Die Neuentdeckung des Fermi-Paradoxons

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Essay von Jan Magnus Kurz (Initiative Humanismus)

Wir schreiben das Jahr 1950. Irgendwo, inmitten der Einöde New Mexicos der Vereinigten Staaten von Amerika, sitzen 4 Physiker vergnügt in der Kantine des Los Alamos National Laboratory. Ihr Mittagessen verkommt rasch zur Nebensache, während die vier Gentlemen aufgeregt über angebliche UFO-Beobachtungen, einen New-York-Times Cartoon und die technischen Chancen für überlichtschnelle Raumschiffantriebe diskutieren. Zumindest bei letzterem Thema kommen die Gesprächspartner darin überein, dass die technische Umsetzung in den nächsten Jahren wohl eher unwahrscheinlich sein dürfte. Man widmet sich wieder den Speisen. Einige Minuten des Essens und Schweigens später wird die Stille jedoch jäh durchbrochen, als der älteste der Wissenschaftler den Kopf hebt, über seinen Teller in den Raum blickt und laut in die Runde fragt: „Where is everybody? (dt.: Wo sind denn alle?)“ Die Herren wissen augenblicklich, was mit dieser kontextfreien Frage gemeint ist und brechen in herzhaftes Gelächter aus.

Der Mann, der die -gleich nach dem Sinn des Lebens- womöglich außergewöhnlichste Frage der Menschheitsgeschichte artikulierte, war niemand geringeres, als der Nobelpreisträger Enrico Fermi; gemeinsam mit Leo Szilard Entwickler des weltweit ersten funktionsfähigen Kernreaktors während des Manhattan-Projekts.

Seine prägnante Frage ging dank Verbreitung durch Carl Sagan seit Mitte der Siebziger als sogenanntes Fermi-Paradoxon in die Geschichte ein. Dieses Paradoxon hinterfragt die Wahrscheinlichkeit nach dem Auftreten von außerirdischem, intelligentem Leben in unserer Galaxis. Anders gesprochen lautet die Frage: „Sind wir Menschen die einzige fortschrittliche Zivilisation in unserer Milchstraße? Und falls ja, warum ist dem so?“

In diesem Artikel möchte ich genau diese Frage unter Berücksichtigung gegenwärtiger Kenntnisse und Extrapolationen insbesondere unter Anwendung der Informationstheorie aufklären.

Damit ein Paradoxon seinen (schein-)widersprüchlichen Charakter ausspielen kann, müssen die zuvor gesetzten Prämissen immer zunächst als wahr anerkannt werden. Die Basispunkte des Fermi-Hart-Paradoxons sind dabei folgende:

  • Unsere Sonne ist ein weitgehend gewöhnlicher Stern, von dessen Sorte es Milliarden weitere in der Galaxis gibt.
  • Ein Bruchteil dieser Sterne verfügt über Planeten, welche der Erde in ihren physikalischen Eigenschaften ähneln und sich in der habitablen Zone befinden.
  • Die Entstehung von biologischem Leben ist im Universum nicht ungewöhnlich, sondern erfolgt unter passenden lokalen Bedingungen durch den Einfluss der Naturgesetze, insbesondere des 2. Hauptsatzes der Thermodynamik und der Gravitationskraft im Rahmen der universellen Evolution quasi zwangsläufig.
  • Zumindest auf einem Bruchteil biotisch belebter Planeten entwickelt mindestens eine Spezies durch biologische Evolution eine hinreichend hohe Intelligenz, um schließlich technologische Entwicklung zu betreiben, welche irgendwann in stellarer Kommunikation und Raumfahrt mündet.
  • Auch ohne eventuelle überlichtschnelle oder lichtschnelle Fortbewegung ist eine vollständige Erkundung der Galaxis beispielsweise durch Neumann-Sonden oder Stasis-Raumschiffe denkbar.
  • Eine Expansion über das eigene Sternensystem hinaus bleibt trotz einfacherer hypothetischer Verlockungen wie beispielsweise der Existenz innerhalb virtueller Welten bereits aus Gründen der Energieversorgung recht wahrscheinlich.

