Die „Impersonatoren“ sind da

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401px-Cara_mujerEin maßgebender Artikel der Süddeutschen Zeitung spricht von der Zukunft des Internets, die jetzt schon da ist. Sie sind da – Das Netz kommuniziert zunehmend mit sich selber. Nicht mit den besten Absichten, schreibt Bernd Graf in der SZ vom 10.5. (nicht online).

Im Fall wissenbloggt sieht das so aus: Riesige Mengen an japanischem Spam, der aus den Kommentaren rausgelöscht werden muss. Um weiteren japanischen Spam zu verhindern (oder zumindest deutlich zu reduzieren), wurde nun das sehr häufige Katakana-Silbenzeichen "su" (ス) in die Sperrliste eingegeben.

Und wie verhält es sich in der großen weiten Internet-Welt? "Impersonatoren" (englisch für Double, Darsteller, Bild: Cesar Tort, Wikimedia Commons) geben sich als Personen aus, schreibt die SZ. Als Avatar gibt's schon so was ähnliches, aber die Impersonatoren sind so neu, dass sie erklärt werden müssen.

Die Technik-Evolution bringt immer neue Dinge hervor, und das Internet revolutioniert sich selber. Unter diesem Aspekt ist das zu sehen; es geht nicht mehr um Kommunikation zwischen menschlichen Teilnehmern und nicht mehr um Informationsbeschaffung, sondern um Maschinen, die auf diesem System aufsetzen. Der Datenverkehr, den "programmierte Gerätschaften" verursachen, wächst rapide. Zahlen dazu:

  • 2012 besorgen die Internet-Roboter ("Bot") 51% des gesamten Traffics
  • 2013 sind es schon 61,5%
  • 2014 darf man mit 67% rechnen (Extrapolation wb) und
  • irgendwann können's 99% sein (dito)

Bedenklicher noch sind die Ziele dieser automatisierten Aktivitäten, die auch statistisch erfasst wurden. 31% der "Bots" werden von Suchmaschinen-Betreibern und sonstigen Datenscannern unterhalten – und der Rest verfolgt kriminelle Ziele. Im www-slang der SZ: Hacking-Tools und "Scraper", die Kreditkartendaten, Webanwendungen und Email-Daten klauen, die Webseiten hijacken und sie mit Massenabfragen (Spam) lahmlegen. Also  "Spammer", die Webseiten mit schädlichem Code infizieren und massenhaft Bullshit in Kommentarspalten von webforen posten (danke, Japan).

Und die Impersonatoren sind mittendrin. Sie geben sich als Menschen aus und simulieren menschliches Verhalten (incl. Freien Willen), sie mailen und posten und interagieren, und das Ganze in betrügerischer Absicht. Nochmal der inspirierte SZ-Slang: "automatisierte Scharlatane", "Humanheuchler" "Fake-Traffic", "was das Silikon hergibt".  Solche Bots seien einfach zu programmieren, man nimmt die Software "UBotStudio", und schwupps, hat man seinen Computer zu unglaublichen Dingen ertüchtigt. Das sind z.B "Auto-Tweets", die Twitter tausende von Tweets vortweeten, oder 100.000 nicht rückverfolgbare Klicks auf eine Site – ein Computer kann so tun, als wäre er 1000-fach da.

Dieser gefälschte Traffic stört und belästigt und belastet, er kann von bis dato unverdächtigen Quellen ausgehen, und er nimmt den Werbetreibenden die Grundlage, auf der sie die Klick-Erfolge messen. Automatische Klicks laden Videos und täuschen generiertes Kundeninteresse vor, für das Werbegelder fällig werden.

Dazu macht wissenbloggt den Vorschlag, dann wird eben mit Bitcoins gezahlt, die sich vollautomatisch vervielfältigen, und die Spirale ist noch eine Umdrehung weiter. Wie war das skeptische Wort der SZ für die hochkochenden Umwälzungen der künstlichen Intelligenz im Netz? Das Über-Netz.

Siehe auch den wb-Artikel Roboter mit Gefühlen?

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