Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit GMF

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tag-gegen-rassismusDie Beschreibung der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit (GMF) als Oberbegriff für rassistische, kulturalistische, sexistische und generell abwertende Verhaltensweisen gehört meines Erachtens zu den größten Leistungen der Geistes- und Sozialwissenschaften der letzten Jahre. Evolutionär kannte schon Charles Darwin das Problem: Fast alle Lebewesen beschränken ihre "Sympathien" – wenn überhaupt – auf nahe verwandte Artgenossen. Selbst unsere nächsten Verwandten – wie Schimpansen oder Gorillas – könnten keinen Bus besteigen und keinen Kindergeburtstag feiern, ohne dass es zu gefährlichen, gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen "Fremden" käme. Unsere Vorfahren erwarben über tausende von Generationen mehr und mehr die Fähigkeit, sich zu immer größeren und komplexeren Gruppen zusammen zu schließen. Doch auch uns bleibt noch der Atavismus (das evolutionäre Überbleibsel), nach dem wir Andere, Fremde, Schwache ausgrenzen und insbesondere unter Streß und Frust unsere je eigene Gruppenidentität durch Vorurteile und Grausamkeit gegenüber Nicht-Zugehörigen zu festigen versuchen – von der rechtlichen Diskriminierung bis hin zum massenhaften Mord.

Weiter bei: http://www.scilogs.de/chrono/blog/natur-des-glaubens/sozialdarwinismus/2013-04-14/gruppenbezogene-menschenfeindlichkeit-gmf-in-evolution-rer-perspektive

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18 Antworten auf Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit GMF

  1. ilex (E. Ahrens) sagt:

    Wer Feindseligkeit gegen Muslime hegt, wird auch Behinderte oft verachten, die Emanzipation von Frauen ablehnen und sich "zigeunerfreie" Innenstädte wünschen (usw.).

    Och nö, Herr Blume. Ganz so einfach ist es nicht. Ein sehr undifferenziert-propagandistischer Artikel, der Dinge zusammenwirft, die nicht zusammen gehören.

  2. pinetop sagt:

    "Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit" ist der Begriff, der micht in den letzten Jahren am stärksten in die Raserei getrieben hat. Ich halte diesen Sammelbegriff, der mehr verdunkelt als erhellt, für ein intellektuell klingendes, aber bösartiges politisches Schlagwort, mit dem jeder Gegner getroffen werden kann. Und genau genommen handelt es hier sogar um eine inhaltsleere Floskel, denn je mehr Inhalte möglich sind, desto geringer die tatsächliche Beschreibungskraft.

    Dieser Begriff hat in der Soziologie, sofern sie sich als wissenschaftliche Disziplin sieht, nichts zu suchen. Und ist als politisches Schlagwort schlicht und einfach nur bösartig.

    Wahrscheinlich musste ein neuer Begriff her, als man entdeckte, dass man mit einem exakten Rassismusbegriff nicht mehr alle politischen Gegner treffen konnte. Z. B. als man merkte, dass der Rassismusvorwurf an die seröse Islamkritik an Lächerlichkeit schwerlich zu übertreffen ist.   

  3. Argutus sagt:

    Wenn wir irgend etwas (Dinge, Lebewesen, Menschen … was auch immer) in sympathische und unsympathsiche unterteilen, dann tun wir das bewußt oder unbewußt anhand bestimmter Kriterien. Dieselben Kriterien definieren dann notwendigerweise auch Gruppen und gegen jene, die man unsympathisch findet, hat man dann trivialerweise eine Einstellung, die man (wenn es sich um Menschen handelt) als "gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit" bezeichnen könnte.

    Selten findet man einen derart überflüssigen Terminus für einen völlig trivialen Sachverhalt.

    Ich beispielsweise habe eine solche gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit gegenüber der Gruppe der Raubmörder. Außerdem habe ich auch noch eine "gruppenbezogene Nahrungsmittel-Feindlichkeit" gegen alle Speisen, die Knoblauch enthalten.

    Also wirklich – ich sollte mich was schämen! :-)

  4. ingres sagt:

    "Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit" ist der Versuch die zur Religion gewordene moralische (statt sachlicher)  Betrachtung der Realität, speziell hinsichtlich der Betrachtung von Menschengruppen und Kulturen,  mit dem Status der Wissenschaftlichkeit zu versehen. Damit ist die Sozial"wissenschaft" also quasi religiös (in jedem Fall total ideologisiert) geworden. Wobei die tatsächlich in der Realität bestehenden (und manchmal eben auch zu Problemen führenden) Unterschiede zwischen Menschen und Menschengruppen zum Konstrukt und zum  Resultat der "gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit" erklärt werden.

