Gespräch mit Moslems

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MarsaAlam_Wüste_RotesMeerEin ganz normaler Abend in Ägypten mit meinen moslemischen Freunden Ahmed, Hany, Mohammed et al. – Von Edith Bettinger

Ich: Verdammt heiß ist es heute, wir haben erst Anfang Mai und es ist windig!

Ja schon. Aber der Wind kommt aus der Wüste.

Aber aus der Wüste Saudi Arabiens, der Windrichtung nach zu urteilen ;-)
Nein, du hast keine Ahnung, Saudi Arabien ist dort (zeigt nach Westen)

A propos Saudi Arabien : Ahmed, hast du schon für deinen Freund gebetet?
(Anmerkung : dieser Freund wartet in Alexandria im Spital auf eine Magen-OP)

Gut, dass du mich erinnerst, ich gehe sofort hinein und bete für ihn.

Frage: Wo ist denn Mekka, nur damit du nichts falsch machst?

Na dort! (zeigt wieder nach Westen)

Habibi, muß ich als Nichtmoslem dir sagen, wo Osten ist?

Nein, man kann nichts falsch machen, mit dem Meer im Rücken liegt man da immer richtig.

Das ist aber dann blöd, wenn man an der Mittelmeerküste wohnt, da wird’s dann trickreich, außerdem sitzen wir hier an einer Lagune, da hast du theoretisch 3 Möglichkeiten dafür. Hast du auf deinem Iphone keine Mekka-App installiert?

(Anmerkung: das „Beten mit dem Meer im Rücken„ habe ich schon oft gehört, es ist daher keine Wiederholung einer etwas älteren Satire von mir, sondern wieder einmal tatsächlich so ausgesprochen)

Du hast keine Ahnung, ich gehe jetzt jedenfalls beten!

Nach 2 Minuten: Fertig! Möge Allah mein Gebet erhören und Waleed beistehen! Es wird alles gut inshallah!

Möge der Chirurg ihm beistehen, aber egal, jedenfalls alles Gute für deinen Freund. Ich werde ihn in mein Abendgebet mit einschließen.

Hhhh? Du betest? Bist du also doch gläubig!

Das war ironisch, liebe Freunde, ich bin und bleibe bei den kuffar.

Kuffar ???

Atheistin!

????? Was ist das?

Ich bin frei von Gott und froh darüber!

Du glaubst nicht an Allah? Unmöglich, jeder muss an ihn glauben.

Ich glaube zum Beispiel im Moment nur, dass es morgen noch heißer wird.

Nein, an Allah musst du glauben! Er hat alles geschaffen, auch dich!

Geschafft haben es eine Eizelle meiner Mutter und ein Spermium meines Vaters.

Betretenes Schweigen, ein durchaus gewollter Tabubruch: diese Worte in der Öffentlichkeit auszusprechen, haram und schockierend.

Aber das Spermium, wer hat das geschaffen? Das ist so perfekt ! (Mohammed und Hany zeigen unbewusst (?) auf ihren Schritt)

Abgesehen davon, dass die weibliche Eizelle mindestens genauso perfekt ist, sind Spermien ein Produkt der Evolution, nichts Besonderes, haben alle Säugetiere.

Säugetiere ???

(es folgt ein Exkurs in Biologie, Zyto- und Ontogenese, Embryonalentwicklung, Genetik bis hin zu den Menschenaffen, so weit ich das auf Englisch und Arabisch vermitteln konnte)

Du hast Schimpansen erwähnt, bist du etwa auch so ein Anhänger von diesem Darwin? (Ahmed lacht abfällig)

Wenn du so willst ja, ich bin grundsätzlich eine Anhängerin von Wissenschaft und Menschenrechten, besonders der Aspekt, dass Frauen gleichberechtigt sein sollen, was beim besten Willen nicht aus eurem „heiligen“ Buch ab zu lesen ist.
Mein ganz besonderer Liebling ist ja Sure 2, Vers 223 (Eure Frauen sind euch ein Saatfeld. …..) Frauen sind eure Äcker? Na danke, darum seid ihr auch so Machos!

