Interpretationsmöglichkeiten! — oder ein wenig Augenwischerei?


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«Sehen Sie, das ist Islam

Ein paar einleitende kurze Worte zum Begriff „Interpretation“:

In dem Bild links eine Gruppe Augen zu sehen, die einen anschauen oder anstarren, mag einer Sehgewohnheit, einer Täuschung oder einer Wunschvorstellung entsprechen, eine Interpretation ist es nicht, denn eine Auslegung, Übersetzung oder Erklärung seitens des Betrachters im Sinne des Begriffs „Interpretation“, oder auch eine Deutung, findet nicht statt.

In dem Bild die Schwanzfedern eines Pfaus wahrzunehmen, wäre ebenfalls keine Interpretation, sondern allenfalls eine Assoziation, oder einfach das Erkennen eines (bekannten) Musters.

* * *

Frage [*]: Ist es zulässig, dass Frauen nur die Hälfte erben, wie es die Scharia vorsieht?

MR: Das sind Regelungen, die sich unmittelbar aus dem Koran ergeben. Bei deren Auslegung wird erläutert, dass die Männer mehr bekommen, weil nur sie eine Brautgabe finanzieren müssen und nur sie Familienunterhalt leisten. […] Ein Imam aus Bayern hat geschrieben, dass die islamische Lösung in Deutschland heißt: gleiche Erbteile. Sie sehen, was das islamische Recht an Interpretationsmöglichkeiten hergibt.

Nun ist das, was der „Imam aus Bayern“ in den Worten des Interviewten geschrieben hat („die islamische Lösung in Deutschland heißt: gleiche Erbteile“), nicht, wie von ihm behauptet, eine Interpretation oder Interpretationsmöglichkeit — denn es wird mit diesen Worten nicht erklärt, auf welche islamische oder sonstige Rechtsgrundlage oder islamische Überlieferung sich die Aussage des Imams stützt; es wird nur eine unbegründete Aussage gemacht. Der Interviewer (Journalist) stellt allerdings auch nicht die Frage nach dem Warum, er hakt nicht nach.

MR: Ich sprach einmal mit dem Vorsitzenden eines marokkanischen Moscheevereins, dem in Berlin als Erstes aufgefallen war, dass die Busse der Berliner Verkehrsbetriebe die Schwelle beim Halten senken, damit Leute, die schlecht zu Fuß sind, leichter einsteigen können. Er sagte: Sehen Sie, das ist Islam. […] das war das Verständnis des Imams vom Islam, ein Verständnis, das ganz viele teilen. Diese Menschen müssen wir unterstützen …

Wenn das Islamverständnis des „Vorsitzenden eines marokkanischen Moscheevereins“ in diesen wenigen Worten zum Ausdruck kommt („Sehen Sie, das ist Islam.“), die sich auf helfen, großzügig sein, hilfreich sein beziehen, dann ist das einerseits zu begrüßen. Allerdings klammert er dabei sehr vieles aus, von dem man durchaus behaupten kann, dass es ebenfalls „Islam“ ist (siehe z.B. Kein Zwang im Glauben ? sowie Assoziationen oder Islam beleidigt).

Ob es einer Religion bedarf, die in sich voller Widersprüche ist, deren „heiliges Buch“ ein Sammelsurium voller Widersprüche ist, um anderen Menschen zu helfen, großzügig zu sein, hilfreich zu sein …, oder ob es mit einer den meisten Menschen vertrauten und innewohnenden, natürlichen Empathie getan ist, die nicht durch eine Ideologie überprägt (oder deformiert) ist, sei dahingestellt.

Eckhardt Kiwitt, Freising

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Weiterführende / ergänzende Textbeiträge:

Im Gespräch: Wie verhindern wir Radikalisierung?
Mouhanad Khorchide: Die Männerbilder des Korans
Abdel-Hakim Ourghi: Keine Angst vor Kritik!
Ufuk Özbe: Strengt euch an!

Daneben empfehle ich, ohne jemandem etwas unterstellen zu wollen, das Büchlein
Brief an die Heuchler – und wie sie den Rassisten in die Hände spielen
von Stéphane Charbonnier – CHARB.

[*] Textauszug aus „An die Hausordnung halten“ (Der Spiegel im Interview mit Mathias Rohe, Universität Erlangen-Nürnberg)

Bildnachweis: Wikipedia (Blauer Pfau), Alex Pronove (alexcooper1) – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Peacock.jpg




Gott sucht dich!


Papst_1130Das verkündete der Herr Papst bei der Generalaudienz am 20.3.2019, Vaticannews berichtete darüber:

Einleitend hieß es dort: "Das 'Vaterunser' ist ein 'mutiges, kämpferisches Gebet'. Das unterstrich an diesem Mittwoch Papst Franziskus bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz. Franziskus setzte die Katechesenreihe fort, die dem Gebet gewidmet ist, das Jesus seine Jünger gelehrt hat."

Der vatikanische Franz sagte zu diesem berühmtesten Christengebet: "Es ist das Gebet der Kinder, nicht der Sklaven, die das Herz ihres Vaters kennen und sich seines Heilsplans der Liebe sicher sind. Wehe uns, wenn wir bei diesen Worten mit den Schultern zucken als Zeichen der Kapitulation vor einem Schicksal, das uns abzustoßen scheint und von dem wir meinen, es nicht ändern zu können. Im Gegenteil, es ist ein Gebet voll glühenden Vertrauens in Gott, der Gutes, Leben und Erlösung für uns will."

Ja, der HErr hilft seinen Kindern! Zumindest bilden sich das gläubige Katholiken ein., warum vom Schicksal die Rede ist und dann vom glühenden Gottvertrauen, das ist der für Gottgläubige unlösbare Widerspruch: Denn der Gott, der alles weiß und alles kann, ohne dessen Willen laut Bibel nicht einmal ein Spatz vom Himmel fällt, der wäre ja auch fürs "Schicksal", also für Schicksalsschläge zuständig. Unglück kann jeden von uns treffen und trifft im Laufe des Lebens jeden von uns. Wenn der Gott "Gutes, Leben und Erlösung für uns will", dann müsste er ja vorbeugend das Unglück beiseite räumen. Manchmal passiert es, dass ein Unglück doch nicht so schlimm ist wie befürchtet oder dass es nur droht, aber nicht wirklich passiert. Dann hat den Gläubigen der liebe Gott geholfen! Und die Ungläubigen ham a Masn g'hobt. Und wenn das Unglück zuschlägt, dann werden die Gläubigen eben vom HErrn gestraft oder zumindest geprüft und die Ungläubigen ham a Pech g'hobt.

Aber das nur nebenbei, dem Herrn Papst geht's heute um den Herrn Gott, der Menschen sucht:

Suche nach Gott

Im "Vaterunser" erbitte man auch, dass die Suche nach Gott erfolgreich sei. Und dann fragte der Franz: "Hast du darüber nachgedacht, was es für Gott bedeutet, auf der Suche nach dir zu sein? Jeder von uns kann sagen: ,Aber, sucht Gott mich?´ – Ja! Er sucht nach dir! Er sucht nach mir. Nach jedem von uns. Denn er ist der große Gott! Ach, wie viel Liebe steckt dahinter."
Denn Gott klopfe mit seiner Liebe an die Tür der Herzen eines jeden Einzelnen. "Warum? Um uns anzuziehen, uns zu Ihm zu ziehen und uns auf dem Weg des Heils weiterzubringen. Gott ist jedem von uns mit seiner Liebe nahe, um uns an der Hand zur Erlösung zu führen", so der Papst.

Ja, die Bösen und die Ungläubigen ins ewige Höllenfeuer zu schmeißen, das darf heute der katholische Gott nimmer, irgendwie hat man auch im Vatikan gemerkt, dass es nicht gut ist, wenn ihr Gott gefährlicher und bösartiger als der denkbar bösartigste Mensch ist, jeder Massenmörder wäre da ja im Vergleich geradezu ein Humanist, weil kein Massenmörder foltert irgendwen ewig im Höllenfeuer! Und um das Ganze noch einfacher zu machen, brauchen jetzt die Leute nimmer Gott suchen, sondern Gott sucht die Leute, weil er sie aus Liebe alle erlösen möchte!

Damit wird natürlich die Gottesfurcht abgeschafft, die durch die Jahrhunderte auch Leute mit weniger Glauben und Zweifler im religiösen Bann hielt, denn die Pascalsche Wette wirkte:
>
Man glaubt an Gott, und Gott existiert – in diesem Fall wird man belohnt. (Himmel – Man hat gewonnen!)
> Man glaubt an Gott, und Gott existiert nicht – in diesem Fall gewinnt man nichts (verliert aber auch nichts).
> Man glaubt nicht an Gott, und Gott existiert nicht – in diesem Fall gewinnt man ebenfalls nichts (verliert aber auch nichts).
> Man glaubt nicht an Gott, und Gott existiert – in diesem Fall wird man bestraft. (Hölle – Man hat verloren!)

Aus dieser Analyse der Möglichkeiten folgerte Pascal, dass es besser sei, bedingungslos an Gott zu glauben.

Der voller Liebe alle suchende Gott legt den obigen Höllenpunkt still, alle kommen in den Himmel, auch wenn sie nicht brav sind!

Die Protestanten haben das schon vor längerer Zeit so gemacht, darum gehen dort noch weniger am Sonntag in die Kirche als bei den Katholiken und dafür treten mehr aus! Der Papst webt sich einen neuen Gutgott und den Leuten wird Religion immer egaler! Weil dieser gute Suchgott findet niemanden. Schließlich sind Götter bloß Fiktionen und Fiktionen können weder suchen noch finden und niemanden in den Himmel retten oder in die Hölle schmeißen…

Entnommen bei http://www.atheisten-info.at/infos/info4510.html

 




Die Unehrlichkeit einer säkularisierten Gesellschaft


FeiertagMehrheitliches „Ja“ zu kirchlichen Feiertagen…

 

Ausschlafen, Faulenzen, Nichtstun: Die Deutschen lieben ihre Feiertage aus den unterschiedlichsten Gründen. Und sie sind deshalb auch nicht bereit, auf sie zu verzichten. Wenngleich eine immer größer werdende Zahl an Bundesbürgern keiner Religionsgemeinschaft mehr angehört, wünschen sich über 60 Prozent von ihnen die Beibehaltung kirchlicher Feiertage. Das ergab eine Umfrage im Auftrag der Evangelischen Nachrichtenagentur „idea“, die das Markt- und Sozialforschungsinstitut INSA-Consulere durchführte. Nur knapp 20 Prozent der gut 2000 Befragten äußerten demnach die Bereitschaft, auf entsprechende Feiertage ersatzlos verzichten zu wollen.

 

Dabei war unter den jüngeren Menschen die Offenheit größer, kirchliche durch weltliche Feiertage zu ersetzen. Insgesamt schloss sich aber auch dieser Idee nur ein Drittel der Befragten an. Fast die Hälfte der Teilnehmer an der Umfrage betonte, dass das Begehen kirchlicher Feiertage wichtig sei, um die christlich-jüdische Tradition im Land aufrechtzuerhalten. Das verblüfft angesichts der ständig steigenden Zahl an Kirchenaustritten, verdeutlicht aber auch eine gewisse Unehrlichkeit der deutschen Gesellschaft, die sich generell noch immer schwer tut mit ihrer Distanz zur Obrigkeit: Der soziale Druck lässt Menschen, die sich innerlich schon lange von der Kirche verabschiedet haben, auch weiterhin an ihr festhalten.

 

Und so sind selbst die Ergebnisse der genannten Umfrage nicht wirklich verwunderlich: Die Deutschen bangen nicht nur um ihre freien Tage, sie sehen die Kirche auch noch immer als Instanz an, von der man nicht vollkommen ablassen möchte. Wenngleich viele Bürger nicht einmal genau wissen, warum die Gesellschaft Weihnachten, Ostern oder Pfingsten feiert, die willkommene Auszeit an den Feiertagen will kaum jemand aufgeben. Dabei gäbe es genügend weltliche Anlässe, zugunsten derer man einen Feiertag ausrufen könnte. In einer säkularisierten Gesellschaft sind es Werte wie Vernunft, Freiheit und Toleranz, die es zu würdigen gilt – dazu bedarf es weniger Glaubenskraft als einem „König in Windeln“ zu huldigen, dessen Lebensgeschichte zwar eindrücklich sein mag, der gleichsam aber mehr polarisiert, statt eint.

 

Kirchliche Feiertage, sie besitzen nur noch für eine Minderheit der Bevölkerung den Stellenwert, der nötig wäre, um sie weiterhin als allgemeinverbindlich zu rechtfertigen. Doch der politische Wille fehlt, sich an eine Neuorientierung zu wagen: Die Illusion, man benötige die Kirchen, um den eigenen Machteinfluss aufrecht zu erhalten, sie plagt die Parteien auch weiterhin. Deshalb ist nicht damit zu rechnen, dass auf absehbare Zeit einer der kirchlichen Feiertage fällt. Im Gegenteil: In den Köpfen vieler Politiker kreist die Hoffnung, dass die religiöse Rückbesinnung im Land doch endlich einsetzen möge. Immerhin hat man mit den Kirchen einen verlässlichen Partner gefunden, der dem Staat gerade im Sozialwesen merklich unter die Arme greift – wenngleich er sich seine Dienstleistungen ordentlich bezahlen lässt.

 

Die Kirchen zu brüskieren, das wäre das Letzte, was sich manch ein Abgeordneter in den Parlamenten vorstellen kann. Die staatsrechtlich hoch bedenkliche Partnerschaft zwischen Kirche und Staat, sie gedeiht in Deutschland prächtig. Insofern wird es auch weiterhin bei der Fokussierung auf kirchliche Feiertage bleiben. Die Bevölkerung scheint ohnehin keinen großen Handlungsbedarf zu sehen. Man nimmt die die Vorzüge der Freizeit einfach mit, ohne sich dabei Gedanken darüber zu machen, ob einem weltlich orientierten Gemeinwesen das Festhalten an religiösen Festivitäten überhaupt zuzumuten ist. Das Aufoktroyieren christlicher Traditionen dürfte dem Bürger gleichgültig sein, solange ihm aus dem Zwang, aus religiösen Beweggründen heraus einen Ruhetag einlegen zu müssen, keine Nachteile entstehen.

 

Dabei wäre es ein Zeichen fortschrittlicher Aufklärung, wenn Deutschland manch einen kirchlichen Feiertag auf den Prüfstand stellen würde. Die Auswahl an Alternativen ist riesig: Allein das Gedenken namhafter Persönlichkeiten, die sich für Demokratie, Gewaltenteilung und Menschenrechte eingesetzt haben, würde ausreichen, um von Fronleichnam bis zu Allerheiligen mehrere christliche Feiertage zu ersetzen. Die Gemütlichkeit der deutschen Bevölkerung, möglichst nichts am Bestehenden ändern zu wollen, sie zementiert das Festhalten an einem religiös angehauchten Staatswesen, welches nicht mehr repräsentativ für die tatsächlichen gesellschaftlichen Verhältnisse ist. An der Stellschraube der kirchlichen Feiertage zu drehen, es würde bedeuten, das Korsett christlicher Bevormundung zu lösen…

 

Dennis Riehle

Martin-Schleyer-Str. 27

78465 Konstanz

 

Webpräsenz:

www.Dennis-Riehle.de




Austritt ohne Rückfahrkarte: Adieu, Kirche!


Riehle, Dennis_Bild6Etlichen unserer Leser auf Wissenbloggt sowie bei der Initiative Humanismus dürfte Dennis Riehle noch ein Begriff sein. Vor allem seine "reumütige" Rückkehr in den Schoss der Kirche hat viele verwundert hinterlassen. Doch nun lest selbst, wie Schicksale weitergehen und sich fortentwickeln:

Ich war ein Schaf. Nein, ich glaube nicht an frühere Leben. Und doch war ich wirklich ein Schaf – damals, im Krippenspiel, am Heiligabend, als kleines Kind. Es war mein erster bewusster Berührungspunkte mit der Kirche. Denn der Kindergottesdienst und die Aufführung zu Weihnachten, sie waren der Höhepunkt für manchen Spross, der sich damals noch nicht wirklich Gedanken darüber machte, weshalb man zum Christfest die Geburt eines Königs feierte, der in Windeln gelegen haben soll – und im Stroh zur Welt kam. Später habe ich mich hochgearbeitet – ich war Hirte, dann sogar einmal Josef. Und inmitten meiner Erziehung, die nun wahrlich keine explizit christliche Ausrichtung genommen hatte, manifestierte sich so langsam ein Interesse an dem, was da sonntags in der Kirche abging. Da spekulierte man, warum die Erwachsenen ihren eigenen Gottesdienst feierten – und wir als Kinder lediglich Lieder singen und Zeichnungen anfertigen durften.

 

Bis zur Konfirmation zeigte ich aber kein übergeordnetes Ansinnen, mich intensiver mit dem Glauben auseinanderzusetzen. Es machte mir Freude, im Religionsunterricht Bibelverse auswendig zu lernen – und gute Noten für eine ordentliche Heftführung zu bekommen. Doch dann folgte diese erste Prüfung. Sich konfirmieren zu lassen, so wurde uns erklärt, das war die Bestätigung der Taufe, zu der man als kleines Kind nicht „Ja“, nicht „Nein“ sagen durfte. Folglich war für mich klar: Ich musste mich nun mit etwas beschäftigen, was mir als Baby zunächst aufoktroyiert wurde. Mir ging es also nicht um die vielen Geschenke, die man mit der Konfirmation aus der Verwandtschaft zu erwarten hatte. Ich wollte tatsächlich mehr wissen über diesen Jesus, der von den Toten auferstanden sein sollte. Nachdem ich Neugier entwickelt hatte, wurde ich zum Streber unter den Konfirmanden. Und nicht nur das: Ich fand heraus, dass ich all dem, was man uns im Unterricht näherbringen wollte, zustimmen konnte: Ein bewusstes „Ja“ zu Jesu Geburt, Tod und Auferstehung, zur Dreieinigkeit Gottes, zu Altem und Neuem Testament.

 

Ein Hardliner des christlichen Glaubens

 

Nach der Konfirmation entschied ich mich gar, selbst in die Jugendarbeit einzutreten. Ich half fortan an mit, junge Menschen von dem Glauben zu überzeugen, für den ich mittlerweile brannte. Denn ich war mir sicher, Gott an meiner Seite zu haben. Die vielen biblischen Zusprüche, der Heilige Geist, der um uns wehen sollte, die Lichtgestalt Jesus, die Wunder vollbracht haben will und für unsere Sünden in den Tod gegangen war. Ich war sprichwörtlich zu einem „Hardliner“ unter den Gläubigen unserer Gemeinde geworden, glänzte mit meiner Unterstützung der Gemeindearbeit, durfte Andachten und Gottesdienste mitgestalten und war stolz darauf, einen Sinn gefunden zu haben, der sogar soweit reichte, letztendlich die Wunschvorstellung zu träumen, später einmal Pfarrer zu werden. Viele trauten mir das zu, ich selbst war bereits so weit gegangen, mich für die Sprachen Latein, Hebräisch und Griechisch zu interessieren, um dann einmal Theologie studieren zu können. Und wäre das nicht schon genug gewesen, hatten sich auch meine Moralvorstellungen verschärft: Konsequente Ablehnung der Abtreibung, ein kraftvolles Voraus für die Familie und Enthaltsamkeit bis zur Ehe.

 

Doch langsam bröckelte die Fassade: Zwar war ich innerlich weiter davon überzeugt, mit voller Inbrunst dem christlichen Glauben nachzueifern. Aber von außen her kratzten immer mehr Zweifel an dem, was dort auf der Kanzel gepredigt wurde. Spätestens, als ich psychisch krank wurde, fragte ich mich: „Wo ist er nun, der liebe Gott, wenn man ihn denn braucht?“. Auf die Fragen nach der Ungerechtigkeit in der Welt, auf die Theodizée-Frage, hatte ich noch immer eine Antwort gefunden. Doch nun ging es ans Eingemachte: Ich hatte eigene, tiefgreifende Probleme. Und aus meiner Umgebung der Mitchristen erfuhr ich kaum Unterstützung. Hinter vorgehaltener Hand hieß es, ich hätte wahrscheinlich zu wenig gebetet, ansonsten hätte mich solch eine Krankheit nicht heimgesucht. Und bezüglich meines Wunsches, Theologe zu werden, äußerte man sich ganz ungeniert: „Psychisch kranke Seelsorger braucht die Kirche nicht!“.

 

„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“.

 

Solche Aussagen hatten gesessen. Zunehmend fühlte ich mich unwohl in der eigenen Gemeinde, hatte überdies den Eindruck, als nutze man von Seiten der Kirche mein gut gemeintes Ehrenamt nur aus. Und ob Jesus nun wirklich von den Toten auferstanden war, das interessierte mich zwischenzeitlich kaum noch. „Vielleicht war er gar nicht richtig tot, als man ihn vom Kreuz abnahm“ – so äußerte ich mich unter christlichen Freunden. Und bekam immer häufiger zu hören, dass man auf meine Bekanntschaft verzichten könnte, wenn ich meinen Glauben derart fundamental in Zweifel zöge. „Darf man nicht einmal mehr hinterfragen?“, war meine innerliche Reaktion, die mich hadern ließ. Und spätestens, als in meiner dörflichen Umgebung die Spekulation aufkam, dass ich schwul sein könnte, offenbarte sich die Falschheit einer ganzen Christenheit. Gemeindeglieder wechselten die Straßenseite, als sie mich sahen. Sie tuschelten und prangerten mich an. Von „Krankheit“ war die Rede, von „Irrweg“ und von der Tatsache, dass ich als potenziell Homosexueller kein Platz mehr unter den Schäfchen finden würde.

 

Ausgrenzung und Anfeindung statt Nächstenliebe und Hingabe. Wie sollte ein Gott das zulassen, dass von ihm erschaffene Kreaturen derart behandelt würden? An das Gebet und daran, dass ich auf meine Bittrufe eine Antwort von unserem Schöpfer erhalten würde, glaubte ich mittlerweile schon lange nicht mehr. Jungfrauengeburt und Himmelfahrt waren ohnehin passé. Und je kränker ich wurde, desto öfter fiel mir der Satz von den Lippen. „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“. Doch auch auf diese Anprangerung reagierte er nicht. Und für mich wurde zunehmend klar: In dieser Kirche, in diesem Glauben würde ich nicht mehr glücklich werden. 2012 wagte ich dann den Schritt, den ich monatelang vor mir hergeschoben hatte. Ich ging zum Standesamt und trat aus der evangelischen Kirche aus. Ein Raunen ging durch die Gemeinde: „Der ehemalige Vorzeigechrist verlässt die Kirche!“. Ja, und es war gut so. Denn ich hatte gemerkt, dass ich es nicht mehr vor mir selbst rechtfertigen konnte, ein Glaubensbekenntnis zu sprechen, von dem ich nur noch Bruchteile als mögliche Wahrheit ansah – und eine Bibel zu lesen, die ich zwischenzeitlich eher für ein Märchenbuch hielt, aber nicht mehr für eine „Heilige Schrift“.

 

Religionskritik ja, Glaubensbashing nein

 

Doch was nun? Ich fühlte, dass der Theismus für mich keine Zukunft sein konnte. Also wandte ich mich denen zu, die von Gott überhaupt nichts wissen wollten. Am Bodensee gründete ich eine humanistische Initiative, in der ich anfangs vollkommen aufging. Werte wie Mitmenschlichkeit, Solidarität, Toleranz – das war das, was ich in der Kirche vermisst hatte. Plötzlich fiel es mir auch nicht mehr schwer, auf die Institution einzuprügeln, der ich über zwei Jahrzehnte angehört hatte. Viel mehr warf ich ihr das vor, was auch atheistische, freidenkerischer oder säkulare Organisationen kritisierten: Hierarchie, Scheinheiligkeit, Inhumanität. Aber was sollte die echte Alternative in der Frage des Sinns sein: War der Mensch wirklich der Mittelpunkt allen Seins? War der Glaube an mich selbst nicht eher ein schädlicher Narzissmus? Und wie war das nun mit der Erschaffung von Universum, Erde und Natur? Zwar war ich von der Evolutionstheorie überzeugt, ich merkte aber, dass der letzte Funke nicht vollkommen übersprang. Die Suche nach einem innerlichen Ziel ging weiter.

 

Als ich immer tiefer in die säkulare Szene Einblick nehmen konnte, erschrak ich zusehends: Ein bloßes Draufhauen auf die Gläubigen, das war nicht mein Ding. Ja, Kirche und Religion anzugreifen, das war in Ordnung. Aber der Glaube war und ist etwas Höchstpersönliches für mich. Und den dahinter stehenden Menschen gilt es zu respektieren, egal, welcher Weltanschauung er auch anhängt. Und dass man mit Witzfiguren wie dem „Fliegenden Spaghetti-Monster“ der Kirche Konkurrenz machen wollte, empfand ich nicht nur als einfallslos, sondern auch als lächerlich. Humanismus ja, Spott des Glaubens nein. So war meine Devise. Und immer öfter regte sich in mir der Wunsch, der Kirche doch noch einmal eine Chance zu geben. Hinzu kamen die teils guten Gespräche mit einer neuen Generation an Geistlichen, die Hoffnung machten: Würde mich Gottes Bodenpersonal wieder zum Glauben zurückführen können? In einer persönlichen Begegnung mit einem protestantischen Pfarrer arbeitete ich die Verwundungen auf, die das frühere Gemeindeleben in mir hinterlassen hatte. Gleichsam wurde ich aber auch nicht müde, meine großen Zweifel an der vollkommenen Bibeltreue zu äußern.

 

Naive Umkehr: Die Hoffnung blieb aus…

 

Doch all das schien nicht zu stören. Viel eher hatte ich den Eindruck gewonnen, als sei ich nun wieder willkommen in der Kirche, als hätten wir uns gegenseitig manchen Fehltritt verziehen. Vom Nachhinein aus gesehen hatte ich mich möglicherweise zu sehr unter Druck setzen lassen, war ich doch noch gar nicht bereit, all das wieder anzunehmen, was mir über Jahre hinweg Kopfzerbrechen bereitete. Zwar war Gott für mich wieder präsent, doch keinesfalls als dieses personifizierte Wesen, als das es die Christen sehen. Viel eher war ich einem Pantheismus zugewandt, einer Überzeugung, wonach sich das Göttliche in allem Natürlichen wiederfindet. Die Kirche dagegen, sie schien das nicht zu stören, dass auch ich mir mittlerweile meine eigene Wohlfühlreligion zu stricken versuchte. Sie lud mich viel eher ein, den Bogen zu unterschreiben, mit welchem meine Rückkehr in die Glaubensgemeinschaft besiegelt sein sollte. Und zweifelsohne: Der Wiedereintritt in die Kirche fiel zunächst vielversprechend aus. Ich wurde herzlich begrüßt, fand nichts mehr von der Distanz wieder, die noch fünf Jahre zuvor an der Tagesordnung war. Letztlich, so kann ich heute nur attestieren, kämpft die Kirche um jedes einzelne Mitglied – und nimmt es dabei offenbar auch nicht so genau mit der Frage, inwieweit sich ihre Anhänger tatsächlich noch mit dem Glauben identifizieren, der vielerorts zur reinen Makulatur verkommen ist.

 

Heute ärgere ich mich über mich selbst, denn ich habe mich eher überredet, nicht wirklich überzeugt gefühlt, was die Umkehr zurück in die Kirche anging. Vielleicht war es auch die Angst, als Konfessionsfreier in der Luft zu hängen, keinen Anschluss zu finden und allein auf das Menschgemachte vertrauen zu müssen – ohne Verheißung, ohne Vertröstung, ohne Perspektive auf das Ewige. Konnte Religion wirklich süchtig machen, war sie tatsächlich das Opium für das Volk, von dem man sich nur schwerlich zu befreien vermochte? In meinem Falle schien das zunächst wirklich der Fall zu sein, denn relativ naiv begab ich mich zurück in den Schoß der Mutter Kirche, hatte die Hoffnung gehabt, dass mit eigenem Zureden der Glaube schon wiederkehren möge. Doch das Liebenswürdige, das Empathische, das Vertraute, es kam nicht zurück. Im Gegenteil: Ich tat mir schwer mit meiner eigenen Heimatgemeinde, die sich zusehends gewandelt hatte. Ausgegrenzt fühlte ich mich weiterhin. Und die Sache mit dem lieben Gott, sie war keinesfalls geklärt: Heute bin ich mir sicherer denn je, dass wir für die Erklärung der Welt weder einen schöpferischen, noch einen eingreifenden Gott brauchen. Die Entwicklung der Menschheit, sie ist ähnlich faszinierend wie die Entstehung des Weltraums. Doch sie lässt sich durch die Erkenntnisse der Wissenschaft weitaus plausibler nachzeichnen als durch einen biblischen Schöpfungsbericht, der auf seine Art eine Gedankenstütze sein mag – für den fragenden Bürger aber mehr Unklarheiten als Antworten hinterlasse dürfte.

 

Glaubensferne: Prüfstein für unsere Demokratie

 

Mittlerweile habe ich für mich einen Schlussstrich unter das Kapitel „Kirche“ gezogen. Ich bin endgültig ausgetreten – dieses Mal also ohne Rückfahrschein. Denn heute kann ich dem Atheismus viel Positives abgewinnen, in seiner bejahenden Variante des Humanismus reicht er völlig aus, um glücklich zu sein. Dass man im Umgang mit Glaube und Gott etwas gelassener sein darf, das habe ich verstanden. Und so empfinde auch ich die vielfältige Auseinandersetzung der säkularen Szene mit Kirche und Religion heute nicht mehr als übergriffig, sondern viel eher als künstlerisch gelungen, im besten freidenkerischen Sinne legitim und unter dem Aspekt der universellen Menschenrechte als notwendig, um die Vermächtnisse der Aufklärung fortzuentwickeln. Es gehört zu den höchsten Gütern unseres Verfassungsstaates, ganz bewusst „Nein“ zum Glauben sagen zu dürfen. Die Freiheit von religiöser Theorie und Praxis, sie stellt einen wesentlichen Prüfstein für unsere Demokratie dar. Und gerade die sich oftmals in ihrem Selbstbewusstsein eigens überhöhende Institution der Kirche muss sich daran messen lassen, wie viel Kritik sie erträgt. Gerade in Zeiten, in denen sich der Klerus immer neuen Vorwürfen ausgesetzt sieht, müssen die Botschaften der Außenstehenden eindeutig sein.

 

Doch nicht nur das: Es geht nicht allein um die Schadenfreude gegenüber den Religionsgemeinschaften. Viel eher muss sich der Gottesglaube an sich zahlreiche Fragen stellen lassen. Die für mich entscheidende bleibt die des Leidens. Je größer meine gesundheitlichen Einschränkungen dieser Tage werden, desto vehementer muss ich die Überzeugung an eine himmlische Kraft über Bord werfen. Denn nicht nur die Erschaffung von Raum und Zeit lässt sich durch die Naturgesetze viel besser erklären als durch einen deistischen Schöpfergeist; auch der Umstand, dass Krankheit zum evolutionär bedingten Leben dazugehört, ist für mich weitaus leichter zu ertragen als das gedankliche Konstrukt des theistischen Gottes, der den Menschen in Freiheitsliebe immer wieder fallen und aufstehen lässt – nur, um damit seine Allmacht unter Beweis stellen zu können. Wenn wir genügend Vertrauen in uns selbst legen, dann ist es einfacher, natürliches und menschgemachtes Leid zumindest annehmen zu können, gleichsam aber nicht akzeptieren zu müssen. Als Humanisten unterliegen wir nicht dem Zwang, Tiefschläge mit einem dahintersteckenden Sinn zu verstehen. Aber wir können mit unseren sensiblen Fertigkeiten, Trost, Ermutigung und Zuversicht zu spenden, daran arbeiten, die Schäden aus Katastrophen und selbst produziertem Unheil so gering wie möglich zu halten. Mit der Hoffnung auf transhumanistische Fähigkeiten wird zudem die Perspektive gesät, eines Tages Schmerz und Pein überwinden zu können – ohne sich dabei ständig die Frage des „Warums“ stellen zu müssen.

 

Neue Chance im Humanismus

 

Die Sache mit dem Glauben, sie lässt uns wie kaum eine andere Frage hadern und zetern. Das wundert niemanden – denn geht es in Wahrheit doch um das Existenzielle, um die Suche danach, woher wir kommen und wohin wir gehen. Ohne einen Gott sind wir als Menschen sehr viel stärker gefordert, Antworten selbst erarbeiten zu müssen. Der Humanismus krönt uns mit der Fähigkeit, die Welt auch ohne religiöse Überzeugung durchdenken zu können. Moralisch gesehen müssen wir uns von keiner Instanz Vorgaben setzen lassen, sondern sind allein der Ethik der Mitmenschlichkeit verpflichtet. Wer den evolutionären Humanismus als Option verstanden hat, Religion als abhängig machende Fixierung im Gerüst göttlicher Bevormundung gegen die Freiheit des Selbstdenkens einzutauschen, der hat einen Prozess um die Vorherrschaft der Ideologien gewonnen, welcher nicht nur zermürbend, sondern für viele Menschen auch sozial existenziell bedrohlich sein kann.

 

Ich selbst kann nur hoffen, dass mir die unabhängigen und organisatorisch gebundenen Humanisten dieses Landes die erneute Chance geben, mich in ihren Reihen zu engagieren. Denn das Wissen, sich im Miteinander der realen Vernunft für die Gesellschaft einbringen zu können, sie lässt mich ebenso frohlocken wie die Aussicht darauf, mit gläubigen Menschen fortan in einen harten, aber fairen Diskurs über ihre Religion einzutreten. Aus einer atheistischen Weltsicht erwächst gleichsam die Chance, Lebenssinn alternativ zu gestalten – die ständige Anbetung eines möglicherweise vom Menschen selbst erfundenen Gottes, sie raubt dagegen Kraft und Freude, die wir viel besser dafür einsetzen können, das Hier und Jetzt zu genießen. Mir wird es deshalb künftig eine ganz besondere Aufgabe sein, mich für eine fröhlich werbende Verbreitung humanistischen Denkens einzusetzen, die dabei auch auf Grenzwertiges im Geschmack der Religiösen setzen wird. Daneben bin ich fest gewillt, auch mein politisches Handeln in Zukunft an den Maßstäben humanistischen Daseins zu orientieren.

 

Wenngleich es lange Zeit dauerte, bis ich mich am richtigen Platz sah, so war die mehrfache Reflexion meines Glaubens ein notwendiger und wichtiger Schritt, den Humanismus nicht aus einer Momentaufnahme heraus als Weltanschauung zu übernehmen. Viel eher sollte auch er sich ständig neu kritisch überprüfen lassen – diese Mindestanforderung gilt für die religiöse Weltanschauung ebenso wie für das säkulare Gedankengut. Wie viele Menschen verharren aus banalen Beweggründen bis heute in den Kirchen, ohne sich ernstlich darüber im Klaren zu werden, ob sie Leitbild und Vereinssatzung noch mittragen. Ehrlichkeit mit sich selbst, das scheint gerade im Glauben nötiger denn je. Entsprechend ermutige ich jeden, allfälligen Zweifeln an der eigenen Religion mit Behutsamkeit und Nachsicht zu begegnen. Verbände und Organisationen der säkularen Szene stehen bereit, auch – und gerade – denjenigen aufzufangen, der nach dem Kirchenaustritt in ein emotionales Loch des Alleinseins abzurutschen droht. Die Entscheidung, sich von Kirche, Glaube und Religion abzuwenden, sie muss reifen. Dafür ist der Schritt zu groß, um ihn im Zweifel zwischen Tür und Angel zu erledigen. Und nicht zuletzt sei versichert: Atheisten befinden sich schon heute in guter Gesellschaft – kein Grund also, aus Angst vor dem sozialen Abstieg die Freiheit zu verschmähen…   

 

 

Dennis Riehle

Martin-Schleyer-Str. 27

78465 Konstanz

 

Webpräsenz:

www.Dennis-Riehle.de




Scheinheiliges aus Erfurt zum Erhalt einer vorgeblichen Steuer


RamelowWEIMAR. (fgw) Durch die mitteldeutschen Medien geistert es wieder einmal. Urheber ist, wie kann es wohl anders sein, der LINKE Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow. Seinen Überlegungen zufolge soll eine „allgemeine Kultursteuer wie in Italien“ die bundesdeutsche sogenannte Kirchensteuer ablösen. Der Mann gibt sich darin modern, reformerisch und dem Gleichheitsgrundsatz verpflichtet. Auf gut Deutsch könnte man auch sagen: da wabert Demagogie…

Was ist der Hintergrund für solche „Überlegungen"? In Artikel 137 der Deutschen Reichsverfassung aus dem Jahre 1919 – dieser Artikel ist durch Artikel 140 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland in dieses inkorporiert worden und damit nach wie vor geltendes Recht – heißt es u.a.:

 „Religionsgemeinschaften, welche Körperschaften des öffentlichen Rechtes sind, sind berechtigt, auf Grund der bürgerlichen Steuerlisten nach Maßgabe der landesrechtlichen Bestimmungen Steuern zu erheben.