Akzeptiert man nun diese Forderungen, was in Einklang mit bislang sämtlichen naturwissenschaftlichen Beobachtungen und Experimenten kaum ein Problem darstellt, so ergibt sich angesichts der räumlichen und zeitlichen Ausmaße der Galaxis/des Universums das Rätsel, dass demnach zwar viele hochentwickelte Zivilisationen existieren sollten, aber unsere bisherigen Beobachtungen und Untersuchungen beispielsweise im Rahmen der SETI-Projektes keinerlei Hinweise auf das Vorhandensein außerirdischen Lebens liefern.

Zur Lösung dieses Rätsels gibt es heute eine Mehrzahl an verbreiteten Argumenten. Die einfachste Antwort, bekannt als Argument der ungewöhnlichen Erde, verneint die Existenz von technisch hoch entwickelten Zivilisationen generell. Die Existenz unseres Planeten mit lebensfreundlichen Bedingungen sei demnach statistisch derart ungewöhnlich, dass es in der Galaxis keine weiteren erdähnlichen Planeten gäbe. Diese Schlussfolgerung ergibt sich teilweise aus dem Anthropischen Prinzip und dem Kohlenstoffchauvinismus. Ein weiterer Grund für den starken Zuspruch dieses schwachen Arguments sind zudem religiöse Schöpfungsmythen und sonstige ideologische Dogmen. Spätestens seit der jüngsten Auswertung des Kepler-Teleskops durch die NASA ist bekannt, dass im Durchschnitt fast jeder Stern der Milchstraße über mindestens einen Planeten als Trabanten verfügt. Unter den derzeit ca. 2000 bekannten extrasolaren Planeten befinden sich bereits mehrere, welche ihren Heimatstern in der habitablen Zone umkreisen. Zukünftige Beobachtungen werden deutlich zeigen, dass die Erde in ihrer hochspezifischen Form sicher ein seltener, aber kein einzigartiger Planet ist. Dies ist bereits angesichts der Elementverteilung im Kosmos und der großen Anzahl Planeten sehr unwahrscheinlich. Eigentlich ist die seltene Erde nicht einmal ein formelllegitimes Argument bezüglich der Frage, da bereits die Grundannahmen negiert werden.

Das nächste beliebte Argument genoss besonders während des Ost-West-Konfliktes eine hohe Plausibilität. Es ist die Hypothese der Selbstzerstörung. Carl Sagan und Frank Drake gingen im letzten Jahrhundert davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit der Vernichtung einer Zivilisation schon kurze Zeit nach Entwicklung der Radiokommunikation sehr groß sei. Anlass zu dieser Idee gab die zunehmende Gefahr eines globalen Atomkrieges im Zuge des US-Sowjet Rüstungswettlaufs, welche eine Weile die Existenz unserer eigenen Spezies bedrohte. Obwohl der technologische Fortschritt auch in Zukunft das Potential zur Selbstzerstörung mit sich bringt, so lässt sich dennoch beobachten, dass die Menschheit in sozialer Hinsicht dahingehend Fortschritte erzielt, ihre Existenzchancen auch in Zukunft eher zu verbessern, als zu verringern (nicht zuletzt dank globaler aufklärerisch/humanistischer Erfolge). Mit zunehmender Existenzdauer erhöht sich damit insgesamt dank kultureller und ethischer Weiterentwicklung die Wahrscheinlichkeit für zukünftigen Selbsterhalt. Selbst wenn sich manchmal eine außerirdische Zivilisation selbst zerstören sollte, so ist es unwahrscheinlich, dass jede Gesellschaft besonders nach kurzer Zeit so enden würde. Ein eigener Totalgenozid ist spätestens ab einer kolonialen Aufteilung auf mehrere Planeten fast ausgeschlossen. So lässt sich das Paradoxon nur wenig plausibel erklären.

Eventuell ist die Milchstraße bereits vollständig erkundet oder gar besiedelt. Die uns umgebenden raumfahrenden Gesellschaften haben sich aber in einem Konsens darauf geeinigt, nicht mit geringer entwickelten Spezies in Kontakt zu treten, bis diese eine bestimmte Entwicklungsgrenze überschritten haben. Sie schotten ihre eigene Kommunikation willentlich vor uns ab. In Anlehnung an Gene Roddenberry ist dies das Argument der Nichteinmischung oder „Obersten Direktive“. Angesichts des Umstandes, dass sich alle raumfahrenden Spezies der Umgebung auf eine Kontaktvermeidung einigen müssten, fällt es schwer zu glauben, dass alle die gleiche Entscheidung treffen würden. Die kulturellen Differenzen zwischen verschiedenen Spezies dürften so groß sein, dass eine solche Abmachung nicht trivial ist. Damit büßt dieses Argument an Plausibilität ein; es erinnert in seiner Darlegung ohnehin an die Postulierung unsichtbarer Ersatzgötter.