Hany ganz aufgeregt: Das stimmt nicht, das steht nicht im Koran!!

Lies es nach, du hast doch sicher einen bei dir.

Nein, ich trage doch nicht den Koran spazieren!

Ahmed zückt sein Handy: ich habe es sicher gespeichert!
(sucht lange und spielt dann die Rezitation der Sure vor)

Offenbar kenne ich den Koran besser als ihr, lest es nach, wenn ihr zu Hause seid.

Mohammed ziemlich sauer: Du kennst dich da nicht aus und kannst da nicht mitreden, du bist kein Moslem!

Blödes Argument! Dann kannst du auch nicht beurteilen, wie sich eine Frau schicklich anzuziehen hat, du bist ja keine Frau.

Al hamdullillah, ich bin keine Frau, aber das ist etwas anderes, das eine ist DIE Religion, das andere ist eine Frau!

Ach ja, verstehe, leuchtet ein, tolle Erklärung :-(

Hören wir auf über Religion zu reden, das ist zu privat.

Mabruk habibi, du hast es erfasst, Religion ist in der Tat Privatsache, das hat sich nur bei euch noch nicht so herumgesprochen.

Schon wieder, höre jetzt auf, sonst werde ich wirklich böse.

Ok, ok, will ja mit euch noch einen netten Abend verbringen, lassen wir es bleiben. Nur eins noch: Es gibt keine Götter, auch euren Allah nicht.

Ahmed beschwichtigend: ist deine Meinung. Lass uns wetten: wenn ich Recht habe, treffen wir uns nach dem Tod wieder, wenn du Recht hast, treffen wir uns nicht mehr.

Handschlag, die Wette gilt.
Treffen werden wir uns aber auf keinen Fall wieder, denn ich komme sicher in die Hölle, Frau und ungläubig noch dazu.

Zustimmendes Gelächter, der Abend dauerte auch ohne Gespräche über Religion und Gott noch lange, über Frauen lässt sich ja bekanntlich auch vortrefflich debattieren.

© by Edith Bettinger, Mai 2013

 

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13 Antworten auf Gespräch mit Moslems

  1. Argutus sagt:

    wenn ich Recht habe, treffen wir uns nach dem Tod wieder, wenn du Recht hast, treffen wir uns nicht mehr.

    Ich stelle mir gerade belustigt eine dritte Möglichkeit vor: Das Treffen findet statt und beide sind höchst erstaunt. Edith, weil es stattfindet, und Ahmed, weil sich dort, wo es stattfindet, herausstellt, daß es tatsächlich keinen Allah gibt. :-)

  2. Hören wir auf über Religion zu reden, das ist zu privat.

    Seltsam nur, dass dieses "Private" in einigen Ländern einen so starken gesamtgesellschaftlichen und damit auch politischen Einfluss hat.

  3. Argutus sagt:

    Eckhardt Kiwitt, Freising sagt: 12. Mai 2013 um 10:16

    Religion ist im Islam alles andere als privat, ganz im Gegenteil – im Islam ist alles Religion: Poliik, Gesellschaft, Familie, Kleidung, Nahung, ja sogar die Intimhygiene – einfach alles. Die hier von Mohammed geäußerte Meinung, daß die Religion privat wäre, ist häretisch.

  4. Azrail sagt:

    Liebe Frau Edith Bettinger :lol:

    Köstliche Realsatire :lol:

    Ich hoffe wir treffen uns alle hier einmal,  entweder auf einen guten Tropfen oder auf einen Chai oder Mokka. Inshallah :lol:

  5. Frank Berghaus sagt:

    Azrail sagt: 12. Mai 2013 um 12:04

    Ich hoffe wir treffen uns alle hier einmal,  entweder auf einen guten Tropfen oder auf einen Chai oder Mokka. Inshallah

    Die nächste Gelegenheit für ein Treffen (zwei haben ja schon stattgefunden) ergibt sich zum Gründungsparteitag am 12./13. Oktober in München:

    http://www.die-humanisten.org/

  6. Walter Bornholdt sagt:

    Ich kann nach 15 Jahre immer noch nicht frei über diese herrliche Realsatire lachen.

