® Des Glaubens liebstes Kind


Als Wunder gilt umgangssprachlich ein Ereignis, dessen Zustandekommen man sich nicht erklären kann, so dass es Verwunderung und Erstaunen auslöst. Es bezeichnet demnach allgemein etwas "Erstaunliches" und "Außergewöhnliches".

Im engeren Sinn versteht man darunter ein Ereignis in Raum und Zeit, das menschlicher Vernunft und Erfahrung und den Gesetzlichkeiten von Natur und Geschichte scheinbar oder wirklich widerspricht. Dabei ist zu beachten, dass die heutige Vorstellung von einem Wunder als "übernatürlich" erst in der Neuzeit entstand; sie setzt Wissen um die Existenz von Naturgesetzen voraus. Für die Menschen in Antike und Mittelalter hingegen, für die bereits Phänomene wie Blitz und Donner unerklärlich waren und die einer scheinbar ungeordneten, regellosen Umwelt gegenüberstanden, war die Grenze zwischen "Möglichem" und "Unmöglichem" weitaus durchlässiger.

Ob ein Ereignis oder eine Sache wunderhafte Züge trägt, ist grundsätzlich der Meinung des Betrachters überlassen. In bestimmten Situationen glauben Augen- und Ohrenzeugen, sie hätten etwas Unfassbares erlebt oder gesehen. Oft werden die Wunderberichte weiter erzählt, um eine ganz bestimmte Sicht der Dinge bei anderen Menschen zu bewirken. Während religiöse Menschen die Möglichkeit von Wundern meist bejahen, wird sie von areligiösen Menschen meist grundsätzlich verneint.

Der Begriff

Der Begriff des vom Sich-Wundern abgeleiteten Wunders stammt aus der vom Hellenismus geprägten Antike. Er bezog sich vor allem auf erstaunliche Beobachtungen in der Natur. Unerwartete, dem Augenschein widersprechende Ereignisse wurden auch als Paradoxe bezeichnet. Der Paradoxograf Phlegon von Tralles sammelte im 2. Jahrhundert alle möglichen ungewöhnlichen Erscheinungen, besonders bezogen auf Menschen: von der Missgeburt über die Geschlechtsumwandlung bis zur vorübergehenden Belebung eines Toten.

Im Lateinischen wurde der Begriff Mirakel (miraculum: "Wunderding") verwendet, der sich auf sensationelle, ein Publikum unterhaltende Dinge bezog, vor allem auf außergewöhnliche menschliche Leistungen. Die größten vom Menschen geschaffenen Mirakel wurden seit dem 1. Jahrhundert v. Chr. als die sieben Weltwunder vorgestellt.

Überblick

In einer von Magie und Mythologie geprägten Weltsicht, wie sie besonders für Naturreligionen und Volksfrömmigkeit typisch ist, umfassen Wunder all diejenigen Ereignisse, die dem Eingreifen einer Gottheit oder metaphysischen Kraft zugeschrieben werden.

Die philosophische Metaphysik und die Theologie – besonders in der vom Christentum geprägten Geschichte Europas – sehen hinter solchen Ereignissen unter Umständen eine unbekannte und unsichtbare Ursache "höherer Ordnung", die auf das Wirken einer nicht den Naturgesetzen unterworfenen Macht verweist. Jedoch unterscheidet die Theologie selbst verschiedene Wunderbegriffe: Sie bezeichnet isolierte, punktuelle – tatsächliche oder scheinbare – Ausnahmen vom Kausalgesetz oft als "Mirakel", im Unterschied zu einem Wunder, in dem Gott zur Sprache kommt. Der Glaube an Mirakel und der Glaube an Gott sind für die meisten Theologen seit Reformation und Aufklärung zweierlei.

Der von einem geschlossenen, nur naturwissenschaftlich begründbaren Weltbild ausgehende Rationalismus und der nur von überprüfbarer Erfahrung ausgehende Empirismus bestreiten die Möglichkeit von Wundern grundsätzlich. Agnostizismus und Skeptizismus bestreiten die Erkennbarkeit "höherer" Ursachen, so dass sie Wundern und Wunderglauben keinerlei Relevanz für das Leben im Diesseits zubilligen. Der weltanschauliche Atheismus bekämpft den Wunderglauben als dem wahren Menschsein unangemessenen Aberglauben.

Der Theismus rechnet grundsätzlich mit der Möglichkeit von Wundern. Der Pantheismus setzt das Welt- und Naturgeschehen mit dem Wirken Gottes unmittelbar in eins, so dass das Dasein der Welt selbst als Wunder erscheint.

In allen Religionen gibt es Gruppen und Strömungen, für die das Außergewöhnliche, Spektakuläre und Sensationelle sowie die gefühlsmäßige Ergriffenheit im Vordergrund ihres Glaubens stehen. Diese Abwehr rationaler Überlegungen lässt die Wahrheitsfrage ungelöst.

Sowohl für wundergläubige wie wunderskeptische Menschen führt der Versuch, von Wundern auf Gott zu schließen, in einen unausweichlichen logischen Widerspruch: Wenn das Ereignis vom Menschen herbeigeführt und überprüft werden kann, dann ist es prinzipiell bereits aus einer natürlichen Gesetzmäßigkeit erklärbar und kann nicht mehr im alleinigen Macht- und Willensbereich Gottes liegen. Wenn es sich nicht experimentell reproduzieren und provozieren lässt, muss offen bleiben, was es verursacht hat und ob es sich um ein "echtes" Wunder handelt. "Zufällige" Messungen eines nicht naturwissenschaftlich erklärbaren Vorgangs können nicht von einem misslungenen Experiment oder Messfehlern unterschieden werden, sind also wissenschaftlich nicht verwertbar.

Dies verweist darauf, dass die Annahme einer "höheren" Ordnung sich nicht aus isolierten unerklärbaren Ereignissen, die untereinander keinen erkennbaren Zusammenhang aufweisen, begründen lässt. Es bleiben lediglich Zeugenaussagen von Menschen, die je nach Hintergrund und Persönlichkeit mehr oder weniger glaubwürdig sind und entsprechend gewertet werden können. Bei einer Bewertung dieser Glaubwürdigkeit spielt wiederum die grundsätzliche Einstellung des Bewertenden gegenüber der Möglichkeit von Wundern eine entscheidende Rolle.

In einer naturalistisch reflektierten Sicht auf die Welt sind Wunderberichte der Ausdruck für die ungeprüfte Annahme, es mit einer punktuellen Durchbrechung von Naturgesetzen und des Kausalzusammenhangs im Geschichtslauf zu tun zu haben. Für solche Ereignisse prägt die Philosophie auch den Begriff der Kontingenz und räumt damit die prinzipielle Möglichkeit von naturwissenschaftlich (noch) unerklärbaren Ereignissen ein.

Wunder in der außerchristlichen Antike

Die Tradition des Antiken Griechenlands enthält unter anderem Berichte über Wunder, die von Herakles begannen sein sollen. Sie wurden von der altgriechischen Theologie als Hinweis für die Göttlichkeit Herakles gelesen und wurden von europäischen Kulturen zum Anlass genommen, Herakles zu verehren. Unter seinen zahlreichen wunderbaren Handlungen sind die zwölf Arbeiten des Herakles, die ihm von König Eurystheus auferlegt wurden und die übermenschliche Kämpfe und eigentlich unmögliche Arbeiten beinhalteten.

Aristeas von Prokonnesos soll laut Herodot gestorben und wieder auferstanden sein.

Der Philosoph Apollonios von Tyana soll geboren worden sein, indem seine Mutter beim Blumenpflücken von einem Blitz getroffen wurde. Später soll er selbst Wunder vollbracht haben: unter anderem soll er ein verstorbenes Mädchen wieder zum Leben erweckt haben.

Die Historiker Tacitus und Sueton berichten von einem Heilungswunder, das der Kaiser Vespasian bewirkt habe. Die Erzählung hat die gleiche Struktur wie die Heilungswunder, die man im Neuen Testament findet. Als Sinn des Wunders wird von Sueton selbst angegeben, dass damit Vespasians Majestät von Gott bestätigt werde.

WUNDER IM CHRISTENTUM

Wunder im Neuen Testament

Das Neue Testament enthält verschiedene Berichte über Wunder, die Jesus von Nazaret getan haben soll, die ihm zugetraut wurden oder an ihm geschehen sein sollen. Diese werden in der christlichen Theologie als Zeichen für den Heilswillen und das Heilshandeln JHWHs, des Gottes Israels interpretiert.

Wunder in Heiligenlegenden

Eine relativ große Zahl von meist lateinischen Schriftzeugnissen, die aus dem Mittelalter erhalten sind, berichten von Wundern, insbesondere von Krankenheilungen durch die Vermittlung von Heiligen. Diese sogenannten "Mirakelberichte" finden sich als Versatzstücke von Heiligenlegenden, etwa in Viten heiliger Bischöfe. Oft dienten sie auch der "Kultpropaganda", also der "touristischen" Werbung, um Pilgerströme in Richtung der Begräbnisorte angeblich besonders heilungskompetenter Heiliger zu lenken

Wunder in der Neuzeit

An Wallfahrtsorten wird immer wieder von Wundern berichtet, die durch Fürsprache bestimmter Heiliger geschehen sein sollen. Bekannte römisch-katholischen Wallfahrtsorte sind Lourdes, Fátima und Altötting.

Im Umkehrschluss gelten auch heute noch Wunder als Voraussetzung für Selig- und Heiligsprechungsprozesse. Der letzte heiliggesprochene Papst war Pius X.. Er soll schon zu seinen Lebzeiten Wunder gewirkt haben. Johannes Paul II. (1920–2005) war Papst vom 16. Oktober 1978 bis zum 2. April 2005. Am 28. Juni 2005 begann sein Seligsprechungsprozess. Kurz vor dem ersten Todestag beendete das Tribunal zur Seligsprechung seine Untersuchungen über sein Leben bis zur Papstwahl. In Rom wurde die Wunderheilung der französischen Ordensschwester Marie Simon-Pierre von der Parkinson-Krankheit als das für die Seligsprechung erforderliche Wunder ausgewählt.

Quellennachweis: Exzerpt des Wikipedia-Artikels Wunder. Die Bilder zeigen folgende Wunder: die Spaltung des Mondes durch Mohammed, ein Himmels-Lächeln und das Jesus-Bild auf einem Hunde-Hintern.

 




® Rinks und Lechts


Politische Parteien und Ideen werden häufig vereinfachend anhand der eindimensionalen Systematik des politischen Spektrums klassifiziert. Dabei werden sie auf einer Achse platziert, deren Enden mit den einprägsamen und in ihrer wörtlichen Bedeutung wertneutralen Attributen links und rechts bezeichnet werden, mit einer dazwischenliegenden Mitte oder dem Zentrum. Diese Sichtweise wird heute von den meisten politischen Parteien und auch von den meisten Medien angewandt, obwohl sie bei differenzierteren Betrachtungen – insbesondere bei politischen Randthemen – versagt und diese Unzulänglichkeit auch allgemein anerkannt wird.

Herkunft

Das Aufkommen der Links-Rechts-Unterscheidung im Sinne politischer Richtungsbegriffe wird auf den Ursprung der Französischen Nationalversammlung in der verfassunggebenden Nationalversammlung (Konstituante) von 1789 zurückgeführt [1]. Dadurch blieb die Sitzordnung nicht länger das Spiegelbild festgefügter gesellschaftlicher Hierarchien wie in der Versammlung der feudalen Generalstände, sondern brachte bald die Dynamik politischer-ideologischer Auseinandersetzungen zum Ausdruck. Es entstand eine Auffächerung der politischen Orientierungen in der Nationalversammlung in ein Meinungsspektrum zwischen zwei Extremen: Die linke Seite "le côté gauche" kennzeichnete eine revolutionäre, republikanische Stoßrichtung, während „le côté droit“ mehr zurückhaltende, der Monarchie freundlich gesinnte Vorstellungen vertrat. Bald wurden die räumlichen Adjektive "links" und "rechts" substantiviert und man sprach nun einfach von „la droite“ und „la gauche“. Innerhalb dieser Lager bildeten sich wiederum sehr rasch Flügelgruppen: "l’extrémité gauche" und "l’extrémité droite".

Von Frankreich aus breitete sich die Links-Rechts-Unterscheidung in ganz Europa aus. In Deutschland konstituierte sich das Paulskirchenparlament von 1848 nach ihrem Muster. Hier saßen die republikanischen Abgeordneten, die einen sofortigen Sturz der damaligen Monarchie forderten, links und die Befürworter einer konstitutionellen Monarchie rechts.

TYPISCHE INTERPRETATIONEN

Der Gegensatz links-rechts steht im allgemeinen Verständnis stellvertretend für die nachfolgend beschriebenen Gegensätze.

Egalitär – Elitär

Ausgehend vom Gleichheitspostulat (Egalité) der französischen Revolution sind egalitäre politische Ansätze zentral für das Selbstverständnis der „Linken“. Diese richtete sich gegen Benachteiligungen bestimmter Bevölkerungsgruppen. Dies betraf zunächst die materiell schlechter gestellten Schichten (Arbeiterklasse), wurde später aber auch auf religiöse oder ethnische Minderheiten, Frauen, ältere Menschen, Behinderte, Homosexuelle und andere Bevölkerungsgruppen angewandt. Der Kampf für politische und gesellschaftliche Gleichberechtigung galt den Linken als Teil eines fortschrittlichen Strebens nicht nur nach Gleichheit, sondern auch nach Freiheit. Daher ist der Begriff der Emanzipation als Bezeichnung für die Befreiung und Selbstbestimmung benachteiligter Gruppen für das Selbstverständnis linker Gruppen und Organisationen ein wichtiger Bezugspunkt.

Die "Rechte" rechtfertigt die Notwendigkeit einer mehr oder weniger stark ausgeprägten Ungleichheit. Die Gründe dafür werden entweder in der Natur des Menschen (Begabung, Befähigung) gesehen oder die Ungleichheit wird auf gesellschaftliche Nützlichkeitserwägungen (Leistungsanreiz) zurückgeführt. In diesem Zusammenhang wird die Herausbildung von Eliten befürwortet, aus denen sich das Führungspersonal gesellschaftlich bedeutsamer (politischer, kultureller, wissenschaftlicher und wirtschaftlicher) Einrichtungen rekrutiert. Dagegen gelten linke/egalitäre Konzepte als "Gleichmacherei" und werden als Eingriffe in individuelle Freiheitsrechte und Entfaltungsmöglichkeiten oder in die hergebrachte Gesellschaftsordnung abgelehnt.

Im demokratischen Rechtsstaat steht nach erfolgter politischer Gleichberechtigung die Verteilung gesellschaftlichen Reichtums im Zentrum der Auseinandersetzung über egalitäre bzw. antiegalitäre Ansätze. Differenzierungen beim Verdienst (Primärverteilung) werden mit unterschiedlicher "Begabung" und "Leistung" des Individuums begründet. Die Frage nach einer "angemessenen" einkommensabhängigen Steuerbelastung (Sekundärverteilung) ist ein bedeutenderer Streitpunkt in der politischen Auseinandersetzung, da die Besteuerung im unmittelbaren Zugriff der Gesetzgebung liegt.

Willkürliche Ungleichbehandlung (Diskriminierung) aufgrund von Sprache, Geschlecht, "Rasse", Herkunft, Religion, politischer Anschauungen oder Behinderungen sind in demokratischen Rechtsstaaten geächtet. Umstritten ist jedoch, ob und in welchem Umfang der Staat Maßnahmen zum Ausgleich von Benachteiligungen ergreifen soll und inwiefern der Staat Diskriminierung im gesellschaftlichen Bereich entgegentreten soll. Dabei wird zwischen Gleichstellung und Gleichbehandlung unterschieden. So werden von Teilen der heutigen Linken zur Durchsetzung gesellschaftlicher Gleichstellung Maßnahmen gerechtfertigt, die als Ungleichbehandlung im Sinne einer Besserstellung gesellschaftlich benachteiligter Gruppen konzipiert sind ("umgekehrte Diskriminierung").

Progressiv – Konservativ

In der Anfangszeit der westlichen Demokratien, insbesondere im 19. Jahrhundert, bemühten sich die Linken vor allem um die Verbesserung der Lebensbedingungen der unteren Schichten, insbesondere der Arbeiter, um die Durchsetzung der Menschenrechte und damit um eine kontinuierliche Erneuerung der Gesellschaft. Die Linke propagierte dies als gesellschaftlichen Fortschritt (Progressivität). Die Rechten traten hingegen für die Wahrung des Status quo in Bezug auf politische und ökonomische Verhältnisse ein und verwiesen auf "hergebrachte" gesellschaftliche Normen, wodurch sie auch die Bezeichnung "konservativ" ("bewahrend") erwarben.