    "Moral als Religion" reicht dabei freilich weit über die Themen der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit hinaus und erstreckt sich mittlerweile auf alle Politikfelder. Aber die rationale Betrachtung der Realität hat nun mal rein sachlich zu bleiben. D. h. nicht, dass Emotionen schlecht sind, aber sie haben nun mal (sind nun mal keine Wissenschaft, um einen Spruch von Richard P. Feynman zu paraphrasieren) in einer rationalen Betrachtung der Realität nichts zu suchen .

  5. Azrail sagt:

    Ach, NEEEEEIIIIIIINNNNNNN, Jaul, :kotz: PUSTEBLUME Herrlein/Frollein Blume :ohno:
    Selten so am Kopf gelangt. Ein sehr undifferenzierter, verallgemeinender Bericht über, man höre und staune "GMF". Was für ein Begriff, was für ein Kürzel / Bürzel :mad:

    Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit – muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Genausogut gibt es Gruppenbezogene Tierfeindlichkeit. Gruppenbezogene Pflanzenfeindlichkeit.
    Man was für eine QUALIA , furchtbar.

    GMF für Stinker (also für "Leute", die es mit der Körperhygiene nicht so genau nehmen. Diese Spezies benötigt einen Integrationsbeauftragten für Waschungen aller Art, na dann Mahlzeit).

    GMT für Metzger, denn sie hassen Schweine, Rinder und sämtliches Nutzvieh aller Art. Sofort einen Aufpasser einstellen, der diesen pööööhsen Metzgern das Handwerk legt.

    GPF für Brennessel-Phobiker, denn sie weigern sich mit nackten POPO sich ökogerecht in das Brennesselfeld zu sitzen, damit das Steißbein-Rheuma erfolgreich bekämpft wird. Außerdem müssen wir noch die Unkrautfanatiker erwähnen, die dem armen Unkraut zu Leibe rücken.

    Ich fass es nicht. Schon wieder ein Maulkorb-Unwort des Jahres. Nur, damit der wachsenden Kritik an Religionen, Ringelpietz-Multikuppelei ja Einhalt geboten wird. Es ist nichts anderes wie ein neues Wort für "Nazi-Keule".

    Lieber Pinetop :grin:

    Bitte nicht in Raserei verfallen, schadet nur dem Nervenkostüm. Die Dummheit der Menschen ist unendlich.

    So, jetzt bin ich auch ein GMFler, schließlich bekomme ich die Weißglut wenn mir dumme Menschen begegnen.

    Warum gibt es kein Kraut oder eine wirksame Medizin gegen Dummheit. :mrgreen:

     

  6. Azrail sagt:

    Ich lasse mir von niemandem vorschreiben, wen ich zu lieben oder zu hassen habe. Von keinem.
    Auch nicht von so einem Euterschreck wie Michel Pusteblume, der diesen zum Erbarmen seiernden Artikel versemmelt hat.

    Oh, jetzt bin ich auch GSFler, also Gruppenbezogene Semmelfeindlichkeit. :mad:

  7. Azrail sagt:

    Ich beispielsweise habe eine solche gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit gegenüber der Gruppe der Raubmörder. Außerdem habe ich auch noch eine "gruppenbezogene Nahrungsmittel-Feindlichkeit" gegen alle Speisen, die Knoblauch enthalten.

    Also wirklich – ich sollte mich was schämen! :-)

    @ ARE :lol:

    Du bringst es auf den Punkt. Die Liste kann man noch verlängern. Wie lange wird man diesen Schwachsinn noch weiter hätscheln.

  8. Indianerjones sagt:

    Das ist der unterbewußte Wunsch nach einer Gruppe, in der man Gruppenführer werden will, das raschelt so richtig im Hinterkopf. Man diffamiert einfach selbstständig denkende Menschen, die einzig und alleine ihre Meinung kundtun und wird dann Gruppenführer, der ihnen die eigene Meinung vermeintlich genommen hatt und durch ein zünftiges Massendenken ersetzt hatt. Dann stehen sie geschlossen da….Ein Haufen…eine Kaschemme …ein Führer. Was soll man denn zu so einer üblen Aussage noch weiter sagen….doch wenn er Wohlrabe heißen würde, dann würde ich ihn Übelkrähe nennen( frei nach Wehner).:nerd:

  9. Azrail sagt:

    Sehr gut Indy :clap: gut erkannt.

