Die Sternsingerimitation

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Viele Menschen wurden jüngst in der Zeit nach Weihnachten wieder von den Sternsingern besucht, dies mitunter nicht unter Generierung von großer Begeisterung auf Seiten der Besuchten. Denn der Gesang ist nicht immer besonders unterhaltsam. Zudem wird man zur Verabreichung von Spenden geradezu genötigt.

Die Freidenker haben einen Weg gefunden, sich diese mitunter schon als unangenehm empfundene Tradition zu Nutzen zu machen, um die Attraktivität religiöser Gemeinschaften zusätzlich zu verringern, dies durch die Methode, sich falscher Sternsinger, die sich möglichst rüpelhaft benehmen sollten, zu bedienen. Der Pilotversuch kann als durchwegs erfolgreich betrachtet werden. Darüber wird in der Folge berichtet.

Ziel der Pilotaktion in Wien war ein Auftreten, das unproblematisch einer Pfarre zugerechnet werden konnte, was zunächst durch adäquate Kleidung der drei Sternsinger sowie des sie begleitetenden Seelsorgers, der in Wirklichkeit ein langjähriges Mitglied des Freidenkerbundes ist, bewerkstelligt werden konnte, zudem durch Verteilen von diversem Druckwerk und Zahlscheinen für Geldleistungen an die Pfarren oder karitative kirchennahe Einrichtungen, wie man sie in Pfarren erhält. Das Verhalten der vier Personen war vom redlichen Bemühen getragen, einen möglichst unangenehmen Eindruck für die Besuchten zu hinterlassen und wurde zuvor in unterschiedlichen Varianten eingeübt.

In zeitlicher Hinsicht wurden von den falschen Sternsingern zunächst auch Besuchszeiten gewählt, hinsichtlich derer mit einer hohen Wahrscheinlichkeit von einer Anwesenheit der zu Besuchenden ausgegangen werden konnten, insoweit, als man sowohl sehr früh am Morgen als auch am späten Abend erschien und beharrlich läutete, bis der Besuchte schließlich aufmachte.

Anders als bei den echten Sternsingern, die typisch gleich vor der Wohnung zu singen beginnen, suchten die falschen Sternsinger nach einer Möglichkeit, sich Zutritt zur Wohnung zu verschaffen, dies häufig unter dem Vorwand, dass einer der Sternsinger dringend das WC aufsuchen müsse, worin er sich dann auch (wenngleich unverrichteter Dinge) mehrere Minuten aufhielt, dies mitunter unter der Vorspielung einer Darmgrippe oder von Brechdurchfall. Die verbleibenden zwei Sternsinger nutzten die Zeit, um eine unangenehme Situation beim Besuchten hervorzurufen. Das Repertoir reichte in dieser Hinsicht von einer Kritik an den Wohnverhältnissen des Besuchten, wie etwa „Da stinkt es aber fürchterlich.“ oder „Pfui. Da schaut es ja schlimm aus. Da will ich aber nicht wohnen.“ sowie am Besuchten selbst wie „Sie schauen aber sehr schlecht aus, und schon soo alt.“ Der die rüpelhaften Buben begleitende Seelsorger zeigte seine erzieherische Kompetenz, indem er die Kinder maßregelte mit Worten wie „Das sagt man nicht. Da hat Dich der liebe Gott aber gar nicht lieb.“ oder gleich andeutete „Franzi, wennst Du Dich so blöd aufführst, werde ich Dir wieder den Hintern versohlen.“, was jedoch typisch auch nicht zur Entspannung der Situation beitrug.

In der Folge beklagten die Sternsinger ihre schlechte Behandlung beim Sternsingen wie etwa „Ich habe heute noch nichts zum Essen bekommen und muss immer wieder das gleiche blöde Lied singen. Ich habe einen Hunger und mag nicht mehr singen.“ was der Seelsorger typisch mit der Androhung von Watschen quittierte.

Um von der angespannten Situation etwas abzulenken, bemühte sich der Seelsorger allgemeine Themen wie etwa jenen des Glaubensverlustes positiv zu beleuchten mit ermutigenden Aussagen wie: „Ja, es ist schon richtig, dass einige Menschen aus der Kirche austreten, aber die sind halt richtiges Ungeziefer, das von Gott in der Hölle eh bestraft wird. Außerdem spielen die ein paar Austretenden eh keine Rolle für die Kirche, denn wir bekommen vom Staat sowieso mehrere Milliarden Euro und können uns sowieso alles leisten.“

In der Folge machte der Seelsorger seinerseits den Besuchten darauf aufmerksam, dass er Durst hätte, das offerierte Wasser aber mit den Worten „Ich bin ja kein Pferd.“ ausschlug und ergänzte „Haben sie nicht vielleicht ein Bier oder ein Glaserl Wein. Wenn man den ganzen Tag mit die drei Gfrasta unterwegs ist, braucht man halt etwas Gescheites zum Trinken.“ Der Wunsch wurde im Normalfall erfüllt, dies jedoch mit einem gewissen Ausdruck der Befremdlichkeit auf Seiten des Besuchten.

