Der gute Gott wird immer besser!


Herz GottDas führte in der Weihnachtszeit 2019 der Herr Papst vor! Es hat sich ja schon länger aufgehört, dass die traditionellen alten biblische Wahrheiten gepredigt wurden: über Hölle und ewige Verdammnis für Sünder und Ungläubige redet die katholische Kirche schon längere Zeit nimmer!

Dem Jesus wird jetzt vorgesagt, er habe alle zu lieben und zu retten und der vatikanische Franzl hat das eben nun noch verschärft!

Denn er verfügte nun, was sein Gott jetzt zu tun habe:
"Wie oft denken wir, dass Gott gut ist, wenn wir gut sind, und dass er uns straft, wenn wir böse sind. So ist es nicht. In unseren Sünden fährt er fort, uns zu lieben. Seine Liebe ändert sich nicht, sie ist nicht nachtragend; sie ist treu, sie ist geduldig." Denn Gott liebt ohne Vorleistung jeden Menschen, auch den schlimmsten!

Dann liebt Gott wohl auch Atheisten wie meinereinen? Aber da es ihn gar nicht gibt, kann er mir das ja gar nicht antun! Der Papst bildet sich vermutlich ein, dass die Schönfärbung des einst so bösartig-rachsüchtigen katholischen Gottes bei den vielen Leuten, denen heutzutage Religion einfach egal ist, Kirchennähe erzeugen könnte. Dazu muss ihm meinereiner leider mitteilen: Den Leuten, denen Religion heute egal ist, denen ist auch ein Gott egal, der alle ohne Vorleistung liebt!

Aktuell zog folgende Meldung durchs Net: Ein junger Mann in Frankreich steht im Verdacht einen 91jährigen Priester mittels einem in die Kehle gerammten Kruzifix getötet zu haben, sein Motiv war es nach Polizeiangaben, dass ihn dieser Priester seinerzeit geschändet und der Priester sich bereits an dessen Vater vergangen hatte.

Da hat der Priester wohl Vater und Sohn zu sehr und auf die falsche Art geliebt…

Für den Papst wäre es zu empfehlen, weniger seinen Gott immer lieber zu machen und sich eher darum zu bekümmern, dass seine Priester den Sexualtrieb nicht missbräuchlich ausleben, weil ihnen die katholische Kirche das gebräuchliche Sexualleben verboten hat!

Dann könnte vielleicht sogar die scheußliche katholische Kirche besser werden und nicht nur angeblich ihr angeblicher Gott…

PS: Ist doch gut gelungen, der heutige Text! Wenn die Leser das ein bisschen weiterverbreiten, hätte meinereiner seine Freude daran…

 

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).




Vorbild Märtyrer


StephanusDie großen christlichen Helden sind die Märtyrer, also Leute, die für ihren Glauben gestorben sind. Der heilige Stephanus war gemäß der christlichen Sage der erste Märtyrer, er wurde gesteinigt, weil seinen Jesus im Himmel neben Gott stehen gesehen haben wollte.

Der Herr Papst hat jetzt in der Weihnachtszeit eine christliche Unfrohbotschaft verkündet, er kritisierte, dass die r.k. Kirche 200 Jahre lang stehen geblieben sei, distanzierte sich damit vom Zeitalter des katholischen Antimodernismus, aber es kam auch eine Frohbotschaft, nämlich dass wir keine christliche Leitkultur mehr haben.

Zwei Erkenntnisse der Wirklichkeit ist ein bisschen viel für einen Papst, da brauchte es auch etwas Vorgesterliches, am 26.12.2019 ließ der vatikanische Franz wissen, Märtyrer seien Vorbilder für alle Christen!
Kath.press berichtete dazu: "Der 26. Dezember ist in der katholischen Tradition Stephanus gewidmet, der als erster Blutzeuge des christlichen Glaubens gilt. Der Papst sagte, dieses Gedenken stehe 'in Übereinstimmung mit der eigentlichen Bedeutung von Weihnachten. Im Martyrium des Stephanus wird die Gewalt durch Liebe besiegt, der Tod durch das Leben', so Franziskus. Die Herrlichkeit des Himmels bestehe 'nicht aus Reichtümern und Macht, sondern aus Liebe und Selbsthingabe'. Christliche Gläubige sollten 'immer missionarischer' werden. In existenziellen und geografischen Randbereichen gebe es viel 'Durst nach Hoffnung und Heil'."

Aha, gesteinigt zu werden, das ist für das Opfer ein gewaltfreier und siegreicher Akt der Liebe. Und gesteinigt zu werden, ist darum für Christen vorbildlich! Das ist wieder das echt Katholische, erniedrige dich, lassen dich vernichten, dann bist du der Größte in der Herrlichkeit des Himmels! Zu dumm, dass es den Himmel nur in Form der Atmosphäre um die Erde gibt! Und voll weltfremd ist der vatikanische Franzl auch wieder in Sachen Missionierung! Jetzt sollen die christlichen Gläubigen immer missionarischer werden. Die Wahrheit ist: Sie werden nicht narrischer, die christlichen Gläubigen werden immer weniger! Wer Märtyrer als Vorbilder sieht, braucht psychiatrische Hilfe!

 

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).




Papst schwört Kirchenleitung auf Veränderung ein


Franziskus…mit atheistischen Anmerkungen von Erwin Peterseil.

Schon am 21.12.2019 war auf kath.press die folgende Meldung zu finden, die hier mit angefügten atheistischen Kommentaren gelesen werden kann:

kath.press: Franziskus verpflichtet Spitzen der Kurie auf Evangelisierung als "erste und wichtigste Aufgabe der Kirche" und zeichnet nüchternes Bild: "Keine christliche Leitkultur mehr".
Atheistischer Kommentar: Es ist super, dass der Herr Papst was wahrgenommen hat, dessen Wahrnehmung knapp 100 Prozent der europäischen Politiker nicht in der Lage waren! Dass wir in einer höchst säkularen Gesellschaft und nicht in einer christlichen Gemeinschaft leben, müsste selbst dem größten Deppen inzwischen aufgefallen sein! Wer jetzt noch die Pappen aufreißt und vom Leben in einem christlichen Europa redet, dem dürfen wir mit päpstlicher Bestätigung auf seinen blöden Schädel scheißen!

kath.press: Kurz vor Weihnachten hat Papst Franziskus die katholische Kirchenleitung auf durchgreifende Veränderungen eingeschworen. Das Christentum sei keine dominante Größe mehr, sagte das Kirchenoberhaupt in seiner traditionellen Ansprache vor Kurienleitern am Samstag. Nötig seien ein Wandel in der Seelsorge und ein missionarischer Neuaufbruch, aber auch neue Formen der Kommunikation in der Kirche.
Atheistischer Kommentar: Ja, das Christentum ist nimmer dominant, die Menschen leben weitgehend säkular, in Österreich gehen 90 % der katholischen Kirchenmitglieder sonntags regelmäßig nicht in die Kirche. Wie es mit dem konkreten Glauben ausschaut, schauen wir uns wieder einmal an der Standard-Umfrage von 2014 und 2018 an:

Nur 20 % glauben noch an die Auferstehung des Jesus, den wichtigsten Glaubenssatz, 31 % an das ewige Leben, innerhalb von vier Jahren ist die Zustimmung zu den Fragen nach den christlichen Glaubenssätzen des Glaubensbekenntnis im Schnitt von 35 auf 25 % zurückgegangen! Da ist es sehr rätselhaft, warum 2018 noch knapp 57 % der Österreicher Mitglieder der katholischen Kirche waren! Das hängt vermutlich damit zusammen, dass öffentlich – speziell auch von Politikern – so getan wird, als wäre Österreich nicht säkular, sondern christkatholisch und diese Mitgliedschaft immer noch eine Art staatsbürgerliche Pflicht!

kath.press: "Wenn wir wollen, dass alles bleibt wie es ist, dann ist nötig, dass alles sich verändert", zitierte Franziskus aus dem Roman 'Der Leopard' von Giuseppe Tomasi di Lampedusa (1896-1957). Der Papst verteidigte die von ihm unternommene Kurienreform. Sie maße sich nicht an, so zu tun, also ob vorher nichts existiert hätte, sondern ziele im Gegenteil darauf, "all das Gute zu würdigen, das in der komplexen Geschichte der Kurie getan worden ist".
Atheistischer Kommentar: Der Papst sieht zwar die Realität, aber er versteht sie trotzdem nicht und glaubt an die Möglichkeit von Missionierungen und die Reformierbarkeit der katholischen Kirche. Er sagte dazu ja auch am 21.12.: "Die Kirche ist 200 Jahre lang stehen geblieben. Warum bewegt sie sich nicht? Haben wir Angst?" Die Kirche hatte den "Modernismus" abgelehnt und in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts den "Antimodernismus" gegen die gesellschaftlichen und politischen Reformen und Umbrüche der Moderne und des Liberalismus ausgerufen! Jetzt den Antimodernismus zurückzunehmen und modernistisch-liberal zu werden, wird aber nix bringen! Weil die protestantischen Kirchen in Europa haben sich längst mit dem Modernismus arrangiert und verlieren trotzdem oder deswegen mehr Mitglieder und noch mehr die Religion tatsächlich Praktizierende! Weil der moderne Liberalismus kommt zunehmend ohne Götter aus…

kath.press: Der Papst verlangte eine Rückbesinnung auf die "erste und wichtigste Aufgabe der Kirche: die Evangelisierung". Die Erneuerung der Kurienstrukturen solle dazu dienen, "dass sie alle missionarischer werden". Franziskus warnte vor den Versuchungen, "sich in die Vergangenheit zurückzuziehen" und zu erstarren. Zugleich wandte er sich gegen eine "relativistische Pastoral" oder einer Orientierung am "Zeitgeschmack".
Atheistischer Kommentar: Die Neuevangelisierung war ein Hobby seines Vorgängers, Papst Ratzinger hätte das gerne gehabt, für 2012 war dazu in Europa ein Probegalopp angesagt worden, der dann in aller Stille einfach gar nicht probiert wurde, vom 2010 eingerichteten "Päpstlichen Rat zur Förderung der Neuevangelisierung" hört man nichts mehr, auf der Vatikan-Homepage-Seite dieses Rates ist die letzte Eintragung vom Jänner 2013…

kath.press: Von der Kirche forderte der Papst einen verstärkten Dienst an Armen, Ausgegrenzten und besonders Migranten; diese stellten "einen Schrei in der Wüste unserer Menschheit" dar. Es gehe um "Brüder und Schwestern", die von der globalisierten Gesellschaft ausgesondert würden. Die Kirche müsse Zeugnis dafür zu geben, "dass es für Gott niemanden gibt, der fremd oder ausgeschlossen ist". Das Mittelmeer sei für "zu viele zu einem Friedhof geworden".
Atheistischer Kommentar: Die Vermutung, dass das der Kirche helfen würde, ist ein sicherer Irrglaube! In Europa ist der Zustrom islamischer Migranten bei den Menschen überhaupt nicht gut angekommen, wenn der Papst nun meint, mit Zuwanderungsreklame Stiche machen zu können, dann werden das keine Siegesstiche wie beim Kartenspiel sein, sondern Stiche gegen die Interessen der einheimischen Europäer.

kath.press: Von der Situation des Christentums zeichnete der Papst ein nüchternes Bild. "Wir haben keine christliche Leitkultur, es gibt keine mehr! Wir sind heute nicht mehr die Einzigen, die Kultur prägen, und wir sind weder die ersten noch die, denen am meisten Gehör geschenkt wird", sagte er. "Das Christentum ist keine dominante Größe mehr, denn der Glaube – vor allem in Europa, aber auch im Großteil des Westens – stellt keine selbstverständliche Voraussetzung des allgemeinen Lebens mehr dar". Auf mögliche Faktoren für eine Glaubwürdigkeitsverlust wie den Missbrauchsskandal, mangelnde Transparenz und fehlende Mitbestimmungsmöglichkeiten ging der Papst nicht ein.
Atheistischer Kommentar: Die Feststellung, dass es keine christliche Leitkultur mehr gibt, ist eine päpstliche Tatsachenfeststellung, diese christliche Leitkultur war zudem eine gewaltsam aufgezwungene gewesen, Gehör finden christliche Ansichten sehr wenig, man denke zum Beispiel nur an christkatholische Narreteien, wie das Geschlechtsverkehr nur für Inhaber katholischer Trauscheine erlaubt wäre! Daran orientieren sich maximal Promillebruchteile!
Der Christenglaube war niemals die von der Menschenmehrheit frei gewählte selbstverständliche Voraussetzung des allgemeinen Lebens gewesen, sondern maximal die anbefohlene! Und das geht schon länger nimmer und darum ist das Christensystem davongeschrumpft!

