Der Schulleiter, PI und der Islam

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StadtgymnasiumBernhard Koolen, stellvertretender Schulleiter eines der ältesten Gymnasien Deutschlands, geriet in den vergangenen Monaten wiederholt in negative Schlagzeilen. Interessant ist dieses insbesondere deshalb, weil anhand genau dieser Schule exemplarisch die fehlende Souveränität vieler Schulleitungen im Umgang mit dem Islam aufgezeigt werden kann. Gleichzeitig stehen die Schlagzeilen rund ums Stadtgymnasium Dortmund stellvertretend dafür, wie insbesondere rechtsgerichtete Medien die „Islamophilie“ vieler Pädagogen für ihre eigenen Interessen instrumentalisieren.

Der Blog „PI“ veröffentlichte zu Beginn dieses Jahres mehrere Artikel über besagtes Stadtgymnasium Dortmund, unter anderem mit dem Titel „Ältestes Ruhrgebiets-Gymnasium wird islamisiert“ (http://www.pi-news.net/2013/01/altestes-ruhrgebiet-gymnasium-wird-islamisiert/) und „Schulleiter betreibt Meinungsdiktatur“ (http://www.pi-news.net/2013/02/dortmund-schulleiter-betreibt-meinungsdiktatur/). In diesen Artikeln kommen Verfehlungen Bernhard Koolens zur Sprache, welche in Dortmund für erhebliches Kopfschütteln sorgten. Anfang April trat „PI“ noch mal nach: „PI wirkt: Eltern meiden islamophiles Gymnasium“, freute sich der Blog über die gesunkenen Anmeldezahlen dieses Gymnasiums (http://www.pi-news.net/2013/03/pi-wirkt-eltern-meiden-islamophiles-gymnasium/#more-309844  Die Anmeldefristen für das kommende Schuljahr waren gerade abgelaufen, und kaum noch Eltern wollten ihre Kinder in diese in Verruf geratene Schule stecken. „PI“ feierte diesen fortdauernden Ansehensverlust Bernhard Koolens und seines Gymnasiums als eigenen Erfolg.

Es ist nicht ganz klar, inwieweit die rapide gesunkenen Anmeldezahlen des Stadtgymnasiums tatsächlich auf „PI“ zurückzuführen sind. Doch abwegig ist ein Zusammenhang keineswegs: Die Zahl der täglichen PI-Leser liegt im höheren fünfstelligen Bereich, zahlreiche Facebook-Nutzer hatten die PI-Artikel eifrig unter Dortmunder Eltern verbreitet. Und diese sind es ohnehin längst gewohnt, über Begriffseingaben in Suchmaschinen Informationen über in Frage kommende Schulen für ihre Kinder zu sammeln. Die „PI“-Artikel waren teils auch von anderen Blogs übernommen, konnten also durchaus zum Anmeldeschwund beigetragen haben – einfach deshalb, weil sie zumindest eine gewisse Unsicherheit in der Elternschaft verbreiteten.

Doch wie berechtigt sind die gegen Bernhard Koolen erhobenen Vorwürfe wirklich? Handelt es sich um eine Hetzkampagne eines rechtspopulistischen Blogs? Oder haben die Vorwürfe tatsächlich Hand und Fuß? Ist es gar beschämend, dass ausgerechnet „PI“ anstelle von anderen Medien auf bestimmte Missstände am Stadtgymnasium Dortmund hingewiesen hat?

Betrachten wir in Ruhe, welche Vorwürfe im Raum liegen:

Allen voran geht es um den umstrittenen Imam Ahmed Aweimer. Dieser arbeitet für den Zentralrat der Muslime und schwärmt für diesen „in Schulen aus“. Aweimer leitete auch einen muslimischen Gottesdienst am Stadtgymnasium Dortmund . Im PI-Artikel heißt es dazu: „Der Imam wird geschickt vom Zentralrat der Muslime, der bekanntermaßen vier traditionell-islamisch ausgerichtete Verbände in sich zusammenschließt. Darunter auch die „Ditib, als deren Geldgeber türkisch-nationalistische Großverbände gelten. (…) Der Holocaust-Überlebende Ralph Giordano äußerte erheblich Zweifel an der Grundgesetztreue der „Ditib und somit des Zentralrats der Muslime.“