Mehrere Entwicklungen erschweren heute die Einteilung nach den Begriffen konservativ/progressiv: In den westlichen Demokratien nach 1945 haben auch eher rechts stehende Parteien eigenständige programmatische Fortschrittskonzepte entwickelt und eine eigene Politik der technischen wie auch gesellschaftlichen Modernisierung vertreten. Unterdessen ist es innerhalb und zwischen Organisationen mit linkem Selbstverständnis äußerst umstritten, welche Auffassungen und Maßnahmen als „progressiv“ anzusehen sind. Zudem entwickelte sich die Ideologiefigur der "Verteidigung fortschrittlicher Errungenschaften", die als eine linke Variante konservativer Denkansätze angesehen werden kann.

Internationalistisch – Nationalistisch

Der egalitären Grundidee entsprechend verfolgte die Linke lange Zeit einen internationalistischen Ansatz, begriff sich als weltweite Bewegung und organisierte sich international. Nach 1945 begriffen allerdings viele linke Gruppierungen ihre Aufgabe als "nationalen Befreiungskampf" und stützten sich dabei auf antiimperialistische Ideologien. Zur Befriedigung patriotischer Emotionen in der Bevölkerung, zur Durchsetzung territorialer Machtansprüche oder als Ausdruck eines antiimperialistischen Weltbildes wurden auch von Regierungen mit linkem Selbstverständnis nationalistische Ansätze vertreten. Im Zusammenhang einer globalisierungskritischen Vorstellungswelt wird heute von Teilen der "Linken" die Souveränität der Nationalstaaten als Voraussetzung für die Absicherungen sozialer Errungenschaften angesehen und gegen eine Internationalität des Kapitalismus gedanklich in Stellung gebracht.

Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts verfolgte das rechte Lager eine nationalistische Politik und vertritt eine entsprechende Ideologie noch heute. Zugleich versteht sich das "bürgerliche Lager" in Westeuropa – inklusive der Liberalen – aber als treibende Kraft der wirtschaftlichen Globalisierung und verweist auf seinen Beitrag zur europäischen Einigung.

Weitere Gegensätze

Während die oben genannten Gegensätze zumindest ursprünglich auf das Links-Rechts-Spektrum abgebildet werden konnten, ist dies bei weiteren Gegensätzen nicht oder nur im Einzelfall möglich. Dies ist auch die Basis für alternative Modelle. Ein typisches Beispiel hierfür ist der Gegensatz Zentralistisch – Separatistisch. Bei einigen Staaten mit starken Autonomie-Bewegungen, z. B. Spanien, gibt es sowohl im linken als auch rechten Teil des politischen Spektrums zentralistische und separatistische Parteien.

Einordnung der politischen Strömungen

Heutige demoskopische Untersuchungen zeigen, dass sich die Wähler der einzelnen parlamentarisch vertretenen Parteien in ihrem Selbstverständnis jeweils über weite Bereiche des politischen Spektrums verteilen. So sehen sich in einer 2007 von Emnid durchgeführten Umfrage bei den Wählern von Bündnis 90/Die Grünen 76 Prozent als "links", bei denen der SPD 39 Prozent, bei denen der CDU 25 Prozent und bei denen der FDP 23 Prozent. Insgesamt sagten 34 Prozent der Bundesbürger, sie seien im politischen Spektrum "links" zu verorten, 52 Prozent ordnen sich der "politischen Mitte" zu und 11 Prozent der politischen Rechten.

Konservatismus

Das "konservativ-bürgerliche Lager" betont in der Selbstdarstellung meist den konservativen und seltener den elitären Aspekt der eigenen Politik. Gerade aus der Opposition heraus wird häufig mit egalitären Ideen geworben, zum Teil auch zur Abgrenzung zu liberalen Positionen. Der Begriff rechts für die eigene Position wird von den Konservativen vermieden, der Begriff links – wenn überhaupt – meist nur abwertend für politische Gegner benutzt. Ebenso wie im sozialdemokratischen und liberalen Lager wird von einigen konservativen Volksparteien zunehmend der Begriff "Politische Mitte" proklamiert.

Sozialdemokratie

Viele sozialdemokratische Parteien distanzieren sich zunehmend von der Klassifizierung als "linke Partei", um eine breitere Akzeptanz zu erreichen.

Im Godesberger Programm der deutschen SPD von 1959 wurde der Begriff links nicht explizit verwendet, im Berliner Programm heißt es lediglich rückblickend: "Die Sozialdemokratische Partei stellte sich in Godesberg als das dar, was sie seit langem war: die linke Volkspartei." Im Bundestagswahlkampf 1998 warb die SPD mit dem Schlagwort der "Neuen Mitte". Im Oktober 2007 verabschiedeten Hamburger Programm definiert sie sich als "linke Volkspartei". Im vorangegangenen Bremer Entwurf vom Januar 2007 wurde die SPD noch zusätzlich als "Partei der solidarischen Mitte" definiert.

Liberalismus

Der Liberalismus lässt sich anhand dieser Sichtweise kaum einer bestimmten politischen Orientierung im rechts-links Schema zuordnen, weil er einerseits sehr stark die rechtliche Gleichstellung propagiert, leistungsbedingte soziale Unterschiede jedoch als Anreiz für persönliches Engagement befürwortet. Oftmals wird von den Liberalen dem Gegensatz elitär-egalitär der Gegensatz liberal-regulativ entgegengesetzt. Liberale streben sowohl in Bereichen des persönlichen als auch im Bereich des wirtschaftlichen Lebens nach der größtmöglichen Selbstbestimmung und Eigenverantwortung des Individuums.

In Deutschland und anderen europäischen Staaten wird der parlamentarische Liberalismus aufgrund seiner Wirtschaftsnähe ("Leistungsgerechtigkeit") teilweise als politisch "rechts" oder "bürgerlich" eingestuft.

In den Vereinigten Staaten wird "liberalism" aufgrund der Betonung auf gesellschaftliche Gleichstellung und Individualrechte eher als politisch "links" angesehen (vergleichbar mit der europäischen Sozialdemokratie), während Liberale nach europäischem Verständnis eher als "fiscal conservative" oder "libertarian“ bezeichnet werden.

Sozialismus

Viele Europäische Sozialisten definieren sich mittlerweile direkt über das Attribut links. Dies kommt am deutlichsten darin zum Ausdruck, dass sich viele Parteien direkt als Linkspartei bezeichnen.

In Deutschland gab sich 2005 die Partei des Demokratischen Sozialismus den neuen Namen Die Linkspartei.PDS, durch Fusion mit der WASG entstand daraus 2007 die Partei Die Linke.

Grüne

Die Grünen in den westlichen Ländern entstanden aus der Friedens- und Umweltbewegung und galten deshalb lange Zeit als links bzw. links-liberal. Allerdings hatte sich die grüne Partei in Deutschland zunächst mit rechten Strömungen in den eigenen Reihen auseinanderzusetzen, schlug dann jedoch einen durch linke Strömungen (z. B. Ökosozialisten) beeinflussten Kurs ein. Mit den zunehmenden Regierungsbeteiligungen in den 1990er Jahren haben sie sich jedoch in einigen Ländern von radikal-pazifistischen Positionen verabschiedet und in Wirtschaftsfragen neoliberalen Konzepten angenähert, was diese Einstufung in Frage stellt.

Ökologische Positionen sind nicht notwendigerweise mit traditionell "linken" Positionen verknüpft. So gelten zum Beispiel die Grünen in Lettland eher als konservativ, ebenso die ÖDP in Deutschland. Die Bürgerrechtler des Bündnis 90, welches 1993 mit den gesamtdeutschen Grünen fusionierte, sahen sich zwar eher "links", grenzten sich aber radikal von der PDS ab. Einige Mitglieder vertraten sogar konservative Positionen, wie zum Beispiel Vera Lengsfeld und Günter Nooke, die sich später in der CDU organisierten. In der Schweiz grenzen sich die Grünliberalen von den Grünen durch eine liberale Wirtschaftspolitik und eine eher restriktive Finanz- und Sozialpolitik ab.

KRITIK

Starke Vereinfachung

Ein Hauptkritikpunkt ist die extreme Vereinfachung der politischen Landschaft durch die Projektion verschiedener programmatischer Unterschiede auf eine einzige Achse. Darüber hinaus wird kritisiert, dass der Begriff Spektrum eine Kontinuität suggeriert (wie z. B. bei den Farbschattierungen des Lichtspektrums), obwohl auch ideologisch "benachbarte" politische Strömungen klare Bruchlinien aufweisen können und die einzelnen politisch-ideologischen Ausrichtungen keineswegs immer bruchlos ineinander übergehen.

Korrelation zwischen Zielen und Methoden

Die Verwendung dieser Attribute stellt indirekt eine positive Korrelation zwischen der Radikalität von Ideen (d. h. wie sehr sie vom Status Quo abweichen) und der Vehemenz, mit der sie vertreten werden (latente oder offene Gewalt gegen Andersdenkende oder den Staat), her. Obwohl diese Korrelation naturgemäß in gewissem Maße gegeben ist (die Parteien der Mitte haben in der Regel die Unterstützung von Exekutive, Justiz und Medien und bedürfen selbst keiner extremen Maßnahmen), ist sie jedoch keineswegs zwingend. So gibt es moderate Gruppierungen mit radikalen Ideen und aggressive Verfechter allgemein akzeptierter Ansichten. Diesen Umstand versuchen linke und rechte Gruppierungen in jüngster Vergangenheit durch den Begriff Mitt-Extremismus (Extremismus der Mitte) zu verdeutlichen.

Quellennachweis: Exzerpt des Wikipedia-Artikels Politisches Spektrum.

 




In der Gegenwart gefangen


HMHenry Gustav Molaison (* 26. Februar 1926 in Manchester, Connecticut; † 2. Dezember 2008 in Windsor Locks, Connecticut), auch bekannt unter der Bezeichnung HM oder H.M., war ein Mann mit einer besonderen Erinnerungsschädigung, die seit den späten 1950er Jahren und bis zu seinem Tod intensiv studiert wurde.

Die Erkenntnisse aus seiner Krankengeschichte spielten zum einen eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Theorien, welche die Verbindung von Gehirnfunktion und Erinnerungsvermögen zu erklären versuchen, zum anderen beeinflussten sie die Entwicklung der kognitiven Neuropsychologie, eines Zweigs der Psychologie, welche zum Ziel hat, Gehirnstruktur und -funktion in Verbindung zu spezifischen psychischen Vorgängen zu setzen.

KRANKENGESCHICHTE

Henry Molaison hatte als junger Mann unkontrollierbar heftige epileptische Anfälle, die oft – obwohl nicht belegbar – auf einen Fahrradunfall im Alter von neun Jahren zurückgeführt wurden. Über mehrere Jahre litt er an partiellen Anfällen und dann – ab dem 17. Lebensjahr – mehrfach an tonisch-klonischen Anfällen.

1953 wurde Molaison zur Behandlung an William Scoville überwiesen, einen Chirurgen am Krankenhaus in Hartford, Connecticut. Scoville vermutete, dass Molaisons Epilepsie auf seinen rechten und linken medialen Temporallappen beruhe und schlug als Behandlung eine operative Resektion vor. Am 1. September 1953 entfernte Scoville Teile von Molaisons medialen Temporallappen auf beiden Seiten des Gehirns. Molaison verlor dabei etwa zwei Drittel seines Hippocampus, des Gyrus parahippocampalis und die Amygdala. Sein Hippocampus schien völlig ohne Funktion zu sein, weil die verbleibenden 2 cm dieses Gewebes atrophisch erschienen und der gesamte entorhinale Kortex zerstört war. Einige Bereiche seines anterioren Temporallappens waren ebenfalls zerstört. Die Operation erreichte zwar das Primärziel, Molaisons Epilepsie in den Griff zu bekommen, aber er litt danach an schwerer anterograder Amnesie: Obwohl sein Arbeitsgedächtnis sowie sein prozedurales Gedächtnis (das Know-how-Gedächtnis) funktionsfähig waren, konnte Molaison keine neuen Ereignisse mehr in seinem deklarativen Langzeitgedächtnis speichern. Nach Meinung einiger Wissenschaftler war er in seiner Fähigkeit beeinträchtigt, neues semantisches Wissen aufzunehmen, aber es wird noch diskutiert, wie weitreichend diese Beeinträchtigung wirklich war. Er litt auch an leichter retrograder Amnesie und konnte sich kaum noch an die Ereignisse erinnern, die 3–4 Tage vor der Operation stattgefunden hatten; auch einige Ereignisse, die bis 1942 zurück reichten, hatte er vergessen, was bedeutete, dass seine Amnesie zeitlich abgestuft war. Im Gegensatz dazu war seine Fähigkeit, langzeitliche Erinnerungen an mechanische Abläufe (prozedurales Gedächtnis oder auch Know-how-Gedächtnis) zu bilden, intakt; so konnte er neue motorische Fähigkeiten (beispielsweise Golfspielen) erlernen, ohne dabei in der Lage zu sein, sich daran zu erinnern, es je gelernt zu haben.

Seit seinem 54. Lebensjahr lebte Molaison in einem Pflegeheim in Windsor Locks, wo er auch noch im Alter an weiteren Studien teilnahm. Zu Molaisons Freizeitbeschäftigungen im Alter gehörten Kreuzworträtsel, Bingo, Fernsehen und Unterhaltungen mit den Menschen, die für ihn sorgten. Er hinterließ keine Nachkommen.

Die erste Veröffentlichung seiner Krankengeschichte erfolgte 1957 durch Scoville und Milner. Nach seinem Tod spendete Molaison der Wissenschaft sein Gehirn, von dem 2009 an der UC San Diego Tausende von Dünnschnitten angefertigt wurden, um sie histologisch zu untersuchen und zu konservieren.

BEDEUTUNG FÜR DIE WISSENSCHAFT

Das Studium des Patienten Molaison hat das Verständnis der Vorgänge der menschlichen Gedächtnisbildung sehr erweitert. Durch klare Testergebnisse konnten veraltete Theorien verworfen und neue konzipiert werden, insbesondere, was die Vorgänge der Gedächtnisbildung und die dafür erforderlichen neuronalen Strukturen betrifft.

Gedächtnisbildung

Henry Molaison war nicht nur sehr bedeutend durch seinen Beitrag in Versuchsreihen über Erinnerungsbildung und -erhaltung, sondern auch, weil durch die exakt dokumentierte Hirnresektion eine Zuordnung gemacht werden konnte, welche speziellen Bereiche des Gehirns mit welchen Prozessen der Gedächtnisbildung in Zusammenhang gebracht werden können. Besonders seine Fähigkeit, Aufgaben durchzuführen, die Zugriff auf das Kurzzeitgedächtnis und das Know-how-Gedächtnis erforderten – aber nicht auf das Langzeitgedächtnis – legen nahe, dass der Abruf von Erinnerungen aus diesen Systemen – zumindest teilweise – in verschiedenen Gehirnregionen geschieht. Ergänzend legte seine Fähigkeit, Langzeiterinnerungen zu bewahren, die lange vor seiner Operation gebildet wurden, wie auch die Tatsache, dass er nach seiner Operation nicht mehr in der Lage war, Langzeiterinnerungen zu bilden, nahe, dass die Bildung (encoding) und das Abrufen (retrieval) von Langzeiterinnerungen von verschiedenen Systemen gesteuert wird.

Gedächtnisverlust

Molaisons Normalzustand ist als schwere anterograde Amnesie sowie auch als zeitlich abgestufte retrograde Amnesie beschrieben worden. Molaison war nicht mehr in der Lage, neue Langzeiterinnerungen von Ereignissen oder Wortbegriffen anzulegen – er lebte praktisch in seiner eigenen Vergangenheit vor der Operation. Da Molaison vor der Operation keinerlei Erinnerungsverlust zeigte, kann die Resektion des medialen Temporallappen für seine Erinnerungsschädigung verantwortlich gemacht werden. Daher kann man annehmen, dass die medialen Temporallappen eine wichtige Rolle in der Bildung von semantischen und episodischen Langzeiterinnerungen spielen. Weitere Belege für diese Annahme ergaben sich aus dem Studium anderer Patienten mit Läsionen in den Strukturen ihrer medialen Temporallappen. Trotz der Symptome des Gedächtnisverlustes war Molaison in der Lage, Intelligenztests durchzuführen. Dies deutet darauf hin, dass einige Funktionen der Erinnerung (z. B. Kurzzeitspeicherung, das Merken von Wörtern, Phonemen usw.) durch die Operation nicht beeinträchtigt wurden. Allerdings zeigt Molaison beim Verstehen und Erstellen von Sprache in Satzlänge dieselben Defizite wie in seiner Gedächtnisleistung. Molaison war in der Lage, sich an neue Informationen über kurze Zeiträume zu erinnern; dies wurde in einem Experiment zum Arbeitsgedächtnis festgestellt, bei dem er sich an kurz zuvor gezeigte Zahlen erinnern musste. Seine Leistung dabei lag im gleichen Bereich, wie die der Kontrollpersonen und liefert Hinweise darauf, dass das Kurzzeitgedächtnis nicht auf den medialen Temporalstrukturen beruht, und unterstützt darüber hinaus die generelle Unterschiedlichkeit zwischen Kurz- und Langzeitspeicherung. Molaisons weitgehend intakte Fähigkeit Wörter abzurufen belegt, dass das lexikalische Gedächtnis nicht von den medialen Temporalstrukturen abhängt.

