Bildungspolitik

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Happy_HumanGrundgedanken zusammengestellt vom Leiter der Arbeitsgruppe Dieter Fischbach.

Bildung und Ausbildung sind die Grundlage für das Zusammenleben in einer modernen, zukunftsorientierten, humanistischen Gesellschaft.

Dabei formt die humanistische Grundbildung die Basis, ohne die eine erfolgreiche Ausbildung, egal, ob akademisch oder eine Ausbildung oder jedem anderen Berufsfeld, nicht erfolgreich möglich sein kann.

Beide Prozesse, Bildung ebenso wie Ausbildung, haben zum Ziel, junge Menschen in die Lage zu versetzen, sich einen Platz in der Mitte der Gesellschaft zu sichern, damit sie im Rahmen ihrer intellektuellen und produktiven Fähigkeiten im Widerstreit der Argumente ihren Beitrag zur Evolution der Gesellschaft zu leisten vermögen.

Dies sind im Besonderen die Achtung der Menschenwürde, sowie die Einhaltung der Prinzipien von Rechtsstaatlichkeit und Demokratie

Da der Bereich Ausbildung stark an den ökonomischen Anforderungen des jeweiligen künftigen Arbeitsplatzes orientiert ist, führt dies dazu, den Blick auf die Basis, also die humanistische Grundbildung, zu fokussieren.

Es erhebt sich sogleich mit Recht die Frage, was diese humanistische Basis ausmacht, die jedem Individuum einen erfolgreichen Start in die Gesellschaft ermöglichen soll.

Aus humanistischer Sicht ergeben sich drei Bereiche, in denen ein junger Mensch grundlegendes Wissen und Fertigkeiten erwerben muss, damit er sich möglichst frei von ideologischen Zwängen und Dogmen entwickeln kann, um zu einer innovativen Persönlichkeit zu reifen, die im besten Sinne eine Bereicherung für die Gesellschaft sein kann.

Bereich 1:

Dieser Bereich lässt sich durch die Fähigkeit charakterisieren, sich logisch-rational und kritisch mit seiner Umwelt auseinander zu setzen.

Um diesen kritischen Diskurs führen zu können, sind fundierte Kenntnisse und Fertigkeiten in den Bereichen Naturwissenschaften, Mathematik und Philosophie unerlässlich, da sie, wie sonst keine Disziplinen dem Individuum die logisch-rationale Auseinandersetzung mit seiner Umwelt ermöglichen.

Bereich 2:

Dieser Bereich kann mit „fundierter Sprachkompetenz“ beschrieben werden.

Sprache stellt ohne Zweifel das zentrale und Kultur tragende Medium der Kommunikation in der Gesellschaft dar.

Um einen fruchtbaren Diskurs in allen Bereichen des gesellschaftlichen Zusammenlebens zu gewährleisten, ist daher eine solide Ausbildung im Gebrauch der Landessprache, in unserem Fall der Deutschen Sprache, unerlässlich und zwingend erforderlich.

Zusätzlich muss aber auch den Anforderungen einer globalisierten Welt Rechnung getragen werden. Nach dem Erwerb der Grundlagen der Landessprache ist daher der Spracherwerb in mindestens einer international bedeutenden Fremdsprache (i.d.R. der Englische Sprache) vorzusehen.

Entwickelt sich der junge Mensch in Richtung auf eine akademische Ausbildung, so ist für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit allen Bereichen wie auch den Wurzeln unserer abendländischen Kultur, zusätzlich das Studium alter Sprachen (zumindest der Lateinischen Sprache) von Nöten.

Die Wurzeln von Philosophie und Naturwissenschaft reichen tief in die antiken abendländischen Kulturen und eine umfassende Auseinandersetzung mit diesen kann ohne Kenntnisse der zugehörigen Sprachen nur eingeschränkt gelingen.

Bereich 3:

Neben umfassenden sprachlichen Fertigkeiten und der Fähigkeit zum kritisch-logischen Diskurs benötigt das Individuum ausreichende Kenntnisse über die Struktur gesellschaftlicher Interaktion.

Dieser dritte Bereich rundet die humanistische Grundbildung ab.

Die benötigten Kenntnisse werden über die Disziplinen, Geschichte, Politik, Geographie ebenso wie durch einen signifikanten Einblick in die kulturellen Bereiche von Musik, Kunst und Literatur erworben. Wer sich nicht aktiv mit der Kultur der Gesellschaft in der er lebt auseinandersetzt, kann schwerlich einen positiven Beitrag zu ihrer Evolution liefern.

Kenntnisse und Erfahrungen aus anderen Kulturkreisen können dabei zusätzlich von Vorteil sein. Eine humanistische Gesellschaft ist stets offen gegenüber Einflüssen, die ihre Entwicklung zum Positiven begünstigen.

Säkularität des Bildungssystems:

Aus der Forderung, dass sich ein junger Mensch zu einem selbstbestimmten, kritischen und kreativen Mitglied der Gesellschaft entwickeln soll (Teil 1),  ergibt sich unmittelbar, bereits für die schulische Ausbildung, die Forderung nach Säkularität , die das Lehren von Religion als staatlichen Auftrag gleichsam ausschließt, da die doktrinären Sichtweisen einer Religion im Allgemeinen der Entwicklung zu einem selbständigen Individuum entgegenstehen.

Gleichwohl ist das Wissen über Religion im Rahmen der Bildung einer kulturellen Identität erforderlich, da Religionen in der Evolution unserer Gesellschaft eine gewichtige Rolle gespielt haben und zum Teil auch noch spielen.

Das Bildungssystem im Überblick:

Werfen wir abschließend einen Blick auf ein humanistisch geprägtes Bildungssystem.

Für alle jungen Menschen in unserer Gesellschaft muss, vor dem Eintritt in die Berufsausbildung die Möglichkeit zum Erwerb einer umfassenden humanistischen Grundbildung gegeben sein.

Der Primarbereich:

Dies ist zunächst die Aufgabe des primären Bildungssystems (bis zum Alter von etwa 10 Jahren). Der vorhandenen vierjährigen Grundschule fällt diese Aufgabe mit den Fächern Deutsch, Mathematik, Sachkunde, Musik, Kunst und Sport zu.

Durch die Präferenz einer soliden Grundbildung in diesen Bereichen, insbesondere im Gebrauch der Landessprache, stellt der Unterricht in einer Fremdsprache eine unnötige zusätzliche Belastung für die Schüler dar.

Religiöse Aspekte des gesellschaftlichen Zusammenlebens sollen integrativer Bestandteil in allen Fächern sein. Ein separater Religionsunterricht ist, wie bereits dargestellt, entbehrlich.

Der Sekundarbereich:

Ein sechsjähriger Unterricht in einer weiterführenden Schule (Sekundarstufe I) erweitert und vertieft das in der Primarstufe erarbeitete Fundament in den Fächern Deutsch, Mathematik, Geschichte, Philosophie, Physik, Chemie, Politik, Geographie, Biologie, Musik, Kunst und Sport. Zusätzlich erfolgt eine grundlegende Ausbildung in (mindestens) einer international bedeutenden Fremdsprache (i.d.R. Englisch).

Religiöse Aspekte des gesellschaftlichen Zusammenlebens sollen auch hier integrativer Bestandteil in allen Fächern sein. Dies gilt besonders für die Fächer Philosophie, Geschichte, Politik und Geographie. Ein separater Religionsunterricht ist hier ebenfalls entbehrlich.

Eine, wie heute vielfach verbreitet, gezielte Vorausbildung im Hinblick auf eine spätere Berufswahl unterbleibt, da es ein zentrales Ziel humanistischer Bildung ist, junge Menschen dazu zu befähigen, sich im Rahmen einer Berufsausbildung, in möglichst viele Bereiche entwickeln zu können. Bildungseinrichtungen sollen über Praktika Impulse für die Berufswahl vermitteln. Die wesentliche Beratungs- und Führungsrolle fällt in diesem Bereich dem Elternhaus zu.

Das Gymnasium:

Für eine leistungsorientierte Wissenschafts- und Industriegesellschaft ist es essentiell, Begabungen möglichst früh zu erkennen, zu fördern und zu entwickeln.

Diese jungen Menschen müssen, im Sinne einer positiven gesellschaftlichen Evolution, die Möglichkeit erhalten, sich so früh wie möglich in Richtung einer akademischen Ausbildung entwickeln zu können.

Das bewährte Instrument zur optimalen Entwicklung dieser jungen Menschen und ihrer Potentiale ist das Gymnasium.

Hier wird diesen jungen Menschen eine vertiefte humanistische Bildung zuteil.

Da diese Schulform auf das Einschlagen einer akademischen Laufbahn abzielt, ist die Ausbildung in (mindestens) einer Basissprache der abendländischen Kultur (i.d.R. Latein) vorzusehen.

Fazit:

Ich bin überzeugt davon, dass der zur Zeit vorherrschende, ökonomisch ausgerichtete, Bildungsprozess, an deren Ende Abschlusszeugnisse gleichsam als Statussymbole vergeben werden, den falschen Weg darstellt.

Er engt den Entwicklungsprozess des jungen Menschen unnötig ein und behindert diesen in der Möglichkeit zur optimalen Entfaltung seiner Potentiale.

Am Ende dieses „permanenten Beratungsprozesses“ kann schwerlich ein selbstständiges, kritisches und kreatives Individuum stehen.