Daran kann kein Papst mehr was ändern!

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).




Meinungsmache


Zum Standardrepertoire rechtsextremer „islamkritischer“ Publikationen gehört der Vorwurf, die so genannten Main Stream Media (MSM) unterdrückten Wahrheiten, verfälschten aufgrund eines angeblichen (linken) Bildungsauftrags Fakten und manipulierten Meinungen. Ich möchte an dieser Stelle nicht beurteilen, in welchem Umfang dies tatsächlich geschieht, schließlich gibt es praktisch wohl kein Medium, dass eindeutig politisch neutral sein kann. Aus dem Faktum, dass die MSM sich die schlichten „Wahrheiten“ extremer Publikationen nicht zu eigen machen, nun allerdings zu schließen, dass dort üble Meinungsmache betrieben würde, ist – mit Verlaub – ein Glaube, der in der normalen Welt außerhalb der „Islamkritiker“-Szene wohl  eher ausgestorben zu sein scheint.

Für das Gegenteil gibt es aber täglich eine Fülle von Beweisen. Man muss nur einmal mit klarem Verstand solche Hetzseiten wie PI, Dolomitengeist, SOS-Österreich oder Quotenqueen u.a. anklicken. Man wird sofort ohne größeres Suchen fündig. Den Vogel abgeschossen hat heute zweifellos das Hetzblättchen „Zukunftskinder“ mit einer „Reportage“ über Tunesien (Titel siehe oben). Dem Leser wird übrigens erst ganz am Schluss klar, dass dieser Beitrag 1 zu 1 abgekupfert wurde bei Africa-Live und von einer gewissen Ingrid Aouane stammt. Und diese schreibt:

Wir fahren vorbei an sehr vielen zerstörten Häusern, mit Brettern vernagelten geplünderten Geschäften und sogar einem Hotel in diesem Zustand. Hammamet hat sein Gesicht verloren, und das nicht etwa, weil alle Ben Ali-Porträts und Fähnchen abgehängt wurden.

Ich darf mich wohl als intimen Hammamet-Kenner bezeichnen und kenne die geschilderte Fahrstrecke wie meine Westentasche. Die „vielen zerstörten Häuser“ schrumpfen dann unmittelbar zusammen auf ein während der Revolution 2011 abgefackeltes Schuhgeschäft und zwei noch nicht wieder eröffnete Kioske. Am Gesicht Hammamets hat sich dadurch nichts geändert. Und auch diese Schäden werden sicherlich bald behoben sein.

Doch es geht munter weiter mit den Impressionen eines Taxifahrers:

" Es ist schlimmer jetzt als vorher. Die Lebensbedingungen haben sich verschlechtert, die Touristen bleiben aus, und Meinungsfreiheit gibt es noch immer nicht"! Vor einigen Tagen z.B. ist ein Künstler im Kulturzentrum von Hammamet aufgetreten, der die aktuelle Regierung durch den Kakao zieht. Sofort standen die Islamisten parat und wollten ihm den Mund verbieten, nur durch ein Riesenaufgebot von Polizisten konnte ein Eklat verhindert werden". Aha, das wars also! "Wir wollen die Islamisten nicht, wir wollen Ben Ali wieder haben" ereifert er sich. "Sehen Sie, Ben Ali hat sich bereichert, aber nur an den Reichen, den Armen hat er nichts weggenommen. Unter seiner Regierung lief die Wirtschaft, heute traut uns kein Investor oder Geschäftspartner mehr".

Ganz ohne Zweifel ist die Meinungsfreiheit heute in Tunesien erheblich besser geschützt als zu Zeiten der Diktatur. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die von Ennahdha dominierte Regierung versucht, ihre Gefolgsleute in den staatlichen Presseorganen zu platzieren – wogegen die Redakteure, unterstützt von der mächtigen Gewerkschaft UGTT, heftigst protestieren. Richtig ist zwar, dass die Salafisten (Islamisten) erhebliche Unruhe verbreiten (von der derzeitigen Regierung nur sehr lasch bekämpft) und am liebsten das gesamte kulturelle und künstlerische Leben als „unislamisch“ in Tunesien unterbinden möchten, doch eine breite Mehrheit in der Bevölkerung lehnt dies vehement ab. Dies ist ja gerade einer der Gründe, weshalb Ennahdha beständig an Rückhalt in der Gesellschaft verliert und derzeit bei Wahlen nicht die geringsten Chancen hätte.

Wenn der Taxifahrer nun wirklich gesagt haben sollte „wir wollen Ben Ali wiederhaben“, so ist dies eine Meinung, die ich noch nie vernommen habe. Die ehemaligen Mitglieder der einstweilen verbotenen RCD (Partei Ben Alis) sind längst in alle Winde verstreut und (wie man hört) bereits überwiegend in republikanisch-demokratischen Parteien tätig, was nicht von allen gern gesehen wird. Der Niedergang des Tourismus und der Wirtschaft (mangelnde Auslandsinvestitionen) ist dabei auch nicht dem Fehlen Ben Alis geschuldet, sondern entspringt der nach wie vor unklaren politischen Situation, was sich hoffentlich bei den Wahlen im nächsten Jahr grundlegend ändern wird.

Völlig ins Abstruse und Irrationale verliert sich die Autorin dann aber im Schlusssatz:

Ich frage ihn, ob das nur seine Meinung ist oder ob auch andere so denken. "Ich gebe Ihnen einen Beweis", antwortet er. "Aus Protest gegen die ungewollten Islamisten sind mittlerweile über 70.000 Tunesier zum Christentum übergetreten – ich auch!"

Diese Zahl – falls sie jemals so genannt wurde – entspringt wohl eher dem Wunschdenken unter Christen, als dass sie in der Realität auch nur den geringsten Bestand haben könnte. Die Zahl von rund 2.000 einheimischen Christen (siehe dazu meinen Artikel Christen in Tunesien) hat sich praktisch nicht verändert. Wozu sollte man auch den einen Gott gegen einen anderen Gott eintauschen? Und schon gleich gar nicht, wenn man damit (angeblich) den Wunsch verbindet, der überzeugte Moslem Ben Ali möge doch zurückkehren. Der Bericht auf Zukunftskinder ist dermaßen sinnlos zusammengestoppelt, dass man ihm (auch ohne Bezichtigung der Lüge) überdeutlich den Zweck entnehmen kann, zu dem er verfasst wurde: billigste Meinungsmache zur Befriedigung eines ganz speziellen Publikums.

 

 

Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

 




Sexuelle Gewalt in der katholischen Kirche 2019


Mea-Maxima-Culpa-Stille-im-Haus-des-HerrnDarüber berichteten am 20.12.2019 mehrere Medien, religion.ORF meldete:

"Die vatikanische Behörde, die sich mit Missbrauchsfällen befasst, hat in diesem Jahr eine Rekordzahl von Anzeigen erhalten. Es gingen etwa tausend Anzeigen ein.
Die hohe Zahl von Anzeigen habe das Personal der Behörde 'überwältigt', sagte John Joseph Kennedy, Leiter des Disziplinarbüros der Glaubenskongregation der Nachrichtenagentur AP. Diese Zahl sei um vier Mal höher als noch vor zehn Jahren. Um mit all diesen Fällen umzugehen, müsste das Personal sieben Tage pro Woche arbeiten (..).
Die Anzeigen trafen aus der ganzen Welt ein, auch aus Ländern, in denen bisher keine Missbrauchsfälle gemeldet worden waren. Die meisten Missbrauchsanzeigen seien aus Argentinien, Mexiko, Chile, Italien, Polen und den USA eingetroffen. 'Der Vatikan hat sich zur Bekämpfung von Kindermissbrauch verpflichtet und braucht Zeit, um alle Fälle zu prüfen', sagte Kennedy."

Die Meldungen in anderen Medien sind meist wortgleich mit obigem Text, er dürfte somit von einer nicht näher angeführten kirchlichen Stellungnahme stammen, die möglicherweise von Associated Press (AP) verbreitet wurde.

 




Auf dem Weg der Besserung...


Fortschritt…sind in der aktuellen Vorweihnachtszeit anscheinend der Vatikan und Saudi Arabien, das kann man Medienberichten entnehmen.

Der Herr Papst gab laut ORF-Bericht vom 17.12.2019 die Abschaffung des "päpstlichen Geheimnisses" in Sachen Sexualstraftaten bekannt.

Dieses Papstgeheimnis war ein Bestandteil des Vertuschungssystems von klerikalen Sexualstraftaten, klerikaler Kindesmissbrauch fiel unter das päpstliche Geheimnis und damit waren alle Kirchenfunktionäre, die von solchen Taten wussten, zum Schweigen verpflichtet.

Hier der Schwurtext zum päpstlichen Geheimnis: "Wer zu päpstlichen Geheimsachen kraft seines Amtes Zugang hat, muss einen Eid nach folgender Formel leisten:  Ich … verspreche, indem ich die heiligen Evangelien Gottes berühre, vor … treu das 'päpstliche Geheimnis' zu wahren in den Sachen und Angelegenheiten, die unter dieses Geheimnis fallen (Für diejenigen, die zum päpstlichen Geheimnis in einer besonderen Angelegenheit Zugang erhalten: zu wahren in der mir anvertrauten Sache), derart dass es mir in keiner Weise noch unter irgendeinem Vorwand, sei dies ein höheres Gut, seien es äußerst drängende und schwerwiegende Gründe,  erlaubt ist,  das  vorgenannte Geheimnis zu verletzen. Ich verspreche, dieses Geheimnis zu wahren auch nach Abschluss der Sachen und Angelegenheiten, für die eine solche  Geheimhaltung  ausdrücklich angeordnet  ist.  Sollten mir in einem Fall Zweifel über die genannte Geheimhaltungspflicht kommen, werde ich zugunsten der Geheimhaltung entscheiden. Ferner weiß ich, dass wer gegen diese Geheimhaltungspflicht verstößt, eine schwere Sünde begeht. So wahr mir Gott helfe und diese heiligen Evangelien, die ich mit meinen Händen berühre."

In der ORF-Meldung heißt es dazu: "Eine am Dienstag veröffentlichte Instruktion nimmt kirchliche Strafverfahren zu sexuellen Handlungen unter Gewalt, Drohung oder Amtsmissbrauch, sexuelle Handlungen mit Minderjährigen, Besitz und Verbreitung von kinderpornografischem Material sowie Vertuschung von dem Siegel der besonderen Geheimhaltung aus."

Allerdings bleibt aufrecht, dass "entsprechende Vorgänge weiter einer besonderen Vertraulichkeit zum Schutz der Beteiligten und Betroffenen" unterliegen. Aber: "Gleichwohl dürften dadurch Ermittlungen und eine etwaige bestehende staatliche Anzeigepflicht nicht behindert werden."

Na, das ging aber flott! Kaum sind zehn Jahre vergangen, seit die Welle der Enthüllungen dieser Straftaten durch Europa bebten, schon hebt der Vatikan die verpflichtende Vertuschungsverschwiegenheit dazu auf!

Und was macht Saudi Arabien? Dort wurde der Kopftuchzwang abgeschafft!

Meldung aus der Zeitung "Österreich" vom 16.12.2019:
Schneller Wandel in Saudi-Arabien: Frauen gehen ohne Kopftuch auf die Straße.
(..) Eingeführt hat den Wandel Mohammed bin Salman (34), saudischer Thronfolger. Er treibt die Reformen voran. Früher durften Frauen nur mit Kopftuch oder Gesichtsschleier auf die Straße, über dem Körper die Abaya. Heute gehen Frauen mit offenem Haar zum Einkaufen, schlendern durch Shoppingmalls, arbeiten ohne Kopftuch im Büro.
Die Sittenpolizei, die Mutawas, ist weitgehend von den Straßen verschwunden. Frauen dürfen Autos lenken, (…). Und für Reisen ins Ausland müssen sie sich nicht mehr den Segen eines männlichen Vormunds holen.

Na, da staunt man wohl doch! Sogar Saudi Arabien reitet schon ganz vorsichtig in Richtung 20. Jahrhundert!

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).

 




In eigener Sache


Fun am SonntagEs ist jetzt ziemlich genau ein Jahr her, dass Wilfried Müller die lange geplante endgültige Übernahme der Seite Wissenbloggt unversehens ablehnte und ich mich gezwungen sah, trotz aller privaten Verpflichtungen den Betrieb wieder selbst in die Hand zu nehmen.