Den Religionsgemeinschaften werden die Vereinigungen gleichgestellt, die sich die gemeinschaftliche Pflege einer Weltanschauung zur Aufgabe machen."

  Was heißt das auf gut Deutsch? Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften dürfen „Steuern" erheben. Von ihren jeweiligen Mitgliedern. Diese so genannte Kirchensteuer ist also keine allgemeine staatliche Steuer. Diese „Kirchensteuer" ist also nichts anderes als ein Mitgliedsbeitrag, den die jeweiligen Kirchen von ihren Mitgliedern einfordern. Allerdings ziehen diese ihn nicht direkt ein – das war lediglich in der verblichenen DDR der Fall, sondern bedienen sich des Zwangseinzuges über Arbeitgeber und staatliche Finanzämter.

  Nein, nicht alle Kirchen tun dies, vor allem nur die Großen unter ihnen: die evangelischen Landeskirchen und die katholischen Bistümer. Viele kleine christliche Kirchen, andersgläubige Religionsgemeinschaften und erst recht die Weltanschauungsgemeinschaften tun dies aber nicht, sondern wenden sich direkt an ihre jeweiligen Mitglieder zwecks der Entrichtung von Beiträgen oder Spenden. Im Übrigen, die Höhe der Kirchensteuer legt auch nicht der Staat fest, sondern dies geschieht ausschließlich durch die Zahlungsempfänger selbst.

  Das alles wird in der öffentlichen Debatte um Kirchensteuern (und auch die sogenannten Staatsleistungen) wohlweislich von den Kirchenfürsten, den ihnen hörigen oder bloß gutgläubigen Politikern und Journalisten verschwiegen.

 Kirchenaustritt__Karikatur__Jaques_Tilly_Kirchenaustrittsjahr Und Bodo Ramelow wäre nicht Bodo Ramelow, würde er sich nicht der Rabulistik bedienen. Seiner kruden Logik zufolge werden durch die Kirchensteuerzahlung doch die Kirchenmitglieder benachteiligt. Denn nur diese müßten diese Steuer entrichten. Was ja dem Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes widersprechen würde.

  Einwurf: Ich muß keine Kfz.-Steuer bezahlen, da ich kein Kraftfahrzeug besitze. Hoffentlich kommt nun nicht der Verkehrminister auf die Idee, eine allgemeine Verkehrssteuer einzuführen. Bei der der Steuerzahler ja entscheiden könne, ob sie den Autobahnen, dem ÖPNV oder der Bahn zugute kommen solle.

  Man lasse sich nun Ramelows „Argumentation", die via Evangelischem Pressedienst (epd) unters Volk streute, mal auf der Zunge zergehen:

  „Die italienische Kultursteuer wird von jedem Steuerzahler gezahlt. Sie ist zwar deutlich niedriger als der Kirchensteueranteil bekennender Christen hierzulande – sie macht nur etwa ein Zehntel aus. Aber: Jeder zahlt, und die Steuer ist für alle gleich hoch."

  Achja, (gendern wir hier mal) jede und jeder würde zahlen und jede und jeder gleich hohe Summen. Wie famos! Da kann man doch nur jubeln.

  Aber, was wenn nun die Gewerkschaften oder beispielsweise der Deutsche Olympische Sportbund auch auf die Idee kämen, nicht mehr bloß von ihren Mitgliedern Beiträge zu erheben, sondern dies als allgemeinverbindlich ansehen würden? Per Zwangseinzug über den Staat…

  Nebenbei, ich bin Mitglied einer der Weltanschauungsgemeinschaften, die den Religionsgemeinschaften gleichgestellt sind. Und mein HVD (Humanistischer Verband Deutschlands) bekommt meinen Mitgliedsbeitrag ohne Umwege direkt. Außerdem, diese Gemeinschaft kommt auch nicht auf die Idee eine Mitgliedschaft automatisch durch das Besprenkeln mit kaltem Wasser im Säuglingsalter zu begründen. Nein, der Mitgliedschaft liegt eine schriftliche Beitrittserklärung zugrunde, die man nur selbst mit Erreichen der sogenannten Religionsmündigkeit im Alter von 14 Jahren abgeben darf.

 Ramelows Demagogie kennt aber keine Grenzen, wenn der dem epd gegenüber weiters bekundet:

 Entgegennehmen würde diese Steuer der Staat. So könne den Kirchen nicht mehr vorgeworfen werden, sie stellten einen Sonderfall dar, weil der Staat für sie die Kirchensteuer über die Finanzämter einziehe. „Und jeder einzelne Steuerbürger könnte festlegen, wer sein Geld bekommen soll." Das könnten die Amtskirche sein oder Freikirchen, Synagogengemeinden, Moscheevereine ebenso wie Freidenker oder der Humanistische Verband.

 Haha, selten so gelacht. Denn meinen Mitgliedsbeitrag bekommt der Humanistische Verband ja schon seit Beginn meiner Mitgliedschaft.

 Auf die weiteren Auslassungen des derzeitigen Herrn in der Kurmainzischen Statthalterei zu Erfurt (so heißt das Gebäude, in welchem er residiert, seit altersher) soll nicht weiter eingegangen werden.

  Nur soviel, über den Hebel der Unmöglichkeit einer Moscheesteuer will der Mann einfach nur den großen Kirchen den mühelosen Einzug von Mitgliedsbeiträgen auf ewig erhalten. Ramelow weiß ja, daß andere Religionsgemeinschaften, wie Moslems, Buddhisten, Hindus u.a. im Gegensatz zu den christlichen Kirchen ihre Gläubigen nicht per Namensverzeichnis registrieren.

  An dieser Stelle muß der Kommentator ausnahmsweise seinen Hut vor beiden „Amtskirchen" und der Thüringer CDU ziehen. Diese sehen in Sachen Religions- und/oder Kultursteuer klarer als Ramelow. Denn der Vorschlag einer Kultursteuer bedeute, so deren maßgebliches Personal, zwei Dritteln der Thüringer eine neue Abgabe zuzumuten, die sie bislang nicht zahlen müßten. Das wäre niemandem vermittelbar.

  Und würde möglicherweise sogar zu Massenprotesten führen – das wurde allerdings so deutlich nicht resümiert.

  Ja, denn es geht diesen Organisationen um den ungefährdeten Erhalt ihrer ureigenen „Kirchensteuer". Ja, was wäre denn, wenn die bisher zwangsabkassierten Schäfchen künftig ihr Geld an einen Kultur-, Sozial- oder Sportverein überweisen würden??? Stichwort Kultursteuer, deren Empfänger ja allein vom Zahlungspflichtigen festgelegt werden würde.

  Deutlich wurde in der Frage dann doch die Evangelische Kirche Mitteldeutschlands. Lt. dieser wäre eine unabhängige Finanzierung muslimischer Gemeinden über eine Steuer zwar gut. Aber die Abschaffung der Kirchensteuer sei dafür ein untaugliches Instrument. Im Thüringer Landtag habe man sich auch bereits mit dem Thema Kultursteuer befaßt. Wie es dazu vom epd heißt, habe ein Sprecher der CDU-Fraktion erklärt: „Das bewährte System der Kirchensteuer würde beseitigt, die Finanzierung der christlichen Kirchen gefährdet und als Ersatz müßten die Thüringer insgesamt mehr Steuern zahlen."

Soso, die Finanzierung der christlichen Kirchen wäre also gefährdet… So gläubig und kirchenverbunden können die nominellen Kirchenmitglieder also doch nicht sein, wenn eine freiwillige und direkte Beitragszahlung die Kirchen in ihrer Existenz gefährden würde.

  Aber so weit denken bigotte Politiker aus anderen Fraktionen wohl nicht und schießen daher mit demagogischen Vordenkereien weit übers Ziel hinaus. Und erreichen damit das Gegenteil bei eigenen Wählern und den anders Wählenden.

   

Siegfried R. Krebs

  
14.03.2019
Von: Siegfried R. Krebs
 

Aus : http://www.freigeist-weimar.de/beitragsanzeige/scheinheiliges-zum-erhalt-einer-vorgeblichen-steuer/?fbclid=IwAR3s36l4VBKxzvsMnAdhyLFCWsvPmf-FlxswfXOedhbw5exkfoBsdzpCH8A




Der Papst hat die Braut Christi in flagranti erwischt!


FranzlDas war am 7.2.2019 auf katholische.de zu lesen!


"Braut Christi" ist ein Synonym für die katholische Kirche und dort gab's Sünden!

Der Papst hatte beim traditionellen Bußgottesdienst zum Beginn der Fastenzeit u.a. gesagt. dass der Missbrauchsskandal zu einem Reinigungsprozess geführt habe, "die Kirche als Braut Christi ist in flagranti beim Ehebruch erwischt worden!" Und weiter heißt es: "Doch wir lassen uns nicht entmutigen, der Herr reinigt seine Braut, er bekehrt uns alle zu sich", Gott lasse die Kirche "die Prüfung erfahren, damit wir begreifen, dass wir ohne ihn Staub sind".

Und den wirklichen Täter hat der vatikanische Franz laut katholisch.de auch aufgespürt: Der "Geist des Bösen" wolle sich als Herr der Welt aufspielen – das zeigt sich laut Papst Franziskus auch in den vielen Fällen von Missbrauch durch Priester. Doch der Papst ist sich sicher: Die Kirche wird durch Christus gereinigt aus den Skandalen hervorgehen.

Was hat der Christus eigentlich die ganzen Jahrhunderte gemacht, seit die katholische Kirche vor 1000 Jahren aus Angst vor der Ausbildung feudaler Strukturen in der Kirchenhierarchie den Zölibat angeordnet und erzwungen hat? Sexualsünden und Sexualstraftaten hat es doch durch diese ganzen tausend Jahre ständig gegeben! Aber die weltliche Allmacht der heiligen r.k. Kirche konnte dies fast bis ins 21. Jahrhundert vertuschen! In Österreich gab's dann 1995 schließlich den enttarnten Kinderschänder Groër, der blieb unvertuscht und die Braut Christi wurde in flagranti erwischt! In den USA gab's damals auch zahllose Gerichtsverfahren gegen priesterliche Päderasten und das teuflische Lügen-und-Heuchel-System brach zusammen.

Christus wird die Kirche nicht reinigen können! Er hat ja den Zölibat nicht angeordnet, sondern nur verkündet, dass Ehelosigkeit (heute würde man sagen "Sexuallosigkeit") nur für Kastrierte möglich sei! Man sollte daher den Christus wirklich die katholische Kirche reinigen lassen: indem man dieses Jesusstatement gemäß Mt 19,12 ernstnimmt: "Denn es sind etliche verschnitten, die sind aus Mutterleibe also geboren; und sind etliche verschnitten, die von Menschen verschnitten sind; und sind etliche verschnitten, die sich selbst verschnitten haben um des Himmelreiches willen. Wer es fassen kann, der fasse es!"

Also diese Wahlmöglichkeit für Geistliche einführen: Kein Zölibat oder kastrieren! Weil das hat der Jesus gelehrt! Meinereiner erwischt die katholische Kirche ständig in flagranti bei ihrer Bibelignoranz, ihrer Scheinheiligkeit und Heuchelei und ich bin bestimmt kein Teufel oder Jesus!

Entnommen von Erwin Peterseil auf http://www.atheisten-info.at/infos/info4495.html

 




Missverstandene Religionsfreiheit


Religionsfreiheit ist ein umstrittener Begriff. In manchen Ländern hat sie weitreichende Gültigkeit und ist gesetzlich oder verfassungsrechtlich garantiert; manch einer weiß mit dem Begriff möglicherweise nichts anzufangen, da er sich ein Leben ohne seine Religion nicht vorstellen mag.

1.: In Deutschland ist die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses gemäß GG Artikel 4 Satz 1 unverletzlich.

2.: Darüberhinaus wird die ungestörte Religionsausübung gemäß GG Artikel 4 Satz 2 gewährleistet.

Zum Verständnis dieser beiden Sätze und Sachverhalte ein paar Worte:

Zu 1.: Ich unterscheide zwischen

  • dem Glauben;
  • dem öffentlichen Bekenntnis zu diesem Glauben;
  • dem Zurschaustellen des Bekenntnisses durch Zeigen von Symbolen;
  • dem Ausführen von Handlungen im Rahmen der Religionsausübung.

.

Die Freiheit des Glaubens ist selbstverständlich in jedem Fall unverletzlich, da das Glauben in unseren Köpfen stattfindet, und es anderen Menschen gar nicht möglich ist, zu wissen, was jemand glaubt, solange er sich dazu nicht äußert. Man kann es sich z.B. daheim auf dem Sofa bequem machen und etwas glauben, ohne dass andere davon etwas erfahren.

Die Unverletzlichkeit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses ist zwar lt. GG Artikel 4 Satz 1 gegeben. Dies schließt jedoch nicht in jedem Fall aus, dass jemandem wegen seines (religiösen oder) weltanschaulichen Bekenntnisses Nachteile entstehen können.

Nehmen wir an, ein Jurist, z.B. ein Richter in Deutschland am Verfassungsgericht oder an einem anderen Gericht, bekennt sich öffentlich dazu, dass er glaubt, dass es den Holocaust, jenen staatlich organisierten Massenmord während des Dritten Reiches, nicht gegeben hätte. Ob dieser Jurist / Richter am Gericht tragbar ist, sei dahingestellt. M.E. ist er es nicht — siehe u.a. Deutsches Richtergesetz § 39, aber auch Beamtenstatusgesetz § 33 sowie Mäßigungsgebot (Wikipedia) –, auch wenn er selbstverständlich glauben darf, was er will. Er würde nach meinem Verständnis die weltanschauliche Neutralität des Gerichts diskreditieren.

Würde dieser Richter sein weltanschauliches Bekenntnis dadurch untermauern und zum Ausdruck bringen, dass er in hochglanzpolierten Springerstiefeln mit weißen Schnürsenkeln zum Dienst erscheint oder während einer Gerichtsverhandlung in solchem Schuhwerk auftritt, wäre er in seinem Amt wahrscheinlich untragbar. Gleiches gilt, wenn er z.B. mit einem Roten Stern mit Hammer und Sichel am Revers als Richter an einer Gerichtsverhandlung teilnehmen wollte. Durch das Zeigen solcher Symbole würde er aus meiner Sicht die weltanschauliche Neutralität des Gerichts sowie das dem Gericht entgegengebrachte Vertrauen in dessen Unabhängigkeit untergraben.

Im Übrigen gibt es für einige Berufe eine Anzugsordnung.

Würde dieser Richter über sein bloßes Bekenntnis hinaus leugnen, dass es den Holcaust während des Dritten Reiches gegeben hat, würde er sich in Deutschland und in mehreren anderen Ländern strafbar machen.

Zu 2.: Ungestörte oder uneingeschränkte Religionsausübung

Das Recht der ungestörten Religionsausübung bezieht sich nach meinem Verständnis darauf, religiöse oder religiös begleitete Veranstaltungen oder Riten ohne Störung von außen abhalten zu dürfen, also z.B.

  • Initiationsriten wie Taufe
  • Gottesdienst
  • Beichte
  • Gebet
  • Prozession
  • Begräbnis

solange während dieser keine Straftaten begangen oder zu Begehung von Straftaten aufgefordert wird.

Das Begehen von Straftaten als religiösem oder religiös deklariertem Ritus ist m.E. durch die Gewährleistung dieses Grundrechts nicht gedeckt — im Gegenteil. Sollten Exekutivorgane davon Kenntnis erlangen, werden sie in einem solchen Fall die Religionsausübung vermutlich nicht nur stören, sondern unterbinden.

Nach meinem Verständnis sind also weder die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses noch die ungestörte Religionsausübung — vulgo Religionsfreiheit — grenzenlos.

Die Zulässigkeit der Beschneidung des männlichen Kindes gemäß BGB § 1631d, also des Zufügens einer irreversiblen Körperverletzung, ist nach meiner Einschätzung einer gesellschaftspolitischen Abwägung geschuldet, der ich ambivalent gegenüberstehe (siehe «Angst», darin Punkt 5).

* * *

Zuweilen wird in Deutschland, aber auch in anderen Ländern, darüber debattiert und gestritten, ob das Tragen religöser Symbole z.B. in Gerichtssälen erlaubt sein soll oder nicht.
Insbesondere geht es in diesen Debatten und Rechtsstreitigkeiten darum, ob es einer Frau in staatlicher Funktion erlaubt sein soll, z.B. während einer Gerichtsverhandlung, an der sie als Rechtsreferendarin teilnimmt, ein Kopftuch als Ausdruck ihrer Religionszugehörigkeit bzw. ihres religiösen Bekenntnisses zu tragen.

Argumentiert wird in solchen Fällen u.a., dass man einen Menschen, der seine Religionszugehörigkeit oder sein religiöses Bekenntnis nicht symbolisch zur Schau stellen darf, zum Berufsverbot verurteilt.

Nicht nur, dass manch einer, der in einem solchen Fall unter Hinweis auf die Religionsfreiheit von "Berufsverbot" schreibt oder spricht, Partei für ein despotisches System ergreift in dem es keine Religionsfreiheit gibt, für ein System, dessen "religiöse" Gesetze und Vorschriften häufig mit den in unserer Verfassung garantierten Grundrechten sowie mit mehreren Menschenrechten kollidieren, und in dem auf Apostasie auch heutzutage noch die Todesstrafe steht, die in Deutschland gemäß GG Artikel 102 verfassungswidrig ist (ungeachtet, in welchen Ländern Urteile aufgrund dieses "religiösen" Gesetzes gesprochen oder vollstreckt werden: es ist gültiges islamisches Gesetz, siehe den WB-Beitrag Religion und Zynismus, Tradition und Tabu vom 3. März 2019). Er verkennt auch, dass von einem Berufsverbot gar nicht die Rede sein kann — denn jemand, der seine Religionszugehörigkeit durch das Zeigen von Symbolen zur Schau stellen möchte, droht in Deutschland kein Berufsverbot von staatlicher Seite. Lediglich das Zurschaustellen der Religionszugehörigkeit oder des religiösen Bekenntnisses mittels eines Symbols wird während der Berufsausübung untersagt, aber nicht die Berufsausübung als solche. Zumal dieses Zurschaustellen für die Berufsausübung nicht erforderlich ist und mit dieser in keinem sachlichen Zusammenhang steht. Im Gegenteil würde dadurch in diesem konkreten Fall die weltanschauliche Neutralität des Gerichts sowie das dem Gericht entgegengebrachte Vertrauen in dessen Unabhängigkeit untergraben.

Auch die Religionsfreiheit — siehe oben, sowie den GG Artikel 140 — wird dadurch nicht versagt, dass in etlichen Berufen während der Berufsausübung — Stichwort Anzugsordnung — ein bestimmter Dresscode vorgeschrieben sein kann. Dies betrifft nicht nur Richter oder Rechtsreferendarinnen, sondern z.B. auch Polizeibeamte, Soldaten, Feuerwehrleute, Bedienstete in Krankenhäusern wie z.B. Chirurgen und einige mehr, die während der Berufsausübung ihre Individualität aus ganz praktischen Gründen oder zugunsten einer Gruppe oder eines Verbandes zurückstecken müssen.
Es ist nach meinem Verständnis umgekehrt so, dass jemand, der (als Demonstration eines Machtanspruchs?) darauf beharrt, seine Religionszugehörigkeit bzw. sein religiöses oder weltanschauliches Bekenntnis durch das Zeigen von Symbolen überall und jederzeit herauszustellen, sich selbst u.U. ausgrenzt — sich selbst diskriminiert — und sich ggf. selbst von der Berufsausübung ausschließt, wenn er auf das Zeigen dieser Symbole nicht verzichten will.

Es steht jedem frei, die tatsächlichen oder vermeintlichen Gesetze seiner Religion im persönlichen Bereich zu beachten und zu befolgen. Diese Gesetze jenseits des privaten / persönlichen Bereichs über die Gesetze des Staates zu stellen — und damit den Staat womöglich untergraben zu wollen —, ist durch die Religionsfreiheit nicht legitimiert.

* * *

Abschließend eine Anmerkung, auch wenn diese falsch verstanden werden könnte:

Ob in Europa bislang — mit Verweis auf die Religionsfreiheit — jemals eine Forderung erhoben wurde, während einer Gerichtsverhandlung eines der fünf täglichen islamischen Pflichtgebete sprechen zu dürfen, inclusive Ausrollen eines Gebetsteppichs im Gerichtssaal und vielleicht sogar bewaffnet, wie es der Koran in Sure 4 Vers 102 "vorschlägt", ist nicht überliefert.

Eckhardt Kiwitt, Freising

Dieser Beitrag ist in einer früheren Fassung am 11. Juli 2017 auf der Website Das Islam-Prinzip erschienen.

_____

Ergänzend:

sowie

Siehe auch die Kolumne Das Islam-Paradox
von Jochen Bittner, DIE ZEIT, 26. Oktober 2017

[…] Die Geltung eines Grundrechts hängt nicht davon ab, wie sein Träger mit diesem Grundrecht umgeht. Sehr wohl eingeschränkt werden kann allerdings die Ausübung eines Glaubens.

sowie den Kommentar Auch über den Islam darf gestritten werden
von Malte Lehming, DER TAGESSPIEGEL, 27. Oktober 2017

[…] Wer stiehlt, darf deshalb nicht bestohlen werden. Auch Anhängern eines Glaubenssystems, das selbst keine Religionsfreiheit gewährt, steht das grundgesetzlich garantierte Recht auf Religionsfreiheit zu.

und Religionsfreiheit: Lieber Recht als rechts
von Hans Michael Heinig, DIE ZEIT, 2. November 2017

Die Religionsfreiheit gilt unabhängig davon, wie modern die Religionskultur ist, der jemand anhängt.

Bild oben:
Ausriss aus dem Titelblatt der "Short Declaration of the Mystery of Iniquity" (Eine kurze Erklärung des Geheimnisses der Ungerechtigkeit), einer Forderung nach Religionsfreiheit aus dem 17. Jhdt. von Thomas Helwys. (Wikipedia)




Katholische Kirchenaustrittserforschung


BrandmüllerAls atheistischer Kommentator fungiert Erwin Peterseil in http://www.atheisten-info.at/downloads/Kirchenaustrittserforschung.pdf.
Eine solche Kirchenaustrittserforschung war am 28.2.2019 auf kath.net zu finden, ein neunzigjähriger Kardinal wurde dazu von Armin Schwi-bach befragt. Das ist endlich wieder einmal ein Anlass, katholische Aussagen atheistisch zu kommentieren, der Text erschien untern dem Titel "Als Rebe im Weinstock bleiben" und begann mit einer entsprechenden Einleitung:

Fluctuat nec mergitur… Austritt aus der Kirche? Der eigentliche Ausstieg aus der Kirche geschieht im Ab-fall vom katholischen Glauben. Ein Gespräch mit Walter Kardinal Brandmüller. Rom (kath.net/as) Fünfundzwanzig Prozent mehr Kirchenaustritte: in Bayern verließen im Jahr 2018 rund ein Viertel mehr Katholiken und Protestanten ihre Kirchen, als dies im Vorjahr der Fall war. Der Münchner Kardinal Reinhard Marx und der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm wollten sich zu diesen Zahlen, die aus 57 bayerischen Städten mit je mindestens 20.000 Einwohnern vorliegen, nicht äußern.

Der Kirchenaustritt hinkt in der BRD deutlich hinter dem österreichischen her, es ist schon längst Zeit, dass sich das endlich bessert!

Fünfundzwanzig Prozent weniger Christen mit "offizieller" Bindung an ihre Kirchen: trotz des auf der Welt ein-zigartigen deutschen Kirchensteuersystems und den damit verbundenen Widersprüchen erschreckende Zahlen. Und natürlich beginnt erneut die Suche nach "Gründen" für ein Phänomen, das in Deutschland in besonderer Wei-se empirisch messbar ist, denn: gewiss schwindet auch anderswo im Westen die Kirchenbindung, doch dies ist nur in Deutschland (und in Österreich und der Schweiz) mit steuerlich belegbaren Zahlen zu verfolgen. Denn nir-gendwo anders kann man aus der Kirche "austreten".

Ja, das staatliche organisierte Kirchenbeitragssystem gibt's tatsächlich nur in den drei angeführten Staaten, es gibt mehrere Möglichkeiten der Kirchenfinanzierung: die staatliche, die mittels einer allgemeinen Kultursteuer, mittels freiwilliger Beiträge, durch eigene Einkünfte, durch ausländische Hilfe, auf dieser Site wurde das schon vor länge-rer Zeit einmal zusammenfassend dargestellt, siehe "Kirchenfinanzierungsmethoden"1!

Besorgte Hirten und Ideologen: beide sind sie schnell bei der Hand, wenn es um die Darstellung von Gründen geht. Alte Themen wie Zölibat, Morallehre und Anspruch auf Wahrheit in einem universalen und absoluten Sinn: gern werden "Ursachen" in diesen zumeist politisch interessierten Bereichen verortet. Aber die Thematik bedarf einer breiter angelegten Herangehensweise, worüber wir mit dem Kirchenhistoriker Walter Kardinal Brandmüller gesprochen haben.

Das stimmt wohl, dass das kritische Verhältnis eines Großteils der Kirchenmitglieder zu diversen Lehrsätzen und Traditionen nicht unmittelbar zum Austritt führt, aber es führt zuerst einmal auf Distanz. Dazu kommt noch, dass die früher so weit verbreitete innerfamiliäre Glaubensweitergabe faktisch aufgehört hat, die berühmte Großmutter, die schon Kleinkinder gehirnwaschend katholizierte, gibt's kaum noch.

Eminenz, jenseits der Fragen nach den "Gründen" für den vor den deutschen Steuerbehörden vollzogenen "Aus-tritt" aus der Kirche stellt sich in erster Linie eine andere Frage: wer sind die Menschen, die diesen Schritt ge-hen? Und um dies zu verstehen drängt sich angesichts der neuen "apokalyptischen" Zahlen eine weitere Frage auf: wer sind die Menschen, die NICHT austreten? Brandmüller: Nun, das ist viel auf einmal gefragt! Sehen wir es der Reihe nach an! Zunächst: Wer sind die "Ausgetretenen"? Da sind nicht wenige, die nie zuvor im Leben eine bewusste Glaubens-entscheidung getroffen haben, die sich einfach vom einstmals katholischen Mainstream haben mittragen lassen. Nun vollziehen sie unter dem Eindruck kirchlicher Skandale nur öffentlich, was sie ohnehin längst praktiziert ha-ben, indem sie kaum am Leben der Kirche – Gebet, Sakramente, Sonntagsmesse – teilgenommen haben. Nun, da alle Welt von Skandalen in der Kirche redet, erklären sie vor dem Standesamt2 ihren Kirchenaustritt. In manchen Fällen führen Auseinandersetzungen rechtlicher, finanzieller Art, auch persönliche Ressentiments, Konflikte mit "dem Pfarrer" etc. zu diesem Entschluss.

Das ist richtig beobachtet, die Kindstaufe ist immer noch verbreitete Tradition, aber die religiöse Erziehung nimmer! Die Oma, die sonntags mit den Enkeln in die Kirche geht, ist eine Ausnahmeerscheinung. Das traditionelle religiö-se Leben beinhaltet heute Taufe, Erstkommunion, Firmung, Eheschließung, Begräbnis. Hingegen sind Gebet, Sa-kramente, Sonntagsmesse eher gelegentlich auftretende Sonderfälle. Konflikte mit dem Pfarrer werden Ausnahmefälle für Kirchenaustritte sein, der Austritt wegen der Kirchensteuer wird bei Herangewachsenen wahrscheinlich des öfteren die Geschäftsbeziehungen beenden.

In den Ländern deutscher Zunge ist es zudem die Kirchensteuer – deren Problematik wir hier aussparen – die, als odios empfunden, als Austrittsmotiv dient. Hinzu kommt religiöse Unkenntnis, geistige Orientierungslosigkeit, die es nicht wenigen unmöglich macht, kirchliche Verhältnisse zutreffend zu beurteilen. Durch den Kirchenaustritt wird nun amtlich festgestellt, was längst Lebenswirklichkeit ist.

"Odios" ist ein selten gebrauchtes Fremdwort und bedeutet "widerwärtig". Religiöse Unkenntnis kann's sein, aber im Sinne von "ist mir egal", Orientierungslosigkeit wird's wohl nicht sein, sondern Orientierung nach der Wirklich-keit, also Götter gibt's nicht. Und die Beurteilung kirchlicher Verhältnisse wird wohl im Austrittsfall eher richtig als falsch sein. Der letzte obige Satz trifft aber zu! Austritt und Lebenswirklichkeit hängen zusammen!

Der scharfe Wind, der derzeit durch den Baum "Kirche" fährt, fegt nur die längst verwelkten dürren Blätter hin-weg. Die Äste werden kahl. Wenn nur etwa 5% bis 10% der kirchensteuerzahlenden Katholiken am Sonntag den Weg zur Kirche finden, dann ist klar, wie viele von ihnen wirklich glauben und ihren Glauben leben.

Ja, die kirchliche Wirklichkeit mit Bäumen mit 90 bis 95 % verdorrten Blättern zu vergleichen, passt! Der 2. Satz müsste darum richtig so lauten: "Wenn nur etwa 5% bis 10% der kirchensteuerzahlenden Katholiken am Sonntag den Weg zur Kirche finden, dann ist klar, wie wenige von ihnen wirklich glauben und ihren Glauben leben".

Nun aber gibt es unter den "Ausgetretenen" gar manche, die ihren Kirchenaustritt aus ganz entgegengesetzten Mo-tiven vollziehen: es ist ihr Protest gegen einen in bürokratischen Strukturen verkrusteten Apparat, für dessen Funktionäre Glaubenswahrheit, sittliche Normen des Evangeliums, Sakramente und Anbetung Gottes, wenn über-haupt, sodann eine Nebenrolle spielen. Diese "Ausgetretenen" sind Menschen, die am Sonntag lieber eine Stunde mit dem Auto fahren, um eine würdig gefeierte heilige Messe zu erleben. Damit sind wohl im Wesentlichen die Austrittsmotive genannt.

Na, diese Art von Ausgetretenen werden wohl eine leicht abzählbare Menge sein. Warum sollten sie überhaupt austreten? In eine andere Kirche mit einem anderen Pfarrer zu fahren, um eine "würdig gefeierte heilige Messe zu erleben", das braucht doch keinen Kirchenaustritt!

Was kann man unter "Austritt" verstehen, das heißt: welche Art von Willenserklärung? Zweifellos: die Gläubigen werden immer weniger, die Kirchen immer reicher mit immer größeren Einnahmen. Ist nicht letztlich auch das ein Grund für eine verkehrte Wahrnehmung der Kirche? Und dann: Wie würden sie das Kirchenverständnis dessen beschreiben, der sich zu einem "Austritt" entschließt? Ist es möglich, hier etwas zu verallgemeinern? Woran scheiterte die Kirche in den vergangenen 60 Jahren bei der Vermittlung des Kirche-Seins? Brandmüller: Im Grunde geht es hier um die Frage "Was ist Kirche?". Im landläufigen Verständnis eine Art NGO mit religiös-folkloristisch-caritativen Programm? Keine Frage: Wenn mir an einer solchen NGO etwas nicht passt, dann gehe ich eben. Aber Kirche ist doch etwas ganz anderes! In eindrucksvoller Weise beschreibt die Konstitution des II. Vatikani-schen Konzils "Lumen Gentium" die Kirche als "Hausgemeinschaft" Gottes, "Volk Gottes", "Leib Christi" – kurz-um: nicht ein Gebilde von Menschenhand, sondern Werk und Werkzeug Jesu Christi zur Erlösung der Menschheit, des Universums. Schiff des Fischers Petrus ist sie auch, um den stürmischen See zu überqueren. Natürlich kann einer da aussteigen…

Auf die Feststellung in der Frage, die r.k. Kirchen verliert Gläubige, wird aber immer reicher, sagt der Herr Kardinal gar nichts. Das ist eben auch eines der Grundprobleme: ständig von Nächstenliebe zu reden, aber keine wahr-nehmbaren eigene Gelder dafür beisteuern. Und heucheln: da werden dann kirchliche Spitäler oder Pflegestätten zu christlichen Nächstenliebeeinrichtungen, obwohl sie mit öffentlichen Geldern und Geldern der Nutzer finanziert werden. Und die angeführten Selbstdefinitionen der r.k. Kirche als göttliches Gebilde zur Erlösung des Universums sind ja schon länger immer weniger wahr, weil immer mehr Menschen das Ganze als das wahrnehmen, was es ist: als Tand von Menschenhand! 

Überdies: Der eigentliche Ausstieg aus der Kirche geschieht im Abfall vom katholischen Glauben. Das aber hat dann nichts mehr mit dem Kirchensteueramt zu tun, sondern mit dem lebendigen Gott. Natürlich kann einer diesen Schritt tun. Aber mit welchen Konsequenzen! Jesus sagt – so das Johannesevangelium Kapitel 15 – "Ich bin der wahre Weinstock, ihr seid die Reben…" Nur wenn sie mit dem Weinstock verbunden ist, kann aber die Rebe Frucht bringen. Wenn sie aber vom Weinstock getrennt wird, verdorrt sie und wird verbrannt Und nun meint der heilige Augustinus: "Eines von beiden kommt der Rebe zu, entweder der Weinstock oder das Feuer. Wenn sie nicht im Weinstock ist, muss sie im Feuer sein; damit sie also nicht im Feuer sei, möge sie im Weinstock sein…" Verstehen Sie jetzt, dass ich gar nichts anderes kann als in der Kirche, als Rebe im Weinstock zu bleiben? Und das allen Skandalen zum Trotz.

Der Beitritt zur Kirche erfolgt in aller Regel nicht durch eine freie Entscheidung, sondern durch die Taufe als Baby. Ob den Heranwachsenden dann der Glaube tatsächlich eingeredet werden kann, wird von Fall zu Fall verschieden sein, in der heutigen Welt wird das immer schwieriger, weil die berühmten Motiven für religiösen Glauben, die Karl Marx aufgezählt hat, immer weniger werden, das religiöse Elend ist in unseren Breiten durch die Verbesserung der Lebensumstände immer weniger der Ausdruck wirklichen Elends, Religion ist nimmer der Seufzer der bedrängten Kreatur und in den Sozialstaaten mit sozialen Rechten nimmer das Gemüt einer herzlosen Welt, die geistlosen Zu-stände haben sich durch die Entwicklung des Wissens stark reduziert, die Religion ist nimmer das Opium des Vol-kes, da zudem ja auch die Esoterik diesbezügliche Kunden wegschnappt. Der Abfall vom katholischen Glauben durch Kirchenaustritt entsteht darum zuerst einmal aus dem Mangel an diesem Glauben und dann aus der fehlen-den Verbundenheit mit dem organisierten Glauben, lebendige Götter und lebendige Weinstöcke sind eben heutzu-tage Angebote mit ansteigend sinkender Nachfrage. Dass ein alter Kardinal nicht aus der Kirche austritt, sondern im Weinstock bleibt, ist allerdings nachvollziehbar, ein Beamter im Ruhestand kündigt schließlich auch nicht…

Eminenz, vor kurzem konnten Sie Ihren 90. Geburtstag feiern und auf ein reiches und bewegtes Leben als Pries-ter, Professor, Historiker im Dienst des Heiligen Stuhls, als Bischof und Kardinal zurückblicken, dem unerwartet in einem Alter noch besondere Verantwortung zuteil wurde, in dem andere einfach ihr Pension genießen. Gerade der Historiker jedoch zeichnet sich durch einen breit angelegten Blick aus, der sich von Relativitäten des Moments nicht so leicht beeindrucken lässt. Was sagt uns der Historiker zur aktuellen Wirklichkeit und zu den notwendigen Reinigungsprozessen und Prozessen der Umkehr?

Wenn man nicht nur Kirchengeschichte studiert, sondern auch zwanzig Jahre im Zentrum des Geschehens gelebt und Verantwortung getragen hat, dann hat man nicht nur viel selbstlosen Dienst, Frömmigkeit und Glaubenstreue erlebt, sondern auch viel Schlimmes. Da hat man gelernt, in, an und mit der Kirche zu leiden. Aber "austreten"? Das hieße existentiell ins Nichts zu fallen – und das, im Augenblick des Todes für ewig…

Ein Kardinal müsste eigentlich auch an die katholische Drohbotschaft von der ewigen Verdammnis glauben. Kardi-nal Brandmüller hat jedoch offenbar vorsichtshalber diese Verdammnis bereits abgeschafft, er fiele als vom Glau-ben Abgefallener bloß existentiell ins Nichts und nimmer ins ewige Höllenfeuer. Aber das tun wir ja alle, wenn wir tot sind, dann geht es uns so wie vor unserer Geburt: wir existieren nicht. Aber nachdem uns die Nichtexistenz vor unserer Geburt egal war, wird uns auch die Nichtexistenz nach unserem Tod egal sein, wir haben damals nichts davon gewusst und werden auch als Tote nichts davon wissen. Gutes und Schlimmes erleben wir nur im Leben.

