Konjunktur für Zwangsverheiratung

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Die Süddeutsche Zeitung bringt am 20.8. in jetzt.de ein Interview mit einer Vertreterin von Terre Des Femmes. Denn in den Sommerferien werden besonders viele Mädchen zwangsverheiratet, weil ihre Abwesenheit jetzt besonders lang nicht auffällt (Warnung der britischen Regierung). Deshalb gewinnt das Thema Zwangsehen besondere Bedeutung. Aus dem Artikel:

"… Wenn ihr Fehlen nicht sofort auffällt, werden Kinder und Jugendliche verstärkt ins Ausland gebracht. In Großbritannien hat die Regierung deshalb jüngst Lehrer, Ärzte und das Flughafenpersonal zu besonderer Aufmerksamkeit gemahnt. 400 Anzeigen seien demnach allein zwischen Juni und August des vergangenen Jahres bei der zuständigen Behörde eingegangen. Schätzungen zufolge sollen bis zu 5000 Menschen aus Großbritannien im Jahr 2012 zwangsverheiratet worden sein. Mehr als ein Drittel war zu dem Zeitpunkt jünger als 16."

Dazu Monika Michell von Terre Des Femmes: "Laut der Studie des Familienministeriums gab es in Deutschland im Jahr 2008 mehr als 3400 Betroffene, die sich an Hilfs- und Beratungsstellen gewendet haben. Anders als in Großbritannien, wo Pakistani am häufigsten betroffen sind, stellen hier Menschen aus der Türkei die größte Gruppe. Etwas mehr als 30 Prozent sind in Deutschland geboren, 23 Prozent in der Türkei. Danach kommen Serbien/Kosovo/Montenegro und der Irak mit acht beziehungsweise sechs Prozent. Dabei sind nur diejenigen erfasst, die wirklich Hilfe gesucht haben."

Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen, wie in dem Interview zur Sprache kam. Die Rede war auch von den Verhaltenskodizes: "Die Familie steht über allem." Und ihr Ansehen wird mit allen Mitteln geschützt, "von der Ächtung über Gewalt bis hin zu Mord."

Betroffen sind vor allem junge Mädchen, aber auch 3% Jungen. Für die ist es ähnlich tragisch, auch wenn sie mehr Spielraum haben und nicht denselben Einschränkungen unterliegen. "Die Frauen werden meist komplett isoliert. Sie müssen oft ihre Ausbildungen abbrechen. Über soziale Kontakte bestimmt der Mann beziehungsweise die Familie."

Abhilfe bieten "niedrigschwellige" Hilfsangebote, z.B. im Internet.bei www.zwangsheirat.de Terre Des Femmes bietet auch Schulungen für Lehrer und Lehrerinnen an. Ob wohl eine Hoffung besteht, dass solche Inhalte im Islamunterricht ankommen? Wenn es der Gesetzeslage folgen würde, müsste das eigentlich der Fall sein.

Link zum Artikel der SZ: http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/576268/Von-der-AEchtung-ueber-Gewalt-bis-hin-zu-Mord

Link zu diepresse.com – Britische Regierung alarmiert über Zwangsheiraten: http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/1440429/Britische-Regierung-alarmiert-ueber-Zwangsheiraten-?from=gl.home_Politik

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