Jüdische Theologie an der Uni Potsdam

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Die Uni Potsdam feiert sich damit, dass sie "erstmals Jüdische Theologie an einer deutschen Universität" anbietet (7.10.). Am 19.11. findet die feierliche Eröffnung der „School of Jewish Theology“ und der Beginn des Studiengangs "Jüdische Theologie" statt. Damit "beginnen zum Wintersemester 2013/14 zum ersten Mal in der  Geschichte junge Frauen und Männer an einer deutschen Universität ein Studium der Jüdischen Theologie." Hier der Link dazu. Aus dem Inhalt:

"Im Oktober 2013 nehmen unter dem Dach der „School of Jewish Theology“ in Potsdam zum ersten Mal Studierende an einer europäischen Universität ein Studium im Fach Jüdische Theologie auf. Damit erfüllt sich die fast 200 Jahre alte Forderung innerhalb des Judentums nach der Gleichstellung der Rabbinerausbildung mit den Theologien der anderen Religionen."

Prof. Oliver Günther, Ph.D., Präsident der Universität Potsdam, unterstreicht: „Die Eröffnung der ‚School of Jewish Theology‘ markiert einen historischen Meilenstein in der Ausbildung liberaler und konservativer Rabbiner, der in Deutschland und Europa seinesgleichen sucht.“

Was da gefeiert wird, ist eine weitere Belastung unserer Hochschulen durch die Religion. Nachdem schon muslimische Studiengänge eingeführt wurden, Beispiel Uni Osnabrück, Studiengänge: Islamische Theologie – Islamische Religion – Islamische Religionspädagogik – Imamweiterbildung, bekommt nun auch die jüdische Religion solche Unterstützung.

Aus dem Material wird nicht ganz klar, wie die Rabbinerausbildung funktionieren soll, es heißt "Jüdische Studierende können mit einer parallelen Ausbildung am Abraham Geiger Kolleg oder dem erst 2013 eröffneten Zacharias Frankel College in Potsdam das jüdisch-geistliche Amt als Rabbiner oder Kantoren anstreben." Also keine direkte Imamweiterbildung bzw. Priesterausbildung in der Rabbinerversion?

So oder so muss die Stimme der Vernunft Einspruch erheben: Bekenntnisorientierte Religion hat nichts an unseren wissenschaftlichen Hochschulen verloren. Religion ist keine Wissenschaft. Sie betreibt keine Wahrheitssuche, sondern sie sieht sich im Besitz einer Wahrheit, die sie gegen die Anfechtungen des forschenden Geistes abschottet. Das ist das Gegenteil von Wissenschaft.

Nur die erkenntnisorientierten Religionsforscher, die ergebnisoffen forschen,  haben einen Platz an unseren Hochschulen verdient, nicht aber die Ausbildung irgendwelcher Rabbiner, Imame oder Priester. Wie ist es nur möglich, dass unser säkularer Staat Geld für solche rückschrittlichen Leute  ausgibt, die letztlich nichts als Verdummung betreiben?

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9 Antworten auf Jüdische Theologie an der Uni Potsdam

  1. Russenkind sagt:

    Sie betreibt keine Wahrheitssuche, sondern sie sieht sich im Besitz einer Wahrheit, […]

    Nun ja, wer sich im Besitz einer Wahrheit sieht, der hat vielleicht gar keinen Grund mehr, nach einer Wahrheit zu suchen;-)

    … und könnte versucht sein, dies als klaren Vorteil der Religion gegenüber der Wissenschaft hinzustellen.

    Rückschritt oder Stillstand wäre demnach allerdings anzustreben — und Erkenntnisgewinn eine existentielle Bedrohung oder Gefahr.

  2. Wilfried Müller sagt:

    Genau dagegen sollten wir uns wenden, dass die Unis nach Rückschritt oder Stillstand streben und Erkenntnisgewinn als existentielle Bedrohung oder Gefahr ansehen.

  3. Religion, gleich welche, hat mit Wissenschaft nichts zu tun. Die Basis der Wissenschaft ist die Erforschung der Zusammenhänge eines bestimmten Phänomens, wodurch man zu neuen Erkenntnissen gelangt, die dann Ausgangspunkt für ein wissenschaftliches Modell seien können. Dieses Modell kann dann durch wiederum neue Erkenntnisse infrage gestellt werden können, was die Wissenschaftler zwingt, dieses Modell zu erweitern. In der Wissenschaft ist also die Frage nach dem Wie und dem Warum wesentlich.

    Die Basis für Religion ist der Glaube, und die Begründung für das Warum ist allein der Gott der Gläubigen. Neue Erkenntnisse, die das System infrage stellen – also den Glauben – gibt es nicht. Deswegen hat der verliehene akademische Grad Dr. theol. keine Bedeutung, etwa ein Chemiker würde sich schämen, mit diesem in einem Atemzug genannt zu werden. Eine Habilitation und damit die Verleihung eines Professorentitels ist genauso wenig möglich. Dass das trotzdem geschieht, zeigt wieder einmal, welche Machposition sich die Kirchen in Jahrhunderten erkämpft haben.

  4. Wilfried Müller sagt:

    Das muss man einschränken, weil es die Religion ja auch als neutralen Forschungsgegenstand gibt. Die Religionswissenschaftler gelten nicht umsonst als Ketzer, denn sie betreiben keine bekenntnisorientierte Religion, sondern eine erkenntnisorientierte Religionsforschung.

  5. pinetop sagt:

    Eine Religionswissenschaft kann ich mir gut vorstellen, wenn sie sich der Werturteilsfreiheit verpflichtet sieht. Gestern abend hatte ich wieder mal "Wirtschaft und Gesellschaft" von Max Weber in den Händen. Hier gibt es einen Abschnitt über Religionssoziologie, der auch heute noch lesenswert ist. Religionen können natürlich auch Gegenstand für Historiker sein. Eine äußerst kritische Darstellung der Religionsentwicklung erhält man z. B. von Ernst Topitsch mit "Vom Ursprung und Ende der Metaphysik".

    Unter diesen Voraussetzungen ist auch eine jüdische Theologie vorstellbar, und nur in dieser Form darf sie von staatlicher Seite förderungswürdig sein. Eigentlich überflüssig zu betonen, dass die Professoren dieser Disziplin auch Atheisten sein können.  

    Geht es darum alte Mythen in ein verklärendes Licht zu tauchen und Dogmen gegen Wissenschaft abzuschirmen, ist jüdische Theologie genau so abzulehnen wie Astrologie, Dämonologie oder Alchimie.

  6. Argutus sagt:

    pinetop sagt: 10. Oktober 2013 um 10:35

    Unter diesen Voraussetzungen ist auch eine jüdische Theologie vorstellbar, und nur in dieser Form darf sie von staatlicher Seite förderungswürdig sein.

    Dem muß ich widersprechen. Nicht inhaltlich, aber terminologisch. Eine akademische Beschäftigung mit einer Religion, die den Maßstäben der Wissenschaft gerecht wird – also eine Religionswissenschaft – wird niemals "Theologie" genannt. Dieser Ausdruck bezeichnet ausschließlich die ideologisch gebundene Analyse einer Konfession.

  7. Wilfried Müller sagt:

    Danke, wir dürfen also fordern, Theologen raus aus der Uni!

  8. Wilfried Müller sagt: 11. Oktober 2013 um 09:13

    Das genau ist eine der Forderungen der humanistischen Proto-Partei :-)

  9. pinetop sagt:

    Argutus, ich muss dir zustimmen. Da habe ich nicht genau genug formuliert.

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