Der rote Balken

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Schön ist das Palais Holnstein in der Münchner Innenstadt, ein Prachtbau des Rokoko mit einem vielsagenden Wappen am Hausgiebel. Kunstkennern und Wappenkundlern zaubert der kleine rote Balken zwischen den Löwen der Wittelsbacher ein Schmunzeln ins Gesicht. Einfache Demokraten fragen sich, ob die rote Farbe, die so gar nicht ins Wappen der Bayern passt, vielleicht mit der roten Farbe des pileolus des dort wohnenden Kardinals zu tun hat, oder mit den roten Knöpfen entlang seiner Sutane, oder mit den roten Papstpantoffeln, oder überhaupt mit dem vielen Rot an allen möglichen Gewändern katholischer Kirchen-fürsten?

Auf Anfrage  würde man die historisch nicht haltbare Erklärung erhalten, dass die rote Farbe an das Blut der Märtyrer erinnern soll und an die Demut der Träger dieser Farbe. Die Erklärung der Catholica klingt zwar katholisch schön, ist aber ebenso zweifelhaft wie bezeichnend für das Prunk- und Prachtgehabe seiner Träger. Als nämlich die Christen unter dem grossen Konstantin flügge wurden, eigneten sie sich flugs einige Zeichen der Macht an, so die rote Farbe. Diese war an sich hohen Staatsbeamten, Senatoren u.ä. vorbehalten und überhaupt eine Farbe politischer Macht. Die niedlichen roten Papstpantöffelchen sind ein lächerlicher Überrest dieses Machtgehabes. Der Sonnenkönig von Frankreich forderte ostentativ die rote Farbe an seinen Absätzen exklusiv für sich. Der machtgeile Kardinal Richelieu lief nur noch rot herum. Rot ist bis heute auch eine Farbe der Macht.

Und da passt es natürlich trefflich, dass der Balken im Wappen am Haus des Kardinals auch rot prangt. Prächtig! Da fühlt man sich doch gleich zuhause. Besser geht es nun wirklich nicht! Und alle sind stolz und freuen sich, vor allem der Kardinal.

Aber welch grausame Macht des Schicksals! Der Balken in der noch so schönen Farbe rot sagt nämlich nur überdeutlich, dass dies das Haus eines Bastards war, zwar eines höchst adeligen, aber eben doch eines Bastards. Daher nennen Kenner den schönen (roten) Balken auch Bastardbalken. Zwar haben die Wittelsbacher aus dem heraldischen Balken ein putziges Bälkchen gemacht, gleichwohl ist und bleibt es ein Bastardbalken, unter dem der Kardinal täglich ein- und ausgeht.

Aber das Haus ist schön, und man darf annehmen, dass der Geist des Bastards nach neuerlicher Renovierung für lächerliche 6,5 Mio. € nicht mehr in seinen Gewölben umgeht. Dank der Denkmalbehörde, die das Haus und sein Wappen mit Steuergeldern so trefflich restauriert hat. Ob jedoch das Haus eines Bastards und einer Maitresse ein würdiger Sitz für einen Kardinal der Catholica ist, bleibt eine offene Frage.

 

 

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3 Antworten auf Der rote Balken

  1. Frank Berghaus sagt:

    Ich denke der Kardinal wird um die Bedeutung des Bastards wissen – und sich schrecklich anrüchig wohl dabei fühlen.

    Anderes dürfen die ja eh nicht in die Welt setzen :-)

  2. ilex (E. Ahrens) sagt:

    Naja – besser z.B. der Bastard von Frankreich mit dem rotgebalktem Lilienwappen wie Jean Dunois, aber dafür die Truppen von König Charles VII befehligen als ehelich geboren und nur Klempner oder Fischverkäufer (nichts damit gesagt gegen diese beiden ehrenwerten Berufe). Was blieb denn zweitgeborenen oder illegetim, aber anerkannten Fürstensöhnen übrig, als Militär oder Kardinal oder so etwas zu werden, wenn man noch ein wenig Macht haben wollte.

  3. Ein Teil von jener Kraft sagt:

    Am orthodoxen Kreuz gibt es auch einen schrägen Balken. Wäre ja auch gar nicht mal falsch.

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