Maria Simeonov: Die Beziehung zwischen Mensch und Heimtier

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Rezension von Dr. Daniel Krause:

Um es direkt vorweg zu sagen: Wer von Verfassern bzw. Lektoren wissenschaftlicher Arbeiten Sicherheit in grundlegenden Regeln der Rechtsschreibung erwartet, wird von Maria Simeonovs kürzlich erschienener Masterarbeit übelst enttäuscht. So interessant deren Titel – Die Beziehung zwischen Mensch und Heimtier. Entwicklungen und Tendenzen innerhalb Deutschlands seit der Jahrtausendwende – auch klingen mag, so nervtötend sind die zahlreichen Syntax- und sonstigen Schreibfehler, die auf jeder der knapp über 100 Seiten in peinlichstem Ausmaß ins Auge stechen. Die Autorin wie auch – falls überhaupt vorhanden – die Lektoren wären gut beraten,  die einfachsten Kommaregeln bezüglich Abgrenzung von Haupt- und Nebensätzen zu verinnerlichen.

In der Arbeit wird skizziert, was allgemein unter “Beziehungen” zwischen Mensch und Heimtier verstanden wird, bevor der Wandel der Beziehung zwischen Mensch und Heimtier seit der Jahrtausendwende in den Fokus kommt. Aspekte hierbei sind vor allem das soziodemographische Profil der Halter, die Zusammensetzung der deutschen Heimtierpopulation sowie die Entwicklung des Bedarfsmarktes, angefangen von Hundefriseuren über Angebote für Urlaubsreisen von Herrchen und Hündchen bis hin zu Tierfriedhöfen.  Dabei wird auf Bezugsquellen aus verschiedensten Wissenschaften zurückgegriffen, wodurch die Arbeit in hohem Grade interdisziplinären Charakter erhält.

Die Autorin stellt zu Recht fest, dass der Wandel des Stellenwert von Heimtieren durchaus sehr viel zu tun hat mit einem Wandel in der gesamten Gesellschaft, sei es mit dem zahlenmäßigen Anstieg von Singlehaushalten, dem immer höheren Alter von Frauen bei der Geburt des ersten Kindes oder – besonders historisch betrachtet – mit der Ausbreitung einer säkular-humanistischen Weltsicht. Eigene empirische Leistungen liefert Simeonov nicht; das muss man einer Masterarbeit aber auch nicht erwarten. Es handelt sich um ein inhaltlich durchaus ansprechendes und auch für ein breiteres Publikum lesenswertes Werk, sofern man über die teils erheblichen formalen Schwächen und Mängel – insbesondere Rechtschreibung betreffend, siehe oben – hinwegsehen mag.

SemionovAus progressiver Sicht lässt sich die Beschränkung auf Heimtiere jedoch kritisch betrachten. Wünschenswerter und deutlich aussagekräftiger in Bezug auf Rückschlüsse zur Gesamtgesellschaft wäre es gewesen, wenn deutlicher darauf eingegangen worden wäre, dass die zunehmende Wertschätzung dieser Art von Tieren auch Zeichen für einen zunehmenden Speziesismus sein kann: Während Katzen und Hunde etc. zunehmend personalisiert und abgöttisch geliebt werden, leiden andere Tierarten in Versuchslaboren sowie in Massenhaltungen. Freilich ist das Blickfeld von Masterarbeiten naturgemäß sehr begrenzt, doch gelegentlich hätten reflektierte Blicke über den Tellerrand dieser Arbeit gut getan.   

 

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4 Antworten auf Maria Simeonov: Die Beziehung zwischen Mensch und Heimtier

  1. Wünschenswerter und deutlich aussagekräftiger in Bezug auf Rückschlüsse zur Gesamtgesellschaft wäre es gewesen, wenn deutlicher darauf eingegangen worden wäre, dass die zunehmende Wertschätzung dieser Art von Tieren auch Zeichen für einen zunehmenden Speziesismus sein kann: Während Katzen und Hunde etc. zunehmend personalisiert und abgöttisch geliebt werden, leiden andere Tierarten in Versuchslaboren sowie in Massenhaltungen.

    Hunde und Katzen waren zumindest in unseren Breiten noch nie Schlachtvieh, dieser Speziesismus ist keineswegs neu. Der Autorin dieser Arbeit mit dem präzisen Titel "Die Beziehung zwischen Mensch und Heimtier. Entwicklungen und Tendenzen innerhalb Deutschlands seit der Jahrtausendwende" dürfte keine Themenverfehlung unterlaufen sein.

    … dass der Wandel des Stellenwert von Heimtieren …

    Genitiv-s

    … das muss man einer Masterarbeit aber auch nicht erwarten.

    Dativ-Präposition

    Ansonsten eine interessante Rezension.

  2. Wilfried Müller sagt:

    Die "Rechtsschreibung" von Daniel Krause ist auch nicht gerade das, was der Duden sagt …

  3. Wahrscheinlich schreibt die Autorin mit der linken Hand und beherrscht die Linksschreibung.

  4. Wilfried Müller sagt:

    Wer sein Produkt aus Links bezieht, solcherart Linksschreibung betreibt und das Rechtsschreibung nennt, dem könnte der Schavan-Effekt blühen …

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