® Wissenbloggt Reli-Rating

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114px-ReligionSymbolAbr_againstEs mag sehr ambitioniert erscheinen, eine Götterstatistik in eine Tabelle zu zwingen. Aber ein Reli-Rating verlangt Aufschlüsselung nach vergleichbaren Rubriken. Die angegebenen Zahlen stammen aus Wikipedia, die Bewertungen wurden mit Hilfe von gutinformierten Freunden erstellt. Das endgültige Rating stammt von wissenbloggt und strebt keinen offiziellen Status an.

Vorab kommt eine kleine Vorstellung der betrachteten Religionen. Es wird nur skizziert, worin sie sich unterscheiden. Der Atheismus wird auch mit aufgeführt, auch wenn er nicht direkt zu den Religionen zählt, wie die Kommentare im Anhang bemängeln. Bei der Überarbeitung des Artikels wurde das berücksichtigt

Christentum

Das Christentum ist derzeit die Weltreligion Nummer 1. Nach der Legende beruht das Christentum auf Jesus Christus von Nazareth, einem jüdischen Wanderprediger, der angeblich in den Jahren 28 − 30 unserer 800px-Frescoangelico100216Zeitrechnung auftrat und in Jerusalem hingerichtet wurde. Nach seiner Kreuzigung ist er angeblich auferstanden und wurde daraufhin von seinen Jüngern als Messias und Sohn Gottes erkannt. Jesus gilt als die Nummer 2 nach dem (unbenannten) christlichen Hauptgott. Vom Christentum werden neben dem Hauptgott 2-3 Nebengötter angebetet: außer dem Gottessohn Jesus der hl. Geist und die Gottesmutter Maria (die eigentlich Gottessohnsmutter heißen müsste). Trotzdem firmiert das Christentum als monotheistisch ("1 Gott"); als ob die Christen nicht bis 3 zählen könnten. Neben den ortodoxen Christen gibt es die evangelischen und katholischen Christen (letztere allein 1,3 Milliarden, Stammbaum, Bild: Fra Angelico, Wikimedia Commons).

Islam

Der Islam ist eine monotheistische und abramitische Religion, die von der jüdischen und christlichen abgeleitet wurde. Im Glauben der Muslime hat der "letzte Prophet des Islam", Mohammed, den Koran geschrieben, und dieses Buch wird von den Gläubigen als Wort Gottes (arabisch: Allah) angesehen. Lehren und Vorbild von Mohammed gelten als normativ (die Sunna). Islam bedeutet "Sich-Unterwerfen“, und das zwingt viele muslimische Gläubige mehrmals täglich zum Beten in den Kotau. Es gibt viele verschiedene Richungen des Islam. Die Hauptrichungen sind die Sunniten (85%, mit Saudi-Arabien als Hegemon) und die Schiiten (15%, mit dem Iran als selbsternanntem Führungsland, Bild: commonswiki, Wikimedia Commons).

Hinduismus

Der Hinduismus ist mit etwa 1 Milliarde Anhängern (15% der Weltbevölkerung) nach  Christentum und Islam die Nummer 3 der Weltreligionen. Ursprünglich wurde der Hinduismus in Indien entwickelt. Genaugenommen besteht der Hinduismus laut wiki aus verschiedenen Religionen, die sich teilweise überlagern und gegenseitig beeinflussen. In ihren heiligen Schriften, Glaubenslehren, den Götterwelten und Ritualen weisen sie aber Unterschiede auf. Stets sind Götter im Spiel, der Hinduismus kennt monotheistische, dualistische und polytheistische Richtungen. Special feature ist das Kastensystem, das Obermuftis von Unberührbaren trennt und eine Spitzenleistung an Diskriminierung darstellt (Bild: TimBrighton, Wikimedia Commons).

