Die Humanisten zu Bildung und Ausbildung

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Aus dem Vorläufigen Parteiprogramm DER HUMANISTEN stellen wir das KAPITEL IV zur Diskussion: Bildung und Ausbildung – Hier der Wortlaut:

„Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, …“, sagt Artikel 2 (1) des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland. Dieser Artikel ist unverrückbar die Grundlage der Bildungspolitik der Humanisten. Das Individuum und seine freie Entfaltung stehen für uns immer im Mittelpunkt aller Fragestellungen. Das gilt im Besonderen für die Bereiche Bildung und Erziehung.

Die Humanisten sind davon überzeugt, dass es das primäre Ziel von Bildungspolitik sein muss, jungen Menschen alle Möglichkeit zu eröffnen, ihre Persönlichkeit frei von religiös-dogmatischen und politisch-ideologischen Einflüssen zu entfalten und ihn damit in die Lage zu versetzen, am Ende einer allgemeinbildenden Schullaufbahn eine Berufsausbildung erfolgreich abschließen und in allen Bereichen aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen zu können.

Eine berufliche Vorausbildung innerhalb des allgemeinen Bildungssystems lehnen wir angesichts eines herausragenden, erfolgreichen und effizienten beruflichen Bildungssystems ab.

Der Begriff der (allgemeinen) Bildung hat aus der Sicht der Humanisten drei wesentliche Dimensionen, die der Erläuterung bedürfen.

Die erste Dimension des Begriffs Bildung meint die kritisch-rationale Auseinandersetzung des Individuums mit seiner Umgebung, also der Welt, in der wir leben.
Um diesen Diskurs zu ermöglichen, bedarf der Mensch solider mathematisch-naturwissenschaftlicher Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten.

Die Naturwissenschaften liefern dem Menschen mit ihrer Suche nach der „Natur der Dinge und ihren Verhältnissen zueinander“ die notwendigen Informationen, die er braucht, um sein Leben und unsere Umwelt mit dem Ziel eines positiven Miteinanders zu gestalten. Dabei bedienen sie sich die Naturwissenschaften der analytisch-logischen Systeme der Mathematik.
   
Die zweite Dimension des Begriffs Bildung meint die ethisch-moralische Fähigkeit, wissenschaftliche Erkenntnisse hinsichtlich ihres Nutzens für das Individuum und das gesellschaftliche Miteinander zu bewerten und abzuwägen, damit die mögliche Umsetzung dieser Erkenntnisse verträglich für Mensch und Umwelt gestaltet werden kann.
Diese Bewertung kann sinnvoller Weise in möglichst objektiver Form nur jenseits von dogmatisch-religiösen und politisch-ideologischen Einstellungen erfolgen, da diesen im Allgemeinen keine objektiv rationalen Sichtweisen zugrunde liegen.
Als sinnvolle Basis für eine ethisch-moralische Bewertung sehen die Humanisten einzig die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ der Vereinten Nationen und das „Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland“ an.

Die dritte und letzte Dimension des Begriffs Bildung meint den Praxisbezug der gewählten Bildungsinhalte.

Soweit dies möglich ist, soll die Entwicklung der Fähigkeiten in den ersten beiden Dimensionen (kritisch-rationale Auseinandersetzung und ethisch-moralische Bewertung) stets im engen Verbund mit Themen erfolgen, die für das Individuum bzw. die Gesellschaft in der Praxis relevant sind.

Da der Bildungsansatz der Humanisten ergebnisorientiert ist, hat die Struktur des Bildungssystems für die Humanisten nur nachrangige Bedeutung.

Das meint, dass die Humanisten alle Ausprägungen des Bildungssystems unterstützen, die durch ihre Arbeit eine freie Entfaltung der Persönlichkeit im Sinne der vorgenannten drei Dimensionen gewährleisten können.

