„Ein Schritt vor, zwei zurück“


Ins „Dar Essalam“, das Haus des Friedens, ist die Welt nach Allahs Wille erst dann eingetreten, wenn sie sich vollständig seinen Anweisungen, sprich den Regeln des Korans,  unterworfen hat (Islam = Unterwerfung). Bis zu diesem Zeitpunkt lebt ein Moslem, wenn er seine Quellen wörtlich nimmt, im „Dar al-Harb“, dem Haus des Krieges. Auf welche Art und Weise dieser Krieg geführt werden soll, hängt dabei ganz entscheidend davon ab, in welchem Umfeld er stattfindet und welche Interpretation der einzelne Moslem den allgemeinen Anleitungen entnimmt. Fällt diese Interpretation extrem oder fundamentalistisch aus, wie dies bei Wahhabiten oder Salafisten der Fall ist, verschwimmt die Grenze recht bald in Richtung terroristischer Vereinigungen, von denen Al-Qaeda nur die augenfälligste und seit 9/11 bekannteste Variante darstellt. Während solche Vereinigungen in den gemäßigten islamischen Ländern wie beispielsweise Tunesien und Algerien mit AQMI (Al-Qaeda du Maghreb islamique) nur punktuelle „Erfolge“ erzielen können etwa durch Attentate oder Pressionen und Einschüchterungen der einheimischen Bevölkerungen, zieht sich inzwischen quer durch Afrika, von Mauretanien über Mali, den Norden Nigerias bis hin zum Horn von Afrika ein breites Band terroristischer Gewaltherrschaft, in dem der offene Krieg gegen alle Andersdenkenden ausgebrochen ist. Dieser Entwicklung steht die Presse in den zivilisierten Ländern, und wohl auch deren Politiker, mangels Hintergrundkenntnissen weitestgehend hilflos gegenüber.

In Europa und speziell in Deutschland begegnen wir ganz offensichtlich derzeit einem anderen Typus von Islam. Zwar haben auch Salafisten und andere Extremisten ihre Anhängerschaft, doch stellen sie mit geschätzten 30-50.000 Mitgliedern eine winzige Minderheit dar. Zu einer wie auch immer gearteten „Kriegsführung“ fehlt ihnen so gut wie alles, selbst zur Organisation terroristischer Anschläge sind sie nicht zuletzt dank der guten Überwachungsarbeit unserer Sicherheitsorgane kaum in der Lage. Die weit überwiegende Anzahl der in Deutschland lebenden Moslems ist weit von solchen fundamentalen Auffassungen entfernt. Etwa die Hälfte von ihnen wird nach den Erhebungen von fowid als mehr oder weniger ungläubig eingeschätzt, selbst wenn sie sich nicht offiziell als Ex-Moslems bekennen. Es reicht zumeist die Klassifizierung „nicht praktizierend“, was aus dem Mund eines Moslems etwas ganz anderes (mutiges) bedeutet, als wenn dies von einem Christen käme. Die andere Hälfte kann man als „fromm“ einstufen, doch lehnt sie aus Überzeugung Gewalttätigkeit ab. Ihr Glauben, die Riten und die Feste sind aus der Tradition vorgeprägt und werden vor allem dort ausgeübt, wo viele Moslems raumnah beisammen sind. In der derzeitigen Situation stellen sie keine unmittelbare Gefahr für die Gemeinschaft dar. Ob sich das bei zunehmender Anzahl einmal ändern wird sei dahingestellt.

Interessanter als die einzelnen Gläubigen, deren Religiosität wir als Humanisten zu respektieren haben (siehe auch unser Manifest) stellt sich die Arbeit der Verbände dar, die in ihrem Namen sprechen. Zusammengefasst agieren sie als KRM (Koordinationsrat der Muslime) und treten gegenüber den staatlichen Organen als die einzig befugten Vertreter aller Moslems in Deutschland auf (obwohl das nicht den wirklichen Gegebenheiten entspricht).  Sie versuchen dabei, sich ähnlich wie die Kirchen zu organisieren (vielleicht sogar mit dem Ziel der Körperschaft des öffentlichen Rechts). Sie sprechen bereits selbst von einer „Verkirchlichung“ ihrer Organisation. Und das hat gute Gründe: sie möchten unter dem Strich in den Genuss derselben Privilegien gelangen, die sich die Staatskirchen in der Zeit nach der Aufklärung Stück um Stück wieder angeeignet (ergaunert?) haben. Auf diesem Wege sind sie dank der tätigen Unterstützung durch die Amtskirchen sehr gut (und in der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt) vorangekommen. Die Einrichtung islamisch-theologischer Lehrstühle und die Einführung von islamischem Religionsunterricht in den Schulen (alles vom Staat finanziert) sind nur die hervorstechenden Beispiele auf ihrem Weg zu völliger Gleichberechtigung mit den Kirchen. Sie können es sich inzwischen sogar leisten, Forderungen zu stellen, die weit darüber hinausgehen wie Halal-Essen in Kantinen oder getrennte Badezeiten für Männer und Frauen in öffentlichen Schwimmbädern.

Es beginnt sich zu rächen, dass die Politik dem Treiben der Amtskirchen bereits viel zu lange tatenlos zugeschaut hat, oder deren Treiben sogar ganz nach Kräften unterstützt hat. Wer heute anstrebt, den Islam in den privaten Bereich zu verlagern (wo er nach unserer Auffassung wie jede andere Religion hingehört), muss sich sagen und vorhalten lassen, dass er nicht rechtzeitig Vorsorge getragen hat bei der Eindämmung überbordender Privilegien. Wenn sich angesichts der selbstverschuldeten Situation dann Politiker hinstellen und von der Chimäre eines angeblich jüdisch-christlichen Abendlandes faseln (nicht selten kommen diese Damen und Herren aus Bayern), dann müssen sie sich nicht wundern, wenn verstimmte Reaktionen aus moslemischen Kreisen kommen.

Eine solche Reaktion sei unserer Devise „audiatur et altera pars“ folgend hier präsentiert:  http://www.islam.de/20141

Wissensstand vom Beginn 2012.

 

Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.