Mit einiger Mühe ist es sogar gelungen, zu den ursprünglich gedachten und lange vorher erfolgten humanistischen Inhalten zurückzukehren, die zwischenzeitlich verloren gegangen waren.

Der ursprüngliche Grund, weshalb ich überhaupt Mitte 2013 die Verantwortung für die funktionierende Seite an Wilfried Müller übergab, war die Geburt meiner Tochter. Inzwischen ist diese eine selbstbewusste junge Dame von sechseinhalb Jahren geworden (wie meine engeren FB-Freunde wissen), die völlig zu recht einen eher größer werdenden Anteil an väterlicher Sorge und Aufmerksamkeit verlangt als dies zu Baby-Zeiten der Fall war. Mit anderen Worten: ich kann diese beiden Aufgaben nicht mehr parallel durchführen und muss eine Entscheidung treffen, die ganz selbstverständlich nur zugunsten meiner Tochter fallen kann.

Ich habe daher beschlossen, Wissenbloggt auslaufen zu lassen, falls sich nicht noch bis Ende des ersten Quartals 2020 ein Nachfolger findet, dessen humanistische Kompetenz unzweifelhaft ist.

Sic transit Humanitas!




Prognosencheck 2019


GWUPAussendung von e-Skeptiker – Newsletter für Wissenschaft und kritisches Denken – GWUP (Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften) – vom 12.12.2019

Kein Polsprung und kein harter Brexit:
Die Prophetenpleiten des Jahres 2019

Ein innerhalb weniger Tage um 5000 km springender magnetischer Nordpol, der die Erdachse verschiebt und den europäischen Kontinent in ein Inselarchipel zerbrechen lässt – die Katastrophenprognosen der selbst ernannten Nostradamusdeuterin Rose Stern für die im Dezember 2019 beginnende Endzeit erweisen sich glücklicherweise als ebenso falsch wie der vom US-amerikanischen Pastor Peter Begley für den 21. Januar vorhergesagten Weltuntergang nach einer Mondfinsternis. Die alljährliche Prognosenpleite von Wahrsagern, Hellsehern und Astrologen setzte sich auch 2019 fort.

Der Mainzer Mathematiker Michael Kunkel, der für die GWUP alljährlich die Prognosen auswertet, fand auch für 2019 kaum Treffer. Neben den üblichen Naturkatastrophen (Vulkanausbrüche, Erdbeben, Tsunamis, Waldbrände) floppten auch realistischere Prognosen wie ein harter Brexit (Craig Hamilton-Parker), das Ende von Facebook (Julie McKenzie) oder der Rücktritt der Bundesregierung im Frühjahr (Udo Golfmann). Beim US-Präsidenten waren sich die Auguren gar nicht einig: Er tritt zurück (Rose Smith), bleibt Präsident (Susan Rowlan) oder wird Opfer eines Anschlags (Nikki Pezaro, Craig Hamilton-Parker und andere). "Anschläge auf US-Präsidenten werden in jedem Jahr vorhergesagt", kommentiert Kunkel, dem absurde Prognosen wie die Entdeckung eines Riesenaffen à la King Kong, ein ins Weiße Haus einbrechender Papagei (beide Nikki Pezaro) oder der gleichzeitige Bundesligaabstieg von Bayern München und Borussia Dortmund (Martin Wagner) wesentlich besser gefallen: "Mit solchen Prognosen wird wenigstens keine Angst unter Leichtgläubigen geschürt."

Die Mehrzahl der Astrologen wagt sich dabei seltener auf das dünne Eis exakter Prognosen. Naturkatastrophen, Kriege oder irgendwelche gesellschaftlichen Umwälzungen werden zwar erwähnt (z.B. bei Michael Allgeier, Cord Kleinschmidt, Karin Mayer, Elizabeth Teissier), aber der in der Regel verwendete Konjunktiv verwässert die sowieso schon vagen Aussagen zusätzlich. Mancher Astrologe gibt auch offen zu, dass er gar nicht weiß, was passieren wird. "… welchen Bereich dies betrifft, sehen wir erst, wenn es soweit ist, und zwar von Mai bis Juli" wird Martin A. Banger zum Thema "Verunsicherungen in der Bevölkerung" zitiert. "Wenn es soweit ist, dann weiß ich es auch", reagiert Kunkel amüsiert. Glaubt man dem Deutschen Astrologen-Verband, dann sind Prognosen sowieso nicht das zentrale Thema der Sterndeutung – umso überraschender, dass sein Vorsitzender Klemens Ludwig im Wirtschaftsteil des Spiegel eine relativ genaue Voraussage wagte: "Der DAX wird bis 2024 auf mindestens 8500 Punkte fallen, da lege ich mich fest." Kunkel verspricht, diese Prognose nicht zu vergessen.

Die in der Regenbogenpresse beliebten Promiprognosen lieferten auch 2019 die üblichen Themen: Promipaare trennen sich, Singles finden einen Partner, bei Älteren werden Gesundheitsprobleme, bei Frischvermählten eine Schwangerschaft vorhergesagt – für Kunkel sind solche Voraussagen zumindest teilweise prüfbar, allerdings meist auch sehr trivial: "Die Hälfte der Auguren dürfte das Geschlecht des Kindes von Prinz Harry und Herzogin Meghan richtig vorhergesehen haben." Der britische Hellseher Nicolas Ajula gehörte nicht dazu, er sah die Geburt eines Mädchens – und eine Schwangerschaft bei der 52-jährigen Nicole Kidman. Kaum prüfbar ist, ob Angela Merkel im November wirklich an Rücktritt dachte (Elizabeth Teissier) oder ob Helene Fischer sich irgendwann wieder für Florian Silbereisen interessieren könnte (Astrologin Susy Schädler).

Hintergrundinfos zu den Prognosen: https://tinyurl.com/PrognosenFAQ2019
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Impressum:
Herausgeber und Redaktionsanschrift: Zentrum für Wissenschaft und kritisches Denken, GWUP e.V., Arheilger Weg 11, 64380 Roßdorf. Redaktion: Inge Hüsgen (V.i.S.d.P.), Michael Kunkel, Dr. Martin Mahner. Alle Texte – soweit nicht anders gekennzeichnet – ©2019 GWUP.
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Der große Pro-Christ Gebetsbetrug?


Auf Pferderennbahnen oder beim Roulette werden Zuschauer dann und wann von Leuten angesprochen, die einen “todsicheren” Tipp versprechen – gegen Geld, versteht sich. Trotzdem geht derjenige, der sich darauf einlässt, kein Risiko ein, denn das Geld muss erst dann bezahlt werden, wenn die Vorhersage auch eingetroffen ist.

Tatsächlich sprechen die Tippgeber natürlich viele Leute an und erzählen allen etwas anderes. Wenn sie genügend Dumme finden, gewinnen sie immer – einer ihrer “todsicheren” Tipps wird schließlich immer eintreffen.

Das große “Gebetsexperiment“, bei dem der evangelikale Verein ProChrist derzeit Menschen aufruft, einen “Wunsch an Gott” einzusenden, für den dann von Christen gebetet werden soll, kommt der oben beschriebenen Betrugsmasche deutlich näher als einem Experiment.

2.000 Menschen stehen laut ProChrist als Beter bereit, das heißt, man richtet sich offenbar auf Tausende von Gebetswünschen ein. Bei einer 50 zu 50-Chance, dass der Wunsch durch bloßen Zufall eintritt, würde so die Hälfte derer, die sich überhaupt auf so ein “Experiment” einlassen, in ihrem Glauben an die Wirksamkeit von Gebeten bestärkt. Natürlich dürfte die tatsächliche “Ausbeute” etwas geringer ausfallen, aber selbst bei völliger Unwirksamkeit von Gebeten wird ProChrist rein aufgrund der statistischen Wahrscheinlichkeit, dass etliche dieser Wünsche durch bloßen Zufall erfüllt werden, massenhaft Leichtgläubige für den Glauben gewinnen.

Hinter die Überschrift – die sich übrigens an der Überschrift in Richard Dawkins’ Buch “Der Gotteswahn” zu der legendär gescheiterten Templeton-Gebetsstudie orientiert – habe ich ein Fragezeichen gesetzt. Ich will den Leuten von ProChrist und den Betern nicht pauschal bösen Willen unterstellen – ebenso wenig, wie davon ausgegangen werden kann, dass die meisten der Beteiligten den obigen Zusammenhang überhaupt durchschauen. (Der Grund, weshalb ich überhaupt etwas dazu schreibe ist, dass im Internet ofenbar noch niemand auf diesen Zusammenhang hingewiesen hat, also auch kein Atheist.) Zum Betrugsvorwurf würde vermutlich bereits die Absicht fehlen, den Getäuschten materiell zu schädigen.

Das ändert aber nichts daran, dass die Masche mit dem Gebetsexperiment nach genau dem selben Schema funktioniert wie der Betrug beim Pferderennen oder beim Roulette.

Diesen Punkt wollte ich machen, und ob man das als Betrug auffasst, kann ja jeder selber entscheiden.

Quelle: http://skydaddy.wordpress.com/2013/01/13/der-grose-prochrist-gebetsbetrug/

 

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

 




Missgriff bei der Bischofsernennung?


MarketzEinen solchen Missgriff könnte man bei der Bestellung des neuen Kärntner Bischof Josef Marketz vermuten, wenn man den Bericht über ihn auf kath.net liest:

kath.net: Der designierte Kärntner Bischof Josef Marketz hat sich für die Abschaffung des Zölibats ausgesprochen. Dies vermitteln zumindest Medienberichte über ein Interview mit der "Kleinen Zeitung". Auf die Frage, ob der Zölibat abgeschafft werden soll, meinte Marketz laut ORF; dass er sich dafür aussprechen würde: "Nicht so sehr, weil jeder Mann unbedingt eine Frau neben sich braucht. Doch ich sehe die Vereinsamung vieler alter Priester, deren eigene Familie oft nicht mehr da ist." Es gebe laut dem Kärntner Bischof viele Gründe für die Abschaffung des Zölibats.
Atheistischer Kommentar: Ja, der Hauptgrund für die Zölibatabschaffung sind wohl die Bibelworte des Christengottes Jesus, bekanntlich sagte der über die Ehelosigkeit: Mt 19,12: "Denn es sind etliche verschnitten, die sind aus Mutterleibe also geboren; und sind etliche verschnitten, die von Menschen verschnitten sind; und sind etliche verschnitten, die sich selbst verschnitten haben um des Himmelreiches willen." Also ist klar: Zölibatäre Ehelosigkeit gibt's nur für Kastrierte!

kath.net: Für merkwürdige Meldungen sorgte Marketz auch in einem Interview mit der "kathpress". So relativierte er die Verpflichtung von Katholiken zur Sonntagsmesse und meinte, dass "Liebe" und nicht der "regelmäßigen Kirchenbesuch" ein Indikator dafür sei, wie viel christliches Leben es in Österreich gibt.
Atheistischer Kommentar: Marketz weiß wohl, dass der Schwund der Besucher von Sonntagsmessen irreversibel ist, wenn rund 90 % der noch vorhandenen Kirchenmitglieder sonntags nicht in die Kirche gehen, dann kann die katholische Kirche nichts dagegen machen. Und "Liebe" als christlicher Maßstab ist wohl nicht nachmessbar und Leute sind ja oft lieb zueinander…

kath.net: Auch auf die Kraft des Gebets vertraut Marketz in der Frage der Priesterberufungen nur bedingt. Unter den heutigen Gegebenheiten sei absehbar auch nicht viel Priesternachwuchs zu erwarten, "auch wenn wir noch so beten". So möchte er viel mehr die Laien ermächtigen , in der Kirche Dienste zu übernehmen".
Atheistischer Kommentar: Ja, beten nutzt nix, der Priesternachwuchs ist nicht herbei betbar. Es ist allerdings auch sonst nichts herbei betbar; beten nutzt nichts. Und ein paar dienstbare Laien lassen sich doch überall finden…

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).

kath.net: Und auch die klare Lehre der katholischen Kirche beim Thema "Priesterweihe für Frauen" interessiert Marketz so wenig. So meint er: "Wenn eine sagt, sie möchte Priesterin werden, dann kann ich nur mit ihr zusammen hoffen, dass das möglich wird – das sag ich ganz ehrlich."
Atheistischer Kommentar: Die Protestanten haben Priesterrinnen und der HErr hat sie deswegen nicht gestraft. Was natürlich an dessen Nichtexistenz liegt, aber Frauen existieren! Und in Österreich gab es gemäß der Statistik von 2017 (neuere gibt's noch keine) 462 Mönche und 3.600 Nonnen. Und in den Sonntagsmessen sitzen auch deutlich mehr Omas als Opas! Die katholische Gleichberchtigung der Frauen wäre also eine Anpassung an die Wirklcihkeit. Der Bischof Marketz scheint ja einen starken Hang zur katholischen Realität zu haben! Man wird sehen: Wird er innerkirchliche Probleme haben? Oder ist er nur der Zeit voraus?

