Es ist vollbracht!

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OLYMPUS DIGITAL CAMERASo kommentiert Georg Korfmacher den unrühmlichen Abgang des Bischofs Tebartz-van Elst (Bild: Moguntiner, Wikimedia Commons):

Es ist vollbracht! Lug und heiliger Schein sind durch den Prüfungsbericht der DBK dokumentiert. Der Papst hat das zwingend notwendige Machtwort gesprochen. Der gewesene Oberaufseher von der Lahn ist weg und muss lange auf eine Tätigkeit warten, bei der er keinen Schaden anrichten kann. Damit ist das Dilemma der deutschen Catholica gleichwohl nicht beendet. Das schwant auch dem Kirchenfürsten von der Isar, der eine Besserung der Lage auch durch Transparenz und Kontrolle der Finanzen der Catholica angehen will.

          Eine grosse Erleichterung ging durch die Diözese an der Lahn und den Blätterwald, als der Papst eine überraschend aufgetauchte Verzichtserklärung des Protzbrockens von der Lahn annahm. Welch verquere Kirchendiplomatie! Bislang wollte er eben nicht verzichten. Das bestätigt er durch seinen prompten Protest und den Versuch, die ihm vorgeworfenen Vergehen seinem ehemaligen Generalvikar in die Schuhe zu schieben. Welch Schmierentheater! Der Prüfungsbericht bestätigt voll die Publikationen in der Presse.

          Seltsam auch die Diskrepanz zwischen hoch gelobter theologischer Kompetenz und menschlichem Verhalten des vom Hof gejagten Kirchenmannes. Was nützt die höchst Kompetenz in einer von der Catholica hochstilisierten komplexen Theologie, wenn der Theologe menschlich ein Totalversager ist. Hier werden die widerstrebenden Auffassungen des heutigen Papstes und seines Vorgängers offensichtlich, der Protagonisten einer Machtkirche wie Müller, Tebartz, Gänswein, Marx etc. protegierte. Letzterer will sich unbedingt auf das Zentrum (Rom) konzentrieren, während der Papst um Dezentralisation bemüht ist. Da muss man wohl ein Wendehals sein, wenn das zusammengehen soll.

          Der mit erstaunlicher Offenheit bestätigte Skandal an der Lahn ermöglicht auch erstmals einen tiefen Einblick in die komplexe Organisation der Catholica zu Erhalt, Mehrung und Verschiebung ihrer Vermögen. Limburg ist nur die Spitze eines riesigen und trägen Eisbergs. Besonders die deutsche Catholica ist hier gefordert, beruft sie sich doch betreffs ihres Vermögens und Prunks nicht auf Glauben, sondern auf Tradition. Am Beispiel Limburg wird die unselige und auch irgendwie unredliche Konstruktion der Körperschaften des öffentlichen Rechts deutlich. Da handelt es sich wohl mehr um Verschiebebahnhöfe als um öffentliche Körperschaften. Auf die angekündigte Transparenz und Kontrolle der Finanzen der Catholica darf man gespannt sein.

          Es reicht der Nachweis der Übeltaten des Ex v.d. Lahn nicht, um sich jetzt zufrieden die Hände in Unschuld zu waschen. Ein Bischof oder Kleriker, der dem Volk nicht dient, ist kein guter Mann, sagt der Papst. Ein Reue heuchelnder Oberaufseher, der sich gleichzeitig einen BMW-5er in Luxusausführung ordern lässt, ist kein leuchtendes Vorbild für gar nichts. Den säuselnden Worthülsen müssen jetzt konkrete Taten folgen. Der Stall ist solange nicht ausgemistet, wie die Hirten den Geruch ihrer Herden nicht annehmen wollen. Da ist sicher noch viel Stunk zu erwarten. Der Tunichtgut v.d. Lahn ist erst einmal weg. Das ist vollbracht.

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2 Antworten auf Es ist vollbracht!

  1. Dass Herr Tebartz-van Elst  nicht mit Geld umgehen kann, ist ja nun jedermann bekannt. Aber viel wichtiger ist eine Tatsache, auf die nicht oft genug hingewiesen werden kann. Ein geweihter Bischof der katholischen Kirche, ein Würdenträger, der durch sein Amt seinem Herrgott um vieles näher steht, als ein normaler Gläubiger je sein kann, hat vor aller Öffentlichkeit erst gegen das 8. Gebot (Du sollst nicht lügen) und dann gegen das 7. Gebot (Du sollst nicht stehlen) verstoßen. Dies ist quasi ein Beweis, dass dieser Bischof allöes sein mag, aber nicht gläubig. Denn er hat nicht die moralische Kompetenz, die sein Herrgott letztlich von jedem einfordert, erst recht von einem Bischof. Warum sagt das niemand?

  2. Hermann Geyer sagt:

    Ich schätze, da wird noch nach einer passenden Formulierung gesucht.

    "Der Rauch Satans ist in die Heilige Kirche eingedrungen" wurde leider schon einmal verwendet.

    "Wen Gott am meisten liebt, den prüft er besonders" könnte von den Gläubigen in Limburg missverstanden werden.

    "Das sind ja nur Bubendummheiten" ist leider auch schon verbraucht (Bischof Krenn nach dem Sex-Skandal im Sankt Pöltner Priesterseminar).

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