Allahs ungeliebte Kinder – Lesben und Schwule im Islam

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Lehrer Daniel KrauseInterview zum neuen Buch von Daniel Krause

Vor einem Jahr sorgten das Buch des Lehrers Daniel Krause "Als Linker gegen Islamismus" sowie der erfolgreiche Gerichtsprozess des Autors für viel Aufmerksamkeit in den Medien. In diesem Monat wird ein weiteres Buch von Daniel Krause erscheinen, welches sich noch intensiver als das vorherige mit der Situation von Lesben und Schwulen im Islam beschäftigt. Das Buch erscheint beim neomarxistisch ausgerichteten Hintergrund-Verlag Osnabrück und trägt den Titel "Allahs ungeliebte Kinder – Lesben und Schwule im Islam". Auf einer Veranstaltung des Freidenkerbunds Österreich am 25. April in Wien wird Daniel Krause neben prominenten Islamkritikern wie Mina Ahadi und Hartmut Krauss einen Vortrag halten und dabei auch dieses Buch ausführlich vorstellen. http://lehrerkrause.wordpress.com/2014/03/18/freidenker-enquete-mit-mina-ahadi-hartmut-krauss-und-daniel-krause/.  Für Wissenbloggt gibt der promovierte Sozioge und Lehrer Daniel Krause schon jetzt Einblicke in den Inhalt und die Hintergründe zu diesem Buch. 

Auch in Ihrem letzten Buch "Als Linker gegen Islamismus" ging es um die Situation von Lesben und Schwulen im Islam. Warum haben Sie sich entschlossen, nun ein weiteres Buch zu diesem Thema zu veröffentlichen?

Eines der zehn Kapitel in meinem letzten Buch trug den Titel "Allahs ungeliebte Kinder". Darin berichtete ich von meinen Erfahrungen aus der lesbisch-schwulen Jugendarbeit mit homosexuellen Teenagern aus muslimischen Familien. Unter anderem ging es darin um reale Fälle, wo solche Jugendliche von ihren religiös-homophoben Eltern in den Selbstmord getrieben wurden. Über Inhalte aus diesem Kapitel hatte ich auch bei der Buchvorstellung im Mai 2013 in Münster berichtet. Die Resonanz und die emotionale Betroffenheit der Leserschaft bzw. des Publikums war bei diesem Kapitel heftiger als bei allen anderen. Viele wollten mehr über die Situation homosexueller Jugendlicher im Islam erfahren. Es lag auf der Hand, explizit zu diesem Thema ein weiteres Buch zu veröffentlichen. Denn ein solches Buch, dass sich schwerpunktmäßig kritisch mit der Homophobie in muslimischen Subkulturen auseinandersetzt, gibt es noch nicht auf dem deutschen Buchmarkt. 

Ist man in Deutschland überhaupt empfänglich für diese Thematik? Der Kampf gegen Homophobie scheint bislang weniger auf den radikalen Islam, sondern vielmehr Putin und Russland abzuzielen. 

Es ist tatsächlich auffällig und hoch irrational, wie sehr sich insbesondere die homosexuelle Szene einseitig auf Russland eingeschossen hat. Zwar empfinde auch ich große Verachtung gegenüber der Homophobie der russischen Gesellschaft, doch man sollte sich vor Augen halten: Nicht in Russland, sondern ausschließlich in muslimisch dominierten Staaten besteht die Todesstrafe gegen Homosexualität. Auch Ehrenmorde an Homosexuellen sind kaum für Russland, eher jedoch für muslimisch dominierte Staaten typisch. In Russland sind homosexuelle Handlungen unter Erwachsenen sogar legal, lediglich die positive Darstellung von Homosexualität gegenüber Kindern ist verboten. Dieses Verbot ist reaktionär, keine Frage. Aber es ist schlichtweg inkonsequent, dass die homosexuelle Szene so dermaßen intensiv gegen Russland aufmüpft, während die viel schlimmeren Zustände in unzähligen muslimischen Ländern kaum Beachtung finden. Hier zeigt sich ein frevelhafter Kulturrelativismus: Man gesteht muslimischen Milieus deutlich mehr Homophobie zu als christlichen Kreisen. Menschenrechte sind jedoch universell.

Halten Sie den Islam im Kern für homophober als andere Religionen? Oder ist der Islam einfach in seiner Entwicklung hin zur Aufklärung noch nicht so weit wie das Christentum?

