Zum 21. Dezember 2012

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Heute, am 21. Dezember 2012 um 12:12 mitteleuropäischer Zeit ist Wintersonnenwende. Ein Vierteljahr lang – seit der Tag- und Nachtgleiche, mit der der Herbst begann – hat die Sonne sich immer weiter in Richtung nach Süden vom Himmelsäquator (der Äquator-Ebene der Erde projiziert in den Himmel) entfernt und zu diesem Zeitpunkt kehrt sich die Bewegung um.

Fortan werden die Nächte wieder kürzer und die Tage länger bis eine neue Tag- und Nachtgleiche den Beginn des Frühlings markiert.

Daß dieses astronomische Ereignis jedes Jahr nur wenige Tage vor dem Weihnachtsfest stattfindet, ist kein Zufall, sondern zwischen beiden besteht ein bemerkenswerter historischer Zusammenhang.

Die von Julius Caesar durchgeführte Reform des römischen Kalenders (also der nach ihm benannte Julianische Kalender) hatte ursprünglich, also im ersten Jahr seiner Benützung anno 45 v. Chr., die Winter-Sonnenwende am 25. Dezember.

Im späten Römischen Reich (etwa ab dem 2. Jahrhundert) entwickelte sich ein bedeutender religiöser Kult um den Sonnengott (Sol), der dann die Bezeichnung "Sol invictus" trug, was soviel bedeutet wie "die unbesiegbare Sonne".

Spätestens ab dem 3. Jahrhundert wurde wegen der Wintersonnenwende am 25. Dezember der Geburtstag dieses Sol invictus gefeiert. Der Zeitpunkt für dieses Fest war naheliegend: Der Einfluß der Sonne auf die nördliche Hemisphäre hatte eine halbes Jahr lang abgenommen und beginnt nun wieder zuzunehmen. Der Sonnengott wird also sozusagen "neu geboren".

Allerdings stimmte zu dieser Zeit das Datum der Winter-Sonnenwende nicht mehr genau, denn das julianische Kalenderjahr ist im Vergleich zum wahren (dem sogenannten "tropischen" Jahr) etwa 12 Minuten zu lang. Anfangs fiel das nicht auf und später, als man es bemerkte, war der Zusammenhang zwischen der Wintersonnenwende und dem Datum 25. Dezember schon so fest im Bewußtsein der Menschen verankert, daß der astronomisch korrekte Tag dafür nicht in Frage kam.

Aus der Sicht der Christen war dieses heidnische Fest, nämlich der Geburtstag des Sonnengottes am 25. Dezember, ein Ärgernis. Verhindern ließen sich die Feiern nicht, dafür waren sie zu populär, aber man konnte sie umdeuten.

Etwa um die Mitte des 4. Jahrhunderts wurde es üblich den Geburtstag Jesu (der historisch nicht bekannt ist) an ebendiesem 25. Dezember zu feiern um zu erreichen, daß das heidnische Fest sich langsam in ein christliches Fest verwandeln möge. Diese Strategie war erfolgreich. Für die meisten heute lebenden Menschen (seien sie Christen oder nicht) ist Weihnachten ein zutiefst christliches Fest. Seine eigentliche astronomisch-heidnische Bedeutung ist nur wenigen bekannt.

Populär ist dieses Fest und die ihm geweihte Nacht ("Weihnachten") davor allerdings heute in Ländern, die traditionell nicht christlich waren, ebenso wie bei Atheisten im ehemals christlichen Abendland. Wie es aussieht, wird dieses Fest auch den Niedergang der christlichen Religion überleben und nach der heidnischen und christlichen in eine neue Phase seiner Geschichte treten.

Es wäre allerdings denkbar, daß der astronomische Fehler bereinigt wird und ein zukünftiges Weihnachtsfest wieder auf den 21. Dezember verlegt wird.

Dieser 21. Dezember hat übrigens heuer zusätzlich zu seiner Bedeutung als Winter-Sonnenwende noch eine weitere Besonderheit:

Nach dem Kalender der Maya, und zwar nach der sogenannten "Langen Zählung" kehrt der "Baktun"-Zyklus wieder an seinen Ursprungswert zurück. Das tut er periodisch, aber selten. Das letzte Mal geschah das im Jahre 3114 v. Chr. (also vor 5128 Jahren, als es die Kultur der Maya noch gar nicht gab). Dieses Datum galt den Mayas als Tag der Schöpfung der Welt in ihrer gegenwärtigen Form.

