Zinsfalle für Ruheständler

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120px-Wir_kämpfen_für_sichere_Pensionen._(9370646906)Wie sich die EZB-Politik für Selbständige auswirkt, schildert ein ebenso witziger wie bedenklicher Artikel der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 15.6., der jetzt online gestellt wurde,  Mayers Weltwirtschaft – Ich muss immer mehr sparen (Bid: SPÖ Presse und Kommunikation).

Der FAZ-Kolumnist Thomas Mayer schreibt dem EZB-Präsidenten Draghi, was der mit seiner Politik anrichtet. Meyer rechnet Draghi vor, was die "Armee der alternden Babyboomer" für Probleme kriegen wird, wenn sie ihren Ruhestand finanzieren will. Meyers Zahlen sind nur ein Beispiel, nachzulesen in dem FAZ-Artikel, und sie tragen eine klare Botschaft: so geht es nicht.

Seit 2007 sinken die Zinsen immer weiter, während die die Altersvorsorge für gleichbleibende Versorgung um ca. 50% teurer geworden ist. Das bringt alle in Bedrängnis, die ihre Vorsorge ansparen müssen. Sie können gar nicht so schnell sparen, wie der Zinsertrag des Vermögens sinkt.

Meyer rechnet vor, wie die Sparsumme steigt, die er für seine Altersvorsorge braucht: 2007 waren es 1,1 Mio, 2010 waren es 1,4 Mio., jetzt sind es 1,6 Mio. Euro. Das bedeutet, er muss 60.000 Euro pro Jahr sparen, um nur dieselbe Sicherung zu haben. Draghis Wunsch, die Menschen sollten weniger sparen und mehr konsumieren, wird dadurch als, pardon, Verarsche entlarvt. Meyers Vorschlag:

Nachdem unser Finanzminister Schäuble der größte Nutznießer des Zinsrückgangs ist, möge dieser einen Handel mit Meyer eingehen. Meyer überschreibt ihm sein gesamtes Finanzvermögen, wenn der Finanzminister dafür seine Zahlungen übernimmt. Er soll Meyer als "individuelles Mitglied in den Europäischen Stabilitätsmechanismus aufnehmen" und ihm "die gleichen Konditionen wie Griechenland zusichern". Zu den griechischen Konditionen (Kredite mit fünfzigjähriger Laufzeit nahezu zinsfrei) kann Meyer seine Probleme bewältigen.

Also möge doch Herr Draghi ein gutes Wort bei Herrn Schäuble einlegen. Dann ist Meyer bereit, dem Wunsch Draghis zu mehr Konsum nachzukommen und nicht mehr zu sparen. Als Bonus ist er bereit, sofort einen ESM-Kredit mit fünfzigjähriger Laufzeit in Milliardenhöhe zu beantragen, und über die Zinsen lässt er mit sich reden, wenn ihm nur Schuldendienst für die ersten 25 Jahre erlassen wird.

Das illustriert auf witzige Art die traurige Diskrepanz zwischen der Behandlung der Allgemeinheit und der Staaten. Der (nicht armen) Allgemeinheit wird das Geld aus der Tasche gezogen, das den verschuldeten Staaten nachgeschmissen wird, und das letztlich als Bankenprofit endet.

Man darf das Garn weiterspinnen und die Pensionskassen einbeziehen; die haben nämlich dasselbe Problem wie Meyer. Da nicht anzunehmen ist, dass sie an die ESM-Konditionen drankommen, passiert was anderes: sie werden in riskante Investments gedrängt, um wenigstens ein Minimum an Zins zu erwirtschaften. Das erhöht die Systemrisiken signifikant.

Und was passiert mit den Pensionskassen, die es nicht gibt? Das sind die größten, nämlich die Pensionsversprechungen, die der Staat gegeben hat. Da geht es um Billionen Euro, die so unbezahlbar sind, dass schon gewitzelt wird, wann die Pensionszahlungen den gesamten Bundeshaushalt ausmachen. Weil es Pensionskassen dafür nicht gibt, verlieren sie auch nichts durch die Nullzinspolitik – das macht diese Politik so attraktiv.

Sieht so der Kampf für die sicheren Pensionen aus?

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