Geschuldet der Tatsache, dass immer mehr Arbeitgeberverbände und Hochschulprofessoren beklagen, dass junge Menschen am Ende ihrer allgemeinbildenden Schullaufbahn nicht über die grundlegenden Fertigkeiten und Fähigkeiten verfügen (sprachliche und mathematisch-naturwissenschaftliche), um eine Berufsausbildung erfolgreich abzuschließen, erheben sich für die Humanisten folgende Forderungen:

  • Abschaffung des Religionsunterrichts zu Gunsten einer ethisch-philosophischen Allgemeinbildung. In einem säkularen Staat muss Religion Privatsache sein und bleiben. Es ist nicht die Aufgabe des staatlichen Bildungssystems, religiöse Mission zu betreiben oder diese zu ermöglichen.
  • Stärkung der mathematisch-naturwissenschaftlichen Bildung in allen Schulformen. Diese ist das Fundament, auf dem alle gesellschaftlichen Entscheidungen fußen müssen. Sie befähigt das selbstständige und eigenverantwortliche Individuum, doktrinäre Einflüsse auf unsere Gesellschaft als solche zu erkennen und zurückzudrängen.
  • Stärkung der sprachlichen Ausbildung. Nur wer die Landessprache beherrscht, verfügt über ein Fundament, das zu einer fruchtbaren Auseinandersetzung in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens befähigt.
  • Aufhebung des Bildungsföderalismus zu Gunsten eines einheitlichen Qualitätsstandards an allgemein bildenden Schulen. Dieser hat in den letzten Jahrzehnten zu einer Zersplitterung der Bildungslandschaft geführt. Das bundeseinheitliche duale System der Berufsausbildung belegt durch seine hohe Qualität und seine internationale Anerkennung die Überlegenheit einer zentralen Bildungspolitik.
  • Abschaffung einer “beruflichen Vorausbildung“ in allgemein bildenden Schulen zu Gunsten einer verbesserten Allgemeinbildung. Junge Menschen müssen ihre Ausbildungsphase erfolgreich absolvieren können. Die Vermittlung von berufsspezifischen Kenntnissen nimmt ihnen Entwicklungsmöglichkeiten, da ihre Begabungen und Interessen auf bestimmte Berufsbilder verengt und kanalisiert werden.
  • Kritische Überprüfung der aktuellen Fächervielfalt. Es ist zu prüfen, ob die Inhalte von „neuen“ Fächern dem Anspruch der Essentialität für die Entwicklung einer freien Persönlichkeit in vollem Umfang genügen und ob die essentiellen Inhalte auch integraler Bestandteil bestehender Fächer sein können.
  • Qualitätsoffensive bei Ausbildung und Einstellung von Lehrpersonal (z.B. Praxisjahr vor dem Studium). Die Ausbildung junger Menschen ist die vornehmste Aufgabe in einer Gesellschaft. Dafür sind die Besten Spezialisten gerade gut genug. Es ist daher aus Sicht der Humanisten wichtig, dass sich Lehrpersonen, die junge Menschen auf das eigenverantwortliche Leben in der Gesellschaft vorbereiten sollen, selbst in diesem Bereich besonders bewährt haben.
  • Anerkennung vorschulischer Einrichtungen (Kindergarten, KiTa, etc.) als    Bildungseinrichtungen. Bildung beginnt nicht erst in der Schule. Auch in den vorschulischen Einrichtungen wird wertvolle Bildungsarbeit geleistet. Es ist daher wichtig, die Leistungen in diesem Bereich entsprechend zu würdigen und aufzuwerten.
  • Herauslösen vorschulischer Einrichtungen aus der Trägerschaft religiöser Institutionen. Im Zusammenhang mit der Forderung nach Abschaffung des Religionsunterrichts ist diese Forderung logisch konsequent, weil eine Erziehung frei von religiöser Mission sonst nicht gewährleistet werden kann.

Kommentar wissenbloggt: Das sind gute Forderungen. Man muss aber aufpassen, dass damit nicht die ewige Reformiererei weiterbelebt wird. Einmal richtig, und das war's dann, das würde den Schulen usw. am besten bekommen.

