Mutter Natur und die Übervölkerung

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Ein vielgelesener Kolumnist der New York Times ist Thomas L. Friedman. Am 21.9. hat er einen Artikel über die Entwicklung in Ägypten und Iran veröffentlicht, der auch in der New-York-Times-Beilage der Süddeutschen Zeitung abgedruckt wurde, Mother Nature and the Middle Class

Es geht darum, was hat sich eigentlich in den letzten 30 Jahren in den beiden Ländern verändert? Auf den ersten Blick nicht viel. Das Militär und die Muslimbruderschaft kämpfen es in Ägypten nach wie vor aus, und im Iran sind die Pragmatiker und die Ideologen immer noch bzw. schon wieder dabei, um die Gestaltung ihrer Islamischen Revolution zu rangeln.

Was sich aber entscheidend geändert hat, sind die natürlichen Gegegebenheiten ("Mother Nature. Do not mess with Mother Nature"). Seit der Islamischen Revolution 1979 hat sich Irans Bevölkerung von 37 Millionen auf 74 Millionen vergrößert. Die entsprechenden Zahlen für Ägypten sind 40 Millionen damals und 85 Millionen heute. (Als ob das nicht reichen würde, hatte die islamistische Regierung noch die Geburtenkontrolle abgeschafft, nach der Devise, Allah sorgt schon für seine Schöpfung.) Allein diese Verdoppelung in gut 30 Jahren ist ein bedenkliches Zeichen. Friedman spricht von den Stressfaktoren Bevölkerungeszunahme, Klimawandel, Umweltschäden, die in beiden Ländern nicht mehr ignoriert werden können, und rauskaufen kann man sich auch nicht. 

Entsprechend wird der frühere iranische Landwirtschaftsminister Issa Kalantari mit einer Aussage vom 9.7. zitiert (bei der   Ghanoon-Zeitung Iran Becoming ‘Uninhabitable,’ Says Former Agriculture Minister: Das Hauptproblem, das uns mehr bedroht als Israel, Amerika oder politische Richtungskämpfe, ist die Tatsache, dass das iranische Plateau allmählich unbewohnbar wird. Der Grundwasserspiegel ist abgesunken, und es gibt eine weitverbreitete negative Wasserbilanz (mehr Verbrauch als nachkommt)."

Kalatari drückte tiefe Besorgnis über zukünftige Generationen aus: "Wenn es keine Reformen gibt, wird der Iran in 30 Jahren ein Geisterland (wie Geisterstadt) sein." Er macht sich Sorgen um das Austrocknen aller natürlichen Wasserbecken im Iran und um die Ausbreitung der Wüsten. Ganze Landstriche werden unbewohnbar, und die Leute müssen auswandern. Aber wohin? Kalatari rechnet mit mehr als der Hälfte der Bevölkerung, die im Iran keine Lebensgrundlage mehr finden.

In Ägypten sind die Probleme mit dem Wasser anders herum. Die Verdichtung des Bodens und der steigende Meeresspiegel haben bereits zu einer Intrusion von Salzwasser ins Nildelta geführt. Das Ökosystem des Roten Meeres ist durch Übernutzung gefährdet, die Landwirtschaft in den ärmeren Gebieten ist nicht nachhaltig und fördert Erosion und Versteppung. Das nennt man Degradierung und wird von der Weltbank auf 5% vom ägyptischen BIP geschätzt.

Der Bevölkerungszunahme steht also eine Abnahme des Lebensraums gegenüber. Deshalb muss sich die Aufgabe der Regierungen vom schlichten Ruhe-und-Ordnung-Halten wegwenden und die Lebensraum-Probleme angehen. Das Schleifenlassen und der Niedergang waren möglich, solange die Bevölkerung kleiner war, die Umwelt weniger zerstört, das Klima berechenbarer und die Bürger noch nicht vernetzt.

Aber jetzt müssen die Lebensraum-Probleme angegangen werden. Friedman spricht von einem "Tsunami", der sonst die Systeme überwältigen könnte. Geschichtliche Betrachter aber erinnern sich an den Irak-Iran-Krieg, der für die alte Methode der Bevölkerungsdezimierung steht. Bleibt zu hoffen, dass man bessere Wege findet.

