Seele ohne Gott?


Mit permanenter Boshaftigkeit werden Atheisten vom katholischen Hetzblatt kath.net als „Gottesleugner“ bezeichnet. Nach allgemeinem Sprachverständnis kann man nur Tatsachen leugnen. Wenn jemand nachweislich ein Verbrechen begangen hat, es aber vor Gericht nicht zugeben möchte, kann man mit Fug und Recht sagen, dass er seine Tat leugnet. Pikanterweise finden sich besonders hartnäckige Leugner von Tatsachen vor allem in den Kreisen der Herren mit den lustigen Kleidern: die Holocaust-Leugner der Pius-Bruderschaft und in ihrem Gefolge noch schlimmere Web-Seiten wie kreuz.net, eines ihrer Sprachrohre.

Den Begriff „Gottesleugner“ kann es schon deshalb nicht geben, weil Gott keine Tatsache vergleichbar dem Holocaust ist. Wer eine Hypothese (hier also irgendeinen Gott) ablehnt, kann schlicht nicht als Leugner bezeichnet werden. Das wäre in etwa so, als wenn alle diejenigen, die die Kugelgestalt der Erde als Tatsache anerkennen, als „Platterdenleugner“ beschimpft würden. Doch vor Absurditäten hat die Kirche ja in ihrer Historie nie zurückgeschreckt.

Man könnte mit einem Schmunzeln darüber hinweg gehen, wenn nicht schon wieder handfeste Interessen diese Diffamierung befeuerten. Zu verteidigen gilt es die fest in christlicher Hand befindliche Militärseelsorge. Eine große Pfründe, die in Deutschland – angeblich ein säkularer und neutraler Staat – vollständig aus allgemeinen Steuermitteln finanziert wird. So leicht wird es den Kirchen in fast allen Bereichen gemacht. Statt sich die Bezahlung durch finanzierungswillige Schäfchen zu erarbeiten werden sie großzügig alimentiert.

Anlass für den erneuten süffisanten Diffamierungsversuch  an Freidenkern ist ein Vorstoß von Atheisten und Humanisten in der US-amerikanischen Armee, dem unerträglichen Druck der christlichen, jüdischen und Buddhistischen  Militärseelsorge ein atheistisches Pendant entgegen zu setzen. Welcher möglicherweise traumatisierte Soldat möchte in seinen Nöten schon gern mit süßlichen Geschichten vom lieben Jesulein berieselt werden, wenn es darum geht, ihm ganz praktische Lebenshilfe an die Hand zu geben? Es sei denn, er möchte dies unbedingt. Dann wird ihm kein Atheist widersprechen.

Man sollte sich den Artikel in voller Länge genießerisch antun. Auch die Kommentare sind ausgesprochen lesenswert und häufig ungewollt komisch.

 http://www.kath.net/detail.php?id=31201