es tauscht die bestehenden Kulturen gegen eine schmale, rein religiös orientierte Kirchenkultur aus. Während das römische Imperium die griechische Kultur aufsaugt und zur weltberühmten griechisch-römischen Kultur erweitert, während das islamische Bagdad und das maurische Spanien alle erreichbaren Kulturen von Indien bis zur jüdischen zu einer traumhaften Höchstkultur vereinen, gefällt sich das benachbarte Christentum zur gleichen Zeit in der Zerstörung aller nichtchristlichen Kulturen.

Dass die zerstörten Kulturen häufig, insbesondere im Falle der griechisch-römischen, der arabischen und der maurisch-spanischen der neuen christlichen Ideologie künstlerisch und wissenschaftlich weit überlegen sind, wird im frommen Trommelwirbel gerne überhört. Und es ist die überragende muslimische Kultur in Toledo, Sevilla und Cordoba, die zwischen 800 und 1200 als Parallelkultur auf die bedrückenden Defizite der christlich-mittelalterlichen Kultur hinweist. Sie wird in den Stürmen der christlichen Reconquista 1492 untergehen. Die verstoßenen Wissenschaftler und Künstler aber wandern aus und werden in Mitteleuropa das „finstere“ Mittelalter beleben. Ihr Wissen und ihre Bücher werden die Wiedererweckung der Antike einleiten, die Renaissance. Aber die Freiheit bleibt kanalisiert, das Verbot, frei zu denken und ungebunden zu forschen, bleibt bei Todesdrohung weiterhin bestehen.

An Belegen für die kulturfeindliche Haltung der christlichen Kirche fehlt es nicht. Der bekannte christliche Schriftsteller Tertullian meint, „es sei besser, unwissend zu sein, um nicht kennen zu lernen, was man nicht soll“. Tertullians Zeitgenosse, Tatian, lehnt in einer zügellosen Rede „An die Hellenen“ die gesamte griechische Bildung als unnütz und unmoralisch ab. Die antiken Philosophen seien Lärmer, Geschwätz und Rabengekrächze kennzeichne ihre Reden. Die Akademien seien "Schwalbenzwitscherschulen" und die Arzneikunde käme aus einer „Schwindlerwerkstatt“.

Es folgen weitere Kirchenführer, die gegen das „Philosophenvieh“ wettern. Trächtige Säue“ seien sie, „Hunde, die zu ihren Auswürfen zurückkehren“, Dummköpfe, Fälscher, Giftspeier, Betrüger, Verrückte und Strauchdiebe. Einen schlechten Ruf bei Christen haben auch Mathematiker. Augustinus wendet in seinem „Gottesstaat“ ein ganzes Kapitel auf, um den Nachweis zu führen, dass die Mathematiker eine gegenstandslose Wissenschaft betreiben. Die systematische Erforschung naturwissenschaftlicher Phänomene wird als überflüssig betrachtet, da alle Naturereignisse, vom Erdbeben bis zum Blitzschlag, Gottes Wirken zugeschrieben werden. Naturereignisse seien Folgen seiner Pflicht, die Menschen zu strafen oder zu loben. Mit Geschichte brauche sich der Christ nicht zu beschäftigen, da das ganze Geschichts-Schriftentum durch die Heiligen Schriften widerlegt sei, die einen Zeitraum von 6000 Jahren Menschheitsgeschichte berechnet hätten. Selbst die Medizin wird abgelehnt, da die Kraft der Heiligen besser helfe. Von Baukunst, Staatslehre und Landwirtschaft brauche der Christ nichts zu wissen, es sei denn, um die betreffenden Stellen der Heiligen Schrift besser zu verstehen.

Parallel zur Vernichtung der Wissenschaften geht es der Kunst und den Schauspielen an den Kragen. Letztere seien Teil der weltlichen Irrtümer, verkündet Tertullian. Der „heilige“ Augustinus wettert gegen die Theater: „Schaustellungen von Schändlichkeiten und Freistätten der Nichtswürdigkeit“ seien sie, „Fäulnis und Pest der Seelen“, „Unzucht“, „wollüstiger Aberwitz“. So schafft es die christliche Kirche, die großen Tragödien von Aischylos, Sophokles und Euripides und alle Komödien von den Bühnen verschwinden zu lassen. Statt „Ödipus“ und „Antigone“ sind nunmehr Jesus und Maria Magdalena Gipfelpunkte der Dramatik.

Am verheerendsten aber wirkt sich die Austrocknung und Schließung der öffentlichen Schulen aus. Im 6. Jahrhundert sind alle öffentlichen Schulen geschlossen. Eine ganze Region von den Pyrenäen bis zum Bosporus, von Friesland bis Sizilien verlernt das Lesen und Schreiben. Während im Imperium Romanum mehr als die Hälfte der Bevölkerung lesen und schreiben kann, wartet das Mittelalter mit neunzig Prozent Analphabeten auf.

Erst ab dem 13. Jahrhundert wird sich das „finstere“ Mittelalter langsam wandeln, vorsichtig, weil es sich niemand erlauben kann, mit der Kirche zu verderben. Die Gründe für die vorsichtige Neuorientierung liegen außerhalb des Christentums (Byzanz, Spanien, Sizilien), auch wird der Wandel durch eine dramatisch verschärfte Gehirnwäsche (Inquisition) begleitet. Aber das ist ein anderes Thema.

Das neue christliche Welt- und Menschenbild

Drei radikale Lehrmeinungen bewirken das Desaster, das „finsteres Mittelalter“ genannt wird:  Neben dem Missionsbefehl „Geht hinaus in alle Welt“, der, meist von wenig Gebildeten umgesetzt, selten auf Dialog als vielmehr auf die geistige Bevormundung „Verstockter“ (Exodus 7,13) bis hin zur Zwangstaufe setzt, sind das Dogma vom Menschen als einem „verlorenen Sünder“ und die Theorie vom Gericht Gottes, dessen unbarmherzige Strafen in düstersten Farben ausgemalt werden, Basis eines völlig neuen Weltbildes, das zum eigentlichen Ausgangspunkt des Kultureinbruchs wird.

Geburtshelfer sind zwei Männer: Paulus und Augustinus. Der erste aus dem ersten Jahrhundert, der zweite aus dem vierten/fünften Jahrhundert. Ihre teils grotesken Lehren beherrschen bis heute das Christentum.

Paulus, kurz nach dem Tode Jesu von göttlich-greller Erleuchtung getroffen, „ein Licht warf mich auf den Boden“, wird über Nacht vom christenverfolgenden Saulus zum bekennenden Paulus. Diese paulinische „Erleuchtung“ ist in der Medizin nicht unbekannt. Eine solche sprunghafte Reaktion wird als Symptom einer Übersteigerungen normalen Erlebens diagnostiziert, verbunden mit Wahnbildung und optischen oder akustischen Halluzinationen. Gelegentlich kommt der Betroffene zu dem Schluss, von Außerirdischen oder Geistern aus dem Jenseits beobachtet zu werden. Im Falle eines krankhaften Verlaufes besteht für den Betroffenen eine unerschütterliche Gewissheit, dass das wahnhaft Erlebte tatsächlich geschehen ist. Diese Symptome faßt die moderne Medizin unter dem Begriff der Schizophrenie zusammen. Paulus also hört Stimmen aus dem Universum „warum verfolgst Du mich?“, geht in die Wüste, erkennt das Jenseits und gilt bei Nietzsche daher als Erfinder des Christentums. Dieser Paulus klagt die Menschheit an: Der Glaube an sich selbst sei böse, ebenso das Freiheitsgefühl. Stolz sei die größte Sünde. Im übrigen sei den Armen im Geiste das Himmelreich.

Jahrhunderte später macht Augustinus, der nach einer gleichermaßen geheimnisvollen „Bekehrung“ zunächst Frau und Kind in die Wüste schickt, sich dann eine Konkubine zulegt, dem Menschen endgültig seine antike Würde streitig. Der nordafrikanische Bischof legt mit seinen Schriften ein spekulatives, teils anspruchsvolles, teils kindliches Palaver über Glaube, Liebe, Hoffnung, Schuld und Sühne vor. Seine philisterhaften Streitschriften gegen den freien, schöpferischen Menschen sind in ihrer nihilistischen Abwertung allen menschlichen Bemühens und in der entwürdigenden Selbsterniedrigung des Menschen in der Weltliteratur einzigartig. Unter Umgehung sämtlicher Einwände hinsichtlich der Erkennbarkeit des Unendlichen torkelt Augustinus trunken durch eine rabenschwarze, selbst inszenierte Scheinwelt und berichtet Seltsames über die Architektur des Himmels, über Fegefeuer und Hölle, Auferstehung und Qualen.

Sein wohl berühmtestes Werk, der Gottesstaat, ein Brocken von 22 Bänden, entwirft ein zutiefst pessimistisches Bild vom Leben, das mehr einem Sterben gleicht als dem Leben. Thematisch und chronologisch wild hin- und herspringend zwischen römischer Geschichte, schändlichen Schauspielen, Sittenverderbnis, Beschimpfung antiker Philosophen und Zitaten aus dem Alten Testament, verblüfft Augustinus den Leser mit einem Bacchanal fabelhafter Einsichten in das Jenseits. Von dieser Himmelsschau haben sicherlich seine Betrachtungen über Adam und Eva, deren Ursünde, der daraus abzuleitenden Sündhaftigkeit der Menschen und der Übertragung der Erbsünde durch die Sexualität den größten Unterhaltungswert, aber auch die weitreichendste Bedeutung. Denn Sexualität ist selbstredend abzulehnen. Sie ist offensichtlich dem Tierischen zuzuordnen. Dies äußere sich darin, daß die Zeugung nicht ohne ein gewisses Maß an tierischer Bewegung erfolge. Da die Sünde Adams durch die Libido übertragen werde, sei diese der Grund für die Übertragung der Ursünde. Folglich sei Sex mit Lust verwerflich. Lediglich unter drei Voraussetzungen toleriere Gott die Geschlechtlichkeit als fahrlässige Sünde: Der Geschlechtsakt müsse erstens innerhalb der Ehe, zweitens ohne Lust und drittens mit der Absicht der Kinderzeugung erfolgen. Am nahesten bei Gott seien jedoch die Männer und Frauen, die sich dem anderen Geschlecht verweigerten.

Augustinus weiß auch zu berichten, wie es nach dem Tode zugeht: Es gebe zwei Auferstehungen, eine der Seelen und eine der Körper. Frauen behielten nach der Auferstehung zwar ihre Geschlechtlichkeit bei, das sei aber kein Problem, denn die weibliche Geschlechtlichkeit“ sei fortan „über Beilager und Geburt“ erhaben. Geschnittenen Haare und Nägel würden dem Auferstehenden nicht verloren gehen, es sei denn, sie wirkten entstellend. Nebenher sichtet er die menschlichen Laster, ordnet sie in einer Stufenfolge, analysiert die Bedeutung des siebten Tages für Gott und widmet sich den „aetherischen und durchsichtigen“ Engeln, die Gott von Angesicht zu Angesicht schauen können. Von Elfen und Trollen weiß Augustinus allerdings nichts zu berichten.

Warum Augustinus den Ehrentitel „größter Philosoph“ erhalten hat, warum die zentrale Würzburger Augustinforschung in den Rang eines universitären „An“-Institutes erhoben worden ist, bleibt völlig undurchsichtig. Augustins Lehrsatz „Der Glaube geht der Erkenntnis voraus“ öffnet den irrsinnigsten Spekulationen alle Scheunentore. Mit Philosophie hat das ebenso wenig zu tun, wie der wolkige Unsinn von Papst Gregor I., der die augustinische Sicht in das ferne himmlische Geschehen damit erklärt, dass es einigen Seelen zuweilen gestattet sei, den Körper zu verlassen und unter Führung eines Engels das Jenseits zu besuchen, um anschließend wieder in den irdischen Körper zurückzukehren und den übrigen Erdenbewohnern von der anderen Welt zu erzählen.

Fortsetzung folgt…

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

 




Mustafa


438px-Mumienmaske_2_Slg_EbnötherVon Edith Bettinger, Freidenkerbund Österreich (Bild: Helvetiker, Wikimedia Commons).

Bericht I:

M. ist 21 Jahre alt, studiert Englisch und Musik und ist bekennender Atheist. Was ist daran so erwähnenswert?, werden Sie fragen. Nun, M. ist Ägypter und zahlt einen hohen Preis für seine Gesinnung.

Mustafa, so heißt mein Freund, hasst seinen Namen, denn wenn er ihn nennt, denkt sein Gegenüber sofort, dass er Moslem ist. Er möchte nicht als solcher wahrgenommen werden, er ist Atheist und Humanist, darauf legt er großen Wert. In Ägypten kann das mitunter lebensgefährlich sein, zumal wenn man wie Mustafa mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg hält.

Zusammengeschlagen wurde er schon einmal, weil er in einem Gespräch mit Muslimen geäußert hat, dass der Koran ein lächerliches Buch ist. Bedroht wird er fast täglich.

Mustafa hat grosse Pläne für die Zukunft: er möchte in einem Land leben, wo er nicht 5mal am Tag den Muezzin hören muss, wo es erlaubt ist, philosophische Diskurse ohne den Koran führen zu können, ohne dabei jedesmal befürchten zu müssen, dass Schläger auf ihn angesetzt werden („Sittenpolizei“).

Er möchte mit seiner Freundin Hand in Hand auf der Straße spazieren können und sie küssen, wenn ihm danach ist und nicht, wenn es niemand sieht. Er möchte auch nicht, so wie es ihm sein Vater geraten hat, eine dumme Frau heiraten, „denn die sind leichter zu führen“! Mustafa will eine kluge Frau, eine Frau, die selbstbewusst und emanzipiert ist, denn nur so sieht er gewährleistet, dass er kluge Kinder hat, die so wie er alles sehr kritisch hinterfragen.

Es schmerzt ihn, wenn er verhüllte Frauen sieht, er möchte Aufklärung und Humanismus in die Köpfe seiner weiblichen Landsleute tragen, denn, wie er sagt, „die Frauen sind unsere Zukunft, nur wenn der Staat sie gut und umfassend ausbildet, ist gewährleistet, dass dieses Land eine Zukunft ohne religiöse Gehirnwäsche hat“!

Er ist zutiefst davon überzeugt, dass Frauen und Männer die gleichen Rechte haben müssen, dass es ein Verbrechen ist, Frauen nur auf Gebären und Gehorchen zu reduzieren.

Mustafa träumt von einem Ägypten, in dem es in Schulen keinen Koranunterricht gibt sondern Ethikunterricht (diese Debatte führen wir sogar in Österreich noch), in denen der Koran als eines von vielen Büchern vorgestellt wird und nicht als DAS Buch, in denen vom Menschen berichtet wird als Teil der Evolution und nicht als Gottes Geschöpf, von Schulen, in denen Sexualität und Verhütung den jungen Menschen nicht als Teufelszeug vorgelegt wird und in denen Mädchen und Jungen wie selbstverständlich nebeneinander unterrichtet werden.