Link zu userem Übervölkerungs-Artikel Die Übervölkerung, der auch eine Schuldzuweisung an die Religion enthält.

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7 Antworten auf Mutter Natur und die Übervölkerung

  1. Argutus sagt:

    Die Natur zu ignorieren rächt sich stets, und das wird auch in Ägypten und im Iran nicht anders sein.

    Die Situation erinnert mich (wiewohl die Sache viel langsamer vonstatten geht) an den katastrophalen Ausbruch des Vulkans Mont Pelé auf der Insel Martinique am 8. Mai 1902. An warnenden Vorzeichen hat es nicht gemangelt, aber kaum jemand brachte sich in Sicherheit und auch die Behörden versagten völlig, denn es war gerade Wahlkampf und der zog die Aufmerksamkeit viel stärker auf sich. Die Folge waren zwischen 30.000 und 40.000 Tote, die alle leicht hätten gerettet werden können, wenn man mehr auf die Natur und weniger auf die Politik geachtet hätte.

  2. Der ungebremste Bevölkerungszuwachs ist, abgesehen von Versorgungsgründen, eine direkte Funktion des religiösen Glaubens. Wer seinen Verstand gebraucht, und das tun Gläubige nun mal nicht, der erkennt schon bald, dass der Kindersegen auch seine Schattenseiten hat, wie in diesem Artikel zum Ausdruck kommt.

  3. Wilfried Müller sagt:

    Über die Ursachen gibt es durchaus unterschiedliche Ansichten, wie in dem Artikel Die Übervölkerung dargelegt wird. Dort kann man Statistiken sehen, die einen Zusammenhang Armut-Geburtenrate belegen, aber den Zusammenhang Religion-Geburtenrate nicht unterstützen. Das ist natürlich mit Vorsicht zu geniessen.

  4. myotis sagt:

    Dort kann man Statistiken sehen, die einen Zusammenhang Armut-Geburtenrate belegen, aber den Zusammenhang Religion-Geburtenrate nicht unterstützen. Das ist natürlich mit Vorsicht zu geniessen.

    p { margin-bottom: 0.21cm; }a:link { }

    Was die Chinesen geschafft haben das haben die Mulas auch hin bekommen ds=d5bncppjof8f9_&met_y=sp_dyn_tfrt_in&idim=country:IRN&dl=de&hl=de&q=geburtenrate%20iran#!ctype=l&strail=false&bcs=d&nselm=h&met_y=sp_dyn_tfrt_in&scale_y=lin&ind_y=false&rdim=region&idim=country:IRN:EGY:CHN&ifdim=region&hl=de&dl=de&ind=false

    Ich gehe nicht davon aus das auch nach der Streichung der staatlichen Mittel es gleich wieder zu einer Bevölkerungsexplosion im Iran kommt da fehlen noch einige Sachen wie eine hohe Kindersterblichkeit und ungebildete Frauen die nicht zu Arbeit gehen.

    Sicher wird die Bevölkerung des Iran weiter wachsen das ist aber der Tatsache geschuldet das die Zahl der älteren wächst, eine 0 Kind Politik lässt sich nicht durchsetzen und eine sehr stark schrumpfende Bevölkerung hat auch ihre Probleme

  5. Wilfried Müller sagt:

    Der kryptische Google-Link von myotis liefert dieselben Zahlen wie der Gapminder-Link in dem Übervölkerungs-Artikel, Ägypten mit einer aktuellen Geburtenrate unter 3 und Iran unter 2! Das sind allerdings ganz neue Zahlen, noch vor wenigen Jahren lagen sie viel höher. Deshalb dürfte myotis' Annahme richtig sein, dass es erstmal mehr Wachstum gibt, ehe die niedrigen Geburtenraten zum Tragen kommen. (Die Abschaffung der Geburtenkontrolle fand in Ägypren statt, vom Iran war mir nichts bekannt).