Anhand dieser Passage sehen wir, dass bei PI offenbar recht ungenau recherchiert wird. So wird der „Zentralrat der Muslime“ mit dem „Koordinierungsrat der Muslime“ verwechselt. Letzterer ist es, der vier Verbände in sich vereint, unter anderem auch besagten „Zentralrat der Muslime.“

Das macht das Verhalten Bernhard Koolens jedoch nicht besser, sondern im Gegenteil, die Vorwürfe gegen ihn müssten noch stärker ausfallen. Ironischerweise kritisiert der PI-Artikel den Zentralrat der Muslime ausschließlich wegen der – hier irrtümlich angenommenen – Zugehörigkeit der „Ditib“, obwohl Aweimers Organisation schon allein für sich betrachtet weitaus mehr Dreck am Stecken hat.

Die christliche EKD – insgesamt durchaus islamfreundlich gesinnt – stellte zu Recht fest: http://www.ekd.de/EKD-Texte/islam_charta2003.html: „Der Zentralrat scheint in seiner Auffassung der Position islamischer Menschenrechtserklärungen (von 1981 und 1990) zu folgen, in denen Menschenrechte als Geschenk und Gnade Gottes verstanden und an die Erfüllung religiöser Pflichten gebunden werden. Angesichts der Befürchtungen, die sich nicht nur bei Nicht-Muslimen, sondern auch in großen Teilen der muslimischen Bevölkerung mit einer konservativen Interpretation der Scharia verbinden, trägt diese These nicht zur Vertrauensbildung bei, sondern bestätig vorhandene Befürchtungen.“ Insbesondere wird dem Zentralrat vorgeworfen, sich nach außen hin dialogbereit darzustellen, während nach innen die Errichtung einer islamischen Gesellschaft in Deutschland Ziel sei.

Aweimers Zentralrat der Muslime steht für eine sehr konservative Auslegung des Korans. Damit spricht dieser selbsternannte „Zentralrat“ nur für einen sehr geringen Anteil der in Deutschland lebenden Muslime. Die meisten Muslime sind viel weniger orthodox ausgerichtet als Aweimers Verband es gerne hätte. Indem eine Schulleitung einem Verband wie jenen von Aweimer dermaßen „den roten Teppich ausrollt“, wird weniger Integration als vielmehr Selbstausgrenzung gefördert.

Bernhard Koolen hatte den muslimischen Gottesdienst am Stadtgymnasium Dortmund maßgeblich vorangetrieben, um Muslimen ein Zeichen von Partizipation und Anerkennung zu geben. So sollten Muslime am letzten Schultag eines Kalender- wie auch Schuljahres vor allem deshalb einen eigenen Gottesdienst zugestanden bekommen, weil es schließlich für christliche Schüler ja auch christliche Gottesdienste gäbe. Doch wo bleibt die Berücksichtigung der humanistischen bzw. konfessionslosen bzw. atheistischen Schüler? Jene dürften in einer Stadt wie Dortmund die weitaus größte Gruppe darstellen, eine spezielle Veranstaltung für sie wurde jedoch nicht angedacht.  

koolen

Völlig berechtigt erscheint der von „PI“ erhobene weitere Vorwürf gegen Bernhard Koolen hinsichtlich dessen sogenannter „Meinungsdiktatur“. So wurde Bernhard Koolen von der Tageszeitung „Ruhrnachrichten“ bezogen auf einen islamkritischen Lehrer seiner Schule wie folgt zitiert: „Ich werde ihm alle weiteren Kontakte zu Pro NRW untersagen.“ http://www.ruhrnachrichten.de/lokales/dortmund/Politiklehrer-nach-Auftritt-auf-Pro-NRW-Demo-suspendiert;art930,1673326.  Der betroffene Lehrer hatte gegen einen Aufmarsch faschistoider Salafisten spontan eine kurze Rede gehalten und hierbei, obwohl er sich als Grünen-Wähler outete, auch tosenden Applaus von Pro NRW bekommen.