Auch die aktuellen Übergangsquoten eines Grundschuljahrgangs an die Gymnasien von bis zu 60 lassen nicht den Schluss zu, dass dort noch „intellektueller Leistungssport“ betrieben werden kann.

Der stete Rückgang der Leistungsfähigkeit unserer jungen Erwachsenen wird zusehends von den Universitäten, wie auch von den Arbeitgebern im Allgemeinen, beklagt.

Er ist der sukzessiven Aushöhlung des humanistischen Bildungsideals in den letzten 40 Jahren geschuldet.

Die politische Unfähigkeit zur Erkenntnis und das Nicht-Eingestehen bildungspolitischer Fehler führt unser Bildungssystem aktuell geraden Weges in die Einheitsschule mit Individualbetreuung.

Dem gilt es, sich entschlossen entgegen zu stellen, da dieser Weg unweigerlich zum Verlust der gerade noch vorhandenen internationalen Leistungsfähigkeit führen wird und man damit gleichzeitig die Axt an die Wurzel unserer Gesellschaft legt.

12. März 2013, Dieter Fischbach

 

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66 Antworten auf Bildungspolitik

  1. David Helmus sagt:

    Sehr interessant und ich kann in weiten teilen nur zu stimmen. 
    Die Frage die sich mir stellt, spätestens nach deinem Fazit, ist, wie hällst du es mit allgemeiner Bildung? Humanistische Bildung für jeden oder nur für eine gewisse Elite die den ungebildeten Pöbel schon irgendwie mitzieht?
    Für eine stetige Evolution unserer Gesellschaft brauchen wir, meiner Meinung nach eine breite aufgeklärte Gesellschaft. Diese erreichen wir nicht, wenn wir humanistische Bildung auf Gymnasien beschränken und auf diesen möglichst wenige Schüler haben wollen.

  2. Argutus sagt:

    Ich schlage vor, den "Sport" zu tilgen. Zwar bringt die damit verbundene Bewegung fraglos gesundheitliche Vorteile mit sich und ein Ausgleich für langes Sitzen in der Schule ist sicherlich auch sinnvoll, aber zu vergleichen ist das nicht mit anderen Lehrfächern sondern eher mit den Pausen und den in ihnen vorgenommenen Aktivitäten wie Spazierengehen, Nahrungsaufnahme oder Klo-Benützung.

    Bildungswert hat der Sport nämlich keinen.

  3. Frank Berghaus sagt:

    Jorge Kosch kommentiert:

    habe ich soeben gelesen, falls, und so verstehe ich das, es bei der Grundschule bis zum 10. Lebensjahr bleiben soll und das alte Schulsystem entgegen allen Erfahrungen weiter bestehen soll, lehne ich den Entwurf komplett ab. Das ist komplett old fashioned. Da sind andere Parteien schon weiter. Welcher jüngere Mensch unter 30 Jahren hat da denn mitgewirkt? Da diskutiere ich noch nicht mal drüber. Sorry, nicht meine Weltanschauung. Bitte um mehr Kommentare, auch dringend von Arne Röhrs und anderen, die näher an der Materie dran sind. Sorry Dieter, jetzt geht es ums Eingemachte, ich bleibe sachlich, aber der ganze Ansatz mit den Schulformen passt mir überhaupt nicht. Es geht ja um eine Parteigründung, allein wenn das so durch geht, bin ich nicht dabei.

  4. Frank Berghaus sagt:

    Argutus sagt: 12. März 2013 um 10:11

    "Mens sana in corpore sano" ist sicher nicht nur mit Klo-Benutzung zu erreichen :-)

  5. Jorge Kosch sagt:

    Leibesertüchtigung gehört in die Schule!

  6. Argutus sagt:

    Ich bin überzeugt davon, dass der zur Zeit vorherrschende, ökonomisch ausgerichtete, Bildungsprozess … den falschen Weg darstellt.

    Ich auch. Zwar ist es keine Frage, daß sich Menschen auch Kenntnisse aneignen sollen, die ihnen helfen Geld zu verdienen, aber Bildung ist eben doch etwas ganz anderes.

    An der Basis jeder Bildungspolitik steht eine Grundsatz-Entscheidung: soll das Ziel der natur- und geisteswissenschaftlich gebildete Intellektuelle sein, der die Welt versteht und zu eingenständigem Denken befähigt ist, oder wollen wir lieber entmenschte Rädchen im Getriebe der ökonomischen Profit-Maximierung?

    Humanisten sollte diese Entscheidung nicht schwer fallen.

  7. "Entbehrlich"ist mir als Bezeichnung für Unterricht, der zu einer bestimmten Religion hinführen soll bzw. nur die Konzepte EINER Religion vertieft, viel zu schwach. Den sollte es im öffentlichen Bildungsbereich GAR NICHT mehr geben. Stattdessen vergleichende Religionskunde, in der unter Einbeziehung gesellschaftlicher, ethischer und naturwissenschaftler Aspekte die Konzepte (möglichst vieler) verschiedener Religionen betrachtet werden.

    DAS (Abschaffung konfessionellen Religionsunterrichts) ist einer der wichtigsten Punkte für eine humanistische Partei, daher MUß er m. E. ganz eindeutig herausgehoben werden.

    Was gegen eine Einheitsschule mit individueller Betreuung zu sagen ist erschließt sich mir nicht: Vorausgesetzt, überfällige Bildungsinvestitionen werden endlich getätigt, die Klassen kleiner und mit mehr (auch pädagogisch geschultem Begleit-) Personal ausgestattet, wäre dieses Modell m. E. sehr erfolgversprechend. Bis zur 8./9. Klasse könnten unter solchen Bedingungen sowohl hochbegabte, als auch inkludierte Schüler und alle anderen sowieso sehr gut gefördert werden…Was natürlich auch herkömmlichen Frontalunterricht zugunsten von praktischen, fachübergreifenden Aufgaben, die ECHTES Interesse der Schüler fördern, mit sic bringen würde/müßte.

    Im bisherigen System (die "Guten" in´s Töpfchen….) wird u. a. auch viiiiel zu früh "selektiert", was u. a. die in diesem Alter in vielen Belangen entwicklungsmäßig hinter den Mädchen liegenden Jungs extrem benachteiligt (nein, ich bin NICHT für geschlechter-getrennten Unterricht!).

    Und das System ist eindeutig auf die Förderung gesichtsfeldeingeschränkter Technokraten ausgerechnet: Kinder mit weniger Disziplin, aber mehr kreativem Potential (und damit meine ich nicht nur solche mit irgendwelchen Syndromen) versagen daruin kalkulierbar. – Die meisten "genialen" Erfinder, Künstler und/oder Philosophen waren/sind m. E. keine "Einser-Abiturienten", sondern Menschen, mit Phantasie!

    Als "Mit-Betroffene" (vier mittlerweile mehr oder erwachsene Kinder, 2 w, 2m) kenne ich die Nachteile des bisherigen Systems nur zu genau: Es ist NICHT zukunftsweisend!

  8. Jorge Kosch sagt:

    Kinder und Jugendliche müssen viel früher mehr über privates Wirtschaften ( Verschuldung) und Ernährung (undogmatisch) lernen

  9. Argutus sagt:

    Jorge Kosch sagt:12. März 2013 um 10:37

    Leibesertüchtigung gehört in die Schule!

    Ja, die Kinder sollen zwischendurch in der Schule auch ein wenig laufen und hüpfen und meinetwegen sogar turnen. Aber als Unterrichtsfach wie Mathematik oder Latein, das auch noch benotet wird, ist das lächerlich

  10. Frank Berghaus sagt:

    Argutus sagt: 12. März 2013 um 10:42

    Du scheinst den Sportunterricht in der Schule nicht besonders geliebt zu haben. :-)

    Über Benotungen lässt sich da natürlich nachdenken.

  11. Argutus sagt:

    Frank Berghaus sagt: 12. März 2013 um 10:53

    Du scheinst den Sportunterricht in der Schule nicht besonders geliebt zu haben. :-)

    In der Tat, den habe ich aufrichtig gehaßt. Aber das ist hier nicht der Punkt. Entscheidend ist, daß er nicht in den Bereich der Bildungspolitik sondern in den der Gesundheitspolitik fällt.

    Man kann Sport treiben so viel man will – man wird dadurch kein bißchen gebildeter.

  12. Frank Berghaus sagt:

    Argutus sagt: 12. März 2013 um 11:24

    Man kann Sport treiben so viel man will – man wird dadurch kein bißchen gebildeter.

    Der Zusammenhang ist indirekter Natur. Es zeigt sich eindeutig, dass die Schüler¨, sich in den Konzentrations- und Disziplin-Sportarten wie etwa Geräteturnen besonders hervortun, im Schnitt auch bessere Leistungen in den üblichen Fächern aufweisen.

    Dasselbe gilt im Übrigen – wie ich erst seit Kürzerem weiss – vor allem für Golf spielende Kinder, da dort diese Eigenschaften in besonderem Masse vonnöten sind.