Wenn schließlich der dritte Sternsinger, der längere Zeit im WC aufhältig war, sich wieder zu den anderen Sternsingern gesellte, so konnten die drei Sternsinger – allerdings nach einigem Druck durch den Seelsorger und nach einigem Gezänk zwischen den Sternsingern – zum Singen bewogen werden, wobei sich gerade dies nicht unbedingt als vorteilhaft für den Besuchten erweisen sollte. Nichtsdestotrotz reichten die Besuchten Gaben, Geldbeträge mitunter sogar über 5 Euro. Die psychologisch hervorragend geschulten falschen Sternsinger quittierten die Gabe jedoch stets abfällig mit Worten wie „Das ist aber viel weniger als von dem anderen Onkel vorher.“ oder „Das ist aber eine geizige alte Omi.“ oder zumindest „Das ist aber nicht sehr viel.“ was bei den Geschenkgebern häufig geradezu reflexartig zur Gabe weiterer Euromünzen oder –scheine führte. Andere beschwerten sich jedoch darüber und einzelne kündigten sogar an, sich bei der Pfarre zu beschweren, was der Seelsorger mit den Worten „Beschweren Sie sich doch beim Salzamt.“ geschickt parierte.

In der Folge verabschiedeten sich die Sternsingerimitatoren mit der Aussicht „Wir sehen uns im nächsten Jahr wieder.“, wobei der Besuchte gerade angesichts dessen sichtbar zusammenzuckte. Wenn es sich um einen älteren Besuchten handelte murmelte zudem ein Sternsinger dem anderen gut hörbar zu „wenn der alte Opi nächstes Jahr noch lebt.“

Alles in allem konnten in dem Pilotprojekt zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden: Ein negativer Eindruck bezüglich der Sternsingerei (und hiermit auch hinsichtlich der sie betreibenden Kirchen) konnte massiv verstärkt werden. Zudem wurden von der bloß einen falschen Sternsingergruppe binnen weniger Tage sage und schreibe 1.614 Euro eingespielt.

Aufgrund des Erfolgs dieses Pilotprojekts sucht der Freidenkerbund für die nächstjährige kurze Sternsingersaison zahlreiche Kinder mit schauspielerischem Talent, die zumindest einigermaßen singen können, um flächendeckend in Aktion treten zu können. Als Räumlichkeiten für die Einübung des Gesangs und des ungebührlichen Verhaltens dienen die Sitzungssäle in den zahlreichen Stützpunkten des Freidenkerbundes in ganz Österreich. Einen großen Vorteil hat die Teilnahme bei den Sternsingerimitatoren: Die Einspielergebnisse der Teams, bestehend aus den vier Statisten werden eins zu eins unter denselben verteilt. Der Freidenkerbund verlangt keinerlei Leistung an ihn aus den Einspielergebnissen der Teams und unterscheidet sich hierin ganz wesentlich von den originalen Sternsingerteams der Pfarren.

© Mag. Robert Kaufmann LL.M.

Schlußbemerkung der Redaktion:

Zur Sicherheit betonen wir ausdrücklich, dass es sich bei obigen Text um eine Satire handelt. Im Unterschied zu diversen religiösen Gruppen sieht es der Freidenkerbund nämlich als eine ethische Verpflichtung an, andere Menschen in keiner Weise zu belästigen.

Quelle: http://www.freidenker.at/index.php/blog/2265-die-sternsingerimitation.html

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2 Antworten auf Die Sternsingerimitation

  1. YeRainbow sagt:

    autsch….
    hahahaha…. Also daß das Satire ist, war mir schon ziemlich fix klar.

  2. Argutus sagt:

    Der Begriff der Satire paßt hier eigentlich nicht. Eine Satire ist ja ein Spott, der Mißstände überhöht und dadurch lächerlich macht. Aber den Vorwurf, daß sich Sternsinger (wenn auch in milderer Form) daneben benehmen, habe ich noch nie vernommen.

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