Christlicher Humanismus


Am 14. Juni 2014 berichtete Wissenbloggt über die Anstrengungen des Kardinal Marx, einen neuen, „christlichen“ Humanismus zu kreieren (siehe „Christliche Vereinnahmung des Humanismus?“ http://www.wissenbloggt.de/?p=24542)

Daraufhin wurde unser Sprecher Manfred Silberberg aktiv und wollte den Dingen auf den Grund gehen. So schrieb er an die

„Pressestelle des Erzbistums München

Mit Freuden haben wir gelesen, dass Herr Kardinal Marx einen zeitgemäßen Humanismus befürwortet. Was am Humanismus speziell christlich sein muss erschließt sich uns zwar nicht, aber wir, die Sprecher der "Initiative Humanismus" würden uns freuen, wenn wir in einen Dialog zu diesem Thema mit Ihnen treten könnten.

Als Anhang fügen wir Ihnen unser Manifest, unsere Ausarbeitung zum Thema Humanismus, bei.

Mit freundlichen Grüßen

Manfred Silberberg

(Sprecher Menschenrechte/Trennung Staat-Religion)“

Obwohl wir wissen, dass Gottes Mühlen langsam mahlen, hatten wir nach der langen verstrichenen Zeit bereits die Hoffnung aufgegeben, jemals eine Antwort zu erhalten. Doch manchmal geschehen auch Zeichen und Wunder und gestern erhielten wir die Antwort, die ich unkommentiert hier wiedergebe:

„Sehr geehrter Herr Silberberg,

für Ihre Email vom 14. Juni 2014 an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und das beigefügte Manifest danke ich Ihnen. Er hat mich gebeten, Ihnen zu antworten.

Sie sprechen in Ihrer Email die Äußerungen des Kardinals über einen „europäischen Humanismus für das 21. Jahrhundert“ an. In der Tat hat er bei einem Kolloquium im Collège des Bernardins in Paris am 10. Juni 2014 dafür plädiert, dass Christen den aktuellen globalen Herausforderungen wie Migration, Umweltzerstörung, Armut oder ungerechter Ressourcenverteilung mutig begegnen sollen. Das Engagement für ein globales Gemeinwohl muss ein wesentlicher Teil des christlichen Lebens sein.

Es ist zu begrüßen, dass sich auch die „Initiative Humanismus“ für die grundgesetzlich verankerten Menschenrechte, für Frieden, Freiheit und die Gleichberechtigung der Geschlechter einsetzt. Humanisten wie Christen verfolgen so das gemeinsame Grundanliegen, die Würde des Menschen zu schützen.

In der Konkretion dieser Desiderate sowie von ihren weltanschaulichen Voraussetzungen her treten jedoch auch erhebliche Differenzen zutage. Christen glauben an Gott als den Schöpfer allen Lebens und die Quelle des Guten, der der Ursprung von allem ist und alles erhält. So kommt dem Menschen zwar ein Recht auf Selbstbestimmung zu, jedoch erstreckt sich dieses nicht auf das Leben als solches. Das Leben darf als Gabe Gottes angenommen werden und ist an seinem Beginn und seinem Ende der Verfügung des Menschen entzogen.

Die katholische Kirche sucht immer wieder das Gespräch zwischen Glaubenden und Nichtglaubenden, so etwa bei der Veranstaltung „Vorhof der Völker“, die vom 26. bis 28. November 2013 in Berlin stattfand. Sie ist bestrebt, die gesellschaftliche Debatte über die Gottesfrage, die Würde des Menschen, die Globalisierung und die sich daraus ergebenden Konsequenzen hinsichtlich Fragen der Ethik und der Lebensführung weiterzuführen. Katholische Akademien und andere kirchliche Einrichtungen greifen diese Themen immer wieder auf und beteiligen hier regelmäßig Vertreter unterschiedlicher Konfessionen und Weltanschauungen.

Mit nochmaligem Dank für Ihr Schreiben verbleibe ich mit freundlichen Grüßen

Ihre Dr. Ilkamarina Kuhr

Deutsche Bischofskonferenz Bereich Glaube und Bildung

Kaiserstraße 161 53113 Bonn Tel.: 0228/103-275 Fax: 0228/103-201 email: g.etscheid@dbk.de