Mustafa hat auch kreative Ideen zur Verwertung der Moscheen, die ja dann obsolet wären: Coffeeshops, Bars, Diskothequen, Bordelle…

Letztendlich will mein Freund aber nur eines: nämlich offen über alles reden dürfen, ein würdiges Leben in Freiheit ohne Religion!

Anmerkung : Mustafa ist keine Fiktion, es gibt ihn wirklich. Ein wunderbarer junger Mann mit erstaunlichen Ansichten in einem Land, das zu 90% muslimisch ist!

 

Bericht II:

Es ist schon schwierig, genug mit Katholiken zu debattieren, aber wer schon einmal versucht hat,

Moslems argumentativ zu überzeugen, dass sie ihr ganzes Leben einer Märchenfigur unterwerfen, weiß,was Kampf der Worte bedeuten kann.

Mustafa aus dem Norden Ägyptens macht das täglich und ich bewundere ihn dafür. Er hat verschiedene Ansätze, um seinen Verwandten und Bekannten die Unsinnigkeit ihrer „Unterwerfung unter Gott“ (die eigentliche Bedeutung des Wortes Islam) vor Augen zu führen.

Heute hat er mir eines dieser Gespräche übermittelt – ich erlaube mir, es Ihnen in deutscher Übersetzung nahe zu bringen.

Übersetzung! höre ich schon die Einwände, aber dieses Glaubwürdigkeitsproblem hat schon die Bibel, Sie müssen mir einfach vertrauen, schließlich habe ich ja nicht vor, eine Religion gründen zu wollen! ;-)

In geselliger Runde, unter „I am proud to be a muslim“-Landsleuten, stellte er folgende Frage:

Stellt euch vor, ihr findet ein hilfloses Kind am Straßenrand. Niemand kümmert sich um ihn (es muss natürlich ein Junge sein) und er weint herzzerreißend. Ihr könnt das nicht ertragen und nehmt ihn mit nachhause. Ohne Probleme wird er in die Familie aufgenommen, eure Frau und die Kinder lieben ihn und so wächst er heran. Es gibt keinen Grund zur Sorge, ihr investiert natürlich auch Geld in ihn (was wichtig ist für den weiteren Verlauf der Geschichte) und alles scheint perfekt. Inshallah!.

Eines Tages steht der Junge vom Tisch auf, verabschiedet sich und macht sich auf den Weg.

Ihr werdet ihn nie mehr wiedersehen, es ist ein Abschied für immer.

Wie werdet ihr reagieren? Was würdet ihr denken und sagen?

Die Antworten waren unterschiedlich: „Ich werde weinen, er hat mein Herz gebrochen“,

„Ich werde ihn verfluchen auf Lebenszeit“, „Ich werde traurig sein, aber es ist seine Wahl“…

Jeder der Anwesenden hatte eine andere Antwort und dann sagte Mustafa: „Seht ihr, jeder von euch hat seine Art, mit dieser Enttäuschung umzugehen, aber keiner würde ihn verbrennen, wie es Allah für solche Abtrünnige in der Hölle vorgesehen hat! So einem rachsüchtigen Gott ordnet ihr euer Leben unter? Habt ihr darüber schon mal nachgedacht?“

Auf diese Fragen bekam Mustafa keine Antwort. Um die Lage nicht zum Kippen zu bringen, begann man wieder mit männlichem smalltalk und das Thema war vom Tisch. Al hamdullilah,

diesmal hat er seine „Provokationen“ ohne körperliche Gewalt überstanden .

Das ist nur eine von vielen Geschichten meines ägyptischen Freundes , und es werden täglich mehr, fast könnte man sagen ,alf leila we leila‘ (1001 Nacht) für Aufklärer und Hobbyphilosophen!

 

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

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Medjugorje lebt weiter - auch bei Erwin Peterseil


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So titelte ein gewisser Guido Horst einen Artikel über den Pilgerort Medjugorje unlängst auf der Site www.vatican-magazin.de – Datum steht keines dabei, aber der Artikel stand am 4.7.2019 in der Sparte "aktuell", denn er stammt anscheinend aus der gedruckten Ausgabe des Magazins mit der Nummer 6/7-2019.

Medjugorje ist seit 1981 ein angeblicher Erscheinungsort der Gottesmutter Maria. Das katholische Problem dabei ist es, dass es den angeblichen Zeugen dieser angeblichen Erscheinungen an der nötigen Glaubwürdigkeit mangelt, bzw. umgekehrt, dass im säkularen Heute der Glaube an solche Sachen ziemlich weggeschrumpft ist.

Der Vatikan ist seit Jahren deswegen in der Bredouille, einerseits traut man sich nicht, ein vatikanisch-päpstliches JA zu den erzählten gottesmütterlichen Auftritten zu verkünden, andererseits kann man ja auch den seit vielen Jahren strömenden Pilgerzügen kein NEIN entgegenstellen. Die Lösung schaut darum wohl so aus, wie es Guido Horst im vatikanischen Magazin schildert:

"Fragezeichen werden Medjugorje auch weiterhin anhängen. Zum einen ist es ein Wallfahrtsort, zu dem jährlich Millionen pilgern. Wo sich Menschen bekehren, beichten, ihre Berufung finden. Von dem ein Impuls ausgegangen ist, der zur Gründung junger geistlicher Gemeinschaft führte, die heute segensreich wirken. Zum anderen ein Heiligtum Mariens, bei dem man nicht weiß, ob die von den sechs Sehern bezeugten Erscheinungen und Botschaften der Gottesmutter wirklich echt und glaubwürdig sind. Diese Zweideutigkeit hat die Weisung des Papstes, ganz offizielle Wallfahrten von Diözesen und Pfarreien in den bosnischen Wallfahrtsort zuzulassen, ohne dass damit die Anerkennung der Authentizität der Visionen verbunden ist, auf unabsehbare Zeit verfestigt. Diese Entscheidung von Franziskus haben der Apostolische Visitator für Medjugorje, der polnische Erzbischof Henryk Hoser, und der Apostolische Nuntius in Bosnien-Herzegowina, Erzbischof Luigi Pezzuto, bei einer Messfeier in dem Wallfahrtsort bekannt geben. Dabei handelt es sich nicht um eine Anerkennung der Echtheit der Marienerscheinungen, mit denen Medjugorje ab 1981 bekannt und zu einem Magnet für Pilgernde und Marienverehrer aus aller Welt geworden ist, sondern um eine pastorale Entscheidung, die eine bessere Begleitung der Besucher des Heiligtums ermöglichen soll."

Es gilt also beides: Es gibt keine anerkannten Marienwunder, aber die Wallfahrten zu einem nicht anerkannten Wallfahrtsort werden anerkannt! Medjugorje ist die aktuelle Widerspiegelung der esoterisch-religiösen Einfalt unter den um die 280 Millionen Katholiken in Europa, denn es sollen angeblich jedes Jahr bis zu einer Million Pilger dorthin reisen. Es sind sicherlich weniger geworden, der österr. Medjugorje-Pilgerdienst fährt das nächste Mal heuer im September. Solange die Pilgernachfrage besteht, wird die kath. Kirche das natürlich ausnutzen, weil dass Gläubige irgendwo zuhauf strömen, kommt ja nicht so oft vor…

Weiter im Text von Guido Horst: "Die Pilgerfahrt nach Medjugorje ist damit päpstlich approbiert, ohne dass der eigentliche Kern der Wallfahrten, die Erscheinungen der 'Gospa', das kirchliche Gütesiegel der Echtheit erhalten hätte, wie es etwa für Lourdes, Fatima oder Guadalupe gilt. Die von Benedikt XVI. im Jahr 2010 eingesetzte Untersuchungskommission unter Leitung des italienischen Kardinals Camillo Ruino war 2014 zu dem Ergebnis gekommen, dass bei den Erscheinungen Mariens zu unterscheiden ist. Die ersten sieben vom 24. Juni bis 3. Juli 1981 könnten echt sein. Dafür sprachen sich dreizehn Kommissionsmitglieder aus, bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung, was die Medien erst 2017 enthüllten. Wesentlich skeptischer war man, was alle folgenden Erscheinungen angeht, als die Seher und die Marienerscheinungen in den harten Konflikt zwischen dem Ortsbischof und den Franziskanern hineingezogen wurden, die die Pfarrei von Medjugorje betreuten. Allerdings sprach sich die Ruini-Kommission mit großer Mehrheit dafür aus, das Verbot offizieller Wallfahrten nach Medjugorje aufzuheben – eine Empfehlung, der Franziskus jetzt gefolgt ist."

Eine Wallfahrt darf ja nur zu einem vom Vatikan dafür bestimmten Ort erfolgen, irgendwohin pilgern darf natürlich jeder Katholik. Jetzt ist man eben offiziell in der verzwickten Lage, dass Medjugorje kein anerkannter Wallfahrtsort ist, aber die Wallfahrten als solche sind erlaubt! Weil wenn Katholiken wallfahren, dann tun sie ja was, was Katholiken tun soll…

Weiter im Text von Guido Horst: Auch wenn Zweifel an der Echtheit der bis heute anhaltenden Erscheinungen und Botschaften der Gottesmutter bestehen, auch wenn es dort Skandale gegeben hat – immerhin wurde ein früher geistlicher Begleiter der Seher laisiert und verließ den Franzsikanerorden -, auch wenn die Ortsbischöfe stets strikte Gegner der Echtheit der Erscheinungen waren: Wer guten Willens ist und beste Absichten hat, darf also gerne nach Medjugorje fahren, jetzt auch über den Weg kirchlich ganz offiziell organisierter Wallfahrten – und das Heiligtum so erleben, wie es der überwiegenden Mehrzahl von Millionen von Pilgern nun bald vierzig Jahre lang in Erinnerung geblieben ist: als Ort der Gnade, der Umkehr, der eucharistischen Anbetung und der Beichte.

Dass die Sache auch für den Vatikan selber höchst dubios ist, macht nix, wenn die Wallfahrer ernsthafte Wallfahrer sind! Woher der Glaube kommt, ist egal, ob aus der Tradition oder aus der Einbildung, wenn wer mit besten Absichten dorthin fährt, wo die Maria auch schon gewesen sein könnte, dann ist das in Ordnung! Denn Medjugorje ist zwar wohl kein Ort von Marienerscheinungen, aber ein Ort der Gnade, der Umkehr, der eucharistischen Anbetung und der Beichte. Und das geht auch ohne Maria!

Weiter im Text von Guido Horst: Das im Siechtum begriffene Christentum in Europa hat nur noch wenige geistliche Brennkammern. Medjugorje ist eine davon – und nicht wie Notre Dame als Abglanz einer großartigen katholischen Vergangenheit, sondern als lebendiges Zentrum des Glaubens. Franziskus hat pragmatisch entschieden. Und Medjugorje vor dem Aus bewahrt.

Ja, so ist es, das katholische Feuer brennt nimmer so richtig, der katholische Glaube ist siech geworden! Den meisten Kirchenmitgliedern ist die Religion längst ziemlich wurscht geworden, aber wenn es noch welche gibt, die aus eigenem Antrieb katholizieren wollen, dann müssen die zensurfreie Fahrt nach überallhin haben! Gerade schau ich aus dem Fenster! Und da seh ich wie die Maria am Nachbarhaus auf dem Kamin sitzt und den Jesus stiehlt, äh stillt! Wahrlich und wahrhaftig! Das ist so wahr wie die wahren Marienerscheinungen in Medjugorje war wahren! Oder so irgendwie…

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).

 




Bischofskonferenz führt Parteiengespräch mit FPÖ-Spitze


Bischöfe FPÖDarüber berichtete am 25.6.2019 kathpress, honorarfreie Pressefotos ebenfalls von kathpress. Das ist wieder einmal eine Gelegenheit, atheistische Kommentare einzufügen!

Kathpress: Die von der Österreichischen Bischofskonferenz begonnenen Parteiengespräche sind mit der FPÖ fortgesetzt worden. Kardinal Christoph Schönborn und mehrere Bischöfe haben am Dienstag an einer schon länger vereinbarten Unterredung mit dem designierten FPÖ-Bundesparteivorsitzenden Norbert Hofer und Vertretern der Freiheitlichen im Wiener Erzbischöflichen Palais teilgenommen. Ziel der politischen Gesprächsreihe der Bischofskonferenz, die Anfang September mit einem Treffen mit der ÖVP eröffnet und im Dezember mit der SPÖ fortgesetzt wurde, ist das wechselseitige Kennenlernen der Verantwortungsträger. Im Vordergrund steht dabei ein grundsätzlicher Austausch über Themen, die für Kirche, Politik und Gesellschaft gleichermaßen relevant sind.
Atheistischer Kommentar: Die Kirche bemüht sich also, parteipolitisch mitzuplaudern. Die Parteipolitik ist der Bereich, wo immer noch die Meinung vorherrscht, fünf Millionen katholischer Kirchenmitglieder hätten eine gesellschaftspolitische Bedeutung. Den Widerspruch zwischen kirchlicher und säkularer Sicht der Welt, wird politisch nach wie vor viel zuwenig wahrgenommen, auch Katholiken leben mit großer Mehrheit in der säkularen Alltagsgesellschaft und nicht in den Kirchenwelten!

Kathpress: Die Bischöfe besprachen mit der drittgrößten Parlamentsfraktion Fragen im Zusammenhang mit Pflege, Klimaschutz, Wohnen, Lebensschutz und Bildung. Das erklärte der Generalsekretär der Bischofskonferenz, Peter Schipka, nach der rund eineinhalbstündigen Unterredung gegenüber "Kathpress". Die erstmalige Begegnung in dieser Zusammensetzung sei "freundlich, offen und sachorientiert" gewesen. Ein besonderes Anliegen seien den Bischöfen dabei Schulfragen rund um den Religions- und möglichen Ethikunterricht gewesen.
Atheistischer Kommentar: Die FPÖ war ja in der Anfangszeit der Strache-Zeit sehr christlich gewesen, Strache lief mit einem Kruzifix in der Hand durch die Gegend und die Partei plakatierte "Abendland in Christenhand". Das war damals als Gegenpol zum Islam gemeint gewesen, aber bei der Wahl wo diese christliche Methode im Vordergrund stand, verlor die FPÖ deutlich Stimmen, in die Christenhand wollten offenbar FPÖ-Wähler nicht unbedingt gelangen. Aber in Sachen des von der Kirche angestrebten zwangsweisen Ethikunterricht für alle am staatlichen Religionsunterricht nicht Teilnehmenden, wird man wohl die FPÖ als Verbündeten sehen…

Kathpress: Die Bischofskonferenz war neben ihrem Vorsitzenden sowie ihrem Generalsekretär durch drei weitere Bischöfe repräsentiert. Gesprächsteilnehmer waren der St. Pöltner Bischof Alois Schwarz, Militärbischof Werner Freistetter und der Bischof von Graz-Seckau, Wilhelm Krautwaschl. Der FPÖ-Klubobmann wurde u.a. begleitet vom Nationalratsabgeordneten Christian Ragger.
Erst in der vergangenen Woche hatte die Bischofskonferenz bei ihrer Vollversammlung einen fairen Wahlkampf eingemahnt und grundsätzlich festgehalten, dass die Parteien mit ihren Programmen und ihrer Praxis selbst die Nähe bzw. Distanz zur katholischen Kirche bestimmen. Dazu brauche es den regelmäßigen Dialog auf verschiedenen Ebenen. Ausdruck davon seien etwa die Gespräche der Bischofskonferenz mit politischen Parteien. "Damit wollen die Bischöfe dazu beitragen, dass eine Kultur des konstruktiven Dialogs und wechselseitigen Respekts in der Gesellschaft gestärkt wird", hieß es in der Erklärung der Bischofskonferenz.

