Gegen Kreuze an der Wand und quer im Weg

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400px-Kapelle_Eusebius_KruzifixDr. Heinrich Klussmann ist sozial und humanistisch engagiert, er berichtet über einen bizarren Prozess vor einem Münchner Gericht: Ein wegen seiner Schärfe bekannter Staatsanwalt hatte eine Altenpflegerin des Mordes angeklagt, weil die einer alten Dame Gift für einen Selbstmord besorgt hatte. Suizid ist nicht strafbar. Darum kann auch Beihilfe zum Suizid nicht strafbar sein. Außerdem hatte die alte Dame, die ich persönlich kannte, schon zwei Selbstmordversuche hinter sich, war aber immer gerettet worden. Da ich also die Dame und ihre Selbstmordversuche kannte, habe ich mit dem Verteidiger Kontakt aufgenommen und den Prozess zusammen mit einer anderen Dame vom BR, die wiederum die Altenpflegerin als Betreuerin ihrer Mutter kannte, im Gericht als Prozessbeobachter "begleited". Die Angeklagte wurde schließlich freigesprochen.

Was aber nicht bereinigt wurde, ist das Folgende (Bild: Adrian Michael, Wikimedia Commons):
Bei dieser Gelegenheit habe ich gesehen, dass in allen Verhandlungssälen, in die ich hineinschauen konnte, Holzkreuze an der Stirnwand, so zu sagen über dem Richter hingen.
Mich hatte schon die Anklage entsetzt und geärgert. Die Kreuze haben mir dann den Rest gegeben. Darum habe ich einen Brief an Seehofer geschrieben, den ich unten anhänge, und mich über die Kreuze beschwert.  

 

                                    Germering, 02. 06. 2014

Herrn Ministerpräsident
Horst Seehofer
Bayerische Staatskanzlei
80539  München

Nachrichtlich: Herrn Justizminister Prof. Dr. W. Bausback,  Herrn Gerichtspräsident Dr. Karl Huber, den Abgeordneten des Bayerischen Landtags.
                                    

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Seehofer,
kürzlich war ich als Prozessbeobachter im Landgericht an der Nymphenburger Straße. Der Fall  ging gut aus. Die Angeklagte wurde erwartungsgemäß freigesprochen. Causa finita.

Was mich jedoch nachhaltig irritiert, ist das Holzkreuz, das im Gerichtssaal an der Wand hinter dem Richtertisch hing. Im ganzen Saal kein weiterer Schmuck, nirgends ein Emblem unseres Staates, weder von Deutschland noch von Bayern, auch Kein Bild. Nur dieses christliche Kreuzsymbol an der Stirnwand. So war es in allen Verhandlungsräumen, in die ich hineingeschaut habe.
Das Kreuz ist aber nicht das Symbol unseres Staates, sondern das der Kirche. In wessen Namen wird hier also Recht gesprochen? Im Namen der Bibel?  Altes Testament: Auge um Auge, Zahn um Zahn?  Neues Testament: Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein? Was soll so ein Kreuz in einem Deutschen Gerichtssaal? Da geht es doch nicht um Glauben, sondern um harte Fakten. Wer hat wo was wie getan, womit und warum? Was soll da so ein religiöser Schmus, ein christliches Kreuz?

Es gibt ja auch keine Rechtskultur der Kirche, nur eine schlimme Willkür-Tradition. Die Rechts-Geschichte der Kirche ist ein einziger Horror: Doppelmoral, Habgier, Betrug, Erpressung und Mord bis zum Völkermord. Siehe z. B. sog. „Konstantinische Schenkung“, Mord an Jan Hus trotzt Zusage freien Geleits, Inquisition und Hexenprozesse. Dort hat man Leute verbrannt, nur weil sie reich waren und der Bischof ihr Geld haben wollte.  Alles unter so einem Kreuz! Nicht umsonst ist die Kirche so reich.  Dazu noch Schutzgelderpressung: “Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer in den Himmel springt“. Angst machen und abkassieren. Dieses Geschäftsmodel wird heute noch von der Kirche  praktiziert, jetzt nur etwas feiner. So viel Unrecht im Namen dieses Kreuzes verbietet doch geradezu Kreuze im Gerichtssaal eines Rechtsstaates..
Deutschland ist eine Demokratie. Die katholische Kirche dagegen eine totalitäre, absolutistische Organisation. Alle Merkmale des Faschismus finden Sie 1:1 bei der kath. Kirche wieder. Deshalb ist natürlich nicht gleich jeder Katholik ein Faschist. Bei den höheren Chargen –spätestens ab Bischof – muss man aber davon ausgehen. So hat z. B. auch Kardinal Marx schon mehrfach bewiesen, dass für ihn immer noch – wie vor 1945 – unbedingter und blinder Gehorsam höher steht als Anstand und Gewissen, ohne Rücksicht auf unsere demokratischen Werte (Prof. Hasenhüttl, Bianka Hering, Prof. Ammicht-Quinn). Und dieser Marx trägt stets ein großes Kreuz vor seinem Bauch (natürlich nicht aus Holz).  Schon allein diese Tatsache macht das Kreuz im Gerichtssaal unmöglich

