Vorhautspende

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Frau

Bundeskanzlerin

Angela Merkel

Willy-Brandt-Str. 1
10557 Berlin
 

                                     

 

Wolfenbüttel, den 16.07.2012

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

das Urteil des Kölner Landgerichts zur Beschneidung aus religiösen Gründen, nachdem es sich dabei um eine strafbare Körperverletzung handelt, wird kontrovers diskutiert. Die Richter hatten nach ihrem Verstand geurteilt, was natürlich leicht zu Schwierigkeiten führen kann. Deswegen ist es nur verständlich, dass aus Kreisen der Politik jetzt nach einem Gesetz gerufen wird, dass das Anliegen der Religionsgemeinschaften, auch weiterhin straffrei beschneiden zu dürfen, berücksichtigt. Denn es scheint ja wohl eindeutig so zu sein, dass die verehrte Gottheit ein großes Interesse an Vorhäuten hat.

Allerdings kann sich der aufgeklärte Mensch von heute nie ganz sicher sein, ob Jahwe, Allah oder der von den Christen verehrte Gott der wahre Gott ist, schon die Wahrscheinlichkeit lässt diese Frage letztlich offen. Folglich würde man dieser Ungewissheit Rechnung tragen, indem ab jetzt sozusagen prophylaktisch auch die neugeborenen Christen beschnitten werden würden. Da Sie aus einer evangelischen Pfarrersfamilie stammen und Ihr Wort demzufolge bei den Theologen Gewicht hat, sollten Sie die führenden Würdenträger der beiden Großkirchen auf diesen Umstand hinweisen, sie werden es Ihnen bestimmt danken. Es ist nämlich möglich, dass der liebe Gott schon lange sehnsüchtig auf die Vorhäute der neugeborenen Christen wartet. Und im Warten hat er leider Übung, denn man bedenke, dass vom Urknall bis zum ersten Menschen rund 14 Milliarden Jahre vergingen, bis er die erste kindliche Vorhaut bekommen konnte. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass Juden und Muslime den Urknall ablehnen, denn da sie glauben, glauben sie der Wissenschaft hierbei nicht, sonst schon.

Auch wegen der Stellung der Frau in den beiden monotheistischen Religionen böte sich für die Religionsführer jetzt die Gelegenheit, grundlegend etwas zu ändern. Gerade dabei wären Sie als Frau gefordert. Denn während ausschließlich die männlichen Neugeborenen ihre Vorhaut dem Gott spenden können, dürfen die weiblichen Neugeborenen nichts von ihrem Körper spenden. Und das ist wirklich nicht fair. Natürlich fällt die Entscheidung nicht leicht, was die kleinen Mädchen spenden sollten. Deshalb sollte man die Rabbiner und die Ajatollahs danach fragen, denn die haben ja einen direkten Draht zu ihrem Gott und werden sicherlich wissen, was ihrem Gott gefällt. Man kann also dem Kölner Urteil nur dankbar sein, denn damit wurde erreicht, dass der Homo sapiens endlich anfangen könnte, über den Sinn einer Vorhautspende nachzudenken. Vor allem erhebt sich die Frage, warum denn dem jüdischen und dem islamischen Gott so sehr die Vorhäute von männlichen Babys gefallen. Diese Frage sollte zuallererst geklärt werden, es könnte nämlich durchaus sein, dass die Evolution da etwas falsch gemacht hat.

Mit freundlichen Grüßen

Uwe Hillebrand

Redaktion: Die Absenderadresse, die natürlich dem Originalschreiben beigefügt ist, haben wir hier aus einsichtigen Gründen unterdrückt.

 

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20 Antworten auf Vorhautspende

  1. Ein Teil von jener Kraft sagt:

    Nee, nee, nee, nix mit Christen prophylaktisch beschneiden.
    Ich, Paulus, sage euch mit aller Deutlichkeit: Wenn ihr euch beschneiden lasst, dann wird Christus und alles, was er gebracht hat, für euch nutzlos sein … Wenn die Leute, die euch aufhetzen, schon so viel Wert aufs Beschneiden legen, dann sollen sie sich doch gleich kastrieren lassen!
    http://www.bibleserver.com/text/GNB/Galater5,22-23
    (bei mir definitiv in den Top 5 der besten Bibelzitate).

  2. Frank Berghaus sagt:

    Ich bin schon sehr gespannt zu erfahren, was Angy denn nun spenden wird :-)

  3. Johanna Zimmer sagt:

    Angie spendet nicht. Schrumpelige Körperteile sind Gott zuwider. Er nimmt nur Körperteiler Frischfleisch.
     

  4. Abu Sheitan sagt:

    Laut Angie ist ein Staat, der sein Grundgesetz ernst nimmt und seine Kinder schützt, eine Komikernation.
    Somit sind wir nicht ernstzunehmende Komiker.
    Der banale und unwürdige Begriff "Vorhaut" sollte durch einen angemesseneren und würdigeren ersetzt werden: "Gotteshaut".

