Abendland – jüdisch-christlich?

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Sie erleben eine Renaissance: die „christlichen Werte“, das „christliche Abendland“ und, in der Steigerung, sogar unsere „jüdisch-christliche Kultur“. Das klingt prima und man kann das vor allem als Abgrenzung gegenüber dem „islamischen Kulturkreis“ verwenden – der weder über diese Werte noch über diese Kultur verfügt. Nur, was genau ist das jeweils? Beim Islam ist das relativ einfach: ein islamischer Gottesstaat richtet sich nach dem Koran und da der Koran von Atomphysik, Buddhisten, Sufisten, Evolution, Fußball und schwulen Außenministern nichts weiß, werden die entsprechenden Regeln nach Gusto interpoliert, bis es passt. Das nennt man dann ein „Rechtsgutachten“. Das ist so ähnlich wie die Moslems, die ihren Raki mit vorgehaltener Hand oder unter dem Tisch trinken, weil dann Allah nicht zuguckt: erlaubt ist, was praktisch ist und gerade ins Konzept passt. Bei der Definition von Ge- und Verboten ist man flexibel.

Soweit, so stereotyp. Nun die andere Seite: das christliche Abendland.

Da wird’s etwas schwieriger. Schon das Abendland ist ja nicht mehr als „Westen“  – also westlich des eisernen Vorhanges – zu definieren, da es die rostigen Gardinen ja nicht mehr gibt und etwa Tunesien – wer hätte es gewusst- westlich von Berlin liegt. Gänzlich ins Schleudern kommt man aber, wenn man nun das Adjektiv „christlich“ definieren will.

Christen sind Anhänger dieses jüdischen Wanderpredigers namens Jesus, der vor 2000 Jahren in der Gegend von Jerusalem gesichtet wurde. Nun hat dieser Jesus aber nichts Schriftliches hinterlassen, so dass sich seine Anhänger auf die Aussagen von Leuten verlassen, die ihn auch nur vom Hörensagen kennen. Von entsprechender Qualität sind die Aussagen dieser frühen Anhänger: widersprüchlich, fantastisch und öfter hat man den Eindruck, dass da der eine oder andere Chronist eine ungesunde Menge Drogen konsumiert hat, bzw. über die Auswirkungen eines solchen Konsums berichtet.

Nachdem dieser Jesus im Wesentlichen den bevorstehenden Weltuntergang gepredigt hat – und folgerichtig klarstellte, dass es an der Zeit wäre, seine Konten zu leeren und die Kohle unters Volk zu bringen – hielt sich die Anhängerschaft in Grenzen. Der Weltuntergang war nichts Neues, der war schon öfter ausgeblieben aber anscheinend war Jesus eine Art „Top Act“ in der damaligen Zeit, die relativ arm an harmlosen Attraktionen war. Als er dann aber den lokalen Kaufleuten – die ihm das mit dem Weltuntergang nicht abkauften – das Geschäft verderben wollte, bekam er richtigen Ärger, eventuell stießen sich auch ein paar verlassene Ehemänner daran, dass Jesus und seine Kumpels einen ganzen Tross an Frauen mitschleppten – aber keiner heiraten wollte. Wie auch immer, die Sache endete für Jesus nicht gut, und man streitet sich darüber, ob er das Kreuz überlebt hat, oder nicht. Ersteres ist wahrscheinlicher und so besuchte er seine Kumpels, löste die Versammlung auf und suchte sich einen anderen Wirkungskreis.

Was hat aber nun dieser erfolglose jüdische Wanderprediger mit der Kultur in Deutschland zu tun? Nicht wirklich viel. Ein paar Schreiberlinge bekamen Wind von der Sache, strickten um die Story vom Gekreuzigten und Auferstandenen eine Geburtslegende und ein paar Wunder, um die Sache glaubhafter zu machen, und hatten nun eine neue, spannende Religion, die Potenzial hatte. Die römischen Götter waren unbeliebt, Jude konnte man so ohne weiteres nicht werden und die ganzen restlichen Götter stellten teils erhebliche Ansprüche. Der Christengott hatte ein Paradies zu bieten und wenn man Märtyrer wurde, landete man sofort dort und wenn einem das nicht reichte, die Auferstehung war ja bereits in Sicht –  bis der Jüngste Tag anbrach, konnte es sich ja nur noch um ein paar Jahre handeln.

