Bildungspolitik


Happy_HumanGrundgedanken zusammengestellt vom Leiter der Arbeitsgruppe Dieter Fischbach.

Bildung und Ausbildung sind die Grundlage für das Zusammenleben in einer modernen, zukunftsorientierten, humanistischen Gesellschaft.

Dabei formt die humanistische Grundbildung die Basis, ohne die eine erfolgreiche Ausbildung, egal, ob akademisch oder eine Ausbildung oder jedem anderen Berufsfeld, nicht erfolgreich möglich sein kann.

Beide Prozesse, Bildung ebenso wie Ausbildung, haben zum Ziel, junge Menschen in die Lage zu versetzen, sich einen Platz in der Mitte der Gesellschaft zu sichern, damit sie im Rahmen ihrer intellektuellen und produktiven Fähigkeiten im Widerstreit der Argumente ihren Beitrag zur Evolution der Gesellschaft zu leisten vermögen.

Dies sind im Besonderen die Achtung der Menschenwürde, sowie die Einhaltung der Prinzipien von Rechtsstaatlichkeit und Demokratie

Da der Bereich Ausbildung stark an den ökonomischen Anforderungen des jeweiligen künftigen Arbeitsplatzes orientiert ist, führt dies dazu, den Blick auf die Basis, also die humanistische Grundbildung, zu fokussieren.

Es erhebt sich sogleich mit Recht die Frage, was diese humanistische Basis ausmacht, die jedem Individuum einen erfolgreichen Start in die Gesellschaft ermöglichen soll.

Aus humanistischer Sicht ergeben sich drei Bereiche, in denen ein junger Mensch grundlegendes Wissen und Fertigkeiten erwerben muss, damit er sich möglichst frei von ideologischen Zwängen und Dogmen entwickeln kann, um zu einer innovativen Persönlichkeit zu reifen, die im besten Sinne eine Bereicherung für die Gesellschaft sein kann.

Bereich 1:

Dieser Bereich lässt sich durch die Fähigkeit charakterisieren, sich logisch-rational und kritisch mit seiner Umwelt auseinander zu setzen.

Um diesen kritischen Diskurs führen zu können, sind fundierte Kenntnisse und Fertigkeiten in den Bereichen Naturwissenschaften, Mathematik und Philosophie unerlässlich, da sie, wie sonst keine Disziplinen dem Individuum die logisch-rationale Auseinandersetzung mit seiner Umwelt ermöglichen.

Bereich 2:

Dieser Bereich kann mit „fundierter Sprachkompetenz“ beschrieben werden.

Sprache stellt ohne Zweifel das zentrale und Kultur tragende Medium der Kommunikation in der Gesellschaft dar.

Um einen fruchtbaren Diskurs in allen Bereichen des gesellschaftlichen Zusammenlebens zu gewährleisten, ist daher eine solide Ausbildung im Gebrauch der Landessprache, in unserem Fall der Deutschen Sprache, unerlässlich und zwingend erforderlich.

Zusätzlich muss aber auch den Anforderungen einer globalisierten Welt Rechnung getragen werden. Nach dem Erwerb der Grundlagen der Landessprache ist daher der Spracherwerb in mindestens einer international bedeutenden Fremdsprache (i.d.R. der Englische Sprache) vorzusehen.

Entwickelt sich der junge Mensch in Richtung auf eine akademische Ausbildung, so ist für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit allen Bereichen wie auch den Wurzeln unserer abendländischen Kultur, zusätzlich das Studium alter Sprachen (zumindest der Lateinischen Sprache) von Nöten.

Die Wurzeln von Philosophie und Naturwissenschaft reichen tief in die antiken abendländischen Kulturen und eine umfassende Auseinandersetzung mit diesen kann ohne Kenntnisse der zugehörigen Sprachen nur eingeschränkt gelingen.

Bereich 3:

Neben umfassenden sprachlichen Fertigkeiten und der Fähigkeit zum kritisch-logischen Diskurs benötigt das Individuum ausreichende Kenntnisse über die Struktur gesellschaftlicher Interaktion.

Dieser dritte Bereich rundet die humanistische Grundbildung ab.

Die benötigten Kenntnisse werden über die Disziplinen, Geschichte, Politik, Geographie ebenso wie durch einen signifikanten Einblick in die kulturellen Bereiche von Musik, Kunst und Literatur erworben. Wer sich nicht aktiv mit der Kultur der Gesellschaft in der er lebt auseinandersetzt, kann schwerlich einen positiven Beitrag zu ihrer Evolution liefern.

Kenntnisse und Erfahrungen aus anderen Kulturkreisen können dabei zusätzlich von Vorteil sein. Eine humanistische Gesellschaft ist stets offen gegenüber Einflüssen, die ihre Entwicklung zum Positiven begünstigen.

Säkularität des Bildungssystems:

Aus der Forderung, dass sich ein junger Mensch zu einem selbstbestimmten, kritischen und kreativen Mitglied der Gesellschaft entwickeln soll (Teil 1),  ergibt sich unmittelbar, bereits für die schulische Ausbildung, die Forderung nach Säkularität , die das Lehren von Religion als staatlichen Auftrag gleichsam ausschließt, da die doktrinären Sichtweisen einer Religion im Allgemeinen der Entwicklung zu einem selbständigen Individuum entgegenstehen.