Atheistischer Kommentar: Aha, die Kirche ist schlau! Denn kirchenkritisch werden Politiker aus der schon oben geschilderten falschen Sicht der gesellschaftlichen Realität nicht auftreten, also kann die Kirche von Parteigesprächen nur profitieren, die Parteien als beste Kirchenfreunde, die Kirchen als politische Durchbringer ihrer gesellschaftlichen Bedürfnisse. Auch wenn die Religionen den Leuten von Jahr zu Jahr unwichtiger werden, die Kirchen werden vehement versuchen, sich mit politischer Parteienhilfe weiterhin wichtig zu machen. Dabei ist es egal, mit welcher Partei jeweils konferenziert wird, den Nutzen werden immer die Kirchen haben…

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).

 




Gelebter Islam in Ägypten


Nach jahrzehntelanger schmerzvoller Suche habe ich jetzt endlich den wahren Sinn meines Lebens gefunden! Niemand geringerer als Allah hat mir  den richtigen Weg gewiesen, den Islam! Welch größere Erfüllung kann es für eine Frau geben als eine treue, gottgefällige Muslima zu sein.

Ich hatte das große Glück, in den letzten Tagen des heiligen Ramadan in Ägypten zu sein, und da fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren –  DAS ist wahre Lebensfreude! Was kann es Erfüllenderes geben, als 12 Stunden lang weder Nahrung noch Getränke zu sich zu nehmen, das ganze bei ca. 40 Grad im Schatten – DAS ist wahrer Glauben! Raucher unter Euch wissen, wie schwer es ist, einen halben Tag nichts Nikotinöses zu sich zu nehmen. Man hat dann Entzugserscheinungen, die Zunge klebt trocken am Gaumen, der Magen spricht zu einem, die Laune fällt in den Keller – das ist nichts gegen die Erfüllung, Allahs Geboten gehorcht zu haben. Nur wer Entbehrung kennt, weiß Überfluss zu schätzen! Welch ein orgiastisches Fest ist es, wenn die Minute des Fastenbrechens herannaht, und man endlich all das tun darf, was vorher verboten war. Wobei diese Minute nicht vorhersehbar ist, das macht das ganze noch mystischer. Ich dachte bisher, dass dieser Moment dann eintritt wenn, wie es im heiligen Koran steht, ein schwarzer Faden nicht von einen weißen unterschieden werden kann – also NACH Sonnenuntergang bei Dunkelheit!

Weit gefehlt, es ist viel komplizierter: Ein Islamgeleerter (kein Druckfehler!) im Fernsehen gibt die Zeit vor – meistens so ca. 17:15 Uhr, wobei es da  aber noch nicht dunkel war! Wie konnte ich nur glauben, dass Allah von uns einfache Regeln fordert, da muss schon ein Wissender den Moslem instruieren, wäre ja noch schöner!

Nun also darf gevöllert werden, esstechnisch alles, was Mutter Natur so hergibt, es gibt auch einiges aufzuholen und für den nächsten Tag Speicher anzulegen. Da darf es dann auch mal Bier sein und Haschisch, Allah hat es gegeben und nimmt es auch wieder! Spätestens da wusste ich, dass man den Koran nicht so wörtlich nehmen darf. Bier ist KEIN Alkohol und Haschisch KEIN Suchtmittel, pflanzliche Nahrung eben. Wenn es doch nicht regelkonform sein sollte – das macht der einfache Gläubige mit Allah ganz persönlich aus. Wer sind wir schon, dass wir den Willen Allahs verstehen können?

Natürlich ist es auch weise und sinnvoll, so viel Geld im Ramadan für die nächtlichen Orgien auszugeben, dass für den Rest des Jahres der durchschnittliche Moslem so was von pleite ist – wen kümmert es; wenn Allah will, dass wir arm sind, sind wir arm – Inshallah!!!

Dieses Inshallah ist überhaupt sehr praktisch, es lebt sich viel unbeschwerter , wenn man sich über nichts Gedanken machen muss – es ist völlig sinnlos, etwas anders oder gar besser machen zu wollen – Allah will, dass es so ist, also ist es so. Punkt. Ende der Diskussion. Wir haben kein Geld? No problem, wenn Allah will, wird er uns Geld schicken! Wie schön doch das Leben ist!

Autofahren in Ägypten ist ebenfalls von dieser Philosophie durchdrungen: Licht bei Nacht – nur was für westliche Weicheier. Angurten – ditto – wenn Allah will, dass wir sterben, dann sterben wir! Ach, wie schön ist doch das Leben – wir hängen nur nicht besonders daran! Das ist eine Lebenseinstellung, von der wir noch was lernen können!

Außerdem sehr praktisch: als Moslem muss man nichts wissen! Wissenschaft ist ebenfalls nur was für westliche ungläubige Warmduscher – lies den Koran, da steht alles drin – sogar der Urknall – angeblich. Die genaue Stelle habe ich leider nicht erfahren, dazu müsste ich den Koran schon im Original auf Arabisch lesen, und das kann ich leider nicht. Und Übersetzungen verzerren halt die wahre Aussage, schließlich ist keine Sprache so reich wie die arabische!

Das leuchtet ein! Ergo genügt ein einziges Buch im Haushalt, das spart doch Platz und Geld. Bücherregale sind nicht nötig! Guter Nebeneffekt – die Frau muss weniger abstauben! Also wer Ägypten als emerging new market sieht – mit dem Verkauf von Billy Regalen wird er pleite gehen!

Falls ihr euch wundern solltet, dass ich das politisch korrekte man/frau nicht verwende: wundert euch nicht – das ist auch sehr angenehm in einer islamischen Gesellschaft: kein Mensch gendert da herum, es ist de facto alles männlich, außer DIE Frau und DIE Tochter. Nachdem ja die arabische Sprache nicht nur in Aussprache und Schrift, sondern auch grammatikalisch sehr schwierig ist, muss man sich doch bei Allah nicht auch noch mit allzu viel weiblichen Formen herumschlagen, das werdet ihr ja verstehen. Natürlich werden Verben auch im Feminin konjugiert, aber nachdem ja Frauen im öffentlichen Leben kaum bis gar nicht vorkommen, reicht es völlig, z.B. für „bitte“ (minfadlak) nur das maskulinum zu lernen! Man wird nicht in die Verlegenheit kommen, eine Dienstleistung von einer Frau zu erbitten!

Apropos Frau: Von wegen Rolle der Frau: da gibt’s nichts zu diskutieren, es ist von der Natur so vorgegeben, dass die Frau Kinder bekommt, oder seht Ihr das anders?  Auch da haben die Ägypter recht: wenn die Frauen dasselbe leisten könnten wie Männer – wieso gibt es dann so wenig Frauen in Politik und Wissenschaft?

Ebenfalls ein netter Punkt : Ehe auf Zeit! Das haben ja eigentlich die schiitischen Iraner erfunden, aber die Praktikabilität dieses Konstrukts hat sich natürlich auch unter sunnitischen Arabern schnell herumgesprochen: In Ägypten gibt’s dafür sogar eigene Formulare – die Pharaonen  haben schließlich die Bürokratie erfunden – diese Form des Zusammenlebens nennt sich „Urfi-Ehe“. Mittlerweile gibt es fast so viele Urfi-Ehen wie gesetzlich geschlossene – man spricht von ca. 400.000 / Jahr!

Kann ich gut verstehen, warum das so ist – die demografische Entwicklung in Ägypten ist ja völlig gegenläufig zu unserer: eine sehr junge Gesellschaft, und diese jungen Menschen wollen nicht nur arbeiten (das ist bei 40% Arbeitslosigkeit auch nicht so einfach), sondern auch ihre sexuelle Lust ausleben.

Nun ist das im Islam vor- und außerehelich streng verboten (wie ja auch bei den Katholen –   mit dem Unterschied, dass die Moslems das noch ernst nehmen). Laut Gesetz ist es einem Mann und einer Frau nicht gestattet, sich in einem Raum aufzuhalten, wenn Sie nicht verheiratet sind. Dieses Gesetz wird zwar nicht eingehalten – außer im ländlichen Raum – aber exekutiert wird es: so hat die security wenigstens etwas zu tun!

Also muss eine islamische Hintertür her, das ist dann dieses Formular, von einem Anwalt abgestempelt und von 2 Zeugen mit Unterschrift beglaubigt, wobei diese 2 Zeugen nicht unbedingt physisch anwesend sein müssen. Die Namen und Unterschriften von Anwalt und Bräutigam gefälscht tun es auch. Allah ist Zeuge, das sollte reichen! Braut und Bräutigam unterschreiben ebenfalls (die sollten das wirklich tun) und schon ist man verheiratet!

Vorteile für den Mann: Er kann ohne schlechtes Gewissen Sex haben, er behält den Vertrag, er braucht seiner „Ehefrau“ weder Wohnung, Hausrat oder Gold zu kaufen, er kann die Ehe jederzeit ohne Angabe von Gründen beenden (Vertrag zerreissen genügt) – eine eindeutige win/win – Situation. Vorteile für die Frau: Sie ist verheiratet – das war´s aber dann auch schon, Rechte entstehen keine aus dieser Form des Zusammenlebens.

Urfi-Ehen sind  genau genommen sogar verboten – aber wen interessiert das im Moment der Eheschließung, wenn man wie eine nach Wasser lechzende Gazelle das Paradies der fleischlichen Lust so nahe vor Augen hat.

Blöd wird’s nur dann für die Frau, wenn der Mann sich scheiden lässt! Dann hat Sie weder Anspruch auf eventuell vorhandene Kinder, geschweige denn auf finanzielle Unterstützung. Außerdem ist Sie gesellschaftlich gebrandmarkt, weil urfi-verheiratet und daher eine Hure!

Der Mann kann so viele derartige Konstrukte eingehen wie er möchte. Die religiös von Ihm geforderten Normen sehen ja nur keinen Sex VOR der Ehe vor – das hat er ja erfüllt.

Man muss sich eigentlich nur an Geboten und Verboten orientieren , eine verheiratete Frau sein und fruchtbar, natürlich, dann wird Frauen der Himmel auf Erden geboten. Ägypter wissen nämlich noch, wie man Frauen erobert und verehrt: die Frau ist ein Kristall, ein Edelstein, die Sonne, der Mond, das Meer, eine Rose, das Augenlicht usw. … das klingt auf Arabisch natürlich viel besser. Außerdem hat der Mann zu Hause eh nix zu melden, in der Öffentlichkeit kann er ja dann ruhig bei einer Shisha in der Männerrunde sein Testosteron spielen lassen!

Ein paar Kleinigkeiten konnte ich leider trotz intensiver Recherche nicht klären:

Unter welchen Umständen genau muss das strenge Fasten im Ramadan NICHT eingehalten werden? Zu dieser Frage hatte  jeder eine andere Antwort, der Koran ist da auch keine Hilfe, da z.B. harte Arbeit wirklich jeder anders definiert!

Muss das 5malige Beten am Tag wirklich in Richtung Mekka, also in Ägypten eher gen Osten gerichtet, praktiziert werden? Oder doch „mit dem Meer im Rücken“, was dann, je nach Landesteil, auch mal Richtung Westen bedeuten würde? Wo kommen die vielen bunten Glühbirnen her, die im Ramadan die Moscheen schmücken, so dass jeder Christbaum dagegen ein altersschwaches Glühwürmchen ist?

Fragen über Fragen, auf die es bis dato keine Antwort gibt!

Die Frustration darob lässt mich jetzt zum Schluss meiner Suada kommen, durchaus in Weltschmerz und tiefster Verzweiflung, oder, wie die Ägypter sagen würden : Das Leben ist ein Jammertal!

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

 




Vrône Lîcham


Ich werde mir sicherlich nicht die Mühe machen, aufwändige Recherchen zu einem überflüssigen Fest zu unternehmen, von dem selbst kaum noch ein Katholik weiß, worum es wirklich geht. Die meisten lässt es eh kalt und die wenigen, die es noch begreifen und mitmachen, verhelfen einmal mehr dazu, katholischen Pomp penetrant in die Öffentlichkeit zu tragen. Die klug gewählte Jahreszeit und der geschickt ausgesuchte Wochentag für das Brimborium (neudeutsch: event) bringen allerdings stressgeplagten Arbeitnehmern unter Einschluss des „Brückentags“ einen willkommenen Kurzurlaub bei meist gutem Sommerwetter. Während sich die Beinharten mit den Monstranzen abschleppen und mit den prunkvollen Baldachinen aus 1001 Nacht, liegen sie genüsslich in den Isarauen, sitzen in den Biergärten und lassen den „lieben Gott“ einen guten Mann sein. Da es ja auch googlefaule und weniger exzellent mit katholischen Interna vertraute Humanisten geben soll, sei hier auf die Wikipedia verwiesen, die wenigstens einige der notwendigen Fakten liefert. Ein Dankeschön an Juliana von Lüttich für diesen Tag, den ich sicherlich irgendwo in einer gemütlichen Restauration mit Handkäs und Musik und einem Bempel Äppelwoi an den Ufern des Mains verbringen werde.

Wikipedia: Das Fronleichnamsfest ist ein Hochfest im Kirchenjahr der katholischen Kirche, mit dem die leibliche Gegenwart Jesu Christi im Sakrament der Eucharistie gefeiert wird. Die Bezeichnung Fronleichnam leitet sich vom mittelhochdeutschen vrône lîcham „des Herren Leib“, ab (vrôn „was den geistlichen oder weltlichen Herrn betrifft“ und lîcham „der Leib“). In der Liturgie heißt das Fest „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“, regional wird es auch „Prangertag“ oder „Blutstag“ genannt. Im Englischen und in anderen Sprachen trägt das Hochfest den Namen „Corpus Christi“.