Was mich – nebst nicht wenig anderem – dennoch mit Zuversicht erfüllt, ist die wachsende Schar junger Leute, die in voller Kenntnis der gegenwärtigen Skandale und Probleme entschlossen sind der Kirche, dem Herrn als Priester oder im Ordensstand zu dienen. Sie wissen oft aus Erfahrung, dass der kirchliche Apparat sie mit Misstrauen, ja Abneigung betrachtet. Sie haben erlebt, dass aus dem Priesterseminar entlassen wurde, wer den Rosenkranz betete etc. So sind in den letzten Jahrzehnten geistliche Gemeinschaften entstanden, besonders in Frankreich, die in entschie-dener Treue zum Glauben der Kirche dienen wollen. Der Heilige Geist ist am Werk – auch heute. Das Wappen der Stadt Paris zeigt ein Schiff auf hochgehenden Wogen der Seine. Dahinter die Devise: Fluctuat nec mergitur – von den Wogen hin und hergeworfen – das Schiff geht nicht unter! Wie viel mehr gilt das von der Kirche!

Aha, der Herr Kardinal hat Wundererscheinungen, eine wachsende Schar junger Leute, die Priester oder Ordens-leute werden wollen! Es verteilt sich unterschiedlich, während es in den Gebieten mit funktionierenden Sozialsys-temen sinkende Priesterzahlen gibt, steigen die Priesterzahlen dort, wo noch Nachfrage nach dem Opium des Vol-kes besteht. Insgesamt steigt allerdings die Zahl der Katholiken pro Priester. Wer sind die Rosenkranzbeter, die aus dem Priesterseminar entlassen werden? Googeln wir einmal danach! War nix zu finden! Also weiter mit der Schlusspointe! "Fluctuare" heißt "schwanken", aber auch "dahintreiben", "mergere" heißt "versenken", aber auch "eintauchen", "versinken", "ertrinken". Somit: die r.k. Kirche schwankt und treibt dahin, sie versinkt aber vorläufig noch nicht. Wird wohl noch ein Weilchen dauern! In Österreich waren 1951 noch 89 % der Einwohner Mitglieder der katholischen Kirche, 1991 waren es noch 78 %, 2001 noch 73,6 %, 2011 noch 64,3 % und 2018 nur noch 57 %. Die Verlustrate lag bis 1991 bei 0,275 % pro Jahr, bis 2001 bei 0,44 %, 2011 bei 0,93 % und liegt aktuell bei ei-nem Prozent. In der BRD war der Rückgang des Bevölkerungsanteils von 1950 bis 1990 von 46,1 auf 42.2 %, also pro Jahr um nur knapp 0,01 %, ab 1991 gab's die neue BRD samt DDR, da lag der katholische Bevölkerungsanteil wegen der Religionsstruktur in der DDR bei nur noch 35,1 %, 2001 waren es 32,4 %, also ein jährlicher Rückgang von 0,27 %, 2011 lag der Bestand bei 29,9 %, das ist ein jährliches Minus von 0,25 %, aktuell sind es pro Jahr 0,3 %. Die BRD hat somit immer noch großen Aufholbedarf, das anfangs geschilderten Plus von 25 % in Bayern, ergäbe ins-gesamt ja auch nur einen Anstieg des Jahresminus auf 0,375 %, da liegt Österreich beim Versenken des katholi-schen Kirchenschiffes fast dreimal besser! 2016 wird weniger als Hälfte der Bevölkerung katholisch sein, um 2050 wird der Anteil unter 25 % liegen. Die BRD wird sich bis dahin wohl auch außerhalb des ehemaligen Staatsgebie-tes der DDR säkular verbessert haben. Durch die niedrigen Zahlen im DDR-Gebiet liegt die Summe der Mitglieder bei den beiden christlichen Großkirchen zurzeit bei etwa 54 %, also niedriger als in Österreich, da ist diese Summe immer noch im 60%-Bereich… Warum es diese Entwicklung gibt, kann natürlich ein Kardinal nicht ermitteln, er glaubt ja vermutlich wirklich an sei-nen dreifaltigen Gott. Die wachende Säkularisierung in den europäischen Ländern kann durch die Religionsge-meinschaften nicht mehr abgestoppt werden, denn das läuft nicht einmal mehr gegen die Religionsgemeinschaf-ten, sondern neben ihnen! Kurz gesagt: die Religionen werden den Leuten einfach zunehmend wurschter und da-gegen helfen keine religiösen Verkündigungen!

1https://www.atheisten-info.at/downloads/kfm.pdf

2 in der BRD machen die Standesämter das, was in Österreich die Bezirkshauptmannschaften und Magistrate tun




Verstaatlichung der religiösen Feiertage!


KarfreitagDas forderte am 21.2.2019 die Initiative gegen Kirchenprivilegien:

Die "Verstaatlichung der religiösen Feiertage" fordert die Initiative gegen Kirchenprivilegien im Rahmen der aktuellen Karfreitagsdebatte. Denn es ist ja bereits jetzt so, dass die Feiertage in Österreich nicht kirchlich, sondern schlichtweg gesetzlich sind. Auch wenn sie religiösen Hintergrund haben, gelten sie derzeit für alle arbeitenden Menschen, unabhängig von der Weltanschauung. Eine Ausweitung von religiösen Feiertagen könnte zu einem Fass ohne Boden werden und langfristig das Land handlungsunfähig machen. Denn neue Ansprüche weiterer religiöser Gruppierungen wären damit absehbar. Nicht zuletzt könnten auch die Pastafaris einen Tag zur Anbetung ihres  "Gottes" erheben – was durch das Diskriminierungsverbotes wohl auch durchsetzbar wäre. Im Zuge der "Karfreitags-Reparatur" sollten also nicht nur die religiösen Feiertage verweltlicht werden, es könnte gleich das Kärntner Veranstaltungsverbot für den Karfreitag mit aufgehoben werden. "Dies wäre ein wichtiger Schritt zur längst überfälligen Trennung von Staat und Kirche und ein erster Beitrag gegen die laufende Diskriminierung konfessionsfreier Menschen" erklärt Christian Fiala, Sprecher der Initiative gegen Kirchenprivilegien.

Soweit die Aussendung. Die eingezogenen kirchlichen Feiertage jeweils durch Extra-Urlaubstage zu ersetzen, könnte dann allen helfen! Denn Feiertage wie Ostern und Weihnachten, die als Jahreszeitenfeste schon längst in vorchristlichen Zeiten gefeiert wurden, hatten ja gar keine christlichen Hintergründe, sondern wurden bloß christlich okkupiert und brauchten darum nicht abgeschafft zu werden. Und die direkten christlichen Feiertage könnten von den paar noch das ganze Jahr christlich agierenden Restchristen durch die zusätzlichen Urlaubstage begangen werden – und alle Religiösen anderer Konfessionen könnten die dort gebräuchlichen Feste an den jeweils vorgesehenen Tagen feiern. Und die breite Masse des religiös wenig oder gar nicht interessierten Volkes müsste nicht am Dreikönigstag, am Pfingstmontag, Fronleichnam, Christi Himmelfahrt oder Maria Himmelfahrt datumsmäßig vorgeschriebene freie Tage konsumieren, sondern könnte diese freien Tage selber beliebig platzieren!

Religiöse Feiertage verstaatlichen und als persönliche Urlaubstage privatisieren! Das würde alle Feiertagsprobleme lösen!

Entnommen bei http://www.atheisten-info.at/infos/info4475.html

 




Theologie ist keine Wissenschaft


Von Ralf Michalowsky:

Sie hat an öffent­li­chen Universitäten eben­so­we­nig zu suchen, wie Gebetsräume jed­we­der Glaubensrichtung.

Bis die gesetz­lich ver­an­kerte Trennung von Kirche und Staat Realität wird, ist es noch einen lan­ger Kampf. Es kann nicht sein, dass bei sin­ken­der Zahl von Mitgliedern in den Glaubensgemeinschaften, bei immer mehr Kirchenaustritten, bei mehr als einem Drittel kon­fes­si­ons­freier Menschen in Deutschland, sich die Kirchen zuneh­mend in öffent­li­che Räume drän­gen, um ihren Einfluss aus­zu­deh­nen.

Das geht nicht zuletzt auf Kosten aller Steuerzahler, auch der­je­ni­gen, die bewusst aus einer der Kirchen aus­ge­tre­ten sind. Sie wer­den über die all­ge­mei­nen Steuereinnahmen auch zur Bezuschussung der Glaubensgemeinschaften her­an­ge­zo­gen. Rund 40 Mrd. Euro kas­sie­ren Kirchen und ihnen nahe­ste­hende Sozialwerke jähr­lich vom Staat und ihr eige­ner Beitrag aus Kirchensteuern ist nicht mehr als ein Tropfen auf dem hei­ßen Stein. Nach eige­nen Angaben geben sie weni­ger als 10 % ihrer 9 Mrd. Euro Kirchensteuereinnahmen für soziale Zwecke aus. Vielleicht legen sie ihr Geld aber auch gewinnbringend an: hier klicken.

Nehmen wir ein Beispiel: das Hilfswerk Misereor e.V. Es hat 2009 ca. 50 Mio. Euro an Spenden ein­ge­sam­melt. Das sind etwa 33 % des Gesamtetats. 62 % gibt Vater Staat und nur 5 % rücken die Kirchen raus. Dabei über­stei­gen Verwaltung (mit 2,6 %) und Werbung (mit 3,3 %) den Kirchenanteil schon um 0,9 %. Die Mär von der Unersetzlichkeit kirch­li­chen Engagements bestä­tigt sich auch hier wie­der.

Doch zurück zur Universität. In Münster soll jetzt auf uni­ver­si­tä­rem Grund eine Moschee gebaut wer­den. „Wir haben eine katho­li­sche und eine evan­ge­li­sche Universitätskirche“, sagt Universitäts-Rektorin Prof. Ursula Nelles. Da sei es nur kon­se­quent, wenn die isla­mi­sche Theologie eine Moschee erhalte. Die Baukosten in Höhe von vier Millionen Euro sol­len durch Spenden finan­ziert wer­den. Die Pläne für das neue isla­mi­sche Zentrum mit der Moschee sind sehr kon­kret, sagt des­sen Leiter Prof. Mouhanad Khorchide. Mit einem Flyer wirbt die Universität um Spender. Khorchide: „Wir sind im Gespräch mit gro­ßen isla­mi­schen Stiftungen in Indonesien, Marokko und Katar.“ Voraussetzung für die Annahme von Spenden sei, dass daran keine Bedingungen geknüpft wür­den, dass das Zentrum unab­hän­gig bleibe, so Khorchide. Er ist opti­mis­tisch, „dass die erfor­der­li­che Summe in einem Jahr zur Verfügung steht“.

Nachdem es in NRW seit Februar 2012 in einem Modellprojekt ale­vi­ti­schen Religionsunterricht in staat­li­chen Schulen gibt, will die Landesregierung an der UNI Duisburg-Essen nun einen Lehrstuhl für ale­vi­ti­sche Religionskunde ein­rich­ten.

Dabei sollte doch jedem auf­ge­klär­ten Menschen klar sein: Theologie ist keine Wissenschaft, auch wenn es Thomas von Aquin war, der die­sen Unsinn hof­fä­hig gemacht hat! Alle Religionen sind Produkte mensch­li­cher Phantasie. Meist basie­ren sie auf kon­stru­ier­ten Schöpfungsgeschichten, sind mit Dogmen ver­knüpft und haben alle einen ent­schei­den­den Mangel: sie sind rea­li­täts­fern und nicht über­prüf­bar.

Deshalb kann es sich bei der Theologie nicht um eine Wissenschaft han­deln. Die reli­giö­sen Systeme die­nen viel­mehr dem Machterhalt selbst­er­nann­ter Cliquen, die ihren Nachwuchs mit Steuergeldern in einer Pseudowissenschaft aus­bil­den dür­fen.

Die pseu­do­wis­sen­schaft­li­che Theologie als Lehrfach an den Universitäten muss abge­schafft wer­den!

Der Trend geht aber lei­der in eine andere Richtung. Religiöse Cliquen ver­ste­hen es aus­ge­zeich­net, sich mit poli­ti­schen Herrschaftsstrukturen zu ver­net­zen. Sie haben Lobbyisten im Bundestag und in allen Länderparlamenten. Um die Akzeptanz ihrer eige­nen Existenz abzu­si­chern und zu stär­ken, sind sie sogar bereit, öku­me­ni­sche Unterstützung zu leis­ten. Das geht über die Zusammenarbeit der christ­li­chen und jüdi­schen Glaubensgemeinschaften hin­aus und erstreckt sich zuneh­mend auch auf die Interessen der reli­giö­sen Cliquen aus dem islamisch-religiösen Milieu. Wenn es um die Expansion und die Mehrung des eige­nen Reichtums und Einflusses geht, spie­len reli­giöse Alleinvertretungsansprüche plötz­lich eine unter­ge­ord­nete Rolle.

Wenn es in Münster katho­li­sche und evan­ge­li­sche Universitätskirchen gibt, dann ist das schon schlimm und nicht akzep­ta­bel. Das als Argument für den Bau einer Moschee auf staat­li­chem Terrain her­an­zu­zie­hen, passt zwar in die Argumentationskette der Religioten, ist aber falsch. Gebetsräume jed­we­der Couleur müs­sen pri­vat betrie­ben wer­den und haben unter dem Dach einer staat­li­chen Universität nichts zu suchen.

Aufgeklärte Menschen müs­sen sich end­lich stär­ker orga­ni­sie­ren, zusam­men­schlie­ßen und durch Schaffung von Transparenz und Verbreiten von Informationen die­sen Trend umkeh­ren.

Unsere Ziele sind:

  • Theologie weg von den öffent­li­chen Universitäten
  • keine staat­li­che Förderung von theo­lo­gi­schen Studiengängen
  • keine staat­li­che Förderung der Ausbildung von Religionslehrern
  • Religion als Schulfach abschaf­fen und durch Ethik und Kunde der ver­schie­de­nen Glaubensrichtungen erset­zen
  • keine Erziehungseinrichtungen (KITA, Schulen, Universitäten) in kirch­li­cher Trägerschaft
  • keine Bezahlung des kirch­li­chen Führungspersonals durch den Staat

Stoppt den reli­giö­sen Expansionsdrang – über­all!

Ralf Michalowsky ist Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft Laizismus in der LINKEN. NRW und war bis zum Mai 2012 als MdL reli­gi­ons­po­li­ti­scher Sprecher der LINKEN Landtagfraktion.

[Über­nahme von: Die Freiheitsliebe]

 

 




Das selbstherrliche Gott -- oder: Vom Ende absoluter Macht


Brückenbauer

— Brückenbauer —

Heißt es nicht „der Gott“? Eigentlich ja. Aber warum? Sollte ich hier fürderhin und fairerweise nicht immer auch „die Göttin“ nennen, was die Lesbarkeit des Textes nicht erleichtert? Also rede und schreibe ich künftig „das Gott“.

Zwar kann man bei diesem Gott keine Wechselwirkungen beobachten oder sonstwie feststellen, weshalb man das Gott von etwas, das nicht existiert, nicht unterscheiden kann und weshalb wir annehmen dürfen, dass es das Gott — außer als Idee in den Köpfen von Menschen — gar nicht gibt. Der Funktion Gottes als Machtinstrument tut dies jedoch keinen Abbruch.

In der Frühzeit der Kulturgeschichte der Menschheit, als viele Leute weder lesen noch schreiben konnten — oder als es noch gar keine Schriftzeichen gab — mag es noch angegangen sein, dass sich ein Ältester, ein Familienoberhaupt, ein Clanchef zum Zweck der „Gesetz“gebung eines selbstherrlichen Gottes bedient hat, um den Vorschriften und Rechtssätzen, die er für die Gemeinschaft, für das Sozialwesen, verfügt hat, eine unangreifbare Autorität zur Seite zu stellen, die Rechtssätze zu untermauern und sie durchsetzen zu können.

Manchem selbstherrlichen Potentaten kam — und kommt — ein selbstherrliches Gott als Ebenbild auch in späteren Jahrhunderten und teils bis in die Gegenwart vermutlich nicht ungelegen. Für echte Monarchen (Alleinherrscher) ist es ein Glücksfall. Wikipedia schreibt dazu:

In Erbmonarchien wird der Herrschaftsanspruch des Staatsoberhauptes in der Regel auf eine göttliche Bestimmung zurückgeführt (sakrale Elemente).

In demokratischen Rechtsstaaten werden Gesetze nicht durch göttlichen Ratschluss selbstherrlich verfügt, die Regierungen und Parlamente führen ihren Herrschaftsanspruch nicht auf eine göttliche Bestimmung zurück, sondern werden in freien und geheimen Wahlen von den Bürgern ihrer Länder zu deren Stellvertretern gewählt, Macht wird ihnen von den Bürgern übertragen — und gegebenenfalls in eben solchen Wahlen auch wieder genommen. Darüber hinaus gilt der Grundsatz der Gewaltenteilung, der sicherstellt, dass nicht eine Instanz über absolute Macht verfügt.

* * *

Zu Beginn des Jahres 2019 gab es beinahe täglich eine Vielzahl von Berichten über sexuellen „Missbrauch“, begangen durch „Geistliche“. Das Wort „Missbrauch“ für diese Art Straftaten — die von den Opfern vermutlich als traumatisierende Verbrechen wahrgenommen werden — scheint mir eine Verharmlosung zu sein. Die katholische Kirche, regiert aus einer absoluten Wahlmonarchie im Stadtgebiet der italienischen Hauptstadt Rom, aus deren Reihen so manche der Täter stammen, tut sich mit der Aufarbeitung erkennbar schwer.

Umso erstaunlicher finde ich es, dass der Wiener Kardinal Christoph Schönborn dieser Tage Strukturreformen für den Verein, dem er angehört, fordert:

„Wir brauchen einen Reformschritt in Richtung Gewaltenteilung“, sagt der Wiener Kardinal Christoph Schönborn im APA-Interview. Die Macht der Bischöfe und Pfarrer brauche mehr Kontrolle. Die Gewaltenteilung sei in der Kirche noch zu wenig entwickelt, darüber hinaus müsse die Rolle der Frau in der Kirche gestärkt werden …

Zwar mögen die Sexualmoral der Kirchen sowie der Zölibat ihren Beitrag zum Fehlverhalten Einzelner leisten. Wer Macht über das Sexualverhalten von Menschen hat, wer dieses kontrollieren kann, der hat ungebührlich viel Macht über diese Menschen, deren empfundene Machtlosigkeit — insbesondere vielleicht bei Männern — in Ersatzhandlungen münden kann. Wichtig anzumerken ist mir jedoch, dass es sexuellen „Missbrauch“ und andere Formen von Machtmissbrauch auch außerhalb von Religionsgemeinschaften gibt, ja selbst innerhalb von Familien.

* * *

In die ersten Wochen des Jahres 2019 fiel ein Besuch des Papstes Franziskus in die Vereinigten Arabischen Emirate — die erste Visite eines Papstes auf die Arabische Halbinsel. In dem Staatenbund der VAE wurde das Jahr 2019 zum Jahr der Toleranz erklärt. „Tolerieren“ bedeutet allerdings lediglich „dulden, gewähren lassen“ — man duldet etwas oder jemanden ggf. solange, bis man es sich anders überlegt hat. Ein gegenseitiges Akzeptieren ist damit also nicht gemeint. Wer und was konkret geduldet — „toleriert“ — werden soll, geht aus dem Begriff nicht hervor. Immerhin haben die VAE ein paar symbolische Zeichen der Duldung — der Toleranz — gesetzt, darunter gar ein Ministerium für Toleranz.

Will man es in den VAE künftig z.B. wenigstens dulden, wenn Bürger des Landes aus der Religionsgemeinschaft austreten, der sie per Geburt angehören? Das würde Religionsfreiheit bedeuten.
Wollen sich Glaubensgemeinschaften gegenseitig nur dulden? Da man doch angeblich an das eine, das gleiche Gott glaubt, scheint mir eine bloße Duldung recht wenig zu sein. Warum nur Duldung und nicht ein Zusammenschluss zum gemeinsamen Glauben — oder wenigstens eine Duldung der Mitgliedschaft in mehr als nur einer Religionsgemeinschaft? Man kann schließlich gleichzeitig Mitglied in z.B. einem philosophischen Debattierclub, in einem Taubenzüchterverein und in einem Angelverein sein. Das eine schließt das andere nicht aus.

Geht es möglicherweise gar nicht ums Glauben — sondern um ganz schnöde, weltliche Macht, gestützt auf ein selbstherrliches Gott als Ebenbild selbstherrlicher Potentaten?
Wieviel Macht wären sie wohl bereit abzugeben oder zu teilen?

Eckhardt Kiwitt, Freising

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Weiterführende Artikel:
FAZ: Katholiken fordern Wende in der Kirche
FAZ: „Die Sonne der Gerechtigkeit kommt nicht mehr durch“
NZZ: Papst Franziskus in Abu Dhabi: «Religionen sollen sich mehr gegen Krieg und Terror einsetzen»
Tagesspiegel: Das Ende des Zölibats scheint möglich
FAZ: Reden, schreiben, handeln
SZ: Wichtiger Impuls für die christlich-islamische Annäherung
Tagesspiegel: Schöner Schein im Reich des Scheichs
ZEIT: Empfang mit militärischen Ehren in Abu Dhabi
Spiegel: Der Scheich trügt
FAZ: Gemeinsam gegen Terrorismus und Extremismus
SZ: Jahrtausend-Konzil im Vatikan
Der Standard: Kardinal Schönborn für Gewaltenteilung in der katholischen Kirche
Spiegel: «Dem Monster ins Auge schauen»
NZZ: Die katholische Kirche findet nur aus ihrer existenziellen Krise, wenn sie ihre Sexualmoral reformiert

Beitragsbild:
Bauklotz, Wikimedia, User: An-d
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bauklotz_rot.jpg




Missbrauch: Kirche verhindert bei Gericht Entschädigungen


Schönborn-Doris-Wagner-720x360Entgegen Schönborns Beteuerungen in der Öffentlichkeit wendet Kirche bei Gericht konsequent Verjährung ein

Im Fernsehen hat Kardinal Schönborn gegenüber der ehemaligen Nonne Doris Wagner behauptet, die Kirche verzichte im Falle von Gerichtsverfahren auf Verjährung. Dies ist unwahr, denn die Praxis der letzten Jahre zeigt: die Kirche hat in jedem einzelnen Fall Verjährung eingewendet, wenn ein Opfer sich an das Gericht wandte. So wurden in zahlreichen Fällen zivilrechtliche Schadenersatzleistungen verhindert – und das angesichts schwerster Gewaltstraftaten von sadistischer Folter, jahrelangen Schlägen, perversen Vergewaltigungen an Kindern, die Leben zerstört haben.

Kirche zahlt Almosen für zerstörte Leben – und ist noch stolz darauf

Betroffene, die Klagen einreichen, sehen sich bei Gericht mit einem Verjährungseinwand der Kirche konfrontiert. "Im Zivilverfahren wird die Verjährung nur dann schlagend, wenn der Beklagte diese aktiv einwendet. Der Beklagte könnte natürlich darauf verzichten und den Einwand gar nicht erst erheben, was moralisch jedenfalls angebracht wäre, zumal die Straftaten zuvor erfolgreich vertuscht wurden", erklärt RA Dr. Roman Schiessler, der die Plattform Betroffener Kirchlicher Gewalt juristisch berät. In der Folge bleibt dann den Betroffenen nur noch der Gang zur Klasnic-Kommission, die bekanntermaßen nur lächerlich geringe Beträge von 5.000.- bis 15.000.- EUR aus der Handkassa (Stiftung) der Kirche zuspricht – es sind Almosen angesichts zerstörter Leben mit schwerwiegenden Folgewirkungen wie chronischer Krankheit, Sucht und Suizidversuchen. "Im Schnitt bekommen die Betroffenen weniger von Klasnic ausbezahlt, als diese vermutlich monatlich als ehemalige Landeshauptfrau der Steiermark Pension einstreift", ärgert sich Sepp Rothwangl von der Plattform Betroffener kirchlicher Gewalt. "Wie unrühmlich ihr Abgang damals war, wird den Älteren noch bekannt sein."

Kirche baut sich eigene Rechtsordnung auf Kosten der Steuerzahler

Gemessen an der riesigen Anzahl von Kirchenopfern seien die nun von Waltraud Klasnic feierlich präsentierten Zahlungen kümmerlich und die durchschnittlichen 30 Therapiestunden beschämend gering. Ein Teil der Therapiestunden werde außerdem auf die Krankenkassen und somit auf die Steuerzahlenden abgewälzt. Erklärt wird dies – nachdem es zuvor immer hartnäckig bestritten wurde – damit, dass mit angeblich vielschichtigen Krankheitsbilder, deren Ursachen multikausal seien. https://religion.orf.at/stories/2920029/

Dazu RA Schiessler: "Welche konkreten anderen Schadensursachen oder andere Schädiger sollen das sein? Welche Multikausalität liegt hier vor? In solchen Fällen – Vorsatzdelikten – gilt § 1302 ABGB, somit eine solidarische Haftung aller Schädiger, sofern es überhaupt andere Schädiger oder Schadensursachen als die Kirche und deren Angehörige gibt. Wenn es solche weiteren Schädiger überhaupt gibt, dann könnte sich die Kirche aber an diesen regressieren (§ 1302 ABGB). Dann wäre jedoch das Prozess- und vor allem auch das Insolvenzrisiko der Kirche selbst enorm. Deswegen werden solche Prozesse von dir Kirche – mit dem Verjährungseinwand – unter allen Umständen vermieden", analysiert Schiessler.

Klasnics Werbeagentur betreibt offizielle "Opferschutz"-Webpage

"Die Alt-Landeshauptfrau ist perfekt im verschleiern und beschönigen, weswegen sie ja wohl auch vom Kardinal und später vom ÖSV eingebucht wurde", so Rothwangl weiter: "Gerne betont Klasnic die Ehrenamtlichkeit ihrer Tätigkeit. Dabei verschweigt sie, dass sie bei der Agentur Dreischritt (www.dreischritt.at) beteiligt ist, die wiederum Auftragnehmer der Kirche ist und sogar die Domain www.opfer-schutz.at betreibt".

www.betroffen.at – Mag. Jakob Purkarthofer

Entnommen bei http://www.atheisten-info.at/infos/info4472.html

 




Die Endzeit ist nah!


Adventhaus_der_Adventgemeinde_Lörrach_(Freikirche_der_Siebenten-Tags-Adventisten)Über die Adventisten steht in Wikipedia: Als Adventisten (von lat. adventus "Ankunft") wurden Anhänger einer christlichen, religiösen Erweckungsbewegung des 19. Jahrhunderts in den USA bezeichnet, für die die Lehre vom zweiten Advent, d. h. von der nahen Wiederkunft von Jesus Christus, zu jener Zeit eine zentrale Rolle spielte.

An die Site Atheist Media Blog (AMB) sandte einer dieser Adventisten seine Botschaft über das bevorstehende Weltenende und das schlimme Ende, das die satanistischen Ungläubigen erleiden werden. AMB veröffentlichte diese Zusendung, damit auch unsereiner weiß, was auf unsereinen zukommt!

Die Adventisten bestehen aus verschiedenen Fraktionen, zu welcher Gruppierung der Aussender zuzuordnen ist, konnte nicht ermittelt werden, da die Impressumsangaben der Site auf die er sich beruft, nicht sehr aufschlussreich waren. Aber das ist ja eh egal, schaut Euch das an, der erste Videoclip dauert über 40 Minuten. Soviel unfreiwilliger Advenisten-Humor ist eher nimmer lustig. Der zweite Clip ist kürzer, er dauert nur sieben Minuten, den Spaß kann man aushalten.

Somit hier die Original-Adventisten-Nachricht ohne weitere Anmerkungen:

Die Endzeit ist nah!

AdventDie Nachricht des Weltendes erreicht in unserer letzten Zeit auch Gottesleugner, Evolutionisten, Rationalisten und andere satanistische Gruppen. So hat es Gott, der Allmächtige, in seinem Wort der Bibel in aller Weisheit zuverlässig vorhergesagt. Gottes Untersuchungsgericht hat seit dem Jahre 1844 begonnen und somit könnt ihr euch in der Gnadenzeit noch zu Gott und somit zum Leben bekehren. Ich empfehle euch die einzig wahre Gemeinde Gottes (Siebenten-Tags-Adventisten), die den heiligen Sabbat hält und den Geist der Weissagung hat. Ich empfehle: http://www.endzeitbotschaft.de/

Mit eurer atheistischen Propaganda kämpft ihr für die Seite Satans und der anderen gefallenen Engel, die schon unsere Ureltern vor 6000 Jahren getäuscht haben. Gott hat Gefallen an der Bekehrung eines Gottlosen.

Schaut euch diesen Film an:

http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=F_HJFWTnVK0

Euer Papst Richard Dawkins wird für seine Evolutionslügen noch vor dem Allmächtigen geradestehen müssen. Ich bete für euch verblendeten! Gott vergebe euch, denn ihr wisst nicht, was ihr tut! Ihr müsst diesen Wahnsinn begreifen, den ihr hier mitmacht! Jesus kommt bald wieder!

http://www.youtube.com/watch?v=6umYEsNvC6k&feature=player_embedded

Quelle: www.atheisten-info.at

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

 




Schöne Scharia


 

Das in jüngster Zeit verstärkte Auftreten von Salafisten in der deutschen und österreichischen Öffentlichkeit (siehe Koranverteilung) hat ein Thema in den Vordergrund gerückt, von dem islamische Extremisten (aber nicht nur sie) behaupten, es sei mit unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung problemlos zu vereinbaren: die Scharia. Es lohnt daher, sich mit der Sache noch einmal auseinander zu setzen.

In der westlichen Welt gilt die islamische Gesetzgebung (grob gesprochen Scharia =  Koran + Sunna) als unzivilisiert, primitiv, grob, ungebildet, brutal, grausam, blutrünstig und gnadenlos, in einem Wort barbarisch. Dagegen sei okzidentales Recht fortschrittlich, zivilisiert, kultiviert, menschlich und mitfühlend. Die „Werte“ der einen Kultur scheinen jeweils die exakten Antonyme der anderen zu sein.

Unterschiedliche Kulturen haben also nicht nur völlig andere Strafsysteme, sondern vor allem konträre Ansichten darüber, wie welcher Untat, die Menschen von Menschen angetan werden kann, am besten geeignet begegnet werden kann. Was der einen als „menschlich“ gilt, wird von der anderen als „unmenschlich“ gegeißelt. Damit stehen wir unmittelbar vor der Frage, welchem Zweck Strafe dienen soll, und wie sich eine Gesellschaft effektiv vor Schaden durch Verbrechen schützen kann. Es kann davon ausgegangen werden, dass in der Historie des homo sapiens niemals Verbrechen einfach hingenommen wurden. Keine Gemeinschaft kann es sich leisten, dass an ihren Grundfesten genagt wird, wenn sie auf Dauer überleben will. So gehört eine angemessene Reaktion der Gesellschaft auf schädigende Aktivitäten einzelner ihrer Mitglieder zum Überleben elementar notwendig dazu. Die Methoden und Zielsetzungen der Verbrechensverhinderung allerdings haben sich im Laufe der Geschichte grundlegend gewandelt.

Abschreckung und Sühne, Rache, Wiedergutmachung des angerichteten Schadens, Wiedereingliederung in die Gemeinschaft (Resozialisierung) sind gebräuchliche Worthülsen in diesem Zusammenhang. Es schwingt auch immer die Frage mit, wie dem Gebot der Menschlichkeit am besten Rechnung getragen werden könne, wobei auch im westlichen Recht die Diskussion erlaubt sein muss, wem diese zumindest überwiegend zu gelten habe: dem Opfer oder dem Täter? In der modernen Rechtsprechung werden diese Prioritäten von den Betroffenen wohl nicht immer als sauber getrennt anerkannt. Je mehr sich das Gesetz vom reinen Rachegedanken löst, umso schwieriger wird diese Auseinandersetzung ganz offensichtlich.

Das islamische Recht stützt sich eindeutig auf Abschreckung, damit möglichst unkompliziert Frieden, Recht und öffentliche Ordnung gar nicht erst angetastet werden. Geschieht dennoch ein Unrecht, so wird ohne großen Aufwand an Gefängnissen und Strafvollstreckung gerichtet. In der ursprünglichsten Form treten die Hüter der Religion als Richter auf, da sie – anders als heute bei uns – gleichzeitig Rechtsgelehrte sind, was sich bereits aus der nicht vorhandenen Trennung von Religion und Staat zwingend ergibt. Rechtsprechung ist dabei eine Form der Umsetzung des Willens Allâhs. Keine Einzelregelung der praktischen Rechtsanwendung darf diesem Willen widersprechen, sie darf sich immer nur im vorgegeben Rahmen bewegen.

Und warum dann diese „Grausamkeiten“? Nehmen wir den Fall des Diebes, denn Diebstahl wird in allen Gesellschaften geahndet, doch auf völlig unterschiedliche Weise. Im alten germanischen Recht (zum Beispiel im vorchristlichen Island) stand in aller Regel die Wiedergutmachung im Vordergrund, der angerichtete Schaden musste in genau festgelegter Form kompensiert werden. Gefängnisse waren unbekannt. Allenfalls wurde eine Verstoßung aus der Gruppe angeordnet und der Täter musste sich forthin allein und ohne Gruppenhilfe durchs Leben schlagen. Heute wird bei uns – vor allem im Wiederholungsfall – der Täter für eine Weile hinter Gitter gesperrt mit dem Ziel, er möge doch nach seiner Entlassung so weit resozialisiert sein, dass er zukünftig keine Straftat mehr begehe. Nur zu häufig trügt diese Hoffnung und der Rückfall wird zur Regel.

Gemäß der Scharia wird demselben Dieb die Hand abgehackt – und das möglichst öffentlich. Strafe muss nach islamischer Auffassung streng und exemplarisch sein, denn: „Das Leben kann nicht sicher sein, wenn die gewohnheitsmäßigen Verbrecher unbearbeitet sich selbst überlassen werden. Es ist besser streng zu einem zu sein, als unnötigerweise nachsichtig und dadurch viele zu zerstören und das Leben von Millionen anderer einer Gefahr auszusetzen“.

Es ist hier nicht der Ort zu diskutieren, welche der drei angerissenen Grundvorstellungen (Wiedergutmachung, Resozialisierung und Abschreckung) effektiver sind, oder welche mögliche Mischung am besten zum gewünschten Erfolg führt. Es geht weiter nur um den Punkt der Menschlichkeit in moslemischer Sicht. Islamisches Recht löste nach deren Vorstellung die vorislamischen Systeme radikal ab, in denen Unmenschlichkeit und Rache im Vordergrund standen. Menschlichkeit habe sich zuallererst denen gegenüber zu zeigen, die vor Verbrechen geschützt werden sollen. Doch selbst beim Verbrecher wird – zum Beispiel bei einer Auspeitschungsstrafe – jeweils ausführlich erörtert, wie die Peitsche beschaffen sein soll und welche Körperpartie getroffen werden muss. Wer die Verbrechensquote radikal reduzieren will, komme nicht darum herum anzuerkennen, dass das „göttliche“ Gesetz Allâhs jedem von Menschen gemachten Gesetz klar überlegen sei. Es sei auch nicht veraltet – so ein weiterer Vorwurf des Westens – sondern seit 1.400 Jahren modern und dynamisch, selbst wenn es nicht in allen islamischen Staaten gleichermaßen streng zur Anwendung gelange. Grundgedanke bleibe immer die „Opferung des Einzelnen zum Wohle des Ganzen“. Daran dürfe sich nichts ändern. Das sei auch nicht etwa antiquiert. Veraltetes Recht gäbe es lediglich in Gesellschaften, die je nach sich änderndem Empfinden fortwährend neue Gesetze einführten, und damit altes Recht obsolet werde.

Im Islam aber gibt es keinen sich irgendwelchen Trends unterwerfendes als Modernismus getarntes Recht vergleichbarer Art, sondern nur dynamisches, lebendiges Recht, das seit 1.400 Jahren noch immer modern und progressiv sei. Da dieses Gesetz von Allâh selbst stamme, steht es Menschen natürlich nicht zu, es zu ändern, aufzuheben oder es gar zu widerrufen. „Somit ist es an der Zeit, dass der fehlbare, abendländische Homo sapiens seine „modernen“ Standpunkte der Verachtung für das islamische Recht ändert, sodass er seinen geistigen und materiellen Wohlstand gewährleisten und eine geordnete Gesellschaft auf Gerechtigkeit basierend frei von Verbrechen schaffen kann“.