Der nächste Einwurf zum Fermi-Paradoxon ist mehr verschwörerischer Natur. Er besagt, dass eine Kontaktaufnahme längst erfolgt ist und unsere Regierungen die Entdeckung geheim halten. Diese Möglichkeit darf man getrost als grotesken Unsinn abtun. Eine so epochale Neuigkeit ließe sich nicht auf Dauer geheim halten. Insbesondere in Zeiten einer globalen Infonetzstruktur wäre auch das kleinste ernsthafte Indiz für einen solchen Fall in kürzester Zeit viral. Selbst die jüngsten Geheimdienstoffenbarungen von Manning und Snowden haben keine Alien-Neuigkeiten aus Area 51 oder dem LLNL hervorgebracht, was der ultimative Beweis gegen diese Hypothese sein dürfte.

Zuletzt wird manchmal angeführt, dass technisch weit entwickelte Spezies eventuell keine Kommunikation durch elektromagnetische Strahlung betreiben, weil innerhalb dieses Entwicklungsstadiums bereits eine Nachfolgetechnologie dafür bereit steht. Eine andere Möglichkeit wäre, dass die Nachrichten zu stark komprimiert sind, um sie von der kosmischen Hintergrundstrahlung zu unterscheiden. Auch hier gilt die Frage: wie wahrscheinlich ist, dass mehrere Zivilisationen alle zu dem gleichen Schluss kommen, unentdeckt bleiben zu wollen oder auf Basis gleicher Technologien zu kommunizieren? Je höher die Gesamtzahl anderer Gesellschaften in der Galaxis, desto geringer die Erklärungskraft dieses Arguments. Auch auf Erden gilt: moderne Technologien schwächen den Einsatz veralteter Methoden stark ab, ersetzen ihn aber selten vollständig, da immer einige Nutzungsnischen bleiben.

Es zeigt sich, dass die populären Erklärungsversuche keineswegs als gute Argumente zur Lösung des Paradoxons dienen können. Zwar existieren noch weitere Abwandlungen dieser fünf Hauptannahmen, welche meist spekulativer soziologischer Natur sind, auch statistische Argumente gibt es des Öfteren, befriedigend und angesichts der Datenlage vollendet schlüssig sind sie, wie wir gesehen haben, nicht.

Wie lässt sich also eine befriedigende Antwort auf dieses Rätsel finden, die zumindest bei gegenwärtigem Kenntnisstand rational nachvollziehbar ist und auf einer falsifizierbaren Basis aufbaut? Um die Antwort darauf zu finden, müssen wir zunächst etwas weiter ausholen und kurz die Hauptannahmedieses Modells betrachten. Hierbei handelt es sich um ein informationstheoretisches Konzept entwickelt in den 90er Jahren durch den einflussreichen amerikanischen Ingenieur, Futuristen und Technologiemagnaten Dr. Raymond Kurzweil, welches er in seinem Werk „The Singularity Is Near“ detailliert der Öffentlichkeit beschreibt. Basierend auf vorhergehenden Studien u.a. von Carl Sagan, Vernor Vinge und unzähligen weiteren Analytikern entwickelte er ein mathematisches Modell namens "Law Of Accelerating Returns", quasi eine informationstheoretische Verallgemeinerung von Moore´s Law aufbauend auf verschiedenen Paradigmenwechseln seit Anbeginn der Menschheit. Das mathematische Ergebnis dieser Betrachtung ist eine Exponentialfunktion, welche die zeitliche Evolution informationsbasierter Prozesse beschreibt: W = exp(e^t); also eine zeitlich doppelt exponentielle e-Funktion.

