Heute früh sprach die evangelische Pfarrerin Viktoria Keil / Barntrup im Radio über die Gnade des Glaubens. Am Beispiel des zum Tode verurteilten Hermann von Moltke beschrieb sie seinen letzten Brief an seine Kinder und seine Aufforderung, sich gegenseitig und vor allem ihre Mutter ewig zu lieben. Sie sollten sich darüber sicher sein, dass er in dem Vertrauen auf Christus sterben und dass sie in der Liebe zu Jesus vereint bleiben würden.
Dieser Glaube sei eine Gnade, sagte die Pfarrerin, und verdiene Respekt. Der Konflikt Gläubig – Ungläubig finde hier seinen Höhepunkt in der Intoleranz, Arroganz, Überheblichkeit, Respektlosigkeit und gnadenloser Konsequenz! – DAS war das Stichwort!
In der Tat wirken alle diese Vorwürfe so, wie diese angesprochenen – zugegeben unangenehmen – Eigenschaften eben nicht gemeint sind. "Gnadenlos konsequent " muss man allerdings vorgehen, wenn man gerade die kirchliche Vorstellung von der Gnade des Glaubens betont sieht, wo also ein massenhaft subjektiv empfundenes Wohlbefinden stattfinden soll durch die Gnade des Glaubens. Die Massenhypnose wirkt bei vielen tatsächlich, sie findet jedoch ihren Weg in die Gehirne der Gläubigen zum Preis der zu respektierenden Unwahrheiten, Mythen und in die Welt gesetzten Märchen.
Das ist wahrhaft konsequent, jedoch ähnlich gnadenlos, sichert sie doch die eigene Lebensgrundlage als Kleriker, nur das wird nie, niemals angesprochen. An diesem Mythengebäude wird ebenso konsequent seit mindestens 1600 Jahren gebaut und gebastelt, hinzugefügt und verschwiegen, mit neu gezeichneten Verträgen unterlegt und beurkundet, Sündenstrafen erlassen und angedroht, das Beste zerstört, was ein Mensch besitzt, sein klarer Verstand. Der Anspruch allein, durch diese Aussage Gnade in die Welt zu setzen und einem Menschen in auswegloser Situation Trost zu spenden, berechtigt sie zu einem Anspruch, wie es Herr Josef Ratzinger einmal gefordert hat, als er über die Begrenzung des Verstands und der Vernunft zugunsten des Glaubens sprach. "Christen werden eben verfolgt", würde sich ein echter Katholik an dieser Stelle wehren und nicht weiter über die Konsequenzen nachdenken, welche sturer Glaube schon bisher auf der Welt gehabt hat. Natürlich überlegen sich die "gnadenlos Konsequenten" vorher, welche Werte sich für die Menschen ergeben, die sich bisher auf eine auf Lügen, Mythen, Märchen und falschen Vorstellungen fußenden Religion verlassen haben.
Wer gnadenlos im Urwald Baume abholzt, trägt zumeist ein Kreuz, mit dem sich auch die Kreuzfahrer bei ihren Eroberungs-und Raubzügen schmückten. Das Voraus-Tragen des Kreuzes ist heute nur noch ein Symbol für Habgier und Raffgier:
Haben wollen die Kleriker ihr Gehalt, ihre empfangenen Spenden, deren Verwendung sie ohne demokratische Kontrolle bestimmen, ihre Steuern und die staatlichen Zuwendungen in Milliardenhöhe. Raffen möchten sie soviel wie möglich, auch für schlechte Zeiten und schon jetzt sind die festen Einnahmen aus Kirchenbesitz und wirtschaftlichen Aktivitäten ein erheblicher Beitrag zur finanziellen Stabilität der einzelnen Teile dieses krebsartigen Riesengeschwüres in unserer Gesellschaft. Gegen letzteres hat niemand etwas, denn wer diese " gnadenlose Konsequenz" aufzeigt und nach außen trägt, hat noch nicht einmal etwas gegen diese finanzielle Sicherheit der Kirchen, noch nicht einmal gegen die Existenz der Kirchen und der Religionen selbst! Das wird oft mißverstanden! Natürlich ist es ein Teil unserer Kultur und Traditionen und viele Menschen brauchen sie und glauben intensiv oder weniger intensiv. Die gnadenlose Konsequenz ist nicht gegen den einzelnen Glaubens-Säugling gedacht, dem man ja nicht seinen Schnuller wegnehmen möchte, den soll jeder behalten. Diese Aussage ist weder arrogant noch so gemeint. Sie wird aber so empfunden und genannt werden, weil die Argumente dagegen ausgehen und unausgesprochen Hilflosigkeit und Existenzängste aufkommen.
Gnadenlos konsequent wird hier das Gegenteil aufgezeigt, von dem die Kirche niemals redet, das aber der Kern der Dinge ist, um die es einzig und allein geht und die auch die gnadenlos konsequente Behauptung des Unbeweisbaren rechtfertigt: Es ist die Lebensgrundlage der Kleriker.
Es ist ein Geschäft, es geht um Geld, Gnade ist nur ein Mittel zum Zweck. In der Wirtschaft führt ein gutes Konzept zu dauerhafter Akzeptanz von Dienstleistungen mit den entsprechenden zu realisierenden Einnahmen für den Konzern. Der Weltkonzern Kirche:
Dienstleistung Trost gegen Dienstleistung Durchfüttern!
Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.
Weitere Arbeiten desselben Autors siehe hier.
….. trägt zumeist ein Kreuz, mit dem sich auch die Kreuzfahrer bei ihren Eroberungs-und Raubzügen schmückten.