Buddhismus

Der Buddhismus hat seinen Ursprung in Indien, ist  jetzt aber hauptsächlich in Süd-, Südost- und Ostasien verbreitet. Etwa ein Viertel der Buddhisten lebt in China. Der Buddhismus wird als Lehrtradition und Religion geführt. Derzeit gibt es rund 400 Millionen Buddhisten (230 – 500 Millionen), was den Buddhismus zur viertgrößten Weltreligion macht. Die buddhistische Lehre soll eine eine fundamentale und befreiende Einsicht in die Grundtatsachen des Lebens geben, aus der sich die Überwindung des Leidens ergibt. Zwischen Askese und Hedonismus soll ein mittlerer Weg von Geburt und Wiedergeburt eingeschlagen werden, eine Art Seelenwanderung im Kreislauf von Leben und Tod (Bild: Richardfabi, Wikimedia Commons).

Atheismus

Nun muss noch der Atheismus vorgestellt werden: Atheismus kommt von ἄθεος (átheos bedeutet ohne Gott). Atheismus steht denn auch für die Überzeugung, dass es keinen Gott gibt. Zum Atheismus werden auch andere Abgrenzungen vom Glauben an Gott gezählt. Dazu gehören Ansichten, nach denen man über die Existenz von Gott nichts wissen kann (Agnostizismus). Weil der Atheismus eigentlich keine Glaubensrichtung ist, wird er hier außer Konkurrenz geführt (Bild: Advanced Papyrological Information System, Wikimedia Commons).

Messungen, Wertungen

Damit endlich zu dem Zahlenwerk in der Tabelle unten: Die Anzahl der Götter ist bei der Vorstellung der Religionen schon erwähnt. Die Anzahl der Propheten bei Christentum und Islam ist dem jüdischen Einfluss zuzuschreiben; die jüdischen Propheten gelten auch für die Nachfolgereligionen Christentum und Islam. Der Hinduismus gründet sich auf keinen Propheten, während der Buddhismus den Propheten Buddha hat.

Die Anzahl der Leben ist 2, wenn es nach Christentum und Islam geht. Ein Leben vor dem Tod, eins danach (in Himmel bzw. Hölle, je nachdem). Bei Hinduismus und Buddhismus ist die Zahl der Leben groß, weil jede Seele viele Inkarnationen durchlaufen kann. Das Alter der Welt wird bei den christlichen Fundamentalisten aus der Bibel ausgerechnet, ansonsten gilt dort auch der wahre Wert. Hinduismus und Buddhismus rechnen in Zyklen, wobei sich viele Zyklen wiederholen können.

Der Perversitätsindex bezieht sich auf die grundlegende Agenda. Z.B. beim Christentum lautet sie: Der Allmächtige lässt sein Kind zu  Missionszwecken totfoltern, um den Menschen kundzutun, dass sie alle Sünder sind, aber er liebt sie trotzdem. Das ist eine Spitzenleistung an Perversion, an die auch die islamlische Version kaum heranreicht. Nach der haben sich alle Menschen Allah zu unterwerfen, sind vulgo Sklaven, und die Frauen sind dann nochmal Sklaven der Männer. Auch beim Hinduismus findet sich diese Selbstversklavung der Frauen, dazu ein Kastensystem, das bei dieser und der nächsten Rubrik Punktabzug bringt. Der Buddhismus kommt beim Perversitätsindex und auch in der nächsten Rubrik glimpflicher davon.

Bei den Angaben zu den Menschenrechten wird Rücksicht genommen auf die unterschiedlichen Versionen. Beim Christentum stellt die evangelisch-lutherische Ausrichtung zwar Gottesrecht über Menschenrecht, sieht das aber relativ human. Die orthodoxen, katolischen und fundamentalistischen Ausrichtungen haben allerdings mit Menschenrechten fast ebensowenig im Sinn wie der Islam, der bei den Wahhabiten, Salafisten u.ä. fundamentalistischen Ausrichtungen die Spitzenleistung an Unterdrückung und Selbstverleugnung erzielt.

