® Armutszeugnis

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tafelndeutschlandWissenbloggt übernimmt den Titel, unter dem die Süddeutsche Zeitung das Geschehen um die Deutschen Tafeln beschreibt; eine bessere Bezeichnung gibt es nicht. Schon vor 4 Jahren, am 27.5.14 brachte die SZ den Artikel von Kathleen Hildebrand, Armutszeugnis – Auch Studenten und Beschäftigte sind mittlerweile auf Lebensmittel-Tafeln angewiesen (nicht online, Bilder  von Tafel.de. Beim Draufklicken erkennt man, dass die Tafeln mehr werden, obwohl die Arbeitslosigkeit abnimmt).

Die Tafeln gibt es seit 1993. Seitdem werden übriggebliebene Lebensmittel an Bedürftige verteilt, damals vor allem Obdachlose. Im Jahr 2005 gab es bereits 480 Tafeln, 2013 waren es 916, derzeit sind es an die 1000. 2012 waren schon 1,5 Millionen Menschen so bedürftig, dass sie die Tafeln nutzten. Der Andrang wächst schneller als die Spenden, so dass mancherorts weniger pro Person verteilt werden konnte. Jetzt wird das Problem durch die Immigration verschärft, weil die meisten Zuwanderer zu den "armutsgefährdeten Personengruppen" gehören, also vom Staat alimentiert werden.

Der Bundesverband Deutsche Tafel schrieb dazu: In Deutschland gibt es Lebensmittel im Überfluss – und dennoch herrscht bei vielen Menschen Mangel. Die Tafeln bemühen sich um einen Ausgleich: Sie sammeln „überschüssige“, aber qualitativ einwandfreie Lebensmittel, und geben diese an Bedürftige weiter. Tausende ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, Spender und Sponsoren machen es möglich. Machen auch Sie mit! Jede Hilfe ist willkommen.

Die Menge der gespendeten Waren ist beträchtlich: 600 LKWs voll. So schön diese Hilfsbereitschaft quer durch die Nahrungsmittelwirtschaft und durch die sozial denkende Helferschicht ist, so bedenklich ist das Zeichen. Die Tafeln sind ein Sensor für gesellschaftliche Entwicklungen, so neutrale Formulierung, wie sie von der SZ zitiert wird, sie machen die Not sichtbar. Das sind Worte von 2014, die bis heute gebraucht haben, um überall gehört zu werden.

Die Zunahme der Bedürftigen umfasst Asyslbewerber, EU-Zuwanderer und sogar Studenten, die wegen den vollen Stundenplänen keinen Nebenjob ausüben können und die in der Falle von unzureichendem Bafög bei  steigenden Mieten und wenig zahlungskräftigen Eltern gefangen sind. Und jeder dritte Tafelnutzer ist ein Kind – wahrhaftig ein Armutszeugnis.

Man könnte die Tafeln als Entlastung von staatlicher Fürsorgepflicht kritisieren und mehr staatliche Verantwortung einfordern, nach der Devise, der Staat darf sich nicht auf dem Engagement der Zivilgesellschaft ausruhen. Die Tafeln seien deshalb nur eine Nothilfe, um die soziale Spaltung zu überbrücken, die noch nicht im Focus von Politik und Öffentlichkeit angekommen sei. Das Armutsbekämpfungsprogramm der Bundesregierung sei untauglich und unzureichend. In Deutschland gebe es so viele Millionäre wie nie, und zugleich sei jeder sechste Deutsche arm (siehe auch die Links unten).

Nachdem die Essener Tafel bei 75% Migranten und 25% Deutschen einen Stop für noch mehr neue Migranten einführte, gab es einen Shitstorm, der sich allen Ernstes gegen die Essener Tafel richtete, und nicht gegen die Verantwortlichen in der Bundesregierung. Es ist aber deren Aufgabe, Migranten und Flüchtlinge zu versorgen, und nicht die der Tafeln. Die Bundesregierung plündert stattdessen seit Jahren die Sozialkassen für den Zustrom, die gesetzlichen Krankenkassen (nicht die privaten, die zahlen nix), die Deutsche Rentenversicherung usw. Angesichts dessen ist die Kritik von Bundeskanzlerin plus Kamarilla an der Essener Tafel dummdreist und unverschämt.

Wir bringen den Appell von tafel.de:

tafelappell

Medien-Links:

  1. Warum in Deutschland 1,5 Millionen Menschen auf die Tafeln angewiesen sind (Neue Westfälische 1.3.): An vielen Mitbürgern geht der derzeitige Wirtschaftsaufschwung total vorbei
  2. Bedürftigkeit: Wer geht zur Tafel? (Zeit Online 2.3.): Insgesamt 934 Tafeln versorgen etwa 1,5 Millionen Menschen in Deutschland. Warum gibt es heute so viele dieser Einrichtungen und warum wächst die Zahl der Bedürftigen?
  3. Chef der Essener Tafel : Wen soll Jörg Sartor wählen? (Frankfurter Allgemeine Zeitung 1.3.): Die Kanzlerin hat mitgeteilt, sie werde nach Essen kommen, um sich ein „realistisches Bild“ von der Lage dort zu machen. Ist ihr schon einmal der Gedanke gekommen, dass man sich besser zuerst ein realistisches Bild machen sollte, bevor man über RTL denen, die in dieser Wirklichkeit leben, Zensuren erteilt?
  4. 21 Facts About The Explosive Growth Of Poverty In America That Will Blow Your Mind (The Economic Collapse 2.11.15): 46 million Americans use food banks each year, and lines start forming at some U.S. food banks as early as 6:30 in the morning because people want to get something before the food supplies run out.

Unsere Links dazu:

(Dieser Artikel vom 28.5.14 wurde am 3.3.18 überarbeitet uns ergänzt)

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2 Antworten auf ® Armutszeugnis

  1. In einem Land, in dem das Vermögen der katholischen und evangelischen Kirche zusammen auf 500 Miliarden Euro geschätzt wird, in dem diese beiden Großkirchen Jahr für Jahr mit rund 19 Milliarden (nicht Millionen!) Euro vom Staat, also vom Steuerzahler, subventioniert werden – mit Geld, von dem u.,a. die Gehälter der Bischöfe, Erzbischöfe, Kirchenpräsidenten usw. bezahlt werden -, in diesem Land herrscht zunehmende Armut. Wo ist denn da die heilige und ach so barmherzige Kirche? Ist das das Vermächtnis Jesu?

  2. pinetop sagt:

    Uwe Hillebrand hat bestens kommentiert. Mehr kann ich dazu nicht sagen.

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