® Au wie Gold

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Electron_shell_079_Gold.svgIst es möglich, dass Experimente an Partikelbeschleunigern Schwarze Löcher erzeugen, die imstande sind, die Erde zu verschlingen? Diese Debatte lebt immer mal wieder auf. Es gibt schon ein Video, in dem das Verschlingen optisch dargestellt wird (1.). 2014 brachte der Spiegel das Thema aufs Tapet (2.), und vor kurzem gab es einen frischen Bericht aus Großbritannien (3.). Beim Relativistic Heavy Ion Collider auf Long Island (RHC) wird mit Gold-Ionen gearbeitet – daher der Titel (Bild: Pumbaa, original work by Greg Robson, Wikimedia Commons).

Wird die Erde wirklich zur Größe eines Fußballfelds zusammengequetscht? Der Anlass für diese Besorgnis war über die Jahre hinweg immer der gleiche. Bei den Collider-Experimenten können winzige Schwarze Löcher erzeugt werden. Es kam längst heraus, die sind so klein, dass sie sofort im Nichts verpuffen. Wenn sie's nicht getan hätten, wären wir allerdings nicht mehr da, um darüber zu raisonnieren.

Bei dem Spiegel-Bericht geht es um seltsame Materie, die im RHC entszeht, und der man auch die Fähigkeit zur Erd-Zerstörung zutrauen könnte. Der SHTFplan-Bericht befasst sich mit dem LHC, dem Large Hadron Collider, in dem mikroskopische Schwarze Löcher entstehen können. Bei wiki liest sich das ganz harmlos, und die allermeisten Physiker haben anscheinend auch keine Bedenken.

Ist das also ein künstlicher Hype, der da angefacht wird?

Genau genommen weiß keiner so genau, was da passiert, wenn die Atompartikel mit höchster Energie aufeinandergeschossen werden. Man will das ja erst herausforschen. In dem Spiegel-Artikel geht es um Gold-Ionen, die mit relativistischer Geschwindigkeit aufeinandergeschossen werden, um dann in einem Mini-bang zu zerplatzen (2.). Ganz einfach gesagt, man strippt die störenden Elektronen weg (die Pünktchen im Bild) und knallt zwei (rosane) Aus zusammen. Das gibt dann nicht AuAu, sondern eine Menge Au-Kleinkram. Und jede Kollision gleiche dem Wurf eines Würfels, wird dazu gesagt.

Nun ist Würfeln nicht als gefährlich bekannt, außer für die Finanzen. Aber das kommt bei der Goldvernichtung auch hin, schließlich hat man weltweit nur so viel gefördert, wie in einen Kubus von 22 Metern Kantenlänge passt. Dass man dann noch welches zerstört, wenn auch nur eine Prise – es ist immerhin das Gegenteil von der alchimistischen Golderschaffung -, das mutet hart an.

Zum Vergleich: Das Gold der Welt passt in ca. 10 Würfel mit Kantenlänge 10 Meter. Wenn man das Geld der Welt in sämtlichen Formen auf mehrere 100 Billionen Euro schätzt, dann ergibt das bei ca. 1.000.000 Euro pro Kubikmeter fast einen Kubikkilometer. Nimmt man statt Euromünzen 500-Euro-Scheine (ca. 1000 in einem 10-cm-Stapel) kommt man auf einige Geld-Würfel von 100 Meter Kantenlänge. Soviel zum Wert von Gold, nun wieder zum Artikel.

Die physikalischen Erläuterungen sind gewohnt undurchschauber, es geht um geringere Energien, die bei den neuen Experimenten verwendet werden sollen, die aber die Gefahr erhöhen sollen. Viele Physiker zweifeln denn auch an dem heraufbeschworenen Szenario, zumal die RHC-Forscher. Das fordert wiederum die Krititk an deren möglichem Eingeninteresse  heraus. Und außerdem wird ja auch am LHC (Large Hadron Collider) in Genf geforscht. Dazu liefert der SHTFplan-Bericht die Besorgnislage (3.). Physikalische Forschung ist nun mal öfters Herumstochern im Unbekannten.

Die potentielle Gefahr ist bei den ausgelösten Gewalten immer präsent. Man erinnere sich: Die ersten Atombombentests wurden unter Wasser durchgeführt. Was wäre gewesen, wenn die Fusionsreaktion leichter einsetzen würde? Immerhin hat man später Fusionsbomben gebaut, in denen die Spaltungsbombe eine Fusion von Wasserstoffatomen auslöst. Das ist also möglich, aber zum Glück nicht so leicht zu schaffen. (Laut Physiker-Auskunft fehlten unter Wasser ein paar Größenordnungen am Druck, aber was sind in der Physik ein paar Größenordnungen?) Sonst hätte der Wasserstoff vom Meerwasser fusioniert, und dann Tschüss.

 

(Dieser Artikel wurde am 18.2.14 eingestellt und am 21.10.18 überarbeitet und ergänzt)

Medien-Links:

  1. Large Hadron Collider Black Hole (YouTube 18.7.08)
  2. Teilchenbeschleuniger auf Long Island: Zwei Juristen warnen vor Zerstörung der Erde: (SPIEGEL ONLINE 16.2.14): Die Debatte um die Sicherheit von Teilchenbeschleunigern lebt wieder auf. Zwei US-Juristen warnen vor neuen Experimenten am Relativistic Heavy Ion Collider auf Long Island. (RHC)
  3. Astronomer Warns: Earth Could Be Crushed By Particle Accelerator (SHTFplan.com 1.10.): Martin Rees, a well-respected British cosmologist, has a warning about particle accelerators. There is a small, but very real possibility of disaster. Rees claims Earth could be crushed to the size of a soccer field by particle accelerators. (LHC)

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Eine Antwort auf ® Au wie Gold

  1. Der entscheidende Satz steht in dem zitierten Wikipedia-Artikel:

    “The reports also noted that the physical conditions and collision events that exist in the LHC and similar experiments occur naturally and routinely in the universe without hazardous consequences,[156] including ultra-high-energy cosmic rays observed to impact Earth with energies far higher than those in any man-made collider.”

    Die Erde wird seit über 4 Mrd. Jahren ständig von Partikeln der sog. Höhenstrahlung aus dem Weltraum bombardiert, die meist eine sehr viel höhere Energie haben als die Partikel des CERN und anderer Beschleuniger. Bisher ist dabei offensichtlich kein Schwarzes Loch entstanden. Da die Erde nach weiteren 4 Mrd. Jahren von der Sonne verschluckt wird, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass auch bis dahin keins entsteht. Keep cool …

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