Whistleblower vs. NSA

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totaleueberwachung2New York Times hat am 1.1. einen bemerkenswerten Artikel gebracht, Edward Snowden, Whistle-Blower: da wird Snowden Gerechtigkeit zuteil, und die NYT zählt Gesetzesverstöße der NSA auf (Bild: Untitled © johas, Openphoto):

  • die NSA brach Datenschutzegesetze tausendmal im Jahr
  • die NSA hackte sich in Kommunikationsnetze rund um die Welt und spionierte hunderte von Millionen Benutzerkonten aus
  • die NSA unterminierte systematisch die Internet-Verschlüsselungssysteme und damit das Vertrauen in die Datensicherheit
  • die NSA in Person von James Clapper Jr. belog den Kongress indem er sagte, es würden nicht die Daten von Millionen Amerikanern gesammelt
  • die NSA wurde vom Auslandsspionagedienst gerüffelt, weil sie irreführende Informationen über ihre Praktiken gab, die teilweise sogar verfassungswidrig waren
  • der NSA wurde von einem Bundesrichter bestätigt, dass ihre Telefonabhöraktionen wahrscheinlich die Verfassung verletzten

Die Rede ist von fast Orwellschen Zuständen und Datenterror – aber keine Rede ist davon, die NSA zur Verantwortung zu ziehen. Die dürfen also weiter Gesetze brechen, auch wenn der Präsident vielleicht mit dem Zeigefinger wackelt und ein bisschen dudu macht.

Als Kontrastprogramm sehe man sich den Justizterror an, den die USA gegen die Whistleblower treiben. Bradley Chelsea Manning schmort für 35 Jahre im Gefängnis, anstatt mit einem Orden ausgezeichnet zu werden. Dasselbe würde Edward Snowden auch passieren, wenn die amerikanische Unrechtsjustiz ihn fangen könnte. Wenn die NYT vernünftige Zustände herbeischreiben kann, unter denen Snowden straffrei bleibt, dann muss auch Manning freigelassen werden!

Snowden ist der Clevere unter den Whistleblowern, der sich gut verkauft und gut schützt. Jetzt hat er neue Spekulationen gestreut, wie die Süddeutsche Zeitung am 3.1. berichtet, Neue Snowden-Enthüllungen – Geheimprojekt Super-Computer: es geht um den Quantencomputer, der angeblich bei der NSA entwickelt wird, und der die Primzahlen-Schutzcodes der Banken knacken soll. Allerdings dürfte das ein verfrühter Hype sein, denn bis zum praktisch brauchbaren Quanten-Computer ist es noch lange hin. Ein Info dazu gibt es bei quantencomputer.de, wo man die Funktionsweise nachlesen kann.

Die praktischen Schwierigkeiten liegen darin, dass die Superpositionen der Quantenzustände nur unter schwierigen Bedingungen zu stabilisieren sind, und dass praktisch alle nötigen Funktionen physikalisches Neuland sind. Auch wenn die Physiker optimistisch sind, können noch grundsätzliche Probleme auftauchen, die den praktischen Einsatz verhindern. Das ist also eine hypothetische Bedrohung, nur zeigt sie, wie skrupellos die NSA vorgeht.

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3 Antworten auf Whistleblower vs. NSA

  1. Argutus sagt:

    Die Vereinigten Staaten sollten als Rechtsstaat Gesetze schaffen, die die notwendige Überwachung legalisiert und alles, was über diesen legalen Rahmen hinausgeht, bestrafen.

    Der gegenwärtige Zustand ist unerträglich: das gesetzliche Korsett ist zu eng, deshalb muß es übertreten werden – und das geschieht dann gleich hemmungslos.

  2. pinetop sagt:

    Ich hörte kürzlich die Zustandsbeschreibung, dass die gegenwärtige Situation sogar schlimmer ist, als George Orwell es sich vorstellen konnte. Wenn dies zutreffen sollte, sind alle Auffassungen über einen angemessenen Ausgleich von Datenschutz und Sicherheitsinteressen Makulatur. Kein Sicherheitsbedürfnis kann diese Totalüberwachung rechtfertigen.  

  3. Wilfried Müller sagt:

    Argutus' Argument finde ich sehr bedenkenswert, während ich pinetop nicht zustimmen mag Solange die Technik immer mächtiger wird, wachsen auch die Gefahrenpotentiale immer weiter. Und dann diese unglaublichen Leute, die gerne Massenmörder sein möchten. Man muss dauerhaft verhindern, dass die einen weltweiten Exitus anrichten.

     

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