    Ich bin jedenfalls entschieden dagegen, etwa die Abschaffung des Schulsports zu fordern, eher fordere ich die Einrichtunng von Golfplätzen bei allen Gymnasien :-)

  13. pinetop sagt:

    Wichtig erscheinen mir zwei Grundsätze zu sein:

    1. Bildung muss das Individuum entwickeln. Hierzu gehört natürlich auch Philosophie, Geschichte und Kunst. Andererseits ist eine moderne Gesellschaft auf Menschen angewiesen, die mit ihren Ausbildungen in der Lage sind, die wirtschaftliche und technologische Entwicklung voranzutreiben. Ohne diese Bildung ist jede Gesellschaft auf einem absterbenden Ast. Hier – zwischen individueller Persönlichkeitsentwicklung und gesellschaftlicher Notwendigkeit – ist ein Ausgleich anzustreben.

    2. Kinder sollten nicht zu früh in geschlossene Laufbahnen gezwängt werden. Das System muss durchlässig sein. Für viele Jungs z. B. ist das Fußballspielen am Nachmittag wichtiger, als den Kopf in die Bücher zu stecken. Diese Neigung kann urplötzlich vorbei sei und der Schüler entwickelt intellektuelle Neugier. Dann darf es nicht zu spät sein.

  14. Gideon sagt:

    Um diesen kritischen Diskurs führen zu können, sind fundierte Kenntnisse und Fertigkeiten in den Bereichen Naturwissenschaften, Mathematik und Philosophie unerlässlich, da sie, wie sonst keine Disziplinen dem Individuum die logisch-rationale Auseinandersetzung mit seiner Umwelt ermöglichen.

    Und weil diese Disziplin so essentiell für die Bildung von modernen Menschen ist, kann mit naturwissenschaftlichem Unterricht nicht früh genug angefangen werden! Was spricht dagegen, Chemie, Physik, Biologie und Informatik schon ab der ersten Klasse zu unterrichten?

    Man möge sich vorstellen, dass alle Schüler eine 12-jährige naturwissenschaftliche Ausbildung genießen dürften. Fachkräftemangel ade…

    http://library.fes.de/pdf-files/managerkreis/06946.pdf Seite 8

    Die Bildungsrendite bei einer naturwissenschaftlichen Ausbildung ist mit Abstand am höchsten (50 – 60 % mehr Staatseinnahmen im Vergleich zu einer Berufsausbildung) und könnte bei weiterer umfassender Förderung von Wissenschaft noch deutlich erhöht werden (das würde bedeuten, dass diese Bildung effektiv nichts kostet, weil sie langfristig die Zusatzkosten wieder reinspült oder wahrscheinlich ein vielfaches einbringt.)

     

    Dies ist zunächst die Aufgabe des primären Bildungssystems (bis zum Alter von etwa 10 Jahren). Der vorhandenen vierjährigen Grundschule fällt diese Aufgabe mit den Fächern Deutsch, Mathematik, Sachkunde, Musik, Kunst und Sport zu.

    "Primäres Bildungssystem"? Wofür??? Sind naturwissenschafte Inhalte ohne vorherigen 4-jährigen Musik-, Kunst- und Sportunterricht nicht vermittelbar?

    Vorschlag: Von der ersten Klasse bis zum Schulabschluss alle Fächer durchzuunterrichten.

    Diese Fächer sollten meiner Meinung nach sein:

    I) Welt- und Menschenverständnis

    Mathematik, Chemie, Physik, Biologie/Medizin, Informatik/Logik, Psychologie/Neurowissenschaften, Politik/Gesellschaftwissenschaften, Geschichte, (habe ich was vergessen?)

    II) Kommunikation

    Deutsch, Englisch, C++/Java, Soziales Lernen/Ethik (und evtl. weitere verbreitete und relevante Sprachen für Interessierte wie Chinesisch, Spansich, …)

    III) Kulturelle Nachmittagsangebote (auch gerne zwischen den Schulfächern)

    Kunst, Musik, Sport, Philosophie  …

    Argutus sagt: 12. März 2013 um 10:11

    Bildungswert hat der Sport nämlich keinen.

    Das wären nach meiner Rechnung 12 Schulfächer plus Nachmittagskurse. Das ist sicher kein Zuckerschlecken, aber auch keine Zumutung. Mit dem zurzeit üblichen Ganztagssystems sollte dieser Unterricht realisierbar sein.

    An der Universität sollte dann die naturwissenschaftliche Grundausbildung abgeschlossen sein und nur noch spezielles Wissen vermittelt werden. Es ist einfach lächerlich, dass nach 13 (!) Jahren Matheunterricht in z. B. einem BWL-Studium noch Analysis gelehrt werden muss.

     

    Für eine leistungsorientierte Wissenschafts- und Industriegesellschaft ist es essentiell, Begabungen möglichst früh zu erkennen, zu fördern und zu entwickeln.

    Und deswegen sollten alle Fächer in Semestern oder Trimestern unterricht werden, so dass Kindern, die in einem Fach aufblühen, auch die Möglichkeit gegeben, wird, sich bereits mit dem nächsten Themenbereich auseinanderzusetzen. Das geht aktuell kaum, weil man gleich ein komplettes Schuljahr in allen Fächern überspringen muss und auf eigene Faust den Inhalt des Vorjahres nachholen muss.

     

    Desweiteren würde ich gerne das fixe Einschulungsalter von Kindern überdenken. Was spricht dagegen, schon 3- oder 4-jährige Kinder einzuschulen, wenn diese bereits lesen und rechnen können? Es gibt sogar Kinder, die mit 2 Jahren lesen können, nur trauen die meisten Eltern ihren Kindern das gar nicht zu, das bleibt unerkannt und so wird unnötig Potential verschenkt.

    Eine Anekdote: Eine Mutter fährt mit ihrem kanpp 2-jährigen Kind regelmäßig U-Bahn und das Kleinkind plappert die Stationsnamen nach, die angesagt werden. Zumindest dachte das diese Mutter, bis es sie stutzig machte, dass ihr Kind Stationsnamen aufsagte, die gar nicht angesagt worden waren. Ja, das Kind hat sich tatsächlich selber lesen beigebracht. :D Ich kenne auch Menschen, die bereits in ähnlichem Alter dreistellige Zahlen addieren und subtrahieren konnten…

    Warum dürfen sich Menschen im lernfähigsten Alter ihres Lebens nur mit Bauklötzen und Puppen beschäftigen?

     

    Haupt- und Realschulen betrachte ich als Armutszeugnis des Bildungssystems, das nicht in der Lage war, allen Kindern rechtzeitig Interesse an Weltverständnis zu vermitteln. Wenn Millionen Kinder keine umfassende Bildung erhalten, liegt das bestimmt nicht an diesen Kindern, sondern an einem miserablen Bildungssystem.

  15. Argutus sagt:

    Frank Berghaus sagt: 12. März 2013 um 11:35

    Der Zusammenhang ist indirekter Natur.

    Ja, Sport dient der Gesundheit und gesunde Kinder lernen besser.

    Das gilt auch für solche, die sich gesund ernähren. Dennoch wäre etwa ein "Gemüse-Eß-Unterricht" wohl keine ernsthafte Option. :-)

  16. Gideon sagt:

    Das retardierende Wirtschafts- und Wohlstandswachstum in Europa (insbesonder im Süden) sowie die sich rasend schnell öffnende Schere zwischen Arm und Reich ist meines Erachtenes direkte Folge dessen, dass die Entwicklung des Bildungssystems weitgehend zum Erliegen gekommen ist. Da macht es Skandinavien besser. Bildung ist der Schlüssel für Wohlstand der Gesellschaft und sollte das Kernthema einer humanistischen Partei sein.

  17. ilex (E. Ahrens) sagt:

    Sport dient nicht nur der Gesundheit, sondern bei Mannschaftssportarten auch dem Training sozialer Kommunikation, bei Einzelsportarten auch der psychischen (nicht nur der physischen) Entwicklung und insgesamt der sozialen Kompetenz, mit Sieg oder Niederlage umzugehen. Viel Gelaber über Ethik kann man sich sparen, wenn man Kinder durch die Praxis führt.

  18. Klarsicht sagt:

    Ich denke, daß der gesprochene Inhalt des nachstehend aufgeführten Links sehr gut zu diesem Beitrag paßt. Deswegen unbedingt einmal hineinhören !

    Konfuzius sagt: „Der Mensch hat dreierlei Wege klug zu handeln: erstens durch nachdenken, das ist der edelste, zweitens durch nachahmen, das ist der leichteste, und drittens durch Erfahrung, das ist der bitterste."

    Das Universelle Verblödungssystem:

    https://www.youtube.com/watch?v=1RyEEdVTu2A

    Es grüßt

    Klarsicht

  19. Argutus sagt:

    ilex (E. Ahrens) sagt: 12. März 2013 um 12:03

    Ich kann mir problemlos einen sozial kompetenten aber völlig ungebildeten Menschen vorstellen, und das deshalb, weil die soziale Kompetenz – so erwünscht sie auch sein mag – eben kein Teil der Bildung ist.

  20. Gideon sagt:

    "Wenn ich groß bin, werde ich Hartz 4"

    Traurig, aber wahr…

    Wenn ich zurückdenke, habe ich durch typisches Schul- und Uni-Bolemielernen von stumpfen Fakten nichts gelernt. Das meiste Wissen musste ich mir aus Eigeninteresse aneignen. Am liebsten würde ich mein Studium abbrechen, weil ich ohne Anwesenheitspflicht und Prüfungszwang viel effektiver lernen könnte.

    Auf einen Fernseher habe ich schon länger verzichtet und ich werde mir auch keinen kaufen. GEZ-Beitrag soll ich trotzdem zahlen? Ich werden im ernst gezwungen, die Volksverblödung zu finanzieren???

