USA vs. Bradley Manning

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Bradley ManningDie armen USA sind von dem gefährlichen Verbrecher Bradley Manning um ihre Daten bestohlen worden. So stellt sich das vor der amerikanichen Gerichtsbarkeit dar. Nun ist ein Urteil gegen ihn ergangen, das in den Medien vielfach kommentiert wurde, und das nun den Kommentar von wissenbloggt herausfordert.

In der Süddeutschen Zeitung kommentiert Hubert Wetzel stramm linientreu (31.7.): "Das Urteil gegen den Wikileaks-Informanten Bradley Manning überrascht wenig: Auch wenn er sein Handeln moralisch begründet, ist er ein Geheimnisverräter.

Bradley Manning kann nicht ernsthaft mit einem Freispruch gerechnet haben. Der junge Gefreite der amerikanischen Armee hatte zugegeben, geheime Daten des amerikanischen Militärs und des Außenministeriums gestohlen und an die Enthüllungsplattform Wikileaks weitergegeben zu haben. Er muss gewusst haben, dass er damit gegen Gesetze verstieß und etliche Jahre Haft riskierte. So ist es nun gekommen.

Man kann Manning zu Recht als einen moralisch motivierten Menschen sehen, der schwere Verbrechen des amerikanischen Militärs aufdecken wollte. Das ändert nichts daran, dass er nach den Buchstaben des Gesetzes eben auch ein Geheimnisverräter ist. Die Richterin hatte wohl keine Wahl, als ihn schuldig zu sprechen."

Das kann man aber anders sehen. In diesem Zusammenhang muss doch die Rede davon sein, wie die USA ihre Daten zusammenstehlen. Die NSA hat bei Salt Lake City den größten Datenspeicher der Welt gebaut, ein Riesenareal mitten in der Wüste, mit einem Stromverbrauch wie eine ganze Stadt (das meiste für die Kühlung). Die Milliarden Terabyte müssen sie ja nun vollkriegen, und so lässt der Präsident die NSA weiterhin illegal Daten absaugen. Er segnet auch weiterhin die Mördermissionen der Tötungsdrohnen ab, ein Friedensnobelpreisträger, der werweißwie gläubig ist.

Wenn man diesen Präsidenten zur Verantwortung ziehen und vor Gericht stellen könnte, häte das Gericht mehr Grund zu einem unnachsichtigen Urteil. Nochmal die Süddeutsche dazu:

"Das Urteil ist auch eine Warnung für all jene, die derzeit an Computern der amerikanischen Regierung sitzen und sich berufen fühlen könnten, die Welt über echte oder vermeintliche Missetaten aufzuklären. Sie können sich noch so laut auf ethische Beweggründe berufen, von der Obama-Regierung dürfen sie wenig Gnade erwarten. Edward Snowden weiß nun, was ihm blüht."

Also die USA brechen das Recht nach Belieben, aber die whistleblower werden für viel geringere Vergehen verurteilt. Das ist eine befremdliche Schieflage.

Artikel der Süddeutschen: http://www.sueddeutsche.de/politik/urteil-gegen-bradley-manning-warnung-an-alle-aufdecker-1.1734952

Wiki zu Manning: https://en.wikipedia.org/wiki/Bradley_Manning

Manning-Kampagnenseite: http://www.bradleymanning.org/

Aktuell SZ zur NSA: http://www.sueddeutsche.de/digital/ueberwachungssoftware-xkeyscore-nsa-liest-e-mails-facebook-chats-und-browserverlaeufe-mit-1.1735845

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8 Antworten auf USA vs. Bradley Manning

  1. Argutus sagt:

    Das kann man aber anders sehen.

    Als Jurist nicht. Auch wer beispielsweise bei einem Dieb oder Betrüger einbricht und ihm einen Teil seines ergaunerten Geldes wegnimmt, macht sich strafbar. Und wenn er es danach für einen guten Zweck spendet, ändert das nichts – nicht einmal, wenn er es dem Geschädigten zukommen läßt.

    Moralische Handlungsmotive dispensieren nicht von gültigem Recht.

  2. ilex (E. Ahrens) sagt:

    Argutus sagt: 1. August 2013 um 17:58 = Moralische Handlungsmotive dispensieren nicht von gültigem Recht.

    Das wohl nun nicht – und auch mit gewisser Logik. Aber "Moral" unterscheidet dann durchaus zwischen minder schwerem und schwerem Fall. Zudem ist dies stets auch eine Machtfrage des staatlichen Handelns.

  3. Frank Berghaus sagt:

    ilex (E. Ahrens) sagt: 1. August 2013 um 21:10

    Im extremen Fall kann da sogar ein Mord moralisch sein. Man denke an Stauffenberg.

  4. Indianerjones sagt:

    Der Mensch sollte frei sein, um auch nach Stauffenberg' schen Muster, einen Diktator stürzen zu können, respektive auch dürfen! :nerd:

  5. Wilfried Müller sagt:

    Erstmal müssen wir wollen, dann dürfen wir auch irgendwann.