Die Gedanken zum islamischen Recht geben in etwa das wieder, was man in einem speziellen Land, nämlich Brunei, von dem Wirken der Scharia meint, und was der Sultan von Brunei in einer Konferenz vorgetragen hat. Mehr in der Brunei Times.

Unabhängig davon, wie man die Frage beantworten mag, ob diese Art der Abschreckung zielführend ist oder nicht, bleibt nachzuprüfen, welches denn nun die entsetzlichen Verbrechen sind, vor den abgeschreckt werden soll. Ganz oben an stehen nämlich nicht etwa Mord und Diebstahl, die in allen Gesellschaften geahndet werden, sondern Blasphemie, Ehebruch und Homosexualität. Die weitaus größte Zahl an drakonischen Bestrafungen fällt mithin ausgerechnet auf „Delikte“, die einem normalen Menschen nicht einmal ein verwundertes Lüften der Augenbrauen entringen würden. Da liegt die Crux: Nicht so sehr wie die Moslems bestrafen, sondern was sie bestrafen, ist in erster Linie verabscheuungswürdig, menschenfeindlich und mittelalterlich. Doch das hat sich in Teheran, Kabul, Islamabad oder Riyadh noch nicht herumgesprochen.

 

Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

 




Glaubensfragen


girl-20878_1280Ein Gastbeitrag von Prof. Dr. Uwe Hillebrand, zuerst publiziert am 10. Januar 2012, doch immer noch aktuell (Bild: PublicDomainPictures, pixabay):

Macht und Einfluss der Kirchen in unserem Staatssystem beruhen auf der Anzahl ihrer Mitglieder, die freilich nicht mit der Anzahl der wirklich Gläubigen gleichgesetzt werden darf. Denn diese ist entschieden geringer als die Gesamtzahl der offiziellen Mitglieder. Viele bleiben Mitglied ihrer Kirche, da sie hoffen, dass der Gott der Christen, falls es ihn wider Erwar-ten doch geben sollte, am Ende ihres Lebens wenigstens die von ihnen brav gezahlten Kirchensteuern honorieren würde. Allerdings setzen sie dabei voraus, dass sich der Gott auf so einen Kuhhandel einlassen würde. Jeder ehrliche Atheist würde ihm lieber sein als solch ein berechnendes Mitglied seiner Kirche, wenn es denn seine Kirche ist.

Es gibt zwei verschiedene Arten von Gläubigen. Zum einen diejenigen, die das Denken ihrer Kirche überlassen, und zum anderen die der Kirche gegenüber durchaus kritisch eingestellten Gläubigen. Sie sind sich wohl dessen bewusst, dass die Kirche, besser ihre Leitung, aus Men-schen besteht (Pastoren, Bischöfen, Kardinälen, Päpsten), denen sie und damit ihrer von ihnen verbreiteten Lehre durchaus Fehler zugestehen, menschliche Fehler. Alles, was sich positiv darstellt, lässt sich für sie auf den Einfluss Gottes zurückführen, Negatives lasten sie, wenn es keinen anderen Ausweg gibt, den Kirchenvertretern, also Menschen, an. In diesem Sinne sind für sie fragliche Punkte der kirchlichen Lehre interpretierbar – was ja auch zum Überleben der Kirche selbst gehört –, oder sogar in gewissen Grenzen verhandelbar.

Aus diesem Grund ist es sinnlos, gläubige Christen z.B. mit offensichtlichen Widersprüchen in den Evangelien zu konfrontieren, wobei noch hinzukommt, dass in der Beziehung bei ihnen eine quasi grenzenlos zu nennende Unwissenheit herrscht. Unwissenheit über ihren Glauben. Losgelöst davon ist für sie die Existenz Gottes ein Faktum, weswegen ihnen die folgende Frage gestellt werden kann, sie lautet: „Haben Sie ihren Gott schon einmal gesehen?“ Die Frage wurde richtig gestellt, denn es heißt, es gebe nur einen Gott, der sich auf drei Personen aufteile. Sollte man also Gott sehen, so kann es sich um die Person Gottvater, die Person Jesus oder die Person Heiliger Geist handeln, wobei man sich unter der Person Heiliger Geist als Nichttheologe absolut nichts vorstellen kann. Aber auch Theologen werden da so ihre Schwierigkeiten haben. Die Sache ist aber nicht relevant, da kein Mensch auf unserer Erde einen der drei je gesehen hat. Die Antwort lautet somit „Nein“. Anders ausgedrückt bedeutet dies gleichzeitig, dass sich der Gott der Christen – sofern es ihn gibt – einfach nicht zeigen will, und die Frage muss erlaubt sein, warum denn nicht. Eine Antwort auf diese Frage gibt Jesus. Nach Johannes 20/29 (Einheitsübersetzung) sagte er zu Thomas: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben. Also, wo ist das Problem?   

Auch in längst vergangenen Zeiten glaubten die Menschen an Götter, die sie niemals gesehen haben, etwa die alten Griechen an den Göttervater Zeus, die Ägypter an den Gott Horus, die Perser an Ahura Mazda oder die Römer an Mithras, nur mit dem Unterschied, dass es diese Götter nicht gab, sagen die christlichen Kirchen. Also konnten die sich auch gar nicht zeigen.

Im Brief an die Hebräer 11,6 heißt es:

Ohne Glauben aber ist es unmöglich, (Gott) zu gefallen; denn wer zu Gott kommen will, muss glauben, dass er ist und dass er denen, die ihn suchen, ihren Lohn geben wird.

Man muss also an die Existenz des Gottes glauben. Ihn darüber hinaus noch wenigstens ein-mal sehen zu wollen, ist dann offenbar nicht mehr notwendig. Im Gegenteil scheint dieses Anliegen sogar unredlich zu sein, und man fragt sich, warum das so sein soll. Wenn jemand im täglichen Leben etwas glaubt, von dem er gar nichts weiß, macht er sich unter Umständen lächerlich, aber nicht so bei seiner Religion. Daran zeigt sich eindeutig die Unlogik des religi-ösen Glaubens. Folgt man der Meinung von Gläubigen, so könne ihr Gott sehr wohl erschei-nen und der Welt beweisen, dass er existiere, wobei die Frage bleibt, wer das denn wissen will. Wenn er aber erschiene, dann wäre kein Glauben mehr notwendig, man würde ihn ja sehen. Deswegen erscheint er nicht. Wie man sieht, ist die Begründung in sich logisch. Zu dieser Ausrede der Gläubigen ist allerdings noch zu sagen, dass nach übereinstimmender An-sicht aller christlichen Kirchenvertreter Gott ein Wesen ist, was per definitionem unsichtbar bleiben muss, weil so ein Wesen keinen Körper hat. Wenn Gott sich also zeigen wollte, dann müsste er folglich zu diesem Zweck Gestalt annehmen. Wenn er uns Menschen erscheinen wollte, wäre es ganz passend, er würde dann ebenfalls als Mensch auftreten, vielleicht ein wenig größer als üblich, das würde die Menschen mehr beeindrucken. Einige Gläubige, die die Frage nach der Sichtbarkeit Gottes schon kennen, stellen mitunter die Gegenfrage, ob man denn die Liebe schon einmal gesehen habe. Nun, die Liebe, die wir ja fast alle schon erlebt haben, ist ein Gefühl, und Gefühle kann man nicht sehen. Gott aber soll eine Person sein, die könnte sich ruhig einmal zeigen, wenigstens  eine von den erwähnten eigentlich drei Personen. Übrigens sollte man einmal darüber nachdenken, wie ein Wesen eine Person und eine Person ein Wesen sein kann. Und was ist überhaupt ein Wesen?

Die zweite Frage lautet: „Haben Sie ihren Gott schon einmal sprechen gehört?“ In der Bibel steht geschrieben, dass Gott früher zu den Menschen gesprochen haben soll. So teilte er Adam seine Vorschriften für das Leben im Paradies mit, oder er sprach zu Noah über dessen Arche, mit der dieser der angekündigten Sintflut entkommen würde. Schade nur, dass mittlerweile sogar der Papst zugeben muss, dass es weder Adam noch Noah gegeben hat. Zu wem mag Gott dann gesprochen haben? Da die schriftlichen Zeugnisse der Vergangenheit demnach wohl nicht allzu verlässlich sind, müssen wir uns auf die heutige Zeit beschränken.

Die Möglichkeit, Gott selbst sprechen zu hören, ist das Gebet eines Gläubigen. Denn es heißt, so ein Gebet sei ein Zwiegespräch mit Gott. In einem Zwiegespräch sagen üblicherweise beide Gesprächspartner etwas, etwa tauscht man seine Meinungen aus. Im Unterschied dazu redet hierbei der eine, gemeint ist Gott, nie. Daher sollte man zum Beten lieber Selbstgespräch sa-gen, bei dem Gott zuhört, das träfe den Kern am ehesten. Dabei gibt es aber ein ernstes Prob-lem. Jeder Mensch auf der Welt kann zu Gott beten, er muss nur Christ sein. Nun gibt es über 2 Milliarden Christen. Wenn nur 0,001 % gleichzeitig beten, sind das etwa 20000 Gläubige. Wie kann Gott dabei etwas verstehen? Und wenn er doch irgendetwas verstehen könnte, so müsste er Tausende von Sprachen beherrschen. Denn nur so könnte er mit dem, was er hört, auch etwas anfangen. Ist Gott ein Sprachgenie? Nein, sagen die Gläubigen, er sei halt göttlich, und ein Gott verstehe eben alle Sprachen, auch ohne Dolmetscher. Es ist bewundernswert, wie einfach doch Religion mitunter sein kann. Ein Pfarrer sagte einmal, Gottes Stimme sei keine Stimme, die Worte und Schallwellen brauche, sie sei eher eine innere Stimme. Das versteht auch jemand, der nicht Theologie studiert hat. Man spricht ja bei der inneren Stimme öfter von einem Wink des Schicksals, von einer Eingebung, oder dass einem plötzlich ein Licht aufgegangen sei. Für einen wirklich gläubigen Menschen ist das nichts anderes als die Stimme Gottes. Nur die wirkliche akustische Stimme Gottes, die hat noch niemand gehört, was auch jeder Gläubige (hoffentlich) zugeben wird, auch wenn er es viel besser fände, wenn sein Gott mal etwas sagen würde. Und dieses permanente Schweigen ist eigentlich seltsam, denn es gab doch in der Menschheitsgeschichte so viel Dinge, die von ihm hätten richtig gestellt werden müssen. Dazu hätte doch ein Machtwort seinerseits genügt. Wie viel Leid wäre so den Menschen erspart geblieben. Oder hat er gar keine akustische Stimme, was wiederrum logisch wäre? Denn unsereins hat Stimmbänder und eine Zunge zum Sprechen, ein Wesen wie Gott aber nicht, denn Wesen haben wie gesagt keinen Körper. Also kann er nicht sprechen, und niemand kann ihn demzufolge sprechen gehört haben.

Die dritte und letzte Frage lautet: „Hat Ihr Gott schon einmal nachweislich irgendetwas für Sie getan?“ Zunächst werden sicherlich viele Gläubige diese Frage bejahen. Sie werden begeistert oder auch ehrfürchtig davon berichten, wie ihnen in ganz bestimmten Situationen nur Gott geholfen haben kann. Das liegt dann daran, dass ihnen die Bedeutung des Wortes „nachweislich“ in diesem Zusammenhang nicht geläufig ist. Die Antwort auf die letzte Frage muss also ebenfalls „Nein“ lauten. Zeugen für die Existenz des christlichen Gottes gibt es somit nicht. Aber muss es eigentlich welche geben? Es genügt doch völlig, wenn man glaubt, dass er existiert. Und wohl kein Gläubiger würde daran glauben, dass er nicht existiert. Denn zu wem würde er dann beten, an wen würde er seine Bitten richten, bei wem würde er sich bedanken, wem seine Sorgen mitteilen?

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

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Klassenunterschiede fördern Religion


Pyramid_of_Capitalist_SystemWas auf dieser Homepage (atheisten-info) ziemlich regelmäßig festgestellt wird, kann nun auch in der Nr. 1/2013 der Zeitschrift "Bild der Wissenschaft" nachgelesen werden. Je größer die Klassenunterschiede in den Gesellschaften sind, desto höher ist die Bedeutung der Religion. Und umgekehrt: je mehr Bedeutung Gleichheit in einer Gesellschaft hat, desto säkularer und religionsfreier ist sie.

Die Religion als "Opium des Volkes" erfährt eben genau dann Nachfrage, wenn die entsprechende Definition von Karl Marx zutrifft: "Das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elendes und in einem die Protestation gegen das wirkliche Elend. Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volkes."

Das Ausmaß des Leidens der bedrängten Kreatur in einer herzlosen Welt, verbunden mit geistlosen Zuständen ist und bleibt die wesentliche Voraussetzung für die Bedeutung von Religion.

Einige markante Sätze aus dem BdW-Artikel
von Rüdiger Vaas, GÖTTLICHE GESELLSCHAFTEN:

• "Je ungerechter es in einer Gesellschaft zugeht und je weiter die Schere zwischen den Einkommen geöffnet ist, desto höher ist der Stellenwert der Religion (..). Und: In Ländern mit größeren Einkommensunterschieden sind sowohl ärmere als auch reichere Menschen eher religiös als in Ländern mit geringeren Unterschieden – Reiche sogar überproportional stark. In wirtschaftlich ausgeglichenen Ländern sind sie dagegen weniger religiös als die Armen."
• "Atheistischere Länder sind friedlicher. Das zeigte der britische Religionswissenschaftler und Biologe Tom Rees mit einer Auswertung des Global Peace Index 2009. Dieser bewertet den Friedensgrad anhand von 23 Kriterien – darunter Kriege, Bürgerkriege, das Ausmaß von Menschenrechtsverletzungen und Waffenhandel, die Zahl der Morde und der Gefängnisinsassen sowie der Grad der Demokratisierung. Wie friedlich ein Land ist, korreliert positiv mit dem Prozentsatz der Atheisten und negativ mit dem Prozentsatz derjenigen religiösen Menschen, die (..) mindestens einmal im Monat einen Gottesdienst besuchen."
• "Viele Studien haben auch einen engen Zusammenhang zwischen Ängstlichkeit und Religiosität nachgewiesen. Einerseits sind religiöse Menschen ängstlicher, andererseits kann Religion die Angst auch mindern. Dies ist eine weitere Erklärung, warum in kritischen Situationen und instabilen Ländern mehr Menschen gläubig sind."
• "Wenn es um das Ausmaß des Glaubens geht, ist das Einkommen des Einzelnen weniger wichtig als die Qualität der Gesellschaft: In Ländern mit größeren Problemen sind mehr Menschen religiös – unter den Armen genauso wie unter den Reichen. In stark religiösen Ländern sind Nichtreligiöse im Schnitt unglücklicher als Religiöse. In weniger religiösen Ländern haben sie hingegen weniger negative Emotionen als ihre religiösen Mitbürger. Das Fazit (..) lautet: In besser gestellten Gesellschaften leben mehr Nichtreligiöse, und sie fühlen sich tendenziell gleich gut oder besser als Religiöse – in Ländern mit ungünstigeren Lebensbedingungen dagegen haben Religionen mehr Anhänger, und religiöse Menschen fühlen sich besser als nichtreligiöse."
• "Höhere Steuern verringern in demokratischen Gesellschaften das Auseinanderklaffen der Einkommensschere und die 'Ausbeutung' öffentlicher Mittel. In Ländern mit mehr religiösen Menschen sind die Einkommensunterschiede in der Regel größer, die Steuersätze niedriger und die staatlichen Sozialausgaben geringer. Aber warum geben Länder mit einer religiöseren Bevölkerung weniger für die soziale Wohlfahrt aus? Die Antwort klingt überraschend: Weil es eine Mehrheit der Gläubigen so will. Denn nichtreligiöse Menschen befürworten staatliche Wohlfahrt meist stärker als religiöse."
• "Länder, in denen der Glaube eine relativ geringe Rolle spielt, schneiden im Hinblick auf den Zustand ihrer Demokratie besser ab – Spitzenreiter sind nordeuropäische Nationen."
• Und Religion war und ist deshalb ein Herrschaftsmittel: "Religion lässt das Interesse an materiellem Wohlbefinden sinken und verspricht Belohnung im Jenseits. Dadurch bleiben die Privilegien der Reichen bestehen, genau wie die Bedingungen sozialer Ungleichheit."

Der neue Papst Franz kommt aus Südamerika, wo die Religion genau aus den hier angeführten Gründen weitaus mehr Bedeutung hat als in Europa. Die soziologischen Hintergründe für diesen Sachverhalt sprechen somit ganz klar gegen die gesellschaftliche Bedeutung von Religion und für säkulare Gemeinschaften. Die Religionen müssten daher darauf setzen, dass der zurzeit herrschende Neoliberalismus weiterhin die Lebens- und Arbeitsbedingungen für die Masse der Menschen verschlechtert. Der Papst machte des öfteren Äußerungen zugunsten der Armen. Womit er dabei aber kaum das Herangehen der Befreiungstheologen meinte, nämlich die Verhältnisse zu ändern, sondern sozusagen ein Mehr an Almosen forderte. Klostersuppensozialismus bringt den Menschen kaum was, hält aber die Klassenverhältnisse stabil: wenn die Klassenunterschiede groß sind, dann ist auch die Religion groß, weil der bedrängten Kreatur in einer herzlosen Welt die Religion als – vielleicht einzige – Hoffnung bleibt.

Für eine bessere, eine gerechtere Welt zu sein, gegen die ständig steigende Ausbeutung, gegen Banken und Konzerne und raffgierige Manager aufzutreten, verbessert auch die geistigen gesellschaftlichen Verhältnisse, weil das "Opium des Volkes" weniger Suchtgefahr verbreitet, wenn die Verhältnisse besser werden. Seit dem Konkurs des Realsozialismus und dem daraus folgenden politischen Niederbruch der Sozialdemokratie und der Spezifizierung der heutigen Linken auf eine Art Almosensozialismus für Randgruppen sind allerdings die Verhältnisse so, dass "Reformen" grundsätzlich nur noch Verschlechterungen für den Großteil der Bevölkerung bedeuten und speziell die Christenparteien ihre menschenfeindlichen Ideen wieder wie ehedem umsetzen können. In den aufgeklärten europäischen Staaten wird es trotzdem nicht möglich sein, die alten Voraussetzungen für Religiosität der breiten Masse der Bevölkerung wieder zu steigern.

Denn das "Kommunistische Manifest" schloss mit dem Satz "Die Proletarier dieser Welt haben nichts zu verlieren als ihre Ketten. Sie haben eine Welt zu gewinnen. Proletarier aller Länder, vereinigt euch!" In den letzten 150 Jahren haben durch die Arbeiterbewegung die arbeitenden Menschen zwar ihre Ketten nicht verloren, aber in wahrnehmbarem Ausmaß eine neue Welt mit besseren Lebens- und Arbeitsbedingungen gewonnen. Und diese gewonnene Welt noch mehr zu verlieren, dagegen werden sich die Menschen zur Wehr setzen, der Neoliberalismus kann nicht endlos so weiter machen wie bisher, es kommt nicht die Situation, dass die Menschen in ihrer Bedrängung wieder religiös werden, sondern dass die Laternen zu wenig sein werden, um die für die Bedrängung und Ausbeutung Verantwortlichen daran aufzuhängen.

Ca Ira! Das geht ran!

http://www.youtube.com/watch?v=-0rgnqj2dBk&feature=player_embedded

Das war historisch schon mal. In der französischen Revolution ging es um die Aristokraten. Für diese gibt es im Neoliberalismus die passenden Äquivalente für den schon langsam anschwellenden Volkszorn. Wenn allerdings die politische Linke weiterhin nur Trostpflaster verteilt für die Löcher, die der Neoliberalismus in die Menschenköpfe schlägt, dann kann der Volkszorn auch von der falschen Seite kommen. Das hatten wir auch schon einmal. Die Linke wird daher wieder sozialistische Politik machen müssen und keine almosensoziale, mit Karl Marx für die arbeitenden Menschen und eine gerechte Gesellschaft!

Quelle: www.atheisten-info.at

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

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Der Falschspieler - von Jonathan


Dieses Thema handelt von der christlichen Vorstellung der Anfänge der angeblich von Gott geschaffenen Welt und des kurz darauf eintreffenden Übels, scheinbar ausgelöst von einer Person, die als Satan der Teufel in der Bibel beschrieben wird.

Ich selbst verstehe es als kritische Hinterfragung, wenngleich es als purer Spott, vielleicht sogar Hass in den Augen eines eifrigen Theisten gesehen werden dürfte.

Wie auch immer sie aufgefasst wird, mir liegt es fern, jemanden mit meinen Aussagen zu kränken oder auf den Schlips zu treten, jedoch befürchte ich, dass sich eben dieses nicht vermeiden lassen wird im Zuge der Auseinandersetzung mit dem Thema.

In diesem Fall möchte ich darum bitten, meine Intention, nämlich die kritische Hinterfragung, zu berücksichtigen und sich die eine oder andere Äusserung vielleicht nicht ganz so sehr zu Herzen zu nehmen.

Doch bevor ich beginne meine Gedanken darzulegen, möchte ich noch einmal darauf hinweisen, dass es sich nur um eine These handelt.

Und da eine These eine Behauptung ist, deren Begründung infrage steht, hoffe ich, dass auch mit dieser als einer solchen umgegangen wird. Sie ist infrage zu stellen.

Vorab ein paar Worte zu einem der beiden „Protagonisten“, Satan.

Wer oder was ist eigentlich Satan? Man kennt ihn unter den verschiedensten Kosenamen. Gog von Magog, Urschlange, Teufel, Belzebub, und und und.

Die Bezeichnung „Satan“ kommt aus dem Hebräischen und bedeutet so viel wie „Widersacher“. In der Bibel wird er auch Ankläger Gottes genannt, wie aus Sacharja 3:1 hervorgeht, wo gesagt wird, dass Gott dem Satan verbietet, eine Anklage vorzubringen. Auch die Bezeichnung Zweifler ist sehr treffend. Das zeigt das erste Kapitel im Bibelbuch Hiob, in welchem Satan Hiobs Lauterkeit anzweifelt. Und wie wäre es mit Versucher? Passt hervorragend, wenn man im Hinterkopf behält, dass er ja Jesus auf einem Berg drei Mal hintereinander versuchte (Nachzulesen in Matthäus 4:1-11).

Scheinbar ein ziemlich fieser Kerl. Na ja, es kommt sicherlich auch nicht von ungefähr, dass man ihn für alles Übel auf der Welt verantwortlich macht, wenn man bedenkt, dass er ja im Garten Eden die erste Frau dazu veranlasste, vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse zu essen und somit Unvollkommenheit inklusive Sünde über die Menschheit brachte.

(In den Hebräischen Schriften aber bezieht sich das Wort ßatán nicht nur auf das Geistgeschöpf, welches sich als Gegner Gottes darstellt. In vielen Fällen bezeichnet es Personen, die Widerstand gegen andere leisteten, aber das nur am Rande.)

Kurze Beschreibung abgeschlossen, widmen wir uns der Person des Satans in der Bibel.

Die sicherlich bekannteste Stelle ist die, in welcher er durch eine Schlange Adam und Eva dazu treibt, vom bereits genannten verbotenen Baum zu essen.

Was hat er damit ausgelöst?

In Kurzform wurde es bereits gesagt, Unvollkommenheit und die damit einhergehende Sünde waren die Konsequenzen. Doch was war das genau? Was geschah dort eigentlich, wenn man ein wenig hinter die Geschichte blickt, die man so leichtfertig dahersagt?

Mal ins Details gegangen:

Gott schuf den Garten Eden. Garten wird in der Septuaginta (der ersten griechischen Bibelübersetzung) mit paradeisos wiedergegeben, was auf ein Paradies schließen lässt.

Gott schuf also dieses Paradies, und, vollkommen und perfekt wie Gott nun einmal ist, sollte man davon ausgehen, dass das, was er schafft, auch perfekt durchdacht und schlichtweg gut ist. Und wenn schon nicht ganz perfekt, dann zumindest richtig super konstruiert. Nun aber kam die Feuertaufe – Die Urschlange. Aber halt!

Brustsilikonimplantate.

Brustimplantate aus Silikon? Was haben die denn nun mit dem Garten Eden und dem Sündenfall zu tun?

Eine ganze Menge. Bevor Brustimplantate auf den Markt kommen, werden sie Tests unterzogen. Sie werden z. B. bis zu 10.000 Mal zusammengepresst, was die normalen Belastungen simulieren soll. Sind sie vor Abschluss des Tests beschädigt, landen sie auf dem Müll – Test nicht bestanden. Also heißt es, die Sache zu verbessern. Man setzt sich hin, prüft intensiv, schaut nach, wo die Schwachstellen sind und versucht sie auszubessern, sodass das Endprodukt möglichst perfekt wird – immerhin steht die Gesundheit von Menschen auf dem Spiel.

Durch Tests ein möglichst gutes Endprodukt erstellen und somit keine Leben bzw. Gesundheit gefärden, lautet die Devise.

Eine selbstverständliche Sache – zu selbstverständlich für Gott?

Fakt ist, dass seine Schöpfung, das wohl größte Werk seiner allmächtigen Kraft durch einen Windhauch (oder ein paar gehauchte Worte…) ins Wanken und schließlich zu Fall gebracht wurde.

Seine Schöpfung hielt schon dem allerersten Test nicht stand.

Recht bezeichnend, möchte ich meinen. Ist Satan nun dafür zu verdammen, dass er Gottes offensichtlich recht fehlerhafte Schöpfung testete, dass sie so konstruiert war, dass sie nicht einmal ein paar Worten standhalten konnte?

Ist Satan wirklich für so viele Taten zu verdammen? Ist er das große Übel, das Böse dieser Welt?

Das ist die Frage, die sich wie ein roter Faden durch meinen Essay zieht.

Ist Satan wirklich dieses Böse?

Um ein wenig Form in das Ganze zu bringen, möchte ich nun gern eine Gliederung angeben.

Im Folgenden werde ich mich mit zwei großen Oberpunkten befassen. Der erste handelt Von der satanischen Göttlichkeit.

Zu diesem Oberpunkt gehören wiederum zwei Unterpunkte, nämlich

  1. Die satanischen Gottesvergleiche oder Die göttlichen Satansvergleiche
  2. Gottes satanische Taten

Nach diesem ersten großen Oberpunkt folgte der zweite, mit dem Titel Des Guten Bosheit.

In diesem Abschnitt werde ich mich mit näher mit Gottes Wirkung und seiner Person beschäftigen.

Nach der Abhandlung beider Punkte werde ich ein Resumèe aus dem Gesagten ziehen.

Doch nun zum ersten Oberpunkt.

Von der satanischen Göttlichkeit

1. Die satanischen Gottesvergleiche oder Die göttlichen Satansvergleiche

In diesem Abschnitt geht es um, wie aus der Überschrift ganz klar hervorgeht, Vergleiche. Ich werde in diesem Abschnitt 2 Vergleiche aufstellen, zwischen Taten Satans oder zumindest Taten, welche man als satanisch bezeichnen würde, und Gottes Taten.

A.) Die Massenmorde

Herodes, Judäa’s König zur Zeit der Geburt Jesu, war kein  netter Typ. Er wollte Jesus, welcher als Thronfolger prophezeit war, fix aus dem Weg räumen. So schickte er einige Männer los, die Jesus ausfindig machen sollten. Ein heller Stern zeigte ihnen den Weg. Interpretationen zur Folge hatte Satan diesen Stern auf den Plan gerufen, damit Gottes Sohn gefunden und getötet werden könnte.

Als dieser Plan missglückte, lies Herodes alle Kinder im Alter von bis zu zwei Jahren töten, mit der Hoffnung, Jesus zu erwischen. Somit wollte er sich seine Herrscherstellung sichern.

Eine widerliche Greueltat sonder Gleichen. Die Ermordung Unschuldiger, ein wahrer Massenmord an Personen, die mit dem Geschehen nichts zu tun hatten.

Wahrhaft teuflisch.

Ein weiterer, nicht so ganz netter Kerl war ein gewisser Pharao aus Ägypten. Vor diesen Pharao traten Moses und Aaron mit der Bitte, die Israeliten, Gottes Volk, aus ägyptischer Gefangenschaft ziehen zu lassen.

Nach der Weigerung des Pharaos, kam es schließlich zu den 10 Plagen, die Gott über Ägypten brachte.

Eine dieser Plagen war der Mord aller Erstgeborenen Ägyptens.

Die Ermordung Unschuldiger, ein wahrer Massenmord an Personen, die mit dem Geschehen nichts zu tun hatten.

Wahrhaft.. hm.. Göttlich?

B.) Die Prüfungen

Da war ein Mann namens Hiob. Allem Anschein nach ging es ihm gar nicht so schlecht, er hatte ein Haus, Kinder, Frau, Vieh zum Weiden und er glaubte fest, mit ganzem Herzen an Gott.

Satan stellte die Behauptung auf, das Eine resultiere aus dem Anderen, sprich: Hiobs Glaube an Gott sei so unerschütterlich und fest, gerade weil es ihm so gut ginge. Nähme man ihm alles weg, würde er Gott sicherlich verfluchen.

Gott nun fiel auf diese Provokation blauäugig herein und willigte ein in dieses teuflische Spiel.

Hiob 1:12 sagt deutlich, worum es geht. Dort heißt es:

„Da sprach der Herr zum Satan: Siehe, alles, was er hat, sei in deiner Hand; nur nach ihm selbst strecke deine Hand nicht aus!(…)“ (Schlachterübersetzung)

Gott willigte ein, dass Hiob, einem Mann, welcher ihn (Gott) liebte, einem ergebenen Diener, alles weggenommen werden darf.

Und so geschah es. Verfolgt man den Bibelbericht, wird deutlich, was genau Gottes Einverständnis auslöste: Hiobs Vieh wurde verbrannt (Die Bibel spricht hier davon, dass ein Augenzeuge dieses Feuer interessanterweise „das Feuer Gottes“ nennt), seine Kinder starben, ermordet und durch eine Naturkatastrophe dahingerafft, Hiob selbst wurde von einer schrecklichen Krankheit geschlagen, drei seiner Freunde warfen ihm vor, ein schlechtes Leben geführt zu haben und am Ende war sogar seine Frau gegen seine Liebe zu Gott.

Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass ihm alles genommen wurde. Zwar genommen von Satan, welcher all das veranlasste, jedoch unter der schützenden Hand Gottes. „Alles, was er hat, sei in deiner Hand.“ „Mach ruhig, du darfst das, Satan, du hast meine Erlaubnis, diesem Mann (der einer meiner treuen Diener ist) Schlechtes zu tun.“

Und warum das alles?

Einzig und allein, um Hiobs Lauterkeit zu testen. Um Hiobs Lauterkeit vor Gottes Feind zu testen (was direkt bedeutet, dass Hiobs Wohlergehen von Gott als geringer angesehen wurde als die Notwendigkeit, sich selbst vor Satan zu beweisen).

Wie schön, dass Gott diesen Test über Hiob ergehen lies, ihn versuchte, so ist seine Lauterkeit weiterhin ein Vorbild.

Eines Tages streifte Jesus durch die Wüste, allein. Er fastete vierzig Tage und vierzig Nächte. Schließlich kam Satan zu ihm und stellte ihn auf die Probe. Er nutzte Jesu Bedürfnisse als Sprungbrett für seine Versuchungen.

Widerlich, den leidenden Jesus in so einer Situation auch noch zu versuchen.

Wie kann man nur eine so lautere Person wie Jesus Versuchen? Teuflisch, dieses Werk der Versuchung!

Was zeigen diese Vergleiche?

Nun, im ersten Vergleich, wo es um die Massenmorde geht, wird deutlich, dass zum Einen Gott selbst zig Unschuldige dahinrafft, was scheinbar als richtig betrachtet wird.

Die gleiche Tat von jemand anderem ausgeübt wird als furchtbare Handlung offenbar.

Warum? Beide Male wurden unzähige Unschuldige schier abgeschlachtet!

Im zweiten Vergleich, wo es um die Prüfungen geht, fungierte im Falle Hiobs Satan als verlängerter Arm Gottes, Gott selbst legte alles in Satans Hand um Hiob zu prüfen. Gott wird nicht angeklagt.

Als Satan jedoch auf eigene Faust einen Menschen prüfte, wird er verpönt. Sogar, obwohl dieses Mal keine unschuldigen Kinder und Tiere vom „Feuer Gottes“ geschlachtet wurden.

Warum?

Wie kommt es, das Satans Taten als schlecht abgetan werden, wenn doch klar auf der Hand liegt, dass Gott zum Einen genauso handelte oder aber sogar noch schlimmer, wie im Fall Hiobs, als er sinnlos seine Kinder, die Menschen, sterben lies, nun aber Gottes Taten nicht als schlecht angesehen werden?

Satans Bosheit, in Relation zu Gottes Taten, gerät hier sehr ins Wanken.

Vielleicht aber ist es auch Gottes Göttlichkeit, welche im Vergleich zu Satan schief zu stehen scheint.

Dazu später mehr, wenn es um Gottes Eigenschaften geht.

2.) Gottes satanische Taten

Was bedeutet eigentlich satanisch? Ein Synonym, was das Internet für „satanisch“ ausspuckt, ist „infernalisch“.

Infernalisch kommt von dem Wort Inferno, welches „Hölle“ bedeutet. Das Wort Inferno bietet eine gute Einleitung in die erste einer Aufzählung von Taten Gottes (oder göttlichen Taten).

  • Ein wahres Inferno. Feuer und Schwefel regneten vom Himmel. Die Städte Sodom und Gomorra wurden wortwörtlich dem Erdboden gleichgemacht.Ein göttlicher Genozid, sämtliche Einwohner sterben. Göttlich?
  • Samaria.Von Gott für schuldig gehalten, die Kinder zerschmettert, die schwangeren Frauen aufgeschlitzt. Ein göttlicher Richtspruch. Göttlich?
  • Massenhafte Ermordung von Kindern, Alten, Frauen, Männern. Angeordneter Massenmord im Feldzug gegen Amalek. Göttliche Anordnung. Göttlich?
  • Religionsfreiheit. Eine Reihe von Israeliten wandte sich von Gott ab und betete einen Anderen an. So lies Gott 3000 Menschen zu Tode kommen. Ein göttliches Urteil. Göttlich?
  • Die bereits genannte Ermordung aller Erstgeborenen Ägyptens – Gott brauchte den Zuspruch des Pharaos um sein Volk zu befreien?! Eine göttliche Notwendigkeit, um zu morden. Göttlich?
  • Demokratie in der Ausübung der Religion: Mitglieder zweier Stämme versuchten, Priesterhandlungen demokratisch zu verteilen. Gottes Antwort auf diese Demokratie war die Ermordung von 250 Mitgliedern seines Volkes u. a. durch (göttliches) Feuer. Göttliche Alleinbestimmung. Göttlich?
  • Das Volk Israel beschwerte sich über die einseitige Ernährung, die Gott ihnen bescherte. Als Alternative (oder Rache?) wurden giftige Schlangen gesandt, die zig Israeliten töteten. Eine göttliche Strafe. Göttlich?
  • Massenhafte Ermordung vieler Stadtbewohner (z.B. derer aus Og oder Heschbon) durch Gottes Volk, die Aufzählung der Opfer besteht aus Kindern, Frauen und Männern. Göttlicher Krieg. Göttlich?
  • Gott schickt einen Engel aus, um ein assyrisches Heer von einer Stärke von 185000 Mann auszulöschen, was er auch prompt tut. Göttlicher Sieg. Göttlich?

Zwar wird in Lukas 22:31 davon gesprochen, dass Satan derjenige ist, der die Menschen wie Weizen sichten will, aber es hat doch eher den Anschein, als ob Gott hier die Sichel in der Hand hält und sie mit großzügigen Schwüngen herumreißt.

Diese Liste könnte man noch um zig Beispiele erweitern, Beispiele, welche stellvertretend für Gottes zahlreiche infernale (oder sollte ich satanische sagen?) Rache und Urteile über seine Kinder stehen.

Warum hat er diese Menschen bestraft?

Nun, in manchen Fällen spielte die Religionsfreiheit eine Rolle. Heute zählt die Religionsfreiheit zu einem Menschenrecht.

Dann wichen die Lebensweisen von Gottes Geschmack ab. Auch hier würde Gott scheinbar den Menschenrechten widersprechen (Abschnitt Egalität). Oder aber es war ein Massenmord an Unschuldigen nötig, damit Gott sich einem Menschen (Pharao) beweisen konnte. Im Falle Hiobs sogar wollte er sich sogar so sehr seinem Widersacher beweisen, dass er dafür seine Diener furchtbaren Qualen auslieferte.

