Rezension: Matthias Franz – Die Beschneidung von Jungen. Ein trauriges Vermächtnis

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beschneitungtitelDr. Daniel Krause ist sehr belesen, so dass er uns eine weitere Buch-Rezension zur Verfügung stellen kann. Zuerst brachte sie das Internet-Portal des Freidenkerbundes freidenker.at, das als Österreichs größte Vereinigung für alle Freidenker, Atheisten und Humanisten firmiert. Das Thema der Rezension ist ein unerfreuliches:

 

 

Matthias Franz – Die Beschneidung von Jungen. Ein trauriges Vermächtnis

Eine Rezension von Dr. Daniel Krause

Aus medizinischer Sicht gibt es heutzutage keine Gründe mehr für die Entfernung einer gesunden Vorhaut eines gesunden, nicht einwilligungsfähigen kleinen Jungen.

Im Gegenteil: Die Genitalbeschneidung auch von Jungen ist ein schmerzhafter und gefährlicher Gewaltakt mit möglichen negativen Folgen für die Betroffenen, monieren Humanisten und Mediziner.

Fundierte Beiträge solcher Beschneidungskritiker auf 450 Seiten liefert das neue im Buch des Herausgebers Matthias Franz "Die Beschneidung von Jungen. Ein trauriges Vermächtnis".

Einleitend gibt der Philospoph Joseph Tutsch einen Überblick über die Beschneidung in verschiedenen Kulturkreisen. Seine Fazit: Aus heutiger Sicht sind diese Rituale ungeachtet ihrer ursprünglich regulativ kulturellen Funktion als "sadistisch" einzustufen. Es folgen Beiträge von Friedrich Moll aus medizingeschichtlicher und von Volker von Loewenisch aus medizinethischer Perspektive. Der Kinderarzt Christoph Kupferschmid und die Kinderchirurgen Matthias Schäfer und Maximilan Stehr stellen die erheblichen medizinischen Risiken der Beschneidung, an den objektiven Befunden orientiert, unideologisch und neutral dar. Der Herausgeber berichtet in einem eigenen Beitrag von seinen Gesprächsstudien mit betroffenen Beschneidungsopfern, welche die negativen Folgen der Beschneidung offenlegen.

Die jüdischen Intellektuellen Jerome Segal und Andreas Gotzmann äußern sich in jeweils eigenen Beiträgen kritisch zur klerikal behaupteten, angeblich unauflöslichen Zusammenhang zwischen Beschneidung und Judentum. Drei weitere Beiträge stammen von erfahrenen Juristen: Rolf Dietrich Herzberg, Holm Putzke und Jörg Scheinfeld. Übereinstimmend sehen sie in ihren profunden Analysen durch die beschneidungsfreundliche Gesetzeslage in Deutschland elementare Grundrechte auf körperliche Unversehrheit, Selbstbestimmung und Religionsfreiheit des Kindes verletzt.

Ein weiterer Beitrag stammt von Irmingard Schewe-Gerigk, Vorsitzende des eingetragenen Vereins Terre de Femmes. Sie befürchtet in Zusammenhang mit der in Deutschland seit 2012 ausdrücklich erlaubten Jungenbeschneidung einen zivilisatorischen Rückfall auch im Bereich der Kinderrechte von Mädchen und beklagt die (Gefühls-) Blindheit der politischen Entscheidungsträger, die einen strukturell kinderfeindlichen Gesetzesentwurf ohne vertiefte Diskussion im Schnellverfahren passieren ließen. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Marlene Rupprecht schließt sich in ihrem Beitrag der Position Schewe-Gerigks an und entlarvt die Widersprüchlichkeiten im parlamentarischen Prozess, welcher zur Erlaubung der Jungenbeschneidung geführt hat. Rupprecht gehörte zu den wenigen Abgeordneten, die sich entschieden gegen die Beschneidung gestellt hatten.

Ein derart umfassender und zugleich fundierter Sammelband zur Jungenbeschneidung ist bislang einzigartig; dieses Buch ist ein wertvolles Grundlagenwerk, insbesondere eine exzellente Argumentationshilfe für Humanisten in künftig bevorstehenden Debatten.

© by Dr. Daniel Krause, März 2014

Link zur Originalrezension bei freidenker.at

Link zum pdf vom Verlag Vandenhoek & Ruprecht

 

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