Doch irgendwas ging schief – die Welt weigerte sich, unterzugehen. Die Christen mussten einsehen, dass sie mit dem „In-den-Tag-Hineinleben“ auf Dauer nicht hinkamen. Strukturen mussten her und wie das mit Strukturen ist – sie verselbständigten sich. Die heidnischen, römischen Intellektuellen hatten sich langsam angeekelt aus der Politik zurückgezogen, es entstand ein philosophisches Vakuum, in das die Christen hineinstoßen konnten. Innerhalb weniger Jahrzehnte übernahmen sie den römischen Staat und fuhren ihn an die Wand.  Der Rest ist – blutige – Kirchengeschichte. Die nächsten 1600 Jahre war die christliche Kirche damit beschäftigt, weltweit alles abzumurksen, was nicht bei drei das Vaterunser betete. Dabei beschäftigte sie sich eher wenig mit dem technischen Fortschritt sondern eher mit kriegerischen Unternehmungen. Wissen der Griechen und Römer wurde je nach Gusto wahlweise verbrannt oder abgeschrieben. Die Rechtsordnung wurde von den Römern übernommen und bisweilen mit lokalen Stammestraditionen vermengt – natürlich immer mit einem Religionsvorbehalt versehen, damit den Christen nicht das gleiche passierte, wie seinerzeit den Römern. Wer aufmuckte, wurde umgebracht, Päpste hielten sich Lustknaben und Frauenklöster waren gern besuchte Bordelle.

Irgendwann kam dann Jan Hus daher, der der Meinung war, dass das der Christus doch mal anders gemeint hatte.  Die auf seine Ermordung folgenden Hussitenkriege legten ganze Landstriche in Schutt und Asche. Luther hielt sich seinerzeit aus den von ihm mit angezettelten Bauernkriegen intelligenterweise heraus und den 30jährigen Krieg bekam er gar nicht mehr mit. Auch die Hexenverbrennungen und Judenpogrome zählten zur christlichen Kultur, ebenso wie ernsthafte Diskussionen noch im 19. Jahrhundert, ob denn nun Frauen eine unsterbliche Seele hätten, oder nicht.

Eines ist klar: Massenmorde, religiöse Verbohrtheit und Bigotterie sind jetzt nicht das, was man gemeinhin unter der „christlichen Kultur“ versteht. Was versteht man darunter? „Nächstenliebe“? Das gab es tatsächlich im Mittelalter. Reiche Stifter bauten Altenheime und Kirchen – gar nicht aus monetären Gesichtspunkten, sondern für ihr eigenes Seelenheil. Almosen für Arme waren Christenpflicht – man gab, weil man damit seine Chancen auf das Paradies erhöhte.

Gibt es diese Kultur heute noch? Nein. Es gibt Spenden – aber wohl keiner spendet, um damit Gott zu bestechen.

„Toleranz gegenüber Andersdenkenden?“ Ein wunderbarer Wert – nur absolut nicht christlich. Schon Christus schlug laut Bibel vor, Ungläubige zu erschlagen, was dann in der Folgezeit auch reichlich praktiziert wurde.

„Gnade, Vergebung“? Ein sehr christlicher Wert – nur leider war dafür Gott zuständig. Nicht die Menschen. Der 30jährige Krieg – ein „Religionskrieg“ ist bis heute der blutigste Krieg, von dem wir wissen. Er löschte ein Drittel der europäischen Bevölkerung aus.

Was bleibt vom Christentum? Die Heiligenverehrung? Mit Verlaub, was hat das mit Jesus zu tun? Kirchen und Kunstwerke? Wunderschön – auch die Akropolis ist schön und Stonehenge hat auch was. Hätte es das Christentum dafür gebraucht? Wäre die Kunst nicht längst viel weiter ohne?