Das haben manche Esoteriker als Vorhersage eines Weltungangs interpretiert, was aber kalendariographisch unsinnig ist, denn der Maya-Kalender ist periodisch. Außerdem gibt es noch einen weiteren Zyklus, der nebenher läuft und dieses besondere Datum nicht berücksichtigt. Im Maya-Kalender war die Schöpfung am Tag "13.0.0.0 4 Ahau 8 Cumku", heute aber haben wir den Tag "13.0.0.0.0 4 Ahau 3 Kankin". Also kein Grund zur Besorgnis!

Eine witzige Graphik, die (mit gewissen künstlerischen Freiheiten in manchen Details) die unsinnigen Weltungergangs-Ängste humoristisch aufs Korn nimmt, sei zum Abschluß hier eingefügt:

Graphik "Weltuntergang 2012" © Lucy Gossler

 

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13 Antworten auf Zum 21. Dezember 2012

  1. Argutus sagt:

    Spätestens morgen vormittag, wenn auch in Yucatán (wo das Volk der Maya seinen Kalender erstellt hat) wieder die Sonne aufgeht und nichts passiert ist, werden auch die letzten Gläubigen des heutigen Weltuntergangs zugeben müssen, daß sie sich geirrt haben.

    Das ist das Schöne am Glauben an derartige Prophezeiungen: nach dem Termin ist die Sache abgehakt. Zwar wird sicherlich in Zukunft wieder ähnlicher Unsinn vorhergesagt werden, aber dieser spezifische Glaube ist mit dem Ausbleiben der Katastrophe erloschen.

    Wieviel hartnäckiger hält sich doch leider der Glaube an die traditionellen Religionen, die zwar ebenso unsinnig sind, bei denen aber kein Ereignis ausbleiben kann, das auch einfache Gemüter diesbezüglich zur Einsicht bringt.

  2. Frank Berghaus sagt:

    #1 Argutus am 21. Dezember 2012 um 13:14

    Wenn auch dieser schlimme Weltuntergang wieder einmal überlebt werden sollte ist aber als Freudenmahl nur eines angemessen: Pommes mit Maya-naise :-)

  3. Ein Teil von jener Kraft sagt:

    Nach dem Kalender der Maya, und zwar nach der sogenannten "Langen Zählung" kehrt der "Baktun"-Zyklus wieder an seinen Ursprungswert zurück. Das tut er periodisch, aber selten. Das letzte Mal geschah das im Jahre 3114 v. Chr.
    Also, laut Entscheidung der Zentralen Kalenderkommission der Maya war heute das erste und einzige Mal dass der Kalender an seinen Ursprung zurückkehrte. Die Welt wurde am 13.0.0.0.0 geschaffen, danach ging es stetig aufwärts bis 13.19.19.17.19. Dann wurde aber der Zähler auf 1.0.0.0.0 zurückgesetzt, seitdem geht es wieder aufwärts. Allerdings, noch eine Runde wird es nicht geben, auf den nächsten 13.19.19.17.19 wird dann 14.0.0.0.0 folgen, und auf den 19.19.19.17.19 dann 1.0.0.0.0.0 (also eine Ziffer mehr). Vermutlich ist dass so zu verstehen, dass alles, was bis jetzt gelaufen ist, die Generalprobe war, in den nächsten Jahrhunderten bis 14.0.0.0.0 werden jetzt alle Fehler beseitigt und die Schöpfung noch mal wiederholt, und dann geht es stetig aufwärts bis in alle Ewigkeit.

  4. … aufwärts bis in alle Ewigkeit …

    Heute ist die Welt aber zunächst mal untergegangen – also irgendwo "nach unten".
    Hat bloß niemand bemerkt, weil wir alle mittendrin sind. Ist wie mit der Eigenrotation der Erde, wovon man auch nix mitbekommt, wenn man vorm Computer sitzt.
    Aber da war doch dieses seltsame kurze Ruckeln vorhin … ;-)

  5. Frank Berghaus sagt:

    #4 Eckhardt Kiwitt, Freising am 21. Dezember 2012 um 23:22

    Aber da war doch dieses seltsame kurze Ruckeln vorhin … :wink:

    Wir Virtuellen leben eben immer nah am Untergang :-)

  6. Argutus sagt:

    Mittlerweile ist in Yucatán die Sonne des nächsten Tages aufgegangen. Der gestrige Weltuntergang ist somit definitiv abgesagt.