Gemäß diesem Graphen haben wir das Knie der Kurve heute bereits überschritten. Laut diesem Modell (falls es bis dahin noch Gültigkeit besitzen sollte) wird ungefähr in den Jahren 2045 – 2050 ein besonders steiler Anstieg dieser Funktion zu erwarten sein. Dies wird in Anlehnung an die Physik oft als Singularität bezeichnet, ab welcher der technologische Fortschritt so schnell von statten geht, dass er sich durch einfache Beobachtung im heutigen Stil nur noch schwer mitverfolgen lässt. Selbst wenn Kurzweils mathematisches Modell trotz seiner bisherigen praktischen Erfolge nicht vollständig korrekt sein sollte, so lässt sich ein exponentieller Leistungsanstieg sämtlicher informationsverarbeitender Prozesse, einschließlich des globalen Energiebedarfs als deren Grundlage nicht übersehen. Je flacher der Graph, desto länger sind somit die hier geschilderten Zeiträume. Der prinzipielle Verlauf ändert sich jedoch nicht.

Auf Grundlage dessen geht Kurzweil davon aus, dass jede Zivilisation, die auf dem technischen Stand ist Radiowellen zu versenden, innerhalb der nächsten 200 – 300 Jahre zu einer Typ II Zivilisation (nach Kardaschow) wird, welche die gesamte Energie ihres Sternensystems gewinnt und dieses kolonialisiert hat (konservativere Daten sprechen hier von bis zu 2200 Jahren, der präzise Wert ist aber unerheblich). Angesichts des Alters des Universums, der prognostizierten Anzahl Planeten und der relativ kurzen Entwicklungszeit intelligenter Lebewesen müsste es sehr viele solcher Zivilisationen geben, die uns weit voraus sind, dennoch haben wir nicht einmal in unserer Galaxis einen Hinweis auf die Existenz einer solchen. Sollte solch eine Zivilisation in der Milchstraße existieren, so hätte sie in recht kurzer Zeit (bis 7500 Jahre, konservativ) die Galaxis als Typ III Zivilisation kolonialisiert oder zumindest erforscht und kartographiert. Das ist ganz offenbar nicht der Fall. Der plausibelste Grund dafür (abseits der klassischen Erklärungsversuche) ist die Annahme, dass eine so hoch entwickelte Spezies noch nicht existiert. Ray Kurzweil geht darum davon aus, dass es zwar viele Bewohnte Planeten in der Galaxis gibt, aber keine Spezies davon bisher den Entwicklungsgrad der Menschheit erreicht hat und wir darum der galaktische Gipfel der biologischen Evolution seien. Ich halte diesen Rückschluss für überzogen und bin lieber vorsichtiger, aber es wäre realistisch, dass die fortschrittlichste Spezies zumindest im nähren galaktischen Sektor uns nicht um mehr als 200 – 300 Jahre technologisch voraus sein kann, da wir ihre Emissionen sonst wohl durch SETI oder anderweitig entdeckt hätten. Die Vorstellung, wir gehörten metaphorisch zu den Top 10 der entwickelten Zivilisationen der Milchstraße halte ich für akzeptabel und angesichts der derzeitigen Kenntnislage für hinreichend theoretisch begründet. Zugegebenermaßen kann man glatt zum Zyniker werden, wenn man den Fernseher einschaltet oder in die Zeitung sieht, den gegenwärtigen Zustand und die Geschichte der Menschheit betrachtet und danach behauptet, wir seien im galaktischen Maßstab hochzivilisiert, aber an dieser Stelle wären wir bereits bei Douglas Adams und seiner eindringlichen Warnung vor frühzeitiger Resignation angesichts vermeintlicher Absurdität angelangt.

Sofern man sich aber bereit erklärt dieser Betrachtung mit dem mangels besserer Alternativen angemessenen Grad an Akzeptanz zu begegnen, wird man sich in neuem Maße der Bedeutung und Verantwortung der eigenen Zivilisation unseres „Pale Blue Dots“ auch und insbesondere in stellarem Maßstab bewusst. Vermutlich werden wir bereits innerhalb des nächsten Jahrzehnts dank besserer orbitaler Beobachtungs- und Analysemethoden auf zig tausende weitere Planeten stoßen und unter diesen im Rahmen der Möglichkeiten erste Hinweise auf extraterrestrisches Leben erhalten. Diese Vorstellung sollte uns darum nicht abschrecken oder gar an den eigenen gegenwärtigen Problemen verzweifeln lassen, sondern uns im Gegenteil ermuntern, den Widrigkeiten des Lebens vehement zu trotzen und unsere Lebensumstände weiter zu verbessern. Sollte sich in näherer Zukunft nämlich tatsächlich abzeichnen, dass der Menschheit eine technische und kulturelle Vorreiterrolle zumindest in einem winzigen Winkel des Universums beschieden ist, so wäre es heute unverzeihlich, unser großes Entwicklungspotential als Homo Sapiens durch religiöse und ideologische Dogmen, Anti-Intellektualismus und Technologiefeindlichkeit, sowie rückständige und irrationale Weltanschauungen zu gefährden. Evolutionärer Humanismus und utilitaristische Ethik geben uns die Leitfäden für die Zukunft an die Hand. Nutzen wir sie als Chance und Werkzeug, sprichwörtlich nach den Sternen zu greifen. Biologisch, technisch, kulturell – menschlich.

