Wissenbloggt Lebensqualitäts-Rating

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800px-East_Side_Gallery_trabiUnlängst stellte wissenbloggt die Frage zur Lebensqualität. Gibt es das noch, und wenn ja, wie lange noch? Oder ist das Leben mehr Qual als Qualität? (Bild: Toytoy, Wikimedia Commons)

Die Antworten liefern ein worry meter (Sorgenbarometer) das nicht ganz trivial erscheint. Bemerkenswert ist der 1. Platz der Immigration, die zuvor absichtlich nicht erwähnt wurde, und die überwiegend positive Konnotation aufweist (allerdings wohl auch deshalb, weil sie vielfach mit Emigration durcheinandergeworfen wird). Bei der NSA (*) ist zu bedenken, dass es nicht nur die US-Organisation  diesen Namen trägt, sondern auch eine Firma. Die Stimmen wurden deshalb per Daumenpeilung halbiert.

 

Topic Antworten Vorzeichen Anmerkung
Immigration 5.640.000 + erstaunlich
Terrorismus 2.920.000 am_schlimmsten
Ungleichheit 2.500.000  
Gentechnik 1.960.000 +-  
Roboter 1.720.000 + erstaunlich
Enhancement 672.000 + erstaunlich
Benzinpreis 588.000 +-  
Seuchen 562.000  
Religion 463.000 +-  
NSA (*) 461.000  
Reklame 459.000 +-  
Klimawandel 407.000  
Euro-Rettung 166.000 so weit unten
Übervölkerung 112.000  
Pumuckl 21.300   zur Kontrolle
ist 7.2890.000   zur Kontrolle

Die Stimmen sind nicht nach Methode ADAC erhoben, sondern nach Methode Google. Es sind die Treffer, die sich ergeben, wenn man Lenbensqualität mit den aufgeführten Begriffen zusammen abruft. Fazit: Die LQ-Lage wird anscheinend recht relaxed eingeschätzt.

Der Werbeterror wird ausgeblendet "bei mir ist ein Werbe-Blocker aktiv". Man ist werberesistent, und wenn's doch zuviel wird, dann wird das Vorzeichen umgedreht und es wird als Anti-Werbung aufgenommen. Daraus spricht lebenslanges TV-Training. Wer jeden Tag TV aushält, ist hart im Nehmen. Das Ganze wird eher positiv aufgefasst, Werbung sponsert Sachen, die man sonst nicht hätte (was natürlich ein Fehlschluss ist).

Die Übervölkerung ist fast gar kein Thema, nur schwach über dem Grundrauschen. Wo sind die ganzen Schweizer, die sich gegen "Masslosigkeit" wehren? Die gehen quasi unter in der allgemeinen Fremdenfreundlichkeit. Man muss nur in Richtung Google schauen, um das  zu sehen.

Dass das Thema Euro-Rettung auch so weit unten steht, ist nicht verwunderlich angesichts der geringen Resonanz bei wb. Die LQ geht also nicht nach dem, was es uns kostet. Man stelle sich mal vor, jedem Deutschen würden 1000 Euro gestohlen, da wäre vielleicht was los. Aber wenn die Banken 80 Mrd. aus Deutschland absaugen, was auch auf 1000 pro Nase hinausläuft, rührt sich kaum ein Protest.

Ernüchternd auch. dass der Klimawandel so weit unten rangiert. Es geht gar nicht mal um Stromtrassen und Windmühlenparks, sondern ums Interesse an dem Thema insgesamt. (Frage nebenher, wie kommt das eigentlich, dass das Verbuddeln der Stromtrassen zu teuer ist, aber wenn man mal einen Windpark anschaut, sieht man keine Überlandleitungen dahin – oder sind die alle nicht angeschlossen?)

Aus den Werten bei Robotern, Gentechnik und human enhancement spricht eine erstaunlich positive Einschätzung der Technologie. Nicht mal das Benzinpreis-Yoyo bringt die LQ zum Bröseln. Von Religion und anderen Seuchen sind eh die anderen betroffen, in den Worten eines gesetzten Humanisten: "Aber ich tanze auch sonst nicht mehr, ich muss daher auch nicht am Karfreitag tanzen."

Nur die Ungleichheit, die nervt schon. Dazu findet derselbe Humanist weise Worte: "Soziale Ungleichheit ist bis zu einem gewissen Grad auch eine Folge des Wohlstands und der Freiheit." Dass das nicht alles ist, weiß jeder, aber um die LQ (der Nichtbetroffenen) nachhaltig zu beeinträchtigen, reicht es nicht.

Was bei den Befragten mehr an der LQ knabbert, ist das persönliche Schicksal bei Krankheit und Unfällen, wie auch das allgemeine Schicksal bei globalen Katastrophen inclusive des  finanziellen Systemcrashs. Der hat sich also immer noch nicht abgenutzt.

Dasselbe gilt für den Wagen des Jahres, der selbstverständlich nach Methode ADAC ermittelt wurde:

… and the winner is …

Trabi

(wenn das nicht Lebensqualität ist)

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