® Die Lügenkultur

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Die Weltreligionen wurden in einer Ära des Unwissens erfunden, als die moderne Zeit der Wissenschaft noch nicht abzusehen war. Als die Aufklärung dann kam, wäre es nur natürlich gewesen, wenn die Religion sich dem Erkenntnisfortschritt geöffnet hätte.

Anstatt ihre Dogmen an die moderne Welt anzupassen, setzt die Religion immer noch auf Unterdrückung und Desinformation als Mittel, die Welt an ihre Dogmen anzupassen (Bild: HypnoArt, pixabay).

Daraus resultiert die Fortschreibung des ethischen Vakuums, das den Fortschritt umgibt. Bis jetzt konnte sich kein wissenschaftskonformes Ethos durchsetzen, das uns sagt, wie wir mit der Technik umgehen müssen. Die Religion hat der Welt aus niederen Motiven (Selbsterhalt) ein Ethos der Vernunft vorenthalten – oder war's bloß eine Retourkutsche?

Die Wissenschaft hat das Ansehen der Religion beschädigt, und im Gegenzug beschädigt die Religion das Ansehen der Wissenschaft?

Darauf braucht man nicht herumzureiten. Festzustellen ist der Schaden, der entstanden ist. Zuviele Leute, die das Gute wollen, wurden davon abgehalten zu regeln, was geregelt gehört. Stattdessen waren sie damit beschäftigt, die Religion in ein Lügengespinst einzuspinnen, das sie gegen den Erkenntnisfortschritt immunisieren sollte. Da gebärdet sich die Religion als Besatzungsmacht im logikfreien Raum, um dem Geradeausdenken Stolperschwellen in den Weg zu legen. Komplikationen schaffen ist der Broterwerb der unredlichen Anwälte, aber aufgebracht haben das die Kleriker, die solche Sophistik treiben. Der drohende Niedergang des Abendlandes resultiert nun nicht daraus, dass wir die falsche Kultur hätten, sondern weil unsere wirkliche Kultur von einer falschen Kultur behindert, verkrüppelt und entstellt wird. Das bedarf der weiteren Begründung.

Die christlichen Agendasetzer möchten uns gern einreden, wir lebten in einer »christlich geprägten abendländischen Kultur«. Dabei liegen diese Zeiten 500 Jahre zurück. Im Mittelalter erreichte das Christentum seine volle Glorie, die »christliche Aufklärung« war mit Zangen und Daumenschrauben am Werke, und wenn sie vollbracht war, wurden die Delinquenten verbrannt – die wirkliche Aufklärung ging anders.

Als das Mittelalter zuendeging und die Welt von Europa aus kolonialisiert wurde, war das die Folge von Aufklärung, Technik und Wissenschaft, die gegen die christliche Religion erkämpft worden waren. Das war den Kolonisten wohl selber nicht klar; jedenfalls haben sie den Kolonien ihren christlichen Glauben aufgrund einer Täuschung eingeimpft: Die Eingeborenen hielten die Schiffe und Kanonen für Errungenschaften des Kolonisten-Gottes und beugten sich seiner Macht. Wenn sie geahnt hätten, dass die Hi-tec von damals gegen diesen Gott erkämpft worden war, wären sie wohl nicht so schlimm christianisiert worden.

Seither ist dieser Etikettenschwindel im Schwange. Die Leitkultur der Moderne sind Wissenschaft und Technik, und wo es gut gelaufen ist, auch Aufklärung und Menschenrechte. Von unten her setzt sich aber der Kommerz durch, und nach oben hin versucht die Religion, die Agenda zu setzen. Der Schaden liegt nicht nur im Ethosdefizit, sondern auch in der Täuschung. Was soll man den Leuten in einem Staat sagen, der an den religiösen Restriktionen krankt? Wo das Potential der Frauen auf ein Minimum reduziert wird, wo die Ausbildung religiös indoktriniert ist, wo die Demokratie von patriachalischen Bestrebungen behindert wird, wo ein Ramadan das Arbeitsleben schwer macht, wo sonstige Tabus und Dogmen stören?

Nehmt euch doch ein Beispiel an uns? Unsere Kultur ist Halleluja-Bim-Bam.

Die Welt bedankt sich und sagt, wir haben schon Hamdulillah-Ying-Yang.

Mit welchem Recht sollen wir das verurteilen? Wenn wir's tun, lachen sie uns aus, mit unserer Bibelchristlichen Politikerelite und unserer asozialen Marktwirtschaft, die sich zunehmend gegen die Allgemeinheit kehrt, um eine privilegierte Kaste reichzumachen. Und mit unseren Medien, die voll sind von der christlichen Sichtweise, und in denen allzuviel Geschichtsklitterung und Glaubensverbreitung getrieben wird statt einer rationalen Agenda.

Wenns um den Unterhosenreport bei Promis geht, kann keine Tabuzone unerforscht bleiben, aber bei der Religion liegt der Schleier über allem. Ob gläubig oder indifferent, die Menschen wissen erstaunlich wenig über die Faktenlage, dass Mohammed ein schreibunkundiger, fanatischer Judenhasser und wahrscheinlich Epileptiker war, dass es kaum belastbare Kunde über Jesus gibt, dass ganz massiv widersprechendes (apokryphes) Material aus der Zeit eliminiert wurde, dass es sich bei den vermeintlichen Göttern weder um etwas Vorzeigbares noch um etwas Beweisbares handelt.