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9 Antworten auf Die Humanisten zu Bildung und Ausbildung

  1. Argutus sagt:

    Dabei bedienen sie sich die Naturwissenschaften der analytisch-logischen Systeme der Mathematik.

    Dieser Satz ist asyntaktisch.

    Außerdem gehört zur ersten Dimension der Bildung nicht nur die Naturwissenschaft sondern auch die Geisteswissenschaft, denn "die kritisch-rationale Auseinandersetzung des Individuums mit seiner Umgebung" wäre sehr behindert, wenn dieses Individuum nicht auch Kenntnisse der Kultur hätte. Dazu benötigt er Wissen in Geschichte, Sprachen etc.

  2. DFisch sagt:

    Die Geisteswissenschften hätte ich jetzt in der zweiten Dimension gesehen, denn ohne ausreichende Fähigkeiten in den Kulturtechniken und das Wissen um die Geschichte ist ein Diskurs über das Für und Wider wissenschftlicher Erkenntnisse nicht möglich.

  3. Argutus sagt:

    DFisch sagt: 24. August 2013 um 20:41

    Die Geisteswissenschaften hätte ich jetzt in der zweiten Dimension gesehen

    Die Geisteswissenschaften sind zwar weniger exakt als die Naturwissenschaften, aber irgend etwas Ethisch-Moralisches enthalten auch sie nicht. Auch sie sind Wissenschaften und haben als solche nur mit objektiven Fakten zu tun.

  4. DFisch sagt:

    Wo ist denn jetzt die Schwäche der Argumentation?

    Ich denke doch, dass wir uns im Kern einig sind?! Natürlich kann man, um alle Eitelkeiten zu befriedigen, alle möglichen Forschungs- und Wissensgebiete in den Standpunkt mit einbauen. Doch wenn wir uns auf diesen Pfad begeben, werden wir uns (jenseits der Keraussagen) verzetteln und in Wortklauberei verlieren.

  5. Argutus sagt:

    DFisch sagt: 25. August 2013 um 00:31

    Natürlich kann man, um alle Eitelkeiten zu befriedigen, alle möglichen Forschungs- und Wissensgebiete in den Standpunkt mit einbauen.

    Es geht hier nicht um Eitelkeiten (ich bin selbst Naturwissenschaftler) und auch nicht um "alle möglichen" Wissensgebiete, die einzeln aufzuzählen wären, sondern nur darum, daß hier sämtlichen Wissenschaften, die keine Naturwissenschaften sind, implizit der wissenschaftliche Bildungswert abgesprochen wird.

    Die reine Wissenschaft kommt nur in der ersten Dimension vor (denn die beiden anderen sind ja angewandt) und die wird so präsentiert als würde sie sich auf die Naturwissenschaft beschränken. Das ist unsauber und könnte auch so manchem gebildeten Wähler sauer aufstoßen.

  6. pinetop sagt:

    Der Bildungsföderalismus muss ein Ende haben. In Hessen begann der Englischunterricht in der fünften Klasse. Französisch (oder Latein) folgte in der siebten Klasse. Damals kam in der Quarta ein Mädchen aus dem Saarland zu uns, die mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, denn im Saarland war es genau umgekehrt.

  7. Frank Berghaus sagt:

    Uwe Lehnert kommentiert (leider hat er technische Probleme, sich hier einzuloggen):

    Ich stimme den Ausführungen im Wesentlichen zu, denke aber, dass die Fragen der Bildung und Ausbildung noch grundsätzlicher angefasst werden müssen.

    Im Sinne einer Top-Down-Vorgehensweise wären zunächst grundsätzliche Ziele von Bildung und Ausbildung zu formulieren. Davon ausgehend wären dann die Fragen der Umsetzung zu beantworten. Dabei sind sowohl bei der Zielfestlegung wie bei deren Umsetzung die Prinzipien zu beachten, die aus einer säkular-humanistischen Grundeinstellung folgen.

