Der EU-Drache spuckt wieder Feuer

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dragon-253540_640Drago heißt Drachen auf italienisch, Mehrzahl draghi (Bild: Josch13). Draghi heißt auch ein italienischer Politiker, der die EZB (Europäische Zentralbank) als Bankenlobbyist führt.

In Infrastruktur-Infragestellung geht wissenbloggt auf die Reichtumspflege und Bankenbeglückung ein, die der Drachenmann uns bringt. Andere Stimmen sind auch ziemlich kritisch, wie DIE WELT vom 17.9. Verbriefte Kredite – EZB will Papiere kaufen, die sie für Schrott hält: Denn nach Informationen der "Welt" wird unter den Entscheidungsträgern der Notenbank erwogen, auch ABS-Papiere zu kaufen, die man sich im Eurotower bislang nicht anzufassen traute. In der Diskussion sei auch der Aufkauf von Kreditverbriefungen, die die EZB bislang nicht einmal als Pfand für Darlehen an Banken akzeptiert hat, sagten mit den Debatten vertraute Personen.

Draghi wird's schon richten. Das schaufelt die Risiken von den Banken in die EZB und macht die EZB endgültig zur bad bank. Diese Vorstellung hat den Independent schon am 26.8. zu der Aussage verleitet, Markets prepare for money taps to be turned on in the eurozone – die Märkte erwarten, dass die Gießkannen rausgeholt werden. Es regnet Geld für die Banker.

Die Süddeutsche Zeitung äußert denn auch Kritik, Kauf riskanter Wertpapiere – Draghis gefährliche Notbremsung (4.9.). Dort werden die Draghi-Pläne diskutiert,  vielleicht steckt ja dahinter die Spekulation, die Ankündigung würde nochmal statt der Tat wirken? (Ergänzung wb.)

In der SZ vom selben Tag äußert sich Jan Willmroth noch kritischer in Die Gewinner des Geldsegens (nicht online): Wenn Notenbanken Wertpapiere kaufen, profitieren vor allem Reiche. In dem Artikel werden ein paar Schlagworte aufgeführt, deren Übersetzung wir gleich mitliefern:

  • "unkonventionelle Maßnahmen" = Gesetzesbruch
  • "Lockerung des Quantitative Easing" (QE) = verbotener Kauf von Wertpapieren

QE treibt die Preise von Vermögenswerten wie Aktien und Anleihen hoch, und davon profitieren empirisch eindeutig die oberen paar %. Schon deshalb, weil sie am meisten davon besitzen, profitieren sie am meisten, d.h. die Reichen kriegen noch was obendrauf. Die Eigner von Finanz- und Immobilienvermögen sind die größten Nutznießer der Notenbankpolitik. Das drückt sich auch darin aus, dass die Median-Vermögen in den USA wie in Deutschland sinken, bei zunehmenden Durchschnittsvermögen. Die Ungleichheit wächst, die Reichen gewinnen, die Armen verlieren, das alte Spiel geht weiter, sehe auch Neiddebatte aufgewärmt.

Das darf eigentlich nicht sein, möchte man meinen, und die kritischen Stimmen bestärken das. Am 7.9. brachte die SZ einen Gastbeitrag zum ESM "Der Rettungsfonds  ist rechtswidrig". Der Wirtschaftsprofessor Gunnar Beck wälzt das 700-Milliarden-Problem: Der ESM institutionalisiert den Verfassungsbruch, doch wird das Verfassungsgericht sich und den Wähler ernst nehmen? Aus dem Inhalt:

Laut Verfassungsgericht ist de Währungsunion nur als Stabilitätsunion konform zum deutschen Grundgesetz. Das erlaubt keine Aushebelung der Stabilitätskriterien  und keinen Haftungsautomatismus. Genau das führt die EZB aber ein, und damit liegt automatisch ein Verfassungsbruch vor. Zudem verbieten die EU-Verträge eine Staatsfinanzierung über die Notenpresse, inclusive staatlicher Kreditaufnahme und Verkauf von Regierungsanleihen an die EZB. Aber dem ESM wird gestattet, was der EZB gemäß Vertrag untersagt ist: der direkte Kauf von Staatsanleihen, die  Gewährung von Staatskrediten, die Rettung insolventer Banken.