  5. pinetop sagt:

    Wütend machen folgende Haltungen:
     
    Die christlichen Klerikalen, die sich mit Juden und Moslems solidarisieren, weil sie befürchten, dass sich der Ungehorsam gegen eine religiöse Forderung zu einem Flächenbrand ausweiten könnte.
     
    Die Mehrheit der Politiker, die um ihre Karriere fürchten, wenn sie sich religionskritisch zeigen
     
    Die Grünen, die ihrem Traum von der multikulturellen Gesellschaft einen höheren Stellenwert einräumen als Kinderrechten.

  6. In Spanien werden seit einigen Jahren keine Stierkämpfe mehr im Fernsehen übertragen. Die Horden blutdürstiger Touristen, besonders aus Bayern, sind darüber total verärgert. Jetzt kommen überhaupt keine Touristen mehr nach Spanien und sogar die Affen in Gibraltar sind verhungert.

    1970—wurde die Gleichberechtigung von Mann und Frau auch in der Landesverfassung von Baden-Württemberg festgelegt. Heute gibt es keine Männer mehr in der Landesregierung in Stuttgart.

    Jahrhundertlang war es Tradition, dass Fürsten und andere Ländle- und Landesherren leibeigene Untertanen hatte. Dann wurde sie im 17. Jahrhundert abgeschafft und seit dem gibt es keine Ländle- und Landesherren mehr.

    Es war eine tausende von Jahren alte Tradition Sklaven zu halten. Und dann wurde diese Tradition einfach verboten und seitdem gibt es keine Reichen mehr.

    Es ist eine zigtausend Jahre alte Tradition, dass Männer sich Frauen an den Haaren in die Höhle schleifen, vergewaltigen und befruchten. Und plötzlich ist es anders. Jetzt muss Mann mit Frauen reden und sie verführen, bevor man Sex mit ihnen haben darf … vielleicht. Und deshalb sind die Menschen alle ausgestorben.

    Manche Dinge sind klassisch,
    Manche einfach nur alt.*

    Fazit: Tradition ist, wenn man Unsinn trotzdem weiter macht.

    * Some things are classic, some things are just old. (Bob Walkenhurst)
     
    http://katholiban.de/tradition/

  7. Frank Berghaus sagt:

    #6 Stefan Dewald am 17. Juli 2012 um 12:46

    :-)

  8. Rechtspopulist sagt:

    #5pinetop am 17. Juli 2012 um 10:30
    "Die christlichen Klerikalen, die sich mit Juden und Moslems solidarisieren, weil sie befürchten, dass sich der Ungehorsam gegen eine religiöse Forderung zu einem Flächenbrand ausweiten könnte.

    Die Mehrheit der Politiker, die um ihre Karriere fürchten, wenn sie sich religionskritisch zeigen

    Die Grünen, die ihrem Traum von der multikulturellen Gesellschaft einen höheren Stellenwert einräumen als Kinderrechten."
     
     
    Genau das sind die Eckpfeiler der Verlogenheit unserer politischen Kaste.
     

  9. Rechtspopulist sagt:

    Andererseits:
    Wäre ich Jude … Warum sollte ich mir von Christen vorschreiben lassen, welche meiner Traditionen gut und welche böse sind?

  10. Jörg sagt:

    #9 Rechtspopulist am 17. Juli 2012 um 20:46
     
    Andererseits:
    Wäre ich Jude … Warum sollte ich mir von Christen vorschreiben lassen, welche meiner Traditionen gut und welche böse sind?

     
    In diesem Fall sind es wohl eher die bösen Atheisten, die Dir als Jude/Christ /Muselman/sonstigem Religiot) vorschreiben wollen, welche Deiner "Traditionen" sich mit Menschenrechten humanistischen Ursprungs vertragen oder nicht.

  11. Rechtspopulist sagt:

    #10Jörg am 17. Juli 2012 um 20:58
    Nun, darauf würde ich es ankommen lassen.
    Welches Recht nehmen sich Humanisten, über andere und deren Wertvorstellungen verbindlich zu urteilen?
    Sie geben es sich selbst. Und genau DAS würde ich als Jude 1:1 auch tun.
    Und jetzt sag du mir aufgrund deines ….Ismus, warum ich mich als Jude nicht so verhalten sollte, wie es für mein Volk üblich ist.
    Was geht dich das an?
    Dann würde ich halt wieder in Deutschland verfolgt werden. Ich würde aber meine Strafe nicht zahlen und mich der anschließenden Gefängnisstrafe entziehen, indem ich in der israelischen Botschaft Zuflucht suchen würde – mit Frau und Kind. …
    Was würdest du als Humanist dann tun?
    Die Botschaft stürmen?
    Mir erlauben als israelischer Staatsbürger (den Pass müsste ich mir dann dort ausstellen lassen) das Land zu verlassen?
    Kurzum: Die Sache ist nicht ganz so einfach, als dass sie mit ein wenig Überheblichkeit vom Tisch wäre.
    Was unterscheidet humanistische Dogmatik von anderer?

  12. Rechtspopulist sagt:

    #6Stefan Dewald am 17. Juli 2012 um 12:46
     
    "Fazit: Tradition ist, wenn man Unsinn trotzdem weiter macht."