In diesem Sinne,

A still more glorious dawn awaits, not a sunrise, but a galaxy-rise–Carl Edward Sagan (1980)

 

Jan Magnus Kurz,  19.06.2014

 

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10 Antworten auf Die Neuentdeckung des Fermi-Paradoxons

  1. Ich finde es gut, dass mit solchen neuen Autoren der Anspruch der Seite, dass hier "Wissen bloggt" wieder etwas Auftrieb erhält.

    Wir werden noch mehr von ihm und anderen hören :-)

  2. Wilfried Müller sagt:

    Ich finde den Artikel von Jan Magnus Kurz auch gut, nur handelt es sich um einen spekulativen Artikel. Wir wissen eben nicht, dass wir "unter diesen (Planeten) im Rahmen der Möglichkeiten erste Hinweise auf extraterrestrisches Leben erhalten", sondern das ist eine Vermutung, nicht mehr. Die Spekulation über weitere Rassen ist Science Fiction, die an religiöse Rabulistik gemahnt, so ähnlich wird da auch argumentiert, um Götter aus dem Zylinder zu ziehen.

  3. ilex (E. Ahrens) sagt:

    Selbst wenn es ausgerechnet in unserer Galaxis keine anderen intelligenten Wesen gäbe – so führt schon die wahrscheinliche Existenz dieser Wesen in den unzähligen anderen Galaxien zur Kleinschrumpfung eines für die Erde zuständigen "Schöpfergottes".

    Dessen ungeachtet ist es eher wahrscheinlich, dass wir Kollegen auch in der eigenen Galaxis haben. Hat mit Science-Fiction eher weniger zu tun, eher mit den relativ großen Entfernungen im Weltraum, dass wir von ihnen nichts genaues wissen.

  4. Peter H. sagt:

    Würde mich auch freuen, mehr zu diesem und ähnlichen Themen zu hören.

    Mir gefallen die Überlegung zum Fermi-Paradox, da hier gezeigt, wie man sich einem solchen Problem nähern kann. Spekulieren ja – aber auf Basis vom derzeitig Stand der Forschung, dass ist halt mehr als Behauptungen aus dem Zylinder zu ziehen.

    Um zu erklären, warum noch keine Außerirdischen bei uns angekommen sind, muss man sich mit der Frage beschäftigen (da die Schlußfolgerung korrekt durchgeführt ist), welche der Vorraussetzung wohl nicht zutrifft.

    Mein eigener Tipp wäre der vierte Punkt: Entwicklung von Leben zu intelligentem (und technisch begabtem) Leben. Auf der Erde hat der erste Schritt von Einzellern zu Vielzellern 4 Milliarden Jahre gedauert. Also ist dieser Schritt in der Evolution möglicherweise nicht einfach?

     

     

     

  5. Wilfried Müller sagt:

    Man weiß ja nicht, ob sich anderes Leben bei uns entwickelt hat, ohne harte Bestandteile, die überdauern konnten. Vielleicht haben die Zellen mit DNS usw. eine Menge anderes Zeugs geschluckt, das vorher dominiert hat? Wenn es wirklich 4 Mrd. Jahre bis zu höheren Formen dauert, fallen viele Sterne aus dem Raster raus, die kurzlebiger sind. Vielleicht schreiben ja Ilex oder Peter H. drüber?