 Und sind unsere katholischen Bischöfe nicht sogar alle Meineidsbrüder? Die haben doch alle dem Papst, dem Chef eines totalitären Staates, Gehorsam geschworen. Wie verträgt sich das mit ihrem Eid auf unsere demokratische Verfassung? Diese Herren vertreten nicht die gläubigen Bayern, sondern ausschließlich die Interessen des Vatikanstaates, bzw. des Papstes, gegen die Interessen unserer Regierung (siehe u. a. Kondome, Abtreibungsberatung, sexueller Missbrauch). Der Papst hat sie als seine Aufpasser (Episkopos)  einzeln ausgesucht. Sie alle tragen so ein Kreuz, das Symbol der Kirche, eines fremden Staates. Was macht das Emblem eines fremden, dazu noch totalitären Staates, der nicht einmal die Gewaltenteilung kennt, in unseren Gerichten?
Die kath. Kirche respektiert unsere Gesetze nicht, wie Gleichberechtigung der Frauen, Scheidung, Recht auf Homosexualität. Das Deutsche Gericht muss aber diese Gesetze bedingungslos vertreten. Wieso dann diese irreführenden Kreuze im Gerichtssaal?
Verstoßen die nicht sogar gegen unser Grundgesetz, Artikel 3,3?  „Niemand darf wegen seiner religiösen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.“
Religiöse Symbole – auch Kreuze – haben deshalb logischerweise im Gericht nichts verloren.

Soll das Kreuz etwa sagen, dass man diesem Richter selbst eine Mutter als Jungfrau verkaufen kann und er auch glaubt, dass ein Mensch wie eine Taube in den Himmel fliegen kann? Eine unangenehme Vorstellung für aufgeklärte Menschen.
Der Glaube führt oft in die Irre. Was dabei heraus kommt, wenn jemandem immer gesagt wird, er solle nur glauben, dann wird es schon stimmen, auch wenn die Fakten dagegen sprechen, sieht man z- B.  beim NSU-Prozess, und nicht nur da.  Die Polizisten und Beamten dort haben versagt weil sie geglaubt haben, anstatt gründlich zu recherchieren. Sie sind in der Schule Im Religionsunterricht jahrelang zum Glauben erzogen worden. Haben wir denn aus der Geschichte nichts gelernt? Ohne solchen christlichen Religionsunterricht sind z. B. auch die Pogromnacht 1938 und der Holocaust nicht denkbar. Der krankhafte Antisemitismus des Adolf Hitler ist ein Produkt seines katholischen Religionsunterrichts. Der Glaube ist der Vater aller Vorurteile!

Ganz entscheidend ist aber die Frage, was ein muslimischer Mitbürger empfindet, der vor so einem Richter mit christlichem Kreuz im Nacken steht? Oder wird das Kreuz dann abgehängt? Auch bei Juden und Atheisten? Haben Sie einmal darüber nachgedacht, Herr Ministerpräsident, wie Sie z. B. Muslimen klarmachen wollen, dass unser Grundgesetz über ihrem Koran steht, dass unsere Gesetze Vorrang haben vor ihren Traditionen, wenn andererseits so ein religiöses, christliches Symbol in unseren Gerichtssälen hängt? In unserer pluralistischen Zuzugsgesellschaft ist es doch die wichtigste Aufgabe der Regierung, jedem unmissverständlich deutlich zu machen, dass unser Grundgesetz mit den  Menschenrechten über allem steht.. Selbstverständlich auch über unserer Bibel und auch dem Talmud!  Im Gericht ist ein christliches Kreuz deshalb obsolet.