In jeden der Beispiele scheint eine absolute Geringschätzung von Menschenleben bemerkbar zu sein.

Zeugen diese Beispiele von einem göttlichen Verhalten? Zeugen sie von wahrer Göttlichkeit, von der Liebe eines Vaters zu seinen Kindern, eines Schöpfers zu seinen Geschöpfen?

Würde es auffallen, wenn ich in diesen Beispiele „Gott“ durch „Satan“ ersetzte?

Des Guten Bosheit

In der Bibel, welche als Gottes Wort gilt, werden diverse Eigenschaften aufgelistet, welche Gott zu eigen sein sollen.

Barmherzigkeit, Macht, Kraft, Liebe, Langmut, Weisheit und einige weitere. Diese Eigenschaften zeichnen ihn als richtig feinen Kerl aus.

Aber ist dem so?

In diesem Abschnitt möchte ich näher auf Gott als solchen eingehen, welche Wirkung er, zumindest auf mich, hat. Darüber hinaus gilt es noch eine Frage zu beantworten, welche im ersten Abschnitt gestellt wurde (zur Erinnerung: Wie kommt es, das Satans Taten als schlecht abgetan werden, wenn doch klar auf der Hand liegt, dass Gott zum Einen genauso handelte oder aber sogar noch schlimmer, wie im Fall Hiobs, als er sinnlos seine Kinder, die Menschen, sterben lies, nun aber Gottes Taten nicht als schlecht angesehen werden?)

Die folgenden Erläuterungen möchte ich gerne mit einem Filmzitat einleiten: „Was ich im Inneren bin, zählt nicht. Was ich tue, macht mich zu dem, wer ich bin.“

"Die Glücklosen sind nichts weiter als ein Bezugspunkt für die Glücklichen, (…). Durch ihr Unglück zeigen sie mir nur mein Glück. Es ist nur bedauerlich, dass die Glücklichen erst merken, was für ein Glück sie hatten wenn es sie verlässt. Sie zum Beispiel, gestern sind sie besser dran gewesen als heute aber erst durch den heutigen Tag merken sie das (…)“

Dieses weitere Filmzitat lässt sich wunderbar in das kleine Dilemma um Gott und seine Taten einfügen. Ich möchte sie ein wenig umändern und so dem Thema mehr anpassen.

„Die Bösen sind nichts weiter als ein Bezugspunkt für die Guten. Durch ihre Bosheit zeigen sie mir nur, wie gut ich bin.“

Was genau sage ich damit aus?

Die Aussage ist, dass Satan als Inkarnation des Bösen ein notwendiges Übel für Gott darstellt. Ein notwendiger Bezugspunkt für Gottes Göttlichkeit.

Wie das?

Wofür benötigt man Gott? Was gibt Gott? Was verspricht er?

Hoffnung. Hoffnung, dass das Übel der Welt einmal ein Ende haben wird.

Rettung. Rettung aus dieser von Satan „vers(e)uchten“ Welt.

Liebe. Liebe in Zeiten von Schlechtigkeit.

Kurzum, Gott ist der Retter in der Not.

Braucht man einen Retter ohne Not? Braucht man ein Regencape bei Sonnenschein?

Es ist unbedingt nötig, dass Satan das Leid schafft, denn ohne dieses Leid, ohne Satan, wäre Gott für den gemeinen Menschen nicht zu gebrauchen oder aber er würde massiv an Nutzen einbüßen.

Satan muss als Bezugspunkt für Gott vorhanden sein, da ohne ihn Gott als Träger der Hoffnung überflüssig werden würde. Er wäre das Regencape, welches man bei Sonnenschein getrost im Schrank liegen lassen darf (und sich vielleicht sogar noch darüber freut).

Und genau diese Erkenntnis liefert die Antwort auf die noch offen stehende Frage. Wie kommt es nun, dass Satans Taten diesen schlechten Charakter haben?

Gott musste ihnen den schlechten Charakter verleihen. Ganz einfach darum, weil ein Bösewicht (bzw. in diesem Fall zuzüglich die Not, die er auslöste) nunmal von Nöten ist, um den Helden als 'das Gute' zu personifizieren. So ist dann egal, was 'der Gute' tut, solange er in Wirklichkeit gegen 'das Böse' kämpft (Ein Mord für die gute Sache ist doch in Ordnung oder etwa nicht?). Wie stünde es wohl ansonsten um seine Göttlichkeit? Wie stünde er wohl da, wenn Satans Bosheit ihm nicht gegenüberstehen würde…? (Nicht verwunderlich, dass George W. Bush genau diese Gedanken verwandte, als er seinen Kreuzzug gegen die 'Achse des Bösen' als Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September 2001 startete. Tatsächlich sprach er vom realen 'Bösen', welches existiere und bekämpft werden müsse.)

Die Logik, die man zu diesem Thema sehr häufig bei Christen, besonders fundamentalistischen Christen, antrifft, ist sehr passend.

Was auch immer der christliche Gott tut – es ist gut. Warum? Zirkelschluß: Weil er Gott ist. Und was Gott tut, ist gut.

Im Gegenzug ist alles, was Satan tut schlecht. Warum? Weil er Satan tut. Und was er tut ist schlecht. Eben weil er Satan ist.

Eine inhaltliche Auseinandersetzung kann unter so einer Voraussetzung nur schwer vernünftig ablaufen.

So bleiben die Rollen fest verteilt ohne genauer zu untersuchen, wie sich die Protagonisten überhaupt verhalten und wie sehr die Rollenverteilung des Guten auf der einen, des Bösen auf der anderen Seite überhaupt gerechtfertigt ist.

Tatsächlich darf eine inhaltliche Auseinandersetzung damit überhaupt nicht stattfinden, da sie das Rollenverhältnis der absoluten Grundfesten des Glaubens bzw. der Bibelerschüttern könnte.

Satan als Böses wird von Gott also unbedingt gebraucht (vielleicht sogar als 'das Böse' vorgesehen?). Es ist absolut notwendig, dass er einen bösen Charakter zugewiesen bekommt oder bekam. Auch im Angesicht der Tatsache, dass seine (angeblichen) Taten oftmals entweder genau die gleichen wie die des Gottes waren oder sogar weitaus weniger mördische Ambitionen aufwiesen. Ist Satan zu verdammen? Falls ja, falls Satan für seine Taten zu verdammen ist, so ist es Gott ebenfalls.

Natürlich ist die gleiche Handlung nicht immer gleich zu bewerten. Ich erinnere spontan an den „Tyrannenmord“ (Stichwort Anschlag auf Hitler in der Wolfsschanze) – ein Mord, welcher an sich zu verurteilen ist, jedoch wird ihm ein anderer Charakter verliehen, wenn er zum Schutz vieler weiterer unschuldiger Menschenleben verübt wird.

Jedoch sind die zahlreichen Morde an Kindern, an Unschuldigen, die Genozide und nicht zuletzt das immer wieder und wieder beschriebene und geforderte Schlachten von Tieren kaum mit einer derartigen Notwendigkeit in Zusammenhang zu bringen.

Richard Dawkins beschreibt den christlichen Gott in seinem Buch „Der Gotteswahn“ als „(… )eifersüchtig und auch noch stolz darauf; ein kleinlicher, ungerechter, nachtragender Überwachungsfanatiker; ein rachsüchtiger, blutrünstiger ethnischer Säuberer; ein frauenfeindlicher, homophober, rassistischer, Kinder und Völker mordender, ekliger, größenwahnsinniger, sadomasochistischer, launisch-boshafter Tyrann (…)“

Behält man nun noch die Worte im Sinn, die Gott über sich selbst in Jesaja 45:7 aufschreiben liess, nämlich dass er das Unheil selbst schafft, darf man obigem getrost zustimmen.

Ich frage mich ernsthaft, ob Benedikt XVI daran wohl dachte, als er am Ground Zero des ehemaligen World Trade Centers folgende Worte an seinen Gott sprach: „Wir bitten dich, denen Heilung zu bringen, die an Verletzungen und Krankheit leiden, weil sie an jenem Tag hier waren. Führe jene auf den Weg der Liebe, deren Herzen sich in Hass verzehren.“

Hätte Benedikt auch für die gebetet, die Gottes zahlreichen Massenmorden zum Opfer fielen?

Resumée

Viele Worte, viele Gedanken, viel Durcheinander: Was ist denn die Konsequenz, der Schluß aus alledem?

Die besprochenen Themen, Von der satanischen Göttlichkeit und Des Guten Bosheit lassen für mich eine bestimmte Folgerung zu, die bereits in der Bibel genannt wird.

Aufgeschrieben wurde er in 2. Korinther 11:14. Luther übersetzt diese Stelle wie folgt:

„(…) Denn der Satan selbst verkleidet sich als Engel des Lichts.“

Durch das, was Gott über sich selbst hat aufschreiben lassen, wird ganz klar vor Augen geführt, dass Gott selbst ein solcher Engel des Lichts ist. Er selbst vereint die Eigenschaften in sich, die man als satanisch bezeichnen würde, sogar handelt er an mancher Stelle genau wie Satan und verkleidete sich als Engel des Lichts, während er Tod, Mord, Krankheiten, Folter und Qual brachte.

Schaut man sich die Bibel, besonders das Alte Testament, genauer an, lassen sich unter anderem folgende Feststellungen treffen:

Der biblische Gott mordete wieder und wieder, zahllose Unschuldige sowie unzählige Tiere fielen seiner Rachsucht und Wut zum Opfern.

Er mordete nicht nur selbst, er rief auch andere zum Mord auf (so wird in 5. Mose ganz klar formuliert, dass Hexen nicht am Leben gelassen werden sollen, ein Gebot, das niemals in der Bibel widerrufen wurde).

Er unterstützte andere Menschen, welche selbst Morde forderten (der Schreiber der Psalmlieder flehte direkt zu Gott, er möge die Gottlosen schlachten).

Er bestrafte in damaliger Zeit Ambitionen, die heute grundlegende Menschenrechte darstellen, mit grausamen Hinrichtungen.

Er folterte besonders ‚sein Volk‘, die Israeliten, sobald sie nicht spurten (er verbrannte sie, lies sie mit Schwertern abschlachten, vergiftete sie, lies sie mitunter ersticken, bestrafte das gesamte Volk mit einer 40jährigen Strafe in Form einer Wanderung durch Wüsten als Folge für die von ihm verachtete Angst einiger Kundschafter, usw.)

Er forderte Brandschatzungen, Plünderungen, brutale Eroberungen, „Kreuzzüge“ (so wurden die Gibeoniter schlicht versklavt, die Kanaaniter ausgerottet im Zuge der Eroberungen und Plünderungen ihrer Länder durch die von Gott geführten Israeliten).

Düstere Aussichten, dieses göttliche Licht.

Kein Zweifel, die Verkleidung Gottes als ein ‚Engel des Lichts‘ kann einer vernünftigen und ethischen Betrachtung kaum standhalten.

An und für sich ist diese Darstellung in einem Buch kein großes Thema.

Besorgniserregend ist jedoch die Tatsache, dass viele Millionen Menschen heutzutage noch zu diesem Massenmörder, diesem Schlächter beten, ihn bitten, einzugreifen um die Probleme der Welt zu lösen.

Nun, wie seine Problemlösungen meist aussehen, habe ich unter anderem dargelegt: Mord. Es funktioniert nicht wie gewünscht? Dann wird gemordet, der nicht funktionierende Mensch wird schlicht entfernt, ausgewechselt wie ein Bauteil beim Auto.

Zwar ist als Verteidigung zu sagen, dass diese bittenden Menschen sicherlich nicht allesamt auf einen mordenden Eingriff seitens ihres Gottes hoffen, wie er gemäß der Bibel zwar zu erwarten wäre (und dass es eben diese Hoffenden gibt, ist mir sehr wohl bewusst), aber dennoch ist es mehr als bezeichnend, dass die umfassende Kenntnis dessen, den man um Hilfe bittet, entweder vollkommen ignoriert wird oder aber komplett fehlt.

Die Basis der Hoffnung gebaut aus Ignoranz oder Unwissen? Oder sogar beidem? Wirklich düstere Aussichten…  

Neben den oben zitierten Worten Benedikts XVI am Ground Zero bat er Gott in einem Gebet: „Oh Gott der Liebe, des Mitgefühls, des Heilens, schau auf uns.“

…Gott, falls es dich gibt, bitte übersieh mich dabei.

 

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

 




Religion und republikanischer Staat – Essay von Udo Endruscheit


reichstaggebaude

Dieser ausführliche Artikel von Udo Endruscheit erschien ursprünglich im November 2017 beim Humanistischen Pressedienst (https://hpd.de/artikel/religion-und-republikanischer-staat-15014?nopaging=1). Ich bin Udo für die Überlassung sehr dankbar.

Ein grelles Schlaglicht auf die Bewusstseinslage in Sachen Staat und Religion wirft die Debatte über die Äußerungen des AfD-Politikers Albrecht Glaser, dem von den anderen Fraktionen des Bundestages das Amt des Alterspräsidenten verweigert wurde, weil er "dem Islam die Religionsfreiheit absprechen" wolle. Man darf wohl konstatieren, dass der Mangel an Sachkenntnis in dieser immerhin parlamentarischen Debatte allenfalls von ihrer Peinlichkeit überboten wurde, was nichts damit zu tun hat, wie man zur Person Glaser stehen mag.

Nicht weniger Anlass zu einer Reflexion dieser Bewusstseinslage lieferte die Rede, die die Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel zum Reformationsjubiläum am 31.10.2017 gehalten hat (der hpd berichtete höchst zutreffend unter dem Titel "Religiöse Marmelade"). Dabei geht es im Besonderen um die Passage:

"Die (staatliche) Beteiligung an der Vorbereitung und Durchführung des Reformationsjubiläums war und ist Ausdruck unseres Bestrebens, über dieses Jubiläum hinaus auch allgemein ein reiches und lebendiges religiöses Leben in Deutschland zu ermöglichen. Dabei gilt der verfassungsrechtliche Schutz der Glaubens- und Bekenntnisfreiheit sowie der ungestörten Religionsausübung für alle Gläubigen und jede Religionsgemeinschaft."

Deutliche Indizien dafür, dass sich in Bezug auf das Verhältnis Demokratie / Republik / Religion inzwischen so erstaunliche Ansichten verfestigt haben, dass es einer Selbstvergewisserung bedarf.

Res publica – das ist die "öffentliche Sache" im Sinne einer Vereinigung zur befriedigenden Regelung der "Angelegenheiten aller", beruhend auf Rousseaus Begriff des "allgemeinen Volkswillens" als Ausdruck staatlicher Legitimation. Die Staatsform der Neuzeit, die den Feudalismus mit seiner Herrschaftsgarantie von Einheit von Thron und Altar ablöste. Einer Interessengruppe dabei eine "Übermacht", also einen dezidiert größeren Einfluss auf Angelegenheiten der Gemeinschaft über den anderer gesellschaftlicher Gruppen hinaus einzuräumen, widerspricht dem republikanischen Gedanken, ja, stellt eine Gefahr für den Zusammenhalt und den inneren Frieden dessen dar, was wir heute die "Zivilgesellschaft" nennen (warum nennen wir sie wohl so?). Dieser Grundgedanke zielte von Anfang an besonders auf das Verhältnis von Staat und Kirche, den im Feudalismus traditionell verbündeten, jedoch unter der republikanischen Flagge geschiedenen Kräften. Die amerikanische Unabhängigkeitserklärung ist ein beredeter Ausdruck dessen.

Persönliche Bekenntnisfreiheit und Garantie der freien Religionsausübung

Der Gedanke der persönlichen Bekenntnisfreiheit, die dem Individuum zu gewähren sei, entstand später als die Idee der Republik selbst, mit den aufklärerischen Menschenrechtsideen des 18. Jahrhunderts. Nicht etwa brachte Bekenntnisfreiheit die Menschenrechte hervor! Ursprünglich bedeutete "Religionsfreiheit" nur die schon vom Augsburger Religionsfrieden garantierte Möglichkeit, aus Glaubensgründen das Land zu verlassen und sich woanders ansiedeln zu können, das "privilegium emigrandi". Die Regel war nach wie vor das "cuius regio, eius religio", die selbstverständliche Dominanz des Bekenntnisses des Landesherrn, die Ausnahme die Aussiedlungsfreiheit – als Religionsfreiheit "verkauft".

Das Verhältnis Staat / Kirche wurde demgemäß zeitlich zuerst von den Grundgedanken der republikanischen Konstitution bestimmt, die Ausformungen persönlicher Bekenntnisfreiheit des Individuums sind später hinzugetreten. Der Staat macht sich nicht gemein mit Glaubensgemeinschaften, garantiert aber dem Einzelnen das persönliche Bekenntnis und die zu dessen Verwirklichung notwendigen Rechte. Zwei Dinge, die zu unterscheiden sind und die auch unser geltendes Grundgesetz hinreichend präzise unterscheidet – und bei denen das Eine die Voraussetzung für das Andere ist.

Im Gegensatz zu dieser Sachlage, die klar zwischen der Abwehr kirchlichen Einflusses auf staatliche Belange und der Garantie persönlicher Rechte im Rahmen der Bekenntnisfreiheit unterscheidet, scheinen auf dem Markt der Ansichten diese beiden Sphären heillos verwischt zu sein und sich unter dem Begriff einer nicht näher definierten Religionsfreiheit etwas anscheinend Grenzenlos-Unverhandelbar-Imaginäres herauszubilden. Zunehmend geht die wichtige Unterscheidung zwischen den individuellen Rechten zur Bekenntnisfreiheit und den staatskirchenrechtlichen Aspekten in der Debatte verloren, ja, inzwischen werden die Inhalte der Individualrechte Religionsgemeinschaften, gar abstrakten Glaubenslehren zugeschrieben (DAS Christentum, DER Islam als Träger von "Religionsfreiheit"). Genau dies geht fehl.

Der Versuch einer Selbstvergewisserung kann auf einen historischen Rückblick nicht verzichten.

Kaiserzeit und Weimarer Reichsverfassung

In Deutschland fanden die Prinzipien des von religiösen Überzeugungen wie von Institutionen unbeeinflussten Staates ihre Verwirklichung erst mit der Weimarer Reichsverfassung (mit der dann auch gleich die zweite Säule des Feudalismus, der Adel, abgeschafft wurde). Vorher – im Kaiserreich – war die evangelische Kirche die de-facto-Staatskirche (der preußische Kaiser war der oberste Landeskirchenherr). Mit der katholischen Kirche hatte das Kaiserreich bekanntlich so seine Schwierigkeiten. Wir sehen hier eine äußerst ambivalente Situation, bestimmt von nationalistischen Überlegungen – in Bezug auf die evangelische Kirche immer noch eine Ausformung des "cuius regio", mit Blick auf die katholische Kirche das entschiedene Eintreten gegen einen klerikalen Einfluss auf staatliche Belange.

Von daher wird es verständlich, dass der Bruch der Weimarer Verfassung mit der Staat-Kirchen-Union durchaus nicht in voller Konsequenz durchgeführt wurde. Die Kirchen merkten in den zum Art. 137 WRV folgenden Verhandlungen schnell, dass ihre Position durchaus nicht so geschwächt wurde, wie sie zunächst befürchtet hatten. Da die Grundgedanken der Weimarer Verfassungsgeber zur "Entstaatlichung der Kirchen" und "Entkirchlichung des Staates" bis heute durchwirken, sei hierauf ein näherer Blick gestattet.

Art. 136 WRV kannte explizit den Begriff der "Religionsfreiheit", erstmals im Sinne der Ausübung eines individuellen Rechts, und zwar primär als Schutzrecht gegenüber dem Staat im Sinne einer negativen Religionsfreiheit. Daraus ergibt sich eine wichtige Schlussfolgerung zum Verhältnis Staat / Religion (nicht Staat / Kirche, dazu gab es den Art. 137 WRV): Das gewährte Schutzrecht beinhaltet implizit die Unmöglichkeit jeder staatlichen Entscheidung über die "Zulässigkeit" einer Religion, also auch zu einem "Werturteil" über ein religiös-weltanschauliches Ideengebäude. Was bereits ein wichtiges Schlaglicht auf die einleitend erwähnten Anlässe zu diesem Beitrag wirft.

Man denkt heute wie selbstverständlich beim durch die WRV eingeführten verfassungsrechtlichen Begriff der Religionsgemeinschaften an die Großkirchen. Es verwundert deshalb bei einem Blick in die Historie zunächst, dass es erst einer Sondierung durch die Großkirchen beim Verfassungsgeber bedurfte, um klarzustellen, dass sie selbst durchaus auch mit dem Begriff gemeint waren. Beide – evangelische wie katholische Seite – empfanden es durchaus nicht als sonderlich passend, nun plötzlich in dem sehr allgemein gehaltenen Begriff der "Religionsgemeinschaft" aufzugehen. Und in der Tat lag hier ein zentraler Punkt, der heute völlig aus dem Blick geraten ist: Mit den "Religionsgemeinschaften" beabsichtigte die WRV eine bewusst weite Fassung des Begriffs über die etablierten Großkirchen hinaus, ein Postulat neutralen religiösen Pluralismus, den die Großkirchen insofern – durchaus zutreffend – als die entscheidende Schwächung ihrer Position durch die WRV empfanden.

Die expliziten Regelungen des Art. 137 zum sogenannten "Staatskirchenrecht" hatten aber auch einen Hintergrund, der heute – wo die Position der Religionsgemeinschaften vielfach nur unter dem Gleichbehandlungsaspekt gesehen werden – regelmäßig übersehen wird: Es sollte dem Staat vorbehalten bleiben, nach seinem Ermessen zu entscheiden, welchen Gemeinschaften er mit den Rechten einer Körperschaft des öffentlichen Rechts ausstatten wollte und welche nicht. Die Weimarer Verfassungsväter wollten es durchaus ihrer Entscheidung vorbehalten, inkompatiblen Glaubensgemeinschaften jedenfalls einen ausdrücklichen rechtlichen Status zu verweigern. Immerhin wahrt das Bundesverfassungsgericht noch diese Position im Kern, indem über es über die Formalvoraussetzungen einer Anerkennung als öffentlich-rechtliche Körperschaft hinaus ausdrücklich "Rechtstreue der Gemeinschaft im Hinblick auf das Grundgesetz und die verfassungsgemäße Ordnung" verlangt. Immerhin… Der öffentliche Diskurs lässt diesen Aspekt vielfach vermissen.

Mit der Weimarer Reichsverfassung war die Trennung Staat / Kirche damit einerseits festgeschrieben, andererseits nicht konsequent durchgeführt. Dies zeigt der Artikel 137 WRV, der teilweise Garantien für die Religionsgemeinschaften enthielt, teilweise eine Fortführung der Trennung von Staat und Kirche "auf die lange Bank schob" – was wir heute, hundert Jahre später, ja schmerzlich als anhaltendes Faktum erleben. Wobei man der Gerechtigkeit halber nicht übersehen sollte, dass sich die junge Weimarer Republik an Dingen wie Ablösungszahlungen an die Großkirchen auch nicht gleich völlig überheben wollte – mehr als verständlich angesichts des Versailler Vertrages, dem man sich damals gegenüber sah.

Obwohl die Bestimmungen der WRV weitaus schärfer im Sinne eine Säkularisierung des Staates hätten ausfallen können, brach bei den Großkirchen nicht gerade Begeisterung aus. Man muss im Auge behalten, welchen sozio-kulturellen Einschnitt gleichwohl die WRV bedeutete. Der entscheidende Bruch gegenüber dem Kaiserreich war vollzogen. Einer Staatskirche wurde eine klare Absage erteilt. An das Postulat der Kaiserzeit zur "besonderen Bedeutung des Christentums für Staat, Kultur und Gesellschaft" war nicht mehr zu denken. Damit war der Anspruch dahin, im Gleichklang mit dem Staat konkret auf eine "Verchristlichung der gesamten Gesellschaft" hinzuwirken. Und damit auch der vor allem der evangelischen Kirche bislang selbstverständliche Anspruch aus dem Kaiserreich auf eine Definitionsmacht über die "Leitkultur". Der Staat versagte sich jede "Herrschaft über Ideen" und stellte sich als Garant einer Gemeinschaft gleicher Teilhabe dem vielzitierten Anspruch, sich auf Voraussetzungen zu stützen, die er selbst nicht garantieren kann – nämlich auf den republikanischen Konsens aller Bürger guten Willens, die gegenseitige Achtung gleicher Partizipationsrechte der Mitbürger und die allgemeine Bereitschaft zur aktiven Mitarbeit an der Gestaltung von Staat und Gesellschaft. Und eben nicht, wie das Böckenförde-Diktum immer fälschlich interpretiert wurde, auf die Annahme einer letztlich doch für unverzichtbar gehaltenen Transzendenz. Staat und Gesellschaft emanzipierten sich in "dieser Welt", der "ideelle Säkularismus" etablierte sich.

Grundgesetz

Man sollte nicht vorschnell annehmen, in Sachen Religion und Staat unterscheide sich das Grundgesetz nicht groß von der Weimarer Reichsverfassung. Diese oft selbstverständlich geäußerte Meinung beruht wohl vor allem darauf, dass die Inkorporation des Art. 137 WRV, das sogenannte "Staatskirchenrecht" in diesem Sinne (über-)interpretiert wird. Übersehen wird bei alledem die völlig neue Ausformung konkreter individueller Rechte zur Bekenntnisfreiheit und zur Religionsausübung durch das Grundgesetz in klarer Abgrenzung zum "Staatskirchenrecht", als Garantierechte deutlich schärfer akzentuiert als das passive Schutzrecht der negativen Religionsfreiheit in Art. 136 WRV.

Die Protokolle des Verfassungskonvents auf Herrenchiemsee und insbesondere des Parlamentarischen Rates zum Grundgesetz zeigen deutlich diese Ausrichtung auf individuelle Rechte. Äußeres Zeichen dessen ist das Aufgehen des (als passives Schutzrecht gestalteten) Art. 136 WRV in als aktive Garantierechte ausgeformten Einzelrechten, die klar dem Individuum zugeschrieben werden und in keiner Weise eine Religionsgemeinschaft oder gar den ideellen Begriff der "Religion" selbst betreffen. Ebenfalls nicht übersehen werden sollte, dass nur eine solche Gestaltung eine Gleichstellung religiöser und weltanschaulicher Bekenntnisfreiheit überhaupt möglich macht. Unleugbar sah hier die verfassunggebende Versammlung den Kernpunkt der Neugestaltung der religiösen Frage und nicht im Staatskirchenrecht. Bezeichnenderweise kommt im Grundgesetz das Wort "Religionsfreiheit" nicht vor.

Die immer so problematisierte Frage nach den Grenzen der individuellen Bekenntnisfreiheit und des Rechts der freien Religionsausübung ist vor diesem Hintergrund nicht so schwer zu beantworten. Die Garantie des persönlichen Bekenntnisses ist der Staatlichkeit inhärent, die persönliche Religionsausübung ist ein Kreis innerhalb des Kreises der republikanischen Staatlichkeit – denn wäre das nicht so, welchen Sinn und Gehalt hätte sonst eine staatliche Garantie derselben? Er kann nichts garantieren oder schützen, was er selbst transzendiert. Woraus sich zwingend ergibt, dass die Grenzen dieser Garantie dort liegen, wo sich konkrete Handlungen einzelner Personen gegen den Garanten (den Staat) selbst oder gegen gleichwertige Rechte anderer Individuen wenden. Staatsschädigendes oder drittschädigendes konkretes Handeln ist nicht hinnehmbar, denn die persönlichen Rechte zur Religionsausübung weisen nicht über die Schutzpflichten des Staates sich selbst oder Dritten gegenüber hinaus.

Man darf nicht vergessen, dass zur Zeit der Beratungen zum Grundgesetz "die Kirchen" in den Augen vieler Mütter und Väter des Grundgesetzes durchaus diskreditiert waren und von schon von daher kaum Neigung bestand, mehr zu tun, als das "Staatskirchenrecht" von 1919 schlicht zu perpetuieren – durch die Inkorporierung des Art. 137 WRV. Auch in der Situation der jungen Bundesrepublik muss man dies als einen Kompromiss verstehen, aus ganz ähnlichen Gründen wie im Jahre 1919. Nicht zu übersehen ist dabei auch, welche Rolle beim Wunsch, in Sachen Staatskirchenrecht (zunächst) den status quo zu erhalten, das ungelöste Problem des fortbestehenden Reichskonkordats von 1933 gespielt haben dürfte. Kaum jemand dürfte sich angesichts dessen und der damals jungen Vergangenheit (und unsicheren Zukunft) zu einer radikalen Neuregelung des Staatskirchenrechts durch das neue Grundgesetz berufen gefühlt haben.

Debatte "Religionsfreiheit für die Religion"?

Es sollte damit deutlich geworden sein, dass die republikanische Grundordnung der Weimarer Reichsverfassung genau wie die des Grundgesetzes die Gewährung einer "Religionsfreiheit" an eine Religion als ideellem Gebilde nicht kennt. Der Bereich des Art. 4 GG mit seinen konkreten Garantien spricht keine "Religion" an, sondern den einzelnen Träger eines Bekenntnisses bzw. einer weltanschaulichen Überzeugung. Art. 4 regelt im Rahmen der Grundrechte Individualrechte für natürliche Personen, und zwar eine Reihe von Einzelrechten, von der Bekenntnisfreiheit (der einzelne darf nicht wegen seines Bekenntnisses belangt werden, wohl aber, wenn er mit Berufung auf dieses Bekenntnis gegen geltendes Recht verstößt) bis zur Freiheit der Bekenntnisausübung (die als solche ebenfalls nicht den Schutz einer imaginären "Religionsfreiheit" genießt, sondern nur das konkrete Tun der einzelnen Person schützt – und dieses konkrete Tun steht natürlich ebenfalls unter der Grenzziehung des Rechts, insbesondere der Straf- und Ordnungsgesetze).

Auch im sogenannten Staatskirchenrecht des Art. 137 WRV, inkorporiert in Art. 140 GG, taucht ein Abstraktum "Religion" als Träger von Rechten nirgends auf – die Bestimmungen an dieser Stelle regeln materiell-institutionelle Beziehungen zwischen Religionsgemeinschaften (nicht Religionen) und dem Staat. Wir erinnern uns daran, dass schon in der WRV der Gegenpol zur persönlichen Glaubens- und Bekenntnisfreiheit der Abschied des Staates von einer transzendenten Identität war – die Verwirklichung des ideellen Teils der Säkularisierung sozusagen.

Glasers wie Merkels Unzulänglichkeit liegt also darin, nicht ausreichend zwischen Religion als Gedankengebäude und den Voraussetzungen und Grenzen einer Religionsausübung von Individuen unterschieden zu haben. Darin, nicht erkannt zu haben, dass man ein ideelles Konstrukt wie eine Religion oder eine Ideologie weder tatsächlich noch unter republikanisch-rechtsstaatlichen Aspekten "verbieten" oder "erlauben" und deshalb auch nicht als Träger von "Rechten" ansehen kann. Beide versuchen mit ihren völlig fehlgehenden Ausführungen, den staatlichen Verzicht auf einen transzendenten Anspruch, die ideelle Seite der Säkularisierung, aufzuheben – der eine negativ, die andere positiv gefärbt. Glasers "negative" Unzulänglichkeit wurde allerdings von den – mehrheitlichen – konträren politischen Kräften in der konstituierenden Sitzung des 19. Bundestages in einer völlig die Verfassungslage verfehlenden Weise beantwortet: Indem sie nämlich die gleiche falsche Position bezogen und ebenfalls ein Recht auf Religionsfreiheit für Religionen imaginierten, nur eben eine andere Folgerung daraus zogen als Glaser. Sowohl für Glasers Position als auch für die Gegenposition der großen Mehrheit des deutschen Bundestages ist das Bonmot anwendbar, dass beide jeweils so falsch seien, dass nicht einmal das Gegenteil wahr sei.

Und nun?

Was zeigt uns das alles für unsere Gegenwart und Zukunft in einem republikanischen Staatsgebilde, für die Zielsetzung einer Humanisierung der Gesellschaft? Was sagen uns solche Verirrungen in die Gefilde längst überwunden geglaubter transzendenter religiöser Überhöhung des Staates? Was haben wir von einer politischen Klasse zu erwarten, die weitgehend kritiklos offenbar nicht nur den "materiellen" Teil der Säkularisierung aufhalten oder gar zurückdrehen, sondern gar den "ideellen" Teil der Säkularisierung wieder zurückholen will? Und sich der Voraussetzungen und Folgen solcher Handlungen offenbar gar nicht bewusst ist?

Die angestammten Großkirchen allerdings scheinen in diesen Tendenzen die Chance zu sehen, das Thema Religion unter staatlicher Assistenz wieder stärker in der zivilgesellschaftlichen Bedeutung zu verankern, Manche Anzeichen deuten darauf hin, dass nach Ansicht der Kirchen der aufstrebende Islam dabei die Rolle einer "Partnerreligion" übernehmen und helfen könnte, die inzwischen bedrohlichen Trends einer Abkehr von den Religionsgemeinschaften umzukehren. Dass alle Beteiligten dabei auf die lockenden Privilegien des unantastbar scheinenden de-facto-Staatskirchenrechts schauen, ist offensichtlich.

Im Interesse des Erhalts – wenn nicht der Wiederherstellung – eines friedlichen republikanischen Pluralismus muss solchen spaltenden Tendenzen Einhalt geboten werden. Womit wir bei den Grundsatzüberlegungen des Anfangs wieder angekommen wären. Die wichtigsten Handlungsoptionen liegen auf der Hand: Den Bestrebungen der Religionsgemeinschaften nach Erhalt und womöglich Ausweitung ihrer Privilegien auf der Grundlage des Art. 140 GG muss durch deren Abschaffung begegnet werden. Es gehört absolut nicht zum Kerninhalt republikanischer Staaten, Religionsgemeinschaften und auch nicht Weltanschauungsgemeinschaften einen de facto öffentlichen Status zu geben, ihnen mehr als ein Selbstverwaltungsrecht einzuräumen und sie zudem auch noch zu alimentieren.

Das Bundesverfassungsgericht hat in seiner Grundsatzentscheidung vom 14.12.1965 genau diese Haltung eingenommen, was eigentlich nicht anders gedeutet werden kann als eine Aufforderung zur Beendigung des Staatskirchenrechts-Kompromisses des Art. 140 GG. Es führte aus:

"Das Grundgesetz legt durch Art. 4 I, Art. 3 III, Art. 33 III GG sowie durch Art. 136 I und Art. 137 I WRV in Verbindung mit Art. 140 GG dem Staat als Heimstatt aller Staatsbürger ohne Ansehen der Person weltanschaulich-religiöse Neutralität auf. Er verwehrt die Einführung staatskirchlicher Rechtsformen und untersagt auch die Privilegierung bestimmter Bekenntnisse." (BVerfGE 19, 248 – 253)

Dass diese ganz eindeutige Aussage inzwischen leider auch durch das gleiche Gericht in hohem Maße aufgeweicht wurde – z.B. durch die Annahme einer "grundsätzlichen Religionsfreundlichkeit" von Legislative und Exekutive und der Bestätigung der kirchenarbeitsrechtlichen Privilegien – ist eine andere Geschichte, die unsere Überlegungen an dieser Stelle nur noch dringlicher machen.

Die Religionsgemeinschaften sollen Player im Kräftespiel der pluralistischen Gesellschaft sein wie jede Interessenvereinigung – aber nicht mehr und auch nicht weniger und auch das nur im Rahmen ihrer tatsächlichen gesellschaftlichen Relevanz, nicht einer Fassade davon. Sie sollen am Diskurs teilnehmen, aber keine Position erhalten, um diesen privilegiert zu prägen. Um eine hochaktuelle Aussage zu zitieren: Säkularisierung ist die Lösung! Wie Joachim Kahl schon vor Jahrzehnten formulierte: Nur ein weltanschaulich strikt neutraler und paritätischer Staat fungiert als Instrument aller und garantiert die Religionsfreiheit (Kahl 1968).

Nach Abschluss des Textes las der Verfasser im Zusammenhang mit der Anerkennung des Humanistischen Verbandes Deutschland als den Religionsgemeinschaft gleichgestellter Körperschaft durch den Berliner Senat, folgende Äußerung der kirchenpolitischen Sprecherin der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Cornelia Seibeld: "Ich halte die Gleichstellung mit den Kirchen nicht für zielführend. Nicht jedem Verband, der sinnvolle Aufgaben übernehme, könne eine Anerkennung als Öffentlich-Rechtliche Körperschaft zuteil werden. Auch zeigen Forderungen wie die nach einem humanistischen Feiertag an den Schulen, dass der humanistische Gedanke, der Deutschland mitgeprägt hat, zu einer Anti-Religion genutzt wird." (Die Tagespost, 21.11.2017). Ein in mehrfacher Hinsicht verstörender Diskussionsbeitrag.