  21. Argutus sagt:

    Gideon sagt: 12. März 2013 um 12:24

    Das meiste Wissen musste ich mir aus Eigeninteresse aneignen.

    War bei mir ebenso. Schon als Gymnasiast pflegte ich zu sagen: "Die Schule nimmt dem Menschen die Zeit weg, die er verwenden könnte um sich zu bilden". :-)

    weil ich ohne Anwesenheitspflicht und Prüfungszwang viel effektiver lernen könnte

    Das kann ich nachvollziehen. Allerdings hatte ich das Glück, daß es in meinem Hauptfach (Astronomie, und das vor langer Zeit) praktisch keinen Prüfungszwang gab.

    Auf einen Fernseher habe ich schon länger verzichtet

    Auch ich habe schon seit 12 Jahren keinen mehr. Ist ja doch bloß schade um die Zeit, die man davor verbringt – und um die Gebühren.

    GEZ-Beitrag soll ich trotzdem zahlen?

    Diese freche Zumutung sucht ihresgleichen!

  22. Alchymist sagt:

    Nee, Leute, das ist nicht euer Ernst, oder? Das ganze hört sich für mich sowohl inhaltlich als auch sprachlich wie aus dem 19. Jahrhundert an. Lateinlernen ist also „von Nöten“? Andere Probleme haben wir nicht? Und das Schulsystem aus dem 19. Jahrhundert müssen wir auch unverändert beibehalten? Ihr wollt ernsthaft in ein Parteiprogramm einen Kanon an Fächern und Lerninhalten reinschreiben, den jeder Schüler eingebleut bekommen soll?

    Ich werfe mal ein paar Stichpunkte in den Raum, die ins 21. Jahrhundert gehören:
    – Medienkompetenz
    – Selbstbestimmung der Lernenden
    – Demokratisierung der Schulen
    – Öffnung der Schulen gegenüber „Profis“
    – Abkehr vom starren 45-Minuten Raster
    – Berücksichtigung der Ergebnisse der neurologischen Forschung bei der Vermittlung von Lerninhalten
    – Lebenslanges Lernen
    – Internetgestützte Formen des Lernens und der Kooperation
    – usw. usw.

    Mit dem Programm in der vorliegenden Form sprecht ihr höchstens pensionierte Oberstudienräte an.

  23. Argutus sagt:

    Alchymist sagt: 12. März 2013 um 12:39

    Ich fasse deine Vorschläge einmal kurz zusammen: Abschaffung der Schule, weil sie nicht in die moderne Spaßgesellschaft paßt. :-)

  24. Gideon sagt:

    Allerdings hatte ich das Glück, daß es in meinem Hauptfach (Astronomie, und das vor langer Zeit) praktisch keinen Prüfungszwang gab.

    Leider gab es in der Zwischenzeit den grandiosen "Bologna-Prozess". Good bye, deutsche Kreativität. Deutschland hat mit Österreich die mit Abstand kreativsten Wissenschaftler (kann man sich an den vielen Patenten vor Augen führen: http://www.sueddeutsche.de/app/wirtschaft/europaatlas/)

    Aber das geniale Diplom-System wird abgeschafft zu Gunsten eines europäischen Bolemielern-Einheitssystems, dessen Misserfolg schon vorher feststand.

  25. Gideon sagt:

    In meinem Studium bestanden die meisten Prüfungen daraus, dass Übungsaufgaben 1:1 in die Klausur übernommen wurden oder Daten aus dem Verlesungsskript abgefragt wurden. Bei so etwas fühle ich mich intellektuell geohrfeigt. Ich habe in meinem chemisch-physikalischem Studium Kommilitonen, die im 6. Semester eine Polynom-Funktion nicht integrieren können, sich nicht erinnern, was die Maxwell-Gleichungen sind oder nicht wissen, ob Säuren oder Basen eine höhere Protonenkonzentration haben. Leider kein Scherz.

  26. Ein Teil von jener Kraft sagt:

    Ja zum Sport. Latein muss nicht sein, die Sprache ist tot und basta, wer unbedingt Papst werden will kann Latein gern als Wahlfach belegen.

    Der Golfplatz neben der Schule kann im Schulgartenunterricht angelegt werden (und bei manchen Schulen mag sich der löcherige Asphalt des Schulhofs schon eignen).

    Ansonsten bin ich dafür, die Kinder schon mit vier Jahren einzuschulen, so wie in Großbritannnien.

  27. Argutus sagt:

    Ein Teil von jener Kraft sagt: 12. März 2013 um 13:01

    Latein muss nicht sein, die Sprache ist tot und basta

    Geschichte muß auch nicht sein, denn die allermeisten Menschen, um die es da geht, sind ebenfalls tot und der Rest wird es in einigen Jahrzehnten sein. :-)

  28. Gideon sagt:

    Geschichte muß auch nicht sein, denn die allermeisten Menschen, um die es da geht, sind ebenfalls tot und der Rest wird es in einigen Jahrzehnten sein. :-)

    Geschichte (Weltverständnis) und Latein (Sprachverständnis) würde ich nicht vergleichen.

    Da muss ich Ein Teil von jener Kraft Recht geben, dass Latein für die Kommunikation in der heutigen Gesellschaft eigentlich nicht notwendig ist.

  29. pinetop sagt:

    Einem dreigliedrigen Schulsystem stehe ich nicht ablehnend gegenüber. Aber nur unter einer Voraussetzung. Es darf nicht nur gesiebt werden, sondern es muss mindestens genauso stark gefördert werden, um alle Fähigkeiten zu wecken. Die Durchlässigkeit darf nicht nur von oben nach unten angelegt sein, sondern genauso Richtung Gymnasium.

    Seit Jahrzehnten geht die Tendenz gegen die Dreigliedrigkeit hin zu einer integrierten Gesamtschule. Viele Politiker glauben, dies der sozialen Gerechtigkeit schuldig zu sein. Man darf aber nicht übersehen, dass hier eine neue Volksschule konzipiert wird. Die intelligenten und lerneifrigen Kinder werden dann Privatschulen besuchen und die neue Oberschicht bilden. Der Unterschied zum alten, staatlichen Gymnasium wird sein, dass diese Schulen richtig teuer sind. Das Ziel der sozialen Durchlässigkeit wird damit nicht erreicht, sondern das Gegenteil. Nur die reichen Eltern werden ihre Kinder in diese Schulen schicken können und die soziale Schichtung wird nicht durchlässig gemacht, sondern sogar zementiert. 

    Jetzt muss ich sarkastisch auf jene linken und gutverdienenden Politiker hinweisen, die sich für integrierte Gesamtschulen einsetzen und den eigenen Nachwuchs auf die besten Schulen schicken.  

  30. Argutus sagt:

    Gideon sagt: 12. März 2013 um 13:41

    dass Latein für die Kommunikation in der heutigen Gesellschaft eigentlich nicht notwendig ist.

    Natürlich nicht, das behauptet ja auch keiner. Aber der Wert einer Sprache "für die Kommunikation in der heutigen Gesellschaft" und für die Bildung sind eben zwei ganz verschiedene Dinge.

    Auch für das Politikverständnis der heutigen Welt sind Kenntnisse über den Trojanischen Krieg oder das Reich der Hetither völlig unnütz. Wer die nicht kennt hat aber dennoch eine ausgeprägte Bildungslücke.

  31. Frank Berghaus sagt:

    Argutus sagt: 12. März 2013 um 13:55

    Diesen Kommentar von dir hätte ich nun wirklich auf Latein erwartet.

    Aber wahrscheinlich konntest du dich gerade eben noch zurückhalten :-)

    Doch zur Sache: Es ist ein weitverbreiteter Irrglaube, dass nur Ausbildung ohne Bildung Sinn mache wegen der konkreten Umsetzung im späteren Berufsleben. Das wäre etwa so, als ob man auf den Physikunterricht verzichtete, weil man ja eh Pädagoge im Fach Deutsch werden wolle.

  32. pinetop sagt:

    Für einem Politiker – also einer durch und durch praktischen Tätigkeit – sind Geschichtskenntnisse unverzichtbar.

    Ich erinnere mich an einen Englisch-, Deutsch- und Philosophielehrer an meinem Gymnasium. Während der Zeit der Studentenproteste wollte er das Politikverständnis seiner Schüler fördern und riet zu intensiven Geschichtsstudien. Allerdings war er auch ein wenig überkandidelt. So war es für ihn eine Notwendigkeit, die alten Griechen auf griechisch zu lesen, denn den Übersetzungen von Olof Gigon (damals der "Papst" unter den Altphilologen) mißtraute er zutiefst. Deshalb bot er privaten Griechischunterricht bei ihm zu Hause an.  

  33. Gideon sagt:

    Wenn man in der Lage wäre, Kinder nach ihren Fähigkeiten zu trennen, wäre gegen ein gegliedertes Schulsystem nichts einzuwenden. Aber wie soll das konkret umgesetzt werden?