Vollends absurd wird es, wenn vom „jüdisch-christlichen Abendland“ gesprochen wird. 2000 Jahre lang haben Christen nichts unversucht gelassen, um den Einflus der Juden auf die Kultur auf Null zu drücken. Sie bekamen nur dann Einfluss, wenn man sie mal wieder ausplünderte und Hitler hat den letzten Rest dann noch in Rauch und Flammen aufgehen lassen. Und jetzt soll das Abendland auf einmal jüdisch geprägt sein? Juden haben zu unserer Kultur ungeheueres beigetragen – aber nicht in ihrer Eigenschaft als Juden, sondern als Kunstmäzene, Künstler und Wissenschaftler. Genauso wie Christen unsere heutige Kultur geprägt haben – aber auch diese nicht in ihrer Eigenschaft als Christen. Im Gegensatz dazu ist unsere Kultur von Agnostikern, Atheisten und Humanisten maßgeblich beeinflusst worden – und zwar genau in ihrer diesbezüglichen Eigenschaft. 

Nein. Die Kultur des Abendlandes ist so wenig christlich wie jüdisch. Unsere heutige Kultur ist säkular-humanistisch. Der Mensch ist individueller Mensch, weil er als Mensch geboren wurde – und nicht, weil ihn irgendein Gott erst rechtfertigen muss.

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

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29 Antworten auf Abendland – jüdisch-christlich?

  1. Alchymist sagt:

    Der Artikel ist zwar von seiner Aussage her richtig und wichtig, ich finde jedoch, dass er am Kern der Sache haarscharf vorbeigeht. Nämlich: was sind denn die Werte des „Westens“?

    Die Werte auf denen unsere Gesellschaft IMHO aufgebaut sind:
    – Werte der vorchristlichen Antike (griechische Demokratie, römisches Recht)
    – Werte der Aufklärung, der französischen Revolution
    – ein rational-naturwissenschaftliches Weltbild

    Insbesondere was den zweiten Punkt (Aufklärung, frz. Revolution) sind nicht die Werte der jüdisch-christlichen Religion, sondern Werte, die in jahrhundertelangem blutigem Kampf Schlachten gegen die organisierte Religion erstritten wurden.

    Und das unterscheidet das „Abendland“ von der „muslimischen Welt“. Dort herrscht nocht die Theokratie, die mittelalterliche Wertvorstelleungen diktiert.

    Die Geschichte unserer (relativen) Freiheit als langer Kampf gegen Religion und Unterdrückung wird sehr schön von AC Grayling in seinem Buch „Towards the Light“ dargestellt (Dt.: Freiheit, die wir meinen: Wie die Menschenrechte erkämpft wurden und warum der Westen heute seine Grundwerte gefährdet). Dieses möchte ich als eine Sammlung von wirklich guten Argumenten gegen das Geschwätz vom christlich-jüdischen Abendland empfehlen.

    Allerdings unterstelle ich vielen, die diesen Ausdruck benutzen, einfach nur Gedankenlosigkeit und nicht Absicht. Genauso wie nicht jeder der „Gottseidank“ sagt, das wirklich so meint…

  2. Frederik sagt:

    Der europäische Faschismus war das letzte Rückzugsgefecht des (katholischen) Christentums in Europa. Auch wenn die katholische Kirche nach 45 versucht hat, die Spuren zu verwischen, ist die geistige und politische Miturheberrschaft des Katholizismus nicht zu übersehen. Absurderweise kam es nach 45 gerade in Deutschland zu einer Wiederbelebung der angeblichen christlichen Werte. Von nachhaltiger Wirkung war dies wohl nicht. Der Geist der Aufklärung, der Menschenrechte, der Vernunft und Wissenschaft breitet sich in Europa zumindest immer weiter aus und der Einfluss der Kirchen schwindet. Leider werden die allermeisten deutschen Politiker von der Linken bis zur Union ihrer Verantwortung nicht gerecht, unser aufklärerisches Erbe explizit zu würdigen und selbstbewusst zu verteidigen.