Wenn Bernhard Koolen Lehrern allen Ernstes „Kontakte“ zu Pro NRW untersagen will, verstößt er eindeutig gegen Grundrechte. Auch „PI“ sieht das so, wenngleich auch aus anderen als humanistisch-liberalen Motiven. Wie auch immer: Unabhängig davon, wie man zu Pro NRW steht, gilt der Grundsatz: Es ist nicht verboten, mit Menschen extremer Parteien „Kontakte“ zu haben. Denn „Kontakte“ kann vieles bedeuten, einschließlich kontroverser Diskussionen unter Meinungsgegnern. Und wie heißt es so schön: Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Ein Schulleiter, der systematisch mit Personen wie Ahmed Aweimer und dessen Verband kooperiert, ist meilenweit von jener moralischen Autorität entfernt, die Bernhard Koolen offensichtlich für sich beansprucht.

Möglicherweise wird Bernhard Koolen den Anmeldeschwund nun auf „negative Presse“ schieben, um so von eigenem Fehlverhalten abzulenken. Und „PI“ als rechtspopulistischer Blog gibt ihm zugegebenermaßen zahlreiche Steilvorlagen für politisch korrekte Medienschelten. Für Beobachter solcher und anderer Ereignisketten gilt indes: Es ist nicht leicht, im Kreuzfeuer zwischen orthodox-muslimischen Lobbyisten, naiv-islamophilem Schulleiter und rechtspopulistischen Blog den kühlen Blick zu bewahren.  Nicht nur mit „PI“-Augen, sondern auch bei nüchterner Analyse zeigt sich: Bernhard Koolen scheint mit seinem fragwürdigen Verständnis politischer Korrektheit dem Stadtgymnasium Dortmund nicht genutzt zu haben, eher im Gegenteil. 

Henning Rothers

 

Die Meinung des Gastautors muss nicht der Redaktionsmeinung entsprechen.

 

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11 Antworten auf Der Schulleiter, PI und der Islam

  1. Argutus sagt:

    PI hat eine große Zukunft hinter sich. :-(

    Das Sammeln und Aufbereiten "politisch inkorrekter" Fakten, die von den anderen Medien unterdrückt oder vernachlässigt werden, ist sicher verdienstvoll. Und da diese sehr oft in negativer Weise mit dem Islam im Zusammenhang stehen, hätten sie einen trefflichen Anlaß für ausgedehnte islamkritische Betrachtungen auf diesem Blog geliefert, die (schon der Ausgewogenheit wegen, aber auch, weil anderswo Dinge im Argen liegen) Teil einer allgemeinen Religionskritik gewesen wären. Mit seiner großen Verbreitung hätte PI ein wichtiger Faktor für Aufklärung, Vernunft und Humanismus auf hohem intellektuellen Niveua sein können.

    Leider aber wurde daraus nichts. Das Niveau ist beklagenswert, Die Islamkritik schrammt hart an der Grenze zur Hetze vorbei (die in manchen Kommentaren auch nicht selten deutlich  überschritten wird) und statt allgemeiner Religionskritk trieft dieser Blog in unerträglichem Ausmaß vor christlicher Propaganda.

    Damit ist der Nutzen fast zerstört. Das einzige, was noch verbleibt, ist auf Dinge aufmerksam zu machen, die man anderswo nicht liest. Man muß aber dann immer noch recherchieren, was von den auf PI vorgebrachten Aussagen wahr ist und was nicht, denn von Verläßlichkeit kann leider keine Rede sein.

    Auch einen Schaden gibt es: Viele Menschen, die PI lesen, glauben, daß das, was dort betrieben wird, "Islamkritik" ist und lehnen deshalb alles ab, was so bezeichnet wird, auch wenn es vernünftig, differenziert und auf hohem Niveau stattfindet.

  2. myotis sagt:

    ….freute sich der Blog über die gesunkenen Anmeldezahlen dieses Gymnasiums (http://www.pi-news.net/2013/03/pi-wirkt-eltern-meiden-islamophiles-gymnasium/#more-309844  Die Anmeldefristen für das kommende Schuljahr waren gerade abgelaufen, und kaum noch Eltern wollten ihre Kinder in diese in Verruf geratene Schule stecken. „PI“ feierte diesen fortdauernden Ansehensverlust Bernhard Koolens und seines Gymnasiums als eigenen Erfolg.

