Geplante Überflüssigkeit

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samsung-galaxy…ist die Diskussion über “planned obsolescence”, meint Andreas Müller. Demnach schrauben insbesondere Elektronikanbieter ihre Geräte von Handys bis Waschmaschinen so zusammen, dass sie nach Ablauf der Garantie, oder jedenfalls nach einer gewissen Zeit, kaputtgehen. In die Richtung geht auch der Vorwurf, dass die Anbieter von Smartphones ihre Geräte schon früh nicht mehr auf die neueste Version updaten. Bis zu einem gewissen Grad stimmt das auch alles und man darf sich gewiss darüber aufregen. Aber ein kühler ökonomischer Blick hilft dabei, Ursachen, Folgen, Lösungen im Blick zu behalten.

Doch zuvor ein bisschen Aufregung: Da mein eigenes aktuelles Smartphone, möge es im siebten Kreis der Hölle schmoren, trotz ausreichender theoretischer Leistung ruckelt wie ein Bett in einem billigen Motel, kann ich es sicher nachvollziehen, wenn sich der Volkszorn aktuell gegen bestimmte Anbieter elektronischer Geräte richtet. Dabei ist es manchmal nicht einmal der Hersteller selbst, der ein Update versäumt, sondern der Mobilfunkanbieter. Besonders hervorgetan hat sich dabei Vodafone, dessen gebrandete (mit Vodafone-Werbung geschmückte) Smartphones erst ein Update bekommen werden, wenn die Hölle, in der sie und ihre leeren PR-Phrasen in ihrem gottlosen Vodafone-Forum hoffentlich schmoren, schon lange zugefroren ist. Unglaublicherweise hat es Vodafone nicht einmal fertig gebracht, das LTE-Smartphone “HTC Velocity” auf Android 4 upzudaten, weshalb es trotz 1,5GHz-Dualcore nun mit Gingerbread auskommen muss.

Man muss allerdings beachten, dass viele Hersteller und Anbieter – nicht Vodafone – ökonomisch sinnvoll handeln, wenn sie bei Geräten, die in zwei Jahren sowieso im Schnitt ausgetauscht werden, nicht allzu viel in die Langzeithaltbarkeit investieren. Dies wären Mehrkosten, die sich nicht auszahlen würden. Dasselbe gilt für Updates auf die neueste Android-Version. Die müssen erst einmal für jedes Gerät angepasst werden. Und wozu sollte man das tun bei einem zwei Jahre alten Gerät, das sowieso kaum noch jemand verwendet? Es sei denn, man ist selbst der Entwickler von Android. Dann versteht es sich, dass die Nexus-Geräte auch noch nach Jahren verlässlich das neueste Update erhalten. Das hält auch die Preise der Geräte oben. Das Nexus S mit 1GZ-Prozessor kostet immer noch absurde 229 Euro. Nur 20 Euro weniger als das HTC Velocity.

Die Hersteller und Mobilfunkanbieter müssen lediglich darauf achten, dass sie es nicht übertreiben mit dem Geiz. Früher war LG dafür berüchtigt, einfach keine flüssige Software entwickeln zu können, seit dem 4X HD hat sich das Problem erledigt und die Kunden finden wieder Vertrauen zu den Südkoreanern.

Ebenso sollte man nicht vergessen, dass man für mehr Geld auch mehr Haltbarkeit finden wird, wenn man nur mal kurz sucht. Wie gesagt werkelt google beständig an Updates für seine Nexus-Geräte. Es gibt zwar Handys, deren Akkus man nicht entfernen kann, wie das Sony Xperia S, aber es gibt auch andere, wie das Sony Xperia U, bei denen das problemlos möglich ist. Das Akku-nicht-wechseln-Problem betrifft vor allem Tablets, aber auch hier sind erste Geräte mit wechselbarem Akku erhältlich. Warum? Weils eine Marktlücke ist und die werden irgendwann immer von selbst gefüllt. Zudem gibts tragbare Battery-Packs zum Aufladen.

Es wäre trotzdem etwas missverständlich ausgedrückt, würde man sagen, dass “der Markt” das Problem von selbst löst – als gäbe es hier irgendeinen Automatismus. Der Markt, das sind wir. In diesem Fall tragen Journalisten zur Aufklärung über die Produktqualität und -haltbarkeit elektronischer Geräte bei. Ob der Kunde darauf reagiert, bleibt ihm überlassen. In vielen Fällen tut er das und die Hersteller ändern ihr Herstellungsverfahren. Am Ende bekommt jeder, was er möchte – er muss nur bereit sein, dafür zu zahlen. Oder einfach wissen, was es gibt und was er braucht. Mein Lexmark-Laserdrucker aus der Jungsteinzeit kostete beispielsweise nur 50 Euro und er druckt seitdem mit hoher Geschwindigkeit verlässlich tausende Seiten. Erst nach einem Zeitalter war ein neuer Toner fällig und den kann man sich in so großen Abständen leisten. So etwas gibt es auch.