  3. Frank Berghaus sagt:

    #23 Frederik am 2. November 2011 um 14:09

    Leider ist das so. Und wenn man sich ansieht, dass die zwei Parteien, die ca. 60% der Bürger repräsentieren, nicht einmal einen laizistischen Arbeitskreis zulassen, dann ist nur noch zappenduster.

    Nun gut, bei den Vatikanparteien würde man es wohl kaum erwarten – aber bei der SPD?

  4. pinetop sagt:

    Die Propheten im Orient haben ihren Mitmenschen immer wieder versichert, sie hätten einen exklusiven "Draht" nach "ganz oben". Das hat ihren Aussagen keinen Abbruch getan – ganz im Gegenteil. Man stelle sich vor Aristoteles hätte nach Fertigstellung seiner Nikomachischen Ethik mit voller Überzeugung behauptet, dass es sich dabei um die Ansicht von Zeus handele und sie ihm von einem Götterboten übersandt worden sei. Vielleicht wären seine Zeitgenossen und später die Römer auf seinen Schwindel hereingefallen. Möglicherweise wäre heute das Christentum eine obskure Sekte im Gazastreifen. Wahrscheinlich würden die Anhänger von Anaxagoras, Protagoras und Demokrit den Aristoteles als Schwindler bezeichen und die Kleriker würden empört der Verfall der Sitten beklagen. Amnesty International würde jene Länder geißeln, in welchen das Strafrecht die Todesstrafe für Aristoteleskritiker vorsieht. 

  5. pinetop sagt:

    Im obigen Text wurde auch die Übernahme des römischen Staates durch die Christen angesprochen. Waren die Christen verantwortlich für das Ende von Rom? Ein schönes Thema zum Spekulieren.

  6. Frederik sagt:

    Falls sich noch jemand erinnert: Es gab vor knapp einem Jahr im Rahmen der Sarrazin-Hysterie einen Vorstoß von FDP-Politikern, in dem das Bild von der jüdisch-chrsitlichen Leitkultur mit guten Argumenten abgelehnt wurde. Nur wurde daraus leider nicht viel: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,733704,00.html

  7. Frank Berghaus sagt:

    Dass man die Geschichte auch anders betrachten kann, zeigt einmal mehr islam.de: http://www.islam.de/19188

  8. Ein Teil von jener Kraft sagt:

    #28Frank Berghaus am 2. November 2011 um 15:34

    Dass man die Geschichte auch anders betrachten kann, zeigt einmal mehr islam.de

    Wobei sie in der Sache durchaus recht haben, es hat genügend Perioden in der Geschichte gegeben wo Juden und Muslime gemeinsam gegen Christen, bzw. wo Juden irgendwo zwischen beiden standen (z.B. lag im Frühmittelalter der Handel zwischen christlichen und muslimischen Ländern überwiegend in jüdischen Händen, so hatte Karl der Große seinerzeit ein paar Juden zu Harun-Ar-Raschid geschickt um dort einen Elefanten abzuholen). OK, zu Zeiten des Propheten sah es etwas anders aus (5:82: Du wirst ganz gewiß finden, daß diejenigen Menschen, die den Gläubigen am heftigsten Feindschaft zeigen, die Juden und diejenigen sind, die (Allah etwas) beigesellen. Und du wirst ganz gewiß finden, daß diejenigen, die den Gläubigen in Freundschaft am nächsten stehen, die sind, die sagen: „Wir sind Christen.“ Dies, weil es unter ihnen Priester und Mönche gibt und weil sie sich nicht hochmütig verhalten).

  9. Ein Teil von jener Kraft sagt:

    „Christlich“ im Sinne von „durch das real existierende Christentum geprägt“ ist sicher ok. Jüdisch, nun ja, natürlich ging das Christentum aus dem Judentum hervor, aber andererseits gründet sich das Christentum eben auch auf der gründlichen Verwerfung einiger jüdischer Grundprinzipien, insbesondere die Unterwerfung unter das Gesetz. Jüdisch-christlich würde logisch nur dann Sinn machen wenn eine von 2 Voraussetzungen zuträfe:

    Entweder das Judentum hat unsere Gesellschaft ideologisch direkt und nicht nur indirekt über das Christentum geprägt.