Atheisten sind im allgemeinen besser über Religion informiert – oder andersrum, wer besser informiert ist, wird Atheist. Kein Wunder, dass der Atheismus von den Religionen wie etwas nicht Stubenreines behandelt wird. Wer vom Glauben zum Wissen konvertiert, ist für die Religion verloren.

Dabei ist es doch so offensichtlich. Es gibt nur eine wissenschaftliche Wahrheit und beliebig viele religiöse Wahrheiten, die sich alle voneinander unterscheiden. Schon das qualifiziert sie als Lügen, wenn man nicht gerade eine davon vertritt.

  • Religion ist die Fortschreibung vorwissenschaftlicher Irrtümer mit der Kraft des Wahns. Aus objektiver Sicht vermarktet die Religion ein Nichts. Da wird mit Nullsubstanz ein Riesengeschäft gemacht. Den Himmelsversprechungen fehlt die reale Substanz.
  • Das Entsprechende in der Geschäftswelt sind Geldversprechungen ohne Substanz. Die modernen Finanzkonstrukte und Derivate sind auf Blendung ausgelegt, aber um ihre Werthaltigkeit ist es oft schlecht bestellt. Auf der Grundlage der Realwirtschaft wird mit Finanzprodukten ein undurchschaubarer Überbau errichtet, unter dem die realen Besitzstände außer Sicht geraten. So können alle sich einreden, ihre Finanzprodukte wären enorm wertvoll. Kursgewinne schaffen aber keine realen Werte. Sie bringen nur eine Buchgeldschöpfung aus dem Nichts. Das Prinzip ist immer dasselbe, möglichst großen Abstand zur Realität gewinnen. Die ganze Illusionsbranche lebt von solcher Betrügerei, und die Religion macht vor, wie es geht.

Das ist fatal, wie man bei der Finanzkrise gesehen hat. Genauso fatal geht es mit der Eurokrise weiter, wo auch so viel gelogen wird, dass die Wahrheiten (und Verträge und Versprechungen) von gestern heute schon obsolet sind. Auch die Immigration wurde von Illusionen umzingelt, dass die Hilfsbedürftigesten herkämen, dass sie als Arbeitskräfte gebraucht würden, dass die Abholung im Mittelmeer keine vervielfachten Ströme verursache, usw.

Die Illusionsvermarktung wurde von den Religionen hoffähig gemacht, und damit wurde auch der allgemeinen Illusionsvermarktung der Weg bereitet. Wenn Ehrlichkeit herrschen würde, hätten die griechischen und italienischen Staatsfinanzen einen anderen Stand. Die Zocker setzen sogar die Macht der Gerüchte ein, um die Realität nach ihren Wünschen zu beeinflussen – frei nach dem Muster der religiösen Offenbarungen, die ja auch nichts anderes sind als Gerüchte. Dieser Gott, den man nicht sehen kann, und den man nicht beweisen kann, ist ein Gerücht. Die Rückzahlung der Griechenland-Kredite  ist auch nur ein Gerücht. Das ist so ähnlich wie das Versprechen, in den Himmel zu kommen.

Jenseitige Versprechen für diesseitige Leistungserbringung sind unseriös. Und nicht nur das, Himmelsversprechungen sind gefährlich. Sophistik ist oft gutgemeint, aber es kann eben auch böse gemeint sein. Das Böse ist real. Das Versprechen vom Himmel wird als niedlich angesehen, es kann aber genausogut eine Todesdrohung sein, wenn es die Selbstmordbomber motiviert.

So schlimm kommt es nicht oft, aber dafür gibt es ein ständiges Problem. Die Gläubigen werden ja insofern zur Verantwortungslosigkeit erzogen, als sie nach dem Prinzip des geringsten Widerstands zwischen zwei konkurrierenden Welten hin- und herzappen können, zwischen der Realwelt, die uns von der Wissenschaft erklärt wird, und der Phantasiewelt der Religion, wo der Dogmatismus herrscht. Nach den Maßstäben der Moderne beruht der Gottesglaube auf einer gestörten Beziehung zur Realität, und weil seine Dogmen an der Realität vorbeigehen und »göttliche« Interessen über die menschlichen stellen, heißen die allfälligen Religionsprodukte Lüge und Heuchelei. Wieso müssen die Gläubigen die menschliche Natur verleugnen, mit gespaltenen Zungen reden und zwischen den Zeilen lesen? Warum wird das allgemeine geistige Klima mit Lügenhaftigkeit besudelt?