Der Plemplem-Faktor befasst sich mit der Verstandsunterdrückung, die nötig ist, um die Glaubensinhalte zu schlucken. Frühkindliche Indoktrinierung ist bei allen Religionen hilfreich, auch grobe Verstöße gegen die Vernunft zu akzeptieren. Das Christentum verlangt den Gläubigen schon allerhand ab, um die ganzen Widersprüche zu schlucken, nur beim Islam erreicht der Plemplem-Faktor noch höhere Werte. Der Hinduismus liegt etwa auf Höhe Christentum, der Buddhismus ist milder.

Der Gefühlsindex steht für die sakrale Erbauung und die Bindungsenergie, die der Glaube dem Menschen verschafft, bis hin zur eingebildeten Liebesbeziehung zum vermeintlichen Gott. Weil das die Gläubigen im Inneren berührt, will wissenbloggt keine Unterschiede kalkulieren, sondern es soll für alle Religionen derselbe Pauschalwert gelten. 100% kann es nicht sein, weil die Erhebung der Gefühle über den Verstand eben auch negative Emotionen auslöst. 75% erscheinen angemessen, auch im Hinblick auf den Atheismus, der dann den komplementären Wert 25% für die positiven Gefühle des Verstandgebrauchs beanspruchen darf.

Die Verbreitung aktuell und das vorausberechnete Wachstum zeigen, dass der Islam das Christentum wohl zahlenmäßig als Nr. 1 überflügeln wird. Für andere Religionen und Atheismus werden nur geringe Zuwächse prognosziert. Schließlich werden noch die typischen Ausrufe als Schlachtruf aufgeführt.

Das Rating nimmt nicht auf die Lautgebungen, wohl aber auf all das andere Rücksicht. Und wissenbloggt verwendet die bei den Ratingagenturen gebäuchlichen Bezeichnungen von der höchsten Wertung AAA (triple A) bis zur niedrigsten D wie default.

Reli-Rating von wissenbloggt

Der Atheismus ist zwar keine Religion, aber global mit 16% dabei. Er vertritt die Aussagen von Wissenschaft und Vernunft und kriegt dafür das Top-Rating AAA. Hier der Rest:

Realität/Rubrik  Christentum Islam Hinduismus Buddhismus
Anzahl Götter=0 3-41 11 1-Mio. 0-7202
Anzahl Propheten=0 1-12003 1-12003 0 1
Anzahl Leben=1 2 2 viele viele
Alter der Welt= 13 Mrd. Jahre 6000 / 13 Mrd. Jahre ungewiss4 8000 / Zyklus 3,9 Mio. / Zyklus
Perversitäts- Index 100% 90% 60% 25%
Menschen- rechte 25-90% 0-25% 10-50% 40-90%
Plemplem- Faktor 75% 100% 75% 50%
Gefühlsindex 75% 75% 75% 75%
Verbreitung 31% 24% 15% 7%
Wachstum5 +70% +34% +27% -7%
Schlachtruf Halleluja Allahu akbar Om Yin Yang
Rating B-C D C B

Anmerkungen zur Tabelle:

  1. Gott Vater, Sohn, Heiliger Geist und z.T. Gottesmutter Maria (außerdem noch viele Heilige als Nebengötter, auch beim Islam/Sufismus).
  2. Offiziell 0 Götter, bei der Unterart Lamaismus aber 720 plus viele Geister und Dämonen, der Prophet Buddha wird oft angebetet wie ein Gott.
  3. die vielen jüdischen Propheten gelten auch in Christentum und Islam.
  4. widersprüchlich, ein Tag bei Allah ist mal 1000 Jahre mal 50000.
  5. Zahlen aus The Changing Global Religious Landscape (Pew Research Center 5.4.17)

 

(Dieser Artikel wurde am 23.9.13 publiziert und am 9.3.18 überarbeitet und ergänzt)

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7 Antworten auf ® Wissenbloggt Reli-Rating

  1. Wilfried Müller sagt:
  2. Argutus sagt:

    Der Atheismus hat in der Tabelle der Religionen nichts verloren, denn er ist keine.