    Zu oft führte ich mit meinen Studenten an einer Seefahrtsschule in Alexandria solche frucht- und ergebnisalosen Gespräche; abends bei Wasserpfeife und Kaffee. Für die war Navigation etwas, von einem modernen Gerät – GPS genannt – abhängig ist und wer blind (nur mit Kompaß und Radar "bewaffnet") des nächtens punktgenau im Roten Meer eine kleine Insel ansteuern kann, musste ein israelischer Spion sein.

    Eine andere Realsatire, selbst 2009 in Kairo erlebt, habe ich an die Redaktion gesandt!

  7. Azrail sagt:

    Frank Berghaus sagt:

    12. Mai 2013 um 12:26

    Ich hoffe dass wir uns wieder treffen. Inshallah :ok: Vielleicht treffe ich auch den großen ARE et al…
    Freue mich schon darauf.

  8. Frank Berghaus sagt:

    Azrail sagt: 12. Mai 2013 um 12:56

    Davon darfst du ausgehen :-)

    Auch dein Freund pinetop wird dabei sein.

    Schreib dich am besten auf der Humanisten-Seite ein, dann bleibst du auf dem Laufenden.

  9. Frank Berghaus sagt:

    Walter Bornholdt sagt: 12. Mai 2013 um 12:44

    Willkommen bei Wissen Bloggt!

    Den Beitrag schaue ich mir noch heute an, danke.

  10. Argutus sagt:

    Azrail sagt: 12. Mai 2013 um 12:56

    Vielleicht treffe ich auch den großen ARE

    ARE hat die Absicht im Oktober nach München zu kommen. Seine Größe ist zwar nicht beeindruckend, aber dafür fällt er sofort auf, weil er ja anstatt eines Gesichtes ein graues Quadrat hat … :-)

  11. Azrail sagt:

    Argutus sagt:

    12. Mai 2013 um 13:04

    Super ARE :lol: Ich freue mich schon auf das "große Quadrat" :lol:
    Du wirst vollkommen aus der Menge herausstechen. Kann sein dass ich als Frosch komme :lol:

  12. Azrail sagt:

    Frage: Wo ist denn Mekka, nur damit du nichts falsch machst?

    Na dort! (zeigt wieder nach Westen)

    Habibi, muß ich als Nichtmoslem dir sagen, wo Osten ist?

    Nein, man kann nichts falsch machen, mit dem Meer im Rücken liegt man da immer richtig.

    Blau oder Türkis wie das Meer im Rücken, so so…. Unser Bruder sagt, dass man immer die richtige Position hat. Tja, ich denke, dass das daher kommt, wenn die Leutchen zum Meer hinausgucken, können sie auch dort einen grandiosen Sonnenauf- und Untergang erleben. Vielleicht ist das die Erklärung, mal sehen…Manche sind ja wirklich drollig.

     

  13. Ein Teil von jener Kraft sagt:

    Zur Ehrenrettung der Ägypter sei gesagt dass sie, soweit ich das beobachtet habe, durchaus in die richtige Richtung beten (und ob es der durchschnittliche deutsche Schüler schaffen würde die Himmelsrichtungen korrekt anzuzeigen sei dahingestellt). Ansonsten habe ich aber auch die Erfahrung gemacht dass es, wenn es um die Frage geht an welchem Tag der Ramadan korrekterweise beginnen oder enden sollte, völlig fruchtlos ist, Astronomie-Wissen in die Diskussion einfließen zu lassen.

    Von Marokkanern habe ich gehört dass sie gelernt hätten, Richtung Osten zu beten (soweit nicht überraschend), und sie hätten wohl auch einen zugehörigen Hadith gelernt.. Ich habe das immer als Blödsinn abgetan, allerdings sind die ältesten Moscheen auf israelischem Gebiet wohl auch nach Osten ausgerichtet, möglicherweise ist Mekka doch später festgelegt worden als allgemein behauptet.

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