Missbrauch des Missbrauchs?

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Mit dem Kindsmissbrauch werden immer mal wieder Schlagzeilen gemacht. Im Moment (21.8.) geht Thomas Baader der Frage nach: wird der Kindsmissbrauch missbraucht? Bei den Menschenrechtsfundamentalisten kann man diesen Vorwurf nachlesen. Es geht auch noch darum, wird das Thema im Wahlkampf gegen GRÜN eingesetzt?

Wichtiger als diese kleinliche Kabale ist die Tatsache, dass der Missbrauch ein ständiges Phänomen ist. Ein älterer Artikel bei SPIEGEL online (4.8.): "Es ist ein Milliardengeschäft mit dem Leiden Tausender Mädchen und Jungen: Pädokriminelle tauschen und verkaufen Kinderpornografie im Netz, ohne jedes Schuldbewusstsein. Spezialfahnder ermitteln weltweit, sie schildern Abgründe – und rare Erfolgserlebnisse." Das betrifft also die Variante im Internet. Es gibt aber auch die harte physische Szene.

Dazu auch die Hausmitteilung vom Deutschen Bundestag (14.3.): "Jedes fünfte Kind in Europa erlebt sexuelle Gewalt. 13.000 Fälle verzeichnet die polizeiliche Kriminalstatistik in Deutschland. Die Dunkelziffer des Missbrauchs an Kindern ist weit höher. Es sind Zahlen, die erschrecken. Es ist ein Thema, das in der Gesellschaft noch immer tabuisiert wird."

Dies wählte sich die Süddeutsche Zeitung als Aufhänger für einen Gastbeitrag von Andreas Huckele (21.8.): "Was auf der Homepage des Deutschen Bundestags nun zu lesen ist, ist seit Jahrzehnten bekannt. Wieder wird also über Pädophilie debattiert, wieder wird sich nichts ändern. Den Kindern nützt das nichts. Denn die Diskussion ist scheinheilig und oberflächlich."

"2010 wurden unzählige Geschichten sexualisierter Gewalt an Kindern durch die pausenlose Berichterstattung der Medien öffentlich und dadurch Teil unserer gesellschaftlichen Wirklichkeit. Durch grauenhafte Geschichten wurde plastisch spürbar, was Erwachsene Kindern antun können. Durch Erlebnisberichte aus der reformpädagogischen Odenwaldschule und dem katholischen Canisius-Kolleg wurde die Spitze des Eisbergs sichtbar, der unter der Wasseroberfläche der allgemeinen Wahrnehmung sein wahres Ausmaß verbirgt: den Horror der sexualisierten Gewalt an Kindern im sozialen Nahfeld. In den Familien. Wer im Jahr 2010 wissen wollte, der konnte wissen. Wer nicht wissen wollte, der wusste auch. Es gab keinen Schritt mehr zurück hinter die Erkenntnis."

Laut Huckele wird das Phänomen verdrängt, in der Art, ja, wir wissen davon, aber es passiert nicht bei uns und nicht jetzt, es ist sowieso vorbei. Und: "Es sind Einzeltäter. Die Sprache verrät das System. Der Einzelne wird im Plural genannt." Huckele sagt weiter, da würden Initiativen gestartet, die niemandem wehtun, die niemandem wirklich helfen, die aber den Anschein erwecken sollen, die Regierung habe das Thema aufgegriffen. Ein gängiges politisches Verfahren, aber zynisch und menschenverachtend gegenüber Menschen in einem schlechten gesundheitlichen Zustand, bei denen die erfahrenen Traumatisierungen tiefe Wunden hinterlassen haben.

"Um aber die Antragstellung auf Hilfsmittel beim Fonds durchzustehen, ist eine hervorragende Gesundheit und eine gute psychische Stabilität Voraussetzung. Im Klartext: Wer genug beschädigt ist, um Ansprüche aus dem Fonds geltend zu machen, muss kerngesund sein, um es auch zu bekommen. Das Gleiche gilt für das Verfahren nach dem Opferentschädigungsgesetz."

Huckele klagt an: "Die Parteien verzichten vor den Wahlen auf das Thema sexualisierte Gewalt an Kindern. Wie ist dieser Lobbyismus für die Pädokriminellen zu erklären?"  Und: "Sexualisierte Gewalt muss zum Thema gemacht werden. In der Schule, im Kindergarten, in ihren sozialen Zusammenhängen. Die Kinder spüren, ob wir uns des Themas bewusst sind oder ob wir zu den Verdrängern gehören. Und die Täter spüren es auch."

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