 




Religionsfreiheit - muss das sein?


Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte wurde am 10. Dezember 1948 von der Vollversammlung der UNO mit 48 zu null Gegenstimmen bei acht Enthaltungen, seitens muslimischer und kommunistischer Regierungen, beschlossen.

In der heutigen Diskussion gewinnt man sehr oft den Eindruck, als sei lediglich der Artikel 18, in dem neben der Meinungs- und Gewissensfreiheit auch von der Religionsfreiheit die Rede ist, von ausschlaggebendem Interesse.

Es hört sich so an, als sei ausgerechnet dieses Menschenrecht auf Religionsfreiheit das Wichtigste von allen. Wichtiger als zum Beispiel das Verbot von Folter und Sklaverei oder die Unantastbarkeit der Person und ihres Eigentums.

Bei der Berufung auf die Religionsfreiheit bilden sich erstaunliche Fronten. Das eher linke Spektrum bis weit in die Reihen von CDU/CSU hinein aber auch die römisch-katholische und evangelische Kirche pochen darauf, dass dieses Recht selbstverständlich auch dieser  nunmehr in nennenswertem Umfang in Europa aufgetauchten Religion, dem Islam, zustünde.

Aber es erinnern konservativ eingestellte Bürger, die zumeist islamkritisch eingestellt sind, eher daran, dass dieses Recht für den Islam im Gegenzug auch den anderen Religionen in von muslimischen Mehrheiten bestimmten Nationen zugestanden werden müsse.

Bei dieser zweiten Betrachtungsweise kommen wir dem ursprünglichen Sinn von Religionsfreiheit schon beträchtlich näher. In einer politischen Landschaft, die seit dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 (siehe wikipedia) durch den Grundsatz „cuius regio, eius religio“ gekennzeichnet war, stellte die prinzipiell mögliche Abnabelung von der Religion des Herrschers in der Tat einen gewaltigen Fortschritt dar, von dem islamische Länder in aller Regel weit entfernt sind. Mit anderen Worten: nicht der Staat hat zu bestimmen, nach welchem Ritus sich ein Paar trauen darf, sondern das Paar selbst. Solange es keine Zivilehe gab (erst unter Bismarck eingeführt) war dies ein bemerkenswerter Fortschritt. Eine in diesem Sinne verstandene Religionsfreiheit bedeutet im Grunde nichts anderes als eine Vorstufe dessen, was wir heute als Laizität des Staates verstehen. Er hat sich aus dem positiven oder negativen Bekenntnis seiner Bürger herauszuhalten. Wird dagegen heute von Religionsfreiheit gesprochen, so wird man mit der Nase darauf gestossen, dass damit nur die die Erhaltung und Festigung von Privilegien gemeint ist.

Laizität (am Beispiel Tunesien)

Umso erfreulicher ist es, dass in einem islamischen Land, Tunesien, eine machtvolle Demonstration für die Laizität des Staates („I laïque Tunisia“) stattgefunden hat.

Den rund 15.000 Manifestanten ging es – wie das hochgehaltene Transparent in bestechender Kürze und Eindeutigkeit zeigt –  um die Toleranz zwischen den Weltanschauungen und die Aufhebung der staatlichen Bevorzugung einer einzigen Religion.

Gleichzeitig geht aber auch um die negative Religionsfreiheit – der junge Mann ist Atheist – und die echte Gleichberechtigung von Mann und Frau. Und all das in einem einzigen Plakat, in einem einzigen Wort vereint. Vergleichbares war in keinem anderen der von Revolutionen erschütterten Länder zu vernehmen.

Natürlich gibt es auch in Tunesien Bewegungen konservativer Muslime, die von der Einführung eines Emirats träumen, doch scheint die Zeit über sie hinweggegangen zu sein. Die angedachte Aktion junger Frauen, den aus dem Exil zurückkehrenden Terroristen Rachid al-Ghannouchi am Flughafen im Bikini zu begrüßen, um ihm zu zeigen, wie das moderne Tunesien aussieht, scheiterte lediglich an den Wetterbedingungen. So wurde ihm nur entgegengehalten: „Allah schafft keine Jobs“ – auch dies eine bemerkenswerte Aussage, die nicht unbeobachtet blieb. Die Extremisten erhielten zwar in den Wahlen vom 23. Oktober eine erschreckend hohe Stimmenzahl, doch betonen sie unablässig, die derzeit bestehenden Freiheiten nicht antasten zu wollen. Wohl zu recht wird dies nicht wirklich von den meisten geglaubt, wie in dem guten Kommentar von Abdelhamid Gmati „Croire ou ne pas croire“ in lapresse.tn deutlich wird.

Meinungs- und Gewissensfreiheit

Das allgemeiner gefasste Prinzip der Meinungs- und Gewissensfreiheit, wie es etwa von dem Aufklärer Diderot vorgetragen wurde, und das in der französischen Revolution seinen Niederschlag fand, hätte im Grunde bereits zu diesem Zeitpunkt eine Diskussion über die Frage der Religionsfreiheit als Unterabteilung der viel weiter gefassten Meinungsfreiheit überflüssig gemacht.

Ein Beispiel kann verdeutlichen, wie schnell die beiden Freiheiten auf Kollisionskurs gelangen können. In einem „schwach-islamischen“ Land wie Tunesien bestand und besteht für bekennende Juden und Christen staatlich garantierte Kultusfreiheit.

Moscheen und Kirchen werden wegen der latent immer vorhandenen Extremismusgefahr gesondert bewacht und beschützt. Wenn man einmal davon absieht, dass laut gültiger Verfassung nur ein Moslem Staatspräsident werden kann, herrscht eine für ein muslimisches Land erstaunliche Religionsfreiheit.

Trotzdem hätte sich wohl niemand vor dem 14. Februar 2011 getraut, eine Meinung zu äußern etwa der Art, Mohammed sei wegen seiner Heirat mit der neunjährigen Aische nach moderner Rechtsauffassung ein Pädophiler. Er hätte wohl erhebliche Probleme mit der Religionspolizei bekommen. Hier steht eindeutig die „Religionsfreiheit“, die sich bereits damit als ein Privileg dekuvriert, oberhalb der Meinungsfreiheit angesiedelt.

Der Sonderfall, wenn ein Ausländer eine muslimische Tunesierin heiratet, wurde bereits vor knapp einem Jahr ausführlich dargestellt * (Liebe unter dem Halbmond). Wenn sich dann in Deutschland ein islamischer Interessenvertreter und Lobbyist wie Aiman Mazyek hinstellt und den Politikern verkaufen will, „es gibt keinen Zwang im Glauben“, dann darf man ob dieser eigenwilligen Koranauslegung durchaus nachdenklich werden.

Ganz außerordentlich bedenklich und krass gegen die Menschenrechtserklärung positioniert stellt sich die Situation in „richtig“ islamischen Ländern wie Iran, Saudi-Arabien, Pakistan und Afghanistan dar, deren Rechtssystem weitgehend auf der Scharia basiert.

Drakonische Strafen für Ehebrecher, Homosexuelle oder Apostaten wie Steinigung, Auspeitschung oder Köpfung sind schlicht mit unserer Vorstellung von Menschenrechten nicht vereinbar, laufen aber gleichwohl unter „Religionsfreiheit“, da es schließlich die Religion ist, die diese Regeln vorschreibt. Solche Zustände sind dermaßen indiskutabel zu Beginn des dritten Jahrtausends hiesiger Zeitrechnung, dass an dieser Stelle wohl nicht weiter auf sie eingegangen werden muss.

Die Situation in Europa

Wenden wir uns also wieder der Situation in Europa mit seinen demokratisch verfassten Staaten zu. Man sollte meinen, dass die mit der französischen Revolution erreichte Entmachtung der absolutistischen Herrscher und der mit ihnen aufs heftigste kooperierenden christlichen Potentaten sich im Sinne einer vernünftigen Laizität des Staates verfestigt hätte.

Das Gegenteil ist der Fall. In zähem Kampf und mit geschickter Lobbyarbeit ist es den Kirchen, allen voran natürlich der römisch-katholischen in den letzten 200 Jahren gelungen, ihren Einfluss auf das gesellschaftliche Leben geradezu krakenhaft wieder auszudehnen.

Ihre Präsenz in der Öffentlichkeit und ihr Einfluss auf das politische Alltagsleben übersteigen dabei inzwischen bei weitem den prozentualen Anteil ihrer Anhänger. Hinzu kommen die Gier und die verfassungsrechtlich bedenkliche Forderung nach allgemein staatlichen Leistungen, die von jedem Mitbürger – gleich ob mit christlichem, muslimischem, jüdischem, atheistischem oder sonst welchem Bekenntnis – getragen werden müssen.

Der Koordinierungsrat säkularer Organisationen (KORSO) hat einen Teil der direkten, Zuwendungen in einem informativen Faltblatt zusammengestellt. Dass darüber hinaus jedoch jährlich Milliardenbeträge an die Kirchen fließen, damit diese sich mit ihren angeblichen karitativen Leistungen brüsten können, finden sich akribisch nachgewiesen im „Violettbuch“ vom Wissenschaftler Dr. Carsten Frerk.

Man kann festhalten, dass sich die Amtskirchen – anders als die Freikirchen – eine Position erarbeitet und teilweise gegen die Bestimmungen der Weimarer Verfassung und des Grundgesetzes erschlichen haben, die mit den Forderungen nach religiöser Neutralität des Staates nur noch entfernt etwas zu tun haben.

Wen nimmt es da wunder, wenn nun diese neue Religionsgemeinschaft Islam in ihren verschiedenen Formen daher kommt und für sich dieselben Privilegien einfordert, die den etablierten religiösen Gemeinschaften in Deutschland so ans Herz gewachsen sind?

Angesichts dieser neuen Herausforderung macht sich eine geradezu lethargische Hilflosigkeit breit. Wie viel darf man ihnen gewähren, wenn gleichzeitig bekannt ist, dass diese Religion sich anschließend nicht damit zufrieden gibt, still als Gemeinde der Moslems vor sich hin zu arbeiten und den Anhängern ein spirituelles Zuhause zu geben, sondern klare und weit darüber hinaus gehende Ziele der politischen Einflussnahme auf die Gesellschaft verfolgt, ganz so, wie es auch von den Kirchen praktiziert wird.

Wer da immer noch glaubt, man könne sich mit dem Islam rein theologisch auseinandersetzen, verfehlt die wirkliche Problematik. Es kann nicht darum gehen, sich gegenseitig Suren und Bibelzitate um die Ohren zu hauen, oder Diskussionen darüber anzuzetteln, welcher der propagierten Götter denn nun der bessere sei – nein: die Frage kann ausschließlich und nur politisch entschieden werden.

Doch zu einer Rückbesinnung auf die Werte der Aufklärung fehlen ganz offensichtlich die Kraft und der Wille bei den im Parlament vertretenen Parteien. Muss denn wirklich erst eine neue Revolution her, um dieses Problem zu lösen?

Deutschland hat die Chance zu einem grundsätzlichen Neuanfang leichtfertig nach der Wiedervereinigung verspielt, weil eben alles „schnell“ gehen musste und es wichtiger schien, den Einigungsvertrag umgehend abzuschließen. Die ursprüngliche Version des Art. 146 im Grundgesetz sah vor, dass das Deutsche Volk sich in freier Selbstbestimmung nach der Vollendung der Einheit eine neue Verfassung gibt und das Provisorium von 1949 ad acta legt.

Tatsächlich aber wurde das Grundgesetz praktisch unverändert in ganz Deutschland für verbindlich erklärt und jede Diskussion umgangen. Dem Umstand, dass Deutschland sich seit 1949, als es noch unter dem Eindruck der Kriegsereignisse und den Schwächen der Weimarer Republik stand, ganz erheblich verändert hat, konnte somit nicht Rechnung getragen werden.
Es hätte klargestellt werden müssen, dass die „Religionsfreiheit“ nicht als Deckmantel dienen darf, um Privilegien oder sogar ungesetzliche Machenschaften zu schützen wie es derzeit in der unseligen Fassung des Artikels 4 im Grundgesetz der Fall ist.