  6. Peter H. sagt:

    Die Zahl raumfahrender Zivilisation kann man analog zur Drake-Gleichung (https://de.wikipedia.org/wiki/Drake-Gleichung) abschätzen:
    N = Zahl der Sterne in der Milchstraße
    fp = Prozentsatz der Sterne mit Planetensystemen
    ne = Zahl der Planeten in habitabler Zone pro Stern
    fl = Prozentsatz der Planeten mit Leben (zu allen Planeten)
    fi = Prozentsatz der Planeten mit intelligentem Leben (zu Planeten mit Leben)
    fc = Prozentsatz von Planeten mit raumfahrender Zivilisation (zu allen Planeten mit intelligentem Leben)
    Für einige der Zahlen hat man ganz gute Schätzwerte, andere sind nur Spekulation auf Basis der Entwicklung auf der Erde und mit einer Stichprobe von 1 tut man sich naturgemäß schwer.
    Alles miteinander multipliziert (unter Vernachlässigung von Entwicklungseffekten) ergibt das die Zahl der raumfahrenden Zivilisationen in unserer Milchstraße.

    Da die Zahl der Sterne in der Milchstraße sehr groß ist (um die 200 Milliarden), muss mindestens eine der anderen Zahlen sehr klein sein, um damit das Fermi-Paradoxon zu lösen.

    fp: Als ich noch studiert habe, kannte man noch keine Planeten außerhalb des Sonnensystems; inzwischen hat sich herausgestellt, dass Planeten nicht selten sind und sogar dort exisitieren, wo man sie früher nicht vermutet hätte (z. B. Doppelsternsysteme).

    ne: Planeten in habitabler Zone. Hier kommt auch der Einwand von Wilfried Müller zum tragen, dass der Stern langlebig genug sein muss, damit sich höheres Leben entwickeln kann. Allerdings ist ein Großteil der Sterne in dieser Hinsicht geeignet, da die Mehrzahl der Sterne sogar noch älter als die Sonne werden wird.

    fl: Wie wahrscheinlich ist die Entwicklung von Leben? Hier ist viel Raum zur Spekulation. Das Miller-Urey-Experiment (https://de.wikipedia.org/wiki/Miller-Urey-Experiment) deutet an, dass zumindest die Entstehung der Grundbausteine für Leben leicht möglich ist. Anscheinend hat dieser Schritt in der irdischen Entwicklung in recht kurzer Zeit stattgefunden. In einigen Jahren lässt sich dieser Wert vielleicht experimentell bestimmen, da es mit den dann vorhandenen Teleskopen möglich sein sollte, eventuell vorhandene Hinweise auf Leben in Form von biologisch erzeugten Molekülen in Planetenatmosphären nachzuweisen.

    fi: Entwicklung zu intelligentem Leben. Hat hier auf der Erde geklappt, allerdings erst nach Milliarden Jahren und nur für eine der Millionen Arten.

    fc: Entwicklung der interstellaren Raumfahrt. Ist technisch in etwa in Reichweite, wenn man es nicht eilig hätte und man den Aufwand nicht scheute (große Schiffe mit Geschwindigkeiten weit unter Lichtgeschwindigkeit und Flugzeiten in Tausenden von Jahren -> erst spätere Generationen würden ankommen).

    In der Drake-Gleichung spielt noch die Lebensdauer einer Zivilisation eine Rolle. Für eine raumfahrende Spezies würde ich annehmen, dass viele der diskutierten Möglichkeiten für das Ende einer Zivilisation (massive Vulkanausbrüche, Kometeneinschläge, Viren, etc.) nicht mehr relevant wären, sobald eine Zivilisation sich auf mehrere Planeten oder gar mehrere Sternensysteme verteilt hat.
     

  7. Christoph Deblon sagt:

    @Peter H.

    "Entwicklung der interstellaren Raumfahrt. Ist technisch in etwa in Reichweite, wenn man es nicht eilig hätte und man den Aufwand nicht scheute (große Schiffe mit Geschwindigkeiten weit unter Lichtgeschwindigkeit und Flugzeiten in Tausenden von Jahren -> erst spätere Generationen würden ankommen)."

    Da möchte ich widersprechen.