    Auch sagt er nichts aus über die Anzahl der Leben, das Alter der Welt oder die Menschenrechte. Er macht überhaupt nur eine einzige Aussage und die lautet: "Die Behauptung des Theismus, daß es einen Gott gibt, ist falsch".

  3. Wilfried Müller sagt:

    Solange kein übergeordnetes Wort für Religion und Atheismus gebräuchlich wird, ist es nun mal Standard, dass der Atheismus in den Religionsstatistiken subsumiert wird. Und oben beim Wiki-Text ist ja angesagt, dass es nicht so eng gefasst werden soll. Wenn man es zu genau nimmt, muss die Tabelle Tausende von Spalten kriegen.

  4. Argutus sagt:

    Semantisch eindeutig ist nur die Verwendung des Wortes "Atheismus" im engeren Sinn. Geht man darüber hinaus, dann sind keine allgemein gültigen Aussagen mehr möglich, denn da gibt es viele ganz unterschiedliche Varianten.

    Beispielsweise ist das Alter der Welt für den atheistischen Theravada-Buddhismus unendlich. Die Welt hat keinen Anfang, es läuft alles im Kreis. Für einen modernen europäischen Atheisten hingegen ist das Alter der Welt Sache der Wissenschaft und geht ihn weltanschaulich überhaupt nichts an. Ich kenne keine einzige atheistische Weltanschauung, die lehrt, daß die Welt 13 Milliarden Jahre alt ist.

    (Hier sieht man schon, daß die zwei Spalten "Buddhismus" und "Atheismus" schon deshalb unsauber sind, weil sich beide überschneiden.)

    Mit den Menschenrechten ist es ähnlich. Dazu haben beispielsweise ein Stalinist und ein Humanist ganz unterschiedliche Einsteillungen obwohl beide Atheisten sind.

    Und selbst die Aussage, daß unser materielles Leben das einzige ist, das wir haben, wird zwar von vielen aber durchaus nicht von allen Atheisten geteilt.

    Ich halte es sowohl aus philosophisch-terminologischen als auch aus gesellschaftspolitischen Gründen für sehr wünschenswert den Atheismus mit jeder nur erdenklichen Deutlichkeit von der Religion abzutrennen. Die Zurückweisung eines logisch unmöglichen Gottes soll in der Öffentlichkeit korrekt als Selbstverständlichkeit für jeden intelligenten Menschen präsentiert werden und niemand soll dabei auf den unsinnigen (aber von den Kirchen gewünschten) Gedanken kommen, das sei auch bloß so eine Art Religion.

  5. Frank Berghaus sagt:

    Argutus sagt: 21. August 2013 um 11:28

    Als atheistische Humanisten sollten wir hier keinesfalls den Religiösen einen Gefallen tun.

    If atheism is a religion, the OFF-button on your TV-set is a TV-channel.

  6. pinetop sagt:

    Eine Superidee Religionen einem Rating zu unterziehen. Die Ratingkriterien sind sicher noch vermehrbar. Mit dieser im Grunde simplen Methodik aus dem Bereich der Wirtschaft könnte manchem diffus und unreflektiert Gläubigen ein Licht aufgehen. 

  7. Wilfried Müller sagt:

    Argutus hat recht, die Tabelle ist unsauber. Aber ohne etwas Zwang fügt sich das nie in ein Schema. Das Beispiel mit dem Stalinisten lässt Zweifel an den 100% Menschenrechten und dem AAA beim Atheismus aufkommen. Klarerweise war die Vorstellung von Humanisten ausgegangen, und nicht von Stalinisten. Aber wenn Humanismus statt Atheismus drübersteht, gibts Vereinnahmungsprobleme und das verzettelt sich. Irgendwie sehe ich die Atheisten auch nicht als Resterampe, wo sich jeder Müll ansammelt.

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