Eine solche Bereinigung hätte bereits bei der Präambel beginnen müssen, mit diesem unsäglichen Satz „Verantwortung vor Gott und den Menschen“, was angesichts einer deutlichen Mehrheit der Deutschen, die nicht mehr an einen persönlichen Gott glaubt, nur schwer vermittelbar sein dürfte.

Was hat eine bronzezeitliche Fiktion in einem weltlichen Gesetzestext zu suchen? Und das muss irgendwann weitergehen mit der Abschaffung der Körperschaften öffentlichen Rechts hin zu einer Organisation unter Vereinsrecht für Religionsgemeinschaften, Abschaffung der Präsenz in Ethik- und Fernsehräten, Schulkommissionen und vieles andere mehr, Abschaffung des staatlich bezahlten Religionsunterrichts an öffentlichen Schulen und Abhängen der christlichen Symbole in den der Allgemeinheit zugänglichen Räumen.

Bereits mit diesen Maßnahmen hätten sich einige Probleme erledigt. Um nur ein Beispiel zu nennen: Bei einer Organisation nach Vereinsrecht muss eine Satzung vorgelegt werden. Man stelle sich nun vor, Muslime organisieren sich dergestalt nach Maßgabe der Scharia und in der vorgelegten Vereinssatzung stünde, dass der Austritt aus dem Verein – die Apostasie – mit dem Tode zu bestrafen ist.

Es steht zu vermuten, dass dann auch dem heftigsten Befürworter von „Religionsfreiheit“ klar wird, dass hier etwas nicht stimmen kann. Man stelle sich des Weiteren vor, dieser Verein verlange von neu hinzutretenden Mitgliedern und auch ihren Kindern, sie müssten sich die Ohren abschneiden lassen, weil dies nun einmal vereinsrechtlich so festgelegt sei.

Und in Wahrheit wäre es noch schlimmer: sie verlangten nicht die Ohren, sondern schnippeln an den Genitalien der Mitglieder herum, was normalerweise unter Verstümmelung religionsunmündiger Abhängiger fiele, falls weithin anerkanntes Recht auf religiöse Gruppen angewendet würde.
Es ließen sich noch viele Beispiele anführen, bei denen erst eine vereinsrechtliche Betrachtung klar macht, wie viel von diesen unter „Religionsfreiheit“ segelnden Privilegien schlicht mit moderner Rechtsstaatlichkeit unvereinbar sind. Man mag einwenden, dass das ja „nur“ Muslime treffen würde, alles andere könne dagegen so weiter gehen wie bisher.

Dazu sollte man sich einmal die arbeitsrechtlichen Bedingungen anschauen, unter denen die Mitarbeiter in staatlich zu 95 Prozent finanzierten, aber von der katholischen Kirche geführten Krankenhäusern herrschen.
Apostasie wird zwar nicht (mehr) mit dem Tode bestraft, sondern „nur“ mit dem Verlust des Arbeitsplatzes, arbeitsgerichtliche Prozesse der Betroffenen dagegen enden in aller Regel mit einem Sieg der Kirche – wegen einer sogenannten „Religionsfreiheit“.

Das Grundgesetz

Neben der Präambel, die geändert gehört – zum Glück ist es ja den Vatikanparteien Deutschlands im Parlament nicht gelungen, diesen Unsinn auch noch in den Lissabon-Prozess einzubringen – muss endlich eine Diskussion um die Ausgestaltung von Artikel 4 Grundgesetzt angestoßen werde.

Die entscheidenden Punkte finden sich in Absatz 1 und 2:

1. Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.

2. Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.

Besonders der zweite Absatz stellt einen juristischen Stolperstein ersten Ranges dar, weil unter ihm so ziemlich alles subsumiert werden kann, was den Religionsgemeinschaften gerade so in den Sinn kommt.

Es gibt keine ausdrücklich genannten gesetzlichen Beschränkungen. Das Mindeste, das erreicht werden müsste, ist ein Zusatz in diesem Grundgesetzartikel, wie er sich im UN-Zivilpakt aus dem Jahr 1993 findet:

Die Freiheit, seine Religion oder Weltanschauung zu bekunden, darf nur den gesetzlich vorgesehenen Einschränkungen unterworfen werden, die zum Schutz der öffentlichen Sicherheit, Ordnung, Gesundheit, Sittlichkeit oder der Grundrechte und -freiheiten anderer erforderlich sind.

Oder in anderen Worten ausgedrückt: „Alles, was den Bürgern eines Staates erlaubt ist, soll auch gläubigen Bürgern erlaubt sein – und nicht mehr“.

Eine dergestalt begründete Eingrenzung in die allgemeinen zivil- und strafrechtlichen Bestimmungen könnte die zu beobachtenden Auswüchse verhindern – zumindest eindämmen – und böte gleichzeitig den nicht zu unterschätzenden Vorteil, dass der Islam sich nicht auch noch die Privilegien einverleibt, die den anderen derzeit zur Verfügung stehen.

Wenn man davon überzeugt ist, dass ein solcher Verfassungszusatz ein dringliches Desiderat darstellt, sollten die zu ihrem Inkrafttreten erforderlichen Maßnahmen von den humanistischen Institutionen – notfalls auch auf dem Petitionsweg – umgehend eingeleitet werden. Auf Unterstützung durch die kirchliche Lobby wird man dabei aber wohl verzichten müssen.

Somit steht für mich fest: Die Religionsfreiheit, in dem Sinn wie sie heute ausgebeutet wird, gehört abgeschafft

* Eine kleine Ergänzung zu Tunesien: Das Dekret 73, das Tunesierinnen vorschrieb, nur Moslems heiraten zu dürfen, wurde ausser Kraft gesetzt. Und auch ansonsten sind nunmehr alle Regelungen, die Frauen diskriminieren (Ehe-, Familien- und Erbrecht, uam.) inzwischen durch neue Gesetze ausgemerzt worden.

 

 

 




Die Unbefleckte nach Schönborn und Erwin Peterseil


MariaGenesis 3,9-15.20: Aber Gott, der HERR, rief nach dem Menschen und sprach zu ihm: Wo bist du? Er antwortete: Ich habe deine Schritte gehört im Garten; da geriet ich in Furcht, weil ich nackt bin, und versteckte mich. Darauf fragte er: Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du von dem Baum gegessen, von dem ich dir geboten habe, davon nicht zu essen? Der Mensch antwortete: Die Frau, die du mir beigesellt hast, sie hat mir von dem Baum gegeben. So habe ich gegessen. Gott, der HERR, sprach zu der Frau: Was hast du getan? Die Frau antwortete: Die Schlange hat mich verführt. So habe ich gegessen. Da sprach Gott, der HERR, zur Schlange: Weil du das getan hast, bist du verflucht unter allem Vieh und allen Tieren des Feldes. Auf dem Bauch wirst du kriechen und Staub fressen alle Tage deines Lebens. Und Feindschaft setze ich zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Nachkommen und ihrem Nachkommen. Er trifft dich am Kopf und du triffst ihn an der Ferse. Der Mensch gab seiner Frau den Namen Eva, Leben, denn sie wurde die Mutter aller Lebendigen.

Heute ist ein doppelter Tag, ein Sonntag und ein Feiertag, weil Österreich ist eines der wenigen Länder, wo es am 8. Dezember, neun Monate vor Maria Geburt am 8. September, den Feiertag "Maria Empfängnis" gibt, an diesem Tag haben nach katholischer Sage die Eltern der Maria, der Joachim und die Anna, gevögelt und die erbsündenfreie Maria gezeugt! Weil die Erbsünde ist in jeden Menschen eingebaut, seit die Eva im Paradies das Gottesverbot, Früchte vom Baum der Erkenntnis zu essen, missachtet hat, Adam und Eva wurden aus dem Paradies geworfen und alle Nachkommen mit dem Makel der Erbsünde ausgestattet.

Man muss sich diese Trottelei vorstellen! Es gibt ein Stammelternpaar und alle Menschen stammen davon ab! Weil bekanntlich Götter immer genauso dumm sind wie die Menschen, die diese Götter geschaffen haben, darum hat's in der Bibel keine Evolution gegeben, sondern den von Gott aus Lehm geformten Adam und die aus einer Adamsrippe geschaffene Eva!

Wie sieht das der Herr Bischof Schönborn? Er redet zuerst nicht über Adam und Eva, sondern über die erbsündenfreie Maria, die eine katholische Erfindung des 15. Jahrhunderts war, denn das Konzil von Basel beschloss in seiner 36. Sitzung am 17. September 1439, dass durch einen besonderen Akt der Prävention Maria niemals von der Erbsünde befleckt worden wäre, aber erst ab dem 8. Dezember 1854 wurde die unbefleckte Empfängnis Mariens durch Papst Pius IX. zu einem Dogma des Glaubens, also für gläubige Katholiken zu einem verpflichtenden Glaubensbestandteil!

Und dann kommt beim Schönborn auch die Eva ins Gespräch, weil Eva und Maria zwei wichtige katholische Frauen sind! Und dann entdeckt Schönborn auch noch die Wurzel allen Übels zwischen Mann und Frau und schreibt zusammenfassend: "Immer ist der andere, die andere schuld! Und vor allem Gott selber! Du hast mir die Frau gegeben! Du bist an allem schuld! Seit eh und je ist das das Muster unserer Konflikte. Wenn wir nur bereit wären, zuerst unsere eigenen Fehler zu sehen! Erbsünde, das ist die unausrottbare Neigung in unseren Herzen, die Schuld auf den anderen zu schieben, statt für ihn dankbar zu sein. Wie gesegnet und glücklich könnte das Miteinander von Mann und Frau sein! Maria wurde ohne Erbsünde empfangen. Gott hat sie frei von Selbstbezogenheit geschaffen. Sie ist ganz offen für Gott und für die Menschen. Heute dankt die Kirche für diese Frau, die Gott uns gegeben hat. In ihrem weiten Herzen ist Platz für alle. Darum wird sie so geliebt!"

Aha, das Muster aller unserer Konflikte ist die Gott geschickte Frau? Was weiß ein zölibatiger Bischof über das Miteinander von Mann und Frau? Und streiten nicht auch Männer mit Männern und Frauen mit Frauen? Aber streiten wir ständig mit allen? Oder ist es doch nicht eher der Normalfall, was miteinander zu machen? Aber lassen wir das, ist ja eh wurscht, was in der Bibel steht und was der Schönborn darüber schreibt…

 

Mein Glückwunsch gilt Erwin Peterseil, der heute den zehnjährigen (unbefleckten) Geburtstag seiner site atheisisten-info.at feiern darf.




Mitten im Kulturkampf


Unabhängig von der Sprache, die ein Computer zu sprechen gewöhnt ist (bei mir das Französische) wirft das Google-Suchwort „Kulturkampf“ immer dasselbe Ergebnis aus. Ganz oben steht (wie so häufig) der Verweis auf Wikipedia. Und dort findet man, was jeder einigermaßen Geschichtskundige auch erwartet hat: „Als Kulturkampf in Deutschland wird traditionell die Auseinandersetzung zwischen dem Königreich Preußen und später dem Deutschen Kaiserreich unter Reichskanzler Otto von Bismarck und der katholischen Kirche unter Papst Pius IX. bezeichnet“. Oder bei mir: „Le Kulturkampf, ou « combat pour la culture », est un conflit qui opposa le chancelier du Reich Otto von Bismarck à l’Église catholique et au Zentrum, le parti des catholiques allemands, entre 1871 et 1880“. „Kulturkampf“ ist also zu einem feststehenden Begriff geworden, der sogar von anderen Sprachen übernommen wurde. Er bezieht sich eindeutig auf eine ganz bestimmte Epoche, in der der „Eiserne Kanzler“ – als einziger Kanzler in der deutschen Geschichte – zumindest den Versuch unternahm, die Macht der katholischen Kirche zu begrenzen: „Beim Kulturkampf ging es sachlich um die Durchsetzung einer liberalen Politik, die eine Trennung von Kirche und Staat vorsah und entsprechend sich zum Beispiel für die Einführung der Zivilehe einsetzte. Dies rief den Widerstand religiöser Kräfte hervor, die überwiegend der katholischen Kirche angehörten. Diese setzten sich für den Einfluss des Religiösen in Öffentlichkeit und Politik sowie den Primat von Kirche und Religion über Staat und Wissenschaft ein.“ Man könnte bei Wikipedia anfügen. Sie versucht es bis auf den heutigen Tag mit unverminderter Brachialgewalt. Viel mehr als die „Zivilehe“ ist von den Bismarckschen Bemühungen nicht geblieben. Wo immer die katholische Kirche auch nur einen winzigen Fetzen an Terrain verliert, setzt sie umgehend alle Hebel in Bewegung, ihn sich zurückzuholen.

