® Indoktrinierung wirkt

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Kinder fallen auf Märchen rein, auch auf religiöse. Das ist das Ergebnis von vielen Untersuchungen, darunter zwei Studien, über die Cognitive Science berichtete (1. Link unten). Der Artikel befasst sich damit, wie 5- bis 6-jährige Kinder Fakten und Fiktionen unterscheiden. Ein anderer Artikel fordert, die Frühkindliche Indoktrination zu stoppen (2. Link unten), ein weiterer befasst sich mit der aktuellen Lage bei der politischen Einhegung der Indoktrinierung im türkischen Konsulatsunterricht (3. Link unten). Ergebnis: es passiert dasselbe wie bei den Koranschulen – nämlich nix (Bild: Nemo, pixabay).

Bei den erwähnten Studien zeigte sich, dass die Urteilsfähigkeit der indoktrinierten Kinder stark vom Auslieferungsgrad an die Religion abhängt. Wenn die Kinder Kirchgänger oder Besucher eines konfessionellen Kindergartens waren, fielen sie viel leichter auf vorgegaukelte Personen herein. Kinder, die der Religion nicht ausgesetzt waren, konnten viel realistischere Urteile abgeben. Das Ganze wurde mit und ohne Hinblick auf Wunder und Magie gecheckt, und in beiden Fällen konnten die säkular aufgezogenen Kinder die Fiktion als  Täuschung erkennen. Als Ergebnis wird ein starker Einfluss der Religion auf das kindliche Unterscheidungsvermögen konstatiert: Wer auf die religiösen Märchen reinfällt, fällt auch auf normale Märchen rein. 

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung verarbeitet das zu einem Sekundärartikel (4. Link unten): Demnach können Kinder sehr gut zwischen Fakten und Fiktionen unterschieden, wenn sie eine Geschichte hören – aber nur, wenn sie nicht religiös erzogen werden. Das fand die Studie anhand von fiktiven Geschichten heraus.

Die Testgeschichten gingen zum Beispiel so: „David musste eines Tages gegen ein Monster kämpfen, das eine Rüstung trug. David hatte keine Rüstung, darum  betete er und fragte Gott um Hilfe. Dann warf David einen Stein nach dem Monster, und Gott gab dem Stein so große Kraft, dass er das Monster tötete. So gewann David den Kampf!“

Alternativ dazu wurde ein religionsfreies Märchen erzählt, in dem David einen magischen Stein fand und damit das Monster tötete. Die dritte, realistische, Version der Geschichte erzählte von einem David, der gegen einen großen Mann mit schwerer Rüstung kämpfen musste. Durch Nachdenken und Beobachtung kam er dahinter, wo die Schwachstelle in der Rüstung des Gegners lag, so dass er in besiegen konnte.

Die Frage an die Kinder lautete dann, ob sie die Protagonisten für reale oder fiktive Personen hielten. Das Ergebnis fiel sehr unterschiedlich aus. Wer nicht religiös erzogen wurde, konnte die fantastischen Geschichten als Fiktion einschätzen. Religiös indoktrinierte Kinder hielten sogar Personen aus religiösen Geschichten für real.

Und das bei 84% Religionszugehörigkeit der amerikanischen Familien. D.h. 84% der amerikanischen Kinder werden mit hoher Wahrscheinlichkeit auf konfessionelle Schulen geschickt und in Gottesdienste. In Deutschland sind es nach Zahlen vom Bundesfamilienministerium etwa 50%, die ihre Kinder zum Religionsunterricht schicken möchten, und 52% wollen den Kindern den Gottesglauben eintrichtern (Stand 2014).

Der Indoktrinierungserfolg ist unabhängig davon, ob die Kinder durch die Familie oder die Schule irregeleitet werden (wahrscheinlich auch durch die Medien, wb). Ein bemerkenswerter Artikel, der das bestätigt, was man ohnehin befürchtete: Kinder werden durch Indoktrinierung regelrecht missbraucht (siehe auch wb-Links unten Missbrauch).

Um die Gegenmeinung zu Wort kommen zu lassen: Andere Säkulare plädieren für den Religionsunterricht, weil er nicht indoktrinierend sei und Weltoffenheit vermittle (5. Link unten). Beim deutschen Religionsunterricht mag das sein oder auch nicht, aber in der Koranschule wohl kaum (Standpunkt wb, wb-Links unten Koranschulen).