Fronleichnam wird am Donnerstag nach dem Dreifaltigkeitsfest begangen (am 60. Tag nach dem Ostersonntag) und fällt somit frühestens auf den 21. Mai und spätestens auf den 24. Juni. Der Donnerstag als Festtermin steht in enger Verbindung zum Gründonnerstag und der damit verbundenen Einsetzung der Eucharistie durch Jesus Christus selbst. Wegen des stillen Charakters der Karwoche erlaubt der Gründonnerstag keine prunkvolle Entfaltung der Festlichkeit. Aus diesem Grund wurde das Fest Fronleichnam bei seiner Einführung auf den Donnerstag der zweiten Woche nach Pfingsten gelegt. In Ländern, in denen Fronleichnam kein gesetzlicher Feiertag ist, kann das Hochfest auch am darauffolgenden Sonntag gefeiert werden.

Das Fest der leiblichen Gegenwart Christi im Altarssakrament wurde erstmals 1246 im Bistum Lüttich gefeiert und 1264 von Papst Urban IV. durch die Bulle Transiturus de hoc mundo zum Fest der Gesamtkirche erhoben. Unter anderem schrieb Urban IV.: „Wir haben es daher, um den wahren Glauben zu stärken und zu erhöhen, für recht und billig gehalten, zu verordnen, dass außer dem täglichen Andenken, das die Kirche diesem heiligen Sakrament bezeigt, alle Jahre auf einen gewissen Tag noch ein besonderes Fest, nämlich auf den fünften Wochentag nach der Pfingstoktav, gefeiert werde, an welchem Tag das fromme Volk sich beeifern wird, in großer Menge in unsere Kirchen zu eilen, wo von den Geistlichen und Laien voll heiliger Freude Lobgesänge erschallen.“

Das vierte Laterankonzil hatte 1215 die Wandlung der eucharistischen Gestalten mit der Transsubstantiationslehre präzisiert und zum Dogma erhoben. Katholiken glauben, dass in der Heiligen Messe die eucharistischen Gestalten durch die Wandlung wahrhaft zum Leib und Blut Christi werden und Christus darin gegenwärtig ist und bleibt.

Die Anregung zu dem Fest soll auf eine Vision der heiliggesprochenen Augustiner-Chorfrau Juliana von Lüttich im Jahre 1209 zurückgehen. Diese berichtete, sie habe in einer Vision den Mond gesehen, der an einer Stelle verdunkelt war. Christus habe ihr erklärt, dass der Mond das Kirchenjahr bedeute, der dunkle Fleck das Fehlen eines Festes des Altarssakraments. Aus der Einführungsbulle Transiturus hoc mundo geht aber auch hervor, dass Papst Urban IV. als primären Einführungsgrund des Festes den siegreichen Triumph über die Ketzerei favorisierte, die die Transsubstantiation geleugnet hatte.

Für das Fest entstand ein eigenes Mess-Proprium und Stundengebet, für das Thomas von Aquin als Autor gilt, ebenso wie für die Hymnen, die den Charakter des Fests entscheidend geprägt haben: Panis angelicus, Pange lingua, Adoro te devote, Verbum supernum prodiens und die Sequenz Lauda Sion.

Die erste Fronleichnamsprozession in Bayern fand 1273 in Benediktbeuern statt. Mit einer Sakramentsprozession wurde das Fest erstmals 1279 in Köln begangen. Ihren Höhepunkt an festlicher Gestaltung erreichte die Fronleichnamsprozession im 17. und 18. Jahrhundert. In München zog die Prozession zwischen den Stadtmauern hin, und die vier Evangelien wurden an den vier Stadttoren Schwabinger Tor, Isartor, Sendlinger Tor und Karlstor verlesen.

 




Kommt jetzt die "Wiederverchristlichung"?


BonifatiusGemäß einer Aussendung vom 18.6.2019 von kathpress.at, der Katholischen Presseagentur in Österreich (gemäß Impressum fungiert als Herausgeber Kardinal Christoph Schönborn in seiner österreichweiten Zuständigkeit als Medienbischof) will das "Bonifatiuswerk" auf die "entchristlichte Gesellschaft" reagieren.

Denn "Das Bonifatiuswerk ist ein deutsches Hilfswerk und will verstärkt Initiativen fördern, 'um kirchenfernen Menschen andere und neue Zugänge zur Kirche zu ermöglichen'."

Wikipedia kennt dieses Werk auch und definiert es kurz so: "Das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken e.V. ist ein katholisches Hilfswerk für die Unterstützung der Seelsorge in den Diasporaregionen in Deutschland, Nordeuropa und dem Baltikum. Den Auftrag dafür hat das Spendenhilfswerk von der Deutschen Bischofskonferenz. Das Bonifatiuswerk setzt sich zum Ziel, den missionarischen Auftrag der katholischen Kirche dort zu unterstützen, wo Katholiken in einem mehrheitlich glaubensfremden und zunehmend ungläubigen Umfeld leben."

Wenn die österr. Agentur kathpress das auch in Österreich aussendet, dann wird wohl das katholische Problem der zunehmenden Glaubensfremde auch hier wahrgenommen worden sein. Es ist seit Jahren für unsereinen unterhaltsam wie die katholische Kirche von Missionierung und Neuevangelisierung redet und manchmal sogar was plant, aber bisher auf diesem Gebiet noch nie was auf die Füße stellen konnte. Aber schauen wir uns einmal den Text der Aussendung an und meinereiner fügt dazu seine beliebten Kommentare ein!

Kathpress: Das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken will mit der stärkeren Förderung missionarischer Projekte auf eine nach seiner Ansicht "entchristlichte Gesellschaft" reagieren. Es gehe nicht nur darum, katholische Christen überall dort zu unterstützen, wo sie in einer Minderheitensituation ihren Glauben leben, sagte der Präsident der Hilfswerks, Heinz Paus, am Dienstag vor Journalisten in Fulda. Das Werk wolle verstärkt Initiativen fördern, "um kirchenfernen Menschen andere und neue Zugänge zur Kirche zu ermöglichen".
Atheistischer Kommentar: Die europäische Religionsschrumpfung ist eine evolutionäre Entwicklung. Sie beruht ganz sicher nicht auf atheistischer Propaganda oder gar auf antikirchlichen Repressionen, sondern hat Wurzeln: das Elend alter religiöser Zeiten ist weitgehend verschwunden, der Satz von Karl Marx, dass das religiöse Elend Ausdruck des wirklichen Elendes und der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, der Geist geistloser Zustände, somit das Opium des Volkes sei, hat in den entwickelten von der Arbeiterbewegung gegen kirchlichen Widerstand zu Sozialstaaten ausgebauten Ländern keine wirkliche Bedeutung mehr. Elend ist eine Randerscheinung, der Sozialstaat garantiert soziale Rechte und schafft damit die Herzlosigkeit ab, die zunehmende Bildung die in hochreligiösen Zeiten üblichen geistlosen Zustände und damit die Religion als Opium des Volkers ab. Und ohne dieses religiöse Opium funktioniert das Religionssystem eben nur noch sehr eingeschränkt, weil der emotionale Zwang fehlt, wer z.B. krankenversichert ist, braucht vermeintliche Gotteshilfen maximal in extremen Ausnahmefällen und findet sie dort auch nicht. Kirchenferne ist daher weitgehend eine Selbstverständlichkeit und kein Mangelzustand!

Kathpress: Man wolle nicht hinnehmen, dass "in Teilen unserer entchristlichten Gesellschaft der persönliche Glaube nur noch eine Randerscheinung" sei, so Paus. Man habe es mit dem Phänomen einer "Glaubensdiaspora" nicht nur in Ostdeutschland, sondern auch in anderen Teilen der Bundesrepublik zu tun. Es gehe deshalb darum, auch "missionarische und evangelisierende Projekte in ganz Deutschland zu fördern", sagte Georg Austen, Hauptgeschäftsführer des Hilfswerkes.
Atheistischer Kommentar: Der persönliche Glaube ist eben deswegen eine Randerscheinung, weil im Alltag der Bedarf dafür nimmer vorhanden ist. In Ostdeutschland, also in der seinerzeitigen DDR, mag viel nicht funktioniert haben, der durchorganisierte Sozialstaat hat funktioniert, das Recht auf Gesundheitsdienste, Bildung, Arbeitsplatz, das hat jeder gehabt, da hat man keinerlei Götter für irgendwas gebraucht. Und wenn man jahrelang auf seinen Trabant warten musste, hat auch kein Gott für Beschleunigung gesorgt. Darum ist dieses Gebiet vorbildlich und zeitlich vorausgeschritten religionsfrei, für missionarische und evangelisierende Projekte besteht nahezu keine Nachfrage, das ist nur noch ein Nebenschauplatz für kleine Gruppen von Leuten mit psychischen Problemen.

Kathpress: Geplant sei deswegen, einen "Förderungstopf" im Umfang von mehreren hunderttausend Euro aufzulegen, mit dem "innovative Maßnahmen" in ganz Deutschland unterstützt werden sollen. Nicht immer könne dabei vielleicht zu Beginn ausgelotet werden, ob ein Modellprojekt erfolgreich sei. Es sei durchaus "auch etwas Risikobewusstsein" gefragt, hieß es.
Atheistischer Kommentar: Ja, das Risiko hunderttausende Euro für Missionierungen auszugeben, ist bestimmt recht hoch. Da wäre es wohl am ehesten noch sinnvoll, Leuten für den Kirchbesuch eine gute Gage zu bezahlen und sie dort nicht mit dem Leib und Blut Christi, sondern mit Schweinsbraten und guten Getränken zu füttern. Aber das wird man wohl erst im nächsten Jahrhundert versuchen…

Kathpress: Das Bonifatiuswerk hat im vergangenen Jahr 1.254 Projekte für katholische Minderheiten in Deutschland, Skandinavien und dem Baltikum mit 15,4 Millionen Euro gefördert. Das geht aus dem Jahresbericht 2018 hervor, den das in Paderborn ansässige Hilfswerk vorstellte. Die Ein- und Ausgabensituation sei 2018 im Vergleich zum Vorjahr "stabil" geblieben. 2017 waren 776 Projekte im Umfang von 14,5 Millionen Euro gefördert worden.'
Atheistischer Kommentar: Somit gab es im Schnitt für jedes der 2018 geförderten 1254 Projekte 12.280 Euro, 2017 waren es im Schnitt 18.686 Euro gewesen. dazu müsste es ja auch Berichte über die Erfolge geben! Wie viele Kirchenferne wurden kirchennäher? Und um wie viele Promille sank die Entchristlichung ab? Laut deutsch-katholischer Kirchenstatistik für das Jahr 2017 (für 2018 gibt's noch keine) ist der Besuche der Sonntagsmesse von 2016 auf 2017 von 10,2 auf 9,8 % zurückgegangen, das ist die übliche Rate, das Bonifatiuswerk führt offenbar selber gar keine Wirkungsstatistik…

Kathpress: Der Fuldaer Bischof Michael Gerber sagte, Bonifatius sei als Namensgeber des 1849 gegründeten Hilfswerks "ein sehr guter Patron auch nach 170 Jahren". Der aus England stammende Benediktinermönch, der im Jahr 719 den Missionsauftrag für Germanien bekommen hatte, sei vor der Herausforderung gestanden, den Glauben "in einer völlig anderen Kultur zu verkünden". Heute sei die Gesellschaft von einer "sehr starken Pluralität" geprägt, in der gerade Jugendliche wegen der intensiven Beschäftigung mit dem Smartphone "gleichzeitig in mehreren Welten leben", so Gerber. Es sei deshalb eine Herausforderung für die Kirche, sich "in neue Kulturräume zu wagen".
Atheistischer Kommentar: Ja, heute geht das nimmer wie zur Zeit vom Bonifatius, heute muss man nimmer katholisch werden oder katholisch sein. Aber immerhin! Das Smartphone behindert den Glauben! Und die jungen Leute leben in mehreren Interessenswelten statt wie in den alten Zeiten in der gegen jedwede Konkurrenz abgesicherten katholischen Zwangswelt. Und die kann man ja nimmer auferstehen lassen! Was soll da die Bonifatiushilfe heute bringen?

Kathpress: Das Bonifatiuswerk förderte 2018 in den Diasporagebieten Deutschlands, Nordeuropas und in den baltischen Staaten Estland und Lettland allein 74 Bauprojekte mit 3,3 Millionen Euro. Insgesamt 1.067 Projekte der Kinder- und Jugendhilfe wurden mit 1,8 Millionen Euro und 74 Projekte der Glaubenshilfe mit 816.000 Euro unterstützt. In missionarische Initiativen zur Verbreitung der christlichen Botschaft sowie in die religiöse Bildungsarbeit flossen über zwei Millionen Euro.
Atheistischer Kommentar: Als Schlusswort die Statistik über von kirchennahen Leuten an das Bonifatiuswerk gespendeten Summen und die Art ihrer Verteilung! 74 Bauprojekte erhielten im Schnitt knapp 44.600, 74 Glaubenshilfeprojekte bekamen durchschnittlich ca. 11.000 Euro und dann gab's noch zwei Mio. Euro für die Mission. Und? Was hat das gebracht? Wie viele kirchennahe Katholiken wurden damit erzeugt? Um wie viele Leute mehr sitzen durch die Bauprojekte in kirchlichen Räumlichkeiten? Keine Zahlen zu irgendwas zu finden!

Da gab's wohl auch keine Missionserfolge! Die angestrebte "Wiederverchristlichung" gibt's nicht und wird's nicht geben!

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).




Warum darf ich keinen Kanadier besitzen?


Der Hintergrund zu folgendem Text: Laura Schlessinger ist eine US-Radio-Moderatorin, die Leuten, die in ihrer Show anrufen, Ratschläge erteilt. Kürzlich sagte sie, als achtsame Christin, daß Homosexualität unter keinen Umständen befürwortet werden kann, da diese nach Leviticus 18:22 ein Gräuel wäre. Der folgende Text ist ein offener Brief eines US-Bürgers an Dr. Laura, der im Internet verbreitet wurde.

Das Original findet sich hier : Why can’t I have a Canadian ?

Liebe Dr. Laura!

Vielen Dank, daß Sie sich so aufopfernd bemühen, den Menschen die Gesetze Gottes näher zu bringen. Ich habe einiges durch Ihre Sendung gelernt und versuche das Wissen mit so vielen anderen wie nur möglich zu teilen. Wenn etwa jemand versucht seinen homosexuellen Lebenswandel zu verteidigen, erinnere ich ihn einfach an das Buch Mose 3, Leviticus 18:22, wo klargestellt wird, daß es sich dabei um ein Gräuel handelt. Ende der Debatte.