    So eine Überraschung aber auch … :-)

  7. Postumus sagt:

    Schön, daß "sol victor" noch gewürdigt wird!
    Tja, mein Kalender endet auch immer am 31.12., dann hänge ich den neuen auf.
     
    Aber jetzt die im "Parlatorium" versprochene Geschichte, die anläßlich eines gewissen anderen Datums einige Fragen aufwirft:
     
    Gibt es den Weihnachtsmann ?         (Zahlen etwas veraltet!)                  
    1.) Keine bekannte Spezies der Gattung Rentier kann fliegen. ABER es gibt 300.000 Spezies von le­benden Organismen, die noch klassifiziert werden müssen. Und obwohl es sich dabei hauptsächlich um Insekten und Bakterien handelt, schließt dies nicht mit letzter Sicherheit fliegende Rentiere aus, die nur der Weihnachtsmann bisher gesehen hat. 
    2.) Es gibt 2 Mrd. Kinder (Menschen unter 18) auf der Welt. ABER da der Weihnachtsmann (schein­bar) keine Muslime, Hindu, Juden und Buddhisten beliefert, reduziert sich seine Arbeit auf etwa 15 % der Gesamtzahl – 378 Mio. Kinder (laut Volkszählungsbüro). Bei einer durchschnitt­lichen Kinderzahl von 3,5 pro Haushalt ergibt das 91,8 Mio. Häuser. Wir nehmen an, daß in jedem Haus mindestens ein braves Kind lebt.
    3.) Der Weihnachtsmann hat einen 31-Stunden-Weihnachtstag, bedingt durch die verschiedenen Zeit­zonen, wenn er von Osten nach Westen reist (was logisch erscheint). Damit ergibt sich 822,6 Besuche pro Sekunde. Somit hat der Weihnachtsmann für jeden christlichen Haushalt mit braven Kindern 1/1000 Sekunde Zeit für seine Arbeit: Parken, aus dem Schlitten springen, den Schornstein run­ter­klet­tern, die Socken füllen, die übrigen Geschenke unter dem Weihnachtsbaum verteilen, alle übrigge­bliebenen Reste des Weihnachtsessens vertilgen, den Schornstein wieder raufklettern und zum näch­sten Haus fliegen. Angenommen, daß jeder dieser 91,8 Mio. Stops gleichmäßig auf die Erde verteilt ist (was natürlich, wie wir wissen, nicht stimmt, aber als Berechnungsgrundlage akzeptieren wir dies), erhalten wir nunmehr 1,3 km Entfernung von Haushalt zu Haushalt, eine Gesamtentfernung von 20,8 Mo. km, nicht mitgerechnet die Unterbrechungen für das, was jeder von uns minde­stens einmal in 31 Stunden tun muß, plus Essen usw.
    Das bedeutet, daß der Schlitten des Weihnachtsmannes mit 1040 km pro Sekunde fliegt, also der 3.000-fachen Schallgeschwindigkeit. Zum Vergleich: das schnellste von Menschen gebaute Fahrzeug auf der Erde, der Ulysses Space Probe, fährt mit lächerlichen 43,8 km pro STUNDE.
    4.) Die Ladung des Schlittens führt zu einem weiteren interessanten Effekt. Angenommen, jedes Kind bekommt nicht mehr als ein mittelgroßes Lego-Set (etwa 1kg), dann hat der Schlitten ein Gewicht von 378.000 Tonnen geladen, nicht gerechnet den Weihnachtsmann, der übereinstimmend als überge­wich­tig beschrieben wird.
    Ein gewöhnliches Rentier kann nicht mehr als 175 kg ziehen. Selbst bei der Annahme, daß ein "flie­gen­des Rentier" (siehe Punkt 1) das ZEHNFACHE normale Gewicht ziehen kann, braucht man für den Schlitten nicht 8 oder vielleicht 9 Rentiere. Man braucht 216.000 Rentiere. Das erhöht das Ge­wicht – den Schlitten selbst noch nicht einmal eingerechnet – auf 410.000 Tonnen. Nochmals zum Ver­gleich: das ist mehr als das vierfache Gewicht der Queen Elizabeth.
    5.) 410.400 Tonnen bei einer Geschwindigkeit von 1040 km/s erzeugt einen ungeheuren Luftwieder­stand – dadurch werden die Rentiere aufgeheizt, genauso wie ein Raumschiff, das wieder in die Erd­atmosphäre eintritt. Das vorderste Paar Rentiere muß dadurch 16,6 TRILLIONEN Joule Energie ab­sorbieren. Pro Sekunde. Jedes. Anders ausgedrückt: sie werden praktisch augenblicklich in Flammen aufgehen, das nächste Paar Rentiere wird dem Luftwiderstand preisgegeben, und es wird ein ohren­be­täubender Knall erzeugt.
    Das gesamte Team von Rentieren wird innerhalb von 5 Tausendstel Sekunden vaporisiert. Der Weih­nachtsmann wird während dessen einer Beschleunigung von der Größe der 17.500-fachen Erdbe­schleu­­nigung ausgesetzt. Ein 120kg schwerer Weihnachtsmann (was der Beschreibung nach lächerlich we­nig sein muß) an das Ende seines Schlittens genagelt – einer Kraft von 20,6 Mio. Newton.
    Damit kommen wir zum Schluß: WENN der Weihnachtsmann irgendwann einmal die Geschenke ge­bracht hat, ist er heute tot [oder eben etws ganz Besonderes].
     