    Aktuell wird eindeutig nach sozialen Kriterien ausgesiebt. Wenn man ausschließlich Lehrer fragt, würde danach ausgesiebt werden, wer besser aufgefressene Fakten erbrechen kann. Ich habe noch keinen brauchbaren Vorschlag gehört, wie Schüler vernünftig auf spezialisierte Klassen oder Schulsysteme verteilt werden können. Im jetztigen System ist es eher so, dass intelligente Menschen in der Schule aus purer Langeweile absacken und ausgesiebt werden. Hochbegabte landen häufig auf der Hauptschule oder brechen die Schule ab…

    Es bringt nichts, das System umzukrempeln, wenn man nicht den Inhalt, der gelehrt wird, ändert. Anstatt sich erstmal ein Schulsystem zu überlegen und das dann mit Inhalten zu füllen, würde ich mir erstmal Inhalte überlegen und dann überlegen, in welchem System diese am besten vermittelt werden können.

    Die 4-, 5-, 6-, 9- oder 12-Grundschuljahre-Debatte zeigt doch die ganze Planlosigkeit der Politik in Bildungsfragen.

  34. Argutus sagt:

    Frank Berghaus sagt: 12. März 2013 um 14:02

    Diesen Kommentar von dir hätte ich nun wirklich auf Latein erwartet. Aber wahrscheinlich konntest du dich gerade eben noch zurückhalten :-)

    Ja, mir ist nämlich noch rechtzeitig eingefallen, daß das Wasser auf die Mühlen derer wäre, die den zu geringen kommunikativen Wert der lateinischen Sprache bemängeln. :-)

    Es ist ein weitverbreiteter Irrglaube, dass nur Ausbildung ohne Bildung Sinn mache wegen der konkreten Umsetzung im späteren Berufsleben.

    Zu dieser primitiven Denkart fällt mir eine Anekdote ein. Ludwig Wittgenstein war eine Zeitlang Volksschul-Lehrer irgendwo in Österreich und bekam als solcher einmal Ärger mit wütenden Eltern, die ihm vorwarfen, er hätte – horribile dictu! – eine Mathematik-Hausaufgabe aufgegeben, die nichts mit Geld zu tun hatte. :-)

  35. Ein Teil von jener Kraft sagt:

    Die Dreigliedrigkeit des Schulsystems ist wohl zu Recht den Bach runtergegangen. Das Problem ist einfach die Psychologie der Zahl Drei: Eine Schule für Überflieger, eine für Normalos, eine für Idioten. Und es geht ja nicht nur um die Schüler: welcher Lehrer, der die Wahl hat, entscheidet sich freiwillig  für eine Karriere als Hauptschullehrer?

  36. Dieter Fischbach sagt:

    Die Kommentare zeigen eindringlich, in welche Schieflage unsere "Bildungsdenke" geraten ist. Ich habe lediglich wesentliche inhaltliche Schwerpunkte zusammengefasst, die eine humanistische Bildung umfasst und welche "Fächer" diese sinnvoll repräsentieren und hier geht freflexartig der Hickhack um das Schulsystem wieder los. Ich kann kein Plädojer für ein dreigliedriges Schulsystem erkennen, weil keines da drin steht. Ich habe mich lediglich zu der Aussage hinreißen lassen, dass eine leistungsorientierte Wissenschafts- und Industrienation eine "Eliteschmiede" braucht. Jeder Trainer weiß, dass es nicht ohne gezielte Talentförderung geht, wenn mann Spitzenleistungen haben will. Das, lieber Jorge, als altmodisch zu verdammen, finde ich schon etwas "strange". Aber vielleicht sollte man ja den ganzen Hunanismus in die Tonne treten, denn altmodischer geht es es ja kaum noch, oder?

    Hier ist lediglich von Bildungsinhalten die Rede. Wie ein dazu pasendes Schulsystem aussehen könnte, steht auf einem ganz andern Blatt und ist doch eher nebensächlich.

    Wer konzentriert lernt, der muss sich auch hin und wieder entspannen. "Mens sana in corpore sano" – Deshalb ist sportliche Betätigung ein sinnvoller Aspekt im Bildungsprozess.

  37. Argutus sagt:

    Dieter Fischbach sagt: 12. März 2013 um 17:15

    Wer konzentriert lernt, der muss sich auch hin und wieder entspannen. "Mens sana in corpore sano" – Deshalb ist sportliche Betätigung ein sinnvoller Aspekt im Bildungsprozess.

    Er muß auch unbedingt hin und wieder schlafen – aber als Schulfach?

  38. pinetop sagt:

    Es muss der Eindruck vermieden werden, als sollen die Ideale der 50er Jahre wiederbelebt werden. Ich schlage vor, folgenden Grundsatz in den Vordergrund zu stellen:

    Ziel des Humanismus ist es, allen Schülern – unabhängig von ihrer Herkunft – eine maximale Förderung zukommen zu lassen.

    Alle Talente müssen ausgeschöpft werden, und zwar im Interesse des Individuums als auch der Gesellschaft. Eine Weiterbildung muss immer möglich sein. Eine Entscheidung nach vier Grundschuljahren und die endgültige Festlegung in die Bildungsschicht ist abzulehnen.

     

  39. Argutus sagt:

    Nachtrag:

    Der geradezu inflationär gebrauchte lateinische Spruch "mens sana in corpore sano" (ein gesunder Geist in einem gesunden Körper) ist eine nachträgliche Verfälschung.

    Juvenals ursprüngliches Zitat lautet "orandum est, ut sit mens sana in corpore sano" (man muß beten, daß in einem gesunden Körper ein gesunder Geist ist) und deutet genau das Gegenteil an: Nach Meinung des Dichters sind sportliche Menschen mit einem überdurchschnittlich gesunden Körper zumeist dumm.

  40. Frank Berghaus sagt:

    Argutus sagt: 12. März 2013 um 17:18

    Er muß auch unbedingt hin und wieder schlafen – aber als Schulfach?

    Wenn wir es nicht vorher wegkriegen, ist dafür der Religionsunterricht der beste Ort :-)

    Du scheinst mir aber der einzige zu sein, der die "Leibesertüchtigung" in der Schule ablehnt.

    Und jetzt sage bitte nicht, dass Onanieren im Kunstunterricht dafür der geeignete Ausgleich sei :-)

  41. Argutus sagt:

    Frank Berghaus sagt: 12. März 2013 um 17:29

    Du scheinst mir aber der einzige zu sein, der die "Leibesertüchtigung" in der Schule ablehnt.

    Das hast du mißverstanden. Ich will die Leibesertüchtigung in der Schule nicht abschaffen, wenn ich auch der Meinung bin, daß sie kein (noch dazu benotetes) Unterrichtsfach sein soll.

    Aber eigentlich ging es mir um etwas anderes: Ich bin dagegen, daß der Sport in einem programmatischen Text über Bildungspolitik Erwähnung findet, weil er keine Bildungs-Inhalte vermittelt.

  42. Uwe Lehnert sagt:

    Die vielen Kommentare zeigen ein erfreuliches Interesse an der Thematik und an dem Text von Dieter Fischbach. Im Prinzip stimme ich dem Text zu, einzelne abweichende Auffassungen sind nicht grundsätzlicher Art.

    Ich möchte eine formale Kritik anbringen bzw. Ergänzung anregen.

    Da dieser Text Teil eines Grundsatzprogramms sein und Wähler gewinnen soll, sollte der Text etwas umgangssprachlicher formuliert sein. Vor allem sollte ein Abschnitt angefügt werden, der sich stichwortartig den Forderungen bzw. Erwartungen widmet, etwa nach dem Motto:

    Wir treten folglich ein für. 1., 2., 3. usw. oder eine sonstwie gestaltete Agenda, an der der Leser erkennen kann, was und wie in praktische Bildungspolitik umgesetzt werden soll

  43. Gideon sagt:

    Durch die Präferenz einer soliden Grundbildung in diesen Bereichen, insbesondere im Gebrauch der Landessprache, stellt der Unterricht in einer Fremdsprache eine unnötige zusätzliche Belastung für die Schüler dar.

    Ich habe das Gefühl, dass diesen Text jemand geschrieben hat, der in der Grundschule keinen Fremdsprachenunterricht hatte. Die Realität sieht ganz anders aus: Umso später man mit dem Erlernen einer Fremdsprache anfängt, desto schwerer fällt es einem. Es gibt keinen Grund, später mit dem Erlernen von Sprachen anzufangen.

     
    Insgesamt klingt das Bildungsprogramm nach "Alles wird wieder so, wie es vor 50 Jahren war – nur ohne Religionsunterricht."

    Die Fakten sprechen gegen diese Bildungspolitik. Und letzten Endes dürfen wir nicht den Fachkräftemangel bzw. demographischen Wandel vergessen. Alles andere, als mutige Änderungen anzustreben, wäre unverantwortlich. Eine Regierung, die Probleme wegredet, anstatt sie anzugehen, haben wir schon.

  44. Frank Berghaus sagt:

    Gideon sagt: 12. März 2013 um 20:48

    Es wäre mir lieber, es kämen konkrete Änderungsvorschläge in Richtung "mutig", damit man es diskutieren kann.

    So hängt die Kritik einwenig in der Luft.

  45. Gideon sagt:

    Ein paar Vorschläge habe ich schon gemacht:

    Gideon sagt: 12. März 2013 um 11:40

     

    Morgen werde ich nochmal ausführlich etwas schreiben.

  46. Martin sagt:

    Hier ein paar Gedanken zu der naturwissenschaftlichen Bildung.