Ich benötige allerdings ein paar Ratschläge von Ihnen im Hinblick auf einige der speziellen Gesetze und wie sie zu befolgen sind,

a.) Wenn ich am Altar einen Stier als Brandopfer darbiete, weiß ich, daß dies für den Herrn einen lieblichen Geruch erzeugt (Lev. 1:9). Das Problem sind meine Nachbarn. Sie behaupten, der Geruch sei nicht lieblich für sie. Soll ich sie niederstrecken?

b.) Ich würde gerne meine Tochter in die Sklaverei verkaufen, wie es in Exodus 21:7 erlaubt wird. Was wäre Ihrer Meinung nach heutzutage ein angemessener Preis für sie?

c.) Ich weiß, daß ich mit keiner Frau in Kontakt treten darf, wenn sie sich im Zustand ihrer menstrualen Unreinheit befindet (Lev. 15:19-24). Das Problem ist, wie kann ich das wissen? Ich hab versucht zu fragen, aber die meisten Frauen reagieren darauf pikiert.

d.) Lev. 25:44 stellt fest, daß ich Sklaven besitzen darf, sowohl männliche als auch weibliche, wenn ich sie von benachbarten Nationen erwerbe. Einer meiner Freunde meint, daß würde auf Mexikaner zutreffen, aber nicht auf Kanadier. Können Sie das klären? Warum darf ich keine Kanadier besitzen?

e.) Ich habe einen Nachbarn, der stets am Samstag arbeitet. Exodus 35:2 stellt deutlich fest, daß er getötet werden muß. Allerdings: bin ich moralisch verpflichtet ihn eigenhändig zu töten?

f.) Ein Freund von mir meint, obwohl das Essen von Schalentieren, wie Muscheln oder Hummer, ein Gräuel darstellt (Lev. 11:10), sei es ein geringeres Gräuel als Homosexualität. Ich stimme dem nicht zu. Könnten Sie das klarstellen?

g.) In Lev. 21:20 wird dargelegt, daß ich mich dem Altar Gottes nicht nähern darf, wenn meine Augen von einer Krankheit befallen sind. Ich muß zugeben, daß ich Lesebrillen trage. Muß meine Sehkraft perfekt sein oder gibt’s hier ein wenig Spielraum?

h.) Die meisten meiner männlichen Freunde lassen sich ihre Haupt- und Barthaare schneiden, inklusive der Haare ihrer Schläfen, obwohl das eindeutig durch Lev. 19:27 verboten wird. Wie sollen sie sterben?

i.) Ich weiß aus Lev. 11:16-8, daß das Berühren der Haut eines toten Schweines mich unrein macht. Darf ich aber dennoch Fußball spielen, wenn ich dabei Handschuhe anziehe?

j.) Mein Onkel hat einen Bauernhof. Er verstößt gegen Lev. 19:19 weil er zwei verschiedene Saaten auf ein und demselben Feld anpflanzt. Darüber hinaus trägt seine Frau Kleider, die aus zwei verschiedenen Stoffen gemacht sind (Baumwolle/Polyester). Er flucht und lästert außerdem recht oft. Ist es wirklich notwendig, daß wir den ganzen Aufwand betreiben, das komplette Dorf zusammenzuholen, um sie zu steinigen (Lev. 24:10-16)? Genügt es nicht, wenn wir sie in einer kleinen, familiären Zeremonie verbrennen, wie man es ja auch mit Leuten macht, die mit ihren Schwiegermüttern schlafen? (Lev. 20:14)

Ich weiß, daß Sie sich mit diesen Dingen ausführlich beschäftigt haben, daher bin ich auch zuversichtlich, daß Sie uns behilflich sein können.

Und vielen Dank nochmals dafür, daß Sie uns daran erinnern, daß Gottes Wort ewig und unabänderlich ist.

Ihr ergebener Jünger und bewundernder Fan Jake

 

 




Gespräch mit Kopten


MarsaAlam_FlughafenEin ganz normaler Abend in Ägypten mit meinen koptischen Freunden Kamal, Ibrahim, Hany et al – Von Edith Bettinger

Ich: Verdammt heiß ist es heute, aber kein Wunder, der Wind kommt aus der Wüste.

Nein, es ist einfach Sommer. Der Wind kommt vom Meer.

Stimmt, aber ihr seid die ersten, die das auch so sehen. Jedenfalls sind heute ungewöhnlich viele Leute unterwegs.

Es ist Ostern, weißt du, viele Ägypter machen jetzt Urlaub.

Ach ja, daran hab ich nicht gedacht, in Österreich war Ostern ja schon vor einem Monat. Jetzt kommt aber bald wieder so ein komischer katholischer Feiertag, hab aber vergessen, welcher, ich bringe die sowieso alle durcheinander.

Wie kannst du das durcheinander bringen, du bist doch katholisch!

Bin ich nicht, ich bin getauft worden, das war‘s dann aber auch schon und seit vielen Jahren bin ich Atheistin, das wisst ihr doch!

Ja, das hast du uns schon oft gesagt, aber um ehrlich zu sein, kennen wir diese Religion nicht.

Atheismus ist keine Religion, das bedeutet einfach, dass man nicht an Gott glaubt.

??? Das geht? Wie kann man da leben? Man braucht doch Gott!

Braucht man nicht, wie ihr an mir sehen könnt, aber ich diskutiere mit Freunden nicht gerne über Glauben und Religion, hab da so meine Erfahrungen.

Ist ok, ist ohnehin privat, wir feiern jetzt jedenfalls alle die Auferstehung von Jesus Christus.

Das ist mir klar, „unser“ Christus ist bereits auferstanden, der katholische halt und nicht der orthodoxe. Lustig, oder?

Lustig ist das nicht, aber wir freuen uns jedes Jahr darüber, dass Jesus für uns auferstanden ist.

Mit uns meint ihr die Kopten? Ich sehe auch viele Muslime hier „feiern“!

Feiertage sind Feiertage, viele Gäste kommen in der Zeit und das ist gut so. Obwohl..

Obwohl was?

Anstrengend sind sie schon, das muß man ehrlicherweise zugeben. Laut und anstrengend, da sind europäische Touristen anders.

Na ja, so eine Gruppe Europäer kann aber auch bisweilen ziemlich nervig sein, ägyptische Großfamilien sind eben mehr als 2 Personen ;-)

Familie plus Freunde, das ist das Problem! Ist am Dienstag aber wieder vorbei, dann sind sie alle wieder in Kairo.

Dann herrscht wieder Flaute?

Ja, es sind wesentlich weniger Gäste aus Europa hier seit der Revolution, gut 40% weniger. Scheiß Revolution!

Sagst du das jetzt wegen der Einbußen im Tourismus oder weil es euch Kopten jetzt allgemein schlechter geht als unter Mubarak?

Beides, ihr werdet es ja in Europa nicht mitbekommen, wie der Hass auf uns geschürt wird, Kirchen angezündet und Christen getötet werden.

Doch, das erfahren wir schon, es ist nicht täglich in den Nachrichten, aber durch Internet und nicht zensuriertes Satellitenfernsehen kann man alles erfahren, wenn man es nur möchte.

Das ist gut. Wir Kopten sind ja sehr friedfertig und lassen uns nicht aufhetzen, wir wollen einfach nur in Frieden leben. Wir sind gebildeter und die reichsten Ägypter sind Kopten. Deshalb zahlen wir einfach unseren Teil und haben unsere Ruhe. Das hat schon Papst Shenouda, dieser heilige Mann, so ausgehandelt. Auch der neue Papst lässt sich nicht zu etwas Unüberlegtem hinreißen. Israel hat zum Beispiel angeboten, ägyptische Kopten aufzunehmen, aber der Papst hat das abgelehnt, weil das hier nur Unruhe stiften würde.
Hany ganz aufgeregt: Amerika wäre doch viel besser! Das ist ein großes Land, aber gerade Israel? Amerika hat das nicht angeboten, nach Israel wollen wir nicht, das wäre eine zu große Provokation.

Das ist überraschend für mich, dass ihr Israel ansprecht. Das ist ein besonders delikates Thema in Ägypten. Meiner Erfahrung nach hat der Hass auf Israel seit der Revolution noch zugenommen.

Das stimmt leider. Die Ägypter lassen sich zu leicht beeinflussen. Nach außen hin sind die Juden das Übel, aber dass Palästinenser bei uns als ungebildet und kriminell gelten, sagt keiner dazu.
Warum nimmt denn Ägypten nicht mehr Palästinenser auf? Sie sind einfach Verbrecher!

Kamal beruhigend: Es ist verständlich, dass sich Israel verteidigt, wenn es angegriffen wird. Die heiligsten Stätten der Juden und Christen befinden sich in Israel, das steht schon im Alten Testament. Die Juden haben Anrecht auf dieses Land, sie sind schon länger dort. Sie kamen ja schließlich nicht vom Mars! Zwei Staaten, Mauer dazwischen und Schluss!

Das ist aber eine sehr moderne Meinung zu Israel, das höre ich in Ägypten zum ersten Mal.

Wenn du dich auch nur mit Moslems unterhältst, kein Wunder. Ich sagte doch, wir Christen sind gebildet.

Jetzt haben wir nur über Politik geredet. Wie geht es eigentlich Yousry bzw. seiner Frau? Hat sie schon geboren?

Nein, noch nicht. Sie ist schon 4 Tage über der Zeit, aber jetzt geht es nicht wegen Ostern.

Was hat denn Ostern damit zu tun? Wenn es soweit ist, ist es soweit!

Nein, der Arzt hat gesagt das geht schon und über die Feiertage ist ohnehin kein Arzt verfügbar.

Die arme Frau! Das ist ja fahrlässig!

Es macht ihr nichts aus, es ist Gottes Wille.
Ibrahim ganz aufgeregt: auch meine Frau hat die 2 Söhne am Dienstag nach Ostern geboren. Ist das nicht großartig? Gott schenkt uns unsere Kinder immer nach dem Osterfest!

Das ist aber nicht Gott, das sind die Ärzte, die zu den Feiertagen nicht arbeiten! Meint ihr das wirklich ernst? Gottes Wille?

Ja, das ist sein Geschenk an uns, dieses ganz besondere Geburtsdatum.

Ok, da steig ich aus. Hoffe, es geht alles gut bei der Geburt!

Wird sicher, Gott schützt uns!

Muss er auch, wenn alle koptischen Frauenärzte lieber die Auferstehung feiern als ihre Glaubensschwestern zu entbinden. Lasst uns über etwas Anderes reden. Es ist immer noch verdammt heiß heute Abend….

P.S.: Yousrys Frau hat am Mittwoch nach Ostern einen Sohn geboren, er wird Peter getauft werden.

© by Edith Bettinger, Mai 2013

http://www.freidenker.at/index.php/blog/2957-gespraech-mit-kopten.html

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

 




Übers König Abdullah Zentrum...


Ohne Bekenntnis…schrieb Niko Alm in seinem Buch "Ohne Bekenntnis" auf Seite 82:

KAICIID

Im Jahr 2012 wurde das »King Abdullah bin Abdulaziz International Centre for Interreligious and Intercultural Dialogue« (KAICIID) eröffnet, als »staatenübergreifende Organisation, deren Aufgabe darin besteht, Dialog als Mittel zur Konfliktvermeidung und Konfliktlösung weltweit einzusetzen sowie gegenseitiges Verständnis und Kooperation zu fördern« (https://www.kaiciid.org/de/who-we-are/über-uns).

Gegründet wurde das Zentrum von Österreich, Spanien und Saudi-Arabien. Der Heilige Stuhl wird als Beobachter geführt und darf auch seine Flagge über dem Portal am Sitz der Organisation an der Wiener Ringstraße zur Schau stellen. Finanziert wird die Organisation, die sich ihre Aufgaben selbst erteilt und völlig ohne erkennbare Wirkung nach außen abarbeitet, vom 2015 verstorbenen Namensgeber, dem saudischen König Abdullah. Außer fassungsloses Erstaunen hinterlässt diese Einrichtung keinen bleibenden Eindruck. In ihr gerinnen alle Vermutungen über die Inkompatibilitäten und den gegenseitigen Hass der Religionen aufeinander und auf den Staat in einer einzigen Institution. Das KAICIID verkörpert wie keine andere Organisation die Absurdität der bevorzugten Einbindung der Religion in die Republik. Der Staat zwingt als Mittler Islam und Christentum, die zum eigenständigen Dialog weitgehend unfähig sind, an einen Tisch und inszeniert ein fruchtloses Gespräch zwischen ideologischen Widersachern. Durch seine kooperative Verpartnerung mit organisierter Religion sieht er sich hier in der Pflicht zur Herstellung eines Konsenses, die er niemals erfüllen wird können.

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).




Noch ein Schmankerl aus Österreich


Der Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari empfiehlt sündigen Priestern im Falles eines Zölibatsbruchs eine „wehtuende Spende“.  Sogar in der aktuellen Wochenausgabe der deutschsprachigen Papstzeitschriftt „L`Osservatore Romano“ wurde das bischöfliche Referat aus Graz nun samt heikler Zölibatspassage veröffentlicht!

 

Konkret rät Kapellari Priestern, die „in eine Berufs- und Berufungskrise geraten sind oder seit langem in einem falschen Kompromiss stehen“ zu einer „fast wehtuenden, großzügigen Spende“ – etwa für hungernde Menschen. Mit dem klaren Ziel für sündiges Gottespersonal: „wieder freier atmen zu können“.

Als eine Form modernen Ablasshandels will der Grazer Diözesanbischof seinen Vorschlag aber „auf keinen Fall“ sehen. „Es ist eine von vielen Möglichkeiten, damit zu beginnen, in so einer Situation den Knoten zu lösen. Ich lege da auch keine Tarife fest und prüfe auch nicht nach, ob und wie viel ein Priester gespendet hat“. Aber: „Werden Versprechen gebrochen, gibt es einen Selbstbehalt“, erläutert Kapellari im Gespräch mit dem Standard…

Das alleine ist ja schon urkomisch, ich möchte den Lesern aber anhand von postings im dazugehörigen thread im online Standard den Tag noch weiter versüssen und zeigen, wie kreativ und sarkastisch die Poster in diesem Forum sind!

Achtung : es ist nicht alles jugendfrei ;-)

Die Quadratmoral der katholischen Amtskirche

Dieser Vorschlag erniedrigt die betroffenen Frauen zu bezahlten Konkubinen. Im Pfarrhof herrscht „Begleitservice“. Dazu passt, dass der Papst Kondome für männliche Prostituierte gestattet. Das ist keine Doppelmoral mehr, sondern Quadratmoral.

Kann es sein,

dass die Pfaffen viel zu oft mit Weihrauch als psychogene Substanz hantieren?
Anders ist diese „Schnapsidee“ nicht zu verstehen. Gilt das in Zukunft auch für das Basisvolk, anstelle von 3 Vaterunsern etc. nach der Beichte die Bankomatkarte zücken?
Echt skurril, diese Fritzen!

Regress

Hat sich der Kapellari in seiner Demenz überlegt, ob er nicht für ein paar Jahrzehnte nachzahlen müsste?

Glaubt die Kirche

… selber nicht mehr an die abschreckende Wirkung ihrer Himmel/Hölle-Konstruktion?