    Diese Euterschreck-Gestalten haben das sogenannte "Fööhrer-Syndrom" unter dem Deckmantel des pathologischen "Gut-Blödeltums". Der Wahnsinn hat Furore, leider :mrgreen:

  10. Indianerjones sagt:

    Ich kann nicht oft genug sagen , wie sehr ich dich schätze, liebste Azrail. :nerd:

  11. Oha, das ist ja eine muntere Truppe hier! :-)

    Da @pinetop einen guten Einwand von hier mitgebracht hat, poste ich auch gerne meine Antwort hierher:

    Er schrieb: Ich habe eine Abneigung gegen die Gruppen der Neonazis, Vergewaltiger und Raubmörder.

    Und ich antwortete: Gegen was und wen genau richtet sich Ihre Abneigung? Einmal geht es hier um Anhänger einer bestimmten, extremistischen Weltanschauung und zweimal um Menschen, die Verbrechen begangen haben. Selbstverständlich können und sollen Sie dagegen "Abneigung" empfinden. Die Frage ist jedoch, ob Sie daraus das Recht ableiten, diese Menschen darauf zu reduzieren, sie zu vermeintlich homogenen und nicht zu ändernden "Gruppen" zusammen zu fassen und ihnen deswegen Menschenrechte abzusprechen, Selbstjustiz zu üben etc. Dann wird es durchaus zur GMF – man denke z.B. an den Umgang von (nach ihrem Selbstverständnis) atheistisch-aufgeklärten Stalinisten mit "Konterrevolutionären". Und ich darf daran erinnern, wie sich erst neulich auch in unserem Land Facebook-Meuten zu Mordaufrufen an einem (dann sogar unschuldigen) Tatverdächtigen hochpuschten! Und diese Leute waren nicht weniger überzeugt davon, auf der Seite "der Guten" zu stehen, wie Sie es auch sind. Erfreulicherweise überwogen aber jene, die auch Tatverdächtigen und sogar Tätern die Menschenrechte nicht absprechen wollten.

    Ihnen alles Gute und noch viel Freude beim Debattieren!

  12. Argutus sagt:

    Dr. Michael Blume sagt: 19. April 2013 um 14:49

    Die Frage ist jedoch, ob Sie daraus das Recht ableiten, diese Menschen darauf zu reduzieren, sie zu vermeintlich homogenen und nicht zu ändernden "Gruppen" zusammen zu fassen und ihnen deswegen Menschenrechte abzusprechen, Selbstjustiz zu üben etc.

    Wieso? Hat das hier jemand befürwortet?

  13. Nö, Argutus – nur dann ist es auch keine Menschenfeindlichkeit. Einige hier fechten wohl gerne mit Strohpuppen.

    Ich wünsche dem VfB Stuttgart einen Sieg beim DFB-Pokalfinale und feuere meine Mannschaft gegen die Bayern an. Das ist evolutionär völlig "normale" Gruppendynamik, wie sie sich in jedem Klassenzimmer erzeugen lässt. Zur GMF würde das erst werden, wenn ich die anderen als Feinde entmenschlichen würde und ihnen Gewalt androhte – wie es gewaltbereite Ultras leider auch im Bereich der Fankultur tun.

    Angeblich soll es ja bei "Wissen bloggt" auch ein paar Leute geben, die nicht nur wie oben einige einen auf halbstark machen, sondern sich wirklich für Argumente interessieren. Für diese war die ergänzende Erklärung gedacht.

    Beste Grüße in die Runde!

  14. Azrail sagt:

    Dr. Michael Blume sagt:

    Wie sie schon richtig bemerkt haben, sind wir eine sehr muntere Truppe. Hier wird nicht nur trocken oder öd diskutiert, sondern auch mit Pep und Chuzpe.
    Auch Halbstarke diskutieren gerne.
    Sie werden doch nicht etwas gegen Halbstarke haben :lol: , denn das wäre
    Gruppenbezogene Halbstarkenfeindlichkeit. Wir sind doch tolerant :grin:

  15. ilex (E. Ahrens) sagt:

    Dr. Michael Blume sagt: 19. April 2013 um 17:32 = … nur dann ist es auch keine Menschenfeindlichkeit. Einige hier fechten wohl gerne mit Strohpuppen.

    Im Artikel bei sciblog hörte sich das allerdings deutlich anders an.

    Irgendeine Gruppe von Menschen  (müssen ja nicht immer nur Menschen islamischen Glaubens sein) mit guten oder auch nicht so guten Gründen zu kritisieren ist weder gruppenbezogene Menschlichkeit noch gar der gern daraus destillierte Begriff des "Rassismus". Nicht nur Individuen, sondern eben auch Gruppen derselben zu kritisieren und auch zu kategorisieren ist normale Lebenswirklichkeit. Dann gleich mit der "Entmenschlichung" zu kommen ist die Ideologie, vorsichtshalber alles unter Naturschutz zu stellen, um die unangenehmen Dinge nicht anfassen zu müssen.