    Viele Leute haben Ansichten, die im Widerspruch zum aktuellen Stand der Wissenschaft sind. (Glaube an Übernatürliches)

    Man könnte zu bestimmten Zeitpunkten anonym ermitteln, wie hoch der Anteil der Schüler ist, die diese Ansichten vertreten. (z.B. nach jedem Schuljahr oder am Ende von Kindergarten!, Grundschule, mitlerer Reife, Abitur)

    Liegt der Anteil über einem bestimmten Grenzwert, werden die Lehrpläne angepasst, damit den Kindern wissenschaftliches, kritisches Denken und der aktuelle Stand der Forschung besser vermittelt wird.

    Von führenden Wissenschaftlern sollte geklärt werden, welche Ansichten im Widerspruch zum aktuellen Stand der Wissenschaft sind.

    Mal eine kleine Liste von Ansichten, von denen ich glaube, dass deren Verbreitung über dem zu definierenden Grenzwert liegt:

    – Körper/Geist Dualismus: Bewusstsein entsteht im Gehirn also Biologie

    – Astrologie: Physik, Biologie

    – Intelligent Design: Biologie

    – Homöopathie: Biologie, Chemie

    Die Schüler sollten auch über die neurologischen und psychologischen Ursachen (bei Astrologie z.B. Selbserfüllende Prophezeiung, selektive Wahrnehmung, Barnum-Effekt) für Aberglauben aufgeklärt werden. http://www.bild-der-wissenschaft.de/bdw/bdwlive/heftarchiv/index2.php?object_id=32128186 

     

    Es muss sichergestellt werden, dass auch an privaten Schulen, die Lehrpläne umgesetzt werden. Es darf also z.B. kein Intelligent Design im Biologie-Unterricht von Bekenntnisschulen gelehrt werden. http://www.diesseits.de/perspektiven/saekulare-gesellschaft/1361055600/evolution-kein-glaubensbekenntnis

    In Deutschland fehlt noch etwas entsprechendes zum National Center for Science Education (USA).

     

    Zu den Grenzwerten: (Beispiel Grenzwert nach Abitur)

    Wenn man zwischen Brights (glauben nicht an Übernatürliches) und Supers (glauben an Übernatürliches) unterscheidet, ist die Verteilung bei Abiturienten momentan meiner Einschätzung nach ungefähr 80% Supers zu 20% Brights.

    Ziel sollte es sein, die Bildung so weit zu verbessern, dass min. 80% Brights sind, wenn sie Abitur machen.

     

    Was haltet ihr von den Vorschlägen?

  47. Frank Berghaus sagt:

    Martin sagt: 12. März 2013 um 21:17

    Wir werden alle Vorschläge gewissenhaft sammeln und in Berlin diskutieren am 30./31. März. Dann gibt es eine Endfassung als Vorschlag für den Programmparteitag, auf dem dann noch einmal Änderungsanträge möglich sein werden.

    Noch sind wir mehr oder weniger in der Phase der Jäger und Sammler :-)

  48. Argutus sagt:

    Martin sagt: 12. März 2013 um 21:1

    Viele Leute haben Ansichten, die im Widerspruch zum aktuellen Stand der Wissenschaft sind.

    Ja, zum Glück, denn alles für unmöglich zu halten, was die Wissenschaft momentan noch nicht erklären kann, wäre unklug und dem wissenschaftlichen Fortschritt abträglich.

    Der Natur ist nämlich der aktuelle Stand der Wissenschaft völlig egal. Die hat keine Hemmungen auch solche Phänomene zu produzieren, die wir erst in zehntausend Jahren verstehen werden.

    Naturwissenschaftliche Bildung (ich bin selbst Naturwissenschaftler) erkennt man an der geistigen Unvoreingenommenheit und der Bereitschaft Unbekanntes zu erforschen und es auch mit Hilfe neuartiger Modelle intellektuell zu erfassen. Nur auf diese Weise ist das möglich, was man gemeinhein einen wissenschaftlichen "Paradigmenwechsel" nennt.

    Bewusstsein entsteht im Gehirn

    Das ist keine wissenschaftliche Erkenntnis sondern eine dogmatische Behauptung, die aus einer materialistischen Philosophie abgeleitet ist.

    Unvoreingenommen läßt sich nur so viel sagen: Zwischen dem Gehirn und dem Bewußtsein gibt es offensichtlich Wechselwirkungen. Aber die Natur des Bewußtseins ist derzeit noch völlig unbekannt und über seine Entstehung weiß man nichts.

  49. Was ist mit KOPFNOTEN? Ich finde, die sind nicht mit Humanismus vereinbar. Was meint Ihr?

  50. Argutus sagt:

    Daniel Krause sagt: 12. März 2013 um 22:22

    Was ist mit KOPFNOTEN? Ich finde, die sind nicht mit Humanismus vereinbar. Was meint Ihr?

    Ob Kopfnoten pädagogisch sinnvoll sind oder nicht, wil ich nicht entscheiden, aber der Zusammenhang mit dem Humanismus erschließt sich mir nicht.

  51. ilex (E. Ahrens) sagt:

    Daniel Krause sagt: 12. März 2013 um 22:22

    Warum sollten "Kopfnoten" nicht mit dem Humanismus vereinbar sein. Fakt ist Fakt.

  52. Mir haben sich Kopfnoten nie erschlossen, weil Noten für mich Ausdruck von Bewertung einer Leistung, nicht eines Verhaltens sind. Verhalten in Noten pressen zu wollen, so finde ich, da macht man es sich einfach. Wann ist ein "Benehmen" denn "befriedigen", wann ist es "gut", wann "aureichend"? Was ist der Maßstab hierfür? Ist der immer brave, stille, aufmerksame Junge "sehr gut"? Oder muss man nicht eher sagen, er ist vielleicht eher "mangelhaft", weil ihm die Natürlichkeit nach ein bisschen Aufbrausen, Widerspruch und auch Eigensinn fehlt? Oder ist die Mitarbeit "ungenügend", wenn sich ein Mädchen zwar nur jede Woche einmal, aber dafür immer überlegt und kompetent meldet? Objektive Kopfnoten kann es für mich nicht geben, weil sie den Menschen tatsächlich unzureichend einschätzen und würdigen. Deswegen denke ich schon: Ein Stück weit geht es hier auch um Humanismus.

  53. Frank Berghaus sagt:

    Dennis Riehle sagt: 13. März 2013 um 09:23

    Ich halte auch diese "Kopfnoten" für absolut entbehrlich, da sie mir schlicht zu wenig objektivierbar scheinen.

    Unabhängig von der Frage, ob diese Noten nun humanistisch sind oder nicht, bin ich davon überzeugt, dass diese Frage in einem Grundsatzprogramm über Bildungsinhalte nichts verloren hat.

    Allenfalls wäre zu überlegen, bei Landtagswahlkämpfen in denjenigen Ländern, in denen es solche Kopfnoten noch gibt, eine eindeutige Position zu beziehen.

  54. Argutus sagt:

    Dennis Riehle sagt: 13. März 2013 um 09:23

    Objektive Kopfnoten kann es für mich nicht geben, weil sie den Menschen tatsächlich unzureichend einschätzen und würdigen.

    Auch die Kompetenz eines Schülers in einem Unterrichtsfach läßt sich durch Noten nicht wirklich adäquat erfassen, weil die ein diskontinuierliches eindimensionales und begrenztes Schema sind. Ich war vor Jahrzehnten selbst Gymnasiallehrer so daß mir diese Problematik nicht fremd ist.

    Kopfnoten, die Betragen oder Fleiß beurteilen sollen, sind sicherlich schwieriger zu objektivieren als etwa eine Mathematiknote, die auf Fehlerzählungen in Schularbeiten beruht. Aber auch die Fehlerzählerei sagt relativ wenig über die mathematischen Fähigkeiten und Kenntnisse aus, sie ist bloß leicht durchzuführen.

    Fazit: Alle Noten sind problematisch. Das ist kein Spezifikum der Kopfnoten.

  55. Argutus sagt:

    Frank Berghaus sagt: 13. März 2013 um 09:43

    Bildungsinhalte

    Darauf sollten wir uns in der Tat konzentrieren. Die Schulorganisation (Dreistufigkeit, Noten, etc.) sind letztlich bloß administrative Dinge. Entscheidend ist doch, was eine Schule vermitteln soll, die Details des Wie sind sicherlich sekundär.

    Ich versuche einmal eine Definition:

    Bildungsinhalte sind all jenes Wissen, das man als zivilisierter Mensch haben sollte, auch wenn sich daraus keinerlei praktischer Nutzen ziehen läßt.

  56. ilex (E. Ahrens) sagt:

    Argutus sagt: 13. März 2013 um 10:41 = Bildungsinhalte sind all jenes Wissen, das man als zivilisierter Mensch haben sollte, auch wenn sich daraus keinerlei praktischer Nutzen ziehen läßt.

    Das ist prinzipiell schon korrekt so. Wissen an sich oder die Fähigkeit, Wissen zu finden an sich kann nie schaden – man weiß nie, ob es nicht doch zu neuen Ideen und Erkenntnissen führt.

    Praktischer Nutzen läßt sich immer noch ziehen, um beim small-talk zu beeindrucken (sorry – bot sich an).

  57. Gideon sagt:

    Gideon sagt: 12. März 2013 um 21:07

    Morgen werde ich nochmal ausführlich etwas schreiben.

    Ich habe mir die letzten 6 (^^) Stunden ein paar grundlegende Gedanken zum Bildungssystem gemacht. Dafür haben mir die hier gebrachten Impulse unglaublich weiter geholfen.