Gute Idee, daher

möchte ich konstruktiv mitarbeiten und folgenden Bußkatalog anbieten:
1. Sex mit erwachsener Frau (Frau ist einverstanden): 200 EUR
2. Sex mit erwachsenem Mann (Mann ist einverstanden): 150 EUR
3. Sex mit Kollegen (Kollege ist einverstanden): 100 EUR
4. Selbstbefriedigung: 50 EUR
5. Vergewaltigung (Erwachsener): Verwarnung
6. Vergewaltigung kleiner Kinder: wird vom Leiter der Glaubenskongregation vertuscht, daher straffrei, um die neue Strenge der katholischen Kirche auszudrücken, bekommt das Opfer – mit angemessenem Abstand von 30-40 Jahren – einen Schokoriegel. Für die Verwendung von bösen Kondomen wird ein Zuschlag von 30 EUR berechnet. Abtreibungen werden von der Kirche bezahlt, an Alimenten beteiligt sich die Kirche zu 60%.

Gute Idee, aber

ich würde noch zwecks der Mehreinnahmen vorschlagen, dass man mit RK – Gutscheinen, die man auch gerne zu Weihnachten verschenken kann, schon vorab die irdischen Freuden für nächste Jahr sichern kann. Oder wie wäre es mit einer RK – Bonus Card, 20% auf alles …

Braucht der Papst vielleicht schon wieder neue Prada-schlapfen?

Keine schlechte Idee!

Aber, ob die Geliebte des Pfarrers das Geld nimmt?

„… um Last von der Seele zu nehmen, lohnt es sich eben auch, Lösungsansätze auf materieller Ebene zu suchen.“

Das ist ja unglaublich, wie entlarvend diese Aussage ist!

Neues Gehaltsschema für Priester

Grundgehalt 2.000,–
Hotelspesen 500,–
Verhütungszuschuss 120,–
Konkubinats-Subvention 750,–
———————————-
Bruttogehalt 3.370,–
Schnaxl-Ablass -1.370,–
———————————-
Gehalt vor Steuern 2.000,–

Offenbar machte die Kirche im letzten Quartal zu wenig Umsatz…

…der Aufsichtsrat sucht neue Einnahmequellen :-)

Pfarrer wird zur Rede gestellt:

Sie schlafen mit der Köchin in einem Bett?
Ja, aber wir haben ein Bügelbrett dazwischen!
Und wenn das Bügelbrett umfallt?
Dann werfen wir ein Zehnerl in die Kasse!
Nur ein Zehnerl?
Ja, aber es läppert sich ganz schön zsamm!

Jener Mann spicht wirr, er möge sich einen von der Palme wedeln, auf dass er wieder klaren Gedankens werde!

Frauenbild der Kirche:

Heilige oder Huren. Heilige faßt man nicht an, für Huren bezahlt Mann.

Tarife

Ich hab da einmal eine kleine Spendenliste zusammengestellt. Als Vorschlag natürlich – bitte um Ergänzung!
1 x nackert duschen: 5 €
1 x Zipfl zupfn: 10 €
1 x dem Ministranten in den Hintern ….: 7 €
1 x mit dem Kaplan: 10 €
1 x eine Frau küssen: 1000 €
1 x SEX (pfuigack) mit einer Frau: 10.000 €

Religion von innen

das ist nur ein weiterer beweis, dass religion von innen ziemlich unlustig ist, von aussen betrachtet aber SEHR lustig

und wenn jeweils bei Selbstbefriedung zumindest eine kleine Geldstrafe gäbe, wäre ganz Griechenland gerettet.

Zahlen für sex?

So ein Konzept gibt es schon…

Ein Verein, der
– Homosexuelle und
– Frauen benachteiligt,
– Pädophile unterstützt,
– und jetzt auch noch über ein Standbein in der Zuhälterei nachdenkt!
Ich kann jedem Mitglied nur raten, darüber ganz objektiv nachzudenken.
Ein Schelm der denkt, es könnte die katholische Kirche gemeint sein.

Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt!

Der Kirche muss es finanziell ganz schön dreckig gehen

wenn sie jetzt schon die eigenen Hirten schröpft.

Geld gegen Vertrauen – DAS nenn ich moralische Wertvorstellungen!

Sollte jemand …

frei atmen wollen, so biete ich mich an, eine Spende entgegenzunehmen. Bitte um Kontaktaufnahme.
Ich könnte dann auch freier atmen, sozusagen mein Selbstbehalt.

Ich finde die Idee gut, ABER man sollte sich nicht so einfach freikaufen können. Deshalb schlage ich ein 3-Säulen Modell vor:
1. eine saftige Spende
2. öffentliches Auspeitschen
3. Sitzen im Beichtstuhl und um Vergebung bitten
Die katholische Kirche und deren Vertreter müssen wieder frei von Sünde sein

Gibt es dann eine Preisliste:
– für heterosexuellen Sex
– für bisexuellen Sex
– für einen Dreier
– für Gruppensex
– für spezielle Praktiken wie SM, etc.
– kein Tarif für Frauen in der Kirche; die haben ohnehin nichts zu melden und zu lachen
– Rabatt bei Personen, die schon bezahlt worden sind
– Rabatt bei kostenpflichtigen Swingerclubbesuchen
– Rabatt bei kostenpflichtigen Online-Portalen
– Zusatztarif für Geliebte, je Dauer der Liebschaft
– Zusatztarif für Geliebte mit Kind
– Rabatt für Geliebte, die im Dienste der Kirche steht
– Zusatztarif für jene Männer, die weiter oben in der Kirchenhierarchie stehen. Je verlogener und desto mehr man verdient, desto mehr zahlt/spendet mann.

vier Zusatztarife vergaß ich noch:
– Zusatztarife für alle Pfarrer, die ein Eheseminar leiten, aber nicht wissen wie Ehe funktioniert
– Zusatztarife für alle Pfarrer, die ein Eheseminar leiten, dabei Untreue predigen, aber zugleich Zölibatsbruch begehen, also im engeren Sinne auch untreu gegenüber ihrem Glauben sind
– Spezieller Zusatztarif für all diejenigen, die Sex im Jahr 2011 noch unter Strafe stellen.
– Spezieller Zusatztarif für jene Glaubensgemeinschaften, wo Pfarrer, Bischöfe, Kardinale und Päpste KEINEN Zölibatsbruch begehen, aber wie gamsige, kastrierte Eunuchen umherlaufen. Letzteres ist wider die Natur und sollte dementsprechend streng bestraft werden.

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

 




Es gibt Priester, die im Urlaub ganz viel Sex haben


PriesterSo titelte die WELT am 5.6.2019 einen Artikel über die zölibatäre Praxis!

Der Sexualtherapeut Joachim Reich antwortete im Interview mit der WELT auf die Frage, "Wie viele Priester haben denn Probleme mit der Enthaltsamkeit?" so:
"Fast alle. Ich würde sagen: 95 Prozent halten sich nicht lebenslang an den Zölibat. Zu welchem Grad und in welchen Phasen sie sexuell aktiv sind, ist aber unterschiedlich. Manche haben Phasen, in denen sie sehr viel masturbieren oder Affären haben, leben aber dann wieder lange Zeit enthaltsam. Es gibt Priester, die im Urlaub ganz viel Sex haben und den Rest des Jahres zölibatär verbringen. Andere führen konsequent ein Doppelleben. Haben eine feste Beziehung, gehen gewohnheitsmäßig ins Bordell oder behelfen sich mit Pornos."

Ja, meinereiner sagt das auch immer und begründet es so: Sex ist nicht etwas, das man machen oder bleiben lassen kann, sondern hormonell gesteuert und lässt sich deshalb nicht religiös regeln oder willentlich abschalten! Und dann schreibt meinereiner immer: Die Ehe- und damit die Sexuallosigkeit hat die christliche Hauptfigur, der Herr Jesus nur den "Verschnittenen" – also den Kastrierten – zugewiesen, das steht im heiligen Christenbuch mit dem Namen "Neues Testament"!

Darum hier wieder die Antwort des Jesus gemäß Matthäus 19,12 auf die Frage von Jüngern nach der Ehelosigkeit: "Denn es gibt Verschnittene, die von Mutterleib so geboren sind; und es gibt Verschnittene, die von Menschen verschnitten sind; und es gibt Verschnittene, die sich selbst verschnitten haben um des Reiches der Himmel willen. Wer es fassen kann, der fasse es!"

Alles völlig klar und selbst für den vollsten Vollidioten voll verständlich! Ehe- und Sexlosigkeit fassen nur entmannte Männer und darum brauchen es auch nur solche Männer zu fassen!

Aber das fiel nach der Zölibatseinführung vor 1000 Jahren in den Bereich der katholischen Heuchelei, den geistlichen Herren wurde damals im Prinzip der legale Nachwuchs verboten, um keine klerikalen Feudalstrukturen zuzulassen mit vererbbaren Pfarren, Diözesen Bistümern, Kardinalwürden und womöglich auch einer Papstdynastie!

Aber sowas gibt's ja heute nimmer, der Feudalismus ist kein bestimmendes Gesellschaftssystem mehr und darum könnte ja heute kein Bischof fordern, dass sein Erstgeborener das Bischofsamt samt Bistum erben müsste!

Die Sicht der Kirche zitiert Joachim Reich so: "Kleriker dürfen ohnehin keinen Sex haben, also müssen wir uns auch keine Gedanken über den Umgang mit Sex machen." Noch blöder geht's wirklich nimmer! Die Kirche ließ jedenfalls zu den oben von Reich angeführten 95% wissen: dies sei "nicht evidenzbasiert". Klar, man prüft nix nach, weil Sex ja ohnehin verboten ist! Dass der Pastoraltheologe Zulehner schon vor Jahren (2010!) bei einer Priesterbefragung (wo sich ja auch nicht jeder geoutet haben wird!) auf 29 %, die bei einer Freundin und auf 47 %, die bei einem Freund "daheim" seien, gestoßen ist, bringt mit 76 % etwas weniger Zölibatssünder, weil ja gelegentliche Sünder, die sich z.B. nur manchmal im Puff daheim fühlen, in der Zulehner-Zählung nicht inbegriffen sind.

Dabei hat inzwischen ja zu dieser grotesken Zölibatsvorschrift sogar der Papst einen Ausweg angedeutet, aber bisher hat es dazu keine näheren verlautbarten Konkretisierungen gegeben…

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).

 




Der rote Balken


Dieser Beitrag erschien zuerst bei: georgkorfmacher.

Schön ist das Palais Holnstein in der Münchner Innenstadt, ein Prachtbau des Rokoko mit einem vielsagenden Wappen am Hausgiebel. Kunstkennern und Wappenkundlern zaubert der kleine rote Balken zwischen den Löwen der Wittelsbacher ein Schmunzeln ins Gesicht. Einfache Demokraten fragen sich, ob die rote Farbe, die so gar nicht ins Wappen der Bayern passt, vielleicht mit der roten Farbe des pileolus des dort wohnenden Kardinals zu tun hat, oder mit den roten Knöpfen entlang seiner Sutane, oder mit den roten Papstpantoffeln, oder überhaupt mit dem vielen Rot an allen möglichen Gewändern katholischer Kirchen-fürsten?

Auf Anfrage  würde man die historisch nicht haltbare Erklärung erhalten, dass die rote Farbe an das Blut der Märtyrer erinnern soll und an die Demut der Träger dieser Farbe. Die Erklärung der Catholica klingt zwar katholisch schön, ist aber ebenso zweifelhaft wie bezeichnend für das Prunk- und Prachtgehabe seiner Träger. Als nämlich die Christen unter dem grossen Konstantin flügge wurden, eigneten sie sich flugs einige Zeichen der Macht an, so die rote Farbe. Diese war an sich hohen Staatsbeamten, Senatoren u.ä. vorbehalten und überhaupt eine Farbe politischer Macht. Die niedlichen roten Papstpantöffelchen sind ein lächerlicher Überrest dieses Machtgehabes. Der Sonnenkönig von Frankreich forderte ostentativ die rote Farbe an seinen Absätzen exklusiv für sich. Der machtgeile Kardinal Richelieu lief nur noch rot herum. Rot ist bis heute auch eine Farbe der Macht.

Und da passt es natürlich trefflich, dass der Balken im Wappen am Haus des Kardinals auch rot prangt. Prächtig! Da fühlt man sich doch gleich zuhause. Besser geht es nun wirklich nicht! Und alle sind stolz und freuen sich, vor allem der Kardinal.

Aber welch grausame Macht des Schicksals! Der Balken in der noch so schönen Farbe rot sagt nämlich nur überdeutlich, dass dies das Haus eines Bastards war, zwar eines höchst adeligen, aber eben doch eines Bastards. Daher nennen Kenner den schönen (roten) Balken auch Bastardbalken. Zwar haben die Wittelsbacher aus dem heraldischen Balken ein putziges Bälkchen gemacht, gleichwohl ist und bleibt es ein Bastardbalken, unter dem der Kardinal täglich ein- und ausgeht.

Aber das Haus ist schön, und man darf annehmen, dass der Geist des Bastards nach neuerlicher Renovierung für lächerliche 6,5 Mio. € nicht mehr in seinen Gewölben umgeht. Dank der Denkmalbehörde, die das Haus und sein Wappen mit Steuergeldern so trefflich restauriert hat. Ob jedoch das Haus eines Bastards und einer Maitresse ein würdiger Sitz für einen Kardinal der Catholica ist, bleibt eine offene Frage.

 

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

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Gott darf nimmer in Versuchung führen


Dachshund puppy looking at a treat (out of reach) over a table

Dachshund puppy looking at a treat (out of reach) over a table

Laut Bibel hat der Jesus, die zweite Gottesfalte im dreifaltigen Christengott, seine Jünger das wichtigste Christengebet, das "Vater unser" so gelehrt: "Unser Vater, der du bist im Himmel! Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf Erden. Gib uns heute unser tägliches Brot. Und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unseren Schuldnern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern errette uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit! Amen." Nachzulesen in Matthäus 6, 9-13!

Dass nicht "Unser Vater", sondern "Vater unser" gebetet wird, hat seine Ursache in der lateinischen Grammatik, denn in der Lateinbibel steht "pater noster", weil noster pater wäre grammatikalisch falsch. Im Vers Mt. 6,13 der Lateinbibel steht "et ne inducas nos in temptationem sed libera nos a malo" und das heißt eben "und führe uns nicht in Versuchung, sondern befreie uns vom Bösen".

Am 5. Juni 2019 war nun auf kath.net unter dem Titel, "Papst Franziskus billigt Änderung beim 'Vater Unser'" die folgende Meldung zu finden:

"Papst Franziskus hat offiziell die Änderung beim "Vater Unser" für gebilligt. Konkret geht es um die Änderung in Mt 6,13 "Und führe uns nicht in Versuchung, sondern rette uns vor dem Bösen!". Zukünftig soll im Vater Unser "lass uns nicht in Versuchung geraten" gebetet werden. Laut der Website UCatholic wurde die Änderung vom Papst am 22. Mai gebilligt.
Der Papst meint laut eigenen Angaben, dass die neue Version besser sei, weil durch die ursprüngliche Version abgeleitet werden könnte, dass Gott Menschen in Versuchung führe, eine Interpretation, die durchaus differenziert von Theologen gesehen wird.
Wie kath.net erfahren konnte, wurde in Deutschland die Änderung abgelehnt, hier soll die EKD dies verhindert haben. In englischer, französischer und italienischer Sprache soll die Änderung kommen!"