    Oder das Christentum existiert in vielen Facetten (tut es natürlich), und die hier bei uns im „Abendland“ vorherrschende Facette steht dem Judentum deutlich näher als das Christentum in anderen Weltgegenden.

    Ich sehe aber keine von beiden Voraussetzungen erfüllt.

  10. Ein Teil von jener Kraft sagt:

    #26pinetop am 2. November 2011 um 14:38

    Waren die Christen verantwortlich für das Ende von Rom? Ein schönes Thema zum Spekulieren. 

    Wäre ein Thema für sich (ich denke dass das Römische Reich auch ohne Christentum untergegangen wäre). Wollte nur anmerken dass das Oströmische Reich als christlicher Staat noch ziemlich lange existiert hat. 

  11. ilex (E. Ahrens) sagt:

    #28 Frank Berghaus am 2. November 2011 um 15:34 = Dass man die Geschichte auch anders betrachten kann, zeigt einmal mehr islam.de:

    Nach dem Motto: "Teile und herrsche!" den Juden ein paar freundliche Worte zugeworfen, damit sie nicht mit den Christen gemeinsame Sache machen – ist doch ganz einfach. Und offenbar macht der Zentralrat der Juden (ZdJ) bei diesem Spiel mit, indem er seinerseits gegen sein ureigenstes Interesse Stellung für den Islam bezieht.

  12. ilex (E. Ahrens) sagt:

    #30 Ein Teil von jener Kraft am 2. November 2011 um 19:34

    Entweder das Judentum hat unsere Gesellschaft ideologisch direkt und nicht nur indirekt über das Christentum geprägt.

    Oder das Christentum existiert in vielen Facetten (tut es natürlich), und die hier bei uns im „Abendland“ vorherrschende Facette steht dem Judentum deutlich näher als das Christentum in anderen Weltgegenden.

    Ich sehe aber keine von beiden Voraussetzungen erfüllt.

    Direkt hat das Judentum unsere Gesellschft nie geprägt, es war immer nur folkloristische Randerscheinung, die zu oft auch feindlich betrachtet wurde. Das schließt nicht aus, dass eine Reihe von Juden zu unserer Kultur beigetragen haben – aber eben nicht primär in ihrer Eigenschaft als gläubige Juden.

    Das Christentum hat der Jude Paulus entgegen der Ursprungsanlage als jüdische Sekte quasi globalisiert und in seine Glaubenskonstruktion auch nichtjüdische Elemente aufgenommen. Von daher hat des jüdische im Christentum vielleicht einen ehrenvollen  Platz als Ursprung der Legende – aber ansonsten das Christentum nur ein wenig angefärbt.

    Insofern ist die Mär von der "christlich-jüdischen" Kultur ohnehin ein Wegweiser in die falsche Richtung, weil sie unser antikes Erbe und das der Renaissance und Aufklärung gerade gegen das Christentum verschweigt.

  13. Ein Teil von jener Kraft sagt:

    #33ilex (E. Ahrens) am 2. November 2011 um 21:30

    Von daher hat des jüdische im Christentum vielleicht einen ehrenvollen  Platz als Ursprung der Legende – aber ansonsten das Christentum nur ein wenig angefärbt.

    Das würde ich so auch wieder nicht sagen. Die zentrale Idee dass es nur einen Gott gibt kommt natürlich vom Judentum, und hat gewaltige praktische Konsequenzen. In der klassischen griechisch-römischen Gesellschaft konnte man sich seinen Lieblingsgott raussuchen und, wenn man den betreffenden Gott genug geschmiert hatte, mit seiner Unterstützung jede beliebige Gemeinheit begehen. Im Ein-Gott-Glaube, wo also jetzt ein Gott für alles zuständig ist, sieht anders aus. Insbesondere beförderte der Ein-Gott-Glaube auch die Idee, dass jeder Mensch einklagbare Rechte besitzt (der israelische Archäologische Israel Finkelstein verweist immer gern auf von ihm ausgegrabene Tontafeln mit Beschwerdebriefen gegen höhergestellte Personen, nach seiner Meinung trat dieses Phänomen im jüdischen Umfeld viel früher auf als anderswo). In einer Gesellschaft wo Könige den Rang von Göttern haben, sind Beschwerden in der Tat nicht ratsam neigen. Insofern hat das Judentum schon gewichtige Spuren im Christentum hinterlassen.