Bedarf es noch weiterer Belege, dass demokratisch-republikanische Grundlagen in Gefahr sind, in einem Wust von Unwissenheit und lärmender Parteinahme der Politik "für Religion" unterzugehen? Was wir hier vernehmen, ist der Ruf nach staatlichem Gleichklang mit einer christlichen Leitkultur, was zeigt, dass offenbar die Garantien der individuellen Religionsfreiheit nicht ernst genommen werden – denn die strikte staatliche Neutralität ist Spiegelbild und Voraussetzung der Garantie dieser Rechte.

 




Man muss den Islam nicht mögen


MaaßenDer Bundesverfassungsschutz sieht derzeit keine Anhaltspunkte für eine Beobachtung der Hassseite PI-News. Präsident Maaßen sagt, man dürfe in Deutschland sagen, man möge den Islam nicht. Einverstanden. Der Meinung ist auch der Nachfolger von Maaßen. Aber seit wann darf man hetzen?

Die Einstellung vieler muslimischer Menschen mit Migrationshintergrund zu Deutschland ist recht paradox: Sie fühlen sich längst als ein Teil der hiesigen Gesellschaft, als zu Deutschland zugehörig, zumindest stark durch Deutschland geprägt – aber erst im Ausland. Verlässt man Deutschland über die Landesgrenze in eines der vielen Nachbarländer, oder fliegt man zum Herkunftsland, aus dem die Eltern kommen, stellen sich diese Gefühle ein. Vorher nicht. Oder sagen wir besser: Eher nicht. Und warum? Fragen wir anders: Wann ist man in Deutschland angekommen? Wann ist man vollständig integriert und ein akzeptierter, vorbildlicher Bürger? Dies sind keine einfachen Fragen. Vermutlich haben sie auch keine einfachen Antworten. Das Grundgesetz selbst mit seinen Grundrechten gegenüber dem Staat und garantierten Freiheiten für den Bürger lässt den Menschen weitgehende Freiheiten.

Vielleicht sollte man sich diesen Fragen also von der anderen Seite nähern. Wer ist in Deutschland nicht willkommen? Wer wird als problematisch gesehen? Über wen gibt es Klärungsbedarf? Stellt man diese Fragen, so dürfte eigentlich eine Behörde in Deutschland als besonders geeigneter Ansprechpartner erscheinen: Der Verfassungsschutz. Denn er wacht über die freiheitlich-demokratische Grundordnung. Er macht Extremisten aus, die ein Problem mit dieser Ordnung haben und beobachtet sie. Er schreibt dann darüber Berichte und stellt sie den zuständigen Behörden und Ämtern sowie der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung. Soweit die Theorie. Sie klingt schön und plausibel. Wie aber sieht die Praxis aus? Werden da wirklich alle gefährlichen Extremisten beobachtet oder gibt es vielmehr ein Ungleichgewicht bei der Bewertung?

Islamfeindlichkeit als Randthema

Weiter bei: https://dtj-online.de/deutschland-bundesverfassungsschutz-islam-nicht-moegen-pi-2140 (Weblink aktualisiert am 03. Februar 2019)




Gastfreundschaft, Wertschätzung und religiöse Diktate


Buffet-1-96Als ein religiös und weltanschaulich neutraler Staat garantiert Deutschland in unserer Verfassung, dem Grundgesetz, in Artikel 4 die Freiheit des Glaubens, des Gewissens sowie die Freiheit des religiösen und des weltanschaulichen Bekenntnisses. Der Staat selbst hat jedoch weder eine Staatsreligion noch eine Staatsweltanschauung.

Im November 2018 richtete der amtierende Innenminister der Bundesrepublik Deutschland eine Fortsetzungsveranstaltung der „Deutschen Islam Konferenz“ DIK in Berlin aus. Zu dieser Veranstaltung war eingeladen worden, es wurde jedoch niemand zur Teilnahme gezwungen, sie war freiwillig und oblag den Eingeladenen. Den Teilnehmern und Gästen, unter ihnen auch Journalisten, wurden, wie es bei solchen Anlässen üblich ist, während der langen Veranstaltung selbstverständlich Speisen und Getränke angeboten, da der Veranstalter nicht davon ausgehen kann, dass sich jeder sein Pausenbrot selbst mitbringt. Unter den angebotenen Speisen befanden sich Medienberichten zufolge (siehe [1], [2] und [3]) u.a. Häppchen mit Blutwurst.

Dass der Verzehr von Blut wie auch der Verzehr von Schweinefleisch im Islam aufgrund überkommener religiöser Vorschriften verboten ist (siehe Koran, Sure 5 Vers 3), ist einerseits wohl hinlänglich bekannt. Weniger bekannt ist möglicherweise, dass nicht alle Muslime diese Verbote befolgen. Weniger bekannt ist möglicherweise auch, dass die hygienischen Umstände, die einst zu diesen Verboten geführt haben, heute nicht mehr fortbestehen. Andererseits wurde während dieser Veranstaltung der DIK niemand dazu genötigt, die angebotenen Speisen zu verzehren — sie waren lediglich in dem breit gefächerten Angebot enthalten, das neben anderen Fleischsorten sogar Speisen u.a. für Vegetarier enthielt.

Einer der anwesenden Journalisten, dessen Name, Herkunft, Religionszugehörigkeit und Beschäftigungsverhältnis für mich keine Rolle spielen (Interessierte können dies in den verlinkten Zeitungsartikeln finden), kritisierte das breite Speisenangebot dennoch und meinte u.a. „Ein wenig Respekt vor Muslimen, die kein Schweinefleisch essen, wäre angebracht“.
Der ehemalige religionspolitische Sprecher einer seit langem im Deutschen Bundestag vertretenen Partei, die sich aus meiner Sicht in den vergangenen Jahrzehnten häufig mit rechtsreaktionärem Despotismus solidarisiert hat sofern dort das Etikett „Islam“ draufklebt, und die in ihrem Namen die Farbe des Islams trägt, sekundierte dem Journalisten laut Medienberichten mit dem Satz „Vielfalt wahrnehmen heißt auch unterschiedliche Gewohnheiten berücksichtigen“.

Genau dies, „unterschiedliche Gewohnheiten berücksichtigen“, hat der Ausrichter der DIK jedoch gemacht, weshalb es an der Entscheidung, den Teilnehmern und Gästen der Konferenz Speisen und Getränke für verschiedene Geschmäcker und unter Berücksichtigung verschiedener Weltanschauungen anzubieten, nichts auszusetzen gibt. Ein wenig befremdlich wirkt auf mich hingegen eine Beinahe-Entschuldigung des Innenministeriums, die mit den Worten zitiert wird „Sollten sich einzelne Personen […] in ihren religiösen Gefühlen gekränkt gesehen haben, bedauern wir dies“.

Ich meine, dass sich ein freiheitlicher demokratischer Rechtsstaat, der keine Staatsreligion und keine Staatsweltanschauung hat, in seinem Wertegefüge niemals den Diktaten von Religionen beugen darf, weil dieser Staat ansonsten seine religiöse und weltanschauliche Neutralität zur Disposition stellen würde.

Interessant könnte sein, ob während des in Deutschland seit dem Jahr 1997 stattfindenden «Tags der offenen Moschee» am 3. Oktober den nichtmuslimischen Besuchern und Gästen Speisen und Getränke angeboten werden, die nicht den islamischen Speisevorschriften entsprechen — und, falls dies nicht geschieht, darüber mit ähnlichen Argumenten berichtet und geurteilt wird, wie es in dem hier geschilderten Fall bei der Deutschen Islam Konferenz gewesen ist.

Anmerkung zum letzten Absatz dieses Beitrags:
Gleiches gilt für Veranstaltungen anderer Religions- und Weltanschauungsvereinigungen.

Eckhardt Kiwitt, Freising
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Bild oben: Dorina Andress (Eberswalde), Wikipedia
[ 1 ] FAZ: Blutwurst auf der Islamkonferenz
[ 2 ] Tagesspiegel: Seehofer serviert Blutwurst bei Islamkonferenz
[ 3 ] Welt: Innenministerium bietet Teilnehmern der Islamkonferenz Blutwurst an

Link zum Originalbeitrag: https://islamprinzip.wordpress.com/2018/12/01/gastfreundschaft-wertschaetzung-und-religioese-diktate/




Meine Höllenfahrt


ibiza-strand-cala-d-hortNun ging es also ans Sterben. Das wurde mir in dem Augenblick klar, als die beiden Ärzte am Fußende des Klinikbettes den Kopf schüttelten. Sie bemerkten nichts von meiner Beobachtung, da ich die Lider nur ein ganz klein wenig angehoben hatte. Eine Krankenschwester schwebte herbei mit einer dieser winzigen, segenbringenden Spritzen auf einem Tablett. Ein kleiner Pieks und fast umgehend ergriff den schmerzenden Körper ein wohliges Gefühl von Schwerelosigkeit. Morphine machen süchtig, aber das schien in diesem  Augenblick eher nebensächlich zu sein (Bild: Berghaus).

Meine Gedanken kreisten nur noch kurz. Ich schlief ein.

Und dann auf einmal dieses Licht! Oh nein, muss das nun wirklich sein? Doch es war da und ganz ohne Zweifel kam es auf mich zu. Jetzt bitte nicht auch noch dieser Engel mit seinen Wallerflügeln! Er blieb mir erspart. Aber plötzlich stand ich auf meinen Beinen – ja, ich konnte gehen – und bewegte mich auf dieses magische Licht zu, ganz leichtfüßig und ohne jeden Schmerz. Ich achtete nicht auf den Untergrund, war angezogen von dem Gleißen vor meinen Augen.

Und dann geschah es: ein Spalt tat sich vor mir auf und ich fiel, nein, ich rutschte eine glatte Felswand hinab, rundum in ein tiefes dunkles Rot getaucht. Die rasende Rutschpartie entschleunigte sich als die Neigung der Felswand geringer wurde, und das Licht wechselte vom aggressiven Rot über Lila, Blau hin zu einem wärmenden Grün, das immer heller wurde. Endstation! Ich plumpste sanft auf weichen, warmen Sand, der mich fast ganz umschloss. Ich prüfte, ob alles an mir noch heile war und kam zu einem befriedigenden Ergebnis. Mir war nicht klar, dass man mich schon eine Weile beobachtet hatte, bis ich zwei ausgesprochen hübsche und freundliche Damen hinter etwas entdeckte, was wohl eine Rezeption sein sollte. Mit einladenden Handbewegungen forderten sie mich zu sich. Auf dem kurzen Weg dorthin wurde mir zwar klar, dass ich nackt war, aber es machte mir nichts aus – und auch die beiden schien es nicht zu stören.

Sie begleiteten mich in eine Art Hotelzimmer, in dem mich bereits ein Begrüßungsstrauß mit meinen Lieblingsblumen erwartete. Nach der Dusche trockneten die Damen, oder soll ich sagen, Hostessen, mich gründlich ab und halfen mir beim Anziehen lockerer und bequemer Kleidung. Zurück in „meinem“ Zimmer fand ich endlich meine Sprache wieder, bisher war alles lautlos abgegangen. Wir setzten uns, sie reichten mir eine Weinschorle und ich fragte: „Wo bin ich denn hier?“ Knapp aber klar kam: „Hölle, Abteilung gehobener IQ“. Wir traten ans Fenster und sie zeigten mir die große Bar, an der eine Menge Leute  in eifrige Gespräche vertieft waren, dahinter ein Gebäude, das wie ein Restaurant aussah und wohl auch war. Der feine Sandstrand schien sich endlos zu dehnen, im Hintergrund klares, blaues Meer, in dem einige Kinder herumtollten. „Und das soll ‚Hölle‘ sein?“. Die beiden kicherten: „Dort unten erfährst du alles weitere, aber vielleicht willst du dich auch erst ein wenig ausruhen“. Sie verließen mich.

Ich war viel zu neugierig, um mich jetzt etwa ausruhen zu wollen. Ich ging zur Strandbar.

Der Barkeeper hatte einen roten Kopf und links und rechts daran zwei Buckel, die man wohl Hörner nennen könnte. Ohne mich zu fragen servierte er mir einen Martini Bianco Tonic. Wie konnte er wissen, was ich am Strand gern trinke?

„In die anderen Teile der Hölle gehe ich nicht so gerne“, begann er seine Antwort auf meine Frage, wieso es hier so angenehm sei. „Dort sieht es längst nicht so gut aus wie hier, sondern in manchen Partien sogar genauso, wie es euch die Pfaffen auf der Erde in den wüstesten Farben schildern. Das liegt einfach daran, dass wir hier in diesem Teil die besten Köpfe der Weltgeschichte versammelt haben, die schon seit Jahrhunderten daran arbeiten, es hier lebenswert zu gestalten. Ich habe sie natürlich machen lassen, denn die mir ‚von oben‘ zugeteilte Aufgabe hat mir von Beginn an nicht gefallen.“ – „Und da oben“, fragte ich, „wie geht es denn da zu? Der Rotbackige kicherte: „Gelegentlich muss ich ja zum Rapport hin. Der Alte weiß nicht, wie wir hier unten leben, und ich werde den Teufel tun ihn aufzuklären. Gelegentlich meint er zwar, unser Kohleverbrauch sei zu hoch, aber er akzeptiert es, obwohl er nicht weiß, dass wir damit den Strom für unsere Klimaanlagen und all die anderen Annehmlichkeiten erzeugen, die nun einmal für ein vernünftiges Leben nötig sind.“ – „Und er kommt selbst nie hierher?“ Nun lachte er wirklich lauthals: „Nein, er hat immer noch Angst, er könne sich seinen weißen Rauschebart verbrennen. So singt er weiterhin mit seinen Paradieslingen ‚Halleluja‘ und verputzt jede Menge Manna. Irgendwie scheint ihm das in dieser ewigen Langeweile dort oben zu genügen. Nun ja, sonderlich intelligent war er ja nie.“

„Gibt es denn keine Möglichkeit, die Menschen auf der Erde über die Wahrheit zu informieren? Kann man nicht einfach jemanden – zum Beispiel mich, kokettierte ich – zurückschicken, damit ich es ihnen erzähle und damit den Pfaffen das Wasser abgrabe?“ Sein Gesicht wurde traurig und die Stirn runzelte sich: „Erstens habe ich nicht die Autorität, das eigenständig zu bewirken – die Rutsche kommt niemand mehr hoch – und zweitens wäre in demselben Augenblick Schluss mit unserem Wohlleben hier. Das könnte ich den vielen guten Freunden einfach nicht antun. Nein, die Menschen müssen schon selber herausfinden, dass das so nicht stimmen kann, was ihnen die frommen Herren erzählen. Macht stetig weiter mit der Aufklärung bis eines fernen Tages niemand mehr auf den Unsinn hereinfällt.“

Er wandte sich anderen Gästen zu, viele Gesichter kamen mir bekannt vor, doch ich war zu sehr in Gedanken versunken, um jetzt noch mit jemandem zu reden. Nach einer Weile ging ich zurück auf mein Zimmer, trank noch eine Weinschorle und fiel schließlich auf meinem Bett in einen tiefen Schlaf.

Als ich erwachte war ich in Schweiß gebadet, aber glücklich. Mein Fieber war wohl abgeklungen, der Kopf dachte klar und frei. Der Kaffee, den meine Frau mir ans Bett brachte, duftete köstlich und alle Lebensgeister kehrten zurück. „Geht es dir besser, mein Schatz?“ – „Oh ja, das kann man wirklich sagen“. Ich erzählte ihr nichts.




Es gibt keine Religionsfreiheit


(Redaktion: Dieser Artikel erschien zuerst bei unseren Freunden von http://das-andere-konzept.blogspot.com/)

Einige halten das Kopftuch für ein Symbol der Unterdrückung, andere als ein harmloses Zeichen der Religiosität. Die gläubigen Muslime berufen Sie sich auf die im Grundgesetz garantierte Glaubensfreiheit. Der weltlich orientierte Teil der Bevölkerung (oder deren politische Vertreter) befinden sich in der Zwickmühle. Einerseits wollen sie den im Grundgesetz garantierten Recht auf Religionsausübung am Leben halten aber anderseits, sich auf dieses Recht berufende Fundamentalismus bekämpfen.

Ich denke, hier liegt der Hund begraben. Es handelt sich um ein großes historisches Missverständnis. Oder Sie sind der Meinung, es gibt eine Religionsfreiheit? Eine Freiheit, was in den heiligen Büchern steht und danach zu leben? Nein, ich muss Sie leider enttäuschen. Es gibt keine Religionsfreiheit. Die wichtigsten Teile und ausgerechnet die Stellen der Religion, die das Bild vom Zusammenleben der Menschen vermitteln, sind im Jahre 2011 weitgehend per Gesetz verboten.

Die Religionsfreiheit endet dort wo unsere weltlichen Gesetze beginnen! Ja, unsere Gesellschaft hält die von Menschenhand gemachten Gesetze für wichtiger als die von Gott und dessen Gesandten formulierten Vorschriften. Die Gläubigen dürfen nur die Teile der Religion ausüben, welche von Menschengesetzen nicht verboten sind. Zumindest gilt dies in Deutschland nicht nur für Muslime, Christen und Juden, sondern für alle Glaubensrichtungen. Punkt, Aus .

Noch mal im Klartext; es gibt keine Religionsfreiheit. Es wird sie auch nicht geben. Sie sind über diese Zeile als Gläubiger oder als wahrer Demokrat empört? Dann schauen wir mal was die heiligen Bücher und deren Menschenbilder uns erzählen?

Sind Sie gläubig? Noch genauer gefragt: Sind Sie zufällig ein Jude, ein Christ oder vielleicht ein Muslim? Was halten Sie davon, wenn Sie jemand hätten, der Ihnen 24 Stunden am Tag zur Verfügung steht? Ich meine wirklich „zur Verfügung“ steht, im wahrsten Sinne des Wortes. Zum Beispiel als Arbeitskraft oder als Lustobjekt oder als Handelsware ohne eigene Willen. Sie können ihn auch verkaufen oder mit ihm Gewinne erzielen. Sie lassen sich auch „verheiraten“ und sich vermehren. Seine Kinder lassen sich wiederum mit Gewinn verkaufen.

Ist das nicht schön? Nein? Warum nicht? Sie meinen, das wäre Sklavenhalterei?

Ja, das stimmt. Das ist Leibeigenschaft. Haben Sie mal darüber nachgedacht oder nachgefragt was ihr heiliges Buch dazu sagen würde? Darf es überhaupt diese „minderwertige Menschenklasse“ gemäß ihrem heiligen Buch geben? Vielleicht lehren uns diese Bücher zu „Nächstenliebe“ oder sie behaupten wir sind alle vor Gott gleich und Gottesgeschöpfe?

Lassen Sie uns genauer nachschauen und in diesen Büchern lesen. Fangen wir mit dem Alten Testament, dem ältesten der drei Bücher an.
Wenn du einen hebräischen Sklaven kaufst, soll er sechs Jahre dienen, im siebten aber soll er umsonst frei ausziehen. Falls er allein gekommen ist, soll er [auch] allein ausziehen. Falls er Ehemann einer Frau war, soll seine Frau mit ihm ausziehen. Falls ihm sein Herr eine Frau gegeben und sie ihm Söhne oder Töchter geboren hat, sollen die Frau und ihre Kinder ihrem Herrn gehören, und er soll allein ausziehen. Falls aber der Sklave sagt: Ich liebe meinen Herrn, meine Frau und meine Kinder, ich will nicht als Freier ausziehen!, so soll ihn sein Herr vor Gott bringen und ihn an die Tür oder an den Türpfosten stellen, und sein Herr soll ihm das Ohr mit einem Pfriem durchbohren; dann soll er ihm für ewig dienen.
Interessant, nicht wahr? Das alte Testament hat kein Problem mit den Sklavenhaltern. Im Gegenteil, diese „Herrn“ sind die Gläubigen. Ist es wirklich Gotteswille, dass der „Herr“ nach Ablauf der 6-jährigen Gebrauchfrist (gilt anscheinend nur für Hebräer) dem Sklaven von ihm zur Verfügung gestellten Gebärmaschine (Ehefrau) und ihre verwendbaren Erzeugnisse (Kinder) behalten darf? Oder wenn der männliche Sklave als Ehemann seine Familie nicht allein lassen will, sein Familienglück durch das Sklaven Dasein bis zum Tod erkauft? Ist dies die von allen Religionen hochgelobte Familie?

Falls das Rind einen Sklaven oder eine Sklavin stößt, soll sein Besitzer ihrem Herrn dreißig Schekel Silber geben, das Rind aber soll gesteinigt werden.
Also was verstehen wir? Das Leben eines Sklaven oder Sklavin kostet 30 Schekel in Silber. Was soll dann aber die Steinigung der Rinder?
"Wenn jemand seinen Sklaven oder seine Sklavin mit dem Stock schlägt, so dass er ihm unter der Hand stirbt, muss er gerächt werden. Nur falls er einen Tag oder zwei Tage [am Leben] bleibt, soll er nicht gerächt werden, denn er ist sein Geld."
Was sollen wir davon halten? Züchtigen ja aber siehe zu das dein Sklave nicht vor dem ersten Tag stirbt. Es geht schließlich um das Geld.

Sie meinen vielleicht zur Entschuldigung der Religionsstifter, dass diese damals nicht wussten, dass das Sklaven Dasein erniedrigend sein könnte?
Wir müssen unsere Söhne und unsere Töchter zu Sklaven erniedrigen. Und manche von unseren Töchtern sind [schon] erniedrigt worden, und wir sind machtlos [dagegen]. Unsere Felder und unsere Weinberge gehören ja den anderen.
Doch, denn sie wussten, was sie taten.

Es sind klare und deutliche Anweisungen für hochwertige Menschen, wie sie mit ihren minderwertigen Menschen umgehen sollten.

Sie als Christ meinen bestimmt im nächstenliebe trotzenden neuen Testament wird alles besser. Wir schauen auch in de Bibel nach:
Ein Jünger ist nicht über dem Lehrer, und ein Sklave nicht über seinem Herrn. Es ist dem Jünger genug, dass er sei wie sein Lehrer und der Sklave wie sein Herr. Wenn sie den Hausherrn Beelzebub genannt haben, wie viel mehr seine Hausgenossen!
Deutlich genug? Wenn nicht es geht hier weiter:
Jeder bleibe in dem Stand, in dem er berufen worden ist. Bist du als Sklave berufen worden, so lass es dich nicht kümmern; wenn du aber auch frei werden kannst, mach um so lieber Gebrauch davon.
Na ja, wenn du frei sein kannst ist gut, wenn nicht auch nicht so schlimm. Dann zerbrich Dir nicht den Kopf.

Denn in einem Geist sind wir alle zu einem Leib getauft worden, es seien Juden oder Griechen, es seien Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt worden.
Was für eine liberale Haltung. Es deutet darauf hin, dass wir alle Menschen sind aber es ist genauso selbstverständlich einer Sklave zu sein. Das ist aber nicht alles. Es geht weiter:
Alle, die Sklaven unter dem Joch sind, sollen ihre eigenen Herren aller Ehre würdig achten, damit nicht der Name Gottes und die Lehre verlästert werde.
Die Sklaven [ermahne], ihren eigenen Herren sich in allem unterzuordnen, sich wohlgefällig zu machen, nicht zu widersprechen.
Leibeigenschaft als Gotteswille. Keine Zweifel.
Ihr Haussklaven, ordnet euch in aller Furcht den Herren unter, nicht allein den guten und milden, sondern auch den verkehrten.
Es fehlen mir dazu die Wörter (die Wörter der Nächstenliebe).

Mal sehen was der Islam im Koran zu der Sklaverei sagt;
Allah gibt (euch) das Gleichnis an die Hand von einem Sklaven, einem Leibeigenen, dieweil er über nichts Gewalt hat; und von einem (Freien), den Wir Selbst reichlich versorgt haben, und er spendet davon im verborgenen und öffentlich. Sind diese gleich? Preis sei Allah ! Doch die meisten von ihnen wissen es nicht.
Wie wahr, wie kann ein Sklave Gleich sein wollen wie der spendable Herr? Hast du was, kannst Du was geben. Hast du nichts, bist du nichts.
O die ihr glaubt, Vergeltung nach rechtem Maß ist euch vorgeschrieben für die Ermordeten: der Freie für den Freien, der Sklave für den Sklaven, und das Weib für das Weib.
Es klingt wie „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ aus dem Alten Testament, mit einem kleinen Unterschied. Nach dieser Aussage soll als Gegenmaßnahme definitiv ein unschuldiger ermordet werden. So weit zur Gerechtigkeit.
Und heiratet nicht Götzendienerinnen, ehe sie gläubig geworden; selbst eine gläubige Sklavin ist besser als eine Götzendienerin, so sehr diese euch gefallen mag.
Eine Muslimin als Sklavin? Vor der Sklaverei ist demnach nicht mal die eigene Glaubensschwester geschützt. Es gibt also minderwertige Muslime und hochgestellte Muslime. Gleichheit vor Gott? Fehlanzeige.
Keinem Gläubigen steht es zu, einen anderen Gläubigen zu töten, es sei denn aus Versehen. Und wer einen Gläubigen aus Versehen tötet: dann die Befreiung eines gläubigen Sklaven und Blutgeld an seine Erben, es sei denn, sie erlassen es aus Mildtätigkeit. War er (der Getötete) aber von einem Volk, das euch Feind ist, und ist er (der Totschläger) gläubig: dann die Befreiung eines gläubigen Sklaven; war er aber von einem Volk, mit dem ihr ein Bündnis habt : dann das Blutgeld an seine Erben und die Befreiung eines gläubigen Sklaven. Wer [das] nicht kann: dann zwei Monate hintereinander fasten – eine Barmherzigkeit von Allah. Und Allah ist allwissend, allweise.
Sklavenbefreiung als Strafe. Auch nicht schlecht. Was aber noch interessanter ist, ist der Preis eines Sklaven: 2 Monate Fasten. Demnach ist nicht nur eine Sklavenbefreiung, sondern auch das Fasten eine Strafe.

Es gibt natürlich auch manche Stellen in diesen Bücher, die sich auch anders interpretieren lassen könnten, aber diese eindeutigen Aussagen überragen alles Andere. Alle haben ein paar Punkte gemeinsam:
•    Leibeigenschaft als gottgewollte Gesellschaftsordnung,
•    Sklaverei wird nicht in Zweifel gezogen, im Gegenteil als Normalzustand zementiert,
•    Sklaven sind auf der gleichen Stufe wie Nutztiere. Sie dürfen auch zur Bestrafung dessen Herren getötet werden,
•    sie akzeptieren sogar eigene Glaubensschwestern und Brüder als Sklaven.
Man bedenke: Alle diese Bücher lehren die Unteilbarkeit des Glaubens. Sie behaupten, man kann sich nicht aussuchen an welcher Stelle man gläubig sein will und wo nicht. Entweder ganz oder gar nicht.

Wollen Sie jetzt vielleicht doch einen Sklaven haben, nachdem Sie wissen, das nichts schlimmes dabei ist? Nein, immer noch nicht?
Dann muss ich hier annehmen, dass auch die Mehrheit der Gläubigen sich das auch nicht wünschen; eine Religion nach ihren heiligen Büchern. Dies bedeutet also, dass die Inhalte der Bücher sich ihrer Zeit anpassen und somit diskutierbar, ja sogar kritisierbar bleiben. Wenn heute jemand die Meinung äußern würde: „Weg mit der Sklaverei“ würde kein Muslim dagegen protestieren. Warum protestiert man dann wegen der Kopftuch-Debatte?

Nein, es wird auch keine Sklaverei, also auch nie einen vollständigen Glauben geben. Die Gläubigen können ihren Glauben nicht nach ihren heiligen Büchern ausleben. Sie werden auch nicht den Strafmaß für einen Verbrechen nach ihren Büchern festlegen. Einige Muslime würden gerne die Scharia weltweit einführen aber die Mehrheit der Muslime lehnt es ab. Keiner von uns wird auf die Idee kommen, auch nicht die in unserer Gesellschaft lebenden Muslime, Christen oder Juden die Sklavenhaltung trotz der Legitimation durch ihre heiligen Bücher einzuführen. Daher was wir heute Christentum, Islam oder Judentum nennen, ist nur der Rest- bzw. an unsere jetzige Vorstellung von Zusammenleben angepasster Teilglaube.

Es ist ein unumkehrbarer Sieg der Aufklärung. Schwer erkämpf. Es wird eines Tages in allen anderen Themen genauso sein.

Wollen Sie immer noch die Glaubensfreiheit? Oder wollen Sie wissen was in diesen Büchern über die Frauen steht?

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

 




Buddhas Lehre V


Der lange Weg zum Nirvâna:

Die dritte „Edle Wahrheit“ des Buddhismus besagt, daß das Leiden, weil es selbst bedingt entsteht, aufgehoben werden kann. Die Grundvoraussetzung dazu liegt zuvorderst in der Aufhebung der „Unwissenheit“, d.h. in der Einsicht der Unbeständigkeit des Weltgeschehens.

Alle die Samaas oder Brâhmaas auch, ihr Bhikkhus, die gegenwärtig das, was in der Welt lieb und angenehm ist, für vergänglich ansehen, für leidvoll ansehen, für etwas, was kein Selbst ist, ansehen, für Krankheit ansehen, für Gefahr ansehen, die geben den Durst auf. [i]

Zu dem Durst, der Wiedergeburten erzeugt, zählte der Buddha, das sei hier einmal erwähnt, auch das Streben bzw. die Gier nach Selbstvernichtung. Die Selbsttötung eines Unerlösten oder „Nichtwissenden“ führt nicht zur Befreiung aus dem Daseinskreislauf, sondern führt unweigerlich zu einer erneuten Existenzform, da die bisherigen karmischen Bedingungen nicht nur weiterhin fortbestehen, sondern durch das heftige Nicht-Wollen, d.h. durch die Ablehnung der zerstörten Daseinsform, die ja alles andere als Losgelöstheit bedeutet, wurden zusätzlich neue karmische Bedingungen gelegt.

Man bringt sich mit dem Schwerte um,

verschluckt auch Gift, vom Wahn gepackt,

hängt sich an einem Stricke auf,

stürzt sich von einem Fels hinab.

Wer einen Lebenskeim zerstört,

wer selber sich das Leben nimmt,

begreift nicht, was er damit tut:

Aus Zorn erwächst ihm Untergang. [ii]

Der Weg zur Erlösung liegt also in der Gelassenheit und Loslösung und besteht in der Umkehr des Werdeprozesses, der auf dem „Durst“ nach Lust usw. fußt.

Aus dem restlosen Verschwinden aber und der Aufhebung eben dieses Durstes folgt Aufhebung des Erfassens; aus der Aufhebung des Erfassens folgt Aufhebung des Werdens; aus der Aufhebung des Werdens folgt Aufhebung der Geburt; durch Aufhebung der Geburt werden Alter und Tod, Schmerz, Kummer, Leid, Betrübnis und Verzweiflung aufgehoben. [iii]

Nun gibt es die Behauptung, der Buddha sei ein Pessimist und der Buddhismus letztlich eine Denkweise, der etwas Negatives anhafte. Der Pessimismus aber ist eine Gemütshaltung oder ein Lebensgefühl. Zweifelsfrei mag es nicht wenige pessimistische Persönlichkeiten gegeben haben und geben, die sich vom Buddhismus angezogen fühlen; das buddhistische Denken aber ist das Resultat einer Analyse der erlebten Wirklichkeit. Endlichkeit und Vergänglichkeit sind als deren Eigenheiten nicht Sache eines Lebensgefühls, sondern Fakten. Daher lassen sich die bekannten Kategorien von Optimismus und Pessimismus letztlich nicht problemlos auf den Buddhismus anwenden. Wer das Leben mit Heiterkeit und Gelassenheit nimmt, der kann Buddhist sein, ist aber dennoch kein Pessimist. Auch ist der Buddhismus keine Denkrichtung, die sich gegen die Welt richtet. Vielmehr geht es um die innere Einstellung, die der oder die einzelne sinnvollerweise in Anbetracht der Gegebenheiten des Daseins einnehmen sollte, um unnötiges Leid zu vermeiden. Der Gedanke, daß Gleiches Gleiches erzeugt, ist als solcher ebenso wertneutral wie die Vorstellung, daß die Aufhebung aller Begierden zu einem endgültigen Austritt aus dem Dasein führt. Was der Buddhismus hier lehrt, ist aus seiner eigenen Sicht nichts anderes als allgemeingültige Sachverhalte. Seinem Selbstverständnis nach ist die buddhistische Lehre ein Weg der Mitte, der die Extreme der Lebensfeindlichkeit etwa in Form von krasser Askese oder Selbsttötung ebenso ablehnt wie ein rein lustorientiertes Leben.

Hinsichtlich des Leidensgedankens, des Erlösungsbegriffs und der Frage nach dem Einfluß, den der Buddhismus aufgrund seiner besonderen Beschaffenheit, mit der er aus der Weltlichkeit hinausführt, auf das kulturelle Leben Indiens und der asiatischen Welt ausgeübt hat und noch heute ausübt, sei hier an eine Stelle des Nachwortes hingewiesen, das Helmuth von Glasenapp seinerzeit zu Oldenbergs „Buddha“ (S. 474) verfaßte:

Für die Mehrzahl der Buddhisten haben diese Einsichten genau so wenig eingewirkt, wie der Glaube von dem bevorstehenden Weltuntergang auf das Verhalten der meisten Christen. Dies um so weniger, als ja die meisten Buddhisten glaubten [und glauben], noch lange Zeit im Sansâra [im Weltgeschehen] umherwandern zu müssen, bis sie in allmählicher stufenweiser Läuterung die moralische Reife und ausreichende Erkenntnis erlangt haben würden, um vom Schauplatz des Daseins für immer abzutreten. Für diejenigen, welche noch nicht die höchste Weisheit gewonnen haben, stellt das Leben andere Aufgaben. Hätten die Buddhisten ,nur die Oberfläche des Lebens gestreift und sich müde von ihm abgewendet‘ [Oldenberg, ebd., S. 235], so wäre die Entstehung einer weit verzweigten, hoch entwickelten Kultur und ihre Ausbreitung über ganz Indien und darüber hinaus nach Hinterindien, China, Japan, Tibet ein völliges Rätsel.

Soweit der Buddha von der Aufhebung des Durstes oder des „Willens zur Macht“ spricht und von der endgültigen Erlösung, ist zu bedenken, daß er sich mit diesen Gedanken an seine Mönche und Nonnen wandte und nicht an Laien. Für den Laien, der sein Leben führt, in dem er diese oder jene berufliche und private Aufgaben zu erfüllen hat, und der ohnehin tiefer im weltlichen Geschehen verwurzelt ist als ein Mensch, der sich entschlossen hat, ein Leben als Mönch oder Nonne zu führen, wäre es ohnehin zuviel verlangt, sofort nach der Heiligkeit oder dem Nirvâa zu streben. Erlösung ist schließlich nach buddhistischer Vorstellung etwas, das eine entsprechende „Reife“ voraussetzt, schließlich ist die Erlösung ein Prozeß, dem aus buddhistischer Sicht zahlreiche Lebensläufe vorhergegangen sind, in denen die Keime für eine solche Erlösung gelegt wurden. So kann ein Mensch lediglich im Rahmen seiner charakterlichen Grenzen und Möglichkeiten, seiner Intelligenz und äußeren Bedingungen handeln. Daher unterschied der Buddha zwischen den ganz unterschiedlichen Belangen der Laien und denen seiner Ordensangehörigen. Seine Lehre sollte jedem zugänglich sein.

Wenn nun diese Lehre nur den Herrn Gotama und die Mönche und Nonnen, nicht aber die Laienanhänger und Anhängerinnen, enthaltsam im Hause lebend, und nicht die Anhänger und Anhängerinnen, die im Hause leben und sinnliche Freuden genießen, zum Heil führen würde, dann wäre dieser Reinheitswandel unvollkommen. Weil aber diese Lehre vom Herrn Gotama, den Mönchen und Nonnen, den enthaltsam lebenden Laien und denen, die sinnliche Freuden genießen, verwirklicht werden kann, ist sie vollkommen. (M 73 gerafft)

Neben den strengeren Regeln für Mönche und Nonnen, die aktiv der Erlösung zustreben und dabei das kontemplative Moment in den Vordergrund stellen, dienen die allgemein empfohlenen Regeln, d.h. der achtfache Pfad, auch zugleich dazu, neues Leiden nach Möglichkeit zu vermeiden. Am Anfang des „Weges der Mitte“ steht die „Rechte Erkenntnis“ (sammâ-dihi), die Einsicht in die fundamentalen Gegebenheiten des Lebens und in der Einsicht der vier Wahrheiten Buddhas. Als geistige Haltung ist mit diesem ersten Schritt die „Rechte Gesinnung“ (sammâ-sankappa) verbunden. Die rechte Gesinnung hat drei Grundlagen: eine entsagende, haßlose und friedfertige Haltung. Aus diesem geistigen Grundlagen folgt das sittliche Verhalten, in Form der „Rechten Rede“ (sammâ-vâcâ), des „Rechten Tuns“ (sammâ-kammanta) und des „Rechten Lebensunterhalts“ (sammâ-âjîva). Die Regeln des sittlichen Verhaltens dienen insgesamt dazu, negative Auswirkungen zu vermeiden und positive zu fördern. Der Gebrauch der Sprache ist demnach sinnvollerweise frei von Lügen, frei von dem Bestreben, Zwietracht zu säen, frei von Beleidigungen und verletzenden Redensarten jeglicher Art und sinnloser Schwatzerei. Hinsichtlich des rechten Handelns gelten für die Laien einige Grundregeln:

Das Zerstören von Leben ist zu vermeiden.