  16. pinetop sagt:

    @ Dr. Blume

    Das Konzept der "gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit" nennt etwa zehn Gruppen, die Opfer dieser Mentalität sind. Abneigungen gegen Homosexuelle, Ausländer oder Obdachlose können Forschungsgegenstand verschiedener Disziplinen sein. Die Soziologie und die Psychologie können zu diesen Themen verschiedene Hypothesen formulieren und sogar die wissenschaftliche Kenntnis erweitern. Eine gleichzeitige Erforschung kann genau genommen nur bedeuten, dass der kleinste gemeinsame Nenner gesucht wird. D. h. je mehr Gruppen zu untersuchen sind, desto kleiner wird der Erkenntnisgewinn. Die Summe der Informationen tendiert gegen null. 

    Ich vermute, dass die hier beteiligten Autoren, weniger an werturteilsfreien Ergebnissen interessiert sind als vielmehr an der Befriedigung der eigenen ideologischen Vorurteile. Das ist natürlich nur eine Behauptung, ich habe aber keine Lust den Positivismusstreit der 60er Jahre wieder aufzuwärmen.

    Wer sich dem Wissenschaftsverständnis eines Hans Albert verpflichtet weiß, muss sich ärgern, da wieder der Versuch unternommen wird, einer politische Haltung mit Hilfe der Wissenschaft den nötigen Respekt zu verschaffen.

    Wesentlich schlimmer ist das eigentliche Ansinnen, nämlich hier ein Mittel zu haben, mit dessen Hilfe man Andersdenkende niedermachen kann. In diesem Konzept wird von der Gleichwertigkeit von Antisemitismus und Islamophobie wie selbstverständlich ausgegangen. Der Antisemitismus ist, obwohl er erst im 19. Jahrhundert virulent wurde, das Ergebnis eines Denkens, welches von der Aufklärung noch nicht berührt wurde. Islamophobie ist dagegen auf ein Denken zurückzuführen, welches ohne die Aufklärung gar nicht möglich wäre. Der Islam wird kritisiert wegen seinem Anspruch allumfassend zu sein, also totalitär. Und seine Kritiker stehen für die verschiedensten Emanzipationsbewegungen, für Geistesfreiheit und für den Primat des demokratischen und positiven Rechts. Nicht nur unwissenschaftlich ist es, sondern sogar infam, wenn dem Islamkritiker eine Phobie unterstellt wird. Es ist keineswegs so, dass mit dem Vorwurf der Islamophobie in erster Linie rechtskatholische oder nationalistische Dumpfbacken bedacht werden, sondern vielmehr durch und durch demokratische Personen wie Mina Ahadi, Ayaan Hirsi Ali oder Ralph Giordano.

    Das Konzept der "gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit" nennt auch die Abwertung des Religiösen allgemein. Wir Atheisten streiten für unsere Auffassung, für ein naturwissenschaftliches Weltbild und für individuelle und universell gültige Gewissensfreiheit. Es ist an Perfidie nicht mehr überbieten, wenn uns damit eine faschistoide Abwertung religiöser Menschen unterstellt wird.        

  17. Azrail sagt:

    ilex (E. Ahrens) sagt:

    19. April 2013 um 18:32

    Dr. Michael Blume sagt: 19. April 2013 um 17:32 = … nur dann ist es auch keine Menschenfeindlichkeit. Einige hier fechten wohl gerne mit Strohpuppen.

    Dein Kommentar bringt es auf den Punkt :clap: Die Unterstützung der Halbstarken ist dir sicher :grin:
    Außerdem gibt es nicht nur Strohpuppen, sondern auch Strohblumen und Stroh als Füllmaterial für bestimmte Vakuum-Bälle.
    Sehr interessante Umschreibung, um ja nicht unangenehme Tatsachen anzusprechen. Das Schweigen oder Leugnen/Negation einer Realität, heißt noch lange nicht, dass es sie nicht gibt.
    Trotzdem Besten Gruß zurück Herr Dr.Blume.

  18. Azrail sagt:

    pinetop sagt:

    19. April 2013 um 18:42

    Lieber Pinetop :grin:
    Dein Kommentar ist erste Sahne > Note 1 :clap:
    So argumentiert / koffert man faktenreich erfolgreich zurück! Klasse :ok:

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