Erlernen von motorischen Fähigkeiten

Zusätzlich zu seinem intakten Arbeitsgedächtnis und seinen intellektuellen Fähigkeiten zeigten Studien, dass er sich neue motorische Fähigkeiten aneignen konnte, also sein motorisches Lernen erhalten geblieben war. In einer Studie von Milner in den frühen 1960er Jahren lernte Molaison, eine Figur von ihrem Abbild in einem Spiegel zu zeichnen. Weitere Belege für intakte motorische Fähigkeiten ergab eine Studie von Corkin. In dieser Studie wurde Molaison bezüglich drei verschiedener motorischer Lernaufgaben getestet, die er alle lösen konnte. Seine Fähigkeiten, gewisse Probleme zu lösen, wurden auch mit der Turm-von-Hanoi-Aufgabe getestet. Experimente zur Bahnung durch Wiederholung (repetition priming) belegten Molaisons Fähigkeit, bestimmte unbewusste Erinnerungen zu erwerben im Gegensatz zu seiner Unfähigkeit, neue konkrete semantische und episodische Erinnerungen anzulegen. Diese Resultate zeigen, dass das Know-how-Gedächtnis und die Bahnung durch Wiederholung auf anderen Neuralstrukturen beruhen als die Erinnerung an Erlebtes und Fakten. Langzeiterinnerungen werden demnach nicht einheitlich gebildet, sondern können entweder in deklarative und nicht-deklarative Erinnerungen unterteilt werden.

Räumliches Gedächtnis

Nach Corkin haben Studien mit Molaison auch Einsicht in die Art und Weise gegeben, wie neurale Strukturen für räumliche Erinnerungen und die Verarbeitung von räumlicher Information verantwortlich sind. Trotz seiner allgemeinen Unfähigkeit, neue episodische oder faktische Langzeiterinnerungen anzulegen, und auch trotz seiner schweren Behinderung in bestimmten Tests der räumlichen Erinnerung, war Molaison in der Lage, einen ziemlich detaillierten topographischen Plan seines Hauses zu zeichnen. Dies war ein besonderes Ergebnis, denn Molaison war in dieses Haus erst fünf Jahre nach seiner Operation eingezogen und man hatte nicht erwartet, dass er dazu fähig gewesen wäre. Corkin stellte die Hypothese auf, dass Molaison „aufgrund der täglichen Bewegung von Raum zu Raum in die Lage versetzt wurde, einen verständlichen Plan der räumlichen Ausdehnung seines Hauses zu erstellen“ (S. 156). Mit Bezug auf die zugrunde liegenden neuralen Strukturen argumentiert Corkin, dass Molaisons Fähigkeit, einen Hausplan zu zeichnen, zum Teil darauf beruhe, dass seine Strukturen zur Verarbeitung von räumlicher Information noch intakt seien (z.B. der hintere Teil seines Gyrus parahippocampalis). Zusätzlich zu seinem topografischen Gedächtnis zeigte Molaison eine gewisse Lernfähigkeit während einer Aufgabe, bei der er sich Bilder merken und sie dann wieder erkennen sollte und auch bei einem bekannten Gesichtserkennungstest, bei dem er aber nur durch zusätzliche phonetische Hilfestellung Treffer erzielen konnte. Molaisons positives Abschneiden bei der Aufgabe, Bilder zu erkennen, könnte darauf zurückzuführen sein, dass noch Teile seines ventralen, perirhinalen Kortex vorlagen. Zusätzlich argumentiert Corkin, dass Molaison anscheinend in der Lage war, rudimentäre Informationsfragmente von Personen des öffentlichen Lebens (z.B. das Abrufen von Namen prominenter Personen, wenn ihm kleine Hilfestellungen gegeben wurden) zu erfassen. Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der bei Molaison noch vorhandenen extrahippokampalen Regionen im semantischen und kognitiven Gedächtnis und erhellen unser Verständnis der Verbindungen zwischen den verschiedenen Strukturen der medialen Temporallappen. Molaisons schwere Behinderung bezüglich gewisser räumlicher Aufgaben gibt Hinweise auf Verbindungen des Hippocampus mit dem räumlichen Gedächtnis.

Bildung von Erinnerungen

Ein weiterer Beitrag von Molaison zu unserem Verständnis des Erinnerns betrifft die neuralen Strukturen des Erinnerungsbildungsprozesses, welche für die Bildung von Langzeiterinnerungen erforderlich sind. Molaison zeigte eine zeitliche Abstufung seiner retrograden Amnesia, da er sich unbeeinträchtigt an frühe Kindheitserlebnisse erinnern konnte, während er aber Schwierigkeiten hatte, sich an Ereignisse zu erinnern, die in den Jahren kurz vor der Operation stattgefunden hatten. Dies deutet darauf hin, dass die Erinnerungen aus der Kindheit nicht auf den medialen Temporallappen beruhen, wohl aber die späteren Langzeiterinnerungen. Die Hypothese ist nun, dass die medialen Temporalstrukturen, die durch die Operation entfernt worden waren, für die Konsolidierung von Erinnerungen notwendig sind: „Es wird vermutet, dass Wechselwirkungen zwischen den medialen Temporallappen und verschiedenen seitlichen kortikalen Bereichen Erinnerungen außerhalb der medialen Temporallappen speichern und langsam direkte Verbindungen zwischen kortikaler Repräsentation und der Erfahrung formen“.

Studien nach seinem Tod

Das Gehirn von Henry G. Molaison ist der Gegenstand einer bisher einzigartigen biologisch-anatomischen Studie, die von der Dana Foundation und der National Science Foundation finanziert wird. Das Projekt, unter dem Vorsitz von Jacopo Annese, dem Direktor von The Brain Observatory an der UC San Diego, soll einen kompletten mikroskopischen Überblick des Gehirns liefern und die neurologischen Gegebenheiten von Molaisons Erinnerungsschädigung auf zellulärer Basis zugänglich machen.

Quellennachweis: Exzerpt des Wikipedia-Artikels Henry Gustav Molaison.

 




® Mit dem Daumen durch die Welt


Trampen, gelegentlich auch Autostopp oder per Anhalter fahren (englisch hitchhiking), ist die in der Regel kostenlose Mitreise in einem fremden Kraftfahrzeug. Die Mitfahrt selbst bezeichnet man u. a. als Lift (britisches Englisch) oder Ride (amerikanisches Englisch).

Prinzip

Der Anhalter signalisiert seinen Mitfahrwunsch am Straßenrand in der Regel durch einen nach oben gestreckten Daumen. Oft werden vorbeifahrenden Kraftfahrzeugen auch beschriftete Schilder mit dem gewünschten Reiseziel entgegengehalten. Jedoch auch die Kraftfahrer können dem Tramper gewisse Informationen übermitteln; befindet sich der Tramper noch innerorts und deutet der Kraftfahrer mehrfach auf sein Lenkrad, so bedeutet das, dass er nicht aus dem Ort herausfährt. Eine weitere Möglichkeit für die Mitnahme ist es, die Fahrer der Kraftfahrzeuge bei passenden Gelegenheiten direkt anzusprechen; dies kann beispielsweise bei Tankstellen oder auf Autobahnraststätten erfolgen. In den Niederlanden gibt es spezielle, durch Schilder ausgewiesene Stellen für Tramper, die Liftershalte, die mit einer Haltebucht versehen sind und so problemloses Halten ermöglichen.

Neben dem Trampen per Auto hat auch das Schiffstrampen eine gewisse Verbreitung gefunden.

Geschichte

In den 1960er und 1970er Jahren war das Trampen in vielen Ländern als preisgünstige Möglichkeit des Reisens vor allem unter jungen Menschen der Hippie-Generation besonders weit verbreitet. Das gewisse Abenteuer dieser Reiseform hatte dabei nicht selten einen Anteil an ihrer Attraktivität.

Die Zahl der Tramper an den Autobahnen und Fernstraßen scheint seitdem (insbesondere aber seit der zweiten Hälfte der 1990er Jahre) stark zurückgegangen zu sein, obwohl das Trampen zur Überwindung kurzer Strecken, wie beispielsweise von einem Dorf in die nächstgelegene Stadt, immer noch häufig genutzt wird.

Der Rückgang von Trampern in Deutschland ist auf eine höhere Verbreitung von Autos bei Heranwachsenden, die Einführung von Wochenendticket, Anrufsammeltaxis, Online-Mitfahrzentralen und Billigairlines, aber auch den stärkeren Drang nach Sicherheit zurückzuführen. Dies schließt sowohl körperliche Unversehrtheit als auch die Gewissheit pünktlicher Ankunft mit ein. Zum Teil dürfte dies auch auf die Anfang der 1990er Jahre aufkommenden neuen Versicherungsmodelle zurückzuführen sein, bei denen die möglichen Fahrzeuginsassen schon vorher festgelegt werden müssen. Trotzdem funktioniert das Trampen in Deutschland noch ziemlich gut, weil viele Autofahrer, die Anhalter mitnehmen, das Trampen aus ihrer Jugend kennen. Besonders in der DDR war das Trampen verbreitet und als normale Reiseform angesehen.

Die so genannte Tramper-Bewegung in der DDR und den anderen Ostblockländern war die östliche Entsprechung der Hippie-Bewegung und wurde von den Regierungen und Staatssicherheitsdiensten dieser Länder als oppositionell eingestuft.

In anderen Ländern ist das Trampen bis heute noch eine verbreitete Reiseform. Zum Teil ist auch eine Beteiligung an den Fahrtkosten üblich. In Rumänien geben Tramper dem Fahrer als eine Geste der Freundlichkeit ein bisschen Geld, was heutzutage in keinem Verhältnis mehr zu Transportpreisen von Zug oder Bus steht. In Zentralasien ist es sogar die Regel, dass Autofahrer durch die Mitnahme von Fahrgästen etwas dazuverdienen.

Die Deutsche Autostop Gesellschaft, Abgefahren e. V., erregte im August 2007 reges Medieninteresse. Der Verein will das Trampen vom "Hippie-Mief" mit Hilfe des Internets befreien und das Trampen wieder populärer machen. Der Verein unterstützt diverse Projekte rund ums Thema Trampen und veranstaltet regelmäßig Trampertreffen in Deutschland, sowie seit 2008 eine jährliche deutsche Trampermeisterschaft.

Umweltfreundliches Reisen

Da das Fahren per Anhalter nur geringfügig zusätzliche Abgase erzeugt, ist diese Form des Reisens sehr umweltfreundlich. Durch das Trampen werden vorhandene Kapazitäten besser genutzt. Wenn in allen Autos alle Sitzplätze gefüllt wären, dann wäre die Zahl der Autos auf den Straßen deutlich geringer. Die Fahrzeuge, die genutzt werden, fahren in der Regel ohnehin. Somit entstehen durch das zusätzliche Gewicht des Trampers und seinem Gepäck nur wenig weitere Schadstoffe und Treibhausgase.

Quellennachweis: Exzerpt des Wikipedia-Artikels Trampen.

 




® Doch die Gene waren stärker


Der Lyssenkoismus war eine von dem Agrarwissenschaftler Trofim Denissowitsch Lyssenko begründete pseudowissenschaftliche Lehre, unter anderem auf Basis des Lamarckismus. Lyssenko gewann in der stalinistischen Sowjetunion vor allem zwischen 1940 und 1964 eine tonangebende Stellung. Die dadurch verursachten schweren Ernteeinbußen wurden angeblichen Saboteuren zugeschrieben. Damit verbunden war ein Feldzug gegen die sogenannte "faschistische" und "bourgeoise" Genetik sowie gegen jene Biologen, die sich mit dieser Disziplin befassten. Das zentrale Postulat des Lyssenkoismus lautete, dass die Eigenschaften von Kulturpflanzen und anderen Organismen nicht durch Gene, sondern durch Umweltbedingungen bestimmt werden.

Die Entwicklung des Lyssenkoismus war mehr als eine ideologisch bedingte Bevorzugung einer Forschungsrichtung. Nikolai Iwanowitsch Wawilow hatte Lyssenko aufgrund dessen Forschungen zur Pflanzenphysiologie über Jahre gefördert. Wawilow hatte genau das System der zentralisierten Forschungseinrichtungen wie der Leninakademie der Agrarwissenschaften eingerichtet, welches von Lyssenko dann übernommen und mit dessen Vorgaben beherrscht wurde.

Dasselbe System funktionierte beim Aufbau der Rüstungsindustrie und des Russischen Raumfahrtprogramms und fand international große Beachtung. Die Landwirtschaft hingegen blieb bis zum Ende der Sowjetunion ein Krisenbereich. In dem Sinne gilt der Lyssenkoismus nach wie vor als Mahnung für die Wissenschaftspolitik, hinsichtlich eines zu starken Einflusses der Politik auf die Wissenschaft wie auch hinsichtlich der Benutzung politischer Kontakte zum Aufstieg einzelner Wissenschaftler.

Lyssenkos Aufstieg

Im Jahre 1931 verabschiedete das Zentralkomitee der KPdSU eine Resolution, wonach innerhalb weniger Jahre alle in der UdSSR angebauten Getreidearten in vielfältiger Weise verbessert und zugleich an alle Anbaugebiete angepasst werden sollten. Dieser Plan war aus wissenschaftlicher Sicht unsinnig und selbst in einer viel längeren Zeitspanne nicht erfüllbar. Auf der Konferenz der sowjetischen Akademie der Landwirtschafts-Wissenschaften 1936 trat jedoch der Agrarwissenschaftler Trofim Denissowitsch Lyssenko auf, der damals am Allunionsinstitut für Genetik und Zuchtverfahren in Odessa tätig war, und kündigte an, die veranschlagten Ziele mittels unkonventioneller Methoden in sehr kurzer Zeit erreichen zu können. Lyssenko verwarf die herrschende Lehre in der Genetik und behauptete, es gebe gar keine Gene und man könne verschiedene Getreidesorten durch geeignete Kulturbedingungen ineinander umwandeln. Dabei genoss er die persönliche Unterstützung des Diktators Josef Stalin, der ihn öffentlich lobte und protegierte.

Schon 1938 wurde Lyssenko zum Präsidenten der Akademie für Landwirtschafts-Wissenschaften ernannt, und seine Thesen erlangten bald allgemeine Gültigkeit in der SU, während kritische Stimmen − wie allgemein in jener Phase des Stalinismus – massiv unterdrückt wurden und kaum zur Geltung kamen. Zu den zentralen Themen des Lyssenkoismus gehörte neben der Veränderung von Getreidesorten durch spezielle Kulturbedingungen auch die "Artumwandlung", bei der ebenfalls durch bestimmte Kulturbedingungen etwa aus Weizenkörnern Roggenpflanzen hervorgehen sollten. Wichtig war auch die Technik, insbesondere Baum-Setzlinge in "Nestern" eng beieinander auszupflanzen, damit im Zuge der "Selbstausdünnung" nur die besten überlebten und die übrigen sich "opferten". Darüber hinaus propagierte Lyssenko besondere Düngermischungen wie etwa die Kombination von Superphosphat und Kalk, die wirkungslos ist, weil diese beiden Substanzen sich zu unlöslichem Calciumphosphat verbinden.

Die sowjetischen Massenmedien stellten Lyssenko als ein Genie dar, das die Landwirtschaft revolutionierte. Die Propaganda liebte es, Geschichten von einfachen Bauern groß heraus zu bringen, die durch ihre Geschicklichkeit und Erfahrung praktische Probleme lösten. Lyssenko genoss diese Aufmerksamkeit der Medien und nutzte sie, um Genetiker anzuschwärzen und seine eigenen Ideen zu verbreiten. Wo er sich in der Fachwissenschaft nicht durchsetzen konnte, half ihm die Propaganda: Lyssenkos Erfolge wurden übertrieben und die Misserfolge totgeschwiegen. Er führte selten kontrollierte Experimente durch, denn hauptsächlich verließ er sich auf Fragebögen von Bauern, mit denen er zum Beispiel "bewies", dass die von ihm propagierte Vernalisation die Weizenerträge um 15% erhöhen würde.

Lyssenkos politischer Erfolg beruhte erheblich auf seiner Herkunft als Bauernkind. Die meisten Biologen stammten aus dem Bürgertum, und das war seit der Oktoberrevolution ideologisch suspekt. Arbeiter und Bauern sollten jetzt die herrschende Schicht stellen. Obendrein war Lyssenko begeisterter Anhänger Stalins und seines Systems.

Lyssenko hatte schnell "Lösungen" für aktuelle Probleme parat. Wann immer die Kommunistische Partei gerade entschieden hatte, eine neue Getreidesorte zu verwenden oder neues Agrarland zu erschließen – Lyssenko tauchte mit praktischen Ratschlägen auf. Er entwickelte seine Ideen – die Vernalisation, das Blätterabschneiden bei Baumwollpflanzen, die gruppenweise Anpflanzung von Bäumen bis hin zu merkwürdigen Düngermischungen – in einem so hohen Tempo, dass die akademischen Wissenschaftler kaum Zeit hatten, diese teilweise unnützen und oftmals gefährlichen Lehren zu untersuchen und ggf. zu widerlegen.