Von Diebstahl ist Abstand zu halten.

Sexuelle Handlungsweisen, die den gesellschaftlichen Konventionen nicht entsprechen, sind zu vermeiden, ebenso ein Sexualverhalten, das andere verletzt, schädigt usw. (Für Nonnen und Mönche gilt völlige Enthaltsamkeit, sie haben aber die Möglichkeit, den Orden wieder zu verlassen, wenn ihnen das Ordensleben Schwierigkeiten bereitet, die sie nicht bewältigen können. Eine überaus kluge Entscheidung, diese Möglichkeit offenzuhalten; damit hat Gotama seinen Orden nicht nur von Neurotikern geschützt, die ihren Entschluß zum Zölibat bereuten, sondern auch vor den zahllosen Heuchlern, die zwar offiziell enthaltsam leben, aber tatsächlich heimliche Liebesbeziehungen pflegen, wie wir es aus unserem eigenen Kulturkreis zur Genüge kennen.)

Berauschende Mittel sind zu vermeiden.

Freilich ist diese hier gegebene Aufstellung und Formulierung selbst nur eine Interpretation. Entscheidend ist bei den empfohlenen Verhaltensweisen, schädigende Auswirkungen zu vermeiden. Was nützt es, wenn jemand zwar nichts Berauschendes trinkt, aber als Kettenraucher mit Lungenkrebs endet, oder wenn jemand nichts derartiges zu sich nimmt, aber dafür im Essen keine Maßhaltung übt, wie etwa der damalige König Pasenadi? Die Orientalen haben es gern gehabt, ihre Auffassungen in Zahlenreihen zu katalogisieren. Zehn Arten von Fesseln, drei Arten guten Wirkens, drei Gifte, sechs Dummheiten, sieben Gegebenheiten, die zur Erleuchtung führen, zwölf Ursachen der bedingten Entstehung, zweiunddreißig Kennzeichen usw.[iv] Dieser Aufbau der Gedanken hatte einen Vorteil: er ließ sich einfacher einprägen, denn all die uns überlieferten Texte wurden auswendig gelernt. Eine zahlenmäßige Anordnung war somit naheliegend. Was also das rechte Handeln betrifft, so steht dies grundsätzlich unter dem Aspekt, sozusagen „karmisch heilsam“ zu wirken und Unheilsames zu unterlassen, und weniger unter dem Aspekt, genau den einzelnen, zahlenmäßig erfaßten Punkten zu entsprechen. Hinsichtlich der Rauschmittel war damals nur von alkoholischen Getränken die Rede, heute aber kennen wir entschieden mehr. Wer ein wenig Sinn für Humor hat, der kann sie nach uralter buddhistischer Sitte ordnen: drei Arten des Tabaks: Zigaretten, Zigarren, Pfeife, drei Arten von Alkohol: Bier, Wein, harte Getränke, vier Arten von Drogen: rauchbare, injizierbare, eßbare und trinkbare usw.

Das Regelwerk läßt sich letztlich auf die Formel bringen, gegenüber anderen so zu handeln, wie man selbst behandelt werden möchte, und sich selbst zu schonen. Dies gilt auch für den „Rechten Lebenserwerb“. Einkünfte, die zu Lasten anderer gehen, die allgemein schädlich wirken, auf Verbrechen basieren usw. können entsprechend der buddhistischen Karma-Lehre keine guten Früchte für denjenigen tragen, der sie ausübt.

Es ist zweifellos eine Tatsache, daß wir durchaus zu den üblichen menschlichen Schwächen neigen, die in ihren Wirkungen unangenehm sind, so daß wir uns sagen: Hätte ich das bloß gelassen! Der sechste Teil des Weges gehört zusammen mit dem siebenten und achten Teil zum meditativen Bereich des Gesamtpfades und dient der Vermeidung solcher Schwächen. Es ist die „Rechte Anstrengung“ (sammâvâyâma). Obwohl Gotama sich damit an seine Mönche wandte, gilt das Gesagte für Laien nicht weniger. Der Buddhismus kennt vier Anstrengungen: die zur Vermeidung und Überwindung schlechter, unheilsamer Regungen und die Anstrengungen zur Erzeugung und Erhaltung heilsamer Regungen. Bei diesen Anstrengungen geht es darum, negative Gedanken und Gefühle erst gar nicht entstehen zu lassen und positive zu pflegen. Leichter gesagt als getan! Was aber ist die Voraussetzung für die erfolgreichen Anstrengungen? ¾ mag sich Gotama einst gefragt haben. Der nächste Schritt auf dem Wege ist die Antwort: „Rechte Achtsamkeit“ (sammâ-sati). Auch wenn sich Gotama mit der Pflege der rechten Achtsamkeit an seine Mönche und Nonnen wandte, ist diese Achtsamkeit für Laien, wenn auch nicht in gleicher Intensität, angebracht. Die rechte Achtsamkeit hat vier Grundlagen: die Betrachtung des eigenen Körpers, die der Gefühle, des Denkens und der Objekte des Denkens. Hinsichtlich der Körperbetrachtung gibt es für Mönche etwa die Übung der bewußten Atmung, bei der die Konzentration auf verschiedene Weisen des Ein- und Ausatmens gerichtet ist; eine fundamentale Praktik indischer Yoga-Systeme.

Zu den weiteren Methoden der Körperbetrachtung gehört die Richtung der Aufmerksamkeit auf einzelne Teile des Körpers oder auf die Elemente, etwa das Flüssige, das Feste usw. Eine andere Übung ist die Vorstellung eines verwesenden Leichnams, die verdeutlichen soll, daß der Körper eine endliche Erscheinung ist. Die Betrachtung der Gefühle besteht darin, sich mit den vorhandenen Gefühlen nicht zu identifizieren, sondern ihnen gegenüber eine Haltung einzunehmen, in der das Aufkommen und Verschwinden der Gefühle bewußt wahrgenommen wird. Buddhistisch gesprochen müßte man hier nicht sagen, ich bin glücklich, traurig, wütend usw., sondern ich nehme wahr, daß etwas in mir als Glück, Trauer, Wut usw. wirkt. Wer vielleicht einmal kurz davor steht, sich kräftig aufzuregen, der mag genau an dieser Stelle einmal seine Gefühle beobachten. Das Ergebnis wird sein, daß er in der Lage ist, „die Ruhe zu bewahren“. Gleiches gilt für die Denktätigkeit und die Vorstellungen. Hier ließe sich sagen: nicht ich denke, sondern ich nehme Gedanken wahr. Wer solche Übungen, so schwer sie auch sein mögen, konsequent verfolgt, wird feststellen, daß er weniger geneigt sein wird, sich blind seinen Affekten und Instinkten hinzugeben. Vielmehr wird er eine Art der Selbstbeherrschung gewinnen, die dem normalen Menschen gewöhnlich nicht gegeben ist. Buddhistische Mönche (und nicht wenige Laien) kennen zahlreiche derartige Meditationsübungen, bei denen durch den Einsatz geistiger Kräfte ein enormes Maß an Selbstkontrolle erzielt werden kann. Gesetzt, um ein Beispiel hinzuzufügen, ein Mönch begegnet einer Frau mit starker erotischer Ausstrahlung, so wird er dieser Ausstrahlung nur schwerlich erliegen, wenn er über ihre Verdauungsprozesse und Blutzirkulation meditiert und sich vor seinem geistigen Auge vorstellt, wie diese Person nach einigen Jahrzehnten einmal aussehen wird. Alle derartigen Übungen verfolgen das gleiche Ziel: Selbstkontrolle und innere Distanz zu den Dingen des Lebens, die den gewöhnlichen Menschen binden.

Der Moka [d.h. die Erlösung] der Hindu ist die Versetzung von der Theaterbühne in den Zuschauerraum, es ist das unbeteiligte Betrachten des Welttheaters in dem Bewußtsein, ein reines Spiel zu sehen, das nur von denen ernst genommen wird, die auf der Bühne stehen. [v]

Was hier in bezug auf die Hindus zutreffend artikuliert ist, gilt für den Buddhismus nicht weniger. Wenn wir zu all dem, was in unserem Körper, in unserer Gefühlswelt und in unserem Geist vor sich geht, die Haltung eines Beobachters einnehmen, dann werden wir je nach Begabung einen verschieden großen Grad an Gelassenheit wahrnehmen. Zugleich können wir feststellen, daß wir, wie es der Buddha schon vor zweieinhalb Jahrtausenden dargelegt hat, mit nichts von all dem identisch sind. Die Bewußtseinshaltung, welche bei derartigen Übungen eingenommen wird, entspricht gewissermaßen der eines Zeugen, der einen Prozeß beobachtet. Der letzte Schritt auf dem achtteiligen Pfad, der gänzlich aus dem weltlichen Gebundensein herausführt, ist die „Rechte Meditation“ (sammâ-samâdhi). Daß von vier Stufen die Rede ist, ist einzig Sache der Darstellungsweise des Vorgangs. Den vier Stufen folgen noch vier weitere, tiefere Versenkungszustände. Spätere Mönche sprechen von insgesamt neun Stufen.[vi] Eine sehr anschauliche und umfangreiche Darstellung der vier Meditationsstufen bietet das Pohapâda-sutta (D IX).[vii] In diesem Sutta schildert der Buddha dem Wanderasketen Pohapâda die Stufen der Versenkung (jhâna) folgendermaßen:

1. Stufe

Sobald der Bhikkhu wahrnimmt, daß die fünf Hemmnisse [nîvaraa, Sinnlichkeit, Bosheit, geistige und körperliche Trägheit, geistige und körperliche Aufgeregtheit und Zweifel] aus seinem Innern getilgt sind, erwacht in ihm Freude und Lust, (der Eindruck) „Körper“ kommt zur Ruhe, im Besitz dieser Ruhe empfindet er Behagen, und wenn er Behagen empfindet, gelangt auch sein Geist zur Konzentration. Indem er sich losmacht von allen Sinnengenüssen und allem Üblen, erreicht er die mit energischem Denken und Erwägen verbundene, glück- und freudenreiche erste Stufe der Versenkung, die durch Loslösung [vivekaja, „aus der Einsamkeit geboren“] gewonnen wird, und hält sie fest. Dann schwindet in ihm das früher vorhandene Bewußtsein, das mit dem sinnlichen Begehren zusammenhängt [kâmasaññâ]. Dadurch erwacht dann das geistig-reale [sukhuma-sacca, „fein-real“] Bewußtsein.

2. Stufe

Wenn dann der Bhikkhu, indem er Denken und Erwägung zur Ruhe bringt, die von allem Denken und Erwägen freie glück- und freudenreiche zweite Stufe der Versenkung erreicht und festhält, die Frieden im Innern und Erhebung-und-Zusammenschluß des Geistes bringt und durch Konzentration gewonnen ist, dann erlischt das vorher gewonnene geistig-reale Bewußtsein von der durch Loslösung gewonnenen Freude und Wonne. Dafür erwacht dann das geistig reale Bewußtsein von der durch Konzentration [samâdhi] gewonnenen Freude und Wonne, und er ist sich dieser geistigen Realität bewußt. [Mit dem Erlöschen eines Bewußtseinszustandes und dem Erwachen eines anderen ist] gemeint, daß man es methodisch betreiben kann, das Entstehen mancher Bewußtseinszustände und das Vergehen anderer hervorzurufen. Und das ist dieses methodische Vorgehen.

3. Stufe

Wenn dann weiter der Bhikkhu, indem er sich von der Freude läutert, [in vollem Bewußtsein in seiner Person] Glück empfindet, die dritte Stufe der Versenkung erreicht und festhält, von der die Auserwählten [ârya, auch „Weisen“] sagen, daß man voll Gleichmut, ernst besonnen und beglückt sei, dann erlischt das vorher gewonnene Bewußtsein von der durch Konzentration errungenen Freude und Wonne. Dafür erwacht das [subtile] Bewußtsein von der Wonne des Gleichmuts [und der Glückseligkeit].

4. Stufe

Wenn dann der Bhikkhu die vierte Stufe der Versenkung erreicht und festhält, wo nach dem Freiwerden von Glück sowohl als Leid, nach dem Einschlafen der früher vorhandenen Empfindung für Glück und Leid, Leid- und Glücklosigkeit herrschen und wo (der Geist) geläutert ist durch Gleichmut und ernstes sich Besinnen, dann erlischt das vorher gewonnene [subtile] Bewußtsein von der Wonne des Gleichmuts, dafür erwacht dann das [subtile] Bewußtsein von der Freiheit sowohl vom Leiden wie vom Glück, und er ist sich dieser Realität bewußt.

Den vier Stufen folgen nun noch die weiteren vier Zustände der Versenkungen bzw. „Erreichungen“ (sammâpatti):

Wenn dann weiter der Bhikkhu, indem er die Formenvorstellungen vollständig überwindet, allen Vorstellungen [von Widerstand im Raume] ein Ende macht und denjenigen von der Mannigfaltigkeit der Objekte in seinem Geiste keine Stätte mehr gewährt, nur noch den unendlichen Raum anerkennt und somit [den Zustand] der Raumunendlichkeit erreicht und in ihm lebt, dann erlischt das vorher von ihm gehegte Formen-Bewußtsein. Dafür erwacht das [subtile] Bewußtsein, sich auf der Stufe der Raumunendlichkeit zu [befinden], und er ist sich dieser Realität bewußt.

Wenn dann weiter der Bhikkhu, indem er [den Zustand der] Raumunendlichkeit gänzlich überwindet, [erkennt], daß die Wahrnehmung [frei ist vom Widerstand im Raum] und so den in der Wahrnehmungsunendlichkeit bestehenden Zustand erreicht, dann erlischt das vorher in ihm [gewesene] Bewußtsein der Raumunendlichkeit. Dafür erwacht dann das Bewußtsein des in der Wahrnehmungsunendlichkeit bestehenden Zustands, und er ist sich dieser Realität bewußt.

Wenn dann weiter der Bhikkhu [den Zustand der] Wahrnehmungsunendlichkeit überwindet und so zur der Vorstellung kommt, daß überhaupt nichts existiere, den [Zustand des] Nichtvorhandenseins von irgend etwas erreicht, dann erlischt das vorher in ihm [gewesene] Bewußtsein. Dafür erwacht das [subtile] Bewußtsein des Nichtvorhandenseins von etwas, und er ist sich dieser Realität bewußt.

Von diesem Punkte an, wo der Bhikkhu nur noch das Bewußtsein seiner eigenen Zustände hat, steigt er allmählich zu immer höheren Zuständen des Bewußtseins hervor, bis er dessen höchsten Zustand erreicht hat. In diesem Stadium [weiß] er: Es ist für mich unangebrachter, zu denken, als nicht zu denken. Wenn ich denke und [Formen] bilde, dann werden diese meine jetzigen Bewußtseinszustände verdrängt, und andere, auf Grob-Empirisches bezügliche, treten an ihre Stelle. Und er denkt nicht und bildet nicht [Formen oder Vorstellungen]. Dann schwinden sowohl die Bewußtseinszustände dahin, in denen er sich befand, wie auf der anderen Seite keine anderen auf Empirisches bezüglichen mehr erscheinen. So erreicht er das Ende.

In diesen Bewußtseinszuständen herrscht keine Bewußtheit hinsichtlich des Körpers oder der physikalischen Dimensionen von Zeit und Raum. In der theoretischen Darstellung klingt es nahezu einfach, diese Veränderungen der Bewußtseinszustände zu erzeugen; tatsächlich aber dauert es Jahre intensiver Übung und bedarf eines kompetenten Lehrers. Obwohl dies leicht einzusehen ist, ist es wieder und wieder erstaunlich, mit welcher Naivität und Unkenntnis sich manche westliche Autoren dieser Thematik widmen: „Die indische Yogalehre ist weder etwas Übersinnliches, noch beruht sie auf außerordentlichen Fähigkeiten. Indem sie aber psychische Erlebnisse und Fähigkeiten freilegen kann, die das Alltagsleben eher unterdrückt als fördert, gewinnt sie leicht den Charakter des Wunderbaren.“[viii] Dies ist schlicht falsch. Die Yogalehre und somit auch die buddhistische Meditationslehre ist erstens insofern „übersinnlich“, als daß sie über den Bereich des sinnlich Erfaßbaren weit hinausgreift, und sie beruht zweitens sehr wohl auf „außerordentlichen Fähigkeiten“, da alle Praktiken jahrelang geübt und gelernt werden müssen. Inder wie Sri Aurobindo, Vivekananda und andere schildern dies ausführlich, weil sie auf ihre eigenen Erfahrungen zurückgreifen. Ein theoretischer Erklärer aber vermag das nicht zu leisten.

Aus einer ganzen Reihe von Beschreibungen, wie man sie in der späteren Entwicklung der Jogapraxis, wie z.B. dem Zen-Buddhismus findet, können wir darauf schließen, daß zumindest die letzten Stufen der Versenkung durch Selbsthypnose erreicht wurden […]. Hypnose und Autosuggestion haben nun nichts mit Zauberei oder unerklärten [sic!] Phänomenen zu tun. [ix]

Bei dem Yoga und den Versenkungen handelt es sich definitiv nicht um Hypnose; „übrigens sind hypnotischer Schlaf und Trance Hindernisse, die die indischen Meditationsabhandlungen sehr gut kennen und auf die sie die Praktizierenden ständig aufmerksam machen.“[x] Wenn schon, dann sollte sich eine erklärende Darstellung des Yoga vernünftigerweise in dem ihm selbst zugehörigen Darstellungssystem bewegen.

Wer den buddhistischen Weg der Selbsterlösung gehen will, aber ohne Leidensphilosophie und Nirvâa […], sollte sich […] klarmachen, daß die Stufen buddhistischer Versenkung ebenso von christlichen Mystikern im Gebet erreicht wurden wie heute von psychologisch-physiologisch fundierten Methoden. [xi]

Abgesehen davon, daß sich die Erlösungsbedürftigkeit überhaupt erst aus Leiden ergibt und der Weg der Selbsterlösung nicht ohne eine Zielrichtung bestehen kann, ist es ¾ mit Verlaub ¾ barer Unsinn, daß angeblich „die Stufen buddhistischer Versenkung“ durch „psychologisch-physiologisch fundierte Methoden“ erlangt werden sollen. Das einzige Fundament der buddhistischen Versenkungen ist die buddhistische Tradition selbst, und die ist Teil eines Weltbildes, welches weder mit den wissenschaftstheoretischen Grundlagen der Physiologie noch mit denen der westlichen Psychologie in irgend einem Zusammenhang steht. Zahlreiche Phänomene, die mit den Versenkungen (und nicht mit Selbsthypnose) verbunden sind, fallen im Westen in den Bereich der Parapsychologie, und zwar darum, weil sie sich nicht mittels Physiologie und Psychologie „erklären“ lassen. Aus indischer Sicht sind die Siddhis keine „Zaubereien“ oder „Wunder“, sondern das Ergebnis der Beherrschung und Anwendung von Gesetzmäßigkeiten und Kräften, die dem gewöhnlichen Menschen nicht zur Verfügung stehen. Die buddhistischen Versenkungen und die Methoden der einzelnen Yoga-Schulen können nur von demjenigen gelehrt und vermittelt werden, der sie beherrscht, aber nicht von einem Theoretiker, der nicht einmal in der Lage ist, für eine Minute seinen Gedankenfluß zu stoppen. „So dürfen wir hoffen, den Realbestand der Jogatradition ebenso zu erobern, wie frühere Forschung aus dem mystischen Magnetismus die rationale (!) Hypnotheorie entstehen ließ.“[xii] Wer mit einer derartig unpassenden Geisteshaltung an den Buddhismus oder den indischen Kulturkreis überhaupt herantritt, der wird seiner Absicht gemäß zu einer rationalen Yogatheorie gelangen, und wenn er mit dieser Geisteshaltung an ein Klavier herantritt, dann wird er zu einer rationalen Klaviertheorie gelangen. Damit aber beherrscht er weder die Meditationen noch das Klavierspielen. Dennoch hat er wunschgemäß etwas für ihn Wichtiges gewonnen ¾ seine Theorie, die ihm im Kreise Gleichgesinnter persönliche Anerkennung verschafft.

Das Nirvâa

Man ist, wenn von dem Wort Nirvâa gesprochen wird, nur allzu sehr geneigt zu fragen, was denn Nirvâa ist. Wenn man daraufhin antwortet, Nirvâa ist dieses oder jenes, dann wird es automatisch zu einem Vorstellungsobjekt unter anderen. Da aber das Nirvâa eben dies genau nicht ist, läßt es sich auf eine allgemein nachvollziehbare Weise nicht sprachlich wiedergeben. In der buddhistischen Geisteswelt ist das Nirvâa daher fast ausschließlich entweder in negativer Weise beschrieben oder im positiven Sinne als Zustand der höchsten Freiheit, des Friedens, der höchsten Sicherheit, der Unvergänglichkeit usw. dargestellt. Wie schwer es ist, Zustände und Qualitäten auszudrücken, läßt sich z.B. verdeutlichen, wenn man einmal versucht, den wahrgenommenen Geschmack einer Erdbeere zu beschreiben. Müßte diese Beschreibung ohne einen Vergleich mit anderen Geschmackswahrnehmungen stattfinden, so wäre man sprachlos. Gleiches gilt z.B. für Farben: Was ist Blau? Ein anderes Beispiel wäre es, zu versuchen, Verliebtheit als Zustand zu beschreiben, ohne dabei auf Vergleiche zurückzugreifen ¾ eigentlich unmöglich. Der Geschmack der Erdbeere wird ebenso wie die Farbe Blau mittelbar, durch die Sinnestätigkeit wahrgenommen. Verliebt kann man unmittelbar sein, weil es ein unmittelbarer Zustand ist, aber letztlich läßt uns die Sprache immer dann im Stich, wenn es darum geht, Qualitäten und Zustände sprachlich auszusagen. Nirvâa ist dabei keine Ausnahme.

Es gibt zahlreichen Formulierungen wie „ins Nirvâa eingehen“, es erreichen, dort hingelangen und ähnliche. Diese Begriffe deuten auf eine Art von Raum, der irgendwie zu überwinden ist, um ans Ziel zu gelangen. Dieser Raum aber ist nicht der Raum, wie wir ihn im physikalischen Sinn auffassen. Das Erlangen oder Erreichen eines Zustands spielt sich in anderen Dimensionen ab. Die Verwirklichung, d.h. die Bewußtwerdung des Nirvâa ist aus buddhistischer Sicht eine Wandlung unseres Bewußtseins. Dabei ist Nirvâa kein Zustand, der erst neu entsteht, sondern eine Realität jenseits des Zeit-Raum-Gefüges. Diese Realität ist von den Zuständen des noch nicht Erlösten unberührt. Indem aber die Bewußtheit des Nirvâa entsteht, entschwindet die Bewußtheit, eine innerhalb von Zeit und Raum isoliert existierende Person zu sein. Ânanda hatte den Buddha einmal folgendes gefragt:

Mag wohl […] der Mönch eine solche Sammlung erreichen, daß er angesichts der Erde ohne Wahrnehmung der Erde ist, daß er angesichts […] der Raum-    unendlichkeit ¾ der Bewußtseinsunendlichkeit ¾ der Nichtsheit ¾ […] angesichts dieser Welt ¾ ohne Wahrnehmung von all dem ist, und daß er dennoch Wahrnehmung besitzt?

Diesen Wahrnehmungszustand veranschaulichte Gotama daraufhin mit negativen Umschreibungen:

Ja, Ânanda, das ist möglich. […] Da hat der Mönch die Wahrnehmung: „Dies ist der Friede, dies das Erhabene, nämlich der Stillstand aller karmischen Bindungen, die Loslösung von allen Daseinsgrundlagen, die Versiegung des Begehrens, die Entsüchtung, Erlöschung, das Nibbâna!“ [xiii]

Im Gegensatz zu den individuellen Daseinsformen und Lebensläufen, die alle bedingt sind, ist das Nirvâa frei von jeglicher Bedingtheit (asankhata, Skt: asaskta). Soweit Nirvâa als ein „Erlöschen“ angesehen wird, ist dieses Erlöschen ein relatives. Es ist das Ende von Gier, Haß und Verblendung. Damit aber ist der Zustand des Nirvâa nur durch völlige Loslösung und Verzicht auf selbstbezügliches Haben-Wollen zu realisieren. Wer die Erlösung also persönlich will, dem wird sie nicht zuteil, eben weil der persönliche Wille dasjenige ist, was die Loslösung verhindert. Nirvâa liegt jenseits des Wollens oder Nicht-Wollens, des Fühlens usw.

Ein Glück, ihr Brüder, ist das Nibbâna! Ein Glück, o Brüder, ist das Nibbâna! – Wie kann denn ein Glück dort bestehen, wo es keine Gefühle mehr gibt? – Darin, o Bruder, besteht ja gerade das Glück, daß es dort keine Gefühle mehr gibt. [xiv]

Als das Unbedingt, Unentstandene, Unzusammengesetzte ist das Nirvâa absolut. Aber als Wahrnehmungszustand ist es gleichwohl relativ. Derjenige, der lebend das Nirvâa erlangt hat, hat entsprechend der Lehre von den Bewußtseinsstufen ein Bewußtsein, in dem er selbst wahrnimmt, daß alle Faktoren, die seine empirische Person bilden, nur Bestandteil einer relativen Wirklichkeit sind. Er ist zwar noch als Person vorhanden, hat aber sozusagen kein Ego mehr. Während der Egoist im Zustand des Ichbewußtseins zwischen seiner eigenen Person und anderen eine starke Unterscheidung macht und dabei stets aus der Perspektive der eigenen, isolierten Persönlichkeit handelt, gilt für den „lebendig Erlösten“ (jîvan-mukta), daß seine Handlungsweise unpersönlich ist. All die Faktoren, die ein persönliches Handeln bewirken, Haß, Vorlieben, Trauer, Rache, Besitzgier und andere bindende Eigenschaften, sind damit aufgehoben. Statt dessen zeichnet er sich aus durch Güte und Mitgefühl gegenüber anderen und Gleichmut gegenüber seinen persönlichen Belangen.

Das nachtodliche Nirvâa, Parinirvâa, die „gänzliche Verwehung“, bedeutet, daß alle Komponenten der Einzelperson der Auflösung preisgegeben werden und daß, da die karmische Notwendigkeit zur Fortsetzung fehlt, der Kreislauf des individuellen Daseins beendet ist. Die Frage, ob der Erlöste nach diesem Prozeß noch existiert oder nicht, hat Gotama nicht beantwortet. Als selbstbewußte Einzelperson existiert der im Nirvâa Aufgegangene nicht mehr, sein Seinszustand ist jenseits des Werdens und Vergehens. Es ist das Ungewordene, Unentstandene, Unvergängliche.

 

Abkürzungen
A Aguttara-Nikâya
Ap Apadâna
Cv Cullavagga d. Vinaya
D Dîgha-Nikâya
Dhp Dhammapada
It Itivuttaka
Jât Jâtaka
LV Lalita-vistara
M Majjhima-Nikâya
MV Mahâvastu
Mvg Mahâvagga d. Vinaya
Nk Nidâna-kathâ
P Pâli
PTS Pâli-Text-Society
S Sayutta-Nikâya
Skt Sanskrit
Sn Suttanipâta
Therag Theragâthâ
Therîg Therîgâthâ
Ud Udâna
Vin Vinaya-Pitaka

 


[i] S 12, 66, 31-32, Geiger 1925, S. 154.

 

 

[ii] A VII, 60, Nyânatiloka 1969, Bd. IV, S. 57.

 

 

[iii] S 12, 43, 12-16, Geiger 1925, S. 104.

 

 

[iv] Eine genaue Auflistung all dieser Zahlenreihen bietet Klimkeit 1990, S. 219ff.

 

 

[v] Klostermaier 1965, S. 191.

 

 

[vi] Im Pâli-Kanon ist in A IX, 33, von „neun stufenweise Erreichungszuständen“ die Rede. Neun Stufen der Versenkung kennt auch der Mâhayana-Bud­dhismus (siehe Dalai Lama 1989, S. 189ff).

 

 

[vii] Der folgende, von mir gekürzt wiedergegebene Sutta-Text, D IX, 10-17, ist die Übersetzung Frankes aus dem Jahr 1913, S. 147ff. Die Hervorhebungen sind von mir, W. S.

 

 

[viii] Lehmann 1980, S. 124.

 

 

[ix] Ebd., S. 132f.

 

 

[x] Eliade 1988, S. 181.

 

 

[xi] Lehmann 1980, S. 138.

 

 

[xii] J. H. Schultz, zitiert in: Lehmann 1980, S. 139.

 

 

[xiii] A X, 6, Nyânatiloka 1969, Bd. 5, S. 11.

 

 

[xiv] A IX, Nyânatiloka 1969, Bd. 4, S. 220.

 

 

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

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Liebe unter dem Halbmond


Der folgende Bericht erschien zuerst bei wissenrockt.de, damals aus Sicherheitsgründen noch unter dem Pseudonym „Friedrich Norden“. Zu Zeiten der Diktatur konnte man eben nicht sicher sein, ob man sich mit einem solchen Bekenntnis nicht erhebliche Nachteile einhandelte.

Aus zwei Gründen stelle ich den Bericht hier ein. Zum einen hat mir das Bekanntwerden meines „Übertritts“ zum Islam erhebliche Beschimpfungen und Unterstellungen eingetragen – ausgerechnet in der islamkritischen Szene. Wer so etwas mache, könne nicht ernst genommen werden, er sei ein islamisches U-Boot, und dieser Schritt dokumentiere, dass zumindest indirekt der „Chip“ des Islam in meinem Kopf sei, was ja bei einem Atheisten auch nicht verwundere. Zum anderen möchte ich den neu hinzugekommenen Freunden dieser Seite die Möglichkeit geben, sich selbst ein Urteil zu bilden. So schrieb ich im Frühjahr 2010:

Da arbeitet man nun im selben Unternehmen, lernt sich kennen und scherzt im Kollegenkreis. Man albert ein wenig herum, schwatzt auch einmal allein miteinander, verabredet sich auf einen Kaffee und macht einen Einkaufsbummel, trifft sich schließlich auch abends. Und plötzlich, ohne dass man hinterher sagen könnte, wann genau es geschah, ist innerlich ein Knoten geplatzt. Man wird sich darüber klar, dass man ohne den anderen gar nicht mehr sein möchte. Und trotzdem ein ganz normaler Vorgang, den man gemeinhin als das Entstehen von Liebe bezeichnet und der sich in dieser oder abgewandelter Form millionenfach auf unserer Erde wiederholt.

Spätestens an dieser Stelle ist ein Punkt erreicht, an dem das frische Paar sich darüber Gedanken macht, ob die zwei eigenen „Wohnhöhlen“ wirklich noch Sinn machen. Oder ob es nicht besser wäre, zusammen zu ziehen. Kluge Eltern geben jedenfalls, sofern man sie fragt, eben diesen Rat an ihre Kinder. So beginnt oft der praktische Härtetest und das wirkliche Ehefähigkeitszeugnis im Gegensatz zum dem, was eine Behörde darunter versteht.

An dieses freie Spiel der Natur haben wir Menschen uns gewöhnt. Es ist, außer in stark religiös geprägtem Umfeld wie in ländlichen, vor allem katholischen Gegenden oder Teilen der USA, selbstverständlich geworden.

Aber halt, bitte nicht das Wort „geworden“ überlesen! Noch in den frühen sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts drohte einem Hotelbesitzer eine Anzeige wegen Kuppelei, wenn er ein Doppelzimmer an ein unverheiratetes Paar vermietete. Wir vergessen schnell und überheben uns daher leicht über rückständige Gesellschaften, die noch immer der Aufklärung harren.

Unglücklicherweise traf mich das im ersten Absatz beschriebene Glück ausgerechnet in dem unaufgeklärtesten Umfeld, das man sich heute nur vorstellen kann: in einem islamischen Land. Der Tag des Einzugs meiner „Auserwählten“ bei mir war also der offizielle Beginn eines Konkubinats. So heißt es hier tatsächlich noch!

Im Konkubinat

Die ersten spitzen Bemerkungen kamen natürlich aus der Familie meiner angehenden Frau. Das müsse doch nun endlich legalisiert werden, denn „was sollen denn die Nachbarn denken!“ Meine ursprüngliche hohe Meinung vom familiären Zusammenhalt in moslemischen Kulturen, die vor dem Hintergrund des Auseinanderfallens europäischer Familien gegründet wurde, bekam erste Risse. Es zeigte sich für mich mehr und mehr, dass die Hauptfunktion der Familien darin besteht, deren Mitglieder in jeder Lebenslage zu bevormunden. Eine freie Entfaltung der Persönlichkeit ist unerwünscht und wird mit allen Mitteln bekämpft.

Das Leben wurde so für meine Frau immer schwieriger. Hinzu kam die ständige Angst, von Nachbarn bei der Religionspolizei angeschwärzt zu werden. Wir zogen also in eine andere Gegend. In der Folge besuchte uns die Familie nicht mehr. Auch jeder Hotelaufenthalt wurde zur Angstpartie: „Werden die uns denn überhaupt ein Doppelzimmer geben?“ Urlaube in Europa bedeuteten ein großes Aufatmen, doch umso schlimmer wurde die Rückkehr. Es war zum Verzweifeln.

Die Lösung konnte nur Heirat heißen. Aber eine Hochzeit in Deutschland, wie von mir vorgeschlagen, verbot sich umgehend. Die Verwaltung erkennt, entgegen internationaler Abmachungen, im Ausland geschlossene Ehen tunesischer Frauen nicht an, was notabene nur für die auswärts geschlossenen Ehen der Frauen gilt. An der rechtlichen Situation hätte sich also nichts geändert.

Eine Heirat in Tunesien war die einzig verbliebene Möglichkeit. Es folgte ein Monate währender Papierkrieg mit allen Unterlagen, einer Unmenge von Übersetzungen und Beglaubigungen. Schließlich musste der alles entscheidende Punkt geregelt werden: mein Übertritt zum Islam. Da es, anders als seit 1875 in Deutschland, keine Zivilehe in unserem Sinne gibt, verbietet der Staat gemischtreligiöse Ehen. Auch die Ehen mit Atheisten fallen unter diese Regelung, wobei die weltanschauliche Haltung „atheistisch“ offiziell überhaupt nicht existiert.

„Es ist doch nur auf dem Papier, natürlich musst Du dich weder beschneiden lassen, noch später die Moschee besuchen. Kein Mensch fragt danach!“, beschwor meine Frau den berühmten Schatten, über den ich nun springen sollte. Es gab nur eine Alternative: entweder die Beziehung abbrechen, so wie es auch heute noch von fundamentalistischen Katholiken in Deutschland empfohlen wird (s. etwa Uta Horn: Wenn der Glaube trennt, kath.net vom 22/02/10), oder in den sauren Apfel beißen und ein Moslem werden. Was für ein menschenverachtendes Bild steckt wohl hinter der Forderung, einen Glauben höher als die Liebe zwischen zwei Menschen zu stellen?

Der „saure Apfel“ wurde vom Religionsministerium ausgereicht, dankenswerter Weise auch in französischer Sprache. In ihm fanden sich die Wissensanforderungen an den heiratswilligen Konversionskandidaten: die fünf Säulen dieses Glaubens, Verhaltensregeln und schließlich zwei Suren auf Arabisch mit einer Umschrift in Lautsprache. Ob man deren Inhalt versteht ist zweitrangig. Die Hauptsache ist, dass man die Suren auswendig daher plappern kann.

Beim Mufti im Religionsministerium

In Begleitung meiner Frau und von ihr bestens vorbereitet fand ich mich also im zugigen Flur des Religionsministeriums wieder. Scheinbar ewig währendes Warten auf den Mufti von Tunis folgte, welcher die Prüfung abnehmen sollte. Was machte ich hier eigentlich? Die Frage quälte und ohne die Frau an meiner Seite wäre ich wohl längst entsprungen. Wo war nur mein Mut geblieben, der mich im zarten Alter von 16 Jahren dazu brachte, der beklemmenden Enge des streng protestantischen Elternhauses durch einen Gang zum Amtsgericht zu entfliehen, um endlich guten Gewissens das damals zart aufkeimende Pflänzchen humanistischer Freiheit hegen zu können?