Es gibt zum Beispiel auch Notebooks, die militärischen Belastungstests standhalten. Solar-Armbanduhren aus Titan, deren Akku man nie austauschen muss und die nie kaputtgehen. Es gibt Schuhe von Ausstattern der Polizei, der Feuerwehr, des Militärs, die jeder für einen erträglichen Preis kaufen kann und die sehr viel besser verarbeitet sind als normale Schuhe aus dem Laden.

Es wäre also falsch, mal wieder den “Kapitalismus” für das Problem der geplanten Überflüssigkeit verantwortlich zu machen. Am Ende ist der Kunde selber schuld. Und Vodafone.

Quelle: http://www.terryrotter.de/feuerbringer/2013/03/geplante-uberflussigkeit/#more-3974

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

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6 Antworten auf Geplante Überflüssigkeit

  1. Argutus sagt:

    Man muss allerdings beachten, dass viele Hersteller und Anbieter …. ökonomisch sinnvoll handeln, wenn sie bei Geräten, die in zwei Jahren sowieso im Schnitt ausgetauscht werden, nicht allzu viel in die Langzeithaltbarkeit investieren.

    Das ist zwar richtig, aber irreführend, denn die gesteuerte Obsoleszenz bedeutet ja nicht das Sparen an der Langlebigkeit sondern deren mutwillige Beschränkung bei solchen Geräten, die auch nach Jahrzehnten noch sinnvoll nützbar wären.

    Das Phänomen ist übrigens weder neu noch auf Elektronik beschränkt. Hier ein Beispiel aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts:

    Eine amerikanische Firma stellte Messer her, die zum Kartoffelschälen dienten. Eines Tages kam sie auf die Idee den Griff so mit einem Muster zu versehen, das Kartoffelschalen ähnelt. Das sollte die Wahrscheinlichkeit erhöhen, daß Hausfrauen das Messer zusammen mit den Kartoffelschalen versehentlich wegwerfen und sich ein neues kaufen müssen.

    Das funktionierte zwar, allerdings waren diese Messer weniger hübsch als die der Konkurrenz aber, was den Absatz beeinträchtigte. Schließlich fand man auch dafür eine Lösung: eine ansprechende Farbe, die aber sehr bald abfällt, und darunter das Kartoffelschalen-Muster.

    Ich empfinde so etwas als Wirtschafts-Verbrechen und möchte allen Gesetzgebern nahelegen das auch so zu sehen.

  2. Frank Berghaus sagt:

    Beka Kobaidze kommentiert:

    Ja, mein S3 tut mal gar nicht mehr und ist kaum 6 Monate alt. Samsung ist da ganz kulant, Einschicken nervt trotzdem. Vorbei sind die Zeiten der unzerstörbaren Nokias;)

    Gute, sachliche Betrachtung des Themas. Die Paranoia nervt mich auch regelmäßig. Ich habe auch mal was dazu geschrieben: http://visionstartup.wordpress.com/2013/03/23/unternehmen-konnen-sich-geplante-obsoleszenz-nicht-leisten/

  3. Pingback: Unternehmen können sich geplante Obsoleszenz nicht leisten | Vision: StartUp

  4. Indianerjones sagt:

    Immer alles in Ruhe betrachten, sich nicht aufregen und besser anregend einwirken , auf die Dinge die da so kommen, oder bereits da sind…..Denn in der Ruhe liegt die Kraft. :nerd:

  5. pinetop sagt:

    Es gibt über schlechte Produkte genug Aufklärung in den Medien. Ist die Aufregung unter den Konsumenten nachhaltig, so ist den Produzenten dringend zu empfehlen, hier nachzubessern, wenn sie ihre Marktanteile nicht verlieren wollen.

  6. gottmagus sagt:

    Wieso sollte der Kapitalismus unschuldig sei? Der Konsument, welcher möglichst viel für möglichst wenig haben möchte, ist eine der treibenden Kräfte des Kapitalismus. Da scheint jemand ziemlich frei von Wissen zu sein oder auch nur zu faul, sich mal die Sache aus einer anderen Perspektive anzuschauen.

    Zudem ist auch die Anbieterseite noch lange nicht unschuldig. Die angeführten Gegenbeispiele sind wenig überzeugend. Schuhe sind keine Elektroartikel, noch nicht zumindest, und für die Feuerwehr werden selten Stöckelschuhe, Sandalen oder Badeschlappen gefertigt.

    Die Haltbarkeit zu verringern, weil man denkt, daß der Kunde das Ding eh bald wegwirft, ist lächerlich, das ökonomisch zu nennen ist schlicht dumm.

    Der Laserdrucker für 50 Euro ist auch so ein stupides Beispiel und geradezu kommunistisch, die Haltbarkeit eines Toners ist beschränkt und gerade der Toner bringt dem Hersteller das Geld ein. Daß ein antiquierter Billiglaserdrucker heute  noch druckt ohne etwas ausgetauscht zu haben, ist nichts anderes als eine Lüge.

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