    Danke an Alchymist, Argutus, Dieter Fischbach, David Helmus, Ein Teil von jener Kraft, Erwin Ahrens, Frank Berghaus, Jorge Kosch, Klarsicht, Martin, pinetop und Raphaela Langenberg für die vielen konstruktiven Ideen!

    In folgendem Link sind alle Ideen gesammelt niedergeschrieben.

    Ich musste das extern hochladen, weil das nicht in einen einzelnen Kommentar gepasst hätte.

    Es ist ein PDF und eine OneNote-Datei da.

    Bei der Fülle der Vorschläge bietet es sich einfach an, eine eigene Plattform zu schaffen, auf der noch eine gewisse Übersicht herrscht und nichts verloren geht…

    http://sdrv.ms/12OUcNU

     

    An Martin:
    Schreib bitte ausführlich, wie du dir den Aufklärungsunterricht zu Aberglauben vorstellst.
    Den kann man vielleicht mit Drogen-Aufklärung verbinden.
    Und die Idee mit dem National Center for Science Education finde ich interessant.
    Eventuell gründet man auch eine Nationale Behörde für Aufklärung, die Schüler vor Drogen sowie Religionen/Ideologien (die Wirken ja auch wie Drogen und können Menschenleben kosten) schützt.
    Aber ich bin gerade zu platt, um weiter zu denken. :D

  58. Hey, kuhl, da ist ja schon eine Menge an Ideen zusammen gekommen :-)

     

    Noch was Grundsätzliches: Frontalunterricht und Fakten-Einpaukerei sind geeignet, eine "Elite" von angepassten Unkreativen zu "selektieren". Wer sich Fakten besser einprägen kann muß deshalb nicht "intelligenter" sein als seine schlechter bewerteten Mitschüler.

    Für die meisten vielseitiger interessierte Kinder und Jugendliche ist das bisherige Schulsystem eine Sackgasse. Sie werden schnell frustriert, langweilen sich und entwickeln Blockaden gegen schulisches Lernen.

    Was bei Kindern GRUNDLEGEND gefördert werden muß, ist ihre NEUGIER. Dazu kommt das Selbstbewußtsein, das sich einstellt, wenn sie selbst und in der Gruppe etwas entdecken können. Dann entwickeln sie die wichtigste Voraussetzung für nicht nur schulischen, sondern auch Lebenserfolg: FREUDE AM LERNEN.

    Naturwissenschaftliche Fächer werden Menschen wie mir leider immer ein Buch mit sieben Siegeln bleiben, weil sie nur über Auswendiglernen von Formeln und Gesetzen versucht wurden zu vermitteln. Es gab keine Erfahrungswerte, die diese Formeln und Gesetze be-"greif"-bar und nach-"vollziehbar" hätten werden lassen können. Es waren nur lebens- und erfahrungsferne Hieroglyphen, die gleich nach der Prüfung vergessen waren (wenn sie überhaupt so lange abgespeichert wurden). Und solche früh aufgebauten Blockaden wirken leider lebenslänglich, auch wenn sich später noch ein Interesse bezüglich einzelner Aspekte entwickelt.

    Wenn einem wesentlich größerem Teil von Schülern als bisher das Interesse (als Voraussetzung für wirkliche Verankerung von Fakten) an Naturwissenschaften mit auf den Weg gegeben werden soll, muß die Didaktik komplett geändert werden:

    1. Brauchen Kinder so früh wie möglich soviel Gelegenheit wie möglich, sich FREI im Raum zu bewegen: Nur Kinder, die rennen, toben, klettern und ihren Körper in der Umgebung und im Verhältnis zum Raum selbst spüren und erfahren können (inklusive der Risiken, die z. B. Baumklettern enthält) können "selbstverständliche" physikalische und mathematische Verständnisfähigkeit entwickeln.

    2. Volle Zustimmung, Naturwissenschaften (wie auch Sprachen) schon früher als bisher zu vermitteln, aber bitte experimentell und spielerisch! Nicht so nach dem Motto "Jetzt setzt ihr euch alle mal hin und lauscht brav heiligen Weisheiten"- Nein: Man kann z. B. grundlegende Kenntnisse über Bruchrechnen schon im Sandkasten vermitteln und die Kinder be-GREIFEN lassen, was ein halber Eimer Wasser oder ein durch vier Kinder geteilter Sandkuchen ist…Sowohl draußen ("wir brauchen für das Baumhaus jetzt noch soundsoviel cm lange und/oder halb durchgesägte Bretter"- oder was meint IHR? möchte von EUCH vielleicht mal jemand aus-/nachmessen?") als auch drinnen (für die Sauce sind ein Achtel Liter Wasser, für den Kuchen etwa eine halbe Tüte Mehl nötig – oder was meinst DU7 meint IHR?" etc pp) gibt es genug LEBENSNAHE Möglichkeiten, den Kindern Grundlagen und vor allem INTERESSE an Naturwissenschaften zu vermitteln….Und zwar in GRUPPEN, wo JEDER einbezogen wird, um gemeinsam was zu TUN bei dem quasi "zufällig" auch viel GELERNT wird und wo JEDES Kind seine individuellen Fähigkeiten kennenlernen und entwickeln kann. Wobei dann auch gleich Sozialkompetenzen erlernt werden.

    3. Diese im Kindergarten gelegten Grundlagen müssen dann in der Schule weiter ausgebaut werden, aber weiterhin OHNE sture Auswendiglernerei: Wenn Kinder sich erstmal für ein Thema interessieren, wollen sie VON SELBST ihr Wissen darüber vertiefen. Die Zauberworte heißen: Fächerübergreifendes und praxisorientiertes Lernen.

    Notwendige Bildungs-Inhalte wie Ethik, Medienkompetenz, etc werden bei ganzheitlichem Unterricht auch praxisnah und wie selbstverständlich "nebenbei" vermittelt: Ethik- Themen können z. B. immer dann angesprochen werden, wenn es Konflikte in einer Lern-Gruppe gibt (also nicht NUR als Unterrichts-Bestandteil) und Medienkompetenz-Vermittlung kommt zum Tragen, wenn Lehrer den Schülern bei der Vertiefung von Wissen "assistieren": Wir leben nicht mehr in einer Welt, wo ein Individuum über alles Wissen verfügen kann. Schüler, die schon als Kleinkinder Neugier und Freude am Lernen entwickeln konnten, brauchen als ergänzendes Werkzeug zur eigen-initiierten Wissenserlangung später nur noch das Wissen über das WO und WIE im Umgang mit den weltweit verügbaren Informationen. Praxisnah und im fächerübergreifenden Unterricht.

    4. Bewegung: Kinder jeden Alters brauchen die Möglichkeit und Anregung, ihre körperlichen Kräfte und Fähigkeiten zu erproben und zu entwickeln, dadurch Aggressionen abbauen zu können, zu interagieren und (auch für bessere Konzentration) Spannungen abzubauen. Herkömmlicher Sport-Unterricht ist dafür m. E. nicht geeignet.

    Stattdessen sind bewegungs-aktivierende Umgebungen nötig, die auch die Phantasie und Kreativität anregen: Keine vorgefertigten, totlangweiligen "Spielgeräte" sondern wilde Freiflächen mit Wasser, Bäumen, Versteckmöglichkeiten, Kletterseilen, etc, die von den Kindern/Jugendlichen selbst jederzeit eigenständig (durch Graben, Bauen, Wasserumleiten, Feueranzünden, etc) selbst umgestaltet werden können. Materialen zum Selbst-Gestalten (Sand, Holz, Bretter, verschiedene Untergründe, etc).

    Ausreichend lange Draußen-Aktivitäts-Zeiten (eine Viertelstunde reicht nicht!) sind eine Voraussetzung, diese (sehr lehrreichen!) Angebote auch nutzen zu können. ZUSÄTZLICH könnten (etwa auf einem nicht-durchlöcherten Wiesenstück) auch Angebote für Gruppen-Spiele (Fußball, Völkerball, etc) gemacht werden, vielleicht von einem Lehrer, wahrscheinlicher aber von (älteren) Schülern selbst initiiert.

    Wenn Kinder von klein an spielerisch lernen, daß Bewegung Freude macht, entspannt, Erfolgserlebnisse vermittelt, dann WERDEN sie sich auch später FREIWILLIG bewegen. – Natürlich sollte es dafür KEINE Noten geben!!!!

    Vor allem bei jüngeren Kindern sollten die Bewegungsabläufe aber (möglichst unauffällig) qualifiziert beobachtet werden, um mögliche Defizite und/oder Rückstände frühzeitig und individuell durch gezielte Angebote und Förderung beheben zu können.

    5. Kindergarten-Eintrittsalter

    Eine Kindergarten-/Vorschul-Pflicht ab 5 Jahren hätte m. E. viele Vorteile: Kinder aus sprachlich weniger qualifizierenden Milieus hätten eine bessere Chance, noch vor der Grundschule ihre Sprachkapazitäten auszubauen und andere, grundlegende Fähigkeiten (wie o. g.) zu entwickeln.

    Ein wesentlich früherer Kindergarten-Beginn wäre sehr wünschenswert, ihn aber vor dem 5. Lebensjahr verpflichtend zu machen, stellte m. E. eine unverhältnismäßige Härte dar.

    Alle Kindertagesstätten müssen für Eltern mit einem niedrigeren Einkommen kostenfrei sein.

    Religiös orientierte Kindertagesstätten sollten möglichst bald nicht mehr zugelassen werden.