Und nun lese ich die Überschrift „Mitten im Kulturkampf“ in der katholischen Postille kath.net und gebe mich eine knappe Sekunde lang der Hoffnung hin, endlich sei einmal wieder ein Politiker vom Format eines Bismarck am Werk, dem Machthunger der Kirchen eine Grenze zu setzen. Es ist natürlich töricht, sich auch nur den Bruchteil einer Sekunde solchen Träumen hinzugeben – sie zerplatzen unmittelbar wie eine überspannte Seifenblase.

Dem Autor des Artikels, Christof Gaspari, Betreiber der klerikalen Seite Vision2000.at  geht es um etwas völlig anderes, den andauernden Kampf Roms gegen Demokratie und Menschenrechte. Nach einer ausführlichen Würdigung des Mittelalters lässt er bei Erreichen der Aufklärung endlich die Katze aus dem Sack.

Aus der berechtigten Kritik an Missständen war eine geistige Revolution geworden, die alles auf den Kopf stellte: An die Stelle Gottes als Gesetzgeber tritt der Mensch, von dem Jean Jacques Rousseau postuliert, er sei von Natur aus gut.

Er weiß selbstverständlich, dass er statt „Gott“ hätte sagen müssen: „An die Stelle der Priesterkaste als Gesetzgeber tritt der Mensch“, denn wo hätte ein Gott jemals ein Gesetz erlassen? Es hört sich nur sich so überzeugend an, und jedermann wäre auf Anhieb klar, worum es wirklich geht. Doch das Demokratie-Bashing nimmt nun ungebremst seinen Lauf:

In diesen wenigen Sätzen sind bereits die Weichen hin zu allen Totalitarismen der folgenden Jahrhunderte gestellt: der Mensch als höchste Instanz. Man ist an die Verheißungen des Widersachers im Paradies erinnert: Ihr werdet sein wie Gott.

Der Apfel der Erkenntnis kann solchen Kirchen-Apologeten natürlich nicht schmecken, weshalb auch gleich – als zweithöchste Autorität nach seinem Gott – der Herr Ratzinger zu Wort kommt: „Das implizite Ziel aller modernen Freiheitsbewegungen ist es, endlich wie ein Gott zu sein, von nichts und niemandem abhängig, durch keine fremde Freiheit in der eigenen beschränkt.“ Damit sei das Bild einer Göttlichkeit errichtet, die rein egoistisch ist, erklärt Ratzinger, „ein Götze, ja, das Bild dessen, was die christliche Überlieferung den Teufel – den Gegengott – nennen würde…“
Damit deklariert der apostolische Oberhirte, der nun im September vor Demokraten im Bundestag predigen darf, individuelle Freiheit, Menschenrechte und Demokratie explizit als Teufelswerk. Wundert es da noch irgendjemanden, dass der Heilige Stuhl sich beharrlich weigert, die entsprechenden Menschenrechtskonventionen zu unterzeichnen? Nur in Berlin scheint man solche Hetzreden des Herrn Papstes (in „Ohne Wurzeln – Der Relativismus und die Krise der europäischen Kultur“) nicht zur Kenntnis nehmen zu wollen: „So hat in Europa einerseits das Christentum seine wirksamste Gestaltwerdung erlebt, aber zugleich ist in Europa eine Kultur gewachsen, die den radikalsten Widerspruch nicht nur gegen das Christentum, sondern gegen die religiösen und moralischen Traditionen der Menschheit überhaupt darstellt.“ Da ist sie wieder, die Moralkeule, für die die Kirche meint, einen Alleinvertretungsanspruch zu haben. Die Erklärung der OIC (Organisation of Islamic Countries) zu den Menschenrechten liest sich mit ihrem Scharia-Vorbehalt nicht anders. Auf den Punkt gebracht: Demokratie steht in krassem Gegensatz zum „göttlichen“ Gebot.

Lassen wir Jean Meslier (einen Priester im Dienst der französischen Revolution) zu Worte kommen: „Alles, was Euch Eure Priester und Eure Doktoren so beredsam über die Größe, das Vortreffliche und das Heilige der Mysterien predigen, … ist im Grund nichts als Illusionen, Lügen, Vorspiegelungen und Betrug, zuerst zu politischen Zwecken erfunden, dann von Verführern und Heuchlern fortgesetzt und von unwissenden, groben Völkern empfangen und blind geglaubt.“ Der Satz gilt auch heute noch, ohne den geringsten Abstrich vornehmen zu müssen.
Christof Gaspari, der Autor des Artikels lässt uns lange im Ungewissen, wo er denn nun – dem klassischen Beispiel des ersten deutschen Kanzlers folgend – so etwas wie einen „Kulturkampf“ ausmacht.

Wir stehen mitten in diesem Kulturkampf. Obwohl er nicht mit Waffen ausgefochten wird, nimmt er an Intensität zu, denn die Gottlosigkeit ist mittlerweile zur Staatsreligion geworden. Daher schreitet sie im öffentlichen Raum voran. Wesentliche, christlich geprägte Werte werden mit scheinbar menschenfreundlichen Gesetzen und im Namen der Menschenrechte unterlaufen: das Lebensrecht des ungeborenen Kindes wird dem Selbstbestimmungsrecht der Frau geopfert, die Gestalt der Familie dem Diskriminierungsverbot gegenüber Homosexuellen, das Erziehungsrecht der Eltern gesundheitspolitischen Verpflichtungen des Staates.

Ohne fixen, transzendenten Bezugspunkt erweisen sich die Menschenrechte als Blendwerke, die je nach Nützlichkeit so oder so zum Zuge kommen.
Man muss schon seltsam geformte Antennen haben, um ein Fortschreiten der Gottlosigkeit im öffentlichen Raum empfangen zu wollen. Das Gegenteil ist doch viel richtiger. In alles und jedes mischt sich Rom ein, selbst wenn es um so glaubensferne Bereiche wie die Atomkraft geht. Ich zitiere dazu aus einem Interview mit Alan Posner:

Man sieht es bei der Atomdiskussion: Was macht die Kanzlerin? Sie beruft eine Ethikkommission ein, in der prompt schon wieder zwei Vertreter der katholischen Kirche sitzen. Hallo! Was verstehen die denn von Ethik? Was verstehen die Knabenfummler – Entschuldigung, dass ich das jetzt mal so sage -, von Ethik? Wieso haben die einen besonderen Zugang zu Ethik? Die ganze Vorstellung, dass die Kirchen, egal, ob es der Islam ist, ob evangelische oder katholische Kirche, Hinduismus, Buddhismus, in besonderer Weise für irgendein Thema einen höheren ethischen Standard hätten, als irgendjemand der im Parlament sitzt, das ist eine Zumutung. Und in dieser Weise ist dieser Papst als Vertreter einer schlagkräftigen starken, international aufgestellten und durch ihn ideologisch vereinheitlichten Organisation, immer noch gefährlich, weil er die Demokratie innerhalb der katholischen Kirche weitgehend ausgeschaltet hat und nach wie vor Ambitionen auf Europa und die Veränderung der Verhältnisse hier hat. Er hat die Idee nicht aufgegeben, dass Europa neu missioniert werden könnte, im Gegenteil, er hat dafür extra ein neues Amt geschaffen.

Das ganze Interview ist im hpd-podcast 2011-04 zu hören. (34 Minuten).

Wenn man also überhaupt von Kulturkampf sprechen möchte, dann doch wohl in dem Sinne, dass der Säkularismus bekämpft und niedergemacht werden soll. In der Politik findet sich bedauerlicherweise niemand, der sich der in seiner Verdrehung von Tatsachen äußernden kirchlichen Niedertracht in den Weg stellen könnte.
Zornbebend kann man nur noch mit Voltaire sagen: „Ecrasez l’infâme!“ (Zerschmettert die Niederträchtige).

 

Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.

 




Konsumsucht


FranzlDarüber schrieb am 4.12.2019 Jan Weber auf https://hpd.de/:

Chef des reichsten Weltkonzerns beschwert sich über "Konsumsucht"

Der Oberste Vorsitzende eines undemokratischen und wegen millionenfacher Missbrauchsfälle im Rampenlicht stehenden Unternehmens warnte dieser Tage vor zu viel Konsum. Das mutet seltsam an, hat der weltumspannende Konzern doch allein in Deutschland ein geschätztes Vermögen von mehr als 200 Milliarden Euro.

Der Herr Franziskus sprach laut Stern davon, dass die Unzufriedenheit, die Wut und der Hass vor allem dort steige, wo "der Konsumismus herrsche". Nun, man kann von einem Mann, der in einer längst vergangenen (doch leider noch nicht vergessenen) Welt lebt, nicht erwarten, dass er Zusammenhänge begreift. Aber nach allen wissenschaftlichen Erkenntnissen ist die Kriminalität dort am stärksten, wo auch die Armut am heftigsten ist. Also stimmt so ziemlich genau das Gegenteil von dem, was der Pontifex da von sich gab.

Für Herrn Franziskus sei das, was "das Herz betäubt": nämlich vom Konsum abhängig zu sein, die wahre Gefahr. Nicht die öffentlich gewordenen und die vertuschten Verbrechen seiner Mitarbeiter und Untergebenen an Kindern und anderen hilflosen Menschen, nicht die sinnfreien Heilsversprechungen seines eigenen Großkonzerns und schon gar nicht das Anhäufen von unermesslichem Reichtum für den eigenen Glaubenskonzern sei gefährlich. Gott bewahre! Nein! Selbstverständlich nicht!

Nur die "Konsumsucht in der Vorweihnachtszeit" sei die wahre Gefahr (und in seinem Denken vermutlich vom Teufel geleitet). Denn wisse: Geld, das man für Geschenke – ob sinnvoll oder nicht – ausgibt, kann man nicht mehr in den Klingelbeutel der ach so armen gebeutelten Kirche werfen.

 

Entnommen bei www.atheisten-info.at ( Erwin Peterseil).




Jesus ohne Kitsch


JesusWEIMAR. (fgw) Es war befürchtet worden, daß nach dem Verkauf des Tectum-Verlages durch Heinz-Werner Kubitza in diesem keine religions- bzw. kirchenkritischen Werke mehr erscheinen könnten. Mit dem aktuellen Buch aus Kubitzas Feder („Jesus ohne Kitsch“) werden die Zweifler jedoch eines Besseren belehrt.

 

Und wie lautet das Fazit dieses überaus gut zu lesenden und verständlichen Buches? Hier gleich zu Beginn Kubitzas abschließende und zusammenfassende Zeilen:

 

„Wir werden es vermutlich nie erfahren, und eigentlich ist es auch bedeutungslos, warum genau ein religiöser Phantast vor 2000 Jahren letztlich den Tod gefunden hat. Wichtig für uns heute ist es jedoch zu erkennen, daß man die naive Jesus-Verherrlichung, den ganzen religiösen und nichtreligiösen Jesuskitsch endlich als solchen erkennen sollte. Jesus hatte kein Wort für uns. Unsere modernen Werte wiegen mehr als die kruden Vorstellungen antiker Wanderprediger oder irgendwelche Verse in irgendwelchen heiligen Schriften. Die Welt braucht bessere Vorbilder als selbsternannte Propheten. Jesus ist die am meisten überschätzte Person der Weltgeschichte." (S. 248)

 

Wenn es denn diesen „Jesus" überhaupt gegeben hat! Und wenn, dann dürfte sein Name, als aramäisch-sprachiger Jude, wohl Jeschua gelautet haben. Seine angeblichen Taten und Sprüche dürften auch wohl nur den Wert haben, wie die des sprichwörtlichen Hodscha Nasreddin…

 

Kirchenkritiker Kubitza, der ja promovierter Theologe – und daher bibelfest – ist, unterstellt in all seinen Büchern, daß es einen „historischen" Jesus gegeben habe. Dieser habe allerdings mit dem „Jesus der Kirche" nichts gemein… Daher seine These vom Jesus-Kitsch der christlichen Kirchen.

 

Wie die vielen „liberalen" evangelischen Theologen, die als „Neutestamentler" bezeichnet werden, hat auch Kubitza die einzelnen Texte des sogenannten Neuen Testamentes zur Grundlage seiner kirchen- und religionskritischen Arbeiten genommen. Woraus aber beide Seiten schließen, daß trotz aller späteren Bearbeitungen doch etwa fünf bis zehn Prozent der Aussagen in den Evangelien originäre Jesus-Worte sein sollen, ergründet sich dem nüchternen Betrachter des Themas aber nicht.