Man darf bilanzieren, dass sich jede Anstrengung im Kampf gegen Religionsunterricht und gottbesoffene TV-Sendungen lohnt (wb-Links unten 2* TV). Es ist Missbrauch, den Kindern die Urteilsfähigkeit zu beschneiden. Leider hat niemand aufgrund der erwähnten Studien Klage gegen die Indoktrinierung erhoben, und die Kultusminister ducken sich immer noch weg – dabei hat doch jedes Kind das Recht auf Aufklärung und auf ein realistisches Weltbild.

 

(Dieser Artikel wurde am 6.8.14 veröffentlicht und am 18.10.17 upgedated und ergänzt)

Links aus den Medien:

  1. Judgments About Fact and Fiction by Children From Religious and Nonreligious Backgrounds,(Cognitive Science 3.7.14): Children who went to church or were enrolled in a parochial school, or both, judged the protagonist in religious stories to be a real person, whereas secular children with no such exposure to religion judged the protagonist in religious stories to be fictional.
  2. Frühkindliche Indoktrination stoppen! (Answers Without Questions 21.8.16): Frühkindliche Indoktrination ist eine perfide und kritikwürdige Form des Missbrauchs kindlicher Kritiklosigkeit. Demnach ist es die wohl wirkungsvollste Methode, religiöse Wahngedanken an die jeweils nächste Generation zu übertragen. Über die Jahrhunderte haben es die Vertreter der christlichen Kirchen geschafft, vielfältige Techniken zu perfektionieren und zu etablieren – dabei fällt es religiös indoktrinierten und immunisierten Menschen meist überhaupt nicht auf, wie hinterhältig diese Methoden eigentlich sind.
  3. Die Kultusminister und der Konsulatsunterricht Keine Angst vor Indoktrination aus Ankara (Der Tagesspiegel 13.10.17): Ungeachtet der national-religiösen Inhalte des türkischen Konsulatsunterricht unternimmt die Kulturministerkonferenz erst einmal – nichts. Zur Türkei verliert sie kein Wort. Die Kultusverwaltungen ignorierten die staatliche türkische Beeinflussung der Kinder in hunderten öffentlichen deutschen Schulen (vor allem die 40.000 Kinder im Konsulatsunterricht). Dort sind im Lehrplan Inhalte enthalten, die für mehr als besorgniserregend und nicht hinnehmbar gehalten werden, und als nationalistisch und islamistisch gelten. Zudem geht es um das "Spitzelnetzwerk Erdogans", dessen "langer Arm" dadurch bis in deutsche Klassenzimmer reicht. Trotzdem konnte sich die Kultusministerkonferenz bei ihrer Oktobertagung am Donnerstag nicht gegen den Konsulatsunterricht positionieren. (Anmerkung wb: bei der Rechtschreibreform kannte sie keine solche Zurückhaltung. Da wurde blindlings drauflosreformiert und -gepfuscht.)
  4. Studie – Wer an Gott glaubt, glaubt auch an Aschenputtel (Frankfurter Allgemeine Zeitung 5.8.14): Kinder können sehr gut zwischen Fakten und Fiktionen unterschieden, wenn sie eine Geschichte hören. Aber nur, wenn sie nicht religiös erzogen werden, wie eine neue Studie herausfand.
  5. Warum Kinder Religionsunterricht bekommen müssen (Spiegel Online 9.10.16). Geschilder wird die Situation am Gymnasium: Für die Kinder der Autorin gibt es keinen Philosophie-Unterricht, nicht aus Unwillen der Leitung, sondern weil entsprechende Lehrkräfte fehlen und die Schule notorisch unterfinanziert ist. Die Frage lautet also: Religion oder Belegung eines anderen Fachs in einer Parallelklasse. Für manche Eltern ist Letzteres die Best-Case-Variante, als Gratis-Nachhilfestunden in Mathe. Aber für die Autorin unterscheidet sich ein religiös motiviertes Kneifen vorm Religionsunterricht letztlich in nichts von dem Verhalten muslimischer Eltern, die ihrer Tochter verbieten, am Sport- oder Schwimmunterricht teilzunehmen. Schule bedeute demnach auch, sich mit Themen auseinanderzusetzen, die einem unangenehm oder lästig sind.

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