Data sharing made in NSA

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Ende Juni mussten alte Vorfälle aufgewärmt werden, um die NSA im Gespräch zu halten, die Süddeutsche Zeitung und der Spiegel berichteten zeitgleich über Schnüffelorgien aus den Jahren bis 2007 (Bild: bastiyxc, Wikimedia Commons):

 

  • Geheimdienst-Kooperation – Gedränge am Daten-Drehkreuz (SZ 26.6.): In Frankfurt befindet sich der größte Internetknoten der Welt. Von hier aus versorgte der BND den US-Geheimdienst NSA mit Daten – ohne dass jemand davon wusste. Impulse dazu kamen auch von der damaligen rot-grünen Regierung.
  • Datenknoten Frankfurt: BND gab jahrelang Telefondaten an die NSA (SPIEGEL ONLINE 25.6.): Die "Süddeutsche Zeitung", NDR und WDR berichten unter Berufung auf einen Insider, der BND habe von 2004 bis 2007 den amerikanischen Kollegen Daten weitergeleitet, die er an einem angezapften Datenknotenpunkt in Frankfurt abgefangen habe. Weil diese Form der Zusammenarbeit offenbar "zu heikel" war, wurde sie 2007 beendet.

Im selben Monat nutzte der BGH die Gelegenheit, wieder mal die Rechte des Täters gegenüber dem Opfer zu stärken, die SZ dazu in Auskunftspflicht von Internetportalen – BGH schützt anonyme Online-Kommentare (1.7.): Ein Patient beschwert sich in einem Internetportal über seinen Arzt, allerdings mit falschen Behauptungen. Der Eintrag verschwindet aus dem Netz. Doch den Namen des Patienten muss das Portal nicht herausrücken.

Mit solchem blindlings verfochtenen Täterschutz wird das internationale Geschehen konterkariert. Während die Geheimdienste ihr data sharing perfektionieren, trachten die Hardcore-Datenschützer immer noch nach Kopierverhinderung. Dabei zeigt uns die NSA immer wieder, wie unrealistisch das in der infosphere ist.

Aktuelle Kritik an den Daten-Taliban der NSA hat sich an den Aussagen eines Whistleblowers entzündet, Thomas Drake im NSA-Ausschuss – Bundesnachrichtendienst ein "Wurmfortsatz der NSA" (SZ 4.7.): "Geheime Schattenbeziehungen": Am ersten Tag des NSA-Untersuchungsausschusses erheben Ex-NSA-Mitarbeiter schwere Vorwürfe gegen BND und NSA. Demnach lieferten die Deutschen auch Informationen für den US-Drohnenkrieg – und verstoßen potenziell gegen die Verfassung.

Ein weiterer Ex-NSA-Mitarbeiter geht den Weg von Snowden und Manning. Laut Drake streuten BND und NSA "kryptologischen Sand" in die Augen der Menschen, um ihre Verbindungen und "geheimen Schattenbeziehungen" zu verschleiern. Am Zag vorher hatte die SZ noch berichtet, Ex-NSA-Direktor im U-Ausschuss "Wir haben einen falschen Weg eingeschlagen'': Totale Überwachung entgegen aller rechtlicher Beschränkungen: William Binney, ein früherer technischer Direktor der NSA, hat im Untersuchungsausschuss des Bundestags seinen früheren Arbeitgeber scharf kritisiert. Die NSA habe die USA zu einem Staat gemacht, der im Widerspruch zu seiner Gründungsidee stehe.

So richtig rundet sich das Thema ab mit einer weiteren Meldung der SZ vom selben Tag, Digitale Verschlüsselung – Wer sich schützt, ist verdächtig (3.7.): Die NSA überwacht einen 27-jährigen Deutschen. Offenbar allein deshalb, weil er sich mit Verschlüsselung befasst. Die einzige Konsequenz kann da nur sein, dass sich jeder einzelne im Netz selbst besser schützt.

Also das NSA-Datensharing geht im Geheimen und mit Hilfe der guten Freunde vom deutschen BND und vom britischen GCHQ weiter, und wer sich gegen den Datenraub wehrt, gerät in den Focus der Ermittlungen. Mal sehen, wie es dem Schreiber dieses ergeht, der gleich mehrere NSA-sichere Verschlüsselungsprogramme geschrieben hat.

Einerseits möchte man ja den Kampf gegen den Terrorismus unterstützen, der zu solcher Jagd auf Verschlüsselung geführt hat. Andererseits möchte man aber einen sauberen Umgang mit seinen Daten erleben. Allem Anschein nach ist das bei den Schnüffologie-Zentralen nicht gewährleistet.

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