Ja, die bösen Kreuzfahrer. Wagten sie doch, einfach die Leute anzugreifen, die den Machtbereich des Christentums durch eigene Eroberung vermindert hatten. Da ist es wohl besser, man hätte dem Islam alles überlassen, was ihm je gehörte, oder? Hätten sich dann doch jetzt z.B. die Saudis um die spanischen Schulden kümmern können.
Man sollte sich nun wirklich auch aufgrund berechtigter Gegnerschaft besonders zum Katholizismus nicht auf diesen argumentativen Irrweg begeben. Es sei denn, man redet mit gleichem Atem über die weitaus umfangreicheren Eroberungs- und Raubzüge des Islam.
#1 ilex (E. Ahrens) am 13. Juni 2012 um 14:00
Wie der Zusammenhang mit dem Urwald zeigt, wird hier wohl eher an die "Kreuzzüge" in Südamerika gedacht.
Nun ja – die konventionelle Erstbedeutung von Kreuzzügen ist eigentlich klar. In Amerika hat das Christentum allerdings wüst gehaust. Und zum Überfluss ganz rassistisch festgestellt, dass Indianer eine Seele haben wie Europäer auch und dass man daher Negersklaven einführen müsse.
Die Kreuzzüge sind der Versuch der mittelalterlichen Christenheit sich mit Gewalt zurückzuholen, was ihnen die Moslems vorher mit Gewalt geraubt haben.
Aus moderner westlicher Sicht kann man daran strategische, politische und (wegen der oft unnötigen Grausamkeiten) auch moralische Kritik üben. Der islamischen Welt als mutwilligem Verursacher steht allerdings keine daran Kritik zu.
Heute morgen auch auf WDR gehört. Frau Keil hat doch absolut Recht. Es gibt die "Gnade des Glaubens." Aber diese "Gnade" liegt nicht im "Glauben" – an was auch immer – an sich, denn über das, was in den Köpfen der Menschen letztlich wirklich vorgeht, haben auch die Kleriker keine Verfügungsmacht.
Der vorgelesene Briefauszug diente der Beweisführung, dass "Glaube" (im kirchlichen Sinne) eine reale positive Wirkung auf den Glaubenden hat, selbst – oder besonders – kurz vorm Exitus. Die reale "Gnade" aber, als Folge des "Glaubens" vieler Menschen, sprich: den materiellen Effekt, den haben die professionellen Glaubensvertreter, denn sie werden für die Glaubensindoktrination der Restbevölkerung bezahlt, Hand in Hand und im schönsten Einklang mit den Staats- und Parteivertretern durch Gesinnungs- und Personalunionen. Also hat Pfarrerin Viktoria Keil aus Barntrup doch wirklich recht. Denn dass es Leute gibt, die die von den Kirchen (Religionen) vertretenen Behauptungen glauben (oder zumindest zahlendes Mitglied sind), ist für die Kirchen eine "Gnade". Würde es niemand glauben und hätten sie keine Mitglieder, dann hätten sie auch keinen Profit daraus und folglich gäbe es für sie auch keine "Gnade des Glaubens." Die "Gnade" erfährt der Glaubensprofessionelle am Monatsende in Euro und Cent auf dem Konto und in satten Pensionsbezügen nach der Profi-Laufbahn. So bezahlt der eine für die Hoffnung der Illusion – und der andere kassiert das Geld für diese Dienstleistung. Ergo: jeder hat etwas davon.
So funktioniert das System doch relativ gut seit über 1000 Jahren. Wie heißt es doch so schön? Nehmen ist seliger denn geben. Amen.
#5 Frigga Tiletschke am 13. Juni 2012 um 20:49
Nehmen ist seliger denn geben.
Das gilt aber nicht beim Boxen.
#4 Argutus am 13. Juni 2012 um 18:55
Alles was ich damals in der Schule wissen musste war das:
Grund für die Kreuzzüge war der Aufruf Papst Urban II. Mit "Gott will es!" auf den Lippen mordeten und brandschatzten sich die Kreuzfahrer durch den nahen Osten. Mit dem 4. Kreuzzug, bei dem sie ihre Verbündeten angriffen und dem Kinderkreuzzug hatten sie wohl komplett den Verstand verloren.
Genauso stand es im Geschichtsbuch, erklärte es unser Geschichtslehrer, dachten meine Eltern und faktisch hatte es auch so zu sein. Als Einzigster der Ungereimtheiten sah, durfte ich mich direkt mal beim Klassenlehrer melden.
Wenn der Glaube eine Gnade ist, ist es auch Alzheimer.
Ich denke, dass mehr als die Hälfte der deutschen Bevölkerung über ihren eigenen Tod bestimmen will und eine Lebensverlängerung mit allen Mitteln als unwürdig ablehnt. Diese Menschen haben sich damit bewußt oder mehrheitlich unbewußt gegen die Religion gestellt. Umfragen über den Glauben sind daher mit Vorsicht zu interpretieren. Die Zahl derer, die innerlich einen Glauben verloren haben, aber gleichzeitig hierzu ein Lippenbekenntnis abgeben, erscheint mir sehr hoch.
"Dieser Glaube sei eine Gnade, sagte die Pfarrerin, und verdiene Respekt."
Dieser Glaube hat auch diejenigen geprägt, die eine Hypatia ausgezogen, dann soweit wie möglich das Fleisch der alten Dame von den Knochen geschabt haben, um sie dann ins Feuer zu werfen – im Namen Christi!
Nein – dieser Glaube verdient unsere Verachtung!