„Es ist ja nur auf dem Papier“, wiederholte sich meine Frau, die meine Stimmung nur zu gut einschätzen konnte, „und sag bitte bloß nicht, dass Du es nur wegen der Heirat tust. Er könnte dann das Zeugnis verweigern.“ Im wahrsten Sinne „Gott“ ergeben folgten wir der Aufforderung des Muftis, an seinem Schreibtisch Platz zu nehmen.

Natürlich kam sofort die Frage, warum ich denn konvertieren wolle. Gut vorbereitet  schwafelte ich also etwas von dem delikaten Konstrukt der Trinität, das sich mir nicht voll erschließe. Offenbar war der Einstand gut gewählt. Muftis Augen leuchteten und die nächste halbe Stunde belehrte er uns über diese schlimmste aller Sünden der Christen, für welchen er mich offensichtlich hielt, den Propheten Jesus vergöttlicht zu haben. Dann folgten spitze, scharfe Fragen zu meinem Wissensstand. Meine Suren durfte ich, dank meiner Frau wohl in recht akzeptabler Aussprache, aufsagen und nach zweieinhalb Stunden erhielt ich mein Zeugnis.

Die gewonnene Schlacht wurde gebührend mit einer Flasche guten tunesischen Weins gefeiert. Ob das wohl den Propheten erfreut hätte? Aber die Liebe hatte über den Verstand gesiegt!

Die Hochzeit und die Folgen

In einem wesentlichen Punkte widerstand ich – und meine Frau hat es letztlich akzeptiert. Zu einer „richtigen“ moslemischen Hochzeit mietet man, je nach Jahreszeit, einen Saal oder einen großen Garten, der für derlei Festivitäten überall angeboten wird: mit den Jungvermählten auf einer Art Thron, einem Orchester, das nach spätestens einer halben Stunde zur totalen Taubheit der Zuhörenden führt und davor, damit es auch alle zur Kenntnis nehmen können, mindestens 300 oder mehr geladene und ungeladene Gäste, die sich mit den Frauen voran in all ihrer verklemmten Sexualität nun vorstellen, wie die beiden „Neuen“ es denn wohl miteinander treiben werden.

Nein, nicht mit mir! Nur wir zwei und dazu unsere Trauzeugen, die übrigens auch Moslems sein müssen. Denn Ungläubigen kann man ja nicht trauen! Wir fanden uns schließlich in der Gemeindeverwaltung von Sidi Bou Said zum großen Moment ein. Natürlich hatte mir niemand gesagt, dass dabei vom Bürgermeister auch ein Gebet gesprochen wird. Ich wusste nicht einmal, wie ich die Hände zu halten hatte, was mir einen süffisanten Blick des Zeremonienmeisters einbrachte. Den überlebte ich ohne Schaden, da ich mich bereits auf ein schönes Mittagsmahl freute, welches wir auf der Terrasse eines noblen Restaurants hoch oben über der Bucht von Tunis und Karthago im Anschluss zu uns nahmen.

Was hat es also nun gebracht? Die Beziehung ist legalisiert, die Familie kehrt nach anfänglicher Verschnupfung über diese nicht regelkonforme Hochzeit langsam zurück, und wir leben unser Leben genauso wie vorher. Wir sind noch immer zusammen in großer Liebe seit vielen Jahren. Und das alles ohne den geringsten Hauch von Religion! Inzwischen liest meine Frau die französische Übersetzung von Richard Dawkins Gotteswahn: „Pour en finir avec Dieu“.

Dass ich als überzeugter Humanist, also jemand, der den Menschen im Mittelpunkt aller Überlegungen sieht und nicht irgendein transzendentes eingebildetes Wesen, vom neutralen Beobachter zum entschiedenen Gegner des Islam mutierte, kann nicht verwundern. Dass aber auch meine Frau sich angesichts der auf uns ausgeübten Zwänge diesen Gedanken mehr und mehr anschließt, erfreut mich natürlich in hohem Maße. Ohnehin hat sie nie in ihrem Leben eine Moschee besucht, oder Gebete gesprochen, ihre „Religion“ beschränkt sich auf folkloristische und (leider auch) einige abergläubische Reste. Inzwischen wissen wir, dass sich wie in Tunesien auch in Deutschland immer mehr vor allem weibliche Moslems den Zwängen dieser mittelalterlichen „Religion“ und der darin eingebetteten Familien entziehen, um endlich ein freies, selbstbestimmtes Leben zu führen.

Das unselige Dekret 73, das Tunesierinnen einen Moslem heiraten müssen, wurde kürzlich von Präsident Essebsi einkassiert – aus Gründen der Gleichberechtigung Mann-Frau. Uns wäre eine Menge erspart geblieben, wäre das damals bereits der Fall gwesen. Aber ich kann durchaus mit dem Makel leben, ein zwangskonvertierter Papier-Moslem zu sein. :D

 

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Buddhas Lehre IV


Der ewige Kreislauf der Wiedergeburten und seine kosmischen Dimensionen (2):

Unproblematisch ist die Karma-Lehre freilich nicht, und dessen war sich Gotama durchaus bewußt. Das, was uns in unserem Leben als Schicksal begegnet, ist, so heißt es, das Produkt unseres eigenen Denkens, Fühlens und Handelns. Durch „alte Tat“ wird unser Charakter und das Milieu determiniert, in dem wir aufwachsen. In unserem täglichen Leben verhält es sich häufig so, daß wir hier oder da aus dem Innern heraus diese oder jene Entschlüsse fassen, deren Quelle wir nicht bestimmen können, deren Auswirkungen aber folgenschwer sein können. Die Beispiele sind zahllos. Jemand entscheidet nach Alkoholgenuß, nicht wie gewöhnlich mit dem Taxi zu fahren, sondern mit dem eigenen Auto, und verursacht einen Verkehrsunfall. Eine andere Person befindet sich in einer fremden Stadt, findet womöglich keinen Parkplatz, fährt ein wenig umher, sieht ein Café und hat den Einfall, dort etwas zu essen. Zufällig begegnet ihr in diesem Café ein bisher unbekannter Mensch, man lernt sich kennen. Liebe auf den ersten Blick … Manche westliche Autoren sehen in der Karma-Lehre „eine reine Mechanik der Vorherbestimmung. Gutes erzeugt Gutes, Böses nur Böses.“[i] Allgemein könnte man sagen: Gleiches erzeugt Gleiches. Aber nach buddhistischer Lehre hat der Mensch im Rahmen dessen, was er als bindendes Karma erzeugt hat, und innerhalb seines eigenen Charakters die Freiheit, sein zukünftiges Schicksal selbst zu bestimmen; eine reine Mechanik der Vorbestimmung ist das keineswegs.

So, ihr Mönche, vollzieht sich die Wiedergeburt eines Wesens seiner Natur nach: danach, was man tut, wird man wiedergeboren, und den Wiedergeborenen treffen die [als Karmaergebnis auftretenden Sinnes-]Eindrücke. Darum sage ich, ihr Mönche, sind die Wesen die Erben ihrer Werke. Eigner und Erben ihres Wirkens […] sind die Wesen, ihrem Wirken entsprossen, mit ihm verknüpft, haben ihr Wirken zur Zuflucht, und die guten und bösen Taten, die sie vollbringen, werden sie zum Erbe haben. [ii]

Wir haben es also, wie gesagt, mit einem Verhältnis von Determiniertheit und Freiheit zu tun, und genau das ist das eigentlich Unerklärliche der Lehre. Greifen wir einmal ein Beispiel aus dem Aguttara-Nikâya auf: Als Gotama einmal auf seinem Almosengang unterwegs war, gelangte er zum Haus eines Ehepaares und wurde eingeladen, sich zu setzen. Die Eheleute erklärten ihm, daß sie sich liebten und sich in einem weiteren Leben einmal wiedersehen wollten. Gotama antwortete folgendes:

Wünschen, ihr Hausleute, zwei Gatten einander in diesem Leben zu sehen und sich auch im nächsten Leben zu sehen, so mögen beide gleiches Vertrauen pflegen, gleichen Sittenwandel, gleiche Freigiebigkeit und gleiche Weisheit. Dann werden sie einander in diesem Leben sehen und auch im nächsten Leben.[iii]

Gesetzt, es entspräche dem Karma eines Mannes, in seinem jetzigen Leben seine einstige Ehefrau wiederzutreffen, da zwischen beiden eine starke emotionale Bindung bestand, dann ist folglich diese Bindung eine über den Tod hinauswirkende Kraft. Sie realisiert sich also in Form einer „zufälligen Begegnung“. Dann würden beide zwar behaupten, in ihrem jetzigen Leben aus freien Stücken gehandelt und möglicherweise erneut geheiratet zu haben, aber tatsächlich waren die als frei empfundenen Handlungen, die zur Wiederbegegnung führten, überhaupt nicht frei, sondern eine längst besiegelte Sache. Dann aber ist der Verlauf der Ehe ebenfalls abhängig von dem früher einmal geführten Eheleben, welches selbst auch schon einmal das Ergebnis eines vorherigen Karmas gewesen sein muß. Demnach haben wir zwar eine Bestimmung, aber das Problem ist, daß es keine Vorher-Bestimmung sein kann, da das bestimmende „Vorher“ niemals greifbar ist, sondern ewig auf ein anderes „Vorher“ zurückgeführt werden kann.

Der intelligible Charakter, vermöge dessen nur eine Entscheidung möglich ist, und diese demnach eine nothwendige ist, fällt nicht in die Erkenntniß des Intellekts, sondern bloß der empirische wird ihm […] bekannt. Daher also scheint es dem erkennenden Bewußtseyn (Intellekt), daß, in einem vorliegenden Fall, dem Willen zwei entgegengesetzte Entscheidungen gleich möglich wären. Hiermit aber verhält es sich gerade so, wie wenn man, bei einer senkrecht stehenden, aus den Gleichgewicht und ins Schwanken gerathenen Stange, sagt „sie kann nach der rechten oder nach der linken Seite umschlagen“, welches „kann“ doch nur eine subjektive Bedeutung hat […], denn objektiv ist die Richtung des Falls schon nothwendig bestimmt, sobald das Schwanken eintritt.[iv]

Aber ist infolge unseres Charakters tatsächlich nur eine einzige Entscheidung möglich? Wie weit ist unser Wille tatsächlich vorbestimmt? Ist unser Charakter determiniert, und wirken die karmischen Gestaltungen permanent, dann steht man vor der Schwierigkeit, Freiheit und Determiniertheit letztlich nicht unterscheiden zu können. Wie sollen karmische Kräfte wirken, wenn ich zugleich mit freien Entscheidungen deren Wirkungen möglicherweise behindere? Um bei dem Beispiel der Eheleute zu bleiben: Vor ihrer Begegnung hätten beide keine einzige freie Entscheidung treffen können, die der Bestimmung, sich zu treffen, entgegenwirkt. Nun ließe sich argumentieren, daß die beiden so viele Lebensläufe miteinander verbringen, wie sie in emotionaler Verbindung bleiben. Erlöschen die Gefühle, so ist die Verbindung beendet. Freie Entscheidungen können, so ließe sich weiterhin argumentieren, von einer solchen Kraft sein, daß sie über mehrere Lebensläufe hinweg wirken, da die Wahlfreiheit als solche raum- und zeitlos ist. Folglich wirken die gelegten Keime, bis sie verbraucht sind.

Schwieriger aber wird es, wenn wir uns den Fall vor Augen führen, in dem die Entscheidungen eines einzelnen für zahllose andere möglicherweise bittere Konsequenzen haben, denken wir etwa an Kriege, Diktaturen etc. Wie kann es das Karma einer Person sein, möglicherweise in Kriegswirren aufzuwachsen und möglicherweise dort zu Tode zu kommen oder lebenslänglich darunter zu leiden, wenn der Krieg das Resultat einer freien Entscheidung völlig anderer Menschen gewesen sein soll? Vollstreckt sich aber durch die Taten eines Tyrannen das karmisch notwendige Schicksal seiner Opfer, dann wäre der Tyrann logischerweise nicht selbst der Urheber seiner Werke. Dann aber wäre niemand der Urheber seiner Werke. Damit aber wäre niemand für seine Werke verantwortlich, und es gäbe kein Schicksal, das zu realisieren wäre . . .

Wäre der Tyrann, um bei diesem Beispiel zu bleiben, etwa zu einer völlig anderen Zeit geboren, oder wären von den zahlreichen Bedingungen, die seinen Erfolg begünstigt haben, nur wenige Bedingungen gar nicht oder in anderer Form vorhanden gewesen, hätte der Tyrann möglicherweise gar nichts bewirkt. (Wie es bei den nicht wenigen Fanatikern und Anhängern diverser Ideologien der Fall ist, welche die Welt ihren Tatabsichten und Vorstellungen gemäß sofort in ein völliges Chaos stürzen würden, wenn sie die Macht dazu hätten.)

Die Bedingungen aber, die einen Diktator erst als solchen in Erscheinung treten lassen, sind die Auswirkungen zahlloser Willensentschlüsse, Entscheidungen und Äußerlichkeiten, die der Tyrann grundsätzlich nicht selbst steuern kann. Wirkt hier also über Zeit und Raum hinweg ein Magnetismus, der die Konfiguration des Schicksals nach den in geistigen Sphären gelegten Tatabsichten und nach den in der materiellen Welt begangenen Taten und Handlungsweisen stetig neu zusammenfügt? In welcher Beziehung stehen Täter und Opfer zueinander? Ziehen sich die Tatabsichten eines Mörders und die „karmischen Gestaltungskräfte“ seines werdenden Opfers vielleicht „magisch“ an? Was sich mit der indischen Karma-Lehre und dem Magnetismus des Gleichen andeutet, ist der Umstand, daß unsere Gedanken und Absichten nicht (nur) in unserem Kopf vorhanden sind, sondern sozusagen ihr eigenes Leben führen und auf eine uns unbekannte Weise als, wenn man so will, „Schicksalsmächte“ wirken. Damit ließen sich die zahlreichen Phänomene des Okkultismus und der Parapsychologie, wie etwa ASW, Präkognition, Intuition usw. begründen.

Das Problem der Karma-Lehre ist, daß der überall letztbestimmende Faktor ein unbekanntes X jenseits von Zeit und Raum ist. Widerlegt ist diese Lehre dadurch nicht, sondern vielmehr zeigt sich, daß der Verlauf des Weltwerdens rational nicht greifbar ist.

Würde man im Gegenzug zur buddhistischen Position behaupten, Freiheit des Willens existiere gar nicht, dann stünde man vor dem Problem, den determinierenden Faktor X bestimmen zu müssen. Ein Gesetz allein könnte es nicht sein, da ein Gesetz zwar bestimmt, wie etwas ablaufen kann, aber nicht, was abläuft oder daß überhaupt etwas geschieht. Schopenhauer hatte sich dazu hinreißen lassen, einen „Weltwillen“ zu konstruieren, und glaubte, damit das Problem Freiheit/Determinismus gelöst zu haben. Tatsächlich aber hatte er dieses Problem nur um eine metaphysische Instanz verschoben. Zwar betrachtete er die Willensentscheidungen des einzelnen als grundsätzlich determiniert, aber als über den Verlauf des Weltgeschehens bestimmender Faktor war plötzlich der Weltwille in der Wahl dessen, was er bestimmte, gänzlich frei. Damit aber blieb die Freiheit als solche bestehen und die eigentliche Frage unbeantwortet. Aus gutem Grunde: Die Frage nach dem Verhältnis von Freiheit und Determiniertheit bleibt ein Mysterium.

Nicht wenige greifen in Indien, Tibet und anderen asiatischen Ländern ebenso wie viele Europäer auf die Astrologie zurück und erklären die Einflüsse der Planeten oder Sternkonstellationen zum schicksalsbestimmenden Faktor. Man mag die Astrologie bewerten, wie man will, aber gesetzt, diese Erklärung träfe zu, dann bleibt auch hier die Frage, warum die Konstellationen so sind, wie sie sind, und nicht etwa anders. Die eigentliche Ursache dieser Konstellationen bleibt wieder ein unbekanntes X. Das bedeutet: Jeglicher Rückgriff auf einen determinierenden Faktor kosmischer Art, sei dies ein göttlicher Wille, die Astrologie, die karmische Bestimmung oder ähnliches, gibt Anlaß, den Determinismus zu relativieren, denn er kann grundsätzlich nur auf irgend etwas zurückgeführt werden, welches dann selbst die völlige Freiheit der Bestimmung genießt. Von einem absoluten Determinismus kann also niemals die Rede sein. „Dieser verborgene Faktor ist der eigentliche und tiefste Grund alles Gottesglaubens. Er wird für immer so sehr seine unerschöpfliche Basis bleiben, daß keine Weltanschauung auf die Dauer Lebensfähigkeit behält, wenn sie nicht den Gottesbegriff in irgendeiner Form in sich schließt.“[v] Aber soweit wir es mit wie auch immer determinierenden Faktoren, etwa den karmischen Gestaltungskräften der buddhistischen Lehre, zu tun haben, drängt sich die Frage auf, wie tief wir mit unserem eigentlichen Wesen als Teil des gesamten Weltgeschehens in den Dimensionen dieser bestimmenden Kräfte beheimatet sind. Ist also die empirische Person lediglich die Spitze des Eisberges? „In Wahrheit jedoch kann jene verborgene und sogar die äußeren Einflüsse lenkende Macht ihre Wurzeln zuletzt doch nur in unserem eigenen, geheimnißvollen Innern haben; da ja das A und W alles Daseins zuletzt in uns selbst liegt“[vi], hatte Schopenhauer einmal gesagt. Unser „geheimnisvolles Inneres“ oder das, „was die Welt in ihrem Innersten zusammenhält“ ist uns bei normalen Bewußtseinszuständen unzugänglich, und die Quelle unserer Gefühle, Gedanken, Einfälle und Erfindungen ist uns verborgen. Niemand kann rational erklären, warum gerade er sich ausgerechnet für dieses oder jenes interessiert oder warum der eine oder andere Entdecker gerade dieses oder jenes entdeckt hat und nicht irgend jemand vor ihm. Entsprechend der buddhistischen Auffassung führt der Weg in unser Inneres, der auch ein Weg in das Innerste der Welt ist, über die intensive und konsequente Anwendung meditativer Praktiken.

Hinsichtlich der buddhistischen Wiedergeburtslehre liest man gelegentlich, der Buddha habe sie vom Brahmanismus übernommen und entsprechend seiner Lehre vom „Nicht-Ich“ umgearbeitet. In der okkulten indischen Tradition zählt die Fähigkeit, sich an frühere Existenzen erinnern zu können, zu einer der „Vollkommenheiten“ (siddhi).[vii] Die dazu notwendigen Praktiken meditativer Versenkung waren in spirituellen Kreisen schon zur Buddha-Zeit geläufig. Der Buddha hatte sich dazu selber geäußert:

Hier handelt es sich, Bhikkhus, um den Fall, daß ein Samaa oder Brahmane durch heißes Streben, durch Ringen, Hingabe, wachsamen Ernst, rechte Angespanntheit des Geistes einen solchen Grad der Konzentration erreicht, daß er sich der mannigfachen früheren Stationen erinnert – einer Existenz, zweier, dreier, […] Existenzen, […] zehn zwanzig […]. So erinnert er sich an die mannigfachen früheren Stationen mit ihren besonderen Umständen und Einzelheiten. Und daher behauptet er: „Ewig ist mein Selbst und die Welt, Neues nicht hervorbringend, unwandelbar wie ein Berg“. […] Bhikkhus, das ist der erste Grund, aus dem manche Samaas und Brahmanen die Theorie von der Ewigkeit und das Selbst und die Welt für ewig erklären. [viii]

Deutlich wird daraus, daß der hier angeführte Begriff des „Selbst“ nicht dem upanishadischen Gedanken der Einheit von Âtman und Brahman entspricht. Daß aber die Praktiken, die die Brahmanen und Samaas zur Rückerinnerung führten, angewandt wurden, war Gotama bekannt. Aus vielen Textstellen des Pâli-Kanons geht hervor, daß sich Gotama selbst dieser Praktiken bediente, die er wahrscheinlich von einem seiner Lehrer einmal gelernt hatte. Die folgende Textstelle ist ein Beispiel für die Anwendung dieser Technik, die mit den vier Stufen der Versenkung einhergeht.

Da, o Brahmane, gewinnt ein Mönch, ganz abgeschieden von den Sinnendingen, abgeschieden von unheilsamen Geisteszuständen, die mit Gedankenfassen und Überlegen verbundene, in der Abgeschiedenheit geborene, von Verzückung und Glücksgefühl erfüllte erste Vertiefung und verweilt in ihr. Nach Stillung von Gedankenfassen und Überlegung gewinnt er den inneren Frieden, die Einheit des Geistes, die von Gedankenfassen und Überlegen freie, in der Sammlung geborene, von Verzücken und Glücksgefühl begleitete zweite Vertiefung und verweilt in ihr. Und nach Loslösung von der Verzückung verweilt er gleichmütig, achtsam, klar bewußt, und ein Glücksgefühl empfindet er in seinem Inneren, von dem die Edlen künden: „Der Gleichmütige, Achtsame weilt beglückt“; so gewinnt er die dritte Vertiefung und verweilt in ihr. Nach dem Schwinden von Wohlgefühl und Schmerz und dem schon früheren Erlöschen von Frohsinn und Trübsinn gewinnt er die leidlos-freudlose, in der völligen Reinheit von Gleichmut und Achtsamkeit bestehende vierte Vertiefung und verweilt in ihr.

Mit derart gesammeltem Geiste, der geläutert ist, rein, fleckenlos, ungetrübt, geschmeidig, gefügig, fest und unerschütterlich, richtet er seinen Geist auf die erinnernde Erkenntnis früherer Daseinsformen. Er erinnert sich an manche frühere Daseinsformen, als wie an ein Leben, an zwei Leben, an drei Leben, an vier Leben, an fünf Leben, an zehn Leben, an zwanzig Leben […] an tausend Leben, an hunderttausend Leben, dann an die Zeiten während mancher Weltentstehung, an die Zeiten mancher Weltuntergänge, an die Zeiten mancher Weltuntergänge und Weltentstehungen: „Dort war ich, solchen Namen hatte ich, solcher Familie und solchem Stande gehörte ich an, solche Nahrung wurde mir zuteil, solches Wohl und Wehe hatte ich erfahren, solches Lebensalter erreichte ich. Von dort nun abgeschieden, trat ich hier wieder ins Dasein.“ So erinnert er sich an manche frühere Daseinsform mit ihren besonderen Merkmalen, besonderen Kennzeichen. [ix]

Wie wir den Erzählungen Buddhas entnehmen können, berichtet er selbst von zahllosen Geburtenfolgen unter den verschiedensten Lebensbedingungen. Im Pâli-Kanon gibt es etliche vergleichbare Textstellen. Es gibt gelegentlich westliche Kritiker, die diesbezüglich z.B. folgendes behaupten:

Zwar wird dem Buddha zugeschrieben, daß er sich in der Nacht seiner Erleuchtung an alle (?) seine früheren Existenzen erinnern konnte […]. Aber solange der Mensch diese Rückerinnerung nicht auch schon vorher hat, verliert der Gedanke der sich entwickelnden Läuterung und Selbsterlösung seine ethische Grundlage […], da sich niemand an die vorherige Existenz erinnern kann […].[x]

Aus einer buddhistischen Sichtweise heraus ließe sich hier antworten, daß die Denkkategorie „der Mensch“ gänzlich unangebracht ist, denn „der Mensch“ komponiert nicht die Sinfonien eines Beethoven, verfaßt nicht die Literatur eines Goethe und hat ebensowenig den geistigen Horizont eines Buddha. „Der Mensch“ ist gewöhnlich auch nicht in der Lage, seine Bewußtseinszustände willentlich zu verändern. In unserem Zustand des Alltagsbewußtseins erinnern wir uns nicht einmal mehr an unsere frühen Kindheitsjahre oder an unsere Geburt. Daß aber diese Erfahrungen in uns wirken, auch wenn wir uns ihrer nicht bewußt sind, das wissen wir sehr wohl. Nun wirkt auch vieles in uns, dessen Herkunft wir in unserem Alltagsbewußtsein ebensowenig bewußt erfassen, etwa die Begabungen, die es uns gelegentlich spielend einfach machen, Dinge zu leisten, die andere erst mühselig und widerwillig erlernen müssen.

Was Gotama hinsichtlich seiner Versenkungs- und Rückerinnerungspraktiken von anderen Samaas, den „sich Abmühenden“ unterscheidet, ist, daß er aus seinen diesbezüglichen Erkenntnissen und Einsichten den Schluß gezogen hat, daß keine derartige Erfahrung die Folgerung erlaubt, daß ein ewiges und unveränderliches „Selbst“ innerhalb dieser Prozesses des Werdens und Vergehens feststellbar ist. Das einzige, was man allenfalls als „Selbst“ bezeichnen könnte, steht ohne irgend eine beschreibbare Qualität jenseits des Entstehens und Vergehens der einzelnen Lebensläufe, es ist das Ungeborene, Unentstandene . . . Dies aber hat mit einem individuellen, persönlichen „Ich“ nichts zu tun.

Die Kette der Geburtenfolge drängt zu der Frage, ob es denn einmal eine erste Ursache des Geburtenkreislaufs gegeben hat. Gotamas Antwort ist folgende:

Unbekannten Anfangs, ihr Bhikkhus, ist dieser Umlauf der Geburten; nicht kennt man einen ersten Beginn bei den Wesen, die, in der Hemmnis des Nichtwissens, in der Fessel des Durstes gefangen, (von Geburt zu Geburt) umherwandern und umherlaufen. [xi]

Die Wahl der Worte ist mit Bedacht gewählt, denn weder wird gesagt, daß es einen Anfang gibt, noch wird das Gegenteil gesagt. Was der Buddha hier sagt, ist lediglich, daß ein Anfang nicht bekannt oder feststellbar ist. Das buddhistische Denken denkt in Weltenzeitaltern. Buddha gab einmal zu verstehen, daß die Länge dieser Zeitalter nicht in Zahlen zu fassen sei, aber in Gleichnissen, wie etwa in diesem:

Das ist gerade so, wie wenn da eine eherne Stadt wäre, ein Yojana [ca. 15 km] lang, ein Yojana breit, ein Yojana hoch, angefüllt mit Senfkörnern; in Häufchen geordnet; davon nähme ein Mann immer nach Ablauf eines Jahrhunderts je ein Senfkorn weg; schneller würde ja […] durch solches Verfahren der große Haufen Senfkörner aufgebraucht und ginge zu Ende, als ein Weltenzeitalter. So lang […] ist ein Weltalter. Von solchen langen Weltaltern wurden viele Weltalter […], viele Tausende von Weltaltern, viele Hunderttausende von Weltaltern bei dem Umlauf der Geburten durchmessen. [xii]

Weltensysteme entstehen und vergehen. Der Werdeprozeß nimmt in diesem Denken wahrlich kosmische Größenordnungen an. Dabei spielt sich der Daseinskreislauf nach buddhistischer Vorstellung in fünf Sphären oder Daseinsformen ab: Die Sphäre der göttlichen Wesen (die übrigens wegen ihres beglückten Zustands an dem buddhistischen Gedanken der Erlösung überhaupt kein Interesse haben), die Sphäre der Menschen, der Tiere, der Geister und Gespenster und schließlich die höllische Sphäre. Keine dieser Daseinsformen ist für die Ewigkeit bestimmt, heißt es. In den unzähligen Weltensystemen verharren göttliche Wesen mitunter über Weltenzeitalter hinweg in erhabener und glückseliger Kontemplation. Für menschliche Begriffe mögen dies Ewigkeiten sein, doch selbst die Tausende von Millionen von Jahren, die unser Planet alt ist, sind inzwischen Vergangenheit. Und so gehen diese Wesen, wenn die Bedingungen der einen oder anderen Existenzform erschöpft sind, entweder ins Nirvâa ein oder nehmen je nach Willen eine andere, gröbere oder feinere Existenzform an. Im Gegensatz zu den seligen Welten der göttlichen Wesen sind die höllischen Dimensionen gezeichnet durch Qualen, die je nach Karma mitunter ebenfalls unvorstellbare Ausmaße annehmen können. Gotama spricht wieder in Gleichnissen:

„Wenn ein Verbrecher verurteilt wird, am Morgen, am Mittag und am Abend je hundertmal mit einem Schwert geschlagen zu werden, und er das überlebt, würde ihm das nicht sehr schmerzhaft sein? Schon ein Schlag wäre sehr schmerzhaft, wieviel mehr dreihundert!“ Daraufhin nahm der Erhabene einen kleinen, handgroßen Stein und sagte: „Welcher ist größer, dieser Stein oder der Himalaja, der König der Berge?“ „Der Himalaja ist unvergleichlich viel größer“. „Um ebenso viel schlimmer sind die Qualen der Hölle als dreihundert Schwerthiebe.“ [xiii]

Zu dem Gesetz der Geburtenfolge gehört auch, daß das Verhaftetsein in einer bestimmten Daseinsform aufgrund der Tatsache, daß Gleiches wieder Gleiches erzeugt und daß alles aufgrund dieses Magnetismus nach Selbsterhalt strebt, nur beschwerlich zu ändern ist. Das Trägheitsgesetz der Physik gilt hier sozusagen auch als Teil des karmischen Gesetzes:

Wenn jemand eine Reuse mit einer einzigen Öffnung ins Meer wirft und diese vom Winde bald nach Westen, bald nach Osten, bald nach Süden, bald nach Norden gedreht wird, und wenn eine einäugige Schildkröte alle hundert Jahre einmal auftaucht – würde da wohl die einäugige Schildkröte mit ihrem Halse in die einzige Öffnung der Reuse geraten? […] Eher aber würde die einäugige Schildkröte in die Öffnung der Reuse geraten, als ein Tor, der in die Tiefe hinabgesunken ist [d.h. als Tier lebt], sein Menschentum wiedererlangen kann, und zwar deshalb, weil es dort nicht möglich ist, gerecht, ehrlich, heilsam und verdienstvoll zu wirken; dort frißt einer den anderen auf und mordet den Schwächeren […]. [xiv]

Für die Erlösung besonders geeignet gilt daher die Geburt als Mensch, der sich zwischen dem Tierisch-Triebhaften und den göttlichen Qualitäten entscheiden und dementsprechend handeln kann. Diese menschliche Situation hat Goethe in seinem Faust treffend formuliert:

Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust,

Die eine will sich von der andern trennen;

Die eine hält in derber Liebeslust,

sich an die Welt mit klammernden Organen;

Die andre hebt gewaltsam sich vom Dust

Zu den Gefilden hoher Ahnen.

Gerät nicht die denkende Vernunft an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit, wenn man bedenkt, daß wir als im Hier und Heute Lebende in Beziehung stehen zu uns immanenten Dimensionen, die Raum und Zeit übergreifen, daß materielle Dinge und Lebewesen nach Gesetzen und unbekannten Quellen Gestalten und Formen annehmen, die als außerzeitliche Größen dasjenige, was sich in der materiellen Welt manifestiert, prägen?

Ist es nicht auch eine faszinierende Vorstellung, daß wir dabei in Beziehung stehen zu zahllosen Ereignissen, die sich einst zugetragen haben und dennoch als Bedingungen unseres gegenwärtigen Daseins wirken oder die sich gegenwärtig irgendwo abspielen und in der Zukunft für unser Schicksal von Bedeutung sein werden? Verfolgt man die Bedingungen in der Zeit zurück, die dazu geführt haben, daß jede(r) einzelne von uns heute das ist, was er oder sie ist, dann gelangen wir zu dem überraschenden Ergebnis, daß die Zahl der Bedingungen, nach denen etwas entsteht oder vergeht, unendlich groß ist. Hätten sich, um nur ein einziges Beispiel zu nennen, die Ururgroßeltern unserer Ururgroßeltern nicht „zufällig“ einmal vor Jahrhunderten kennengelernt, so wären wir heute nicht das, was wir sind. Wäre vielleicht vor Jahrtausenden hier oder da eine scheinbar unbedeutende Kleinigkeit anders verlaufen, wäre die Welt heute möglicherweise eine völlig andere. Hätten sich vor zweieinhalb Jahrtausenden die Großeltern des Gotama Siddhattha nicht irgendwo im Norden Indiens kennengelernt, gäbe es dieses Buch nicht . . . Auf die eine oder andere Art stehen wir in Beziehung zu den Geschehnissen der entferntesten Vergangenheit und Zukunft, mögen wir dabei von der Lehre der Wiedergeburt überzeugt sein oder nicht. Entscheidend ist, daß bei all diesen zahllosen Faktoren stets der Wille und der Zufall eine ausschlaggebende Rolle gespielt haben. Beide Begriffe aber sind Ausdrücke für eine wirkende Kraft, die uns als solche unbekannt ist. Ist dabei die Anzahl von Zufällen und willensabhängigen Bedingungen, die zu dem führten, was hier und heute weltweit da ist, unendlich groß, dann strebt die relative Wahrscheinlichkeit dessen, was ist, gegen Null. Warum also existieren wir dann überhaupt? Erklären läßt sich das Phänomen der Existenz nicht, aber man kann darüber staunen. Auch der buddhistische Gedanke der Wiedergeburt ist letztlich keine Erklärung unserer Existenz, sondern nur eine Beschreibung unserer Existenzform, die weit mehr ist als nur die empirische Person.

In unserem gewöhnlichen Denken betrachten wir Zeit und Raum als absolute Größen und stellen daher auch die Frage nach dem Anfang kausaler oder konditionaler Zusammenhänge, etwa (sofern man davon überzeugt ist) die Frage nach den möglichen Anfängen der Kette der Geburten. Wird es da nicht um so verwirrender, wenn man die Ergebnisse der modernen Physik bedenkt, denen zufolge Zeit und Raum relativ sind, wobei Materie eine Form von Energie ist? Ist die in unserem Bewußtsein gegebene Tat-Sächlichkeit der zeitlichen Aufeinanderfolge und des räumlichen Nebeneinanders nur eine relative, so daß sie in Wahrheit überhaupt nicht existiert? Welche Dimensionen also sind Wirk-lichkeit? Existieren wir in Wahrheit vielleicht gar nicht als Einzelwesen und bilden uns nur ein, einzelne Wesen zu sein? Ist Existenz als solche relativ? Aus der Perspektive eines Buddha müßte man diese Frage mit „ja“ beantworten und aus der Perspektive des gewöhnlichen Bewußtseins mit „nein“.

Solange jemand das materielle Selbst besitzt, kann für ihn vom Besitze des geistigen oder gestaltlosen Selbstes nicht die Rede sein, sondern nur vom materiellen; solange jemand das geistige Selbst besitzt, kann für ihn vom Besitze des materiellen oder gestaltlosen Selbstes nicht die Rede sein, sondern nur vom geistigen; solange jemand das gestaltlose Selbst besitzt, kann für ihn vom Besitze des materiellen oder geistigen Selbstes nicht die Rede sein, sondern nur vom gestaltlosen. [xv]

Man fühlt sich hier ein wenig an den letzten Gedanken aus Schopenhauers „Die Welt als Wille und Vorstellung“ erinnert:

Wir bekennen es […] frei: was nach gänzlicher Aufhebung des Willens übrigbleibt [Nirvâa], ist für alle die, welche noch des Willens voll sind, allerdings nichts. Aber auch umgekehrt ist denen, in welchen der Wille sich gewendet und verneint hat, diese, unsere so sehr reale Welt mit allen ihren Sonnen und Milchstraßen – nichts.

[i] Lehmann 1980, S. 103.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[ii] A X, 205, Nyânatiloka 1969, Bd. V, S. 122.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[iii] A IV, 55, ebd., Bd. II, S. 63.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[iv] Schopenhauer, „Die Welt als Wille, zweite Betrachtung“, § 55, Züricher Ausg. Bd.II, S. 365f.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[v] Hoppe, 1996, S. 19.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[vi] Schopenhauer, „Über die Anscheinende Absicht …“, Züricher Ausg. Bd. VII, S. 234.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[vii] Siehe Eliade 1988, S. 189.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[viii] D I, 1, 31. Franke 1913, S. 22.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[ix] A III, 59, Nyânatiloka 1969, Bd. I, S. 149.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[x] Lehmann 1980, S. 103f.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[xi] S 15, 1, 3, Geiger 1925, S. 234. Die Textstelle wiederholt sich in den folgenden Suttas.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[xii] S 15, 6, ebd., S. 240f.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[xiii] M 129, Schmidt 1961, S. 296f.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[xiv] M 129, ebd., S. 297.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[xv] D IX, 49, Franke 1913, S. 158.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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