Soweit diese kurze Meldung, Gott darf nimmer versuchen, das wird wohl jetzt nur mehr eine Tätigkeit für den Teufel sein! Weil ein lieber Gott, der ständig alle Menschen göttlich liebt, der muss immer ein ganz ein Braver sein!

Aber im 1. Korinther heißt es in 10,13: "Es hat euch bisher nur menschliche Versuchung betroffen. Gott aber ist treu; er wird nicht zulassen, dass ihr über euer Vermögen versucht werdet, sondern er wird zugleich mit der Versuchung auch den Ausgang schaffen, so dass ihr sie ertragen könnt." Also schafft doch Gott die Versuchung, aber mit einer Art Notausgang! Und wer diesen Ausgang nicht benutzt, der ist sündenmäßig an der von Gott geschaffenen Versuchung gescheitert! Deshalb sollten die Christen wohl darum beten, dass sie Vater Gott nicht versucht!

In der englischen Fassung heißt es inzwischen, "save us from the time of trial and deliver us from evil", also "schütze uns vor der Zeit der Prüfung und rette uns vor dem Bösen". Ja, die christlichen Götter werden umgeformt auf immer lieber und beliebiger, keine Verdammungen, keine Prüfungen, keine Versuchungen und lauter liebe Rettungen.

Da wird in der Hölle bald das letzte Feuer ausgehen! Und der Jesus wird sogar meinereinem die Füße waschen!

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).

 




Erster Schawwal - Ende der Tortur


islam-1299211_1280Nach gregorianischem Kalender am 4. Juni 2019 stellt sich die islamische Welt wieder vom Kopf auf die Füße: Der Ramadan kommt mit einem Fest namens Aïd el fitr – in deutschsprachigen Gegenden auch Zuckerfest genannt – zu seinem Ende. Dann liegen dreißig entbehrungsreiche Tage hinter den Moslems, soweit sie der Pflicht zum Ramadan nachgekommen sind, was mitnichten durchgängig der Fall ist. Nach Befragungen durch fowid nehmen in Deutschland allenfalls 50% der Moslems die Mühsal der täglichen Tortur auf sich. Das wird auch von islam.de bestätigt. Wer übrigens glaubt, dass das in so genannten „islamischen“ Ländern (mit Ausnahme der Hardliner-Staaten) völlig anders aussähe, täuscht sich über die wachsende Zahl der von mir gern als Kulturmoslems bezeichneten weniger an Religion Interessierten (Bild: OpenClipart-Vectors, pixabay).

Eines der Sprachrohre des organisierten Islams in Deutschland ist islam.de, eine Website, die darum bemüht ist, die „schönen“ und „edlen“ Seiten des Islams darzustellen. Hauptsprecher der Moslems ist Ex-FDP-Mitglied Aiman Mazyek. Durchaus lesenswert – wenn auch völlig aus der Zeit gefallen und weltfremd – ist seine Einführung in das Wesen des Ramadan http://islam.de/16161.php: „Wie einen guten Freund begrüßen Muslime den Fastenmonat Ramadan. Es ist ein Freund, der zum Innehalten anregt, zum Studium des Korans, zur Betrachtung unserer spirituellen Quellen, unserer religiösen Heimat. Es ist eine Zeit der körperlichen Entbehrung und der geistigen Erneuerung, der inneren Einkehr und der Gemeinschaft. Im Ramadan sind die Moscheen voller als gewöhnlich. Im Ramadan rücken Familien und Freunde enger zusammen, ist die Gemeinschaft der Gläubigen spürbarer als sonst. Das Fasten im Ramadan ist die dritte der fünf Säulen des Islams. Es ist ein vierwöchiger Gottesdienst, währenddessen der Mensch über die Beziehung zu seinem Schöpfer nachdenken kann und soll“.

Im Ramadan wird zudem an die Mildtätigkeit der Gläubigen appelliert. Der Zaket, eine weitere Säule des Islam, ist eine am 27. Ramadan festgelegte Summe, die jeder Moslem an Bedürftige entrichtet. Entweder man gibt dieses Geld oder auch eine Sachspende in Form von Nahrungsmitteln an einen Imam, der es an die bedürftigen Empfänger weiterleitet, oder man spendet direkt an eine karitative Einrichtung. Nicht selten werden Wohlhabende zu Banketten geladen, zu denen leicht 250 oder mehr Besucher zusammenkommen, die jeweils ein Iftar (das tägliche Essen zum  Fastenbrechen) zu bewusst sehr überhöhten Preisen einnehmen, damit eine stattliche Summe für die entsprechende Einrichtung zusammenkommt. Das sind – wenn man vom religiösen Hintergrund einmal absieht – sehr schöne Veranstaltungen, an denen sich zum Beispiel hier in Tunesien jeweils auch die ausländische Community lebhaft beteiligt. Auch meine Frau und ich haben mehrfach an so etwas teilgenommen.

Das ideale Bild des „Fastenmonats“ geht auf Mohammed selbst zurück, der angeblich während dieser Zeit seine ersten Begegnungen mit einem „Engel“ namens Gabriel hatte. Von diesem erfuhr er die Worte eines Gottes, den Moslems Allâh nennen. Gebündelt fanden diese Worte sich schließlich im Koran wieder. Erste schriftliche Aufzeichnungen der Visionen des schreibunkundigen Propheten finden sich etwa 40 Jahre nach dessen Tod. Wie viel während dieser Periode mündlicher Überlieferung von den Adepten verändert, umgestellt oder neu hinzugedichtet worden ist, entzieht sich natürlich der detaillierten Kenntnis. Viele der im Koran beobachtbaren Inkonsistenzen lassen sich aber wohl nur durch diesen Transmissionsweg erklären. Entsprechende wissenschaftliche Bemühungen um Klärung werden allerdings von nicht wenigen Moslems argwöhnisch beäugt, selbst wenn die Ergebnisse von der Universität Al Azhar in Kairo stammen, einem Forschungsort, der gemeinhin so etwas wie den Vatikan des Islam darstellt.

Die genaue Anwendung der Regeln verlangt von gesunden Moslems ab der Pubertät rund 14 bis 15 Stunden täglich (in Deutschland leicht auch 18-19 im Hochsommer) und trotz Temperaturen von über 40° im Schatten die totale Enthaltsamkeit: Essen, Trinken, Rauchen sind verboten – und natürlich auch Sex.

Weiterhin sind Meditationen und die vorgeschriebenen Gebete, im Ramadan sechs statt der üblichen fünf, einzuhalten. Zudem soll sich der Moslem dazu auch noch aller „unreinen“ oder feindseligen Einstellungen enthalten – soweit sich das überprüfen lässt. Theoretisch ist eine solche genaue Befolgung, wie auch Mazyek andeutet, nur in einer Gesellschaft möglich, die während dieser Zeit Ferien nimmt, oder die sich darauf beschränkt, eine Herde Schafe und Ziegen und allenfalls einige Kamele zu hüten. In der modernen Arbeitswelt, die der muslimische Gott Allâh entweder nicht voraussehen konnte oder wollte, ist dies praktisch unmöglich. Wie sieht also die Praxis aus?

Von den in Deutschland lebenden Moslems praktiziert nach Angaben von islam.de überhaupt nur in etwa die Hälfte den Ramadan, und auch wohl mehrheitlich (soweit sie im Arbeitsleben stehen) befolgen diese nur den Essens-, Trinkens- und Rauchensteil der Regeln (hier „le jeûne“ genannt), was natürlich bereits für sich allein genommen ungemein schwer fällt.

Für die geforderte Meditation dürfte am Arbeitsplatz genauso wenig Zeit verbleiben wie für die ordnungsgemäße Verrichtung der Gebete. Man stelle sich zum Beispiel einen Fließbandarbeiter vor, der seinen Arbeitsplatz verlässt, um neben dem Band den Gebetsteppich auszurollen! Oder einen Schullehrer, der den Unterricht unterbricht, um sein Gebet zu verrichten. Das würde die (ohnehin angeschlagene) Akzeptanz von Moslems in der westlichen, ergebnisorientierten Gesellschaft sicherlich nicht befördern. Also wird es unterlassen. Das ist auch hier in Tunesien so. Man mache sich da bitte keine falschen Vorstellungen. Von etlichen weiß ich, dass sie sich zwar am Arbeitsplatz selbst zurückhalten (um dem sozialen Druck zu entgehen), doch sobald sie das Firmengelände verlassen haben, wird die erste Zigarette angesteckt und zu Hause zumindest Wasser getrunken, weil es sonst nur schwer auszuhalten ist.

Wegen dieser Unmöglichkeiten verkommt der Grundgedanke des Ramadans zur Enttäuschung nicht weniger strenggläubiger Moslems zur bloßen Einhaltung der äußeren Regelstruktur, der eigentliche Inhalt höhlt sich zunehmend aus. Das sehen auch die moslemischen Verbände so, aber mehr als (fordernde) Appelle an die nicht-moslemischen Kollegen, doch bitte Rücksicht auf die Moslems zu nehmen, fällt ihnen dazu nicht ein. Die Mehrheit soll sich nach ihren Vorstellungen der Minderheit anpassen. Das gehört zu einer ganzen Serie stetiger Forderungen von moslemischer Verbandsseite: die Aufnahmegesellschaft soll sich bewegen – man selbst hat dies nicht nötig, weil man sich im Besitz der alleinigen Wahrheit glaubt. Dieses offensichtliche Integrationsproblem wird von vielen Moslems einfach dahingehend gelöst, dass sie entweder den Regeln des Ramadan nicht mehr folgen, oder die Exerzitien am Abend nach der Arbeit nachholen.

Eine adaptive Lösung der schwierigen Regel, die die Flüssigkeitsaufnahme verbietet, was nicht selten vor allem bei Älteren zu Dehydrationsbeschwerden bis hin zu echten gesundheitlichen Schäden oder gar zum Tod führt, lieferte bereits vor langer Zeit der Gründungspräsident des modernen Tunesiens, Habib Bourguiba, als er im Fernsehen die Frage, ob er den Ramadan befolge, schlicht mit „Nein, ich arbeite“ beantwortete. Ostentativ leerte er ein Glas Wasser nach seiner Antwort. Von den „Rechtgläubigen“ in der islamischen Gesellschaft wird er seither als Apostat bezeichnet. Der Koran verlangt für Menschen wie ihn die Todesstrafe. Die wird aber derzeit nur in den sehr extremen islamischen Ländern wie Saudi-Arabien oder Iran exekutiert.

Die Reduzierung des Ramadan auf die nur äußere Einhaltung der Fastenregeln unter Auslassung der meditativen Anforderungen gibt einen Hinweis darauf, in welche Richtung sich ein sogenannter moderater Islam entwickeln könnte, nicht etwa durch Selbstreform, dazu erscheint er derzeit unfähig, sondern durch den Druck moderater Moslems, die angesichts der doppelten Anforderungen zwischen Religion und Arbeitswelt praktische Lösungen suchen. So wird auch die Flüssigkeitsaufnahme tagsüber nicht auf ewig das Tabu bleiben können, das es heute vielfach noch ist. So bedienen sich zum Beispiel die 60 Arbeiterinnen, die im Unternehmen meiner Frau arbeiten, nach anfänglichem scheuen Zögern inzwischen wie selbstverständlich an den aufgestellten Automaten, die in der nur schwach klimatisierten Halle gekühltes Wasser anbieten.

Romdhane MubarakDie Adaptation an modernere Erkenntnisse und Notwendigkeiten, von Christen und Juden kulturell längst umgesetzt, wird auch den Islam nicht ausklammern, wenn er sich dauerhaft in den europäischen Kulturen etablieren will. Einen Anfang zu den erforderlichen Veränderungen hat in Deutschland der inzwischen emeritierte Göttinger Professor Bassam Tibi gemacht, dessen Vorschläge für einen „Euro-Islam“, ausgerichtet an dem von ihm eingeführten Begriff der „Leitkultur“, vieles von dem, was am Islam stört wie etwa die Shari‘ah oder die Rolle der Frauen, als entweder zweitrangig einstufen, oder dessen völlige Abschaffung einfordern. Inzwischen gibt es auch im Netz, oft von Frauen betrieben, säkular-moslemische Seiten, auf denen Angleichungen der strengen Systematik an das moderne Leben gefordert werden. Unter „säkular-moslemisch“ wird generell ein Islam verstanden, der sich den Anforderungen unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung stellt und die Trennung zwischen Religion und Staat fordert. Man kann solche Bestrebungen nur voll unterstützen, denn genauso wenig, wie es gelingen wird, zum Beispiel den Katholizismus völlig abzuschaffen, wird es möglich sein, etwa den Islam zu verbieten. Also muss er gemeinschaftsverträglicher werden, wie dies ja in Teilen zumindest selbst mit den Kirchen gelungen ist – nicht von heute auf morgen, aber immerhin in überschaubarer Zukunft. In Deutschland wurde gerade ein vielversprechender Ansatz zu einem solchen säkularen Islam mit der Gründung der Ibn Rushd-Goethe-Moschee in Berlin gebildet. Die Protagonisten streben dabei als Integrationsbeitrag einen regen Austausch mit der Gesellschaft an – und zwar nicht nur mit der religiösen, sondern auch mit den humanistischen Teilen. Das ist sehr begrüßenswert und wird von vielen Humanisten unterstützt. 

Wenn auch nicht gerade in Saudi-Arabien, so doch in den Randländern des Islam wie zum Beispiel in Tunesien, beginnt der innere Widerstand gegen die als unangemessen empfundene Tortur auf weniger intellektuelle Weise. Man beginnt zu erkennen, in welchem Umfang die Volkswirtschaft durch die strikte Einhaltung der Ramadan-Regeln beeinträchtigt wird. Ein vernünftiges, durchgehendes Arbeiten ist häufig gar nicht möglich, wenn man nur noch in miesepetrige und unleidliche Gesichter blickt. Die Auswirkungen von Nährstoffmangel auf das Wohlbefinden und die Denkfähigkeit sind in den fortschrittlicheren Ländern längst wissenschaftlich detailliert erforscht und gut bekannt. Selbst einfacher veranlagte Hijab-Trägerinnen trauen sich inzwischen trotz des enormen sozialen Drucks, bei anstrengenden Arbeiten in der Hitze, die Wasserflasche in Griffweite zu haben. In manchen Belegschaften finden sich die strikten Befolger bereits in der Minderheit. Dies gilt nota bene in Tunesien, mit Einschränkungen auch in Algerien. In Marokko hindert der §222 des Strafgesetzbuches eine Aufweichung der religiösen Vorschriften. Öffentliches Ramadanbrechen untertags wird mit 6 Monaten Gefängnis bestraft. Immerhin existieren bereits an den König gerichtete Initiativen, dieses Gesetz aufzuheben oder abzumildern.