    Zu den gesunkenen Anmeldezahlen findet sich nichts im Netz was nicht auf Pi zurück geht und das ist auch nur eine geschöpfte Information.

    Aus der Tatsache das nach Ablauf der ersten Anmeldefrist eine 2. wie bereits im Dezember angekündigt folgt, herzuleiten, das es zu einem Einbruch der Anmeldezahlen kam ist schon mehr als fraglich.

    Letztlich dürfte wohl auch eher die Frage für die Eltern und Schüler eine Rolle gespielt haben wie ist der Unterricht gewährleistet.

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  5. Lukas sagt:

    Bleibt noch zu erwähnen, dass dieses Gymnasium in früheren Zeiten den Namen “Adolf-Hilter-Gymnasium” trug. Traurig, dass man aus der Geschichte so wenig gelernt hat.
    Übrigens waren Hitler und Himmler ja krankhaft-islamophil.
    Adolf Hitler sagte: ““Das Christentum ist so etwas Fades, hätten wir viel eher noch den Mohammedanismus übernommen, diese Lehre der Belohnung des Heldentums: der Kämpfer allein hat den siebenten Himmel!” Und Heinrich Himmler ergänzte, der Islam sein der Weltanschauung des Nationalsozialismus “sehr ähnlich”.

  6. Frank Berghaus sagt:

    Lukas sagt: 28. April 2013 um 20:12

    Die Geschichte mit "krankhaft islamophil" der Nationalsozialisten (hier Himmler und Hitler) ist eine masslose Überzeichnung aus einigen wenigen hingeworfenen Zitaten.

    Das gehört zur typischen "Rechtfertigungslehre" der PI-oten, um sich vom Vorwurf, rechtsextrem zu sein, reinzuwaschen. Einen sonderlichen Eindruck auf die Geschichte haben solche Dinge nicht hinterlassen.

  7. Argutus sagt:

    Lukas sagt: 28. April 2013 um 20:12

    Adolf Hitler sagte … Und Heinrich Himmler ergänzte …

    Gibt es für diese Aussprüche eine historisch verläßliche Quelle?

  8. pinetop sagt:

    Das Ganze wäre eine schöne Anregung für eine Theateraufführung. Schulleiter und Lehrer repräsentieren die zwei möglichen – und gegensätzlichen – Haltungen; Haltungen, mit denen ihre beiden Anhänger überzeugt sind, der offenen Gesellschaft zu dienen.

    Der Schulleiter will eine Integration um jeden Preis. Er ist der Auffassung, dass jede Gesinnung, sofern sie fremder Herkunft ist, zu dulden oder sogar als Bereicherung zu werten ist. Der Lehrer steht für Emanzipation, Freiheit und Aufklärung. Es ist ihm gleichgültig, ob die Feinde der offenen Gesellschaft deutschen oder fremden Ursprungs sind.

    Ich bin überzeugt, dass sich die Auffassung des Lehrers mehrheitlich durchsetzen wird. In den letzten vierzig Jahren wurden schon manche Ideen, die als progressiv galten, über Bord geworfen, und ihre Vertreter von einst möchten nicht mehr an diese Peinlichkeiten erinnert werden.    

  9. pinetop sagt:

    Ich denke auch, dass die Haltung der Nazis zum Islam maßlos überbewertet wird. Deutsche Moslems, das war außerhalb jeder Vorstellungskraft. Wahrscheinlich verband man, literarisch geschult an Karl May, islamische Völker mit kriegerischen Nomaden. 

  10. Azrail sagt:

    pinetop sagt:

    29. April 2013 um 17:58

    Ich denke auch, dass die Haltung der Nazis zum Islam maßlos überbewertet wird. Deutsche Moslems, das war außerhalb jeder Vorstellungskraft. Wahrscheinlich verband man, literarisch geschult an Karl May, islamische Völker mit kriegerischen Nomaden.

    Interessant, dass du das erwähnst. Den Verdacht habe ich schon länger und deckt sich mit meinen kritischen Überlegungen was den Stürzenden Schreihals von Münch(en)hausen anbelangt.  Man braucht ein neues Feindbild :mrgreen:

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