Konsequenzen für die Sowjetunion und die Wissenschaft

Die staatliche Presse applaudierte Lyssenkos „praktischen Fortschritten“ und zog die Motive seiner Kritiker in Zweifel. Schließlich wurde er von Stalin zu seinem persönlichen Landwirtschaftsberater ernannt – eine Position, die Lyssenko dafür nutzte, Biologen als "Fliegen-Liebhaber und Menschenhasser" zu denunzieren. Außerdem setzte er die Hetze gegen "Saboteure" fort, die angeblich vorhatten, die Wirtschaft der UdSSR zu ruinieren. Sabotage war ein Straftatbestand in der Sowjetunion. Lyssenko bestritt – wie auch die Partei – jeden Unterschied zwischen theoretischer und praktischer Biologie.

Die Missernten der sowjetischen Landwirtschaft in den 1930er Jahren beruhten zum großen Teil darauf, dass viele Bauern die Kollektivierungspolitik ablehnten. Lyssenkos Methoden boten einen Weg, die Bauern aktiv am Ernteerfolg und an der "Landwirtschaftsrevolution" teilnehmen zu lassen. Für die Parteifunktionäre war ein Bauer, der – für welchen Zweck auch immer – Getreide ansäte, nützlich, im Gegensatz zur vorher verbreiteten Praxis, Getreide zu zerstören, um es nicht dem Staat zu überlassen.

Die akademischen Wissenschaftler dagegen konnten keine einfachen oder sofort umsetzbaren Neuerungen vorschlagen, und so geriet die Scharlatanerie Lyssenkos bei der kommunistischen Partei in einen guten Ruf. Dieser Ruf breitete sich auch über die Grenzen der Sowjetunion in anderen kommunistischen Parteien aus, wo Lyssenkos Thesen zeitweise herrschende Doktrin wurden.

Eine eigene Wissenschaft Lyssenkos existierte niemals. Er kopierte die Ideen Iwan Mitschurins und wendete eine Art Lamarckismus an. Die Pflanzen, so Lyssenko, wechselten ihre Gestalt durch Hybridisierung, Pfropfung und andere nicht-genetische Techniken. Zahlreiche Forscher nehmen an, dass Lyssenkos Erfolg in der Sowjetunion darauf beruhte, dass nach marxistischer Auffassung erbliche Einflüsse auf die menschliche Entwicklung minimal seien. Andere betonen, dass er seine Modelle nie auf die Humanbiologie anwandte, sondern sie streng auf Pflanzen beschränkte. Vorstellungen wie Erblichkeit oder Eugenik lehnte Lyssenko als bourgeoisen Einfluss auf die Wissenschaft ab, der in der Diktatur des Proletariats bekämpft werden musste.

Der Lyssenkoismus war – wie die Japhetitentheorie Nikolai Jakowlewitsch Marrs in der Linguistik – ein Auswuchs des Umstandes, dass ein pseudowissenschaftlicher Ansatz aus ideologischen Gründen in einer totalitären Diktatur mit allen Mitteln gefördert wurde.

Verfolgung der Wissenschaftler und nachfolgende Entwicklung

Die zunächst noch offenen Auseinandersetzungen zwischen den Genetikern und den Anhängern Lyssenkos wurden entschieden, als die Genetiker durch den "Großen Terror" 1937 sämtliche Fürsprecher in der Politik verloren. Daraufhin wurden auch viele Wissenschaftler verhaftet und umgebracht unter dem Vorwand, mit "Feinden des Volkes" zu kooperieren. Andere Genetiker wurden durch Rufschädigung von ihren Stellen verdrängt. Zu den wenigen Forschungszentren der Genetiker, die sich etwas länger halten konnten, gehörten das von Nikolai Koltsov, der 1940 vergiftet wurde, sowie das Institut von Nikolai Wawilow. Wawilow wurde 1940 verhaftet und starb drei Jahre später im Gefängnis.

Genetik wurde als eine "faschistische und bourgeoise Wissenschaft" bezeichnet. Hier zeichnet sich eine Parallele zu der unter den Nationalsozialisten als "jüdisch" verfolgten Relativitätstheorie ab, die durch eine "Deutsche Physik" ersetzt werden sollte. 1948 wurde die Genetik schließlich offiziell zur "bourgeoisen Pseudowissenschaft" erklärt – daraufhin wurden alle verbliebenen Genetiker entlassen oder eingesperrt. Auch Evolutionsbiologen wie Ivan Schmalhausen wurden ihrer Ämter enthoben.

Auch Stalins Nachfolger Nikita Chruschtschow unterstützte Lyssenko bedingungslos, und erst nach Chruschtschows Sturz 1964, der unter anderem durch die anhaltenden Misserfolge in der Landwirtschaft verursacht war, konnten Lyssenkos Irrlehren als solche bezeichnet und verworfen werden. 1965/66 wurde der Biologie-Unterricht in der Sowjetunion ausgesetzt, um neue Lehrpläne entwickeln und die Lehrer umschulen zu können.

Der US-amerikanische Physiker Carl Sagan verglich das Bestreben evangelikaler Kreise in den USA, den Kreationismus in die Lehrpläne der Schulen einzuführen, mit einer Vorstufe des Lyssenkoismus, da kreationistisch orientierte Politiker bestimmen wollen, was als Wissenschaft zu gelten hat.

Quellennachweis: Exzerpt aus dem Wikipedia-Artikel Lyssenkoismus

 




Porzellan


Kauri

Porzellan ist eine Sorte feiner Keramik, die durch Brennen eines Gemischs aus Porzellanerde (Kaolin), Feldspat und Quarz gewonnen wird. Der durch das Brennen geschmolzene Feldspat ist zu zäh um anschließend wieder auszukristalliesieren. Das Ergebnis ist ähnlich dem Glas: von der physikalischen Struktur her eigentlich eine Flüssigkeit, die aber so langsam fließt, daß die uns wie ein Festkörper erscheint.

Interessant ist, wie das Porzellan zu seinem Namen kam. Der geht zurück auf das italienische Wort "porcellana", mit dem ursprünglich die Kaurischnecke bezeichnet wurde, die auf Deutsch auch "Porzellanschnecke" heißt.  Als die Europäer durch den Bericht von Marco Polo erstmals von chinesischem Tafel-Porzellan und seinen Eigenschaften erfuhren, nahmen sie fälschlich an, es würde aus den gestampften Gehäusen dieser Kaurimuscheln hergestellt, deren Ähnlichkeit mit Porzellan diesen Irrtum nahelegte.

Warum aber hieß die Kaurimuschel auf italienisch "porcellana"? Das ist abgeleitet von "porcellano" (wörtlich "Schweinchen", die Verkleinerungsform von "porco" = "Schwein"), einer alten Bezeichnung für die äußeren Geschlechtsorgane der Frau. Diesem Ausdruck lag eine sexualfeindliche Einstellung zugrunde, denn das Schwein diente als Metapher für Schmutziges und Ekliges. Die Übertragung auf die Kaurimuschel kam durch die Ähnlichkeit zustande, die die Unterseite dieser Muschel mit der menschlichen Vulva aufweist.




® Eine harmlose Schwester der Theologie


Exegese (griech.: ἐξήγησις exēgesis = "Auslegung", "Erläuterung") ist die Auslegung bzw. Interpretation von Texten. Die zentralen Aussagen, Inhalte und Strukturmerkmale eines Textes sollen für den Leser verdeutlicht und zugänglich gemacht werden. Im Alltagssprachgebrauch wird der Ausdruck meist mit Bezug auf heilige Schriften verwendet. Der Ausdruck ist aber auch im Zusammenhang mit der Auslegung juristischer oder anderer Texte anzutreffen.

Entenhausen ist eine fiktive Stadt der Disney-Comics. Zu seinen Bewohnern gehören die Figuren um Donald Duck und Micky Maus.

Als Donaldismus bezeichnet man die Beschäftigung mit der fiktiven Familie Duck und die Erforschung von familiären, soziologischen und gruppendynamischen Prozessen in  Entenhausen.

Inhalte

Der Donaldismus beschäftigt sich wissenschaftlich mit Donald Duck, Dagobert Duck, Tick, Trick und Track sowie den anderen Bewohnern Entenhausens und deren Umfeld. Als Grundlage dienen hierbei insbesondere Geschichten des amerikanischen Zeichners Carl Barks, die von der Kunsthistorikerin Erika Fuchs ins Deutsche übersetzt wurden. Jedoch wird die recht freie Übersetzung von Erika Fuchs auch von quellenpuristischer Seite kritisiert.

Die Comic-Geschichten werden zum Anlass genommen für die Erörterung natur- und geisteswissenschaftlicher Grundsatzfragen: So gibt es Forschungsprojekte und wissenschaftliche Aufsätze zu Fragestellungen wie der "Donaldistischen Utopie" oder dem "Klima in Entenhausen". Selbst die Sexualität und die Rechtsstrukturen in der Entenmetropole werden dabei ausgeleuchtet. Den Interessierten geht es dabei um die "Erforschung der Familie Duck und des Entenhausener Universums in jeglicher nur denkbaren Hinsicht". Puristen, auch als Barksisten bezeichnet, beziehen dabei nur die Geschichten von Barks in ihre Forschung ein.

Der Donaldismus unterteilt sich in den wissenschaftlichen und den gelebten Donaldismus. Ersterer beschäftigt sich mit Entenhausen, wie es von Barks und Fuchs beschrieben wurde, und untersucht dabei die auftretenden Phänomene in Bereichen, in denen sich Entenhausen von unserer Welt unterscheidet. Allseits bekannte Fragen drehen sich dabei beispielsweise um die Zähne der Ducks oder warum nur die weiblichen Ducks Schuhe tragen. Der gelebte Donaldismus äußert sich darin, dass Donaldisten Situationen aus Entenhausen nachstellen, um das Leben in der Gumpenmetropole nachempfinden zu können. Auch dabei kommen oft unterschiedlichste und nicht selten erstaunliche Ergebnisse ans Licht.

Geschichte

Die erste wissenschaftlich donaldistische Arbeit wurde 1973 von Jon Gisle in seinem Buch "Donaldismen" veröffentlicht.

1977 wurde von Hans von Storch, der als Begründer des deutschen Donaldismus gilt, die Deutsche Organisation nichtkommerzieller Anhänger des lauteren Donaldismus, kurz D.O.N.A.L.D., in Hamburg gegründet.

In Deutschland ist es Donaldisten gelungen, das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zu unterwandern. Seitdem erscheinen dort regelmäßig und etwas unvermittelt Donald-Duck-Zitate in schöngeistigem Zusammenhang – vornehmlich als Titelzeilen und Bildunterschriften. Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel rühmt sich damit, den FAZ-Feuilletonchef Patrick Bahners und den FAZ-Redakteur Andreas Platthaus als Donaldisten "enttarnt" zu haben. Dies war aber eigentlich nie ein Geheimnis, da beide bekennende D.O.N.A.L.D.-Mitglieder sind und auch auf Donaldisten-Kongressen auftreten.

Der einzig wahre Stadt- und Umgebungsplan von Entenhausen

"Der einzig wahre Stadt- und Umgebungsplan von Entenhausen" ist der Titel eines kartografischen Werkes des Kartografen Jürgen Wollina. Die Karte soll eine schlüssige Zusammenstellung der kartografischen Informationen zum fiktiven Ort Entenhausen aus den Comics von Carl Barks darstellen. Der Stadtplan wurde im April 2008 beim Kongress der D.O.N.A.L.D. erstmals vorgestellt.

Jürgen Wollina begann mit der Arbeit am Stadtplan 1994. Dabei sollte ein Stadtplan von Entenhausen entstehen, der den in den Geschichten des Disney-Zeichners Carl Barks enthaltenen Informationen entspricht, da nur diese für die Donaldisten maßgeblich sind. Zunächst wurden von Barks gezeichnete Karten von Entenhausen zusammengetragen und alle 52.000 von Barks gezeichneten Bilder katalogisiert. Dabei entstand eine Chronologie der Barks-Karten mit Planangaben, ein Bildgenaues Barks/Fuchstext-Stichwortregister und ein Index der kartografischen Informationen der Zeichnungen von Barks mit Kartenskizzen. Dabei wurden die kartografischen Informationen eines Panels in einer Skizze festgehalten. Als weitere Ergebnisse erschienen vorab Entenhausen – Deine Brücken und Die 20 Geldspeicher des Dagobert Duck. Die dabei als kleine Karten und Skizzen gesammelten Informationen wurden dann nach und nach zu einem Stadtplan kombiniert. Dabei wurde Jürgen Wollina vom Stadtplaner Christian Pfeiler unterstützt, der die Reinzeichnungen übernahm.

Der Plan wurde erstmals beim 31. Kongress der D.O.N.A.L.D. in Bielefeld 2008 präsentiert, danach folgten kleinere Korrekturen. Die Erstveröffentlichung des fertigen Plans geschah durch Die Zeit am 27. November 2008. Ende Dezember erschien der Stadtplan im Der Donaldist Sonderheft Nr. 55 und als gerollte Karte bei der D.O.N.A.L.D.. Eine überarbeitete Version erschien im August 2010 im Egmont Ehapa Verlag als Beilage zum ebenfalls von Jürgen Wollina geschriebenen Buch Reiseführer Entenhausen. Seit dem 4. Januar 2009 wird der Stadtplan in der Galerie im Alten Rathaus in Schwarzenbach an der Saale ausgestellt.

Quellennachweis: Exzerpt der Wikipedia-Artikel Exegese, Donaldimus, Entenhausen und Der einzig wahre Stadt- und Umgebungsplan von Entenhausen. Weiteres zum Stadtplan siehe hier.

 




® Die Stoßstange ist aller Laster Anfang


Ein Antisprichwort ist die Transformation einer stereotypen Wortsequenz wie etwa eines Sprichworts, eines "geflügelten Wortes" oder einer Redewendung mit dem Zweck einer humoristischen Wirkung.

Stereotype Wortsequenzen sind dabei im Wesentlichen festgelegte Wortfolgen, die einer großen Gruppe von Menschen bekannt sind, beispielsweise das Sprichwort "Viele Köche verderben den Brei". Wird diese Sequenz mitsamt ihrer Bedeutung verändert (beispielsweise zu Viele Köche verderben die Köchin), so liegt eine solche Transformation vor.

Die Einteilung der Transformationen nach formalen Kriterien

Die Transformation wird formal in mehrere Aspekte unterteilt, die zur Identifizierung genutzt werden. Dazu gehört die Assoziation: Die Ähnlichkeit mit der ursprünglichen Sequenz reicht dabei für die Identifizierung aus. Darüber hinaus besteht kein formaler Zusammenhang. Beispiel: Das höchste Glück der Pferde ist der Reiter auf der Erde.

Bei einem Homonym-Wechsel hingegen erfährt ein Wort mit mehreren Bedeutungen eine Neu-Interpretation. Beispiel: Alle Menschen sind gleich – mir jedenfalls. Hier wechselt das Wort "gleich" die Bedeutung von gleichwertig zu gleichgültig. Auch können mehrere Sequenzen miteinander kombiniert werden, so zum Beispiel: Mancher fällt aus dem Rahmen, obwohl er vorher nicht im Bilde war.

Ein solches Anti-Sprichwort kann auch durch die Situation und nicht sprachlich entstehen; man spricht dann von einer "okkasionellen Anspielung". Beispiel: Das hilft auch nichts, Pilatus! (auf einem Händetrockner). Bei der Permutation wird der Sinn von Wörtern durch Umstellung geändert, die syntaktische Struktur bleibt aber gleich. Beispiel: Besser reich und gesund als arm und krank.

Weitere Formen sind die Reduktion, die Substitution und die Supplementierung, bei der eine Sequenz jeweils sinnändernd gekürzt oder erweitert bzw. bei der Substitution ein Teil durch einen anderen ersetzt wird. Beispiele sind All's well that ends. Das letzte Wort ("well") ist weggelassen (Reduktion); Ein Tritt sagt mehr als tausend Worte (statt "Ein Bild …"), hier wird also ein Teil durch einen anderen ersetzt. A man's home is his castle – let him clean it, wobei ein inhaltlich kontrastierender Zusatz angefügt wurde, was typisch für Supplementierungen ist.

Schließlich kann auch durch einen syntaktischen Wechsel ein Anti-Sprichwort erzeugt werden, in dem die semantische Struktur des Satzes bei gleich bleibender Reihenfolge der Wörter wechselt: Der Mensch denkt: Gott lenkt.

Die Einteilung der Transformationen nach inhaltlichen Kriterien

Auch inhaltlich lässt sich die Transformation nach verschiedenen Kriterien unterteilen. Bei einer Abschwächung wird die Aussage zwar zuerst beibehalten, dann aber durch einen Zusatz relativiert. Beispiel: Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr.

Durch Apologie wird die ursprüngliche Sequenz gegen Angriffe verteidigt, beispielsweise Kunst kommt von können, nicht von wollen, sonst würde es Wulst heißen. Bei einer Athese wird die Aussage der ursprünglichen Sequenz zerstört, ohne dass eine sinnvolle neue entsteht, wie bei: Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, wenn man es vorher einfettet. Hingegen bleibt bei einer Konservation der Sinn ähnlich: Durch Fehler wird man klug – darum ist einer nicht genug.