Gleichwohl ist das Wissen über Religion im Rahmen der Bildung einer kulturellen Identität erforderlich, da Religionen in der Evolution unserer Gesellschaft eine gewichtige Rolle gespielt haben und zum Teil auch noch spielen.

Das Bildungssystem im Überblick:

Werfen wir abschließend einen Blick auf ein humanistisch geprägtes Bildungssystem.

Für alle jungen Menschen in unserer Gesellschaft muss, vor dem Eintritt in die Berufsausbildung die Möglichkeit zum Erwerb einer umfassenden humanistischen Grundbildung gegeben sein.

Der Primarbereich:

Dies ist zunächst die Aufgabe des primären Bildungssystems (bis zum Alter von etwa 10 Jahren). Der vorhandenen vierjährigen Grundschule fällt diese Aufgabe mit den Fächern Deutsch, Mathematik, Sachkunde, Musik, Kunst und Sport zu.

Durch die Präferenz einer soliden Grundbildung in diesen Bereichen, insbesondere im Gebrauch der Landessprache, stellt der Unterricht in einer Fremdsprache eine unnötige zusätzliche Belastung für die Schüler dar.

Religiöse Aspekte des gesellschaftlichen Zusammenlebens sollen integrativer Bestandteil in allen Fächern sein. Ein separater Religionsunterricht ist, wie bereits dargestellt, entbehrlich.

Der Sekundarbereich:

Ein sechsjähriger Unterricht in einer weiterführenden Schule (Sekundarstufe I) erweitert und vertieft das in der Primarstufe erarbeitete Fundament in den Fächern Deutsch, Mathematik, Geschichte, Philosophie, Physik, Chemie, Politik, Geographie, Biologie, Musik, Kunst und Sport. Zusätzlich erfolgt eine grundlegende Ausbildung in (mindestens) einer international bedeutenden Fremdsprache (i.d.R. Englisch).

Religiöse Aspekte des gesellschaftlichen Zusammenlebens sollen auch hier integrativer Bestandteil in allen Fächern sein. Dies gilt besonders für die Fächer Philosophie, Geschichte, Politik und Geographie. Ein separater Religionsunterricht ist hier ebenfalls entbehrlich.

Eine, wie heute vielfach verbreitet, gezielte Vorausbildung im Hinblick auf eine spätere Berufswahl unterbleibt, da es ein zentrales Ziel humanistischer Bildung ist, junge Menschen dazu zu befähigen, sich im Rahmen einer Berufsausbildung, in möglichst viele Bereiche entwickeln zu können. Bildungseinrichtungen sollen über Praktika Impulse für die Berufswahl vermitteln. Die wesentliche Beratungs- und Führungsrolle fällt in diesem Bereich dem Elternhaus zu.

Das Gymnasium:

Für eine leistungsorientierte Wissenschafts- und Industriegesellschaft ist es essentiell, Begabungen möglichst früh zu erkennen, zu fördern und zu entwickeln.

Diese jungen Menschen müssen, im Sinne einer positiven gesellschaftlichen Evolution, die Möglichkeit erhalten, sich so früh wie möglich in Richtung einer akademischen Ausbildung entwickeln zu können.

Das bewährte Instrument zur optimalen Entwicklung dieser jungen Menschen und ihrer Potentiale ist das Gymnasium.

Hier wird diesen jungen Menschen eine vertiefte humanistische Bildung zuteil.

Da diese Schulform auf das Einschlagen einer akademischen Laufbahn abzielt, ist die Ausbildung in (mindestens) einer Basissprache der abendländischen Kultur (i.d.R. Latein) vorzusehen.

Fazit:

Ich bin überzeugt davon, dass der zur Zeit vorherrschende, ökonomisch ausgerichtete, Bildungsprozess, an deren Ende Abschlusszeugnisse gleichsam als Statussymbole vergeben werden, den falschen Weg darstellt.

Er engt den Entwicklungsprozess des jungen Menschen unnötig ein und behindert diesen in der Möglichkeit zur optimalen Entfaltung seiner Potentiale.

Am Ende dieses „permanenten Beratungsprozesses“ kann schwerlich ein selbstständiges, kritisches und kreatives Individuum stehen.

Auch die aktuellen Übergangsquoten eines Grundschuljahrgangs an die Gymnasien von bis zu 60 lassen nicht den Schluss zu, dass dort noch „intellektueller Leistungssport“ betrieben werden kann.

Der stete Rückgang der Leistungsfähigkeit unserer jungen Erwachsenen wird zusehends von den Universitäten, wie auch von den Arbeitgebern im Allgemeinen, beklagt.

Er ist der sukzessiven Aushöhlung des humanistischen Bildungsideals in den letzten 40 Jahren geschuldet.

Die politische Unfähigkeit zur Erkenntnis und das Nicht-Eingestehen bildungspolitischer Fehler führt unser Bildungssystem aktuell geraden Weges in die Einheitsschule mit Individualbetreuung.

Dem gilt es, sich entschlossen entgegen zu stellen, da dieser Weg unweigerlich zum Verlust der gerade noch vorhandenen internationalen Leistungsfähigkeit führen wird und man damit gleichzeitig die Axt an die Wurzel unserer Gesellschaft legt.

12. März 2013, Dieter Fischbach

 

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