Der „Marxismus“ der Catholica


Nun hat der Münchner Kardinal mit dem anspruchsvollen Namen noch einen Übungsplatz für die Feuerwerke seiner Worthülsen: er ist jetzt auch Präsident der EU-Bischofskommission ComECE. Wie oft schon, schwingt der deutsche Kardinal auch hier die Keule der sog. katholischen Soziallehre zur Heilung der aktuellen Wirtschaftskrise in Europa. Diese ist nämlich nach Meinung des grossen Kardinals mit dem kleinen roten Käppchen nicht nur wirtschaftlicher und sozialer, sondern auch moralischer Natur.

Die Europäer müssen ihren Lebensstil überdenken, so der Kardinal jetzt vor der ComECE, in der sich Vertreter der Bischofskonferenzen aller 27 EU-Mitgliedstaaten als Lobby zusammengetan haben.  

Denn für den Grossmeister des „schwarzen Marxismus" muss die Krise in der EU "auch als christliches Projekt" gesehen werden.

Und was hilft da besser als die katholische Soziallehre. Diese basiert in ihrer heutigen Ausprägung im Wesentlichen auf einer Epistel (rerum novarum) von 1891, die der seinerzeitige und unfehlbare Papst an seine erwürdigen Brüder, Primaten etc. verschickt hatte, also deutlich nach den auch heute noch besser bekannten Thesen des „roten" Marx. In dieser für seine Primaten geschriebenen Belehrung hatte der mächtigste Mann nach Jesus auf Erden ausser salbungsvollen Bibelsprüchen nicht viel zu bieten. Dabei werden die sarkastischen Sprüche eines Paulus ex Tarsus und des grossen Augustin tunlichst nicht zitiert. Nach diesen beiden Protagonisten des katholischen Sozialverständnisses sollen nämlich nur die essen, die auch arbeitet, und Sklaventum wird ausdrücklich als von Gott gewollt befürwortet.

Aber weder zur wirtschaftlichen, noch zur sozialen und schon gar nicht zur moralischen Natur der Krise ein Wort. Nur die worthülsige Behauptung, dass viele christlich geprägten Vorstellungen auch für Nicht-Christen akzeptabel seien. So kann wohl nur fabulieren, wer allen Ernstes postuliert, die Wurzeln der Aufklärung seien christlich, oder wer für ein gelingendes Europa das Zweite Vatikanische Konzil als Vorbild empfiehlt, eben der Grossmeister des „Marxismus" der Catholica.

Dabei wird der vorsitzende Primat Marx den ihn umgebenden Primaten erklären müssen, was z.B. an seinem „Dritte Weg" im Arbeitsrecht sozial sein soll, oder was die deutsche Catholica mit all ihrem Reichtum für die Armen tut, während ihre Caritas fast vollständig aus öffentlichen Steuermitteln finanziert wird, für die sie nicht einmal Rechenschaft ablegen muss. Und dabei steht er allein auf einer Insel der Glückseligen inmitten einer Vielfalt von laizistischen oder weitgehend so geprägten Staaten.

Auch ein Blick in die päpstliche Epistel von 1891 hilft dem „schwarzen" Marx nicht weiter. Dort wird nämlich der sozialistische Lösungsversuch als ungerecht, weil gegen das Naturrecht des Privateigentums gerichtet, pauschal verurteilt und der arbeitende Mensch auf das Jenseits vertröstet, wenn es hienieden nicht klappen sollte.

Mit Weihrauch und ebensolchem Wasser werden soziale und wirtschaftliche Probleme nirgendwo gelöst. So wird ein womöglich honoriges Gremium eher zu einer Plattform der Plattitüden herabgestuft.

Übrigens, die Bezeichnung „Primaten" (Herrentiere) für seine Brüder im Herrn stammt vom Begründer der katholischen Soziallehre selbst. Doch kein Affentheater. Nur Zeitgeist.

 

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