  14. TimK sagt:

    #32 ilex (E. Ahrens) am 2. November 2011 um 21:15

    Und offenbar macht der Zentralrat der Juden (ZdJ) bei diesem Spiel mit, indem er seinerseits gegen sein ureigenstes Interesse Stellung für den Islam bezieht.

    Dass irgendjemand gegen sein ureigenstes Interesse handelt, halte ich nicht für sonderlich wahrscheinlich. Und warum sollte ausgerechnet der ZdJ dies tun?

    Der zitierte Artikel aus islam.de verschweigt übrigens, was Homolka über seine Einstellung gegenüber religionslosen Menschen gesagt hat:

    Im Jerusalemer Talmud findet sich die Äußerung, dass Gott unseren Glauben nicht braucht. Gott ist Gott, auch wenn der Mensch ihn nicht als Gott anerkennt. Aber wenn wir gerecht handeln und seine Welt bewahren helfen, dann rechnet er es den Menschen an, als haben sie an ihn geglaubt. Das bedeutet, dass unser ethisches Verhalten Vorrang hat vor Glaubensfragen. Diese Priorisierung öffnet den Weg für eine Zusammenarbeit aller, die guten Willens sind. Gott braucht Komplizen, die sich um unsere Welt und unser solidarisches Zusammenleben darin sorgen. Es ist ihm egal, woher wir Kraft und Schwung dafür nehmen. Und wenn es Gott egal ist, kann es mir doch auch egal sein.

    (http://www.neues-deutschland.de/artikel/209953.gott-braucht-komplizen.html)

    Diese Äußerung des "jüdischen Bruders" schien den rechtgläubigen Muselmanen dann wohl doch nicht islamkonform genug zu sein.

  15. ilex (E. Ahrens) sagt:

    #35 TimK am 2. November 2011 um 23:02 = Dass irgendjemand gegen sein ureigenstes Interesse handelt, halte ich nicht für sonderlich wahrscheinlich. Und warum sollte ausgerechnet der ZdJ dies tun?

    Keiner Ahnung – das wird er nur selbst wissen. Stellungnahmen des ZdJ zur Islamkritik von Deutschen betonen eben eher die Solidarität mit dem Islam – verwunderlicherweise.

  16. ilex (E. Ahrens) sagt:

    #34 Ein Teil von jener Kraft am 2. November 2011 um 22:48 = Insofern hat das Judentum schon gewichtige Spuren im Christentum hinterlassen.

    Was aber auch sich nur haarscharf so realisierte, denn die heiligen Schriften des zeitweise sehr einflussreichen "Ketzers" Marcion hatte nun mit dem Alten Testament garnichts am Hut.

    Natürlich ist das Christentum nicht ohne den Einfluss des Judentums denkbar – schließlich ist es unter Juden entstanden. Aber vom spezifisch jüdischen Glauben und der jüdischen Alltagskultur ist doch im Christentum kaum etwas zu bemerken: Das Osterlamm vielleicht und ein paar mehr oder minder lehrreiche Geschichten. Und eben der Ruhetag, einmal die Woche.

    Wären den Christen sonst die Juden während des gesamten Mittelalters und bis in die Neuzeit hinein so fremd erschienen? Ansonsten hätte man sie doch als Brüder im Geiste viel besser behandeln müssen.

  17. emporda sagt:

    Was ist bitte die jüdische Kultur ?