In einem anderen, nicht onlinenen Artikel der SZ werden die Kosten zumindest teilweise beziffert: Zum Schaden der Sparer – Wie die Europäische Zentralbank die deutschen Anleger um 40 Mrd. Euro bringt (8.9., der Artikel ist  anders als der gedruckte Artikel, mit Teilen, die Draghis Hintergrund beleuchten, siehe das wb-Referat über einen Gunnar-Beck-Artikel vom 2.6. Euro-Probleme gehen in die nächste Runde:

Noch viel mehr Kumpanei gibt es zwischen Draghi und den Bankern. Das entnimmt man einem hochinteressanten Artikel von Gunnar Beck in der Süddeutschen Zeitung vom 2.6., Draghis Wille geschehe (nicht online). Da wird zusammengefasst, wo die Verdachtsmomente liegen, dass Draghi den Sozialismus für die Kapitalisten befördert. Das entnimmt man seiner Vita; er hat über 30 Jahre hinweg engste Verbindungen zu führenden US-Investmentbanken. Es lohnt sich, genauer drauf einzugehen.

Und warum das Ganze? Als Handlungsgrundlage wird letztlich die Notwendigkeit gesehen, die Banken zu retten – immer noch. Darüber schreibt der Physiker Didier Sornette in der SZ vom 6.9. (nicht online): Viele Banken in Europa sind Zombies, also künstlich am Leben erhaltene Institute (siehe auch Overbanked – die Zombies grüßen).

Sornette findet den derzeitigen sogenannten Aufschwung bemerkenswert, weil er ohne reale Produktionszuwächse stattfindet. Vor allem für die Banken habe das einen künstlichen Charakter, sie erlebten gerade ein Zeitfenster mit Zugang zu extrem billigem Geld. Dadurch werde besonders in Europa die Marktverzerrung extrem. Normalerweise würden die Banken dafür entlohnt, die Ausfallrisiken längerfristiger Kredite zu übernehmen, derzeit vergäben sie aber vor allem EZB-garantierte Kredite an Länder. D.h. sie verdienen völlig risikolos Geld, und das ist werder logisch noch moralisch. Die Erklärung ist das Zombietum, viele Bilanzen sind immer noch voll von toxischen Wertpapieren.

Viele Banken in Eiropa sind Zombies, die künstlich am Leben erhalten werden, indem man ihre Vermögenswerte falsch berechne oder verstecke. In den vergangenen 5 Jahren hätten sich Banker und Politiker im "kreativen Verstecken" geübt, und genau das passiere gerade wieder. Mit dem risikolos verdienten Geld schafften die Banken es, wertlose Kredite zu halten, die sie eigentlich abschreiben müssten. Sornette liefert eine Schätzung, nach der 40% der europäischen Banken nicht gesund sind.

Dass die Notenbanken auf jede Krise mit der Notenpresse.reagieren, habe skandalöse Konsequenzen, nämlich die Bestrafung die unteren 80% der Verögensverteilung. Wir stabilisieren das System auf Kosten der Armen, so Sornettes Fazit.

Der EU-Drache spuckt wieder Feuer, und kein Ritter ohne Furcht und Tadel bändigt ihn.

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Eine Antwort auf Der EU-Drache spuckt wieder Feuer

  1. Wilfried Müller sagt:

    Draghi macht es tatsächlich wahr. Der Drache lässt sich nicht beirren bei der Ausplünderung der Euro-Allgemeinheit. Die faulen Risiken werden den Banken abgekauft und der Allgemeinheit aufgeladen. Noch ein Billionenpaket zur Bankenbeglückung. Die SZ schreibt am 2.10. Europäische Zentralbank EZB kauft künftig auch Ramschpapiere: Zusammen mit dem jüngsten Kreditprogramm der EZB möchte Draghi durch die Ankäufe in den nächsten zwei Jahren bis zu eine Billion Euro in den Markt pumpen. So soll die Kreditvergabe in der Eurozone angekurbelt werden. Banken können über den Verbriefungsmarkt ihre Kredite verkaufen und erhalten dadurch genügend Kapital, um frische Darlehen zu vergeben.

     

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