Ein Kontrast setzt die ursprüngliche Aussage noch zu einem anderen Lebensbereich in Beziehung: Nach Adam Riese und Eva Zwerg. Wenn eine Metapher, wie bei Männer aus Stahl gehören eines Tages zum alten Eisen wörtlich interpretiert wird, spricht man von einem Metaphernbruch. Ein weiteres Kriterium ist die sogenannte "Neogenese", bei der die Aussage des transformierten Satzes von der des ursprünglichen unabhängig ist. Beispiel: Ein Tritt sagt mehr als tausend Worte.

Weitere Kriterien sind die Rejektion, bei der die ursprüngliche Aussage abgewehrt wird (z. B. Wir ziehen alle am selben Strang. Nur: an verschiedenen Enden) und die Synthese, bei der ausschließlich aus der transformierten Sequenz eine tatsächliche Aussage entsteht und die ursprünglichen Sequenzen lediglich Redewendungen sind (Alle wollen zurück zur Natur, aber keiner zu Fuß).

Typen der humoristischen Effekte

Es gibt vier Formen der humoristischen Effekte, die dabei ausgelöst werden. Der Begriff "Bisoziation" wurde von Arthur Koestler geprägt. Ein witziger Text gehört gleichzeitig zwei semantischen Ebenen an, wovon dem Hörer oder Leser zu Beginn nur einer bewusst wird. In der Pointe wird dann schlagartig auf die andere Ebene umgeschaltet, was das Lachen auslöst. Gut erkennt man diesen Mechanismus an folgendem Beispiel: Ich will ja nur dein Bestes – aber das bekommst du nicht.

Das Herabziehen des Erhabenen ins Banale hat etwas Befreiendes und wird generell witziger empfunden als das Gegenteil. So sind auch viele der humoristischen Transformationen von dieser Art. Beispiel: Jesus liebt dich – aber respektiert er dich auch am Morgen danach?. Diesen Vorgang bezeichnet man als "Destruktion".

Ein weiterer humoristischer Effekt kann der Kontrast von Form und Inhalt sein. Ein Beispiel ist der oben erwähnte Reiter auf der Erde – eine banale Ungeschicklichkeit in ihrer literarischen Form. So ein Satz ist auch dann witzig, wenn man die ursprüngliche Sequenz nicht kennt.

Ein weiterer Typ dieser humoristischen Effekte ist die Katastrophen-Fiktion, die teils zynische Züge aufweist. Im Gegensatz zu realen Katastrophen können bloß vorgestellte durchaus humoristisch wirken. So in der transformierten Sequenz: Das Licht am Ende des Tunnels ist wahrscheinlich Mündungsfeuer.

Quellennachweis: Exzerpt aus dem Wikipedia-Artikel Antisprichwort.

 




Klischee


KlischeeIn der Rubrik Wortschatz fragen wir uns, wo das Wort Klischee herkommt.

Ursprünglich war "Klischee" ein Fachausdruck der Buchdruckersprache und wurde in der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts dem französischen "cliché" entlehnt.
Sowohl die deutsche als auch französische Form des Wortes bezeichnete eine gleichnamige Druckform, den sogenannten "Abklatsch", ein Probeabzug im Druckwesen.

Das Verb "klischieren" erscheint erstmals im 20. Jahrhundert und meinte das "talentlose Nachahmen" einer Sache oder eines Vorgangs und ist wohl lautmalerischen Ursprungs.

Heute benutzt man den Begriff "Klischee", wenn man von einem Vorurteil, einem eingefahrenen Denkschema oder einer abgedroschenen Redewendung spricht.

Quelle: http://wissen.dradio.de/nachrichten.59.de.html?drn:news_id=225276

 




Francis loves atheists


FrancisAtheists Rejoice! Pope Francis Says You're O.K.

It's not about being right, it's about being loving, the unusually tolerant Pontiff tells his flock.

It likely doesn’t matter much to the atheists of the world that — of all people — Pope Francis is on their side. But he is. And that’s a cool thing for all of us.

In a message delivered Wednesday via Vatican Radio, the new pontiff distinguished himself with a call for tolerance and a message of support – and even admiration – toward nonbelievers.

Naturally, a guy whose job it is to lead the world’s largest Christian faith is still going to come at his flock with a Jesus-centric message. But he’s taking it in an encouraging new direction. In his message, Francis dissed the apostles for being “a little intolerant” and said, “All of us have this commandment at heart: Do good and do not do evil. All of us. ‘But, Father, this is not (a) Catholic! He cannot do good.’ Yes, he can. He must. Not can: must.”

Continue here: http://www.alternet.org/atheists-rejoice-pope-francis-says-youre-ok?page=0%2C0




Muslimbruderschaft und die Folgen


Hassan_al-BannaDer politisch organisierte Islam ist die Ursache für Radikalismus und Terrorismus weltweit.

Ein Kommentar vom Islam- und Terror Experten Amer Albayati

Die schrecklichen Anschläge vom 11. September 2001 in New York City und Washington haben weltweit im wahrsten Sinne des Wortes „großen Staub aufgewirbelt“.

Die Muslimbruderschaft (MB) ist die Mutterorganisation des politischen Islam. Diese radikalislamische Vereinigung versucht, die Regierung ihrer jeweiligen Heimatstaaten abzulösen und einen islamischen Gottesstaat auf der Grundlage der Scharia zu errichten. Auch in Österreich und in Europa sind die Muslimbrüder aktiv.

Die MB propagiert aber nicht nur das Patriarchat, sondern ist auch die ideologische Triebfeder für Extremisten und Terrororganisationen überall auf der Welt. Osama Bin Ladens Stellvertreter Ayman al-Sawahiri war ebenfalls Mitglied der MB und forderte die Hamas – die als politischer und terroristischer Arm der Muslimbruderschaft agiert – auf, jegliche politische Lösung der Palästina-Frage abzulehnen und den Jihad solange fortzusetzen, bis sämtliches islamisches Land, von Tschetschenien bis Spanien, befreit und unter einem Kalifat vereint sei.

Während eines Gerichtsprozesses gegen die MB-nahe „Holy Land Foundation“ in den USA tauchte ein Dokument auf, in dem die Strategie der MB für den Westen dargelegt wurde. Es gehe um einen „Gesellschaft-Jihad“, bei dem die westliche Zivilisation von innen heraus vernichtet werden solle. Und es sei die Pflicht eines Moslems, sich diesem Jihad anzuschließen, wo immer der Gläubige sich auch befinde – bis Allahs Religion über alle anderen Religionen gesiegt habe.

Islamisten – auch die in Nadelstreifen – wollen totalitäre Gottesstaaten errichten und unterscheiden sich von islamistischen Terroristen häufig nur durch die Wahl ihrer Mittel. Deshalb ist es eine der wichtigsten Aufgaben, Alliierte der extremistische Islamisten in Österreich und Europa zu erkennen und als Gegner unserer demokratischen, freiheitlichen Rechtsordnung  zu entlarven. 

Deutlich sind die steigende Tendenz der sozialen Radikalisierung in islamischen Ländern, der Mangel an demokratischem Verständnis sowie politisch organisierte Versuche, Religion für politische Zwecke auszunützen und damit vor allem junge Menschen durch Dogmen und leere Versprechungen zu beeinflussen und zu fanatisieren.

Gleichzeitig werden diese islamistischen Fundamentalisten durch ideelle und materielle Unterstützung im Inland und im Ausland gefördert. Der Westen und speziell die EU fördert das Sammeln von Geldern in den Moscheen ohne Kontrollen sowie unter Vorwand für humanitäre Hilfe, aber in Wirklichkeit sammeln die radikalen Islamistenvereine für ihre politischen Zwecke. Darüber hinaus ermöglicht man der Terror-Organisation Hamas das Sammeln von Geld in Europa und auch in Österreich.

Gebetsvereine werden nach „Märtyrern“ und „Jihadisten“ benannt oder nach verlorenen islamischen Gebieten (Al Andalus) in Spanien, wie es die Muslimbruderschaft tut. Ein MB-„Prediger“ nennt christliche Österreicher öffentlich Nachkommen von Affen und Schweinen. Dennoch arbeitet er weiter mit seiner Frau in Graz, und zwar ohne Qualifizierung als islamischer Religionslehrer. Ein anderer bekannter radikaler „Prediger“ in Wien war islamischer Religionslehrer bei der Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) und hetzte gegen Verehelichung muslimischer Männer mit Christen und Jüdinnen, westliche Frauen seien Huren; nannte ungestraft den Papst einen Narren und unwert, ein Nagel in der Sandale des Propheten Mohammed zu sein. Trotzdem erhält er namhafte finanzielle Unterstützung anlässlich des Tages der „offenen Moschee“.

Loyalitätsverlust durch radikale Islamisierung. Warum zahlreiche österreichische Staatsbürger durch Beitritt zu salafistischen und Moslembrüder-Parteien der Europäischen Werteordnung den Rücken zukehren. Man müsste ihnen eigentlich die Staatsbürgerschaft aberkennen und Unterwanderung der Muslime in Europa nicht zulassen.

Viele Hassprediger sagen: „Allah, lass den Islam und Muslime siegen über ihre Feinde, darunter Juden und Christen, vernichte sie, verwitwe ihre Frauen und mache ihre Kinder zu Waisen.“

Wenig ist über den Verbreitungsgrad und die Wirkung islamistischer Medien in Europa bekannt. Fest steht aber: Zahllose Portale und Websites, sowie Fernsehsender und Zeitungen verbreiten offen radikal islamistisches Gedankengut. Ihr Einfluss auf die hier lebenden Muslime in Europa wird unterschätzt. Ihnen helfen die falsche Integrations-Politik und die Unterstützung durch die Parteien welche die Stimmen der Muslime gewinnen wollen. Diese Haltung ist unverantwortlich und birgt für Österreich und für Europa ein großes Gefahrenpotential.

Mehrere radikal-islamistische Websites aus Österreich verbreiten Hass, greifen ungehindert Andersdenkende an und verteufeln Symbole anderer Religionen, vor allem christliche und jüdische. Die Autoren werden nicht nur nicht rechtlich verfolgt sondern genießen bei Empfängen VIP Status!

Durch diese Haltung des offiziellen Österreichs bzw. Europas, und zwar politisch wird der radikale salafistische Islam in Österreich und in Europa salonfähig. Vor dieser Realitätsverweigerung, vor dieser Blindheit unserer Politiker kann nicht genug gewarnt werden.

Wir – die liberalen (ILMÖ) – haben vieles aufgedeckt; z.B. wurde das Buch des Hasspredigers und Befürworters von Selbstmord-Attentaten und Jihadisten, Yusuf al-Qaradawi aus dem Religionsunterricht der IGGiÖ in Öffentlichen Schulen bei uns abgezogen.

Zwangsehen, Ehrverbrechen, Homophobie und Integrationsverweigerung geschehen in der muslimischen „Parallelwelt".

Der Westen bekämpft nur die Symptome aber nicht die Ursache, das ist realitätsfremd und mehr als blauäugig!

Bedenken gegen das Konzept vom „Krieg gegen den Terror“ müssen ernster genommen werden und dürfen nicht mit dem Argument der „Sicherheit“ beiseite geschoben werden. Für die liberale Demokratie steht der Rechtsstaat auf dem Spiel. Dies gilt auch für den Kampf gegen den Rechtsextremismus.

Die Liberalen Muslime lehnen jede Form der Gewalt ab, achten Meinungs- und Religionsfreiheit und die Demokratie sowie die Rechtsstaatlichkeit (die Scharia – als menschliches Konstrukt wird von uns abgelehnt und ohnehin in Europa mit den Gesetzen nicht konform – sie und der Rechtsstaat vertragen sich wie Wasser und Feuer).

Fazit: Märtyrer und Jihadisten sind Vorbild für moslemische Jugendliche in Österreich und Europa geworden. Ein aktuelles Beispiel ist Boston: zwei angeblich nette junge Moslems werden zu blutigen Terroristen. Der sofortige Eintritt ins Paradies mit vollbusigen und glutäugigen Huri (schönen Frauen) erwartet jeden Moslem, der im Kampf für den Islam stirbt, der im Jihad umkommt. Mit solchen Versprechungen werden junge Moslems zum Töten unschuldiger Menschen (Ungläubiger) verführt.

Amer Albayati , geb. 1942 in Bagdad, ist Journalist und Islam- sowie Terrorexperte. Er ist Mitbegründer der Initiative Liberaler Muslime Österreich (ILMÖ) und der beantragten, neuen Islamischen-Europäischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IEGÖ). www.initiativeliberalermuslime.org

Titelbild: Hassan al-Banna, Gründer der Muslimbruderschaft.

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

 




Pro Köln will nur provozieren


daniel-krause2013Interview mit Daniel Krause über die Anmeldung von Pro Köln zum Christopher-Street-Day.

Zuerst erschienen bei http://www.citizentimes.eu/2013/05/16/pro-koln-will-nur-provozieren/.

Deutschlands homosexuelle Szene ist in Aufruhr: Die Ratsfraktion der Partei Pro Köln hat sich bei Deutschlands größter Parade zum Christopher-Street-Day (CSD), die im Juli in Köln stattfindet, mit einem eigenen Wagen angemeldet. Der selbst bekennend homosexuelle Pro Köln-Politiker Michael Gabel betonte, hiermit ein Zeichen gegen Homophobie im Islam setzen zu wollen. Auf der Homepage der Partei wird außerdem aufgeführt, dass man die politische Forderung der CSD-Veranstalter nach mehr Toleranz gegenüber Minderheiten teile und am 7. Juli 2013 einen Beitrag dazu leisten wolle. Das größte deutsche homosexuelle Magazin queer schlägt deswegen Alarm: Man wolle keine „rechtsradikale“ Partei bei der Parade haben, könne Pro Köln aus rechtlichen Gründen aber kaum von der Demonstration ausschließen. Grund genug für Citizen Times, bei einem „Insider“ nachzufragen, dem Kölner Buchautor und Lehrer Dr. Daniel Krause.

Herr Dr. Krause, haben Sie schon am Christopher Street Day teilgenommen?

Daniel Krause: Seit meinem 20. Lebensjahr habe ich jedes Jahr an Veranstaltungen zum CSD teilgenommen. Ich bin auch mehrmals auf Paradewagen von Parteien mitgefahren, zum Beispiel von der Linkspartei und von den Piraten.

Würden Sie auch bei Pro Köln mitfahren?

Krause: Ich schaue mir inzwischen die Parade lieber mit Freunden zusammen vom Straßenrand an. Da bekommt man mehr vom ganzen Demonstrationszug mit. Die Wagen von CDU und Pro Köln sind ohnehin die letzten Wagen, auf die ich steigen würde. Diese Parteien haben sich nämlich noch nicht zur Gleichstellung homosexueller Paare im Adoptionsrecht  und beim Ehegattensplitting bekannt.

Der Schauspieler Michael Gabel ist als Pro Köln-Politiker gegen muslimische Homophobie aktiv – genau wie Sie selbst in Ihren Büchern und Vorträgen!

Krause: Ich habe Michael Gabel einmal hier am Rheinufer getroffen, als er mit seinem Hund spazieren war. Etwa zwei Stunden habe ich mich mit ihm unterhalten. Er gehört zum „liberalen“, verfassungskonformen Flügel von Pro Köln. Doch auch er bekennt sich nicht zur Gleichstellung von Homosexuellen im Adoptionsrecht. Darum habe ich den Verdacht: Homosexuelle sind Pro Köln vor allem dann Recht, wenn man sie im Kampf gegen den Islam instrumentalisieren kann. Erst wenn sich die Partei zur vollkommenen Gleichberechtigung von Homosexuellen bekennt, werde ich diesen Verdacht vielleicht fallen lassen. Bis dahin werde ich jedoch nie wieder bei Pro Köln einen Wortbeitrag leisten. Es war ein großer Fehler, dass ich dieses einmal getan habe.

Dennoch kritisieren Sie den repressiven Umgang der CSD-Veranstalter mit Pro Köln. Warum?

Krause: Die Provokationen, mit denen Pro Köln und Pro NRW gezielt permanente Aufmerksamkeit erzielen, gelingen nur deshalb, weil andere Parteien sich weitgehend „blind“ zeigen gegenüber den Gefahren des radikalen Islams. Es ist nicht verwunderlich, dass Parteien von Rechtsaußen diese „Marktlücke“ für sich nutzen.

Auch viele Homosexuelle haben verständlicherweise Angst vor dem Islam. Auch hier in Köln trauen sich Schwule nicht, händchenhaltend in bestimmten Stadtteilen als Paar unterwegs zu sein. Zu groß ist die Angst, von arabischstämmigen Jugendbanden zusammengeschlagen zu werden. Ich selbst wohne im rechtsrheinischen Stadtteil Mühlheim. Auch dort sollte man sich gut überlegen, ob man in bestimmten Straßenzügen als Schwuler erkennbar sein will. Es ist ein großes Versäumnis von linken und liberalen Parteien, dass die muslimische Homophobie nicht thematisiert wird. Dabei ist es sogar durch zahlreiche soziologische Studien erwiesen, dass die Homophobie verbunden mit Gewaltbereitschaft in muslimischen Kreisen um ein Vielfaches höher ist als in westlichen Kreisen.