Auch die Bibel ist homophob und sexistisch. Homophobie hat in der chrstlichen Geschichte eine ähnliche Tradition wie die Hexenverbrennung. Allerdings ist durch säkulare Bewegungen weitgehend gelungen, das Christentum zu zähmen beziehungsweise es dahin zu bewegen, sich von innen heraus zu reformieren, wie es in der evangelischen Kirche schon erfreulich funktioniert hat. In Nord- und Westeuropa können Homosexuelle sogar schon mit evangelischem Segen kirchlich heiraten. Im Islam sieht das schon ganz anders aus: Alle vier großen islamischen Rechtsschulen sehen drakonische Strafen für homosexuelle Handlungen vor. Im Iran sind in den letzten Jahren tausende von Schwulen öffentlich hingerichtet worden. Und bezogen auf Deutschland zeigen repräsentative Studien: Die Mehrheit der hier lebenden Muslime halten Homosexualität für eine Krankheit. Unter den Nicht-Muslimen ist nur noch eine ganz kleine Minderheit dieser Auffassung. 

Handelt Ihr neues Buch eher von homosexuellen Muslimen in Deutschland? Oder auch von solchen in muslimisch dominierten Staaten?

Allahs ungeliebte Kinder.2.inddSowohl als auch. Ich berichte sowohl von einem lesbischen muslimischen Mädchen aus NRW, welches mit einem fremden Iraner zwangsverheiratet werden sollte und sich mit ihrer deutschen Freundin hiervor zu retten versuchte. Doch ich gebe auch in reportageähnlicher Form exklusive Einblicke in die Situation in Istanbul, wohin ich im letzten Sommer zu Recherchezwecken gereist bin. Junge Schwule fürchten sich dort vor Ehrenmorden durch ihre eigenen Familien sowie auch vor Gewalt durch Fremde auf offener Straße. Gerade in Bezug auf die Türkei thematisiere ich auch die Probleme im Zusammenhang mit der dort sehr homophoben Stimmung in der Armee.  

Bei Ihrem neuen Verleger handelt es sich um den Soziologen Hartmut Krauss, welcher für außerordentlich harte Thesen gegen den Islam bekannt ist. Er hat auch das Vorwort zu Ihrem Buch geschrieben und teilt darin kräftiger gegen den Islam aus als Sie selbst es tun. 

Hartmut Krauss hat Recht, wenn er feststellt, dass der Islam gemäß des Korans eine politische Ideologe mit totalitärem Anspruch auf Weltherrschaft ist. Darum kann ich es nachvollziehen, dass er den Mythos "guter Islam, böser Islamismus" ablehnt. Ich selbst bin allerdings nicht nur Soziologe, sondern auch Germanist. Und als solcher bin ich mir darüber bewusst, dass der Begriff "Islam" im Bewusstsein vieler Menschen einen Bedeutungswandel durchlaufen hat, den man respektieren mag. Aus diplomatischen Gründen kann eine Unterscheidung zwischen "Islam" und "Islamismus" gelegentlich durchaus sinnvoll sein, etwa dann, wenn man den Dialog mit "liberalen" Muslimen aufrechterhalten will anstatt jene durch begriffsbezogene Beharrlichkeiten zu verstoßen. Wer eine Unterscheidung zwischen "Islam" und "Islamismus" ableht, sollte zumindest zwischen den "Muslimen" als Menschen einerseits und der religiösen Ideologie andererseits unterscheiden. Denn Muslime sind letztlich die am meisten leidenden "Opfer" des Islams bzw. des Islamismus. Kritik am Islam bzw. Bekämpfung des Islamismus dient (auch in meinem Buch) insbesondere dem Schutz eben dieser Menschen, welche in ihrem jungen Leben teils gegen ihren Willen durch Beschneidung und andere Rituale zu "Muslimen" gemacht worden sind. Hartmut Krauss und ich sind uns übrigens zumeist einig in dieser schützenden Haltung gegenüber Muslimen.

Wie kommt es, dass Ihre Buchpremiere dieses Mal im Ausland stattfindet? Der Freidenkerbund Österreich hat Sie ja für einen Vortrag mit Signierstunde nach Wien eingeladen.

Der Freidenkerbund Österreich ist für Islamkritik deutlich aufgeschlossener als die entsprechenden Verbände in Deutschland. Zudem gibt es auch gerade in Wien Anlass, über das Thema meines Buches zu sprechen. Eine muslimische Religionslehrerin an einer dortigen Schule hat den Kindern nämlich erzählt, dass Homosexuelle verbrannt werden müssen. Repräsentative Studien in Österreich haben ergeben, dass ein Großteil der muslimischen Religionslehrer an den staatlichen Schulen die Demokratie ablehnen und die Scharia höherstellen. Der Freidenkerbund Österreich hat begriffen, was auch in Deutschland erkannt werden muss: Wehret den Anfängen!    

Vielen Dank für das Interview. 

Einen Teil seiner Recherchen hat der Autor in Tunesien durchgeführt, während er bei mir zu Besuch war.

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Eine Antwort auf Allahs ungeliebte Kinder – Lesben und Schwule im Islam

  1. pinetop sagt:

    Volker Beck muss entsetzt sein, und zwar in erster Linie, weil er Daniel Krause nicht als einen Rechtspopulisten diffamieren kann.

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