  6. Indianerjones sagt:

    Wollen um frei zu sein, ist ein erstrebenswertes Ziel! :nerd:

  7. Wilfried Müller sagt:

    Mit einer seiner letzten Amtshandlungen hat US-Präsi Obama eine Schurkerei der US-Justiz korrigiert. Wieso darf die NSA ungestraft Daten in aller Welt stehlen, und verurteilt werden dann die Leaker, die sowas aufdecken? Eine kleine Retrospektive:

    • Chelsea Manning: Glückliches Ende, miese Bilanz (ZEIT ONLINE 18.1.17 8:56): US-Präsident Obama erlässt Chelsea Manning den Rest ihrer Haftstrafe. Die Geste darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass Whistleblower weltweit schlecht geschützt sind. Ein guter Kommentar von Patrick Beuth mit Hintergrundinformationen
    • Whistleblowerin kommt frei Obama begnadigt Chelsea Manning (tagesschau.de 18.1.17): US-Präsident Obama hat die 35-jährige Haftstrafe für die Whistleblowerin Chelsea Manning verkürzt. Die frühere WikiLeaks-Informantin soll Mitte Mai aus dem Gefängnis freikommen. Das könnte auch Folgen für WikiLeaks-Gründer Assange haben.
    • U.S. Chelsea Manning Describes Bleak Life in a Men’s Prison (the New York Times 13.1.17): Most mornings at 4:30, half an hour before the “first call” awakens inmates at the Fort Leavenworth military prison in Kansas, an alarm rings within an 80-square-foot cell. Inmate 89289, slightly built with short hair, rises to apply makeup and don female undergarments and a brown uniform before the still-slumbering men in the adjacent cells stir.
    • usa – Die Whistleblowerin Chelsea Manning könnte schon bald begnadigt werden (vice 12.1.17): Noch vor Präsident Trump: NBC berichtet, dass US-Präsident Barack Obama die militärische Whistleblowerin in seine engere Auswahl für eine Begnadigung genommen hat.
    • Whistleblowerin – Manning unternimmt weiteren Suizidversuch (Neue Züricher Zeitung 4.11.16): Die inhaftierte Whistleblowerin Chelsea Manning hat nach Angaben ihres Anwalts zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate versucht, sich das Leben zu nehmen. Die Ex-Geheimdienst-Analystin hiess früher Bradley Manning und wurde 2013 wegen Spionage und anderer Vergehen zu 35 Jahren Haft verurteilt, weil sie während ihrer Zeit im Irak mehr als 700 000 Geheimdienstunterlagen an Wikileaks weitergegeben hatte.
    • Für Würde und Respekt – USA: Inhaftierte Whistleblowerin Chelsea Manning beginnt Hungerstreik (junge Welt 12.9.16): Die US-amerikanische Whistleblowerin Chelsea Manning ist am Samstag mittag (Ortszeit) aus Protest gegen ihre Haftbedingungen in einen unbefristeten Hungerstreik getreten. Das teilte sie ihren Anwälten mit. »Bis mir ein minimales Maß an Würde, Respekt und Menschlichkeit entgegengebracht wird, weigere ich mich, freiwillig meine Haare zu schneiden und Nahrung oder Getränke zu mir zu nehmen, mit Ausnahme von Wasser und verschriebenen Medikamenten«, schreibt Manning in ihrer Erklärung.
    • In Isolationshaft – Die US-Militärbehörden wollen Chelsea Manning brechen. Die Whistleblowerin b­enötigt dringend den Schutz der Öffentlichkeit (junge Welt 23.8.16): Vor drei Jahren, am 21. August 2013, wurde im ersten großen Militärgerichtsprozess der USA gegen einen Whistleblower das Strafmaß verkündet. Die Anklage richtete sich dabei gegen den Obergefreiten Bradley Manning, der erst zum Ende des Prozesses öffentlich erklärte, künftig sein »wahres Ich als Frau« leben zu wollen.
    • Free Chelsea: 115k petition to drop suicide charges for whistleblower Manning (Russia Today 11.8.16): The original WikiLeaks whistleblower should not be punished for attempting suicide in a military prison, Chelsea Manning’s supporters say, after delivering a petition signed by over 100,000 Americans to the Secretary of the Army.
    • USA – Härtere Haft für Manning (Süddeutsche Zeitung 19.8.15): Die verurteilte Whistleblowerin Chelsea Manning ist im Gefängnis mit zusätzlichen Auflagen belegt worden.
    • Manning im Wandel (wb 23.10.13): Aus einem Artikel der Süddeutschen Zeitung vom 22.8. entnehmen wir neue Informationen zu Bradley Manning, dem Whistleblower, der gerade zu 35 Jahren Gefängnis verurteilt worden ist. Die Informationen übergab Mannings Anwalt dem TV-Sender NBC:
  8. Wilfried Müller sagt:

    Es geht doch noch weiter. Manning wird am Mittwoch vorzeitig aus der Haft entlassen, das Urteil bleibt aber bestehen. Das besagt der Artikel Vor Freilassung von Chelsea Manning: US-Justiz muss Whistleblowerin endlich freisprechen (scharf links 16.05.). Demnach hat die US-Regierung unter Barak Obama aufgrund des Spionagegesetzes aus dem Jahr 1917 einen Feldzug gegen Whistleblower wie Manning geführt. Die medienfeindlichen Äußerungen seines Nachfolgers Donald Trump lassen befürchten, dass sich dieser Trend verstärken könnte. Im Januar bezeichnete er Manning als „Verräterin“, die im Gefängnis bleiben sollte.

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