Ein gesondertes Problem stellt die ständige Übermüdung dar, was sich in einer stark erhöhten Unfallrate auf den Straßen zeigt. Zum Verständnis dieses Phänomens muss man sich den Ablauf einer typischen Nacht im Ramadan vor Augen führen. Abends um ca. 19 oder 20 Uhr ist Iftar, das Ramadanbrechen. Da wird dann wegen des tagsüber erlittenen Mangels gegessen was das Zeug hält (man spricht selbst hier in Tunesien respektlos von „la grande bouffe“ wie der gleichnamige Film: Das große Fressen). Anschließend geht es auf die Straße, um sich mit Freunden und Bekannten in den proppenvollen Cafés zu treffen, was bis ungefähr Mitternacht dauert. Dann ab nach Hause und noch ein paar Süßigkeiten hineingestopft. Spätestens kurz nach 3 Uhr bimmelt der Wecker (in Kairo und anderen großen Städten geht eigens ein Ausrufer um, der die Leute weckt), denn spätestens gegen 4 Uhr ist es wieder vorbei mit der Nahrungsaufnahme. Dass dieser Schlafmangel nicht gerade dazu beiträgt, die Sicherheit im Verkehr zu erhöhen, liegt auf der Hand. Ich war selbst Zeuge der bizarrsten Unfälle, die unter normalen Bedingungen einfach nicht passieren. Der Grund immer wieder derselbe: am Steuer sanft entschlafen!

Das selbst auferlegte Leiden dokumentiert sich am besten in der Reaktion der Betroffenen selbst: Spätestens eine Woche vor Ablauf des „heiligen“ Monats beklagt sich die Mehrheit und zählt nur noch die Tage, bis endlich der 1. Schawwal erreicht ist. Dann beginnt das Leben erneut. Die islamische Welt steht wieder auf den Füßen.

Nachtrag: In der besonderen Situation Tunesiens sei mir eine Randbemerkung erlaubt. Nach der Revolution wurden alle einsitzenden Extremisten (soweit es nicht Schwerstkriminelle waren) aus den Gefängnissen entlassen. Sie bilden das harte Rückgrat extremistischer Parteien wie Ennahdha des Sheikhs Rachid al-Ghannouchi. An derem extremem Rand wiederum befinden sich die eingefleischten Salafisten, die bereits Kinos in Brand gesteckt haben, Frauen ohne Kopftuch gern mal an den Haaren ziehen, oder Sommer-leicht bekleidete Mädchen auffordern, sich züchtig zu bekleiden. Da etliche Cafés in den größeren Städten den Nichtbefolgern weiterhin Getränke und Essen anbieten, befürchtet die Polizei nun Anschläge auf solche Orte und hat die Sicherheitsvorkehrungen entsprechend erhöht. Ich kann nur hoffen, dass diese Maßnahmen von Erfolg gekrönt sein werden, da ich keinen höhnischen Artikel zu einem evtl. Fall in bestimmten Publikationen lesen möchte.

Auf den diesjährigen Stand gebracht am 2. Juni 2019.

 

 




Gemeinsam gegen jeden Antisemitismus!


Al Quds#KeinQudsTag in Wien

Samstag, 1. Juni 2019
Kundgebung 15:30 (Infotisch ab 15:00 Uhr)
Leopoldsbrunnen, Graben, 1010 Wien

Aufruf:
Kurz nach der Islamischen Revolution im Iran hat Ayatollah Khomeini 1979 den sogenannten "Al-Quds-Tag" eingeführt, zu welchem jedes Jahr im Iran und weltweit antiisraelische und antisemitische Proteste organisiert werden. Al-Quds bedeutet Jerusalem und unter dem Slogan der "Befreiung Jerusalems von der zionistischen Besatzung" propagieren das iranische Regime und seine Verbündeten die Vernichtung Israels.
Auch in Wien findet jährlich die von Mullahs angeführte, strikt nach Geschlechtern getrennte Demonstration statt. In der Vergangenheit wurden von den Veranstaltern zum Judenmord aufrufende Karikaturen in den sozialen Medien gepostet und antisemitische Verschwörungstheorien verbreitet.
An dem zentralen Ziel des iranischen Regimes, Israel zu zerstören, hat sich seit 1979 nichts geändert: Auch der vermeintlich "moderate" iranische Präsident Rohani bezeichnet Israel als "eiternden Tumor" und "Krebsgeschwür". Auch während der Präsidentschaft Rohanis hat das Regime Wettbewerbe und Konferenzen zur Holocaust-Leugnung organisiert. Das iranische Regime deklariert offen, die Hisbollah und den palästinensischen Terror gegen Israel zu finanzieren. Es rüstet permanent auf, betreibt eine aggressive Expansionspolitik im Nahen Osten und versucht, sich an der Grenze zu Israel festzusetzen.
Unter dem islamistischen Regime leiden auch all jene Iraner und Iranerinnen, die sich der restriktiven islamischen Reglementierung ihres Lebens durch den autoritären Gottesstaat zu entziehen versuchen – egal, ob es sich um politische Aktivist_innen, Frauen, Homosexuelle, Gewerkschafter_innen, religiöse Minderheiten oder einfach nur Jugendliche handelt, die ihr Leben selbstbestimmt und frei vom Zwang der Scharia leben wollen. Unter Rohani wurden deutlich mehr Menschen hingerichtet als unter seinem Vorgänger Ahmadinedschad. Gemessen an der Bevölkerungszahl werden im Iran seit 2013 die meisten Hinrichtungen weltweit durchgeführt.
Es ist ein Skandal, dass Österreich noch immer eine wichtige Rolle spielt, wenn es um Geschäfte mit dem Regime in Teheran geht, und österreichische Politiker_innen und Firmen sich dem Regime andienen. Wir fordern dazu auf, sich unserem Bündnis anzuschließen und sich klar und unmissverständlich gegen den Al-Quds-Marsch zu positionieren!

– Für ein Verbot des antisemitischen Al-Quds-Aufmarsches!
– Solidarität mit Israel! Gegen jeden Antisemitismus!
– Solidarität mit der demokratischen und säkularen Opposition im Iran und im Exil!
– Keine Staatsbesuche bei und von Holocaustleugnern!
– Keine Geschäfte mit dem iranischen Regime!
– Für ein vollständiges Verbot der Hisbollah in Österreich und der EU!

Unterstützt von (Zwischenstand):
Aktion gegen den Antisemitismus in Österreich
autonome antifa [w]
Basisgruppe Theater-, Film- und Medienwissenschaft
Bund sozialdemokratischer Freiheitskämpfer Alsergrund
Café Critique
Christen an der Seite Israels
Demokratische Partei Kurdistan-Iran
Fakultätsvertretung Geisteswissenschaften
Forum gegen Antisemitismus
GRAS – Grüne und Alternative Student_innen
Informations- und Beobachtungsstelle Antisemitismus (iba)
Institutsgruppe Politikwissenschaft
Integration-Bildung-Kultur (IBK)
Israelitische Kultusgemeinde
Jüdische Österreichische HochschülerInnen
Kommunistischer Student_innenverband – Linke Liste (KSV-Lili)
monochrom
'Or Chadasch – Jüdisch-liberale Gemeinde
RAI – Recherchegruppe Antisemitismus und Islamismus in Passau und Umgebung
Republikanischen Club – Neues Österreich
Semiosisblog – Politik, Recherche, Analyse
STOP THE BOMB – Bündnis für einen demokratischen und nuklearwaffenfreien Iran
Queer Hebrews
WIZO- Women's International Zionist Organization

Einzelpersonen:
Mahsa Abdolzadeh, Grüne Bezirksrätin in Döbling
Maryam Farzam/, Bezirksrätin Favoriten (SPÖ) & Iranische Aktivistin
Heiko Heinisch, Historiker, Autor
Daniela Holzinger, Nationalratsabgeordnete, Parlamentsklub Jetzt
Sama Maani, Schriftsteller & Psychoanalytiker
Univ.-Prof. Dr. Oliver Marchart
Robert Schindel, Schriftsteller
Nina Scholz, Politikwissenschaftlerin, Autorin
Thomas von der Osten-Sacken, Wadi e.V.

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).

 




Es knirscht im Gebälk des « House of One »


House of oneUnd dabei soll es doch so etwas einmaliges werden. So steht im Konzept :

In Berlin entsteht ab 2019 etwas weltweit Einmaliges: Juden, Christen und Muslime bauen gemeinsam ein Haus, unter dessen Dach sich eine Synagoge, eine Kirche und eine Moschee befinden. Ein Haus des Gebets und der interdisziplinären Lehre. Ein Haus der Begegnung, für ein Kennenlernen und den Austausch von Menschen unterschiedlicher Religionen. Ein Haus auch für die, die den Religionen fernstehen.

Das liest sich so grossartig, dass es schon ans Fantastische grenzt. Ob dieser Optimismus allerdings gerechtfertigt ist, darf mit Fug und Recht bezweifelt werden, da bereits lange vor Grundsteinlegung die (von Realisten) erwarteten Unstimmigkeiten zu Tage treten :

Doch machen Sie sich bitte selbst ein Bild :

https://www.tagesspiegel.de/themen/reportage/kirchenmoscheesynagoge-in-berlin-friedenssymbol-house-of-one-sorgt-fuer-zwist/24382064.html

 




Kirchenzeitungen eingestellt


BonifatiusboteDarüber berichtete am 24.5.2019 katholisch.de, es hieß dort:

"Die Bistümer Fulda, Limburg und Mainz haben beschlossen, ihre Bistumszeitungen nur noch bis Ende des Jahres 2023 herauszugeben. Hauptgrund für diese Entscheidung sei der kontinuierliche Rückgang der Auflage, der zu einem immer höheren Zuschussbedarf durch die Bistümer geführt habe, teilten die Bistümer am Freitag mit. Bis zu ihrer Einstellung werden die drei Zeitungen – "Bonifatiusbote" (Fulda), "Der Sonntag" (Limburg) und "Glaube und Leben" (Mainz) – jedoch wie gewohnt erscheinen. Für die 22 Mitarbeiter sind sozialverträgliche kirchennahe Lösungen vorgesehen. Die drei Zeitungen mit einer Gesamtauflage von 21.000 Exemplaren werden von der gemeinsamen Gesellschaft für kirchliche Publizistik herausgegebenen."

Soweit aus der Meldung, schauen wir einmal nach: Wie viele Katholiken gibt's in den drei Bistümern? Fulda hatte 2017 einen Mitgliederbestand von 389.840, in Limburg waren es 623.956 und in Mainz 729.602, das ergibt eine Gesamtsumme von 1.743.398. Diese 1,743 Millionen hatten 21.000 Abos von Kirchenzeitungen, das ergibt in Prozenten: einkommazwei, in Ziffern 1,2 %! Was natürlich kein richtiger Bezug ist, weil es ja in einem Abo-Haushalt mehr als einen Leser geben wird.

Laut deutscher Kirchenstatistik von 2017 liegt die Verkaufszahl aller Bistumszeitungen bei 400.000, bei einem Katholikenbestand von 23.311.321 wären es so gerechnet wie oben 1,7 %. 2017 besuchten 9,8 % der Katholiken regelmäßig die Sonntagsmesse, rechnet man eine katholische Familie mit drei zeitungslesesenden Personen, wäre das ein Satz von um die fünf Prozent. Die katholische Massenwirksamkeit liegt somit ziemlich im Randbereich…

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).

 




Bald verheiratete Priester...


Prominente katholische Unionspolitiker haben die Kirche dazu aufgerufen,

Prominente katholische Unionspolitiker haben die Kirche dazu aufgerufen, „verheiratete, bewährte Männer“ zum Priesteramt zuzulassen, um der „Not vieler priesterloser Gemeinden“ zu begegnen und haben im Vorfeld des Papstbesuches eine Zölibatsdebatte neu entfacht.
Illustration: Eine junge Frau steht hinter einem Priester in einer Kirche. (Setup)

…erwartet ein Kirchenrechtler laut Bericht von Vatican News vom 22.5.2019:

Nach Ansicht des Münsteraner Kirchenrechtlers Thomas Schüller wird es in der katholischen Kirche bald verheiratete Priester geben – auch in Deutschland.
Zunächst werde die Amazonas-Synode im Herbst im Vatikan wegen des Mangels an Geistlichen in Lateinamerika "auf jeden Fall" für in Ehe und Familie erfahrene Männer ("viri probati") als Priester votieren, sagte Schüller der Bistumszeitung "Kirche und Leben". Dies werde "Bischofskonferenzen und die Regionen der Weltkirche, die ebenso vom Priestermangel betroffen sind, ermutigen, einen ähnlich gelagerten Antrag zu stellen – unter großer Wertschätzung für den freiwillig gelebten Zölibat."
Er sei sich ziemlich sicher, dass es auch in Deutschland solche verheirateten Priester geben werde, sagte Schüller. "Die überdeutliche Mehrheit der deutschen Bischöfe hat sich in der Richtung positioniert. Warum sollten sie also nicht einen entsprechenden Antrag in Rom stellen?", fragte der Theologe. "Er würde sicherlich wohlwollend geprüft."
Der Kirchenrechtler äußerte sich vor einer Fachtagung in Münster, die sich am Freitag und Samstag mit der "Lehrkompetenz der Bischofskonferenz" befasst.

Soweit die Meldung! Auf der Site von Vatican News definiert man sich so: "Vatican News ist das neue Portal des Heiligen Stuhls." Wenn der Vatikan auf seiner eigenen Homepage die Ansicht des Kirchenrechtlers Schüller unkommentiert publiziert und dabei pointiert auf eine "sicherlich wohlwollend geprüft" werdende Antragstellung verweist, dann kann wohl angenommen werden, dass das Ende des Zölibats naht. Allerdings in üblicher katholischer Scheinheiligkeit, man schafft nichts ab, sondern führt was Neues ein!

Verheiratete Diakone hat man ja lagernd, auf Kathpedia wird dazu so definiert: "Der Diakonat (lat. diaconátus, von griech. diákonos 'Diener, Helfer') ist die erste Stufe des Weihesakramentes." Die nächste Stufe ist die Priesterweihe. Laut der neuesten katholischen Statistik (die ist von 2017) gibt's in Österreich 712 Diakone, da hätte man ja einen schönen Vorrat an weihbaren Ausnahmepriestern ohne Zölibat! Die jährliche Diakonenweihe liegt meist deutlich höher als die Priesterweihe!

Man kann gespannt sein, wie die deutsche Bischofskonferenz auf die obige indirekte vatikanische Aufforderung reagieren wird!

In tausend Jahren Sexualverbot haben die Sexualhormone ausreichend bewiesen, dass solche Verbote nicht möglich sind, bewährte Männer, die sich auch beim Vögeln ihrer Ehefrauen bewährt haben, könnten die Sexprobleme im Priesterstand zumindest absenken…