    Und was war an meiner Beschneidung nun unsinnig?

  13. kantomas sagt:

    #11 Rechtspopulist 
     
    Was unterscheidet humanistische Dogmatik von anderer?
     
    Nicht viel! Jedenfalls die Art von Humanismus, die auf dieser Seite von den meisten gelebt wird. Ich bin mir sicher, dass der Humnismus genauso entarten kann, wie alles andere auch. Irgendwann kann man sogar, wenn man findig genug ist, schreckliche Taaten ausüben und das ganze mit dem Humanismus rechtfertigen.
     
    Wichtig ist nicht, ob man Humanist oder religiös ist, sondern ob man im Wesen ein anständiger Mensch ist.
     
    Das sagt der Nicht-Humanist kantomas. ( Ich wurde ja von Frank degradiert)

  14. Jörg sagt:

    #11 Rechtspopulist am 17. Juli 2012 um 21:20
     
    Welches Recht nehmen sich Humanisten, über andere und deren Wertvorstellungen verbindlich zu urteilen?
     
    Welches Recht nimmt sich der Staat, Mord, Totschlag, Kannibalismus und etliche andere Delikte unter Strafe zu stellen?

  15. Frank Berghaus sagt:

    #13 kantomas am 17. Juli 2012 um 21:32

    Ich habe nie dergleichen gesagt – und das weisst du auch. Also kokettiere bitte nicht damit :-)

  16. kantomas sagt:

    #15 Frank Berghaus
     
    Doch, das hast Du! Zumindest hast Du mir angedeutet, dass ich mich mit der Einstellung nicht mehr Humanist nennen darf. Aber ich nehme es gelassen. Ich habs nur geschrieben, um Dich ein wenig zu ärgern.:D
     
     

  17. Frank Berghaus sagt:

    #16 kantomas am 17. Juli 2012 um 21:47

    Ich weiss, aber das ändert nichts daran, dass die Gesetzeslage in der Festlegung dessen, was eine Körperverletzung darstellt, eindeutig ist – auch wenn dir das nicht gefällt.

  18. ilex (E. Ahrens) sagt:

    Ein Grundrecht darf zugunsten eines anderes eingeschränkt werden! Wenn ich mein siebenjähriges Kind zur Blinddarm-OP schicke, ist es ein Eingriff in seine körperliche Unversehrtheit zugunsten seines Lebensrecht. Wenn jüdische Eltern ihren Sohn beschneiden lassen, ist es ein Eingriff in seine körperliche Unversehrtheit zugunsten seines Grundrechts auf persönliche Entfaltung, denn wo und wie sonst soll sich ein Jude persönlich und gesellschaftlich optimal entfalten, als innerhalb seines eigenen Volkes? Fragt mal die Tausenden von beschnittenen Nobelpreisträgern!

    So kann man auch argumentieren (gefunden bei PI). Offensichtlich führt Beschneidung in die Nobelpreisränge. Jedenfalls am 8. Tag – denn bei spräteren Beschneidungen ist diese Wirkung bisher nicht nachgewiesen.

    Wenn er sich persönlich und gesellschaftlich nur innerhalb seines eigenen Volkes optimal entfalten kann – warum ist er dann hier? Es gibt also offensichtich auch unter den Juden Idioten und nicht nur Nobelpreisträger.

  19. Jörg sagt:

    #18 ilex (E. Ahrens) am 17. Juli 2012 um 23:10
    Es gibt also offensichtich auch unter den Juden Idioten und nicht nur Nobelpreisträger.
    In der Tat. Aber das auszusprechen, ist ja sowas von Autobahn …  ?-:

  20. Ein Teil von jener Kraft sagt:

    #18ilex (E. Ahrens) am 17. Juli 2012 um 23:10

    [Zitat von irgendwo auf PI]: Wenn jüdische Eltern ihren Sohn beschneiden lassen, ist es ein Eingriff in seine körperliche Unversehrtheit zugunsten seines Grundrechts auf persönliche Entfaltung

    In der Tat, lustiges Zitat. So eng liegt die Vorhaut nun auch wieder nicht an dass sie das Entfalten behindert ;-)
    (Erinnerte mich gerade an einen Witz: Geht jemand zum Tätowierer und fragt ihn, ob er den Namen seiner Freundin Wendy auf eine bestimmte Stelle tätowiert haben kann. Der Tätowierer bietet ihm eine ganz besondere Lösung:  Normal sieht man nur die Buchstaben W und Y, der volle Name WENDY wird erst bei voller Entfaltung sichtbar. Und so geschah es. Monate später im Pissoir, unser Mann beim Geschäft, neben ihm ein Schwarzer, ebenso. Bei einem zufälligen Seitenblick fällt unserem Mann der Schriftzug WENDY bei seinem Pissnachbarn auf, und er kann es sich nicht verkneifen zu fragen: Heißt Ihre Freundin auch Wendy? Der Schwarze lacht und antwortet: nein, das kann man momentan nicht so gut sehen aber da steht einfach: WELCOME TO JAMAICA HAVE A NICE HOLIDAY).
    Gute Nacht.

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