    Den Juden war laut kaiserlichem Edikt von 48 n.C. der Aufenthalt in Rom verboten, bis zu 4.000 Tausend wurden nach Sardinien deportiert, viele zerstreuten sich in alle Ecken des römischen Reiches. Eine einheitliche Entwicklung des Judentums gab es so wenig wie ein dominierenden Einfluss auf die Kultur des Gebietes, in dem sie als Minderheit geduldet wurden.

  18. emporda sagt:

    @ilex

    Das AT wurde durch die Juden in der Zeit 250 – 50 v.C in Judäa geschrieben, hauptsächlich in Qumran. Als Sprache wurde das wiederbelebte sakrale Mittelhebräisch und Aramäisch genutzt, die Inhalte entstammen überwiegend sumerischen Mythen. Es bestanden enge Verbindungen zu den Griechen in Alexandria und kaum welche ins Zweistromland. Von den Göttern bis hin zu den Personennamen des AT ist fast alles aus den nördlich Nachbarn Palästinas kopiert und zwangsweise auf jüdisch getrimmt.

    Die Evangelien des NT und etwa 150 weitere wurden nach 100 n.C. erst im nordöstlichen Mittelmeerraum geschrieben, später bis 340 n.C. im eher westlichen römischen Reich. Kein einziges Evangelium entstand in Palästina. Die Autoren sprachen durchweg Altgriechisch und/oder Latein, keiner sprach Mittelhebräisch oder Aramäisch, keiner hat Palästina je gesehen, keiner war Jude und kannte jüdische Riten und Gepflogenheiten.

    Wo also ist in den Schriften des Christentum jüdische Kultur zu finden, das klassische Judentum endete in Palästina um 71 n.C. mit der Zerstörung des Tempels in Jerusalem sowie allen anderen Tempeln

  19. ilex (E. Ahrens) sagt:

    #38 emporda am 3. November 2011 um 10:51

    #39 emporda am 3. November 2011 um 11:08 = @ilex

    Das AT wurde durch die Juden in der Zeit 250 – 50 v.C in Judäa geschrieben, hauptsächlich in Qumran. (….)

    Wo haben Sie denn das her? Lesen Sie über Qumran vielleicht erst einmal dies.

    Kein einziges Evangelium entstand in Palästina. Die Autoren sprachen durchweg Altgriechisch und/oder Latein, keiner sprach Mittelhebräisch oder Aramäisch, keiner hat Palästina je gesehen, keiner war Jude und kannte jüdische Riten und Gepflogenheiten.

    Ganz altes "Altgriechsich" oder die Koine? Was sprachen die, die nicht durchweg in Latein und Griechisch schrieben? Keltisch? Germanisch?  Und "keiner" ist immer eine gewagte Behauptung. Paulus hatte zwar das römische Bürgerrecht – aber war Jude. Klar war griechisch Sprache der Gebildeten – auch der Juden.

    Das klassische Judentum endete in Palästina um 71 n.C. mit der Zerstörung des Tempels in Jerusalem sowie allen anderen Tempeln

    Schon einmal etwas gehört vom Aufstand des Bar Kochbar? Schon einmal darüber nachgedacht, wo auch vor Zerstörung des Tempels Juden wohnten? Dass sowohl die Juden als auch die jüdische Religion weiterlebte, auch ohne Tempel?

    Beide Postings von Ihnen sind in meinen Augen historisch esoterisch.

  20. Emil Ule sagt:

    Um Himmels willen – da kuckt man harmlos auf den Blog und sieht so einen Widergänger aus der Versenkung heraufgekrochen….

    ;-)

    Wie sieht's in Tunesien aus? Gibt's da Kontingente für deutsche Auswanderer?