  6. emporda sagt:

    @myotis

    Das kann man alles aus seit Jahrzehnten verfügbaren Statistiken ableiten, wenn man nur will

     

    Die Lebenserwartung ist ein Indikator für Wohlstand, Sicherheit und medizinische Versorgung. Die Jäger und Sammler der Steinzeit werden 25–35 Jahre alt mit Krankheiten, die heute als Wohlstandsleiden gelten. Zur Zeitenwende steigt dies auf 35–50 Jahre an. Im christlichen Mittelalter wird intensiv gebetet, gesühnt, eingekerkert, gefoltert, verbrannt, durch heilige Kriege gemordet, Ablass bezahlt und Kathedralen gebaut um gesund und reich zu werden. Trotzdem löschen in Europa Pest, Cholera, Missernten und heilige Kriege über 50% der Menschheit aus. Mit heutiger Wissenschaft, Medizin und Pharmazeutik sind die Zahlen wie folgt:

    Lebenszeit               Land (Jahr 2010, Männer und Frauen)

    82,7 Jahre                Japan                                     67,8 Jahre                Russland

    81,8 Jahre                Schweiz                                64,6 Jahre                Pakistan

    81,4 Jahre                Australien                            64,1 Jahre                 Indien

    79,0 Jahre                EU-27, USA                        51,2 Jahre                 Süd Afrika

    73,1 Jahre                Saudi Arabien                     46,6 Jahre                 Zimbabwe

    72,2 Jahre                Brasilien                              31,0 Jahre                 Botswana

    72,9 Jahre                Türkei

    Versteht der göttliche Zombie die Gebete der Brasilianer und Russen nicht? Fürs Elend der Türken und Pakistanis fehlt Allah die Zeit, er fummelt ständig an den Muschies seiner 72 Jungfrauen rum. Was ist los in Südafrika und Botswana, wo für Erzbischof Maputo Francisco Chimoio  HIV infizierte Kondome bei 800 AIDS Toten/Tag das Christentum sichern und für den Papst Ratzinger Kondome das Problem nur verschlimmern. Kinder-Prostitution infiziert 28% der Mädchen mit HIV, nur 4% der Jungen sind betroffen.

     

    Beten ist reine Zeitvergeudung, es lindert Ängste aus Unwissen ohne jemals zu helfen. Das allerliebste Jesulein garantiert im heiligen Buch jedem Betenden die Erfüllung seiner Wünsche – bisher ohne Erfolg. Die Bibel hat keine Hinweise zur Verkehrssicherheit, in den Elendsländern sterben 10-fach soviele Menschen im Straßenverkehr als in der EU-27. Mit miserabler Hygiene und Unterversorgung ist der frühe Tod sicher. Eine Studie im British Medical Journal an 70.000 Menschen belegt, Depressionen und Ängste gefährden die Gesundheit, leichte psychische Probleme sorgen für einen frühen Tod.

     

    Kardinal Meisners Kriegswerbung fordert gemäß Dogma No.381 den Kriegsdienst, fasten und Almosen an die Kirche, sie sind unverzichtbar um den ewigen göttlichen Lohn zu erlangen:

    "Ein Volk könne nur beruhigt sein, wenn es wisse, dass die Waffen zur Verteidigung und Erhaltung des Friedens in Händen seien, deren Köpfe und Herzen um ihre Verantwortung vor Gott und der Welt wissen..In betenden Händen' sei die Waffe vor Missbrauch sicher".

    Kardinal Michael v. Faulhaber, Erzbischof von München und Freising schwurbelt sehr poetisch: "Die Kanonen des Krieges sind Sprachrohre der rufenden Gnade Gottes. Krieg ist der Triumph der sittlichen Weltordnung".

    Die Existenz Hunderter ewig wahrer unantastbarer Dogmen ist nur der intellektuelle Absturz in den Bereich menschlicher Dummheit und Absurdität.

  7. myotis sagt:

    Wilfried Müller

    (Die Abschaffung der Geburtenkontrolle fand in Ägypren statt, vom Iran war mir nichts bekannt).

    Chamene’i hat mal den Wunsch nach 150Mio iranern geäusert.

    emporda 

    Die Lebenserwartung ist ein Indikator für Wohlstand, Sicherheit und medizinische Versorgung.

    Das freut chile und Kuba die haben eine höhere Lebenserwartung  als die USA, wen man der Weldbank glauben schenken darf.

    Die Jäger und Sammler der Steinzeit werden 25–35 Jahre alt mit Krankheiten, die heute als Wohlstandsleiden gelten.

    Wenn 2/3 schon in den ersten 3 Lebenjahren an Durchfall oder Lungenenzündung sterben dan kann der Rest schon noch ein ordentliches Alter erreichen.

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