KiKa: Dreiste Missionierung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen

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missonneinBei Freigeist Weimar hat Silvia Kortmann, die Landesvorsitzende des Regionalverbandes
des IBKA, eine Beschwerde gegen den öffentlich-rechtlichen Kinderkanal KiKa publiziert. KiKa fiel bereits durch Lobhudelei für das Beschneidungsfest eines muslimischen Kindes auf. Jetzt ist wieder die kritiklose Darstellung der Religion zu beanstanden, diesmal ist es die christliche. Bild: Freigeist Weimar. Der Text von Silvia Kortmann dazu:

    
KiKa: Dreiste Missionierung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen

WEIMAR. (fgw) Stimmt es, daß Fernsehen bildet? Dazu sei ein Blick auf den Kinderkanal KiKa gestattet. Der KiKa, der seinen Sitz in der Thüringer Landeshauptstadt Erfurt hat, ist ein Gemeinschaftsprogramm von ARD und ZDF, die je zur Hälfte daran beteiligt sind. Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) übernimmt dabei die Federführung ebenso wie die ARD-Koordination. Beim IBKA, dem Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten, gibt es dazu eine sehr offene Meinungsäußerung zu lesen:

Dies hält der Kinderkanal für unsere Kleinen bereit: der elfjährige Tahsin in der Türkei freut sich auf‘s Beschnittenwerden, weil er danach ein echter Mann sein soll. Safiya, 13, aus Berlin freut sich darauf, in der Öffentlichkeit ein Kopftuch zu tragen, weil ihr die Gebote ihres Gottes Allah sehr wichtig sind. Und der mongolische Junge Baljaa, Enkel eines Schamanen, begegnet dem Geist seines Opas und verbrennt sein Lieblingsbuch, um es dem Opa im Jenseits zu schenken.

Für den KiKa besteht das Leben nur aus Religion

So zu sehen in „Schau in meine Welt", der Sendereihe des KiKa, die Kindern das Leben in fernen Ländern bekanntmachen will. Und was interessiert Kinder dabei am meisten? Die religiösen Rituale natürlich – zumindest nach Meinung der Macher dieser Sendereihe. Und davon senden sie sonntags immer wieder Beispiele.

Vorfreude, Stolz, entgegenfiebern, großes Fest – mit diesen Vokabeln stimmt die Homepage des KiKa die Kinder auf den Beitrag „Tahsins Beschneidungsfest" ein. Der Junge freue sich darauf, beschnitten zu sein, weil er dann „ein echter Mann" sei – „ obwohl er nicht so genau weiß, was dann eigentlich anders sein wird". Die jungen Zuschauer haben es auch nicht erfahren. Pfiffige Kinder könnten allerdings merken, dass da etwas nicht stimmen kann, wenn die muslimischen Jungs schon im Alter von drei Jahren beschnitten werden, wie ebenfalls auf der Homepage zu lesen ist.

Die Sendung erwähnt mit keinem Wort, dass die Beschneidung kürzlich in Deutschland als eine strafbare Handlung erkannt wurde, die nur deshalb nicht bestraft wurde, weil die Opfer keine Chance zur Klage hatten. Kein Wort auch davon, dass auf Druck von religiösen Minderheiten der deutsche Bundestag das Gesetz geändert hat, so dass es jetzt allen Eltern erlaubt ist, ohne besonderen Grund von ihrem kleinen Sohn ein Stück abschneiden zu lassen. Dies den Drei- bis Dreizehnjährigen zu erklären, wäre auch zu schwierig gewesen. Und kein Wort davon, dass die Kinder das Recht haben, der Beschneidung zu widersprechen. Da zeigen die Macher der Sendung lieber einen Jungen, der keinen Schimmer hat, was auf ihn zukommt, aber sich freut, als stünde ein üppiges Weihnachtsfest bevor, immerhin gibt es dann Geschenke.

 TV-Programme werden von kircheneigenen Unternehmen produziert

Die Produktionsfirma dieses Beitrags, ifage, ist übrigens ein Unternehmen der Tellux-Gruppe, deren Mehrheitsgesellschafter katholische Bistümer sind. Offenbar liegt es im Interesse der katholischen Kirche, auch andere Glaubensrichtungen zu unterstützen, wenn sie damit ihre eigene Position stärken kann.

Wer sich beschwert, hat wenig Erfolg. Vor der Ausstrahlung von „Tahsins Beschneidungsfest" wurden viele offene Briefe und sicher auch viele unveröffentlichte Mails an den Sender geschickt. Z.B. vom Mogis-Verein oder von Sozialpädagogen – es hat den Sender nicht davon abgehalten, den umstrittenen Beitrag auszustrahlen.