    Eine erste zu klärende Frage wäre, was wir unter Bildung und Erziehung durch das allgemeinbildende Schulwesen verstehen wollen. Meine Vorstellungen lassen sich etwa durch folgende Schlagworte kennzeichnen: Gründliche fachliche Kenntnisse in den Geistes- und Naturwissenschaften, Beherrschung der deutschen Sprache in Wort und Schrift, Beherrschung mindestens einer Fremdsprache, Entwicklung von Persönlichkeits-komponenten, ethische Bildung und angemessenes Sozialverhalten, Schlüssel¬qualifikationen.

    Da die Selbstbestimmung und die individuellen Rechte im Humanismus im Mittelpunkt stehen, ist zu fragen, ob ein Schulsystem, das in erster Linie die Gleichbehandlung aller Schüler fordert, diesem Grundanliegen gerecht wird. Zu fragen wäre, wie Bildungs-gerechtigkeit tatsächlich hergestellt werden kann. Diese kommt jedenfalls nicht zustande, wenn 50 Prozent und mehr eines Jahrgangs zum Abitur geführt werden. Dieses Ziel gelingt nachweislich nur dadurch, dass die Anforderungen drastisch gesenkt werden. Dieses führt wiederum dazu, dass besonders begabte Schüler in ihren Entwicklungsmöglichkeiten und zulasten der daraus folgenden positiven Beiträge für die Gesellschaft gebremst werden. Die Frage von Eliteschulen sollte daher durchaus überlegt werden.

    Chancengleichheit soll heute überwiegend durch Nivellierung erreicht werden, und man ignoriert dabei aus ideologischen Gründen, dass es breite Begabungs- und Intelligenzunterschiede gibt. Gerechter und im Sinne der Ausschöpfung von gesellschaftlich relevanten Ressourcen wäre es, Begabungen aufzuspüren, und zwar in allen Sozialschichten, und diese begabten Kinder zu fördern, statt sie einem nivellierenden Schulsystem auszuliefern, dass Leistung verpönt und Begabungen zugunsten weniger Begabter und Anstrengungsbereiter brachliegen lässt. Aus diesem Grund lehne ich auch die heute allenthalben geforderte Inklusion als unfair und ungerecht gegenüber allen Beteiligten und als leistungsverhindernd ab.

    Das sind jetzt nur Gedankensplitter, die noch keinen Anspruch erheben, unmittelbar in unsere Programmatik einzugehen, von denen ich aber meine, dass sie thematisiert werden sollten.

     

  8. Argutus sagt:

    → Uwe Lehnert

    Das sind jetzt nur Gedankensplitter

    Ich stimme jedem dieser Gedankensplitter uneingeschränkt zu.

  9. Indianerjones sagt:

    Die Menschen sind nun mal verschieden, die einen so die anderen so, drum gibt es ja auch verschiedene Schulungen, die einen eignen sich für das, die anderen wiederum für was anderes.

    Darum dürfte auch das dreigliederige Schulsystem ,kaum einen ernsthaften Widerspruch erdulden.

    Es war zu meiner Zeit völlig klar, ab der 4. Klasse kamen die auch für höheren Weihen, sofern sie sie sich dazu bereit erklärten den Übertritt ins Gymnasium und ab der 6. Klasse bei Eignung in die Mittelschule …die wurden dann Kaufmann und dergleichen, die präventiven Handwerker und nachfolgenden Industriemeister blieben in der Hauptschule und gingen dann einer ehrenwerter Lehre nach, die unter Umständen, zu den bereits von mir erwähnten Industriemeister oder gar Ingenieur führen konnte!….Ich sehe da keinen Sinn, warum das jemals anders gesehen wurde…..an den Anforderungen kann es auf alle Fälle nicht liegen, denn die heutigen Schüler sind in der Mehrheit schon deutlich leistungsunfähiger in allen Belangen, als es früher so war. :nerd:

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