Wie kommen diese Kreuze überhaupt dahin? Gerichtspräsidenten und Minister sind doch in der Regel gebildete Leute und kennen all diese Fakten. Haben die Angst vor der Kirche, oder wollen sie sich nur den Bischöfen oder deren Schafen – ja auch Wähler – anbiedern? Sind sie vielleicht alle aus den katholischen Verbindungen, KVer und CVer?
Vielleicht haben sie sich nach der Indoktrination im Religionsunterricht nie wieder geistig emanzipiert? Das hat nichts mit Intelligenz zu tun, sondern allein mit Mut (Kant), die anerzogene Denkblockade zu überwinden. Fehlt unserer politischen Elite in Bayern tatsächlich die Courage zum klaren, logischen und vorurteilsfreien Denken?
Ich kenne die Verantwortlichen für diese dummen Kreuze in bayerischen Gerichtssälen nicht.  
Aber als bayerischer Bürger schäme ich mich für sie.
Mit einem freundlich Sapere aude,

Dr. Heinrich Klussmann

Ergänzung von wissenbloggt:

Wiki schreibt dazu unter Kruzifix-Beschluss: Die Anbringung eines Kreuzes oder Kruzifixes in den Unterrichtsräumen einer staatlichen Pflichtschule, die keine Bekenntnisschule ist, überschreitet „die Grenze religiös-weltanschaulicher Ausrichtung der Schule“, urteilte das Bundesverfassungsgericht am 16. Mai 1995 über eine bayerische Verordnung, die die Anbringung eines Kruzifixes in allen staatlichen Schulen vorschrieb. Es symbolisiere gemäß Urteil „den wesentlichen Kern der christlichen Glaubensüberzeugung, die keineswegs von allen Gesellschaftsgliedern geteilt, sondern von vielen in Ausübung ihres Grundrechts aus Art. 4 Abs. 1 GG abgelehnt“ werde. 

Fazit: Seine Anbringung sei „daher mit Art. 4 Abs. 1 GG unvereinbar,“ schreibt wiki, aber auch: Der Beschluss blieb bis heute weitgehend ohne praktische Folgen. Klussmann ist also im Recht, aber es wird sich nix ändern.

Dazu eine Anmerkung in eigener Sache: Bei uns in dem Münchner Vorort Unterföhring liegt man über Kreuz mit grundlegenden Regeln der Verkehrsplanung, nach denen z.B. kein Fußweg unnötige rechte oder spitze Wiklel aufweisen darf, ansonsten gibt es abkürzende Trampelpfade. Diese Trampelpfade werden mit teuren Maßnahmen zugebaut, damit die Fußgänger dem Willen der Obrigkeit folgen müssen. Und an einer neuralgischen Stelle haben sie sogar ein mächtiges Kreuz in den Weg gebaut, errichtet mit Steuergeldern, um den Passanten die demokratische Wegwahl zu verunmöglichen. Ich kann Heinrich Klussmanns Ärger verstehen.

Noch ein offener Brief von Heinrich Klussmann: Wie tolerant ist christliche Toleranz?

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Eine Antwort auf Gegen Kreuze an der Wand und quer im Weg

  1. Ist Jesus wirklich an einem Kreuz gestorben? Tatsächlich, falls Jesus überhaupt gelebt hat, ist er an einen aufrecht stehenden Marterpfahl ohne Querbalken genagelt worden. Denn in den vier Evangelien ist übereinstimmend von »stauros« die Rede, womit im klassischen Griechisch ein Pfahl bezeichnet wird . Das griechische Wort für Kreuz hingegen lautet »xiasma«. Da die beiden Worte im Klang völlig verschieden sind, ist eine Verwechslung ausgeschlossen. Dieser Pfahl blieb in die Erde versenkt stehen, für den nächsten Delinquenten. 

    Demnach müssten sich die Jesus-Darsteller der Passionsspiele in Oberammergau auf ihrem nachgestellten Leidensweg nicht mit solch einem schweren Holzkreuz abmühen, Jesus hat es auch nicht getan. Höchstens hat er den Querbalken für das Kreuz geschleppt. Aber das wird Herr Seehofer wohl nicht wissen.

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