 

Denn ein Jeschua resp. Jesus hat kein einziges schriftliches Zeugnis aus eigener Feder hinterlassen. Und die Texte, die von seinem angeblichen Wirken künden, sind erst Jahrzehnte nach dem behaupteten Anlaß niedergeschrieben worden. Aus der bewußten Zeit selbst gibt es kein einziges authentisches Dokument, daß irgendetwas von all dem zu belegen vermag. Und die späteren Evangelien können höchstens vom Hörensagen her verfaßt worden sein. Aber selbst aus heutiger Zeit ist ja bekannt, wie sich „Geschichten" (Gerüchte) durchs Weiterzählen in nur wenigen Tagen total wandeln können. Wie also können Zitate des Jesus (z.B. sogenannte Bergpredigt) authentisch sein, wenn niemand diese mitgeschrieben hat? Aber lassen wir Kubitza doch ruhig von solchen Prämissen wie die der rührigen, scheinbar kritischen, Neutestamentler ausgehen. Während diese nur retten wollen, was zu retten ist, geht es Kubitza aber um Aufklärung und Humanismus.

 

Kubitza ist zwar auch Theologe, aber in erster Linie dennoch ein akribisch wissenschaftlich arbeitender Publizist. Daher analysiert er alle Texte des „Neuen Testamentes" eingehend, stellt diese vergleichend einander gegenüber und kann allein schon dadurch -zig Ungereimtheiten und Widersprüche herausstellen. All seine Schlußfolgerungen, siehe oben stehendes Fazit, beruhen auf dieser Quellenanalyse. Und er stellt darüber hinaus – gerade das ist wichtig und notwendig – das behauptete biblische Geschehen der tatsächlich überlieferten Geschichte und den politisch-religiösen Verhältnissen in der römischen Provinz Palästina gegenüber.

 

Was gerade beim jüngsten Kubitza-Buch festzustellen ist: Es richtet sich weniger an „Gläubige" oder formale Noch-Mitglieder der Kirchen. Nein, es ist – wohl auch daher ist die Rede vom Jesus-Kitsch, an kirchenferne Mensche gerichtetn. An Menschen, die trotzdem den seit Jahrhunderten – insbesondere auch medial und politisch – propagierten „Kitsch" verinnerlicht haben. Und für die „Jesus" eine Lichtgestalt ohne Fehl und Tadel ist: Jesus als Pazifist, Jesus als erster Feminist und Tierrechtler, Jesus als DER Ethiker überhaupt und sogar Jesus als erster Sozialist…

 

Was stimmt von all den, insbesondere heute, in diese Figur hineininterpretierten Behauptungen oder ist wenigsten halbwegs stimmig? Welche seiner vorgeblichen Botschaften machen den Kern seiner Verkündigungen aus? Welche von diesen sind eingetroffen? Worin bestanden seine Irrtümer?

 

Kubitza wendet sich in diesem Buch sowohl den heutigen wohlfeilen „Interpretationen" als auch den oben gestellten Fragen zu, gegliedert in zehn unterschiedlich lange Kapitel. Auf alle diese kann hier leider nicht gleichermaßen ausführlich eingegangen werden. Wobei zumeist schon die Überschriften für deren Inhalt und Aussage sprechen.

 

 

Ein Gottesreich, das nie gekommen ist

Eigentlich ist in Kubitzas Vorwort bereits alles gesagt. Aber dieser Extrakt dürfte wohl die wenigsten Jesus-Verehrer aller Couleur überzeugen und noch nicht einmal zum Nachdenken anregen. Also geht der Autor danach ins Detail.

 

So schreibt er, mit Blick auf jene Jesus-Gläubigen und -Verklärer:

 

„Wenn man eine Umfrage machen würde, was denn die zentrale Lehre [des] Jesus gewesen sei, würden uns die meisten Menschen spontan die 'Liebe', die 'Nächstenliebe' oder die 'Feindesliebe' nennen. (…) Wie sollte also Jesus etwas anderes verkündet haben als die Liebe?

 

 

Doch hier ist man bereits einem klarem Irrtum aufgesessen. Der Hauptinhalt der Verkündung Jesus' war keineswegs die Liebe, sondern das 'Reich Gottes'" (S. 9)

 

Gemeint ist damit der seinerzeit in der jüdischen Welt grassierende Wahn vom bevorstehenden Ende der Welt und der Errichtung des Reiches Gottes bereits auf Erden. Jesus war aner nicht einmal der erste religiöse Eiferer, der von diesem Wahn besessen war und das kommende Ende der Welt bereits zu seinen Lebzeiten erwartete. Und so lebte und wirkte er in „Endzeitstimmung", wie so viele christliche Sekten sogar im Hier und Heute.

 

Heinz-Werner Kubitza faßt zusammen:

 

„Nun ist es für das Verständnis und die geistesgeschichtliche Einrodnung dieses Jesus aus Nazareth ungemein wichtig, sich klarzumachen, daß sich Jesus, dem die Kirche später u.a. Allwissenheit zuschreiben wird, sich schlicht und einfach geirrt hat. Kein Gott stieg vom Himmel herab, keine Feinde wurden vertrieben, kein Reich der Gerechtigkeit ausgerufen. Wie andere religiöse Phantasten ist auch Jesus einem damals weit verbreiteten Aberglauben aufgesessen, und offenbar war dieser Aberglaube bei ihm besonders stark ausgeprägt. (…)

 

 

Man muß Jesus wohl in erster Linie nicht als großen Menschenfreund, sondern als apokalyptischen Schwärmer verstehen." (S. 13)

 

Kurz geht Kubitza auch auf die Frage ein, ob ein solcher Jesus überhaupt gelebt habe, ob er nur eine literarische Figur späterer Autoren sei oder ob sich in diesem Jesus vielleicht sogar mehrere Endzeitprediger jener Zeit widerspiegeln könnten. Aber um diese Frage geht es Kubitza weniger, sondern darum, was „christliche" Kirchenväter aus „Jesus" gemacht haben.

 

Deshalb vertieft er seine Jesus-Betrachtungen in einem weiteren Kapitel mit der Überschrift „Jesus als Schüler eines Extremisten" – gemeint ist damit „Johannes der Täufer". Das nächste Kapitel ist überschrieben mit „Ein ungebildeter Prophet".

 

In diesen heißt es u.a.:

 

„Konnte Jesus überhaupt lesen und schreiben? Allein die Frage mag für Gläubige eine Zumutung sein, wo ihr Herr doch quasi als verborgener Gott in der Welt unterwegs ist. (…) Etwas Schriftliches hat Jesus jedenfalls nicht hinterlassen." (S. 29)

 

Sollte es diesen Jesus tatsächlich gegeben haben, so sei er in „einem kleinen und unbedeutenden Dorf mit wohl weniger als 400 Einwohnern" aufgewachsen. „Gab es dort eine Schule", fragt Kubitza rhetorisch… Und als Bauhandwerker habe er noch nicht einmal zur „Mittelschicht" gehört.

 

Kubitza referiert weiter, daß dieser Jesus als Dorfkind nur einen galiläischen Dialekt gesprochen habe. Und daß dies wie auch seine Nichtbildung der Grund sei, warum Jesus so lange nur in ziehmlich unbedeutenden Gegenden umhergezogen wäre und lediglich vor analphabetischen Fischern, Hirten und Bauern gepredigt habe. Dank eines wohl vorhandenen rhetorischen Talentes habe er bei diesen aber, salopp gesagt, Eindruck schinden können.

 

Hier kommt dann auch Kubitzas kongeniales Vermögen, Argumentation mit Ironie zu verbinden, erstmals zum Tragen:

 

„Was würde man heute von einem Propheten halten, der seine Reden vom Reich Gottes gemütlich schwäbelnd oder gar in sächsischem Idiom hält? (…)

 

 

Und ein Gott, der solches täte, hätte sich zweifellos verlaufen. Weil Namen wie Kapernaum und Nazareth, anders als Glauchau und Langenweisbach, so fremd und geheimnisvoll klingen, ist der Bibelleser von ihnen fasziniert. Zeitgenossen Jesus' dürften aber schon damals die Nase gerümpft haben, als sie hörten, der Prophet oder Messias komme aus Nazareth (Langenweisbach). (S. 34-35)

 

Ein sehr langes Kapitel ist „Jesus und seine(n) Wunder(n)" gewidmet. Auf dieses kann hier wegen der Themen- und Faktenfülle leider nicht tiefer eingegangen werden.

 

Wundertäter habe es schon immer gegeben, betont Kubitza. Und im Laufe der Zeit und der Legendenbildungen seien solche Wundertaten, also Wunderheilungen, immer weiter ausgeschmückt und zahlenmäßig ins Unermäßliche gesteigert worden. Wenn aber an den Überlieferungen via Evangelien etwas dran sei, dann habe sich dieser Jesus primär als Exorzist verstanden und betätigt:

 

„Daß Jesus magische Praktiken bei seinen Heilungen und Exorzismen verwendet hat, scheint einigermaßen sicher. Seine hellseherischen Fähigkeiten sind ihm aber wohl erst durch die Überlieferung zugewachsen. (…) Seltsam nur (aber das fällt Gläubigen nicht auf), daß ein so weitsichtiger Gott nicht auch ein wenig mehr medizinisches Fachwissen zu bieten hat, sondern [höchst unappetitliche; SRK] Heilmethoden anwendet, die sich heute nicht einmal auf Esoterikmärkten finden." (S. 46-47)

 

In diesem Kapitel geht Kubitza auch tiefer auf den Gottesglauben jener Region und Zeit – aber eigentlich generell – ein, stellt Fragen zu dem Schweigen der Götter und ihren um so geschwätzigeren Propheten. Bereits vor dem eigentlichen Kapitel-Fazit schreibt Kubitza in seinem unnachahmlichen Stil:

 

„Nach Milliarden von Jahren der Entwicklung des Universums offenbart sich Gott endlich und ein einziges Mal, und dann sucht er sich dazu ausgerechnet eine trübe Gegend im Vorderen Orient aus? Warum nicht Rom, warum nicht Athen oder Korinth? [Warum nicht in Hochkulturen wie China, Indien oder bei den Maya, um dies mal global, universell zu betrachten? SKK] Wenn er seinen Sohn schon mit Rhetorik gesegnet hat, warum hat er ihn nicht auch ordentlich lesen und schreiben lernen lassen, damit er in der Lage ist, sein Wort, das ja später auch zu seinem eigenen erklärt wird, in Form und Inhalt tadellos rüberzubringen, wie sich das für einen Gott gehört? Warum hat er aus ihm nicht einen Philosophen gemacht? (…) Stattdessen muß der Sohn Gottes 28 von ca. 30 Jahren seines Lebens als Bauhandwerker arbeiten, um dann hoppla hopp umgebracht zu werden? Hätte man das nicht besser machen können? Hätte er seinem Sohn nicht ein paar Tipps mit auf den Weg geben können, damit dieser nicht ständig ein Reich ankündigt, das dann nicht kommen will? (…)

 

Angesichts dieser Mängel ist es auch für einen Gott besser, wenn er nicht existiert. Seine 'heilige Schrift' erklärt sich viel besser ohne ihn – er stünde dem Verständnis dessen, was Religionen sind und wollen, ohnehin nur im Weg." (S. 80-81)

 

 

Über Ethik und Moral des Jesus

Das zweite lange Kapitel beschäftigt sich mit der vorgeblichen Lichtgestalt des Jesus als Urheber von Ethik und Moral schlechthin – wie ja von christlichen Klerikern bis heute unverdrossen behauptet und unkritisch selbst von Menschen, die sich als aufgeklärt und/oder gar als Linke, als Sozialisten verstehen, nachgebetet.