Sie meinen die im Jahr 2012 veröffentlichte Umfrage unter Türken in Deutschland… 

Krause: Genau. Sie hat ergeben, dass die Mehrheit der in Deutschland lebenden Türken Homosexualität für eine Krankheit hält. Auch in den Vorjahren haben Studien in Deutschland ergeben, dass Lesben- und Schwulenhass verbunden mit Gewaltbereitschaft unter muslimischen Migranten hierzulande um ein Vielfaches höher ist als unter Deutschen. Auch hier in Köln merkt man: An Schulen mit hohem Anteil muslimischer Migranten gilt „schwul“ als übelstes Schimpfwort. Und aus anderen Großstädten wissen wir, dass auch manche muslimische Lehrer zu dieser Homophobie beitragen. In Wien etwa hat eine muslimische Religionslehrerin im Unterricht nachweislich gefordert, dass Homosexuelle verbrannt werden müssen.

Gegenüber dem Papst und allgemein gegenüber Katholizismus verhält sich der der Kölner CSD weniger zimperlich. Warum ist man gegenüber dem Islam so zurückhaltend?

Krause: Man muss wissen, dass viele Homosexuelle der älteren Generation in Deutschland zu Jugendzeiten an christlicher Homophobie gelitten haben. Dieses blieb uns Jüngeren „Gott sei Dank“ weitgehend erspart. Besagte ältere Homosexuelle sind es, welche die Lesben- und Schwulenbewegung in Deutschland institutionalisiert haben. Sie sind ungebrochen diejenigen, deren Einstellungen die politische Ausrichtung der geschaffenen Institutionen dominiert.

Ihre zumeist untherapierten Jugendleiden kanalisieren sich fortwährend im lebenslangen Kampf gegen jegliche christliche Einflüsse. Genau dieses zeigt sich auch beim Kölner CSD. Ich will das Christentum keinesfalls schönreden. Doch leider ist festzustellen: Zu neueren, größeren Gefahren, ausgehend vom orthodoxen Islam, haben diese Homosexuellen kaum Bezug.

Ist es auch die Angst, als Fremdenfeindlich zu gelten, weswegen die CSD-Veranstalter so zurückhaltend sind mit Kritik am Islam?

Krause: Sicher. Dabei hat es nichts mit Fremdenfeindlichkeit zu tun, wenn man insbesondere betont, dass gerade homosexuelle Jugendliche innerhalb der muslimischen Kulturen besonders an der Homophobie im Islam leiden. Viele von diesen muslimischen Jugendlichen haben akute Angst vor sogenannten „Ehrenmorden“. Solche Fälle hat es ja schon gegeben, ich habe dieses in der lesbisch-schwulen Jugendarbeit hautnah miterlebt.

Für das Leiden von Lesben und Schwulen im Islam mangelt es den CSD-Veranstaltern vielleicht noch an Empathie. Oder sie empfinden dieses Thema schlichtweg als „Partykiller“. Was umso trauriger ist, zumal es sich beim CSD offiziell ja nach wie vor um eine „politische Demonstration“ handelt. Angesichts des bunten Partytreibens auf der Parade wird dieses ja oft vergessen.

Und sind Sie nun der Meinung, dass Pro Köln mit einem eigenen Paradewagen tatsächlich beim CSD vertreten sein sollte?

Krause: Ich denke, dass eine Partei, die sich nicht klar zum Adoptionsrecht bekennt, auch nicht zum CSD passt. Zudem kann ich mir vorstellen, dass Pro Köln gar nicht wirklich teilnehmen möchte, sondern mit der Anmeldung nur im Vorfeld provozieren will. Das ist offenbar gelungen. Die CSD-Veranstalter sollten sich klarmachen: Pro Köln ist nur das „Symptom“ bei der ganzen Sache, das tieferliegende „Syndrom“ besteht darin, dass eine emanzipatorische Islamkritik in der homosexuellen Szene bislang unterentwickelt ist. Diese Lücke gilt es zu schließen.

Daniel Krause (2013): Als Linker gegen Islamismus. Ein schwuler Lehrer zeigt Courage. Radolfzell: HJB-Fakten, 176 Seiten, 12,90 Euro. Kaufen bei Amazon. Siehe auch die CT-Rezension.




Hopfenkrise


gastAn Tatsachen orientierte Satire von Erwin Peterseil.

Heute will ich (statt Religionskritik) eine andere Botschaft verkünden, nämlich meine Entdeckung, dass es eigentlich kaum eine Erdölkrise gegeben hat, aber in Österreich seit der Einführung des Euro die biertrinkenden Menschen an einer sehr schweren Hopfenkrise zu leiden haben!

Das lässt sich wissenschaftlich beweisen!

halbstarkAls ich in den Sechzigerjahren ein junger Halbstarker war (siehe Bild rechts), mit Lederweste und Moped mit meinen Freunden durch die Gegend kurvte, hatten wir unsere Gaststätten, wo wir zu einem kühlen Bier einkehrten. Da meine finanziellen Mittel damals auf ein bescheidenes Taschengeld beschränkt waren, weiß ich die damaligen Preise noch: Ein Liter Sprit fürs Moped kostete um die vier Schilling, ungefähr denselben Preis hatte ein halber Liter Fassbier im Wirtshaus. 0,5 Liter Gasthausbier = 1 Liter Benzin.

Heute, 50 Jahre später, kostet ein Liter Benzin etwa 1,35 Euro, im Gasthaus kostet ein halber Liter Fassbier zwischen 3,20 und 3,50 Euro. 0,5 Liter Gasthausbier = 2,5 Liter Benzin.

In Bayern ist das ein bisschen anders, dort bekommt man je nach Ort und Lokal eine Halbe Bier um Preise zwischen 1,90 und 2,50 Euro. Ja, eine gewisse Hopfenkrise, die deutlich über der Erdölkrise liegt, gibt's auch in den bayrischen Gaststätten, aber doch eine viel mildere als in Österreich! Da in Deutschland der aktuelle Benzinpreis bei etwa 1,60 liegt, kann man dort rechnen, ein halber Liter Wirtshausbier kostet so viel wie 1,4 Liter Benzin.

Aber seltsamerweise liest man nirgendwo etwas über diese Hopfenkrise, obwohl diese weitaus schlimmer ist als jedwede Erdölkrise! Wie kommt das wohl? Oder könnte es vielleicht sein, dass es in Österreich ein Dings, ein Bierkartell gibt, das für das Wohlergehen der Brauereien und der von ihnen belieferten Gaststätten Sorge trägt? Nein, das kann nicht sein! Das ist doch verboten! Und wir haben den freien Markt! Das muss sich schließlich marktwirtschaftlich nach den kapitalistischen Gesetzen regulieren! Ein bisschen Hopfenkrise sei ja zugegeben, aber ihr Ausmaß sollte auch in Österreich nicht über dem bayrischen Niveau liegen!

Oder ist das eine Deppensteuer für die Ösis? Wie im Elektrohandel bei den Nebenartikeln. Weil da kostet zum Beispiel eine 25-Stück-Packung von DVD-Rohlingen beim Saturn in Passau je nach Marke zwischen 9,99 und 11,99 Euro, beim Saturn in Linz exakt das Doppelte und alle anderen Anbieter haben dieselben oder noch höhere Preise. Aber das kommt vermutlich auch nicht von verbotenen Preisabsprachen, sondern von der österreichischen DVD-Rohling-Krise. Aber diese Rohling-Krise könnte sich jetzt langsam bessern. Weil seit Anfang Mai liefert Amazon DVD-Rohlinge auch nach Österreich und da gibt's dann Rohlinge statt um hohe 95 ab niedrige 25 Cent das Stück. Leider kann man sich derweilen eine Halbe Fassbier noch nicht bei Amazon bestellen.

Aber ansonsten haben wir die freie Marktwirtschaft.
Jeder kann kaufen oder es bleiben lassen.

PS: Ich weiß natürlich, dass Amazon aktuell im Ziel von Kritik steht, weil dort die Arbeitsbedingungen besonders schlimm wären. Aber auch das ist eine marktwirtschaftliche Sache. Im Kapitalismus wird der Klassenkampf nur noch von oben nach unten geführt wird, mit ständig steigendem Leistungsdruck, mit Lohndruck und wenn es geht auch mit künstlich hohen Preisen. Aber auch hier gilt der Markt, Angebot und Nachfrage. Wenn es angebotseitig keine Parteien gibt, die die Interessen der arbeitenden Bevölkerung vertreten und die Gewerkschaften ständig Kapitulationsbereitschaft signalisieren, klarerweise verschlechtert sich dann die Lage der arbeitenden Menschen und die Lage der reichen Prasser verbessert sich. Auch der Klassenkampf ist eine Marktfrage. Wenn nur die Ausbeuterklasse Klassenkampf anbietet, dann gewinnt sie ihn auch.

Quelle: www.atheisten-info.at

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

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Respekt gegenüber einer Religion?


MoslemsImmer wieder hört und liest man die Forderung nach „Respekt für den Islam“. Einzelne Muslime erheben diesen Anspruch in Foren, muslimische Vereine und Verbände oder Politiker weisen wiederholt darauf hin.

In einem Artikel vom Februar 2013 auf der Seite des Zentralrats der Muslime in Deutschland heißt es: „Mangelnder Respekt vor dem fremden Glauben sollte die gleichen Folgen nach sich ziehen wie Diskriminierung aufgrund von Hautfarbe oder Geschlecht.“ Auch in Europa gibt es einige Journalisten und Politiker, die sich diesem Sprachgebrauch anschließen. So etwa der deutsche Außenminister Guido Westerwelle, als er nach dem Tod Osama Bin Ladens 2011 befand, es gelte religiöse Kulturen zu achten und den Islam zu respektieren. Ist mangelnder Respekt vor einem Glauben das Gleiche wie die Diskriminierung von Menschen aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Religion oder Hautfarbe?

Weiter bei: http://www.humanist-news.com/respekt-gegenuber-einer-religion/




Abenteuer


abenteuerDas Wort wurde Ende des 12. Jahrhunderts dem altfranzösischen "aventure" entlehnt. Das wiederum stammt von dem lateinischen "ad-venire" ab, was soviel wie "herankommen, sich ereignen" bedeutet.

Das "Abenteuer" hatte schon vielfältige Bedeutungen. Früher wurde es im Sinne von "Geschick, Zufall und Risiko" benutzt, aber auch einen "Bericht von einem außerordentlichen Ereignis" nannte man "Abenteuer". Auch ein "Trick, Betrug oder falscher Edelstein" wurde so genannt.

Heute bezeichnet man damit ein "prickelndes Erlebnis" oder ein "gewagtes Unternehmen".

Quelle: http://wissen.dradio.de/nachrichten.59.de.html?drn:news_id=224127

 

Redaktioneller Zusatz: Auch ein außerehelicher Seitensprung wird gern als Abenteuer bezeichnet.




Gloria.tv - katholisches Österreich!


ExorzistÖsterreich war ein Land, das besonders vom Terror der Gegenreformation heimgesucht wurde, hier wurden die Aufmüpfigen wirklich wieder katholisch gemacht. Das hat sich zwar seither – besonders in den letzten zwanzig Jahren – deutlich verändert, katholisch zu sein, ist nimmer Staatsbürgerpflicht.

Aber die katholische Tradition ist anziehend! In Linz gibt es die für den ganzen deutschsprachigen Raum agierende Homepage "kath.net", eine auch für Religionsfreie sehr gute Quelle, weil dort findet man jeweils die besonders tiefkatholischen Standpunkte vertreten.

Als die rechtlich in den USA im Verborgenen blühende rechtsextremistische Site kreuz-net plötzlich offline ging, weil man einigen der anonymen Hetzern auf die Spur gekommen war, folgte alsbald ein Ersatz, etwas vorsichtiger in der Ausdrucksweise, mit einem echten Impressum und stationiert in Wien! Siehe dazu Info Nr. 1234.

gloriatvlogoDie Internet-TV-Site gloria.tv wurde im Februar 2013 von der deutschen Bischofskonferenz heftig kritisiert, man werde dafür sorgen, dass Inhalte von gloria.tv nicht mehr von der kirchlichen Internetseite kirche.tv verwendet würden. Siehe dazu Meta-News 2/2013, Seite 14 unten. Gloria.tv hat ihren Sitz in Moldawien, arbeitete von der Schweiz aus und – wie bei kreuz-net – sind die USA das "housting country", das Impressum lautet auf eine moldawische Firma für Kosmetikartikel namens "Nina Buzut Dodalu S.R.L".

Und nun berichtete die "Zeit", dass gloria.tv nach Österreich übersiedelt ist: "Aus der Schweiz wurden die Gestalter eines radikal-klerikalen Internetsenders vertrieben. Nun sammelt sich die katholische Fundamentalistentruppe in Wien. Das Haus Große Sperlgasse 33 in der Wiener Leopoldstadt wirkt unspektakulär: ein Betonklotz, eingepfercht zwischen Altbauten. Einzig das hellrote Gitter vor dem Eingang sticht ins Auge. Es ist nicht ohne Grund angebracht. Wer hier eingelassen wird, betritt eine Parallelwelt, die Welt der katholischen Fundamentalisten. Das Haus ist Sitz des Österreichablegers von Human Life International (HLI), einer weltweiten Organisation von militanten Abtreibungsgegnern – und ein Zentrum für die Verbreitung von katholischem Glaubensfuror. Hier haben nämlich auch Gesinnungsgenossen Unterschlupf gefunden, die an der Türklingel gar nicht aufscheinen: das österreichische Team von Gloria TV, einem Internetportal, das einen extremistischen Katholizismus propagiert. Eva Doppelbauer, 30, und Julia Blaimschein, 29, zwei Theologie-Doktorandinnen an der Uni Wien, produzieren hier Gloria Global, eine tägliche Nachrichtensendung, in der konservative Kirchenleute gepriesen und Verbündete aus der Politik in den Himmel gehoben werden. (..) Nach dem Verschwinden von kreuz.net, einem häufig hetzerischen Internetportal, ist Gloria TV eine der ersten Adressen für fundamentalistische Katholiken. Nach eigenen Angaben verzeichnete die alternative Glaubensplattform allein im März über fünf Millionen Zugriffe."
Weitere Details siehe zeit.de.

Wenn's drauf ankommt, dann ist Österreich doch immer noch besonders sehr katholisch und steht den tiefsten Glaubensabgründen offen.

Hier ein paar gloria.tv-Screenshots (die screenshots wurden aus Gründen der Übersichtlichkeit etwas komprimiert, aber inhaltlich nicht verändert):

gloriatv1

nein, hat er leider nicht, aber gloria.tv hätt's gefallen …

gloriatv2

leider kann gloria.tv wegen solcher Verbrechen niemanden einsperren lassen …

gloriatv3

Aber der neue Papst gibt Hoffnung:

gloriatv4

weil laut gloria.tv ist es einfach ehrfurchtslos, den "Leib des Herrn" den Leuten in die Hand zu geben, statt ihn ihnen in den Mund zu stecken! Das sind katholische Probleme, die die innere Katholikenwelt bewegen!

Aber ich bin ja weltoffen, besucht gloria.tv:
http://www.gloria.tv/
je katholischer umso besser –
weil das schreckt die Leute ab!

Quelle: www.atheisten-info.at

 

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Soviel du brauchst


Michel-HamburgÜberlegungen zum evangelischen Kirchentag von Uwe Hillebrand.

Der evangelische Kirchentag 2013 in Hamburg ist zu Ende. Es war ein Ereignis, das wohl jeden interessiert hat, denn jede (deutsche) Nachrichtensendung, ob im Radio oder im Fernsehen, berichtete von eben diesem Kirchentag, und auch die Zeitungen waren voll davon. Das Motto war gut gewählt, die Worte „So viel du brauchst“ symbolisieren einen moralischen Anspruch der evangelischen Kirche, was sicher an der verwendeten Textquelle liegt. Wie könnte es anders sein, natürlich steht dieser kleine Satz so ähnlich in der Bibel, im Alten Testament.

Es geht um den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten, der von Mose beschrieben wird. Dadurch wollten die Israeliten der ägyptischen Sklavenherrschaft entkommen. Sie zogen in das ihnen von ihrem Gott Jahwe versprochene Land Kanaan. Folgt man dem Text, so machten sich damals 600000 Männer auf den Weg, dazu kamen dann noch – reine Nebensache – die Frauen und die Kinder. Insgesamt zogen somit weit über 2 Millionen Menschen durch die Wüste des Sinai, eine unglaubliche Anzahl. Es waren mehr Menschen, als die Großstadt Hamburg heute Einwohner hat.
Der zuständige ägyptische Pharao ließ aber die Israeliten erst dann ziehen, nachdem die Ägypter 10 Plagen erleiden mussten, die ihnen Jahwe geschickt hatte. Unter anderem schickte der ansonsten barmherzige und vor allen Dingen allgütige Gott eine Pest, die alle Kamele, Pferde, Rinder und Schafe tötete.
Das war die Strafe für die Tiere, von denen wir leider nie erfahren werden, was sie eigentlich getan hatten. Es muss sehr schlimm gewesen sein, denn man weiß andererseits, dass die Tiere Geschöpfe Gottes sind, sagt jedenfalls die Kirche. Mit der 10. Plage tötete Jahwe alle Erstgeburten von Mensch und Tier, die also immer noch schuldig waren. Die Pest hatte wohl nicht genügt.