    Um sog. "Generationen-Raumschiffe" oder "Habitate" auf Reise schicken zu können, müssen diese so groß sein, daß quasi eine ganze Menschheit unterwegs sein kann, um das technische Level bei erreichter Arbeitsteilung aufrechterhalten zu können. Dazu gehören auch die funktional nicht so direkt in Wissenschaft/Technik Beteiligten, wie Kulturschaffende und Faulenzer, vielleicht sogar die "Religiösen". Eine zweckmäßigere Gesellschaft zu konstruieren und aufrechtzuerhalten wird nicht gehen. Solche Habitate müssen sich schon jahrtausendelang im Sonnensystem bewährt haben, bevor man daran denken kann, sie auf Sternenreise zu schicken. Das ist also in absehbarer Zeit keineswegs machbar.

  8. Peter H. sagt:

    ~~Eine Idee, die ich mal in einem Science Fiction Roman gelesen habe, war, dass sich die Menschheit im Asteroidengürtel ausgebreitet hat. Für die dort lebende Bevölkerung wäre es in vielerlei Hinsicht kein wesentlicher Unterschied, um man sich um die Sonne oder auf dem Weg zu einem anderen Stern befindet. So könnte man sich einen kontinuierlichen Entwicklungsweg zu Generationenraumschiffen vorstellen.

    Ich habe keine Ahnung, wie groß eine Bevölkerung sein müsste, um Tausende von Jahren einer Reise zu überstehen. Ich vermute, nicht einmal ein Soziologe könnte das beantworten oder gibt es dazu Anhaltspunkte?
    Aber die unbedingte Notwendigkeit von Kulturschaffenden, Faullenzern oder Religiösen sehe ich nicht, wäre aber in meinen Augen auch kein unüberwindliches Hindernis. Machen die Kulturschaffenden mehr als ein paar Prozent der Bevölkerung aus?
    Ein Raumschiff wäre ja nicht einmal von der menschlichen Kultur abgeschnitten, da ein Austausch per Funksignal einfach möglich wäre. Die Situation wäre wie in weit abgelegenen Plätzen (vielleicht Dörfer im tiefsten Sibirien), wo nur selten ein Reisender vorbeikäme – man erführe vielleicht erst Jahre später, dass es keinen Zaren mehr gibt, aber man wäre überlebensfähig?

    Einen Einwand jedenfalls gäbe es nicht: Die genetische Vielfalt wäre auch in einer relativ kleinen Gruppe durch vorhandene Methoden der Fortpflanzungsmedizin zu erhalten.

    Alternative und im Sinne des Fermi-Paradoxons genauso wirksam wäre auch eine Besiedelung der Milchstraße mit sich selbst reproduzierenden Robotern, die im Zielsternsystem weitere Roboter bauen, die dann weitere Sterne anfliegen (http://de.wikipedia.org/wiki/Von-Neumann-Sonde).

  9. Wilfried Müller sagt:

    Ich teile die Skepsis von Christoph Deblon, mal ganz abgesehen von der Energiefrage. Ein Raumschiff auf Lichtgeschwindiigkeit zu beschleunigen, frisst den größten Teil seiner Materie auf, vorausgesetzt, man schafft es überhaupt, sie in Vortriebsenergie zu verwandeln.

    Das mit der Roboterzivilisation halte ich allerdings auch für realistisch. Bei den Menschen gibt's aber Probleme, die Peter H. nicht nennt: Funkverkehr über Lichtjahre dauert Jahre, während der Flug selber kürzer wirkt wegen der Zeitdilatation. Mir sträubt sich bloß das Gefieder, wenn man die Außerirdischen so per Wahrscheinlichkeitsfaktoren herbeirechnen will. Am Ende kommen dann 99,999% Wahrscheinlichkeit raus. Wäre das ein Thema für Hirntäuschungen?

  10. Christoph Deblon sagt:

    @Wilfried Müller:

     

    Peter H.meint allerdings die sog. "Generationenraumschiffe":

    http://de.wikipedia.org/wiki/Generationenraumschiff

    bei denen die Reisezeit in Jahrtausenden zu veranschlagen ist, und deren Besatzung daher mehrere Generationen überdauern muß.

    Das scheint mir nur mit einer gigantischen Anzahl an Personen möglich.

    Ein Gedankenexperiment:

    Würde man einer Millionenstadt mit Umland, die _völlig_ vom Rest der Menschheit isoliert wäre (abgesehen von Funkkontakt mit jahrelangen Antwortzeiten) eine Chance einräumen, auf gegebenem technischen Niveau Jahrtausende existieren zu können?

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