Kreuz wegFestzuhalten ist, weil sie Mythen als Realität verkaufen, ist das Lügen allen Religionen gemein. Es geht nun nicht darum, die Gläubigen als arglistige Täuscher und bewusste Lügner hinzustellen, sondern es sei ihnen zugestanden, dass sie aufrichtig an ihre heilige Sache glauben. Aber der religiösen »Wahrheitsverkündung« liegt die Lüge zugrunde, und vieles, was man fahrlässig vorgebetet kriegt, wird wider besseres Wissen verbreitet. Wer im Glauben fest ist, der ist fest entschlossen, sich selbst zu belügen. Anders kann man das nicht nennen, wenn jemand seine Bauchgefühle partout über die Vernunft stellen will.

Gläubige sind Lügner, die sich selbst belügen.

Man kann darüber diskutieren, ob die Religion das Lügen erfunden hat, oder ob der Mensch so verlogen ist, dass er dazupassende Religionen befördert. Gemessen am hehren Anspruch, das Gute zu wollen, trifft die Religion in jedem Fall schwere Schuld. Ihr Wirken geht in die falsche Richtung; die Religion ist zum Urbild aller Lügen geworden. Indem sie ihren faulen Zauber mit Gott und Himmel und ewigem Leben vermarktet, leistet sie dem faulen Zauber von Glück und Geld und Gewinn Vorschub.

Die Religion hat uns keine Leitkultur beschert, sondern eine Lügenkultur; eine Unkultur aus Blendung, Heuchelei und Betrug.

 

(Dieser Artikel wurde am 5.8.13 eingestellt und am 15.7.17 überarbeitet)

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7 Antworten auf ® Die Lügenkultur

  1. Argutus sagt:

    weil sie Mythen als Realität verkaufen, ist das Lügen allen Religionen gemein

    So ist es, und zwar unabhängig von der Wahrheitsfrage.

    Nach allem, was wir heute wissen, sind die allermeisten Lehren sämtlicher Religionen ganz offensichtlich falsch oder noch schlimmer – unsinnig.

    Aber selbst wenn einige von ihnen wahr wären, müßte man auch in diesem Fall von Lüge und Betrug sprechen, denn die wären dann ja nur zufällig wahr – so wie auch ein blindes Huhn einmal ein Korn findet. Frei phantasierte Mythen und andere Hirngespinste amtlich für wahr zu erklären, ohne daß es irgendeine wissenschaftliche Bestätigung für sie gibt, ist intellektuell inakzeptabel und menschlich gesehen einfach nur frech.

  2. Betrachtet man die Seite der Gläubigen, so gibt es neben dem Christentum mit weltweit mehr als 2 Milliarden Anhängern noch etliche andere Glaubensrichtungen. Allein über 1,6 Milliarden Menschen sind Muslime, und ungefähr 900 Millionen sind Anhänger des Hinduismus. Hinzu kommen noch viele andere Religionsgemeinschaften. Und alle sind unbeirrbar davon überzeugt, dass einzig ihr Glaube der wahre sei. Die Zufälligkeit ihrer Geburt lässt sie zu unter Umständen fanatischen Anhängern einer Glaubensrichtung werden. Würden ihre Eltern ganz woanders leben, hätten diese auch einen anderen Glauben, und  sie als ihre Kinder würden auch einen anderen Glauben haben. Das würde aber bedeuten, dass sie ihren jetzigen Glauben für vollkommen falsch halten würden. Die Wahrheit hängt also vom Geburtsort ab.  

    Nach Überzeugung der Muslime z.B. sind alle übrigen Menschen auf der Welt Ungläubige, die, folgt man dem Koran, getötet werden müssten. Andere Textstellen in diesem Buch behaupten allerdings das Gegenteil. Jede Glaubensrichtung predigt einen anderen Weg, auf dem man gehen müsse, um ein gottgefälliges Leben zu führen. Nur ihr Gott sei der richtige, an einen anderen könne und dürfe man nicht glauben. Welche Arroganz verbirgt sich hinter solch einer Betrachtungsweise, da man damit zugleich Millionen Menschen unterstellt, dass sie sich alle auf einem Irrweg befänden.

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  4. Wilfried Müller sagt:

    Sehr richtig! So ganz arroganzlos ist der Text der Lügenkultur allerdings auch nicht, weil er ja alles besserwissen will …

  5. Walter Bornholdt sagt:

    Ein Trost angesichts der Religiotie ist doch, dass wir Gottlosen wohl bei jedem monotheistem Obskurantismus in deren Hölle wandern werden. Beruhigend ist dabei, dass uns das langweilige Hosianna Gesinge oder die ständige Anlernerei von Paradiesjungfrauen – die ja nach Gebrauch umgehend wieder zur Jungfrau mutieren sollen – erspart bleibt.

  6. Saco sagt:

    Religion entspringt dem menschlichen Wunsch auf Hilfe. Hilfe zu erhoffen vor der Natur, vor den Menschen. dieser Wunsch ist verständlich. Der  Klerus fungierte dann in diesem System als Trittbrettfahrer. Er behauptete, die Götter könnten auch foltern. Mit Feuer. Ewig. Und man könne als Geistlicher die Götter milde stimmen, wenn der Gläubige  bestimmte Regeln einhalte. Also den Klerus auch gut bezahle.Da man das in Hypnose Kleinkindern als Gewissheit implantiert, hält sich Religion bis heute. Angst ist das "beste" Geschäft der Erde. 

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