  21. Frank Berghaus sagt:

    #41 Emil Ule am 5. November 2011 um 20:02

    Es hindert dich ja niemand, öfters hier vorbei zu schauen :-)

    Tunesien würde ich erst wieder empfehlen, wenn eines Tages dir grüne Gefahr beseitgt sein sollte – wonach es im Moment allerdings weniger aussieht :sad:

  22. Indianerjones sagt:

    Die Pest im allgemeinen sind die geistig Verwesendenden, die einer Religion hinterherlaufen, die Eifrigsten zur Zeit sind die *Hinterfüßlerisch *,behinderten Probanden einer sehr fragwürdigen Sache zu verstehen, die das auch noch im 21.Jahrhundert einwirken wollen lassen, in dieser Welt……..nennt sich kurz gesagt…..Islam, keine weitere Ehre dazu.:nerd:

  23. Indianerjones sagt:

    #43

    …No Religion, no cry * :nerd:

  24. Indianerjones sagt:

    #44

    Auch gegen jeglicher Widersprüche und irgentwelcher Erklärungen, oder gar Klarstellungen, sei dies ,die Wahrheit! :nerd:

  25. Indianerjones sagt:

    #45

    Religion an sich strahlt immer ein ungesundes Zusammensgefühl aus, das unabdinglich nach einen Führer sucht, so, wie auch immer , zu einen Führerkult sucht, ob man das nun will, oder auch nicht.:nerd:

  26. Indianerjones sagt:

    #46

    Wenn Viele zu laufen anfangen, auch hinterher , kommt der Führer gleich hinterher und ist dann unabdinglich vorderdran.:nerd:

  27. Indianerjones sagt:

    #47

    Darum bin ich der freien Meinung, das die gefährliche Rederei über Religion und dergleichen  endlich mal ein Ende haben sollte, Erklärungen zu jeder Religion oder dagegen sind nicht zu vereinen mit rationaler Denkweisen…….[..]

  28. Indianerjones sagt:

    #48

    Friede im Leben ,ist eine freie Entscheidung der Menschen, nicht aber eines Machthabers, sei es Demokratisch oder auch Diktatorisch, der freie unwiderstehliche Wille zur Veränderung lebt dabei in jeden Menschen weiter und fort…[..] …egal was ist und passiert.

  29. EXO sagt:

    Vielen, vielen Dank für diesen gelungenen Beitrag.
    Er spricht mir so sehr aus der Seele, daß ich einfach applaudieren muß.
    Zwar bringt dieser Beitrag keine neuen Erkenntnisse für mich.
    Aber es tröstet mich, da draußen noch andere Bildungsbürger zu wissen, die sich ebenfalls nicht von der Propaganda der Geschichtsverfälscher und Wahrheitsverdreher beeindrucken lassen.
    Der moderne Mythos von den vorgeblichen Errungenschaften einer Kultur des "jüdisch-christlichen Abendlandes", den das Establishment neuerdings so penetrant wie lautstark zitiert, hat mich schon häufiger in einen Schwebezustand zwischen Lachkrampf und Fassungslosigkeit versetzt.
    Lachkrampf, weil es so dermaßen lächerlich und realsatirisch ist, vermeintlich gebildete Leute so einen unqualifizierten Mumpitz reden zu hören.
    Fassungslosigkeit, weil dieses und viele andere Märchen unabläßlich und oft unwidersprochen durch den medialen Äther wandern, und das auch noch vorgetragen mit einer inbrünstigen Überzeugung, daß ich mich immer öfter kopfschüttelnd abwenden muß.
    Nachrichten von etablierten Medien zu sehen, zu hören oder zu lesen, habe ich mir deshalb mittlerweile abgewöhnt, denn sie beleidigen schlichtweg meine Intelligenz. Doch es ist fast unmöglich, dem Märchenwald zu fliehen, denn ich lebe schließlich in diesem Gehege, welches sich Deutschland nennt.
    Und es fördert nicht eben mein Vertrauen in diesen Staat und in die Unabhängigkeit der Justiz, wenn ich Gebühren für Propagandainstitutionen zahlen muß, ohne selbst einen Fernseher zu besitzen. Auch diese Tatsache ist bitterste Realsatire.
    Ich habe Wissenbloggt mit einem Lesezeichen versehen. Die wenigen Beiträge, die ich bisher gelesen habe, sind sehr geistreich und erfreulich gut geschrieben, und sie widersprechen den dümmlich-tendenziösen Kommentaren, den mir die diplomierte "Verschwörung der Idioten" als Fakten aufzutischen versuchen.
    Weiter so :-)

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