Jenseits von Eden


Was wir immer wieder von moslemischen Verbandsvertretern nach jedem islamisch motivierten Attentat hören, ist so sattsam bekannt, dass es uns bereits zu den Ohren herausquillt: « Diese Tat hat nichts mit dem Islam zu tun. Die Attentäter haben den Islam missverstanden, denn bekanntlich ist ja Islam Frieden ». Vor allem der Vorsitzende des ZMD, Aiman Mazyek, ist ein wahrer Künstler darin, bei jedem Vorfall dieser Art mit immer neuen, blumigen Sätzen doch immer wieder dasselbe zu sagen. Mit diesen stereotypen Aussagen, regelmäßig gepaart mit dem Ausdruck des herzlichen Beileids für die armen Opfer, macht nun völlig überraschend ein moslemischer Islamwissenschaftler kurzerhand Schluss. Seit ich intensiv und aufmerksam die Nachrichten auf islam.de verfolge habe ich eine solch punktgenaue Analyse (natürlich aus innerislamischer Sicht) noch nie gelesen. Es lohnt sich wohl auch für uns als Religionskritiker, diesem klugen Ausatz die nötige Zeit zu widmen. Murtaza nimmt die aktuellen Mordfälle in Toulouse und Montauban auf und schreibt:

 

Menschen neigen dazu in alte Verhaltensmuster zurückzufallen. Bevor also jemand zu einem "Der Islam ist Frieden" ansetzt, sollten wir vielleicht einen Augenblick innehalten und uns klar machen, was geschehen ist. Ein junger Mann, arabischer Herkunft, der den Namen des Propheten trägt, hat gezielt und kaltblutig drei Kinder jüdischen Glaubens und einen jüdischen Religionslehrer per Kopfschuss hingerichtet. Die Namen der Kinder lauteten Gabriel, Arieh und Myriam. Sie waren vier, fünf und sieben Jahre alt. Der Name des 30-jährigen Lehrers und Vaters der beiden erstgenannten Kinder war Jonathan. Zuvor tötete der Mörder drei französische Soldaten Abel Chennouf (25), Mohammed Legouade (23) und Imad Ibn Ziaten (30), letzere beiden waren Muslime.

[…] Bevor nun aber jemand in alte Gewohnheiten zurückfällt und das Argument vorbringen möchte, dass Mohammed Mehra gar kein Muslim sei […] sollte er lieber schweigen. Seit dem 11. September bringen Muslime Argumente dieser Art vor, wenn irgendwo irgendetwas Schlimmes im Namen des Islam geschieht. Es ist eine bequeme Distanzierung, die es den Muslimen erspart, sich inhaltlich mit den Wurzeln der Gewalt im Namen Gottes zu beschäftigen. Menschen wie Mohammed Mehra legitimieren ihre Akte der Barbarei im Namen des Islam und sie berufen sich auf den Qur’an, weil sie glauben, ein gottgefälliges Werk zu verrichten, das ihnen Eingang in das Paradies verschafft. Sie sehen sich als gläubige Muslime an und sind damit Teil der Umma und somit Teil einer unausgesprochenen innerislamischen Krise.  

Seit dem 11. September haben Muslime sich verpflichtet gefühlt, den Islam zu verteidigen, indem sie die Täter außerhalb des Islam stellten. Da also religiöse Motive im Zusammenhang mit den Gräuel nicht herangezogen werden durften, um die Religion vor jeglichen Makel zu bewahren, versuchte man psychologisch Motive ins Feld zu führen. Mohammed Mehra verfährt ebenso. Er begründet seine Taten dadurch, dass er den gewaltsamen Tod palästinensischer Kinder rächen und ein Zeichen gegen die französische Militärpräsenz in Afghanistan setzen wollte.  

Was bei alledem auffällt, bis heute hat sich die Mehrheit der Muslime davor gesträubt in das Herz der Finsternis vorzustoßen und eine religionsgeschichtliche Erklärung für den Terror im Namen des Islam vorzulegen. "Die" Muslime sind keine Terroristen. Aber Terroristen, die sich auf den Islam berufen, gehören in der Regel dem Wahhabismus an. Ist es also nicht längst an der Zeit, sich kritisch mit dieser islamischen Strömung auseinanderzusetzen und entsprechende Konsequenzen zu ziehen? Der Islam legitimiert keinen Religionschauvinismus und es gibt keine Loyalität im Falschen. Immer wieder weist der Qur’an die Muslime zu Recht, sich selbst gegenüber kritisch zu sein:  
Im Folgenden gibt Murtaza einen religionsgeschichtlichen Überblick, der das Entstehen des islamisch motivierten Terrorismus aus dem Islam heraus beschreibt. Man wird möglicherweise nicht mit jeder einzelnen seiner Schlussfolgerungen übereinstimmen, doch ist die Lektüre dieses kenntnisreichen Textes ausgesprochen spannend und lesenswert. Murtaza gliedert seinen Aufsatz in die Kapitel :

1. Die Wurzeln des Wahhabismus

2. Charakteristikum des Wahhabismus

3. Die Entstehung der Al-Qaida

4. Ist der Islam antisemitisch?

5. Was ist nach Toulouse zu tun?  

 

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