Die Israeliten waren sein Volk, gemeint ist damit das auserwählte Volk des Gottes Jahwe. Allerdings war das nicht ganz fair von Jahwe, denn die allermeisten Menschen auf der Welt konnten noch nicht einmal versuchen, ob sie sein Volk seien könnten. Die Eskimos auf Grönland, die Buschneger in Afrika, die Steppenvölker in Zentralasien oder auch die indianischen Stämme in Amerika und viele mehr, sie alle wussten absolut nichts vom Vorläufer des Christentums und nichts von einem Gott, der sich ein Volk auserwählen wollte. Sie hatten keine Chance, sein Volk zu werden. Ob umgekehrt Er von ihnen wusste?
Aber wenn sie erfahren hätten, dass Jahwe sein Volk 40 Jahre lang im Kreis führen würde, hätten sie sowieso nicht an diesem Auszug teilgenommen. Denn normale Menschen legen diese Wegstrecke in nur wenigen Wochen zurück.

KiTagEs darf den Leser nicht verwundern, dass diese über 2 Millionen Menschen schon bald der Hunger plagte. Aber Jahwe sorgte für sie, er gab ihnen Fleisch, auch Wasser und vor allen Dingen Manna, von dem sich jeder so viel nehmen durfte, wie er brauchte, siehe das Motto des evangelischen Kirchentages. Manna kann man mit dem Wort Himmelsbrot übersetzen, denn Jahwe ließ es der Einfachheit halber vom Himmel fallen (2 Mo 16).
Damals ging das noch, heute ist da, wo der Himmel war, das Weltall. Es war quasi ein Wunder, dass von diesen über 2 Millionen Menschen von den über 2 Millionen Himmelsbroten, die täglich herunterfielen, auch nicht ein einziger getroffen wurde. Denn man weiß ja, welche Wucht, die Physiker sprechen von Impuls, so etwas hat, wenn es von oben herunterfällt. Und an jedem neuen Tag, außer am Samstag, das war der Ruhetag Gottes, regnete es immer wieder diese riesige Menge an Broten, 40 Jahre lang! Abwechslungsreich war diese Ernährung wohl nicht, und vor allen Dingen die Kinder werden so manches Mal gestreikt haben. Jetzt wird jedem einleuchten, warum es in einem bekannten Gebet heißt: Unser täglich Brot gib uns heute.

Bei einer so großen Menschenmasse, das sollte der Ordnung halber auch erwähnt werden, ist es nur natürlich, dass sie Tag für Tag eine übel riechende Spur hinter sich herzog. Jeder wird das verstehen, denn das ist nur menschlich. In der Bibel ist das natürlich nicht erwähnt, vielleicht sollte es Jahwe nicht erfahren. Aber als Motto für einen Kirchentag taugt die schöne Geschichte von den Himmelsbroten allemal, zumal sie sowieso nur sehr wenige kennen.
Und dass der Gott sein geliebtes Volk mit frisch gebackenem Brot gespeist hat, das ist doch wirklich christlich, oder? Und das zu einer Zeit, in der er noch gar nicht wissen konnte, dass er christlich handelte.

© Uwe Hillebrand, Mai 2013

 

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Verzweifelter Katholik


Wullers„Ich habe noch nie versucht, Homosexuelle vom Teufel zu befreien“.

Dominik Wullers ist Ende 20 und überzeugter Christ. Kein leichtes Leben, findet er. Denn immer wieder begegnet er Vorurteilen, wenn er von seinem Glauben spricht. Der Grund: Den Menschen sei der Glaube systematisch aberzogen worden.

Die Wut übermannt mich, wie häufig nach den christlichen Feiertagen. Ich bin Katholik, aber eher im Geheimen. Denn wenn ich mit Freunden oder Kollegen über meinen Glauben spreche, ernte ich verständnislose und angewiderte Blicke. Darum habe ich mir das schon lange abgewöhnt und schweige lieber.

Mit Ende 20 braucht mich das nicht wundern. Der Glaube meiner Generation hatte nie eine Chance. Gründlich aberzogen von den 68ern. Immer mehr Menschen wissen nichts mehr über das Christentum. Sind aber absolut dagegen. Und Gott, den gebe es eh nicht.

Besonders stört mich dieser Glaube an das Nichts in meinem beruflichen Umfeld an der Universität. Da rühmt sich einer, dass er seine Kinder so anti-religiös wie nur möglich erziehe. Für jede schlechte Note im Religionsunterricht belohne er sie daheim mit einem Euro. Und die Kollegen spenden Beifall. Grandiose Idee.

In der Kirche selber gähnende Leere. Nur noch Senioren bevölkern die Gotteshäuser. Und das ist nun also die gnädig tolerierte, religiöse Rückständigkeit des deutschen Volkes? Ein paar Opas und Omas.

Weiter bei: http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/politischesfeuilleton/2110975/




Wiederverheiratete-Geschiedene-Reform?


HochzeitspaarDas bayrische Fernsehen meldete am 17.5.2013, dass die Diözese Würzburg zurzeit eine Fragebogenaktion an wiederverheiratete Geschiedene laufen hat. Bekanntlich ist es katholische Lehre, dass die Ehen vor Gott geschlossen werden und katholische Ehen deswegen unauflöslich sind, bis der Tode die Ehepartner scheidet. Ausnahmen gibt es nur, wenn das Ehepaar nachweisen kann, dass bei der katholischen Verehelichung irgendein wesentlicher katholischer Aspekt nicht beachtet wurde, zum Beispiel, wenn keinerlei Absicht bestand, Kinder in die Welt zu setzten oder das Ja-Wort nicht freiwillig gegeben wurde.

Aber ansonsten gilt: wer katholisch verheiratet ist, sich weltlich scheiden lässt und sich weltlich wiederverheiratet, der lebt permanent in der Todsünde des Ehebruchs und darf deshalb den Leib des Herrn nicht empfangen, vulgo man bekommt keine Kommunion.

Da die Scheidungen vor allem auch durch die Emanzipation der Frauen, die sich nicht mehr lebenslänglich alles gefallen lassen müssen, immer mehr zugenommen haben, hat sich die katholische Kirche damit selber ein erhebliches Problem geschaffen. Wenn wiederverheiratete Geschiedene in der Kirche nicht willkommen sind, dann gehen sie auch nicht mehr hin. Die kath. Kirche hilft also bei der Kirchenleerung tatkräftig mit.

Die katholische Rechtslage ist eindeutig: Im Katechismus §1650 heißt es: "Falls Geschiedene zivil wiederverheiratet sind, befinden sie sich in einer Situation, die dem Gesetze Gottes objektiv widerspricht. Darum dürfen sie, solange diese Situation andauert, nicht die Kommunion empfangen (..) Die Aussöhnung durch das Bußsakrament kann nur solchen gewährt werden, die es bereuen, das Zeichen des Bundes und der Treue zu Christus verletzt zu haben, und sich verpflichten, in vollständiger Enthaltsamkeit zu leben."
Somit sind solche Leute praktisch exkommuniziert.

In Würzburg will man nun von den Betroffenen wissen, ob sie Fragen und Anregungen an den Bischof hätten und welche Bedeutung kirchliche Aussagen über die Unauflöslichkeit der Ehe für sie haben. Als Zweck wird angegeben, einen "barmherzigen Umgang mit gescheiterten Lebensentwürfen" führen zu wollen. Und konkret wird angeführt: Thema sei auch eine Reform des kirchlichen Arbeitsrechts. Damit soll wiederverheirateten Geschiedenen ermöglicht werden, in einem kirchlichen Arbeitsverhältnis zu bleiben.

Warum? In Deutschland laufen zahlreiche arbeitsrechtliche Verfahren wegen solcher Kündigungen und es scheint absehbar zu sein, dass im merkwürdigen Arbeitsrecht im Kirchenbereich eine Entlassung wegen Wiederverheiratung künftig rechtlich nicht mehr haltbar sein wird. Außerdem hat man in Bereichen, wo sowieso kein Überangebot an geeigneten Arbeitskräften vorliegt, bereits entsprechenden Personalmangel, wenn man von den Beschäftigten ein komplett katholisches Dasein verlangt.

Also leuchtet man mit dem Licht der Barmherzigkeit und will mittels der Fragebögen einen "situationsgerechten und verantwortbaren Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen" erarbeiten. Man kann gespannt sein, wie sich der Rücklauf der Fragebögen gestalten und ob der Öffentlichkeit etwas über Menge und Inhalt mitgeteilt werden wird.

Quelle: www.atheisten-info.at

 

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Wozu Feiertage gut sind


kaessmann-2-540x304Dieses Thema behandelten am Pfingstsonntag (19. 5. 2013) der ZDF-Theologe Peter Hahne und die vormalige protestantische Oberbischöfin Margot Käßmann im TV. Gesehen hab ich (Erwin Peterseil) das nicht, aber die evangelikale Homepage idea.de brachte dazu am 20.5. einen Bericht.

Da ich beruflich als Pensionist tätig bin, sind mir Feiertage allgegenwärtig, weil ich hab pro Jahr 365 Feiertage und freu mich darüber pro Jahr 365mal (in Schaltjahren sogar noch um einmal öfter). Als ich in Pension ging, wusste ich, im Kommunistischen Manifest stand ein Satz, der nun auf mich ganz konkret zutraf, ich hatte meine Ketten verloren und eine Welt gewonnen.

Früher waren mir die Feiertage fremdzugeteilte kettenfreie Tage, die ich mir lieber selber aussuchen hätte wollen. Auch dass die Woche sieben Tage hat, war mir nicht sympathisch, eine Woche mit fünf Tagen, zwei davon arbeitsfreies Wochenende, wäre mir sympathischer gewesen. Das Jahr hätte dann eben 73 Wochen gedauert und ein Monat fast genau sechs Wochen.

Aber was erzählte die Frau Käßmann nun dem Herrn Hahne? Zu Pfingsten braucht die Frau Käßmann den Feiertag zur Ausgießung des Hl. Geistes als "Erfahrung, dass aus Angst, Trauer und Furcht plötzlich Begeisterung, Kraft und Glaubenshoffnung wachsen kann". Ob sie diese Erfahrungen selber gemacht oder bloß in der Bibel davon gelesen hat, ging aus den idea.de-Ausführungen nicht hervor. Sie hätte gern bei den Menschen mehr Sehnsucht nach Gottesdiensten, weil sie dort Kraft für ihren Alltag erhielten. Aber Frau Käßmann merkte an, es gingen trotzdem mehr Leute zur Kirche als zu den Spielen der Fußballbundesliga.

fussballBei den Protestanten gehen nach kircheneigenen Angaben pro Sonntag nur rund 900.000 zur Messe, in der deutschen Fußballbundesliga gehen zu jedem Spiel im Schnitt 45.000 Zuschauer, das sind pro Runde rund 400.000. Protestantische Kirchengemeinden gibt's in Deutschland um die 15.000, Bundesligaheimspiele pro Runde jedoch nur neun. Der Schnitt pro Sonntagsmessrunde und pro Gemeinde liegt also bei knapp 60 Kirchengehern. Beim Fußball haben sogar Matches in der Kreisliga C mehr als 60 Zuschauer. Fußballvereine gibt's 27.000, die Summe der Fußballzuschauer ist also mit Sicherheit wesentlich höher als die evangelischen und protestantischen Messbesucher zusammen.

Aber das nur nebenbei. Frau Käßmann meinte speziell, dass Feiertage den Menschen gut tun, weil diese "Gelegenheit zum Innehalten" böten und dem "Leben Rhythmus" gäben. Bevor es ein geregeltes Arbeitsrecht, speziell ein Urlaubsrecht gab, waren die Menschen tatsächlich auf die Feiertage angewiesen, um hin und wieder bei den Arbeitsmühen innehalten zu dürfen. Arbeitszeitliche Rechte wurden gegen den Widerstand der christlichen Parteien erkämpft. Weil dort meinte man, mit dem Sonntag und den kirchlichen Feiertagen hätten die Menschen eh schon Erholungszeiten und jedwede Besserstellung für den armen Lazarus gefährde die Rechte des reichen Prassers.

Aber diesen Bereich erwähnt Frau Käßmann nicht, sie jammert, dass das biblische Gebot "Du sollst den Feiertag heiligen" heute vielfach als Verbot missverstanden werde, die Leute würden lieber konsumieren. Außerdem gebe es auch eine "geistliche Armut", etwa "wenn Kinder nicht mehr wüssten, wie man betet". Was kein Schaden ist, besser die Kinder kennen sich auf ihrem Laptop aus als in der Religion, davon haben sie sicherlich was Nutzbares. Auch diese Homepage entsteht durch Arbeit am PC und nicht durch Beten.

Gefragt wurde Käßmann auch nach den in Deutschland angedachten Extrafeiertagen für Muslime. Da ist sie dagegen, weil "wir stammen aus einer christlich geprägten Kultur", weiter heißt es, sie sehe keinen Anlass, sich vor der muslimischen Religiosität zu fürchten. Ihr Ratschlag: "Macht doch die Kirchen voll, dann braucht ihr keine Angst vor vollen Moscheen zu haben." Puh, wer soll die Kirchen voll machen? Wie soll das gehen? Gibt's dann einen Bundesbefehl an die Bundesbürger: "Macht sonntags die Kirchen voll!"?

Der letzte Absatz im idea-Bericht lautet: Käßmann sprach sich ferner gegen eine Vermischung religiöser Praktiken, etwa mit Buddhismus oder Esoterik, aus: "Jesus ist keine Gottheit, die einem plötzlich auf dem Waldweg begegnet." Die Bibel bleibe der alleinige Bezugspunkt für Christen. Als "Luther-Botschafterin" liege ihr daran, den Menschen Mut zu machen, "in der Bibel zu lesen und nicht nur über die Bibel zu reden".

bibelJa, liebe Frau Käßmann, Atheisten sind da ganz unparteisch, sie sind gegen jeden Aberglauben. Bibelbezüglich ist anzumerken, die Menschen machen eh beides nimmer: sie lesen nicht in der Bibel und sie reden auch nicht drüber. Wobei man als Atheist meinen könnte, dass das Lesen in der Bibel bisweilen auch nützlich wäre. Speziell für kritische Geister, die auch sonst gern selber denken. Weil die würden dann vielleicht erkennen, wegen welch seltsamer Geschichtchen sie Kirchensteuer zahlen.

Quelle: www.atheisten-info.at

 

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Kein Lösegeld für Terroristen!


amer_albayatiLösegeld für Terroristen: Entführungen im Jemen mit Petrodollars beendet?

Eine Stellungnahme vom Islam- und Terror-Experten Amer Albayati, Mitbegründer der Initiative Liberaler Muslime Österreich.

Freude herrscht allseits über die Freilassung von Dominik Neubauer und den Finnen Atte und Leila Kaleva. Von offizieller Seite wird betont, dass Österreich kein Lösegeld bezahlt hat. Der Staat Oman hat dies anscheinend getan. Die Frage sei erlaubt, warum ein unbeteiligter Staat wie Oman das Lösegeld bezahlt hat?

Bei der Freilassung der Schweizer Lehrerin Silvia Eberhard hat der Staat Katar das Lösegeld bezahlt. "Wenn dir jemand etwas schenkt hat er dir nur die Rechnung noch nicht präsentiert!" Das zum einen und zum anderen ist die Bezahlung von Lösegeld bedenklich, unmoralisch und Unterstützung von Terroristen für Waffenkäufe. Dadurch werden Terrorismus und Entführung zum lukrativen Geschäft. Durch diese Petrodollars macht sich der Westen zum Werkzeug der Golfstaaten des politischen Islams und der Terroristen bzw. Entführer.

Mit der Zahlung von Lösegeld werden die Probleme nicht gelöst sondern kompliziert und multipliziert.

Der Westen muss endlich daran gehen dieses Problem zu lösen und nicht nur Warnungen, sondern Verbote für Reisen in diese Länder aussprechen. Ab sofort trägt jeder einzelne die Verantwortung für seine Entführung und Ermordung! Wenn nicht bezahlt wird, hören die Entführungen schlagartig auf.

Wie jemenitische und arabische Zeitungen behaupten, wurden an die Entführer 16 Millionen Dollar bezahlt, davon 4 Millionen für die Stammes-Vermittler. Anfangs forderten die Entführer von den jemenitischen Behörden 4 Millionen Dollar, was von den jemenitischen Behörden abgelehnt wurde, mit dem Argument, dass damit der Terror unterstützt werde. Dann hat der Staat Oman bezahlt.

Gleich danach wurden drei Mitarbeiter des Roten Kreuzes entführt. Das Geschäft mittels Lösegeld floriert: innerhalb von 10 Jahren gab es etwa 200 Geiseln – das ergibt eine Menge Geld, um Waffen für den Terror zu kaufen.

