Gesichtserkennung und andere Informationsbegehrlichkeiten

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MountrushmoreDas Thema Edward Snowden ist immer noch frisch (man sollte aber auch den eingekerkerten Manning darüber nicht vergessen). Seit einem Jahr lernt die Öffentlichkeit dank der Whistleblower neue Vokabeln, schreibt die Süddeutsche Zeitung, und die heißen Prism, Tempora, Muscular (mehr unten, Bild: vielerkannte Gesichter, Sfmontyo, Wikimedia Commons).

Das Wort Informationsbegehrlichkeiten stammt aus dem SZ-Bericht über den Grundrechte-Report, den wir zusammen mit einer Artikelserie der SZ zum NSA-Thema hier verlinken:

  • Internetüberwachung – NSA sammelt Bilder für Gesichtserkennung (SZ 1.6.):
  • Um an Fotos von Gesichtern zu gelangen, hört die NSA laut New York Times Videokonferenzen ab und sammelt Bilder von ausländischen Ausweisdatenbanken.
  • Grundrechte-Report "Angriff aus dem Inneren des Systems" (SZ 3.6.): "Ein freiheitlicher Rechtsstaat kann es nicht dulden, dass die im Geheimen agierenden Dienste den einzelnen Menschen zum bloßen Objekt ihrer Informationsbegehrlichkeiten entwürdigen."
  • Grundrechte-Report Zur Lage der Bürger- und Menschenrechte in Deutschland: Erneut äußerst kritische Bilanz der Bürger- und Menschenrechte in Deutschland – Bürgerrechte statt Sicherheitsstaat ist die Devise: Herausgeber des aktuellen Grundrechte-Reports sehen Frankfurter Polizeieinsatz bei Blockupy-Protesten 2013 als verfassungsrechtlichen Skandal. Direktorin des Deutschen Instituts für Menschenrechte fordert Kennzeichnungspflicht für Polizeibeamte.

So eine Kennzeichnungspflicht für Polizeibeamte wird bald nicht mehr nötig sein, wenn es mit der Überwachung so weitergeht. Erstmal der Gegen-Ansatz in SZ und Golem.de:

  • Internet-Überwachung – Verschlüsselt euch! (SZ 5.6.): Google war womöglich nicht der erste, aber sicherlich auch nicht der letzte Anbieter kostenloser E-Mail-Dienste, der eine einfache Tatsache ausnutzte: Um die Postfächer von Spam und Schadlinks freizuhalten, müssen E-Mails ohnehin automatisch gescannt werden. Wieso also nicht gleich die Daten für andere Zwecke verwenden?
  • Wie die NSA das Netz überwacht (SZ 5.6.): XKeyscore, Prism, Muscular, Tempora, Backdoors, Bullrun, Videospiel-Überwachung – eine imposante Auslistung der Such- und Ausforschungsmaschinen. Die SZ beantwortet die Frage, was sind die wichtigsten Überwachungsprogramme und wie funktionieren sie?
  • IMHO: Und wir sind selber schuld! (Golem.de): Wir haben einen Feind, den wir seit Edward Snowden kennen: die Geheimdienste. Sie sammeln viel mehr Wissen über uns, als wir jemals preisgeben wollten, und wollen es möglichst für immer speichern. Die Rede ist von Payback-Karten, von unsichtbaren Datenmaklern, die an uns mehr Geldverdienen, als das ganze "Umsonst" jemals bringt, von Datenbanken in der ganzen Welt, wo unbekannte Daten von uns gespeichert sind, von Crawlern die automatisch alles archivieren, was im Internet jemals veröffentlicht wurde, und wie peinlich das sein kann.
  • Im zweiten Teil, Und täglich grüßt das Neuland schreibt Golem.de: Spätestens jetzt, nach einem Jahr Snowden, sollten wir verstehen, dass das Netz kein riesiges Tagebuch sein sollte, das Wildfremde lesen, die uns als Feinde sehen. (wohl eher als Ausbeutungsobjekte, wb, und IMHO bedeutet laut Golem In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach).

Richtig zukunftweisend wird es in einem Artikel der New York Times von Natasha Singer Never Forgetting A Face (ein Gesicht nie vergessen, nicht online). Darin geht es um Gesichtserkennung. Das ist die ultimative Form der Überwachung. Die NYT dazu: This develeopment will make obsolete keys, cards and codes – because your identity is the code. … Your face, your behaviour, your biometrics are the key.

Anscheinend wird die Sache langsam praktikabel, und die öffentlichen Scanner erkennen Gesichter, Verhalten und Biometrie der Menschen immer besser. Daher die Folgerung, man braucht bald keine Schlüssel mehr, keine Karten, keine Codes. PIN ade, heißt es dann, und trotzdem ist die Authentifizierung stets gegeben – aber auch die Identifikation. Das dürfte  weitreichende Auswirkungen für unsere Gesellschaft haben, im Guten wie im Schlechten. Unausweichlich, denn Gesichter kann man nicht verschlüsseln.

Unsere Links dazu:

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