 

Heinz-Werner Kubitza rät nicht nur, die Texte des sogenannten Neuen Testamentes selbst einmal genau(er) zu lesen und nicht bloß die wohlfeilen wenigen Stellen zur Kenntnis zu nehmen. Nein, er stellt gleich eingangs die eigentlich alles entscheidende Frage:

 

„Was würden Sie von einer Ethik halten, deren zentraler Satz lautet: 'Du sollst an Allah, den Allmächtigen glauben, und Du sollst Deine Mitmenschen lieben.' Sie wären irritiert, zumindest dann, wenn Sie kein Moslem sind. [Denn; SRK] Man kann doch nicht den Glauben an irgendeinen Gott zur Grundlage einer Ethik machen, meinen Sie? Doch genau das hat Jesus wie selbstverständlich getan." (S. 108)

 

Etwas später führt er aus:

 

„Religiöse Ethik ist deshalb immer provinzielle Ethik. Sie ist dadurch gänzlich ungeeignet für eine plurale und gobalisierte Welt. Die Ethik des Jesus ist (…) also in ihrem Kern eine rückständige Ethik. (…)

 

 

Revolutionär wäre es gewesen, hätte Jesus die Ethik von den Ketten der Religion befreit. Aber das hieße wohl zu zuviel zu erwarten von einem, der seinen Gott und dessen kommende Herrschaft ganz in den Mittelpunkt seines Denkens, oder besser Glaubens, gestellt hat. Jesus blieb ganz innerhalb der engen Mauern seiner religiösen [=jüdischen; SRK] Sozialisation. Die Welt kam ihm nicht wirklich in den Blick." (S. 109)

 

Hinzuzufügen wäre, daß das Weltbild eines Jesus, wie das seiner dortigen Zeitgenossen, nur einen winzigen Teil der Welt, also unseres Erdballes, ausmachte…

 

Kubitza geht im weiteren überaus detailliert auf die sogenannte „christliche Nächstenliebe" ein. Und auch darauf, was die diversen Christen-Menschen sich ganz nach individuellem Gusto aus diesem vorgeblichen Ethiker Jesus gemacht haben und immer noch machen. Wenn diese die biblischen Texte wirklich lesen würden, wären sie mehr als schockiert. Denn der sich darin widerspiegelnde Jesus stand weder für die Sklavenbefreiung oder die Emanzipation der Frau noch für Friedfertigkeit oder Toleranz und erst recht nicht für selbständiges Denken.

 

Er zieht eine Zwischenbilanz:

 

„Für Jesus war es offenbar schwer vorstellbar, daß man eine gute Tat nur um ihrer selbst willen vollbringt. Daß man anderen Menschen hilft, nur weil andere Menschen Hilfe brauchen. Ohne zu fragen, was man selbst denn davon hat. (…)

 

 

Die Ethik Jesus' kann man also keineswegs als altruistisch bezeichnen. Sie ist im Gegenteil durch einen Heilsegoismus gekennzeichnet. Das arme Gegenüber, der Kranke und Leidende, ist nur Mittel zum Zweck. Die Hilfe für ihn erfolgt nur vordergründig selbstlos, im Hintergrund aber aus Berechnung und Kalkül." (S. 137)

 

Heutzutage kann man solches Kalkül konkreter benennen: als steuersparendes PR-Instrument vor allem zugunsten des „Wohltätigen" selbst und damit gesellschaftlich auch alles so bleibt, wie es -gottgegeben- sei. Und als Gegensatz zum Solidaritätsprinzip.

 

Kubitza geht ferner auf die Verfluchungen, also das sippenhafte Bedrohen mit Tod und Feuer derjenigen ein, die dem Propheten Jesus nicht folgen wollen.

 

Und bedingt gelesen werden sollte der Abschnitt über „Jesus und die Frauen". Hierzu hat Kubitza u.a. dies notiert:

 

„Wie hat es Jesus mit den Frauen gehalten? Hier hat vor allem die sogenannte Feministische Theologie viel Kitsch ins Jesusbild hineingetragen. Sie hat Jesus als 'neuen Mann' gesehen, der die patriarchalischen Rollenmuster sprengt, als Frauenbefreier, ja geradezu als Feminist.

 

Der feministische Jesus ist ein schönes Beispiel dafür, wie ein gutgemeintes Wunschbild an die Evangelien herangetragen wird, wo man es, wenn man lange genug sucht, auch irgendwann findet.

 

Auf ähnliche Weise mußte Jesus in neuerer Zeit schon für die Friedensbewegung, die Befreiungstheologie oder die Ökologiebewegung herhalten…" (S. 153)

 

Frauen waren für diesen Jesus zweitrangig, siehe Eva als Ur-Sünderin. Sie waren aber immer gut genug, den vagabundierenden Wanderprediger und seine Meute (d.h. die allesamt männliche Jünger-Schar) beköstigend auszuhalten.

 

An anderer Stelle geht Kubitza dezidiert auf die angebliche urkommunistische Urgemeinde des Jesus ein, also auf Jesus als angeblich ersten Sozialisten. Aber Jesus und seine Jünger haben eben in keiner Weise gemeinsam und gleichberechtigt produziert und dieses untereinander verteilt. Nein, die haben angesichts des von ihnen schon bald erwarteten Weltuntergangs in religiöser Endzeitstimmung nur gemeinsam das verpraßt, was sie sich von Witwen und anderen manipulierten Menschen erschnorrt, ja ergaunert, hatten…

 

So hat Kubitza das nachstehende Kapitel auch folgerichtig mit „Jesus-Kitsch" überschrieben. Hier bringt er es voll auf den Punkt, wenn er betont:

 

„Es sind gerade die kitschigsten Stellen des Neuen Testaments, die für die Gläubigen die wertvollsten sind. (…) Denn aus ihnen holen sich fromme Christen die religiöse Wellness und das gute Gefühl, wie Esoteriker aus Räucherstäbchen und Ölmassagen. Religion scheint um so erfolgreicher zu sein, je kitschiger sie auftritt. (…) Gebildete Vertreter der Religion, zum Beispiel Professoren der Theologie oder Teile der kirchlichen Hierarchie, mögen es nicht so vulgär, sondern bemühen sich um ein 'vor der Welt vertretbares Gottesbild', das selbstverständlich auch 'interkulturell vermittelbar' sein sollte. (…) alles gerne vorgetragen in Verbindung mit theologischer Sprachakrobatik, meinen sie eine höhere Form der Religiosität erreicht zu haben, nun 'verantwortlich von Gott reden zu können'. (…) Sie waren weit besser als die biblischen Vorgaben, auf die sie sich aus Gründen der Tradition berufen müssen. Als wirklich phantasievolle Baumeister haben sie die morsche Hütte der biblischen Überlieferung mit prachtvollen Fassaden versehen. Dabei waren sie so geschickt, daß selbst kritische Zeitgenossen sich zuweilen überlegen, ob man nicht doch in diesen Bau einziehen sollte. Wer anders als Theologen kann schöner über Dinge reden, die es nicht gibt?" (S. 179)

 

Da hat Kubitza recht. Zu ergänzen wäre dies noch durch die Frage, warum diese „pantasievollen Theologen" genau das tun. Nun ja, ganz einfach: Um die Macht der Priesterkaste über Mensch, Gesellschaft und Staat zu erhalten, um ihr immenses Kirchenvermögen zu sichern. Und um erfolgreich oppositionelle Kräfte infiltrieren und „umdrehen" zu können. In den letzten Jahren sehr deutlich zu sehen bei der klerikalen Unterwanderung der Partei Die LINKE durch Theologen…

 

Informativ und argumentativ sind ebenfalls die weiteren kurzen Kapitel über die „Wahnideen Jesus' und der frühen Kirche' (wie z.B. den Geburtslegendenkitsch) und über den „Nachfolgewahn" seiner Jünger (wie z.B. beim Martyriumskitsch). Kubitza wendet sich ferner der Frage zu, ob dieser Jesus auch politisch gewesen sei – als Aufrührer gegen die römischen Besatzer.

 

Ja, dieses Buch sollte unbedingt in viele Hände kommen und aufmerksam gelesen werden. Am besten mit danebenliegender Bibel. Warum? Weil man dann selbst die von Kubitza zitierten und analysierten Stellen überprüfen kann.

 

 

Siegfried R. Krebs

 

 

Heinz-Werner Kubitza: Jesus ohne Kitsch. Irrtümer und Widersprüche eines Gottessohns. 262 S. Klappenbroschur. Tectum-Verlag. Baden-Baden 2019. 19,90 Euro. ISBN 978-3-8288-4339-4

 

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19.11.2019

Von: Siegfried R. Krebs
 




Lafontaine meldet sich zu Wort


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Hier ein Text vom 2.12.2019 von der Homepage des Oskar Lafontaine:

"Die SPD muss jetzt mit dem Neoliberalismus brechen"
Oskar Lafontaine bei "Spiegel online" zur neuen Parteispitze der SPD

Oskar Lafontaine traut dem neuen Spitzenduo der SPD eine Rückkehr zu den sozialdemokratischen Wurzeln und eine Trendwende bei den Umfragen zu – allerdings nur ohne die Union.

Ein Interview von Kevin Hagen und Christian Teevs
SPIEGEL: Herr Lafontaine, die SPD rückt augenscheinlich nach links. Haben Sie 20 Jahre nach Ihrem Rückzug von der Parteispitze Ihr Ziel erreicht?
Oskar Lafontaine: Mein Ziel war es, das Abdriften der SPD in die neoliberale Pampa und ihren Absturz zu verhindern. Entscheidend ist jetzt, dass die SPD endlich die Konsequenzen daraus zieht, dass sie in den Umfragen nur noch bei 14 Prozent liegt. Sie muss jetzt mit dem Neoliberalismus brechen.

SPIEGEL: Was heißt das denn konkret? Was muss die neue Spitze aus Ihrer Sicht anders machen?
Lafontaine: Die Sozialdemokraten müssen den Sozialstaat wieder aufbauen, zur Friedenspolitik Willy Brandts zurückkehren und sich von der schwarzen Null verabschieden. Wegen letzterer hat Deutschland die Infrastruktur – Schulen, Krankenhäuser, Straßen und schnelle Netze – verrotten lassen.

SPIEGEL: Muss die SPD jetzt raus aus der Großen Koalition?
Lafontaine: Es geht nicht um die Große Koalition an sich. Aber die CDU will in den kommenden Jahren 35 Milliarden Euro mehr für das Militär ausgeben, Spitzenverdiener um weitere zehn Milliarden entlasten, die Unternehmenssteuern erneut senken und Annegret Kramp-Karrenbauer kündigt wieder Sozialabbau an, weil das soziale Sicherungssystem ihrer Ansicht nach "an die Grenzen des Machbaren und des Möglichen stößt". Wenn die SPD mit dieser Union noch länger zusammenarbeitet, wird sich ihr Niedergang fortsetzen.

SPIEGEL: Das Ergebnis ist knapp. Droht der SPD eine erneute Spaltung, diesmal von rechts?
Lafontaine: In der SPD gab es schon immer einen rechten und einen linken Flügel. Beide Seiten haben erklärt, dass sie zusammenarbeiten wollen. Das ist die einzige Möglichkeit, die Partei aus der Krise zu führen.

SPIEGEL: Wenn sich die SPD so verändert, wie Sie es sich wünschen, wozu braucht es dann noch die Linkspartei? Wäre es nicht am besten, wenn beide Parteien fusionierten?
Lafontaine: Das halte ich für wünschenswert. Leider gibt es in beiden Parteien dafür nicht die Voraussetzungen.

SPIEGEL: Warum nicht?
Lafontaine: Es fehlt an einem gemeinsamen Programm und am Willen der führenden Politiker, eine Vereinigung zu organisieren.

SPIEGEL: Haben Sie persönlich eine Rückkehr zur SPD für sich vollends ausgeschlossen?
Lafontaine: Wenn die beiden Parteien wieder zusammenfinden, hat sich diese Frage erledigt.

SPIEGEL: Aber klar ist doch: Ihr Abgang hat den linken Flügel in der SPD geschwächt. Haben Sie Ihre Entscheidung von damals je bereut?
Lafontaine: Natürlich habe ich mich immer wieder gefragt, ob die Entscheidung richtig war. Aber jetzt muss man in die Zukunft blicken, das gilt auch für die SPD. Es geht heute um neue Themen. Nach der Enteignung der Arbeitnehmer durch zu niedrige Löhne und Renten und durch Sozialabbau erleben wir heute zusätzlich die Enteignung des Privatlebens durch die großen US-Internetkonzerne. Dadurch werden die Menschen manipuliert. Eigenständiges Denken wird erschwert und die Demokratie ausgehöhlt.

SPIEGEL: Altkanzler und Ex-SPD-Chef Gerhard Schröder ist auf Distanz zum neuen Führungsduo gegangen. Wie beurteilen Sie das?
Lafontaine: Es ist klar, dass Gerhard Schröder die Wahl von Esken und Walter-Borjans ablehnt. Er steht für den Bruch der SPD mit der sozialdemokratischen Politik und für ihre Öffnung zum Neoliberalismus. Das Resultat sind Wahlniederlagen und der Absturz von 40,9 auf 14 Prozent.