Bleibt zu hoffen, dass unsere Politiker endlich das Übel an der Wurzel packen und ein Reiseverbot in Länder wie dem Jemen usw. aussprechen und kein Lösegeld mehr bezahlt wird. Dann werden die Entführungen schlagartig aufhören.

Quelle: www.atheisten-info.at

 

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Salafisten vs. Sufisten


Solidaritaetskundgebung fuer Aegypten und TunesienHintergründe zu den gegenwärtigen Auseinandersetzungen in Tunesien.

Eine unscheinbare Gasse irgendwo im Zentrum von Tunis, eine große hölzerne Tür, die nichts Besonderes zu versprechen scheint: wir treten ein und befinden uns in dem, was man hier ein Mausoleum nennt. Im Vorraum verkaufen zwei Frauen Devotionalien und allerlei Heilmittel, sie sind freundlich und liebenswert. Sie fragen meine Frau, wie lange sie sich denn schon ein Kind wünsche und ob ich der Ehemann sei (angesichts des erkennbaren Altersunterschieds eine berechtigte Frage). Im Mausoleum selbst, der Grabstätte einer als „heilig“ verehrten Frau, die zu Lebzeiten werdenden Müttern (oder solchen, die es werden wollten) sehr geholfen haben soll, riecht es nach Weihrauch und einigen anderen für mich unidentifizierbaren Düften. Es ist kühl und still. Hier kann man – in der Nähe der „spirituellen Mutter“ – sein Gebet verrichten und Gott seine Wünsche darlegen. Anders als im Katholizismus wird dabei nicht die „Heilige“ angebetet, sondern es geht direkt zu Gott, aber in unmittelbarer Nachbarschaft der Verstorbenen.

Als wir – herzlich verabschiedet von den beiden Frauen – wieder ins Freie treten, muss wohl ein Schmunzeln auf meinem Gesicht liegen, das von meiner Frau etwas unwillig quittiert wird. Sie wusste ja vorher, dass ich die Geschichte nicht ernst nehmen würde, wollte deshalb diese Stätte auch ursprünglich allein aufsuchen und war nur meiner von Neugier getriebenen Bitte gefolgt, doch mitgehen zu dürfen.

Von diesen Mausoleen gibt es Tausende in Tunesien. Sie bilden das Rückgrat dessen, was man Sufismus nennt. Hier wird ein volkstümlicher Islam gelebt, der weit entfernt ist von den Schriften wie Qur’an oder den Ahadith. Für den Außenstehenden ist dies alles purer Aberglauben, vergleichbar mit Stätten wie Lourdes oder Fatima. Die große Mehrheit der Moslems in Tunesien kann man wohl zu Recht dem Sufismus zurechnen. Sufismus missioniert zwar, aber diese Mission artet nicht in Jihad aus wie bei den strenggläubigen Sunniten. Für diese ist der Sufismus ein wahrer Horror, weil er sich so weit den Büchern entfernt hat – für Salafisten ist Sufismus die reinste Häresie.

Vor diesem Hintergrund – neben den vielfältigen politischen Aspekten – darf man die derzeitigen  unfriedlichen Auseinandersetzungen in Tunesien betrachten. So schreibt etwa Detlef Urban (http://www.dradio.de/dlf/sendungen/einewelt/2112324/): „Extremisten bekämpfen den liberalen Volksislam“. Diese Einschätzung trifft den Kern der Dinge und auch der Rest des Artikels ist lesenswert, besonders für alle diejenigen, die nicht sehen wollen, wie viele unterschiedliche Strömungen und Schulen es in diesem angeblich so monolithischen Block „Islam“ gibt. Urban weiter:

Der Sufismus verbreitete sich in Tunesien und im Maghreb ab dem 12. Jahrhundert. Es ist der religiös-kulturelle Humus, auf dem sich ein liberaler Volksislam in Tunesien bilden konnte. Scheich Ibrahim Riahi, ein Nachkomme des hier verehrten Sidi Ibrahim, war bis zu seiner Pensionierung Geschäftsführer einer großen Geschäftsbank. Er hat wie viele Sufisten ein asketisches Aussehen, ist fromm, doch äußerst weltgewandt.

"Der Sufismus in Tunesien ist ein guter Gegenpol zum religiösen Extremismus. Ganz allgemein gibt es gegenwärtig eine Tendenz in der islamischen Welt zur Intoleranz und zum religiösen Extremismus. Der Sufismus aber ist von seinem Wesen her Nächstenliebe, wie auch Liebe zu Gott und zu den Propheten."

Die Sufi-Bruderschaften waren stets auch soziale Anlaufpunkte und Schiedsstellen, besonders im ländlichen Bereich. Sie organisierten Armenhilfe, waren ein Netzwerk, das sich aber nicht parteipolitisch organisierte. Trotzdem wurde den Bruderschaften die finanzielle Unterstützung in Zeiten der Diktatur entzogen.

Ich empfehle allen die Lektüre des gesamten Artikels (siehe den oben angegebenen Link).




Gottesbeweis per Thermodynamik


Thermodynamik am Abend2In den letzten Jahren hört man von Kreationisten aus den USA ab und an das Argument, dass aus dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik die Existenz eines Gottes folge. Das Ganze ist ein wenig albern, aber der Vollständigkeit halber …

Der zweite Hauptsatz der Thermodynamik besagt angewandt auf unseren Fall (*), dass ein kühler Gegenstand die in ihm enthaltene Restwärme nicht ohne weiteres auf einen daneben liegenden warmen Körper übertragen kann. Das Phänomen ist aus dem Alltag bekannt: Kippt man heißen Tee in eine kalte Tasse, wird der Tee etwas kälter und die Tasse etwas wärmer. Was gemäß der Thermodynamik nicht passiert, ist, dass die Tasse ultrakalt wird und der Tee zu kochen beginnt. Irgendwann, so die Konsequenz, sind alle beteiligten Objekte gleich warm.

Der Hitzetod des Universums

Auf das Universum übertragen, bedeutet das: Wenn alle Sonnen verbrannt sind, die Wirkung der Gravitations- und Rotationskräfte nachlässt, und die Galaxien immer weiter vom Punkt des Urknalls weg fliegen, verteilen sich Materie und Energie irgendwann völlig gleichmäßig im Raum. Es gibt keine Planeten mehr, keine Materiewolken, keine Energiefunken, nichts. Das Universum ist tot.

Einige Religionisten glauben nun, dass sich hiermit die Evolution widerlegen und somit die Existenz ihres Gottes beweisen ließe. Die Argumentation geht dabei etwa so: “Der zweite Hauptsatz der Thermodynamik sagt, dass die Energie sich in geschlossenen Systemen im Laufe der Zeit gleichmäßig verteilt. Auf der Erde ist die Energie nicht gleich verteilt: Es gibt hoch entwickelte Lebewesen, die viel Energie benötigen, und energiearme Steine, die gar keine benötigen. Es gibt heiße Wüsten und die kalten Pole. Da das gleichmäßige Verteilen der Energie viel Zeit benötigt, kann die Erde noch nicht so alt sein. Sie ist daher jung. Wir haben die Bibel gelesen und sind auf ein Alter von 6.000 bis 10.000 Jahren gekommen. Diese Zeit reicht nicht für die Evolution, von der diese Eierköpfe immer reden. Die Evolutionstheorie ist somit widerlegt. Da es auf der Erde trotzdem sehr viele Wesen gibt, müssen diese auf anderem Wege entstanden sein. Sie wurden von Jahwe geschaffen, der daher existieren muss. Voilà!”

Aber nur in geschlossenen Systemen, du Dummie!

Der Teufel (no pun intended!) steckt hier wie immer im Detail: Der zweite Hauptsatz setzt nämlich ein geschlossenes System voraus, in dem es also keinen Einfluss von außen geben darf. Stellt man sich also die Tasse und den Tee isoliert und allein im Weltall vor, wird die Wärmeenergie in der Tat ziemlich schnell gleichmäßig verteilt. Stellt man jetzt aber einen Heizstrahler neben die Tasse, ändert sich die Situation: Eine Seite der Tasse wird etwas wärmer, die andere kühler. Nun wird die Erde bekanntermaßen von einem ziemlich großen Heizstrahler gewärmt, der sie ständig mit neuer Energie beliefert; sie dreht sich, eiert dabei leicht und zieht in unterschiedlichen Entfernungen an dem Strahler vorbei. Die Erde ist also nicht isoliert, und stellt daher aus Sicht der Thermodynamik kein geschlossenes System da. Der zweite Hauptsatz gilt für die Erde also nicht.  Der Gottesbeweis durch Thermodynamik ist daher gescheitert.

Übrigens: Falls man den so souverän mit Thermophysik hantierenden Religionisten ärgern möchte, kann man ihn fragen, wie denn der erste oder der dritte Hauptsatz der Thermodynamik lauten. Naja. Falls man in den USA ist und nicht schneller rennen kann als eine Gewehrkugel, vielleicht auch besser nicht.

(*) Physiker mögen mir a. bitte verzeihen oder b. eine bessere Formulierung vorschlagen.

 

Gefunden bei: http://manglaubtesnicht.wordpress.com/2013/04/27/ofter-mal-was-neues-gottesbeweis-per-thermodynamik/




Freidenker


FreidenkerÜber die Richtigstellung der Begriffe – und mehr… Eine Rezension von Siegfried R. Krebs.

Im Jahre 1713 – also vor genau 300 Jahren – erschien in London ein Buch mit dem Titel „Discourse of Free-Thinking“ („Abhandlung über das Freie Denken“). Sein Verfasser war Anthony Collins (1676 – 1729). Collins gehörte einer Gruppe von Frühaufklärern an, die sich selbst Freethinkers (Freidenker nannten); mit dieser Schrift kamen die Begriffe „Freidenker“ und „freies Denken“ erstmals ins öffentliche Bewußtsein. Die damaligen Freidenker waren jedoch noch keine Atheisten oder Humanisten im heutigen Sinne.

Im Heft 1 – 13 (März 2013) der Zeitschrift „Freidenker" geht Dr. Horst Schild (Dresden) mit seinem Leitartikel „Vor 300 Jahren – Discourse of Free-Thinking" auf die Bedeutung von Anthony Collins und seines Buches sowie des Wirkens anderer früher Freidenker (William Coward, John Toland) für die Aufklärung und des atheistischen Bewußtseins ein.

Ergänzung findet Schild durch einen historischen Abriß von Klaus Hartmann (Offenbach) über „Freies Denken im Wandel seiner Bedeutung."

Besonders hervorzuheben in diesem Heft ist ein längerer Artikel von Dr. Wolfgang Beutin (Bremen): „Karlheinz Deschners Kritik am Christentum". Anlaß hierfür war das Erscheinen des zehnten und damit letzten Bandes von Deschners „Kriminalgeschichte des Christentums". Beutin rezenziert nicht bloß den aktuellen Band, er betrachtet vielmehr die Prinzipien von Deschners Kritik. Deschner gehe es, so Beutin um eine „Geschichtsschreibung in aufklärerisch-emanzipativer Absicht". Daher widme sich der Kirchenkritiker ganz besonders der „Legendenzerstörung und der Aufdeckung von Manipulationen". Gemeint sind nicht zuletzt Manipulationen des Klerus an biblischen Texten selbst – und das bis heute.

Stichwort Legendenzerstörung. Hierzu sei aus Beutins Artikel zitiert: „Legendenauflösung ist keine Kleinigkeit. Deschner unterzieht sich verdienstlich der Mühe, hier anzupacken und manche äußerst fatale, trotzdem heutzutage immer noch verbreitete und deshalb von vielen geglaubte Legende zu widerlegen. (Luther hatte seine Gründe, als er den Terminus „Legende" variierte und in „Lügende" abänderte.)

Eine solche Lügende lautet, es wäre die Kirche gewesen, der die Menschheit – jedenfalls im Bereich des Christentums – die Abschaffung der Sklaverei verdanke. Nein, widerspricht Deschner, die Kirche befand sich ‚stets auf der Seite der Unterdrücker‘.

‚Paulus, Augustinus, Thomas von Aquin und Tausend weitere ‚Heilige‘, sie alle verteidigen die Unfreiheit. Noch in der Neuzeit vertritt die katholische Theologie ganz allgemein das Recht auf Sklaverei. (…) Und nicht zufällig hielt unter allen Hauptstädten Europas das päpstliche Rom am längsten an der Sklaverei fest.‘" (S. 24/25)

„Die Pussy-Riot-Story" – so ist ein bemerkenswerter Artikel von Olaf Brühl überschrieben. Angesichts des überbordenden Anti-Putinismus um die strafrechtliche Verurteilung von Mitgliedern der weiblichen Punk-Gruppe (Kläger war der Moskauer Klerus, nicht der Präsident!) schreibt Brühl, daß man sich hierzulande ‚…empört über einen Strafbestand, der in Berlin genauso gegeben wäre…‘ und zitiert dazu den in der Bundesrepublik Deutschland geltenden Artikel des § 167 Strafgesetzbuch. Alle Empörung hierzulande entlarve sich somit selbst ‚eindeutig als Lüge und Heuchelei‘. (S. 48)

Und daß das nicht bloße Hypothese ist, macht Brühl hieran fest:

„Immerhin mußten erst im Jahr 2005 wegen Randale in der Berliner St.-Hedwigs-Kathedrale und in der Marienkirche Andreas Roy für 17 Monate hinter Gitter, Christian Arnhold für 10 Monate. Nicht genug damit, am Sonntagmorgen, dem 19. August störte eine maskierte Gruppe (…) den Gottesdienst im Kölner Dom. (…) Wie die Kölner Polizei auf Anfrage mitteilte, wurde gegen die drei Störer Strafanzeige wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz, Hausfriedensbruch und wegen Störung der Religionsausübung gestellt." (S. 48)

Ganz so wie in Moskau auch…

In Verbindung mit der Märzausgabe des „Freidenker" soll unbedingt auch auf die Ausgabe 4-12 vom Dezember 2012 verwiesen werden. Diese versammelt aktuelle und grundlegende Dokumente des Deutschen Freidenker-Verbandes. An erster Stelle sei hier genannt „Aufgaben der Aufklärung – Die Richtigstellung der Begriffe" (Oktober 2012): darunter „Menschenrechte", „Völkerrecht und Frieden", Rechtsstaat und Demokratie". Es folgt ein Verbandsvorstandsbeschluß vom Herbst 2009 – „Gegen Volksverdummung und die Zerstörung der Vernunft!" Besonders hervorzuheben ist aber die „Berliner Erklärung – Wer sind die Freidenker und was wollen sie?" aus dem Jahre 1994. Für Laizisten – egal welcher Weltanschauung oder Religion – dürfte von besonderer Bedeutung der Abschnitt „Für die Trennung von Staat und Kirche, Kirche und Schule sowie den Dialog mit religiösen Menschen sein". Dieser Abschnitt schließt mit der Feststellung: „In diesem Sinne verstehen wir Religionskritik als Gesellschaftskritik". In dieser Hinsicht dürften zumindest linke Laizisten und Freidenker sich in voller Übereinstimmung befinden.

Siegfried R. Krebs

„Freidenker" – das Verbandsorgan des Deutschen Freidenkerverbandes erscheint vierteljährlich und ist über den GNN-Verlag Köln zu beziehen. Das Einzelheft kostet 2,50 Euro zzgl.Versand. (siehe auch: http://www.freidenker.org/cms/dfv/index.php)

 
 Quelle: http://www.freigeist-weimar.de/beitragsanzeige/freidenker-ueber-die-richtigstellung-der-begriffe-und-mehr/

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

 




La paix pas la paie


QatarQatar ist einer der reichsten Staaten dieser Welt. Mit seinen enormen Finanzmitteln kauft sich dieses Land weltweit in die Wirtschaft ein, schafft aber auch Arbeitsplätze in Afrika und der arabischen Welt. So haben die Sheikhs nunmehr angekündigt, in Tunesien bis 2015 20.000 Arbeitsplätze zu einzurichten. Das soll wie eine großzügige Geste wahrgenommen werden.

Andererseits ist bekannt, dass Qatar auch einer der größten Finanziers des internationalen Terrorismus ist. Auf seiner Liste stehen unter anderen die Hamas in Palästina, die Hizbollah (Partei Allâhs) im Libanon, die „Freiheitskämpfer“ in Syrien, die Radikalislamisten in Mali und vermutlich auch die in letzter Zeit höchst aktiven islamischen Terroristen in Tunesien, die  gerade in der letzten Zeit den größten Ärger bereiten. Ich habe auf Facbook darüber berichtet.

Mein Lieblingskarikaturist Lotfi (von La Presse, Tunisie), der mit seinen wortspielenden Zeichnungen nie ein Blatt vor den Mund nimmt, hat auch hier die geeignete Antwort gefunden:

Lotfi

Text: Qatar wird 20.000 Tunesier bis 2015 einstellen.

Sprechblase: "Wir wollen den Frieden, und nicht Gehaltszahlungen". Er spielt hier wieder meisterhaft mit „paix“ = Frieden und „paie“ = Gehaltszahlung.