Erdogan beschädigt Türkei

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695px-Flag-map_of_Turkey.svgNoch im November letzten Jahres wünschte wissenbloggt Der Türkei zum 100. das Beste für die nächsten 10 Jahre, und der türkische Präsident Erdogan wurde nur ganz entfernt als Sultan angesprochen, während "Erdogans Pyramiden" gutes Gelingen gewünscht wurde (Bild: Darwinek, Wikimedia Commons). Jetzt hat sich die Situation so entwickelt, dass ein weiterer Türkei-Bericht fällig wird, und diesmal ist es ein Erdogan-Bericht. Die Nachrichten wurden immer bedrohlicher:

  • Nach Bestechungsvorwürfen – Erdogan droht mit Verbot von Facebook und Youtube (Frankfurter Allgemeine Zeitung 7.3.): Nachdem auf Youtube angebliche Mitschnitte von Telefonanrufen veröffentlicht wurden, die eine Verwicklung des türkischen Ministerpräsidenten in Bestechung belegen sollen, gibt es für Erdogan nur eine Konsequenz: Er will Facebook und Youtube in seinem Land verbieten. Auch wenn es nicht um eine Komplettsperrung ging, ist das bedrohlich genug. Offizielle Agenda: Erdogans Ansicht nach sind die Mitschnitte Verleumdungen. Aus den Kommentaren dazu: Sich einfach und totalitär über die Wünsche und Belange der Bürger hinwegsetzen. Verträge und Gesetzgebung ignorieren. Egoistische kurzfristige Entscheidung ohne Bedacht auf Langzeitauswirkungen……. vielleicht passt er ja doch wunderbar in die EU. Wer hat von diesem Islamisten eigentlich etwas anderes erwartet als die konsequente Abschaffung der Meinungsfreiheit? Womöglich aber gleicht sich unsere geliebte EU eher den Werten der Türkei an, dann ist die Wertegemeinschaft auch vorhanden. …  Erdogan und Putin 2 Seelenverwandte.
  • Türkei "Erdoğan sagt: Ich bin der Staat" (ZEIT ONLINE, 28.3.): Erdoğan ist der Diktator einer Türkei im 21. Jahrhundert, sagt Kemal Kılıcdaroğlu, der Chef der größten Oppositionspartei. Die jetzige Regierung führe das Land ins Chaos. Inhalt: Erdogan ist ein Diktator, der die Medien unterdrückt. Das alles, um bei den kommenden Wahlen gut abzuschneiden (Kommunalwahlen am 30. März, dann die Wahl des Staatspräsidenten und schließlich die Parlamentswahlen).
  • Veröffentlichte Gesprächsmitschnitte Feind hört mit (SZ 28.3.): Der türkische Geheimdienstchef soll einen Kriegsgrund erfunden haben, die ukrainische Oppositionspolitikerin Timoschenko will Putin in den Kopf schießen: Immer häufiger bringen Gesprächsmitschnitte Politiker in Bedrängnis. Es geht um die Manipulation der Öffentlichkeit, um Erpressung und Zersetzung. Was die SZ erst skeptisch als Fake kommentiert, gerät dann doch zur Wahrscheinlichkeit. Die Preisgabe von Interna sei widerlwärtig, feige, unmoralisch – so wird die Echtheit der Aussagen bestätigt, nur wird angemerkt, dass die Aufnahme teilweise verfälscht sei. Getürkt, wie? Oder ist nicht die Beschwerde getürkt, wenn sie besagt, das auszupacken ist gemein, äh, und außerdem stimmt's nicht?
  • Geleaktes Gespräch über Militäreinsatz – Wie Erdoğans Regierung im Konflikt mit Syrien provozieren will (SZ. 28.3.): Jetzt geht es um brisante Maßnahmen, um bewaffnete Provokationen im Syrien-Konflikt. Erdogan will den starken Mann markieren, um für die Wahl zu punkten. Brisant auch die Gegenmaßnahmen, das Berichterstattungs-Verbot.
  • Geleaktes Gespräch über Militäreinsatz – Immer mehr "Zwischenfälle" (SZ 28.3., Teil 2): Das liest sich wie Kriegstreiberei, und das ist auch der Grund, warum Humanisten spätestens jetzt laut werden müssen.

Es geht längst nicht mehr um die Verbote, mit denen Erdogan missliebige Publikationen 695px-Turkey_EU.svgunterdrücken will. Es geht nicht um die Medien You Tube, Facebook und Twitter, wo geschickte Anwender eh um die Sperren herumkommen. Es geht auch nicht darum, dass Interna heutzutage standardmäßig verraten werden, wie Snowden uns aufgeklärt hat. Es geht um das Spektakel, was ein Möchtegern-Sultan aufführt, um sich selber aus der Kritik zu ziehen. Das passt nicht in das Bild einer modernen, EU-fähigen Türkei (Bild: Fry1989, Wikimedia Commons).

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Eine Antwort auf Erdogan beschädigt Türkei

  1. pinetop sagt:

    Es kann wohl keinen Demokraten geben, der die Aufnahme der Türkei in die EU begrüßen kann. Wenn die Türkei außenpolitisch zündelt, ist darüber nachzudenken, ob sie in der NATO verbleiben kann.

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