Geheime Überwachungsstationen aufgedeckt

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1280px-ExtRenditionMapDer britische Independent beginnt die Woche mit einer Enthüllungsstory: Secret state: Trevor Paglen documents the hidden world of governmental surveillance, from drone bases to "black sites" (THE INDEPENDENT 15.6.): Secret prisons, drone bases, surveillance stations, offices where extraordinary rendition is planned: Trevor Paglen takes pictures of the places that the American and British governments don’t want you to know even exist. (Bild: extraordinary rendition countries, Carwil at the English language Wikipedia).

Was also die Amerikaner und Briten nicht wissen sollen, das sind geheime Gefängnisse, Drohnenbasen, Überwachungsstationen und versteckte Büros, wo die "besonderen Auslieferungen" (s.u.) geplant wurden. Danach hat der Fotgraf Trevor Paglen in Kabul geforscht, und im afghanischen Hinterland wurde er fündig. Eine heruntergekommene Straße führte ihn zu einem Anwesen mit hohen Mmauern und Natodraht: the Salt Pit: a never-before-identified-or-photographed secret CIA prison – das Salzloch, ein niemals zuvor beobachtetes CIA-Gefängnis. Die USA haben alles getan, was in ihrer Macht steht, um die Entdeckung zu verhindern.

Solche Objekte sind das Ziel von Paglen, aber auch die mehr als 200 amerikanischen Überwachungssatelliten in ihrem Erdorbit. Amateurastronomen verfolgen ihre Bahnen, Paglen fotografiert sie. Und er hat noch mehr irdische Ziele, z.B. das Kontrollzentrum der großen US-Drohnenflotte, das in einer air force base bei Las Vegas versteckt ist.

Dann gibt es noch Ziele, die man nicht fotografieren kann, weil es Geheimdienstaktionen sind, wie das extraordinary rendition programme, das George W Bush als Antwort auf 9/11 auflegte. Es geht dabei um Kidnappen von Verdächtigen, die auf offener Straße gefangen und dann heimlich in andere Länder verbracht wurden. Die Methoden sind wie aus Krimis, aber Paglen konnte die Täter identifizieren und die Büros, wo die illegalen Aktionen geplant wurden. Die Täter wurden mit Scheinidentiäten ausgestattet, Paglen hat eine Sammlung davon angelegt, von "Leuten, die nicht existieren, weil es ihr Job ist, andere Leute verschwinden zu lassen."

Paglen ist nicht an reißerischen Stories interessiert, sondern an Aufklärung. Er beschreibt das extraordinary rendition programme laut Independent als "incredibly evil", und er dokumentiert die Täter mit seinen Fotos: Männer mittleren Alters, die aus stinklangweiligen Büros kommen und in amerikanische Autos steigen.

Auch im Britischen Königreich gibt es Ziele für ihn. Im North-York-Moor die riesigen Antennenstationen der großen RAF Fylingdales surveillance station, die in schönem Einklang mit den US-Diensten zusammenarbeitet. Im Anschluss diskutiert der Artikel die Ethik dieser Einsätze: Was ist daran falsch, böse Feinde auszuspionieren?

Paglen hält die Massenüberwachung für eine schlechte Methode, weil eine Überwachungsgesellschaft eine Gesellschaft sei, in der die Leute wüssten, dass alles aufgezeichnet wird. Und wenn sie das wüssten, gäben sie dem Konformitätsdruck nach und seien weniger bereit, ihre eigenen Positionen zu vertreten, und dieser Druck sei undemokratisch.

Noch gewichtiger ist, dass die Überwachung ein Ungleichgewicht der Macht schaffe, so Paglen. Der Staat gewinne zuviel macht über die Bürger. Das Wesen der Demokratie sei aber, dass die Macht beim Bürger liegt und nicht beim Staat. Deshalb sei ein transparenter und freiheitlicher Staat richtig, und der Überwachungsstaat sei genau das Gegenteil. Noch nie seien die Geheimdienste so mächtig, allgegenwärtig und etabliert gewesen.

Paglen will uns das bewusst machen. Im Grunde ist er ein Whistleblower wie Snowden und Manning. Er will unsere Augen auf die Probleme lenken. Die Geheimdienst-Probleme begleiten die Menschheit von Anfang an, aber seit 9/11 borden sie über. Das damalige Versagen der US-Geiheimdienste wird nun überkompensiert durch nie gesehene Geldzuwendungen, z.B. durch schwarze Kassen des US-Verteidigungsministeriums, die sich beginnend mit der Bush-Regierung verdreifacht haben, 52 Mrd. Dollar im Jahr 2012 – und ohne Snowden wüsste niemand was davon.

Paglen navigiert durch die versteckte Welt der Geheimdienste, in der eine ganz andere Logik herrsche als in der Demokratie. Er geht Spuren nach und passt dabei gut auf, keine Gesetze zu brechen, um den Geheimdiensten keine Handhabe gegen sich zu geben. Von seiner Jugend an hat er das Bedürfnis, die weißen Stellen auf der Karte mit korrekten Informationen zu füllen (und nicht mit Verschwörungstheorien).

Er sieht sich als eine Art Forscher, der die Schattenseiten beobachtet, die seit 9/11 das spezielle Studienobjekt der Geheimdienste sind. Seine Forschungsergebnisse verblüffen, wenn er z.B. herausfindet, dass die Geheimdienst-Schattenforscher die gleichen Uniformen tragen können wie andere Soldaten, und dass manche ihm sogar Informationen gegeben haben. Was ihn dann amüsierte, war die Haltung ich könnte es dir sagen, aber wenn ich es tue, muss ich dich zerstören.

Und die Angst? Die schreibt der Independent den Fotos zu, diesen gruseligen Touch, der von dem Geheimdienst-Geist kündet, und von der klandestinen Art, wie die Politiker Dinge unterzeichnen, von denen sie nicht wissen, wozu sie führen.

Der Begriff dazu ist, sie tun ihre patriotische Pflicht.

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Eine Antwort auf Geheime Überwachungsstationen aufgedeckt

  1. pinetop sagt:

    Da will der deutsche BND nicht zurückstehen und verlangt 300 Millionen für eine Nachrüstung. Hier könnte der Hebel angesetzt werden, wenn Parlamentarier dies zurückweisen wollen. SPD und Opposition haben sich bereits in dieser Hinsicht geäußert.

    Der BND will der Öffentlichkeit seine Transparenz zeigen und bringt an seinen Gebäuden jetzt ein Namensschild an. laugh

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