    Kindertagesstätten müssen bedarfsgerecht und ganztägig zur Verfügung stehen und brauch hochqualifiziertes Personal in ausreichender Anzahl: Schließlich werden hier die Grundlagen der zukünftigen Gesellschaft gelegt!

    Mindestens eine weitere Sprache sollte spielerisch und praxisnah vermittelt werden. Zusätzlich können Kinder mit Migrationshintergrund als Sprach-Vermittler für ihre Familien-Sprache aktiv einbezogen werden, was ALLEN Kindern höhere Sprachkompetenzen und Erfolgserlebnisse vermittelt.

    Auch Kinder mit Handicaps müssen (sofern sie keine spezielle medizinische Dauerbetreuung und/oder ständige Spezialförderung brauchen) in die (möglichst kleinen) Gruppen integriert werden. Das erhöht die Sozialkompetenzen der GANZEN Gruppe und ermöglicht zusätzliche "selbstverständliche" Lern-Anreize ("was genau hat Emmy/Fritz? Wie funktionieren Muskeln normalerweise? Wie funktioniert ein Rollstuhl?" etc – Interesse und Empathie statt pseudo-taktvollem Wegsehen/Ausgrenzen)

    – All das kostet – erstmal – viel Geld. Mittel- und langfristig spart es aber viel mehr Ausgaben ein: Es können mehr qualifizierte Mütter zurück in qualifizierte Berufe (statt in nicht renten-relevante Billig-Jobs), mehr Kinder bekommen bessere Schul- und Lebenserfolgs-Chancen, das führt zu höher qualifizierten Berufs-Einsteigern, spart Ausgaben für Lebensunterhalts-Hilfen, Eingliederungshilfen für kriminelle Jugendliche, Kriminalitäts-/Gewalt-Folgen und für das Gesundheitssystem (weniger Depressionen und psychosomatische Erkrankungen u. a.) und stärkt mittelfristig die volkswirtschaftliche Situation durch gebildetere, kreativere, qualifiziertere und sozialkompetentere Bürger.

    – Zum Schluß noch was zum Thema Latein-Unterricht:

    Latein war eins meiner Lieblingsfächer: Es ist eine spannende Herausforderung, in Sätzen, die über eine Dreiviertel Buchseite gehen, den "Kern" zu finden, anhand dessen sich alles aufdröseln lässt (fördert m. E. das logische Denken). Wer Latein gelernt hat, kommt viel besser/schneller mit dem Erlernen romanischer Sprachen voran (habe ich bei einem Sohn beobachtet). Wer Latein gelernt hat, braucht den größten Teil aller Fremdwörter nicht nachzuschlagen, weil er deren Wortstämme kennt, kann Arztbriefe lesen (und braucht sich diesbezüglich nicht belügen zu lassen), wer Latein gelernt hat, kann italienische und spanische Texte zumindest teilweise lesen, etc pp…

    Von daher sollte Latein-Unterricht als Angebot zumindest bestehen bleiben.

  59. Argutus sagt:

    Raphaela Langenberg sagt:19. März 2013 um 12:23

    Eine Kindergarten-/Vorschul-Pflicht ab 5 Jahren hätte m. E. viele Vorteile: Kinder aus sprachlich weniger qualifizierenden Milieus hätten eine bessere Chance, noch vor der Grundschule ihre Sprachkapazitäten auszubauen und andere, grundlegende Fähigkeiten … zu entwickeln.

    Mag sein, aber gut entwickelte Kinder einem Zwang zu unterziehen nur damit schlecht entwickelte Kinder davon profitieren, lehne ich ab. Ich gebe mein Kind dann und nur dann in einen Kindergarten, wenn ihm das selbst nützt, und nicht als Entwicklungs-Futter für Fremde.

  60. Argutus sagt:

    Raphaela Langenberg sagt:19. März 2013 um 12:23

    Von daher sollte Latein-Unterricht als Angebot zumindest bestehen bleiben.

    Ja, das sollte er. Allerdings ist die Zeit, da er gefährdet schien, ohnedies schon wieder vorüber.

    Meine älteste Tochter ist gerade dabei ihr Lehramts-Studium für Latein und Deutsch abzuschließen. Sie hat mir erzählt, daß es derzeit viel leichter ist einen Job als Latein-Lehrerin zu bekommen denn als Deutsch-Lehrerin. Die werden immer noch gesucht.

    Weil wir gerade beim Thema sind: ich hielte es für pädagogisch und kulturell sinnvoll, den Latein-Unterricht etwas umzukrempeln. Nach Abschluß der (üblicherweise zweijährigen) Grundausbildung sollten nicht bloß Schriftsteller ins Deutsche übersetzt werden, sondern die lateinische Sprache sollte auch im Hinblick auf die aktive Benützung gelehrt werden – beispielsweise sollten Aufsätze auf Latein geschrieben werden.

    Was in lebenden Sprachen selbstverständlich ist, gilt nämlich für tote ebenso: eine halbe Sprache kann man nicht wirklich zufriedenstellend lernen. Eine Sprache – jede Sprache – ist primär ein Ausdrucksmittel. Wird sie nur passiv übersetzt, dann kann sie nicht voll erlebt werden und bleibt selbst bei guten Schülern immer irgendwie fremd.

  61. Frank Berghaus sagt:

    Argutus sagt: 19. März 2013 um 13:39

    Was in lebenden Sprachen selbstverständlich ist, gilt nämlich für tote ebenso: eine halbe Sprache kann man nicht wirklich zufriedenstellend lernen.

    Dieser Mangel, obwohl ich mich wie du weisst viele viele Jahre berufsbedingt mit Latein beschäftigt habe, ist mir erst bewusst geworden seit ich dich kenne.

  62. pinetop sagt:

    Kreativität und kritische Analysefähigkeit stehen heute als Bildungsideal ganz oben. Das ist auch sehr schön so. Geradezu verächtlich gemacht wird die sogenannte Faktenhuberei. Und das ist weniger schön. Kritik und Analyse bedürfen des reinen Faktenwissens. Ob nun eine fundierte Kritik am Naturschutz, an der Bankenrettung oder den deutsch-amerikanischen Beziehungen, ohne Faktenwissen ist alle Kritik nur Geschwafel. 

  63. Argutus sagt:

    pinetop sagt: 19. März 2013 um 15:39

    Kritik und Analyse bedürfen des reinen Faktenwissens.

    So ist es. Wenn man auch vieles im Bedarfsfall nachschauen kann, so braucht man dennoch eine Grundausstattung an Faktenwissen, wenn man in einem Fachgebiet wirklich etwas Sinnvolles sagen will und nicht nur schwafeln.

    Ganz deutlich sieht man das bei Fremdsprachen: auch noch so viel Sprachgefühl, Freude am Reden und Mut Fehler zu machen können zwei ganz wichtige Dinge nicht ersetzen, nämlich Grammatik und Vokabeln – und beides muß man einfach büffeln. Da hilft kein zeitgeistiges Diskutieren im Sesselkreis. :-)

  64. Das mit der Notwendigkeit des Faktenwissens ist prinzipiell schon richtig. Ich gebe allerdings folgendes zu bedenken: Reine Fakten-Paukerei ist sinnlos, weil nur das Kurzzeitgedächtnis involviert ist, wenn die Fakten nicht aus INTERESSE gelernt werden.

    Im herkömmlichen System wird also nichtmal wirkliches Faktenwissen gefördert, sondern nur kurzfristiges Auswendiglernen von Fakten.

    Es geht aber darum, die Schüler zu motivieren, eigene Verknüpfungen zu bilden mithilfe von Fakten.

    Okay, ich bin Gärtner und versuch´s mal anders: Wenn Fakten sowas wie "Samen" sind, dann nützt es nichts, Unmengen davon auf einen ungeeigneten Boden zu werfen, sie werden nicht keimen. Oder sie werden vielleicht keimen, dann aber wieder zugrunde gehen, da sie sich auf ungeeignetem Boden nicht halten und entwickeln können. – Auf einem geeigneten, gut vorbereiteten Boden wird ein sehr großer Prozentsatz nicht nur keimen, sondern auch starke Wurzeln bilden, sich gut entwickeln und sich auch weiter versamen…

    VOR der Fakten-Vermittlung muß die Freude am Lernen kommen und das Interesse am jeweilgen Stoff geweckt werden. – Frontalunterricht und erzwungene Fakten-Paukerei entsprechen im o. g. Beispiel in etwa dauerhafter Boden-Versiegelung.

  65. Argutus sagt:

    Raphaela Langenberg sagt: 19. März 2013 um 16:38

    Mit dem Lernen ist es so wie mit allen anderen mühsamen Dingen: besser ist es, wenn man sie aus Freude macht und nicht aus Angst vor den üblen Folgen, die zu erwarten sind, wenn man sie nicht macht – aber prinzipiell reicht das zweite auch aus. Und wenn die angenehme Variante nicht funktioniert, dann muß eben die unangenehme gewählt werden.

  66. Argutus sagt:

    Raphaela Langenberg sagt:19. März 2013 um 16:38

    Reine Fakten-Paukerei ist sinnlos, weil nur das Kurzzeitgedächtnis involviert ist, wenn die Fakten nicht aus INTERESSE gelernt werden.

    Das ist einfach eine Frage der richtigen oder falschen Lern-Methode. Was an Interesse fehlt, muß eben durch Disziplin wettgemacht werden.

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