    Beste Grüße, Postmus

  8. Postumus sagt:

    Aha, das war also gleich ein induktiv eingebautes Captcha: wer erkennt den Autor auch ohne das fehlende "u"?

  9. Frank Berghaus sagt:

    #7 Postumus am 25. Dezember 2012 um 12:14

    Das ist aber alles sehr enttäuschend für die arme Kinderseele.

    Also doch der Nachbar mit dem angeklebten Bart oder der studentische Hilfsservice? :-)

  10. Argutus sagt:

    das schnellste von Menschen gebaute Fahrzeug auf der Erde, der Ulysses Space Probe, fährt mit lächerlichen 43,8 km pro STUNDE.

    Irgendetwas kann da nicht stimmten, denn beispielsweise mein Auto ist schneller. :-)

  11. Postumus sagt:

    #9 Frank Berghaus am 25. Dezember 2012 um 12:22
     
    Tja, da sind die  Asatru wieder klar im Vorteil: Wotan – als Stiefelfüller – ist ein Gott, der kann eben alles (überstehen)!  :-)
    Dabei fällt mir ein:
    Man kann auch manchmal seinen Lieben was heimlich in die Schuhe schieben.                
    Doch denke Dir dabei nichts Schlimmes und wenn es Dir gefällt, dann nimm es!
     
    Hier wäre auch noch eine Erklärung für etwaiges Geschenkeausbleiben (Bildunterschrift: Pilot trifft Weihnachtsmann):
    http://www.unterhaltungsspiele.com/Weihnachten/xmas-collision.jpg
     
    #10 Argutus am 25. Dezember 2012 um 13:40
    Physiker haben doch immer das bessere  "Werkzeug"! ;-)
    Den Fehler habe ich absichtlich d`rin gelassen wie er war, der Authentizität halber, aber auch der Finderfreude wegen, denn siehe:
    http://www.olivergroschopp.de/blog/wp-content/-Weihnachten2006.jpg
     
    Hoffentlich verschafft mir 2013 mehr Gelegenheit, hier wieder vorbeizuschauen! Beste Grüße Euch beiden mit weiblichem Anhang!

  12. Indianerjones sagt:

    #7 Postumus am 25. Dezember 2012 um 12:14 @
    Zu den Entfernungen die der Weihnachtsmann bewältigen muß ist was wichtiges zu sagen, selbstverständlich kennt er murmlochähnliche Abkürzungen, von dem abgesehen fliegen er, sein Schlitten und last but not least die Rentiere, nicht im üblichen Sinn, sondern sie bewegen sich mit Antigravitation durch die Lüfte.:nerd:

  13. Frank Berghaus sagt:

    #11 Postumus am 25. Dezember 2012 um 14:02

    Auch von mir herzliche Grüsse aus dem sonnigen Tunesien an Sie. Ob sich meine Frau allerdings hierüber

    Beste Grüße Euch beiden mit weiblichem Anhang!

    freuen wird, lasse ich einmal dahingestellt. Gerade haben wir hier mit vereinten Kräften verhindert, dass ein von den Extremisten gewünschter Passus in die Konstitution aufgenommen wird, der Frauen eben als genau das bezeichnet :-)

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