In der Einheitsantwort vom Kika heißt es u.a.: „Es obliegt dem Zuschauer selbst, zu entscheiden, ob er diese religiöse Überzeugung verstehen, nachvollziehen oder ablehnen möchte. Unser Anliegen ist es, die Möglichkeit zu bieten, einen Einblick in diese Lebenswelt zu gewähren, denn erst diese erlaubt es dem Zuschauer, eine eigene Haltung zu diesem Thema zu entwickeln – Grundlage für eine sachliche Diskussion und kulturelle Toleranz". Das trifft für unreflektierte Kindersendungen allerdings überhaupt nicht zu.

In diese Kategorie fällt auch die Sendung über den mongolischen Jungen Baljaa. Alles hat eine Seele, und mit den Toten aus dem Jenseits kann man Verbindung aufnehmen – wollen uns die Macher von „Baljaa und der blaue Himmel" aus derselben Sendereihe weismachen, indem sie die Worte des mongolischen Jungen unreflektiert wiedergeben. Während der Junge seiner Trauer um den verstorbenen Großvater nachhängt, erklärt die Stimme aus dem Off, er habe den Geist seines Großvaters gesehen. Erwartet man von Kindern tatsächlich, selbst zu entscheiden, ob das, was die Institution Fernsehen behauptet, wahr oder falsch ist?

Nach einem Beschwörungsritual gibt der Junge bitterlich weinend sein Lieblingsbuch hin, weil man ihm eingeredet hat, dass es auf dem Weg durchs Feuer bei seinem Opa im Reich der Geister und Ahnen ankommt. In der mongolischen Steppe sind Bücher sicher besonders wertvoll, und es fällt dem Jungen sichtlich schwer, sich davon zu trennen. Einem Kind ein sinnloses Opfer abzuverlangen, um es enger an die Religion zu binden, ist auch eine Form von Kindesmissbrauch.

 KiKa: Nur religiöse Propaganda, also Glauben statt Wissen, verbreiten

Um Religion in Kinderköpfe zu pflanzen, reicht das alles aber noch nicht. Die Sendereihe „Schnitzeljagd im heiligen Land" hilft da weiter mit Folgen wie „Wo ist Gott?", „Das Grab Abrahams" und „Die Bundeslade". Der Inhalt: Moderator Ben sucht Gott in Jerusalem. Ein Mädchen zeigt ihm eine Stelle an der Mauer, wo Jesus sich angeblich abgestützt hat, als er das Kreuz trug. Tja, wenn man dran glaubt … Zwei andere Mädchen versuchen, ihn von der jüdischen und von der islamischen Religion zu überzeugen, und zusammen begeben sie sich auf eine Schnitzeljagd, die ihn an den mystischen Ort führen soll, wo man Gott besonders nahe ist.

Ein religiöser Propagandafilm, der keinen Zweifel zulässt, dass religiöse Anschauungen zu 100% wahr sind. Da gibt es niemanden, der dem Moderator sagte, spar dir die Mühe, Gott gibt es eh nicht, und Religion ist überflüssig. Dieses Machwerk wird seit 2010 immer wieder ausgestrahlt, nun schon zum achten Mal.

Unreflektiert, religiös-vernebelnd, Glauben statt Wissen verbreitend sind diese Beiträge – so mein Fazit. Hätte ich Kinder in dem Alter, ich würde sie auf keinen Fall diese Sendungen alleine gucken lassen. Kinder sind darauf angewiesen, dass man ihnen die Wahrheit sagt, und diese Sendungen tun es nicht.

Silvia Kortmann

Link zum Originalartikel bei Freigeist Weimar

Link zum wb-Artikel KIKA im Mittelalter

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Eine Antwort auf KiKa: Dreiste Missionierung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen

  1. Hermann Geyer sagt:

    Volle Zustimmung, besonders auch für die Klassifizierung solch suggestiver Missionierungsversuche als „Kindesmissbrauch“!

    Das Argument, es sei ja nur ein Informationsangebot, über das sich jeder seine eigene Meinung bilden kann, ist absurd, wenn ausreichende Informationsangebote über adäquate kritische Zugänge vorenthalten werden.

    Beim ORF im noch ziemlich überwiegend katholischen Österreich wird argumentiert, die Zahl religiöser Sendungen werde dem Anteil angeblich religiöser Menschen (die großteils aber kirchliche Karteileichen sind) im Land gerecht. Demnach sollten auf dem Gebiet der früheren DDR religiöse Themen eigentlich eine rare Ausnahme sein. Aber die Argumente werden leider immer wieder zu Gunsten der Religion verdreht.

    Ist mein Eindruck richtig, dass Experten aus Psychologie und Pädagogik auffallend selten öffentlich etwas zu solchen Formen subtiler psychischer Nötigung sagen? Ich könnte es mir erklären mit Druck über berufliche Karrieremöglichkeiten etc., da die Kirchen fast überall irgendwelche Möglichkeiten dafür haben. Nichtreligiöse  Werbung, die sich an Kinder richtet, wird ja schon jahrzehntelang scheel angesehen bzw. ist sogar verboten. Aber Konsumentenschutz bezüglich Religion ist immer noch ein Wunschtraum.

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